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MECKLENBURG SCHWERIN REGIONALMAGAZIN 17. JAHRGANG · Frühling 2012 · E 4,-

KOMM

LIEBER MAI UND MACHE... LEBENS-

TRÖPFCHEN

EDLE AUS SCHWECHOW

KÜNSTLER IM NORDEN w w w. s c h we r i n - d e l u e x . d e


EDITORIAL Liebe Leserinnen, liebe Leser, die Schweriner Dinner-Tour wurde schon vielfach als „Essen auf Rädern“ geschmäht. Jedoch mit dieser für insbesondere viele Senioren hilfreichen Einrichtung hat es wahrlich nichts zu tun. Die nun zum 6. Mal ausgerichtete DinnerTour ist eine im besten Sinne gemeinte Werbeveranstaltung der Schweriner Spitzengastronomie. Und dazu werden die „Esser“ auf Räder gebracht – ein renommiertes Schweriner Autohaus sorgt mit Fahrzeugen und Chauffeuren dafür, dass die Teilnehmer pünktlich den nächsten Gang des Dinners im nächsten Lokal erreichen. Und dabei zeigen Küchen und Service der Häuser, zu welchen Leistungen sie fähig sind. Auf dem Bild wird der Hauptgang im Restaurant des Hotels Crowne Plaza serviert. Und das Autohaus macht bei potenziellen Interessenten auf seine Modelle aufmerksam. Mehr dazu lesen Sie ab Seite 98. Das Thema der Dinnertour sowie der Auftakt mit einem Sektempfang im Foyer des Staatstheaters war auch ein Bekenntnis der Schweriner Gastronomen zu unse-

rem Theater. Dazu sind in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Meinungen und Statements veröffentlicht worden. Wie in so vielen Fällen fühlen sich auch wieder so Viele zur Meinungsäußerung berufen, teils aber auch bar jeder Kompetenz. Die Gastronomen machten jedoch nicht zuletzt auf den Aspekt aufmerksam, dass ein hochklassiges Theater für Schwerin ein bedeutender Wirtschafts- und Tourismusfaktor ist. Wir sind in Schwerin dabei, den Leuchtturm, der in größerer Entfernung gesehen wird, zu einem Windlicht zu demontieren, das keinen mehr in die Schweriner Innenstadt lockt, weil es unbemerkt bleibt. Deshalb gilt unsere Unterstützung dem Aktionsbündnis (X) KULTURSCHUTZ! Und wir berichten, wie in fast jeder unserer Ausgabe bisher, über die Leistungen der Sparten unseres Theaters: MeckProms der Staatskapelle, Theaterfest, die Schauspielerin Jana Kühn, die Inszenierung des Musicals Anatevka. Beweise dafür, dass es sich lohnt, sich dafür zu engagieren. Auch zwei besondere Ausstellungen des Staatlichen Museums Schwerins legen wir Ihnen nahe: Die Porzellanausstellung im Schweriner Schlossmuseum sowie

Foto: Cordes

die aus der gesamten Welt zusammengetragenen Gemälde von Abraham Bloemaert, einem zu Unrecht weitgehend unbekannten Niederländer. Jedoch nicht nur „Hochkultur“ ist unser Thema. Wie Sie es gewohnt sind bieten wir eine große Themenvielfalt, um jedem etwas zu bieten. Wir „Macher“ wünschen Ihnen interessante und kurzweilige Lektüre der Beiträge aus und über Westmecklenburg. Natur, Kunst, Architektur, Handwerk, Wirtschaft,

Mode, Lifestyle, natürlich Auto und, und, und finden Sie auf den Inhaltsseiten des Magazins. Ich wünsche Ihnen eine unterhaltsame Lektüre, Ihr

Detlev Lüth

Die nächste Ausgabe erscheint im Juli 2012

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Titelbild: Frau im Frühling Foto: © Anatoly Tiplyashin - Fotolia.com

INHALT 4 Klassik ohne Hemmschwelle 5 8 14 18 20 21 24

Daniel Huppert dirigiert die MeckProms Der Frühling blüht in Mecklenburg Vier schöne Schwestern Die Kirchen der Kirchgemeinde Uelitz am Rande der Lewitz Mit allen Sinnen genießen Ein kleines Stück Glück am Schweriner See 20. Theaterfest in Schwerin Weil es unmittelbar ist... Die Schauspielerin Jana Kühn Heiterkeit und Wehmut Das Musical „Anatevka“ Im Zeichen der Vielfalt Galerie hinter dem Rathaus organisiert Ausstellungen

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26 Altes Porzellan in neuen Vitrinen 30 48 54 64 72 74 78 86

Die Porzellanausstellung im Schweriner Schlossmuseum Familiäre Konzertatmosphäre Kunstscheune Nakenstorf Regionalmarketing 17. Internationale Sommerakademie Wismar mit finnischen Einflüssen Waagen der Meisterklasse Borngässer Waagenbau in Grebbin Elfen und andere Geister First Class für die Seele Kloster Tempzin lädt zum Pilgern ein Schweriner Horse Show Die grüne Lunge Südenglands Stippvisite in Cornwall

88 Schiff ahoi Wissenswertes für Seereisende

92 Andalusien Reise in den Süden Spaniens

98 6. Schweriner Dinner-Tour Ein Abend der Sinne

103 Das E-Klasse Cabrio von Mercedes Benz 108 Daumen hoch für den Volvo V70 Im Test mit Speerwerfer Mark Frank

110 Lese-Lust auf Mecklenburg 111 Ausgelesen von Astrid Klook 116 Nach einem Marathon schläft‘s sich besser Matthias von Hülsen

120 Veranstaltungen 3


KLASSIK

Klassik ohne Hemmschwelle Daniel Huppert dirigiert die MeckProms

Daniel Huppert

Fotos: Silke Winkler

Wann bekommt etwas das Etikett „Tradition“ – nach fünf oder fünfzig Jahren? Oder doch ganz einfach dann, wenn es von den Menschen angenommen wird – wie die „MeckProms“, die Open air Konzerte der Mecklenburgischen Staatskapelle? Auf jeden Fall gehören die Klassik-Konzerte an sechs ausgewählt schönen Orten unseres Bundeslandes zum Sommer wie der in hiesigen Breiten unvermeidliche Regen. In diesem Jahr steht erstmals Daniel Huppert, seit Beginn der Spielzeit 2011/2012 Erster Kapellmeister der Staatskapelle, als Dirigent am Pult. „Ich freue mich unglaublich auf diese Reihe, die vom Format her sehr interessant ist: Das Publikum kann in ent-

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spannter, legerer Atmosphäre klassischer Musik lauschen, ohne die Hemmschwelle des Konzertsaals“, sagt der junge Musiker (geboren 1980), der jetzt schon eifrig das Programm plant. „In so einer Vorstellung müssen die Klassiker wie der RadetzkyMarsch und Pomp and Circumstances zu hören sein, aber ich möchte auch neue Akzente setzen mit spanischer und lateinamerikanischer Musik.“ Mit italienischer Musik gab Daniel Huppert seinen Einstand am Schweriner Theater, er hatte die musikalische Leitung bei der Inszenierung von Puccinis Oper „Madama Butterfly“, die am 18. November 2011 ihre erfolgreiche Premiere feierte. Seine Ausbildung begann Daniel Huppert in Saarbrücken, wo er Violoncello, Dirigieren, Musikwissenschaften und Germanistik studierte. Mit dem Wechsel zur Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar konzentrierte er sich auf das Dirigierstudium. Bereits während seines Studiums gastierte Daniel Huppert bei verschiedenen Orchestern, assistierte bei Constantin Trinks, Gabriel Feltz, besuchte Meisterkurse u. a. bei Herbert Blomstedt und Kurt Masur und nahm an verschiede-

nen Wettbewerben teil. 2011 gewann der junge Musiker den 1. Preis und die Goldmedaille des Verbandes polnischer Musiker und Künstler beim 5. Internationalen Witold Lutoslawski Wettbewerb – auf einen musikalischen Wettbewerb aber wird Daniel Huppert besonders oft angesprochen: 2010 war er Preisträger des Dirigentenwettbewerbs des MDR Sinfonieorchesters Leipzig und gewann den Deutschen Operettenpreis für junge Dirigenten der Oper Leipzig. Junger Mann und Opas Operette, wie geht das zusammen? „Die Operette ist ein unterschätztes Genre, aber die Operette lebt, nicht nur an den kleinen Stadttheatern. Die Operettenmusik ist für Dirigenten und Sänger sehr anspruchsvoll und die Operette ist eine mehrschichtige Sache: heiter an der Oberfläche, darunter sehr ernsthaft.“ Bevor Daniel Huppert das Engagement in Schwerin antrat war er Assistant du chef d’orchestre der Operá national de Paris (Bastille). Ein Wechsel, der ihm nicht schwer gefallen ist: „Die Atmosphäre im Schweriner Theater ist gut, der Kontakt untereinander angenehm, das genieße ich schon.“ Wie schaut der Erste

Kapellmeister angesichts der anstehenden Personalkürzungen und unter dem Damoklesschwert „Insolvenz“ in die Zukunft? „Nicht den Kopf in den Sand stecken, die Chancen sehen, weiter hoffen und weiter arbeiten. Die Musikerinnen und Musiker des Orchesters sind motiviert bei der Sache, die Arbeit mit der Kapelle macht sehr viel Spaß.“ Den werden die Damen und Herren der Staatskapelle unter der Leitung ihres Ersten Kapellmeisters Daniel Huppert dem Publikum bei den traditionellen MeckProms mit Sicherheit auch bereiten. Auftakt ist am 3. Juli um 21 Uhr auf der Freilichtbühne Schwerin, weitere Stationen sind: 8. Juli, 11 Uhr Fürstenhof Wismar, 10. Juli, 20 Uhr Schlosspark Mirow, 15. Juli, 11 Uhr Schlosspark/Schweizerhaus Ludwigslust, 17. Juli, 20 Uhr Schlosshof Güstrow, 22. Juli, 11 Uhr Schloss Bothmer, Klütz. Karten für alle Konzerte über: 0385/5300-123 oder www.theater-schwerin.de, der Vorverkauf an den einzelnen Spielorten beginnt im Mai. Karin Gustmann

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^ÉÅÅ? Ä|xuxÜ `t|

NATUR

und mache die Bäume wieder grün und lass mir an dem Bache die kleinen Veilchen blühn! Wie möchte ich doch so gerne Ein Veilchen wieder sehn, ach, lieber Mai, wie gerne einmal spazieren gehen!

Ach, wenn´s doch erst gelinder Und grüner draußen wär! Komm, lieber Mai, wir Kinder, wir bitten gar zu sehr! O komm und bring vor allem Uns viele Veilchen mit, bring auch viel Nachtigallen und schöne Kuckucks mit.

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NATUR So kann man sich irren: Der schöne Text vom Mai, der uns die Bäume wieder ergrünen lassen soll, war ursprünglich kein Frühlingslied sondern der winterliche Klagetext eines Knaben. Die Verse hat der Lübecker Bürgermeister Christian Adolf Overbeck geschmiedet und schon 1776 unter dem Titel „Fritzchen an den May“ im Göttinger Musenalmanach veröffentlicht. Der Autor war jedoch der Meinung, dass dieser von ihm verfasste Text auf keinen Fall von Kindern gelesen werden sollte! In unterschiedlichen Strophen beklagte der Knabe nämlich auch, in der Stube hocken und lernen zu müssen. So nimmt es nicht Wunder, dass der Overbecksche Text einer gewissen Selbstzensur und Änderungen unterworfen wurde, ehe sich nach drei unterschiedlichen und fast vergessenen Komponisten auch der so wenig norddeutsche Wolfgang Amadeus Mozart des veränderten Gedichtes annahm und ihm 1791 in seiner Tonsetzung dazu verhalf, ein Volkslied zu werden.

Die Blüte der Pestwurz ist ein sehr zeitiger Frühlingsbote..

Gelbes-Windröschen.

Sauerklee.

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Zeitgleich mit Anemonen strahlen Leberblümchen über welkem Buchenlaub.

Wunderbar - und die Zeit des großen Blühens bei uns auf das Schönste zu treffen. Es gibt sie ja wirklich, die blühenden Landschaften. Und „schöne Kuckucks“ sind im Mai auch bei uns eingetroffen. Nachtigallen allerdings singen nur in den westlichen Landesteilen, ansonsten wird ihr Part von den sehr ähnlichen und etwas kräftiger singenden Sprossern übernommen. Jene Regionen bei uns, die von Laubhölzern bewaldet sind, vor allem mit den schon zum Weltnaturerbe zählenden unvergleichlich schönen Rotbuchenhallen, sind ein Eldorado für die weiße Waldanemone Buschwindröschen. Diese typische Buchenwaldpflanze aus der großen Familie der Hahnenfußgewächse breitet regelrechte Teppiche zwischen den silbergrauen Buchensäulen aus, ehe sich über ihnen das Laubdach schließt. Und wenn die ersten Laubblätter wie zarte grüne Schmetterlinge aus den spitzen Rotbuchenknopsen schlüpfen, zeigt unter ihnen der Sauerklee seine zarten weißen, rosa geäderten Blüten, und bisweilen ist auch die große vielblütige Maiblume, die Weißwurz dort anzutreffen. Dann ist die Pracht anderer, früher Frühjahrsboten schon vergangen, wie das unvergleichlich strahlende Blau der Leberblümchen, die an steilen Uferhängen des Schweriner Sees ebenso zuhause sind wie in den Buchenwäldern auf der Insel Rügen und hier wie dort unter Schutz stehen. Die üppigsten und zugleich intensiv duftenden Blütenbilder finden sich während der Schlehenblüte in jenen Waldstücken, die von üppigen Böden zum Grunde hin von einem Bachlauf durchzogen werden, wo eine gewisse Dauerfeuchte existiert, und alte Eichen mit Rotbuchen und Eschen wetteifern. Da breiten sich mancherorts über hunderte von Metern die Fluren des Hohlen Lerchensporns aus. So wie bei Toristorp in Westmecklenburg. Er sieht so exotisch aus mit seinen weißen oder purpurfarbenen Blüten und duftet zugleich zart und dennoch intensiv. Zwischen ihm lebt die Schwester unseres Buschwindröschens, die gelbe Blütensterne, meist als Doppel

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NATUR trägt, und nicht zu vergessen, manchmal auch aus dem Wald auf angrenzende Wiesen tretend, ist dort auch die Waldprimel, die Hohe Schlüsselblume, beheimatet. Sie trägt größere, zarte Einzelblüten als ihre Verwandte, das Himmelschlüsselchen unserer Wiesen und Grabenränder. Wo sich der Waldbach durch schwarzen, anmoorigen Grund schlängelt, blüht um diese Zeit das grüngoldene Milzkraut an seinen Rändern. Wie beim Weihnachtsstern findet auch hier eine Täuschung statt. Die vermeintlichen, strahlenden Blüten sind Hochblätter, und die eigentlichen Blüten sitzen winzig klein in deren Mitte. Sehr viel stattlicher sind zur selben Zeit die rasch wachsenden Blütenstände der Pestwurz an Uferrändern und vor allem an Kanälen unserer Seengebiete. Auffällig schieben sie sich aus dem Welkgras, und nicht viel später entfalten die Pflanzen ihre Riesenblätter, die ihnen den Namen wilder Rhabarber eingetragen haben, obwohl sie mit dem Huflattich verwandt sind. Wo die Müritzwasserstraße, von Pestwurz gesäumt, schnurgerade durch die Lewitz führt, blühen in einem sehr kleinen, höchst trockensandigen Naturschutzgebiet Pflanzen, die vor langen Zeiten dem zurück weichendem Eis gefolgt sind. Sie tragen um ihre Knospen und Blüten einen silbernen Pelz, der sie gegen Fröste und Austrocknung schützt. Ihr Name, Küchenschelle, ist ein wenig irreführend. Mit der Küche hat sie nichts zu tun, wohl aber mit dem „Küh – chen“ und seiner Schelle, der Glocke. So könnten sie eigentlich Kalbsglocke heißen. Sowohl die große „Gemeine Küchenschelle“ aus der Lewitz als auch ihre kleinere Verwandte, die nickende Wiesenküchenschelle, die gleichermaßen unter Schutz eine Heimat an einem früheren, prähistorischen sandigen Uferabschnitt der Warnow nahe von Bützow gefunden hat. Blühende Frühjahrskostbarkeiten, wie diese andersnamigen „Kalbsglocken“, sind auch die Orchideen unserer Feuchtwiesen und Wälder. Das Breitblättrige Knabenkraut und das Große Zweiblatt haben ihre geschützten Bestände auf den extensiv genutzten, sehr nassen Uferwiesen am Röggeliner See. Die Breitblättrige Stendelwurz in unterschiedlicher Blütenfarbe ist häufiger an manchem Laubmischwald anzutreffen, als zunächst vermutet wird. Sehr leicht aber kann man an dieser schönen Orchidee vorübergehen, ohne sie als solche zu begreifen. Erst die Nahsicht bringt uns Erkenntnis. Doch ist dies nicht immer und überall so?

Hohler Lerchensporn in der weißen Variante.

Der Goldstern schiebt sich durch ein vorjähriges Buchenblatt.

Bunte Mischung aus Waldschlüsselblumen und Lerchensporn.

Auch ein inzwischen selten gewordener Krebsscherenwald auf einem Kleingewässer bedarf genauer Betrachtung, um die zarte Schönheit seiner weißen Blüten aufnehmen zu können. Zum Glück bietet der blühende Mai und auch der Juni noch eine Fülle und Überfülle blühender Lebensfreude, die uns zugleich deutlich macht, dass monoton schreiendes Rapsgelb der Landschaft nicht zu den wahren Schönheiten zählen kann. Text & Fotos: Wolf Spillner

Eine Familie der Großen Küchenschelle in der Lewitz. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

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KIRCHE

Die Kirche zu Goldenstädt.

Vier schöne Schwestern Die Kirchen der Kirchgemeinde Uelitz am Rande der Lewitz Mecklenburg hat ungeachtet vieler Widrigkeiten eine Kirchenlandschaft bewahrt, deren Geschichtlichkeit und Vielfalt ein Kulturgut ersten Ranges ist. Der Anteil der Kirchgemeinde Uelitz an diesem Erbe ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert. Die Kirchen in Kraak, Uelitz, Goldenstädt und Mirow unterrichten den Besucher über alle für die Region wichtigen Epochen der Baukunst. Und sie beherbergen als alte landesherrliche Patronatskirchen Kunstwerke und Kulturdenkmäler, deren Bedeutung viel zu wenig bekannt ist. Diesem Mangel soll an dieser Stelle einmal mehr abgeholfen werden.

Die Heilige Sippe, aus einem Stück Lindenholz geschnitzt - Joachim, Anna, Joseph und Maria mit dem Kinde (Kopf und Hände fehlen). 8

Auch wenn die Bauzeiten wohl etwas durcheinandergeworfen werden, so soll doch die Kraaker Kirche den Anfang machen. Sie liegt für den Durchfahrenden unscheinbar nördlich des Mühlenbaches: ein mittelalterlicher Kirchenbau der Johanniter aus dem 14. Jahrhundert, den viele gemessen an der Bedeutung des Ordens für zu bescheiden halten. Merkwürdig an ihr ist der schiefe Schluss des Chores, der bis heute Vermutungen nährt, er könne eine symbolische Bedeutung tragen – das geneigte Haupt des gekreuzigten Christus etwa. Statt eines Turmes besitzt die Kirche einen schönen Westgiebel, dessen pilasterartig vortretendes Mauerwerk ein Treppengiebel krönt.

Wer durch das Portal tritt, erblickt schimmernd im Chor des spärlich beleuchteten Kirchenschiffes das Kleinod der Kraaker Kirche, den bemalten Schnitzaltar aus der Zeit um 1500. Die Johanniter gaben ihn in Auftrag, als ihre Macht in Kraak bereits ins Wanken kam. Die Schnitzfiguren waren sogar hölzerne Zeugen einer Erstürmung der Kirche, bei der sich die Herzöge von Mecklenburg die Herrschaft über die Komturei sicherten. Mit schön geschwungenem Gewand steht Maria das Christuskind haltend auf der Mondsichel. Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist stehen ihr zur Seite. Die beiden Kastenflügel zeigen die zwölf Apostel, die Predella sechs Halbfiguren von weiblichen Heiligen; vier von ihnen sind an ihren Beigaben zu erkennen: Anna Selbstdritt, Barbara, Margarethe und Katharina. Wenn der Altar in der Passionszeit verschlossen wurde, sahen die Gläubigen auf den Rückseiten der Flügel die Heimsuchung Marias und die Anbetung der Könige. Auch eine Kirche des Mittelalters ist diejenige in Goldenstädt. Sie gehört seit langem zur Kirchgemeinde Uelitz und ist jetzt nicht mehr durch eine Landkreisgrenze, sondern nur noch durch die Bundesstraße 106 von der Mutterkirche getrennt. Obwohl die Goldenstädter Kirche seit dem 18. Jahrhundert als zu klein galt, wurde sie MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


KIRCHE nie erweitert oder umgebaut. Sie behielt ihren mittelalterlichen Charme, dem auch ihre Sanierung in jüngster Zeit Rechnung trug. Wer am Reformationsabend über knirschenden Kies zur traditionellen Andacht in den erleuchteten Feldsteinbau hineingeht, der fühlt sich in seinen Mauern froh gestimmt und gut behütet. Ob die Kirche aber tatsächlich eine so genannte Wehrkirche aus der Siedlungszeit des 13. Jahrhunderts ist, oder ob sie nicht doch später errichtet wurde, bleibt strittig. Ungeachtet der hochgelegenen, an Schießscharten erinnernden Fenster machen ein fehlender Verteidigungsturm und die großen spitzbogigen Chorfenster allerdings das letztere wahrscheinlich. Immerhin unterstreicht die kompakte Erscheinung der Kirche, dass sie im Mittelalter immer auch ein „Sanctuarium“, ein besonders geschützter Rechtsraum war. Das gilt auch dann, wenn die Gläubigen in den Kirchen bisweilen ihre Geschäfte verhandelten, Korn lagerten oder Holz hackten. Die unrestauriert zu düster wirkende innere Ausstattung stammt aus der Zeit des Barock. Sie bietet dem Betrachter neben einer schön gearbeiteten Kanzel einen Altar, dessen Tafelbild das Jüngste Gericht mit Christus als Weltenrichter veranschaulicht. Auf der einen Seite sieht man die Seelen der Gläubigen zum Genuss des ewigen Lebens aus ihren Gräbern auferstehen. Auf der anderen Seite erwarten Teufel die Sünder; die Schrecken der Hölle tun ganz bildlich ihren monströsen Rachen auf. In dieser einfachen, aber eindrucksvollen Arbeit aus der Zeit nach dem 30jährigen Krieg konnte sicher so mancher Gottesdienstbesucher seine Nöte und Ängste wieder entdecken. Die Glocke der Kirche hängt in einem hölzernen Stuhl vor dem Westgiebel. Sie stammt aus dem Jahr 1681. Die Einfädelung des Glockenstricks mittels eines Haselnussstocks ist für den ungeübten Küster jedes Mal eine Herausforderung. Gegenüber dem Interesse, das der Geschichtlichkeit der mittelalterlichen Kirchen geschenkt wurde, hat die jüngere und schlichtere Barockkirche in Uelitz lange Zeit Abseits stehen müssen. Zwar steht auch sie auf mittelalterlichen Fundamenten, aber 1747 war die alte Kirche so geschädigt, dass sie abgebrochen und erneuert werden musste. Die dann mit abgeflachtem Chor gebaute fünfjochige Kirche musste Ende des 19. Jahrhunderts noch einmal um einen zweijochigen Anbau erweitert werden. Die Gemeinde war so gewachsen, dass immer weniger ihrer Glieder Platz in der Kirche fanden. An Format und Farbe der Backsteine ist diese Bauentwicklung auch von außen gut zu erkennen. Im Dorf geht noch heute die Rede, dass, als im heutigen Zentralort Rastow der Bahnhof gebaut wurde, die Uelitzer als Ausgleich den weithin sichtbaren Kirchturm im Stil der Neugotik bekamen. Wer sich durch das Äußere der Linden umstandenen Kirche nüchtern hat stimmen lassen, dem geht das Herz auf, wenn er ins Kirchenschiff tritt. Unter der niedrigen Empore hindurch gehend, fällt im Chor zunächst nur der einfache neugotische Schnitzaltar ins Auge. Wenn die Empore jedoch den Blick frei gibt, wird er unweigerlich zu einer Deckenmalerei in die Höhe gezogen, die in Norddeutschland ihres Gleichen sucht. Der unbekannte Maler hat in drei großen Medaillons die christliche Herrschaft des Herzogs Christian Ludwig von Mecklenburg verherrlicht. In eisernen Lettern zeugt davon außen über dem alten Eingang an der Nordwand die Inschrift V[on] G[ottes] G[naden] C[christian] L[Ludwig] H[erzog] z[u] M[ecklenburg]. Das mittlere und größte Medaillon zeigt die Anbetung der Hirten, die beiden kleineren ein SanctusBild und Jesu Taufe im Jordan. Alle drei sind durch reiche Ornamentierung miteinander verbunden; durch so genannte Rocaillen (Muscheln, deswegen der Zeitgeschmack des „Rokoko“), trompetende Engelchen und Blumengebinde. Eine Deckenmalerei  MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Ausschnitt aus der Deckenmalerei in der Kirche zu Uelitz.

Die Kirche zu Mirow. 9


KIRCHE

Der bemalte Schnitzaltar aus der Zeit um 1500 in der Kraaker Kirche. dieser Qualität in einer protestantischen Dorfkirche – man muss schon in katholische Gebiete reisen, um Ähnliches zu sehen. Die sorgfältig gemalten Schafe, Ziegen und Rinder genauer zu betrachten, lohnt die Mühe, auch wenn man bei der nur 5 m hohen Decke eine Nackenverspannung riskiert. Wahrscheinlich nimmt auch die weniger gut ausgeführte Emporenmalerei das Thema der Decke auf. In den Kassetten der Brüstung sind die zwölf Apostel dargestellt. Sie nehmen Jesus als Weltenherrscher in ihre Mitte. Die zeitgenössische Kanzel ermahnt mit reichem Schmuck zum Hören auf das Wort Gottes. Werden die Christen zum Gottesdienst in die Uelitzer Kirche gerufen, hören sie den Klang einer der ältesten Kirchenglocken Mecklenburgs aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Die Kirche in Mirow ist die jüngste der Uelitzer Gemeinde. In den Quellen erscheint die Nachfolgerin der mittelalterlichen Kirche als „Kapelle“, wohl weil Mirow schon lange keine eigenständige Pfarrkirche mehr war. Im 13. Jahrhundert konnte sich Mirow noch „matre ecclesia“, Mutterkirche von Uelitz nennen. Und auf den ersten Blick erweckt sie den Eindruck, sie stamme tatsächlich aus dieser Zeit. Doch 10

täuscht das. Die Kirche wurde zwar, wie die Zeitgenossen sagten, im „Spitzbogenstil“ erbaut. Aber man schrieb bereits das Jahr 1842, als der Grundstein für eine der ersten Landkirchen in Mecklenburg gelegt wurde, die die Kunsthistoriker später neugotisch nennen sollten. Wer übrigens neugotische von mittelalterlichen Kirchen auf den ersten Blick unterscheiden will, kann schon mit dem äußeren Gesamteindruck beginnen: Die neugotischen sind Bauten meist aus einem Guss, zu gleichmäßig, glatt und makellos, um schon einige hundert Jahre alt zu sein. Das allerdings sagt leider wenig über die Haltbarkeit ihrer Dächer und Fundamente aus. Die Mirower Kirche sollte dem Auge nicht nur einen Ruhepunkt am westlichen Rand der Lewitz bieten, sondern auch geistlich Zeichen setzen. Sie kündet von einer Epoche, die nach dem Vorbild mittelalterlicher Frömmigkeit Kirchlichkeit und Christenglauben wieder befestigen wollte. Der Großherzog als Patron förderte diesen Gedanken auch auf dem platten Land. Allerdings stellte die finanzielle Belastung eines Neubaus die nicht eben reiche Kirchgemeinde vor große Aufgaben. Der vierjochige turmlose Saalbau wurde zunächst nur mit einem Dachreiter über dem Westgiebel errichtet. Erst 1883 kam der Turm hinzu. Obwohl es um die Hand- und Spanndiens-

te unter den Mirower Bauern und Büdnern die üblichen Streitereien gab, konnte die Kirche 1845 eingeweiht werden. Leider war bereits zwanzig Jahre später das Gebälk so durchfeuchtet, dass Schwamm das Holz zu zersetzen begann. Äußerlich macht die Kirche zwar auch heute einen guten Eindruck, aber denjenigen, die im Wortsinne hinter die Fassade sehen, offenbaren sich Schäden erschreckenden Ausmaßes. Die für die Neugotik typischen Bibelsprüche an den geputzten Innenwänden drohen bereits verloren zu gehen. Kirchgemeinde und Landeskirche bemühen sich sehr, den Verfall aufzuhalten, haben aber angesichts spärlicher Mittel nur begrenzte Möglichkeiten. Und für Kirchturmdenken ist dort leider kein Platz, wo die Kirchgemeinde gleich vier große Kirchen und dazu ein denkmalgeschütztes Pfarrhaus-Ensemble unterhalten muss. Eine Seltenheit in der Gegend ist der Mirower Kanzelaltar. Die Friese-Orgel ist ein wunderbares Instrument, das, höchstens einmal im Monat, leider viel zu selten erklingt. Als einzige Kirche der Uelitzer Gemeinde liegt der Friedhof in Mirow noch immer um das Gotteshaus herum und wird von den noch plattdeutsch sprechenden Dorfbewohnern zu recht „Kirchhoff“ genannt. Dr. René Wiese Fotos: Peter Möller

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MUSEUM

Der Bloemaert-Effekt! Farbe im Goldenen Zeitalter Bilder aus der ganzen Welt in einer einzigartigen Ausstellung im Staatlichen Museum Schwerin

Das Ausrufezeichen im Ausstellungstitel ist nicht zufällig gewählt, es ist ein Hinweis auf die Bedeutung dieser sehr außergewöhnlichen Exposition, die das Staatliche Museum Schwerin seit dem 24. Februar bis zum 28. Mai 2012 zeigt.

Paulus Moreelse, Porträt Abraham Bloemaerts 1609, Holz, 63,6 x 50,4 cm, Centraal Museum, Utrecht

Abraham Bloemaert, Die Anbetung der Könige 1624, Leinwand, 168,8 x 193,7 cm, Centraal Museum, Utrecht

Dabei steht auch bei Kunstkennern hinter dem Namen Abraham Bloemaert eher ein Fragezeichen, denn der niederländische Künstler ist weitgehend unbekannt. Ein Grund dafür, dass Bloemaert (1566-1651) bisher nur Spezialisten bekannt ist, liegt wahrscheinlich darin, dass die für typisch gehaltene Malschule des Goldenen Zeitalters um 1610 an Utrecht, der Stadt in der Bloemaert lebte, vorbei ging.„Zu seiner Zeit spielte Bloemaert eine wichtige Rolle in der Kunst“, so Dr. Gero Seelig, Kurator der Ausstellung. „Die großen Meister, die wir in unserer Schweriner Sammlung sehen und feiern, waren im weitesten Sinne Schüler von Bloemaert.“ Abraham Bloemaert erlebte mehrere Stilphasen: In den frühen Werken zeigt er sich mit einer extrem idealisierten Darstellung der Natur als Manierist, in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts entwickelte sich sein Stil hin zum Klassizismus. Doch nicht nur die stilistische Bandbreite Bloemaerts ist groß, auch die Thematiken der Arbeiten sind vielfältig. Großformatige Altarstücke, Land12

Abraham Bloemaert, Schäferin mit einem Gedicht, 1628, Leinwand, 104,2 x 74,9 cm, The Toledo Museum of Art, Toledo

Abraham Bloemaert, Die Anbetung der Hirten, 1623, Leinwand, 216 x 172 cm, R. K. parochie, Den Haag Fotos: Staatliches Museum Schwerin

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schaften, liebliche Madonnen in kleinen Formaten gehören zum Bloemarts, ebenso Oeuvre Druckgraphiken. Mit der Ausstellung „Der Bloemaert-Effekt! Farbe im Goldenen Zeitalter“ präsentiert das Staatliche Museum Schwerin zusammen mit seinem niederländischen Partner, dem Centraal Museum Utrecht (wo die Exposition schon gezeigt wurde), nicht weniger als die weltweit erste umfassende Schau des gesamten Oeuvres des Künstlers. 46 Gemälde, 31 Zeichnungen, 38 Graphiken und fünf Bücher wurden aus der ganzen Welt, aus Museen und Privatsammlungen in den USA, Großbritannien, Frankreich, Österreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland zusammengetragen. Sie belegen die Vielseitigkeit und Virtuosität Bloemaerts, zeigen ihn als einen der Lehrmeister des Goldenen Zeitalters und subtilen Koloristen. Die leuchtende Farbigkeit in den Gemälden von Abraham Bloemaert eröffnet im Vergleich zu den niederländischen Meistern der Schweriner Sammlung einen neuen, ungewohnten Blick auf die Malerei dieser Zeit. Im umfangreichen, informativen und glänzend gestalteten Katalog zur Ausstellung kann man lesen: „Der „Bloemaert-Effekt“ wird unser Bild über die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts weiter korrigieren. Es gibt mehr als die „typisch holländischen“ Meister Rembrandt, Frans Hals und Johannes Vermeer, mehr als die Genrebilder von Jan Stehen und die schier unermesslichen holländischen Landschaften. Es gilt einen international orientierten Künstler aus Utrecht zu entdecken, der großen Einfluss auf seine Zeitgenossen hatte und ein beachtliches Oeuvre hinterließ, das in all seinen Facetten zum Besten gehört, was die holländische Malerei je hervorgebracht hat.“ Nach dem Besuch der Sonderausstellung – und einem korrespondierenden Rundgang durch die ständige Ausstellung niederländischer Malerei – wird man das Ausrufezeichen im Titel nicht nur verstehen, man wird es bekräftigen. Karin Gustmann MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

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GENUSS

Mit allen Sinnen

genießen Ein kleines Stück Glück am Schweriner See

„Ich träume manches Mal, wenn ich müde bin, von einem Häuschen an einem mecklenburgischen See...“, schrieb der Schriftsteller Hans Franck um 1920. Diesen Traum konnte er sich von 1921 bis zu seinem Tode im Jahr 1964 in Frankenhorst erfüllen. Mitten in der Natur und direkt am Schweriner See gelegen, ist dieses Anwesen heute ein Kleinod, in dem man wunderbar entspannen und genießen kann - das BEST WESTERN Seehotel Frankenhorst.

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Geprägt vom Charme eines Landhauses der 20-er Jahre bietet das traumhaft gelegene Hotel seinen Gästen First-Klass-Komfort, vielseitige Wellnessanwendungen und natürlich eine Küche, die zum Genießen verführt. Schlemmen ohne Reue? Naja, fast. Denn Chefkoch Alexander Stoye setzt bei den Zutaten auf frisches Obst, Gemüse und Kräuter. Darin stecken viele wichtige Nährstoffe und vor allem Vitamine. Sogar leckere alkoholfreie, aber dafür vitaminreiche Shakes bietet er neben frischen Salaten begleitend zum Wellnessprogramm an. Auch bei Fisch und Fleisch achtet der Koch stets auf Frische und Qualität. Einen Beauty-Tempel wird man in Frankenhorst allerdings vergeblich suchen. Finden aber können die Gäste einen kleinen feinen Spa-Bereich mit exklusiven Angeboten, die man ganz für sich oder auch zu zweit genießen kann. Dazu gehört beispielsweise das Arrangement „Frische Brise“, welches den Gästen die Möglichkeit gibt, sich vom Stress des Alltags zu lösen. Kulinarisch verwöhnt werden sie anschließend mit einem delikaten Wellness-Menü. Das aufmerksame Team um Geschäftsführerin Petra Schmidt erfüllt den Gästen des Hauses sehr gerne auch ganz individuelle Wün-

sche. „Nur wenn man sich rundum wohl fühlt, dann entfaltet das, was man sich für sein Wohlbefinden gönnt, eine viel größere Wirkung“, sagt die Geschäftsfrau, der das Wohl jedes einzelnen Gastes am Herzen liegt. Die zahlreichen Wellness- und Beautyangebote sind übrigens nicht nur an die Damen gerichtet. Massagen, Packungen und Peelings sowie Gesichtsbehandlungen sind für Männer ebenso entspannend wie wohltuend. Das Vier-Sterne-Seehotel in Frankenhorst hält viele unterschiedliche Angebote bereit, bei denen man entspannen und die Seele einmal richtig baumeln lassen kann – auch im lichtdurchfluteten Wintergarten des Restaurants oder auf der Liegewiese im hoteleigenen Park am Ufer des Schweriner Sees. Der wird in Kürze bestimmt so manchen Gast zum Baden und Bootfahren einladen – denn eine kleine Seereise lohnt sich hier immer. Und auch der Schriftsteller Hans Franck ist hier nicht vergessen. Denn regelmäßig finden im Rahmen der Literaturreihe „Erlesenes, Musikalisches, Kulinarisches“ literarische Reisen statt. Ausflüge, denen Chefkoch Alexander Stoye mit leckeren Spezialitäten die richtige Würze verleiht.

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GENUSS

Obst und Gemüse sind echte Muntermacher Chefkoch Alexander Stoye empfiehlt:

Knackiger Salat mit Lachspralinen, Mousse und einer feinen Vinaigrette Gesund und erfrischend: Vanille - Rucola – Shake Zutaten: 500 ml Vanilleeiscreme, 200 g frischer Rucolasalat, Saft von einer Zitrone, 1 EL Akazienhonig, Mark einer halben Vanilleschote, 20 ml Hollunderblütensirup, 150 ml fettarme Milch, 2 Lavendelblüten Zubereitung: Für den Shake den Rucolasalat in kaltem Wasser gut waschen und mit einem Messer grob schneiden. Zusammen mit der Milch, dem Sirup und dem Vanillemark in einem Mixer klein hacken. Nach und nach das Vanilleeis, den Honig, die Lavendelblüten und den Zitronensaft dazugeben und gut durchmixen. Nach Belieben nochmals mit Zucker abschmecken.

Rezept für vier Personen: Salat Zutaten: 500g jungen frischen Blattspinat, 80g getrocknete Tomaten, 1/2 rote Zwiebel Lachspralinen: Zutaten: 100g Lachsfilet, 100g Zanderfilet, 2 Eiweiß, 80g Schlagsahne, Salz, schwarzer Pfeffer, Senfmehl, 1/2 Vanilleschote, Dill & etwas Abrieb von Zitronenschale Zubereitung: Für die Pralinen das Zanderfilet enthäuten und in kleine Stücke schneiden, zusammen mit der eiskalten Schlagsahne und dem Eiweiß in einer Küchenmaschine sehr fein mixen bis eine cremeartige Konsistenz erreicht ist. Die Masse mit den Gewürzen abschmecken und 10 Minuten kühl stellen. Das Lachsfilet in Haselnuss große Stücke schneiden und mit Salz und Pfeffer würzen. Eine Pralinenform zu einem Drittel mit der

Zandermasse füllen, dann die Lachsstücke hineinlegen und wieder mit Zandermasse abdecken. Die Form in Frischhaltefolie einschlagen und dann im vorgeheizten Ofen (100°C/Umluft) im Wasserbad 20 Min. garen. Die Avocado schälen und der Länge nach halbieren. Den Kern mit einer Gabel o.ä. entfernen. Das Fruchtfleisch klein schneiden und mit Zitronensaft mischen. Das Eiweiß zu Schnee schlagen und die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Die Avocadostücke würzen und mit einem Mixer fein pürieren. Die Gelatine im Topf vorsichtig auflösen und mit dem Püree rasch vermengen. Steif geschlagene Schlagsahne und den Eischnee unterheben, anschließend für 10 Minuten kalt stellen. Mousse: Zutaten: 1 reife Avocado, 200g Schlagsahne, 1 Eiweiß, 2 Blatt Gelatine, Salz, schwarzer Pfeffer, Tabasco, Cayennepfeffer, Zitronensaft, Olivenöl Vinaigrette: Zutaten: 1 Passionsfrucht, 1 Granatapfel, 20 ml weißer Balsamico, 50 ml Sonnenblumenöl,

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1 TL milden Senf, 1 EL Puderzucker, Salz, weißer Pfeffer Zubereitung: Für die Vinaigrette den Granatapfel entkernen und aus der halbierten Passionsfrucht das Fleisch auslösen. Die Kerne und das Fleisch mit dem Mixstab zerkleinern und anschließend durch ein feines Sieb geben. Den gewonnenen Saft mit weißem Balsamico, Salz, Pfeffer, Puderzucker und dem Senf mischen und unter ständigem Rühren das Öl langsam hinzugeben. Zum Schluss den Spinat in kaltem Wasser gründlich waschen und grobe Stiele entfernen, danach in einer Schüssel mit etwas Vinaigrette marinieren und auf Tellern anrichten. Die getrockneten Tomaten und die rote Zwiebel beliebig groß schneiden und darüber verteilen. Die Mousse mit einem Löffel zu Nocken formen, die Pralinen aus der Form lösen und beides zu dem Salat geben. Den Salat nochmals mit der Vinaigrette beträufeln. Text und Fotos: Christine Mevius

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GENUSS

XwÄx gÜ≠Ñyv{xÇ für Genießer

Feine Obstbrände, Geiste und Liköre aus Schwechow

Frank Jehring präsentiert im Schwechower Hofladen eine von vielen Geschenkideen.

Kenner von Obstbränden würden niemals das Wort Schnaps über ihre Lippen kommen lassen, denn in dem hochprozentigen Destillat stecken dafür zu viele auserlesene Früchte. Ein guter Obstbrand zeichnet sich dadurch aus, dass man zunächst den Duft und den feinnuancierten Geschmack der reifen aromatischen Früchte wahrnimmt. Er gibt sich weich und finessenreich und man sagt ihm nach, dass er nicht nur den Körper belebt sondern auch den Geist beflügelt.

Ob Sanddorn oder Birne – viele verschiedene Früchte kommen nach dem aufwendigen Verfahren als Geist, Likör oder Obstbrand in die Flasche.

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Überliefert ist, dass die Mauren die Methode des Destillierens nach Europa gebracht haben sollen, und dass die Kunst des Brennens von den Mönchen in den Klöstern etabliert wurde - zunächst zum Zwecke der Herstellung von Medizin und Parfüms. Die hervorragenden Destillate unserer Zeit sind also das Ergebnis einer sehr langen Tradition. Diese wird seit 2003 auch in Schwechow erfolgreich fortgeführt. Denn hier versteht man es vortrefflich, Obstbrände und Geiste herzustellen. „Tradition bewahren – Zukunft gestalten“, lautet die Philosophie in der 1. Mecklenburgischen Obstbrand Gut Schwechow GmbH.

Es ist die Kunst des Brennmeisters Benny Klohr braucht viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl, um die beliebten Schwechower Spirituosen herzustellen. „Die wichtigsten Voraussetzungen für einen erstklassigen Brand sind vollreife Früchte mit viel Zucker und kräftigen Aromen. Wir maischen nach alter Tradition und lassen das Obst ohne Chemie vergären, bevor es schonend destilliert wird“, erklärt der Brennmeister. Wohlwissend, dass er nur so den gewünschten edlen Charakter des Getränks erreicht. „Unsere Produkte sollen unverfälscht und in hoher Qualität auf den Markt MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


kommen. Deshalb ist es meine Aufgabe, den Duft und Geschmack der jeweiligen Frucht im Destillat einzufangen. Doch das ist nicht von heut auf morgen getan“, sagt er. Spätestens jetzt wird klar, dass es sich hier um Brände der Spitzenklasse handelt, und dass Benny Klohr einer jener Individualisten ist, denen handwerkliche Tradition und Liebe zum Produkt noch etwas bedeuten. Nur der beste Teil der Destillation wird mittels individuell gesteuerter Verfahren zweimal gebrannt. Dadurch werden die Fruchtaromen im besonderen Maße geschont und der Destillateur

ten Situationen Tröpfchen für Tröpfchen genießen. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, werden auch künftig Benny Klohr und seine Kollegen den Gästen in der Brennerei nahe bringen. „Außerdem bieten wir Gastronomen und Hoteliers Degustationen in einem angenehmen Ambiente an, bei denen die Gäste interessante Details zur Geschichte, zur Herstellung und zum Genießen der Schwechower Brände und Geiste erfahren. Dazu sind natürlich auch die Damen sehr herzlich willkommen“, sagt Frank Jehring.

Brennmeister Benny Klohr achtet auf beste Qualität der Schwechower Delikatessen.

hat so die Möglichkeit, die geschmackliche Raffinesse für die feinen Tröpfchen zu erzielen. Damit aus den Früchten auch wirklich ein edler Brand entsteht, muss der Fachmann alle Prozesse sehr genau überwachen. Durch ständiges Messen der Alkoholstärke und Verkosten kontrolliert Benny Klohr die Qualität dessen, was demnächst in formschöne Flaschen abgefüllt und an den Genießer gebracht werden soll.

Eine Welt für Genießer Genießer? Sind die feinen Obstspirituosen nur etwas für Männer? Geschäftsführer Frank Jehring schmunzelt. „Naja, eigentlich nicht, aber die Damenwelt hat sie bisher eher weniger für sich entdeckt.“ Das ist auch der Grund dafür, dass die Schwechower darauf bedacht sind, für ihre Produkte eine neue Genusswelt zu schaffen. Obstler zum Kaffee, bei einem gemütlichen Kaminabend oder als I-Tüpfelchen beim Lesen eines guten Buches – man kann dieses erlesene Getränk in den verschiedensMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Mehrfach prämiert Die sorgsame, manufakturartige Herstellung der Schwechower Produkte – von der Ernte der Früchte bis hin zur Etikettierung der Flaschen wird regelmäßig gewürdigt. So erhielten beispielsweise der Obstbrand Birne und der Himbeergeist den Goldenen Preis der DLG. Diese Auszeichnungen sind gleichzeitig eine Würdigung für die zehn Mitarbeiter des Gutes Schwechow, die in ihrer kleinen aber feinen Brennerei einen Jahresumsatz von rund einer Million Euro erwirtschaften konnten. Einen großen Anteil daran haben auch die Obstbauern, die auf gesonderten Flächen neben Äpfeln jetzt auch Zwetschgen, Mirabellen und Sanddorn exklusiv für die Brennerei anbauen.

„Mecklenburg-Vorpommern ist dabei unser größtes Absatzgebiet, aber wir haben auch zahlreiche Abnehmer in Nordrheinwestfalen, Sachsen und Sachsen- Anhalt. Die Metropolen Hamburg und Berlin wollen wir mehr und mehr erschließen“, sagt Frank Jehring.

Verlockende Angebote im Internet und im Hofladen Etabliert hat sich inzwischen der Internetshop des Gutes Schwechow. Hier werden nicht nur Brände, Geiste und Liköre sondern auch hausgemachte Wurstspezialitäten, Honig, Konfitüren, Pralinés u.v.a. angeboten. Absolutes Highlight ist die DLG-prämierte Exklusivserie Schwechower Platinum. Ausgesuchte Brände von Hagebutte, Vogelkirsche, Speierling und Wildkirsche werden in mundgeblasenen Glaskaraffen angeboten – jede ist ein Unikat und deshalb eine ganz besondere Geschenkidee. Doch all diese verführerischen Köstlichkeiten kann man natürlich auch traditionell im Schwechower Hofladen einkaufen – und zudem das schöne, gepflegte, dörfliche Ambiente des Gutes genießen. Interessierte Besucher haben nach Voranmeldung die Möglichkeit, den Obstbrennern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen und bekommen so Einblicke in die hohe Kunst der Destillation. Natürlich dürfen sie die edlen Tröpfchen an Ort und Stelle verkosten – unter fachmännischer Anleitung, versteht sich. Der Besuch des Hofladens ist eine erwägenswerte Sache, denn in Supermärkten wird man künftig vergeblich nach den Schwechower Spitzenprodukten suchen – von denen hat sich das Unternehmen verabschiedet. Und wer den Weg der feinen Spirituosen von der Blüte bis ins Glas verfolgen möchte, sollte am zweiten Maiwochenende einen Abstecher nach Dodow machen, denn dann wird dort das traditionelle Blütenfest gefeiert. Text & Fotos:

Gastronomen zählen zu den treuesten Kunden Beliefert werden hauptsächlich Gastronomen und gewerbliche Kunden, die gerne individuelle Firmenpräsente fertigen lassen.

Christine Mevius

Ganz individuell mit Golfball und eigenem Logo: Eine Abfüllung für WINSTONgolf.

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Clowns, Jauchzen und Das Schweriner Theater feierte sein 20. Theaterfest

Geschickte und schnelle Bühnentechniker hatten am 4. Februar aus Bühnenhaus und Zuschauerraum einen großen, prächtig mit Kronleuchtern und Blumen geschmückten Ballsaal gezaubert, den glanzvollen Rahmen für das 20. Theaterfest des Mecklenburgischen Staatstheaters, das rund 1000 Gäste mit den Theaterleuten gemeinsam im Großen Haus, dem Konzertfoyer, dem Flotow-Zimmer und allen Rängen und Gängen feierten. Mit Blick auf die diesjährigen Schlossfestspiele, bei denen die im Zirkusmilieu spielende Oper „Der Bajazzo“ aufgeführt wird, hatte Regisseur Peter Dehler das Programm des Abends gestaltet. Zwei Clowns (Andreas Lembcke und This Maag) führten sprachlos, dafür aber äußerst gesten- und geistreich von Darbietung zu Darbietung. Und dargeboten wurde Vieles: getanzte, gesungene und getrommelte Ausschnitte aus dem„Sommernachtstraum“ und dem Musical „Hair“, Hyunju Park interpretierte das Vogellied der Nedda aus „Der Bajazzo“, Rüdiger Daas

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erinnerte gemeinsam mit dem Ballett an Jacques Brel. Jana Kühn (unlängst als beste Sängerin mit dem Walter-Jurmann-Chansonpreis ausgezeichnet) schaffte es mit ihrer Interpretation von „Illusions“, dass für Minuten im vollbesetzten Großen Haus eine leise, intime BarAtmosphäre herrschte. Deutlich lauter war Dirk Audehms Auftritt als Tewje aus dem Musical „Anatevka“, und bei seinem „Wenn ich einmal reich wär“ war ein leises Stöhnen von Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow zu ahnen. Denn die missliche finanzielle Lage des Schweriner Theaters war natürlich auch Thema beim Theaterfest. Von „einer verstohlenen Träne“ (Una furtiva lagrima) sang der Tenor Musa Nkuna. Tränen flossen nicht auf dem Theaterfest – vielleicht bei den Gewinnern der Tombolapreise – dafür unverstohlen direkte Worte zu den Querelen um das Theater: „Machen Sie sich keine Sorgen um unser Theater, diese Landesregierung steht hinter uns“, sagte Schauspieler Jochen Fahr. Ein Satz, für den er viel Lachen und Applaus von den Gästen und

eher ernste Blicke vom Ministerpräsidenten Erwin Sellering bekam. Kultusminister Mathias Brodkorb war der Einladung zum Theaterfest nicht gefolgt. Vielleicht reicht ihm ja das Theater um die Theater, so dass er gar nicht mehr ins Theater gehen muss? Der Rausschmeißer aus dem Programm: „Tanzen möcht´ ich, jauchzen möcht´ ich“ aus der „Csardasfürstin“ war der Auftakt zu dem Teil des Theaterfestes, den die Gäste selbst gestalten: Es wurde gegessen, getrunken, getanzt, getratscht – in welcher Reihenfolge und Wertigkeit auch immer – bis in den frühen Morgen. Und es gab keinen Zweifel daran, dass es auch ein 21. Theaterfest geben wird, denn auch das gab Jochen Fahr der Polit-Prominenz mit auf den Weg: Theaterzuschauer sind auch Wähler. Angenehmer Nebeneffekt des Theaterfestes für die Bürgerstiftung der Theatergesellschaft: Die Hälfte des Tombolaerlöses, die Summe von 3.100 Euro, ließ das Stiftungskapital auf 245.000 Euro anwachsen. Karin Gustmann

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TREFFPUNKT

klare Ansagen

Fotos: Silke Winkler

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PORTRÄT

Weil es unmittelbar ist... Die Schauspielerin Jana Kühn Ein Elf in einem schwarz-neongrünem Trikot kommt auf die Bühne, tänzelt und tippelt, gurrt und knurrt und zaubert nicht nur auf der Szene, er verzaubert auch das Publikum. Im Kostüm des Puck – denn das ist der Elf – steckt Jana Kühn. „Das ist eine Rolle, von der man träumt, wenn man weiß, dass der ‚Sommernachtstraum’ auf dem Spielplan steht. Wenn man dann diese Rolle, den Puck, spielen darf, das ist schon toll“, sagt Jana Kühn. Toll für das Publikum ist, was Jana Kühn während der drei Stunden „Sommernachtstraum“ aus dieser und in dieser Rolle als Puck alles macht. Es ist ein großes Vergnügen, zuzuschauen – vielleicht auch, weil man spürt, welch Vergnügen es ebenso für die Schauspielerin ist. An der Theaterakademie in Zinnowitz begann Jana Kühn ihre Ausbildung, kam als Elevin an das Mecklenburgische Staatstheater, war Gasthörerin an der Hochschule für Musik und Theater Rostock und gehört in der fünften Spielzeit zum Schauspielensemble des Schweriner Theaters. Das viel zitierte „das musst du machen“ wusste Jana Kühn in der sechsten Klasse, als sie ein Puppenspiel sah. Und warum nicht Film oder Fernsehen, warum Theater? „Weil es unmittelbar ist, weil man die

Flower power im Cult-Musical „Hair“.

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Momente mit den Zuschauern gemeinsam erlebt. Theater ist direkter, ist greifbarer, man könnte es anfassen.“ Viele direkte Momente hat Jana Kühn im Februar erlebt, als es im Großen Haus en Suite zehn – total ausverkaufte – Vorstellungen des Musicals „Hair“ mit ihr in einer der Hauptrollen gab. (Am 28. Mai ist eine zusätzliche Vorstellung im Spielplan.) Musical, das bedeutet singen und tanzen – möglichst gleichzeitig – und das dann jeden Tag, ist das Fluch oder Segen? „Wir hatten eine anstrengende Probenphase und jeden Tag mit voller Kraft über die Bühne zu toben, das ist schon stressig. Aber wenn man im Kostüm steckt, die Kollegen sieht, dann ist man schon motiviert.“ Im Musical kommt die zweite Begabung und Leidenschaft der jungen Schauspielerin zum Tragen: Der Gesang. Alle zwei Jahre wird ein Bundeswettbewerb für Chanson und Musical veranstaltet. Rund 250 Leute bewerben sich mit einem 45minütigem Programm, kämpfen sich durch zwei Runden, die Besten kommen zum Finale nach Berlin. Zu den Besten der Besten gehörte in diesem Jahr Jana Kühn, sie hat den Walter-Jurmann-Chansonpreis gewonnen. Mit Thomas Möckel hat sie ihr Programm erarbeitet – das sie in zwei Teilen am 1. März vor einem begeisterten

Publikum im Großen Haus des Schweriner Theaters präsentierte. Jana Kühn singt Chansons von Friedrich Holländer und Edith Piaf, Lieder von Bob Dylan und Janis Joplin, genauso wie eigene Lieder zu denen sie die Texte schreibt. Welche ihrer künstlerischen Leidenschaft, die Musik oder die Schauspielerei, in Zukunft überwiegen wird, weiß die junge Frau nicht.Was sie weiß ist, dass diese Spielzeit ihre letzte als festes Ensemblemitglied sein wird (Stichwort Sparen im Theater). Jana Kühn nimmt es pragmatisch: „Uns steht die ganze Welt offen, es ist wichtig, viel zu sehen, viel zu lernen, hinzuschauen,

Fotos: Mecklenburgisches Staatstheater

sich für alle Sachen zu interessieren. Nur dann kann man etwas weitergeben – und eventuell selber ein bisschen weiser werden.“ Ein Lieblingsplan von Jana Kühn ist es, auf die Walz zu gehen: „Genauso wie die Handwerker, Schauspiel und Gesang, das ist Handwerk, ein künstlerisches zwar, aber eben doch ein Handwerk.“ Im Sommer wird Jana Kühn ihre Zelte in Schwerin abbrechen und – wahrscheinlich – nach Berlin ziehen:„Jetzt ist irgendwie mal wieder Großstadt dran.“ Bis es soweit ist, kann man Jana Kühn noch im Großen Haus und im April mit einem Chanson-Abend im Werk 3 erleben. Und vielleicht führen sie ihre Wanderungen ja auch wieder nach Schwerin. Karin Gustmann

Jana Kühn als „Puck” . MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


MUSICAL

Heiterkeit und Wehmut Das Musical „Anatevka“ auf der Schweriner Theaterbühne Viel Hiob und ein bisschen Schwejk – so wird Tevje beschrieben, die Hauptfigur des Musicals „Anatevka“. Seit 30. März steht es auf dem Spielplan des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin. Das Musical basiert auf den Erzählungen von Scholem Alejchem, wurde 1964 am Broadway uraufgeführt und erzählt die Geschichte vom Juden Tevje und seiner Familie. Im ukrainischen Dörfchen Anatevka lebt der Milchmann Tevje mit seiner Frau Golde und die beiden sind mit fünf Töchtern gesegnet – oder möglicherweise gestraft, wenn es um die Freier der jungen Mädchen geht. Sie sind wahrlich nicht das, was sich der Vater für seine Töchter wünscht. Tevje leidet mit seinen Töchtern, sein Ringen um sie, um ihr Glück, vollzieht sich auf nahezu alttestamentarischer Ebene – doch aus Liebe zu seinen Töchtern begeht er einen Traditionsbruch nach dem anderen. Ist Tevje ein ergebener Dulder oder ein heimlicher Rebell? Frage

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an Stefan Haufe, den Regisseur der Schweriner Inszenierung. „Tevje ist kein Dulder, er ist bereit, die Schritte seiner Töchter mitzugehen. Die Frage: Wie weit bleiben wir in der Tradition, wie weit verlassen wir sie?, ist ja bis heute ein aktuelles Thema. Aktuell in Jerusalem ebenso wie in unserer Gesellschaft, wenn es um Migration und Integration geht. Tevje steht für die Option, dass man sich im Leben ändern kann.“ Und der Tevje aus Scholem Alejchems zwischen 1894 und 1914 entstandenen Erzählungen ist Vertreter einer extrem patriarchalischen Gesellschaft, in der die Väter die Töchter verheiraten – wie es sie ja bis heute gibt. Komponist des Musicals war Jerry Bock, die Gesangstexte – am bekanntesten sicher „Wenn ich einmal reich wär’...“ – sind von Sheldon Harnick. Der Untertitel des Stücks „Fiddler on the Roof / Der Fiedler auf dem Dach“ weist schon auf ein in der jüdischen Musik bevorzugtes Instrument, die Geige, hin. Im Musical wer-

Illustration: Harald Larisch

den chassidische und jiddische Volksweisen verbunden mit Broadway-Klängen des 20. Jahrhunderts. Eine Gefahr für heutige Inszenierungen ist es daher, in die Folklore-Ecke abzurutschen. Dazu Stefan Haufe: „Die Romantik in diesem Stück ist schwierig, denn man darf bei aller Heiterkeit und auch Sentimentalität nie die zweite Ebene der Handlung vergessen. Der Hintergrund ist der Antisemitismus, das Stück endet mit der vom Zaren angeordneten Vertreibung der Juden aus ihrer ukrainischen Heimat.“

Melancholischer Humor, heitere Wehmut – das sind Eigenschaften, die den jüdischen Milchmann Tevje auszeichnen. Er ist bedingungslos verwurzelt in seiner Welt, in seinem Glauben. In einer Art ständigem Dialog mit Gott bespricht und analysiert Tevje seine Probleme, mal dramatisch, mal sentimental, aber immer mit Humor: „Ich weiß, wir sind das auserwählte Volk. Aber könntest Du nicht ab und zu ein anderes auswählen?“ Karin Gustmann

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PORTRÄT

Dem Grafiker Albrecht von Bodecker zum Achtzigsten Albrecht von Bodecker (Foto privat)

Wenn es Frühling wird im Land, dann gilt auch für die Alte Post in Ludwigslust, was man in Kirchen zur Weihnacht singt: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. – Die Alte Post, Heimstatt für den Kunstund Kulturverein Ludwigslust (Kukululu) seit seiner Gründung vor drei Jahren, öffnet sich im Maien 2012 zum letzten Mal vor ihrer Generalsanierung. Kukululu gibt seine Abschiedsvorstellung in der Schalterhalle mit der Ausstellung „Durch die Jahrzehnte“.

„Warum muß ich ein Held sein“, aus dem Kinderbuch „Die Baumräuber“, Text Wolf Spillner.

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Albrecht von Bodecker, Grafiker, Zeichner, Buchgestalter, ist in Ludwigslust aufgewachsen. Er hatte seine ersten Malstunden bei Hermann Schepler in Techentin und Karstädt; bei Miss Susemiehl, der Sprachkundigen aus der Schloßstraße lernte er englisch; Fred Düren, der große Mime, der damals im Ludwigsluster Schaupielhaus Goethes Faust spielte, war sein Freund. Erinnerungen an die Kindheit. Von Bodecker ist einer von den „berühmten Söhnen der Stadt“, die hier aufgewachsen sind, hier ihre Jugenderlebnisse und ihre Lehrer hatten, von hier in die Welt gingen, aber immer wieder zurückkamen. Zwischen Kindheit und Achtzig liegen Jahrzehnte, prall voll mit Lernen und Leben. Seine Talente hat Albrecht von Bodecker an den Fachschulen für Angewandte Kunst in Wismar und Heiligendamm und an den Hochschulen für Bildende Kunst in BerlinCharlottenburg und Berlin-Weißensee ausbilden können. Seine Lehrer sind Bert Heller, Kurt Robbel, Gabriele Mucci und Friedrich Stabenau. Seit 1961 arbeitet er als freier Grafiker für Berliner Verlage, Theater und Museen. Puschkins „Der Sargmacher“ und Brechts „Geschichten vom Herrn Keuner“ sind seine ersten Bücher. Besonders die Kinderbuchillustrationen machen ihn im In- und Ausland bekannt. Er reist zu Messen und Ausstellungen u.a. nach Frankreich, Italien, Spanien, in die Sowjetunion, nach Ecuador. Er wird geehrt und ausgezeichnet, u.a. mit der Goldenen Plakette der bib in Bratislava für „Die Baumräuber“ (Text: Wolf Spillner). Seine Kinderbücher „Frido, fall nicht runter“ (Gotthold Gloger), „Ich schwing mich auf die Schaukel“ (Eva Strittmatter), „Eine Uhr steht vor der Tür“ (Hannes Hüttner), aber auch die Prosa- und Lyrikbände „Shakespeare Novellen“ (Ludwig Tieck) oder „Das Marmorbild“ (Joseph von Eichendorff) sind bei Liebhabern und Sammlern hoch begehrt. In den Jahren nach der

Wende lehrt er Naturstudium im Fachbereich Grafik-Design an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und ist deren Rektor von 1994 bis 1997. Von Bodeckers Bibliographie zählt etwa 100 Kinderbücher und zahlreiche Plakat- und Gestaltungsarbeiten für Museumskataloge. Von ganzem Herzen war und ist er Zeichner, Gestalter für das Buch, das meint neben der Illustration auch die Gestaltung von Einband, Schutzumschlag und Typografie. Seine Handschrift ist unter hunderten erkennbar: spielerisch, liebenswert, beschwingt, skurill, surreal, poetisch, verträumt, bescheiden und großrahmig, ernst und heiter, bestimmt, farbig, aquarelliert und getuscht. Kaum ein Bild ohne Schriftzug. „Ich will aber kein Held sein“ – Bodeckers Buchstaben, Schriftmalerei aus den Baumräubern, dem Kinderbuch von Wolf Spillner, ein Lieblingsgedanke, er könnte seine persönliche Visitenkarte sein. Albrecht von Bodecker, warum sollte er ein Held sein, er ist ein großartiger Künstler und einer der wenigen, bei denen Schrift zum Kunstwerk gehört, immer, ob auf dem Plakat, im Bilderbuch oder auf dem Briefkuvert. Bodeckers Buchstaben erkennt man, noch bevor man sich die Brille auf die Nase gesetzt hat. Der Kunst- und Kulturverein Ludwigslust zeigt Bodeckers Werk, seine Bilder und Buchstaben, gezeichnet, geschrieben, gemalt, zwischen achtzehn und achtzig. Die letzte Ausstellung in der Alten Post, aber nicht die letzte von Albrecht von Bodecker. Astrid Kloock

Ausstellung: 5. Mai bis 10. Juni 2012, Alte Post, Schloßstraße, Ludwigslust, geöffnet Do./Fr.: 15 bis 19 Uhr; Sa./So.: 14 bis 18 Uhr

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PORTRÄT

„Ich schwing mich auf die Schaukel“, aus dem gleichnamigen Kinderbuch (Gedichte von Eva Strittmatter).

„Wenn die Haifische Menschen wären“, Bertolt Brecht, Handpressendruck Officina Ludi 2003.

„Die Baumräuber“ Titel des gleichnamigen Kinderbuches, Text Wolf Spillner.

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KUNST

Im Galerie hinter dem Rathaus organisiert zehn Ausstellungen im Jahr Radierungen, Lithografien, Holzschnitte, Malerei, Installationen, Fotografie: Vielseitigkeit lautet das Motto der Galerie hinter dem Rathaus in Wismar. Es gibt keinen einzelnen Galeristen, der bestimmt, was gezeigt wird, sondern eine Gemeinschaft – die Gemeinschaft Wismarer Künstler und Kunstfreunde e.V.. Alle 22 Vereinsmitglieder entscheiden gemeinsam, wer seine Werke hinter dem Rathaus präsentieren darf. Der insgesamt rund 155 Quadratmeter große Ausstellungsbereich des Vereines beginnt im Erdgeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes und wird in der ersten und zweiten Etage fortgeführt. Hier finden jährlich zehn Ausstellungen von einzelnen Künstlern oder Künstlergruppen statt. „Wir legen uns nicht auf einen bestimmten Stil fest. Entscheidend ist die Qualität der Werke. Durch die wechselnden Ausstellungen bleiben wir für Besucher interessant“, sagt Sabine Doll, die das Geschehen in der Galerie organisiert.

Begleitet werden die Expositionen von Lesungen, Diskussionsrunden oder Hörspielen. Seit 1999 versteigern Künstler des Vereins einmal pro Jahr eigene Werke bei einer Auktion. Der Erlös fließt in die Vereinskasse. Während dieser beliebten Veranstaltung gibt es auch eine amerikanische Versteigerung, die Bürgermeister Thomas Beyer moderiert. Während bei regulären Versteigerungen nur derjenige zahlen muss, der den Zuschlag bekommt, zahlt bei amerikanischen Versteigerungen jeder, der ein Gebot abgibt. Der Erlös kommt einem wohltätigem Zweck zugute. Bekannte Künstler wie Olaf Hoppe (Malerei/ Grafik), Jan Jastram (Holzbildhauer) und Britta Matthies (Malerei/ Grafikdesign) zählen zum Verein. Ein Drittel aller Ausstellungen bestreiten Künstler des Vereins. „Es bewerben sich viele von außerhalb, die bei uns ausstellen wollen. Es ist unmöglich, alle zu berücksichtigen“, sagt Doll. Die

Bernt Wilke, „Am Strand“, Öl auf Leinwand, 2009.

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Galerie von außen.

Künstler, die ihrer Werke in Wismar präsentieren, kommen aus ganz Deutschland und aus Skandinavien. Intensive Beziehungen gibt es seit den 1980er Jahren nach Uppsala, wo Künstler des Vereins in der Galerie 1 ausstellen. Umgekehrt sind die Schweden regelmäßig in der Galerie der Hansestadt zu Gast. 1979, zur 750-Jahrfeier der Hansestadt Wismar, wurde die Galerie an ihrem heutigen Standort, in der Straße „Hinter dem Rathaus“, eröffnet. Sie war zu dieser Zeit dem Stadtgeschichtlichen Museum Schabbellhaus angeschlossen und hieß daher auch Museumsgalerie. Nach der Wende war die Stadt nicht mehr an einer Weiterführung dieser rund 50 Quadtratmeter großen Ausstellungsstätte interessiert. Der Galerie drohte die Schließung. Der im Januar 1990 gegründete Verein, die Gemeinschaft Wismarer Künstler und Kunstfreunde e.V., übernahm sie und ist bis heute Mieter der Räumlichkeiten. Im Jahr 2000 begann die Sanierung des bau-

fälligen Gebäudes durch die Stadt Wismar. Am 21. August 2002 konnte Hinter dem Rathaus 8 eine Galerie über drei Etagen eröffnet werden. Im Erdgeschoss befindet sich nun ein Verkaufsbereich für moderne bildende und angewandte Kunst. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Druckgrafik. Es werden Radierungen, Lithografien, Holzschnitte, Siebdrucke regionaler und überregional bekannter Künstler angeboten. „Wir haben Besucher aus ganz Deutschland und aus dem Ausland. Unsere Stammgäste, die nicht nur aus Wismar kommen, besuchen uns zu jeder Zeit im Jahr“, sagt Sabine Doll. Wie viele Leute insgesamt schon da waren, weiß sie nicht. „Das ist doch unwichtig. Was zählt, ist, dass es ihnen hier gefällt“, sagt die 55Jährige. Und das ist sicher – davon zeugen zahlreiche positive Eintragungen im Gästebuch. www.galeriewismar.de Text & Fotos: Grit

Schreiter

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TÄàxá cÉÜéxÄÄtÇ in neuen Vitrinen AUSSTELLUNG

Die Porzellanausstellung im Schweriner Schlossmuseum Kaolin, Feldspat, Quarz – daraus werden Isola-

toren, Tafelgeschirr und Skulpturen hergestellt, also Gegenstände aus Porzellan. Denn Kaolin, Feldspat und Quarz sind die Grundmaterialien der Porzellanherstellung, ganz gleich, was man daraus macht. Feine und kostbare Dinge aus diesen eher profanen Zutaten vereint die international renommierte Porzellansammlung des Staatlichen Museums Schwerin. Ein Teil davon wird ausgestellt im Schlossmuseum, seit Februar wird das alte Porzellan in neuen, modernen Vitrinen gezeigt. Es war – wer sonst bei Schweriner Kunstsammlungen – Herzog Christian Ludwig I., der den Grundstock für die Porzellansammlung legte. Einige Stücke aus seinem Besitz zierten schon im 18. Jahrhundert die Schlossräume. In einer Inventarliste des Schweriner Schlosses aus dem Jahr 1752 sind 280 Porzellane verzeichnet. Aktuell werden im Schweriner Schloss, in den ehemaligen Kinderzimmern, in elf Räumen 380 Teile in 61 Vitrinen präsentiert.„In den Einzelvitrinen kommen Hauptstücke wie die Prunkvasen der Manufaktur KPM – ein Geschenk des preußischen Königs Friedrich

Prunkvase der Manufaktur KPM Berlin

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Von Raum zu Raum gehen, wandelnd durch die Porzellan-Zeiten. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


AUSSTELLUNG Wilhelm III. an seine Tochter Alexandrine – besser zur Geltung“, erzählt Antje Marthe Fischer, die Kuratorin der Ausstellung. Vom Ansatz her ist die Ausstellung mit ihrem chronologischen Aufbau gleich geblieben, wurde aber erweitert mit Objekten der Moderne aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. Die Umräum-Aktion in diesem Trakt des Schlossmuseums hat etwa vierzehn Tage gedauert und Antje Marthe Fischer in diesen Wochen den Begriff des „meditativen Tragens“ erfunden: „In Zeitlupe habe ich jedes Stück aus der alten Vitrine genommen und ganz, ganz langsam und ganz, ganz vorsichtig an den neuen Platz getragen. Für längere Strecken kamen die Stücke in Spezialkörbe“, erinnert sich die Kuratorin an die Aktion – bei der sie selbstverständlich Handschuhe getragen hat. „Wobei Porzellan, was Umwelteinflüsse angeht, ein sehr robustes Material ist. Aber die feinen Dekors und zierlichen Details, vornehmlich an den Plastiken von J.J. Kaendler, sind schon extrem empfindlich.“ Um so glücklicher – und auch ein wenig stolz – war Antje Marthe Fischer darüber, dass jedes Stück heil an seinem neuen Platz ankam. Der Rundgang beginnt mit Exponaten aus der Frühzeit der Meißner Manufaktur, mit dem so genannten Böttger-Steinzeug. Um 1707 wurde dieses rot-braune Steinzeug von Johann Joachim Böttger (16821719) angefertigt. Ein Vorläufer des „weißen Goldes“, des weißen Porzellans, für deren Herstellung mit einem „Patent“ am 23. Januar 1710 vom Kurfürsten August dem Starken die erste europäische PorzellanManufaktur gegründet wurde.

Altes Porzellan in modernen Vitrinen im Schlossmuseum.

Im Raum zwei sind Meißner Figuren zu sehen. Mehr als einhundert frühe Meißner Porzellanfiguren sind in der Schweriner Sammlung, 42 davon werden Johann Joachim Kaendler zugeschrieben, dem bedeutendsten Vertreter dieser Kunst. Neue Malerei- und Reliefdekore auf ßssner Geschirr – vornehmlich auf Frühstückservices, Duftgefäßen, kleinen Terrinen – zeigt Raum drei, Raum vier die Meißner Galanteriewaren wie akribisch gearbeitete Spielmarken-Garnituren, Necessaires, Tabakdosen. Die Arbeiten aus der Königlich Preußischen Manufaktur – KPM – sind nach Meißen das wichtigste und umfangreichste Gebiet der Schweriner Sammlung. Ihnen sind die Räume fünf und sechs gewidmet. Zu sehen sind Skulpturen und Tafelgeschirre im Stil des Klassizismus, in dunkleren Farbtönen, mit kostbaren Bemalungen und Vergoldungen. Objekte aus europäischen Manufakturen wie St. Petersburg, Wien, Sévres, Paris und aus weiteren deutschen Manufakturen wie Nymphenburg, Fürstenberg, Ludwigsburg und Gotha werden in den Räumen sieben und acht ausgestellt. Durch den enormen technischen Fortschritt konnte nach 1850 Porzellan massenhaft und damit preisgünstig hergestellt werden, so dass man es nun auch zum täglichen Gebrauch erwarb. Bekannt wurden die großen, komplizierten Modelle des Historismus auch als „Moabiter Barock“. Eindrucksvolle Beispiele sind im Raum neun zu sehen. Feiner, eleganter wird es mit Plastiken und Vasen des Jugendstils im Raum zehn und beendet wird der Rundgang mit Porzellan-Skulpturen von Ernst Barlach und Dorothea Charol im Raum elf. In den Räumen der Porzellansammlung stehen aber nicht nur reich und reichlich bestückte Vitrinen. Möbel, Öfen etc. komplettieren die Ausstellung ebenso wie rund fünfzig Gemälde.Vorwiegend von Künstlern, die aus Mecklenburg stammen oder für den Mecklenburgischen Hof tätig waren, sind die Werke und bereichern die Exposition. Die Herzoglichen Kinderbildnisse des zu seiner Zeit hochgeschätzten Balthasar Denner gehören ebenso dazu, wie Landschaften und kleinformatige Ölstudien von Carl Malchin und die farbintensiven Arbeiten von Franz Bartels. „Wir arbeiten mit der Vergangenheit für die Zukunft“, fasst Antje Marthe Fischer ihre Tätigkeit zusammen. Und in der Gegenwart kann, ja sollte man sich die Sammlungen im Schweriner Schlossmuseum anschauen. Feines Porzellan, sicher bewahrt hinter gesicherten Fenstern. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Fotos: Ecki Raff

Karin Gustmann

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KUNSTTRIPP AUFS LAND

LebensKÜNSTLER im Norden Carmen Blazejewski und Andreas Höntsch

E

in ungemütlicher Tag, feucht und trübe. Ein Blick aus dem Fenster des Hauses zeigt eine Endmoränen-Landschaft. Das Haus liegt fast einsam in dem kleinen Dorf Neu Nantrow, nahe bei Wismar. Wenn im Frühling im Garten die Obstbäume und Blumen blühen, sieht alles viel freundlicher aus. Carmen Blazejewski und Andreas Höntsch wohnen hier im Norden seit fast 20 Jahren mit ihren beiden Töchtern. Der Start war nicht einfach, denn das verlassene Haus und der Hof machten damals einen heruntergekommenen und verwilderten Eindruck. Ein hartes Stück Arbeit für die ganze Familie bis es wohnlich wurde. Künstler müssen auch Lebenskünstler sein, sich ein Umfeld schaffen, in dem sie schöpferisch tätig sein können, haben sie wohl damals gedacht.

Film- und Fernsehregisseur Andreas Höntsch Andreas Höntsch wurde 1957 in Berlin geboren und wuchs in Dresden auf. An der Hochschule für Film- und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg studierte er bis 1984 und schloss als Diplom-Film- und Fernsehregisseur ab. Nach seinem Studium arbeitete er als Regieassistent an der Semperoper Dresden und später im DEFA-Studio an verschiedenen Kino- und Fernsehproduktionen.

Theaterwissenschaftlerin Carmen Blazejewski Carmen Blazejewski, 1954 in Grimma bei Leipzig geboren, wuchs in Colditz auf und beendete ihr Studium an der Leipziger Theaterhochschule Hans Otto als Diplomtheaterwissenschaftlerin. Bis 1978 arbeitete sie an der Volksbühne am Luxemburgplatz in Berlin als Dramaturgin.„Benno Besson war damals Intendant und hat uns als Schweizer Kommunist in der DDR ungewöhnliche künstlerische Freiräume 28

Carmen Blazejewski mit Hund und Andreas Höntsch mit seinem Pferd. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


KUNSTTRIPP AUFS LAND ermöglichen können. Großartige Regisseure wie Fritz Marquardt und Karge/Langhoff sowie Heiner Müller haben mich dort geprägt“, erinnert sie sich. Dann wechselte sie als Dramaturgin und Autorin ins DEFA-Studio für Spielfilme nach Babelsberg und lernte ihren Mann Andreas Höntsch kennen.

Ihr gemeinsames Leben 1986 wurde die erste gemeinsame Tochter geboren. Seitdem ist Carmen Blazejewski freie Autorin und Dramaturgin und aus ihrer Feder stammen Bücher für Kinder und Erwachsene, Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke wie auch Filmdramaturgien. Dafür erhielt Carmen Blazejewski einige Auszeichnungen, zuletzt 2002 den ersten Jugendbuchpreis der Stadt Segeberg. An der Idee, Kinderbücher zu schreiben, sind natürlich auch die beiden Töchter beteiligt. Ihr erst 2011 erschienener Roman „Windhaus“ dreht sich um eine junge Frau in einem Dorf in Mecklenburg, das sich durch eine Vielzahl spannender Erzählstränge modellhaft zum Zentrum der Welt entwickelt.

Gemeinsame künstlerische Arbeit Andreas Höntsch und Carmen Blazejewski begannen ihren gemeinsamen Weg als Lebensund Arbeitsgemeinschaft. Insbesondere bei ihren Filmen ist das intensive Zusammenwirken nachvollziehbar. Auf der Seite der DEFA-Stiftung steht über ihn folgendes: „Andreas Höntsch gehörte zur letzten Generation von DEFA-Regisseuren, die bei der Produktion ihres Debütfilms von den Verantwortlichen der Studioleitung immer wieder vertröstet worden sind. Mehrere Jahre investierte er seine Kreativität in ein musikalisches Filmprojekt, das nicht fertig gestellt wurde.“ Er war noch bis 1990 künstlerischer Mitarbeiter der DEFA und wurde dann, als die DEFA abgewickelt wurde, entlassen. Erst nach 1989 erhielt der Regisseur die Chance, seinen ersten Film „Der Strass“ (1990) zu drehen, ein interessantes filmisches Thema aus der Umbruchzeit. Dieser Film wurde zur Hälfte MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

mit Ostmark und zur anderen Hälfte mit Westmark bezahlt, denn genau zur Wende begann der erste Drehtag. 1991 erhielt er den Publikumspreis beim MaxOphüls-Festival in Saarbrücken. Mit Leidenschaft und Idealismus mussten sie von Anfang an Schwierigkeiten überwinden. Seine Frau meint, dass sie ein ideales Team wären, weil sie sich in allen Fragen ergänzen können und trotzdem jeder seine Freiheit hat. Der zweite Spielfilm „Die Vergebung“ wurde über weite Strecken in Mecklenburg-Vorpommern gedreht und beide Künstler waren zu dem Zeitpunkt schon dabei, sich auf den Weg nach Norden zu machen und hierher umzuziehen. Die Filmfördermöglichkeiten in Mecklenburg-Vorpommern zwangen sie zur Konzentration auf Dokumentarfilme. „Baumnarren“, „Traumfänger“ und „Kleines Stück vom Schicksal“, der im Mai seine Mecklenburg-Premiere haben wird, widmen sich wichtigen Themen, mit denen sich beide intensiv auseinandersetzten: Das sind der sensible Umgang mit der Natur und das sinnerfüllte Zusammenleben der Menschen. Immer ging es ihnen darum, Verbündete bei der Arbeit für diese Anliegen zu finden. Dafür bot der Mecklenburg-Vorpommern-Film e.V. von Beginn an wesentliche Unterstützung. „Ohne das Filmbüro in Wismar und das engagierte Team mit seiner Geschäftsführerin Sabine Matthiesen an der Spitze wären viele Filme auch anderer Filmemacher niemals entstanden“, ist Carmen Blazejewski überzeugt. In diesem Jahr finden Dreharbeiten der beiden Künstler nicht nur in Mecklenburg, sondern auch in Patagonien und Feuerland statt. Ihr Film begibt sich auf die Spuren von Gunther Plüschow, einem deutschen Expeditionsforscher und Flugpionier, der in Chile und Argentinien als Nationalheld verehrt wird, in seiner Heimat Mecklenburg aber kaum Beachtung findet.

Ihr Zuhause mit vielen Bäumen und Tieren Im Zimmer ihres Hauses ist es warm geworden und Carmen

Blazejewski entledigt sich der warmen Jacke und einer dicken Weste. Es kommt eine grazile Frau zum Vorschein, die mit ihren langen krausen Haaren recht jugendlich wirkt. Neben ihrer schöpferischen Arbeit und den Tätigkeiten im Haus und Garten sammelt sie Kräuter und bereitet verschiedene Tees für jeden Geschmack zu. Die Familie liebt Tiere und hier ist Platz und die Möglichkeit zwei Pferde, Schafe, einen großen Hund und zwei Katzen wie auch Meerschweinchen zu halten. Wenn es die Zeit erlaubt, spielt sie auch Klavier. „Als wir in das Haus einzogen, wollten wir vieles aus eigener Kraft mit eigenen Händen bewerkstelligen, sogar einen eigenen Brunnen bauen. Es waren viele Hürden zu nehmen. Mit zwei Schafen bist du im Verein der Tierzüchter ebenso wie der Niederländer mit seinen 10.000 Tieren“, deutet Andreas Höntsch die Probleme an. Sie haben Obstbäume mit Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Kirschen und natürlich ein großes Kräuterbeet. Auch Rosen verschönern das Anwesen und wachsen gut. Immer wieder sind sie von der oft noch unberührten Natur in Mecklenburg begeistert. Zu den schönsten Stunden gehören die Ausritte. Manchmal sind sie 14 Tage lang unterwegs und alles, was sie brauchen, passt in die Satteltaschen. Das wunderbare Gefühl, plötzlich viel Zeit zu haben und frei von Pflichten zu sein, möchten sie auch anderen Menschen ermöglichen. Andreas Höntsch führt Wanderritte, seine Frau bringt ihre Entdeckungen in verschiedene Schreibkurse mit Kindern und Erwachsenen ein. Gerade für das therapeutische Schreiben hat sie neue Ideen gefunden. Andreas Höntsch vermittelt sein Fachwissen an Jugendliche weiter – als Dozent für Filmgestaltung an der Design-Akademie in Rostock und in der Medienwerkstatt des Filmbüros in Wismar. Das Ziel beider dabei ist, Kreativität zu wecken und Wege zu zeigen, wie sie künstlerisch umgesetzt werden können. Text & Foto: Monika Käning


Familiäre

Konzertatmosphäre in der Kunstscheune

Die Nakenstorfer Kunstscheune ist ein Geheimtipp für Musikliebhaber. Seit zehn Jahren ist sie Spielstätte für die Reihe „Junge Elite“ der Festspiele MV. Unter alten Fachwerkbalken musizieren ein Geiger, ein Cellist, der Mann mit der Oboe. Hinter ihnen und dem Gebälk der schwarze Flügel. Der Pianist muss,

um den Applaus des Publikums in Empfang zu nehmen, aus dem Fachwerk heraustreten und dazu den Kopf einziehen. Den Musikern gegenüber, keine zwei Meter nah, beginnt die erste Publikumsreihe. Familiär dicht. Wie bei einem kleinen Hauskonzert. Ein Vis-á-vis, das vor allem den jungen Künstlern zumindest zu Beginn ihres Konzertes den Adrenalinspiegel höher

Architektin Professor Johanne Nalbach hat die Kunstscheune liebevoll eingerichtet.

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treiben lässt. Denn, die Konzertgäste können ihnen auf die Finger schauen, verfolgen jede Geste, die vielleicht einen falschen Ton verraten würde, den man sonst nie gehört hätte, registrieren im Stillen die Schweißtropfen und würdigen das Engagement und Können der Meister oder derer, die es werden wollen, auf besondere Weise.

Nakenstorf Melodien verleiten zum Träumen. Da wandert der Blick auch schon mal durch die große Terrassentür, hinaus auf die grüne Wiese mit freilaufenden Gänsen und weidenden Schafen, mit Biertischen rund um eine riesige Kastanie bis hinunter zum still romantischen Neuklostersee. Kultur und Natur sind kaum irgendwo so vereint, wie hier in und an der Kunstscheune.

Die Salon Philharmoniker aus Leipzig beim Neujahrskonzert in der Kunstscheune. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


FESTSPIELE MV Nakenstorf ist ein kleines Urlauberdorf am Neuklostersee. Das reetgedeckte Fachwerkhaus ist Teil eines privat geführten Landhotels inmitten des Naturschutzgebietes „Sternberger Seenlandschaft“, etwa 15 Kilometer von Wismar und der Ostseeküste entfernt. Es ist ein Ort, wo Kultur gelebt wird. Unter anderem mit Konzerten der Reihe „Junge Elite“ der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Damit ist die Nakenstorfer Kunstscheune eine von derzeit 83 Spielstätten des über die Landesgrenzen hinaus bekannten und beliebten sommerlichen Musikfestivals. Dass solch ein Traum einmal in Erfüllung gehen würde, daran hatten Professor Johanne und Gernot Nalbach vor 21 Jahren nicht gedacht. Die Architekten aus Berlin waren 1991 voller Idealismus. Vor allem Johanne Nalbach hatte immer interessiert: „Wie sieht es hinter der Mauer aus?“, zudem hegte sie eine heimliche Leidenschaft: Wasser und Bauernhäuser. Eines Tages ergab sich die Gelegenheit, beides auf einen Streich zu bekommen. Sie kaufte ein Grundstück mit alten Gemäuern am Nakenstorfer See. „Von da an hatte dieses Gelände die Chance, langsam zu wachsen“, erzählt sie im lichtüberfluteten Hotel-Wintergarten mit Blick auf den See. „Ich habe schon viele Hotels in Deutschland gebaut und Kunst und Design in den Vordergrund gestellt. Meinen eigenen Grund und Boden gestaltete ich in kleinen Schritten nach meinen Wünschen und Vorstellungen.“ 1993 wurde das Steinhaus als Hotel eröffnet. Die daneben stehende, reetgedeckte Fachwerkscheune aus dem 19. Jahrhundert wurde ein Ort für Kunst und Kultur, denn das war ein großes, tief in der Familie verwurzeltes Anliegen der gebürtigen Wienerin. Allerdings merkte Johanne Nalbach schnell, wie schwer es ist, Interesse für ein Konzert, eine Lesung oder ein Puppenspiel zu wecken. „Wir stellen eine Menge auf die Beine, aber es bleibt schwierig, die Leute von nebenan hierher zu locken. Deshalb sind wir etwas zurückhaltender mit unseren Programmen geworden“, in der Stimme der HotelbeMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

sitzerin klingt eine leichte Enttäuschung mit. Nicht enttäuscht sein braucht Johanne Nalbach allerdings, wenn Festspielkonzerte in der Kunstscheune stattfinden. Seit zehn Jahren hat sie einen Vertrag mit der Festspielagentur. Vor allem Konzerte der Reihe „Junge Elite“ finden hier zweimal jährlich statt. Dann ist der kleine Konzertsaal mit bis zu 150 Gästen gefüllt. Diese kommen allerdings immer noch weniger aus der nahen Umgebung sondern eher aus Lübeck, Hamburg oder Berlin. Und viele sind „Wiederholungstäter“. Das hohe Niveau der Konzerte, die wunderbare Akustik der Nakenstorfer Spielstätte sowie das familiäre Ambiente gefällt den Musikliebhabern. Und natürlich die landschaftlich, romantische Umgebung, das Genießen eines Glases Wein beim Konzert. In der Pause wandelt man über den kurz geschnittenen Rasen bis hinunter an den blauen See, in dem sich Bäume und die weißen Wölkchen widerspiegeln. Nach dem Konzert wird zum liebevoll angerichteten Büfett eingeladen, zu dem sich auch die jungen Musiker gesellen und damit für das Publikum Künstler zum Anfassen werden. In diesem Jahr haben die Festspiele MV zwei „Junge Elite“-Konzerte in der Kunstscheune Nakenstorf gebucht: Das erste findet am Freitag, den 15. Juni 2012 um 19.30 Uhr mit Veit Hertenstein (Viola) und Francoise Killian (Klavier) und Werken von Robert Schumann, Sergej Prokofjew, Henri Vieuxtemps und Rebecca Clarke statt. Den zweiten Konzertgenuss bekommen die Musikliebhaber am Mittwoch, den 5. September 2012 um 19.30 mit Ramón Ortega Quero (Oboe) und Kateryna Titova (Klavier) mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms, Robert Schumann u. a. Johanne und Gernot Nalbach haben es nie bereut, dass sie sich „hinter der Mauer“ ein zweites Zuhause geschaffen haben. Denn dank ihres zuverlässigen Personals können sie an den Wochenenden in erster Linie zum Erholen nach Hause an den Neuklostersee kommen. Text & Fotos: Kerstin Erz

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KUNST

Naturschönheiten in Holz gemalt Olaf Hoppe hat sich auf mehrfarbige Holzschnitte spezialisiert – in seinem Bauernhaus in Stove erläutert er Besuchern gerne seine Arbeitsweise Seinen achtteiligen Zyklus „Genesis“, mit dem er die Entwicklungsgeschichte der Menschheit verdeutlichen will, hat Olaf Hoppe fast vollendet. Die rote Rose steht für die Liebe, die Muschel weist auf das Urelement Wasser hin, die Sonnenblume auf das Universum, der Efeu symbolisiert die Religion. Fehlt nur noch ein Motiv, das für die Bedeutung von Blut stehen könnte. Ein Jahr lang hat der Künstler und Grafiker nach dem Geeigneten gesucht. Im Frankfurter Palmengarten schließlich fiel ihm eine Blutblume (Haemanthus katherinae) ins Auge, mit ihrer imposanten, aus lauter Sternchen zusammengesetzten Blütenkugel eine beeindruckende Schönheit. Wie immer wenn sich der an der Kunsthochschule in Berlin/Weißensee Ausgebildete an einen Holzschnitt macht, hat er sein Motiv zunächst in Acryl gemalt. „Ich muss wissen, wohin ich will. Später beim Holzschnitt kann ich keine Korrekturen vornehmen“, erläutert er sein Vorgehen. Ziel seiner künstlerischen Arbeit – so macht er im Gespräch deutlich – sei das Durchbrechen unserer automatisierten Sehgewohnheiten. Er stelle zwar Dinge dar, die jeder schon gesehen hat. Doch durch seine Art der Darbietung bekommt man einen anderen Blick darauf. Die Blutblume beispielsweise ist – wie so oft im Schaffen Olaf Hoppes – aus allernächster Nähe gemalt. Unter der Oberfläche wird die Struktur kenntlich, wird der Aufbau deutlich. Das auf den ersten Blick Gesehene erfährt eine Verfremdung, wird zum Ungewöhnlichen. Reales scheint zum Surrealen zu werden, entfaltet auf diese Weise eine magische Anziehung. Quadratmetergroß steht das Acrylbild der Blutblume nun in der Werkstatt des Holzschneiders in Stove bei Wismar. Dient als Vorlage für die Druckplatten, an denen Olaf Hoppe anschließend akribisch arbeitet. 14 Tage Feinarbeit benötigt der Künstler für einen Druckstock, schält mit Stechbeitel und Schnitzmesser Stück für Stück kleinste Späne ab. Sechs, sieben manchmal auch neun verschiedene Holzplatten sind notwendig, um die später gewünschte Farbigkeit zu erreichen. Ziel aller Sorgfalt von Olaf Hoppe ist, das malerische Element auch im Druck zu erhalten. „Meine Bilder sollen klar und einfach sein, sollen den Betrachter emotional ansprechen“, unterstreicht der in Rostock geborene:„Bilder sind wie Raubtiere. Sie müssen einen anspringen, sonst ist es keine Kunst.“ 32

In seiner Galerie erläutert Olaf Hoppe Besuchern gern, wie er sich über verschiedenste Farbdrucke der Fertigstellung seiner kostbaren Holzschnitte nähert.

Bei der späteren Farbgebung verlässt sich der 52jährige auf sein Bauchgefühl, auf seine Erfahrung, die er in über 25jähriger künstlerischer Arbeit gesammelt hat. Nacheinander werden die Druckstöcke in einer Buchdruckmaschine eingespannt, mit verschiedensten Farbnuancen eingewalzt und Papiere darüber gezogen. Erst hier zeigt sich, ob das Werk gelungen ist. Wohl ein Vierteljahr arbeitet Olaf Hoppe an einem Bild.

Jedes Motiv, von dem ein Holzschnitt entstehen soll, wird zunächst in Acryl gemalt wie diese Blutblume beispielsweise.

Akribisch wächst unter den Händen von Olaf Hoppe der künftige Holzstock. 14 Tage arbeitet der Künstler an einem Druckstock.

Die hängen anschließend in der Galerie des 250Jahre alten Bauernhauses, in das Olaf Hoppe und seine Frau Pia immer wieder Gäste einladen. Das monatliche SonntagsDinner ist mittlerweile zu einer festen Einrichtung geworden. Bei gutem Essen und ausgewählten Weinen lassen sich zunächst jeweils bis zu 12 Personen kulinarisch verwöhnen. Anschließend bittet der Maler seine Gäste ins Atelier. Unterm Reetdach erläutert er ihnen die Entstehungsweise der kostbaren Holzschnitte. Gelegenheit, die seltene Handwerkskunst persönlich zu erleben, ist in diesem Jahr außerdem am 8. Juli. Dann öffnen Pia und Olaf Hoppe ihre Türen für Besucher. Beim Sommerfest können nicht nur die Rosenbilder an den Wänden bestaunt sondern im Rosengarten vor der Tür auch manch reale Rosen-Schönheit bewundert werden. Text & Fotos: Beate Schöttke-Penke

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KULTURERBE

Graues Pflaster statt grüne Perle Auf dem Pferdemarkt in Bützow reiht sich ein Baudenkmal an das andere. Zehn von zwanzig Häusern stehen unter Denkmalschutz- und kurz vor dem Verfall. Engagierte Bützower Bürger wollen dem toten Wohnquartier nun wieder Leben einhauchen.

Die alten Haustüren sind bedeutende Zeugnisse der Geschichte ihrer Häuser. In der Nummer 3 befand sich die alte Stellmacherei.

Die alte Brausefabrik am Pferdemarkt 1 wurde vor kurzem restauriert.

Im frisch renovierten Haus Nummer 8 sind gemütliche Wohnungen entstanden.

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In der ehemaligen Material- und Kolonialwarenhandlung hat der Verein PferdemarktQuartier den Kultursalon eingerichtet. Fotos: M. Heberer (4)

Kaum zu glauben: Das soll einmal ein Ort zum Verweilen gewesen sein? Ein Ort, an dem man spazieren ging, sich am Grün erfreute, für ein Schwätzchen am Zaun innehielt? Davon jedenfalls zeugen eine Hand voll historischer Postkarten. Darauf immer dasselbe Motiv: Pferdemarkt mit Denkmal. Aufgenommen im mecklenburgischen Bützow um 1900. Besucht man heute diesen Ort ist von alledem nichts mehr da. Keine Spaziergänger, kein Grün, schon gar kein Denkmal, vom modernen Brunnen in Form einer Pferdetränke einmal abgesehen. Soll das hier wirklich ein historischer Ort sein? Und wenn ja, was ist mit ihm passiert? Einwohnerschwund, Arbeitslosigkeit, fehlende Wirtschaftsansiedlungen, sinkende Geburtenrate – auch vor der knapp 7000 Einwohner zählenden Stadt Bützow hat die typische Entwicklung in der Region nicht halt gemacht. Leerstand, Verfall und Trostlosigkeit sind auch hier die Folge. Doch nicht alle wollen sich diesem Schicksal geschlagen geben. So haben sich im vergangenen Jahr einige Bützower Bürger zusammengetan und den Verein PferdemarktQuartier – Kultur und Region e. V. gegründet. Für Monika Missalla-Steinmann waren es vor allem die wenigen kulturellen Angebote und der extreme Leerstand, die ihr Engagement bei der Vereinsgründung beflügelten. „Wir wollen insgesamt mehr Leben und Bewegung in die Stadt bringen“, erzählt die 2. Vorsitzende. Sie vermisse die Vielfalt und Lebendigkeit, junge Leute mit Ideen und Visionen, und auch Multi-Kulti, wie sie es aus ihrer Heimatstadt Göttingen kennt, gäbe es in Bützow eindeutig zu wenig.

Auch wenn Bützow von 1760 bis 1789 Sitz der Volluniversität „Fridericiana“ war, ist die Stadt heute längst nicht mit einer traditionsreichen Universitätsstadt wie dem niedersächsischen Göttingen zu vergleichen. Dennoch sieht Monika Missalla-Steinmann viel Potenzial. „Die Resonanz auf unsere Veranstaltungen ist immer sehr groß und wir müssen fast jedes Mal zusätzliche Stühle organisieren“, freut sie sich. An solchen Abenden platzt der „Kultursalon“ im ehemaligen Kolonialwarenladen am Pferdemarkt 8 fast aus allen Nähten. Filmvorführungen, musikalische Darbietungen und Ausstellungen locken viele Bützower an, die von der Vereinsidee begeistert sind. Hinter all dem Engagement steckt natürlich auch die Hoffnung, die tote Wohngegend um den Pferdemarkt wiederzubeleben. Zwanzig Hausnummern zählt der Platz, der nach dem großen Stadtbrand im Jahr 1716 zunächst als Handelsplatz angelegt wurde. Gut die Hälfte der Gebäude steht unter Denkmalschutz. Und beinahe ebenso viele stehen ganz oder teilweise leer. Dabei war der Platz einmal eine richtige Perle und in den umliegenden Häusern wurde eifrig gewirtschaftet. Brausefabrik, Tischlerei, Stellmacherei, Gasthof, Kolonialwarenladen, Schmied, Bäckerei und Friseursalon – das alles hat es hier gegeben. Daneben das „Hospital zum Heiligen Geist für Arme“, 1571 gestiftet und, nachdem es 1716 abgebrannt war, auf Bestreben der Herzoginwitwe Sophie Charlotte wieder aufgebaut. Heute beherbergt es die Sozialstation der Diakonie. Gegenüber, im Pferdemarkt 8, wo vor knapp hundert Jahren noch MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


KULTURERBE

Um 1900 stand hier noch ein Denkmal für die Gefallenen des Krieges 1870/71 mit viel Grün.

Die graue Pflasterfläche auf dem Pferdemarkt entstand nach der Sanierung vor Foto: Verein Pferdemarkt-Quartier (2) ein paar Jahren.

die „Material- und Kolonialwarenhandlung Carl Drühl“ betrieben wurde, ist heute der „Kultursalon“ untergebracht. Die oberen Wohnungen wurden liebevoll saniert. Und auch in andere Häuser des Pferdemarktes zieht allmählich wieder Leben ein. Das Fachwerkhaus am Pferdemarkt 1, das einst die historische Brausefabrik beherbergte, ist restauriert. Die Stadt plant die Modernisierung weiterer Gebäude. Doch eines fehlt weiterhin auf dem Pferdemarkt: Das Grün. Dabei sah es bis vor einigen Jahren gar nicht so trostlos aus. Seit 1882 stand auf dem Platz ein Denkmal für die Gefallenen des Krieges 1870/71. Hübsch eingezäunt und rundherum bepflanzt. Alleebäume säumten die Wege vor den Häusern. Der Stein wurde 1964 abgetragen, auf Pflanzen legten die Anwohner aber offenbar weiterhin einigen Wert. Fotos jedenfalls zeuMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

gen davon, dass noch bis vor ein paar Jahren Birken und eine etwas verwilderte Grünfläche die Mitte des Pferdemarktes prägten. Von dieser grünen Oase, wie es in einem Zeitungsartikel vom Juni 2003 heißt, ist nun nichts mehr übrig. Nur ein kleines Stück Erdreich inmitten der Pflasterfläche ist geblieben. Dort steht ein einziger mickriger Baum. Doch seit kurzem blühen hier im Sommer bunte Wiesenblumen. Vereinsvorsitzender Gottfried Hägele hat sich des kleinen Fleckchens Erde angenommen. Er will die Hoffnung nicht aufgeben, dass der Pferdemarkt in Bützow irgendwann doch wieder ein Ort zum Verweilen sein wird. Schließlich hat sich der Platz im Laufe der Geschichte schon einmal komplett gewandelt: vom morastigen Viehhandelsplatz zur grünen Perle der Stadt. Manuela Heberer

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Der Weberhof ist heute Wohnhaus.

Foto: Steinhagen

GEWEBTE KUNST FÜR BELGIEN Lübz ist vor allem durch das gute Bier bekannt. Doch die Kleinstadt an der Elde beherbergte einst die einzige exportierende Handweberei der DDR – den Weberhof. Er wurde 1957 direkt am Gerberbach von Gretel Schmitz und Gottfried Hensen gegründet. Bis 1989 wurden hier tausende Kissenplatten, Tischdecken und Wandbehänge hergestellt. Bereits 1947 begann Gretel Schmitz in Lübz mit der Handweberei. Auf der Elde lag ein Kahn mit Garn – Material war vorhanden. Fünf Jahre später bestand die Handwerkerin die Meisterprüfung, 1955 erhielt sie die Anerkennung als Kunsthandwerkerin. Gottfried Hensen arbeitete zunächst als Ingenieur in Eisenach. Er war schon immer künstlerisch interessiert. Nach dem Krieg hatte auch er Glück – in Eisenach standen einige Eisenbahnwaggons mit Garn. Hensen eröffnete eine Werkstatt für Textilgestaltung und Handweberei. Der Meisterbrief kam 1952, 1954 die Anerkennung als Kunsthandwerker. Das Geschäft wuchs, aber in der Wartburg-Stadt waren keine Mitarbeiter zu bekommen. Schmitz und Hensen kannten sich, beide stellten immer wieder auf der Leipziger Messe aus. So kam es, dass der in Ahrensburg geborene Gottfried Hensen zurückging in den Norden. Im Weberhof arbeiteten ständig acht bis zehn Mitarbeiter. Gottfied Hensen war der künstlerische Kopf, Gretel Schmitz kümmerte sich um das Betriebswirtschaftliche und auch um die 36

Gottfried Hensen und Gretel Schmitz bei der Auswahl für eine Ausstellung

Foto: Ernst Höhne

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HISTORIE

Produkte vom Weberhof im Museum.

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Foto: Paschke

Lehrlinge. Das waren insgesamt immerhin 50 in den vielen Jahren. Gudrun Hensen bewahrt den Nachlass ihres Mannes. Lebendig erzählt sie, wie das war – damals in der DDR. Material bekam der Weberhof durchaus ausreichend. Über Aufträge konnten sich die Kunsthandwerker nicht beklagen. Aber es gab viele absurde Begebenheiten. Da bestellte die Pädagogische Hochschule „Liselotte Herrmann“ in Güstrow einen Wandbehang für den Eingangsbereich. Inspiriert durch eine Reise in die Sowjetunion entwirft Gottfried Hensen sein Kunstwerk: kleine Basiliken mit Zwiebeltürmchen am unteren Bildrand, darüber sich scheinbar bedrohlich beugende Hochhäuser. Die Hochschule freute sich und bezahlte. Doch der Wandteppich hing nicht lange im Entree. Eine Parteidelegation befand, dass das eine negative Darstellung des Sozialismus war. Die Hochschule wollte das Kunstwerk zurück geben und forderte den Kaufpreis zurück. „Wir hatten aber Verträge und haben uns geweigert“, erzählt Gudrun Hensen verschmitzt lächelnd. Dem Geschäft tat das keinen Abbruch. Auf der Leipziger Messe orderten alle Kunstgewerbegeschäfte der DDR die Produkte des Weberhofes. Es konnte gar nicht so viel produziert werden, wie nachgefragt wurde. Die legendären Kissenplatten im Waffeldesign beispielsweise.

Die wichtigsten Aufträge kamen aber von der Kirche.„Es war mit dem kirchlichen Kunstdienst viel einfacher, als mit dem staatlichen Kunsthandel der DDR“, erinnert sich Gudrun Hensen. Und so kam es, dass in Lübz Altarteppiche für die Wartburg-Kapelle entstanden, oder Priestergewänder für katholische Pfarrer. Das Ornat für den Weihbischof der Erfurter Domgemeinde wurde auf dem Weberhof ebenso gewebt, wie Antependien für 40 evangelische Gemeinden. Priestergewänder und Altarparamente wurden nach Belgien, Frankreich, Dänemark und auf die Philippinen exportiert. „Dafür bekamen wir DDR-Geld und Forumschecks“, sagt Gudrun Hensen. „Die Forumschecks mussten allerdings bei nur einem Einkauf im Intershop ausgegeben werden.“ Einmal waren es 500 DM. „Das war viel Geld, wir wussten gar nicht, was wir alles kaufen sollten.“ Gottfried Hensen kümmerte sich aber nicht nur um die Weberei. Er war auch künstlerischer Leiter bei der Umgestaltung der Lübzer Stadtkirche im Jahre 1962. Nachdem der Weberhof schließen musste, wirkte Gottfried Hensen weiter in Lübz. Das Denkmal für den Bürgermeister Rudolph Westphal hat er 1995 entworfen. Der Künstler starb 2006. Das Stadtgeschichtsmuseum besitzt viele seiner Arbeiten. Gert Steinhagen

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HISTORIE

Unweit der neuen Obotritenring-Brücke über den Aubach: Die historische Mühlendamm-Brücke

Foto: privat

Das vergessene Denkmal Wer ganz genau hinschaut, kann die Jahreszahl 1773 entdecken – eingemeißelt in einen Feldstein des Fundamentes. Der Nachweis dafür, dass hier die älteste, noch erhaltene Brücke Schwerins steht. Heute ist sie ungenutzt und weitgehend unbekannt, und doch hat sie Geschichten zu erzählen. Das gemauerte Gewölbe ist stark sanierungsbedürftig, doch es überspannt immer noch den Aubach ganz in der Nähe des heutigen Bürgermeister-Bade-Platzes. Als sie gebaut wurde, ersetzte sie wahrscheinlich einen hölzernen Vorgängerbau. Denn sie war für die Bauern aus den Dörfern westlich der Residenzstadt wichtiger Zugang zur Stadt und Anfahrtsweg zur Bischofsmühle, die unmittelbar neben der Brücke stand und bis 1914 betrieben wurde. Das Gebäude ist längst abgerissen, doch das Loch für ein Lager des mächtigen Wasserrades ist noch gut zu erkennen. Und es ist Zeugnis für den Beginn industrieller Entwicklung an dieser Stelle der Stadt.

In einer historischen Schrift heißt es: „Die Bischofsmühle war in alter Zeit nicht in die Stadt einbezogen; sie lag sogar weit von ihr entfernt…“. Das im 20. Jahrhundert abgebrochene Gebäude wurde 1763 errichtet. Erstmalig urkundlich erwähnt ist die Mühle jedoch bereits 1331. Müller war ein gewisser Johannes. Ein unbefestigter Feldweg zur Mühle verlief etwa in Richtung des heute leer stehenden Gebäudes der Reichsbahndirektion. Dieser Weg war 1850 nicht mehr vorhanden, denn die Eisenbahnstrecke von Hagenow über Schwerin nach Wismar ging in Betrieb. Ein neuer Abschnitt der Industrialisierung Schwerins in

unmittelbarer Nachbarschaft der Mühlendammbrücke war angebrochen. Doch die Entwicklung ging weiter. Am 1. März 1855 ging zwischen Bahndamm und Aubach die Gasanstalt in Betrieb. Bis 1980 lieferte sie Gas für das städtische Netz und war damit eines der letzten „Inselgaswerke“ in der DDR. Danach wurde auf seinem Gelände eine Ferngasübernahmestation gebaut. Die Brücke hatte in dieser Zeit „zu leiden“. Nicht mehr als Verkehrsverbindung benötigt, wurde sie mit Betonträgern überbaut, Rohrleitungen wurden unter ihr installiert. Aber die Mühlendammbrücke war weiterhin vorhanden – inzwischen ver-

steckt hinter skurrilen Mauern vom Bürgermeister-Bade-Platz aber nicht mehr sichtbar. Mit dem Abriss des Gaswerkes und dem Bau eines Parkplatzes geriet die Brücke in Vergessenheit. Zwar ist sie auf der Denkmalliste Mecklenburg-Vorpommerns aufgeführt, war aber ohne Funktion von keinerlei öffentlichem Interesse. Das änderte sich kurzzeitig mit den Planungen für die Bundesgartenschau 2009. Zunächst war jenseits der Eisenbahn die Entwicklung des „Hopfenbruchparks“ vorgesehen. Ein „grünes Band“ sollte von dort über die Mühlenbachbrücke in die Schweriner Innenstadt führen. Doch aus finanziellen Gründen wurden diese Pläne bald schon obsolet und so fiel die Mühlenbachbrücke erneut dem Vergessen anheim. Heute ist der städtische Eigenbetrieb Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen Schwerin (SDS) für das marode Bauwerk zuständig. Es gibt auch Pläne: Ein Fußund internationaler Radweg sollen irgendwann einmal über die Brücke führen, Informationstafeln auf die eindrucksvolle Geschichte an dieser Stelle hinweisen. Aber immer wieder das Problem: die Finanzen. Dabei könnte die Sanierung des Bauwerkes durchaus kostengünstig erfolgen und beispielsweise Auszubildenden alte Handwerkstechniken vermitteln. Nach einigen verheerenden Stadtbränden, dem Bau von Repräsentativbauten für die Residenz und sozialistischem Abrisswahn gibt es in Schwerin nicht mehr viele alte Bauwerke. Die Mühlendammbrücke hat die Läufe der Geschichte jedoch überstanden. Sie sollte erhalten werden. Gert Steinhagen

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Bauer Korl`s Golchener Hof Jörg Klingohr Golchener Hof 1 19412 Golchen (bei Sternberg)

Hallo Korlegen von die Szeitung, hier ist euer Bauer Korl ut Golchen bi Brüel… Neulich da dachte ich, als ich im Wartezimmer vom Ornitulogen saß, den ich wegen meinen Ischatz besuchte und bi de Gelegenheit dat Delüx in Hochglanz inne Hände hielt: Warum bin ich nich ma mit der Geschichte von meine weiterentwickelte LPG in so eine traumhafte Ausgabe von eure Illustrierte. Natürlich nur als Ausgleich oder Gegengewicht zu all die wichtigen erfolgreichen und extrawerganten Personen und Institutionen auf die anderen Seiten von euern Glanzblatt. Meistens erzähle ich ja nur abends, irgendwo quer durchs Land unterwegs, von meine Lebensgeschichte, doch

Vieles mehr auf dem Golchener Hof Hinter der Figur Bauer Korl verbirgt sich Jörg Klingohr, der seinen beruflichen Schwerpunkt im eigenen Wirtschaftspsychologischen Institut – „wi.ps“ gesetzt hat. Seit mehr als 10 Jahren berät dieses Institut Unternehmen, Verwaltungen, Politik und Führungskräfte weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus in ganz Norddeutschland. Schwerpunkte sind Führungskräftetraining, Personalauswahl, Eignungsdiagnostik und Unternehmensstrategie.

wenn ich dat büschen hinschreibe und einer lesen kann, dann geiht dat auch fürne Szeitung… Als meine LPG kein Schwein mehr hatte, musste wat Neues in Stall und wennt geiht auch noch wat zum Überleben. So bauten wir und die andren Hartz IV-ler aus unsen Dorf aus den Schweinebuchten Ferienzimmer und aus den Düngerschuppen ein Hoftheater. Und siehe da, die Texte, die früher zu die Ostzeiten auf die Parteiversammlung die Genossen zum weglaufen brachten, trieben nun die Gäste in Scharen in mine nuwolosen Veranstaltungen. De größte Cloo in diese Verfolgsgeschichte ist ab diesen Sommer die Eröffnung von dat niege Bauer Korl´s Bauernhofhotel auf dem Golchener Hof.

Rutztikale Kämenaten warten auf den Kenner bester ländlicher Anspruchslosigkeit für den gehebelten Gast von Welt. Zum Hotel gehört auch unsere große Bauernhoftenne mit fast 500 Plätzen und einem offenen angeschlossenen zünftigen Restaurant. Da dat eußere von mich zu wünschen lässt, freue ich mich auf die ländlich entspannende SPA Remise im Hotel. Kaminzimmer, Bibliothek und Seminarräume bieten Platz für alle die noch wat veranstalten und lernen wollen oder müssen.

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MODE

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1. Topmodel Gisele Bündchen setzt auf Netzpulli und Chinos in der Trendfarbe Rost (Esprit). 2. Pulli im Streifen-Look von Marc O’Polo. 3. Mit dieser Jeans können Sie Farbe bekennen (Marc O’Polo). 4. Bond No. 9 Little Italy – duftende Komposition für Sie und Ihn. 5. Der fröhlich-bunte Cocktailring ist von Friis & Company. 6. Diese Tasche kommt im fruchtigen MangoTon daher (Picard). 7. Das kuschelweiche Kaschmirtuch ist von Heartbreaker.

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8. Knallige Farben, witzige Namen und die schwarze Schleife sind die Markenzeichen von den CiatéNagellacken (Douglas). 9. Sehr edel und extravagant: das kleine Orangefarbene (Marc O’Polo). 10. Mit der neuen Palette „Blush Horizon“ von Chanel lassen sich tolle Effekte erzielen. 11. Heißer Mix: Der Schuh punktet mit Orange und Pink (Friis & Company). 12. Für Männer, die sich in Sachen Mode was trauen: Chinos in tropischem Orange (gesehen bei H&M).

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MODE

Trendfarbe Orange! Wir lieben Orange! Ob in Koralle, Pfirsich oder Zimt – die neue Trendfarbe leuchtet in allen Nuancen und macht einfach gute Laune! Im Frühling und Sommer 2012 kommen wir um eine Farbe nicht herum: Orange! Pullis, Kleider, Handtaschen, Schuhe oder Nagellack – alles ist derzeit in dem fruchtig-fröhlichen Ton zu haben. Optimal kommt die neue Trendfarbe mit leuchtendem Weiß oder mit Naturtönen wie Sand, Oliv oder Braun zur Geltung. Modemutige wagen den Komplettlook, kombinieren Ton in Ton oder zwei scheinbar gegensätzliche Nuancen wie Orange und Pink. Ebenfalls perfekt dazu: edle Accessoires in knalligem Türkis.Wer etwas mehr Zurückhaltung liebt, kann mit orangefarbenem Zubehör Akzente setzen – etwa einem schönen Tuch in Rostrot oder einem Cocktailring in Koralle. Das Beste an Orange: Die Newcomer-Farbe passt einfach toll zu allen Hautnuancen und bringt den Teint wunderbar zum Strahlen. Denn Orange schmeichelt blonden Typen mit heller Alabasterhaut genauso wie dem südländisch-gebräunten Typ. Deshalb ganz wichtig: Immer schön Haut zeigen! Britta Matzen

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Fotos: Hersteller

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RUBRIK

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Das Land bei der „USEDOM BALTIC FASHION meets Berlin“ – Designer Brandenburger Tor und erhielten die Nominierung Fashiondesigner aus dem baltischen Raum waren im Januar erneut am internationalen Modestandort Berlin bei der MercedesBenz Fashion Week dabei. Alise Trautmane (mit ihrem Label Narciss) aus Lettland, Elin Engström aus Schweden, Lilli Jahilo aus Estland und Gregor Gonsior aus Polen zeigten ihre Kollektionen auf dem BALTIC FASHION CATWALK. Die Show am 20. Januar 2012 im Hauptzelt am Brandenburger Tor war nicht nur eine aufregende Präsentation des kreativen Potenzials aus dem Ostseeraum sondern auch eine einzigartige internationale Plattform. Das Land Mecklenburg-Vorpommern und die „Kaiserbäder Insel Usedom“ zeigten sich erneut als Unterstützer eines kreativen Bereiches, der im Ostseeraum lange Traditionen hat und der für das Zusammenwachsen als europäische Region von großer Bedeutung ist. Dem trägt auch das EU-Projekt„Baltic Fashion“ Rechnung,an dem Partner aus sieben Ländern beteiligt sind und mit dem ein baltisches Fashion-Netzwerk entsteht. Der Jahrgang 2012 beim BALTIC FASHION AWARD ist wieder ein ganz besonderer. 11 Kollektionen haben es aus über 100 Bewerbern geschafft und sind nominiert für diesen internationalen Modewettbewerb. Die 13 Designer erhielten ihre Nominierungsurkunden am 20. Januar 2012 in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern bei „USEDOM BALTIC FASHION meets Berlin“. „Für Mecklenburg-Vorpommern bietet die Zusammenarbeit im Ostseeraum beste Zukunftschancen. Die Modenschau Usedom Baltic Fashion verstärkt diese Zusammenarbeit auf kreative Weise und ist wichtiger Werbeträger für unser Land,“ so Ministerpräsident Erwin Sellering. Auch in diesem Jahr ist einer der AWARD-Preisstifter das Wirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern. „Baltic Fashion hat sich zu einem Markenzeichen MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

im Ostseeraum entwickelt. Die Veranstaltungen haben sich im umkämpften Wettbewerb der Modebranche einen Namen gemacht. Produzenten, Händ-

ler und Designer haben hier eine Plattform bekommen, ihre Produkte einem interessierten Publikum zu präsentieren. Die Nominierungen und auch die Awardverleihung strahlen weit über die Grenzen von Usedom hinaus.Die Zuschauer können sich auch diesmal über ein abwechslungsreiches Angebot der Modeschaffenden freuen“, sagte Dr. Stefan Rudolph, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Bau und Tourismus.

Fashion Week des Ostseeraums präsentierten sich am für den Award. 11. BALTIC FASHION AWARD BRIDGE OF FASHION (im Umfeld der EM)

am 20./21. 4. 2012 am 30. 6. 2012

www.usedom-baltic-fashion.de Fußball und Meer erleben im Juni 2012 Bewohner der „3 Kaiserbäder“, Swinemündes und Usedoms sowie ihre Gäste. Der Strand neben der Seebrücke des Ostseebades Heringsdorf auf der Insel Usedom wird zur Außenstelle des ZDF für die Berichterstattung von der Fußball-Europameisterschaft aus Polen und der Ukraine und zugleich zur einzigartigen Public ViewingArena am Meer. Bis zu 1000 Besucher können hautnah alle Spiele der 16 Mannschaften aus allen Teilen Europas erleben – analysiert vom Moderatorenpaar Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn bzw. in Gesprächen mit weiteren Experten. Das ZDF hat auf Usedom sehr entgegenkommende, offene und lösungsorientierte Partner getroffen, mit denen von Beginn an ein harmonisch geprägtes Miteinander möglich war. Zu den Partnern bei den Event-Highlights gehören auch das Landesmarketing MecklenburgVorpommern und der Landesgolfverband.

Ministerpräsident Erwin Sellering und Ehefrau Britta präsentierten den Landesbeitrag auf der Mercedes-Benz Fashion-Week in der Landesvertretung. Dabei waren auch der Bürgermeister der Kaiserbäder Klaus Kottwittenborg (r.), Dr. Karin Lehmann, stellvertretende Kurdirektorin von Usedom sowie der Präsident des Landesgolfverbandes und Unternehmer Rüdiger Born. Fotos: Acksteiner Events

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MODE

Ein Hauch von Skandinavien Peggy Heuer verkauft exquisit Marken aus dem hohen Norden. Skandinavien. Bei diesem Stichwort denkt man automatisch an faszinierende Landschaften, unendliche Weiten, klare Luft und herzliche Menschen. Skandinavische Mode spiegelt genau die Eigenschaften wieder, die uns am hohen Norden so faszinieren. Die Zeiten, in denen man europäische Mode vor allem mit Italien oder Frankreich verband, sind vorbei.

Peggy Heuer in ihrer Boutique in Wismar.

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Skandinavische Mode zeichnet sich durch Klarheit aus, ist aber gleichzeitig absolut außergewöhnlich. „Diese Balance zwischen Originalität und Schlichtheit bekommt niemand so gut hin wie die Skandinavier“, ist Peggy Heuer überzeugt. Sie bietet diese exklusive Mode in ihren beiden „My Freja“-Boutiquen in Wismar und Grevesmühlen an. Betritt man das Geschäft in dem denkmalgeschützten Haus in der Lübschen Straße, gleich neben Karstadt in Wismar, spürt man sofort die individuelle, einzigartige Atmosphäre. Das liegt nicht nur an den exquisiten Marken, die die gebürtige Rostockerin dort anbietet. Auch die gesamte Einrichtung ist einzigartig. „Ich habe mir das Konzept ausgedacht und viel selbst Hand angelegt“, sagt die 37-Jährige. Einen Kleiderwagen hat sie zum Beispiel aus Wasserrohren gebaut. Daneben liegen wunderschöne Tops, Shirts und Basics auf einer Holzplatte, an die Peggy Heuer Beine eines alten Bettes montiert hat. Dem Schaufenster verleihen Bohlen aus Treibholz, gefunden im Hamburger Hafen, nordisches Flair. Skandinavien fasziniert Peggy Heuer schon lange. Seit 13 Jahren fährt sie mit Ehemann Sven und den beiden Kindern Pitt (11) und Faymi (7) nach Skagen, die nördlichste Stadt Dänemarks, in den Urlaub. „Die Ruhe dort ist traumhaft, man kann herrlich abschalten“, sagt die Geschäftsfrau. Ein Stück skandinavischen Ostseestrand hat sie mit in das Wismarer Geschäft gebracht: Sand und Muscheln aus Skagen verzieren eine Wand. Darin ist der Schriftzug „My Freja“ eingebrannt. Schon vor der Eröffnung der ersten „My-Freja“-Boutique in Grevesmühlen 2008 interessierte sich Peggy Heuer für skandinavische Mode. Meist kaufte die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau ihre Kleider im Dänemark-Urlaub oder über entsprechende Internet-Shops. „Die Sachen sind elegant, hochwertig und bieten das gewisse Etwas. Dazu gehören aufwendige Stickereien oder detailverliebte Spitzeneinsätze“, sagt die Geschäftsinhaberin. Sie mag Naturmaterialien wie Baumwolle und Leinen. „Das sind Stoffe mit Struktur.“ Um sich über künftige Trends zu informieren, fährt Peggy Heuer regelmäßig zu Modemessen, wie der „Bread and Butter“, die im Januar und Juli in Berlin während der Fashion-Week stattfindet, oder zur Kopenhagen-Fashion-Week im August. Die Reisen inspirieren sie. Nicht selten entdeckt sie dabei neue, bislang unbekannte Label. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


Skandinavische Mode und Schuhe vor echtem Ostseesand

Auch Männermode gibt es bei „My Freja“, zum Beispiel legere Chinohosen, Sweater und Shirts von Solid. „In unsere Geschäfte kommen viele Pärchen, da wollen wir die Männer nicht benachteiligen“, berichtet Peggy Heuer. Für kleine Mode-Ikonen gibt es eine eigene Kollektion. Das Tolle:

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Mutter und Tochter können im Partner-Look gehen, denn es handelt sich bei der Kinderkollektion um dieselben Kleider, Tuniken und Cardigans wie für Mama, nur im Mini-Format. Zu „My Freja“ gehören neben den Geschäften in Grevesmühlen und Wismar, wo insgesamt acht Mitar-

beiter angestellt sind, auch ein Online-Shop und ein Fashionblog. Um die Internetauftritte kümmert sich vor allem Mitarbeiterin Jenny. In einem extra Raum des Wismarer Geschäfts, der einem professionellen Atelier ähnelt, fotografiert sie zum Beispiel die Kleidungsstücke, bearbeitet die Bilder am Computer

und stellt sie anschließend bei www.myfreja.de online. Im Blog, den täglich rund 500 Nutzer anklicken, gibt mitunter Peggy Heuer persönlich Tipps, welche Kleidungsstücke man miteinander kombinieren kann und berichtet über neue Styles. Text & Fotos: Grit Schreiter

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HOBBY

Gestalten mit gesteppten Stoffen Kerry Jonitz begeistert sich für das Patchworken – in ihrer Freizeit wagt sich die Berufsschullehrerin immer wieder an neue Herausforderungen Die Kuscheldecke „Rosa-RotRund“, die Tochter Heide bekommen soll, liegt auf der Galerie des Wohnzimmers im Plater Einfamilienhaus. Kerry Jonitz sitzt hier liebend gern bei ihrer Freizeitbeschäftigung. Die großen Fenster gehen in den Garten, lassen viel Licht herein. Hier oben gerate ich schnell in ein intensives Gespräch mit der Quicklebendigen. Spürbar wird: Hier brennt jemand für eine Sache! Hier hat sich jemand ein großes Wissen angeeignet; kann jemand seine Kreativität ausleben! Und ist deshalb sehr mit sich im Reinen. Die rosarote Decke für die Tochter also liegt auf einem Handquiltständer, der aussieht wie ein großer Stickrahmen. Sie ist aus vielen Stücken zu einem formalen Muster zusammengesetzt und wie jede Patchwork-Arbeit dicht mit Stepplinien versehen. Kerry Jonitz zeigt auf die verschiedensten Stoffstücke und erzählt: „Das ist aus einem Rock meiner Schwester, das von einer Kittelschürze meiner Oma, das aus einem Hemd meines Mannes, das aus einer Bluse von…“ Solche Aufzählungen kann sie vor jeder ihrer textilen Arbeiten, die in vielen Zimmern des Hauses an den Wänden hängen, machen. Ja, versichert die 50jährige mit der markanten Kurzhaarfrisur, sie wisse bei jeder entstandenen Arbeit von wem die einzelnen dazu verwandten Stoffe kamen. Ein Einblick in ihre kleine Arbeitswerkstatt gleich hinter der Küche ergibt später: Dort stapeln sich nicht nur Hunderte Stoffe – in einzelnen Schubladen nach Farben sortiert – sondern 46

auch ebenso große Mengen an Knöpfen, Bändern, Bordüren, Garnen, Stickarbeiten und Zierrat. Und für alles, aber auch wirklich alles kann Kerry Jonitz die Herkunft benennen.

An ihrer Pfaff-Nähmaschine arbeitet Kerry Jonitz am liebsten. In der Arbeitsecke gleich neben der Küche ist sie umringt von ihrer Stoff-, Knöpfe-, Bänder- und Garnsammlung.

Die Leidenschaft für das Gestalten mit Stoffen liegt der in Schwerin Großgewordenen wohl in den Genen. Die Uroma war Weißnäherin, die Oma Damenschneiderin, von der Mutter schließlich lernt Kerry Jonitz mit 12 Jahren die Grundlagen des Nähens. Ihr Jugendweihekleid schneidert sie sich selbst. Nach der politischen Wende in Deutschland, nun, da es faktisch alles zu kaufen gibt, gerät das Selbermachen ins Hintertreffen. Dennoch sammelt die Platerin weiterhin Stoffe mit interessanten Mustern, Farben und Oberflächen. Wegschmeißen empfände sie oft als zu schade. Zu dieser Zeit arbeitet sie als Musiklehrerin an einer Realschule. Deren Direktorin rät ihr, doch eine Nachqualifizierung für ein zweites Unterrichtsfach zu machen. Kerry Jonitz entscheidet sich für Kunst, setzt sich drei Jahre lang nach Feierabend und an den Wochenenden auf die Schulbank. Neben ihrem Job und dem Familienleben mit den beiden Kindern Benno und Heide ein hartes Brot. Drei Erlebnisse jedoch werden wegweisend und kraftgebend. In der Weiterbildung wird auch der Abschnitt „Textiles Gestalten“ behandelt. Kerry Jonitz hört zum ersten Mal von „Patchwork“, fertigt eine erste Stoffcollage. Sie fühlt sich in

Ausgangspunkt dieser freien Stoffarbeit war die Zahl 5. Kerry Jonitz verwandte für sie fünf Farben, wählte fünf Arbeitstechniken, bekam aus fünf Quellen die Stoffe, schnitt zwei mal fünf Stoffstücke aus, arbeitete – wie sie nach der Fertigstellung bilanzierte – an fünf Wochenenden daran, verwandte die fünfte Nähmaschine und ihr fünftes Bügeleisen.

Stickerinnen fertigen gern ein Stickmustertuch an. Kerry Jonitz hat gleich ein ganzes Buch gearbeitet. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


HOBBY ihrem Element, ahnt, daran könnte sie viel Spaß haben. 2001 gibt es im Wiligrader Schloß eine Ausstellung, in der traditionelle und moderne Patchworkarbeiten gezeigt werden. Sie führt Besucherin Kerry Jonitz vor Augen, was sich alles mit dieser Handarbeitstechnik fertigen lässt. Wenig später schließlich treffen sich Patchwork-Interessierte zu einem Regionaltreffen in Schwerin Mueß, unter ihnen Kerry Jonitz. Danach ist diese felsenfest überzeugt: Auch sie will mit Stoffen arbeiten, will sich mit diesem Kunsthandwerk ausdrücken. Nicht nur formale Muster reizen die Näherin, sondern von Anfang an auch freie Arbeiten. Damit – so spürt sie deutlich – kann sie mehr ausprobieren, kann sie gestalterische Ideen individueller umsetzen. Urlaubserinnerungen regen sie zu einer ersten freien Stoffarbeit an, die heute über der Wohnzimmercouch hängt. Kerry Jonitz bildet sich weiter; liest zum Thema alles was sie kriegen kann – Zeitschriften, Bücher und Bloggs im Internet. Die herbstliche Handarbeitsmesse alljährlich in Neubrandenburg ist ein Muss. Und mehrmals im Jahr nimmt sie an Workshops teil. Im Gepäck hat sie dann neben ihrer geliebten Pfaff-Nähmaschine auch viele Stoffkisten. In Gemeinschaft an einem Thema arbeiten, zu sehen, wie andere Patchworkerinnen ihre Ideen entwickeln, empfindet Kerry Jonitz als anregend und reizvoll. Eine Freundin beispielsweise greift immer zu brillanten, klaren Farben, sie dagegen bevorzugt die weichen, gedämpften Farbtöne. Völlig unterschiedliche Arbeiten entstehen so. Stoffe so einzusetzen wie ein Maler seine Farben oder Zeichnen mit der Nähmaschine, wie das Quilten auch genannt wird – was ist daran der Reiz? Kerry Jonitz hat darauf verschiedene Antworten. Nähen entspannt, erdet, gibt Kraft, macht den Kopf frei, sagt sie. Anfangs war sie der Meinung, dass ihr Hobby nicht so viel mit ihrer Arbeit als Lehrerin an der Beruflichen Schule für Gesundheit und Sozialwesen auf dem Großen Dreesch in MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Schwerin zu tun hat. Inzwischen strahlt es auf diese aus, denn sie hat die Möglichkeit, eigene Workshopideen in den Unterricht einzubringen. Wenn sie künftige Heilerziehungspfleger unterrichtet, so erzählt Kerry Jonitz, mit ihnen matsche, kleistere, filze oder eben auch nähe, dann entsteht daraus – ähnlich wie beim Patchworken und Quilten – immer wieder eine große Zufriedenheit. Nicht nur das Ergebnis sondern auch das Tun selbst zählt. Wir stehen vor einer Stoffarbeit, die die Treppe unters Dach schmückt und Kerry Jonitz besonders wichtig ist: „Mein textiler Stammbaum und ich“ heißt sie. Die ganze Familie sei darin eingewoben, erklärt die Quilterin und zählt wiederum auf, woher die verschiedensten Stoffstücke stammen. In der Tat: Ohne die Familie könnte Kerry Jonitz ihr intensives Hobby nicht ausleben. Von ihr wird sie in vielen Dingen unterstützt. Ihr Mann Peter beispielsweise, der einst zur MusikGruppe Skiffle Schwerin gehörte, fährt oft mit zu Messen, Ausstellungen und Trödelmärkten. Er fertigt bei Ausstellungen Aufhängungen für die Wandbehänge und sucht mit nach Urlaubsorten mit lohnenswerten textilen Ausstellungen. Unterm Dach zeigt Kerry Jonitz ihre neueste Arbeit, ein dreidimensionales Projekt. Verschiedenste Szenen aus dem GrimmMärchen „Spindel, Weberschiffchen und Nadel“ sind noch UFOs – also unfertige Objekte, die nach Aussagen von Kerry Jonitz ein jeder Patchworker hat. Doch die Fertigstellung ist in diesem Fall datiert: Im Juni will Kerry Jonitz diese und andere textile Arbeiten im Drispether Gartencafé zeigen. Bis dahin soll daran letzte Hand angelegt sein. Beim Zeigen der einzelnen Bilder, beim Erläutern verschiedenster Stoffe, Techniken und Finessen wird einmal mehr spürbar – die verschiedenen, nun zu einem neuen Ganzen geformten Stoffe fangen unter den Händen von Kerry Jonitz an zu leben. Ein Gefühl, das sie über alles liebt. Text & Fotos:

Beate Schöttke-Penke

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REGIONALMARKETING

Wechsel im Vorstand Diedrich Baxmann löste Peter Maschke ab

Als Dankeschön für sein zehnjähriges Engagement im Verein überreichten Geschäftsführerin Nadine Hintze und Diedrich Baxmann dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden eine Bronzetafel, die in die Graf-Schack-Allee eingelassen wird. Fotos: Christine Mevius

Zu ihrem neuen Vorsitzenden wählten die Mitglieder des Regionalmarketing MecklenburgSchwerin e. V. auf ihrer Mitgliederversammlung im Dezember Diedrich Baxmann (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin). Dieser wirkt bereits seit über elf Jahren aktiv im Vorstand des Vereins mit. Er löste Peter Maschke ab, der sich aus Altersgründen aus dem Amt zurückgezogen hat. „In den vergangenen Jahren hat sich Peter Maschke dafür eingesetzt, dass sich unsere Region als Wirtschaftsstandort etabliert, sich neue Unternehmen ansiedeln, frische Ideen umgesetzt werden und sich viele Köpfe aktiv engagieren. An diese wertvolle Arbeit möchte ich nahtlos anknüpfen“, sagte Baxmann. Weiterhin im Vorstand tätig sind Landrat Rolf Christiansen als Stellvertretender Vorsitzender, Diether Roßmann (Centermanager Daimler AG Schwerin) als Schatzmeister sowie Hans Thon (Präsident der IHK zu Schwerin) und Edgar Hummelsheim (Hauptgeschäftsführer Handwerkkammer Schwerin). Neues Vorstandsmitglied ist Andreas Scher, Geschäftsführer der PLANET IC GmbH. rm/cm

Neu im Regionalmarketingverein: Joachim Oppermann, Möbelstadt Rück Seinen Platz gefunden im Regionalmarketing Mecklenburg-Schwerin e. V. hat kürzlich Joachim Oppermann, Leiter des Schweriner Hauses von Möbelstadt Rück. „Ich finde es extrem wichtig, dass sich unser Unternehmen am Standort nicht nur präsentiert, sondern auch eingliedert. Denn die regionalen Wirtschaftsförderer haben uns aktiv bei der Ansiedelung unterstützt. Durch unser Engagement in regionalen Netzwerken wollen wir mithelfen, die Region zu stärken“, sagt der 54 Jährige. Dabei ist er für alle Ideen offen, die die Region attraktiver machen.„Verknüpfungen von Unternehmen müssen nicht immer nur an wirtschaftliche Faktoren gebunden sein. Positive Effekte gelte es in möglichst vielen Bereichen zu erzielen. Dazu gehöre auch, dass noch mehr Menschen hier ihr Brot verdienen und sich wohl fühlen können. Oppermann weiß genau, wovon er spricht, denn von den rund 200 Mitarbeitern am Standort Schwerin kommen fast alle aus der Region und über 90 Prozent sind seit 18 Jahren, also seit der Eröffnung des Schweriner Möbelhauses, im Unternehmen tätig. Dazu hat unter anderem auch die Einführung verschiedener Arbeitszeitmodelle beigetragen. Probleme gibt es derzeit 48

allerdings bei der Besetzung der Ausbildungsstellen. Aus diesem Grund nutzt das Unternehmen u. a. die Angebote des Regionalmarketingvereins, um Schülern möglichst frühzeitig die Ausbildungsmöglichkeiten und Perspektiven zu erläutern.„Ob im Lager, in der Logistik, der Mon-

tage oder im kaufmännischen Bereich – Chancen gibt es bei uns, als größtem Möbelhändler in Mecklenburg-Vorpommern, viele“, erklärt Oppermann. „Doch um gute Mitarbeiter und Auszubildende muss man sich genau so bemühen wie um Kunden“, ist er überzeugt. cm

Joachim Oppermann ist offen für die Zusammenarbeit in Netzwerken.

Foto: Christine Mevius

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IM FOCUS:

Fachkräfte und Auszubildende

Positives Fazit: Pendleraktionstag brachte Fachkräfte in die Region

Die Aussteller führten sehr gute und qualifizierte Gespräche auf dem Pendleraktionstag. Foto: Stefanie Daug

„Die Unternehmen in unserer Region suchen mehr denn je nach geeigneten Fach- und Führungskräften und ebenso dringend nach Nachwuchskräften. Deshalb haben wir mit engagierten Unternehmen und Partnern den Pendleraktionstag vor dem Schweriner Hauptbahnhof weiter etabliert. Rückfragen

bei den betreffenden Unternehmen haben uns bestätigt, dass dies eine richtige Entscheidung war“, freut sich Nadine Hintze, Geschäftsführerin des Regionalmarketingvereins. Der Pendleraktionstag soll im September 2012 erneut stattfinden. Mehr als 500 Pendler, Berufseinsteiger, Schüler und Arbeitssuchende waren es, die sich im letzten September für die Arbeits- und Ausbildungsangebote der beteiligten Firmen interessierten. Ob sich der Aufwand gelohnt hat? Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, denn acht der 21 beteiligten Firmen fanden neue Mitarbeiter – und 16 Menschen einen Job in ihrer Region. Darunter auch ein junger Softwareentwickler, der sieben Jahre zwischen Schwerin und Potsdam pendelte und nun bei Trebing + Himstedt eine neue Anstellung gefunden hat. „Wir brauchen diese Fachkräfte hier bei uns, um zu wachsen und den Wirtschaftsstandort Schwerin insgesamt zu stärken“, meint Sonja Seitz, Marketing Managerin der Schweriner IT-Firma. „Wichtig ist, zu zeigen,

dass es Perspektiven gibt. Und dafür bietet der Pendleraktionstag eine einmalige Gelegenheit.“ Die Schweriner Firma stellte außerdem eine junge Hochschulabsolventin als Marketingassistentin ein, die sich ebenfalls beim Pendleraktionstag über berufliche Chancen informiert hatte. Auch für FlammAerotec hat sich die Teilnahme wieder gelohnt. Sechs neue Mitarbeiter, darunter Pendler und Rückkehrer aus Hamburg, arbeiten bereits bei dem Hersteller für luftfahrttechnische Komponenten. Die Wibau Haustechnik, das Sky Deutschland Service Center, das DVZ Datenverarbeitungszentrum, Mandarin Me-dien, SternMaid und Com In konnten ebenfalls pendelnde Fachkräfte oder Arbeitssuchende für ihr Unternehmen gewinnen. „In diesem Jahr wollen wir noch gezielter auf Pendler zugehen und sie beispielsweise auch in den Zügen treffen“, verrät Nadine Hintze über die Ausweitung der Aktion, die dann bereits zum fünften Mal stattfindet. rm/cm

Der Ausbildung ein Stück näher Berufsorientierung im Klassenzimmer „Die Aufwertung unserer Berufsorientierungsmesse durch die Schüler-Roadshow war ein Griff in die Goldkiste. Es ist eine tolle Idee, dass Auszubildende direkt das Gespräch mit den Schülern suchen und auf Augenhöhe eigene Erfahrungen aus der Berufswelt weitergeben. Das kommt gut an.” Iris Engel, BOKontaktlehrerin an der Schweriner Erich-Weinert-Schule, zeigte sich begeistert über die Vielfalt an Ausbildungs- und Praktikumsangeboten, die Anfang des Jahres mehr als 50 Unternehmen der Region in den Schulen präsentierten. Rund 150 Schüler und viele Eltern informierten sich bei Vertretern von Firmen und Institutionen über berufliche Entwicklungschancen in Schwerin und Umgebung. Die traditionelle Berufsmesse von drei Schulen wurde auf Initiative des Regionalmarketing Schwerin-Mecklenburg e.V. durch das Projekt Schüler-Roadshow ergänzt. Dabei wurden von weiteren 30 Unternehmen aus der Region in Form von Handouts Ausbil-

dungs-, Praktikums- sowie Studienplätze präsentiert. Die Schüler konnten sich so ausführlich über die Firmen und freie Stellen informieren. „Durch unsere Kooperation mit dem jungen Wirtschaftsmagazin WiN wurde es außerdem möglich, den direkten Kontakt zu Azubis herzustellen. Junge Menschen, die gerade ihre Ausbildung absolvieren, standen den Schülern als kompetente Gesprächspartner gegenüber”, so die Geschäftsführerin des Vereins Nadine Hintze. „Ich fand es toll, dass man sich bei nur einem Termin über so viele Möglichkeiten informieren konnte”, sagte begeistert Nico Buchheister. Der 17-Jährige mit einem großen Faible für Computer erkundete bei der PLANET IC GmbH seine Ausbildungschancen. Nach dem Gespräch mit Gérard Kühnel (Fachinformatiker) und Tom Dahlweid (Azubi zum Systemelektroniker) will er sich in Kürze bei dem Schweriner Unternehmen bewerben. PLANET IC-Geschäftsführer Andreas Scher bestätigt,

Großes Interesse für eine berufliche Zukunft in der Region zeigten Schüler der Erich-Weinert-Schule. Besondere Attraktion der Messe war die Schüler-Roadshow. Foto: Regionalmarketing

dass viele der 40 Mitarbeiter ihren Weg zur renommierten Web-Agentur durch engen Kontakt seit der Schulzeit gefunden hätten. „Wir haben ganz sicher viele künftige Praktikanten geworben. Das ist gut, denn nur so können Schüler ihren künftigen Beruf praxisnah erleben und Erfahrungen sammeln”, berichtet Gérard Kühnel über seinen MesseAuftritt. rm/cm


REGIONALMARKETING

Erste „Nacht der Zukunft“ Neue Akzente für Berufsfindung gesetzt

Organisatoren und Aussteller von Schweriner Unternehmen rührten gemeinsam die Werbetrommel für die „Nacht der Zukunft“.

Das Konzept ist aufgegangen: Die erste „Nacht der Zukunft“ war ein voller Erfolg. Rund 350 Besucher informierten sich am Freitagabend bei der Berufs- und Studienorientierungsmesse in der Schweriner Disco „Zenit“ über Ausbildungsangebote in der Region. „Ich bin überwältigt, dass so viele Schüler und auch Eltern Interesse gezeigt haben. Es wurden etliche gute Gespräche geführt. Wirtschaft und künftige Fachkräfte sind sich ein Stück näher gekommen“, resümiert Nadine Hintze, Geschäftsführerin des Regionalmarketingvereins Mecklenburg Schwerin. „Es ist gelungen, einmal mehr zu zeigen, welche guten Perspektiven junge Menschen in der Region haben. Als besonders erfolgreich werte ich den

Ansatz vieler Aussteller, Auszubildende und junge Mitarbeiter als Botschafter ihres Unternehmens für die Gewinnung des Berufsnachwuchses zu motivieren. Das wurde von den jungen Messebesuchern sehr positiv aufgenommen“, sagt Hans-Joachim Scheffler, Geschäftsführer des TOM-Verlages. Beide hatten in Zusammenarbeit mit der Schweriner Arbeitsagentur die „Nacht der Zukunft“ organisiert. Auch bei vielen Vertretern der 52 Unternehmen, die sich im „Zenit“ vorstellten, fällt die erste Einschätzung sehr positiv aus. Silke Walter, Ausbildungsleiterin der Sparkasse MecklenburgSchwerin, sagt: „Der außergewöhnliche Veranstaltungsort kam sehr gut an, die Reso-

IHK-Präsident Hans Thon (Mitte) ließ sich von den Organisatoren Nadine Hintze und Hans-Joachim Scheffler das Messekonzept erläutern.

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nanz war positiv. Ich freue mich über viele interessante Gespräche an unserem Stand.“ „Wir haben acht bis zehn ernst zu nehmende Gespräche mit Jugendlichen geführt und sind gern wieder dabei, wenn erneut zur ,Nacht der Zukunft‘ eingeladen wird“, sagte René Schröder, Lehrausbilder bei der Grabower Süßwaren GmbH. Auch Petra Höftmann vom abc Bau Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft zeigte sich beeindruckt. „Wer zu dieser Messe gekommen ist, kam freiwillig und wollte mit seiner Berufswahl wirklich vorankommen“, lautet ihr Fazit. Die jungen Messegäste, die gut drei Viertel der Besucherzahl ausmachten, kamen nicht nur aus

Patricia Prösch informierte sich bei Frank Johannsen von der Wibau über Männerberufe, in denen auch Frauen längst Fuß gefasst haben. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


REGIONALMARKETING

Zu jeder Zeit gut gefüllt: Rund 350 Besucher kamen zur „Nacht der Zukunft“

der Landeshauptstadt. Schüler aus Boizenburg, Bad Kleinen, Parchim, Güstrow, Crivitz und Banzkow hatten durchaus längere Wege auf sich genommen, um in der besonderen Atmosphäre der Disco Kontakte zu Ausbildungsbetrieben zu knüpfen.„Ich will mehr über einzelne Berufe erfahren. Zum Beispiel, welcher Schulabschluss notwendig ist, um beruflich Fuß zu fassen“, sagte Patricia Prösch aus Zarrentin am Stand der Wibau Haustechnik GmbH Schwerin. Die 16-Jährige war mit ihren Eltern gekommen. „Es ist wichtig, frühzeitig Kontakte zu knüpfen“, findet Steve Prusseit von der Neumühler Schule in Schwerin. Im Gespräch mit Anna-Loreen Haberlandt (21), Mechatronikerin bei der Rattunde GmbH & Co KG Ludwigslust, informierte sich der 15-Jährige Schüler über Ausbildungsmöglichkeiten im mechanischen und kaufmännischen Bereich. „Mit jüngeren Leuten ins Gespräch zu kommen, ist einfacher. Außerdem empfinde ich die Atmosphäre in der Disco viel entspannter.“ Viel Spaß hatten die Jugendlichen bei einer ganz besonderen Form der Berufsvorstellung: Susan und Daniel, erstklassige Gogo-Tänzer aus Brüsewitz bei Schwerin, zeigten im Tanzkäfig, in

Fotos: Barbara Arndt

Die Geschwister Susan und Daniel legten sich im Tanzkäfig mit Berufskleidung ins Zeug.

welchen Outfits Fachkräfte ihren Job machen. Alex Stuth vom Medienpartner Hitradio Ostseewelle Mecklenburg-Vorpommern interviewte dazu die Experten aus den Bereichen Gerüstbau, Fahrzeuglackierung, Pflege, Heizung-Sanitär-Klima sowie Gastronomie. Arbeitszeiten, Einkünfte, Einsatzorte, Tätigkeit - der Moderator ließ keinen Aspekt aus, um wirklich umfassende Auskünfte zu bekommen. Michelle Helms (15) aus Lützow nahm neben vielen Anregungen noch etwas ganz Besonderes mit nach Hause: Die Gymnasiastin aus Gadebusch gewann beim Quiz im „Zenit“ ein iPad (gesponsert von der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin) und war überglücklich. Lauter Jubel erklang auch bei der Vergabe weiterer Preise, die vom Schlosspark-Center Schwerin, vom Fitness-Studio Athletic 24 und dem Alpin-Center Wittenburg zur Verfügung gestellt wurden. Den Wunsch nach Wiederholung hören die Organisatoren natürlich gern. „Doch zunächst wollen wir die erste ,Nacht der Zukunft‘ gründlich mit allen Beteiligten auswerten. Wir sind dankbar für alle Hinweise, um gemeinsam die Berufsorientierung in der Region weiter zu opti-

mieren“, so Nadine Hintze. „Es wäre schön, diese Veranstaltung zu einer festen Größe werden zu lassen“, ergänzt Hans-Joachim Scheffler. Wie sich diese gelungene Veranstaltung künftig in die Berufsorientierung der Landeshauptstadt einordnen lässt, muss mit allen Beteiligten erörtert werden, meint Lothar Michael, Geschäftsführer Operativ der Schweriner Arbeitsagentur. „Ich zolle dem Regionalmarketingverein und dem TOM-Verlag meinen Respekt für das, was sie auf die Beine gestellt haben. Die Organisation war hervorragend, die Resonanz sehr gut. Das verdient Anerkennung“, so Michael. rm/cm

Kontakt Regionalmarketing Mecklenburg-Schwerin e. V Graf-Schack-Allee 10/10a 19053 Schwerin Telefon: 0385 - 7788720 Telefax: 0385 - 7788723 Mobil: 0171-2053526 info@meck-sn.de www.meck-sn.de Michelle Helms aus Lützow gewann bei der „Nacht der Zukunft“ ein iPad. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Großes Interesse gab es für die Ausbildungsangebote der Ernährungswirtschaft.

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HOCHSCHULE

Im Neustädtischen Palais präsentierte das siebenköpfige Team der Hochschule Wismar sein Marketingkonzept. Foto: Manuela Heberer

Dynamisch wie ein Seidentuch Ein innovativer Messeauftritt öffnet vielen Unternehmen das Tor zum Weltmarkt. Auch Studenten der Hochschule Wismar erarbeiten im Rahmen ihres Studiums komplette Konzepte für solche professionellen Messeauftritte mittelständischer Unternehmen aus MV. Die aktuellen Abschlussentwürfe dieses bundesweit einzigartigen Projekts haben sie nun erstmals im Neustädtischen Palais vor Vertretern der Schweriner Staatskanzlei präsentiert.

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Getragen nur von Heliumballons, schwebt das scheinbar schwerelose Dach über dem Raum, der an ein im Wind wehendes Seidentuch erinnert. Die Wellen dienen als Sitzgelegenheit. Vor der seidigen Silhouette flackert ein Bildschirm. Das Ganze ist nicht das Hologramm eines Wohnzimmers der Zukunft, sondern das aktuelle Konzept für einen Messestand. Erdacht haben ihn sieben Studenten aus Wismar. Ihr Ziel: Leicht, elastisch und dynamisch wie ein Seidentuch sollte er wirken. Und wie die Leichtbauprodukte der PMC GmbH in Rehna, für die die Studenten das Konzept erarbeitet haben.

Neue Märkte erschließen Die Rede ist von Leichtbauplatten aus Faserverbundstoffen, die mitunter 75 Prozent leichter sind als Stahl.„Im Innen- und Außenbereich von Schienenfahrzeugen wenden wir das Prinzip schon sehr erfolgreich an, zum Beispiel bei der Innenausstattung von Fernverkehrszügen“, berichtet PMC-Geschäftsführer Frank Jaeckel. „Wir wollen damit aber auch in andere Bereiche vordringen und neue Märkte erschließen. Sehr gut können wir uns da die Möbelindustrie vorstellen.“ Darauf hat sich das siebenköpfige

Team aus BWL- und Architekturstudenten bei seiner Arbeit konzentriert. Von der strategischen Marketinganalyse über die Erarbeitung innovativer Vermarktungsformen bis hin zum Entwurf eines kompletten Messestands – in nur knapp vier Monaten haben die fünf Studentinnen und zwei Studenten einiges auf die Beine gestellt. „Wir haben die komplette Messevorbereitung konzipiert“, erzählt BWL-Studentin Nadine Wottke. „Damit mussten wir zunächst klären, welche Messe überhaupt in Frage kommt, in welchen Fachmedien dafür geworben werden kann und wie das Einladungsverfahren für potenzielle Kunden aussehen soll.“ Auf dieser Basis entstanden Entwürfe für Einladungskarten, die passende Messegarderobe und Werbegeschenke – alles im neuen, zusätzlichen Corporate Design, das sich die Studenten für die Firma ausgedacht haben.„Unser Ziel war es, die besondere Leichtigkeit herauszustellen, die PMC-Produkte verkörpern“, erzählt Pierre Stoehr.„Durch die Assoziation mit dem Seidentuch haben wir eine elegante Lösung gefunden“, ist der Architektur-Student überzeugt. Und auch Frank Jaeckel ist sehr zufrieden: „Es sind spannende Ideen, die wir auf jeden Fall weiter verfolgen wollen“, so der PMC-Chef. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


HOCHSCHULE Praktischer Einsatz ausdrücklich erwünscht Die Firma ist eines von zwölf Unternehmen, das an dieser mittlerweile vierten Auflage des Studienprojektes „Konzeptorientiertes Marketing“ teilgenommen hat. Die Palette der Produkte reichte von Wasserstoffsensoren und dem Einsatz von Ladungssicherungssystemen über biologische Pflanzenschutzmittel und naturnahe Baustoffe bis zu Kfz-Reparaturen und Übersetzungsleistungen. Dass die aufwendigen und individuellen Entwürfe von den Unternehmen auch genutzt und eingesetzt werden, ist erklärtes Ziel des Wismarer Professors Dr. Christian Feuerhake, Initiator und Leiter des Projektes. Jedes Unternehmen erhalte nach Abschluss des Projektes einen über hundert Seiten starken Beratungsbericht, in dem das Konzept bis ins kleinste Detail beschrieben ist, so Feuerhake. Mittlerweile ist das bundesweit einzigartige Projekt ein Erfolgsmodell und die Wismarer Studenten reißen sich um eine Teilnahme. Die zwölf Teams dieses Jahres hatten nun die besondere Gelegenheit, ihre Entwürfe vor Vertretern der Staatskanzlei und dem Ausstellungs- und Messeausschuss der deutschen Wirtschaft zu präsentieren. Der Chef

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Bei der Konzeption des futuristischen Messestandes haben die Studenten ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Foto: Hochschule Wismar

der Staatskanzlei Reinhard Meyer lobte das hervorragende Konzept. Gerade vor dem Hintergrund, dass der weitaus größte Teil der Handwerksbetriebe und fast die Hälfte der kleinen und mittelständischen Unternehmen im Land die Chance nicht nutzen, auf Messen für sich zu werben, liefere das Projekt viele

positive Effekte. Er würde es begrüßen, wenn andere Hochschulen des Landes dieses Konzept übernehmen, „auch weil hier gute Fachkräfte von morgen den Unternehmen gute Ideen liefern“, so Meyer. Manuela Heberer

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HOCHSCHULE

Wenn das Leben am wenigsten Kunst ist 17. Internationale Sommerakademie Wismar mit finnischen Einflüssen

Die drei Gastdozenten der Internationalen Sommer-akademie Wismar 2012 als finnische Künstlerplattform FinnFemFel (v-l.n.r.): Albert Braun, Marcus Lerviks, Oskar Lindström. Quelle: www.finnfemfel.fi

Vom 30. Juli bis zum 17. August 2012 geht die Internationale Sommerakademie Wismar für Architektur, Design und Kunst in die 17. Runde. Die drei Künstler Albert Braun, Marcus Lerviks und Oskar Lindström der finnischen Künstlerplattform FinnFemFel leiten den dreiwöchigen Hauptkurs zum Thema „Wenn das Leben am wenigsten Kunst ist“. Die Hochschule Wismar lädt damit auch im Jahr 2012 Studenten und Young Professionals aus aller Welt an die Ostsee ein und bietet ihnen ein sommerliches Gestalterpaket. Schüler der gymnasialen Oberstufe und Auszubildende sind ebenso herzlich willkommen. Dieses sommerliche Kompaktangebot der Hochschule Wismar setzt sich aus einem interdisziplinären Hauptkurs unter Leitung der Künstlerplattform FinnFemFel aus Finnland, Einführungskursen mit den Schwerpunkten Modellieren, Druck und Fotografie sowie Exkursionen, Präsentationen und Ausstellungen für eine insgesamt erschwingliche Teilnahmegebühr zusammen. 54

Video, Sound bis zur Zeichnung. Getreu der Philosophie von FinnFemFel mit Neugier, Mut und Experimentierfreude auf interdisziplinärem Terrain zu arbeiten, bietet der Hauptkurs viel Raum für individuelle Entdeckungen und orientiert sich dabei maßgeblich an den Interessen der Teilnehmer. Mit dem Thema „Wenn das Leben am wenigsten Kunst ist“ im Visier suchen die drei Künstler gemein-

sam mit den Teilnehmern der Sommerakademie feinsinnige und massive Spannungsverhältnisse, den Übergang von Leben zur Kunst und der Kunst im Kontext. Die künstlerische Umsetzung ist offen und richtet sich nach dem persönlichen Schwerpunkt des jeweiligen Teilnehmers. Die Abschlussausstellung ist als ein inhaltliches Ineinandergreifen aller entstandenen Arbeiten geplant.

Gruppenarbeit „Behind the curtain“ in Zusammenarbeit mit dem Kölner Büro „res d“ während der Internationalen Sommerakademie Wismar im Jahre 2011.

FinnFemFel ist vor allem der Zusammenschluss der finnischen Künstler Albert Braun, Marcus Lerviks und Oskar Lindström und dient als gemeinschaftliche Plattform für die drei Akteure und geladenen Gästen zur Durchführung von künstlerischen Projekten. Ideen werden gemeinsam entwickelt, organisiert und schließlich realisiert, sodass das Endergebnis immer eine Summe verschiedener Einflüsse, aber auch ein Verwischen des individuellen Ausdrucks ist. Die Projekte von FinnFemFel beschäftigen sich vordergründig

Kulinarik auf der Dachterrasse, Surfen am Wochenende und geselliges Beisammensein mit Kommilitonen und Kollegen an der Kaikante im alten Hafen der traditionsreichen Hansestadt sind weitere Höhepunkte des umfangreichen Veranstaltungsprogramms. Das gestalterische Spektrum der Sommerakademie reicht von Installation, Aktionskunst und Performance Art über Fotografie,

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HOCHSCHULE mit dem Thema der Simulation oder basieren auf dem Narrativen. Ihre Arbeiten enthalten oftmals groteske, fiktive, dokumentierende und humoristische Elemente, wobei FinnFemFel das Unterschiedliche als eine Bereicherung ihrer Arbeit empfinden. Die verschiedenen Herangehensweisen in der künstlerischen Praxis oder auch individuelle Prägungen der Künstler durch beispielsweise ihren Wohnort, die persönliche Geschichte und spezielle Arbeitsschwerpunkte sorgen dabei für ein produktives Spannungsfeld. Albert Braun wurde 1958 in Deutschland geboren, studierte von 1978-1985 an der Hochschule der Künste Berlin und ist seit 1988 Dozent an der heutigen Novia University of Applied Sciences and Arts in Nykarleby in Finnland. Seine künstlerischen Arbeiten sind oftmals eine Zusammenführung von Installation mit Aktionen und Events. Seit 1991 unternimmt er Einzelund Gemeinschaftsausstellungen in Finnland und darüber hinaus. Albert Braun lebt und arbeitet im finnischen Nykarleby. Marcus Lerviks ist 1969 in Finnland geboren, arbeitet bevorzugt mit dem Medium Video und führt seit 1994 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Finnland und im Ausland durch. Er studierte von 1994 bis 1998 an der Swedish School of Art in Nykarleby, der heutigen Novia University of Applied Sciences and Arts, in Finnland. Von 1998 bis 2001 studierte

Gruppenarbeit „Blue Glow“.

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er im Rahmen des„Pallas Fine Arts degree programme“ an der University of Art and Design in Helsinki. Marcus Lerviks verbindet in seinen Arbeiten häufig Videoinstallationen mit räumlichen Elementen, Licht, Sound und Performance. Heute lebt und arbeitet er in der finnischen Stadt Vasa. Oskar Lindström studierte von 1994 bis 1997 Fotografie und Bildende Künste ebenfalls an der Swedish School of Art in Nykarleby. Im Jahr 2000 erhielt er seinen Master of Fine Arts für Fotografie an der School of Photography/University of Gothenburg im schwedischen Göteborg. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht die Fotografie. Oskar Lindström stellte bis heute sowohl seine eigenen Projekte als auch in Verbindung mit künstlerischen Gemeinschaftsprojekten in verschiedenen europäischen Städten aus. Er lebt und arbeitet zur Zeit in Neustadt an der Weinstraße, Deutschland. Unterstützt wird die diesjährige Internationale Sommerakademie Wismar durch die Hansestadt Wismar und einige dort ansässige Unternehmen. Initiator und Kurator Valentin Rothmaler, Professor für „Elementares Gestalten“ an der Fakultät Gestaltung der Hochschule Wismar, startete die Internationale Sommerakademie Wismar im Jahr 1995. Die Anmeldefrist endet am 15. Mai 2012. Kerstin Baldauf www.sommerakademie.hs-wismar.de

Fotos: Hochschule

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TREFFPUNKT

filmkunstfest M-V

Der Countdown läuft Es ist Frühling, die Tage werden länger, das Wetter schöner... . Bei der FilmLand M-V gGmbH steigt die Vorfreude, aber auch der Stresspegel. Das 22. filmkunstfest M-V vom 1. bis zum 6. Mai in Schwerin steht praktisch vor der Tür. „Auch in diesem Jahr präsentieren wir den Zuschauern in unseren Wettbewerben neues kontroverses deutschsprachiges Kino", sagt Stefan Fichtner, künstlerischer Leiter des Festivals 2012. Viel mehr allerdings will er noch nicht verraten, außer, dass es tatsächlich gelungen ist, den neuen Bernd Böhlich Film „Bis zum Horizont, dann links" zur Uraufführung in den Spielfilmwettbewerb nach Schwerin zu holen. „Dies war uns ein besonderes Anliegen, da es auch die aktuellste Produktion unseres Ehrenpreisträgers Otto Sander ist", ergänzt Stefan Fichtner. Um gleich darauf noch ein paar weitere Namen „fallen" zu lassen: „Die Jurys sind fast vollständig. Ich freue mich sehr darauf u.a. Katrin Sass, Ulrich Matthes und André Hennecke in Schwerin begrüßen zu dürfen". Ebenfalls im Spielfilmwettbewerb wird Hans-Christian Schmid seinen Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Was bleibt" persönlich vorstellen. Über den Kinosaal hinaus solle die diesjährige Filmauswahl die Zuschauer beschäftigen, bekräftigt Fichtner und ist davon überzeugt, dass dies unter anderem Andreas Dresen mit seinem neuen Dokumentarfilm „Herr Wichmann aus der dritten Reihe" gelingen wird, er persönlich in Schwerin zeigen wird. Packend und berührend sei auch der Film über den Sportler Henry Maske, der ebenfalls persönlich anwesend sein wird.„Mein Leben" von Regisseurin und Grimme-PreisTrägerin Sabine Michel wird außerdem als Premiere im Dokumentarfilmwettbewerb zu sehen sein. Eine andere (Auto)biografie hingegen wird gelesen. Winfried Glatzeder, Mitglied der diesjährigen Kurzfilmjury, liest aus "Paul und ich". Es ist eine von mehreren Lesungen, die innerhalb des Festivals stattfinden, darunter die Werkstattlesung mit Ehrenpreisträger Otto Sander oder Michail Schischkin, der aus seinem Erfolgsroman "Venushaar" liest. "Abwechslungsreich" soll das Programm sein, umschreibt Stefan Fichtner sein Konzept. "Staunen solle der Zuschauer genauso wie sich überraschen oder auch irritieren lassen." Ein Ansatz, der im Zusammenhang mit dem Gastland Russland immer wieder zum Tragen kommt. Auch diese Programmreihe stehe weitestgehend: „Wir zeigen das junge russische Kino sowie historische Filme und betten die Betrachtung des Gastlandes ein in einen Dialog mit den Künstlern und Referenten aber auch mit dem Publikum", erläutert der künstlerische Leiter und verweist hierbei u.a. auf eine geplante Podiumsdiskussion in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung zur aktuellen politischen Situation in Russland. Aber, bevor nun schon alles verraten wird, fasst Stefan Fichtner das Wichtigste noch einmal zusammen: „Schauen Sie in Schwerin hinter die Kulissen, erleben Sie Filmgrößen im Dialog mit ihren Werken und feiern Sie mit uns Kunst, die uns nicht nur angenehm berührt sondern auch etwas in Bewegung setzt". Karten für das 22. filmkunstfest M-V gibt es in der Schwerin Information und im Festival-Kino Capitol. Michaela Skott

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Foto: Rainer Cordes

Jenny Kavelmann ist eine Botschafterin der besonderen Art. Auf 264 Quadratmetern gibt sie ihren jüngeren Betrachtern unübersehbar eine klare Ansage mit auf dem Weg. „Mach Karriere in MV!“ Will heißen: Nutze Deine Chancen im eigenen Land. Bei klirrender Kälte und strahlend blauem Himmel wurde am 1. Dezember das neue Großflächenplakat der Fachkräftekampagne „Durchstarten in MV - Dein Land, deine Chance“ enthüllt. Die gebürtige Greifswalderin wird bis Mai 2011 gegenüber dem Schweriner Schloss für Zukunftschancen in MV werben. Symbolisch hält die 20-Jährige den Anschluss zur Offshore-Zukunftstechnologie in der Hand. Die Basis dafür ist ihre exzellente Ausbildung. Jenny Kavelmann hatte sich vor zwei MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Jahren bei der Schweriner IT Firma Trebing & Himstedt als Azubi zur Mediengestalterin beworben und absolviert dort sowie an der Hochschule Wismar ein duales Studium der Multimediatechnik. Die Ausbildung ist anspruchsvoll und bietet beste Berufsperspektiven. Die junge Frau ist eines der „Gesichter“ der seit einem Jahr laufenden Fachkräftekampagne. „Ich habe mich schon fast daran gewöhnt, erkannt zu werden“, sagte sie und hofft nun, dass ihre Botschaft bei den künftigen Schulabgängern gut ankommt. Nachahmung erwünscht. Die gemeinsame Plakataktion mit dem Landesmarketing MV (MV tut gut) ist Bestandteil der vom Wirtschaftsministerium und den Industrie- und Handelskammern

getragenen Fachkräftekampagne „Durchstarten in MV - Dein Land, deine Chance“, die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert wird. Mit der Initiative sollen Ausbildungsstrukturen bekannter gemacht, junge Menschen für eine Ausbildung im Land begeistert und Unternehmen für eine offensive Nachwuchsarbeit motiviert werden. „Wir wollen die Mädchen und Jungen in MV erreichen, die gern im eigenen Land eine Ausbildung beginnen und in ihr Berufsleben starten wollen“, sagte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel. „Die Voraussetzungen dazu sind ideal und heute wesentlich besser als in der Vergangenheit.“ Alle Infos unter www.durchstarten-in-mv.de

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INTERNET

Die große Marketing-Evolution:

Vom Monolog zum Dialog Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Raum, in dem sich viele Menschen angeregt unterhalten. Einige von ihnen reden auch über Sie – nur Sie sagen kein Wort. So ähnlich verhält es sich, wenn Sie die sozialen Netzwerke ignorieren und die Vorteile für sich und Ihr Unternehmen nicht nutzen. Social Media ist in unserer Gesellschaft angekommen und die meisten sind „irgendwie“ mit dabei. Laut „Internet World Stats“ und der „World Bank“ sind weltweit rund 2 Milliarden Menschen online, mehr als die Hälfte von ihnen „tummeln“ sich in sozialen Netzwerken. Mehr oder weniger aktiv, Tendenz jedoch steigend. „Das birgt Potenzial für Unternehmer, das keineswegs vergeudet werden sollte“, betont Kevin Friedersdorf, Geschäftsführer von Mandarin Medien. Die Experten der Schweriner Internetagentur wissen nur zu gut um die zunehmende Bedeutung des Social Web.„Facebook,Twitter, YouTube & Xing verbinden Menschen, Marken und Unternehmen“, so Andrea Dahlke vom SocialMedia-Team. Die Nutzer tauschen Informationen und Erfahrungen aus, geben Kommentare ab und Empfehlungen weiter. Die Kommunikation erfolgt nicht mehr einseitig, sondern in beiderseitigem Austausch von Meinungen – und jederzeit auf Augenhöhe. Diese „Interaktion“ ist Herausforderung und Chance zugleich, die es wirksam zu nutzen gilt.

Wichtig ist, den ersten Schritt zu wagen. Der lautet „Beobachten“ und kann via „Monitoren“ ganz simpel erfolgen. Googeln Sie regelmäßig nach Ihrem Unternehmen und Ihrer Marke oder lassen Sie das eine Software tun. Sogenannte Social-Media-Monitoring-Dienste liefern Antworten auf die Frage, wo im Internet über Sie und Ihre Produkte geredet wird. Und auf welchen Plattformen Sie unbedingt mitreden sollten! Auf den meisten Social-Media-Plattformen kann Werbung ganz gezielt und ohne die berühmten Streuverluste ausgeliefert werden. Bei Facebook beispielsweise ist die Zielgruppe über Parameter wie Alter, Geschlecht, Herkunft und Interessen erreichbar. Als Zweites gilt es sich zu „positionieren“ und elementare Fragen im Vorfeld zu klären. Welche Zielgruppe will ich erreichen? Welcher Social-Media-Kanal ist für mich überhaupt geeignet? Welche Maßnahmen sind die richtigen? Alle wichtigen Aktivitäten sollten vor dem Loslegen gebündelt und festgelegt sein, um die Botschaft bei den wirklichen Interessenten zu platzieren und wirksam zu steuern. Das wiederum gelingt nur durchs „Mitmachen“. „Es reicht nicht aus, auf Facebook ein Profil anzulegen und sich dann zurückzulehnen“, mahnt Andrea Dahlke. „Interagieren“ heißt das Zauberwort und bedeutet, aktiv zu sein: kommunizieren und interagieren. Es gilt,

Warum Social Media? Weil es ein wirksames Online-Marketinginstrument ist: • Erhöhung der PR-Reichweite • Zielgruppengenaue Werbung und Ansprache • Stärkere Kundenbindung durch intensiven Dialog • Schnelle Verbreitung von Meldungen • Bessere Auffindbarkeit der eigenen Websites in den Suchmaschinen (Google & Co.)

Fazit: Mehr Kunden(zufriedenheit). Mehr Umsatz. 58

im Gespräch zu bleiben und den Kunden zu betreuen, auch wenn er mal nicht im Laden ist. Das schließt auch den Umgang mit Kritik ein. Haben Sie keine Angst vor kritischen Kommentaren. Betrachten Sie Ihre SocialMedia-Präsenz als eine Art Spiegelbild Ihres Unternehmensauftrittes. Setzen Sie sich mit Kritik konstruktiv auseinander und seien Sie für jedes Feedback dankbar. Hinterfragen Sie sich selbst: Woran hapert es? Was kann ich besser machen und wo genau setze ich an? Social Media ist neben dem Telefon und der EMail eine neue Form, mit seinen Geschäftspartnern in den Dialog zu treten. Über Xing ist beispielsweile der direkte Kontakt mit Geschäftspartnern möglich. Die Vertriebswege sind demnach kurz und schnell.Wirksames Social-Media-Marketing geht also weit über Facebook hinaus und muss nicht immer auf einer langfristigen Strategie basieren. Interaktive Kommunikation kann folglich auf vielfältige Weise stattfinden. Für den Einstieg hat Mandarin Medien einen „Social-Media-Spickzettel“ entwickelt, der kostenlos unter dem Link www.mandarinmedien.de/de/social-media aufgerufen werden kann. Die Übersicht hilft bei der Auswahl der richtigen Kanäle, den ersten Schritten und den wichtigsten Umgangsformen. D.L.

Beispiel Facebook – größtes soziales Netzwerk der Welt

☐ ca. 750 Millionen Nutzer weltweit ☐ ca. 20 Millionen Nutzer allein in Deutschland ☐ davon ca. 31.000 Nutzer in Schwerin und Umland

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Fensterbau Kuhnert GmbH – „Die richtige Wahl” HISTORIE

Fensterbau Kuhnert ist ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen, welches im Jahre 1990 durch Jürgen Kuhnert in der Region Pritzwalk gegründet wurde. Mit Gründung eines weiteren Standortes in Schwerin ist die Unternehmung seit dem Jahre 1993 in der Schweriner Region angesiedelt. Aufgrund des stetigen Wachstums und der ständigen Weiterentwicklung war die Erschließung eines größeren Produktionsstandortes im Jahre 1994 Schwerin/Süd und im Jahre 2011 Pampow/Schwerin unumgänglich. Seit dem 1. April 2011 hat die Unternehmung ihren Standort in der Ahornstraße 8, 19075 Pampow, vor den Toren der Landeshauptstadt Schwerin, wo die Planung, Beratung und Produktion der Bauelemente aus Kuststoff und Aluminium erfolgten.

Produktionsstandort Pampow

Derzeit beschäftigen wir 47 Mitarbeiter und 7 Lehrlinge in den Bereichen Produktion, Montage, Planung und Verkauf. Flexibilität und individuelles Eingehen auf Kundenwünsche sind unsere Stärken. Kundenzufriedenheit ist das oberste Gebot unserer Unternehmen, demzufolge werden die Kundenwünsche schnell und fachgerecht ausgeführt. Die langjährige Erfahrung in der Fenster- und Türproduktion, ihrer Montage, sowie die breit gefächerte und ständig aktualisierte Produktpalette machen unseren Fachbetrieb zu einem der führenden in der Region.

Referenzobjekte

Eine hohe Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen, in der Produktion und Montage, wird durch die strikte Einhaltung der RAL-Richtlinie gewährleistet. Das RAL-Gütezeichen beinhaltet eine ständige Überwachung der Leistungen unserer Zulieferer, ein Qualitäts- und Eignungsnachweis unserer Produktpalette, sowie einer regelmäßigen Eigen- und Fremdüberwachung unserer Fertigungsstrecke. Sicherheitsfenster, Türen mit Spezialbeschlag, Glasfassaden, Solaranlagen, sowie Winter- und Sommergärten sind eine langfristige Anschaffung für das ganze Leben. Wer hier Kompromisse eingeht, spart leider oftmals am falschen Ende. Deshalb raten wir Ihnen, sich für hochwertige Produkte mit dem RAL-Gütezeichen aus deutscher Produktion zu entscheiden. Unser erfahrenes und engagiertes Team realisiert überregional Ihre Projekte, ob für Groß- oder Kleinprojekte immer individuell, eben ganz nach Ihren Wünschen. Besuchen Sie uns auf unserer Internetpräsenz: www.fensterbau-kuhnert.de

Sie werden sich ärgern, dass Sie nicht alle haben können.

Fensterbau Kuhnert GmbH Ahornstraße 8 · 19075 Pampow · Telefon: 03865 84443-0 · Fax: 03865 84443-25 E-Mail: info@fensterbau-kuhnert.de · Internet: www.fensterbau-kuhnert.de MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

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Salweide Foto: Helmut Wachtel

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Zeit im schö nsten Gewand HANDWERK

Uhrmacher „de Klockenschauster“ in Schwerin

Hans-Joachim Dikow ist der Schweriner „Klockenschauster“. Bei ihm bleibt die Zeit nie stehen. Er bringt nicht nur Uhrwerke zum Laufen, sondern auch eine eigene Uhrenkreation auf den Markt. „Obotrit“ heißen die kleinen Kunstwerke für das Handgelenk, die in Zusammenarbeit mit Kunsthandwerkern und Künstlern aus der Region entstehen. Hans-Joachim Dikow bringt gern Dinge zum Laufen. Er bewegt gern etwas. Vielleicht liegt es auch am Beruf, dass er den Stillstand nicht mag. Das heißt aber nicht, dass er das Traditionelle und Alte nicht schätzt, ganz im Gegenteil. „Ich bin kein Freund modischer Uhren mit diesen vielen Funktionen, die kein Mensch braucht“, sagt der Uhrmacher. Er schätzt klares, klassisches Design ohne Schnörkel und Zierrat. Schon die Uhrwerke, die seine Obotrit-Uhren beinhalten, sind Klassiker. Eta und Glashütte sind seine Favoriten und besonders die Spezimatic von Glashütte hat es ihm angetan. „Dieses Uhrwerk ist gut durchkonstruiert, sehr robust und hat sich über Jahrzehnte bewährt“, erläutert der Klockenschauster oder hochdeutsch: der „Uhrenschuster“. Eigentlich ist es der Spezimatic zu verdanken, dass Hans-Joachim Dikow auf die Idee zur Obotrit-Uhrenmarke kam. Seit er 2006 seinen kleinen, aber feinen Uhrmacherbetrieb in der Schweriner Münzstraße eröffnet hat, gehört die Aufarbeitung von Uhren und Uhrwerken zu seinen Hauptaufgaben. Im Kundenauftrag geht er auch gezielt auf die Suche nach alten Schätzchen, die dann aufs Feinste wieder hergerichtet werden. Die klassische Edition der ObotritUhren in Gold und Silber sowie die farbige der Kanter-Edition.

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Geburtsstunde einer Obotrit-Uhr. Die klassissche Edition gibt es in Gold oder Silber. Die Modelle aus der KanterEdition sind dagegen auch farblich auffallend.

Für die Spezimatic von Glashütte gibt es immer wieder Interessenten und Aufträge, aber keine Original-Zifferblätter mehr. Um die besonderen Vorzüge dieses Uhrwerkes auch über weitere Jahrzehnte zu erhalten, kombiniert der Klockenschauster diese nun mit eigens für seine Obotrit-Uhren kreierten Zifferblätter örtlicher Kunsthandwerker und Künstler.

Die klassische Edition Die Zifferblätter für die erste Kleinserie seiner Obotrit-Uhren ließ Hans-Joachim Dikow von Hagen Thiel, einem Absolventen der Grafik- und Design-Schule Schwerin, gestalten. Das schlichte, klare Design variiert in den Farben Grau, Champagner und Schwarz. Die in einer kleinen Auflage von zunächst 100 Stück gefertigten Uhren können ausschließlich beim Klockenschauster gekauft werden und wirken so edel und zeitlos, dass sie mühelos alle kommenden Uhrenmoden überdauern können.

Die „Kanter-Edition“ Der in der Region bekannte Maler Matthias Kanter ist bekennender Uhrenfreak. Als er von Hans-Joachim Dikows Plänen für die ObotritUhren hörte, bot er sofort an, Unikate für eine künstlerische Linie zu gestalten. Inzwischen hat er rund zehn Modelle entworfen, jedes für sich ein wertvolles Einzelstück mit unverwechselbarem Charakter.

Die „Frericks-Edition“ Eine ungewöhnliche Linie ist auch aus der Zusammenarbeit mit der Schweriner Graveurmeisterin Carola Frericks entstanden. In glänzende Messing-Zifferblätter graviert sie unterschiedliche Motive, vom Schweriner Schloss über persönliche Initialen bis hin zum ClubEmblem. Auch wenn die Grundidee schier unendliche Möglichkeiten und Gestaltungsvarianten zulässt, will Dikow „die Beine auf dem Boden lassen“ und seine Pläne nicht zu hoch fliegen lassen. „Es haben sich schon einige Uhrmacher an eigenen Marken versucht und nicht bedacht, dass dafür erst einmal Investitionen anfallen, die für unsere Betriebsgrößen nicht gerade gering sind. Ich bleibe daher vorerst bei der Kleinserie und bei den künstlerischen Unikaten.“ Den Markennamen „Obotrit“ hat sich Hans-Joachim Dikow 2010 patentrechtlich schützen lassen. Der für „in Mecklenburg“ stehende Zusatz „i. M.“ ist eine Reminiszenz an alte Zeiten, in denen diese Bezeichnung unter Schweriner Handwerkern und Gewerbetreibenden bei der Ortsangabe üblich war. Immer wieder stößt man beim Klockenschauster auf diese sinnhafte Verbindung von alt und neu, von Tradition und Fortschritt. Das Gute bewahren und für die neue Zeit weiterentwickeln ist das Grundprinzip seines handwerklichen Tuns. Mit der Ansiedlung seines Betriebes in der altstädtischen Schweriner Münzstraße hat der


HANDWERK Klockenschauster eine gute Wahl getroffen, denn in den letzten Jahren hat sich hier viel Kunst und Kultur entwickelt, so dass eine in Schwerin einzigartige „Kreativstraße“ entstanden ist. Mit eigenen Veranstaltungen unter dem Titel „Kultur beim Klockenschaus-

Seminarstunden auch mal vier werden. „Bei einem meiner Teilnehmer führte dies sogar zum Ehekrach, da der Mann seiner Frau nicht glaubhaft machen konnte, dass er bis zwölf Uhr nachts beim Uhrenseminar war“, erzählt Dikow. Mehr als die Hälf-

Die Schweriner Münzstraße ist ein kreatives Zentrum der Stadt. „De Klockenschauster“ ist im alten Fachwerk passend angesiedelt.

ter“ trägt Dikow viel dazu bei, die Anziehungskraft der Münzstraße zu stärken. „Man muss eben mehr machen als nur die Tür auf“, sagt er. Bei Buchlesungen oder Harfenkonzerten bietet seine Werkstatt Platz für rund 35 Gäste, die dann gern als Kunden wiederkommen oder auch seine Uhrenseminare besuchen. Dem Schweriner Klockenschauster kann man in der zum Verkaufsraum hin offenen Werkstatt jederzeit auf die Finger schauen. „Ich bin das seit meiner Lehrzeit gewohnt, das macht mir gar nichts aus“, sagt er. Mit ruhiger Hand und dem durch das Okular geschärften Auge setzt er – in zumeist winzige Teile – zerlegte Uhrwerke wieder zusammen, wechselt Batterien und Armbänder. Der Laie darf aber nicht nur staunen, er kann auch selbst das Innenleben von Uhren erforschen. Hans-Joachim Dikow bietet Uhrenseminare an. In kleinen Gruppen mit acht bis zehn Teilnehmern erklärt er Zusammenhänge und Funktionsweisen und muss dabei häufig so viele Fragen beantworten, dass aus zwei

te der Schüler kommt wieder. Zum Einzelunterricht mit einer eigenen Uhr im Gepäck. Text & Fotos: Dr. Petra Gansen

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HANDWERK

Waagen der Meisterklasse Borngässer Waagenbau in Grebbin Wer Messergebnisse von höchster Genauigkeit haben oder Dinge wiegen will, die man eigentlich nicht wiegen kann, geht am besten zu Waagenbaumeister Johannes Borngässer. Seine Aussage „Es gibt keinen Bereich, in dem nicht gewogen wird“, belegt er mit ganz erstaunlichen Beispielen. Wenn Johannes Borngässer aufzählt, was mittels der von ihm konstruierten und gebauten Waagen bereits alles gewogen wurde, kommt man ins Staunen. Mecklenburgs einziger aktiver Waagenbaumeister hat Wiegevorrichtungen entwickelt für Flugzeuge, für Windradflügel, für Regenwasser oder auch für die Kontrolle der Entnahmemenge von Speiseeis aus einer Verkaufstheke. Viele seiner Aufträge beginnen mit einem Problem, für das ein Kunde eine ganz spezifische Lösung braucht. Und die bekommt er dann auch. Johannes Borngässers Kunden sind häufig auch seine eigenen Kollegen. Kaum noch einer stellt wie er Waagen selbst her, sondern verkauft, wartet, repariert oder eicht. Spezielle Anfragen an die Fachkollegen landen daher immer häufiger bei Borngässer, der über

eine eigene Metallbauwerkstatt verfügt. Die Fachkompetenz des Vier-Mann-Betriebes für Maßanfertigungen wie für Standardlösungen hat sich in der Branche längst herumgesprochen. Selbstständig seit 1987, hat sich Johannes Borngässer Ende 2007 im mecklenburgischen Dorf Grebbin in der Nähe von Parchim angesiedelt. Bis zum Ende der DDR ging er in den Großbetrieben des Landes ein und aus, zum Beispiel in der Landwirtschaft oder in den Handelsbetrieben. Die damals in diesen Bereichen eingesetzten Waagen waren noch rein mechanische Konstruktionen.

Systemwechsel In den ersten Jahren nach der Wende wurde vieles, was noch voll funktionstüchtig war, ausgemustert und durch neue Technik ersetzt. An die Stelle der mechanischen Waagen rückten jetzt deren elektronische Nachfahren. Borngässer tastete sich Schritt für Schritt an die Materie heran und erkannte schnell, dass sie für ihn keine Geheimnisse barg. 1993 baute er seine erste elektronische Waage, ab Mitte der 90-er Jahre

Diese von Borngässer entwickelte Unterwasserwaage wird an der Universität Kiel zur Diagnose und Erforschung von Adipositas eingesetzt. Die damit mögliche kombinierte Ermittlung des Körpergewichtes, des Auftriebsgewichtes und des Körpervolumens in einer kompakten Anlage ist weltweit einzigartig.

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Wie schwer ist der Flügel eines Windrades? Mit einer dynamischen Wiegeplattform konnte Borngässer erstmals das Gewicht auf ein Kilo genau ermitteln. Foto: Helmut Wachtel

folgte die endgültige Entscheidung, eigene Produkte und Linien herzustellen und nicht, wie das Gros der Kollegen, primär auf das Geschäft mit Wartung und Instandhaltung zu setzen. Seine besondere Spezialität sind heute Waagen aus Edelstahl, die vor allem in der Lebensmitteltechnologie und in der Medizintechnik gefragt sind, da hier strenge Hygieneanfor-derungen zu beachten sind. Eine seiner spektakulärsten Entwicklungen ist in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Ernährungswissenschaften an der Universität Kiel entstanden.

Johannes Borngässer in seiner Werkstatt.

Die Unterwasserwaage – eine Weltneuheit Sie heißt zwar schlicht „UWW.1“, ist aber alles andere als das. „Die Unterwasserverwiegung gilt als einzige wirklich präzise Methode zur Bestimmung des Fettgehaltes im menschlichen Körper“, erklärt Borngässer.„Maßnahmen zur Fettreduzierung können nur dann Erfolg haben, wenn der tatsächliche Körperfettgehalt möglichst genau ermittelt wird.“ An der Universität Kiel kommt die UWW.1 vor allem bei der

Fotos (2): Petra Gansen

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Erforschung und der Entwicklung von Behandlungsmethoden von Adipositas zum Einsatz. Adipositas ist krankhafte Fettleibigkeit oder sucht, die meist durch Überernährung und Bewegungsmangel entsteht. In den der Entwicklung vorhergehenden Gesprächen mit den Universitätsprofessoren wurde Borngässer schnell deutlich, dass hier eine äußerst komplexe Aufgabenstellung zu bewältigen war. Die Anlage musste auf Menschen mit großer Körperfülle ausgelegt sein, Sicherheitsvorrichtungen wie Festhaltemöglichkeiten vorsehen, leichten Ein- und Ausstieg garantieren, die gleichzeitige Bestimmung von Gewicht, Körpervolumen und Körperfett ermöglichen und dabei auch noch transportabel und kompakt sein. Borngässer machte sich an die Arbeit und entwickelte den Prototypen, der seit 2005 in der Universität Kiel im Einsatz ist. Dabei betritt der Proband die Unterwasserwaage über eine Außentreppe, auf der bereits der erste Wiegeschritt an der Luft erfolgt. Gestützt durch Haltegriffe verläuft der Einstieg in die Wanne angstfrei und sicher. An der frei in der Wanne aufgehängten Wiegeplattform kann sich der Proband mit Händen und Füßen festhalten, so dass auch angstverursachte Bewegungen, die die Messergebnisse verfälschen können, verhindert werden. Ermittelt wird nun das Auftriebsgewicht unter Wasser und das Körpervolumen wird durch die Messung der verdrängten Wassermenge bestimmt. „Es gibt weltweit keine andere Anlage, die über den Wiegevorgang hinaus alle zur Körperfettbestimmung erforderlichen Funktionen in einer kompakten Anlage vereint“, sagt Borngässer. Laut Angaben der Universität Kiel ist aber genau das erforderlich, um erstmals einen wissenschaftlichen Standard für die Körperfettbestimmung zu entwickeln. Die UWW.1 hat im vergangenen Jahr auch die Jury des Innovationspreises von Handwerkskammer Schwerin, VR Bank und des Wirtschaftsministeriums Mecklenburg-Vorpommern überzeugt. Die Borngässer Waagenbau gewann den Preis in der Sparte Technologie. Laut Johannes Borngässer ist die Wiegevorrichtung, da transporMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

tabel und zerlegbar, überall einsetzbar. So funktioniert sie im medizinischen Bereich ohne große Bäderabteilung. „Ich kann mir aber auch andere Gebiete vorstellen, in denen die Anlage zum Einsatz kommen könnte“, meint er.„Für die Tiermast ergeben sich ebenso sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten wie für den Leistungssport“.

Unbegrenzte Möglichkeiten Die UWW.1 ist aber weder Borngässers einzige, noch wird sie seine letzte Innovation sein. Ständig ergeben sich neue

Herausforderungen, die wiegetechnische Lösungen erfordern. Eine besonders knifflige Aufgabe stellte zum Beispiel auch eine Waage im Auftrag des Bremer Rotorenherstellers PowerBlades GmbH gemeinsam mit der Hamburger Waagenbau GmbH dar. Zur präzisen Auswuchtung von Windkraftanlagen müssen die Flügel der Anlage exakt gewogen werden. Durch die Verdrehung der Flügel wirkten sich aber immer seitliche Kräfte verzerrend auf das Wiegeergebnis aus bis eine Borngässer-Waage in Bremen zum Einsatz kam. Mit einer auf die Drehung der Flügel angepassten dynamischen Wie-

geplattform konnten erstmals Wiegeergebnisse mit einer Genauigkeit von 1 Kilogramm erzielt werden. Solche Erfolge festigen den Ruf der Borngässer Waagenbau als Spezialist für anspruchsvolle Maßanfertigungen im Waagenbau. Natürlich baut er aber auch Standardwaagen und kümmert sich nach wie vor als Servicebetrieb um die alten und neuen Waagen der Apotheker, der Fleischereien und der Landwirtschaftsbetriebe in seiner Region. „Ich bin Handwerker“, sagt Borngässer, „da gehört das einfach dazu“. Dr. Petra Gansen

20 Jahre! Auf uns können Sie bauen! Seemann Tiefbau GmbH Ziegeleiweg 8b • 19057 Schwerin Tel. (03 85) 5 55 87 - 0 • Fax (03 85) 5 55 87 - 25 info@seemann-tiefbau.de • www.seemann-tiefbau.de 65


UNTERNEHMEN

Entlastung für das Büro Die Firma Wigger GmbH lagert Akten ein

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Eine unscheinbare Halle aus Beton-Fertigelementen in einem Schweriner Gewerbegebiet. Nichts Besonderes - Hunderte gibt es davon. Und doch ist diese Halle in der Landeshauptstadt etwas Außergewöhnliches. Ein kleines Schild an einem Nebeneingang weist darauf hin: Aktenlager steht darauf. Hier bietet die Firma Wigger GmbH eine Dienstleistung an, die so manches Unternehmen durchaus entlasten kann.

„In einer Halle hatten wir eine kleine Ecke abgeteilt, in der die Akten dann in Regale gestellt wurden.“ Doch das Geschäft weitete sich rasant aus. „Darauf waren wir zunächst gar nicht so recht vorbereitet.“ Inzwischen hat die Wigger GmbH aber ein professionelles Archivsystem aufgebaut, das einen sofortigen und schnellen Zugriff auf die Unterlagen ermöglicht.„Unseren Kunden können wir oft noch am gleichen Tag die gewünschten

Rainer Wilke ist der „Herr der Akten".

Durch ein klares Ordnungssystem kann Andreas Konen jede Akte leicht identifizieren.

Geschäftsführer Andreas Konen öffnet die Tür. Auf einer weiten Fläche sind lange Reihen von Kartons aufgestellt. Darin: Aktenordner. „Hier lagern etwa 80.000 Akten.“ Es sind nicht die der Firma Wigger, es sind „Fremdakten“. Betriebe, Anwaltskanzleien oder Planungsbüros haben hier ihr Archiv eingelagert. „Unterlagen müssen bis zu zehn Jahre lang aufbewahrt werden“, erklärt Andreas Konen. „Gerade Büros, die in der Innenstadt sitzen, haben da schnell ihren Keller zugestapelt.“ Aber es geht eben auch anders. „Wir haben vor über zehn Jahren ganz klein angefangen“, sagt Geschäftsführerin Nicole Wigger.

Papiere und Informationen zur Verfügung stellen.“ Das nutzen inzwischen etliche Firmen aus ganz Norddeutschland, aber auch aus Frankfurt am Main, Kassel oder Berlin. Dass eine durchaus große räumliche Distanz zwischen einem Büro und seinen Akten überhaupt kein Problem ist, beweist die Firma Wigger nahezu täglich. „Wir recherchieren auch für unsere Kunden“, sagt Andreas Konen. „Wir bekommen beispielsweise eine Anfrage, ob in einem bestimmten Jahr eine Rechnung für eine Computerlieferung vorliegt. Dann schauen wir selbst nach, der Kunde braucht nicht in unser Archiv zu

kommen.“ Aber natürlich können die Kunden auch selbst nach Schwerin kommen und in den Unterlagen nachsehen. Möglich ist das durch ein klares Archivsystem. „Die Ordner bekommen gleich nach ihrer Anlieferung eine Nummer, nach der wir archivieren und lagern.“ So kann garantiert werden, dass alle Informationen „schnell zur Verfügung stehen“, betont Konen. Eine Garantie dafür ist auch die strikte Anwendung des Quali-

täts-Managementsystems nach der ISO 9001. „Da können und wollen wir auch keine Abstriche machen“, sagt Andreas Konen. „Zuverlässigkeit ist für uns oberstes Gebot.“ Ebenso wie die Sicherheit. Das beginnt schon gleich nach der Anfrage, ob die Firma Wigger Unterlagen einlagern kann. „Das erste ist immer ein Beratungsgespräch“, sagt der Geschäftsführer. „Wir nehmen grundsätzlich keine Ordner ‚blind’ an.“ Wenn die Einzelheiten geklärt sind, werden die Akten mit eigenem umfangreichen Fuhrpark abgeholt. In der 4.500 qm großen Halle wird dann jeder Aktenrücken aufgenommen, mit einer

Nummer versehen und im Archivsystem verzeichnet. „Wir wissen damit jederzeit wo welcher Ordner steht.“ Nach einer Frist von bis zu zehn Jahren können Akten entsorgt werden. Am großen Ausfahrttor steht gerade ein Container, in dem sich unzählige Ordner türmen. „Immer im Januar geben wir die Einzelakten, deren Einlagerungspflicht abgelaufen ist, in die Entsorgung“, erklärt Konen. „In diesem Jahr waren es sechs

In langen Reihen lagern 80.000 Akten.

30-cbm-Container. Dies ist der letzte.“ Die Unterlagen werden von einer Spezialfirma abgeholt, die die Papiere sachgerecht schreddert, Metallteile separiert und das Häckselgut dann verbläst. In der Folge wird das Häckselgut zu Ballen gepresst und dem Recycling zugeführt. Eine Rekonstruktion der Akten ist absolut unmöglich. „Wir sind mit diesem Konzept in der Region einzigartig“, sagt Nicole Wigger. Text & Fotos: Gert Steinhagen

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Traum vom Eigenheim Der Immobilienmarkt in Deutschland gerät aus den Fugen, die Preise steigen rasant. Aus Angst um ihr Geld investieren die Bürger in Häuser und Wohnungen.

„Auch die Schweriner Region wird vom Immobilienboom erfasst“ sagt Peter Eckel, Immobilienspezialist der hit.

Egal wo man hinschaut, in fast allen größeren Städten signalisiert schon allein die Zahl der Kräne, dass sich am Bau etwas tut. Deutschland erlebt einen Immobilienboom wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Befeuert von sinkender Arbeitslosigkeit und niedrigen Zinsen steigen die Preise für Wohnimmobilien immer schneller. 2011 legten sie mit 5,5 Prozent bereits mehr als doppelt so stark zu wie im Jahr davor errechnete die Bundesbank in dieser Woche. Erstmals seit zwei Jahrzehnten sei hierzulande ein Konjunkturaufschwung wieder mit einer markanten Preisreaktion auf den Häusermärkten verbunden. Ein schnelles Ende des Booms ist nicht in Sicht, zumal viele Käufer in Immobilien flüchten, um ihr Geld angesichts der Finanzkrise zu sichern. Immobilien – egal ob selbst genutzt oder als bloßes Anlageobjekt sind der Renner. ���Betongold beruhigt“ sagt Peter Eckel. Nach seinen Berechnungen werden die Preise für Immobilien in Deutschland bis mindestens 2015 jährlich zwischen drei und fünf Prozent ansteigen. Das war nicht immer so. Am deutschen Markt tat sich lange Zeit gar nichts. Während in Spanien, Irland und Frankreich die Hauspreise durch die Decke gingen, verloren Immobilien hierzulande sogar an Wert. Zwischen der Jahrtausendwende und 2005 fielen die Preise um acht Prozent, danach stagnierten sie (siehe Grafik). Seit eineinhalb Jahren ist der Trend gebrochen. Der Zeitpunkt dürfte kein MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Zufall sein, denn im Frühjahr 2010 eskalierte die Euro-Schuldenkrise. Seitdem suchen Anleger einen sicheren Hafen für ihr Geld – und landen häufig bei sicheren und eigengenutzten Immobilien. Diese gelten im Vergleich zu hochkomplexen Finanzstrukturen immer noch als die „wahren Werte“. Die Furcht vor einem Wertverfall des Geldes ist dabei der eine Treiber des Booms. Die Suche nach Rendite der andere. Die Mietrenditen für deutsche Wohnimmobilien liegen oft bei über fünf Prozent und damit weit über den Renditen solider Staatsanleihen. Gleichzeitg war es noch nie so günstig, ein Eigenheim zu finanzieren. Hypothekenkredite über zehn Jahre gibt es schon für weniger als drei Prozent Verzinsung. Und der sogenannte Erschwinglichkeitsindex, der die deutschen Hauspreise zu den Einkommen ins Verhältnis setzt, liegt bei 20 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Immer mehr besorgte Menschen wollen seitdem das haben, worauf die hit. spezialisiert ist: Reihenhäuser, Doppelhäuser oder Einzelhäuser als Kapitalanlage. „Anfang 2011 ging es so richtig los“, sagt Eckel. „Wir inserieren Immobilienangebote kaum noch, es gibt so viele vorgemerkte Interessenten, die nur darauf warten, dass wir ein passendes Haus in unseren bundesweiten Baugebieten anbieten.“ Auch 2012 werde wieder ein tolles Jahr werden: „Die Kunden haben ein ungutes Gefühl, wenn sie ihr Geld auf dem Konto liegen haben, sie wollen investieren. Und zwar nicht in verschachtelte Bankprodukte, sondern in etwas, das sie verstehen.“ Zwar sehen Experten für Deutschland noch keine exzessive Preisentwicklung erreicht. „Es gibt Nachholbedarf. Der Immobilienboom wird sicher noch drei bis fünf Jahre andauern“. Bommende Landstriche wie rund um die Schweriner Seenplatte dürften auch künftig gut dastehen.

Stetig aufwärts % Entwicklung der Immobilienpreise in Deutschland 130 2005 = 100 125 120 115 110 105 100 95

Prognose

Erwartung obere

mittlere

untere

99 01 03 05 07 09 11 13 15 Quelle: BIS – Deutsche Bank Research

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Mehr Transparenz bei Versicherungsabschlüssen Versicherungsmaklerin Iris Wiesner bietet neue Dienstleistung an Dienstagmorgen: Frau F. erzählt mir am Telefon, ihre Freundin sei bei mir gewesen und sie glaube, dass sie jetzt endlich auch etwas unternehmen müsse. Ich frage nach, was sie damit meine. Frau F. möchte eine Rentenversicherung abschließen. „Und ich glaube, ich brauche auch eine Haftpflichtversicherung, denn ich bin selbstständig tätig“, fügt sie hinzu. Wir vereinbaren einen Termin in meinem Büro. Am Mittwoch in einer Woche. Vorher aber frage ich sie noch nach Einzelheiten zu ihrer beruflichen Tätigkeit und bitte die Frau, zu unserem Gespräch den letzten Steuerbescheid sowie die letzte Kontoinformation der Deutschen Rentenversicherung mitzubringen.

Was bedeutet eigentlich Haftung? Frau F. erscheint zum vereinbarten Zeitpunkt pünktlich in meinem Büro. Gleich zu Beginn unserer Begegnung lege ich ihr das gesetzlich vorgeschriebene Informationsblatt vor und erkläre ihr kurz den Unterschied zwischen Versicherungsmakler und Versicherungsvermittler. Versicherungsmakler sind unabhängig tätig und nicht an bestimmte Versicherungsunternehmen gebunden. Sie sollten Mitglied in einem Berufsverband sein. Ich frage Frau F., wo sie ihr berufliches Haftungspotenzial sieht. Eine Haftpflichtversicherung prüft die Ansprüche des Anspruchstellers und bezahlt einen Schaden, wenn der angemeldete Anspruch zu Recht besteht. Besonders wichtig ist aber auch die Abwehr unberechtigter Schadenersatzansprüche. In einem solchen Falle übernimmt die Versicherung auch eventuelle Gerichtskosten, beruhige ich Frau F. Und ich lege ihr ein speziell für ihre Bedürfnisse ausgewähltes Angebot vor. Sie wird es sich überlegen. Was bedeutet professionelle Rentenplanung? Nun kommen wir zum eigentlichen Thema, der professionellen Rentenplanung. Professionell heißt hier, die Dinge anders zu sehen als üblich. Ich erkläre Frau F. dass es nicht um die Frage gehe, was sie für ihre Rente etwa anlegen wolle. Stattdessen lautet die Zukunftsfrage: „Sie haben heute rund 1.600 Euro im Monat zur Verfügung. Sie wissen, wie Ihr Leben mit diesen 1.600 Euro aussieht. Was meinen Sie, mit wie viel Geld können und möchten Sie im Alter auskommen?“ Es ist auch eine Frage nach Wunsch und Wirklichkeit. Nach kurzem Überlegen sagt Frau F., dass sie „auf jeden Fall“ 1.300 Euro brauche. Mit Hilfe einer professionellen und anbieterunabhängigen Software rechne ich ihr die Lücke zwischen ihrem Wunsch und der Wirklichkeit aus. Wir sprechen ausführlich über Kaufkraft und Inflation, über Rendite und Lebenserwartung. Es folgen noch ein bisschen Versicherungsmathematik und ein unschönes Wort: „Restlebenserwartung“. Wie kann man das Sparen für die Rente optimieren? Die derzeitige Lücke von Frau F. beträgt mehrere hundert Euro, worüber meine Besucherin erst einmal entsetzt ist. Aber haben die Menschen nicht ein Recht auf die Wahrheit, ein Recht auf ihre Rentenwahrheit? Politik und Staat sagen ihnen nicht die Wahrheit. Und keiner spricht aus, dass sich die Menschen mitunter zwischen Gegenwart und Zukunft

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bewusst entscheiden sollten. Jetzt ein neues Auto oder später eine auskömmliche Rente? Frau F. wird nachdenklich. Die monatliche Sparrate ist ihr zu hoch. Ich erläutere ihr verschiedene Optimierungsmöglichkeiten, die staatlichen Förderinstrumente und deren Nebenwirkungen. Am Ende unserer Begegnung möchte Frau F. monatlich 200 Euro sparen. Meine Besucherin ist 30 Jahre jung und bis zur Rente bleiben ihr noch 37 Jahre. Mit ein wenig Disziplin und einer regelmäßigen Überprüfung ihrer Geldanlagen hat sie eine realistische Chance, ihre Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen. Frau F. ist jetzt doch ganz froh. Wie garantiert sind eigentlich die Garantien? Wir sprechen noch kurz darüber, mit welcher Kapitalanlage realistisch gesehen welche Rendite erzielt werden kann und wie garantiert eigentlich Garantien sind. Dann verabreden wir einen neuen Termin, an welchem ich ihr verschiedene Angebote vorlegen werde. Ach ja, die statistische „Restlebenserwartung“ ab Rentenbeginn beträgt für eine heute 30-jährige Frau 16 Jahre, für einen heute 30-jährigen Mann 13 Jahre. Diese anderthalb Jahrzehnte wollen gelebt – und bezahlt sein. Lassen Sie uns darüber reden. Iris Wiesner

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Wohnungseigentum ohne Probleme Wie eine Verwaltung sich mit Herz und Verstand einsetzt Seit Jahren sinkt in Schwerin die Zahl der Einwohner – aber die Zahl der Eigentumswohnungen hat eher eine steigende Tendenz. Jedes Jahr entstehen einige hundert neue Wohnungen. Immer mehr Wohnungseigentümer stellen sich die Frage, wie ihre Immobilie optimal betreut werden kann. Dabei kommt es sehr auf den Verwalter an. Werterhalt und Rentabilität für Grundbesitzer, problemloses Wohnen mit fairen Mieten für Mieter – das ist in kurzen Worten die Linie, die Wentzel Dr. im Umgang mit Immobilien eingeschlagen hat. Damit eine Immobilie auf Dauer allen Beteiligten Spaß macht, muss ein wachsames Auge auf ihr ruhen. Private Häuslebauer kennen das: Es gibt selbst bei Neubauten immer ein paar Kleinigkeiten, die nach einer kundigen Hand verlangen. Umso mehr gilt dies aber für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG). Das Modell, dass sich mehrere Besitzer eine Immobilie teilen, hat viele Vorteile. Die Eigentumswohnung ist sowohl für Selbstnutzer als auch für Vermieter attraktiv. Für die Immobilie als Ganzes ist die Eigentümergemeinschaft verantwortlich. Diese kommt aber in der Regel nur einmal jährlich zusammen – für die kontinuierliche Betreuung einer Immobilie ist das zu selten. Deshalb nimmt der Verwalter als Vertreter aller Eigentümer eine besondere Rolle ein: Er kümmert sich um alles, was das Zusammenleben der verschiedenen Parteien im Haus betrifft – von der Hausordnung über die Versicherungen bis hin zur Aufstellung eines Wirtschaftsplans. Die technische Instandsetzung und Instandhaltung einer Immobilie ist eine der wichtigsten Aufgaben, die eine Hausverwaltung zu erledigen hat. Gefordert ist also beides: kaufmännische und technische Kompetenz. Deshalb gibt es bei Wentzel Dr. sowohl im Hamburger Stammhaus als auch in Schwerin neben den Kaufleuten der WohnungsMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

wirtschaft auch technische Abteilungen.„Bei uns ist immer Saison“, bekennt Bauingenieurin Heike Dobbeck, die am Schweriner Sitz von Wentzel Dr. in der Steinstraße für die technische Betreuung der Wohnungseigentümergemeinschaften und vielen Miethäusern zuständig ist. Die Aufgaben sind dabei bunt gemischt:Von Verschönerungsarbeiten bis hin zu komplizierten Umbauten reicht das

Kellerdecke, die vom Echten Hausschwamm befallen ist. Dies ist keine Kleinigkeit mehr, denn der Pilz ernährt sich von den verbauten Holzteilen, bis nur noch eine krümelige Substanz übrig ist. Er braucht ansonsten nur ein wenig Feuchtigkeit und kann mit beängstigender Geschwindigkeit von mehreren Metern pro Jahr wachsen. In so einem Fall müssen die befallenen Hölzer, also die tra-

nis“, stellt Niels Deeg fest. Er leitet die Schweriner Dependence von Wentzel Dr. und hat damit die Gesamtverantwortung für die Rundum-Betreuung, die Wentzel Dr. bietet. Wer sich nur ein wenig umhört oder ein paar Stichwörter in eine Internet-Suchmaschine eingibt, stellt fest, dass es rund um das Thema Immobilienverwaltung viel Streit gibt. „WEG-Verwaltung ist voller juristischer und menschlicher Fallstricke“, befindet Deeg. „Ihre Immobilie ist für Eigentümer eine emotional und wirtschaftlich äußerst wichtige Angelegenheit. Damit alle Beteiligten zufrieden sind, braucht man Fingerspitzengefühl, muss den Ausgleich suchen und eine genaue Kenntnis des rechtlichen Rahmens haben.“

Eine Dachterrasse kann den Wohnwert erheblich erhöhen. Aber nur, wenn auch alles dicht ist!

Aufgabengebiet. Jetzt, zum Ende des Winters, kommen häufiger Schäden zutage, zu denen auch der Wechsel von Frost und Tauwetter beigetragen hat: Durchtropfende Balkons oder Dachterrassen. „Es ist wichtig, ein dichtes Flachdach oder eine Dachterrasse zu planen“, sagt Heike Dobbeck. „Die Probleme haben wir fast immer an den Anschlüssen.“ Der Übergang beispielsweise von einer Balkontür auf den Balkon – das ist eine potenzielle Schwachstelle. Hier kommt es sehr auf die handwerklich gute Ausführung an. Wenn es an solchen Stellen zu Problemen mit eindringender Feuchtigkeit kommt, sollte man schnell handeln. Denn die Probleme können sich ausweiten und zu erheblichen Folgeschäden führen. Heike Dobbeck betreut beispielsweise gerade die Sanierung einer

genden Balken, weiträumig entfernt werden. Um die Gefahr für die Zukunft auszuschließen, wird eine neue Decke Eine gute Hausverwaltung betreut auch Umbau- und aus Beton erstellt. Erneuerungsarbeiten. Besonders bei Balkons, Flachdächern Der Alltag in der oder Dachterrassen kommt es auf die gute handwerkliche GebäudebetreuAusführung an. ung von Wentzel Dr. sieht zum Dieser Rahmen ist im WohnungsGlück aber weniger dramatisch eigentumsgesetz abgesteckt. Es aus. Doch Kompetenz und Erfahregelt die Rechte und Pflichten der rung sind auch bei kleineren Eineinzelnen Eigentümer und des griffen notwendig. Verwalters.„Wir sind auf WEG-Verwaltungen spezialisiert und widAuch die kaufmännische Seite men uns dieser Tätigkeit mit ganerfordert Kompetenz und Erfahzer Kraft. Deshalb sind unsere rung. Die Ausbildung zum ImmoKunden auch überdurchschnittbilienkaufmann oder Immobilienlich zufrieden mit uns!“ kauffrau dauert drei Jahre. „Als WEG-Verwalter braucht man aber neben dem Fachwissen zusätzlich Erfahrung und Menschenkennt69


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KREATIV

Elfen

und andere Geister

Ines Bargholz mit „Schaamuckel“. Die Figur ist mittlerweile zu einer Art Maskottchen der Schaalseeregion geworden.

In den Bildern von Ines Bargholz vereinen sich Blüten, Blätter und Samenkörner zu fantasievollen Wesen aus der Elfenwelt. Ein Besuch in ihrem Atelier im Biosphärenreservat Schaalsee ist inspirierend und schärft den Blick für das Wesentliche. Die Dielen des alten Schulhauses knarzen. Fast möchte man sie meiden, zum Schutz der feinen Blütenblätter, die sie zieren. Schon der Fußboden ist ein Kunstwerk. Nichts ist hier so wie immer. Sphärische Klänge durchdringen den Raum. Etwas Mystisches liegt in der Luft. „Willkommen in meinem Energiefeld“. Ines Bargholz wirkt vertraut und – obwohl sie es ist – so gar nicht fremd. Seit 22 Jahren lebt sie in diesem Haus am Schaalsee – ihrer Elfenschule.

Von den Wänden blicken unzählige kleine Wesen aus Blütenblättern herab. Passiflora, Balsamia, Paul und Paula – so ungewöhnlich wie ihre Namen sind sie selbst. Zusammengesetzt aus unzähligen Blüten und Blättern, fein gepresst, in den herrlichsten Farben der Natur. Jedes noch so kleine Samenblatt hat seine ganz eigene Bestimmung, ist Teil eines Ganzen, einer Welt voller Elfenwesen.Wassernixen umschwirrt von Blütenfischen, Reigen tanzende geflügelte Wesen, schaukelnde Blumenmädchen und jonglierende Blätterartisten – wie selbstverständlich sind sie da. So als gehörten sie auf diese Welt. In der Welt von Ines Bargholz jedenfalls haben sie ihren festen Platz. Überall in der Natur nimmt sie die kleinen Wesen war. Jeder Busch, jeder Strauch ist Hort dieser kleinen Geschöpfe. „Überall wimmelt es nur so von ihnen, schauen mich ihre Augen an“, erzählt die Künstlerin, sich durchaus dessen bewusst, dass viele das auf den ersten Blick für pure Spinnerei halten. „Im Grunde ist es wie ein Zugang zum Reich des Unbekannten, des nicht Sichtbaren. Meine Bilder drücken die Wirklichkeit aus, wie es Worte nie könnten.“ Die Nähe zur Natur macht ihr das möglich. Hier spüre sie die Kräfte des Lebens und kann sich dem Wesentlichen, den Kräften der Natur öffnen, wie sie sagt. In der Elfenschule erlaubt sie sich das, schafft damit ihre eigene kleine Welt. „Als Künstlerin darf ich das.“ In den einzigartigen Kunstwerken steckt akribische Detailarbeit. In ihrem Atelier bewahrt sie ihre unzähligen Schätze auf. Die unterschiedlichsten Blüten, Blätter und Samen. In der Natur gesammelt, sorgfältig getrocknet und gepresst, wohlgeordnet mit der Genauigkeit eines Briefmarkensammlers. Zu jedem noch so kleinen Pflanzenteil kennt Ines Bargholz den Namen des Gewächses. Sie weiß genau, womit sie gerade arbeitet. Mit einer Pinzette legt sie blitzschnell die verschiedensten Figuren zurecht, probiert, ord-

net neu, lässt Elfenwesen entstehen. Es ist, als denke sie gar nicht darüber nach. Als würden die Figuren ganz intuitiv entstehen. Als werde ihre Hand von einer inneren Stimme geleitet. Mittlerweile hat sich ihre Gabe, die Elfenwelt sichtbar zu machen, herumgesprochen. Viele Gäste holen sich Anregungen bei Ines Bargholz oder verbringen gar ganze Elfenwochenenden bei ihr in Neuenkirchen. „Viele sind erstaunt, wenn sie plötzlich ihre kreativen Züge entdecken. Manche empfinden die Zeit hier sogar richtig befreiend.“ An solchen Tagen entstehen meist ganz neue Wesen. Dann bekommt auch das „kleine Volk“ vom Schaalsee, wie es Ines Bargholz liebevoll nennt, Zuwachs aus Papier, Draht, Pappmaché und Farbe. Sie sind eine „Interpretation des eigenen Seins“. Die Elfenwelt ist für sie eine Art Metapher für die Seele. Ihre Bilder stellen dar, wie sie selbst die Dinge wahrnimmt, sind die Stimme ihrer Seele, wie sie sagt. „Ich kann nicht versprechen, dass die Wesen tatsächlich so aussehen, wie ich sie darstelle. Ich kann nur versprechen, dass sie so sind.“

In ihrem Atelier erschafft die Künstlerin zauberhafte Elfenwesen.

Bunte Sommerwiese: Alles was die Natur bietet, verarbeitet Ines Bargholz in ihren Bildern.

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Die Galerie der Elfenschule ist ein Ort zum Wohlfühlen und Staunen.

Bei aller Fantasie: Man muss die Art Kunst mögen, um sich auf sie einzulassen. Da ist Ines Bargholz ganz realistisch. Auch sie selbst hat sich dieser Welt erst allmählich geöffnet. Das Studium an der Fachschule für angewandte Kunst im Ostseebad Heiligendamm hat die gelernte Porzellanmalerin aus Sachsen-Anhalt nach Mecklenburg-Vorpommern verschlagen. Dekor und Gestaltung war ihr Fachgebiet. Dabei hatte sie oft mit dem Klischee der „Dekomieze“ zu kämpfen. Oft habe es geheißen, „Deko? Wer braucht das schon!“. Doch die Gestaltung von Flächen hat sie nie losgelassen. In Boizenburg hat sie eine Zeit lang Fliesen entworfen, auch jetzt bemalt sie Porzellan oder gestaltet Fußböden in ihrem Atelier. „Es reizt mich, was sich hinter einer Oberfläche verbirgt, welche Schichten und Geschichten dahinter stecken. Das macht sie so zauberhaft.“ Ihre eigenen Dekore sind deshalb nicht plakativ, sondern möglichst transparent. „Ich arbeite immer mit dem, was da ist und liebe es, das Leben mit einzubeziehen“, sagt Ines Bargholz. Dass sie nun mit Blütenblättern arbeitet, war Zufall. Wenngleich sie, nimmt man es genau, eigentlich schon immer mit den Elementen der Natur gearbeitet hat: Mit dem Porzellan aus der Erde, im Feuer gebrannt, und mit Farben bemalt, die nur durch die Luft sichtbar sind. Text & Fotos: Manuela Heberer

Überall in und um die Galerie trifft man auf das „kleine Volk“ vom Schaalsee aus Papier, Draht und Pappmaché. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

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ERLEBNIS

Kloster Tempzin lädt zu Pilgerwegen ein

First Class für die Seele In diesem Jahr wollen die Pilger dem Birgittenweg von Bergen auf Rügen nach Tempzin folgen.

Einmal nach Santiago de Compostela oder wenigstens auf dem Jakobsweg zu gehen – das gehört heute schon fast zum guten Ton. „Unsere Sehnsucht gilt nicht Santiago”, sagen Magdalene und Joachim Anders, die Leiter des Pilger-Klosters Tempzin. „Wir bleiben in der Heimat.” Der evangelische Pastor und die kirchliche Mitarbeiterin luden schon zum Pilgern ein, als die moderne Welt das spirituelle Wandern, um den Menschen, Gott, sich selbst nahe zu kommen, noch nicht für sich entdeckt hatte. Das Ehepaar hat 1989 den ersten ausgeschilderten Pilgerweg Deutschlands geschaffen. Damals kamen jeden Sommer etwa 50 Menschen mit ihnen, junge und alte, Frauen und Männer. Ihre Wanderungen führten sie rund um Sternberg. Magdalene und Joachim Anders organisierten die Wege, die Verpflegung, die Übernachtung in Kirchen oder Schulen. Und sie kümmerten sich um die geistliche Begleitung der Pilger. Viele kamen immer wieder. Und irgendwann wurde der Wunsch groß, eine eigene Herberge zu schaffen, “ einen Ort, wo wir uns festmachen können”, berichtet Pastor Anders. „Am liebsten in der Nähe einer große Kirche, in der alle Platz finden, und an dem wir noch etwas tun können.” Mit dem Antoniter-Kloster Tempzin bei Brüel fanden sie vor 19 Jahren den idealen Ort, an dem noch sehr viel zu tun war. Die Antoniter waren ein Hospitalorden, gegründet, um das seit Ende des 11. Jahrhunderts auftretende Heilige Feuer zu lindern.” Die Massenerkrankung war mit hohem Fieber verbunden; den Erkranken faul74

Fotos (2): Schmeil

ten Gliedmaßen ab, unkontrollierbare Muskelkontraktionen führten zum Veitstanz. Erst ein halbes Jahrtausend später wurde als Verursacher ein Pilz entdeckt, der das Mutterkorn des Roggens befällt und zu den tödlichen Gefäßverengungen führte. Das Tempziner Kloster wurde im Sommer 1222 gegründet und wurde bald zum Mutterkloster für andere Niederlassungen in Ostpreußen, Skandinavien und im Baltikum. Nach der Säkularisierung verfiel die über 500 Jahre alte Anlage. Kirche, Gutspächterhaus und Warmhaus, letzeres in einem ruinösen Zustand, blieben übrig. Doch die Pilger gründeten einen Verein und machten sich an die Arbeit. Heute ist das Warmhaus der Kern des Pilger-Klosters mit Begegnungs- und Andachtsräumen. Im ehemaligen Gutspächterhaus entstanden gemütliche, aber einfache Zimmer für die Pilger. Magdalene Anders: „Wir können natürlich keine First ClassAusstattung bieten. First Class finden Sie bei uns auf anderer Ebene - für Körper, Geist und Seele.” Dazu gibt es die „Segnen und Heilwerden”-Gottesdienste für Kranke und Gesunde oder die Tage innerer Einkehr. Seit 1994 wird nun schon gebaut. Mit wenigen Fördermittel für die denkmalgeschützte Anlage. Aber mit vielen Spenden und tatkräftiger Hilfe. Vereinsmitglieder arbeiten hier und Pilger bei den „Ora et Labora”-Wochen. Unter dem Motto “Bete und Arbeite” macht Jeder, was er am besten kann. Ungebrochen beliebt sind die Pilgerwege. Organisiert, geführt und geistlich begleitet von Magdalene und Joachim Anders. Beide sind – wenn man es ihnen auch nicht ansieht -

Der Westgiebel der Tempziner Pilger-Kirche.

Komfort bieten die Unterkünfte der Pilger nicht. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


ERLEBNIS nicht mehr die Jüngsten, trotzdem denken sie nicht ans Aufhören. Denn: „Es sind lauter Perlenmenschen, die hierher kommen”, sagt Magdalene Anders. Wenn auch Santiago nicht ihr Ziel ist, so machen sich beide in diesem Jahr doch auf den Jakobsweg. Vom 18. bis 29. Juli führen sie Pilger von Bergen auf Rügen 200 Kilometer weit nach Tempzin auf dem Birgitten-Weg, folgen den Spuren der heiligen Birgitta von Schweden, die die Region 1341 auf ihrem Pilgerweg nach Santiago durchquert hatte. Wer mehr wissen oder sich anmelden möchte, kann dies unter www.pilger-kloster-tempzin.de tun. Und wer die historische Anlage und den Verein persönlich kennenlernen möchte, kann dazu das traditionelle Kloster- und Pilger-Fest am Pfingstmontag nutzen. Die Jakobsmuschel ist das Zeichen des Birgitten-Weges.

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Birgitt Hamm

Magdalene und Joachim Anders, die Initiatoren und Leiter des Pilger-Klosters Tempzin, im Andachtsraum Fotos (3): Birgitt Hamm des Warmhauses.

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GESUNDHEIT

Dank Laser keine Angst vorm Zahnarzt

Der Laser ist für Behandlungen jederzeit einsatzbereit. Foto: A. Karsten

Wer hat schon Angst vorm Zahnarzt? ... Niemand natürlich – zumindest wird es kaum jemand zugeben wollen, denn Zahnpflege ist nicht nur ein „gesundheitliches Muss“, sondern auch ein „gesellschaftliches Möchte“. In der Schweriner Zahnarztpraxis von Dr. Karin Meyerink steht der Patient im Mittelpunkt – genau mit dem Anliegen, das für ihn wichtig ist. Alternative Behandlungsmethoden „Auch der Mutigste hat seine Grenzen“, weiß Dr. Meyerink und bietet in ihrer Praxis - als einer von wenigen in M-V - dank modernster Technik eine schmerzarme Behandlung an. Diese basiert auf der Lasertechnik: Licht einer bestimmten Wellenlänge, das gebündelt in eine bestimmte Richtung eingesetzt wird. Anstelle des laut dröhnenden Bohrers hört der Patient nur ein leises „Knacksen“ der Lichtquelle. Diese behält einen Sicherheitsabstand zu den schmerzempfindlichen Nerven ein und ermöglicht so eine Behandlung ohne Betäubung und Blutungen: Dr. Meyerink: „Ich freue mich, dass meine Patienten deutlich entspannter auf dem Behandlungsstuhl sitzen und: Weil sie keine Angst mehr vor Spritze oder Bohrer haben, warten sie bei Beschwerden auch nicht mehr bis zum letzten Moment!“ Nach Qualifizierung bei Professor Dr. Andreas Moritz von der BernhardGottlieb Universitätszahnklinik der MedUni Wien und der erfolgreichen Anwendung in ihrer Praxis wünscht sich die Zahnärztin: „dass dies zukünftig die gängige Behandlungsmethode sein wird. Aber ich bin mir durchaus bewusst, dass wir hier auch wirtschaftlichen Zwängen unterliegen!“ 76

Dr. Karin Meyerink schenkt ihren Patienten größte Aufmerksamkeit.

Bei dem Behandlungstermin mit Laser ist keine BetäuFotos: privat bung erforderlich.

Alternative Zahntechniken Ergänzend zur Behandlung mit dem Laser wendet Dr. Meyerink in ihrer Praxis eine alternative Zahntechnik, das CEREC-Verfahren, an. Mit diesem kann zum Beispiel in nur einem Behandlungstermin der erkrankte Teil eines Zahns, oder falls erforderlich der ganze Zahn, ersetzt werden. Auf herkömmliche Weise ist es notwendig in einem ersten Termin die betroffenen Stellen freizulegen um anschließend mit einer Kieferplatte einen Abdruck des betroffenen Zahns abzunehmen. Wenn dieser ausgehärtet ist, kann zu einem nächsten Termin ein Gegenstück und der Zahnersatz geformt werden, der dann das Provisorium ersetzt. Nach dem CEREC-Verfahren hingegen ist nur ein einziger Behandlungstermin notwendig: Der betroffene Zahn wird behandelt und nachdem eine kleine Mundkamera den Zahn vermessen hat, erstellt ein Computer aus einem kleinen Keramikblock eine detailgetreue „Kopie“. Diese kann nur wenige Minuten später eingefügt werden und ist unmittelbar nach der Behandlung belastbar: Das Härten mit speziellem Licht macht es möglich - schneller geht es kaum.

oder Zahnstein bilden können. Parodontitis kann darüber hinaus auf den gesamten Gesundheitszustand eines Menschen Auswirkungen haben. Dr. Meyerink: „Mit der Entzündung kann ein Enzym aktiviert werden, das zu schwerwiegenden Erkrankungen führen und zum Beispiel das Risiko für einen Schlaganfall oder Diabetes erhöhen kann – das wird heute leider oftmals unterschätzt.“ Seit einigen Jahren schon arbeitet Dr. Meyerink mit dem Krankenhaus am Crivitzer See zusammen und erzielt gute Erfolge bei der Behandlung, sowie der Vor- und Nachsorge von Diabetes-Patienten.

Vorbeugen für Zahnerhalt und Gesundheit Die Zähne eines Menschen begleiten ihn im Idealfall sein Leben lang. Gesunde Ernährung, gründliche Zahnpflege und regelmäßige Prophylaxe sind wichtig für den Schutz vor Parodontose, die sich nach Bluthochdruck zur Volkskrankheit Nr. 2 entwickelt hat. Es handelt sich dabei um Entzündungen von Zahn, Zahnfleisch, Zahnfach oder Wurzelhaut, ausgelöst von Bakterien, die sich durch Plaque

„Natürlich muss der Mensch immer im Mittelpunkt stehen“, fasst die engagierte Zahnärztin zusammen und ist erstaunt darüber, dass Patienten sich darüber wundern, wie viel Zeit sie sich für Beratung und Behandlung nimmt. Mit Weiterbildungen und speziellen Qualifizierungen stellt Karin Meyerink stets hohe Anforderungen an sich und ihr Team – nimmt sich selbst hingegen lieber zurück. So möchte sie zum Beispiel kein Aufhebens darum machen, dass sie vor einigen Jahren vom damaligen Bundespräsident Roman Herzog für ihr Engagement in der Aktionsgemeinschaft Zahnarzthilfe Brasilien geehrt wurde: Viele Jahre verzichteten sie und ihre Familie auf Urlaub, um in den Elendsvierteln (Favelas) Brasiliens unentgeltlich diejenigen zahnärztlich und humanitär zu versorgen, die aufgrund weiter Entfernungen oder völliger Armut keinen Zugang zum staatlichen Gesundheitsdienst hatten. ack MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


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PFERDESPORT

Aschenputtel gewann Schweriner Horse Show Fortsetzung des Events folgt

Miriam Schneider mit Aschenputtel war Siegerin im Großen Preis. Foto: Karl-Heinz Frieler

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PFERDESPORT

Mario Stevens war Sieger im Hauptspringen am Samstag.

Foto: Karl-Heinz Friele

Christian Strahlmann, Veranstalter der Schweriner Horse Show und Rikke Bindner-Borchert, Hoteldirektorin vom Gut Vorbeck – dem Hauptsponsor, waren erstmal zufrieden:„Das war ein Top-Ergebnis im Großen Preis und so spannend. Ich freue mich, dass das Turnier in diesem Jahr noch besser war, als beim ersten Mal“, freute sich Rikke Bindner-Borchert Das große Los zog in Schwerin am Sonntag eine Stute namens Aschenputtel mit ihrer Reiterin Miriam Schneider. Die 31-jährige Gymnasiallehrerin sorgte mit ihrer schnellen Siegerrunde für eine faustdicke Überraschung beim mit 20.000 Euro dotierten

Großen Preis des Gutes Vorbeck. Sie war eine gute Sekunde schneller, als der zweitplatzierte Tobias Meyer aus Bonstetten mit der acht Jahre alten United Love. Sie hatte ihm bereits am Samstag Platz drei in der zweiten Qualifikation zum Großen Preis

Siegerehrung beim Großen Preis des Gutes Vorbeck v.l.n.r.: Richter Manfred Genske, Rikke Bindner-Borchert (Gut Vorbeck), Christian Strahlmann, Minister Dr. Til Backhaus und Oliver Kremer. Foto: CH MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

beschert. Miriam Schneider wusste kaum wie ihr geschah: „Das ist mein erster Sieg in einem Drei-Sterne-Grand Prix“, freute sich die smarte Amazone, die sich für eine Auszeit vom Schuldienst beurlauben ließ und nun im Stall Holzeder in der Nähe von Passau

beschäftigt ist. „Ich wollte das mal ausprobieren - nur reiten, möchte aber später wieder eine halbe Stelle im Schuldienst antreten und das mit dem Reitsport kombinieren“. Schwerin gehört übrigens ab sofort zu ihren „Lieblingsstädten“…. 

Tobi Meyer (links) und Mario Stevens (rechts) hatten sich erst kurz vorher angemeldet und erlebten ein erfolgreiches Wochenende. Foto: Karl-Heinz Frieler 79


PFERDESPORT

Das Show-Fahren mit Vierspännern aus Mecklenburg-Vorpommern kam sehr gut beim Publikum an.

Bester Mecklenburger Teilnehmer wurde Heiko Schmidt aus Neu-Benthen auf Platz vier hinter Denise Sulz (Nagold) mit Flotte Deern, die bei Marcus Ehning in Borken trainiert. Schmidt steuerte sein Nationenpreispferd Cassiopeia, die elf Jahre alte Tochter seines Hengstes Cellestial, durch den Großen Preis des Gutes Vorbeck. Die Stute wird mit Bedacht wieder in den internationalen Sport gebracht. Wie Schmidt nutzten weitere Mecklenburger Kollegen die vielfältigen Startmöglichkeiten, die das Programm der Schweriner Horse Show bot und brachten etliche teils junge Pferde - mit in die Sport- und Kongresshalle. Das galt uneingeschränkt auch für die Promi-Riege. Mannschafts-Weltmeisterin Janne Friederike Meyer etwa ritt La Coco, eine Stute, die eine wertvolle Entlastung für Top-Pferd Cellagon Lambrasco werden soll, in Schwerin. Team-Kollegen Carsten-Otto Nagel zeigte u. a. seinen Derbysieger Lex Lugar 80

und Marcus Ehning hatte zur zweiten Schweriner Horse Show den einen oder anderen Nachkommen des berühmten Hannoveraner Hengstes mitgebracht, mit dem er Olympia- und EMGold gewann. Zum Beispiel auch Champion F.P., der mit Champion du Lys und For Pleasure gleich einen ebenso berühmten Vater wie Großvater hat, und dem Springreiter in flotten 49,19 Sekunden den Sieg in der ersten Qualifikation der großen Tour bescherte.

den vier Tagen und vor allem am Samstag und Sonntag war der Zuspruch gut. Unser Ziel ist es, in wenigen Jahren auch mal ´ausverkauft` melden zu können“, so Veranstalter Christian Strahl-

mann. Seit der Premiere 2011 also ein Schritt nach vorn und Anlass für Strahlmann und seine Mitstreiter, die Schweriner Horse Show fortzuführen. M.B.

Richtig gut bei den Besuchern der Horse Show kamen sowohl der Schauabend am Samstag an, den die Mecklenburgische Brauerei Lübz unterhaltsam und abwechslungsreich präsentierte – und auch der liebevoll und üppig ausgestattete IndoorSpielplatz. „Wir haben natürlich immer mit dem Vorjahr verglichen und es ist klar nachzuvollziehen, dass wir mehr Besucher hatten. Zwischen 6000 und 7000 Zuschauern an

Sieger im Barrierenspringen: Lea Steinbrüchel und Flashlight sowie Thomas Brandt mit Looping teilten sich den Sieg, stehend Christian Strahlmann. Foto: CH

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PFERDESPORT

Parcourschef Wolfgang Meyer aus Diehlo baute alle Kurse in Schwerin.

Impression mit Schleifen. MECKLENBURG-SCHWERIN del端x 1/2012

Foto: Karl-Heinz Frieler (3)

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Lübzer vergibt 2 x 100.000 Euro an ausgewählte Naturschutz-Projekte Ob die einmalige Kreideküste auf der Insel Rügen, der Müritz Nationalpark inmitten weiter Wälder und Seen oder das formenreiche Elbsandsteingebirge mit seinen Ebenen, Schluchten und Tafelbergen: Das Lübzer Land bietet eindrucksvolle und vielfältige Landschaften. Um diese einzigartige Landschaft zu schützen setzt die PremiumBiermarke in 2012 in seiner Markenführung auf Nachhaltigkeitsthemen und bekennt sich einmal mehr zu seiner Verantwortung als regional engagiertes Unternehmen. Die Brauerei verbindet dabei Unternehmertum mit Umweltengagement und vergibt in 2012 insgesamt 200.000 Euro an Naturschutzinitiativen im Lübzer Land. Im ersten Halbjahr stellt die Brauerei 100.000 Euro für ausgewählte Projekte zwischen Ostsee und Elbsandsteingebirge zur Verfügung. Weitere 100.000 Euro kommen im zweiten Halb82

Bereits ab März können Endverbraucher für die Förderung der vier Projekte „Nationalpark-Zentrum Königsstuhl“, „Adlerschutzprogramm des Müritz-Nationalparks“, „Seenschutzprogramm in Brandenburg“ und den „Landschaftsschutz in Sachsen und Thüringen“ abstimmen und dabei 1 von 33 original LübzerStrandkörben gewinnen.

„LLiDH-Partner Mecklenburg“ von l.n.r.: Christoph Seite, Marketingleiter Lübzer, Ulf Steiner, Geschäftsführer Nationalpark-Zentrum Königsstuhl, Ulrich Meßner, Leiter Müritz-Nationalparkamt.

jahr kleinen, individuellen Projekten von Kommunen, Vereinen oder Einzelpersonen zugute. Über die Verteilung der Spenden-

höhe bestimmt der Endverbraucher mittels Internet-Codes, die auf jedem Kasten Lübzer zu finden sind.

„Mit der Lübzer-Land-in-DeinerHand-Kampagne möchten wir das Bewusstsein für die Schönheiten unserer heimischen Natur schärfen. Die Verbraucher erhalten die Möglichkeit, direkt Einfluss zu nehmen, zu welchen Anteilen die Spende auf die Projekte verteilt wird. Für uns war es sehr wichtig, die Höhe der Gesamtsumme nicht an den Verkauf der Lübzer Kästen zu koppeln“, so Christoph Seite, Marketingleiter der Lübzer Brauerei. Weitere Informationen zur Kampagne finden Sie auf www.luebzer.de. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


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REISEN

Die grüne Lunge Südenglands Stippvisite in Cornwall Die nahenden Kreidefelsen von Dover machen schon aus der Ferne Lust auf die westenglische Küstenregion.

Wer die Schönheiten Südenglands zwischen Kanalküste und der Keltischen See bisher nicht kannte, wurde vielleicht durch die landschaftlich reizvollen Sequenzen der Rosamunde Pilcher Filmreihe aufmerksam. Doch nichts geht über eine persönliche Erkundungsreise. Es ist die Region der unzähligen buckligen Felder, der Parks und der scheinbar ewig grünen Ländereien und blühenden Gärten. Doch trotz des wärmenden Golfstromes, der diesen in den Atlantik ragenden Landzipfel umschließt, können die Gegensätze nicht größer sein. So dominiert in der Grafschaft Devon der nördliche Küstenbereich mit wildem und rauem Charme. Steile Felsklippen unterstützen diesen Eindruck insbesondere bei Land’s End, mit dem die westlichste Spitze Cornwalls von Atlantikwellen umspült wird. Und deren Lebendigkeit erscheint selbst bei schönstem Wetter ungezähmt. Zumindest ist dies der Eindruck von der stetigen Brandung, die an den felsigen Steilküsten nagt. Wer ländliche Einsamkeit und Stille sucht, findet sie in dieser recht abgelegenen Region.

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Anders zeigt sich der Süden, wo es nicht umsonst Einheimische, wie Touristen zur „englischen Riviera“ zieht. Der schöne und wärmende Frühling beginnt dort bereits vor Ostern. Der lange Sommer reicht mit milden Temperaturen gar weit in den November hinein. Folglich hat sich eine wundervolle Vegetation entwickelt. Palmen, malerische Fischerdörfer und attraktive Seglerhäfen sowie Badebuchten sorgen beinahe für Mittelmeeratmosphäre. Statt städtischem Verkehrsgewusel ist Natur pur angesagt. Diese zeigt sich abwechslungsreich an beiden Seiten der immer schmaler werdenden Landstraßen, je tiefer man in den ländlich-abgeschiedenen Bereich vordringt. Wer sich den Stress von Linksverkehr und sehr engen Straßen, vorbei an Hecken und Steinmauern ersparen will, nutzt den Vorzug sich per Bus oder Bahn von Ort zu Ort kutschieren zu lassen. Kommen gemütlich-verträumte Landsitze in Sicht, oder reetgedeckte Cottages, sind wundervoll gepflegte Gärten nicht fern. Etwa 50 öffentlich zugängliche Anlagen mit botanischen Attraktionen gibt es in Cornwall und Devon zu entdecken. Nationalparks, andere

gesellschaftlich verwaltete Areale oder solche, die sich im Privatbesitz befinden. Verschiedene Reiseanbieter haben sich längst mit ausgewählten Touren darauf eingestellt, einige der schönsten Drehorte wieder lebendig werden zu lassen. Erlebnisreisen auf Rosamunde Pilchers Spuren sind deshalb angesagt. Da darf dann auch die Fahrt durch das berühmte Dartmoor nicht fehlen. Mindestens einer der berühmten Gärten, zum Beispiel das attraktive Parkanwesen von Stourhead als Vorzeigeobjekt des klassischen englischen Landschaftsgartens, oder die „verlorenen Gärten von Heligan“ stehen fast immer auf dem Programm. Natürlich sollte zur Tea Time ein Verweilen in kleinen, romantischen Küstenstädten und Dörfer nicht fehlen. Insider bestellen dazu Scones mit Clotted Creme, fast buttrige Sahne und Konfitüre. „Nichts stärkt mehr und schmeckt köstlicher nach einem langen Marsch an frischer Luft“, behaupten nicht nur die Engländer. Text & Fotos: H.-J. Zeigert

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Brandung an den Klippen von Land’s End.

Älteste Poststelle von England in Tintagel/Cornwall, etabliert in einem Herrenhaus (14. Jahrhundert).

Das besondere Gartenerlebnis: Die Natur hat ein Gesicht.

Im Vordergrund die „Klapperbrücke“ (Region Dartmoor), weil ihre Steinelemente beim Betreten wackeln.

Spaziergang durch die „verlorenen Gärten von Heligan“. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


REISEN Wohin soll die Reise gehen und was für ein Schiff kann ich mir leisten? Wie in der internationalen Hotellerie, besitzen auch Kreuzfahrer eine Klassifizierung: ein Stern - Billigklasse, zwei und drei Sterne - akzeptable bis gute Mittelklasse, vier Sterne - First Class und fünf Sterne, eventuell sogar noch mit einem Plus versehen - Luxusklasse. Wer also wo bucht und wie lang die Route sein soll, hängt vom jeweiligen Urlaubsbudget ab. Zu beachten sei außerdem, dass zusätzliche Leistungen, wie Landausflüge, als Extrakosten zu Buche schlagen. Auch mögliche Arztgebühren an Bord sind vorzufinanzieren. Die Routen reichen inzwischen von Grönland bis zur Antarktis und von Australien bis in die Karibik. Wer es gemütlich und familiär mag, wählt ein Schiff mit nur einigen hundert Betten – während andere das Flair eines Ozeanriesen mit tausend und mehr Passagieren bevorzugen. Soll es eine klassisch-stilvolle Reise sein, wie in den Anfängen der Kreuzfahrt, um auch den sozialen Status zu präsentieren? Oder möchte man besser legere Ausgelassenheit ohne Kleiderzwang genießen? Im letzteren Fall bieten Club- und Funschiffe genau das Richtige. Wer gar zu Expeditions-Kreuzfahrten, zum Beispiel in eisige Regionen aufbricht, der akzeptiert vor vorn herein unruhige Überfahrten. Maritim-traditionsbewusste Seefahrer schwören auf ein Abenteuer unter Segeln. Auch da gibt es inzwischen eine große Auswahl - vom echten, betagten Windjammer bis hin zu vier- und fünfmastigen, modernen Nachbauten. Landschaftliche Erlebnisse zu beiden Uferseiten bieten Fluss-Kreuzfahrtschiffe, bei denen es teilweise nicht weniger gehoben zugeht, als auf Luxuskreuzfahrern. Und wer gar am echten Arbeitsalltag auf See hautnah dabei sein möchte, bucht eine Reise auf einem Frachter oder Containerschiff. Was ist mir eine Kabine wert? Natürlich gibt es zwischen Innen- und Außenkabinen, zwischen solchen mit Balkon oder gar Suiten nicht nur Unterschiede im Komfort. Auf einen Nenner gebracht gilt dazu folgendes: In Sachen Unterbringung erhöht sich der Preis stetig von innen nach außen und von den untersten zu den höchsten Decks. Welche Kleidung nehme ich mit? Zweckmäßige Kleidung ist sowohl an Bord, wie auch bei Landausflügen angesagt und zwar den klimatischen Bedingungen der Reise entsprechend. Es kann natürlich sein, dass verschiedene Klimazonen befahren werden. Manche Expeditionsschiffe halten für ihre Passagiere in eisigen Regionen bordeigene Sonderbekleidung bereit. Tagsüber geht es an Bord ungezwungen und leger zu. Je nach Art des Schiffes ist der Dresscode meist im jeweiligen Tagesprogramm empfohlen. An den Abenden beim Besuch von Veranstaltungen, Gala-Buffet oder Captain’s Dinner darf es schon mal richtig formell zugehen. Kostüm oder Kleid für die Dame und 88

Schiff ahoi Wissenswertes für Seereisende

Schiffsreisen besaßen noch nie einen so hohen Beliebtheitsgrad, wie heute. Kreuzfahrt-Unternehmen genießen deshalb weiterhin unangefochten einen Wachstumsmarkt im maritimen Tourismus. Für Seereisen-Neulinge haben wir einige Tipps: Jackett und ordentliche Hose für den Herrn, nebst Krawatte, reichen in der Regel aus. Wer dennoch richtig auffallen möchte, kann sich natürlich darüber hinwegsetzen. Der Tischnachbar wird entzückt sein, oder auch nicht. Wo werde oder darf ich sitzen? Auf Clubschiffen oder ähnlichen Kreuzfahrern gibt es keine feste Tischordnung, außer in den Spezialitätenrestaurants, wo der Steward einweist. Ansonsten ist eine feste Sitzordnung üblich. Bereits vor Antritt der Reise oder spätestens nach dem Einchecken an Bord erfolgt die Platzzuweisung. Sollte es mit den bislang unbekannten Tischnachbarn beim besten Willen nicht harmonieren, welches sehr selten vorkommt, lässt sich diskret über den Restaurantchef noch umdisponieren. Ansonsten ist für die

Wünsche am Tisch über die gesamte Reisedauer der Revier-Steward zuständig. Meist kennt er nach dem zweiten Tag die besonderen Gästewünsche in Sachen Frühstücksei oder Getränke. Läuft alles super, darf es bereits während der Reise ein kleines Trinkgeld sein, diskret zugesteckt. Dem Wohlwollen, auch für kleine Extras, darf man sich dann weiterhin sicher sein. Apropos Trinkgeld: Eigentlich ist es auch hierbei nicht anders, als an Land, wo Kundenzufriedenheit belohnt wird. Das trifft insbesondere für den unmittelbar am Gast tätigen Personenkreis zu (Steward, Getränkesteward, Kabinenstewardess). Im Trend sind inzwischen bordbezogene Empfehlungen des Reiseveranstalters. Manche weisen sogar daraufhin, Trinkgeld sei bei MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


REISEN gen. Zudem gibt es an Bord soviel Ablenkung, dass eventuelle Schiffbewegungen kaum wahrgenommen werden. Dafür sorgen so genannte Stabilisatoren unterhalb der Wasserlinie. Sie wirken wie Tragflächen und reduzieren so mögliche Rollbewegungen erheblich. Wer sich an den Gedanken klammert:„Wir sind jetzt auf See, nun muss es doch bald passieren“, handelt ganz falsch. Ablenkung und frische Luft möglichst mittschiffs, wo die Bewegungen am geringsten sind, ist die beste Therapie. Hat es jemanden trotzdem erwischt und er bekommt den ironischen Ratschlag: „vorbeugen, aber weit vorbeugen“, sollte er sich vertrauensvoll an die Rezeption oder die Kabinenstewardess wenden. Geht es gar nicht mehr, hilft der Schiffsarzt. Meist ist ohnehin ein schnelles Ende der Schaukelei in Sicht. Die meisten Routen sind so gelegt, das in der Nacht gefahren wird, um am nächsten Tag neue Kreuzfahrtziele erkunden zu können. Welcher Cocktail darf es sein?

immer sonderlich gut bezahlte Personal. Laut Statistik sollen Amerikaner übrigens weit mehr Trinkgeld geben als deutsche Touristen. Passagebezahlung bereits inklusive. Also Geldbörse grundsätzlich stecken lassen? Dies mag jeder selbst entscheiden, vor allem, falls es etwas zu bemängeln gibt. War es dagegen eine tolle Kreuzfahrt mit hohem Erlebniseffekt, kann dies mit entsprechend großzügigen Gesten auch bekundet werden. In der klassischen Kreuzfahrt ist es üblich, mit etwa fünf bis acht Euro pro Tag und Servicekraft seine Zufriedenheit über die Dienstleistung auszudrücken. In kleinen Kuverts sollte die ganz persönliche Anerkennung am letzten Reisetag verteilt werden. So gelangt es nicht in die Hände der großen Chefs sondern direkt an das nicht

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Essen und Trinken rund um die Uhr Die kulinarische Beschäftigung als wesentlicher Bestandteil einer Kreuzfahrt beginnt meist ab 6 Uhr mit dem Frühaufsteher-Kaffee und endet 18 Stunden später mit einem Mitternachtsbuffet. Dazwischen liegen die verschiedensten Hauptund Nebenmahlzeiten, sowie Kuchenbuffet und Snacks. Frische Seeluft und das stetig verlockende Angebot wirken bei vielen Passagieren sehr appetitfördernd. Hilfe, ich werde seekrank! In der Regel navigieren die Kreuzfahrer auf Schönwetter-Routen immer der Sonne entge-

Was sonst noch zu erwähnen wäre An Bord lernt man die unterschiedlichsten Charaktere auf engstem Raum kennen, da ist gegenseitige Achtung und Toleranz gefragt. So liegt es auf der Hand, dass hunderte wenn nicht gar tausende Passagiere nicht alles gleichzeitig tun können. Das beginnt beim Aus- und Einschiffen in Reedehäfen, setzt sich beim Gala Buffet fort und endet beim Kapitäns-Empfang. Wer Geduld und Verständnis für diverse Bordbelange zeigt, vermeidet auf seiner Kreuzfahrt, der gewiss schönsten Zeit des Jahres, Ärger und Stress. Andererseits lernt man während der Reise viele nette Menschen als interessante Gesprächspartner kennen. Mit ihnen kann man sich meist in angenehmer Weise über Reiseerlebnisse, Länder, Leute und deren Kulturen austauschen. Text/Fotos: Hans-Joachim Zeigert

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ERLEBNIS

Segeln vom Feinsten Hart am Wind kreuzen, segeln wie zu den Anfängen des America‘s Cup? Auf der „Skythia“ ist dieses Feeling durchaus möglich.

Ein Nachbau der legendären „America“: die „Skythia“. Ihr Heimathafen ist Rostock. Die „Skythia“ ist ein Segelschiff, das es in dieser Form nur noch dreimal auf der Welt gibt, in Europa sogar einmalig.

in dieser Form nur noch dreimal auf der Welt gibt, in Europa sogar einmalig.

enn der elegante Schoner ist ein Nachbau der legendären Sportyacht „America“, die vor gut 160 Jahren den ersten America‘s Cup gewann, der ältesten und auch heute noch ausgetragenen Segelregatta der Welt.

Das Stahlschiff wurde im bulgarischen Varna gebaut. 2005 setzte sie zum ersten Mal Segel. Der Name erinnert an ein Reitervolk zwischen Bulgarien und Rumänien, namentlich Skythen, die sich später am Wasser niederließen, besagt die Geschichte. So wundert‘s nicht, dass der Name des Seglers „Skythia“ lautet, auch sie ist am liebsten unterwegs, setzt Segel auf ihrem Lieblingsrevier, der Ostsee. Der Heimathafen des 35 Meter langen Schiffes, welches heute zum Schlosshotel Wendorf gehört, ist Rostock.

Das Charakteristische, das Typische der „Skythia“ sind die nach Achtern geneigten Masten, genau so, wie sie die „America“ einst trug. Durchaus ein Garant für ein hohes Geschwindigkeitspotenzial, heißt es in der Segelszene. Bei immerhin 377 Quadratmeter Segelfläche durchaus vorstellbar. Übrigens, die „Skythia“ ist ein Segelschiff, das es

Eine vierköpfige Crew um den jungen Skipper Johannes Beilig freut sich über Gäste an Bord, denn ab Mai wird vom Rostocker Stadthafen erneut zu ganz unterschiedlichen Ostseetörns abgelegt. „Ob Firmenveranstaltung oder Teambuilding, Mehrtages- oder Wochentörns für Chartergäste, wir stellen uns ganz auf die Wünsche und Bedürfnisse

Elegant auch der Salon der „Skythia“. Fotos: „Skythia“

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unsere Gäste an Bord ein,“ sagt Jana Otte, zuständig für die Buchungen. Und Jana Otte hat auch noch einen ganz besonderen Tipp: „Wir führen an Bord Fotoworkshops durch.“ Partner sind der bekannte und mehrfach preisgekrönte Warnemünder Fotograf Holger Martens und das Hotel Neptun. Die Workshops finden vom 20. bis 23. Mai und vom 9. bis 12. September 2012 sowie nach individueller Abstimmung statt. „Egal ob Hobbyfotograf oder Anfänger, mitmachen kann jeder,“ sagt Jana Otte. Also: Alle Mann (auch Frau!) an Bord! Groß- und Schonersegel setzen, Innen- und Außenklüver ausrollen, Toppsegel ziehen und das Segelleben genießen. Den Alltag einfach mal außenbords lassen. Auf der schönen Lady „Skythia“ ist das möglich. Sie garantiert Segeln vom Feinsten! Buchungen unter www.skythia-rostock.de oder telefonisch unter 0176/30448690; Informationen zum Schlosshotel Wendorf unter www.schlosshotel-wendorf.de Telefon: 038486/33660. 91


REISEN

Córdobas große Moschee ist, wie die ganze Stadt, ein Magnet für die vielen Touristen, die über die römische Brücke in das historische Zentrum strömen. Fotos: Doris Seitz

Andalusien eine Reise in den Süden Spaniens So mag es hinter den Palastmauern einmal ausgesehen haben. Ein Fotografenladen versetzt die Kunden zurück in die Zeit der Mauren.

„Du fährst nach Andalusien? Nimmst Du mich mit?“ Nicht nur einmal wurde mir diese Frage gestellt. Diese Region ist offenbar mit einem besonderen Mythos behaftet. Spaniens Süden – ein Symbol für eine Reihe von Klischees. Denn Andalusien ist das Mutterland all jener spanischen Bräuche, die auch im Ausland wohlbekannt sind. Hier erlebt man den Flamenco in seiner ganzen Magie und den Stierkampf in vollster Authentizität. Hier wurden die Mythen von Don Juan und Carmen geboren. Und hier im Süden der Iberischen Halbinsel scheint – wenn man einem Schlagertext Glauben schenken mag – die Sonne bei Tag und Nacht. Ich wollte nur ein paar Tage Urlaub machen, ausspannen, ein bisschen Kultur tanken in einer Region, in der ich noch nicht war. Schon bei der Vorbereitung, dem Lesen von Berichten, Reisebüchern und Erzählungen, stellte ich fest: Andalusien ist eine faszinierende Region, in der sich Orient und Okzident begegnen. Islamisches und christlich-römisches Erbe, maurische Moscheen und Kathedralen. Die wilde, teils heute noch nahezu 92

unberührte Bergwelt, die Strände der Costa del Sol und der Costa de la Luz. Sonnenküste und Küste des Lichts. Ein Traum auch für Badeurlauber. Ich freute mich auf eine Region, in der bodenständige Menschen leben, die ihrer Heimat treu ergeben sind. Menschen, die den Geist der Jahrhunderte in sich tragen, der Andalusien geprägt hat. Bald merkte ich, dass Andalusien zu groß ist, um es in einer kurzen Urlaubswoche zu bereisen. Also musste ich mich auf Highlights beschränken. Die Wahl fiel auf: Córdoba, Sevilla und Granada. Córdoba – einst das Zentrum Europas Die Andalusier sind stolz auf ihre Heimat. Wenn sie das Schicksal in die Ferne verschlagen hat, kehren sie gerne wieder zurück. So wie Miguel. Seine Jugend und seine Studienzeit hat er in Norddeutschland verbracht. Er spricht Spanisch wie Deutsch, ohne Akzent. Nun lebt er wieder in Córdoba, um deutschen Urlaubern wie mir seine Heimat näher zu bringen. Dass er Andalusier ist und kein Spanier, gibt er seinen Zuhörern auf Schritt und Tritt zu verstehen. „Córdoba war einst römische und islamische

Hauptstadt“, weiß Miguel zu berichten. „Sie war das Zentrum Westeuropas!“ Auf unserer kleinen Zeitreise durch die fröhliche, spanische Stadt erzählt er von den Juden, Moslems und Christen, die hier in Eintracht lebten, und von bedeutenden Philosophen wie Seneca, die aus dieser Stadt hervorgingen. Wissenschaftler und Künstler. Vor dem kleinen Standbild des Mohamed al-Gafequi weist Miguel auf die bahnbrechenden Ergebnisse des frühen Optikers hin. Und erklärt gleichzeitig, dass al-Gafequi der Namensgeber des spanischen Wortes für Brille gewesen ist. Die heißt hier „las gafas“. Die Altstadt an den Ufern des Gua-

dalquivirs gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Ihr ältestes Viertel ist die Juderia mit Blumeninnenhöfen und engen, weiß gekalkten Gassen ganz im arabischen Stil. Miguel führt mitreißend durch die Große Moschee, der „Mezquita“. Zentral und absolut idyllisch in einem Hof mit wunderschönen Blumenarrangements und kleinen Wasserspielen gelegen. Ein imposanter Bau, der zahlreiche Stilrichtungen und religiöse Elemente des Islam und der westlichen Kultur in sich vereint. Im Patio de las Naranjas, dem Orangenhof, erzählt Miguel, dass es sich hier um die drittgrößte Moschee der Welt handle. Mit einem absoluten Kuriosum: Bischof Alonso ManriMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


REISEN que ließ ab 1523 inmitten der Moschee, die aus einem atemberaubenden Wald von Säulen aus Marmor und Granit und arabischen Bögen besteht, eine riesige Kathedrale errichten. Sevilla – Hauptstadt Andalusiens Szenenwechsel. Sevilla, das zweite „Muss“ meines Trips nach Andalusien. Was ich hier unbedingt sehen will, ist die Tabakfabrik. Die „Fábrica de Tabacos“ steht auf meiner Liste ganz oben. „Carmen“ im Theater Lübeck hat in mir diese kleine Sehnsucht geweckt. Andere Besucher gehen zur Plaza de España. Ich möchte den Geist der Tabakfabrik spüren, der Prosper Mérimée zu „Carmen“ inspirierte. Da, wo einst rund 12.000 Frauen arbeiteten. Geist ist das richtige Wort, denn hier handelt es sich um eine Baustelle. Das Gebäude gehört zur Universität. Sanierungsprojekt. Wie auch immer. Seit 1954 steht der Betrieb hier still. Carmen und ihre Schwestern sind nicht mehr. Die Kneipe von Lillas Pastia am Wall von Sevilla wird es wohl auch nicht mehr geben. Die Opernmusik im Ohr und vor mich hin summend, schlendere ich in die Altstadt. 70 Sehenswürdigkeiten sind gelistet. Zu viele für eine kurze Stippvisite in Andalusiens Hauptstadt. La Giralda, das Wahrzeichen Sevillas, ist der Glockenturm zur Kathedrale. Und die ist die größte gotische Kirche der Welt. Gleich daneben der Alcázar, eine maurische Festung, die nach und nach zu den königlichen Schlössern ausgebaut wurde. Ein Stück weiter Plaza de Toros, die mit 14.000 Plätzen größte Stierkampfarena Spaniens. Stierkampf ist nicht mein Ding. Stattdessen kommt mir die Arie von Escamillo, dem Stierkämpfer, wieder in den Sinn. Stolz in der Brust, siegesbewusst. Doch wie wir wissen, hat er schlussendlich Carmen auch nicht bekommen. Sevillas Altstadt wird im Westen von einer langgezogenen Biegung des Guadalquivir begrenzt. Der Fluss ist Lebensquelle der Stadt und irgendwie die Seele Andalusiens. 657 Kilometer windet er sich durch das Land. Vielbesungen in Flamencoliedern – und früher von den Mauren tief verehrt. Denn Wasser hatte für sie eine religiöse Bedeutung. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Granada – Genuss mit allen Sinnen Das absolute Highlight aber ist und bleibt für mich Granada. Nicht umsonst gibt es ein Sprichwort, das besagt: „Gib ihm (dem blinden Bettler) ein Almosen, denn es gibt nichts Schlimmeres als in Granada blind zu sein!“ Und es ist wahr.Was nützte alles Geld, wenn ich diese Pracht der Alhambra und der umliegenden maurischen Gärten nicht mit eigenen Augen sehen könnte? Maurischer Baustil in Reinkultur. Hier war die Blüte der islamischmaurischen Architektur. In Stein gearbeitete Feinheiten, Ornamente, Koransuren, Namen. Einfach durch die Kunst der Kaligraphie zu Kunstwerken erhoben. Stunden, nein Tage könnte ich hier verbringen. Wenn nicht ein starkes Reglement dafür sorgen würde, dass die jährlich mehr als zwei Millionen Besucher geordnet und nach einem gewissen Zeitplan durch Paläste und Gärten strömten. Gerne würde ich mit Washington Irving tauschen, jenem amerikanischen Diplomaten, der 1832 ein paar Monate innerhalb dieser Mauern gelebt hat. Sein Buch „Erzählungen von der Alhambra“ (ISBN 978-8471691071) ist für mich ein trefflicher Zeitzeuge auf knapp 400 Seiten. Kultur, Architektur. Entdecke ich so die Seele Andalusiens? Nur zum Teil. Liebe geht auch durch den Magen. Das bewahrheitet sich hier im Süden Spaniens ganz besonders. In den Bergen und auf dem Land essen die Andalusier eher deftig-kräftig. Eintöpfe mit Gemüse, Fleisch und Geflügel stehen da auf dem Tisch. Am Meer gibt es Salate und Fisch. Gegessen wird spät. Erst geht man auf ein paar Tapas und ein kleines Bier, so gegen 22 Uhr füllen sich dann die Restaurants. In Touristenorten ist das alles ein wenig anders, da man sich auf die Gäste und deren Gewohnheiten eingestellt hat. Suzana, eine Andalusierin aus Jaen, nimmt mich mit auf die kulinarische Reise. Sie wird nicht müde zu erklären und zu zeigen, was unbedingt verkostet werden muss. „Das musst Du probieren! Ich esse das immer bei meiner Familie“, insistiert sie unaufhörlich – und sie führt mich in jene kleinen Tavernen, die kaum ein Tourist näher in Betracht ziehen würde.

Mein Tipp zur Reisezeit: Im Frühling wird in Andalusien viel gefeiert – und die Natur erwacht. Ich liebe es, dabei zu sein, wenn die Mandelbäume blühen oder die Orangenbäume. Wo immer man auch sein mag in Andalusien, es gibt viel zu sehen,

zu spüren, zu riechen, zu entdecken und zu leben. Zum Baden allein ist Andalusien mit der Sonnenküste und der Küste des Lichts – für mich – viel zu schade. Hasta la vista! Doris Seitz

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GASTGEBER

Ein Jugendtraum mit Seele

Das Hotel De Schün in Krebsförden in typisch norddeutscher Klinkerbauweise.

Typisch norddeutsch, durchaus bescheiden, mit einem Hauch von Bauernhaus und eher unscheinbar – nur ein ovales Schild an der Hauswand verrät, dass es sich hier um das Hotel „De Schün“ handelt. Gastgeberin Anita Schalow verzichtet bewusst auf viel Drumherum. Hier zählen eher die inneren Werte. Früher, als es noch keine Umgehungsstraße gab, kein Einkaufscenter, kein Neubaugebiet, als in Krebsförden noch Landwirtschaft betrieben wurde, mit Schweinen, Kühen und Pferden, mit Pflug und Sense, mit echter Handarbeit eben, da stand auf dem Grundstück der Dorfstraße 16 noch eine alte Scheune. Wie die kurze Seite des Buchstaben L ragte sie neben dem Elternhaus von Anita Schalow von der Dorfstraße in den Weg Am Winkel hinein. Dort beherbergte der Vater das Vieh und lagerte die Ernte. So hatte er sich ein Stück seines vorherigen Lebens bewahrt, das er als Siedler in der Nähe von Wismar in der Landwirtschaft führte. 94

Wegen Tochter Anita zogen die Eltern Ende der fünfziger Jahre auf das Gehöft in Krebsförden. Sie sollte es nicht zu weit haben bis zur Schule, erinnert sich die heute 58-Jährige. Dass aus der ehemaligen Bauernwirtschaft viele Jahre später einmal ein kleines Hotel entstehen wird, ahnte damals wohl noch niemand. Nur eine vage Idee trieb Anita Schalow seit Jugendzeiten um. Sie kam mit den Schwerinern, die in den Siebzigern mehr und mehr den Ostorfer See am Ende der Straße für sich entdeckten. Ein Naherholungsgebiet entstand – und Anita Schalow träumte von Gästezimmern in der alten Scheune. Die hatte ihre ursprüngliche Funktion mittlerweile verloren, seit der Vater die Landwirtschaft ein paar Jahre zuvor endgültig aufgegeben hatte. Noch mehr als zwei Jahrzehnte gingen ins Land, bis aus dem Traum, zumindest teilweise, Wirklichkeit wurde. 1996 wagte Anita Schalow den Schritt und fing an zu bauen. Jedoch: Der Umbau der alten Scheune blieb

Die gemütliche Einrichtung unterstreicht die familiäre Atmosphäre des Hauses.

ein Traum. Zu marode sei die Bausubstanz gewesen und nicht geeignet für den Wiederaufbau. Deshalb entschied sich die ehemalige Bahnangestellte für den Neubau, aber unter altem Namen: „De Schün“, die Scheune, hieß fortan ihr Hotel. 1997 kamen die ersten Gäste, seitdem läuft der Hotelbetrieb

des Drei-Sterne-Hauses, den seit jeher auch die Tester des renommierten Michelin-Führers als erwähnenswert finden, wie der rote runde Aufkleber an der Eingangstür des Klinkerbaus verrät. Seit Jahren zählt das Hotel „De Schün“ darin zu einem der „gastfreundlichen Hotels, die gute Übernachtungsmöglichkeiten mit gutem Preis-LeisMECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


GASTGEBER tungs-Verhältnis bieten“. Angenehme Atmosphäre, freundliches Personal und ruhige Lage zählen zu den Hauptkriterien für die Auswahl der Häuser. Dinge, auf die Anita Schalow offensichtlich besonderen Wert legt. Wenn man eintritt, ist es ein wenig, als sei man zu Besuch bei Freunden statt in einem Hotel. Warme Farben gemischt mit Naturholztönen, zimmerhohe Kübelpflanzen und antike Erinnerungsstücke zieren den Eingangsbereich. Eine Korbsitzgruppe lädt zum Verweilen vor dem riesigen grünen Kachelofen ein. Ein Hauch von Kaffee und Brötchen liegt in der Luft. Anita Schalow trägt gerade die letzten Frühstücksgedecke in die Küche und richtet den Raum wieder her. Die meisten Gäste sind schon aus dem Haus. Viele von ihnen sind Geschäftsreisende, an den Wochenenden und in den Ferien kommen die Urlauber. 17 Zimmer hält Anita Schalow für sie bereit: Einzelzimmer, Doppelzimmer und sogar eine Hochzeitssuite. Die italienischen Möbel aus massivem gewachstem Fichtenholz unterstreichen den Landhausstil. Im Sommer können die Gäste auf der Terrasse frühstücken oder im Liegestuhl auf der Wiese hinterm Haus die dörfliche Ruhe genießen, die Krebsförden trotz seiner Nähe zu Schwerin noch immer bietet. Wer mag, kann sich ein Buch aus der kleinen Büchersammlung nehmen. Wer zwei neue dazustellt, darf es sogar behalten. So haben schon viele Bücherschätze und Raritäten das Regal im oberen Stockwerk des Hauses bezogen und wieder verlassen – ein Geben und Nehmen auf Vertrauensbasis. Dieses Familiäre ist es, womit sich das Hotel „De Schün“ von anderen, größeren Häusern abhebt, ist Anita Schalow überzeugt. Für sie gehört das ganz selbstverständlich dazu. Schließlich wohnt sie mit ihren Gästen unter einem Dach, dort, wo einst ihr Elternhaus stand – und die alte Scheune. Text & Fotos: Manuela

Heberer

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GASTGEBER

Vier Gänge up plattdütsch Bei Wirtin Barbara Fritz werden an verschiedenen Sonntagen im Jahr leckere mecklenburgische Köstlichkeiten als mehrgängige Menüs serviert. Unterstützung holt sie sich dafür von Schauspielern und Sängern, die Passendes zum Gaumenschmaus vortragen – gerne auch up platt. Sollte die Fritz-Reuter-Bühne in den kommenden Jahren tatsächlich geschlossen werden, gäbe es immer noch das Fritz. Dort geht die plattdeutsche Mundart nicht nur über die Lippen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch durch den Magen. Da gibt es Rinderrouladen zu Pastur sin`n Kauh, Pute för de Leckersnute und alles rund um de Tüffel. Die Rede ist vom Hotel und Restaurant „Das Fritz“ in Krebsförden; die Namensverwandtschaft mit der traditionsreichen Schweriner Bühne ein klassischer Zufall. Vor genau zwanzig Jahren eröffnete die Familie Fritz das Hotel in der Dorfstraße. Beinahe genauso lange – seit 1997 – gibt es die sonntäglichen plattdeutschen Menüs im hauseigenen Restaurant. Seitdem kreiert Chefkoch René Börmck zu fast jedem Thema auch eigene Leckereien, wie Kartoffel-Apfel-Marmelade oder Zwiebelkonfitüre. Anderes stammt aus Großmutters Kochbuch, oft leicht abgewandelt und verfeinert.

Witz und Wortspiel machen Appetit

sind wir ein öffentliches Restaurant und nicht nur den Hotelgästen vorbehalten. Das steckt aber bei vielen noch in den Köpfen, weil es früher oft üblich war.“ Im Gegenteil: Jeder Gast ist herzlich willkommen. Und für fast jeden hält das Restaurant ein besonderes Angebot bereit. Sei es der täglich wechselnde Mittagstisch, der als 2-Gang-Menü serviert wird, die Seniorenangebote oder die traditionellen Platt-Menüs.

„Viele Gäste nutzen unser Haus für Familienfeiern oder kleine Tagungen, aber die typische Laufkundschaft haben wir hier nicht“, so Barbara Fritz. „Leider“, bedauert sie. „Dabei

Die können sich durchaus über mehrere Stunden hinziehen. Zwischen den vier bis fünf Gängen versüßen Künstler wie Klaus-Jürgen Schlettwein den Gästen den Appetit. Dann

So liest sich auch die Speisekarte des Fritz: Nach Dreierlei von der Tomate, bestehend aus Tomaten-Pfefferbutter, pikanten Tomatenwürfeln und Tomaten-Konfitüre, empfiehlt die Chefin hausgemachte Fritz-Soljanka. Danach schwört sie auf das hausgemachte Sauerfleisch oder das Schweinenackensteak mit Würzfleisch und Käse überbacken. Wer es etwas edler mag, nimmt die Fischplatte für zwei oder das Lammrückenfilet mit OrangenPfeffer-Hollandaise.

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gibt er, gewürzt mit viel Witz und Wortspiel, plattdeutsche Lieder und Volksweisen zum Besten – natürlich immer passend zum servierten Menü. Aber Barbara Fritz lässt sich auch immer wieder Neues einfallen. So finden regelmäßig Whisky-Seminare in ihrem Haus statt. Wer es herzhafter mag, nimmt an einer Käse-Verkostung teil. Die findet oft am selben Abend statt, damit die weniger whiskyinteressierte Begleitung nicht in ein leeres Glas, sondern auf ein leckeres Häppchen schauen kann. Das Motto: Kultur & mehr. Für Wünsche und Anregungen hat Barbara Fritz stets ein offenes Ohr. „Was möglich ist, machen wir möglich. Schließlich wollen wir unseren Gästen zeigen: Wir sind hier, wir sind gut, probiert es aus…!“ Text & Fotos: Manuela Heberer

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Die Genüsse dieser Welt Die Bar ist groß, bunt und bietet Getränke aus allen Ecken des Erdballs. Die Karte offeriert italienische, mexikanische, amerikanische Küche, Steaks und Burger. „Eine Riesenvielfalt – das ist das Bolero in Schwerin“, sagt der Betreiber des Hauses in der Mecklenburgstraße, das sich „Fresh Restaurant & Lifestyle Bar“ nennt. Donald Wieck ist in der Landeshauptstadt dafür bekannt, dass er Ideen hat. Dazu gehört nicht nur das Angebot in seinem Lokal sondern auch das auf dem Hof. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu unserem Vermieter, der Wohnungsgesellschaft Schwerin. Der unterstützt uns sehr.“ Und so gibt es auch im Hof des „Hauses der Kultur“ immer wieder Überraschungen: Die Keilerhütte im Winter, Beach-Volleyball im Sommer und zur Fußball-Europameisterschaft steht diese natürlich im Mittelpunkt des Angebotes. Wer als Gast ins Restaurant kommt, der kann nur staunen. Angeboten werden 120 Cocktails, ausgewählte Biere, ausgezeichnete Weine sowie Prosecco und sogar Champagner. Dazu viele weitere Getränke – natürlich auch alkoholfreie. „Wir haben drei Barkeeper, die absolute Profis sind“, sagt Donald Wieck. „Die mixen am

Abend rund 500 Cocktails. Für jeden haben sie etwa 22 Sekunden Zeit.“ Und die Rezepte haben sie natürlich alle im Kopf. Darunter auch ein Getränk mit dem skurrilen Namen „Zombie“. Eine Mix, der 1934 von einem Gastronomen in Hollywood als Anti-Kater-Mittel kreiert wurde. Bei zu großem Zuspruch bewirkt er aber das Gegenteil. Es gibt im Bolero aber auch einen „Mega Q“. Der Name sagt es schon: Es ist ein Riesenglas für fünf Personen. „Eine Spezialität für lustige Abende“, sagt Wieck. Doch er will die Gäste nun wahrlich nicht zum Trinken animieren. Zumal die meisten unter ihnen eher zum „Mittelalter“ zu zählen sind, als zur jüngsten Jugend. „Unser Speisenanteil am Umsatz liegt inzwischen bei 45 Prozent“, sagt Donald Wieck. „Seit dem Rauchverbot wird bei uns viel häufiger gegessen.“ Legendär, das späte Frühstück am Sonntag – Brunch im Bolero. Oder Familien-, Jubiläumsoder Geburtstagsfeiern. „Wenn der Kindergeburts-

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tag wirklich am Geburtstag des Kindes bei uns stattfindet, dann kann das Mädchen oder der Junge bei uns kostenlos essen.“ Donald Wieck ist Ur-Schweriner. Hier hat er Koch gelernt, ist dann in Leipzig auf die Hotelfachschu-

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le gegangen. Nach vielen Stationen in Deutschland, ja sogar in Paris, ist er in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Seit elf Jahren betreibt er nun schon das Bolero. Und nicht nur das. Wieck unterstützt die Volleyballerinnen des

Donald Wieck und seine Betriebsleiterin Xandra Scholz.

Fotos: Brian Lorenzo

SSC, die Handball-Damen von Grün-Weiß Schwerin und auch die Events von Michael Kruse. Außerdem ist Donald Wieck Gründungsmitglied der „Theke“, einem Verein, in dem mehrere Gastronomen in der Landeshauptstadt zusammenarbeiten. Mit bis zu 42 Mitarbeitern sorgt das Bolero für glückliche Gäste. „Wir bieten eine freundliche und herzliche Gastronomie“, sagt Donald Wieck. „Wir möchten, dass unsere Gäste zu Freunden werden.“ Gert Steinhagen


TREFFPUNKT

6. Schweriner Dinner-Tour

Ein Abend der Sinne und ein Bekenntnis „Ja, so kann´s bleiben. Es ist alles bereit.“ Christien Messerschmidt und Christoph Gerlach werfen noch einmal einen kritischen Blick in die Runde... Die Chefin des Schlossrestaurants und der Betriebsleiter des Weinhauses Wöhler sind für die erste Station der Dinner-Tour 2012 verantwortlich. Und das ist ausnahmsweise keines der teilnehmenden Restaurants, sondern das Theater.

„Esser auf Rädern“ – 38 Fahrzeuge stellte die Firma Hugo Pfohe bereit, um die Teilnehmer der Dinner-Tour zu den Stationen zu fahren.

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Die Schweriner Dinner-Tour startet in diesem Jahr im Theaterfoyer als Bekenntnis der Gastronomen zu ihrem Theater, zur Kultur in der Stadt. Bei der Planung der Ausgabe 2012 waren sich alle beteiligten Gastronomen einig: wir werden das Theater einbinden. Und so war nicht nur der Begrüßungsort schnell gefunden, sondern auch ein Motto für den kulinarischen Erlebnisabend:

Der Start der Dinner-Tour mit einem Sektempfang im Foyer des Staatstheaters war ein Bekenntnis zum Theater und zur Kultur im Land.

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TREFFPUNKT

Im Hotel ARTE wurde als Vorspeise ein Karneval der Sinne serviert.

Björn de Vil bezauberte und verblüffte die Gäste an mehreren Stationen der Dinner-Tour.

„Karneval der Sinne“. In Anlehnung an die „Bajazzo“-Sommeraufführung des Staatstheaters sollten alle Sinne der Besucher berührt werden. Die ersten Gäste kommen, der Sekt perlt in den Gläsern und die Gastgeber begrüßen im Akkord: Jana Maiwirth vom Hotel ARTE, Petra Schmidt als Chefin des Best Western Seehotels Frankenhorst, Christien Messerschmidt aus dem Schloss, Martina Lux-Grella aus dem Niederländischen Hof, Christoph Gerlach von Wöhler und Valentin Resetarits als Crowne Plaza-Direktor. Wer genau hinschaut sieht die gespannte Erwartung in den Gesichtern der Akteure, immerhin geben ihre Häuser eine weitere, wichtige Visitenkarte an diesem Abend ab.

Weinfachmann Christoph Gerlach hat Geburtstag, es gibt Blumen, Glückwünsche und die Vorstellungsrunde. Neu dabei: Karsten Kalkstein aus dem Autohaus Hugo Pfohe, das eigens für den Abend 38 Limousinen vom BMW über den Volvo bis zum Landrover bereitstellt. Mit denen es dann auch schon zur ersten Station geht, ins ARTE, zur mehrteiligen Vorspeise „Karneval der Sinne“ ...Feuerschalen vor dem Haus, lächelnde Kellnerinnen, die die Gäste in Empfang nehmen, leise Musik. Zur Suppe ist die Gästeschar nach Frankenhorst eingeladen: Harfenklänge erwarten die hereinströmenden Menschen, ein Jongleur

Die Begrüßung durch den Moderator des Abends, André Kuchenbecker fällt launig aus,

Vor dem Schlossrestaurant kontrollierte Björn de Vil mit seinem Drogensuch-Strauß die Gäste.

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Im Seehotel Frankenhorst wurden die Gäste von Harfenklängen begrüßt, die auch den Suppengang begleiteten.

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TREFFPUNKT

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„Zauberei“ war der Titel dieser Tischdekoration im Schloss-Café.

In Erwartung des Hauptganges im Restaurant des Hotels Crowne Plaza.

Kostümiertes und geschminktes Team (Roncalli und Bajazzo lassen grüßen) empfängt und bedient die Gäste im Niederländischen Hof.

lenkt die Blicke von den weiß gedeckten Tischen ab, ein falscher Kellner treibt sein „Unwesen“, das Seehotel Team serviert „Schaumsüppchen von roten Zwiebeln“. Immer wieder ist „Aaahh“ und „Ooohh“ gemischt mit Lachen zu hören. Hotelchefin Petra Schmidt strahlt. Kurze Zeit später erwartet ein „DrogensuchStrauss“ die Besucher auf der Treppe zum Schlossrestaurant. Lachen, Fröhlichkeit, Überraschung am Eingang zum „Fisch- Gang“. Auch hier werden alle persönlich von der Gastgeberin begrüßt, Christien Messerschmidt hat

jeden Tisch extra dekoriert. „Jonglage“, „Zauberei“ oder „Artistik“ heißen ihre Kreationen. Dazu ein Millefeuille vom Kabeljau, Flußkrebsragout, Sesamreis und ein (wie an jeder Station) passender Wein. Hier ist es ein 2010-er Bianco Avignonesi... Die Gäste des kulinarischen Abends genießen, schauen, lachen, reden. Für den Hauptgang ist das Crowne Plaza verantwortlich und es klappt perfekt. Hoteldirektor Valentin Resetarits präsentiert sein Haus in Hochform. Küchenchef Olaf Schmedemann hat Rehrücken aus dem Ludwigslus-

ter Forst, Roquefort-Kartoffelblini, Ananasblutwurst, Macadamianuss-Rotkraut nicht nur zubereitet, er hat den Hauptgang geradezu „komponiert“. Aber das Feuerwerk ist noch nicht vorbei. Der Empfang im Niederländischen Hof ist unerwartet: Das komplette Team nimmt in Kostümen die Gäste in Empfang, geleitet sie ins Haus. Die Zeit vergeht wie im Fluge, auch weil Björn de Vil als Artist des Abends wieder für Unterhaltung und Verblüffung sorgt: hier als Zauberkünstler. „Trilogia de Vino Venezia“

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TREFFPUNKT

Überwiegend von Kerzen erleuchtet bot das Weinhaus Wöhler den Gästen erleseme Käse zum Finale.

Geschafft! Gastgeberinnen Christien Messertschmidt (l.) und Martina Lux-Grella sind glücklich über einen gelungen Abend.

hat Martina Lux-Grella ihr Dessert genannt. Dazu reicht man einen 2007 Château Belingard. Das Haus ist erfüllt von Musik, Lachen, entspannter Unterhaltung. Auf zum Finale! Das realisiert das Weinhaus Wöhler. Für jede Station gab es einen korrespondierenden Wein, nun, zum Abschluss des Abends

im eigenen Haus eine exquisite Käseauswahl mit einem Gläschen Portwein. Leise Musik im Hintergund, Kerzen auf den Tischen und auch hier ein um den Gast bemühtes Team. Und endlich können auch Christoph Gerlach und Christien Messerschmidt auf einen gelungenen Abend anstoßen. A. Kuchenbecker Fotos: Rainer Cordes

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AUTO

Das E-Klasse Cabrio von Mercedes Benz:

Eine Fahrt mit ihm ist täglich ein Erlebnis

Für Astrid Kumbernuss war die Fahrt durch Neustrelitz im E-KLasse-Cabrio ein Vergnügen.

Am Anfang steht die Frage: Was haben Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda mit dem neuen E-Klasse Cabrio von Mercedes Benz gemeinsam? Die Antwort ist ganz einfach. Sie sind ihn bereits gefahren. Die Stars aus „Sex and the City“ sind bekannt für ihre Männergeschichten, für ihren Shoppingwahnsinn und natürlich für ihre Liebe zu New York. Und genau dort zeigten sie sich im zweiten Teil der Erfolgsreihe oft und vor allem gerne mit dem neuen EKlasse-Cabrio. Es ist eines der schönsten Autos der Welt, Auszeichnungen beweisen das, und deshalb war es nach Ansicht der Filmemacher genau das richtige Fahrzeug, das in Manhattan zum Einsatz kam. Auch Astrid Kumbernuss fuhr den Wagen bereits. Im Rahmen der Aktion „MV fährt erstklassig“ nahm die Olympiasiegerin, Welt- und Europameistererin im Kugelstoßen im vergangenen Spätsommer das Cabrio, in diesem Fall einen 231 PS starken Diesel, genau unter die Lupe. Es war zwar nicht New York, doch auch Neustrelitz bot eine gute Kulisse für eine Ausfahrt mit dem schicken Wagen. „Es hat sehr viel Spaß gemacht. Die Sonne schien, das Frischluftvergnügen bot Fahrspaß pur“, sagte die heute 42jährige, die einige ihrer Lieblingsorte ansteuerte. Das E-Klasse-Cabrio, es besticht mit starken Argumenten. Das sportlich und dynamische Äußere, der edle und zugleich sehr praktische MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Innenraum, die innovative Technik sowie leistungsstarke und verbrauchsarme Motoren – das sind die Schlagwörter, denen sich auch Astrid Kumbernuss nicht verschließen konnte. „Hinzu kommt das gute Platzangebot. So können bis zu vier Personen das Frischluftvergnügen entspannt erleben, ohne dass Ihnen danach die Knie wehtun“, so Kumbernuss. Binnen 20 Sekunden lässt sich das Verdeck vollautomatisch öffnen und schließen – und zwar sogar während der Fahrt bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h. Die Fahrt mit dem E-Klasse Cabrio, sie ist ein Erlebnis. Dazu gehören neben dem Fahrspaß unter anderem auch der geringe Windzug, der hohe Komfort, die Geräuscharmut und das hohe Maß an Sicherheitsgefühl. Gerade hier erzielt Mercedes Benz mit dem Auto Bestwerte. Ein Müdigkeitserkenner, verstärkter Insassenschutz, moderne Lichttechnik, eine aktive Motorhaube und ein Abstandsregel-Tempomat sprechen eine deutliche Sprache. „Das ist schon beeindruckend, wie hier Mercedes Benz für die Sicherheit von Fahrer und Mitfahrer sorgt“, sagte Astrid Kumbernuss.„Außerdem, so glaube ich, ist das Cabrio nicht nur ein Cabrio für den Sommer. Durch die vielen Möglichkeiten, die das Auto im offenen und geschlossenen Zustand bietet, ist der Zweitürer auf jeden Fall ganzjahrestauglich.“ Text & Foto: Dirk Behm

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AUTO

Der neue SL von Mercedes Benz:

„Er macht das Autofahren schöner“ Ich weiß nicht, wie viele Autos in dieser Halle des Genfer Autosalons stehen. Es sind viele. Doch irgendwie zieht mich genau dieses eine Auto besonders magisch an. Es ist ein Auto, das Träume wahr werden lässt. Ein Auto, mit dem ich sofort losfahren und einfach nur Spaß haben möchte. Der Mercedes Benz SL begeistert und das schon seit über 60 Jahren. Ein alter Sack? Nein, Fehlanzeige. Im Gegenteil: Der SL ist ein Kultauto. Das war er, das ist er und das wird er auch in der sechsten Generation bleiben. Sie feierte Ende März ihre Premiere im Handel. Der SL ist ein faszinierendes Auto, dass sogar den Chef zum schwärmen bringt: „Es gibt rund 900 Millionen Autos auf der Welt und tausende Modelle. Aber es gibt nur eine handvoll Auto-Ikonen. Unser SL ist eine davon: Er hat Klasse, er hat Stil, er ist Komfort und Luxus pur. Aber er verbindet das alles mit einer unglaublichen Sportlichkeit und Dynamik. Perfekter als unser neuer SL kann ein Auto den

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Anspruch von Gottlieb Daimler kaum einlösen: Das Beste oder nichts“, sagte Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars. Schon in Detroit, zu Beginn des Jahres, beeindruckte der neue SL bei seiner Weltpremiere viele Fans. Jetzt, bei der Europavorstellung beim Autosalon im schweizerischen Genf, überschlugen sich die Meinungen: „Wir kommen jedes Jahr aus Japan zu dieser Messe und sind besonders gespannt, was Mercedes Benz neu im Gepäck hat. Dieser SL gehört zu meinen absoluten Lieblingsfahrzeugen, auch deshalb, weil er das Autofahren schöner macht. Sehen und Gesehen werden, das ist meine und die Devise des SL“, freute sich Takeshi Nakata über seine erste Probefahrt am Lac Léman. Auch ich setze mich hinters Lenkrad. Es ist ein erhebendes Gefühl. Diese Eleganz, diese Grazie,

dieser Komfort und dieses Selbstbewusstsein. Der SL hat Charakter, einen guten wie ich finde. Ich genieße die Fahrt. Und die Frauen? Sie schauen zu mir rüber und sind ein bisschen neidisch. Nicht alle, aber die eine findet Platz auf dem Beifahrersitz. Es ist eine Kollegin aus Deutschland. Sie schreibt auch über die neuesten Highlights des Salons. Der SL setzt nicht nur Trends, sondern vielmehr Maßstäbe. „Es ist einfach unbeschreiblich. Er bietet Qualitäten, die in dieser Kombination selbst bei Luxussportwagen einzigartig sind: temperamentvolle Sportlichkeit, hoher Komfort, luxuriöses und dennoch sportliches Ambiente, Zuverlässigkeit und hohe Alltagstauglichkeit. Dabei ist er beispielhaft sparsam und damit umweltfreundlich“, sagte Hannelore Karl aus Dresden.

Zum Schluss noch ein Blick auf die nackten Zahlen der Leistungstriebwerke. Sie sind wichtig für jeden Fahrer. Der neue V8 im SL 500 leistet aus 4663 Kubikzentimeter Hubraum 435 PS und damit trotz rund 0,8 Litern weniger Hubraum zirka 12 Prozent mehr als sein Vorgänger. Der Verbrauch sinkt um bis zu 22 Prozent. Das neue V6-Triebwerk des neuen SL 350 schöpft aus unverändert 3499 Kubikzentimeter Hubraum 306 PS und stellt 370 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung. Es begnügt sich mit 6,8 Litern auf 100 Kilometer und ist damit fast 30 Prozent sparsamer als sein Vorgänger. Wollen Sie noch mehr wissen über den neuen SL, auch über die sportliche AMG-Version, dann schauen Sie bei dem MercedesBenz-Partner Ihres Vertrauens vorbei. Dirk Behm

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Elegant, sportlich, komfortabel Diese nackte Zahl verblüfft nicht nur die eingefleischten BMWFans, auch Fremdfahrer sind beeindruckt: Der 3er, der im Februar in der aktuell sechsten Generation in den Handel gekommen ist, wurde von 1975 bis heute mehr als 12 Millionen Mal verkauft. Eine Zahl, die dafür sorgt, dass der Münchener Premiumwagen der erfolgreichste seiner Klasse weltweit ist.

in der vorhergehenden Generation. Es ist wie ein roter Faden, der sich von außen nach innen bewegt. Elegant, komfortabel und ein hoher Wohlfühlfaktor. Das Außendesgin macht es vor, der Innenraum machts nach. Er ist attraktiv, besitzt ein hohes Informationsangebot, erfüllt alle praktischen Herausforderungen des Alltags – es ist quasi alles da, wo es hingehört.

Eleganz und ganz viel Komfort - das sind die vorherschenden Elemente im Innenraum.

Der 3er BMW gehört zu den erfolgreichsten Premiumfahrzeugen der Welt.

Grund genug, damit auch wir mit dem Neuen eine Runde um den „Block“ machen. Wir wollten ein Gefühl dafür bekommen, was dieses Auto so faszinierend macht. Deshalb gaben wir Vollgas, schauten nicht auf die Uhr und nahmen den 3er gefühlsmäßig ganz genau unter die Lupe. Es ist Freude am Fahren auf höchstem Niveau. Das bestätigen viele Kunden, die seit Generationen innerhalb der Familie immer wieder auf dieses BMW-Modell schwören. Und auch wir können nur ein Ausrufezeichen hinter diese Aussage setzen. Dieser Wagen ist sportlich, dynamisch – er verkörpert einfach Fahrspaß pur. Das Innenraumangebot ist gewachsen, der Platz für Fahrer und Mitfahrer ausreichend angenehm. Schon beim Einstieg genießen die Passagiere im Fußbereich an den hinteren Türen mehr Beinfreiheit, als noch MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Es sind aber auch die herausragenden Fahrleistungen des 3er BMW. In der Kurve offensiv und sicher, auf der Geraden wie auf Schienen, an der Ampel immer der Erste. Dafür sorgen zum Beispiel leistungsstarke Motoren und eine überlegene Fahrwerkstechnik. Agilität und Fahrdynamik bleiben zudem die Paradedisziplinen der Sportlimousine und tragen entscheidend zum hohen Fahrvergnügen bei. Seinen Beitrag dazu leistet beispielsweise der BMW 328i mit 2,0 Liter Hubraum, den wir im Test gefahren sind. Er bot mit seinem hochmodernen Turboaggregat 245 PS an. Ein Rausch von Geschwindigkeit und ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Von 0 auf 100 in 5,9 Sekunden liegt dabei der Durchschnittsverbrauch lediglich bei 6,4 Liter je 100 Kilometer. Fazit: Bei der Fahrt mit dem

Wieviel Platz im Kofferraum vorhanden ist, beweisen mehrere tausend Golfbälle, die auf diesem Foto zu sehen sind.

neuen 3er ging es uns nicht darum, den technischen Vorteil gegenüber der Konkurrenz herauszufiltern. Es sollte das Bauchgefühl entscheiden, so wie es auch im Autohaus meistens der Fall ist. Passt es, oder passt es

nicht. Bei uns passte es auf jeden Fall. Das Paket war rund, der Wagen leidenschaftlich und wir zufrieden. Dirk Behm Fotos: Behm (1), BMW (2)

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„Endlich mal ein richtiger Combi“ Daumen hoch für ein außergewöhnliches Auto: Speerwerfer Mark Frank testete den Volvo V70 Sie sind Leistungssportler durch und durch. Jeder auf seinem Gebiet. Der eine mit dem Speer auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in London, der andere mit insgesamt 163 getesteten Pferdestärken auf der Landstraße, in der Stadt oder auf der Autobahn. Mark Frank aus Rostock nahm im Rahmen der Aktion „MV fährt erstklassig“ das aktuelle Modell vom Volvo V70 unter die Lupe. „Alles dran, alles drin. Tolles Auto mit üppiger Ausstattung. Ansonsten besitzt der Wagen einen großen Nutzwert. Den Vergleich in seinem Segment braucht er sicher nicht zu scheuen“, sagte der zweifache Vater, der für die Testfahrt seine Söhne Erik und Jannik mit auf Tour nahm. Deshalb war ihm auch das Platzangebot sehr wichtig. „Der Wagen bietet innen soviel Platz wie er von außen verspricht. Geschuldet ist das nicht zuletzt der kantigen Bauweise. Damit folgt er zum Glück nicht dem Trend, bei dem es anscheinend nur noch um harmonische Linienführung in Coupedesign geht. Endlich mal ein richtiger Combi. Der Kofferraum schließt sich dem Innenraum an. Platz in Hülle und Fülle. Praktisch ist zudem die elektrische Heckklappe.“ Der V70 gibt Vollgas, und das sicher nicht nur wegen des hohen Komforts. „Unser Testwagen hatte wohl so ziemlich alles an Ausstattung, was im Moment aktuell ist. Somit habe ich nichts vermisst. Das Fahren war sehr angenehm“, so Mark Frank. Dazu gehört auch ein attraktiver Innenraum, in dem die wertigen Materialien sehr ordentlich verarbeitet wurden. „Typisch für Volvo ist die Gestaltung der scheinbar frei stehenden Mittelkonsole. Gefallen hat mir die Gestaltung des Interieurs mit der farblichen Abhebung der Ledersitze und das lederbezogene Armaturenbrett“, zeigte sich Mark Frank angetan vom V70. 108

Der selbstbewusste Schwede hat Charakter und vermittelt Fahrspaß auf hohem Niveau. Seine Straßenlage ist top, seine Beschleunigung kann sich sehen lassen. Von Null auf 100 braucht die Turbodiesel-Automatik schnelle 9,9 Sekunden. Und das bei einem Verbrauch von weniger als 6 Liter auf 100 Kilometern. Lust auf eine Probefahrt? Dann vereinbaren Sie doch gleich morgen im Autohaus Mühlenhort in Schwerin und Wismar einen Termin. Die Verkäufer stehen Ihnen für eine Vorabsprache unter Telefon 0385/489500 oder 03841/220220 zur Verfügung. Gas geben im Autohaus Mühlenhort! Kein Problem. Ein Besuch lohnt sich, und das nicht nur wegen der modernen und zeitgemäßen Produktpalette. Es sind auch die Möglichkeiten auf der Suche nach dem eigenen Traumauto. Sie werden immer besser. So wurde zum Beispiel am Standort Schwerin ein neuer Autohaus-Anbau eingeweiht, der die Arbeitsbedingungen auf der einen Seite und das Auto auf der anderen Seite in einem attraktiven Licht erstrahlen lässt. Dirk Behm

Bilder v.o.n.u. Ob im Gelände, im Schnee oder auf der Straße – der Volvo V70 macht überall eine gute Figur. Mark Frank und seine Söhne hatten viel Spaß bei ihrer Testfahrt mit dem Volvo V70. Im Innenraum gefiel neben dem Platzangebot auch die gute Verarbeitung der Materialien. Fotos (2): Behm Der Präsident des Händlerverbandes Volvo Deutschland Heinz Preiß (l.) gratulierte Geschäftsführer Heino Mühlenhort (2.v.l.), seiner Frau Renate und Sohn Hendrik (2.v.r.), Leiter der Schweriner und Wismarer Niederlassungen, zur feierlichen Eröffnung des Neubaus und zum Gewinn des Volvo Award 2011. Foto: Eschrich

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Autofrühling im Audi-Zentrum Schwerin

Vom Eise befreit ... ... sind längst auch allmorgendlich die Windschutzscheiben der Autos. Spätestens mit dem Wechsel von Winter- auf Sommerräder ist der Frühling für alle Autofahrer allgegenwärtig. Der ist auch längst im Audi Zentrum Schwerin in der Hagenower Chaussee zu spüren. Mit vielen neuen Modellen und Modellvarianten startet die sportliche Marke mit den vier Ringen ins Frühjahr 2012. Wer sich den Frühlingsduft im wahrsten Sinne des Wortes hautnah ins Gesicht wehen lassen möchte, ist mit dem neuen Audi A5 Cabriolet immer gut beraten. Die erste aufregende Fahrt machen dabei die Augen: Schärfer, attraktiver, hochwertiger – so präsentiert sich das neue Modell. Die elegante Linienführung unterstreicht den Coupé-Charakter und macht das Audi A5 Cabriolet noch begehrenswerter. Auch ein Blick unter die Motorhaube lohnt sich, denn Audi bietet zum Beispiel mit dem völlig neu entwickelten 1.8 TFSI-Aggregat (170 PS) den verbrauchärmsten TFSIMotor seiner Klasse. Wer es noch sportlicher mag, für den steht der 3.0 TDI mit 204 PS zur Verfügung. In neuem Outfit präsentiert sich auch der Audi A4 – der Bestseller von Audi. Seine Erfolgsgeschichte ist bereits 39 Jahre alt – aber auch in achter Generation wirkt der Audi A4 jung, dynamisch und sportlich. Die Motorhaube wölbt sich kräftiger, die oberen Ecken des Singleframe-Grills sind angeschrägt, die Querrippen und die Audi-Ringe treten dreidimensional hervor. Unverwechselbar und typisch Audi: das LEDTagfahrlicht im

Audi-A5 Cabriolet

Stile einer schmalen, optisch homogenen Spange bzw. LED Bänder in den Heckleuchten (bei Xenon plus). Dieses raffinierte Detail sollte man sich wirklich einmal live vor Ort ansehen. Zu einer Probefahrt lädt auch der neue Audi A1 Sportback ein. Ob zur Arbeit, zum Sport, zu Freunden oder zu Besuch zur Familie – ob mit Gepäck oder ohne: Der Audi A1 Sportback ist der perfekte Begleiter und bietet mehr Funktionalität und mehr Freiheit. „Groß im Detail“ – das ist das Motto des kleinsten Audi – und wer einmal im A1 Platz genommen hat, wird es sofort wahrnehmen, was damit gemeint ist. Hochwertige Materialien mit ihrer bemerkenswerten Verarbeitung lassen nie ein Zweifel daran aufkommen, dass man in einem Audi sitzt. Sein agiles Handling sorgt für viel Fahrspaß. Gern vereinbaren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Audi Zentrum Schwerin für Sie einen Termin zur Probefahrt.

Audi A1 Sportback

Der neue Audi A4

Kontakt: Audi Zentrum Schwerin Hagenower Chaussee 1b • 19061 Schwerin Tel. 0386-64 600 64 www.audizentrum-schwerin.de • info@audizentrum-schwerin.de Mit dem nebenstehenden QR-Code haben Sie die Möglichkeit mit dem Smartphone zum Audi-Zentrum Schwerin Kontakt aufzunehmen und eine Probefahrt zu vereinbaren.

Fotos: Audi

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BUCHTIPP

Lese-Lust auf Mecklenburg Siehdichum in M-V – Die kuriosesten Ortsnamen Von Siehdichum nach Kamerun, von Schabernack nach Texas oder Salem – eine Lesereise durch Mecklenburg - Vorpommern, auf der es viel zu schmunzeln, zu lernen und zum Weitersagen gibt. Die hier vorliegende Sammlung fasst zum ersten Mal die 139 ungewöhnlichsten Ortsnamen zusammen, gibt Erläuterungen zu ihrer oft jahrhundertealten Entstehungsgeschichte, zu kulturellen oder politischen Hintergründen und zu linguistischen Besonderheiten. Vergnügliche Unterhaltung ist dem Leser garantiert, denn Ortsnamen wie Findenwirunshier, Mückenfang, Kakeldütt, Hühnerland oder Aalbude lassen nicht nur Raum für Fachwissen aus der Ortsnamenforschung. Waldemar Siering Kuriose Ortsnamen in Mecklenburg-Vorpommern Von Aalbude bis Zitterpenningshagen Illustriert von Robert Siering 224 Seiten, 42 Illustrationen, ISBN 978-3-942477-21-5 www.steffen-verlag.de

Auf den Spuren von Fürsten, Herzögen und Königinnen in M/V

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Mit Kind und Kegel durchs Land der 1000 Seen Die Mecklenburgische Seenplatte bietet Kindern wie Erwachsenen Abwechslung Tag für Tag, sei es im Urlaub oder für einen Nachmittagsausflug. Im Sommer auf die Rodelbahn gehen oder Bären, Wisente, Wölfe beobachten, Planwagencamping oder im Klax-Indianerdorf tollen, auf Kirchtürme klettern, Floßtouren unternehmen oder Keramikenformen, für jeden Geschmack und jede Witterung ist etwas dabei. Begleiter in diesem liebevoll gestalteten Familienreiseführer sind der unternehmungslustige Thor und sein drolliger Freund Fried. Eine kurzweilige Reiselektüre, die mit viel Spaß Wissenswertes vermittelt, für Große und Kleine, Familien und Schulklassen und alle, die neugierig auf das wunderschöne Seenland sind. Marianne Thiele Familien-Reiseführer Mecklenburgische Seenplatte Illustriert von Harald Larisch ca. 104 Seiten, durchgehendfarbig illustriert, ca. 150 farb. Abb., 1 Karte, 12 x 22 cm, ISBN 978-3-942477-17-8 www.steffen-verlag.de

Die bestrickende Geschichte um eine Tierfreundschaft

Königlich? Königlich! Die Großherzöge führten das alte toskanische Prädikat »Königliche Hoheit« und Mecklenburg-Vorpommern mit Schlössern in Schwerin, Güstrow und Ludwigslust, mit Burgen wie in Penzlin und seiner einzigartigen Natur verdient den Titel allemal. Besucher wie Einheimische können mit dem neuen Reiseführer die herrschaftliche Vergangenheit des Landes erkunden, Adelsgeschlechter und ihren Einfluss auf Politik, Architektur, Landschaftsgestaltung, Kunst. Zahlreiche Farbfotos zeigen die Schönheit des Landes und veranschaulichen den kulturellen Reichtum. Porträts von historischen Persönlichkeiten und Abbildungen von Kunstwerken lassen die Geschichte lebendig werden. Ein königliches Vergnügen!

Was geschieht, wenn ein Nashorn und eine Maus sich kennen lernen? Eine Mäusefamilie strickt Socken – rosafarben, vier Stück, groß wie kleine Wassereimer, eine Schlossverwalterassistentin fällt fast in Ohnmacht und ein Mäuse-Opa fabriziert einen rettenden Kurzschluss. Aber beginnen wir von vorn: Clara ist das berühmteste, am weitesten gereiste und schönste Nashorn der Welt. Sie liebte Orangen und war schon vor über 250 Jahren, als der französische Hofmaler Jean-Baptiste Oudry sie malte, ein Star. Jetzt erlebt sie ihr erstes großes Abenteuer mit der kleinen Maus Rosa, die die schönsten Ohren der Welt und 67 Verwandte hat. Das lebensgroße Clara-Gemälde ist derzeit im Staatlichen Museum Schwerin zu bewundern.

Helmut Borth Königliches Mecklenburg-Vorpommern Der Reiseführer ca. 280 Seiten, ca. 150 farb. Abb., 1 Karte, 12 x 22 cm, ISBN 978-3-942477-16-1 www.steffen-verlag.de

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AUSGELESEN Christine Becker

Helleborus Von Astrid Kloock

Sie ist eine ungewöhnliche Frau – groß, hellhaarig, willensstark, bisweilen schön. Sie hat in ihrem Leben viele „gewöhnliche“ Dinge ungewöhnlich gut gemacht wie Fotografieren, Malen, Gärtnern, Hunde züchten. Nun setzt sie ihrem kreativen Schaffen die Krone auf mit dem außergewöhnlichen Buch. „Helleborus“. Eine Monografie. Christine Becker lebt in einem winzigen Dorf zwischen Schwerin und Wismar. Alles fing damit an, dass im kalkigen Schutt an der Wand ihres Hauses ein Wunder geschah. Hier wurzelte eine Pflanze, unscheinbar, sich selbst überlassen. Als es kahl wurde in der Landschaft, reckte sie sich und blühte: tiefroter Blütenkelch, die Staubblätter gelb. Im Windhauch ihr Duft. Ein Wunder. – Das ist fünfzehn Jahre her. Seitdem haben sie ein Verhältnis, die Frau und die Blume. Die Frau und Gärt-

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nerin ist fasziniert, interessiert, züchtet und pflegt. Die Blume blüht – nicht nur die in „Putzkrümeln und restlichen Ziegelsteinsplittern“, sondern viele, viele Hellebori aus der Gattung Nieswurz in der Familie der Hahnenfußgewächse blühen und gedeihen in ihrem Garten, alle Jahre wieder, in prächtigen Farben – zartrosa, cremefarben, nachtschwarz. Ihre Namen sind Nieswurz, Schneerose, Lenzrose, Christrose. Sie blühen von Februar bis April oder auch im November/Dezember. Um die Weihnachtszeit kann man sie in guten Blumenläden kaufen. Helleborus ist eine sehr alte Pflanze. Philosophen, Mediziner und andere Gelehrte in der Antike und im Mittelalter, bis in die Gegenwart hinein, haben sich für sie interessiert. Dichter haben sie bedichtet, Botaniker haben sie vermehrt. Christine Becker, Gärtnerin und Künstlerin, reiht sich ein in die Schar derer, die der stillen Extravaganz von Helleborus verfallen sind. Ihr Buch ist eine Liebeserklärung an die zarte Blume, die es schafft, „mit ihrer Schönheit und seltsamen Art zu erwachen, wenn alles schweigt“. Das Buch ist mehr als

eine Monografie und wird Botaniker, Gärtner und Kunstliebhaber fesseln. Die Sprache der Schreiberin bleibt auch in der Darstellung von naturwissenschaftlichen Zusammenhängen lebendig und beseelt. Hinzu kommt die Pracht der Abbildungen von Kupferstichen, Zeichnungen und Aquarellen aus Sammlungen und die Christine Becker-Fotos der Helleborus-Gartenhybriden, hundertvierzig farbige Bilder, quasi eine „Bundesgartenschau auf Papier“. - Layout und Ausstattung sind ebenfalls von der Autorin gemacht. Sie wählte ein mattes Papier mit seidiger Haptik. Über die Buchstaben st setzt sie ein Häkchen, um der modernen Typografie eine Anmutung von vergangener Zeit zu geben, als die Buchstaben von Hand gesetzt wurden mit Hilfe von Ligaturen – eine Referenz an

nebenbei im Bauschutt erblüht, ist inzwischen eine beliebte, kostbare Ziergartenpflanze. Durch die Gentechnologie hat ihre Vermehrung zugenommen. Die Nachfrage wird größer. Dennoch: Zur Zeit gibt es auf der gesamten Welt nicht mehr als sieben oder acht Bücher über sie. Eines davon ist das von Christine Becker „Helleborus“ – eine Monografie. Persönlich sei hinzugefügt: Ein Gesamtkunstwerk. Wer es hat, besitzt einen Schatz. Christine Becker „Helleborus“ , eine Monografie, Edition Viridit Art, ISBN: 978-3-00-035275-1

Helleborus, die Pflanze, alt wie Methusalem. Helleborus, alt wie Methusalem und bei Christine Becker wie

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TREFFPUNKT

Was ist los in der Griechisches Temperament in St. Georgen Einer der international gefragtesten Dirigenten leitet am 20. April das NDR-Sinfonieorchester in der St. Georgen-Kirche in Wismar: Teodor Currentzis. Der 40-Jährige mit griechischen Wurzeln ging als junger Dirigent nach Nowosibirsk, um dort von 2004 bis 2010 Chefdirigent am Oper- und Balletttheater zu sein. Seit Februar 2011 ist er Musikdirektor des Opern- und Balletttheaters in Perm. In der St. Georgen-Kirche

präsentiert der gebürtige Athener „Der Schwan von Tuonela“ von Jean Sibelius, das Konzert für Klavier und Trompete c-Moll op. 35 von Dmitrij Schostakowitsch und die Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100 von Sergej Prokofjew. Der russische Pianist Alexander Melnikov und Jeroen Berwaerts, Erster Trompeter des NDR Sinfonieorchesters, spielen die Solo-Partien in Schostakowitschs Konzert für Klavier und Trompete. Teodor Currentzis dirigiert das NDR Sinfonieorchester. Foto: IMG Artists

Maler statt Marine: Manfred W. Jürgens zeigt „Tafelbilder“ in der Galerie Baumhaus Er malt seit seinem dritten Lebensjahr. Als Kind besuchte Manfred W. Jürgens oft seine Großeltern bei Dresden und ließ sich von den Alten und Neuen Meistern inspirieren. Ständig malte der gebürtige Grevesmühlener, auch während seiner Matrosen-Ausbildung. Irgendwann reichte es dem Kapitän. „Jungchen, entweder Maler oder Seemann“, raunzte er ihn an. Manfred W. Jürgens, der seinen Stil als „Sachlichen Realismus“ bezeichnet, entschied sich fürs

Baumhaus um 19.30 Uhr die Ausstellung „Tafelbilder“ mit Porträts und Stillleben. Zu sehen ist u. a. das Porträt der ältesten aktiven 86-jährigen Hamburger Gastronomin, Erna Thomsen, die seit 61 Jahren hinter dem gleichen Tresen steht. Ein Highlight ist das 2,5 Meter breite Porträt der Band „Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys“, das erstmals öffentlich gezeigt wird. 27.4., 19.30 Uhr, Galerie Baumhaus, Am Alten Ruth Rupp vor einem Porträt von Manfred W. Jürgens. Hafen, Ausstellungseröffnung „Tafelbilder“ Die 86-Jährige wird während der Ausstellungseröff- mit Manfred W. Jürgens, bis 20.5., geöffnet: nung singen. Foto: privat April: Die. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mai bis Okto-

ber: 10 bis 20 Uhr, Eintritt frei Malen. Am 27. April eröffnet der in Hamburg lebende Künstler in der Galerie

Kulinarische Verbrecherjagd Ausgezeichnete Unterhaltung, ein historisches Ambiente und ein exquisites VierGang-Menü ergänzen sich am 1. Juni zu einem kurzweiligen Spektakel: beim Dinner-Krimi, ab 19.30 Uhr im Bürgerschaftssaal des Rathauses. Die Schauspieler der Theatergruppe Dinner-Krimi aus Darmstadt benötigen keine Bühne, sie bewegen sich rund um die Zuschauer, die an festlichen Tafeln sitzen und so in die Handlung eingebunden werden. Bei „Mord im Paradies“ geht es um die ehemalige Hollywood-Schauspielerin Myrna Lakoonas, die auf Hawaii das „Hotel Paradise“ betreibt. 112

20.4., 19 Uhr, St. Georgen, Konzert des NDRSinfonieorchesters, www.wismar.de

Fall für Inseldetektiv Mr. Magnum. Um die kulinarischen Genüsse kümmert sich das Steigenberger-Hotel „Stadt Hamburg“. Die Spitzen-Köche des Wismarer Traditionshauses kredenzen unter anderem Melonenkaltschale mit Eierlikörschaum sowie Kalbsrückenbraten mit Spargelbündchen und Kartoffeln. Erst nach dem Dessert steht fest, wer der Mörder war. Um Voranmeldung wird gebeten. Für Krimifans:„Mord im Paradies“ und dazu ein leckeres 1. Juni, 19.30 Uhr, Bürgerschaftssaal des RatVier-Gang-Menü. Foto: Dinner-Krimi hauses, Am Markt 1, Vorbestellungen unter

Die Lady lädt ihre Jet-Set-Freunde von einst ein. Als alle da sind und die Party beginnen kann, trübt ein Unfall das Geschehen. Ein

Telefon: 03841 239-0, mar@steigenberger.de

Email:

wis-

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TREFFPUNKT

Hansestadt Wismar? Rüstige Lady feiert 111. Geburtstag Nachdem bereits im vergangenen Jahr das 110-jährige Jubiläum des Schoners „Atalanta“ bei der Hanse Sail Rostock ausgiebig gefeiert wurde, dieses Jahr also das 111. Am 1. Juni laufen in den Alten Hafen rund 20 Traditionssegler ein, darunter die „Skythia“ aus Rostock und die „Ellen“ aus Lübeck. Am 2. Juni laden die Schiffe ab 11 Uhr Mitsegler zum Törn, am Nachmittag Gäste und Besu- Die „Atalanta“ auf der Ostsee. Foto: Archiv Förderverein cher zum „Open Ship“ ein. Im Alten Hafen außerdem eine Knotenwerkstatt. Der Shanzeigen Akrobaten ihr Können, es gibt eine tychor „Blänke“ ist dabei. Bootsbaufirmen Malstraße und ein Leseprojekt für Kinder,

Buntes Spektakel im Alten Hafen Tausende Besucher strömen während der 21. Hafentage in den Alten Hafen. Eröffnet wird das Spektakel mit dem traditionellen Fassumzug. Musikbühnen, Riesenrad und Karussells, Jahrmarkttreiben, Handwerker und Kunstschaffende sorgen für abwechslungsreiche Tage an der Kaikante. Traditionssegler, wie der Segelschoner „Atalanta“, Während der Hafentage zu Gast in der St.-Georgen-Kirund der Nachbau der Poeler Kogge, die „Wis- che : „Keimzeit Akustik“. Foto: Ron Marzok

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sind mit Ständen präsent. Ab 19 Uhr beginnt in der Markthalle ein Seglerball. Höhepunkt ist die Taufe des Jugendkutters, den der Nachwuchs des Fördervereins Schoner „Atalanta“ e.V. nutzt. Für das Schiff werden Auszubildende der Bootsbauberufsschule Lübeck zwei Masten an einem speziellen Stand vor den Augen der Gäste herstellen. Um 23 Uhr endet der Tag mit einem Feuerwerk. 1.-3. Juni: Empfang historischer Segelschiffe im Alten Hafen,Törns, Schiffbaukunst, OpenShip, Kultur- und Kinderprogramm, www.ss-atalanta.de Grit Schreiter

semara“, laden zu Ausfahrten in die Wismarbucht ein. Zu den Höhepunkten gehören das Feuerwerk am Sonnabend ab 23 Uhr direkt über der Wendeplatte, der Kunsthandwerkermarkt in der neu aufgebauten Markthalle und das Abschlusskonzert am Sonntag um 20 Uhr in der St.-Georgen-Kirche. In diesem Jahr mit „Keimzeit Akustik“ und der Singer/Songwriterin Christina Lux. Hafentage: 8.-10.6. im Alten Hafen, www.wismarer-hafentage.de

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SCHLOSSFESTSPIELE

Zirkusoper

in Roncallis Zirkuszelt

Foto: Theater

„Wie machen wir’s, dass alles frisch und neu und mit Bedeutung auch gefällig sei?“ Diese Frage stellt sich der Theaterdirektor bei Goethe, im Vorspiel zum Drama „Faust“ – Diese Frage stellen sich Theaterleute in Schwerin jedes Jahr aufs neue, wenn es um die Schlossfestspiele geht. Angefangen hat alles im Innenhof des Schlosses, dann war der Alte Garten die Spielstätte, mal mit Blick zum Museum, dann mit gedrehter Sichtachse mit dem Schloss im Hintergrund. Als im vergangenen Jahr auf dem Alten Garten gebaut (vielleicht doch eher langsam gewerkelt) wurde, zogen die Schlossfestspiele auf die Freilichtbühne im Schlossgarten. In diesem Jahr wird wieder auf dem Platz zwischen Schloss, Museum, Theater gespielt – aber frisch und neu wird es trotzdem. Das Theater zieht mit der Oper „Der Bajazzo“ ins Zelt vom Zirkus Roncalli.

Zirkus um das Theater gibt es in Schwerin ja schon länger, aber Theater im Zirkus in dieser Form, wie sie Roncalli und das Mecklenburgische Staatstheater präsentieren, ist eine Weltpremiere. „Eine schönere Aufgabe, als Zirkus und Theater, in diesem Fall Oper, zusammenzubringen, gibt es für einen Regisseur nicht“, sagt Regisseur Peter Lotschak. Für den Österreicher ist es bereits die vierte Inszenierung bei den Schweriner Schlossfestspielen. Mit Zirkus und Theater treffen zwei Welten aufeinander, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben: „Aber nur scheinbar, auf den zweiten Blick gibt es Parallelen: In beiden Bereichen ist das tägliche Training wichtig und jeden Abend muss das Publikum neu erobert, neu gewonnen werden.“ Rugerro Leoncavallos 1892 in Mailand uraufgeführte Oper „Der Bajazzo“ spielt im Zirkus. Im

Gastronomische Empfehlungen in der Griesen Gegend 114

Mittelpunkt der Handlung stehen Canio, Clown und Chef einer Komödiantentruppe, seine junge, ungetreue Ehefrau Nedda und deren Liebhaber, der junge Bauer Silvio. Was fröhlich mit der Einladung Canios zur Zirkusvorstellung beginnt, endet tödlich – typisch Oper eben. Anfang Mai, wenn das 1.200 Zuschauer fassende Zelt vom Zirkus Roncalli auf dem Alten Garten aufgebaut ist, gehen die Proben in die entscheidende Phase. Mit dabei ist dann auch Eva Lind. Die Sopranistin wird in zehn der dreißig Vorstellungen die Rolle der Nedda singen. „Mich reizt das Psychogramm dieser Figur, für eine Darsteller-Sängerin ist das eine wunderbare Aufgabe“, sagte Eva Lind auf einer Pressekonferenz Anfang Februar im Schweriner Theater. „Die Idee dieses Projekts hat mich überzeugt, ich habe keine Zweifel, ich bin voller Vorfreude.“ Für die Sopranistin mit internationalen Erfahrungen – die Stationen ihrer musikalischen Laufbahn lesen sich wie das Who is Who der Opernhäuser: Mailänder Scala, Bayrische Staatsoper München, Deutsche Oper und Staatsoper unter den Linden Berlin, Wiener Staatsoper – ist die Nedda ein Rollendebüt. „Um so spannender ist die Arbeit für mich.“ Das wird sie unbestreitbar auch für alle anderen Beteiligten: Die Solisten des Hauses, die Gastsolisten wie u.a. Eduardo Aladrén, Konstantin Rittel-Kobylianski, Mikael Babajanyan, die Chöre und die Statisterie und nicht zuletzt die Werkstätten des Theaters. Kostümbildner Giselher Pilz taucht ab in die Tiefen des Kostümfundus: „Wir machen historische Kostüme, orientiert an der Uraufführungszeit um 1900. Dafür kann man keine neuen Stoffe im Laden kaufen, die Materialien müssen schon an die Zeit der Spielhandlung angepasst werden.“ Aber auch mit alten Stoffen kann man eine Operninszenierung der Schweriner Schlossfestspiele frisch, neu und mit Bedeutung gefällig gestalten. Karin Gustmann

Premiere ist am 15. Juni um 21 Uhr. Gespielt wird bis zum 22. Juli jeweils mittwochs bis sonntags um 21 Uhr Karten über Telefon 0385/5300123; kasse@theater-schwerin.de; www.theater-schwerin.de

TÖPFERHOF - HOHENWOOS Fritz Döscher 19303 Tewswoos Tel.: 03 87 59 - 2 02 38 Fax: 03 87 59 - 33 98 03 Werkstattbesichtigung • täglich geöffnet • Kaffee + Kuchen

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PERSÖNLICH

Nach einem Marathon schläft‘s sich besser Wer nach den Sternen greift, der muss durch die Wolken, sagt Dr. Matthias von Hülsen. Der Intendant der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern scheint luftige Höhen zu mögen. Gemeinsam mit Ehefrau Dorothy genießt er in seiner Schweriner Wohnung den weiten Blick über den Pfaffenteich, hoch droben über den groß gewachsenen Bäumen.

Frische Frühlingsbrise überm Pfaffenteich: Dorothy und Matthias von Hülsen lieben diesen weiten Blick. Foto: Re. Rö.

Draußen tobt ein Sturm, trotzdem blinzelt die erste wärmende Frühlingssonne durch die Fenster der oberen Etage auf die feine Kaffeetafel. Dorothy von Hülsen hat eine perfekte Zitronentarté gebacken. Köstlich frisch und verführerisch. Matthias von Hülsen, der eigentlich Frühlings-Fasten wollte, hat extra dafür sein Vorhaben gebrochen. Und das will was heißen, denn dieser Mann hat Willenskraft und Stehvermögen. Ohne Zweifel. Der heute 68-Jährige gründete 1990 mit Gleichgesinnten aus Mecklenburg-Vorpommern und dem benachbarten Schleswig-Holstein die Festspiele MV, leitete sie bis 2002 und übernahm ab 2009 erneut die Intendanz von Sebastian Nordmann. Anfangs viele Jahre neben seiner Arbeit als Kinderarzt mit eigener Praxis in Hamburg. „Diese Festspiele zu machen, ist Vergnügen. Etwas, was Freude bereitet und schöne Ergebnisse zeigt, geht leicht von der Hand.“ Von dem Begriff Knochenjob will er nichts hören. „Das ist relativ. Natürlich ist alles mit ungeheuer viel Fleiß verbunden. Unsere Mitarbeiter sind ebenso gestrickt, arbeiten mehr als sie sollen, sind absolut motiviert und deshalb macht diese Arbeit Spaß.“ Auch bei so einem Festivalmarathon, der in diesem Jahr bereits Mitte März auf Rügen begann. „Nach einem Marathon schläft man besser“, setzt von Hülsen trocken nach. 116

Kinder für die klassische Musik zu begeistern – ein großes Anliegen der Festspiele MV.

Noch vor dem Fall der Mauer haben von Hülsen und sein Freund aus Kinder- und Jugendtagen, Justus Frantz, versucht, mal rüber in den Osten zu schauen. Der Pianist und Dirigent Justus Frantz spielte mit dem Orchester des Schleswig-Holstein MusikFestival in Schwerin. Der Mediziner Dr. Matthias von Hülsen weilte zu Ärztekongressen in der Republik zwischen Oder und Elbe. „Und wie das Leben so ist, damals, 1973, habe ich bereits unseren jetzigen Aufsichtsratsvorsitzen der Festspiele, Professor Horst

Klinkmann, kennengelernt.“ Hinzu käme, so weiß von Hülsen, dass sowohl seine Ahnen als auch die seiner Frau, eine Geborene von Moltke, in Mecklenburg Wurzeln hatten. „Solche Dinge verstärken natürlich die Bindungen.“ Spätere Besuche folgten, auch ein erster in Deutschlands ältestem Seebad, in Heiligendamm. „Ich wusste schon damals, 1985, hier mache ich noch mal ein Festival.“ Matthias von Hülsen lacht lauthals. Denn bei aller Utopie, seine Vorhersehung trat ein. MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


PERSÖNLICH

Das Ehepaar von Hülsen lebt auch die Festspiele MV, hier im Bild mit dem Preisträger in Residence 2011, Li-Wei Qin. Foto: Festspiele (2)

Fünf Jahre später fand das erste Konzertfestival dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern statt.. Auch in Heiligendamm. Die „Moskauer Virtuosen“ spielten im damaligen Speise-

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saal des einstigen Sanatoriums auf. Natürlich waren die Erfahrungen des Schleswig-Holstein Musik-Festival, zu dessen Wegbereitern von Hülsen gehörte, ein wichtiger Fakt für

das, was dann im nordöstlichsten Bundesland heranwuchs. „Ich war damals der Zeit etwas voraus und schaute bereits auf das Land mit einem Festivalblick.“ Allerdings zu jener Zeit noch nicht ahnend, dass der ganz große Reichtum der mecklenburg-vorpommerschen Spielstätten sich erst allmählich auftat.„Nämlich auf dem Lande, in den nahezu unzähligen Scheunen, Herrenhäusern, Schlössern oder Gärten.“ Auch ein Grund dafür, so der Festspielintendant, dass heute etwa die Hälfte der Besucher aus anderen Bundesländern kommen. „Sie wollen das häufig für sie immer noch unbekannte Land auf diese Weise entdecken.“ Matthias von Hülsen spricht gern von der wachsenden Festivalfamilie. Das hat natürlich Gründe. „Wir haben, weil Mecklenburg-Vorpommern - bis auf wenige Ausnahmen - nicht auf den Reiserouten großer Stars steht, uns die Stars selber gebacken. Das waren die Geburtsstunden der jungen Elite und der Preisträger in Residence.“ Inzwischen seien die Festspiele MV die Startrampe für den internationalen Spitzennachwuchs schlechthin. Junge Musiker kämen gern. „Wir haben damit ein ganz eigenes Profil, wie es kein anderes Festival hat.“ 

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PERSÖNLICH Dorothy von Hülsen beantwortet die Frage, ob denn ihr Ehemann auch sonst eine besondere Beziehung zur eigenen Familie habe, mit einem Lächeln. „Total. Am liebsten hätte er noch immer unsere Kinder um sich.“ Was nicht möglich ist, denn längst sind die beiden Söhne und die Tochter aus dem Haus, führen ihr eigenes Leben in Hamburg, Berlin und London. Vier Enkelkinder und zwei VizeEnkel sind inzwischen „an Bord“. Die ruhige, zurückhaltend wirkende Frau erinnert an vergangene Sommerurlaube, ganz in Familie, aber trotzdem so anders. „Mein Mann organisierte zu jener Zeit in die sommerlichen Schleswig-Holstein Musikfeste auf dem Lande. Und um nicht von der Familie getrennt zu sein, wurde im Tross gereist.“ Soll heißen, alle - Mutter, Vater, Kinder - hatten einen Musikfest-Job. Die Tochter und die Söhne mussten Plätze anweisen, Künstler betreuen, Karten abreißen, Stullen schmieren. Jedes Wochenende woanders.. „Tapfer und ohne zu murren waren sie dabei. Wir sind mit unseren Kindern nie groß verreist. Ich denke aber, es hat ihnen nicht geschadet.“ Kinder und klassische Musik, dieses Miteinander prägte die eigene Familie von Hülsen und findet in vielerlei Hinsicht praktische Umsetzung. Bis heute, ja bis zu den Festspielen MV. „Musik fördert Konzentration und soziales Miteinander, schärft Sinne und Emotionen.“ Hier spricht sowohl der Kinderarzt mit 35-jähriger Berufserfahrung und ehemals eigener Praxis in Hamburg-Steilshoop, als auch der Vater von Hülsen. Tochter Maria, heute Radiomoderatorin bei KlassikRadio, hat übrigens in Hamburg den ersten Musikkindergarten gegründet. Ein steiniger Weg über Jahre, aber mit Erfolg, sagt der Vater. „Vier Jahre hat sie gekämpft“, ergänzt

Mutter Dorothy. Jetzt besuchen 120 Kinder diese Einrichtung. Und die Festspiele MV haben jedes Jahr in Hasenwinkel und Ulrichshusen Konzerte eigens für Kinder auf dem Plan. Junge Musiker musizieren so für das Publikum von morgen. „70 und mehr Kinder im Saal für die klassische Musik zu gewinnen, das ist eine wirkliche Herausforderung und ein unglaublich schönes Ereignis,“ schwärmen von Hülsens. Es wird Fortsetzungen geben. Dorothy von Hülsen, studierte Kunsthistorikerin, gibt zu, das jetzige Leben an der Seite ihres Mannes durchaus zu genießen. „Wer hat das schon, in den Sommermonaten, vielleicht außer montags und dienstags, jeden Tag ins Konzert gehen zu können.“ Ehemann Matthias von Hülsen widerspricht, weil sich das so gemütlich anhört. „Dorothy ist nicht nur eine extrem fleißige Frau, sondern auch ein sehr liberaler Mensch. Und das macht unser Zusammenleben erträglich.“ Erträglich? Das bedarf einer Erklärung. 43 Jahre sind die beiden verheiratet. „Nun, meine Frau hat ihren Arbeitsbereich, sie kümmert sich um die Familie, ich klotze bei den Festspielen. Insofern haben wir wenig Streitpunkte.“ Von Hülsens lachen herzlich. Also, über Musik und Kunst werde bei ihnen kaum gestritten. Lediglich seien beider Geschmäcker sehr unterschiedlich. „Der Stil meiner Frau ist viel edler, ich bin schon fürs Triviale manchmal sehr offen.“ Dorothy von Hülsen, so scheint‘s, schaut mit gewisser Nachsicht. Und dann stellt Matthias von Hülsen zwei Marmeladen-Gläschen auf den Kaffeetisch. Erdbeer-Fruchtaufstrich und BlutorangenMarmelade steht zu lesen, darüber fein geschwungen: Gartenhaus Testorf. Schon

beim Anschauen der Gläser spürt man Sorgfalt und Geschmack. „Ich habe über viele Jahre Familie und Freunde mit meinen Marmeladen versorgt. 2002 kam dann die Idee, in ausgesuchten Läden meine süßen Aufstriche anzubieten,“ sagt Dorothy von Hülsen. Und dabei ist es geblieben. Bis heute. Das familieneigene Gartenhaus Testorf im schleswig-holsteinschen Wangels ist zur Marmeladenmanufaktur avanciert. Gerade musste Bitterorangenmarmelade von Hand eingekocht werden. „Die Königsdisziplin beim Marmelade kochen“, sagt Frau von Hülsen, „und mühsam“. Das Magazin „Der Feinschmecker“ zeichnete übrigens Dorothy von Hülsens Erdbeer-Fruchtaufstrich als Marmelade des Jahres 2011 aus. Von den Gourmet-Marmeladen wieder zu den Festspielen MV. Unumwunden gibt von Hülsen zu, dass zwischen den benachbarten Festivalländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ein Wettbewerb entstanden ist. „Von dort guckt man mit kritischem Blick, weil sie Sorge haben, dass wir Mecklenburger ihnen Publikum klauen.“ Das ist nicht ganz abwegig, denn die Festspiele MV haben sich mit aktuell 125 Konzerten an 83 Spielorten zum drittgrößten Musikfestival in Deutschland entwickelt. „Und wir kommen weiter voran,“ schmunzelt von Hülsen. „Wenn wir durch die Wolken kommen, greifen wir selbstverständlich nach den Sternen.“ Um die Zukunft der Festspiele MecklenburgVorpommern ist ihm nicht bange. „Mehltau werden wir nicht ansetzen, die familiäre und ländliche Festspielatmosphäre wird bleiben.“ Regina Rösler

IMPRESSUM Verlag: delüx Gesellschaftsmagazin GmbH Geschäftsführer: Detlev Lüth Klöresgang 5 · 19053 Schwerin Telefon: 03 85 / 48 56 30 Telefax: 03 85 / 48 56 324 eMail: info@schwerin-deluex.de www.schwerin-deluex.de

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Märchenhafte Festspiele Märchen von Hans Christian Andersen, ihre Stimme. Ein Mittsommerfest in Loitz wird am 21. Juni u. a. mit dem Danish String Quartet im Hotel Tucholski gefeiert.

2012 im Corinna Harfouch.

Héléne Grimaud.

Das Gesicht dieser Festspielsaison ist Veronika Eberle, Preisträgerin in Residence. Die 24-Jährige Geigerin wird auf insgesamt 14 Konzerten im ganzen Land zu erleben sein.

Veronika Eberle.

Unter dem „Fokus Dänemark“ erfährt Musik des benachbarten Königreiches Aufwartung. Barockmusik, Folk, Jazz – alles ist dabei. Märchenhaft wird es am 20. Juni im Kurhaussaal Binz. Schauspielerin Corinna Harfouch verleiht der „Kleinen Meerjungfrau“, nach dem gleichnamigen

MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012

Emilie Mayer wird musikalisch zum 200. Geburtstag gratuliert. Die 1812 in Friedland in Mecklenburg-Strelitz Geborene war eine der gefeiertsten und hochgelobten Komponistinnen ihrer Zeit und wurde in einem Atemzug genannt mit Fanny Mendelssohn und Clara Schumann. Die Festspiele widmen sich der Landeskomponistin, die u. a. Lieder, Konzertouvertüren, Sinfonien und etliche Streichquartette hinterließ. Namhafte Künstler wie Daniel Hope, (10. August, Kotelow), das Fauré Quartett (11. Juli, Heiligendamm) und das Minguet Quartett (6. September, Schwerin) geben Emilie Mayer ein Geburtstagsständchen.

WA LLE N S TE I N

Jazzsession mit Andreas Pasternack

S t a r t a m 11 . A p r i l u m 19 U h r danach jeden 2. M it t w och im Monat

Komponierte Landschaft lautet der diesjährige Spielstättenschwerpunkt. Gartenarchitektonische Juwelen, unter anderem der Pfarrgarten Starkow, der Botanische Garten Christiansberg oder der englische Landschaftspark von Burg Schlitz, locken mit Konzerten. Kammermusikprojekte oder Junge Elite-Konzerte, Programmsäulen der Festspiele, sind natürlich ebenso zu erleben. Das gesamte Programm unter www.festspiele-mv.de

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Die 23. Saison der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern findet in diesem Jahr vom 9. Juni bis zum 9. September statt. 125 Konzerte sind in 83 Spielstätten zu erleben. In Kirchen, Scheunen, Gutshäusern, Klöstern und Schlössern musizieren Solisten von Weltrang, Pianisten wie Héléne Grimaud, Bruno Leonardo Gelber und Boris Berezovsky, die Sängerin Anne Sofie von Otter, die Festspielpreisträger Daniel Hope, Julia Fischer, Alice Sara Ott, Vivian Hagner und Daniel MüllerSchott.

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VERANSTALTUNGEN

Frühjahr 2012 April 7.4. 8.4. 8.4. 13.4. 23.4. 28.4. 28.4.

Boltenhagen Schwerin Mueß Schwerin Schwerin Plau am See Schwerin Schwerin

Töpfermarkt zu Ostern Saisoneröffnung Osterhammer 2012 Wladimir Kaminer-Lesung (Capitol) Tanz in den Mai im Festzelt Schweriner Flottenparade 3. Schweriner Jazznacht (Schelfkirche)

Mai 1.5. 1.5. 4.5. 4.5. 5.5. 11.5. 11.5. 20.5. 26.5. 26.5. 26.5. 27.5. 31.5.

Schwerin Lübz Sternberg Boltenhagen

Filmkunstfest MV (Capitol) Stadtsportfest 10. Landesrapsblütenfest Weltmeisterschaft der olympischen Bootsklasse Laser Grevesmühlen Citynacht in Grevesmühlen Parchim Stadtfest in Parchim Schwerin Bastian Sick - Tournee (Capitol) Schwerin Internationaler Museumstag Schwerin Kunst: Offen landesweit Boltenhagen Mecklenburger Pfingstmarkt Boizenburg/Elbe Fahrtziel Natur: mit den Rangern durch das Schilde- und Schaaletal Dömitz Norddeutsche Tage Schwerin Markus Maria Profitlich „Stehaufmännchen“ (Capitol)

Juni 1.6. 2.6. 7.6. 8.6. 9.6. 9.6. 10.6. 13.6. 15.6. 15.6. 16.6. 17.6. 21.6. 22.6. 22.6. 23.6. 24.6. 24.6. 27.6.

Neustadt-Glewe Neukloster Grevesmühlen Wismar Boizenburg/Elbe Wismar Boizenburg/Elbe Basthorst Nakenstorf Schwerin Redefin Wismar Wedendorf Grevesmühlen Groß Schwansee Schwerin Hasenwinkel Schwerin Hasenwinkel

20. Burgfest Stadtfest Stadtfestwoche Wismarer Hafentage Hafenfest mit Drachenbootrennen Festspiele MV: Eröffnungskonzert Hafenfest mit Neptunfest Festspiele MV: Junge Elite Festspiele MV: Junge Elite Schlossfestspiele: Der Bajazzo Festspiele MV: Picknick-Pferde-Sinfoniekonzert Festspiele MV: Interkontinentale Jahreszeiten Festspiele MV: Junge Elite Piraten Open Air Theater: Ein Leben für die See Festspiele MV: Preisträgerkonzert Festspiele MV: Mozartabend Festspiele MV: Tribute to John Williams Bolschoi-Theater „Raymonda“ (Capitol) Festspiele MV: Preisträgerkonzert

Schwerin Hasenwinkel Dömitz Wismar Plau am See Boltenhagen Sternberg Parchim Redefin Wismar

Festspiele MV: Preisträger-Konzert Festspiele MV: Das Friends-Projekt Hafenfest Dömitz Festspiele MV: Das Friends-Projekt Badewannenrallye 2012 Boltenhagener Strandfest Festspiele MV: Dresdner Kreuzchor Festspiele MV: Nash Ensemble of London Festspiele MV: Picknick-Pferde-Sinfoniekonzert Internationales Straßentheater boulevART

Juli

Foto: Helmut Wachtel Fotos rechts: Capitol (3)

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11.7. 12.7. 13.7. 13.7. 13.7. 14.7. 20.7. 20.7. 21.7. 27.7.

MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 1/2012


MECKLENBURG SCHWERIN REGIONALMAGAZIN 17. JAHRGANG · Frühling 2012 · E 4,-

KOMM

LIEBER MAI UND MACHE... LEBENS-

TRÖPFCHEN

EDLE AUS SCHWECHOW

KÜNSTLER IM NORDEN w w w. s c h we r i n - d e l u e x . d e


Mecklenburg Schwerin delüx Frühling 1/2012