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EDITORIAL

Kultur stiftet Identität. Kultur ist Basis unserer Zivilisation. Der Erhalt von Qualität und Vielfalt der Theater- und Orchesterlandschaft ist ein notwendiger Schritt auf diesem Weg in die Zukunft!

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich war dabei – und mit mir mehr als 1.000 begeisterte Zuschauer – bei der Weltpremiere in Schwerin. Die Schlossfestspiele Schwerin bieten „Der Bajazzo“ im Theaterzelt. Das hat es noch nie gegeben, die Oper in einem realen Umfeld, denn sie spielt im Zirkus. Das Mecklenburgische Staatstheater hat mit dem Zirkus Roncalli, seinem Chef Bernard Paul und einigen hervorragenden Artisten Partner gewonnen, wie sie nicht besser zu finden sind. Regisseur Peter Lotschak gelingt es, die Sänger und Artisten in der Zirkusmanege, inmitten des Publikums, zu inszenieren. Die Chöre werden dabei zum Teil des Publikums. Die Sopranistin Eva Lind, in der Rolle der Nedda in der Manege, erzählte unserer Autorin Karin Gustmann über „die sehr spezielle Situation“, in der Manege wie auf

dem Präsentierteller zu stehen und von allen Seiten gesehen zu werden (Seite 17). Generalmusikdirektor Matthias Foremny nimmt damit nach zehn Jahren seinen Abschied aus Schwerin (Seite 22). Bei der Premiere des Bajazzo dankte das Publikum ihm auch für sein Gesamtwirken als GMD und Operndirektor mit stehenden Ovationen. Sicherlich, man sitzt in jedem Opernhaus bequemer als auf den Zirkusbänken, aber man bekommt nicht das geboten, was die Schlossfestspiele 2012 darstellen – großes „Kino“. Und auch daran ist wieder einmal fest zu machen, dass es besonders lohnt, das Mecklenburgische Staatstheater in seiner kreativen und darstellerischen Vielfalt zu erhalten. Auch wenn der Ressortminister bei der Premiere nicht zu

Foto: DELEGO

entdecken war, er hat genau wie Sie noch bis zum 22. Juli die Möglichkeit, sich von der Schutzwürdigkeit zu überzeugen. Der Kultursommer in Mecklenburg-Schwerin bietet noch Einiges mehr. Anregungen dazu finden Sie in unserem Magazin. Hervorheben möchte ich die Konzerte der „Ludwigsluster Klassik“ im Rahmen der Festspiele MecklenburgVorpommern (Seite 100).

Auch sonst wünsche ich Ihnen eine unterhaltsame Lektüre der Sommerausgabe unseres Magazins, verbunden mit einem schönen und erlebnisreichen Urlaub, am besten in unserem Land, Ihr

Detlev Lüth

Die nächste Ausgabe erscheint im Oktober 2012

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Zoozeit das ganze Jahr ...

Die Mama ist immer dabei

Kuscheln in Familie ...

Affenliebe

... und jetzt den tierischen erleben! Taxi-Mama

©GaulkeDesign Fotos: E. Hellmich

Jeden Tag gibt es viel im Schweriner Zoo zu entdecken. Vor allem der jüngste Nachwuchs bei den Kattas, Giraffen, Nasenbären, Wasserschweinen, Faultieren, Zwergziegen und bei den Wildschweinen verspricht ein tolles Zooerlebnis. "Klein Madagaskar" am Rande der Vogelwiese ist der Spielplatz für die Kattas. Das Familienleben der Kattas ist sehr ausgeprägt und fürsorglich umsorgt die Katta-Mama ihre Zwillinge. Die große Zoowiese haben die Präriehunde belegt. Unter der Erde haben sie sich ein weit verzweigtes Tunnelsystem gebaut. Tagsüber zeigen sie sich dem Zoobesucher bereitwillig. Die Präriehundfamilie hat sich zur Großfamilie entwickelt. 10 Jungtiere wurden schon gezählt – es können auch mehr sein, so Zoodirektorin Dr. Häfner. Unter den wachsamen Augen der Mutter hat sich auch unser Nasenbärennachwuchs entwickelt. Sie sind ständig auf Achse, üben klettern und stecken wie Mama ihre Nase überall rein. Unseren jüngsten Zugang, die Giraffenkuh "Lifty" können Besucher auf der großen Außenanlage beobachten. Schneller als erwartet, wurde sie von der Giraffenfamilie aufgenommen. Im tropisch warmen Humboldthaus erwarten Sie exotische Südamerikaner wie Aras, Ameisenbären, Faultiere, Reptilien und Amphibien. Mit etwas Glück können die Besucher das Faultierjungtier am Bauch der Mutter entdecken. Erleben Sie die Ameisenbären "Felice" und "Carlos", die seit einigen Tagen gern ein erfrischendes Bad im Teich auf der Außenanlage nehmen. Das Alpakajungtier springt bereits auf sicheren Beinen durch das Gehege. Im Zookindergarten auf der Südamerikaanlage können Sie das Alpakajungtier gemeinsam mit dem Wasserschweinnachwuchs sehen. Einträchtig, fürsorglich und liebevoll erleben Sie eine tierische Wohngemeinschaft.

Erst mal probieren ... Warm und weich

Tierpaten gesucht! Nasenbären, Alpakas, Kattas und viele andere Exoten freuen sich über einen Tierpaten! Unsere Mitarbeiterin Frau Mohnwitz informiert Sie gerne. Tel.: 0385 - 39551-32

Bequem den Zoo erleben Ab sofort mit dem GolfCar den Zoo entdecken – eine exklusive, mobile Zoorundfahrt für 8 Personen. Stopps an den Tieranlagen. Kaffee und Snack an Bord!

Feiern im Humboldthaus Text Sie wollen mit Ihren Mitarbeitern, Freunden oder Familienangehörigen einen besonderen Abend erleben? Dann kommen Sie mit Ihren Gästen ins exotische Humboldthaus. Für entsprechendes Catering sorgen wir, auch eine Führung durch das Haus ist möglich. Anmeldungen (max. 30 Personen) bitte unter Tel.: 0385–39551-19

Veranstaltungstipps 07. Juli Zoo Sommernacht Lichterfest und klassische Musik bis 21 Uhr

28. Juli 13 - 17 Uhr, 29. Juli 11 - 17 Uhr Traditionelles Indianerfest Mit spektakulären Stunts vor authentischer Kulisse

14. Juli 10 - 17 Uhr „Wie zu Großmutters Zeiten“ Erlebnistag auf Bauer Lehmanns Hof

04. August 13 Uhr Zuckertütenfest für Schulanfänger

15. Juli 10 - 18 Uhr Elefantenbesuch zum Sommerfest mit der SVZ Erste Dschungel Party

01. September 13 - 17 Uhr Seniorennachmittag Kaffeekränzchen auf Bauer Lehmanns Hof

Mal andere Gesichter sehen ...

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Titelbild: Die österreichische Sopranistin Eva Lind in der Rolle der Nedda bei den Schweriner Schlossfestspielen Foto: Silke Winkler/Mecklenburgisches Staatstheater

INHALT 4 Wo de Möwen schriegen Küstenvögel in Mecklenburg

28 Pfannkuchen von süß bis herzhaft 33 Wie Marinus Bolten nach

8 Jeden Tag Urlaub Der Kapitän vom Dobbertiner See

10 Middenmank Wohnen in der Griesen Gegend

12 Ein Apache in Mecklenburg Vom Jungentraum zum Beruf

17 Der Bajazzo Oper im Zirkuszelt

18 Das ist Jeppe... Die Inszenierung der Kulturkate Lübtheen

24 Ost trifft Westbruder Eine Begegnung der besonderen ART

26 Ganz oder garnicht

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64 Jetzt fahr’n wir übern See Stadtrundfahrt auf dem Wasser

Boltenhagen kam In Natur und Geschichte eintauchen

80 Sesshaft werden, sich verwurzeln

Auf dem Kloster-Zisterzienser-Lilienweg

ab 88 Automobil 96 Ausgelesen von Astrid Kloock

42 Fünf Jahre „Seenlandkunst“ Das Sommerfestival und sein Spiritus Rector

44 Is dat all so wiet? Manfred Brümmer geht in Rente

46 Die Künstlerin Eva Güthoff fand ihr Paradies in Eickhof

50 Antike trifft Gegenwart 200 Jahre Landgestüt Redefin

56 Urlaubs- und Freizeitangebote Regionalmarketing

Selbstversorgung aus dem Garten

Impressum

97 Lese-Lust auf Mecklenburg 98 Ludwigsluster Klassik Musikalische Traditionen aus M-V bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern

101 Klassik und neue Akzente Die Spielzeit 2012/13 am Schweriner Theater

104 Veranstaltungen

Gespräch mit Peter Maffay MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

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NATUR

Wo de Möwen schriegen… Küstenvögel in Mecklenburg

Vorweg dieses: Bereits in den 2oer Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es eine Art Occupy-Bewegung. Darunter litt vor allem eine Frau, die in Barth geboren und Zingst bestattet wurde. Sie hieß Martha MüllerGrählert.

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NATUR

Mittelsänger nisten in Erdhöhlen an der Küste, vor allem auf Inseln wie Langenwerder oder der Fährinsel bei Hiddensee.

Von Martha Müller-Grählert stammen die später nicht nur national sondern auch international okkupierten Zeilen eines Gedichtes, aus dem mit Hilfe von Simon Kranig aus Thüringen in der Stadt Zürich ein Lied wurde. Das wurde von Deutschen weltweit gern und häufig gesungen, nämlich „Wo de Nordseewellen trecken…“ usw. Natürlich hieß es im Original „Wo de Ostseewellen trekken an den Strand, und dort, „grell in´t Stormgebrus“ sollten auch „de Möwen schriegen“! Aber es dauerte bis 1936, und es brauchte etliche Prozesse, ehe der Dichterin, die drei Jahre später verarmt starb, das Urheberrecht endgültig zuerkannt wurde. Nutznießer waren andere! Den Möwen an Ost- und Nordsee war dies naturgemäß völlig egal. Sie hatten und haben eigene Probleme. Und nicht nur sie sondern auch andere Vögel, die eigentlich unverzichtbar ans Meer und den Strand, an Dünen und Salzwiesen gehören. Das sind jene Gefiederten mit den langen Beinen und langen Schnäbeln, die Schnepfenvögel und Strandläufer, die Kampfläufer und Wasserläufer. Zumeist Vögel seltsamer Gestalt und sonderlichen Verhaltens, den Urlaubern aus den Städten ganz und gar unbekannt. Als Brutvögel bei uns schon selten geworden, bekamen sie in den Bemühungen des allgemeinen Naturschutzes in Mitteleuropa auch an Nord- und Ostsee etwa zur gleichen Zeit, als man von Mit langem Schnabel stochert der Schnepfenvogel Bekassine nach Nahrung.

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Martha Müller-Grählert die Ostseewellen okkupierte, erste Schutzgebiete zugewiesen. An unseren Ostseeküsten waren das meist kleine, nur extensiv genutzte Inseln und Salzrasenflächen, in der Wismarbucht, auf Zingst oder um Rügen. Da war und ist wirklich noch Möwenschrei zu vernehmen. Von der Vogelinsel Langenwerder, auf der tausende Sturmmöwen ihre Nester haben, fliegen die sturmerprobten Vögel vor allem gern zu den Äckern der größeren Insel Poel oder zum Festland, um Würmer und Kerfe zu sammeln. Im Frühjahr rasten dort für ein paar Wochen die dunklen, nordischen Meeresgänse mit den weißen Halbringen an den schwarzen Hälsen, die ihnen den Namen Ringelgänse gaben. Sie ernähren sich vorzugsweise vom Seegras Zostera und äsen frische Gräser auf Langenwerder. Ihrem Ruf nach nannten die Poeler Fischer sie „Rott-Geus“. In farbiger Pracht tauchen zwischen ihnen im weißen Gewand mit breiten, rostroten Brustbändern und dunkelgrünen Köpfen die Brandgänse auf. Sie tragen auffällig leuchtendrote Schnäbel, die bei den Gantern zudem mit einem kräftigen Höcker geschmückt sind. Brandgänse nisten unterirdisch in Höhlen. Ursprünglich in verlassenen Fuchsbauten – daher auch ihr Name „Fuchsente“ – oder in Kaninchenhöhlen. Weil jedoch beides auf der Vogelinsel Langenwerder fehlt, bieten die  Der Säbelschnäbler mutet fein und exotisch an, nistet aber auch bei uns im Salzrasen.

Der Rotschenkel nistet bisweilen in den feuchten Salzwiesen von Poel.

Mittelsängermann vor einer Welle im Morgenlicht. Ruhegesellschaft vor Poel – Austernfischer und Brandgänse auf einer Schotterbank.

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NATUR

Ein Großer Brachvogel bei der Kleinmuschelsuche im Flachwasser.

Die schönen Brandgänse nisten in Höhlen an der Küste. Dies ist ein Ganter.

betreuenden Naturschützer den Vögeln schon seit Jahrzehnten künstliche Höhlen an. Gleiches gilt übrigens auch für die Mittelsäger, bunte Tauchvögel der Ostsee, deren turbulente Balzspiele in der Wismarbucht zu erleben sind. Aus Schutzgründen sind Vogelinseln wie Langenwerder im Westen oder Böhmke und Werder im Osten unseres Landes für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Aber all jene geschützten Vogelarten, die dort brüten und ihre Jungen aufziehen können, treffen wir ja fliegend und laufend ,schwimmend oder auf Steinen und Buhnen ruhend, auch an und vor unseren Stränden. Wenn wir Glück haben, erleben wir gar, wie eine hassende Schar von Sturmmöwen einen gewaltigen Seeadler verfolgt, der im Flachwasser vor den Salzwiesen einen Pfeiferpel geschlagen hat. Auch eine Möwenhochzeit muss keine Seltenheit sein. Ihr geht ein relativ langes ritualisiertes Paarungsverhalten voraus, bei der ein Möwenmann seine künftige Braut mit einem ausgewürgten Speiballen köstlicher Nahrung zu verführen sucht. Meist erfolgreich! Es sind aber vor allem nicht die Sommerwochen, in denen die Küsten unseres Landes höchst unterschiedliche Begegnungen mit See- und Strandvögeln ermöglichen. Fast spannender sind die Zeiten des Vogelzuges, vor allem im Spätsommer und Herbst. Über

Alpenstrandläufer suchen Nahrung im angeschwemmten Seegras.

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Vereinte Möwen sind ein streitbares Volk. Hier schlagen die Sturmmöwen von Langenwerder den alten Seeadler in die Flucht.

Kranich- und Wildgänsezug soll hier gar nicht geschrieben sein. Das ist bekannt genug. Aber es finden sich an den langen und nahrungsreichen Stränden viele andere durchziehende Gäste ein, die oftmals ganz und gar ohne Scheu sind. Sie stammen aus Regionen des Nordens und Ostens, wo sie Menschen nicht als Feinde erleben mussten. Und so trippeln uns die hellen Sanderlinge fast ebenso vertraut bis fast vor die Zehen wie Strandläufer und bunte Steinwälzer. Aber auch die seltsam exotisch anmutenden Säbelschnäbler mit ihren langen blaugrauen Beinen und ihrem schönen schwarzweißen Gefieder und den nach oben gebogenen Schnäbeln können uns entzücken, obwohl sie nicht so vertraut sind. Sie haben ja irgendwo auf einer unserer Salzwiesen ihre nestflüchtenden Jungen aufgezogen. Und wer ganz und gar nicht fehlen darf im großen Reigen dieser Limikolenarten, das sind der auffällig kräftig schwarzweiß gezeichnete Austernfischer mit seinen knallroten Beinen und ebensolchem Schnabel, der Große Brachvogel mit seinem melodischen Flötenruf aus gebogenem Schnabel und die kleinen Bekassinen, jene Schnepfen, die mit ihren langen Schnäbeln in Schlick und Flachwasser stochern. Wochenlang können sie uns erfreuen, bis im späten Herbst dann nur noch die Möwen „grell in`t Stormgebrus schriegen“ werden. Text & Fotos: Wolf Spillner

Der Sanderling im Winterkleid ist Gast aus dem hohen Norden.

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NATUR

Jeden Tag Urlaub Hans-Jürgen Müller ist der Kapitän vom Dobbertiner See

Kloster Dobbertin am gleichnamigen See.

Ohne sein Fernglas geht Hans-Jürgen Müller nicht an Bord. Obwohl der Käpt‘n der MS Condor das Ufer seines Fahrwassers auch mit bloßem Auge sehen kann und er jede Untiefe, jede Uferzone kennt. Seit 15 Jahren schon schippert er auf dem Dobbertiner See, der sich fast wie ein Fluss über die Länge von 5,4 Kilometern durch die Landschaft schlängelt. Breit ist er auch nur höchstens einen Kilometer. Trotzdem finden viele Fahrgäste den Weg auf sein 50 Personen fassendes Schiff, das Müller drei Jahre lang mit eigenen Händen aufgebaut hat. Für den Metallbauer und studierten Werkstoffkundler kein Problem. Auch das Pauken fürs Patent nicht, denn er ist ein richtiger Kapitän – für Binnenseen und die Ostseeküste. Seine ersten Touren fuhr Hans-Jürgen Müller auf dem Krakower Obersee, bis er 1997 in Dobbertin zum ersten Mal in See stach. Seitdem legt er von April bis Oktober mindestens drei Mal am Tag am Neuen Hafen ab. Und nimmt im Gauden Haven, direkt am berühmten Dobbertiner Kloster gelegen, Gäste für seine etwa eineinhalbstündige Rundfahrt auf. Das sind nicht nur Naturfreunde, die die Schön-heiten des Naturparks Schwinzer Heide, zu dem das 1220 von Benediktinern gegründete Kloster gehört, entdecken wollen. Vor allem kommen viele an der Vogelwelt Interessierte und Fotografen an Bord, denn Müller ist beides: Kapitän und leidenschaftlicher Ornithologe. Deshalb auch das Fernglas. Er sieht und er kennt jeden Vogel auf „seinem“ See, den er übrigens als einziger mit Dieselmotorkraft befahren darf. Die anderen müssen paddeln, rudern oder einen Elektromotor nutzen, damit die Vögel nicht gestört werden. Und da hat der Dobbertiner See einiges zu bieten. Hans-Jürgen Müller gerät immer wieder ins Schwärmen, wenn er die Arten aufzählt: Seeadler, Fischadler, Eisvogel, Pirol, Rohrdommel und Rohrweihe, Pfeif- und Kolbenente, Wildgans, Kormoran… 8

Hans-Jürgen Müller ist Kapitän und Ornithologe.


NATUR Selbst wenn der Seeadler seinen Futterplatz gerade mal nicht aufsucht und als Fotomodell posiert, macht Kapitän Müller mit seinen Geschichten die Fahrt spannend. Wer wusste schon, dass der Seeadler nicht nur Eier und Vögel frisst, sondern sich auch an einem Rehkitz versucht. Oder, dass die Fischadler weit in der Welt unterwegs sind. Einer „seiner”, so der Ornithologe, sei sogar in Australien gesichtet worden. Verschmitzt erklärt er seinen Passagieren, warum die einstige Kormoran-Insel inzwischen wieder richtig grün ist. Seine MS Condor habe die Kolonie aufgelöst, weil sie die Fischräuber und Baumtöter dezent verscheucht hat. Überhaupt nimmt der Käpt‘n sich viel Zeit für Gespräche mit seinen Gästen. Und er sorgt auch für ihr leibliches Wohl: Legende sind schon die von Ehefrau Dorit frisch gebackenen Kuchen, die Schiffsstewardess Cornelia Wölk zum Kaffee serviert.

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Von der MS Condor aus zeigt Hans-Jürgen Müller seinen Gästen ein Naturparadies, ein selten gewordenes Idyll, und vermittelt nebenbei, wie er selbst für seinen See lebt. Wenn er nicht auf ihm unterwegs ist, ist er im Gemeinderat für seinen Schutz aktiv. Und weil das so ist, brauche er im Sommer auch keine Ferien, sagt Hans-Jürgen Müller. „Ich mache hier doch jeden Tag Urlaub.” Nur die Angler auf dem Dobbertiner See beneidet er ein wenig.„Das würde ich auch gern machen, aber dafür reicht die Zeit nicht. Denn in der einstigen Wassermühle von Dobbertin haben er und seine Frau eine Ferienanlage errichtet, das Inselhotel, in dem er unter anderem seine sehr beliebten Räuchershows zelebriert. Manchmal startet die MS Condor auch zu Abendfahrten. Dann lädt der Käpt’n nicht nur zum See-Schauen und Grillen, sondern auch zu einer spannenden Führung durch das alte Benediktiner-Kloster ein. Text & Fotos: Birgitt Hamm Auch den Seeadler kann man bei der Rundfahrt sichten und fotografieren.

Radwanderer haben ihre Fahrräder am Gauden Haven direkt am Kloster für eine eineinhalbstündige Rundfahrt zurückgelassen.

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GASTGEBER

Die Vier vom Ferienhof: Britta Paarmann, André Schuldt, Hannes und Enno.

Foto: Wolf Spillner

MIDDENM A N K Sie heißen Britta und André, Hannes und Enno. Sie sind eine Familie und wohnen middenmank, zu hochdeutsch mittendrin, in der Griesen Gegend in Mecklenburg. Middenmank heißt auch der Ferienhof von Britta Paarmann und André Schuldt. Er liegt im schönen Dorf Glaisin, 15 Autominuten von Ludwigslust und eine knappe Stunde Autofahrt von der Landeshauptstadt Schwerin entfernt, ein Angebot für Singles, Paare und besonders für Eltern mit Kindern. Britta und André haben zwei Kinder. Hannes ist sieben, ein Schulkind, Enno anderthalb und schon ganz schön flink auf den Beinen. Die etwa einhundertfünfzig Jahre alte Bauernstelle auf dem Schnellberg haben sie vor einigen Jahren gekauft. Enno war noch nicht geboren, aber Britta 10

und André wussten sicher: Wir sind Mecklenburger und wollen in Mecklenburg bleiben. Mit ihrer Ausbildung hätten sie ihr Glück auch in der weiten Welt suchen können… Britta hatte auf dem Gymnasium in Ludwigslust ihr Abitur gemacht, in Rostock studiert und als Diplomingenieurin

für Landeskultur und Umweltschutz die Universität beendet. Ihr Mann André, gelernter Maurer, absolvierte in Klein Häcklingen/Niedersachsen den Zivildienst und studierte anschließend Architektur an der Hochschule Wismar. Beide haben sich für ein Leben in Mecklen-

burg entschieden. Sie meinen: Hier ist ihre Heimat. Wenn man sieht, was sie in ihrer Heimat geschaffen haben, gibt es keinen Zweifel daran. Ferienhof Middenmank – eine Entdeckung im platten Land. Das alte Bauernhaus und die StallunMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


GASTGEBER

Werkstatt im aufgeräumten Zustand.

Große Wohnung.

Blick von der Stube in den Schafstall.

Liebling der Kinder.

Schlafzimmer mit Elternbetten und Kinder-Schlafburg.

gen auf dem 4.300 m² großen Grundstück sind zu Ferienwohnungen umgebaut, sechs an der Zahl, unterschiedlicher Größe, 50 m² die kleinste, 80 m² die größte. Ausgestattet mit städtischem Komfort (Bad, Fußbodenheizung, Flatscreen). Das ist schön, aber nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich auf dem Ferienhof Middenmank ist die gelungene Symbiose von Alt und Neu. Die Bauherren haben den Charakter der bäuerlichen Häuser erhalten, ihren Grundriss, die Formate von Fenstern und Türen, die im 19. Jahrhundert so und nicht anders, nämlich funktional, gebaut worden sind. Damit haben sie die Tradition und Schönheit erhalten, die aus den alten Häusern spricht und ihnen mit sicherem Gespür die Erfahrungen der Moderne

hinzugefügt. Unter bäuerlichen Dächern von 1850 das Design des 21. Jahrhunderts - die Möbel einfach und streng; Wände, Decken und Balken weiß, hellgrau, dunkelgrau und schwarz gestrichen, farblebendig, ohne zu schreien; überraschende Einfälle inklusive. Zum Beispiel die Kinderbetten, als Raum im Raum aus groben Bohlen gearbeitet, dunkelgrau angemalt, eine Trutzburg, durch Luken mit der Elternwelt sowohl verbunden wie getrennt. Kinder lieben Höhlen, ihren Rückzugsort für Schlaf, Phantasie und allerlei Ritter- und Monsterspiele. - Oder das Kuschelgefühl. In Middenmank schlafen die Schafe - wie früher - mit den Menschen unter einem Dach. Aus einigen Wohnungen gibt es ein Guckloch in der Zimmerwand direkt in den

Stall. Man kann den wolligen Damen Timmy, Shaun und Birkan Gute Nacht sagen und danach in der eigenen Schlafburg kuscheln.

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Das Draußen in Middenmank ist schier unendlich. Wiesen, Obstbäume, Holzdiemen, meterlang, Palisadenzäune, das Kinderland mit einem Sand-Erlebnis-Bereich für die Kleinen, der Angelsteg am angrenzenden Bach für die Größeren, eine Werkstatt für die Kleinen und die Großen, eine Sauna. Und hinter dem Zaun um die 4.300 m² Ferienhof Middenmank beginnt die große Freiheit, die erst am Horizont zu Ende ist. Vor zwei Jahren haben Britta und André mit dem Ausbau begonnen. Idee und Bauentwurf sind eigene Leistung. Auch die Möbel

haben sie selbst entworfen und gearbeitet. Für die Maurer-, Dachdecker-, Elektro- und Heizungsarbeiten hatten sie Firmen aus der Umgebung verpflichtet. Ihre Gäste kommen aus ganz Deutschland. Für die Sommermonate und die Ferienzeit sind alle Zimmer ausgebucht. Ferienhöfe gibt es viele. Middenmank ist einer von den besonderen. Warum? Weil hier zwei Menschen mit Herz und Verstand ihre Vorstellungen vom Leben verwirklichen und sich dabei hohe Maßstäbe setzen, sowohl für die kleine Gemeinschaft in der Familie als auch für die Gemeinschaft im gesellschaftlichen Umfeld. Astrid Kloock Fotos: Ferienhof Middenmank

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ERLEBNIS

Der „Apache“ springt mit seinem Pferd durch einen brennenden Planwagen. Für solche Kunststücke muss ein Pferd gut ausgebildet sein.

Ein Apache in Mecklenburg Wolfgang Kring machte seinen Jugendtraum zum Beruf Ein wunderschöner sonniger Tag, eine idyllische Landschaft und grasende Pferde auf einer frischen grünen Weide. Ein Indianer kommt im schnellen Galopp angeritten. Doch dann dreht er ab und nimmt aber noch einmal Kurs auf das Pferd, das eine Indianerin am Zügel hält. Mit einem gewaltigen Satz springt seine Stute über das stehende Pferd. Der Indianer, der mit zivilem Namen Wolfgang Kring heißt, reitet ohne Steigbügel und ohne Sattel. Mit der sprungkräftigen Stute Chahee, die sich noch in der Ausbildung befindet, und der Stute Madonna hat er diesen äußerst schwierigen Sprung mit über 1,65 Meter Höhe kürzlich in sein Programm aufgenommen. Vom Leben auf dem Bauernhof geprägt Wolfgang Kring wurde 1951 in Plau am See in Mecklenburg geboren. 1960 zogen seine Eltern mit ihm in die Nähe Berlins, wo er bis 1987 lebte. Seine eigentliche Heimat aber blieb der Bauernhof der Großeltern in Neu Damerow, den er immer wieder besuchte und auf dem er seine 12

Abenteuerlust und Naturverbundenheit ausleben konnte. Heute lebt er wieder in Neu Damerow und besitzt sieben Stuntpferde. Kring liebt die Tiere und ist sehr vertraut mit ihnen. Er brauchte keinen Ausbilder für seine Pferde, denn schon von Kindesbeinen an interessierte er sich für das Leben der nordamerikanischen Prärieindianer und ihrer Pferde. Auf dem Hof der Großeltern hatte er guten Kontakt zu Tieren. Als Kind mochte er Indianerfilme und -bücher und bewunderte den Indianer der DEFA-Filme Gojko Mitic. Sein Kontakt nach Neu Damerow brach nicht ab und 1980 begann Wolfgang Kring das Bauernhaus seines Großvaters umzubauen. „Dass ich eines Tages Shows veranstalten würde, war nicht geplant. Ich war immer naturverbunden und ein begeisterter Indianerfan. Während der Bauarbeiten am Haus kam der Bürgermeister, der mich bei meinen Reitkünsten und beim Messerwerfen beobachtet hatte. Ich sollte doch mal im Ferienlager für die Kinder etwas vorführen“, erzählt er und begründet damit den Beginn seiner Karriere.

Foto: Privat

Indianische Shows und harte Arbeit Seit 1985 veranstaltete der gelernte Schlosser und Maschinist Shows mit einem Pferd, das er als Fohlen gekauft und ausgebildet hatte. Er zeigte seine Reitkünste in selbst gefertigter Indianerkleidung auf Dorffesten und in Kinderferienlagern. Schon im Jahr 1986 erhielt er seine Einstufung als Amateurartist und machte damit seine Jugendträume zum Beruf. Heute ist er Stuntman und Reittrainer. Das bedeutet aber auch harte Arbeit. So bewirtschaftet Kring 20 Hektar Land, um Futter und Stroh für die Pferde selbst zu erzeugen. Er fertigt das Sattelzeug für die Pferde an und pflegt auch ihre Hufe. Dazu kommt die Vermietung von zwei Ferienwohnungen an Gasturlauber, die zum Teil schon seit zehn Jahren zu ihm kommen. Mit seiner Partnerin Ilona hat er zehn originalgetreue Indianerzelte, so genannte Tipis, selbst angefertigt, die jeder für einen Abenteuerurlaub mieten kann. In all den Jahren hat sich sein Wissen über Lebensweise, Sitten und Gebräuche der nordamerikanischen Prärieindianer sehr erweitert. Gleich nach der Wende hatte der „Apache“ erste Auftritte im westlichen Teil Deutschlands, denn es sprach sich schnell herum, dass er sein Metier beherrscht und sehr gut mit Pferden umgehen kann und wie ein Indianer MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


ERLEBNIS ohne Steigbügel und Sattel reitet. Immer neue und schwierigere Vorführungen kamen im Laufe der Jahre dazu. Die vielen Knochenbrüche, die sich Wolfgang Kring dabei zugezogen hat, kann er kaum noch zählen. Der hochgewachsene durchtrainierte Mecklenburger war 12 Jahre hintereinander ein gefragter Teilnehmer der Karl-May-Festtage in Radebeul. Dieses Jahr ist er zum Jubiläum der Festtage wieder dabei. Es kamen Auftritte in Frankreich und der Schweiz dazu.

Wolfgang Kring macht mit dem Rappen Askan einen Steiger.

Partnerin Ilona hält die Stute Madonna am Zügel und Wolfgang Kring springt mit der Stute Chahee über das stehende Pferd. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Naturbühne auf eigener Koppel Aus einer Koppel hat er eine Naturbühne gestaltet, auf der in diesem Jahr an drei Wochenenden im Juli und August schon die 21.„Apache Live Show“ mit dem Titel „MCKenners Gold“ aufgeführt wird. Wolfgang Kring schreibt Jahr für Jahr ein neues Bühnenstück für 40 Akteure und 30 Pferde als abgeschlossene Geschichte. Inszeniert sie selbst, kümmert sich um Verpflegung, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit und spielt natürlich die Hauptrolle. Seine Partnerin Ilona, die ebenfalls mit ihm auftritt, hat viel Vertrauen zu ihm, denn er springt mit dem Pferd über sie, er wirft Messer nach ihr und setzt sie bei gefährlichen Stunts mit Feuer ein. Überall in Deutschland lernt er bei seinen Auftritten mit der „Apache-live-Show“ neue Indianerfans und andere Pferdeliebhaber kennen, die sich jeden Sommer mit ihren Pferden, Tipis und Wohnwagen auf seiner Ranch versammeln.

Die selbstgebauten Tipis.

Freizeitbeschäftigung füllt eine Scheune Erstaunlich ist, dass der Mann noch freie Zeit für andere Dinge hat. Beim Betreten der Scheune wird der Besucher in Erstaunen versetzt. Hier stehen die Requisiten für alle Shows, die er selbst gebaut hat. Das sind unter anderem drei Kanonen, Planwagen, eine Postkutsche, Römerwagen und vieles mehr. Im letzten Jahr war er durch das Kulturamt des Landkreises mit der Naturbühne als Kandidat für den Kulturpreis MecklenburgVorpommern vorgeschlagen worden, den er leider knapp verpasste. Verdient hätte er den Preis auf jeden Fall. Text & Fotos: Monika Käning

Schlussbild eines indianischen Ringtanzes.

Mitwirkender an der „Apache live Show“ Volker Arndt mit Stute Tashina.

Die Pferde werden für ihren Auftritt gestriegelt.

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ERLEBNIS

Willkommen

auf GUT VORBECK

Ankommen, durchatmen, wohlfühlen und aktiv sein Das Hotel – klein, gemütlich und mit ländlichem Flair.

Umgeben von einer naturbelassenen Landschaft, direkt an der Warnow gelegen, findet sich nur wenige Autominuten von Schwerin entfernt das Gut Vorbeck. Wer von Schwerin nach Rabensteinfeld und weiter über Godern nach Gneven fährt, erreicht schon wenige hundert Meter hinter dem Ortsausgang des kleinen Dorfes den Ort Vorbeck. Gleich hinter der Brücke, die über die Warnow führt, thront auf einer Anhöhe das ehemalige Gutshaus von Vorbeck, welches heute ein Bed & Breakfast Hotel ist. Schon auf den ersten Blick wird klar: Hier kann man mehr erleben als nur schlafen und frühstücken. Direkt am Ufer derWarnow liegen knallrote Kanus am Wasserwanderrastplatz. Ein Stück weiter lassen sich eine Stute und ihr Fohlen das frische Grün schmecken, ein Esel schaut neugierig zwischen den Zaunlatten hindurch. Fährt man durch die kleine Allee auf das Gutshaus zu, liegt rechter Hand eine große Reithalle, dahinter etliche Pferdeställe und Koppeln, was durch das laute Wiehern schnell auszumachen ist. Gäste, die ihren Urlaub aktiv gestalten möchten, sind hier genau richtig. Neben Reitstunden und Ausritten in die faszinierende Natur, Kutschfahrten, Bogenschießen sowie Kanuund Radtouren (auch mehrtägig) lassen sich die verschiedensten Arrangements - gerne auch in Kombination - buchen. 14

Von Vorbeck aus starten viele Kanutouren.

In direkter Nachbarschaft befindet sich die Anlage von WINSTONgolf. Perfekte Voraussetzungen also für erholsame und abwechslungsreiche Ferien. Das Gutshaus wurde 1912 auf den Ruinen des Vorgängerbaus errichtet und im Jahr 2010 komplett saniert. Das heutige kleine liebevoll ausgestattete Hotel verfügt über 20 stilvoll und individuell gestaltete Zimmer sowie eine geräumige, exklusiv eingerichtete Ferienwohnung. Von der großen Terrasse an der Südseite des Gutshauses haben die Gäste einen direkten Blick auf die Warnow. Das Team von GUT VORBECK serviert jeden Morgen ein deftiges und gesundes Landhausfrühstück. An der Rezeption können u. a. Fahrräder und Kanus ausgeliehen oder Startzeiten auf dem WINSTONgolf-Platz vereinbart werden. Schlicht, aber gemütlich sind die vier Finnhütten auf dem Gutsgelände, die jeweils bis zu acht Personen Platz bieten. In einem separaten Sanitärgebäude sind Duschen und eine Gemeinschaftsküche untergebracht - ideal für Wasserwanderer, Wanderreiter und Radler, die im Sternberger Seenland rasten möchten. Ein wahres Paradies für Pferde und Reiter ist die Landschaft entlang des Flusslaufs der Warnow. Die Reitwege führen durch schattige Wälder und über saftig grüne Wiesen. Mitarbeiter des Reitstalls vom GUT VORBECK bieten geführte Geländeritte, Westernreiten sowie individuellen Reitunterricht, auch auf dem eigenen Pferd. Rund 40 Hektar Land gehören zur Reitanlage, gut die Hälfte davon sind Pferdekoppeln. Mit Gast- und Pensionsboxen, Reit-, Spring- und Dressurplatz, einer

Reithalle und weitläufigen Weideplätzen genügt dieses Areal höchsten Ansprüchen. Bei Kanutouren auf der Warnow kann man mit etwas Glück Biber, Reiher oder sogar die scheuen Eisvögel entdecken. Die angebotenen Kanutouren dauern je nach Wunsch zwischen zwei und acht Stunden. Die Boote können direkt in Vorbeck oder am Oberlauf der Warnow eingesetzt werden. Für den Shuttle-Service sorgt das Team des Gutshofes. Wer eine längere Tour vor hat und kein eigenes Kanu besitzt, kann sich hier auch für mehrere Tage eins ausleihen. Die Golfplätze und Linksplätze in Vorbeck bieten einzigartige Möglichkeiten für Golfer aller Klassen.WINSTONgolf - eingebettet in die traumhafte Endmoränenlandschaft mit Seen, Flüssen und Wäldern - hält mit dem 18-Löcher-Meisterschaftsplatz WINSTONopen, dem spektakulären und prämierten 18-Löcher-Linksplatz WINSTONlinks und dem 9-Löcher-Golfplatz WINSTONkranich für jeden Golfer die passende Herausforderung bereit – im Urlaub oder bei einer einzelnen Partie. Gutes Essen ist Balsam für die Seele. Im „RESTAURANTkranichhaus", inmitten des Golfplatzes gelegen, werden saisonale und frische Köstlichkeiten angeboten. Mediterrane Spezialitäten, Pasta oder hervorragende Rindersteaks von norddeutschen Bauernhöfen serviert das Restaurant-Team in der Hauptsaison täglich von 7 bis 22 Uhr. Golfer können hier auch ihre Rundenverpflegung oder Turnierpakete bestellen. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


ERLEBNIS

Kutschfahrten führen auch zu WINSTONgolf.

Schlemmen und genießen auf Schloss Basthorst.

Ein erster Versuch – Minigolf für Kinder.

Beste Bedingungen für Reiter.

Etwa zehn Autominuten von GUT VORBECK entfernt befindet sich das historische Ensemble von Schloss Basthorst. Hier lädt eine große Sommerterrasse mit Blick auf den englischen Schlosspark und den angrenzenden Glambecksee zum Verweilen ein - bei Kaffeespezialitäten, hausgebackenen Kuchen und leckerem Eis oder kleinen Snacks. Das Schlossrestaurant offeriert montags bis mittwochs von 17 bis 21.30 Uhr und donnerstags bis sonntags von 12 bis 21.30 Uhr französische Kochkunst in raffinierter Kombination mit mecklenburgischer Traditionsküche.

Kutsch- und Kremserfahrten angeboten, die auch über den WINSTONgolf-Platz führten. Kinder konnten sich im Ponyreiten ausprobieren, auf der Hüpfburg toben, beim Bogenschießen unter Anleitung zielsicher ins Schwarze treffen oder Minigolf spielen. Pferdefans hingegen informierten sich über das gesamte Angebot des Reitstalls und natürlich über den Fortgang des Baus der neuen Reithalle und Pferdeboxen. Für den kleinen oder großen Appetit war ebenfalls gesorgt.

Die Freizeitangebote in Mecklenburg-Schwerin sind nahezu unbegrenzt: Paddeln, Segeln, Reiten, Radfahren, Abenteuer-Touren mit dem Jeep, Exkursionen in historische Städte oder zu Schlössern, traditionelle Jagdveranstaltungen, Expeditionen zu Biberburgen oder Wanderungen zu Plätzen, an denen sich die Kraniche zu ihrem Flug in das Winterquartier versammeln und vieles mehr. Das Team des Hotels hat etliche Tipps für seine Gäste parat. Zu einem Tag der offenen Tür hatte das GUT VORBECK am 6. Mai 2012 eingeladen. Es wurden MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Pon Senior Open: Das internationale Golfturnier in MecklenburgVorpommern Die European Senior Tour, eine der bedeutendsten europäischen Golf-Turnierserien, macht in diesem Jahr erstmals Station bei WINSTONgolf. Mit den Pon Senior Open findet vom 7. bis 9. September 2012 eines der höchstdotierten Turniere dieser Reihe statt. TopGolfspieler kämpfen um ein Gesamtpreisgeld in Höhe von 400.000 Euro. Austragungsort ist der 18-Loch-Meisterschaftsplatz WINSTONopen. Wer als Zuschauer dabei sein möchte erhält Informationen und Tickets auf www.ponsenior-open.de. Text & Fotos: Christine Mevius

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THEATER

Tanzen und spielen ehrenhalber Uwe Skowronek ist Statist am Schweriner Theater „Der Statist steht am Rande oder im Hintergrund des Geschehens und greift nicht in das eigentliche Geschehen ein. Statisten agieren vornehmlich in der Menge mit anderen und haben keine individuelle oder tragende Rolle.“ Diese Definition des Begriffs „Statist“ ist – obwohl aus einem modernen Medium (Wikipedia) – ziemlich angestaubt. Die Leiterin der Sta-tisterie am Schweriner Theater, Hannelies Höchl, sieht das völlig anders. Wenn sie von Uwe Skowronek, einem ihrer vielseitigsten Statisten, sagt: „Ohne Uwe geht die Tür nicht zu“, dann meint sie das absolut ernst und begründet es: „Bei uns haben die Statisten – Frauen, Männer, Kinder – mehr zu tun, als herumzustehen. Nicht nur die Schlossfestspiele wären ohne die 16

Statisterie nicht denkbar, auch in großen Opern- und Schauspielinszenierungen kommen sie zum Einsatz und sind aktiv auf der Bühne. “ Und das nicht nur im Hintergrund als Füllmasse. Ganz aktuell im Musical „Anatevka“ gestalten Herren der Statisterie die zwei großen Tanzszenen – eine davon ist äußerst

knifflig. „Das ist der ‚Flaschentanz’, da balancieren wir beim Tanzen Flaschen auf dem Kopf“, erzählt Uwe Skowronek, der die Laien-Tänzer anführt. Dieses Stück ist die 35. Produktion am Schweriner Theater, in der Uwe Skowronek mitwirkt. Seit 1999 ist er dabei, seit der nun schon fast legendären „Aida“ (die mit dem Elefanten) auf dem Alten Garten: „Da stand in der Zeitung ein Aufruf, dass Statisten gesucht werden. Das hat uns gereizt und dann haben wir uns beworben.“ Uns bedeutet: Uwe und Petra Skowronek, denn Uwes Ehefrau ist ebenso Theater begeistert wie ihr Mann. Sie ist jetzt allerdings hinter der Bühne aktiv, als Aushilfe bei den Ankleidern. Kennen gelernt haben sich die Beiden beim Tanzen: „Aber nicht in der Disco, sondern beim Volkstanz, wir waren in einem Verein aktiv.“ Damals war der 1961 in Güstrow geborene Uwe Skowronek in der Ausbildung zum Zootechniker-Mechanisator, ein Beruf, in dem er nur kurze Zeit gearbeitet hat. Es zog ihn wieder zurück nach Schwerin, wo er es dann mit großen und hohen Tieren zu tun hatte: Mit Nashörnern und Giraffen im Zoo. Von da abgeworben hat ihn die Polizei, er wurde ausgebildet für die Anti-Terror-Einheit, absolvierte ein Fachschulstudium und blieb auch nach der Wende bei der Polizei, ist heute Kriminalhauptkommissar beim Landeskriminalamt MV. Nicht auf Verbrecherjagd wie im Fernsehen – das hat er ein paar Mal im TV-Polizeiruf 110 gemacht – sondern in der Prävention. „Seit 2005 leite ich die Polizeipuppenbühne, bin mit zwei Kollegen im Land unterwegs an Schulen, in Kindergärten und bei Veranstaltungen der Landesregierung.“ Eine Arbeit, die ihm Spaß macht – und wer Uwe Skowronek beim Erzählen beobachtet, der spürt, dass es ihm ernst ist mit seiner Aussage. Selbstverständlich weiß sein Arbeitgeber von der Freizeitbeschäftigung Theater: „Statisten müssen diese Aktivitäten als Nebentätigkeit anmelden.“ Anzumerken ist hier, dass mit dieser Nebentätigkeit keine Reichtümer verdient werden können, Statisten erhalten eine Aufwand-

entschädigung – die meistens beim Abendbrot in der Kantine schon wieder ausgegeben wird, denn viel größer ist das Salär nicht. Theater ist Leidenschaft, auch oder gerade bei den Nicht-Profis, heißt es doch probieren, probieren und auch Neues auszuprobieren: „Für das Musical ‚Hair’ habe ich Feuer spuken gelernt, so Uwe Skowronek. Der in diesem Stück auf sehr spezielle Art und Weise Beruf und Hobby verbindet: „Weil ich eine Fallschirmjägerausbildung habe, also weiß, wie man mit Seilen umgeht, Leute sichert, seile ich die Schauspieler an, wenn sie über die Bühne schweben.“ Überhaupt ist Uwe Skowronek immer dann gefragt, wenn es ums Militärische geht: „Uwe, da wird marschiert, das machst Du“, so Hannelies Höchl und Uwe erklärt mitunter auch den Profi-Darstellern den Gleichschritt. An welche Inszenierungen erinnert er sich besonders gern? „Es gibt zwei: Im Ballett ‚Romeo und Julia“ hatte ich die Rolle des Paters und wurde sogar in den Rezensionen in der Presse gelobt. Das andere war bei den Schlossfestspielen 2001. In der Oper ‚Nabucco’ musste ich dem Zaccarias die Tafel mit den Zehn Geboten hinterhertragen. Ganz allein, angetan mit langen Gewändern, die Treppe hoch und das vor rund zweitausend Zuschauern pro Abend – das war schon aufregend.“ Zur Zeit probiert Uwe Skowronek für seine 36. Produktion, die Komödie „Barfaut bet an’n Hals“ (Ladies Night) bei der Fritz-Reuter-Bühne. Und da gibt es wieder eine Verbindung zu seinem Haupt-Beruf: „Ich spiele einen Polizisten und habe, das ist wirklich kurios, erstmals eine bundesdeutsche Polizeiuniform an, denn ich arbeite ja in Zivil.“ Nein zu einer Aufgabe hat Uwe Skowronek noch nie gesagt, dazu macht ihm die Statisterie viel zu viel Freude: „Der Mix der Leute, die man hier kennen lernt, der ist interessant. Zu sehen, wie viel Arbeit selbst in der kleinsten Inszenierung steckt, das nötigt schon Respekt und Anerkennung ab.“ Eine Hochachtung, die auch den vielen namenlosen Statisten im Hinter- und manchmal im Vordergrund gilt und ohne die sicher die Tür zu – aber der Vorhang nicht auf geht. Karin Gustmann Fotos: Silke Winkler & privat MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


THEATER

„Der Bajazzo“ – Oper im Zirkuszelt „Es ist eine Weltpremiere, es ist eine tolle Musik mit wunderbaren Bögen, es wird eine ergreifende, wahre Geschichte erzählt – und wir haben wunderschöne Kostüme“, diese vier Gründe nennt Eva Lind, warum man sich unbedingt eine Vorstellung der Schlossfestspiele Schwerin 2012 anzusehen muss. Die Sopranistin von Weltruf singt in zehn der insgesamt dreißig Vorstellungen die Partie der Nedda in Ruggero Leoncavallos Oper „Der Bajazzo“.

Ricardo Tamura (Canio) und Eva Lind (Nedda).

Die Handlung, die auf einer wahren Geschichte basiert, ist kurz erzählt: Eine wandernde Komödiantentruppe kommt ins Dorf. Ihr Chef Canio gerät mit seinem Clown Tonio aneinander, weil der Canios Ehefrau Nedda nachstellt. Canio verkündet, dass er nur in der Komödie den betrogenen Bajazzo spielt, im wahren Leben würde er eine Untreue seiner Frau blutig rächen. Die junge Ehefrau Nedda fühlt sich gefangen im Leben mit dem alternden Komödianten, sie träumt von einem freien Leben. Aber nicht mit Tonio, der ihr erst schüchtern seine Liebe gesteht und dann, als sie ihn abweist und auslacht, gewalttätig wird. Nedda denkt an Silvio, der junge Bauer ist ihr Geliebter und will mit Nedda fliehen. Sie stimmt zu, will aber noch die Abendvorstellung spielen. Tonio hat die beiden belauscht, und rachsüchtig verrät er die Pläne an Canio. Der tobt, will von Nedda den Namen ihres Liebhabers wissen und droht, sie zu töten. Von Beppo, einem Mitglied der Komödiantentruppe, wird Canio beschwichtigt: Wenn es ihn denn gibt, diesen Liebhaber, dann wird er in die Vorstellung kommen.

MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Inzwischen strömt das Publikum ins Zelt, erwartet den Beginn der Vorstellung. Die beginnt und es beginnt ein Spiel im Spiel um Eifersucht, die Untreue der Frauen...Mit dem Auftritt Canios wird die Komödie zur katastrophalen Realität. Canio fällt im Wortsinn „aus der Rolle“. „Nein, bin Bajazzo nicht mehr“ singt er, drängt Nedda, den Namen ihres Liebhabers zu verraten. Nedda schweigt, Canio rast und in blinder Wut ersticht er Nedda – und auch Silvio, der Nedda zur Hilfe eilte. Eine Tragödie! Oder bleibt es eine Komödie?

Realistische Charaktere mit ihren Eigenheiten, Leidenschaften in einer realen Atmosphäre – das ist „Der Bajazzo“ im Zelt vom Circus Roncalli. „Es ist eine sehr speziell Situation in der Manege. Wir Sänger sind da mittendrin, wie auf einem Präsentierteller sieht man uns von allen Seiten. Diese Nähe zum Publikum stellt eine Intensität her, die man so auf der Bühne nicht erleben kann – und sie verbietet große Gesten“, erzählt Eva Lind und ist sich da mit ihren Kollegen einig. Zu denen auch die Artisten vom Circus Roncalli gehören: Oleg Izossimov mit einer faszinierenden Handstandnummer auf hohen Stäben, das Duo Grigorov-Glavatskyh mit atemberaubender Artistik unter der Zirkuskuppel, Dede Larible, mit 14 Jahren eines der größten Nachwuchstalente das bereits mit neun Keulen jongliert, die Fratelli Rossi mit beeindruckenden Ikarier-Künsten, das Trio Laruss, das goldene Statuen zu erstaunlichem Leben erweckt und Oktay Novruzov, Seilartist und Komiker. Die Symbiose von Theater und Zirkus ist das Einmalige der diesjährigen Schlossfestspiele Schwerin. Die Stars vom Circus Roncalli sind ebenso Teil der Inszenierung wie das Zirkusorchester, das gemeinsam mit der Mecklenburgischen Staatskapelle musiziert. Karin Gustmann

Premiere war am 15. Juni um 21 Uhr, gespielt wird bis zum 22. Juli jeweils mittwochs bis sonntags ab 21 Uhr. Karten über Telefon 0385 / 5300123; kasse@theater-schwerin.de; www.theater-schwerin.de

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SCHAUSPIEL

Das ist Jeppe …

Jeppe, alias Steffen Schreier, Titelheld des Stückes.

…eigentlich will Bauer Jeppe nur zwei Pfund grüne Seife kaufen in der Stadt. Der Weg führt ihn an der Kneipe vorbei. Sein Durst ist groß und später die Angst, dass seine Frau ihn verprügelt. Der Misthaufen ist eine Zwischenstation… „Jeppe vom Berge“ heißt das neue Schaupiel, Open Air von der Kulturkate Lübtheen in Szene gesetzt, ein Volksstück, wie es Shakespeare gefallen hätte – komödiantisch, traurig, sentimental, drastisch – das pralle Leben, wie es sich abgespielt hat damals, in romantischer Zeit und immer noch abspielt heutigen Tages, allerorten. Damals die Suche nach der blauen Blume der Romantik, heute der Stress, den digitalen Kick nicht zu verpassen. An den Grundbedürfnissen der Menschen hat sich wenig geändert: Essen, trinken, schlafen, lie18

ben, dazu der moralische Überbau – Ehrlichkeit, Achtung, Respekt und Toleranz. Sind die Regeln gestört, kann es passieren, dass einer auf dem Misthaufen landet. Wie Jeppe. Aber wie kommt er wieder raus aus dem Mist? - Die Kulturkate will unterhalten und durch Unterhaltung und Vergnügen wichtige Fragen stellen, jeder an sich oder jeder an die Gesellschaft. Die Geschichte vom bauernschlauen Jeppe von Ludvig Holberg wurde 1722 in Kopenhagen urauf-

Probenzeit in der Kulturkate.

geführt. Sie gehörte zu den Lieblingsstücken des dänischen Publikums. Das Team-Kulturkate (Volkert Matzen, Charlotta Bjelfvenstam u.a.) hat es für die mecklenburgische Gegenwart umgeschrieben. Die Titelrolle ist mit dem Rostocker Schauspieler Steffen Schreier auf

das Beste besetzt. Er spielt schon drei Sommer lang in Lübtheen und ist „verdienter Publikumsliebling“ der Freilichtbühne. - In der JeppeInszenierung agieren etwa 30 Personen, fünf Profischauspieler, sowie ein professionelles Regieteam und viele Amateure. Die MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


SCHAUSPIEL einen wie die anderen kommen aus der Lübtheener Umgebung, aber auch von weiter her – aus Hamburg, Eisleben, Rostock. Sie nutzen die Ferien, um mal wieder im schönen Mecklenburg in der Kulturkate zu spielen. Ein „earcatcher“ sind die musikalischen Einlagen, barocke Volksmusik, von Kids zwischen 6 bis 16 gespielt. Sie musizieren auf der Flöte, der Geige, dem Cello, dem Schlagzeug und dem Spinett. Ihr Spaß am Spiel überträgt sich aufs Publikum. Die Kulturkate gibt es seit 1998. „Jeppe vom Berge“ ist ihr 10. Sommertheater. Ihr Herzstück, das alte Bauernhaus mit der großen Diele vor den Toren Lübtheens, in dem

dert man nicht, indem man eine Alarmglocke installiert. Die Alarmglocke für Verhalten in der Gemeinschaft muss in jedem selbst vorhanden sein.“. Das MEHR meint auch ihre Initiative Kulturlust, die in regelmäßigen Abständen die Kulturschaffenden der Region an einen Tisch holt. Die Initiative soll ein Netzwerk sein, das die Arbeit erleichtert und die Zusammenarbeit zwischen Kulturschaffenden und Bildungsträgern/Schulen anregt. Tut sie das? Erfolg kann nur durch Nachhaltigkeit entstehen, aber Nachhaltigkeit ist in Frage gestellt, wenn schon nach einem Jahr die finanziellen Mittel versiegen. Die Teil-

Hotel de Restaurant

Aber die Kulturkate ist viel mehr als ihr Sommertheater. Das MEHR meint zum Beispiel ihre Zusammenarbeit mit Schulen und Kindereinrichtungen im Boizenburg/Lübtheener Raum zum Thema Anti-Mobbing und Gewaltprävention. An Hand von Sketchen und Rollenspielen werden Situationen geprobt. Theater als Therapie. Die Resonanz ist gut. „Wir wollen nicht polarisieren“, sagt Charlotta Bjelfvenstam von der Kulturkate, „Amokläufer verhinMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

nehmer von KULTURLUST formulieren Ideen, Forderungen und Handlungsansätze. Ihre Analyse, die aus der Erfahrung von Aktiven kommt, wäre eine brauchbare Grundlage für die Politik, um einen Kulturentwicklungsplan für das Land zu erarbeiten. Sie sollte dem Landtag geschickt werden, damit das Reden nicht Selbstzweck bleibt. Mit Reden vergeht kostbare Zeit, die für die praktische Arbeit gebraucht wird, z.B. für die Proben zum Sommertheater, für „Jeppe vom Berge“, damit sich am 28. Juli der Vorhang hebt zur Premiere und die Zuschauer erleben, wie sich Jeppe, der liebenswürdige Trunkenbold, verhält, wenn er für einen Tag Baron sein darf, nicht mehr geprügelt wird, sondern selber prügeln kann… Astrid Kloock

Ambiente

Alle Zimmer mit Dusche/Bad, WC, Telefon, TV und Minibar

Abendstimmung – das Publikum genießt die Pause.

Volkert Matzen, Gründer und Stammvater der Kulturkate, rund ums Jahr lebt und arbeitet, ist längst ein beliebtes Ausflugsziel geworden für alle, die Kultur mögen und die die mecklenburgische Landschaft lieben. Es würde etwas fehlen im Kulturspiegel der Region, wenn es das Sommertheater nicht gäbe.

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Fotos: Kulturkate

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TREFFPUNKT

Von der Bruchmühle zur KULTURMÜHLE

Die Vorderansicht der Bruchmühle mit Traktor-Oldtimer.

Das Atelier unterm Dach.

Selbst die Küche hat einen musealen Charakter.

Herrenrunde auf der Terrasse am Weiher.

Im Nordwesten des Naturparkes Mecklenburgisches Elbetal liegt versteckt eine alte Wassermühle. Verlässt man in Vellahn die B5 in Richtung Brahlstorf, führt kurz hinter dem Freibad rechts ein kleiner Weg von der Straße hinab zu einem idyllisch gelegenen Ort – der Bruchmühle. Sie kann auf eine 402-jährige Geschichte zurückblicken, wenngleich das jetzige Gebäude aus der Zeit um 1840 stammt – ein Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach und mittelschlächtigem Wasserrad. Erwähnt wird diese Mühle erstmals 1610. Dann fiel sie den Brandschatzungen im 30-jährigen Krieg zum Opfer. Nach dem Wiederaufbau 1860 und mehreren Umbauten an der Technik stellte man hier Anfang der 1970-er Jahre die Arbeit ein. Die Berliner Maler und Grafiker Gisela KurkhausMüller und Volkmar Kurkhaus erwarben das Haus und Grundstück 1984. Mit viel Engagement und Liebe retteten die Künstler diesen romantischen Ort. Glücklicherweise gab es trotz aller Modernisierungen bis dahin keine wesentlichen Eingriffe in die historische Struktur des Hauses und des Areals. Man hat den Eindruck, aus dem Dachfenster des Hauskrans kann jeden Moment der alte Müller mit seiner Zipfelmütze heraus sehen – so, wie man es aus dem Märchen kennt. Und richtig, die technische Einrichtung ist noch komplett vorhanden. Das Wasserrad, der „Motor”, der das Ganze antreibt, ist bereits saniert. Um es zum Laufen zu bringen, muss der Weiher hinter dem Haus ange20

staut werden. Das passiert immer zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise zu Pfingsten, wenn KUNST OFFEN Interessierte in die Ateliers der Künstler lockt. Dann und zu den Lesungen mit bekannten Autoren oder den vielen anderen Treffen in der Mühlenstube, dem Musikzimmer oder dem Gastraum, berichtet Volkmar Kurkhaus von dem, was in der „Werkstatt für Kultur”passiert und von neuen Projekten – ein Leuchten in den Augen eines ohnehin freundlichen Gesichts. Es gibt ein festes Veranstaltungsprogramm. Darüberhinaus verabredet man sich zum gemeinsamen Brotbacken am Ofen in der Müllerstube oder im Sommer auch am Ufer des Weihers. Gemeinsam wird nach alter Tradition Sauerkraut gestampft oder unter fachlicher Anleitung nach Kräutern gesucht, um alles anschließend bei thematischem Essen zu verkosten – zubereitet in der urigen Küche in eisernen Pfannen und auf offenem Feuer – immer mit einem guten Tropfen Wein dabei. An warmen Tagen findet das opulente Mahl auf der Terrasse über dem Weiher statt, wo gewaltige Eichen Schatten spenden – oftmals bis tief in die Nacht.

Den zentralen Raum bildet die Zillestube, bestehend aus der Einrichtung einer Berliner Kneipe aus der Gründerzeit. Durch eine Flügeltür ist sie mit dem Musikzimmer verbunden. Und wer Lust hat, übernachtet auch gleich – wie in einem Museum – in einem der acht Zimmer. So können Teilnehmer historischer Postkutschenfahrten hier den Aufenthalt auf einer Posthalterei während der Zeit des Biedermeiers nacherleben, während sich Künstler, Kunsthandwerker und Schriftsteller in einem Gastatelier an der Gegenwart „abarbeiten”. Hausherr Volkmar Kurkhaus erzählt gern über die Geschichte des Gebäudes – und die Mühen seiner denkmalgerechten Erhaltung. Gisela Kurkhaus-Müller veranstaltet in den Sommermonaten Seminare und Workshops zu unterschiedlichen künstlerischen Techniken. Hier treffen sich Kreative zu anregenden Gesprächen. Man kann sich aber auch einfach zu privaten Feiern einmieten – eine öffentliche Gaststätte ist es jedoch nicht. Fahrräder und der Mühlenkahn locken zum Erkunden der unberührten Umgebung. Eine interessante ART, den Naturpark Mecklenburgisches Elbetal zu erleben. Text & Fotos: Peter Möller MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


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THEATER

Sie sind dann mal weg... Matthias Foremny, GMD und Operndirektor, und Jens-Peter Urbich, Ballettdirektor, verlassen das Schweriner Theater Nichts ist beständig, denn der Wechsel – ein Satz der wohl für kein Unternehmen so zutreffend ist wie für das Theater. Spielzeitwechsel bedeutet immer auch Wechsel im künstlerischen Personal – so auch im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Wenn dieses Magazin erscheint, hat er schon die Umzugskisten gepackt: Ballettdirektor Jens-Peter Urbich. Seit der Spielzeit 2004/2005 war er Chef des Balletts. Mit sechszehn Tänzerinnen und Tänzern nur eine kleine Ballett-Compagnie, aber eine, die von sich reden machte. Jens-Peter Urbich formulierte bei Amtsantritt sein Credo so: „Mein Bestreben ist es, gemeinsam mit den Tänzerinnen und Tänzern Geschichten zu erzählen, Figuren lebendig werden zu lassen, mit den Mitteln des Tanzes Theater zu spielen – Tanztheater zu zeigen.“ Dieses Ziel wurde erreicht mit zwei bis drei Ballettabenden pro Spielzeit. Mit „Dorian

probieren und taten es erfolgreich. Sie sind heute international genauso gefragt, wie Young Soon Hue, Dominique Efstratiou und Prof. Birgit Scherzer, die ebenfalls eindrucksvolle Ballett-Abende im Schweriner Theater inszenierten. Rund 95 Vorstellungen pro Jahr hat die Compagnie getanzt. Im Vergleich: Im Theater Gera – ein Haus ähnlicher Größe – sind es 20 Vorstellungen. In Erinnerung beim Publikum werden sicher auch die großartigen Auftritte des Balletts in den Musicals, ob „Jesus Christ Superstar“, „Rocky Horror Show“, „Sorbas“ oder als letztes „Hair“ bleiben. Woran wird sich Jens-Peter Urbich erinnern? „Neben der Arbeit hier im Haus an die Gastspiele in Zypern und der Türkei. Es ist äußerst selten – und daher für uns eine doppelte Ehre – dass große, komplette Handlungsballette eingeladen werden.“ Vergessen wird er sicher auch nicht seine eigenen Auftritte: „Eigent-

Matthias Foremny

Jens-Peter Urbich.

Gray“, der „Orestie“, „Frühlingsopfer“, „Romeo und Julia“ und „Giselle“ kamen große Handlungsballette auf die Bühne im Großen Haus, im E-Werk gab es interessante Kammertanz-Abende z.B. „Trias / Bolero“, „Frauen-Männer-Paare“ und als Angebot für Kinder „Die Bremer Stadtmusikanten“. Junge Choreografen wie Paul Julius und Lars Scheibner konnten sich aus22

er. Unterschiedliche Stile präsentierte der Ballettdirektor – klassisch, modern, experimentell – und erfüllte den Satz von Garcia Lorca „Das Theater ist eine Schule des Weinens und des Lachens“ mit Leben. Das „Weinen und Lachen“ erleben seit dem 15. Juni, der Premiere der Schlossfestspiele, wieder zahlreiche Zuschauer auf dem Alten Garten. Dort steht das Zelt vom Circus Roncalli, mit dem gemeinsam präsentiert das Schweriner Theater die Oper „Der Bajazzo“ – musikalische Leitung: Matthias Foremny. Seit 2003 war der Dirigent Generalmusikdirektor und Operndirektor am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin.„In dieser Doppelfunktion habe ich gelernt, wie Theater funktioniert. Ich konnte Erfahrungen sammeln, mich künstlerisch entwickeln, ein Repertoire aufbauen.“ Wovon das Schweriner Publikum profitierte. Matthias Foremny setzte Akzente mit den Barock-Opern „Xerxes“,

lich wollte ich nicht mehr auf die Bühne, aber dann ergab es sich doch.“ Gleich in seiner ersten Spielzeit, im November 2004, tanzte Jens-Peter Urbich in der Kammeroper „Mozart und Salieri“ von Nikolai Rimski-Korsakow die Rolle des Puschkin. „Das war für mich schon ein Höhepunkt in diesen Schweriner Jahren, die insgesamt sehr intensiv waren“, sagt

„Julius Cäsar“ und „Alcina“ im Großen Haus und mit den großen Verdi-Opern bei den Schlossfestspielen. „Bei diesen Inszenierungen mit vergrößerten Chören, internationalen Solisten und den Kräften des Hauses haben wir internationales Niveau erreicht.“ Eine Einschätzung, die von den Rankings in Fachzeitschriften alljährlich bestätigt wurde.

Auf überregionales Interesse, nicht nur in Fachkreisen sondern bei einem breiten Publikum, traf das Projekt „Carmina burana“. 2004 verwirklichte das Schweriner Theater dieses erste Schweriner Jugend-Tanz-Projekt. Nach dem Vorbild von „Rhythm is it“ der Berliner Philharmoniker arbeitete Choreograf Lars Scheibner mit Hunderten Schülern aus Schweriner Schulen. Das Projekt wirkte in die Stadt hinein, genauso wie die Gründung des Jugendsinfonieorchesters mit Schülern der beiden Schweriner Musikschulen. Die Kinder- und Jugendarbeit war Matthias Foremny überaus wichtig, regelmäßig moderierte er – mit sichtlicher Freude und Begeisterung – Jugendkonzerte. „Den Geschmack des Publikums treffen, aber auch Neuentdeckungen ermöglichen und mitreißende und unvergessliche Stunden im Theater bereiten“ – das war ein Anspruch von Matthias Foremny,

Fotos: Mecklenburgisches Staatstheater

dem er in seinen Jahren in Schwerin gerecht wurde. Matthias Foremny und Jens-Peter Urbich sind mit dem Ende der Spielzeit „dann mal weg“, ihnen alles Gute für die Zukunft. Im August beginnt die neue Spielzeit mit neuen Künstlern, denn nichts ist beständig, denn der Wechsel. Karin Gustmann MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


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PERSÖNLICH

OST

trifft West-„Bruder“

Eine Begegnung der besonderen ART im Schweriner Staatstheater Fingerzeig von Otto Sander Tischbein für Otto Sander in der Schweriner Ausstellung „Episoden“.

„Sind Sie mit dem Schauspieler Otto Sander verwandt?“ Das ist eine der am häufigsten Fragen, die dem Maler und Grafiker Otto Sander Tischbein immer wieder gestellt werden. Der in Schwerin und Neuenhagen bei Altentreptow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) lebende Künstler mit dem einprägsamen Namenskürzel OST antwortete nach eigener Aussage bisher zumeist darauf:„Ja, das ist mein Bruder.“ Wer OST näher kennt, der weiß, wie er mit bierernster Miene manchmal auch meisterhaft flunkern kann. So auch in diesem Fall der angeblichen Verwandtschaftsbande. Am vergangenen Wochenende kam es nun zur ersten persönlichen Begegnung der beiden (Fast-) Namensvetter in Schwerin. Der glückliche Zufall wollte es nämlich, dass im Beisein von Otto Sander Tischbein unter dem Titel „Episoden“ eine Ausstellung mit rund 50 seiner Werke im Staatstheater eröffnet wurde und Otto Sander am selben Tag beim Schweriner Filmkunstfest den Ehrenpreis „Goldener Ochse“ 24

für sein Lebenswerk persönlich in Empfang nahm. Die „Betreuerin“ des kantig-kautzigen Mimen mit der rauchigen Stimme war während des Filmfestivals die charmante Regine Abraham. Zu DDRZeiten ein bekanntes Fotomodell, das so manches Titelbild der Modezeitschrift „Sibylle“ zierte, und die der Maler OST „eine liebe Freundin“ nennt. Er selbst wiederum ist dem Filmfest schon seit langem verbunden, für das er unter anderem Plakate und einen Trailer gestaltete. All dies war für Regine Abraham nun Grund und Anlass genug, den (auch gestanden Theatermann) Otto Sander in die vom Schweriner Kunst- und Museumsverein

arrangierte Bildausstellung von OST zu lotsen. Die Überraschung glückte. Und ein Gesprächsfaden war auch schnell geknüpft. „Ich habe Otto Sander ein Kompliment gemacht für das von ihm gesprochene Hörstück über die Lebenserinnerungen des Philosophen Michel de Montaigne aus dem 16. Jahrhundert, den ich sehr verehre“, berichtet OST später. „Schließlich stammt von ihm zum Beispiel der schöne Spruch über das Reisen: Ich liebe nicht das Sein, sondern das Unterwegssein.“ Einige der in Schwerin ausgestellten Bilder zeugen von der Inspiration, die OST von seinen Aufenthalten

aus Portugal, Spanien, Peru oder Mexico auf die ihm eigene „naseweise“ Art in figürlichen Geschichtenskizzen verarbeitet hat. Otto Sander gefielen beim gemeinsamen Rundgang offensichtlich vor allem die wortspielerisch verbundenen Grafiken von OST aus der Wendezeit. „Er hat mir dabei gesagt, dass er eigentlich auch gern Maler geworden wäre, aber sein Leben als Schauspieler halt anders verlaufen sei“, verrät OST. Er selbst wurde übrigens 1949 in Osmarsleben (Sachsen-Anhalt) als Otto Montag geboren. Den Namen MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


PERSÖNLICH

Zahlreiche Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung ins Staatstheater.

Sander nahm er später von seiner ersten Frau an, „damit die SanderLinie nicht ausstirbt.“ Der Zusatz „Tischbein“ erinnert – wie schon zu vermuten war - an die gleichnamige Malerdynastie, und zwar konkret an deren Spross Johann Heinrich Wilhelm (1751 – 1829). Jenem Tischbein also, der seinen Freund Goethe auf dessen Italienreisen begleitete. 1786 entstand so sein wohl berühmtestes Gemälde, das den Dichterfürst in sinnendruhender Pose auf einem Diwan vor der römischen Campagna zeigt und für Künstlergenerationen zum Inbegriff der Sehnsucht nach Arkadien wurde. „Wie Tischbein nach Italien zu reisen und dort zu arbeiten, das

war zu DDR-Zeiten mein unerfüllter Traum“, erinnert sich OST. „So habe ich denn auch die vielen Briefe an meine Freunde und Kollegen seinerzeit leicht konspirativ unterschrieben mit: Schöne Grüße von Otto Sander, Eurem Tischbein.“ Dass sich die namentlichen Anfangsbuchstaben zu dem griffigen Akronym OST zusammenziehen ließen, war schließlich ein einprägsamer (und damit werbewirksamer) Nebeneffekt, der natürlich auch so manchen Kunstkritiker und Journalisten stets zu diversen Wortspielen ermuntert. Der Laudator zur Eröffnung der „Episoden“-Ausstellung, Christian Schwandt, spannte den Bogen indes weiter. Der Inten-

dant des Lübecker Theaters, der auch OST-Freund und Sammler ist, sagte nämlich: „Lange ist die Qualität der Künstler der DDR von tonangebenden Kunstkreisen in der alten Bundesrepublik nicht zur Kenntnis genommen worden. Eine wichtige Aufgabe ist die Neubewertung derjenigen, die damals der herrschenden Kunstdoktrin nicht gefolgt waren, ausgeharrt haben und zu recht heute die Wahrnehmung ihres Lebenswerkes erwarten.“ Gelegenheit bot auch die Werkschau von Otto Sander Tischbein, die in der Reihe „Galerie im Theater“ bis zum 2. Juli in Schwerin gezeigt wurde. Text & Fotos: Reinhard Sobiech

Typisch OST: Viele seiner Bilder sind inspiriert von Reisen nach Mittel - und Südamerika. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

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PROMINENT

So kennen und lieben wir ihn: Peter Maffay.

Entweder ganz oder gar nicht Peter Maffay liebt Steaks, medium zubereitet, gewürzt mit einer Extraportion grob gemahlenem Pfeffer. „Und bitte Gurkensalat dazu, aber ohne Essig!“ Beste Kost bei einem gemeinsamen Essen im Schweriner Restaurant „Buscherie“. Deutschlands größter Rockstar - ein Mann des Genusses? „Durchaus,“ gesteht der drahtig, absolut sportlich - durchtrainiert wirkende Maffay mit einem verschmitzten Lächeln. „Steht mir doch zu, in meinem Alter…“ Er scheint mit seinen 62 Lebensjahren zu kokettieren. Warum auch nicht. 350 Liegestütze hat er jüngst wieder geschafft.„An einem Tag!“ Oha! Seit zwölf Jahren raucht er nicht 26

mehr, seit vier Monaten trinkt er nach eigenem Bekunden keinen Tropfen Alkohol. Maffay, ein Asket? Er schaut zumindest so aus… Seit über 40 Jahren ist der „Deutschrocker“ erfolgreich im Showgeschäft. Drei Ehen blieben dabei auf der Strecke. „Vielleicht war mein Leben zu egoistisch. Die Leidenschaft für Rock‘n‘Roll ist Berufung. Entweder ganz oder gar nicht. So ein bisschen dabei zu sein, das haut nicht hin. Das hat nie-

mand, den ich kenne, geschafft.“ Tempo und Härte in seinem Job seien gnadenlos. „Das ist immer eine Belastung für eine Beziehung.“ Mit seiner Tanja ist er in nunmehr vierter Ehe liiert. Die Anspannung, der Druck im Job seien heute für ihn geringer geworden. „Wohl auch eine Folge der Weisheit und des Alters“, setzt er schmunzelnd nach, die Falten um seine Augen, ja, sie sind sichtbar tief. Sohn Yaris ist inzwischen acht Jahre alt. Peter Maffay scheint

glücklich mit seinem Leben zwischen Tutzing am Starnberger See und der Mallorca-Finca nahe Pollensa. Ohne Zweifel, das Landleben bekommt ihm, trägt viel zu seinem inneren Gleichgewicht bei. „Wenn du auf dem Lande wohnst, gibt es immer was zu tun. Mal ist der Zaun kaputt, dann wieder ein Tier krank.“ Auch seine späte Vaterrolle genießt der Mann, dessen Markenzeichen Jeans und Lederjacke MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


PROMINENT

Nachdenklich: „Vielleicht war mein Leben zu egoistisch. Die Leidenschaft für Rock‘n‘Roll ist Berufung.“

Foto: Olchewski / Go-on-Promotion

sind.„Ich bin sehr verliebt in meinen Sohn. Ein gut gelaunter, weitherziger kleiner Kerl.“ Yaris erhält Klavierunterricht. Er müsse zwar nicht Rachmaninow werden oder gar Liszt, aber ein Gefühl für Töne, das solle er schon bekommen. Wenn Vater Maffay Zeit hat, bringt er seinen Sohn zur Schule. „Im Gegensatz zu seiner Mutter, die morgens nicht angesprochen werden mag, quatscht Yaris gleich mit mir. Auf dem Weg zur Schule singen wir gern gemeinsam.“ Die Stimme des Sohnes bekomme jetzt einen schönen, weichen Klang, kriege Konturen. „Ich würde ihn gern dazu verführen, die Qualität von Musik in seinem Leben zu erkennen. Aber was er daraus macht, muss er selbst entscheiden.“ Yaris, der neben MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Deutsch und Englisch auch die mallorquinische und katalanische Sprache beherrscht, besucht auf Mallorca oder in Tutzing jeweils einheimische Schulen.„Er geht damit spielerisch um.“ Hört sich stolz an, dieser Peter MaffayPapa. Peter Maffay, geboren im zu Rumänien gehörenden Siebenbürgen, lebt seit 1963 in Deutschland. Das „gewisse Alter“ sei es wohl auch gewesen, das ihn gemeinsam mit seinem Vater nach 44 Jahren zu einer Reise in die Vergangenheit bewog. „Ich bekenne mich zu Rumänien, dort ist ein Teil von mir.“ Kein Wunder, dass im Balkanland auch die Idee für ein neues Projekt der 2000 gegründeten Peter Maffay Stiftung wuchs. Im kleinen siebenbürgischen Ort Radeln wachsen weitere Vorhaben seiner Stiftung für traumatisierte Kinder analog der Finca Can Llompart auf Mallorca. Dafür hat Maffay ein altes Pfarrhaus mit angrenzenden Gebäuden gekauft, die renoviert und ausgebaut werden. „Inzwischen haben wir uns im ganzen Dorf ausgebreitet. Eine Schreinerei, Schlosserei, ein Ökobauernhof, ein Ärztehaus entstehen. In zwei, drei Jahren wird alles funktionieren.“ Peter Maffay ist heute begeistert von Rumänien. „Ein gastfreundliches, melancholisches Land mit sehr vielen jungen Leuten. Kulturell sehr vielschichtig.“ Nach der sommerlichen OpenAir-Saison gehen Peter Maffay und Band im Herbst erneut mit Tabaluga on Tour. Das Interesse am Rockmärchen um den kleinen grünen Drachen ist ungebrochen. Eine Show mit gewaltigem logistischen Aufwand. „Unser Logistik-Chef Berni Häffner muss auf der Tabaluga-Tour 150 Leute dirigieren, die unsere Bühne innerhalb von zwei Stunden abbauen.“ Alles werde auf 14 Trucks verladen – und ab geht‘s in die nächste Stadt. „Ein Ameisenhaufen ist gar nichts dagegen.“ Maffay freut sich auf seine Tourneen, vor allem auf die kleinen Zuschauer.„Wenn die in der Nase bohren, dann weißt du, die Musik taugt nix“. Maffay liebt nicht nur große Säle oder Open-Air-Veranstaltungen. Auch kleinere Konzerte, beispielsweise Charity-Veranstaltungen, gehören zum Band-Pensum. „Wir spielen gern. Wir sind

Musiker, um Musik zu spielen, und nicht nur dann auf die Piste zu gehen, wenn neue Geschäfte drohen.“ Es sei ein sehr selbstbestimmtes Leben, das er und seine Musiker führen. Ein Limit? „Darüber entscheidet das Publikum, vielleicht auch der liebe Gott.“ Aber mit Konfessionen halte er es eher nicht. Und eitel, nein, das sei er ganz gewiss nicht. „Auch beweisen muss ich niemanden mehr etwas.“ Maffay weiß sehr wohl um die Hürden des Älterwerdens. „Unsere Gesellschaft akzeptiert das Alter nicht. Es gilt young and beautiful, ein für mich unmenschliches Diktat unserer Zeit.“ Für den Drachen Tabaluga allerdings scheint die Zeit stehen geblieben. Nach wie vor erfreut er sich in seinem nunmehr fünften Rock-Märchen großer Beliebtheit, obwohl inzwischen 30 Jahre alt. In der aktuellen Geschichte hat Tabaluga die Zeit verloren, sie bleibt einfach stehen. Allerdings nur in seinen Träumen…

Am 18. Dezember 2012 gastiert Peter Maffay mit „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“ in der Rostocker Stadthalle. Vorstellungen um 15 und 20 Uhr. Tickets unter Telefon 01802/381367 oder unter 0 30/ 61 10 13 13.

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TREFFPUNKT

Pfannkuchen von süß bis herzhaft

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom dicken, fetten Pfannkuchen, der aus der Pfanne springt und kantipper, kantapper in die Welt hinein läuft, um ein großes Abenteuer zu erleben.... Bei Ina Seidel hüpfen die Pfannkuchen nicht aus der Pfanne sondern kommen goldbraun mit den verschiedensten Zutaten auf die Teller ihrer Gäste. Allez-hop! Mit Schwung wirft Ina Seidel den Pfannkuchen in die Luft. Zielsicher landet er wieder in der Pfanne auf der Seite, die noch gebacken werden muss. Die junge Frau lächelt.„Das ist alles nur Übung.“ Keine Sorge, bei Ina Seidel landet jeder Pfannkuchen zielsicher wieder in der Pfanne.

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Solche gekonnten Kehrtwenden gibt es bei der 32jährigen aufgeschlossenen und freundlichen Gastronomin nicht nur in der Pfanne. Auch in ihrem Leben hat sich schon so manches gewendet. Vor allem, als sie sich

Herzhaft: Pfannkuchen mit Schinken und grünem Spargel. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


TREFFPUNKT nach dem Jura- und BWL-Studium im Jahr 2008 entschieden hatte, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. „Die Idee mit dem House of Pancake habe ich allerdings von meinem Bruder übernommen, der in Kassel erfolgreich ein gleichnamiges Restaurant betreibt. Und weil es in unserer Region noch kein Pfannkuchenhaus gab, dachte ich, das könnte hier klappen.“ Doch am Anfang standen Renovierungsarbeiten, Anschaffungen und Konzepte für das Restaurant. Eine Spielecke für Kinder und ein großer gemütlicher Kaminraum als Raucherlounge wurden eingerichtet. Wichtig war der Schwerinerin von Anfang an, dass in dem 2009 eröffneten Restaurant Kinder und Erwachsene gleichzeitig auf ihre Kosten kommen und dass gute und frische Qualität zum kleinen Preis angeboten werden. Da bietet der Pfannkuchen nahezu unerschöpfliche Möglichkeiten.

käse mit Spinat und Zwiebeln. Die Wahl ist nicht leicht, denn auf der Speisekarte sind rund 60 Varianten in verschiedenen Größen zu finden. Und wer absolut keinen Pfannkuchen mag, kann eines der zehn leckeren Schnitzel-Gerichte wählen. „Gefeiert wird übrigens bei uns auch sehr gern. Für private und geschäftliche Feiern bieten wir bis zu 150 Plätze im Innenbereich“, sagt Ina Seidel und verrät, dass dann der Pfannkuchen ebenfalls nicht verschmäht wird. Ach so: Und den dicken, fetten Pfannekuchen – gibt’s den auch? „Ja, natürlich haben wir den“, sagt Ina Seidel und erzählt von einer Variante mit Mozzarella und Tomate. „Der geht in der Pfanne richtig schön auf und wird viel dicker als die anderen.“ Doch heraus gehüpft und kantipper, kantapper weggelaufen ist noch keiner. Das würden ihm die Gäste sicher sehr übel nehmen.

Ob klassisch mit Apfelmus oder mit herzhaftem Schinken – der Kreativität beim Kochen kann Ina Seidel hier freien Lauf lassen. Wichtig ist jedoch, dass nicht zu viel Teig in die Pfanne kommt, denn möglichst dünn gebacken schmecken sie besser. Kinder mögen

Text & Fotos: Christine Mevius

Die süße Versuchung mit Himbeeren und Eis.

Sehr lecker: die Shirmps mit hausgemachter Knoblauchsauce.

die runden goldbraun gebackenen Pfannkuchen mit allem, was süß ist – keine Frage. Doch bei manchem Erwachsenen dauerte es ein wenig, bis Ina Seidel sie für die herzhaften Varianten begeistern konnte. An heißen Sommertagen, an denen die Gäste unter großen Sonnenschirmen im Biergarten mit Blick auf den Ziegelsee sitzen, sind besonders Pfannkuchen mit Himbeeren und Vanilleeis der absolute Renner, aber auch die mit gebackener Ananas. Wer`s allerdings deftig mag, wählt Spargel und Schinken, Shrimps mit hausgemachter Knoblauchsauce oder SchafsMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Nur mit frischen und qualitätsvollen Produkten kann der Pfannkuchen geadelt werden. Im Schweriner „House of Pancake“ wird er in rund 60 Variationen angeboten.

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Der Wismarer Marktplatz um 1830: Foto: Sammlung Detlef Schmidt

Direktorin Ruth Ramberger vor der Weinwirtschaft. Foto: Grit Schreiter

Hotel mit Herz und Tradition Das Steigenberger-Hotel „Stadt Hamburg“ ist die älteste Herberge Wismars „Wir sind ein Hotel mit Herz im Herzen der Stadt“, sagt Ruth Ramberger, Direktorin des Steigenberger-Hotels „Stadt Hamburg“ in Wismar. Das vier Sterne-Haus am historischen Marktplatz ist die älteste, sich in ununterbrochenem Betrieb befindliche Herberge Wismars. Erstmalig wird der Name „Stadt Hamburg“ in der Wismarschen Zeitung vom 11. September 1816 erwähnt. „An diesem Tag besuchte der Held der napoleonischen Befreiungskriege, Feldmarschall Leberecht von Blücher, die Hansestadt. Er logierte in dem Hotel am Markt“, sagt Detlef Schmidt, der das Haus Mitte der 1990er Jahre geleitet hat. Heute ist der 67-jährige Heimatforscher Autor zahlreicher Sachbücher über Wismar. Anzunehmen ist, dass schon länger an dieser Stelle ein Gast- und Logierhaus stand, denn die Marktlage war dafür prädestiniert. Die Wismarsche Zeitung berichtet 1795 über ein Gasthaus an dieser Stelle. „Das Haus hieß nach seinem Eigentümer, einem Herrn von Evers „Ever´sches Gasthaus“, sagt Schmidt. Sogar der Naturforscher Wilhelm von Humboldt wollte hier 1796 Quartier nehmen. „Der Zustand war aber derart schlecht, dass er das Haus wieder verließ“, sagt Schmidt. Berühmte Gäste waren 1844 Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Autor der deutschen Nationalhymne. 1865 war der niederdeutsche Dichter Fritz Reuter zu Gast in der „Stadt Hamburg“. „Der Hotelname symbolisierte damals die Weltläufigkeit der Hansestadt“, meint der Heimatforscher. 30

Die Herberge besteht zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus zwei Giebelhäusern mit einer so genannten Ausspannung und einem Garten zur Diebstraße hin. Um 1840 baut man das Hotel um und vereinigt die beiden Giebelhäuser zu einem Quer- oder Traufenhaus. Das links danebenliegende Gebäude wird von den Erben des Uhrmachermeisters Oldenburg angekauft und mit dem Hotel vereinigt. Mit diesem Umbau verschwindet auch der schmale Durchgang zur Diebstraße. Er trägt den kuriosen Namen Tittentasterstraße. „Die Gasse war so schmal, dass zufällige körperliche Berührungen zweier Menschen beim Vorbeigehen nicht auszuschließen waren“, sagt Schmidt. Der „Spottname“ hat sich bis heute eingebürgert. In Anlehnung an die Gasse trägt heute der im historischen Gewölbekeller der „Stadt Hamburg“ gelegene Veranstaltungsraum den frivolen Namen. Meist nennt man ihn diskret in der Kurzform „Tita“. Der neue Eigentümer, ein gewisser Gastwirt Bock, baut um 1850 eine Weinhandlung ein, den Vorläufer des heutigen Hotel-Restaurants „Weinwirtschaft“. Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts erwirbt die Wismarer Firma F.G. Michaelis das Hotel. 1905 wird Theodor Martens Pächter des Restaurants, der ihm ein neues Aussehen verleiht. Das „Mecklenburgische Tageblatt“ vom 31. August 1905 schreibt: „Durch das neu eingebaute große Fenster flutet das Tageslicht in den großen Raum und erhellt ihn im Gegensatz zu früher bis zur tief zurückliegenden Hinterwand.“

Die Mitarbeiter der Weinwirtschaft Katrin Steinhusen, Karina Tanz und Marko Fauk überzeugen mit frischen Produkten und erstklassigen Weinen. Foto: Hotel

Das Hotel gehört bis 1953 der Wismarer Familie Hamke, die es aufgrund der damaligen politischen Verhältnisse an die Konsumgenossenschaft abgeben muss. Der Name „Stadt Hamburg“ passt nicht ins Konzept der DDR-Führung. Seit den 70er-Jahren heißt es „Konsum-Hotel am Markt“. „Im Wismarer Sprachgebrauch aber trotzig weiter „Stadt Hamburg“, erinnert sich der gebürtige Hansestädter Detlef Schmidt. Notdürftige Instandhaltungen verhindern nicht den Verfall des traditionsreichen Gebäudes. Nach der Wende ist das Gasthaus derart marode, dass es von 1992 bis 1993 komplett neu gebaut wird. Nur die historische Fassade und Reste des spätmittelalterlichen Gewölbekellers bleiben erhalten. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


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Das Hotel Steigenberger „Stadt Hamburg“ in Wismar.

Seit 2001 gehört das Hotel zur SteigenbergerGruppe. 32 Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Gäste.„Zu uns kommen junge Leute und Senioren, Alleinreisende, Paare, Familien und Geschäftsleute“, sagt Ruth Ramberger. Das Haus besitzt 102 Zimmer und eine Suite, fünf Tagungsräume für bis zu 150 Personen sowie einen Wellness-Bereich mit finnischer

MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Foto: Hotel

Blick in die Weinwirtschaft.

Sauna, römischem Dampfbad, Außenschwimmbad und Massage-Angeboten. Auch Radtouren und Ausflüge in die Umgebung Wismars organisieren die Mitarbeiter für die Gäste. Zum Programm zählen auch Stadtführungen mit Detlef Schmidt. Dabei legt der Geschichts-Experte vor allem Wert auf das persönliche Ambiente. „Es gibt kein

Foto: Hotel

Standardprogramm. Ich richte mich nach den individuellen Fragen der Besucher“, sagt er. Da kann es auch mal passieren, dass er bei schlechtem Wetter seine Gäste persönlich mit dem Auto durch Wismar chauffiert. Grit Schreiter

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GASTGEBER

Mehr als bequem schlafen und gut essen Die „Pension am Theater“ in Schwerin Fotos: Ecki Raff

Der Name „Pension am Theater“ ist mehr als eine bloße Ortsbestimmung, das Hotel – mit Restaurant – wird gern von Künstlern, die am Schweriner Theater gastieren, als Zuhause auf Zeit genutzt. Gojko Mitic war Gast im Haus als er in der Rolle des Alexis Sorbas bei den Schlossfestspielen 2009 das Publikum begeisterte und auch der Regisseur Peter Lotschak gehört zu den Dauergästen. Zum vierten Mal inszeniert der Österreicher eine Oper für die Schlossfestspiele Schwerin und wie in den vergangenen Jahren wird er auch in diesem Sommer seine ganz spezielle „Ruhezone“ im kleinen Garten hinter der „Pension am Theater“ finden. In dem vor oder nach den Vorstellungen auch gern andere „Wiederholungstäter“ sitzen. „Wir haben Stammgäste, die seit Jahren zu den Schlossfestspielen zu uns kommen“, erzählt Marco Czychowski. Gemeinsam mit seiner Frau Heike Briese führt er das Haus seit 2001. Achtzehn Zimmer und eine Ferienwohnung stehen zur Verfügung und ein kleines Restaurant. Zu dem der schon erwähnte Garten gehört, der längst kein Geheimtipp nur für Hotelgäste ist. Auch Einheimische finden sich zur Kaffee-Zeit ein, denn es wird hausgebackener Kuchen serviert. Für andere Spezialitäten ist Heike Briese 32

zuständig: Sie kocht Gelees und Marmeladen, experimentiert dabei gern, ebenso wie bei den Chutneys, für die sie sich die Zutaten aus Nachbars Garten holt. Frisch vom Beet auf den Tisch gewissermaßen – oder auch in die Gläser. Denn Gäste nehmen die Köstlichkeiten gern mit nach Hause, für ein verlängertes Schwerin-Feeling am heimischen Frühstückstisch. Das Restaurant in der „Pension am Theater“ eignet sich für Familien- und Firmenfeste genauso wie für einen Besuch vor/nach dem Theater oder einem Spaziergang. Empfohlener Platz: Die Tische links vom Eingang, da kann man die „Promi-Wände“ studieren. Ihre Foto- und Widmungsspuren hinterlassen haben da Berühmtheiten aus Kunst und Politik wie Götz Alsmann, Gunter Schoß, Otto Mellies, Inge Keller oder Jürgen Trittin und Claudia Roth. Aber auch Sänger, Musiker und Schauspieler, die am Schweriner Theater engagiert waren, haben ein Erinnerungsbild in der „Pension am Theater“ – der Name ist eben mehr als eine Ortsbestimmung. Ka. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


ESSEN & TRINKEN

Wie Marinus Bolten nach Boltenhagen kam Der Zufall brachte einen Nachfahren der ältesten Altbierbrauerei der Welt in das Ostseebad. Hier ist er sesshaft geworden, hat ein ganz besonderes Hobby und eine urige Kneipe. Langsam drehen sich die beiden fast tellergroßen Spulen des Tonbands. Sie gehören zu einer Studiomaschine aus den 1970er Jahren. „Die Musik habe ich selbst aufgenommen. Diesen warmen Klang erreicht heute keine CD mehr“, erklärt Marinus Bolten, der lieber Schallplatten als die kleinen Silberlinge sammelt. In seinem Plattenschrank steht unter anderem Vinyl mit Musik von Lou Reed, Van Morisson und Them, Dave Edmonds sowie Crosby, Stills, Nash & Young. Der Niederländer betreibt zusammen mit seiner Lebensgefährtin in Tarnewitz, einem Ortsteil von Boltenhagen, die einzige echte Kneipe im Ostseebad. Wenn hier um 16 Uhr die Kerzen angezündet werden, beginnen die Wände Geschichten zu erzählen: Schwarzweißfotos von Musikern und Besuchern der Kneipe, nostalgische Emailleschilder von Brauereien und fast 200 Bierkrüge an den Holzbalken der Decke lassen immer wieder Neues entdecken. Besonders beliebt ist der Sitzplatz auf dem alten Sofa am Fenster zum Hof. „Unsere Kneipe wird gern als das Wohnzimmer des Dorfes bezeichnet“, meint Petra Wenzel. Sie ist Kellnerin von Beruf, hat im Strandcafé Boltenhagen gelernt und sich später zur Gaststättenleiterin weitergebildet. Nach der Wende arbeitete sie im Jugendtreff. Da brannte jeden Samstag zur Disco die Luft. Doch das Feuer erlosch Mitte der 1990er Jahre, als das Gebäude abgerissen wurde, damit an dieser Stelle das Seehotel Großherzog von Mecklenburg errichtet werden konnte. Kurze Zeit später führte das Schicksal die Beiden zusammen. Marinus Bolten ist auf Genesungstour, kommt aus Richtung Lübeck und möchte sich in Rostock erholen. Doch ein Schneetreiben verhindert die Weiterfahrt. Auf der Karte findet er Boltenhagen. „Das passt gut zu meinem Namen“, denkt sich MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Bolten und übernachtet im Betriebsferienlager eines Energieversorgers. Die klare Seeluft tut ihm gut. Er bleibt, fährt nach Hause und kommt zurück. Im Mai 1997 eröffnen Petra und Marinus die Kneipe „Zum Klausner“. Nach etwa einer einjährigen Durststrecke floss das Bier – war die Akzeptanz erreicht. „Wir haben seitdem keinen Umsatzeinbruch

Jahre allein weiter, um anschließend sein eigenes Lokal zu eröffnen. Seitdem ist der heute 63Jährige mit Herz und Seele ein Kneiper und „ein großer Freund des Bieres“. Etwa 30 Sorten Bier aus dem In- und Ausland können die Gäste im Klausner trinken. Dazu gehören unter anderem das sehr beliebte Kirschbier, das dunkle, obergärige Klosterbier

verkostungen anbietet - pro Jahr etwa 100, an denen im Durchschnitt 20 Wissensdurstige teilnehmen. Mit seiner Entwicklung macht Marinus Bolten der Familientradition alle Ehre: Peter Bolten ist Namensgeber der Brauerei in Korschenbroich am Niederrhein, die 1266 gegründet wurde und als älteste Altbierbrauerei der

Petra Wenzel und Marinus Bolten bieten in der einzigen echten Kneipe des Ostseebades Boltenhagen zahlreiche internationale Biersorten an.

erlebt. Nicht einmal durch das Nichtrauchergesetz“, erläutert Marinus Bolten. Er stammt aus einem Dorf bei Venlo. Der gelernte Textilkaufmann half vor Jahren einem Freund in der Kneipe aus. Als dieser Eheprobleme bekam, führte Bolten die Geschäfte etwa zwei

Grimbergen aus Belgien und Puur, ein Helles aus einem Trappistenkloster in den Niederlanden. Zu jedem Bier kennt der Gastronom die Brauereigeschichte, das Herstellungsverfahren und kann eine Anekdote erzählen. Mittlerweile hat Marinus so viel Wissen gesammelt, dass er Bier-

Welt gilt. Eine historische Verbindung zum Ostseebad Boltenhagen ist bislang noch nicht bekannt. Text & Foto: Stephan Rudolph-Kramer

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ESSEN & TRINKEN

Grü nes Lebensgefü hl an der Theke „Meine Gäste verwöhne ich mit Zutaten aus meinem Geschäft“, erzählt Christiane Rost und lacht fröhlich. Sie kocht leidenschaftlich. Am liebsten Lammkeulen aus dem Selbstbedienungsregal ihres Bio-Supermarktes. Sie hat ihn „KaRo“ genannt. Der Name „KaRo“ steht für ihre beiden Nachnamen Kalz und Rost. Bärbel Kalz ist ihre Schwester, mit der sie das Bio-Geschäft 1999 gründete. „Wir wollten uns für die Umwelt einsetzen und wollen das auch weiterhin“, erklärt sie. Ein älterer Herr betritt den hellen großzügigen Verkaufsraum in der Lübecker Straße und steuert

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gezielt auf das Obst und Gemüse zu. Das nimmt Christiane Rost zum Anlass, mit einem Vorurteil aufzuräumen. „Im Preis unterscheiden sich unsere Früchte kaum von den Supermärkten.“ Bei ihr habe aber jeder die Garantie, dass das Obst und das Gemüse ökologisch, chemiefrei angebaut und fair gehandelt wurde. In ihrer grünen Schürze geht Christiane Rost auf den älteren Mann zu, fragt ihn mit einem Lächeln, ob sie ihm die frischen Tomaten empfehlen darf. „Unser Obst und Gemüse kommt zu 80 Prozent vom Biohof Medewege.“ Regionalität sei ihm sehr wichtig, fügt der Mann hinzu und nimmt sich sie-

Christiane Rost vor ihrem KaRo-Markt in der Lübecker Straße in Schwerin.

MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


ESSEN & TRINKEN

ben Tomaten. „Das sind zufriedene Kunden durch gute Lebensmittel“, sagt die gelernte Landtechnikerin. In den vergangenen 13 Jahren hat sie eine immer größer werdende Bio-Fangemeinde erleben dürfen. Die Bio-Offensive der Supermärkte betrachtet Christiane Rost mit Freude, denn dadurch sei ihr Geschäft belebt worden. Sie zeigt auf das gefüllte Brotregal, vor dem eine schwangere Frau steht und gerade ein frisches Brot mit satter Kruste in der Hand hält. „Brot und Eier sind für viele die ersten Produkte, die sie in unserem Bio-Markt kaufen, bevor sie unser Fan werden“. Die Marktinhaberin grüßt vertraut die schwangere Frau vor dem Brotregal, denn sie treffen sich regelmäßig hier. Christiane Rost erzählt, dass viele werdende Mütter herkämen, weil sie ihre Ernährung umstellen. „Sie wollen sich und ihr Kind rundum gesund ernähren.“ Das gute Gefühl liefere ihr Markt kostenlos mit. Jeder der rund 4.000 Artikel sei mit dem staatlichen Bio-Siegel zertifiziert. Weitere anerkannte Verbände wie Demeter, Bio-Park oder Naturland würden die Artikel zusätzlich MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

auf ökologische Produktion kontrollieren. „Auf unseren Produkten steht nicht nur Bio drauf, es ist tatsächlich überall Bio drin“, so die „KaRo“- Chefin. Sie wird ins Büro gerufen. Einer ihrer 15 Mitarbeiter hat ein wichtiges Telefonat entgegen genommen. Christiane Rost entschuldigt sich kurz. In dem Moment klackt ein Einkaufswagen, der von einem Fami-

lienvater aus der Reihe genommen wird. Er kauft mit seinem kleinen Sohn und der Oma ein. Die Großmutter sucht Früchte aus, während der Vater zielgerichtet auf die Käsetheke zugeht. Christiane Rost kommt aus ihrem Büro, sieht den Mann und begrüßt ihn: „Als heute Morgen die Käselieferung vom Schaalsee kam, habe ich schon an Dich

gedacht.“ Beide Schweriner kennen sich gut. Seine Familie kaufe gern all ihr Essen hier ein. „Sie kommen wie viele andere auch mit Fahrrädern und kleinen Rollis“, denn in der Lübecker Straße gebe es keinen großen Parkplatz, sagt die Bio-Händlerin. Die zentrale Lage des Marktes zahle sich dennoch aus, auch die Nähe zum dazugehörigen gegenüber liegenden Naturkosmetik-Geschäft. „In den vergangenen Jahren hat bei unserer Kundschaft ein Generationswechsel stattgefunden.“ Nach den Worten von Christiane Rost habe sich die klassische ÖkoBewegung in ein allgemein grünes Lebensgefühl gewandelt. „Viele merken, wie gut Lebensmittel ohne Zusatzstoffe tun.“ Das merkt die Bio-Markt-Inhaberin auch daran, dass jeder zehnte Kunde inzwischen online bestellt. Ihre Internetseite www.biomarktkaro.de gibt es seit sechs Jahren. Es nähert sich der Abend. So gern Christiane Rost für ihre Kunden da ist, freut sich aber auch auf ihr Zuhause, wo sie ihr persönliches Bio-Gefühl weiterlebt. „Ich habe sechs Schafe, die Landschaftspflege betreiben“, sagt sie lachend während sie mit dem Korb durch die Ladenreihen zieht. Gemüse, Nudeln, Wein und Öl hat sie eingepackt. Heute Abend will sie italienisch kochen. Das Bio-LammKotelett holt sie sich aber lieber aus ihrem SB-Regal. Ihre eigenen Schafe brauche sie schließlich zum Gras kürzen. Tilo Stolpe / Ecki Raff

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ERLEBNIS

In Natur und Geschichte eintauchen Auf dem Kloster-Zisterzienser-Lilienweg

Der Kloster-Lilien-Weg führt durch eine wunderbare, vielgestaltete Landschaft. Mitglieder beider Vereine testeten die Strecke.

Wandeln auf den Spuren klösterlicher Geschichte? Diese Möglichkeit bietet sich seit knapp einem Jahr von Neukloster im Landkreis Nordwestmecklenburg nach Rühn bei Bützow im Landkreis Rostock. Beide Orte besitzen ein ehemaliges Kloster und jeweils einen für deren Erhalt und Belebung kämpfenden Verein. Die Mitglieder lassen sich viel einfallen, um ihre Regionen touristisch noch attraktiver zu machen und die Urlauber, aber auch Einheimische mit Angeboten auf interessante Ausflüge zu locken. In diesem Sinne entstand der sogenannte Kloster-Zisterzienser-Lilienweg zwischen Neukloster und Rühn. Diese Idee hatte der „Klosterverein Neukloster“ e. V., eine sehr agile Gruppe, die es versteht, das ehemalige Kloster „Sonnenkamp“ als touristischen Anziehungspunkt ins öffentliche Licht zu rücken. So wusste man, dass im Jahre 2007 durch den Europarat eine Resolution zur Errichtung, Wiederherstellung oder Wiederbelebung

Unter den regulären Hinweisschildern findet man auf der Strecke auch die Symbole der Charta der Zisterzienser und der fleur de lys.

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von Kulturstraßen in Europa verabschiedet wurde. Gleichzeitig ist bekannt, dass Klöster auch als Kulturstätten Jahrhunderte lang miteinander verknüpft waren. Mit diesen Gedanken aktivierte der Verein einen Verbindungsweg zwischen dem Kloster „Sonnenkamp“ und dem Kloster Rühn und zog damit gleichzeitig den Rühner Verein mit ins Boot. Diese Route ist ein Erbe aus dem 13. Jahrhundert, als Zisterzienserstätten noch aktive Kontakte miteinander pflegten. Heute bemühen sich nun die zwei Vereine, das Erbe zu erhalten. Seitdem sich die Mitglieder vor einem Jahr selbst auf die Räder gesetzt hatten, um ein Stück Geschichte nachzuempfinden und dabei die abwechslungsreiche Natur zu erleben, empfehlen sie auch Einheimischen und Touristen dieses wundervolle Erlebnis. Wenn also das Wetter mit einem strahlendblauen Himmel, windstill, nicht zu warm, zu einer Radtour animiert, dann sei dieser Kloster-Lilienweg empfohlen, auf dem man in eine mindes-

Nach gut zwei Stunden kommen die Radler im Kloster Rühn an.

tens 800 Jahre alte Geschichte eintauchen kann. Ein kleines, 16-seitiges Heftchen für die Westentasche führt den Rad- oder Wanderfreund auf die richtige, etwa 27 Kilometer lange Strecke. Beginnend an der geschichts-trächtigen Klosteranlage „Sonnenkamp“ in Neukloster, wo Ausstellungen im Glockenturm und in der Kirche dem Besucher den Einstieg in eine andere Zeit und die historische Bedeutung dieser Route ermöglichen. Der Weg selbst führt durch eine reizvolle Hügellandschaft zum größten Teil durch Wald und an Feldern entlang sowie etwa 7,1 Kilometer wenig befahrbare und 2,7 Kilometer Landstraße. Passiert werden auch einige Dörfer, zunächst Neumühle. An der dort eingerichteten Fischtreppe des Teppnitzbaches findet der Ausflügler einen romantischen Rastplatz zum Verweilen. Kurz vor dem nächsten Ort, Pennewitt, kann ein Großsteingrab besichtigt werden. Bei Mankmoos stoßen die Landkreise Nordwestmecklenburger und Rostocker aneinander und in Qualitz wird das große Eingangstor zum Naturpark Sternberger Seenland passiert. Die Qualitzer Kirche aus dem Jahr 1233 lädt jedermann zur Besichtigung ein und am Rande des Feldes in Richtung Katelbogen findet sich ein Hünengrab mit Rastmöglichkeit. Sollten die Wanderer und Radler Kaffeedurst verspüren, im Café „Alte Schule“ in Baumgarten können sie sich wieder erfrischen und stärken. Von da an ist es nun nur noch ein Katzensprung bis zur ebenso geschichtsträchtigen Klosteranlage Rühn. Hier wird unbedingt die Führung durch das gesamte Areal empfohlen, die Parallelen, aber auch Unterschiedliches der beiden verbundenen Klöster herausstellt. Der Klosterweg zwischen Neukloster und Rühn ist übrigens der erste in Mecklenburg-Vorpommern, der das offizielle Logo der Straße der Zisterzienser trägt. Dementsprechend ist das Symbol der Charta der Zisterzienser (braun mit MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


ERLEBNIS

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Unterschrift Klosterweg) an den Wegweisern auf der Strecke angebracht. Die Neuklosteraner hatten sich aber noch für ein zweites Schild entschieden: eine gelbe Lilie auf blauem Grund. Denn zur französischen Fleur-delys hat Neukloster eine ganz besondere, historische Beziehung. Die Lilie ist bereits in Neuklosters ältestem Klostersiegel aus dem Jahre 1231 zu finden. Die meisten, tiefgründigeren, historischen Aussagen über das Kloster verdankt der Verein ihrem Vereinsmitglied Tom Clauß. Eine der größten Erkenntnisse seiner Forschungen, war die Tatsache um die Fleur-de-lys des französischen Königshauses. Sie taucht erstmals in Mecklenburg überhaupt im ältesten bekannten Konventssiegel des Klosters „Sonnenkamp“ von 1231 auf. Mitgebracht wurde sie von Fürst Johann I. zu Mecklenburg (1211-1264), der 17 Jahre in Paris Theologie studierte, Doktor wurde und 1226 mit einigen französischen Souvenirs, u. a. diesem Liliensymbol nach Mecklenburg zurückkehrte. Mehr zu deren Beziehung zum Kloster Sonnenkamp findet man in der Clauß’schen Ausstellung in der Neuklosteraner Kirche. Mit diesem Wissen sollte man sich also auf den Weg machen, auf den Kloster-Zisterzienser-Lilienweg zwischen den Klöstern „Sonnenkamp“ Neukloster und Rühn – einem kleinen „Baustein“ der europäischen Kulturstraßen.

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FREIZEIT

Radfahren – mit dem Pedelec ist mindestens so bequem wie Reiten.

Entspannt und sportlich unterwegs Erster Schweriner E-Bike-Shop am Ziegenmarkt Immer mehr Radfahrer steigen um. Nicht auf die Bahn oder das Auto, sondern auf das bequeme Elektro-Rad. Anders als jedes andere Fahrzeug bietet es sowohl sportliche Herausforderung als auch entspanntes Radeln mit Rückenwind. Denn die „Pedal Electric Cycles“, kurz Pedelecs, sind keine Mofas. Beim Einschalen startet kein Motor, auch ein Gaspedal gibt es nicht. Nur wenn der Radfahrer ganz klassisch in die Pedale tritt, wird er bei Steigungen und Gegenwind von einem leisen Elektromotor ganz nach Bedarf unterstützt. Wer nicht mehr die Kraft eines 20-Jäh-

Seit drei Jahren schon gibt es Fahrräder mit Rückenwind im Zweirad-Center Rademacher.

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rigen hat, aber trotzdem eine ökologische Alternative zum Auto sucht, wer nicht verschwitzt zur Arbeit kommen möchte oder wer einfach nur seinen Radius per Rad erweitern möchtet, schätzt dieses freudvolle Fahren. Je nach Akku und geforderter Unterstützung kommt man auf eine Reichweite von 50 bis 80 Kilometern. Seit zehn Jahren bereits produziert die Schweizer Firma Flyer solche Pedelecs, doch erst seit etwa drei Jahren haben auch die Schweriner die Chance, diese Klassiker vor Ort zu erwerben. Steffen Rademacher, Chef des gleichnamigen Zweiradcenters am Schweriner Ziegenmarkt, hat schon so manchen Kunden, so manche Kundin mit einem E-Bike glücklich gemacht.„Inzwischen gibt es viele Hersteller, die sich auf diesem wachsenden Markt tummeln“, sagt er. Pedelecs für jeden Geschmack, für jeden Anspruch bietet er nun im ersten E-Bike-Shop der Landeshauptstadt am Ziegenmarkt. Aus nicht weniger als 40 Elektro-Rädern unterschiedlichster Hersteller von Flyer über Scott bis Diamant können Interessenten hier wählen. Die fachliche Beratung und den Service gibt es gleich dazu. Obwohl: „Die Pedelecs sind nicht wartungsintensiver als andere Räder“, weiß Steffen Rademacher aus Erfahrung. Und: „Anfangs waren vor allem Kunden um die 50 die typischen E-Bike-Fahrer. Doch seit die Angebotsvielfalt so groß geworden ist, interessieren sich immer mehr jüngere Fahrer dafür.“ Vor allem die Sporträder der

Marke Scott und die Miniräder von Flyer passen so gar nicht zum behäbigen Image der Pedelecs. Die übrigens auch ganz ohne Motor gefahren werden können. Und da sie keine Mopeds sind, ist ein Mopedführerschein für die E-Bikes nicht erforderlich; auch Helmpflicht besteht bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern in der Stunde nicht. Eine Warnung spricht Steffen Rademacher jedoch aus: „Wer einmal aufs Pedelec umsteigt, ist davon so begeistert, dass er nicht mehr tauschen will.” Text & Fotos: Birgitt Hamm

Steffen Rademacher (Mitte) im ersten Schweriner E- Bike-Shop. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


GASTGEBER

Mecklenburg braucht Menschen mit großen Ideen Golchener Hof mausert sich zum Urlaubsparadies für die ganze Familie

Noch im Jahre 2000 standen am Rande von Golchen in einer Senke die alten Gebäude eines Landwirtschaftsbetriebes aus der DDR-Zeit. Wer jetzt nach 12 Jahren zum ersten Mal wieder in diese Gegend kommt, wird einfach nur staunen, wie sich das kleine Fleckchen Erde zwischen Rapsfeldern und Wiesen, zwischen dem Dorf Golchen und der B 104 bei Brüel herausgeputzt hat. Die Wandlung des stillgelegten Landwirtschaftsobjektes in einen modernen Bauernhof mit vielen Funktionen ist den Überlegungen eines Mannes zu verdanken, der im Nachbarort aufgewachsen war – Jörg Klingohr.

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„Hier hatte ich meine Kindheit verlebt, ging zur Schule und nun führte mich mein täglicher Weg zur Arbeit immer an Golchen vorbei. Und so dachte ich – eben im Vorbeifahren - über mögliche zukünftige Nutzungen nach, spielte mit meinen Gedanken bis ich nicht mehr anders konnte, als endlich zu beginnen“, erzählte er. Und er begann. Der 1. April 2000 war für Jörg Klingohr kein Tag voller Aprilscherze, nein, dies war der Tag, an dem er begann, seine Gedanken ernsthaft und zielgerichtet in eine neue, große Zukunft umzusetzen. Die, die ihn kannten, hätten eigentlich gemeint, Jörg Klingohr ist mit seinem Beruf und seinem Hobby voll ausgefüllt. Ist er doch, auch heute noch, praktizierender Diplompsychologe mit einem seit 2000 bestehenden Wirtschaftspsychologischen Institut (wi.ps). Und aus seinem Hobby, der Mitarbeit im Sternberger Carnevals Club (SCC) entstand die Figur „Bauer Korl“ – eine grundehrliche, direkte, etwas zurückgebliebene und mit Stallgeruch behaftete Haut, die immer einen passenden Spruch auf den Lippen hat und schon lange nicht mehr nur noch zur Karnevalsveranstaltung zu erleben ist. Nein, für Bauer Korl, den „Folkspfilosoff“, gibt es heute ganze Theaterstücke und, man kann es kaum glauben, eine eigene Spielstätte.

Aber soweit hatte Jörg Klingohr damals, im Jahre 2000, noch gar nicht gedacht. Die Gedanken, die im Vorbeifahren an den alten Golchener Stallungen durch seinen Kopf sausten, gingen eher in Richtung eines kleinen, bescheidenen Bauernhofs mit touristischer Kombination. Landwirtschaft zum Anfassen und Mitnehmen in Form eines kleinen Tierzuchtbetriebes mit Hofladen für den Verkauf von Ziegenkäse, Rindfleisch und hausgemachter Leberwurst. Doch schon sechs Jahre später stand die Festscheune - natürlich nicht nur als Spielstätte für Bauer Korl. Das Schlachtefest, die Weihnachtsfeier, der Musikantenstadl, das Erntefest, Bauer Korls Ossi-Party – inzwischen ist in der Festscheune unwahrscheinlich viel im Angebot. Natürlich ist der Saal auch privat oder für die Betriebsfeier zu mieten. Und nur zu empfehlen: Bauer Korl dazu. „Mit der Eröffnung der Festscheune 2006 begann die Entwicklung des Hofes immer mehr an Fahrt zu gewinnen. Die Pläne wurden realer und seit 2008 war der Golchener Hof – auch wegen seiner engagierten Mitarbeiter - in der Lage ein „richtig großes Projekt anzugehen“, erzählt der heute 47-Jährige. Gemeint ist der Bauernhofurlaub in einem exklusiven, phantastisch in die Landschaft passenden Bauernhof-

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GASTGEBER hotel für die ganze Familie. Seit dem 15. Juni 2012 können nun Familien, Paare oder Singles Urlaub auf dem Golchener Hof machen. 100 Betten in 25 Zimmern sind bereit, Gäste aufzunehmen. Ein Kaminzimmer, eine Bibliothek, ein kleiner Fitnessraum, der Spabereich, der übrigens auch den Besuchern aus der Region zur Verfügung steht - dies alles sorgt für das Wohlbefinden der Gäste, für aktive und/oder passive Erholung und Entspannung. Der Ausflug mit den Kindern auf dem Hofrundweg führt in eine wundervolle, mecklenburgische Natur, vorbei an der zum Naschen einladenden Obstbaumwiese, vorbei am Streichelzoo des Golchener Hofes mit Friesen, Ponys, Esel, Rindern, Schwei-

nen, Hunden, Kaninchen und Meerschweinchen. Mit Mutti können die Kleinen Eier holen oder mit Vati in das hofeigene Sägewerk zum Vogelhausbauen gehen. Der Naturbadeteich gleich neben der Pferdekoppel lädt zum Schwimmen, Planschen, seine Liegewiese zum Sonnenbaden ein. Fußball, Volleyball, Basketball spielen – eigentlich gibt es fast nichts, was man nicht auf dem Golchener Hof für sich und seine Erholung in Anspruch nehmen kann. Gigantisch ist im neuen Hotel die riesige Bauernhoftenne, in die Bauer Korl sehr viele Gäste einladen kann. Seine erste Großveranstaltung wird am 5. Dezember eine Weihnachtsgala sein. Generell verwöhnt wird man auf dem Golche-

ner Bauernhof, wie kann es anders sein, mit selbst geschlachteter und selbst angebauter hausgemachter Kost. Ebenso legt Jörg Klingohr großen Wert auf eine nachhaltig ökologische, CO2 neutrale Energiebilanz für den gesamten Hof inklusive des Hotels, realisiert mit einer Photovoltaikanlage und einer Windkraftanlage sowie einem Holzvergaser, der mit Holzhackschnitzel zur Wärmeerzeugung betrieben wird. An dieser Stelle möchte man meinen, ist der Golchener Bauernhof komplett. Doch weit gefehlt: Das Tüpfelchen auf dem „i“ kommt noch. D. h. auch diesen Gedanken umzusetzen, ist Jörg Klingohr gerade dabei. Zum Ende des Jahres wird eine kleine Hofkirche eingeweiht werden. Hierfür ziehen die Bauarbeiter der Region derzeit die Mauern hoch. Und wenn alles gut klappt mit dem Bau, dürfen die Weihnachtsgäste bereits eine besinnliche Andacht in der kleinen, im gleichen Stil, wie Hotel und Festscheune gebauten Kirche erleben. Anlässlich des Hotel-Richtfestes und der Kirchen-Grundsteinlegung Ende Januar meinte der Präsident des Tourismusverbandes M-V, Jürgen Seidel, in seinem Grußwort zu Jörg Klingohr und seiner Frau Christine:„Unser Land braucht solche verrückten Menschen, Menschen mit großen Ideen, die auch den Tourismus voranbringen.“ Kerstin Erz

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KUNST

Fünf Jahre „Seenlandkunst“ Das Sommerfestival und sein Spiritus Rector André van Uehm Die Erkenntnis traf den Fotografen grell wie ein Blitzlichtgewitter aus Nahdistanz, als er vor einigen Wochen beim Lesen auf den altmodischen Ausdruck stieß. Denn der entsprach genau seinem künstlerischen Selbstverständnis: mit der Kamera nicht lediglich Abbilder zu schaffen, sondern mit Hilfe von Licht, Optik und speziellen Techniken Fotokunst zu kreieren. Seitdem bezeichnet sich André van Uehm als Lichtbildner.

das Wesentliche der Fotografie extrahiert wird. Durch Filterung wirkt die Landschaft ausgeräumt und sparsam in der kompositorischen Erscheinung. Es geht nicht um den Wiedererkennungseffekt. Nicht Dokumentation, sondern vielmehr das Innehalten und Nachspüren eines Momentes stehen im Vordergrund.“ Diese Charakterisierung durch den Lichtbildner, der kürzlich zum Mitglied im Künstlerbund MV berufen wurde, bezieht sich

der von van Uehm im Internet betriebenen Seenlandgalerie, bei der die Kunstwerke in verschiedenen Formaten samt Passepartout und Rahmenvarianten „wandfertig“ bestellt werden können. Eine private Initiative wird zum Festival Der gebürtige Thüringer (Jg. 1963) und studierte Landschaftsarchitekt van Uehm hat den Großteil seines Lebens in Berlin

Zu besonderen Anlässen baut der Lichtbildner seine Seenlandgalerie vor dem Wohnhaus auf.

Architektur einer Landschaft Seine Motive aus Mecklenburg sind selten zufällig entdeckt, sondern wachsen vielmehr im inneren Bildvorgang. Meist ist vor der „Pirsch“ schon eine Vorstellung von Motiv, Wetter und Licht vorhanden. „Die Arbeiten entstehen aus existierender Landschaft und erdachter Stimmung, indem nur 42

vorrangig auf seine Schwarzweiß-Arbeiten, denen Farbkompositionen in Collagetechnik gegenüberstehen, die an Lionel Feininger und andere Künstler der klassischen Moderne erinnern. Zu betrachten sind sie bis Ende August im Rahmen der „Seenlandkunst“ in der Sternberger Stadtkirche, vor allem aber in

verbracht, aber immer wieder MV per Rad erkundet, wo er bereits als Schulkind alljährlich in Waren die Sommerferien verbracht hatte. Als sich ein Freund Mitte der 90er Jahre in der Sternberger Seenlandschaft ein Haus kaufte, half van Uehm bei Pflanzarbeiten und blieb – zuerst zu Besuch und 2001 mit eigenem

Hauskauf im selben Ort Woserin. Es war seine Idee, der erst 2005 mit der Gründung des Naturparks Sternberger Seenland geschaffenen Fremdenverkehrsregion auch im kulturellen Bereich eine umfassende Eigendarstellung zu ermöglichen.Dies gelang 2008 mit der ersten Gemeinschaftsaktion, die 20 Ausstellungen präsentierte. Daraus ist mittlerweile der Verein Seenlandkunst e.V. mit van Uehm als 1. Vorsitzenden ent-

Foto: Traudel Leske

standen. Unverändert will er ein Podium schaffen für regional ansässige Maler, Grafiker, Bildhauer und Fotografen, ebenso für Kunsthandwerker mit ihren Töpfer- und Flechtwerken, mit Textil, Metall- und Holzarbeiten. Wie sich an großen Besucherzahlen von einheimischen sowie touristischen Gästen und an ausführliMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


KUNST

Allee bei Schloss Bothmer.

cher Berichterstattung gezeigt hat, bieten Präsentationen von überregionalen Künstlern eine zusätzliche Attraktivität, die der Verein fördert. Überdies sieht er es auch als seine Aufgabe, zwischen hiesigen Künstlern, die nach Ausstellungsmöglichkeiten suchen, und potentiellen Ausstellungsveranstaltern Kontakt zu knüpfen. Denn mit seinen Gutshäusern, Schlössern, ambitionierten Hotels, Kulturscheunen und anderen originellen Ausstellungslokalitäten bietet die Region beiderseits der Warnow ein einmaliges Ambiente, dem sich kein Gast verschließen, dessen Bekanntheitsgrad aber

Kloster Zarrentin.

noch immer gesteigert werden kann. Die anfänglichen Erfahrungen haben zudem gezeigt, dass eine Ausweitung über das eigentliche Seenland hinaus sinnvoll ist. Daher erstreckt sich die Seenlandkunst seit 2010 zwischen Schwerin und Schwaan, zwischen Neukloster und Mestlin. Einerseits erweitert sich dadurch der Kreis der ausstellenden Künstler, andererseits werden so das städtische Publikum in Schwerin, Wismar, Rostock und Güstrow, aber auch die Touristen an der Küste stärker angesprochen. Wie schon in der Vergan-

genheit, wird Seenlandkunst alljährlich in den (Haupturlaubs-) Monaten Juli und August präsentiert; dem trägt die Verbreitung des Ausstellungsflyers Rechnung, der in örtlichen Touristenbüros sowie in großen Hotels der Region ausgelegt ist. Das komplette Programm findet sich auch im Internet. Aus den diesjährigen Jubiläumsveranstaltungen ragen drei Events hervor: eine Ausstellung in der Kunstmühle Schwaan zum 150. Geburtstag von Gerhart Hauptmann mit Arbeiten u.a. von Emil Orlik, Ivo Hauptmann, Käthe Kollwitz und Heinrich Vogeler, im Mestliner Kulturhaus eine Expo-

Fotos: Andre van Uehm

sition von Grafiken und Ölgemälden des Multitalents Armin Mueller-Stahl sowie eine Werkpräsentation der seit über 30 Jahren tätigen renommierten Kinderbuchillustratorin Jutta Bauer im Gutshaus von Alt Necheln bei Sternberg. Peter Bramböck

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THEATER

Is dat all so wiet? Manfred Brümmer, der Dramaturg der Fritz-Reuter-Bühne, geht in Rente Verabredung mit Manfred Brümmer, dem Dramaturgen der Fritz-Reuter-Bühne. Zum Glück ist schönes Wetter und so können wir uns auf den Balkon der Theater-Kantine setzen. Nicht wegen der Sonne, der eigentliche Grund: Da darf man rauchen und ohne Zigaretten ist ein Gespräch mit Manfred nicht denkbar. Vom Kantinen-Balkon hat man einen wunderbaren Blick auf den Alten Garten. Auf dem steht das Roncalli-Zelt, in dem in diesem Sommer „Der Bajazzo“ bei den Schlossfestspielen aufgeführt wird, dahinter das Schloss, Sitz des Landtags von MecklenburgVorpommern. Über das Wohl und Wehe der Theater im Land wird dort diskutiert und entschieden, auch über das der Fritz-ReuterBühne. Manfred Brümmer hat in seinen fast vierzig Jahren am Schweriner Theater das Auf und Ab der niederdeutschen Bühne erlebt und immer an das Bestehen der Bühne geglaubt. Er gibt dem plattdeutschen Theater eine Zukunft und begründet die Notwendigkeit: „Wenn wir die Pflege des Plattdeutschen nicht betreiben, wird es von den Rechten okkupiert. Auf das ‚Volkstümliche’, genau da setzen sich die Rechten drauf, versuchen es zu vereinnahmen.“ Warnende, mahnende Gedanken, die Manfred Brümmer in einem Brief an die Landtagsfraktionen formulierte. Es ist keine Übertreibung, wenn man sagt: Für Manfred Brümmer sind Theater bzw. Kultur sein Leben. Schon als Schüler war er fasziniert vom Theater, ist 25 Kilometer mit dem Fahrrad nach Neustrelitz zu den Vorstellungen gefahren. Manfred Brümmer wurde 1947 in Stavenhagen – der Reuter-Stadt – geboren und hat nach der Schule, dem Wunsch seines Großvaters entsprechend, eine Ausbildung zum Forstwirt absolviert, seinen Meister gemacht, als Lehrmeister 44

und Heimerzieher gearbeitet. Doch das war alles nicht sein Ding, in einem Fernstudium qualifizierte er sich zum „Staatlichen Leiter des künstlerischen Volksschaffens“ (Berufsbezeichnungen klangen in der DDR mitunter abenteuerlich). Mit diesem Abschluss in der Kaderakte wollte Manfred in die Kultur:„aber gleich ans Theater habe ich mich nicht getraut.“ In die Wunschrichtung Kultur ging es aber schon beim nächsten Berufsschritt. Beim Staatlichen Sinfonieorchester Schwerin fing Manfred Brümmer an, war verantwortlich für Solistenbetreuung, Werbung, Organisation (heute würde man Marketing sagen). „In den zwei Jahren habe ich viel gelernt, vor allem über Musik und es hat Spaß gemacht.“ Dann kam, wie wohl in fast jeder Biographie, der berühmte Zufall: Manfred Brümmer lernte Peter Reder kennen, einen Schauspieler der Fritz-Reuter-Bühne. Man kam ins Gespräch, redete über dies das und darüber, dass Manfred Theater-besessen ist. „Wir suchen dringend einen neuen jungen Mann (Rollenbezeichnung für den jugendlichen Liebhaber), wäre das nichts?“ Es dauerte noch eine Weile, aber dann passierte es: „Ich saß an meinem Schreibtisch, war, was ja normal ist, wütend über irgendwas im Job, und da griff ich zum Telefon und rief im Theater an.“ Manfred landete direkt bei Schauspieldirektor Christoph Schroth, dem auch die ReuterBühne unterstand. Das Gespräch am Telefon war kurz, Schroth fragte, ob der Herr Brümmer denn möglicherweise gleich zu ihm kommen könnte? Manfred konnte – das Gespräch war dann länger. Drei Wochen später hat Manfred Brümmer vorgesprochen und wurde engagiert am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Das war 1975, und er hat diese Entscheidung nie wirklich bereut. Natürlich kamen Momente, da „har hei de Snuten vull“. Er wollte

weg vom Theater, was Neues lernen. „Deshalb musst Du nicht weg, das kannst Du auch hier“, sagte sein Intendant. Und Manfred Brümmer wurde für ein Jahr Assistent bei Christoph Schroth. Es wurde ein intensives und wie gewünscht, lehrreiches Jahr: „Wir haben ohne Ende über Konzepte geredet, nächtelang diskutiert. (Damals durfte man in der Kantine noch rauchen.) Inzwischen war die Fritz-ReuterBühne selbständig, hatte einen eigenen Direktor – und zu dem wurde 1983 per Dienstauftrag Manfred Brümmer. Eine Funktion, die er so gar nicht mochte. In seiner Direktorenzeit führte Manfred die Dramaturgenstelle an der Reuter-Bühne – die er dann sofort und freudig übernahm, als 1988 ein neuer Direktor kam. Endlich! Bis zum Ende der laufenden Spielzeit ist Manfred Brümmer Dramaturg der Reuter-Bühne. In den mehr als zwanzig Jahren hat er unzählige Stücke gelesen, ausgewählt: „Das ging meistens nach dem Motto: Was haben wir im

Ensemble: drei Damen, vier Herren, also kommt nur ein SiebenPersonen-Stück in Frage“, erinnert sich Manfred an vergangene Zeiten. Ebenso daran, dass aus der Not heraus, weil es keine plattdeutschen Stücke gab und für die möglichen West-Importe keine Devisen da waren, Lustspiele von Rudi Strahl ins Plattdeutsche übersetzt wurden. Manfred hat reichlich übersetzt und bearbeitet, aber auch ebenso fleißig eigene Sketche, Szenen, Lieder geschrieben. Seiten würde es füllen, wollte man sein „Gesamtwerk“ auflisten. Er selbst benennt zwei Inszenierungen als „Highlights seines Berufslebens“, beides Arbeiten mit dem Regisseur Bernd Reiner Krieger. Zum einen die niederdeutsche Fassung von Goethes „Faust“ im Jahr 2005 und das Schauspiel „Der goldene Anker“. Das Stück hat Manfred Brümmer gemeinsam mit Bernd Reiner Krieger in langen Stunden und bei einigen Flaschen Rotwein aus dem Französischen ins Plattdeutsche übertragen. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


THEATER

Manfred Brümmer als jugendlicher Liebhaber mit Anke Neumann in „De Hochtiedsschol". Fotos: Mecklenburgisches Staatstheater/Archiv Als wirklichen Erfolg verbucht Manfred Brümmer die 2011 erschienene Weihnachts-CD. Nicht weil die meisten Texte darauf von ihm sind, sondern: „Dass wir es endlich geschafft haben. In den Weihnachtsprogrammen steckt so viel Einsatz von allen Beteiligten drin, und dann ist das nach einem Dutzend Auftritten weg. Wird auch nicht wiederholt, denn fürs nächste Jahr machen wir ein neues Programm.“ Nun ist also das Beste aus den Programmen seit 1997 auf der im TENNEMANN-Verlag herausgegebenen – und mit maßgeblicher Unterstützung des Verlags entstandenen – CD versammelt. Die Sonne scheint immer noch auf dem Kantinen-Balkon und im Aschenbecher ist auch noch Platz, bei der nächsten Zigarette die Frage „nach dem Plattdeutschen an sich“.„Wenn die plattdeutsche Sprache lebendig bleiben will, muss sie sich assimilieren, sonst wird sie museal“, so Manfred Brümmers Statement. Er plädiert für die Vielfalt der Sprache, will sie nicht niedlich, aber auf gar keinen Fall erdenschwer-melancholisch haben, wehrt sich gegen verkrampfte Übersetzungen durch die „Berufsplattdeutschen“. Und er kann herrlich wettern, wenn die Leute sich beim Schreiben nicht um eine korrekte plattdeutsche Orthographie bemühen. „Im Theater muss sich die Sprache beim ersten Hören erschließen“, so Manfred Brümmers Erfahrung, die auch für Radio und Fernsehen MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

gilt. Seit fünfzehn Jahren ist Manfred Brümmer Moderator der beliebten „Plappermoehl“ – was er auch als „Rentner“ weiter machen wird. Rentner, das kann man in Bezug auf Manfred wirklich nur in Anführungszeichen schreiben. Projekte bei seiner Fritz-Reuter-Bühne wird es auch in Zukunft geben, ebenso wie die „E-Mail von to Hus“ im Radio. Manfred wird am Küchentisch sitzen und schreiben – mit der Hand, auf die Rückseite von einmal bedrucktem Papier. „Papier unnütz wegwerfen, das kann ich nicht.“ Wer wie Manfred in einer Familie mit mehreren Kindern groß wurde, der ist zur Sparsamkeit erzogen, einen Luxus leistet er sich aber doch: „Ich kann mir jetzt die Bücher kaufen, die ich möchte.“ Eigene, meist kleinformatige, Hand- bzw. Jackentaschen-kompatible Bücher von Manfred Brümmer sind bestimmt schon im Werden. Zur Endkorrektur geht es dann aus der Küche an den Schreibtisch, an den Computer. Manfred Brümmer wurde 1997 mit dem Johannes-Gillhoff-Preis geehrt, 2010 mit dem Fritz-ReuterLiteraturpreis und es wird, wie üblich, wenn jemand seine Berufsarbeit beendet, noch die eine oder andere Ehrung dazu kommen.

use merpa m o S nch st Bru u g u A Juli,

Die Sonne verschwindet langsam, der Aschenbecher ist voll. Danke für das Gespräch, Tschüß Manfred, bis irgendwann im Theater. Karin Gustmann

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KUNST

Die Künstlerin EVA GÜTHOFF fand ihr Paradies in Eickhof Eine Frau, die noch mit 70 ihre Hände nicht in den Schoß legen kann. Das Markenzeichen dieser Künstlerin ist der schwarze, schamotteartige Ton. Ihre Hände kratzen an einem Klumpen Ton. Es ist ganz besonderer Ton, schwarzer Schamotte aus bestimmten französischen Regionen. Den gibt es auch in Weiß, aber den schwarzen mag sie lieber - oder sie kombiniert beide in ihren Arbeiten. Wenn sie lange an diesem grobkörnigen Ton formt, werden ihre Hände trocken und rissig und bedürfen viel cremiger Pflege. Trotzdem sieht man es ihren Händen an, dass sie gewohnt sind, zu arbeiten. Nicht nur mit dem Ton, auch im Garten und im Pferdestall. Diese Hände gehören Eva Güthoff, eine Künstlerin, die 1942 in Schlesien geboren wurde, in BergischGladbach aufwächst, eine Frauenfachschule und ein Erzieherinnenseminar sowie die Fachschule für Keramik in Bergisch-Gladbach besucht und 1972 Erzieherin in der Psychiatrie wird. Von 1973 bis 1993 arbeitet sie mit behinderten Menschen in der Landesklinik Viersen-Süchteln. Das prägt ihre Art, künstlerisch kreativ zu sein. Ihre Plastiken und Skulpturen sind allesamt Geschöpfe ihrer Erfahrungen, aber

auch ihrer Phantasie und sinnbildliche Umsetzungen von Begriffen wie „Einer trage des anderen Last“, „Gefangen im eigenen Körper“, „Klotz am Hals“, „Spitzzüngig, doppelzüngig, gespaltene Zunge“,

„Der Einäugige ist unter den Blinden König”, „Neugierde” und vieles mehr. Immer wieder sorgt sie für ihr künstlerisches Fortkommen, absolviert z. B. ein Porträt- und Aktstudium an der Europäischen Kunstakademie in Trier. Ihren Lebensmittelpunkt findet Eva Güthoff zunächst in Hinsbek/Nettetal in Nordrheinwestfalen. Dort zieht sie zwei Söhne auf, heiratet ein zweites Mal. Ihr Gerhard ist Lehrer und trägt sie auf Händen. An seiner Seite kann sie ihre künstlerische Leidenschaft noch mehr ausleben, engagiert sich als Ausstellerin mit eigener Galerie. Spätestens seit Ende der achtziger Jahre sind Eva Güthoffs Skulpturen und Plastiken auch über die Grenzen Nettetals bis ins Ausland bekannt. Seit Anfang 1991 konzentriert sich die damals 49-

Gern kombiniert die Künstlerin ihre Tonarbeiten mit rustikalem Holz.

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Jährige ganz auf ihre eigene künstlerische Entwicklung und den qualitativen Ausbau ihrer einladenden Galerie in ihrer Heimatstadt. Sportlicher Ausgleich sind die Pferde, ihre Reiterei, aber auch Hund und Katze. Mit der Wende halten ihre Arbeiten Einzug in Mecklenburg. Zunächst aber kommen sie selbst. Gerhard und Eva Güthoff machen, neugierig auf das neue, noch unbekannte Mecklenburg, Urlaub im Sternberger Seenland. Beide fühlen sich in der Region sofort wohl, kaufen sich ein Ferienhäuschen und sind jede Ferienzeit oder jedes verlängerte Wochenende da. So wird Sternberg die neue Wahlheimat der Künstlerin. Da bleibt es nicht lange aus, dass sie auch hier eine erste Ausstellung gestaltet. Diese wird ihr im Sternberger Heimatmuseum 1999 ermöglicht. Ausflüge in die Umgebung führen zur Entdeckung eines stark sanierungsbedürftigen Schnitterkatens in Eickhof, in den sich beide sofort verlieben. 2001 wird das Eickhofer Anwesen als späterer Altersruhesitz gekauft. In der landschaftlichen Idylle des kleinen Dorfes bei Bützow findet also die Künstlerin Eva Güthoff ihr zukünftiges Lebens- und Arbeitsparadies. Den alten Schnitterkaten verwandeln die Güthoffs in ein Wohnhaus. Einem ehemaligen Schweinestall verleiht die Künstlerin südliches Flair – gerade die richtige Arbeitsatmosphäre für ihre künstlerischen Aktivitäten und gerade die richtige Ausstellungsatmosphäre für die fertigen Skulpturen. Zehn Jahre pendelt sie per Zug oder per Auto mit Mann und Hund und zwei Katzen die gut 600 Kilometer zwischen Nettetal und Eickhof hin und her. In diesen zehn Jahren verschiebt sich ihr Lebensmittelpunkt mehr und mehr in Richtung Mecklenburg. Bis im vergangenen Jahr der Lehrer Gerhard Güthoff in den Ruhestand gehen kann und die Eheleute nun gemeinsam und endgültig ihr Leben auf dem Gehöft in der Alten Dorfstraße gestalten. Eva Güthof bietet ihre künstlerischen Fähigkeiten der Region an. Immer wieder hat sie Schulklassen da, mit denen sie kreativ am Ton arbeitet. Viele Freunde hat sie hier gefunden. Eine Frauengruppe trifft sich einmal wöchentlich in der Kutscherstube oder auf dem Kunsthof. Und während Evas Gerhard sich in dieser Zeit mehr zu den Pferden hingezogen fühlt, bei denen er immer Arbeit und Beschäftigung findet, setzen sich die Frauen hin zum gemeinsamen Basteln. Da wird dann MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


KUNST

Aus so einem Klumpen Ton, der nach dem Brennen schwarz wird, formt Eva Güthoff z. B. kleine Spatzen.

Gleich am Eingangsbereich des Güthoffschen Gartens empfängt die Nixe oder Badende in der Zinkwanne die Besucher.

Eva Güthoff inmitten ihrer Skulpturen.

z. B. der schamotteartige Ton zu kleinen Spatzen oder Igeln geformt und als gebranntes Souvenir für den eigenen Garten mit nach Hause genommen. „Ihre” Frauen unterstützen Eva Güthoff aber auch bei ihren Ausstellungen, zu „Kunst offen” beispielsweise oder am Wochenende der „Offenen Gärten”. Da wandert dann schon diese und jene Skulptur aus ihrem Garten hinaus, um einen anderen Platz zu zieren.

ausrangierten Kutsche sitzt ein altes Paar, das ab und an von den Pferden begrüßt wird.

ohne. Und sollte dem einen oder anderen eine Arbeit dieser Frau gefallen, kann er gern über die Mitnahme mit ihr verhandeln. Wenn sie dann wieder etwas Neues formen kann mit ihren kreativen Händen, dann freut sie sich, denn ihre Hände in den

Schoß legen, das kann die heute 70-Jährige immer noch nicht.

Ja, das Anwesen der Künstlerin Eva Güthoff ist eine Entdeckungsreise wert. Zu jeder Zeit, wenn sie da ist. Mit Führung oder

Text & Fotos: Kerstin Erz

Aber nicht nur an diesen „offenen” Tagen kann man Eva Güthoff besuchen. Wenn sie da ist, empfängt sie gern und zeigt ihre Arbeiten, die nicht nur in ihrem Kutscherhof-Atelier zu besichtigen sind, sondern auf dem ganzen Gelände des einstigen Schnitterkatens. Allein der Garten ist eine einzige Kunstentdeckungsreise: Eine Nixe badet in der alten Zinnwanne, zwischen Veilchen und Vergissmeinnicht lugt ein schwarzes Gesicht heraus, mitten im Hof schauen Sterngucker in den Himmel,Wassergeister halten sich mit großen Händen am Wannenrand fest und sind kurz davor, den Besucher anzuspucken, auf der Koppel kann man die „7 Geschworenen” kennen lernen und auf der MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

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Foto: Michael Mevius MECKLENBURG-SCHWERIN del端x 2/2012

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TRADITION

Haupteingang zum Landgestüt Redefin mit Blick auf das Reithallenportal.

„Das vermutet man ja gar nicht, wenn man hierher fährt!” – Der erstaunte Ausruf einer Besucherin von Redefin entlockt den Kennern nur ein freundliches Schmunzeln. Offensichtlich ist sie das erste Mal an diesem Ort. Dabei existiert das Landgestüt bereits seit 200 Jahren. Das ist Grund genug in diesem Jahr immer wieder zu feiern und den Leitspruch „Leistung aus Tradition” besonders im zweiten Wort zu betonen. Eine Festschrift im Auftrag des Förderkreises bildet den Auftakt. Darin ist die gesamte Geschichte auf 164 Druckseiten und mit viel Bildmaterial untergebracht. Die Kurzfassung könnte lauten: 1812 gibt Herzog Friedrich Franz I. seinem Vizeoberstallmeister Vollrath von Bülow den Auftrag in Redefin ein Landgestüt einzurichten, und 2009 übernimmt Antje Kerber die Leitung des Gestüts. Dazwischen erhalten die wichtigsten Protagonisten viel Platz – die Menschen und die Pferde. Pferdezucht ist nur vergleichbar mit Forstwirtschaft und Parkgestaltung – es erfordert Weitblick und von den handelnden Personen die Fähigkeit über das eigene Lebensalter hinaus zu blicken. Das heißt, wenn ein Züchter einen bestimmten Pferdetyp anstrebt – wie z.B. das Mecklenburgische Warmblut – wird er das eigentliche Züchtungsziel selten selbst erleben. Dann muss er auf die Weiterführung seiner Ziele durch Nachfolger hoffen. Das hat in Redefin nicht immer geklappt. Vollrath von Bülow hat 1812 einen der angesehensten Jobs im Lande und die Offerte seines Landesherrn ihm die „Errichtung eines für sich bestehenden, vereinten Haupt- und Landgestüts zu Redevin, und die vollständige Organisation desselben, allerhöchst zu befehlen” sicherlich mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Als er 1840 stirbt, hinterlässt er als Glanzpunkt seiner vielfältigen Lebensleistung ein Gestüt, das die Architektursprache des Klassizismus nutzt, um der Zucht eines „idealen Wirtschaftspferdes, das auf dem Acker und vor dem Wagen seine Pflicht tut, gängig ist und sich beim Militär auch schwierigen Aufgaben gewachsen zeigt”, den nötigen Platz zu geben. Danach folgen schwere Jahrzehnte für das Gestüt, bis

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Antike trifft Gegenwart 200 Jahre Leistung aus Tradition im Landgestüt Redefin

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TRADITION

Aufstellung der Ehrengäste anlässlich der 100-Jahrfeier des Landgestüts Redefin 1912 vor dem Landstallmeisterhaus. Vorn im dunklen Mantel: Oberlandstallmeister Christian Freiherr von Stenglin.

Christian Freiherr von Stenglin 1892 im Hannoverschen Celle den Traumjob als Gestütschef aufgibt – und nach Redefin geht. Er stammt aus der Gegend von Boizenburg und baut in 30jähriger Arbeit die Zucht des Mecklenburger Warmbluts aus. Stenglin ist der Vater der Hengstparaden, die erstmals 1897 als öffentliche „Hengstenschau” veranstaltet werden. Sein Nachfolger, der gebürtige Neustrelitzer Werner Freiherr von Wenckstern, ist oberster Pferdechef im Oldenburgischen. 1921 wechselt er nach Redefin, verwaltet nun den Mangel und verhindert erfolgreich die Schließung des Landgestüts. Die sowjetischen Besatzer entführen fast den gesamten Hengstbestand als Reparationsleistung in die UdSSR. In der Zeit übernimmt Werner Hartwig die Zügel im Gestüt und seinen völligen Neuaufbau. 1955 flieht er in den Westen. 1958 kommt der Pferde malende ehemalige Reichswehroffizier Hans Henschler als Chef nach Redefin und verteidigt die Mecklenburger Rasse auch noch, als sie schon gar nicht mehr so heißen darf und in der DDR als Exportschlager zum „Edlen Warmblut” mutiert. Existenziell bedrohliche Turbulenzen bringt wieder die Zeit als Treuhandgestüt mit sich, bis 1993 das Land Mecklenburg-Vorpommern das Gestüt übernimmt – übrigens schuldenfrei. Als Staatsgestüt nimmt Redefin seit 1994 einen ungekannten Aufschwung. Mit enormen Investitionen wird der sichtbare Sanierungsstau abgebaut. Erhalten bleibt ein Kulturgut in mehrfacher Hinsicht. Das eine Kulturgut ist die klassizistische Architektur. Das andere Kulturgut ist der Mecklenburger – „ein edles, starkes, leichtfuttriges Warmblutpferd mit hoher Leistungsfähigkeit und

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gutem Temperament im Typ des Hannoveraners.” Das Landgestüt ist in der Gesamtheit der Gebäude als „erhaltenswertes Denkmalensemble der Kunst- und Kulturgeschichte” Bestandteil der Denkmalliste des Landes. Die Erhaltung des Mecklenburger Warmblutpferdes ist eine im öffentlichen Interesse stehende Aufgabe im Sinne des Tierzuchtgesetzes von 2006. Die von Carl Heinrich Wünsch vor

Titelblatt der Festschrift zur 150-Jahrfeier des Landgestüts Redefin 1962.

200 Jahren geplante Ordnung der Gebäude ist noch fast vollständig erhalten. Sie umschließen einen großen Platz, in deren Mitte sich die Pferdeschwemme befindet. Die Mittelachse erhält einen monumentalen 

Der 1917 geborene preisgekrönte Redefiner Landbeschäler Amandatus, von dem Hannoveraner Amandus, um 1935.

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TRADITION

Leistung aus Tradition Festschrift zur 200-Jahrfeier des Landgestüts Redefin von Wolf Karge

Ein jährlicher Höhepunkt der Hengstparaden – der 16-ner Zug im September 2011.

Schlusspunkt mit dem Reithallenportal. Das Portal ist das Glanzstück des Baumeisters und beeindruckt bis heute durch seine Klarheit und konsequente Sprache des an der Antike orientierten Klassizismus. 1995 beginnen die ersten umfassenden Sanierungsarbeiten. Mit der Fassade am Landstallmeisterhaus und der Instandsetzung des Inspektorhauses erfolgt 1996/97 der erste gelungene Sprung zur optischen Wiederherstellung der ursprünglichen Ansicht. Die „Hohe Schule” wird der Ersatzbau für die Reithalle und die Sanierung des Portals. Der Förderkreis ermuntert die Mitglieder zu Spenden in Höhe von 200.000 D-Mark und begeistert weitere Geldgeber wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Die Restaurierung der Basreliefs finanziert die Ostdeutsche Sparkassenstiftung zusammen mit der Kreissparkasse Ludwigslust. Da die neue Reithalle größer als der Ursprungsbau ausfallen muss, um internationalen Standards zu genügen, ergibt sich ein Problem in der Sichtachse vom Haupteingang aus. Die Lösung liefert ein Architektenwettbewerb. Schließlich wird das wiederentdeckte großherzogliche Monogramm mit den originalen Buchstaben und der Krone neu vergoldet und auf der Kartusche aufgebracht. Das gereinigte Uhrwerk läuft. 1999 sind die Arbeiten abgeschlossen. Die Hengstkörung als erste Veranstaltung in der neuen Halle hat durchaus symbolischen Charakter.

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Die Farbe ist noch nicht ganz trocken, da wird das Gebäude von den Musikfestspielen Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Die Akustik der Halle überzeugt sofort. Justus Frantz dirigiert die Philharmonie der Nationen und das Event „Picknick, Pferde, Promkonzert” ist geboren. 2.500 Besucher feiern mit dem Gestüt auch die begleitende Hengstvorführung vor dem Portal. Heute heißt es „Picknick, Pferde, Sinfoniekonzert” und hat einen Spitzenplatz in den Festspielen. Jährlich etwa 100.000 Besucher kommen nach Redefin, um sich an Architektur, Pferden und Musik zu erfreuen. Der Geheimtipp von gestern ist heute längst zu einem festen Bestandteil des Kultur- und Pferdesportkalenders geworden. Das Landgestüt ist ein Kulturstandort – die Sanierung der gesamten Anlage steht im Kontext zum Kulturgut Pferd und ist im Rang der Schlösser Ludwigslust, Bothmer oder Mirow zu nennen. Die Haltung qualitätsvoller Landbeschäler für die Landespferdezucht, aber auch für die Absicherung eines gut ausgebildeten Lehrpferdebestandes in der Reitund Fahrschule, bleiben für die Berittmachung der Hengstparaden und zahlreichen Vorführungen unerlässlich. Die Leistung speist sich weiter aus der Tradition.

Rechtzeitig zum Saisonauftakt des Pferdesports in Redefin lag die Festschrift des Schweriner Historikers Wolf Karge auf dem Tisch. In einem Format von 29 x 25 cm auf 164 Druckseiten und mit 240 Abbildungen wird die wechselvolle Geschichte dieses einmaligen Kulturgutes in Mecklenburg-Vorpommern erzählt. Im Auftrag des Förderkreises und mit Unterstützung der Sparkassenstiftungen MecklenburgSchwerin konnte ein dem Anlass angemessener und von Heike Bräuer aus Rostock sehr gut gestalteter Band vorgelegt werden. Informativ und mitunter mit Augenzwinkern erzählt Wolf Karge die wechselvolle Geschichte des Landgestüts. Erstaunlich, wie sich Geschichte auch im Fokus einer solchen Einrichtung ständig wiederholt. Über 200 Jahre wechseln die Förderung und Entwicklung des Gestüts immer wieder mit Schließungsdrohungen. Menschen und Pferde vor der klassizistischen Kulisse werden ausführlich geschildert. Bekanntes wird mit neuen Informationen verbunden. Neu ist z.B. die genaue Nennung der Personen, die am Bau des Portals und seinen Schmuckelementen beteiligt waren. Neu ist auch, dass das bekrönte M im Giebel des Landstallmeisterhauses, der Brand des Mecklenburger Warmbluts, erst um 1962 dort angebracht wurde. Die Liste der Danksagungen zeigt die breite Unterstützung, die Wolf Karge bei seiner Arbeit erfahren hat und die gleichzeitig eine Garantie für die Qualität des Buches ist. Die Festschrift ist ausschließlich über das Landgestüt Redefin zu beziehen. cm

Text, Fotos & Reproduktionen: Wolf Karge

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REGIONALMARKETING

Metropolregion Hamburg ist gewachsen Seit rund zehn Jahren engagiert sich der ehemalige Landkreis Ludwigslust in der Metropolregion Hamburg (MRH). Am 20. April 2012 sind das Land Mecklenburg-Vorpommern sowie die Landkreise Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg neben Ostholstein und den kreisfreien Städten Lübeck und Neumünster als neue Mitglieder aufgenommen worden.

Landrat Rolf Christiansen bei der Unterzeichnung des Verwaltungsabkommens.

Der Metropolregion Hamburg gehören nunmehr 17 Kreise und Landkreise, zwei kreisfreie Städte sowie die Hansestadt Hamburg an. Ebenfalls Träger dieser Kooperation sind die vier Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und MecklenburgVorpommern. Damit ist die MRH die erste Metropolregion, in der sich alte und neue Bundesländer vereint haben. „Die Erweiterung der Metropolregion Hamburg wird allen Beteiligten praktische Vorteile bringen. Der Vertrag ist aber auch ein Dokument unserer gemeinsamen norddeutschen Identität. Eine vernetzte regionale Infrastruktur, die Förderung von grenzüberschreitenden Projekten, ein gemeinsames Standortmarketing – all das macht die Metropolregion zu einem wichtigen Bestandteil für die norddeutsche Zusammenarbeit insgesamt“, erklärte Ministerpräsident Erwin Sellering am Tag der feierlichen Vertragsunterzeichnung im Hamburger Rathaus. Mit der Unterzeichnung des neuen Staatsvertrages und eines neuen Verwaltungsabkommens der beteiligten Länder ist die Fläche der MRH von 19.800 auf 26.000 Quadratkilometer gewachsen und 54

die Bevölkerungszahl von 4,3 auf 5 Millionen Bewohner angestiegen. Im Staatsvertrag sind die Förderfonds festgeschrieben. Diese sind nun mit 300.000 Euro zusätzlich ausgestattet und umfassen jetzt 2,7 Millionen Euro jährlich. Das Verwaltungsabkommen regelt die Ziele, Arbeitsstruktur sowie die Finanzierung der

lust formal per Beschluss den Weg in die Metropolregion geebnet und auch die Gremien des neuen Kreistages Ludwigslust-Parchim stimmten Ende Februar dem Verwaltungsentwurf zu. „Seit nahezu zehn Jahren engagieren wir uns in der Metropolregion Hamburg”, sagte Landrat Rolf Christiansen. „Mir ist es sehr wichtig, dass wir als Wirtschaftsstandort unter dem Label Metropolregion Hamburg segeln können. Damit erreichen

wir eine ganz andere Wahrnehmung und werden einer dynamisch wachsenden Wachstumsregion zugeordnet. Und entsprechend, als Partner, haben wir uns eingebracht. Ob Wirtschaft, Verkehr, Energie, Tourismus… das Mitwirken in der MRH betrifft alle wesentlichen Felder der Regionalentwicklung. Und die macht ja nicht an Landkreis- oder Ländergrenzen halt.” Dass der Landkreis Ludwigslust-Parchim

Metropolregion. Im Jahr 2003 erhielten die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern, der Landkreis Ludwigslust und die Hansestadt Lübeck zunächst Gaststatus in den Facharbeitsgruppen der MRH und nutzten so die Möglichkeiten, sich aktiv an Beratungen und Projekten zu beteiligen. Der Landkreis Ludwigslust wurde zudem – wie die Kreise und Landkreise der MRH auch – Mitgesellschafter der Hamburg Marketing GmbH. Im vergangenen Jahr hatte der Kreistag Ludwigs-

Die drei Ministerpräsidenten der Länder Mecklenburg-Vorpommern Erwin Sellering, Niedersachsen David McAllister und Schleswig-Holstein Peter Harry Carstensen sowie der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg Olaf Scholz bei der Übergabe der Ratifizierungsurkunden des neuen Staatsvertrages zur Metropolregion Hamburg.

Landrat Rolf Christiansen, Landrätin Jutta Hartwieg, Leiter der Geschäftsstelle Jakob Richter und Landrat Kai-Uwe Bielefeld bei Fotos: MRH der Podiumsdiskussion. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


gemeinsamen Leitprojekten. Es gilt, Projekte durchzuführen, die die Zusammenarbeit festigen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit aller steigern.

jetzt mit dem Teil des Altkreises Ludwigslust Mitglied wird, bewertet der Landrat als unproblematisch. „Als Landkreis werden wir uns weiterhin ganz intensiv einbringen in die starke Gemeinschaft MRH. Und wir werden letztlich auch indirekt als gesamte Region Ludwigslust-Parchim gewinnen. Gute und sinnvolle Regionalentwicklung hat schließlich immer Ausstrahlungscharakter.”

Für die gewachsene Metropolregion stehen drei wichtige Aufgaben an: erstens, die Zusammenarbeit und Integration der neuen Partner. Hier geht es darum, die Kooperation in der neuen Struktur umzusetzen. Zweitens, die Fortführung der Strukturreform: Aktuell wird die Einbindung der Wirtschaft in die Metropolregion Hamburg vorbereitet. Die dritte wichtige Aufgabe ist die Weiterentwicklung von

Landrat Rolf Christiansen sieht nun an erster Stelle „den fachlichstrategischen Austausch, der es auch den „Neuen“ ermöglicht, an der Entwicklungsdynamik der Metropolregion Teil zu haben. Wir bringen viele Potenziale ein und sehen unsere Mitgliedschaft nicht als Einbahnstraße. Gemeinsame Projekte lassen uns Aufgaben anpacken, die im Alleingang nicht sinnvoll zu lösen wären. Speziell für die Mecklenburger Kreise gilt es, die norddeutsche Identität zu stärken, global als Teil der Marke Hamburg wahrgenommen zu werden und die deutsche Teilung endlich Geschichte werden zu lassen.“ Die beteiligten Länder und Kreise der Metropolregion unterhalten eine gemeinsame Geschäftsstelle in Hamburg; ihre Aufgaben sind das Gesamtmanagement der Zusammenarbeit, die Aufstellung des Arbeitsprogramms, die Öffent-

Kontakt Regionalmarketing Mecklenburg-Schwerin e. V

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lichkeitsarbeit und die Außenvertretung der MRH. Die konkreten Aktivitäten finden in sieben Facharbeitsgruppen (Siedlungsentwicklung, Naturhaushalt, Wirtschaft, Bildung,Verkehr,Tourismus, Klimaschutz) und in mehreren Projektarbeitsgruppen statt. rm/cm

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REGIONALMARKETING IM FOCUS:

Urlaubs- und Freizeitangebote in der Region Mecklenburg-Schwerin Fünf attraktive Tourismusregionen locken mit zahlreichen Erholungs- und Freizeitangeboten. Unberührte seen- und waldreiche Natur, gepflegte Hotels, Ferienwohnungen, Camping- und Wasserwanderrastplätze sowie attraktive kulturelle Veranstaltungen und jede Menge Sehenswürdigkeiten prägen diesen Landschaftsstrich.

Die Ostseeküste Nordwestmecklenburgs mit der Hansestadt Wismar und der Insel Poel

Feinsandige Strände entlang der Ostseeküste.

Am Alten Hafen von Wismar.

Altstadt von Wismar.

Geprägt von zahlreichen kleinen Dörfern mit ihren Gutshäusern, alten Alleen und natürlich dem über 100 Kilometer langen traumhaften Ostseestrand präsentiert sich dieser Landstrich. Ob im Ostseebad Boltenhagen, an der Wohlenberger Wiek oder auf der Insel Poel - überall finden sich Strände und reichlich Wassersportmöglichkeiten. Baden, Segeln, Kiten, Surfen, Angeln oder Tauchen – dem Spaß im oder auf dem Wasser sind kaum Grenzen gesetzt. Viele Schlösser und Gutshäuser der Region wurden aufwendig saniert und werden heute als Hotels und Restaurants betrieben. Die vielen

Backsteinkirchen, die man selbst in entlegenen Dörfern findet, sind - wie das Künstlerschloss Plüschow - Kulisse für Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte. Seit Jahren beliebt ist auch das Piraten Open Air in Grevesmühlen. Tierfreunde sollten unbedingt den Erlebnisund Tigerpark in Dassow besuchen. Ein absolutes Highlight ist die UNESCO-Welterbe- und Hansestadt Wismar, mit interessanten Sehenswürdigkeiten sowie Bau- und Kulturdenkmalen, von denen man etliche schon rund um den Markplatz entdecken kann – auch gastronomisch. Größter Anziehungspunkt für die

Touristen ist natürlich der Alte Hafen, in dem sich Segelboote und Fischkutter im Wasser wiegen. Leckerer Fisch, der direkt von den Booten verkauft wird, und der Nachbau der Poeler Kogge sorgen regelmäßig für Ansturm an der Hafenkante. Erlesene, klassische Konzerte finden alljährlich im Rahmen der Festspiele MV statt. An die einstige Zugehörigkeit der Hansestadt zu Schweden erinnert jährlich aufs Neue das traditionelle Schwedenfest. Die Romantik längst vergangener Zeiten vermitteln auch die beschaulichen kleinen Orte auf der Insel Poel.

Fotos: C. Mevius

Das Biosphärenreservat Schaalsee und Umgebung

Sonnenuntergang am Schaalsee.

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Foto: Petra Hegewald pixelio.de

Das international anerkannte UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee ist ein Refugium für seltene Tiere und Pflanzen. Etwa 230 Vogelarten leben in diesem europäischen Vogelschutzgebiet. Rund um den Schaalsee finden sich Moore, Wälder, Erlenbrüche und Feuchtwiesen – Domizil auch für Fischotter und Seeadler. Hier kann man auf Schritt und Tritt die Natur entdecken – am besten zu Fuß, mit dem Rad oder mit einem der Boote, die man ausleihen kann. Reizvoll sind auch die

Käse aus der Region. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


REGIONALMARKETING kleinen Städte in unmittelbarer Nachbarschaft. Malerische Fachwerkhäuser und die Klosteranlage in Rehna, das Schloss und die Stadtkirche von Gadebusch oder die Stadt Wittenburg (als eine der ältesten Städte des Landes), sind einen Abstecher wert. Mecklenburgische Herzlichkeit erlebt man u. a. bei Landwirten, die ihre Produkte auf den Bauernmärkten und in Hofläden anbieten. Die Marke „Biosphärenreservat Schaalsee – Für Leib und Seele“ weist auf regional und

Hoffest in Rosenow.

Fotos: C. Mevius

umweltgerecht erzeugte Produkte, Dienstleistungen oder Initiativen hin, die besonders empfehlenswert sind. Auch die Künstler der Region geben gerne Einblicke in ihre Arbeiten und öffnen die Türen zu ihren Ateliers und Galerien. Sehr interessant und erlebenswert sind die Ausstellungen im Schlagsdorfer GRENZHUUS, im Zarrentiner Paalhus und im „Zukunftszentrum Mensch-Natur-Technik-Wissenschaft“ in Nieklitz.

Das Parchimer Land und die Mecklenburgische Seenplatte

Die Lewitz bei Neustadt Glewe.

Die Region von der Lewitz bis zum Plauer See ist besonders gut mit dem Fahrrad auf dem „Mecklenburgischen Seenradweg“ oder mit dem Boot auf der Müritz-Elde-Wasserstraße zu erkunden. Die Lewitz, mit ihrer wild- und vogelreichen Wald- und Wiesenlandschaft kann man zu Fuß, auf dem Pferderücken, mit der Kutsche oder aus der Luft genießen. Lohnenswert ist ein Besuch auf dem Pingelhof in Alt Damerow, dem ältesten Bauernhof Mecklenburgs, der heute Museum ist. Am Wasserwanderrastplatz Matzlow-Garwitz besteht die Möglichkeit, ein Hausboot zu

mieten und führerscheinfrei auf der MüritzElde-Wasserstraße zu fahren. In östlicher Richtung liegt Parchim, eine beschauliche Stadt der Backsteingotik. Per Boot sind von hier aus auch der Plauer See, der Schweriner See, die Müritz und die Elbe erreichbar. Fernab von Hektik und Stress lässt es sich in der Ferienregion „Plauer Seenlandschaft" wunderbar entspannen – an etlichen kleinen Seen und ihren ruhigen Badestränden. Die Städte Plau und Lübz sind geprägt durch ihren mittelalterlichen Stadtkern mit Burgen, Kirchen und

Jagdschloss Friedrichsmoor.

Freizeitspaß auf dem Flugplatz Neustadt Glewe.

Gassen mit Fachwerkhäusern. Wer einen Aufstieg auf die Türme von Plau und Lübz wagt, wird mit bezaubernden Blicken über Stadt und Land belohnt. Der Lübzer Amtsturm (Markenzeichen der Lübzer Brauerei) ist ein Zeitzeuge der Lübzer Eldenburg und beherbergt das Stadtmuseum. Das Lehmmuseum in Gnevsdorf sowie die Ziegelei in Benzin geben Einblicke in die Geschichte von Lehmbau und Ziegelherstellung. Auch in der Leinen- und Filzmanufaktur „Ülepüle“ wird altes Handwerk lebendig.

Fotos: C. Mevius

Von der Flusslandschaft Elbetal bis zur Barockstadt Ludwigslust Schon die Herzöge von Mecklenburg wussten diesen traumhaften Landstrich zu schätzen und in Ludwigslust Hof zu halten. Davon zeugt das Schloss mit seinem wunderschönen Park. Die spätbarocke Stadtanlage ist

Schloss Ludwigslust.

Foto: Frischmuth Tourismusverband

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künstlerisch die wertvollste und am besten erhaltene im Norden Deutschlands.„Das kleine Fest im großen Park“, das jedes Jahr im August im Rahmen der Festspiele MV mit internationalen Künstlern und Ensembles stattfindet, ist ein echter Publikumsmagnet. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt die Stadt Grabow. Liebevoll sanierte Fachwerkhäuser prägen die historische Innenstadt. Nur einen Katzensprung entfernt liegt Neustadt-Glewe mit der mittelalterlichen Wehrburg aus dem 13. Jahrhundert und dem Burgmuseum. Hier, an der Müritz-Elde-Wasserstraße, wird alljährlich zum Burgfest eingeladen. Zwischen dem Elbetal, der Autobahn Hamburg-Berlin und den Flüssen Elde und Sude erstreckt sich die „Griese Gegend“. Sie

ist ein grünes Ferienparadies mit vielen Freizeitmöglichkeiten, darunter zahlreiche Reiterhöfe. Eingebettet in landschaftliche Idylle laden auch die Städte Lübtheen, Wittenburg und Hagenow zum Verweilen ein. Ein beson-

Hengstparade in Redefin.

Foto: C. Mevius

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REGIONALMARKETING derer Anziehungspunkt ist das Landgestüt Redefin. Alljährlich besuchen Tausende Menschen die Hengstparaden und Konzerte. Zur einmalig schönen Landschaft dieser Urlaubsregion gehören der Naturpark Mecklenburgi-

Kirche in Tripkau.

Foto: H. Wachtel

sches Elbetal und die Niedersächsische Elbtalaue, wo im Herbst Tausende Kraniche, Gänse und nordische Schwäne Rast machen. In Dömitz befindet sich die einzige vollständig erhaltene Festung Norddeutschlands, die heute u.a. ein Museum beherbergt. Im Hafengebiet der Stadt vereint sich die Elbe mit der Müritz-Elde-Wasserstraße und bietet den vielen Wasserwanderern die Verbindung zur Müritz und zu den Berliner Gewässern. Der Weg von Dömitz nach Boizenburg führt vorbei an vielen liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern und imposanten Dorfkirchen. In Boizenburg selbst findet man eines der schönsten barocken Rathäuser des Nordens. Besonderheiten sind hier neben dem Ersten Deutschen Fliesenmuseum die vielfältigen

Fliesenbilder an zahlreichen Gebäuden der Stadt. Weitere lohnende Ausflugsziele sind in dieser Region das Gut Schwechow, der Töpferhof Hohenwoos und das alpincenter Hamburg-Wittenburg.

Töpferhof Hohenwoos.

Foto: C. Mevius

Von der Landeshauptstadt Schwerin zum Naturpark Sternberger Seenland

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Majestätisch und traumhaft schön liegt das Schweriner Schloss auf einer Insel im Wasser in unmittelbarer Nähe des Mecklenburgischen Staatstheaters und des Staatlichen Museums. Flaniermeilen in der Altstadt laden zum Bummeln, Verweilen und Shoppen ein. Zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, darunter die Schlossfestspiele mit ihren großartigen Theateraufführungen, locken jährlich tausende Besucher in die Landeshauptstadt. Wasser ist überall gegenwärtig. Die urwüchsige, unverbrauchte Landschaft der Umgebung mit ihren vielen Seen, Wäldern, Wiesen und Mooren, bieten Touristen wie Einheimischen ein einzigartiges Naturerlebnis. Gut ausgebaute Rad- und Wanderwege sowie Lehrpfade führen Naturfreunde durch die beliebte Region. Für Wassersportler ist die Schweriner Seenlandschaft ein wirkliches Eldorado. Zahlreiche Wasserwanderrast- und Gastliegeplätze mit Übernachtungsmöglichkeiten, Campingplätzen und Surfstationen locken Jahr für Jahr viele Wassertouristen an. Aber auch hübsche Pensionen und Hotels, darunter Schlösser und Gutshäuser machen Touristen ihre Offerte. Die traumhafte Endmoränenlandschaft mit über 90 Seen und ausgedehnten Wäldern bestimmt den Erholungswert in die-

ser Region. Zahlreiche Natur- und Landschaftsschutzgebiete, wie das Warnow-Durchbruchtal, das Mildenitz-Durchbruchtal, die Langenhägener Seewiesen – wo man im Herbst den Kranichzug beobachten kann, der Wariner Naturpark mit urigen Buchenhängen und vielen Waldseen, prägen den Naturpark Sternberger Seenland und sind heute noch Heimat für Biber, Fischotter, Seeadler und Eisvögel. Auch der Naturpark Nossentiner Schwinzer Heide erstreckt sich mit seinen Ausläufern bis nach Goldberg und Dobbertin. Viele Städte, wie Sternberg, und kleine Ortschaften laden zu einem Ausflug ein. Ein Besuchermagnet ist das Archäologische Freilichtmuseum in Groß Raden, das Einblicke in das Leben der Slawen im frühmittelalterlichen Mecklenburg vermittelt. Eingebettet in eine schöne Wald- und Seenlandschaft liegt Dobbertin, das einzige Klosterdorf in Mecklenburg mit seiner noch fast vollständig erhaltenen ehemaligen Benediktiner Klosteranlage. Übrigens kann man auch von hier aus wunderschöne Kanutouren unternehmen.

Kanufahren auf der Warnow.

Pingelhof in Alt Damerow.

Das Schweriner Schloss.

Christine Mevius Quelle: Tourismusverband Mecklenburg-Schwerin e.V

Infos unter: www.mecklenburg-schwerin.de

Freilichtmuseum in Groß Raden.

Kürbisfest in Langen Brütz.

Foto: C. Mevius

Fotos: H. Wachtel

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REGIONALMARKETING MECKLENBURG-SCHWERIN

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GENUSS

GourmetGarten Im Rahmen des Schweriner Kultur- und Gartensommers findet vom 20. bis 22. Juli 2012 zum zweiten Mal rund um den Schlosspavillon der GourmetGarten statt – ein kulinarischer Event der besonderen Güte. Die Besucher dürfen ein genussvolles Wochenende im Schlosspark erwarten, an dem feine regionale und internationale Köstlichkeiten angeboten werden. Sechs Schweriner Restaurants und Hotels warten mit vorzüglichen Speisen, erlesenen Weinen, Bieren und vielen anderen kulinarischen Gaumenfreuden auf. Zu Gast sind auch die „Kühlungsborner Gourmettage“ sowie die Initiative „ländlichfein“. Ebenso präsentieren sich beispielsweise der Geflügelhof Jantzen, die Müritzfischer, der Landwerthof Stahlprode, zwei Winzer aus Franken sowie die 1. Mecklenburgische Porzellanmanufaktur. Neben Eis vom Bauernhof Holthusen , können die Besucher auch österreichische

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Spezialitäten und griechisches Olivenöl probieren. Ergänzt werden die Spezialitäten mit Musik und Kleinkunst sowie durch erfrischende Moderationen von Feinschmecker Norbert Bosse. Erwartet wird auch die Weinprinzessin des Landes, Anna I. von der Hohen Düne in Warnemünde. Genuss und Lebensart an der längsten Schweriner Festtafel Außergewöhnlich wird die Eröffnungsveranstaltung sein: Im Laubengang des Schlossgartens können am 20. Juli von 16 bis 24 Uhr einhundert Gäste an einer langen festlich gedeckten Tafel Platz nehmen und einen hoffentlich wunderschönen, lauen Sommerabend erleben. Kulinarisch verwöhnt werden sie mit einem erlesenen 4-Gang-Menü, zubereitet von den SchwerinerSchloss-Restaurants und dem Weinhaus Wöhler sowie mit Musik und Kunst. Karten für die-

rund um den Schlosspavillon Erstes Schweriner GartenMahl im Laubengang sen genussreichen Abend sind bei den beiden teilnehmenden Restaurants und im Hansekontor Wismar erhältlich. Köstlichkeiten der Region sollen kein Geheimnis sein „Mit dieser Eröffnungsveranstaltung möchten wir einen ganz besonderen Höhepunkt setzen“, so Norbert Bosse von der veranstaltenden Agentur Hansekontor Wismar. „Wir wollen zeigen, dass Schwerin nicht nur die Kulturhauptstadt des Landes ist, sondern dass hier auch kulinarisch Großartiges geboten wird.“ Gast im Schweriner GourmetGarten wird auch Sternekoch Tillmann Hahn sein. Er ist der Meinung, dass die Region viele Köstlichkeiten zu bieten hat, die man nicht länger verheimlichen dürfe. „Das Land zwischen Ostsee und Seenplatte ist Deutschlands wichtigster Beitrag zum Neuen nordischen Küchenwunder und bietet weit mehr, als man vermutet“, meint der Koch-

profi, der sich auch in der Initiative „ländlichfein“ engagiert. Sie vereint Gastronomen, Produzenten, Lebensmittel-Handwerker, Köche und Dienstleister, die sich dem ursprünglichen regionalen Genuss und damit der Erzeugung und Verarbeitung von hochwertigen, ökologischen Lebensmitteln aus MecklenburgVorpommern verschrieben haben. Veranstalter dieser Neuauflage des GourmetGartens ist die STADTMARKETING Gesellschaft Schwerin mbH. Geschäftsführerin Martina Müller freut sich über die Bereitschaft der Hoteliers und Gastronomen, mit zu machen.„Wir danken allen Sponsoren und Förderern für die Unterstützung, besonders dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Sparkasse MecklenburgSchwerin“, sagte sie. c. m. Fotos: BUGA 2009 GmbH, fotolia /Anyka, Stadtmarketing GmbH Schwerin (2)

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27. bis 29. Juli 2012:

„LEBENSART“ auf Gut Brook Ein erneutes Willkommen zur Landpartie auf Gut Brook. Zum immerhin 10. Mal lädt die Lifestylemesse „LebensArt“ in diesem Jahr ein. Fotos: Agenturhaus

Kochkurse

Der Termin der ‚LebensArt’ auf dem romantischen Gut im ‚Klützer Winkel’ zwischen Lübeck und Wismar ist Kult geworden und zieht an drei Ausstellungstagen mittlerweile rund 25.000 Besucher an. Denn Gut Brook ist eine äußerst liebevoll restaurierte Anlage, nur einen Steinwurf vom Ostseestrand entfernt, mit einem großzügigen Freigelände, Teichanlagen und malerischen Scheunen. Am letzten Juliwochenende 2012 nun wird das Gut zum Mekka für Leute mit Gefühl für Erlesenes, Stil und Geschmack. Die „LebensArt“ garantiert ein Fest für die Sinne, nicht nur was die kultivierte Umgebung anbelangt, MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

sondern vor allem mit dem, was angeboten wird. Schönes, wohin das Auge blickt: Gartenaccessoires, Blumen und Pflanzen, Möbel, Glas und wertvolle Tischwäsche, Schmuck, Mode und liebenswerter Schnickschnack, Wohnideen, kleine Designerstücke - das Repertoire gibt alles her. Über 200 Aussteller informieren über Wohn- und Einrichtungstrends, Gartenzaubereien, modische Highlights und WellnessNews. Natürlich gibt es auch wieder den äußerst beliebten Wettbewerb um den schönsten Hut im „Ascot“ an der Ostseeküste. Damen und Herren können sich „gut behütet“ einfinden und einen tollen Preis gewinnen. Geöffnet ist die „LebensArt“ an allen drei Ausstellungstagen von 10 bis 18 Uhr.

Mietkoch Catering

KOCHEN FÜR JEDERMANN

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ERLEBNIS

Unterwegs mit dem Nachtwächter Kurzweilig und unterhaltsam führt Dietrich Haase Touristen durch Wismar

Wismar bei Nacht.

Foto: Manuela Pagels/Hansestadt Wismar

In mittelalterlicher Kluft steht Dietrich Haase auf dem Markt: langer, schwarzer Umhang mit Kapuze, darunter ein weißes Hemd, in der linken Hand hält er eine Hellebarde, eine historische Waffe aus Eisen, in der rechten eine Lampe, in der ein Licht flackert.„Die meisten Kleidungsstücke habe ich mir schneidern lassen“, sagt der große, schlanke Mann mit seiner tiefen Stimme. Als Nachtwächter führt der 67-Jährige seit 2006 Touristen durch Wismar. „Ich bin stolz auf die Stadt, gerade wenn man bedenkt, wie prächtig sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat“, sagt Haase. „Viele Besucher sind erstaunt, was es hier alles zu entdecken gibt.“

Dietrich Haase als Nachtwächter vor dem „Alten Schweden“ in Wismar. Foto: Grit Schreiter

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Die Führung beginnt auf dem Marktplatz, wo der studierte Maschinenbauer den rund 20 Touristen erklärt, was zu den Aufgaben des Nachtwächters zählt. „Seine Arbeit bestand darin, nach Einbruch der Dunkelheit in seinem Quartier zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Er musste etwa Brände melden“, berichtet Haase, der sich sein Wissen in Volkshochschul-Kursen und Geschichtsbüchern angeeignet hat. Als nächstes führt der Blick nach unten auf die jahrhundertealten Steine, mit denen der Marktplatz zum Teil heute noch gepflastert ist. „Einige stammen aus Skandinavien. Sie dienten früher den Schiffen als Ballast“, infor-

miert der Experte. Die Koggen hatten keinen Kiel, und ohne Last waren sie nicht segelfähig. Um dem vorzubeugen, sammelten die Schiffer Ballaststeine, nahmen sie an Bord und warfen sie im Wismarer Hafen nach der Ankunft ab. Dies führte damals schnell zu großer Unordnung. Der Stadtrat beschloss deshalb, diese Steine für die Pflasterung von Straßen und Plätzen zu verkaufen. Die heutigen Straßenzüge sind gut erhalten und sie ähneln denen im Mittelalter. Wismar verfügte damals über mehrere Möglichkeiten, um an Trinkwasser zu kommen: eine Grube im Norden, die 1255 erschlossen wurde und Brunnenanlagen. Später kam eine Quelle südlich der Stadt hinzu. Diese Quellen wurden mit unterirdischen Leitungen, so genannten Holzpipen, mit einem Sammelbecken auf dem Marktplatz, der heutigen Wasserkunst, verbunden. Von dort verliefen unterirdische Leitungen zu den einzelnen Häusern. „Der Wasserleitungsplan existiert noch im Archiv. Würde man ihn über das heutige Wismar stülpen, könnte man feststellen, dass das mittelalterliche Straßennetz noch heute erhalten ist“, veranschaulicht Haase. Wasser war besonders wichtig, verfügte doch die Hansestadt einst über rund 182 Brauereien, die Mitte des 15. Jahrhunderts rund fünf MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


ERLEBNIS Millionen Liter Bier jährlich brauten. „Es war nicht nur Genuss-, sondern auch Nahrungsmittel. Die Bürger konnten sicher sein, dass das Bier durch den Brauprozess keimfrei war. Außerdem enthielt es sättigende Kalorien “, berichtet Haase. Der Alkoholanteil lag deutlich über dem von heute: Das stärkste Bier, allerdings nur in geringen Mengen hergestellt, hatte bis zu 14 Prozent. Damit der Gerstensaft nicht im Übermaß konsumiert wurde, empfahl die Stadt den Brauherren, ihren Mägden und Knechten nicht mehr als drei Liter Bier pro Tag zu geben. „Wie viel müssen die damals getrunken haben, wenn der Konsum von offizieller Seite geregelt werden musste?“, fragt der Nachtwächter in die lachende Runde. Manchmal war Bier auch Medizin. Das lernen die Zuhörer, als die Gruppe im Innenhof des Amtsgerichtes ankommt. Hier stand während der Schwedenzeit das höchste schwedische Gericht auf deutschem Boden, das Wismarer Tribunal. Ein Hansestädter wollte sich ein weniger alkoholhaltiges Bier selbst brauen. Angeblich, weil seine Nierensteine das ordinäre starke Bier nicht vertragen. Um das durchzusetzen, wandte sich der vermeintlich kranke Bürger an verschiedene Gerichte und holte ärztliche Gutachten aus Stockholm und Danzig ein. Doch sein Wunsch blieb unerfüllt. In letzter Instanz wandte sich der Mann an das Tribunal in Wismar. Mit Erfolg.„Lasst ihn das Bier brauen. Bier ist die beste Medizin“, zitiert der Nachtwächter den Beschluss aus dem Jahr 1740 und fügt lachend hinzu:„Diesen Beschluss möchte ich auch bei mir zu Hause haben“. Es sind kurzweilige Anekdoten wie diese, die die Gäste fesseln und die zwei Stunden wie im Fluge vergehen lassen. „Die Leute sollen sich unterhalten fühlen und nicht mit Zahlen vollgedröhnt werden“, lautet Haases Devise. Sein Motto geht auf: „Die Stadt mit dem Nachtwächter zu erkunden, ist erfrischend. Er vermittelt viele Infos, die nicht im Reiseführer stehen“, sagt Cornelia Rothkegel (42) aus Bremen.

Nachtwächter-Führungen durch die Altstadt von Wismar wieder ab 7. September 2012, freitags 18 Uhr, Dauer: zwei Stunden, Tickets und Treffpunkt: Touristinformation Wismar, Am Markt 11.

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Abendstimmung auf dem Marktplatz Wismar.

Foto: Hanjo Volster/Hansestadt Wismar

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ERLEBNIS

Jetzt fahr’n wir übern See, übern See... Eine Stadtrundfahrt zu Wasser

Die Stadt Schwerin umfasst ein Territorium von rund 140 Quadratkilometern, fast die Hälfte davon, circa 74 Quadratkilometer, ist Wasser. Vom kleinen Pfaffenteich bis zum etwa 60 Quadratkilometer großen Schweriner See. Bei so viel Wasser im Stadtgebiet bietet sich eine Stadtrundfahrt mit dem Schiff geradezu an. Denn selbst den „Eingeborenen“ eröffnet ein Blick von der Wasserseite eine andere, möglicherweise sogar überraschende Perspektive auf die eigene Stadt. Die „Weiße Flotte Schwerin“ hat verschiedene Linien über Schweriner Gewässer im Angebot. Für eine Stadtrundfahrt am besten geeignet ist die 4-Seen-Linie die täglich um 11 Uhr am Anleger der Weißen Flotte (in der Werderstraße, gegenüber vom Schloss) startet. Geräumig und bequem sind die Schiffe der Weißen Flotte und anders als bei den üblichen Stadtrundfahrten gibt es an Bord Speis‘ und Trank. Und noch etwas ist anders als in einem Bus: Auf einem Schiff – und sei es noch so klein – heißt es nicht: Schauen Sie links, sehen Sie rechts, da heißt es Backbord (in Fahrtrichtung links) und Steuerbord (in Fahrtrichtung rechts). Aber genau wie bei einer Busrundfahrt kann man an verschiedenen Anlegern absteigen: in Zippendorf, auf Kaninchenwerder, in Frankenhorst und am Speicherhotel. Man kann sich umsehen, spazierengehen und auf das nächste anlaufende Schiff wieder aufsteigen. Auf dem Schweriner See – warum sagt man eigentlich „auf dem“ und nicht „im“ Wasser? – nimmt die Fahrt ihren Anfang. Erster Blickfang backbords ist der von 1838-1843 gebaute Marstall. In den ehemaligen Großherzoglichen Stallungen haben heute das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und das Sozialministerium ihren Sitz. Ein besonderer Hingucker auf der Wiese hinter dem Marstall 64

sind die blauen Pferde, eine Erinnerung an die BUGA 2009. Mit der Front zum See steht das nächste Gebäude, das Seglerheim. 1894 wurde in Schwerin der Segler-Verein (SSV) gegründet, 1907 sein erstes Bootshaus gebaut. Das wurde abgerissen, ebenso das zweite und 1999 dann der Neubau, den man heute sieht, eingeweiht. Am Seglerheim vorbei fährt man in den Stangengraben, an dessen Einfahrt ist der Firmensitz des Schweriner Fischereibetriebes. Entlang der Steuerbordseite im Kanal erstreckt sich eine in den 1970er Jahre entstandene Bootshausanlage. Die Bootshäuser an den Schweriner Gewässern sind vielseitig: kleine, im Schilf versteckte Häuschen – also auch nur vom Wasser aus zu besichtigen – Reihenbootshäuser mit Gärtchen, die weit mehr sind als einfache Bootsschuppen. Diese Bootshausanlagen der Schweriner Seen sind die größten in Europa. Vom Stangengraben kommt man in den Heidensee, der seinen Namen der Heidelandschaft verdankt, die ihn einst umgab. Heute stehen renovierte Häuser und neugebaute Stadtvillen an der einen Seite und an der anderen erstrecken sich Gärten bis ans Ufer – und Bootshäuser ja sowieso. Weiter geht es in den Werderkanal. Bei hohem Wasserstand kommt vor der Brücke die Ansage: Auf dem Oberdeck bitte Köpfe einziehen. Ist

diese schwierige Stelle passiert, kommt man in den Ziegelsee. Der teilt sich in einen Innen- und einen Außensee und hat seinen Namen von den bis 1947 in Betrieb befindlichen Ziegeleien. Die Veränderungen, Entwicklungen in Schwerin werden hier deutlich sichtbar: Wo bis in die 1990er Jahre Industrie- (ein Molkerei- und Dauermilchwerk) und Armeegelände war, stehen heute Stadtvillen mit Seeblick. Das Grün, sprich Bäume, Sträucher, Büsche, fehlt noch im Revier, aber im Laufe der Jahre wird es wachsen. Unter der neuen Brücke in der Möwenburgstraße führt die Stadtrundfahrt zu Wasser in den Ziegelinnensee. Noch bis 1973 war hier ein Stadthafen. Über den Störkanal hatten die Schiffe Verbindungen bis nach Lübeck, Hamburg, Magdeburg und Berlin. Ein Kran an der 300 Meter langen Hafenmauer erinnert an diese Zeit. Ansonsten sind die Ufer des Sees in die Stadtbebauung einbezogen, Wohnen am Wasser ist sehr gefragt in Schwerin. Ein Angebot an Gäste ist das 1998 eröffnete Hotel „Speicher“, eingepasst in ein 1940 gebautes 5.000 Tonnen-Silo. Das Schiff der Weißen Flotte dreht eine Runde durch den Ziegelinnensee, so dass die Gäste einen schönen Blick auf die Innenstadt haben, und fährt dann in den buchtenreichen Ziegelaußensee. Seine Ufer sind naturbelassen, man sieht weder Straßen noch Häuser. Nahezu lautMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


2012 im

WA L L E N S T E I N

Jazzsession mit Andreas Pasternack Jeden 2. Mittwoch im Monat (Platzreservierung erbeten!)

los gleitet das Schiff durch Idylle pur – und wir sind immer noch im Stadtgebiet. An der Nordspitze des Ziegelaußensees liegt „Frankenhorst“. Der Schriftsteller Hans Franck erwarb diesen Landsitz 1921 und lebte dort bis zu seinem Tod 1964. Die andere Schreibweise – ohne „c“ – hat Hans Franck selbst festgelegt: „Dass dieser Besitz für immer den Francks erhalten bleibt wagen wir nicht zu hoffen.“ Stimmt, aus dem Landsitz wurde zu DDR-Zeiten ein Gästehaus der SED, heute ist auf der Anlage das „Best Western Seehotel Frankenhorst“ – das mit einer liebevoll eingerichteten Bibliothek und interessanten Veranstaltungen an den Schriftsteller erinnert. Vom Ziegelaußensee geht es über den Werderkanal (unter der Brücke Kopfeinziehen nicht vergessen) zurück in den Heidensee, weiter durch den Stangengraben in den Schweriner See. Der ist, den Bodensee nicht mitgezählt, der drittgrößte See Deutschlands. Bei der Fahrt zwischen den Inseln Ziegel- und Kaninchenwerder hindurch werden die Ausmaße des Gewässers offensichtlich. Der Schweriner See hat keine Zuflüsse, er wird gespeist durch Grundwasser und Regen. Die Inseln liegen hinter und Zippendorf vor uns. Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwiMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

ckelte sich dieser Stadtteil zum Ausflugsort mit Sandstrand, Dampferanlegestelle, Restaurants... Ein Jammer nur, dass die einst prächtigsten Gebäude an der Strandstraße, das Strandhotel und das ehemalige Kurhotel, zu ruinösen Schandflecken geworden sind. Hinter der Häuserzeile am Strand ragen der 1964 errichtete Fernsehturm – mit Restaurant – und der sieben Jahre vorher in Betrieb genommene Sendemast in die Höhe. Fernsehturm und Sendemast stehen im größten Neubaugebiet Schwerins, dem Großen Dreesch. 1971 begannen die Bauarbeiten, bis zu 26.000 Menschen lebten dort. Nach der Wende kehrte mehr als die Hälfte davon dem Dreesch den Rücken, zahlreiche Blöcke wurden abgerissen. In den letzten Jahren belebt sich der Dreesch wieder, die Häuser wurden innen und außen grundlegend umgebaut und haben so gar nichts mehr vom alten „Plattenbau“. Parallel zum Franzosenweg, der so heißt, weil er 1870 von französischen Kriegsgefangenen angelegt wurde, geht die Fahrt zurück zum Anleger. Es eröffnet sich das einmalige Stadtpanorama aus Schloss, Theater, Museum und Dom und das Restaurant “Wallenstein”, direkt am Anleger Schwerin, das ist eine Stadt am oder besser im Wasser. Und so sollte man sie auch erkunden: Mit dem roten Doppeldecker-Bus (der auch am Anleger abfährt) durch die Straßen und mit einem Schiff der Weißen Flotte über die Seen. Karin Gustmann Fotos: Helmut Wachtel

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Es ist das monatliche Jazz-Highlight in Schwerin. Andreas Pasternack trifft sich im „Wallenstein“ am Anleger der Weißen Flotte mit seinen Freunden um zu jammen. Der Schweriner See mit dem Schloss und der Schlossbucht bieten dazu eine besonders schöne Kulisse. Bereits beim „ersten Mal“ im April war das Restaurant voll besetzt. Am 11. Juli erwartet Sie die dritte Ausgabe, bei kostenlosem Eintritt, umfangreicher Getränkekarte und Speisen von der VW-Currywurst bis zum hervorragenden Steak. Pasternack und der bei jeder Ausgabe mitspielende Joachim Böskens, beide sind aus der wöchentlichenJazztime von NDR 1 Radio MV als besonders sachkundige und unterhaltsame Jazzer bekannt, beginnen den Abend. Musiker und Musikanten aus Schwerin und Umgebung war-

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ERLEBNIS

ten auf ihre Möglichkeit, mitzujammen. Die Jazz-Rythmen füllen den Raum für ein begeistert mitgehendes Publikum. Standards von Pasternack wie „Oh, Lady Be Good“, „Lullaby Of Birthland”, „Mack The Knife”, „By, By, Black Born” sind dann Ausgang der Jazz-, Swing- und BluesSession. Das „Wallenstein“ wird, obwohl ebenerdig gebaut, zum Jazz-Keller. Das engagierte und gekonnte Spiel der Musiker bringt das Lokal zum Swingen und die Solider Jazzer lösen immer wieder den Beifall der Zuhörer aus. Unter den Musikern gibt es ständig „Wiederholungstäter“, denen das Musizieren mit Pasternack und Böskens Freude bereitet. Aber auch das Publikum lässt seine Plätze für das „nächste Mal“ reservieren. Sie sollten es auch einmal machen. D.L.

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HOBBY

„Petri Heil“ bei jedem Wetter

Der harte Kern angelt bei jedem Wetter, vor allem wenn der Hering beißt.

Langweilig ist es nicht, manchen Anglern zuzuschauen. Wer den Kontakt sucht, findet ihn selbst bei Sturm und Regen. Denn diese Gilde ist hart im Nehmen und zeigt dazu noch Engelsgeduld. Nicht unbedingt zu den Schönwetteranglern gehört der 70-jährige Peter Cieslak. Und darauf hat er sich der Mann aus Sternberg an diesem Schmuddelwettertag auch eingestellt: Dreifachkleidung, wetterfest und wärmend – versteht sich. Eine Kapuze schützt dazu gegen Regenschauer und Wind. Die lässt er allerdings immer mal wieder fallen. „Wegen der besseren Sicht“, brummelt er unter seinem Schnauzbart hervor. So kann er etliche Stunden am Wismarer Westhafen aushalten. Schließlich hat sich Cieslak für das erhoffte Anglerglück einen ganzen Tag Zeit genommen. Allein ist er jedoch nicht. Längst hatte es sich herumgesprochen, dass der Hering noch Mitte April in den Hafenbecken der Hansestadt ordentlich beißt. Und dieser 66

Umstand scheint auch die hartgesottensten Petrijünger, vom Jagdfieber mit Sehne und Haken getrieben, gegen Kälte und Witterungsunbilden immun zu machen. Der Erfolg treibt diesmal besonders an. Bereits nach kurzer Zeit ist der Boden von Cieslacks

Pütz mit Heringen bedeckt. Sein Ködertipp: Heringspaternoster. „Da hängen mit etwas Glück gleich mehrere Fische dran", gibt er redselig Auskunft. „Braten und sauer einlegen“, darauf schwört der Ruheständler, der schon gut 40 Jahre diesem Hobby frönt.

Peter Cieslak war schon zum Angelauftakt recht zufrieden. Nur der Hering könnte etwas größer sein.

Anglerglück im XXL-Format. 1,15 Meter lang war der Dorsch, den Reinhard Riewald aus Pampow einst am Haken hatte.

Anti-Stress-Hobby sagen viele, denen es nicht um den Ertrag, sondern um erholsame Entspannung geht. „Ich bin schon seit 1962 bei der Angelei“, beteiligt sich plötzlich ein Mitangler am Gespräch, statt

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HOBBY wie üblich den Blick fortwährend stumm auf das Wasser zu richten. Offensichtlich gelten für beide die kleinen Heringe nicht wirklich als Trophäen. „Am liebsten gehe ich auf Hecht oder superdicke Karpfen“, sagt Peter Cieslack. Als er auf die DorschAngelei in der Wismarbucht zu sprechen kommt, hat er die Kapuze abgestreift und seine Augen beginnen zu glänzen. Schließlich war er im Jahre 2000 der Dorsch-Angelkönig der ganzen Küstenregion. Doch bei PetriJüngern ist Gesetz: Will man sich nicht des Anglerlateins bezichtigen lassen, braucht es Beweise. Eine Weile dauert es, bis er all die Knöpfe und Reißverschlüsse der wärmenden Dreifachkleidung geöffnet hat. Aus der hintersten Brusttasche kramt er zwischen Angelerlaubnis und Fischereischein die Belege: Bilder und ein zerfledderter Zeitungsausschnitt. Da steht es schon etwas vergilbt in einer Wochenendausgabe vom 15./16. Januar 2000 noch immer lesbar schwarz auf weiß: „25 Pfund schweren Dorsch gefangen", Unterzeile: „Vor Rerik ging der Karvenzer an den Haken". „Eigentlich ist Angeln für mich Erholung, doch so wie das damals war, wurde die Aktion richtig zum Stress, um den Fisch nicht wieder zu verlieren", erinnert Cieslak sich noch gut. Sein damaliges Geheimnis war übrigens ein 100 Gramm schwerer Pilker in exotischen Farben. „Dem konnte der Riesendorsch in seinem Hunger wohl nicht widerstehen“, erklärt er gewiss nicht zum ersten Mal.

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Sieben Jahre später ereilte Reinhard Riewald aus Pampow bei Schwerin ein noch bemerkenswerteres Anglerglück. An Bord des Angelschiffes „Wismar“ zog er im Februar 2007 mit einem Gewicht von 23 Kilo einen der bisher dicksten Dorschbrocken aus der Ostsee vor Poel. Doch während die Sportangler über solche Fänge jubelten, ist den Berufsfischern das Lachen wieder einmal gründlich vergangen. Denn ihnen wurde in dem Jahr von der EU eine weitere Fangpause für den Dorsch verordnet, um die Bestände zu schonen. Text & Fotos: H.-J. Zeigert MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

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HANDWERK

80 Jahre Backtradition in Schwerin Ein Handwerker, der noch kleine Brötchen backt

Michael Berner mit seinen beliebten Brötchen in der Bäckerei Ferdinand-SchultzStraße in Schwerin.

Auf die Frage, warum seine Brötchen so klein seien, lächelt Michael Berner verschmitzt. „Weil ich keine Großen backen will!“ Eine verblüffende Antwort. Der junge Bäckermeister erklärt: „Kleine Brötchen sind unser Firmenkennzeichen.“ In der Bäckerei werden fast keine Backhilfen verwendet. Außer Malzbackmittel kommen nur Hefe, Mehl, Wasser und etwas Zucker in den Teig. Ist das das Geheimnis des guten Geschmacks? „Unserem Brötchenteig lassen wir ganz viel Zeit, wir backen langsam.“ Die Brötchen werden morgens um zwei Uhr in der Bäckerei Werdervorstadt vorbereitet und „liegen dann zwei Stunden faul rum“ bevor sie in den Ofen kommen. Das tut ihnen augenscheinlich gut. In anderen Bäckereien müs68

ersten Brötchen. Dann kamen schwere Zeiten. Während des Zweiten Weltkrieges führte die Großmutter das Geschäft und Sohn Siegfried, geboren 1929, musste früh mithelfen. Mit 14 Jahren begann er eine Bäckerlehre bei Bäcker Klinkhammer am Schweriner Ziegenmarkt. Nach Kriegsende 1945, er hatte gerade ausgelernt, wurde der junge Bäcker beim „Beschaffen“ von Kartoffeln erwischt. Es folgte die Verurteilung zur Arbeit im Uranbergwerk durch die sowjetische Besatzungsmacht. Der 16jährige konnte fliehen und schlug sich zu seinen Wuppertaler Verwandten in die westliche Besatzungszone durch. Dort arbeitete er bei der Bäckerei Stein. 1957 erkrankte Otto Berner und der Sohn kehrte nach Schwerin zurück. Nach Gesundung seines Vaters eröffnete Siegfried in Neumühle ein eigenes Geschäft, quasi ein familiäres Konkurrenzunternehmen. Bereits vier Jahre später zog er wieder in die Innenstadt, in die Puschkinstraße 36, dem heutigen Kontor. Bis 1996 war dies eine beliebte Adresse der Schweriner für Rundbrötchen und leckeren Kuchen. Es folgten turbulente Jahre mit ungeklärten Eigentumsverhältnissen und Änderung der Wirtschaftsstrukturen. Zur Freude der Einwohner der Werdervorstadt

eröffneten Michael und die damals 72jährige Oma Christa 2006 ein Geschäft in einer leerstehenden Bäckerei. „Oma hat hier das Zepter in die Hand genommen und den Laden zum Laufen gebracht“, erinnert sich Michael, Bäcker der 3. Generation. Seit 2009 führt Michaels Frau, Anja, die inzwischen drei Geschäfte. Der traditionsbewusste Bäcker ist für die Produktion verantwortlich. Die Großmutter war der gute Geist der Bäckerei. „Oma Christa hat praktisch von 1957 bis zu ihrer Erkrankung im letzten Jahr im Familienbetrieb gearbeitet. Sie bestand darauf, dass die Brötchen so bleiben, wie sie der Großvater schon gebacken hat, nur mit Backmalzzusatz.“ Ein Glück für die Schweriner Brötchenliebhaber. Malz ist übrigens für die schöne Farbe verantwortlich. Aber eine Frage bleibt noch: Wie kommen die leckeren Leipziger Lerchen in das Kuchensortiment einer Mecklenburger Bäckerei? „Das Rezept hat mein Vater Siegfried, neben vielen anderen, aus der Bäckerei Stein in Wuppertal mitgebracht.“ Das erklärt immer noch nicht alles, aber vielleicht den besonderen Ruf des Berner Kuchens bei den Schwerinern. Text, Foto & Repro: Elvira Grossert

sen oft 30 Minuten Ruhezeit reichen. Während der „Liegezeit“ fangen die Rundlinge an Aromen zu bilden. Es wird ein Geschmacksträger produziert, der dafür sorgt, dass die Brötchen so lecker schmecken. Es entsteht ein Brötchen mit wenig Luft und traditioneller Frühstücksköstlichkeit durch Reifezeit. Viel Zeit ist vergangen seit Otto Berner, der Großvater, eine Bäckerei in der Schweriner Apothekerstraße eröffnete. Vor 80 Jahren, am 30. September 1932 kauften die ersten Kunden beim Konditormeister aus Zechlin die

Großmutter Berner (links) in der Bäckerei Apothekerstraße Schwerin MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


HANDWERK

Anspannung bis zum Dessert Sieger der 20. Landesjugendmeisterschaft in den gastgewerblichen Ausbildungsberufen stehen fest

Sven Andresen vom Hotel Neptun in Warnemünde, Matthias Neumeister vom Radisson Blu Resort Schloss Fleesensee und Martin Fenske vom Schlosshotel Schlemmin (v.l.) sind in ihren Berufsgruppen die besten Auszubildenden des Landes.

Ein Team: Paulina Wewior vom Hotel Aquamarin in Kühlungsborn, Tobias Rode vom Restaurant und Hotel Wismar und Nadine Schulz vom Restaurant im Schweriner Fernsehturm (v.l.) servieren an ihrer Festtafel gemeinsam das Dessert.

Nadine Schulz ist die Anspannung deutlich anzumerken. „Ich bin sehr aufgeregt, habe feuchte Hände und Herzklopfen“, gesteht die angehende Restaurantfachfrau aus dem Restaurant im Schweriner Fernsehturm. Sie ist Teilnehmerin der 20. Landesjugendmeisterschaft in den gastgewerblichen Ausbildungsberufen, die in diesem Jahr im Best Western Grand City Hotel in Wismar/Gägelow ausgetragen wurden.

ten die Köche bei der Zubereitung des 4-Gang-Menüs für zehn Personen. Zu den Pflichtkomponenten im vorgegebenen Warenkorb gehörten bei der Vorspeise Lachsforelle, Hecht und rote Linsen, bei der Suppe Petersilienwurzel, beim Hauptgang Lammrücken und beim Dessert Mascarpone und Mango. „Wir haben unter anderem den Schwierigkeitsgrad, die Hygiene und Sauberkeit sowie die Ausnutzung der Rohstoffe bewertet“, sagt der Vorsitzende der Köche-Jury, Wolfgang Möller. Punkte gab es auch für den Geschmack, die Konsistenz und die Präsentation der Speisen auf dem Teller. Martin Fenske vom Schlosshotel Schlemmin konnte die Jury am besten überzeugen. Er versetzte Hannes Heinickel vom Hotel Ahrenshooper Hof in Ahrenshoop und Sebastian Dahl vom Falk Seehotel „Plau am See“

Am Vortag hatte Nadine Schulz mit den anderen acht Teilnehmerinnen ihrer Berufsgruppe bereits einen Theorieteil zu absolvieren. „Da hatte ich ein gutes Gefühl, weil ich mich zusammen mit Miriam Ölscher vom Schweriner Restaurant Friedrich's in den vergangenen Wochen intensiv vorbereitet habe“, berichtet die 20Jährige, während sie den acht Gästen an ihrer Tafel Wein nachschenkt. Desweiteren hatten die Wettbewerbsteilnehmer die Aufgabe, eine Forelle blau zu filetieren und eine Poularde vom Huhn zu tranchieren. Darüber hinaus mussten im Rahmen der Warenerkennung Geschirr, Spezialbestecke, Obst, Gemüse und Kräuter bestimmt sowie anschließend eine Festtafel ohne vorgegebenes Thema eingedeckt werden. „Beim Mixen eines Martini-Cocktails hatte so mancher Probleme“, weiß die Vorsitzende der Jury im Restaurantfach, Cornelia MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Pohlmann. Bei den Restaurantfachleuten zeigte Sven Andresen vom Hotel Neptun in Warnemünde die stärksten Nerven. Er belegte den 1. Platz und war ebenfalls Punktbester aller drei Berufsgruppen. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Stefanie Schröder von der Pension und Schenke „Lenzer Krug“ und Anna Mohn vom arcona Hotel Sonne in Rostock. Neben einem Theorieteil und einer berufsspezifischen Warenerkennung sollten die Hotelfachleute eine Obstvariation und eine passende Soße herstellen. „Das war sehr anspruchsvoll. Es gab zum Teil sehr kreative Anrichteweisen auf der Platte“, berichtet Elisabeth Edel. Nach Angaben der Juryvorsitzenden im Hotelfach sollte zudem an der Rezeption ein Check-in in englischer Sprache durchgeführt und dabei die Region vorgestellt werden. Beim Check-out mussten die Auszubildenden eine Reklamation bewältigen. „Hier gab es teilweise nicht sehr wirtschaftliche Entscheidungen“, so Elisabeth Edel. Die Jurymitglieder vergaben den 1. Platz an Matthias Neumeister vom Radisson Blu Resort Schloss Fleesensee. Die Folgeplätze belegten Christin Vollmer vom arcona Hotel Sonne in Rostock und Anne Meyer vom Phönix Hotel Seeblick in Wismar. Während sich die Restaurant -und Hotelfachleute um die Gäste an der Festtafel kümmerten, schwitz-

auf die Plätze zwei und drei. Die Landesmeister in den jeweiligen Berufsgruppen werden sich in den nächsten Wochen unter fachlicher Anleitung und mit Unterstützung der Ausbildungsbetriebe auf die Deutschen Jugendmeisterschaften im Oktober 2012 auf dem Petersberg bei Bonn vorbereiten. Auch wenn es für Nadine Schulz nicht bis zum Siegertreppchen gereicht hat, ist die Schwerinerin, die im Vorfeld bei der regionalen Jugendmeisterschaft den 3. Platz belegt hatte, glücklich. „Die Landesjugendmeisterschaft ist eine gute Übung für die bevorstehende Abschlussprüfung“, meint die junge Frau lächelnd und empfiehlt den Auszubildenden in der Gastronomie die Teilnahme an diesem Wettbewerb. Text & Fotos: Stephan Rudolph-Kramer

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HANDWERK

Über 40 JAHRE in einem Familienbetrieb Der Maler-Fachbetrieb Wulkow verabschiedete Arno Wormstädt in den Ruhestand Dass heutzutage jemand in ein und derselben Firma über eine Zeit von mehr als 40 Jahren arbeitet, ist äußerst selten. Gründe dafür sind unter anderem die schnelllebige Zeit, wirtschaftliche Schwankungen oder die Umtriebigkeit und Entdeckungslust der Arbeitnehmer. Der Maler-Fachbetrieb Wulkow hat Anfang des Jahres schweren Herzens einen Kollegen in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden müssen, nach über vier Jahrzehnten Mitarbeit. „Arno Wormstädt hat noch bei meinem Großvater in Pröttlin gelernt, wurde dann dort von meinem Vater als Geselle übernommen und arbeitete von 1990 an in Schwerin mit mir als Chef“, erinnert sich Eckhard Wulkow. Wormstädt fuhr in den letzten 22 Jahren seines Arbeitslebens jeden Tag jeweils 65 Kilometer aus der Prignitz nach Schwerin und abends wieder zurück und beeindruckte seinen Chef durch seine Zuverlässigkeit: „Er war immer pünktlich, stets 15 Minuten vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn da.“ Von den Kollegen konnten einige bis zum Schluss nicht glauben, dass Arno Wormstädt wirklich seinen Ruhestand antritt. „Er musste sich öfter die Frage anhören, warum er aufhöre. Er könne doch unmöglich schon 65 Jahre alt sein“, erzählt Eckhard Wulkow. Gerade in der Zusammenarbeit haben jüngere Kollegen von der großen Erfahrung Wormstädts profitiert. Gern erinnert man sich an die Ergebnisse seiner Arbeiten an der Kirche in Schönfeld/Prignitz oder sein Talent für Farbmischungen, unter anderem bei Holzpaneelimitationen im Schweriner Schloss angewandt. Arno Wormstädt hat in dem Malerbetrieb bei weitem die längste Betriebszugehörigkeit absolviert, allerdings sind einige seiner Kollegen auch auf einem guten Weg. Die Hälfte der derzeitigen Mitarbeiter konnte kürzlich ihr 20-jähriges Betriebsjubiläum feiern. 70

Aber nicht nur betriebsintern stimmt es in dem Familienunternehmen, das in neun Jahren seinen 100. Geburtstag feiern kann. Der Maler-Fachbetrieb Wulkow ist in ganz Norddeutschland unterwegs, um seine Aufträge zu erfüllen. Die Renommiertesten: Arbeiten im Landesfunkhaus des NDR in Schwerin oder im amerikanischen Konsulat – auch als „das Weiße Haus Hamburgs“ bekannt. Bei Großaufträgen packt auch der Chef selbst mit an. „Dann reihe ich mich ein und greife mit zum Pinsel“, schmunzelt Eckhard Wulkow. Der gute Ruf des Unternehmens hat sich längst herumgesprochen. Das ist nicht zuletzt an der Vielzahl

Die blühende Pinselblume läutete den Ruhestand für Arno Wormstädt ein.

Geschäftsführer Eckhard Wulkow (r.) zollte gemeinsam mit seiner Mutter Arno Wormstädt Respekt mit einer „Meisterurkunde“. Fotos: privat

Kein Abschied unter Kollegen ohne Geschenk: Thomas Reitz und Arno Wormstädt (r.)

der Initiativbewerbungen für einen Ausbildungsplatz als Maler zu bemerken. Augenblicklich haben zwei Azubis, einer davon bereits im dritten Lehrjahr die Möglichkeit, alles rund um den Malerberuf zu lernen. „Ich hoffe, sie nutzen ihre Chance, die sie hier bekommen“, wünscht sich der Chef. Die Firma, ansässig in der AugustHorch-Straße 5 in Schwerin-Süd, bietet alles, was in den Bereich der Renovierung gehört. Die Mitarbeiter verrichten alle Malerarbeiten, verlegen Teppichböden und PVC. Außerdem gehören Sonnenschutzanlagen, Wärmedämmung und kleinere Trockenbauarbeiten zum Tätigkeitsfeld. Gritta Flau MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


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UNTERNEHMEN

Hans Bartoly (r.) war bis zum Frühjahr 2011 Geschäftsführer des Bauunternehmens. Björn Bick (li.) konnte von ihm viel lernen. Beide verstehen sich auch heute noch fabelhaft.

Reibungsloser Wechsel auf dem Chefsessel Hans Bartoly fand einen Nachfolger, der seine Visionen teilt „Für mich gehören soziales Denken und Handeln gegenüber den Mitarbeitern neben klugen wirtschaftlichen Entscheidungen zum guten Führungsstil einer Firmenleitung“, meint Hans Bartoly, ehemaliger Geschäftsführer der Matthäi Bauunternehmen GmbH & Co. KG Leezen. Vor gut einem Jahr hat er seinen Chefsessel geräumt und sich in den Vorruhestand verabschiedet. Was seinen Nachfolger anbetrifft hat der 63-Jährige ein gutes Gefühl. Kein Wunder, denn er hat ihn selbst und mit Bedacht ausgewählt. Hans Bartoly war schon immer ein Mann vom Bau – genauer gesagt vom Straßenbau. Nach seinem Hochschulstudium in Leipzig, welches er 1971 abschloss, arbeitete er als jüngster Bauleiter im Autobahnbaukombinat Magdeburg an der A19 zwischen Berlin und Rostock. Fast ein Vierteljahrhundert blieb er in diesem Beruf, der ihn forderte und ihm Spaß machte. Nach der Wende gründete Bartoly 1990 in Schwerin das erste Autobahnamt Mecklenburg-Vorpommerns mit, dessen Dezernent er war. Dieses Amt hatte aber aufgrund neuer gesetzlicher Grundlagen keinen Bestand. Und weil Hans Bartoly sowieso nie wirklich Beamter sein wollte, sah er sich nach einem neuen Job um. „Ich kannte viele Unternehmen und bekam rund 40 Angebote, u.a. von der Firma Matthäi, bei der der Junior gerade die Firma übernommen hatte“, erinnert er sich. Die Verhandlungen mit der Firmenleitung gestalteten sich nicht so 72

ganz einfach, denn Bartoly wusste genau, was er wollte – und was nicht. Er hatte seine eigenen Vorstellungen, wie er die neu zu gründende Firma in Mecklenburg entwickeln und leiten wollte. Und so kam es nach etlichen Diskussionen erst beim dritten Treffen zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrages. „Dafür fuhr ich damals übrigens noch mit meinem Wartburg nach Verden, zurück kam ich mit einem Audi und einem riesigen Autotelefon“, schmunzelt Bartoly. Eine Woche später begann er die Firma in Schwerin aufzubauen. „In die Geschäftsführung holte ich mir erfahrene Kollegen vom ehemaligen Autobahnbaukombinat und Mitarbeiter, die bereit waren, ihren Arbeitsplatz mitzugestalten.“ Schon damals war für Hans Bartoly klar: Wirklich erfolgreich kann man nur sein, wenn man die Individualität jedes Einzel-

nen erkennt und ihn entsprechend fordert und fördert. „Auch wenn wir damals viel Neuland betreten haben – die Strukturen waren durchdacht, die Auftragslage gut und wir hatten schon bald 90 Mitarbeiter“, sagt Bartoly über die ersten Jahre nach der Firmengründung. Aber wie vielerorts kam auch hier manches anders als gedacht: „Denn die dicksten Aufträge gingen meist an die großen Firmen aus dem Westen und wir mussten uns unter anderem Gedanken um neue Geschäftsfelder machen“, beschreibt er die damalige Situation. Zum Glück legte Bartoly schon immer viel Wert darauf, dass seine Leute flexibel einsetzbar waren und so konnte entsprechend der Auftragslage schnell umdisponiert werden. Aufträge, die das Unternehmen früher an andere Firmen vergeben hatte, wurden jetzt nach entsprechender Qualifizierung der Mitarbeiter selbst erledigt. Trotzdem: Letztendlich war doch MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


UNTERNEHMEN ein Arbeitsplatzabbau notwendig, der 2006 mit 65 verbleibenden Mitarbeitern gestoppt werden konnte. „Die Sorgen um die Mitarbeiter und den Betrieb ließen mich oft nachts nicht schlafen. Denn es war mir immer außerordentlich wichtig, meiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden“, meint Hans Bartoly, der stets an die Familien jedes einzelnen Mitarbeiters dachte. Doch nach jedem Tief kommt bekanntlich ein Hoch – so auch bei Matthäi. Die Erweiterung der Geschäftsfelder, wovon ein wesentliches der Brückenbau war, machte die Suche nach geeigneten Fachkräften mit guten Führungsqualitäten erforderlich. So lernte Bartoly im Jahr 2002 Björn Bick kennen. In einem dreistündigen Gespräch teste er den jungen Mann sozusagen „auf Herz und Nieren“. Er schien u.a. ausreichend Erfahrungen im Tief- und Straßenbau zu haben, der zum Kerngeschäft des Leezener Unternehmens gehörte – und Sympathie war ebenfalls da. Doch die Zeit war für Björn Bick aus vielerlei Gründen noch nicht gekommen und so ging ein Jahr ins Land, bis er angestellt wurde. Selbstständig und erfolgreich leitete er zunächst den Bereich Brückenbau und arbeitete später mit dem Geschäftsführer in weiteren Dingen eng zusammen. „Ich habe Hans Bartoly von Anfang an sehr geschätzt. Er ist ein wirklich guter Zuhörer, sehr verständnisvoll und nie nachtragend, ein geradliniger Mensch, der auch Kompromisse eingehen kann. In ihm sehe ich heute einen väterlichen Freund, der mir viel beigebracht hat und den ich heute noch gerne mal nach seiner Meinung frage.“ Seit gut einem Jahr trägt Björn Bick als Geschäftsführer die volle Verantwortung für das Leezener Unternehmen mit seinen 75 Mitarbeitern. Von denen, die einst beim Firmenstart unter der Führung von Hans Bartoly dabei waren, sind noch 19 Mitarbeiter da, auf die sich der 41-Jährige verlassen kann – und sie sich auf ihn. „Auch wenn man mit dem Betrieb so verwachsen ist wie ich, muss man eines Tages bereit sein, loszulassen und die Verantwortung zu übergeben. Allerdings wollte ich dies nur mit dem Gefühl tun, dass der nächste Geschäftsführer die MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Ideen des Unternehmens weiter verwirklicht und Neues entwickelt“, sagt Hans Bartoly, der sich sicher ist, dass er den richtigen Nachfolger gefunden hat. „Das Beste ist, dass wir den Wechsel in der Geschäftsführung so gut hinbekommen haben. Es gab einen kontinuierlichen Übergang ohne Bruch in der Unternehmensführung. So etwas muss funktionieren, wie die Stabübergabe beim Staffellauf. Wenn sie erfolgreich sein soll, müssen beide Läufer eine gewisse Zeit Seite an Seite laufen, bevor sich der eine zurück fallen lässt – und das hat bei uns prima geklappt“, sind sich der alte und der neue Geschäftsführer einig.

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Warin im Landkreis Nordwestmecklenburg renaturiert werden. So können dort die nötigen Baumaßnahmen zur Wiedervernässung des Moores „Stubbenbrauk“ in Gang gesetzt werden. Gemeinschaftsprojekt mit vier Partnern Vier starke Partner setzen sich für das Moorrenaturierungsprojekt in der Sternberger Seenlandschaft ein. Mitte April besiegelten im Naturparkzentrum in Warin Sven Blomeyer, Vorstand der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern, Minister Till Backhaus vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, Stadtwerke - Geschäftsführer Dr. Josef Wolf sowie Reinhard Hube, Geschäftsführer der Stiftung „UmWald“, die gemeinsame Partnerschaft (siehe Foto oben, von links).

entwickelt, die konkret auf das Moorrenaturierungsprojekt ausgerichtet sind - citygas klima für Kunden im Netzgebiet der Netzgesellschaft Schwerin sowie meckpommGAS klima für Kunden im Netzgebiet der E.ON Hanse AG. Gemeinsam mit den Stadtwerken tragen die Kunden so dazu bei, CO2-Emissionen zu reduzieren und damit den Treibhauseffekt zu mindern. Von jeder verbrauchten Kilowattstunde Heizgas fließen 0,125 Cent in die Renaturierung der Moorlandschaft „Mankmooser Holz“. So können umweltbewusste Kunden klimaschonende Projekte in Mecklenburg-Vorpommern unterstützen. Dafür erhalten sie von den Stadtwerken Schwerin ein entsprechendes Zertifikat, das den aktiven Beitrag zum Klima- und Naturschutz bestätigt.

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Malermeister Moll und die Mannigfaltigkeit der Materialien Wie oft bewundern wir den einzigartigen Glanz einer Säule aus Stuckmarmor, lassen den Blick über kunstvoll geschnitzte Holzbalkendecken und vergoldete Ornamente schweifen und laufen voller Ehrfurcht über gestaltete Bodenbeläge. Der Respekt vor solchen Techniken gebührt nicht nur den Meistern vergangener Epochen. Dass solche Kostbarkeiten überdauern, dafür sorgen heute speziell ausgebildete Handwerker. Sie müssen nicht nur die verschiedensten Techniken beherrschen, sondern auch kulturhistorische und fachspezifische Zusammenhänge kennen, um über die richtigen Methoden und Materialien entscheiden zu können. „Tapete. Farbe. Fertig.“ Das ist auch nicht das Credo von Malermeister Axel Moll, der seinen Firmensitz in Crivitz hat. Den schlichten Mauern in der Schulstraße sieht man die Kreativschmiede, die sich darin verbirgt, nicht an. Doch Schwellenangst sollte ein Kunde, der seinem Flur oder der Küche „nur“ eine Auffrischung verpassen will, nicht haben. Hier erledigt die 15-köpfige Malergilde um den 38-jährigen Chef selbstverständlich alle anstehenden Aufträge in meisterlicher Qualität. In väterlicher Firma mit dem Maler-Metier früh vertraut, absolvierte Axel Moll dort seine Lehre, errang seinen Meistertitel 1999, ließ sich auf Schloss Rasfeld zum Restaurator ausbilden und fungiert als Innungsobermeister in Schwerin und als Sachverständigenobmann. Außerdem hat er einen Sitz im Werkstoffausschuss des Bundesverbandes für Farbe, Gestaltung und Bautenschutz inne. Die geballte Kompetenz in den Tätigkeitsfeldern der Firma lässt sich nur zusammenfassend darstellen: kleine und große Objekte – innen und außen, Bodenbeläge, Wandbeläge oder gesunde mineralische Beschichtungen, Wärmedämmverbundsysteme oder historische Fassaden. Allein diese Aufzählung macht den Wandel im Maler- und Lackierhandwerk deutlich. Für Axel Moll heißt das, lösungsmittelfreie und biologische, ökologisch unbedenkliche

Materialien zu verwenden. Außerdem erreichte er die Zertifizierung für die Verarbeitungstechniken „stucco pompeji“ und „Pandomo“. Die Einsatzmöglichkeiten von „stucco pompeji“ – kurz gesagt, ein durchgefärbter Marmorputz in vielfältigen Mixvarianten sind schier unendlich, sie sind feuchtigkeitsregulierend und bieten optisch reizvolle Akzente in Farbe, Struktur und Muster. In der Retgendorfer Kirche, in den Schlössern Basthorst und Wendorf sind Arbeiten der Firma Moll zu sehen. In Hamburg ist die Qualitätsarbeit viel gefragt. Warum eigentlich weniger in heimischen Gegenden? Übrigens, das Meisterstück Axel Molls ist immer noch im Bürgerhaus von Crivitz zu sehen, im Konferenzraum. „Vielleicht sollte ich dort mal was Neues kreieren“, lacht der Malermeister. • • • • • •

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UMWELT

Vorzerkleinerungsmaschinen – DIE NEUE GENERATION von der Lippold Mecklenburg-Vorpommern GmbH den. Die stationären Ausführungen (VZS) können mit Elektromotor auf Hakenliftbasis (semistationär) oder mit separater Zerkleinerungs- und Antriebseinheit (vollstationär) angeboten werden. Einzig ein Stromanschluss ist notwendig, um die Maschine zu betreiben. Geplant ist, dass zum Ende des dritten Quartals 2012, der LiRec in Produktion geht. Im Moment laufen die Fertigungsvorbereitungen. „Nach der starken Resonanz auf der Münchener Messe hoffen wir, dass wir in den nächsten Monaten nach dem Produktionsstart, zehn Einheiten verkaufen können. Das ist unser Plan“, meint Bernd Haefke.

Neue Generation von Vorzerkleinerungsmaschinen von der Lippold Mecklenburg-Vorpommern GmbH.

Auf der IFAT-ENTSORGA in München, der größten Messe für Umwelttechnik in Europa, haben die Mitarbeiter der Lippold Mecklenburg-Vorpommern GmbH ihn bereits vorgestellt – den „LiRec-Vorzerkleinerer VZM/VZS“. (Abkürzung für Lippold Recycling). Und das Interesse, das diese Neuentwicklung bei Gästen aus ganz Europa und sogar aus Asien hervorrief, spricht für sich. Bereits über 65 Anfragen erreichten den erfolgreichen technischen Dienstleister und Lieferer von Maschinen- und Antriebssystemen aus Mecklenburg-Vorpommern. Das Lippold-Team aus Neubrandenburg – einem der fünf Standorte im Bundesland neben Schwerin, Rostock, Stralsund und

Waren/Müritz – hat in den vergangenen Monaten diese Maschinen, einer neuen Generation von Vorzerkleinerungsmaschinen, entwickelt. „Ab Ende Mai werden wir die erste VZM 1.1 testen und potenziellen Kunden vorführen. Das geschieht mit Unterstützung einer renommierten Abfall- und Beseitigungsgesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Dann können sich Interessenten von der Funktion und der Qualität der Maschine im Arbeitsprozess vor Ort überzeugen“, kündigt einer der Geschäftsführer, Bernd Haefke, an. Die Besonderheit des LiRec: Zum einen zerkleinert er Müll und Holz, zum anderen bereitet er die unterschiedlichen Materialien für weitere Separationsvorgänge vor. Zu

den klassischen Anwendungen gehört die Zerkleinerung von Altund Abbruchholz, Sperr- und Hausmüll, Elektroschrott, Altreifen sowie von Industrieabfällen. Die Bandbreite des hydraulischen Antriebssystems reicht von 130 bis 560 kW. Bei der Entwicklung wurde besonders auf die Wartungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit geachtet, denn das ist ein Schwerpunkt bei der Bewertung durch die Kunden. „Vom LiRec wird es unterschiedliche Versionen geben: mobile und stationäre“, erklärt Haefke. Die mit einem Dieselmotor angetriebenen mobilen Varianten (VZM) sind im Standard auf Hakenliftbasis erhältlich und können optional auf einem Trailer oder auf einem Raupenfahrwerk geordert wer-

Der LiRec ist in seiner Größenordnung eine weitere Neuentwicklung der Lippold MecklenburgVorpommern GmbH, die ihren Entwicklungsbereich in Neubrandenburg stationiert hat. „Wir schneidern aber natürlich auch weiterhin für unsere Kunden spezielle Lösungen für Hydraulik- und Maschinensysteme. Das bleibt neben dem Service und dem technischen Handel unser Hauptgeschäft“, betont der Geschäftsführer. Die Entwicklung und der Vertrieb der LiRec- Maschinen hat die Geschäftsführung des Unternehmens als einen wesentlichen Schwerpunkt für das Wachstum und als Schritt in die Zukunft definiert.

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UNTERNEHMEN

150 Millionen Postsendungen und Kirschkerne

Moderne Technik in hellen Hallen - Millionen Briefe laufen jedes Jahr durch die modernen Maschinen.

Wer schreibt heute schon noch einen Brief? Von Hand, in schöner Schrift auf wertvollem Papier? In einem Kuvert, beschriftet von geübter Hand? Kaum noch jemand. Telefon und e-mail sind die Mittel der Zeit, sich gegenseitig Nachrichten, Gefühle, Erlebnisse mitzuteilen. Und doch liegt nahezu jeden Tag ein Brief im Kasten! Zum allergrößten Teil sind es Werbebotschaften und Informationen, die uns da erreichen. Und wir wissen: Sie werden in riesigen Mengen verschickt. Wie viele Menschen mögen erforderlich sein, die Tausenden von Briefen zu füllen, zuzukleben, mit einer Adresse zu versehen und zur Post zu bringen? In der Halle gleich hinter dem Plater Bahnhof flitzen die bereits beschrifteten Briefumschläge durch die Maschine. Von oben rutschen Gutscheine nach, werden von Maschinenhand in die Umschläge geschoben. Der Name auf dem Gutschein und der Name auf dem Umschlag sind identisch – immer. Dann wird das Kuvert zugeklebt und wandert mit vielen, vielen anderen in einen gelben Post-Behälter. So oder ähnlich werden bei der VSP Direktmarketing KG in Plate jedes Jahr 150 Millionen Postsendungen versandfertig gemacht. „Wir haben an diesem Standort 1990 angefangen“, erinnert sich Geschäftsführer Volker Paepcke schmunzelnd. „Damals haben viele Frauen hier Westzeitschriften für die Empfänger im Osten eingetütet – von Hand!“ Riesenmengen waren zu bewälti78

gen, in drei Schichten wurde gearbeitet. Dass das nicht auf Dauer so weiter gehen konnte, war sehr bald klar. Denn die Mengen an Briefen, Zeitschriften, Katalogen nahm immer weiter zu. Es musste investiert werden. Ursprünglich war wohl geplant, in den Hallen Kartoffelflocken zu produzieren. „Hier muss aber auch Marmelade hergestellt worden sein“, sagt Volker Paepcke. „Wir haben große Mengen Weckglasdeckel gefunden und Tonnen von Kirschkernen.“ Das Überraschende: Die Kerne waren Sondermüll und mussten gesondert entsorgt werden. Auch eine Fliegerbombe wurde gefunden, altes Verpackungsmaterial und jede Menge Asbest. Von all dem ist heute nichts mehr zu finden. Auch der alte Güterboden des Bahnhofes ist nicht wieder zu erkennen. Knapp zehn Millionen Euro hat VSP in Plate in den Versandservice gesteckt. Heute sind in dem hochmodernen Betrieb 190 Mitarbeiter beschäftigt. Die sorgen dafür, dass ganz entsprechend den Kundenwünschen die Sendungen individuell bedruckt, verpackt und, bereits nach Postleitzahlen sortiert, an die Zustellzentren der Deutschen Post geliefert werden. „Die Sendungen werden von uns „postoptimiert“, das heißt wir wissen, was ein normaler Brief und was ein Infobrief ist“, sagt der Geschäftsführer. „Dadurch erhält der Kunde immer den besten Preis.“ Vor gar nicht allzu langer Zeit waren sogenannte Massen-Mailings das Hauptgeschäft der Plater. Tausende Briefe ohne konkrete Anschrift

wurden versandfertig gemacht. „Seit fünf, sechs Jahren ist das anders“, sagt Volker Paepcke. „Die Empfänger werden ganz gezielt ausgewählt und angeschrieben.“ Für VSP heißt das: Der Auftraggeber liefert die Adresslisten, die Plater drucken sie dann auf die Sendungen, achten darauf, dass Umschlag und Inhalt zusammen gehören, sortiert nach Empfängerregionen und bringt das ganze zur Post. „Unser Geschäft hat sich vom Gewicht her nahezu halbiert, weil weniger Kataloge verschickt werden. Dafür ist unsere Arbeit deutlich hochwertiger geworden“, sagt Volker Paepcke. „Mehr Klasse statt Masse.“ Das hat große Vorteile für die Kunden. Auch für kleine Tourismusunternehmen sind die VSP-Angebote durchaus interessant. „Alle variablen Bestandteile einer Sendung können wir einbringen.“ Selbst Kleinstmengen sind mit der nagelneuen Digitaldruckmaschine machbar. Individuelle Eindrucke auf jedem Brief und jedem Umschlag sprechen die Rezipienten persönlich an und landen nicht sofort im Papierkorb. Führen bei den „alten“ Massen-Mailings weniger als ein Prozent der Briefe zu einem Kauf oder Vertragsabschluss, so sind es bei individualisierten Anschreiben bis zu acht Prozent. Die Kunden kommen aus ganz Deutschland, die Postsendungen gehen von Plate aus in die ganze Welt. Zu den Auftraggebern gehören Unternehmen wie die Lufthansa, Swarowski, die DAK-Krankenkasse oder auch der Versandhändler Bon Prix. Sie wissen den Service und das MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


UNTERNEHMEN

Volker Paepcke ist immer wieder in der Produktion und überzeugt sich von der hohen Qualität der Auftragsbearbeitung.

Know How von VSP zu schätzen. „Wir können die Kunden umfassend beraten, beispielsweise was die Papierqualität betrifft“, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben alles im Haus, brauchen nur die Daten – den Rest machen wir.“ Dazu kommt: VSP Direktmarketing hat ein Datenschutzsiegel vom Deutschen Direktmar-

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Hohe Konzentration: Andreas Lüdtke richtet eine Druckmaschine neu ein.

keting-Verband und das Unternehmen verwendet im Digitaldruck nur Materialien, die ein umweltgerechtes, vollständiges Recycling des Altpapiers ermöglicht. Immerhin 40 Lastkraftwagen verlassen das Unternehmen – jeden Tag. Andreas Lüdtke richtet die Druckmaschine neu ein. Tagesgeschäft für den Operator. „Durch die

kleineren Aufträge müssen wir viel häufiger umrüsten und neu programmieren.“ Die Anforderungen an Kontroll- und Steuerungsarbeiten steigen beständig. „Kein Problem“, sagt Andreas Lüdtke. „Qualität kommt bei uns an erster Stelle.“ Text & Fotos: Gert Steinhagen

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GARTEN

Sesshaft werden und sich verwurzeln Maren und Herbert Riege krempelten ihr Leben um: In Mecklenburg versorgen sie sich selbst mit Obst und Gemüse, mit Eiern und Fleisch Als im ersten Woitendorfer Sommer das Gras um das Haus wuchs, schafften sich Maren und Herbert Riege ein paar Schafe zum Abweiden an. „Dann aber stellten wir fest, dass wir erst Zäune ziehen müssen, ehe wir Schafe haben können, dass wir einen Stall brauchen und Heu für den Winter“, erinnert sich das Ehepaar. Und muss schmunzeln über die damalige Naivität. Mehr als ein Mal zahlten Rieges

Lehrgeld. Doch deshalb den neu gewählten Alltag in Mecklenburg aufgeben? Nie im Leben. Maren und Herbert Riege hatten sich den Kauf eines Bauerngehöftes, auf dem sie sich weitestgehend selbst versorgen können, gut überlegt. Hatten sich für die Arbeit in einem Garten, hatten sich für das Leben mit Tieren bewusst entschieden. Verstanden deshalb jeden neuen Tag, jedes neue Problem als eine

Möglichkeit dazu zu lernen. Doch der Reihe nach. Maren und Herbert Riege sind gebürtige Hamburger. Gärten waren für sie lange Zeit nicht mehr als ein schönes Anhängsel zum Wohnen. Kräuter auf dem Balkon der ersten gemeinsamen Wohnung im achten Stock. Später ein zimmergroßer Ziergarten hinter ihrer Hamburger Eigentumswohnung. Noch später ein toller Mangobaum und 120 Orchideen an

Maren und Herbert Riege sind mit ihrem selbst gewählten Leben im mecklenburgischen Woitendorf sehr zufrieden.

Neben ihrem Wohnhaus verwirklichten die Gärtner ein ehrgeiziges Projekt: Sie gestalteten einen Blumengarten ausschließlich mit weißen Blüten.

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ihrem gemieteten Haus in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, in der sie viele Jahre lebten. Allerdings hatte das Paar immer einen Hang zum Grünen. Maren erinnert sich an den Garten ihrer Tante, in dem sie in ihrer Kindheit herrlich toben konnte. Als junges Paar wandern sie viel, paddeln sie gern, nehmen sie sogar ein Jahr Auszeit, um Amerikas Wasserlandschaft kennen zu lernen. Als die Städter nach ihrer Venezuela-Zeit nach Deutschland zurückkehren, zieht es sie zum ersten Mal aufs Land. In der Lüneburger Heide in Niedersachsen finden sie ein 2500 Quadratmeter großes Grundstück mit Haus. Freunde, die sich für ihren Ruhestand so viel vorgenommen hatten, erkranken ernsthaft und lassen Maren und Herbert innehalten. Wenn wir noch Pläne haben, sagt sich das Paar, sollten wir sie jetzt mit unseren 50 Jahren angehen. „Wir haben uns gefragt, was wollen wir eigentlich“, schildert Herbert Riege die damalige Situation. Die Antwort lautet: Wir wollen sesshaft werden, wollen uns verwurzeln. Wir wollen Zeit für einen Garten und Tiere haben, wollen uns mit Obst und Gemüse, mit Eiern und Fleisch selbst versorgen. Und wir wollen gesund leben. Das Grundstück in der Lüneburger Heide ist für diese Zukunft, für dieses Tätigsein zu klein. Also machen sich Rieges auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Fast 100 Grundstücke schauen sie sich an, ehe sie das Rechte finden. Dann geht alles sehr schnell. Über eine Anzeige entdecken sie das Gehöft im mecklenburgischen Woitendorf. Anfang November 1996 macht sich das Paar auf den Weg. In den Osten, vor dem Freunde sie warnen. Dort, nicht weit von der ehemaligen innerdeutschen Grenze, würden sie mit den Leuten wohl kaum warm werden können. Der erste Besuch in dem Vier-HäuserDorf ist den Eheleuten heute noch gut in Erinnerung. Das angebotene Gehöft liegt allein in MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


GARTEN

Der Garten mit seinen vielen Blumen umwächst auch das Wohnhaus. Diese blaue Clematis sind ein Hingucker für jeden, der sich dem Grundstück nähert.

einer hügeligen Endmoränenlandschaft, die Eigentumsverhältnisse sind gesichert, das Haus groß genug und die Nebengebäude ausreichend für eine kleine Landwirtschaft. 14 Tage später unterschreiben Rieges den Notarvertrag, wieder 14 Tage später beginnt das Paar mit ersten Arbeiten. Das Wohnhaus der früheren Ziegelei ist in einem jämmerlichen Zustand, doch das schreckt die neuen Dorfbewohner nicht ab. Mit Beginn der ersten Gartensaison erobern sie das 18 Hektar große Gelände, auch wenn der letzte Umzugskarton da noch längst nicht ausgepackt ist. Für ein bisschen Salat graben sie die ersten Quadratmeter Gartenland um, erweitern ihren Mini-Garten Stück für Stück. Heute zählen der Bauerngarten mit vier klassischen Buchsbaumbeeten, das große Gemüsebeet, der Kürbis- und der Futtergarten zusammen 850 Quadratmeter. Darauf wächst alles, was bei dem Paar gerne auf den Tisch kommt oder für die Tiere bestimmt ist. Fast das ganze Jahr hindurch ernten sie verschiedenste Salate. Da Maren vor allem die Mittelmeerküche schätzt, baut sie im 15 Quadratmeter großen Gewächshaus Gurken und Tomaten, Paprika und Auberginen an. Auf dem Kräuterbeet wachsen Bohnenkraut und Dill, Petersilie und Majoran. Obst ist für die morgendliche Müsli-Mahlzeit wichtig. In Woitendorf wachsen Erdbeeren und schwarze Johannisbeeren, Jostabeeren und Sommer- und Herbsthimbeeren. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Um neue Exemplare ergänzt wurde auch die Streuobstwiese. Pflaumen-, Kirsch- und Birnenbäume gibt es dort. Und insgesamt 40 Apfelbäume. Die Früchte werden frisch gegessen oder gelagert, getrocknet oder in der Kühltruhe eingefroren, werden zu Saft und Wein verarbeitet. Ist die Ernte reichlich, bekommen sogar die vier Galloway-Rinder etwas ab. Teekräuter werden getrocknet und aus dem ‘Gleisdorfer Ölkürbis’ die Kerne für die Müsli-Mahlzeiten geerntet. Außerdem bäckt Maren jede Woche zwei Brote. Eier für den Frühstückstisch und ab und an ein Huhn für den Kochtopf steuern die schwedischen Landhühner bei. Und weil Rieges jedes Jahr einen Teil der Lämmer ihrer Rauwolligen Pommerschen Landschafe schlachten, gibt es ab und an auch Lammfleisch. All das Angebaute zu hegen und zu pflegen, zu ernten und zu verarbeiten, sich Tag für Tag um die Tiere zu kümmern, ist mit viel Arbeit verbunden. Doch Rieges sehen eher den Spaß, sehen die Herausforderung. „Eine Mahlzeit auf den Tisch zu bringen, die ich komplett selbst erarbeitet habe, empfinde ich als sehr befriedigend“, betont Maren Riege. Und Herbert unterstreicht, dass er anders als in seinen Berufsjahren körperlich arbeiten kann. Einen Garten wachsen zu lassen, Pflanzpläne erstellen, Wege anlegen, Mauern gestalten – all das seien kreative Prozesse, für die man zu Recht Feuer fangen kann. Abwechslung in die Gartenarbeit und die Selbstversorger-Küche

Der Bauerngarten mit vier klassischen Buchsbaumbeeten ist das Herz- und Schmuckstück des Gartens.

bringen zudem immer wieder Experimente mit Sorten. So wird beispielsweise nicht nur die Kartoffel ‘Linda’ angebaut, sondern auch alte Sorten wie das ‘Bamberger Hörnchen’, ‘La Ratte’ oder ‘Blauer Schwede’. Beide fühlen sich mit der Art ihres Lebens rundum glücklich. „Wir sind zufrieden, wie wir leben können und mit dem, was wir uns geschaffen haben“, betont Maren. „Wir haben viel Zeit für und miteinander und leben außerdem in einer schönen Umgebung“, ergänzt Herbert. Wenn sie sich 6.30 Uhr morgens zu ihrem ersten Frühstück treffen, so ist dieses auch immer eine Arbeitsbesprechung. Was muss erledigt werden? Was machst du, was mach ich? Braucht jemand Hilfe vom anderen? Sie bestimmen selber, was sie machen, wann sie es machen, wie viel sie machen. „Und wenn es zuviel wird, hören wir einfach auf“, schiebt Herbert Riege hinterher. Die Warnung der Freunde, mit den Dorfleuten in Mecklenburg nicht warm werden zu können, hat sich übrigens nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Maren und Herbert Riege finden nur gute Worte für ihre Nachbarn. „Wir sind hier sehr nett aufgenommen worden“, unterstreichen beide. Es sei selbstverständlich, dass man sich hilft. „Immer, wenn wir irgendwelche Fragen zum Hausbau oder zur Landwirtschaft hatten, war da jemand, der uns was erzählen konnte oder gleich bei uns vorbeikam und half“, erzählt Herbert Riege. Text & Fotos: Beate Schöttke-Penke

Maren schätzt einjährigen Mohn, der sich in verschiedensten Farbvarianten überall im Garten aussät.

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SEGELN

Unter Segeln Mit der Brigg „Mercedes“ in der Wismarbucht

Die „Mercedes“ auf Fahrt in die Wismarbucht. Gleich nach Auslaufen begann das Segelsetzen.

Der charmante Name „Mercedes“ wird dem 50 Meter langen Segler mit seinen beiden 35 Meter hohen Masten und den insgesamt 18 Segeln durchaus gerecht. Die Brigg hatte in Wismar festgemacht und zum Segeltörn eingeladen. „Der Wind kommt aus der richtigen Richtung. Deshalb werden wir auf jeden Fall gleich nach dem Auslaufen die Segel setzen“, so die klare Ansage von Kapitän Christian Schaaf kurz vor Auslaufen auf dem rappelvollen Deck. Der in Waren an der Müritz geborene erste Mann an Bord wusste natürlich, dass Wetterprognosen mit östlichen Winden gerade in der Wismarbucht Spielraum bieten - von fast gar keinem Wind bis zu 4 bis 5 Stärken. Schon bald waren die ersten Segel gesetzt und die „Sehleute“ zeigten an Deck mit ihren Kameras vollen Einsatz. Begrüßung auch durch die Purserin Petra Matos, Chefin von allem, was mit Finanzen und Gästebetreuung auf dem Segler zu tun hat. Fehlte nur noch eine 82

entsprechende Sicherheitseinweisung mit Handhabung der Schwimmwesten. „Wenn sie bemerken, dass wir plötzlich eine anhaben, sollten sie sich überlegen, auch eine anzuziehen“, endet die Belehrung von Steuermann Floris Jonker im leichten Rudi Carell-Akzent. Damit hatte der holländische Maat gleich zu Beginn der Reise die Lacher der rund 120 Mitsegler auf seiner Seite. Mitmachen an den Leinen war ausdrücklich erwünscht. Das Aufentern der Wanten bis zu den Segeln war dagegen Sache der Stammbesatzung. Der noch aufkommende Wind sorgte dafür, dass die Brigg „Mercedes“ gelegentlich ganz passabel Fahrt machen konnte. Zeit für die Stammcrew, den Wissensdurst der Gäste zu löschen.

Dabei erwiesen sich neben dem Kapitän, der sich am Ruderstand gern über die Schultern schauen ließ, ebenso Purserin Petra und Matrosin Magdalena Haug als gute Gesprächspartner. So war zu erfahren, dass der Rumpf des Schiffes von einem Fischereifahrzeug stammt. Gebaut wurde es schon 1958 in den Niederlanden. Von 2003 bis 2005 ließ der niederländische Eigner das Fahrzeug in der Harlinger Werft vollständig entkernen und das Schiff insgesamt als neuen, modernen Segler auftakeln. Das besondere an der Brigg sei ihr Fock- und Großmast mit der entsprechenden Takelage. Besonders gern ließen sich die Gäste etwas von „Seefrau“ Magdalena erklären. „Eigentlich komme ich von der Frachtschifffahrt“, gesteht die

22-Jährige und damit Bordjüngste der 12-köpfigen Stammbesatzung. „Im Unterschied zum Containerschiff hier unter Segeln die klassische Seefahrt zu erleben, ist einfach herrlich“, gerät die ausgebildete Schiffsmechanikerin ein wenig ins Schwärmen. In Holland hatte die in Timmendorfer Strand beheimatete Fahrensfrau alle notwendigen Zusatzzertifikate für die Segelschifffahrt erworben und seit dem fährt sie seit gut einem Jahr auf der „Mercedes“. Auch Purserin Petra hat seit zwei Jahren Gefallen am Job und den recht unterschiedlichen Reisen zwischen Nord-, Ostsee und dem Mittelmeer gefunden. Für Wismar war der Aufenthalt des Seglers eine besondere Premiere. Denn der Segler mit niederländischem Heimathafen MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


SEGELN kann bis zu 140 Passagiere mitnehmen und bietet ausschließlich Tagesfahrten an. Natürlich sind wir bei allen maritimen Großveranstaltungen im In- und Ausland präsent“, unterstreicht Petra. Folglich gibt es für Gäste keine Kabinen. Dafür bietet das Schiff viel Platz an Deck und im Schiff. Große Sonnensegel spenden Schatten oder schützen vor Regen. Für Unterhaltung und das Wohlergehen sorgen eine bordeigene Bar sowie ein Restaurant. „Die Nachfragen für solche bisher nicht so bekannten Touren sind extrem hoch, weil es sie - mit Ausnahme der Rostocker Hanse Sail – bisher nicht gab“, lautet das erste Fazit von Thomas Braun, dem Reiseleiter der Friedersdorfer Bustouristik. Er brachte fast 80 Tagesgäste aus dem Berliner Raum mit an Bord. Die hatten anschließend noch zweieinhalb Stunden Zeit, Wismars Hafenmeile und die Altstadt zu erkunden. „Das macht die Sache noch richtig rund“, fand ein Ehepaar aus Kolberg.

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Beim flotten Anlegemanöver gab es von den Gästen Beifall für die Crew wie im Flieger. Seekrank wurde übrigens niemand. Die Verhaltensregeln, wenn es doch passieren sollte, erklärte Matrosin Magdalena dennoch: „Spuckst du nach Luv kommt’s wieder rut, spuckst du nach Lee, geht’s in die See.“ Text/Fotos: H.-J. Zeigert

Bild o.: Mitmachen beim Segelsetzen ist ausdrücklich erwünscht. 1. Bild l.: Begrüßung der Gäste durch Kapitän Christian Schaaf. 2. Bild l.: Beim Segelsetzen in luftiger Höhe: Matrosin Magdalena Haug. 3. Bild l.: Knotenlehre mit Matrosin Magdalena.

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SEGELN

Segler-Welt im Lot Donnerstagsregatten auf dem Schweriner See

Trotz entspannter Wettfahrt - der Kampf um die Innenposition an der Tonne wird auch auf der Donnerstagsregatta durchaus ernsthaft betrieben.

Wenn Regatten für Hobby- oder Semi- ProfiSegler zur schönsten Nebensache der Welt werden, dann sind die Tage zwischen den Wochenenden die härtesten und die Materialschlachten a la „Warnemünder Woche“ mit bzw. gegen die Segel- Creeks der internationalen Eliten die grausamsten. Aus diesem Grunde wurden die Mittwochsregatten erfunden. Erfreuliche Spiele innerhalb des Vereins – mit Booten jeden Typs und einem „angemessenen“ Leistungsniveau. Wer es erfunden hat, darüber streitet sich (manchmal) die Szene – auch wegen des beachtlichen Erfolges: Vom Bodensee, über Berlin bis zur Ostsee werden diese Wettfahrten veranstaltet. Selbstverständlich auch in Schwerin. Seit 2008. Hier aber am Donnerstag. Ab dem ersten Mai- Donnerstag ist es endlich soweit. Dann wird es auf dem Schweriner See wieder lebendig. Zumindest für einen Tag (fast) mitten in der Woche. Unbeteiligte werden sich verwundert die Augen reiben – angesichts der fast 50 Segelboote, die von Boje zu Boje ihre Bahnen ziehen. Regatta- Time? Und das „unter“ der Woche? Die Frage, die sich aufdrängt – haben die denn alle keinen Job? „Nichts ist schöner, als mitten in der Woche und nach der Arbeit noch einmal rauszufahren und nach einer kurzen Regatta mit den Segelfreunden zu klönen“ – so das Credo der Veranstalter und des Presseobmanns vom Schweriner Segler-Verein v. 1894 e.V. (SSV). Wenn Dr. Reiner Pohl die Fachverbandsarbeit und seine Firma hinter sich gelassen hat und nicht mehr „in Rohre und Kabel macht“, mit seiner 5,45m langen „uralten“ Clepper FAM raus auf den Schweriner See 84

fährt – dann ist für ihn die Welt in Ordnung. Was ist Segeln? Schach auf dem Wasser? Lautloses Gleiten über Wogen? Oder der erbarmungslose, kräftezehrende Kampf mit Wind und Wellen? Zumindest die letzte Frage stellt sich für den Neu- Schweriner nicht. „Uns geht es hier um vereinsübergreifende Kommunikation“, betont Reiner Pohl, „damit das Verständnis untereinander wächst“. Nur zwischen den Vereinen – oder auch zwischen den Geschlechtern? Diese Frage bleibt unbeantwortet – schließlich ist man beim SSV in der Umsetzung der Frauenquote eher hinterher. Man könnte aber auch behaupten, dass man sich am Schweriner See in den letzten zwei Saisons um 200Prozent gesteigert hat. Mit einem Boot vom „Sportverein Mecklenburgisches Staatstheater e.V. Schwerin“ (SVTh) wurden in der Saison 2011 exakt 100 Prozent geschafft: Britta Staude ist Kapitän des bis dahin einzigen Frauenbootes und war zwischenzeitlich so etwas wie die Meisterin im Verlieren. Grund zum Verzweifeln scheint das aber nicht zu geben. „Es macht einfach zu viel Spaß", sagt die RadioFrau von NDR 1. „Bei der Donnerstagsregatta fahren wir gegen echte Super-Segler und Europa-Meister. Wir machen zwar manchmal alles falsch, was man falsch machen kann, aber wir lernen auch jede Menge. Und ich glaube auch, dass wir mit der Zeit immer schneller werden“. Zweifellos sind sie schneller geworden, denn es reichte schließlich für Britta Staude, Britta Buklad und Kathrin Steuder zu Platz 28 der Gesamtwertung – bei insgesamt 51 Booten, die an den Start gingen. „Aus einer Prosecco-Laune heraus“, antwortet die Skipperin der „Nofretete“, auf die Frage nach der

Foto: Erika Berger

Anfangs- Motivation. Und, dass die ersten drei Male noch nicht einmal das Ziel nicht erreicht wurde. „Die anderen saßen schon im Seglerheim bei der Bratwurst und wir waren noch nicht mal am Wendepunkt“, erinnert sie sich. Schließlich musste doch der Außenborder helfen. Dabei geht es bei den Rennen zwischen den Booten entspannt und vor allem sehr fair zu. Egal ob Jolle, Jollenkreuzer oder Katamaran – alle haben (im Idealfall) die gleichen Chancen. Auch 2012 werden die dreizehn Wettfahrten mit allen Bootsklassen nach dem so genannten Yardstick verrechnet. Nach einer höchst komplizierten, meterlangen und für jeden einzelnen Bootstyp berechneten Formel, erhält man einen ganz individuellen Multiplikator für die jeweilige Segelzeit. Damit es noch gerechter zugeht, wird der Yardstick beim SSV modifiziert – angepasst z.B. an den speziellen Wellengang. Sicherlich auch ein Grund für die 53 Meldungen und den Start der zweiten Frauen-Crew, eine Mannschaft des SSV mit Steuerfrau Carola Volkmann und Vorschoterin Ingrid Hanitzsch. Vielleicht sind es aber auch die wunderschöne Terrasse, auf der dann nach 20 Uhr noch ein Apres-Getränk genommen und geklönt wird. Auf jeden Fall – viel Erfolg den Damen und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel! Jo Lüdemann.

Termine für die nächsten Donnerstagsregatten: 2.8., 9.8., 16.8., 23.8., 30.8., 6.9. Donnerstagsregatta der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin Siegerehrung: 6.9.2012

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DENKMAL

Premiere für den Thormann Speicher In der Gunst der Besucher steht der Alte Hafen mit seiner Halbinsel ganz oben. Die Hansestadt hat sich dessen Aufwertung einiges kosten lassen. Allein für die Infrastruktur mit neuen KaikanHochwasserschutz, ten, Straßenanbindungen und Leitungsverlegungen wurden Millionen investiert. Der Beginn der Sanierung der historischen Speicher geht einher mit der Eröffnung einer neuen Markthalle und dem fast fertig gestellten Promenadencenter. Die beliebte Hafenmeile wird also immer attraktiver. Den 22 Meter hohen ThormannSpeicher mit seinen sieben Etagen ließ Johann Christian Thormann im Jahre 1862 für den Unternehmer G.W. Löwe als Lager- und Speichergebäude am Alten Hafen errichten. Seit dem DDR-Ende stand der stadteigene Ziegelsteinbau leer und war vom Verfall bedroht. Inzwischen sind Dank der Städtebaufördermittel mehr als zwei Millionen Euro in den unter Denkmalschutz stehenden Speicher geflossen. Ab Mai dieses Jahres erhielt die Öffentlichkeit fast einen ganzen Monat lang Gelegenheit, den unteren Bereich des historischen Speichers in neuer Qualität kennenzulernen. Der bekannte Wismarer Fotografenmeister Hanjo Volster präsentierte in dem sanierten Gebäude eine bemerkenswerte Fotoschau, die die Entwicklung seiner Heimatstadt in den vergangenen Jahrzehnten bis heute zeigte. Allein in der ersten Ausstellungswoche kamen 3.200 interessierte Besucher, die gleichzeitig das Ergebnis der aufwändigen Sanierungsarbeiten besichtigen konnten. Im Herbst 2009 war mit der Sanierung begonnen worden. Die Schwerpunkte lagen dabei in der Schwammbeseitigung, der Dachsanierung, einschließlich Entwässerung sowie der Fassadenrekonstruktion inklusive Fenster und Türen. Für die daran beteiligten regionalen Firmen war dies eine besondere, handwerkliche Herausforderung. Zum MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Seit 10 Jahren ist die Hansestadt Teil der UNESCO-Welterbeliste. Aus diesem Anlass wurde im Erdgeschoss des Thormann-Speichers eine Fotoausstellung gezeigt.

Für mehr als 2 Millionen Euro wurde der Thormannspeicher für künftige Nutzer rekonstruiert.

einen forderten die Denkmalpfleger den optimalen Erhalt der geschichtsträchtigen Bausubstanz. Andererseits galt es, die strengen aktuellen Bauvorschriften einzuhalten. Inzwischen stehen 4000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfü-

gung, die entsprechend den Wünschen künftiger Eigentümer gestaltet werden können. Favorisiert werden der Verkauf des Gebäudes oder die Nutzung in Form von Erbbaurecht. Die Wismarer Bürgerschaft hat Investoren dafür den Weg freigemacht. Dies betrifft auch weitere histori-

Für den Meisterfotografen Hanjo Volster war diese Ausstellung eine fotografische Liebeserklärung an seine Heimatstadt.

sche Speicher, wobei die Nutzung zugunsten des Tourismus, der Erholung und der wissenschaftlichen Tätigkeit erfolgen soll. Text & Fotos: H.-J. Zeigert

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MODE

(compromis) label & lounge Mode erleben – das Besondere entdecken …

Bei der Idee von (compromis) label & lounge verschmelzen Mode, Lifestyle, Musik und Atmosphäre zu einem innovativen Store-Koncept. Der Mix aus hochwertigen und exklusiven Marken wird vom anspruchsvollen Storedesign, das auf geradlinige Eleganz und Weite setzt, unterstützt. Seit nunmehr sechs Jahren präsentiert compromis allen jungen, jung gebliebenen und modebewussten Männern und Frauen seinen ganz eigenen Weg durch den breiten Pfad der Modewelt. Inspiriert von großen Modeschauen und aktuellen Trends finden neben namhaften Brands wie Diesel, Replay, Selected und Drykorn auch angesagte Labels wie Liebeskind Berlin, Pantofola Dóro und Aunts & Uncles sowie

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kleine feine Kollektionen innovativer Designerlabels ihren Platz. Für SIE die Damenboutique mit feinen Tuniken, tollen Kleidern, pfiffigen Hosen und ausgefallenen Accessoires, für IHN der Herrenausstatter mit klassischen Anzügen, farbigen Krawatten, coolen Jeans und ausgefallenen Hemden. Ein perfektes Zusammenspiel aus festlicher Abendgarderobe, dem sportlichen Freizeitoutfit und dem sportlicheleganten Businesslook. Abgerundet wird das Sortiment durch eine Vielzahl an Accessoires wie Taschen, Gürteln, Schuhen, sowie den originellen Schmuckstücken von Konplott. Sinne beflügeln, Looks kreieren, das Außergewöhnliche wagen und das Besondere immer wieder neu entdecken, ist das Credo von compromis.

Die integrierte Lounge, deren Ambiente Wohlfühlatmosphäre sowie Softdrinks und verschiedenste Kaffeevariationen bietet, spiegelt im Spiel mit Farben und unterschiedlichsten Stilelementen die Exklusivität des Angebots wider. Ausgezeichnet als ein innovatives und richtungsweisendes Store-Konzept erhielt compromis label & lounge vom ´TM - Fachmagazin´ im Mai 2011 den Titel Store des Monats und hat sich über die Landesgrenzen hinaus bekannt und einen Namen in der Modebranche gemacht. Ein Shoppingerlebnis der ganz besonderen Art auf insgesamt 555 Quadratmetern zwischen den Metropolen Hamburg und Berlin – in Mecklenburg Vorpommern.

Informationen auch im Internet unter www.emotionofstyle.de und als Fan auf facebook.de

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„Heute schneiden wir Ihre Haare einmal lang!“ Friseurteam überzeugt mit einem verlockenden Angebot „Langhaarkunden sind anspruchsvol! Geschmeidiges, glänzendes Haar im natürlichen Fall und ein qualitativ wiederholbarer Haarschnitt sind die wichtigsten Kundenwünsche dieser Kundengruppe“ weiß Kerstin Boldt, Leiterin des Salon Cut Concept in der Schweriner Marienplatzgalerie. Der Grundstein dafür wird bereits beim Schnitt gelegt und setzt sich bei der individuell abgestimmten Pflegeserie fort. Die Stylisten des Friseursalons Cut Concept“ arbeiten nach Grundsätzen eines international zertifizierten Schnittsystems, sie kom-binieren verinnerlichte, individuelle Beratungskompetenz mit handwerklichem SpitzenKönnen. Auf diese Kenntnisse und Fertigkeiten aufbauend wenden sie seit einigen Monaten eine einzigartige Schneidetechnik in langem Haar an: Bei dieser werden die Haare nicht wie herkömmlich, in nassem Zustand geschnitten, sondern sie bleiben trocken. „Das ist nicht sehr einfach und erfordert viel Erfahrung“ erklärt die Salonleiterin. Der

Innovative Schneidetechnik überzeugt bei langen Haaren im Naturlook oder auch mit Locken.

entscheidende Vorteil dieser innovativen Schneidetechnik aber liegt darin, dass die Kundin direkt mit verfolgen kann, wie der Haarschnitt entsteht und sich sicher sein kann, dass nicht zu viel abgeschnitten wird. „Bei trockenem Haar sehen wir ganz genau, wie es von seinem natürlichen Wuchs her fällt und können das genau berücksichtigen.“ Mit dieser einzigartigen Technik gelingt es bereits mit dem Schnitt der Frisur mehr Fülle und Volumen zu geben. Die Resonanz ist durchweg positiv, die Kunden sind begeistert von dieser Art mit langem Haar umzugehen. Zum Schluss werden auf Wunsch ein Service Make up und ein Foto erstellt. Beim nächsten Besuch besteht somit auf der Grundlage der Beratung mit den ipads und des Fotos eine verlässliche Wiederholbarkeit des Haarschnitts. Somit ist Qualität kein Zufall mehr, was Friseurkunden unglaublich schätzen – getreu dem Motto: Ihr perfekter Haarschnitt ist unser Anspruch! ack

(Fotos: haircosmeticteam)

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in der Marienplatz-Galerie eine neue Technologie Ihres Langhaarschnittes. Ein Langhaarschnitt im Einklang mit Ihrer Kopf-und Gesichtsform, für Kunden die Natürlichkeit in ihren Haaren lieben.

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AUTO

Der neue BMW 3er Touring:

Fünfte Generation steht in den Startlöchern

Sportlich-elegantes Design und hohe Funktionalität zeichnen ihn aus Er steht noch nicht im Autohaus, und doch sind bereits die ersten von ihm verkauft. Der neue BMW 3er Touring, der auf der Automobil International in Leipzig seine Weltpremiere feierte, ist ein gefragtes Auto. Die Auftragsbücher werden von Tag zu Tag voller. Eine Faszination, die seit jetzt mittlerweile fünf Generationen auch ihre Ursachen hat. Schließlich ist der 3er mit all seinen Modellen die erfolgreichste Baureihe der Welt im PremiumSegment. 1988 kam der erste BMW Touring auf den Markt – der erste Kombi mit einem sportlicheleganten Design, der sich deutlich von den konservativ anmutenden Modellen seiner Zeit

absetzte. Damit begründete der Autobauer aus München ein neues Segment – die erste Sportkombi-Version. Seit 1975 haben nun fast vier Millionen Menschen in Deutschland einen 3er gekauft. Und es werden von Jahr zu Jahr immer mehr. Jeder zweite in 2011 in Deutschland zugelassene war zum Beispiel ein Touring. Das Modell ist besonders im Flottengeschäft beliebt – knapp 70 Prozent der 3er Reihe machte der Kombi in 2011 aus. „Der neue Touring wird an den Erfolg seiner Vorgänger anknüpfen und in diesem Jahr in Deutschland weitere Verkaufsimpulse setzen“, ist sich Karsten Engel, Leiter Vertrieb Deutschland der BMW Group, sicher.

Dietmar Zimmerhackl, Leiter Entwicklung BMW 3er Projekte, präsentierte in Leipzig die Feinheiten des Autos.

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Von Leipzig setzt nun der neue 3er Touring seine Erfolgsgeschichte in die ganze Welt fort. Die deutschen Kaufinteressenten dürfen sich auf ihn freuen, spätestens im September, wenn er in den Autohäusern, auch in MecklenburgVorpommern, steht. Die Gründe für eine erste Probefahrt liegen dabei ganz klar auf der Hand. Sportlich-elegantes Design und hohe Funktionalität werden ebenso perfekt kombiniert wie markentypische Dynamik und optimierter Fahrkomfort. Im Premium-Segment der Mittelklasse überzeugt der Fünftürer nicht nur durch unübertroffene Fahrfreude, sondern auch mit einzigartiger Vielseitigkeit im Alltagseinsatz und auf Reisen. Das zur Marktein-

führung verfügbare Modellangebot umfasst die Vierzylinder-Varianten BMW 328i Touring (245 PS) und BMW 320d Touring (184 PS) sowie den BMW 330d Touring, dessen 258 PS starker Sechszylinder-Diesel serienmäßig mit einem Achtgang-Automatikgetriebe kombiniert wird. Mit seinem gegenüber dem Vorgänger um 35 auf 495 Liter erweiterten Gepäckraumvolumen markiert der neue BMW 3er Touring den Bestwert im Wettbewerbsumfeld. Zur Serienausstattung gehört neben der im Verhältnis 40:20:40 teilbaren und umklappbaren Fondsitzlehne auch die automatische Heckklappenbetätigung. Behm Fotos: Behm (2), BMW

Der erfolgreiche Kombi besticht durch ein sportliches Fahrwerk mit einem Plus an Fahrkomfort. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


AUTO

Sie suchen ein Auto, das sowohl auf der Straße als auch im Gelände eine gute Figur macht? Ein Auto, das die Aufgaben des Alltags meistert und auf jede Wettersituation bestens vorbereitet ist? Dann sind Sie bei Volkswagen und dem Passat Alltrack an der richtigen Stelle. Dieser selbstbewusste und vor allem charakterstarke Kombi aus Wolfsburg verbindet Straße und Gelände auf eine ganz besondere Weise. Gegenüber einem herkömmlichen Passat Variant zeichnet sich das neue Modell jedoch nicht nur durch ein eigenständiges Äußeres aus: Der Grenzgänger zwischen Pkw- und SUV-Welt wurde erstmals mit dem bewährten Offroad-Fahrprogramm ausgestattet. Bisher war das nur Geländewagen wie dem Tiguan und Touareg vorbehalten. Es ist aber auch die Liebe zum Detail, die hohe Qualität bei der Verarbeitung und die umfangreiche Ausstattung, die den Alltrack seit seiner Markteinführung im März bei den Kunden so beliebt macht. 17-Zoll-Leichtmetall-Felgen vermitteln so zum Beispiel erhöhte Solidität und Wertigkeit. Die Fenstereinfassungen, Außenspiegelgehäuse und Kühlergrillschutzgitter in mattem Chrom ebenso. Eine silberne Dachreling, der Unterfahrschutz, Nebelscheinwerfer und schließlich die „Alltrack"-Schriftzüge an Front und Heck kennzeichnen ihn endgültig als geländegängige Variante des Passat. Doch auch die Technik ist ein starkes Argument für den Wagen. Hier haben die Entwickler und Ingenieure ganze Arbeit geleistet: Dank erhöhter Werte für Rampen-/Böschungswinkel und Bodenfreiheit punktet der Passat Alltrack eindrucksvoll im unwegMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Der neue VW Passat Alltrack:

Schön, praktisch und leistungsstark Eine Fahrt zum „Berggipfel“ ist kein Problem Ein guter Partner in allen Lebenslagen - der VW Passat Alltrack ist die perfekte Kombination für Straße und Gelände. Foto: Volkswagen

samen Gelände. Geschützt wird der Antrieb dabei durch einen massiven Unterfahrschutz aus Stahlblech. Leidenschaft und Emotionen – das beginnt im Auto auch unter der Motorhaube. Schön und praktisch ist gut, doch schön, praktisch und leistungsstark ist noch besser. Deshalb hat der Fahrer des neuen VW-Modells ebenso viel Spaß mit

dem Antrieb. Zwei TSI-Motoren mit 160 PS und 210 PS sowie zwei TDI-Motoren, die 140 PS bzw. 170 PS leisten, sprechen eine deutliche Sprache. Beide TDI sind zudem als BlueMotion Technology-Version mit Start-Stopp-System sowie Bremsenergierückgewinnung unterwegs. Und wer am Ende des Tages noch eine Tour zum nächsten „Berggip-

fel“ machen möchte, braucht sich vor unebenem Gelände nicht zu fürchten. Die Modelle mit den jeweils stärksten Motoren-Versionen sind serienmäßig mit permanentem Allradantrieb 4Motion und DSG ausgestattet. Na dann, gute Fahrt… Behm

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AUTO

Ab Ende August im Handel

Neue Qualitätsmaßstäbe in der Kompaktklasse

Foto: Audi

Natürlich sind es die vier Ringe, die besondere Qualität erwarten lassen dürfen. Autobauer Audi setzt dabei Maßstäbe, in jedem seiner Autos. Und so wird der neue A3 auch keine Ausnahme bilden. Er gehört zu den wichtigsten Premieren in diesem Jahr. Der Welt vorgestellt auf dem Salon im schweizerischen Genf konnte sich auch Deutschland in den vergangenen Wochen, zum Beispiel auf der AMI in Leipzig, vom sportlichen Kompaktflitzer ein erstes Bild machen. Im Handel wird der A3 der dritten Generation Ende August vorgestellt. Ein erstes Probesitzen verspricht schon heute Lust auf Mehr. Das Fahrwerk ist sportlich-agil abgestimmt. Die Motoren sind kraftvoll und zugleich höchst effizient, der Innenraum bietet ein Ambiente stilvoller Dynamik. Bei den Fahrerassistenzsystemen und beim Infotainment hält der neue A3 zudem ein Portfolio an Technologien bereit, das die Maßstäbe im Segment neu definiert. Hinzu kommt das eindrucksvolle Design. Es macht den sportlichen Charakter des neuen A3 sichtbar und lässt den schicken Dreitürer kraftvoll auf der Straße stehen. Es gibt viel zu erzählen, doch viel mehr als Informationen zählen Emotionen, Leidenschaft und Fahrspaß. Und den hat man im neuen Ingolstädter zur Genüge. Unterstrichen wird das von einem komplett neu gestalteten Innenraum. Der besticht mit der horizontalen Linienführung seiner scheinbar MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

schwebenden Schalttafel, richtungweisender Qualität von Material und Verarbeitung sowie klarer Ergonomie. Ein Blick hinter die Fassade zeigt auch den hohen Technikanspruch, den Audi im neuen A3 verbaut hat. Der Leitsatz „Vorsprung durch Technik“ passt hier wie die berühmte Faust aufs Auge. Ein Beispiel sind die hochleistungsfähigen Fahrerassistenzsysteme, wie die radargestützte adaptive cruise control, den Audi side assist, den Audi active lane assist, die Verkehrszeichenerkennung, den Parkassistent und das Sicherheitssystem Audi pre sense basic. Sie bedeuten ein Angebot, das derzeit kein Wettbewerber auf dem Markt zu bieten hat. Auch bei den Leistungstriebwerken spielt der neue Audi A3 in der oberen Liga mit. Zur Markteinführung rollt er mit drei Vierzylindern an, die alle von Grund auf neu entwickelt sind. Die beiden TFSI und der TDI schöpfen aus 1,4, 1,8 und 2,0 Liter Hubraum. Die Leistung beträgt 122 PS, 180 PS und 150 PS. Im Vergleich zum Vorgängermodell ist der Verbrauch des neuen A3 im Mittel um circa zwölf Prozent zurückgegangen – bei einigen Aggregaten ist die Einsparung noch größer. Wer nun Lust hat, aus dem Probesitzen eine Probefahrt zu machen, sollte sich schnellstens im Autohaus seines Vertrauens einen Termin geben lassen. Behm

Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler hat gut lachen. Der neue Audi A3 begeistert noch vor der Markteinführung die Branche. Foto: Behm

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ERLEBNIS

Umweltschutz mit Spaßfaktor Schweriner Hotel bietet Kurztripps in die Region mit einem Elektroauto

Der Blick über den Schweriner Ziegelsee lädt zum Träumen ein.

Der kleine Elektroflitzer ist mühelos zu „betanken“.

„Dieser Urlaub war längst überfällig – ich bin völlig ausgepowert und muss meine Batterien wieder aufladen. So oder so ähnlich geht es vielen Urlaubern, wenn sie im Hotel Speicher ankommen“, meint Geschäftsführer Christian Petersen: „Unsere Gäste wissen, dass sie da bei uns genau richtig sind und wir sie während ihres Aufenthalts mit Arrangements und Services aus den Bereichen Gastronomie, Hotellerie, Kultur und Wellness verwöhnen.“

rungsgemäß diese Frage gestellt: „Ist der Motor schon an?“ Kein Geräusch dringt aus dem Motorraum, nur das leise Rollen der Reifen ist zu hören. Wir geben den Gästen unsere Routenvorschläge mit und weisen darauf hin, dass die Reichweite auf ca. 120 km begrenzt ist. Zur Stärkung packen wir zwei Lunchpakete in den Kofferraum und schon kann es los gehen. Eine sehr schöne Tour, die wir gern empfehlen, geht über Lübstorf mit Stop in Schloss Willigrad zum Klützer Winkel mit einem Abstecher nach Schloss Bothmer. Von dort können sie entweder zum Gutshaus Stellshagen weiterfahren, um dort auf der herrlichen Terrasse die Ruhe der Natur zu genießen oder sie fahren zum Alten Feuerwehrhaus in Damshagen. In dem kleinen Bistro gibt es eine wunderbare Auswahl an Biobackwaren und Kuchen! In der Zwischenzeit kann das Auto an den dortigen Elektrozapfsäulen kostenlos getankt werden. Das Gutshaus Stellshagen und das dazugehörige Gutshaus Parin verfügen ebenfalls über jeweils einen Karabag E 500. Die beiden Häuser kooperieren eng miteinander und bieten ihren Gästen jeweils die Möglichkeit, die Fahrzeuge an den jeweiligen Standorten der Häuser kostenfrei zu tanken. Der Tank reicht auf jeden Fall noch für einen Abstecher an die Ostsee und die sichere Rückkehr zum Hotel Speicher am Ziegelsee. Zum Abschluss eines sicherlich erlebnisreichen Tages bieten wir hier auf unserer Terrasse ein Abendessen à la Carte bei Sonnenuntergang!“

Dass der Gast im Mittelpunkt steht, ist für die Geschäftsführung des Schweriner Hotel Speicher am Ziegelsee selbstverständlich. „Und wir gehen noch einen Schritt weiter“, so Christian Petersen: „Seit vielen Jahren schon sehen wir uns dem Schutz unserer Umwelt verpflichtet und möchten einen Beitrag dazu leisten, dass der landschaftliche Reiz Mecklenburgs erhalten bleibt. Unsere Gäste können die wunderschöne Natur mit dem guten Gefühl genießen, da wir mit vielen ökologischen Elementen im alltäglichen Hotelbetrieb dafür aktiv Verantwortung übernehmen.“ Das beginnt zum Beispiel im Restaurant mit der Entscheidung für saisonale, regionale und fairgehandelte biologische Lebensmittel und endet mit Spülmaschinen, deren Energieverbrauch aufgrund modernster Wärmerückgewinnungstechnologie geringer ist, als bei konventionellen Geräten. 2006 wurde das Hotel als erstes in der Region Mecklenburg-Schwerin als umweltorientiertes Unternehmen zertifiziert und ist seit März 2010 das erste klimaneutrale Hotel des Landes. 92

Seit kurzem gibt es ein weiteres Angebot zum Thema Energie und Umweltschutz. Nicht nur für Körper und Seele ist es wichtig, von Zeit zu Zeit neue Energie zu tanken. Ganz profan gilt das auch für Autos. Seit langem schon ist bekannt, dass fossile Brennstoffe knapp werden, also wird nach Alternativen gesucht. Das Bundesverkehrsministerium sieht eine solche in der Elektromobilität und hat ein gleichnamiges Programm aufgelegt. Elektroautos tanken Strom, stoßen kein klimaschädliches Kohlenstoffdioxid aus und sind leise. Sie lassen sich in ein intelligentes Stromnetz, (Smart Grid, mit unterschiedlichen und dezentralen Energieerzeugungsanlagen) einbinden. Derzeit gibt es auf Deutschlands Straßen circa 1500 solcher Fahrzeuge – bis 2020 sollen es mindestens eine Million sein. In acht Städten und Regionen laufen dazu Modellversuche. „Wir starten unseren eigenen Modellversuch“, so Petersen und erklärt sein neues Angebot: „Sie haben die Möglichkeit, bei uns einen Karabag new 500E auszuleihen und damit erste Erfahrungen mit Elektromobilität zu sammeln. Die kleinen Elektroflitzer, die auf der Karosserie eines Fiat 500 aufgebaut sind, werden in Hamburg von der Firma Karabag hergestellt. Unsere Gäste übernachten in einem der hellen und geräumigen Zimmer mit Blick auf den Schweriner Ziegelsee. Morgens können sie sich am vitalen Frühstücksbuffet mit vielen Bioprodukten und frischem Obst stärken. Im Anschluss folgt die Einweisung in die Technik des Fahrzeuges. Ist der Zündschlüssel umgedreht, wird erfah-

Text: ack Fotos: Hotel Speicher am Ziegelsee MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


• Spezialitätenverkauf direkt ab Hof - Das gesamte Sortiment an Schwechower Obstbränden, -geisten und Likören können Sie in unserem Hofladen auf Gut Schwechow kaufen - weiterhin Wurst- und Fleischspezialitäten aus eigener Schlachterei • Öffnungszeiten Hofladen: Mo. - Sa. von 9 - 16 Uhr • Brennereibesichtigungen und Verkostungen auf Vereinbarung • Präsenteservice/Versandservice

Wir vermitteln Finanzierungsverträge ausschließlich an die BMW Bank GmbH.

auch in diesem Jahr:

BMW Sailing Cup 2012 am 18.8. bis 19.8.2012 in Wismar/Hafen, größte Amateurregatta-Serie der Welt kommt zu Ihnen. Anmeldung noch bis zum 20.7.2012 möglich. Auch für alle, die nicht mitsegeln, gibt es viel zu erleben!

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TOURISMUS

Gelungener Auftakt Erfolgreicher Saisonauftakt der Tourismuswirtschaft in Zingst Auch in diesem Jahr lud der Golfverband Mecklenburg-Vorpommern mit seinen Partnern, dem Tourismusverband MV und dem DEHOGA MV, zum traditionellen Saisonauftakt der Tourismuswirtschaft. Neben Harry Glawe, Minister für Wirtschaft, Bau und Tourismus, Reinhard Meyer, Chef der Staatskanzlei und Jürgen Seidel, Präsident des Landestourismusverbandes, konnten zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien im Hotel Vier Jahreszeiten Zingst begrüßt werden. Bei schöner Atmosphäre wurden in Gesprächen Strategien für eine kooperative Weiterentwicklung des Tourismusgebietes Mecklenburg-Vorpommern besprochen und ein Ausblick auf Projekte der begonnenen Saison gegeben. Als

gemeinsames Ziel ist neben einer aufeinander abgestimmten Werbung, eine höhere Wertschöpfung für unsere Region zu erzielen von besonderer Bedeutung. „Wir verstehen uns als Golfregion“, so Rüdiger Born, Präsident des Golfverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Das belegen auch aktuelle Zahlen. Der Landesgolfverband zählt mittlerweile 13500 Mitglieder, wobei das Ziel verfolgt wird, in naher Zukunft die 15000 zu übersteigen. Das Golfland MV, mit seinen 17 Golfplätzen, konnte weiterhin im vergangenen Jahr, trotz des schwierigen Wirtschaftsjahres, ca. 550.000 Übernachtungen verbuchen. Etwa 50% aller gespielten Runden sind auf Touristen zurückzuführen. Besonders durch die steigende Zahl an Golfreisenden in

Reinhard Meyer, Chef der Staatskanzlei, Rüdiger Born, Präsident des Golfverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Jürgen Seidel, Präsident des Landestourismusverbandes MV, Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA MV und Harry Glawe, Wirtschaftsminister (v.l.) eröffneten die Tourimussaison 2012 in Zingst. Fotos: Golfverband MV

der Vor- und Nachsaison stellt dies einen wichtigen Wirtschafts- und Tourismusfaktor für unser Bundesland dar. Ein weiterer wichtiger Indikator für die Bedeutung des Golfsportes in Mecklenburg-Vorpommern ist der im Vergleich zu anderen Tourismussegmenten hoher Prozentsatz ausländischer Besucher. „Der Anteil ausländischer Gäste stagniert auf niedrigem Niveau“, so Meyer bei seiner Eröffnungsrede in

Zingst. Der Golftourismus bildet dabei mit seinen 22% eine Ausnahme. Als weitere neue Zielgruppen werden auf Messen und Veranstaltungen gezielt Besucher aus der Schweiz, Liechtenstein und Österreich angesprochen. Mit den kommenden Höhepunkten, der Pon Seniors Open und der EM der Journalisten 2013, freuen wir uns auf medienwirksame Veranstaltungen von überregionaler Bedeutung.

Tourismuswerbung für das Land Golfverband MV und Landestourismusverband bei Golf-Cups in Kitzbühel und München

Rüdiger Born, Präsident des Landesgolfverbandes hier mit Alexandra Jahr, Geschäftsführerin des JahrTop-Special-Verlages und dem Schauspieler Michael Lesch beim Charity Golf Cup.

Anfang Juni 2012 präsentierte sich der Golfverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. mit dem Tourismusverband im Partnerland Österreich. Zum Anlass des Jahr-Verlag Charity Cups wurden über 150 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Sport und Medien sowie Prominente und zahlreiche Journalisten aus Süddeutschland und Österreich begrüßt. Das Thema Golf war bei dieser Veranstaltung ein wichtiges Thema, welches das Event während der gesamten Tage begleitete. Die internationalen Gäste erhielten dabei Informationen rund um das Thema Golfland M-V sowohl mittels 94

Jürgen Seidel, Präsident des Landestourismusverbandes MV, machte Werbung für das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern. Broschüren als auch durch offene und persönliche Gesprächsrunden. Der Jahr Top Special Verlag, der dieses Event veranstaltete, erstellt diverse Magazine wie z. B. auch für Angeln und Jagen. Ziel der Präsentation war es, spezielles, touristisches Klientel mit erhöhter Wertschöpfung zu erreichen. Rüdiger Born vom Golfverband betonte die Wichtigkeit einer Zusammenarbeit mit den Medien im Interesse unseres Bundeslandes. Als erstes Ergebnis wurde eine verstärkte redaktionelle Berichterstattung in allen Fachmagazinen vereinbart.

Auf der diesjährigen „UniCredit Ladies German Open“, Europas größtem Damenturnier, im Golfpark Gut Häusern bei München warb der Golfverband MV mit einem Messestand für unser Bundesland. Neben Informationen rund um das Thema Golfland MV wurde den über 35000 Besuchern vom 24.-27. Mai 2012 durch verschiedene Werbematerialien das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern mit seinen Stränden, vielseitigen Landschaften und Sehenswürdigkeiten nähergebracht. Zudem erfuhren sie, wie man bequem, beispielsweise durch günstige Flugverbindungen, in unser Land reisen kann. „Wir möchten, dass das Golfland MV eine noch größere Bekanntheit als Urlaubsland erlangt und gezielt golfinteressiertes Publikum ansprechen. Die Greenfee-Spieler und Hotelgäste sind ein wichtiger Faktor für unsere Anlagen“, so das Präsidium des Landesgolfverbandes. Unterstützt wurde die fünftägige Präsentation auf dem Turniergelände vom Landesmarketing, dem Tourismusverband MV und dem Flughafen Rostock-Laage. Informationen:

Tel.: 0385/5577788 mail:info@golfverband-mv.de MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


SPORT

Foto: SSC

Ruhmesblätter des Schweriner SC Die Erstliga-Volleyballerinnen des Schweriner SC sind in den Ballsportarten Mecklenburg-Vorpommerns erfolgreichste Mannschaft. Mit neun Meistertiteln und vier Pokalsiegen nach der Wende behauptet der Schweriner Verein seine Ausnahmestellung im deutschen Frauenvolleyball. Übrigens behauptet sich der SSC neben dem USC Münster am längsten in der 1. Bundesliga. Die Saison 2011/2012 fügte der erfolgreichen Vereinsgeschichte mit dem Gewinn des Doubles (Meisterschaft und Pokal) das vorläufig letzte Ruhmesblatt hinzu. Unvergessen nicht nur für die mitgereisten 600 Fans bleibt das DVVPokalfinale am 4. März 2012 im Gerry Weber Stadion von Halle/Westfalen. Vor 10.200 Zuschauern erkämpften sich die Mädels um Trainer Teun Buijs in einem mitreißenden Spiel gegen die Roten Raben aus Vilsbiburg den Pokal. Einen Monat später löste der amtierende Deutsche Meister seine Aufgabe in der Elbmetropole im Spiel gegen den Dresdner SC hervorragend. Wie im Vorjahr setzte sich der SSC im dramatischen Meisterschaftsfinale 3:2 gegen Dresden durch und feierte nach 2001 und 2006 bereits das dritte Double. Für ein weiteres Highlight der beendeten Saison 2011/2012 sorgte der Schweriner Sportklub durch seine Teilnahme an der Champions League. Zwar blieben die SSC-Spielerinnen in der Gruppenphase sieglos und schieden später in der Challenge Round gegen Yamamay Busto Arsizio aus, aber sie brachten Weltklasse-Volleyball in die Landeshauptstadt und entwickelten ihre eigenen Fähigkeiten kontinuierlich weiter. In ihren Reihen sind MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

Persönlichkeiten wie Berit Kauffeldt, Lisa Thomsen und Denise Hanke, die zum deutschen Nationalkader gehören. Die Erfolge des Vereins sind der Schlüssel für die Berufung Schwerins zum Austragungsort für internationale Wettbewerbe. Schon geht der Blick der Verantwortlichen des Vereins voraus zur Frauen-Europameisterschaft im September 2013 in Deutschland und der Schweiz. Schwerin ist Vorrundenspielort neben Halle, Dresden und Berlin sowie Zürich. Vier Mannschaften werden sich hier um das Weiterkommen streiten. Sie zählen zu den besten europäischen Nationalteams. Bis dahin bleibt einiges zu tun, wie Teamleitungsmitglied Burkhard Wiebe aus Erfahrung weiß. Er war einer der Organisatoren der Vorrundenspiele in Schwerin bei der Weltmeisterschaft 2002. TopMannschaften wie Cuba, Südkorea und Holland tummelten sich seinerzeit in der Landeshauptstadt. Damals galt es für „Eddie“ Wiebe, bei drei Spielen am Tag die Sportund Kongresshalle zu füllen. Das Spiel Cuba – Südkorea sahen sich 4.800 Menschen an. Nicht zu vergessen, so der Hinweis des Volleyballexperten, dass solche hochkarätigen Turniere auf viele ehrenamtliche Helfer angewiesen sind. Unterbringung, Transport, Wettkampfführung – alles muss sitzen. Ein Kontrollkomitee der CEV war bereits vor Ort, um sich mit den Gegebenheiten in der Stadt vertraut zu machen, sowie die Wettkampfstätte und Hotels unter die Lupe zu nehmen. Beanstandungen gab es bei dieser Kontrolle nicht. Aber damit fängt ja die Vorbereitung auf das große Ereignis 2013 erst an. Wolfgang Schmidt

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AUSGELESEN Richard David Precht

Warum gibt es alles und nicht nichts? Von Astrid Kloock

Richard David Precht, Jahrgang 64, deutscher Philosoph und Publizist, Honorarprofessor an der Lauphana Universität Lüneburg für Geschichte und Philosophie, erfolgreicher Buchautor, Gesprächspartner vieler Talkrunden im Deutschen Fernsehens stand und steht mit seinem Bestseller „Wer bin ich - und wenn ja wie viele?“, erschienen 2007 beim Goldmann-Verlag, ungebrochen auf den vorderen Plätzen der Hitlisten populärwissenschaftlicher Literatur. Nun hat Precht ein neues Buch gemacht: „Warum gibt es alles und nicht nichts?“. In diesem Buch erklärt er seinem Sohn Oskar die Welt. Wieder mal ein Ausflug in die Philosophie, wie Titel und Untertitel verraten. Eine Wiederholung seines Bestsellers? Die Faustesche Frage was denn die Welt im Innersten zusammenhält, diesmal übersetzt für Kinder? Übersetzt für Kinder: JA. Eine Wiederholung seines Bestsellers: NEIN. In der Tat, die Fragen in den Büchern ähneln sich, müssen sich ähneln; sie sind die

gleichen für das Kind und für den Mann. Wer bin ich oder warum gibt es mich? Was ist gerecht? Wie entstehen Gefühle? Wichtige Fragen. Sie können nicht früh genug gestellt werden. An den Antworten arbeiten wir ein Leben lang. Precht nimmt seinen Sohn bei der Hand und geht mit ihm durch Berlin. Die Fabel: Ein Stadtspaziergang. Die Form: Im Kern ein Dialog. Schrittweise bewegen sich Vater und Sohn durch das Labyrinth der Philosophie. Wie ist es, ein Flughund zu sein? Sind fünf Menschen mehr wert als einer? Darf man Tante Bertha töten? Kinder fragen direkt, bildhaft, schonungslos. Erwachsene antworten meistens eher schlecht als recht. - Der Autor Precht beherrscht seine Aufgabe, Antworten zu geben, bestens. Inhaltlich wie formal. Im Gegensatz zur twitternden, sprachverstümmelnden Welt baut er seine Sätze hausbacken nach den Grundregeln der Syntax. Subjekt, Prädikat, Objekt. Sein Erzählton ist einfach; er überzeugt. In dieser ruhigen Tonlage erzählt er spannende Wahrheiten und belegt sie mit wissenschaftlichen Beispielen.

Der Mensch stammt von Affenartigen ab. Er ist das Tier mit der größten Vorstellungskraft. – Die ventromediale Region in unserem Gehirn ist dafür verantwortlich, dass Gefühle zu Gedanken werden. - Menschen haben ein angeborenes Gefühl dafür, fair behandelt zu werden. Seine Antworten sind immer ein Angebot, kein Glaubenszwang, nicht die Wahrheit, sondern die jetzige Wahrheit. So führt er das Kind Oskar von den existenziellen über ethische zu gesellschaftswissenschaftlichen Fragen. Der Wert eines Menschen wird nicht danach gemessen, wie nützlich er ist. - Freiheit gibt es nur in Verbindung mit Sicherheit. Wenn alle alles dürfen, wird es schrecklich. Das Buch von Precht sollten alle Eltern haben, denn sie könnten es logischer und überzeugender als er ihren Kindern nicht sagen. Das Buch von Precht sollten alle Lehrer haben, wann immer sie es nutzen, im Geschichts-, Religionsoder im Heimatkundeunterricht. – Jedes Kapitel beginnt mit einer Ortsbeschreibung, ein zusätzlicher Gewinn. Charité, Marzahn,

Plänterwald, Mauerinsel, Hauptbahnhof. Die Fakten-Beschreibung ist ein Optimum an Inhalt und Form. Es kommt so einfach daher, das kleine Buch mit 200 Seiten, ein Spaziergang im Schlenderschritt… Wer es liest, weiß nun, dass täglich 300 000 Reisende den Berliner Hauptbahnhof passieren – in Shinjunku /Tokio sind es 4 Millionen an jedem Tag – wer es liest, hat die Erfahrung gemacht, dass Denken vergnüglich ist, wenn man das Frage- und Antwortspiel sachlich, ergebnisoffen und mit Humor betreibt. Was sind die wichtigen Dinge im Leben? Oskar meint, Freunde haben und Spaß haben gehören auf jeden Fall dazu. Richard David Precht, „Warum gibt es alles und nicht nichts“ Ein Ausflug in die Philosophie, Goldmann- Verlag, 2011, ISBN 978-3-442-31238-2

IMPRESSUM

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Verlag: delüx Gesellschaftsmagazin GmbH Geschäftsführer: Detlev Lüth Klöresgang 5 · 19053 Schwerin Telefon: 03 85 / 48 56 30 Telefax: 03 85 / 48 56 324 eMail: info@schwerin-deluex.de www.schwerin-deluex.de

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BUCHTIPPS

Lese-Lust auf Mecklenburg ? Von Schreiadler bis Wiedehopf Norddeutschland mit seiner Nord- und Ostseeküste, tausenden Seen, mit Wäldern und Mooren bietet der Vogelwelt eine faszinierende Heimat – bezaubernd und einzigartig wie viele ihrer gefiederten Bewohner. Der Diplombiologe und Naturfotograf Erich Hoyer hat den Norden jahrelang auf der Suche nach ihnen bereist, hat besondere Momente im Leben auch selten gewordener Vogelarten mit der Kamera festgehalten und einen Querschnitt herausragender Fotos zusammengestellt. Entstanden ist eine einmalige Sammlung von faszinierenden Vogelaufnahmen und Texten, die bedrohte Arten wie Schreiadler, Kampfläufer, Uferschnepfen, Zwergseeschwalben und Wiedehopfe ebenso zeigt wie Kraniche oder See- und Fischadler. Erich Hoyer Vögel in Norddeutschland ca. 176 Seiten, über 250 Farbfotografien, 28,5 x 22 cm, Festeinband ISBN 978-3-942477-26-0 Erscheint im September 2012 www.steffen-verlag.de

Schwerin - wir zeigen den Wandel von Ernst Höhne Dieser Bildband zeigt die Veränderungen, die die Stadt Schwerin in einem Zeitraum von etwa zwanzig bis dreißig Jahren durchlaufen hat. Eine Art Metamorphose, deren tatsächlicher Ausgangspunkt die gesellschaftlichen Ereignisse des Jahres 1989 waren. Der Fotograf Ernst Höhne zeigt, dass oft Welten zwischen dem Damals und dem Heute liegen. Seine Bilder sind eine unbestechliche, objektive Bilanz des Moments. Sie stellen die Situation der Vergangenheit mit aller Offenheit dem schönen Gesicht der Stadt Schwerin des Jahres 2002 vielsagend gegenüber.

Die Buchenwälder Mecklenburgs – UNESCO-Weltnaturerbe Die Schönheit, Vielfalt und Bedeutung der zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannten Buchenwälder Mecklenburgs thematisiert dieser atmosphärische Text-Bildband. Außergewöhnliche Panoramen und Detailaufnahmen zeigen die Buchenwälder als Lebensraum für Mensch und Tier, vermitteln ein Gefühl für Atmosphäre und Magie des Waldes. Sachkundige Texte heben die elementare Bedeutung des weltweit einzigartigen Naturerbes für unser Land, dessen Landschaft und unsere Kultur hervor. Die Waldgebiete, so die deutsche UNESCO-Kommission, repräsentieren »die wertvollsten verbliebenen Reste großflächiger naturnaher Buchenbestände in Deutschland«. Klaus Borrmann Mecklenburgs alte Buchenwälder UNESCO-Weltnaturerbe Serrahn und Feldberger Schutzgebiete ca. 96 Seiten, 94 farb. Abb., 20 x 20 cm, Festeinband ISBN 978-3-942477-18-5 www.steffen-verlag.de

Saures geben „Saures geben" bedeutet das Abtasten der Welt, das Reflektieren über sie und das fragile Ich, welches liebt und hasst, schafft und zerstört, das strotzt und kränkelt, verzweifelt an sich und der Umwelt und das „Dennoch!“ beschwört. Jörn E. Runge bietet erkundende Lyrik, offenbart mutiges Sprachspiel, das bezaubert, verblüfft und nicht selten erschreckt. Jörn E. Runge Saures geben 74 Seiten, 12 x 20 cm ISBN 978-3-940101-23-5 www.steffen-verlag.de

72 Seiten, 230 x 240 mm, Festeinband ISBN: 978-3-8313-1020-3 www.wartberg-verlag.de

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KULTUR

Ludwigsluster Klassik

und andere musikalische Traditionen „aus MV“ bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern Wie es sich für eine prächtige Hofhaltung gehörte, spielte die Musik in der ab 1763 errichteten neuen Residenzstadt Mecklenburgs, Ludwigslust, eine große Rolle. Mit der Errichtung des Schlosses von 1772 bis 1776 war die Verlegung der Residenz von Schwerin nach Ludwigslust abgeschlossen. Um das zu hatte Herzog ermöglichen Friedrich der Fromme Ludwigslust komplett neu errichten lassen. Nicht nur die Schlossanlage, sondern gleich die ganze Residenzstadt wurde nach französischem Vorbild angelegt. Dieses neugeschaffene Zentrum barocken Lebens zog nach kurzer Zeit zahlreiche Künstler und Musiker an, die in Mecklenburg am Hof wirken wollten. Mit seinem Schloss, der Stadt als Gesamtanlage, der Kirche, dem Landschaftspark und der berühmten Hofmusik wurde Ludwigslust ein großes Zentrum der Künste. Grund genug für die Festspiele MV mit der Reihe „Ludwigsluster Klassik“ jedes Jahr ein wenig des alten Glanzes wieder aufleben und drei Tage lang die Hofmusik aus Ludwigslust wieder neu erklingen zu lassen.

Katholische Kirche St. Helena und Andreas im Ludwigsluster Schlosspark. Foto: FMV

Der damals berühmteste Kontrabassist Johannes Matthias Sperger und Antonio Rosetti, der Kappellmeister, waren ab 1789 in Ludwigslust angestellt. Am 13. Mai 1812 starb Sperger in Ludwigslust. Mecklenburg verlor mit ihm einen Komponisten, der wie kein anderer das Repertoire für Kontrabass geprägt hat: Er schrieb allein 18 Konzerte für das größte der Streichinstrumente und schuf damit eine Bandbreite, wie es sie vorher nicht gegeben hatte. Im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern setzen unter der Leitung von Johannes Moesus die Hamburger Ratmusik, das Mecklenburgische Barockorchester „Herzogliche HofKapelle“, der NDR-Chor und zahlreiche Solisten Johannes Sperger in seinem 200. Todesjahr 98

ein musikalisches Denkmal. Besonders ist, dass man nicht nur die historischen Werke auf historischen Instrumenten hören kann, sondern dass diese Werke auch noch in genau den Sälen erklingen, in denen sie schon am Hof in Ludwigslust erklangen. Im Jahr 2012 steht, wegen der Renovierungsarbeiten, leider das Barockschloss nicht zur Verfügung. Als Ersatz bot sich die 1809 unter Friedrich Franz I. geweihte katholische Pfarrkirche St. Helena und Andreas als neue Spielstätte an. Denn auch hier war zu Zeiten der Herzöge das Musikleben Ludwigslust zu Hause. Die Innenausstattung der Kirche stammt übrigens aus dem vier Jahre zuvor abgerissenen Hamburger Dom. Wegen ihres kleinen Innenraums eignet sich die Kirche ideal für die Kammermusikwerke von Haydn, Sperger und Zeitgenossen, die die Hamburger Ratsmusik am 15. August dort aufführen wird. Vor dem Konzert können Konzertbesucher im Rahmen des Spielstättenschwerpunkts „Komponierte Landschaften“ an einer Führung durch den Ludwigsluster Schlosspark teilnehmen. An den nächsten beiden Tagen

Mecklenburgisches Barockorchester „Herzogliche Hofkapelle“ vor der Ludwigsluster Stadtkirche.

Foto: FMV

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KULTUR

ist die Besetzung der Ensembles doch deutlich größer, so dass die Stadtkirche mit ihrem riesigen

zeugt werden Werke der heute leider zu Unrecht vergessenen Komponistin aufzuführen. Und

Konzerte Mi. 15.8., 19.30 Uhr Ludwigslust, Katholische Pfarrkirche St. Helena/St. Andreas Komponierte Landschaften Ludwigsluster Klassik Hamburger Ratsmusik Vanessa Barkowski, Alt Simone Eckert, Viola da gamba/Leitung Concert Spirituel zum 200. Todesjahr Johannes Matthias Spergers J. Haydn: Divertimento Nr. 2 a-Moll Hob. XI/81 C. F. Abel: Sonata d-Moll für Viola da Gamba J. M. Sperger: Duos für 2 Hörner MWV C I/19 C. F. Abel: Quartett B-Dur C. Stamitz: Sextett für Viola da Gamba, Violine, Viola, zwei Hörner und Violoncello J. M. Sperger: Aria „Salve Regina“ C-Dur MWV J I/5 J. M. Sperger: Notturno Es-Dur MWV C IV/2

Konzert in der Ludwigsluster Stadtkirche. Altarbild der richtige Raum für das Konzert ist. Am 16. August präsentieren die Herzogliche Hofkappelle und Solisten Sinfonien, Gesangstücke und ein Fagottkonzert von Sperger, für die am 17. August erklingende Kantate von Sperger „Jesus in Banden“ tritt außerdem noch der NDR-Chor auf die Bühne. Am 14. Mai 1812, also einen Tag nach dem Tod Spergers erblickte in Friedland Emilie Mayer das Licht der Welt. Sie sollte für ihre Kompositionen zu Lebzeiten weit über die Grenzen MecklenburgVorpommerns hinaus große Wertschätzung erhalten: In Hamburg, Leipzig, Prag, Wien, München, Brüssel, Straßburg, Paris und London eroberten ihre Werke die Konzertpodien und in Berlin unterhielt sie einen eigenen Salon. Nach ihrem Tod viel zu schnell in Vergessenheit geraten, nehmen die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ihren 200. Geburtstag von Emilie Mayer zum Anlass, ihre Streich- und Klavierquartette, Sinfonien, Lieder, Cellosonaten und die berühmte „Faust-Ouvertüre“ wieder aufzuführen. Das Fauré Quartett, Daniel Hope, das Minguet Quartett und andere konnten über-

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Foto: FMV/Monika Lawrenz

auch Musiker aus MecklenburgVorpommern feiern die Komponistin aus ihrem Bundesland: Die Aufführung der Orchesterwerke übernimmt die Neubrandenburger Philharmonie unter der Leitung von Stefan Malzew. Als Höhepunkt der Reihe „Emilie Mayer zum 200.“ erklingt beim Konzert der Festspiele MV am 31. August in der Halle 207 erstmals Emilie Mayers Sinfonie Nr. 4 hMoll in einer neu angefertigten Rekonstruktion. Das Werk war nur als Klavierstimme erhalten geblieben und Stefan Malzew, langjähriger Chef der Neubrandenburger Philharmonie, ergänzte extra für den 200. Geburtstag Emilie Mayers wieder die ursprünglichen Orchesterstimmen. Die Rostocker Halle 207 schließt gewissermaßen den Kreis zur „Ludwigsluster Klassik“. Auf der „Schiffswerft und Maschinenfabrik von Wilhelm Zeltz und Albrecht Tischbein“, der späteren Neptunwerft, wurde 1851 der erste seegehende eiserne Schraubendampfer Deutschlands zu Wasser gelassen. Benannt nach dem Dienstherrn von Sperger und Rosetti: Friedrich Franz I. Festspiele MV

Do. 16.8., 19.30 Uhr Ludwigslust, Stadtkirche Ludwigsluster Klassik Mecklenburgisches Barockorchester „Herzogliche HofKapelle“ Gabriele Lamotte, Sopran Gotthold Schwarz, Bass Eckhard Lenzing, Fagott Tobias Glöckler, Kontrabass Johannes Moesus, Leitung Concert Spirituel zum 200. Todesjahr Johannes Matthias Spergers J. M. Sperger: Sinfonia F-Dur MWV A 39 J. M. Sperger: Fagottkonzert B-Dur MWV B 22 J. M. Sperger: Aria „A trionfar mi chiama“ D-Dur MWV H III/1 E. Celestino: Andante con moto D-Dur J. M. Sperger: „Salve Regina“ D-Dur MWV J I/6 E. Celestino: Aria „Sempre di Gloria adorno“ B-Dur J. M. Sperger: Sinfonia D-Dur MWV A 41 Fr. 17.8., 19.30 Uhr Ludwigslust, Stadtkirche Ludwigsluster Klassik Mecklenburgisches Barockorchester „Herzogliche HofKapelle“ NDR-Chor Gabriele Lamotte, Sopran Vanessa Barkowski, Alt Andreas Weller, Tenor Gotthold Schwarz, Bass Johannes Moesus, Leitung Concert Spirituel zum 200. Todesjahr Johannes Matthias Spergers J. M. Sperger: Kantate „Jesus in Banden“ MWV J II/1 Fr. 31.8., 19.30 Uhr Rostock Halle 207 Emilie Mayer zum 200. Neubrandenburger Philharmonie Musik aus MV Vladimir Stoupel, Klavier Stefan Malzew, Leitung E. Mayer: Faust-Ouvertüre op. 46 Konzert B-Dur für Klavier und Orchester Sinfonie Nr. 4 h-Moll (rekonst. Orchesterfassung v. Stefan Malzew, UA)

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KULTUR

Spaß für die ganze Familie beim

Kleinen Fest im großen Park Zum 18. Mal öffnen sich die Tore des Schlossparks in Ludwigslust am 10. und 11. August zum „Kleinen Fest im großen Park“, das im vergangenen Jahr mehr als 16.000 begeisterte Besucher anzog. Und auch in diesem Jahr bietet das beliebte Sommervergnügen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern den Gästen ein sensationelles Programm aus Pantomime und Akrobatik, Kabarett und Clownerie. Im märchenhaften Schlosspark werden mehr als 60 hochkarätige Künstler aus 13 verschiedenen Ländern ihre Darbietungen zum Besten geben. Ob Groß oder Klein – die Besucher können sich ihr ganz individuelles Programm aus den wundervollen Kunst- und Magieaufführungen auf 25 Bühnen zusammenstellen und werden so zu ihrem eigenen Programmdirektor! Die Auswahl ist groß und vielversprechend: Spaß für die ganze Familie verspricht das Scharniertheater. Waltraud, Wilma und Berta, drei flotte Mittsechzigerinnen, begeistern temperamentvoll und hüftenschwingend mit einer grandiosen Show das Publikum. Heimlicher Star des Quartetts ist der freche Mischlingsrüde Bellmondo, der nach Regenschirmen schnappt, Stühle klaut und Passanten erschreckt, sich von Kindern aber gern verwöhnen lässt. Liebhaber der Akrobatik werden auch in diesem Jahr im Schlosspark ihr Vergnügen finden, denn das Liebespaar Svetlana und ihr Mann Konstantin sorgt für artistische Höchstleistungen. Bei einem Blind Date kennengelernt – zeigen die beiden, was passiert, wenn ein ahnungsloser Mann mit Aktenkoffer und Handy auf eine Peitschen schwingende Dompteuse im Leoparden-Look trifft.

Fotos: FMV/Monika Lawrenz

Ludwigslust, Schlosspark Kleines Fest im großen Park jeweils am 10.8. und 11.8. ab 18 Uhr Erleben Sie Artistik, Akrobatik, Kabarett, Comedy, Clownerie und vieles mehr auf rund 25 Bühnen. Weitere Informationen sowie Karten für das „Kleine Fest im großen Park“ und die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern finden Interessierte im Internet unter www.festspiele-mv.de oder telefonisch unter 0385 – 591 85 85.

Bezaubernde Musik, Eleganz und einen einmaligen Anblick bietet Carillon – ein weißer Flügel mit seiner Primaballerina und einem talentierten Pianisten. Während das Klavier zwischen staunenden Besuchern über Straßen und Wege fährt, dringen barocke Klänge hervor, die die zierliche Ballerina unermüdlich Pirouetten auf dem weißen Flügel drehen lassen. Mit einem schillernden Barockfeuerwerk klingen beide Sommerabende festlich aus. Festspiele MV

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THEATER

Klassik und neue Akzente Die Spielzeit 2012/2013 am Schweriner Theater Gesichter des Theaters – das ist das Thema des Almanach für die Spielzeit 2012/2013. Im Schweriner Theater arbeiten 320 Menschen auf, vor, hinter, über, unter der Bühne, in den Werkstätten und der Verwaltung. Sie wurden von Silke Winkler in ihrer Arbeitsumgebung fotografiert, und ihre Bilder illustrieren reizvoll und witzig die Texte über Premieren, Konzerte und andere Aktivitäten der Theaterleute für die kommende Saison. „Die Sorgen sind nicht weniger geworden, wir sollten aber selbstbewusst in die Zukunft schauen“, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow auf der Pressekonferenz im Schweriner Theater, auf der die Vorhaben der neuen Spielzeit vorgestellt wurden. Dreißig Premieren in allen Sparten wird es geben, dazu fünfzig Konzerte im Jubiläumsjahr der Mecklenburgischen Staatskapelle. 2013 feiert das Orchester sein 450jähriges Bestehen, als drittälteste Kapelle Deutschlands. Eröffnet wird die neue Spielzeit am 31. August mit einer Schauspielpremiere: „Der ideale Mann“ von Oscar Wilde in der Bearbeitung von Elfriede Jelinek. Das Schauspiel hat, wie in jeder Spielzeit, die meisten Neuinszenierungen: Zeitgenössisches im E-Werk, das Jugendstück „Bis ans Limit“, mit dem das Theater nicht nur das Werk 3 bespielt, sondern auch Schweriner Schulen. Nach drei Jahren Pause ist im Sommer 2013 der Dom-Innenhof wieder Spielstätte des Theaters: In „Shakespeare Nights“ werden Verse gesprochen, gesungen, gesäuselt... Im Großen Haus wird es „Minna von Barnhelm“ geben, mit „Timon von Athen“ ein relativ unbekanntes Stück von Shakespeare, und Schauspieldirektor Peter Dehler wird mit Beteiligung von Chören der Stadt „Wie im Himmel“ nach dem Oscar nominierten schwedischen Film inszenieren. Und natürlich sind auch in diesem Jahr das WeihMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012

nachtsmärchen – „Der gestiefelte Kater“ – und die Silvesterproduktion – „Yellow Submarine“ – Chefsache. Aber auch im Musiktheater wird der Schauspieldirektor als Regisseur aktiv. Er führt Regie bei der ersten Premiere – „Die Hochzeit des Figaro“ – und bei den Schlossfestspielen 2013 auf dem Alten Garten – „Die Fledermaus“. Neben „Eugen Onegin“ und „Die Csárdásfürstin“ stehen Kammeropern im E-Werk auf dem Programm. „Die Intention für das Musiktheater sind weniger Gastsolisten, dafür verstärkte Ensemblearbeit“, so die neue Operndirektorin Dr. Ute Lemm. Ab 1. August wird sie dieses Amt übernehmen, nicht die einzige neue Personalie in der kommenden Spielzeit. Sergej Gordienko ist neuer Ballettdirektor, er wird beide Ballettabende – im Großen Haus „Coppélia“ und „Musik - Die Kunst der Zeit“ im E-Werk – choreographieren und die Ballettcompagnie verstärkt in das Musiktheater einbinden. Nicht neu am Haus ist Daniel Huppert, bereits eine Spielzeit arbeitete er als Erster Kapellmeister, wird aber jetzt als amtierender Generalmusikdirektor die Konzerte der Jubiläumsspielzeit seiner Staatskapelle verantworten. Eingeläutet wird das Jubiläumsjahr im Januar mit einem Gastspiel der Mecklenburgischen Staatkapelle in der Kölner Philharmonie, das Festkonzert ist dann im Mai in Schwerin. In den Sinfoniekonzerten möchte Daniel Huppert mit Kontrasten spielen, viele Klangsprachen mischen und Akzente setzen. Zum Beispiel in dem er Schostakowitsch neben Beethoven stellt und in jedem Konzert einen Komponisten aus Mecklenburg vorstellt. Die Kammerkonzerte „Stunde der Musik“ im Schleswig-Holstein-Haus und „Mozart um Vier“ im Konzertfoyer werden weitergeführt, ebenso die intensive Kinder- und Jugendarbeit der Musiker. Ein Nachtkonzert in der Schelfkirche, ein Chorkonzert mit

der NDR Bigband stehen auf der Liste der Konzerte, weiterhin ein Filmkonzert zum Filmkunstfest im Mai. Zum Jubiläum der Schweriner Singakademie, sie feiert ihr 35jähriges Bestehen, werden Joseph Haydns „Missa in angustiis d-Moll“ und Mozarts „Requiem d-Moll“ im Großen Haus aufgeführt. „Lachen sollen unsere Zuschauer“ – das wünschen sich die Akteure der Fritz-Reuter-Bühne. Die vier Premieren der Spielzeit sind Komödien, von modern bis Klamotte. Wie gewohnt gibt es im Dezember ein plattdeutsches Weihnachtsprogramm und im Sommer geht es ins Freie, ins Freilichtmuseum Mueß. Eine Verbeugung vor den Fans macht das Theater im Februar: Am 8. Februar wird auf viel-, viel-, vielfachen Wunsch die „Rocky Horror Show“ mit Markus Wünsch wieder aufgenommen. Viel Spannendes, Interessantes ist im Angebot, Klassik und Moderne – man merkt aber, dass der Druck von außen den Spielplan mit bestimmt hat. Im Wagner-Jahr (der Meister hat seinen 200. Geburtstag) gibt es in Schwerin, das sich gern als „Bayreuth des Nordens“ sah, keine Wagner-Oper. Die Puppen gehen nicht in den Park, sie bleiben aus Kostengründen im Schrank und auch so mancher Wunsch für Inszenierung, Gäste, Ausstattung bleibt ein WunschGedanke. Apropos Wagner: In einem anderen „Bayreuth des Nordens“, der Bauhausstadt Dessau, wird der komplette „Ring der Nibelungen“ zum Jubiläum auf die Bühne gebracht. Dafür, und auch für die Wagner-Produktionen im Theater Halle, hat der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, die Schirmherrschaft übernommen. Die Mecklenburgische Staatskapelle feiert ihr 450jähriges Jubiläum – nur mal so... Ka. Foto: Mecklenburgisches Staatstheater

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VERANSTALTUNGEN

Was ist los in der Hansestadt Wismar? „Kapitelle der Stille“ Eröffnung der Kunstschau am 12. Juli, 18 Uhr in der St. Georgen-Kirche, www.kuenstlerbund-mv.org Anlässlich seiner 22. Kunstschau präsentiert der Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern Skulpturen, Videos, Malerei, Grafiken und Fotografien unter dem Motto „Kapitelle der Stille“ vom 13. bis 29. Juli in der St.-Georgen-Kirche, in der Gerichtslaube im Rathaus und auf der ummauerten Freifläche der ehemaligen Kirchenschiffe von St. Marien. Nicht die Bauwerke stehen im Fokus, sondern der künstlerische Umgang mit Geschichte generell. „Stille“ als Thema lenkt den Blick auf intime Prozesse des Denkens und der Artikulation. Die Auswahl der 34 teilnehmenden Künstler erfolgte unter Berücksichtigung der räumlichen Gegebenheiten und der Lichtverhältnisse an den drei Ausstellungsorten. In St. Georgen werden 20 Positionen gezeigt, vor allem Skulpturen, Installationen und Videos. Auf dem Gelände von St. Marien werden drei skulpturale Positionen zu sehen sein. In der Gerichtslaube liegt der Schwerpunkt auf Papierarbeiten.

Was für ein Theater! Internationales Straßentheaterfest BoulevART Vom 27. bis 29. Juli erobern anlässlich des 9. Internationalen Straßentheaterfestes BoulevART nationale und internationale Komödianten Wismar. Eintrittskarten unter Tel.: 0 18 02 / 381 367 Fremde Sprachen, Töne und ungewöhnliche Spielgruppen beleben das Zentrum und ver-

wandeln es in eine große, bunte Open-AirBühne. Theatermacher, Straßenkünstler, Musiker, Stelzenläufer und Akrobaten verzaubern die Innenstadt vom Boulevard bis zum Hafen. Man geht nicht ins Theater - das Theater kommt zu einem und fasziniert durch die unmittelbare Nähe. Es gibt Theaterstücke für große und kleine Besucher. Tänzer und Sänger, Pantomimen und Clowns sind dabei - die ganze Familie kommt bei diesem Festival auf ihre Kosten. Die Veranstalter erwarten, wie in den Vorjahren auch, mehrere Tausend Gäste.

Weltstar in Wismar: Chris de Burgh erfüllt Wünsche in St. Georgen Die Fans von Chris de Burgh können sich freuen: Der Weltstar kommt nach Wismar. Am 14. August um 20 Uhr gastiert er in der St.-Georgen-Kirche. Mit seinem Soloauftritt in der Hansestadt verkürzt Chris de Burgh die Wartezeit auf seine Tournee mit seiner Band, die im Frühjahr 2013 durch Deutschland führen soll. Nach seinem Auftritt in Wismar gastiert Chris de Burgh in 16 weiteren Städten. Die aktuelle Tour steht unter dem Motto „By Request“. Das heißt, die Besucher können vorher auf www.facebook.com ihre Song-Vorschläge für das Wunschkonzert anmelden. Zu den größten Erfolgen des irischen Sängers und Komponisten gehören Lieder wie „The Lady In Red“, „Don’t Pay The Ferryman“ und „High On Emotion“.

Malerei und Grafik in der Galerie hinter dem Rathaus Ausstellungseröffnung am 8. August, 19.30 Uhr, geöffnet dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr Werke aus den verschiedenen Schaffensperioden des Malers Rolf Möller sind vom 8. August bis 8. September in der Galerie hinter dem Rathaus zu sehen. So unterschiedlich sie auch sind, eines haben sie gemeinsam: Alle sind eng mit der Hansestadt verbunden. Im August 1932 wurde Möller in Krefeld-Uerdingen geboren. 1936 zog seine Familie nach Wismar. Nach einer abgeschlossenen Lehre als Maler studierte er von 1950 bis 1953 an der Fachschule für angewandte Kunst in Wismar und führte das Studium von 1953 bis 1955 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee in der Klasse Gebrauchsgrafik weiter. Von 1955 bis 1956 war er als Grafiker beim VEB Fischlandschmuck in Ribnitz tätig, bis er 1956 eine Tätigkeit als technischer Grafiker auf der Mathias-Thesen-Werft Wismar annahm. 1964 machte er sich als freiberuflicher Maler und Grafiker in der Hansestadt selbstständig. 1974 zog er von Wismar nach Wodorf, nahe der Insel Poel.

Schwedenfest in Wismar In der Zeit vom 16. bis 19. August, www.schwedenfest-wismar.de Das Schwedenfest erinnert an die 155-jährige Zugehörigkeit Wismars zu Schweden: 1648 fällt die Stadt mit Ende des 30-jährigen Krieges an Schweden, 1803 wurde sie an das Herzogtum Mecklenburg verpfändet und wiede-rum 100 Jahre später endgültig an das Großherzogtum Mecklenburg übergeben, da Schweden sein Pfand nicht einlöste. Das Schwedenfest ist das größte Volksfest im Sommer in der Hansestadt. Dabei verwandelt sich das historische Stadtzentrum bis zum Alten Hafen in eine einzige Veranstaltungsbühne. Auf dem Marktplatz ist ein historisches Heerlager eingerichtet mit Vorführungen und Exerzierübungen des Wismarer Schützenvereins Hanse e.V. 1990 sowie den schwedischen militärhistorischen Vereinen und Verbänden. Am Alten Hafen gibt es ein buntes Jahrmarktstreiben mit Fahrgeschäften und Unterhaltungsangeboten. Am Sonnabend startet hier die Schwedenkopfregatta. Ein Höhepunkt ist am 18. August der Auftritt der 1972 gegründeten Rockband City, die mit „Am Fenster“ ihren größten Hit feierte. Grit Schreiter

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MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


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Unsere U nsere Ver V Veranstaltungen eranstaltungen Sa. S a. 15.09.2012 15.09.2012 um 20.00 20.00 Uhr Uhr Malediva Malediva mit „P „PyjamaParty yjamaParty - IIm m Bett Bett mit M Malediva“ alediva“ Sa. Sa. 06.10 06.10.2012 .2012 um 15.00 15.00 U Uhr hr und 19 19.30 .30 Uhr Uhr „„Spaß Spaß mit Spejbl Spejbl & H Hurvinek“ urvinek“ S Sa. a. 13.10.2012 13.10.2012 um 20.00 20.00 U Uhr hr B Baumann aumann & Clausen Clausen „Im „Im Himmel Himmel is istt der Teufel Teufel lo Teuf losl“ sl“ - Z Zusatzshow usatzshow Sa. Sa. 03.11.2012 03.11.2012 um 20.00 20.00 Uhr Uhr Der Der Familie Familie Popolski Popolski „Get Popolsk „Get the Polka Polka started“ Polk started“ Karten K arten & IInfos nfos unt unter er 0385. 5918018 5918018 oder online unter unter www.das-capitol.de www.das-capitol.de


VERANSTALTUNGEN

Sommer 2012 Juli 11.7.

Schwerin

Festspiele MV: Preisträger-Konzert

12.7.

Hasenwinkel

Festspiele MV: Das Friends-Projekt

13.7.-15.7.

Dömitz

Hafenfest Dömitz

13.7.-29.7. Wismar

Kunstschau des Künstlerbundes M-V

13.7.

Wismar

Festspiele MV: Das Friends-Projekt

13.7.-15.7.

Plau am See

Badewannenrallye

14.7.

Boltenhagen

Boltenhagener Strandfest

20.7.

Sternberg

Festspiele MV: Dresdner Kreuzchor

20.7.

Parchim

Festspiele MV: Nash Ensemble of London

21.7.

Redefin

Festspiele MV: Picknick-Pferde-Sinfoniekonzert

27.7.-29.7. Wismar

Internationales Straßentheater boulevART

27.7.

Hasenwinkel

Festspiele MV: Das Preisträgerprojekt

28.7.

Schwerin

Samstagstour um den Schweriner See

29.7.

Schwerin

Plattsnackerdag

August 4.8.

Schwerin

A-capella-Festival mit internationalen Gästen

4.8.

Schwerin

(Capitol) Sounds of Summer-Musikfestival

10.8.-11.8. Ludwigslust

Kleines Fest im großen Park

11.8.

(Capitol) „Parsifal“

Schwerin

16.8.-19.8. Wismar

Schwedenfest

18.8.

Sternberg

Sternberger Drachenbootfestival

23.8.

Schwerin

Kabarettfestival Monika Blankenberg

24.8.-26.8. Schwerin

Schweriner Drachenbootfestival

25.8.

Samstagstour Große Lewitz Rundfahrt

Schwerin

September 1.9.

Dömitz

Herbstmarkt Dömitz

1.9.

Redefin

Festspiele MV: Preisträger-Konzert

1.9.-2.9.

Rehna

Ballett Aschenputtel

1.9.

Schwerin

Schweriner SchlossgartenNacht

9.9.-23.9. Redefin

Redefiner Hengstparaden 200 Jahre Landgestüt

14.9.-16.9. Schwerin

Schweriner Altstadtfest

15.9.

(Capitol) PyjamaParty – Im Bett mit Malediva

Schwerin

22.9-.7.10. Plau am See

Müritz-Fischtage

22.9.

Schwerin

(Capitol) „Schieb’ du Sau! – EXTRA“

22.9.

Rehna

Kieler Barockensemble

Foto: Helmut Wachtel

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MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 2/2012


Mecklenburg Schwerin delüx Sommer 2/2012  

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