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essay


Steht bloß nicht Still everything is full of content, without content. Der Austausch der Designer/Gestalter untereinander oder anders, das Teilen von Arbeiten, Design- Blogs, die damit zusammenhängende Vernetzung und schnelle Übersicht global entstehender Konzepte und Stile, Inhalte und Formen reiben das »Individuum« auf. Immer die alte Soße, das hab ich hier oder dort schon mal gesehen. Löst man sich einen Moment davon und reflek tiert, dass man ein Mensch ist, der sich von Geburt an aus der Umgebung und dem Schaf fen der Menschen (Kultur) zusammensetzt sollte einem klar werden, dass man eine »Collage« ist und das Streben nach Individualismus/ Einzigartkigeit vergebens ist. Wir ist hier ein Stichwort für Gestaltung. Sei die Form die Folge des Inhalts oder es nur die Form ohne Inhalt. Ganz gleich ist es das Wiederkehrende was ein Gestalter akzeptieren muss. Generationen müssen sich neu erfinden. Der Lebenszyklus eines Menschen beträgt max. 80-90 Jahre, das heißt, dass Menschen auch neu informiert werden müssen. Durchaus müssen wiederkehrende Themen erneut kommuniziert werden. Weil ein »Gestalter« auch nur ein Mensch ist und auch sein Zyklus von dem eines »Menschen« nicht abweicht, hat er das zu akzeptieren und zu Gestalten. Wenn er sich nur selbst daran messen kann, was es schon gibt und was er denn schaf fen könnte um einzigartig zu

sein, steht er still und schaf f t weder »Ich« noch weniger Wir. Er erschlaf f t in einer sozialen Plastik, die mehr Plastik als sozial ist. Um die Oberflächenästhetisierung auszulassen, sei es ratsam, sich Themen zu widmen/aus sich heraus zu ermitteln, dessen Auseinandersetzung vom Denken hin in eine Form gestaltet werden. Auch Intuition ist ein Wegdem ein Gedanken folgen wird, eben die Reflek tion dessen was man gedacht und in eine Form brachte bevor man es dachte. Auch reine formal/intuitive Experimente finden also ihre Konzepte und schaf fen Identifikation. Das sind »nur« Wege zum Glück der Gestaltung und der Künste. Viel wichtiger ist auch hier die Akzeptanz des erwähnten Zyklus des Menschen (Gestalters). Wer Formales auf eine Epoche (70s, 80s, 90s etc.) und somit als schon Dagewesenes hin kristisiert, ist über das vergeblich zu suchende Ich vielleicht noch nicht hinaus gekommen und hat den Kontext /Inhalt, sofern vorhanden, (Wir - wie oben beschrieben - Lebenszyklus) dabei nicht primär betrachtet oder, ist dazu nicht fähig. Sofern es beliebige Oberfläche ist die der Betrachtende oberflächlich kommentiert, wird sich nichts ändern. Steht bloß nicht still im 21. Jahrhundert. Daniel Angermann; 2012

Der Autor behauptet weiterhin, dass auf der formalen Ebene, die Entwicklung, dass visuelle Schaffen des Menschen zu Ende ging. Nicht aber die Technische und viel wichtiger schon gar nicht die Geistige. So akzeptiert den »Stillstand« des Visuellen, nutzt den Geist und das Jetzt, in »alter Form« und es wird neu sein.


von Da niel An ger ma nn

BRENNE!

Steht bloß nicht Still im 21. Jahrhundert  

Design, Art, Reflexion