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B47837 Jahrgang 12 – 06/2009

Oktober / November 2009 www.crescendo.de

Plácido Domingo Eine persönliche Begegnung mit dem besten Tenor der Welt

Schwerpunkt

S TA R S Haydn-Philharmonie Adam Fischer mit Orchester auf Deutschlandtournee

Cecilia Bartoli über heikle Themen David Garrett im Auto mit dem Wundergeiger René Jacobs über seine große Liebe Jessye Norman über musikalische Erziehung Ioan Holender Ansichten eines Starmachers


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crescendo 06 2009 | 3 editorial

Liebe Leser,

inhalt 4 Das Prinzip: Klassik-Star Tobias Haberl über ein Phänomen, das eigentlich ganz normal ist

6 Cecilia Bartoli Die Sopranistin spricht im crescendoInterview über Kastration und den Rummel um ihre Person 10 Ioan Holender Der Star-Intendant und die Frage: Wie macht man Stars?

Foto: Paul Schmitt

11 101 Fragen „Was ist ein Virtuose?“

Winfried Hanuschik, Herausgeber

I

oan Holender, der Intendant der Wiener Staatsoper, hat

12 David Garrett Eine sehr informative Autofahrt mit dem jungen Geiger

16 David Fray Er teilte sich mit Hélène Grimaud den Klavierlehrer. Jetzt ist er selbst ein Star.

einen Riecher für Sänger mit Starqualitäten und beste Kontakte in der internationalen Klassikszene. Wen er in seinem

Haus auf die Bühne lässt, der hat beste Chancen auf weltweite Engagements. Für crescendo hat er sich Gedanken gemacht, wie ein Künstler das Beste aus seinem Talent machen kann. Ebenfalls empfehlen möchte ich unsere Reportage über den Klassik-Popstar David Garrett. Mit seinem ganz eigenen Stil und Repertoire trifft er den Geschmack vieler, die mit klassischer Musik bisher wenig anfangen konnten. Der Medienrummel ist inzwischen so erdrückend, dass er die meisten Anfragen ablehnen muss. Für crescendo machte er eine Ausnahme. Unser Autor Burkhard Schäfer stieg zum „schnellsten Geiger der Welt“ einfach ins Auto und schrieb mit. Seine Aufzeichnungen lesen Sie ab Seite 12. Außerdem trafen wir für diese Ausgabe die Stars Cecilia Bartoli, Inge Borkh, René Jacobs, Plácido Domingo, Jessye Norman und Newcomer David Fray. Er wird am 18. Oktober in der Semperoper Dresden zum 2. Mal mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet. Zuletzt möchte ich Ihnen noch das Essay ans Herz legen. Der TV-Manager Martin Hoffmann hat ein Gespür, was Millionen von Menschen sehen wollen. Seine Ansichten zur Kultur sind überraschend und unterhaltsam. Wir fühlen uns geehrt, dass wir sie exklusiv drucken dürfen. Viel Spaß beim Lesen! Herzlichst Ihr,

18 Die 10 Die zehn Lieblinge der crescendo-Redaktion 20 René Jacobs Der belgische Dirigent über sein Verhältnis zu Stars 22 Inge Borkh Ein Blick auf die Frau fürs Extreme 24 Kolumne Pascal Morché über die Absurdität der Selbstinszenierung 26 Rezensionen Die wichtigsten CDs und DVDs des Monats 33 Magali Mosnier Die Flötistin spricht über sich und – Bach, natürlich.

34 TITEL: Plácido Domingo Ein Treffen mit dem Opernstar in den Katakomben von Verona 39 Jessye Norman Die Diva über Jazz, Erziehung und warum sie Deutschland noch immer mag 41 crescendo-kids Die Kinderseite 42 Essay Martin Hoffmann über Kultur in den Medien

44 plus regional Die Haydn-Philharmonie geht mit Adam Fischer auf Deutschland-Tour 46 Termine und Veranstaltungen 50 Lieto Fine / Impressum

Exklusiv für Abonnenten: Hören Sie die Musik zu unseren Texten auf der crescendo premium-CD. Infos auf Seite 40.

Fotos: v.o. Uli Weber; Paolo Roversi / Virgin Classics; Dario Acosta / DG; Lukas Beck Fotos Titel: Sheila Rock, Lukas Beck


stars 4 | www.crescendo.de 06 2009


www.crescendo.de 06 2009 | 5 stars

Das Prinzip:

Klassik-Star

Foto: AFP/Getty Images

VON TOBIAS HABERL*

Der Star der klassischen Musik im 20. Jahrhundert, das war immer Maria Callas. Sie war die Ausnahme, das Besondere, die Verkörperung der Kunst. „Mariiiia....Diviiiina“, riefen die Zuschauer, noch bevor sie einen Ton gesungen hatte, bei ihrer letzten Norma-Aufführung in Paris 1965 – ganz verzückt wirkten sie, berauscht, fast wahnsinnig. Maria Callas, das war kein Mensch mehr, das war Frau gewordene Musik, Melodie und Tragik, „Diva aller Divas“, nannte sie Yves Saint Laurent, „Kaiserin, Königin, Göttin, Zauberin, hart arbeitende Magierin, mit einem Wort: göttlich.“ Als die Sopranistin 1977 starb, verschwand nicht nur eine Jahrhundertsängerin, es verschwand auch ein besonderer Typus des Stars, der göttlich und entrückt zu sein schien. Das Talent schien der Callas von den Musen höchstpersönlich zwischen die Stimmbänder geklemmt worden zu sein. Am 7. Juli 1990 wurde eine neue Art des klassischen Musikstars geboren. Es war der Tag, an dem Luciano Pavarotti, José Carreras und Plácido Domingo anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft zum ersten Mal als „Die drei Tenöre“ auftraten. 6000 Menschen waren live in den Caracalla-Thermen in Rom dabei, 1 Milliarde Menschen sahen das Spektakel im Fernsehen. „Die drei Tenöre“ – das war keine Kunstdarbietung mehr, sondern ein Event; die drei Sänger auf einer Bühne vereint, das war ein Markenartikel, eine Geschäftsidee, eine Gelddruckmaschine. Der Star war endgültig aus den himmlischen Sphären herab ins Fußballstadion gestiegen. Im Jahr 2009 ist Singen de�nitiv keine göttliche Gabe mehr, es ist ein Job. Stars der klassischen Musik, das sind heute: Anna Netrebko und Rolando Villazón, Lang Lang und David Garrett, Elīna Garanča und Jonas Kaufmann – die Liste ließe sich Maria Callas, der erste zeilenlang fortsetzen – auf jeden Fall alles auch von den Fotografen Künstler, die attraktiv, präsent und eloquent, belagerte Opernstar. aber nicht weniger talentiert oder �eißig Das Bild enstand im Jahr sind – trotzdem erinnern sie eher an Ar1970 in Paris. beitnehmer des Musikbetriebs als an Engel oder Götter. Sie reisen, singen, reisen weiter. Funktionieren wie globale Mikro-Unternehmen, wie Unternehmensberater ihrer selbst. Der Quotendruck ist so immens, Rolando Villazón �el 2007 einem Burn-out-Syndrom zum Opfer, im Sommer dieses Jahres sagte er alle Termine für 2009 ab: eine Stimmbandzyste hatte sich in seinem Kehlkopf eingenistet. Das klingt menschlich, nach Erschöpfung und Überforderung. „Der Sklave, die Hure des Betriebs“, schrieb die Zeit zynisch, „hat es mal wieder fehlen lassen an der nötigen Sorgfalt und Disziplin.“ Und weil wir in einer Medien- und Bilderwelt leben, hat es Vorteile, wenn Künstler nicht nur schön singen, sondern auch schön ausse-

hen. Ohne Zweifel treibt diese Gier nach Schönheit im Moment besonders bizarre Blüten: Das Zauberwort heißt Unverwechselbarkeit. Dafür machen die Künstler (fast) alles: Die Großen lassen sich von bekannten Designern ausstatten, Netrebko von Escada, Kaufmann von Strenesse, der Rest sucht nach einem passenden Image, zeigt auf Plattencovern Dekolletés oder präsentiert Schmuck in Illustrierten. Im Jahr 2009 muss der Künstler zu einer Marke werden, die sich abhebt, die wiedererkannt wird. Die Weltklasse-Geigerin Julia Fischer konnte gerade noch ein Angebot vom Playboy parieren, dem Cellisten Johannes Moser, einem der Besten seines Fachs, wurde jüngst erklärt, er wäre noch einen Tick erfolgreicher, wenn er bei jedem Auftritt rote Strümpfe anzöge. Er hat abgelehnt. „Sopranistin der Stunde“, „Vokaler Stern“, „Heldin des Abends“, die Zeitungen heben fast jeden, der unwiderstehlich dreinschauen kann, in den Himmel. „Denen gehen bald die Superlative aus“, sagt der Musikkritiker Joachim Kaiser, „jeder ist atemberaubend, jeder superb, jeder gehört zu den Besten. Weiß denn keiner mehr, dass das Wesen des Superlativs darin besteht, dass er sich nur auf einen beziehen kann?“ Kein Zweifel, man muss schon lachen oder sich schämen angesichts moderner Marketingmethoden. Wer aber glaubt, es ginge ohne, macht sich selbst lächerlich. Wir leben in einer durchökonomisierten Welt. Ideen und Investitionen müssen sich rechnen. Das gilt auch für die Musik, oder sagen wir: für den Klassikmarkt. Die Musikbranche steckt in der Krise, CDVerkäufe stagnieren oder sinken, da braucht es Stars als Zugpferde, die den Laden am Laufen halten und – ja das eben auch – Labels und Veranstaltern die Möglichkeit geben, jüngeren, unentdeckten Talenten eine Chance zu geben. Mit Millionen verkaufter CDs und DVDs kann eine Netrebko ein paar Kolleginnen mit�nanzieren. Eine weitere „Aida“ macht eine Uraufführung erst möglich, der Star garantiert das Weiterleben, auch das Weiterentwickeln nicht nur einer Branche, sondern von Musik schlechthin. Und wer die Heiligkeit der Kunst in Gefahr sieht, soll sich fragen, ob er bereit wäre, für eine Opernkarte nicht 100, sondern 400 Euro zu zahlen. Sagen wir es so: Nur weil eine Sache darauf angewiesen ist, Geld zu verdienen, heißt das nicht, dass sie nicht auch gleichzeitig gut sein kann. Netrebko, Lang Lang, Kaufmann, das sind alles hervorragende Musiker, zu Recht berühmt, umjubelt, erfolgreich, und ohne Zweifel Stars dieses noch jungen 21. Jahrhunderts. Ob man auch in 20 oder 30 Jahren noch von ihnen spricht, wird sich zeigen. Eine wie die Callas lebt weiter, so oder so. Sie ist jetzt kein Star mehr, sondern eine Legende. Eine Legende, die uns beschäftigt wie ein Geheimnis. Und genau darin liegt der große Unterschied. // *Tobias Haberl ist Redakteur beim Süddeutsche Zeitung Magazin.


interview 6 | www.crescendo.de 06 2009

Junge, Göttin! Doch, doch: Die Dame auf dem rechten Foto ist Cecilia Bartoli. Warum sich die italienische Opernsängerin für ihre aktuelle CD als junger Mann verkleidete und was sie von Paparazzi vor der eigenen Haustür hält, lesen Sie im Interview. VON ANTOINET TE SCHMELTER DE ESCOBAR

Opernstar Bartoli: „Aus der Distanz heikle Themen anschneiden.“

hält Kompositionen, die im 1. Jahrhundert speziell für kastrierte Jungen entstanden. Warum ein solch schwieriges Thema? Cecilia Bartoli: Diese Zeit ist in meinen Augen der glorreichste und auch tragischste Abschnitt der Musikgeschichte. Zum einen komponierte der Neapolitaner Nicola Porpora Meisterwerke für die größten Stars der damaligen Zeit von Farinelli bis Caffarelli. Zum anderen wurden dafür immense Opfer im Namen der Kunst gebracht, wie der Titel „Sacrificium“ sagt. Denn damals wurden allein  Jungen pro Jahr in Italien kastriert. Und das 1 Jahre lang. Die meisten kamen aus armen Familien und bezahlten schon als Achtjährige mit dem Verlust ihrer Männlichkeit dafür, dass sie ihre hohe Stimme behielten, intensiven Vokal- und Instrumentalunterricht erhielten und sich oft zu gefragten Interpreten entwickelten. crescendo: Eigentlich unglaublich, aus heutiger Sicht ... Bartoli: Ja, die Kastraten konnten Frauenrollen singen, aber gleichzeitig waren es Männer mit großem Charisma. Diese Einzigartigkeit und Ambiguität, wegen der ich mich für die Kombination aus Frauenkopf und antik anmutendem Männerkörper auf dem CD-Cover entschieden habe, machte einen großen Teil ihres Erfolgs aus. crescendo: Hört man nur die CD, ist man von den Arien beeindruckt und ahnt nichts von deren Schattenseiten. Machen Sie diese im Booklet zum Thema? Bartoli: Natürlich. Mir war es schon lange wichtig, aus der Distanz einer Frau dieses heikle Thema anzuschneiden, aber auch die wunderbare Musik zu Gehör zu bringen. Denn die wurde bislang in der Literatur vernachlässigt. crescendo: Nach den Kastraten gab es viele andere Stars. Über einen anderen haben Sie ebenfalls eine CD gemacht – Maria Malibran. Was war Ihr Grund, sich diese Frau auszusuchen? Bartoli: Auch bei Maria Malibran gab es eine tragische Seite: ihr früher Tod mit , ein schwieriges Leben. Gleichzeitig stellt sie den Beginn einer neuen Ära dar: die der Diven. crescendo: Die Diven. Was ist für Sie eine Diva? Bartoli: Das Charakteristische einer Diva ist das Multitalent. Malibran,

Foto: Uli Weber

Foto: Ferdinando Scianna/MAGNUM

crescendo: Sprechen wir über Ihre neue CD „Sacrificium“. Sie ent-


www.crescendo.de 06 2009 | 7 interview

Nur f端rs Foto: Cecilia Bartoli schl端pfte f端r ihre neue CD in die Rolle eines verschmitzten J端nglings.


Foto: Uli Weber

interview 8 | www.crescendo.de 06 2009

Cecilia Bartoli Bartoli wurde im Jahr 1966 in Rom geboren. Beide Eltern waren Opernsänger. Ihren ersten Auftritt hatte sie deshalb im Alter von neun Jahren als Hirtenknabe in Puccinis Tosca. Im Alter von 22 Jahren sang sie an der Pariser Oper eine Hommage an Maria Callas und wurde weltberühmt. Sie lebt in der Nähe von Zürich und ist mit dem Bariton Oliver Widmer verlobt. Tour-Termine: 14.10. München, 18.10. Berlin, 22.10. Halle, 08.11. Baden-Baden. www.ceciliabartolionline.com

die übrigens noch mit einem der letzten Kastraten gesungen hat, war eine fantastische Interpretin, besaß auf der Bühne eine umwerfende Ausstrahlung, spielte mehrere Instrumente, komponierte und malte. Eine Diva ist für mich eine Göttin. Jemand, der übermenschlich ist. crescendo: Wird man als Diva geboren? Oder wird man von anderen dazu gemacht? Bartoli: Malibran wuchs in einer musikalischen Familie auf, die im Kontakt mit wichtigen Komponisten wie Rossini stand. Als sie mit dem Singen anfing, waren ihre Voraussetzungen insofern sehr gut, schnell wahrgenommen und gefördert zu werden. Aber wenn man ein außergewöhnliches Talent hat, wird das auch ohne diese Voraussetzungen früher oder später auffallen. crescendo: Im Fernsehen boomen Talent-Shows, mit denen unter anderen der britische Handyverkäufer Paul Potts als Opernsänger berühmt geworden ist. Würden Sie Nachwuchs-Künstlern empfehlen, in so einer Sendung aufzutreten – so wie Sie es selbst auch als 1-Jährige getan haben? Bartoli: Wenn man das tut, muss man technisch und psychologisch dazu bereit sein, denn das Ausgesetztsein und die Zurschaustellung sind enorm. Dieser Schritt vors Publikum kann einem helfen, aber auch schaden. crescendo: Wie wird man also zum Star, Frau Bartoli? Bartoli: Ein Stern, der über lange Zeit hinweg strahlen soll, muss immer weiter wachsen, lernen und vor allem diszipliniert bleiben. Daniel Barenboim hat einmal zu mir gesagt, dass einen auch das größte Talent verlässt, wenn man es nicht mit allen nötigen Mitteln unterstützt. crescendo: Also gilt nicht der Grundsatz: Einmal Star – immer Star? Bartoli: Nicht ganz: Ich denke, man darf sich durchaus Momente des Zurücklehnens gönnen, aber man muss im Anschluss daran wieder hart arbeiten. Ohne Disziplin geht nichts – da ist es egal, ob Sie im Musik-, Film- oder Sportbusiness sind. crescendo: Fleiß ist sicher ein Erfolgs-Faktor. Doch es gibt auch Ge-

fahren, die man nicht beeinflussen kann, zum Beispiel Stimmverlust wie im Fall von Rolando Villazón. Haben Sie selbst Angst vor so einem Einschnitt? Bartoli: Ähnliches droht ja, wenn man Schritte macht, die zu groß für die eigenen Beine sind. Es ist wichtig, eine gute Technik zu haben und zu erkennen, wo die persönlichen Grenzen liegen. Der Körper sagt einem durchaus, was man tun kann und was nicht. Gerade jungen Künstlern fällt das allerdings schwer. Denn die sind voller Energie und fühlen sich unsterblich. crescendo: Wann haben Sie sich zum ersten Mal als Star gefühlt? Bartoli: Ich kann gar nicht über mich selbst sagen, dass ich ein Star bin. Ich hatte nur schon immer eine Leidenschaft für Musik, die derart groß ist, dass sie wie ein Feuer lodert. crescendo: Sie gelten als jemand, der nicht immer den Weg geht, den andere von Ihnen erwarten. Sind Sie trotz oder wegen Ihres Eigensinns so erfolgreich? Bartoli: Ich verfolge einfach das, was ich liebe und wähle aus, was ich meiner Ansicht nach unbedingt mit anderen teilen und auf die Bühne bringen sollte. Als Interpret muss man sich für einen Weg entscheiden und den gehen. Jeder macht das auf seine Weise, ist dabei aber mehr oder weniger überzeugend. crescendo: Hat man es an die Spitze geschafft, wird man leicht zur öffentlichen Person und dadurch verletzlich, wie das Beispiel vieler Stars aus der Popmusik zeigt. Ist das in der Klassikbranche ebenfalls ein Problem? Bartoli: Meines Erachtens kann man sich durchaus dafür entscheiden, Paparazzi vor der Haustür zu wollen oder nicht. Manche Künstler müssen über Privatleben reden, weil sie sonst nichts zu sagen haben. Wenn es interessante Projekte gibt, kann man mit Journalisten jedoch auch über etwas anderes sprechen. crescendo: Sie haben von mehreren Echos bis zum Grammy zahllose Preise gewonnen. Berührt Sie eine Auszeichnung wie der Award zum Leonie Sonning Musikpreis 1 trotzdem noch? Bartoli: Preise erfüllen mich mit Freude und geben mir Energie, das weiter zu tun, was ich mache. Jede Auszeichnung ist ein Zeichen dafür, dass nicht nur ich selbst mein Tun genieße – eine Form des Teilens und auch Zurückbekommens. crescendo:  haben Sie eine Stiftung gegründet. Wozu? Bartoli: Die Aufgabe meiner Stiftung ist einerseits die Wiederentdeckung vergessener und von der Musikgeschichte vernachlässigter Werke, andererseits die Unterstützung junger Komponisten. In der Popbranche gibt es genug davon, aber uns fehlt dieser schöne Dialog mit Zeitgenossen ein wenig. crescendo: Fühlen Sie sich als Botschafterin der Musik? Bartoli: Ja. Aber mir liegt auch die Forschung am Herzen. Ich bin eben ein neugieriger Mensch. // Sacrificium von Cecilia Bartoli ist als Doppel-CD bei Decca/Universal erschienen.


MUSEUM KUNST PALAST, DÜSSELDORF IN ZUSAMMENARBEIT MIT TATE MODERN LONDON

lange+durach

Medienpartner

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Kulturpartner

Ehrenhof 4–5, Düsseldorf, Di–So 1 1– 18 Uhr, Do 1 1–21 Uhr www.museum-kunst-palast.de

Die Stiftung museum kunst palast ist eine Public-Private-Partnership zwischen der Landeshauptstadt Düsseldorf, E.ON AG, METRO Group und Evonik Industries AG. Per Kirkeby, Flugten til Ægypten (Detail), 1996, Privatsammlung, Zürich © Per Kirkeby, Courtesy Galerie Michael Werner, Berlin


eine frage 10 | www.crescendo.de 06 2009

crescendo:

»Eine Frage,

Direktor Holender:

Wie macht man Stars?«

Ioan Holender:

»

Foto: Florian Lechner

Nun, die Benennung eines singenden Menschen, also von jemandem, der durch gesungene Worte Geschichten, Gefühle, Empfindungen, Handlungen oder was auch immer wiedergibt, als „Star“ ist falsch und fehl am Platz. Das Wort Der Intendant der Wiener Star bedeutet schlicht „Stern“, Staatsoper: Ioan Holender und die Bezeichnung eines darstellenden Künstlers als „Stern“ kommt aus der Filmbranche und wurde in der Zwischenkriegszeit für Filmdarsteller verwendet. Enrico Caruso und Beniamino Gigli, die weltweit bekanntesten Tenöre ihrer Zeit, wurden damals noch nirgends „Star“ genannt. Maria Meneghini Callas war wohl die erste bekannte Opernsängerin, die manche als „Star“ bezeichneten, obwohl die verbreitetere Bezeichnung für diese außerordentliche Sängerin schon zu ihrer Zeit „La Callas“ gewesen ist. Natalie Dessay, die französische Sopranistin, die ich nach ihrem Vorsingen ins Ensemble der Wiener Staatsoper aufgenommen habe, sang hier verschiedene mittlere Partien und wurde plötzlich weltbekannt, als sie 1994 in der Premiere von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ die Partie der Puppe Olympia sang. „A star was born“ schrieben damals reißerische Zeitungen über Natalie Dessay – und Ähnliches auch über den walisischen Bariton Bryn Terfel, der die vier Bösewichter verkörperte und den bis dahin auch kaum jemand wahrgenommen hatte. Heute werden beide von den Medien „Stars“ genannt. Nichts ist falscher und charakterisiert diese zwei außerordentlichen Künstler weniger als diese Betitelung, die immer etwas Ober�ächiges, Reißerisches, schnell Verglühendes und Vergängliches an sich hat. Die Sterne am Himmel verglühen. Und sie leuchten für uns nur eine Nacht. Sterne strahlen Licht aus, Sänger erzählen uns von Liebe, Leiden und Schmerz. Opernsängern muss man vertrauen, man muss sie verstehen, ihnen Liebe und entsprechende Aufgaben geben und nicht sie persönlich wichtig machen. Wichtig ist allein die Kunst, die sie dank ihres Könnens wiedergeben. Talent und Können, Angeborenes und durch Arbeit, Entsagung und Fleiß Angeeignetes – das charakterisiert eine Netrebko, Garanča, Kasarova, Dessay oder einen Kaufmann, Beczala, Terfel, Pape und andere heute. Plácido Domingo, der wohl am längsten „leuchtende“ Opernsänger unserer Zeit, war nie ein Star, nie ein Stern am Himmel, der uns von oben anstrahlt, sondern immer ein Mensch, der uns durch sein Hiersein sehr viel gegeben hat.

Ich habe in meiner langen Tätigkeit in der Welt der Oper niemals Stars gemacht, denn diese sind mehr auf den Gesellschafts-Seiten der Zeitungen und in den „Seitenblicke“-Sendungen des Fernsehens. Meine Stars sind Bühnenmenschen, die durch ihre künstlerischen Leistungen leuchten und nicht durch sich selbst. Ich kann Ihnen also nicht verraten, wie man einen Star macht. Ich habe aber das Wissen und möglicherweise die Intuition, die Entwicklung eines jungen Sängers erkennen zu können und somit vorauszuwissen, was aus diesem wird, wohin ihn seine Entwicklung führt, um das Allerbeste aus seinem Talent zu machen. Es ist wahrlich kein Mysterium: Ein Sänger soll erstens nicht das singen, was ihn am meisten freut, sondern das, womit er anderen Freude bereitet. Ein „schlankes“ Singen ist bei einem jungen Talent bestimmt von Vorteil, wohingegen „breites, lautes“ Singen schädlich ist. Zweitens müssen dem Publikum die Rollen, die er interpretiert, gefallen, und nicht ihm selbst. Alle angehenden Sänger neigen dazu, dramatische Partien zu singen, schwereres Fach zu früh anzugehen und dadurch ihren Werdegang zu verkürzen, manchmal überhaupt zu verhindern. Und drittens ist es für einen Sänger am Beginn seiner Karriere das Wichtigste, nein sagen zu können, Intendanten und Dirigenten gegenüber Angebote nicht anzunehmen und zu erkennen, dass sich diese auf die Entwicklung der eigenen Stimme – auf Dauer – negativ auswirken. Meist ist es ein Vorteil, wenn sich ein Intendant oder Dirigent eines jungen Künstlers annimmt und ihn in erster Linie zurückhält. Es geht ja nicht darum, wie rasch sie an die Spitze gelangen, sondern vielmehr darum, wie lange sie sich dort halten können. Die Basis, das Fundament ist entscheidend. Dieses habe ich versucht, in vielen Jahren jungen Sängern zu geben. Ich hatte es nie eilig: die Pieczonka sang zunächst die 5. Magd in der „Elektra“, die Kasarova den Fjodor in „Boris Godunow“, die Garanča die Lola und die 2. Dame, die Kirchschlager den Hirten in der „Tosca“ und die Flora in der „Traviata“, Ain Anger den Graf von Monterone, Adrian Eröd den Mercutio, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Künstler, diese Menschen, nahmen sich Zeit und sind heute ganz oben, wo sie noch lange bleiben werden. Piotr Beczala war viele Jahre am Linzer Landestheater und sang an der Wiener Staatsoper ganz lyrische Partien wie zum Beispiel den Belmonte. Heute ist er ein exzellenter Faust und Rodolfo. Er steht auf zwei sicheren Beinen und hat ein festes Fundament, auf dem er bauen kann. Zwei Sängergenerationen sind somit in meiner fast 20-jährigen Wiener Direktionszeit hier groß geworden. Manche haben sich gehalten, andere sind schon heute vergessen. Fest steht, dass die Entwicklung eines Sängers immer sowohl von jenen abhängt, die ihnen die Chance geben, aber auch von jenen, die sie vernünftig zu nutzen wissen.

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www.crescendo.de 06 2009 | 11 101 fragen

SERIE: DIE WICHTIGSTEN FRAGEN ZUR KLASSIK (TEIL III)

Virtuosität bezeichnet brillante technische Fähigkeiten und gehört fast immer zur Grundausstattung erfolgreicher Interpreten. Bis ins 19. Jahrhundert war die Personalunion von Interpret und Komponist selbstverständlich, wie Domenico Scarlatti, Mozart und Beethoven beweisen; oftmals kamen improvisatorische Fähigkeiten hinzu, wie etwa im Beruf des Organisten. Im 19. Jahrhundert wurde der Virtuose zum Prototyp des romantischen Genies, in ihm vereinten sich handwerkliches Können, geistige Fähigkeiten, subjektives Gefühl und Werktreue; Virtuosität wurde zur Interpretationskunst. Dieser Künstlertypus ist gekennzeichnet von der romantischen Verklärung des großen, unverstandenen Individuums sowie dem Hang zur Selbstinszenierung, Exzentrik und Legendenbildung. Mit vielen dieser Zuschreibungen antizipiert das romantische Genie den modernen Starkult. Im 19. Jahrhundert verkörpern vor allem der «Teufelsgeiger» Niccolò Paganini und der Pianist Franz Liszt diese Eigenschaften. Ihr Erfolg ist nicht ohne ein bürgerliches, öffentliches Konzertpubli-

kum denkbar, das die Virtuosen kultisch verehrte. Die aufgeführten Werke waren dabei ganz auf diese zugeschnitten: Bestanden die Programme der Akademiekonzerte Mozarts noch aus einer Vielfalt an Gattungen, so wurde nun ausschließlich Sololiteratur gespielt, darunter auch Transkriptionen von Symphonien und Opern sowie Variationen über bekannte Melodien. Der Klaviervirtuose galt als Leitbild für die Angehörigen bürgerlicher Schichten, die selbst ihr Klavierspiel perfektionieren wollten. 1834 erschienen dazu Carl Czernys „40 Übungen zum Erlangen und Bewahren der Virtuosität“. Er verlangte Fleiß, Disziplin und Stetigkeit für den Erfolg;

Tugenden, die nicht nur im Klavierspiel, sondern allgemein im bürgerlichen Gesellschaftsund Geschäf tsleben galten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Musiker zunehmend zum reinen Interpreten (so zum Beispiel der Geiger Joseph Joachim), was sich im 20. Jahrhundert vollends durchsetzte. Die Virtuosität ist heute nicht mehr allein entscheidendes Kriterium, aber sie lebt als bewundertes Faszinosum in jeglicher Musik weiter. Beispiele aus dem 20. Jahrhundert sind die Cellistin Jacqueline du Pré, der Trompeter Walter Scholz, der Flötist JeanPierre Louis Rampal, die Geigerin Midori Goto, die Sängerin Renée Fleming und die Pianistin Gabriela Montero, die als eine der wenigen Musikerinnen im Anschluss an klassische Konzertabende sogar auf Zuruf improvisiert. // Abdruck aus: Annette Kreutziger-Herr, Winfried Bönig „Die 101 wichtigsten Fragen: Klassische Musik“

Verlag C. H. Beck, 160 Seiten, 9,95 Euro.

»Blicke ich zurück auf meine bisherige Opernkarriere als Sänger, so stand ich sicherlich zu 40 Prozent in Verdi-Rollen auf der Bühne.« Plácido Domingo

Photo: © Sheila Rock / DG

Die Deutsche Grammophon gratuliert Plácido Domingo zum ECHO Klassik für sein Lebenswerk mit einer Wiederveröffentlichung seiner Verdi-Edition aller Tenor-Arien. Jetzt zum Sonderpreis für alle Fans von Domingo und von Verdi. Domingo singt Verdi Die kompletten Tenor-Arien Diverse Orchester Dirigenten: Abbado. Giulini. Karajan. Ghergiev u. a. DG 4 CD 480 2815 www.placido-domingo.de


stars 12 | www.crescendo.de 06 2009

Goliath?

Nein: David. David Garrett. Eine Autofahrt mit dem Star-Geiger, der von sich sagt, dass er jeden Tag bei Null anfangen muss.

Pirmasens, 11. Uhr, Hotel-Lobby. In der pfälzischen Stadt hatte David Garrett am Vorabend sein erstes in einer Reihe von drei Konzerten gegeben. Jetzt soll es weiter nach Bonn gehen, der nächsten Station seiner Klassik-Tour, doch der Meister lässt auf sich warten. „David schläft noch“, sagt sein Manager, gestern sei es mal wieder spät geworden. Man fahre erst in etwa einer Stunde. Gegen Viertel vor zwölf spaziert ein sichtlich übernächtigter David Garrett in die Lobby. Er grüßt mit einem herzlichen Händedruck und entschuldigt sich für seinen Jetlag und die damit verbundene Verspätung. Er sei vor drei Tagen aus den USA angereist und habe die Zeitumstellung noch in den Knochen. „Eingeschlafen bin ich erst gegen sechs Uhr in der Früh.“ Während der Manager das Gepäck im Auto verstaut und den Geigenkoffer auf die Rückbank legt, zahlt der Geigenvirtuose noch brav sein Zimmer und führt dabei Smalltalk mit dem Hotelbesitzer. Als er fertig ist und sich zum Gehen wendet, wird er vom Hotelchef nochmals zurückgerufen: „Vergessen Sie Ihren Hut nicht, Herr Garrett!“ David Garrett nimmt auf dem weit nach hinten geschobenen Beifahrersitz Platz. Vor uns liegen knapp drei Stunden Fahrt. Das Sonnenlicht sickert durchs Autofenster. Die Stimmung ist gelöst, der Wahl-New Yorker ist trotz seiner offensichtlichen Müdigkeit geistig hellwach, bestens gelaunt und eloquent. Normalerweise nutzt er die Fahrten zwischen den Städten auch dazu, den dringend erforderlichen Schlaf nachzuholen oder, wenn die Größe des Fahrzeugs es erlaubt, zum Geigespielen. Manchmal gebe er im Auto auch Interviews, doch dieses Mal habe das Management auf seinen Wunsch hin alle Anfragen abgeblockt. Nur für crescendo habe er eine Ausnahme gemacht, sagt er verschmitzt lächelnd und nimmt einen Schluck aus der Flasche mit Apfelschorle. Auf das Frühstück im Hotel hat er, wie fast immer, verzichtet. Wir nähern uns der Autobahn, als der Manager das Wort ergreift: „Ich habe ausgerechnet, dass David Garrett im Mai jede 1,3. Nacht in einem anderen Hotel übernachtet hat. Für den Oktober ist eine Tour durch 24 amerikanische Städte geplant.“ Raubbau an der Gesundheit scheint vorprogrammiert. „Man muss auf seinen Körper hören und Konsequenzen daraus ziehen“, sagt das ehemalige Wunderkind und spricht aus schmerzhafter Erfahrung, hat er sich doch in Teenager-Jahren einen Bandscheibenvorfall zugezogen, der schon damals auf körperliche Fehlhaltungen zurückzuführen war. Mit steigender Popularität und einem Übungspensum von sechs bis sieben Stunden täglich – die Konzerte nicht mit eingerechnet – muss der Stargeiger heute auf sich und seinen Körper selbst aufpassen. „Glücklicherweise habe ich gelernt, die körperlichen

Foto: DEAG Music

VON BURKHARD SCHÄFER


www.crescendo.de 06 2009 | 13 stars

No Smoking: T-Shirt Tr채ger David Garrett verzichtet bei seinen Auftritten auf die Bekleidungs-Etikette der klassischen Musik. Der 28-j채hrige Aachener ist der Popstar unter den Klassikern.


stars 14 | www.crescendo.de 06 2009

JUNGSTAR GARRETT:

auch nicht, weder dort, noch in Deutschland, wenn Leute mich ansprechen. Das ist doch eher eine Motivation, es zeigt, dass man gute Arbeit geleistet und etwas bewegt hat.“ Seine Art, solche Dinge auszusprechen, ist von einer entwaffnenden Offenheit David Garrett wurde 1981 in und Sympathie. Kein Wunder, dass ihm auf der Aachen geboren und bekam im ganzen Welt die Herzen zu�iegen. Sein ganzes Alter von vier Jahren seine erste Wesen ist völlig unaffektiert und ohne die geringsGeige. Den amerikanischen Nachte Spur von Eitelkeit und Arroganz. „Ich weiß, dass namen hat er von seiner Mutter, ich gut bin, ich weiß aber auch, was ich dafür leisten der Primaballerina Dove Garrett. muss. Wenn du weißt, wie viel Arbeit hinter etwas Im Jahr 1999 besuchte er die steckt, kannst du gar nicht arrogant sein, weil dich Meisterklasse von Itzhak Perlman dieses Wissen erdet.“ an der Juilliard School of Music. Fast könnte man meinen, David Garrett sei einSein Hauptwohnsitz ist derzeit in fach der nette, begabte junge Mann von nebenan, New York. Seit Ende Mai 2008 ist wäre sie nicht deutlich zu spüren, diese Aura, die nur Garrett im Guinness-Buch der Redie ganz Großen umgibt. Und zu den ganz Großen korde als schnellster Geiger der Welt eingetragen. In der britischen Fernsehshow „Blue Peter“ gehört er zweifelsohne. Auch, wenn das konservaspielte er fehlerfrei den „Hummelflug“ von Rimski-Korsakow in nur 66,56 Sekunden, am 20. tive Feuilleton ihn hin und wieder zum geigenden Dezember 2008 verbesserte er diesen Rekord bei der „Guinness World Records“-Show noch Male-Model ohne Substanz und Zukunft degraeinmal um 1,3 Sekunden. In seiner wenigen Freizeit geht er gerne im Central Park spazieren („bei dieren möchte, das der hehren Klassik nichts zu Nieselregen laufe ich lieber“) und trifft sich mit Freunden. Allerdings: „Ich gehe nie solange raus, bieten hat. Der Geiger nimmt es gelassen: „Von der wenn ich am nächsten Tag arbeiten muss“, sagt er. Vielmehr: Schlafen, auch nachmittags schlafen. Presse eine schlechte Kritik zu bekommen, ist nicht „Schlaf ist eigentlich das Wichtigste überhaupt, wenn man abends ein Konzert spielt.“ weiter tragisch, vor allem, wenn man von sich weiß, auf der Bühne eine gute Performance abgeliefert zu haben“, sagt er mit einem Achselzucken. „Das Alarmzeichen zu verstehen und auch mal Wünsche und Angebote Schlimmste für einen Künstler ist, Erfolg zu haben, von der Bühne zu abzuschlagen.“ Dann wird David Garrett plötzlich sehr ernst, nimmt gehen, aber dabei mit seiner eigenen Leistung nicht zufrieden zu sein.“ das Mikrophon meines Diktiergerätes in beide Hände und sagt fast Und dass seine musikalischen Grenzüberschreitungen aber auch rein ein bisschen feierlich: „Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich gar nichts mit hastig auf den Markt geworfener Massenware gemein hier bei all denjenigen of�ziell dafür zu entschuldigen, die auch mal haben, weiß er nur zu genau: „Man muss ein Weltklasse-Geiger sein, ein Nein von mir zu hören bekommen. Bitte nehmt das nicht perum eine gute Crossover-CD zu machen. Man muss sich sogar noch sönlich, aber ich kann einfach nicht mehr alles machen, was ich gern mehr herausfordern als in der Klassik, weil man den Leuten die Sachen tun würde.“ in neuem Licht und auf höchstem geigerischem Niveau zu Gehör Am Autobahnrastplatz Hunsrück-Ost legen wir eine Pause ein. bringen will. Die großen Virtuosen von Paganini bis Heifetz haben Gelegenheit, im Shop ein paar Dinge einzukaufen. Garrett bleibt im es doch genau so gemacht. Alles andere ist stupid commercial.“ Auto zurück. Er möchte nur ein Sandwich – „am liebsten VollkornDavid Garrett beantwortet alle Fragen freimütig und ohne zu zöbrot“ – auf keinen Fall Snacks, egal ob salzig oder süß. Das sei eine der gern. Nur als ich von ihm wissen möchte, ob er stolz auf sich ist, nimmt wenigen Marotten, die er habe, gesteht er später auf der Weiterfahrt er erst einmal drei Schluck aus seiner Flasche, bevor er antwortet: und fügt hinzu: „Die Hotels, in denen ich übernachte, wissen das „Manchmal gibt es nach einem Konzert so ein, zwei Sekunden, wo ich und haben Anweisung, alles bis auf das Mineralwasser und die Saftmir sage: das war gut.“ Und wieder ist es fast mit Händen zu greifen, schorlen aus meiner Minibar zu entfernen. Auch Backstage gilt Snackdieses Fluidum des genialen Geistes. „Ich kann mir nicht vorstellen, Verbot.“ Sonst könne es passieren, dass er über die Kalorienbomben morgens aufzustehen und ein Selbstbewusstsein zu haben“, sagt der herfalle, „und diese Art von Ernährung ist auf Dauer einfach nicht Star ernst und fügt hinzu: „Das muss ich immer wieder neu erarbeiten. gesund.“ Auch Medikamente, etwa zum Einschlafen oder gegen den Es ist absolut ernüchternd, jeden Morgen wieder bei Null anfangen zu Jetlag, lehnt er strikt ab. „Dann doch lieber wach liegen und wissen: müssen.“ Das hätte auch der Leistungs-Ethiker Thomas Mann, David Ich habe die Routine, auch unausgeschlafen meinen Part auf hohem Garretts heimlicher Bruder im Geiste, sagen können, der sich sein Niveau spielen zu können.“ Selbstbewusstsein täglich neu erschreiben musste und so zu einem der Zehn Minuten später geht es wieder auf die Autobahn, das Gegrößten deutschen Sprachgenies wurde. // spräch wendet sich dem Thema USA zu. Bislang hatte sich David Garrett immer gefreut, jenseits des großen Teiches zumindest etwas Seit Anfang Oktober kann man „David Garrett Live in Concert & in Private“ auf DVD erleben (DEAG Music). Außerdem geht mehr Ruhe vor dem Job zu haben als in Deutschland, wo ihn mittlerder junge Geiger ab Januar 2010 mit Titeln aus dem aktuellen weile fast jede(r) kennt. Aber seit es auch in den Staaten mit der Karriere Album „Encore“ und dem bald bei DEAG Music erscheinenden steil bergauf geht, ist es damit bald vorbei. Trotzdem: „Ich könnte mir Album „Classical Romance“ auf Tour. Rein klassisch wird es dann ab Mai 2010. nicht vorstellen, nicht in New York zu wohnen“ sagt er. „Es stört mich

Foto: Sascha Kramer

„Morgens liegt immer Bach auf dem Notenständer“


klassik inspiriert*

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www.br-klassik.de

Foto: NASA

klassik inspiriert*


stars 16 | www.crescendo.de 06 2009

Der sieht nicht nur gut aus! Der „Bach-Beau“ David Fray (27) teilte sich als Kind mit Hélène Grimaud den Klavierlehrer. Nun teilt er sich mit ihr auch den Erfolg. VON ANTOINETTE SCHMELTER DE ESCOBAR

Musik sei für ihn schon immer eine geistige Kunst gewesen, eine Form des Denkens – ohne Worte. „Schon als Kind mochte ich eher schwere Stücke mit einer spirituellen Dimension“, erinnert sich David Fray, der 1981 in den Pyrenäen geboren wurde und im Alter von vier Jahren seine ersten Klavierstunden bekam. Den Klavierlehrer immerhin teilte er damals mit keiner geringeren als Hélène Grimaud. Sein Talent brachte ihn erst ans Konservatorium in Tarbes, später nach Paris. Als im Oktober 2008 parallel zu seiner Debüt-CD mit Bach und Boulez eine DVD bei Virgin Classics erschien, wurde der damals 27-jährige schlagartig bekannt. „Schöne Musik, schöner Mann“ schwärmten Fans, die Bruno Monsaingeons puristisch-unaufwändige Dokumentation zur Zusammenarbeit der Deutschen Kammerphilharmonie mit dem jungen Franzosen gesehen hatten. Über den ersten Teil des Kompliments freut sich der Beau mit der brünetten Mähne, BR Klassik crescendo 24.09.2009 18:15 Uhr Seite 2 bedenAnzeige bernsteinfarbenen Augen und dem sinnlichen Mund, weil es

weist, dass sein Spiel „andere Menschen erreicht“. Das zweite ist dem erstaunlich Uneitlen aber „nicht wichtig. Im Vordergrund sollte die Musik als Ausdruck meiner selbst stehen, nicht meine Physis.“ Dass David Fray in seinen Konzerten höchste „Hör-Qualität“ erwartet, passt da nur zu gut ins Bild. „Wenn ich ein Stück beginne, weiß ich bereits den Weg bis zum Schluss. Um diese Linie bei der Interpretation beizubehalten, brauche ich ein Publikum, das mir folgt. Sind ein, zwei Zuschauer nicht bei der Sache, kann das alles ruinieren – für mich extrem frustrierend.“ Lieber als Orchester-Konzerte mag er deshalb Recitals, bei denen er als Solo-Pianist „eine besonders enge, privilegierte Beziehung“ zum Auditorium aufbauen und es mit auf

Das Orchester spielt heute bei Ihnen zu Hause.


www.crescendo.de 06 2009 | 17 stars

Künstler David Fray: ECHO Klassik 2009 in der Kategorie Instrumentalist des Jahres.

ECHO KLASSIK

Foto: Paolo Roversi / Virgin Classics

eine Art Reise nehmen kann. Zum Beispiel bei Schuberts „Moments musicaux“ oder „Impromptus“, die jetzt auf CD erschienen sind und neben Beethoven, Bach und Mozart Programmpunkte seiner im Herbst beginnenden Tournee sind. Aus diesen Kompositionen holt Fray auf 88 weißen und schwarzen Tasten eine wahre „Orchesterpalette“ heraus. Zudem fasziniert ihn Schuberts „Geheimnis“ in Kombination mit einer „Vielschichtigkeit der ausgedrückten Emp�ndungen und Seelenzustände“ – exakt jener Tiefgang, der den Sohn eines Kant- und Hegel-Forschers vor allem in der deutsch-österreichischen Klassik von klein auf fesselte. Weil sich Fray, bei allem Faible fürs Intellektuelle, Stücken aber immer auch sensuell-sensibel annähert, entsteht ein spezieller Stil, der der Bach-DVD ihren Titel gegeben hat: „Swing, sing and think“: ein Mix aus scharfsinnniger Analyse, empathischem sich-HineinFühlen und Beschwingt-Poetischem, der von Frays Vorbild Wilhelm Kempff inspiriert ist und die Branche so überzeugt, das sie ihm im Oktober dieses Jahres den zweiten ECHO Klassik in Folge verleiht. Auf seinem Ruhm ausruhen – das kommt für den notorisch „Neugierigen“, der sich am Klavier gerne grüblerisch in die Tasten hineinkrümmt und deshalb oft mit Glenn Gould verglichen wird, trotzdem nicht in Frage: „Auszeichnungen erleichtern es zwar, mit den besten Kollegen zu arbeiten. Und noch weniger Kompromisse zu machen. Aber auch ohne diesen Erfolg würde ich nichts akzeptieren, was mir nicht passt.“ // „Schubert: Moments musicaux, Impromptus & Allegretto“ von David Fray ist bei Virgin Classics erschienen. Am 13. (Hamburg) und 18. Oktober (Dresden) ist er live in Deutschland zu hören. Zehn weitere Konzerte folgen ab 24. Januar 2010 (www.david-fray.de).

Mehr Fray auf der crescendo premium-CD (Infos: Seite 40)

Foto: Matthias Creutziger

Die Welt-(Stars) zu Gast in Dresden

Die Semperoper in Dresdenn Der wichtigste deutsche Klassik-Musikpreis findet in diesem Jahr am 18. Oktober erstmals in Dresden statt. Die prunkvolle Semperoper wird an diesem Abend die Bühne für ein großes Staraufgebot sein: Plácido Domingo, Elīna Garanča, Christian Gerhaher, Anne-Sophie Mutter, David Fray, Wolfgang Bauer, Sax Allemande, Classica Cubana, Sol Gabetta, Christina Pluhar mit L‘Arpeggiata und Nuria Rial werden alle ihre Auszeichnung persönlich entgegen nehmen. Alle diese Künstler werden aber auch auf der Bühne auftreten. Die Staatskapelle Dresden unter Leitung von Fabio Luisi wird die Musiker dabei unterstützen und ebenfalls den ECHO Klassik als „Orchester des Jahres“ erhalten. Wie bereits im vergangenen Jahr werden die Schauspielerin Natalia Wörner und der Musiker und Entertainer Götz Alsmann durch den Abend führen, erwartet werden natürlich auch Stars aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das ZDF überträgt die Gala und sendet sie zeitversetzt am gleichen Abend um 22.00 Uhr. //

Klassik wie im Konzertsaal. Jetzt auf CD.

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Wer Schätze hat, sollte sie teilen! BR-KLASSIK: das neue CD-Label des Bayerischen Rundfunks.


die zehn 18 | www.crescendo.de 06 2009

Unsere Stars? Hier, Die crescendo Redaktion ist in medias res gegangen und verrät ihre

Die Jet Setterin

Maria Callas

DIANA DAMRAU

Die Assoluta

MARIA CALLAS Das Callas-Virus erwischte mich vor 22 Jahren. Ein Klassik-Sender feierte gerade den zehnten Todestag der Primadonna assoluta und ich lauschte jedem Beitrag voller Bewunderung. Der klangliche Reichtum ihres Singens, ihr dramatischer Instinkt und die Fähigkeit ihres drei(!) Oktaven umfassenden Soprans, über alle Fachgrenzen zu triumphieren, waren einfach überwältigend. Selbst wenn man Superlative scheut: Maria Callas ist für mich der größte Opernstar. Richard Eckstein

Pferdestehlen mit einem Star? Komische Vorstellung, aber mit Diana Damrau durchaus denkbar. Trotz stimmlicher Höhenflüge liebt die Schwäbin Bodenhaftung – einerseits als Königin der Klänge und kristallklarer Koloratur-Sopran, andererseits Powerfrau voller Lebenslust und mit sonnig-unkompliziertem Wesen. Privat bleibt sie daher „immer Diana“, auf der Bühne hat sie einen „Riesenspaß, andere Rollen auszuprobieren“. Reiten liebt sie übrigens auch – wenn die NonstopJetsetterin dazu nur ein wenig mehr Zeit finden würde. A. Schmelter de Escobar

Fritz Wunderlich

Der Deutsche

FRITZ WUNDERLICH Seine Stimme berührt mich immer wieder auf´s Neue. Von heiter und leicht bis melancholisch und schwermütig, aber immer authentisch. Die Krönung seines Werks ist für mich persönlich „Der letzte Liederabend“, der Mitschnitt seines letzten Auftritts am 4. September 1966 in Edinburgh, zwei Wochen vor seinem Tod mit nur 35 Jahren. Winfried Hanuschick

Der Mutige

PABLO CASALS Er war eine moralische Institution. Der spanische Cellist Pablo Casals sagte einmal: „Die einzigen Waffen, die ich hatte, waren mein Cello und mein Taktstock“. Mit ihnen bekämpfte er kompromisslos den Totalitarismus. Die opportunistische „poli t ical correct ness“ heutiger Künstler hätte er nur verachtet. Ein mutiger Mensch in Zeiten mörderischer Diktaturen. Teresa Pieschacón Raphael

Der Anti-Star

GRIGORY SOKOLOV Ein „russischer Bär“ am Klavier? Nein, einer der technisch makellosesten und zugleich sensitivsten Pianisten unserer Zeit. Bislang hat sich Grigory Sokolov konsequent jeglicher PR-Strategie verweigert. Ist der 1950 in St. Petersburg geborene Künstler also eine Art „Anti-Star“? VielGrigory Sokolov leicht. Enthusiasmus und Jubel, die er bei seinem Publikum stets zu erzeugen vermag, haben ihn – trotz ungewöhnlicher Konzer tprogramme – vom Geheimtipp zur Kultfigur werden lassen. Welch ein Sieg des Geistes über Marketing und bloßen Starrummel! Richard Eckstein

Pablo Casals

ganz

Die Welt ist nicht genug: Diana Damrau


www.crescendo.de 06 2009 | 19 die zehn

bitte

Der Exzentrische

HERBERT VON KARAJAN

persönlichen Ausnahmekünstler. Rolando Villazon

Der Feurige

ROLANDO VILLAZÓN

Seine Markenzeichen waren schwarze Rollkragen-Pullover, in die Stirn fallendes Grauhaar und jugendlich wirkende Sportwagen. Herbert von Karajan war weit mehr als ein Dirigent. Look und Lebensweise machten den Maestro über das musikalische Ausnahme-Talent hinaus zur Ikone. Kein Wunder, dass zum 100. Geburtstag des populären Perfektionisten, der mehr als 300 Millionen Platten verkaufte, zahllose Bilder seines bewegten Lebens erschienen, genauso wie Biographien und Bestof-Compilations. Eine Taktstock-Koryphäe mit Popstar-Potenzial – brillant, unvergessen, unkopierbar.

Echo Klassik 2005: Ganz unprätentiös kommt er auf die Bühne, wirkt fast unbeholfen. Dann singt er einfach los. Leicht und unbeschwert, kraftvoll und leidenschaftlich füllt seine Stimme die Münchner Philharmonie. 2.5 0 0 Gäste hängen gebannt an seinen Lippen. In diesem Moment war klar: Von diesem Mexikaner werden wir noch viel hören. Aber: Wer so viel gibt, ist irgendwann leer. Villazon musste eine Auszeit nehmen. Hoffentlich kommt er bald gestärkt zurück! Winfried Hanuschik

Der Hartnäckige

CHRISTIAN THIELEMANN Gegen alle niederträchtige Kolportage ist er ein Star geworden, gegen mieseste Gerüchte und gegen Kübel voller Dreck, die über ihm ausgeChristian Thielemann schüttet wurden, weil es lange Zeit stets „schick“ war, schlecht über ihn zu reden. Ohne PR, ohne Interesse an political correctness, ohne Partygängerei – einzig aus genialischem musikalischem Können geht dieser Künstler seinen Weg. Mir gibt Thielemann den Glauben zurück, dass sich im medialen Klassikzirkus dirigierender PR-Marionetten doch noch Qualität und Können durchsetzen. Pascal Morché

A. Schmelter de Escobar

Herbert von Karajan

Die Makellose

SIMONE KERMES „Lava“ heißt ihre jüngste CD mit neapolitanischen Arien aus dem 18. Jahrhundert. Doch ihr Naturell mit einem Vulkan zu vergleichen wäre etwas billig. Auch „crazy Queen of Baroque“ passt nicht, trotz Kermes’ roter Mähne und dramatischem Make-up. Ihre Gesangskunst ist mit äußerlichen Par ame t er n nich t fassbar, appelliert sie doch in ihrer Tiefe und Empfindsamkeit an unser Innerstes. Warum nicht jeder Simone Kermes kennt? Sie hasst jede Art von Anbiederung; auch deshalb ist sie ein Star! Teresa Pieschacón Raphael

Simone Kermes

Der Bescheidene

WOLFGANG SAWALLISCH Wolfgang Sawallisch ist „mein“ Star, weil ich in München so ziemlich alle Werke von Mozart, Strauss oder Wagner von ihm dirigiert kennenlernte. Das große, souverän und uneitel vermittelte Können dieses Dirigenten, seine unglaubliche Repertoirekenntnis und seine Bescheidenheit Sawallisch Wolfgang sich der Partitur unterzuordnen; ja, der Musik zu „dienen“, sind Tugenden, die im heutigen Klassikbetrieb verloren gehen und die doch eigentlich einen „eigentlichen“ Star ausmachen sollten. Pascal Morché Fotos: (2) Dan Ettinger licensed to Virgin Classics; (1) tba EMI Germany; (4) privat; (5) Fundacio Pau Casals; (3) Artists Management Company; (8) Felix Broede; (6) Siegfried Lauterwasser / DG; (7) Andreas Dommenz; (9) KASSKARA / DG; (10) Wilfried Hösl


interview 20 | www.crescendo.de 06 2009

„Singen war meine große Liebe“ ... verrät der Dirigent René Jacobs, und überrascht mit einer geheimen Sammelleidenschaft VON RICHARD ECKSTEIN

Frühherbst in Wien: Über die alte k. und k.-Metropole spannt sich „strahlend“ genau der „Himmel von blauer Seide“, den Thomas Mann nur für München in Anspruch nehmen wollte. Die barocken Gartenanlagen des Belvedere prunken schöner denn je, und den bei der letzten Restaurierung lieb gewonnenen Fahrstuhl ins Kuppeljuchee der Karlskirche gibt’s auch noch. Fernsicht ohne Ende. Dann – ganz in der Nähe – ein Hotel, das nicht zu den historistischen Prachtpalästen zählt, wie sie sonst die Ringstraße und deren Umfeld prägen, dessen (modern gestaltete) Suiten sich nach Ansicht seines derzeit wohl prominentesten Bewohners jedoch „anfühlen wie Appartements“. Stimmt: Nach einem kleinen Vorgarten betritt man den mit einer imposanten Gewölbedecke versehenen Wohnraum. Der Maestro wartet schon. crescendo: Wenn Sie eine große Opernproduktion betreuen wie hier

Rossinis „Tancredi“ am Theater an der Wien, sind Sie für mehrere Wochen nicht in Paris, sondern müssen in einer fremden Stadt leben. Was machen Sie außerhalb der Probenzeiten? René Jacobs: Meine Frau ist fast immer bei mir. Deswegen fühle ich

Foto: Innsbrucker Festwochen, N. Vandory

Belgier sind eben fröhliche Menschen: Dirigent René Jacobs mit Lorbeerkranz bei seinem Abschied als Künstlerischer Leiter der Innsbrucker Festwochen.

mich nie allein. Einsamkeit kann furchtbar sein – besonders dann, wenn bei der Arbeit nicht alles nach Plan läuft. Ein leidenschaftlicher Büchersammler wie ich hat beim Heimflug stets mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Zu Hause bräuchte ich dringend eine ganze Woche für die Neuordnung meiner Bibliothek. Es wird zunehmend schwieriger, etwas wieder zu finden. crescendo: Als Sie begonnen haben, Gesang zu studieren, galt das Fach des Countertenors – gelinde gesagt – als recht exotisch. Hätten Sie sich damals träumen lassen, dass Alte Musik im Ganzen und die hohe männliche Stimmlage im Besonderen einmal so etabliert sein würden wie jetzt? Jacobs: Ich wollte einfach singen. Singen war meine große Liebe. Relativ lang konnte ich dies mit meinem Knaben-Mezzo, und als es nicht mehr klappte – ich aber trotzdem eine hohe Sprechstimme behielt –, dachte ich natürlich, ich wäre Tenor. Immerhin gab es bereits einen Pionier auf dem Gebiet des Counters: Alfred Deller. Er wurde zu meinem Vorbild. Dass ich mich in Dellers Lage wohl fühlte, machte mich froh.


www.crescendo.de 06 2009 | 21 interview

Erst durch das Umtrainieren zum Countertenor bin ich mit Alte Musik-Spezialisten in Kontakt gekommen – zuerst in Belgien und Holland. Freilich habe ich später wahrgenommen, dass es sich um eine Bewegung handelte, die florierte. Darüber aber, ob es eine Mode oder etwas Bleibendes wäre, habe ich seinerzeit überhaupt nicht nachgedacht. Heute weiß ich, dass daraus eine neue Mentalität der „historischen Informiertheit“ in der musikalischen Praxis entstanden ist: Man muss zwar nicht auf alten Instrumenten spielen, sich allerdings damit beschäftigen, wie es früher geklungen hat, welches die Beschränkungen und Vorteile des damaligen Instrumentariums waren usw. Die Gruppe von Dirigenten, die sich nach wie vor nicht für solche Fragestellungen interessiert, wird glücklicherweise immer kleiner. crescendo: Welches sind die größeren Stars: Sänger oder Dirigenten? Sie sind ja beides … Jacobs: Eigentlich existiert diese Zweiteilung für mich gar nicht. Für mich gibt es nur Musiker. Bei denen unterscheide ich aber sehr wohl: Zum einen sehe ich Stars, die durch die Allmacht der Medien zu solchen gemacht werden, zum anderen haben manche Künstler durch lange, harte Arbeit etwas erreicht und somit eine Autorität gewonnen, die sie zum Star werden lässt, ohne dass sie selber darauf erpicht waren. crescendo: Kollegen von ihnen, die sonst im klassisch-romantischen Repertoire verharrt hätten, machen Ausflüge in die Barockoper. Und ehemals reine Alte Musik-Experten wie Sie sind bereits im Belcanto oder darüber hinaus angelangt. Hat sich ein AufeinanderZu-Bewegen ereignet? Jacobs: Der generelle Unterschied ist, dass ich mit dem Dirigieren eher nebenbei begonnen habe, als ich noch als Sänger tätig war. Ich musste nicht die klassische Korrepetitor-/Kapellmeister-Laufbahn einschlagen. Wenn man ständig das Repertoire des 1. Jahrhunderts einzustudieren hat, aus dem ein Großteil des Spielplans besteht, bleibt man dort natürlich irgendwie hängen. Der Schwerpunkt von Alte Musik-Spezialisten – übrigens ein schrecklicher Begriff, den ich gar nicht mag – war dagegen traditionell das 1. Jahrhundert. Die einen bewegen sich in der Zeit nach vorn, die anderen nach hinten. Im besten Fall trifft man sich in der Mitte. (lacht) crescendo: Wie viel Zeit nehmen Sie sich für die Beschäftigung mit einem neuen Stück? Jacobs: Das hängt vom jeweiligen Werk ab. Ich habe viel länger gebraucht, mich auf Mozarts „Idomeneo“ vorzubereiten als auf Haydns „Jahreszeiten“ und seine „Schöpfung“. Für mich sind diese beiden Oratorien völlig evident. Das heißt, ich weiß, was der Komponist da will. Allen Orchestermusikern, die ich kenne, geht es genauso. Sie lieben es, diese Stücke zu spielen. crescendo: Was zeichnet Haydns Stil aus? Jacobs: Niemals kommen irgendwelche Tempofragen auf. Das ergibt sich alles ganz organisch. Außerdem staunt man immer wieder über Haydns absolute Formbeherrschung. Das reicht so weit, dass es ihm am Anfang der „Schöpfung“ mit einer so klaren Struktur wie dem Prinzip des Sonatensatzes gelingt, das genaue Gegenteil – nämlich das Chaos, sozusagen die Ursuppe, die am Beginn allen Lebens stand – zu charakterisieren. //

Ich habe mit dem Dirigieren eher nebenbei begonnen, als ich noch als Sänger tätig war

Joseph Haydn: Die Schöpfung. Freiburger Barockorchester, RIAS Kammerchor, René Jacobs (harmonia mundi)

GLOR Classics Stars & Highlights

Bruckner I Sinfonie Nr. 9 Sylvain Cambreling, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

Haydn I Sinfonien „La Chasse“ – „Lamentatione“ „L’Ours“, Sylvain Cambreling, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

Verdi I Messa da Requiem Domingo, EuropaChorAkademie, Youth Orchestra of the Americas, Gallardo-Domâs, Brillembourg, Berti, Abdrazákov Auch als DVD erhältlich.

Gratis-Download & Vorteilsangebote

Jetzt registrieren. www.glor-classics.de GLOR Classics c/o SONO | music Am Hilgnerfeld 12 • 83626 Valley-Oberlaindern Tel.: 08024 / 47 44 69-0 • info@glor-classics.de


alt-stars 22 | www.crescendo.de 06 2009

Drama Queen

Warum Inge Borkh auch heute noch die Frau fürs Extreme ist.

Fotos: o.v.l. Photograph Bender, Foto Sickinger, Foto Fayer; u.v.l. Foto Melancon, Foto Wilson, Foto Köster

VON THOMAS VOIGT

Auch wenn ihr die Moderne nicht immer so sehr ans Herz gewachsen war wie die Opern von Verdi, Puccini und Strauss, so konnte sie in ihren Partien immer das nötige Quantum Emotion einbringen. Emotion, die Oper erst zur Oper macht, selbst wenn man sie lieber als „Musik-Theater“ bezeichnet. „Musik muss mich in meinem Herzen erreichen“, sagt Inge Borkh auf die Frage nach zeitgenössischer Musik. „So wie der ‚Lear’ von Aribert Reimann. Aber das ist ja nun auch wieder mehr als  Jahre her. Ich bin halt ’ne alte Frau, ich bin ein Kind meiner Zeit, habe meine Hörerfahrungen und -gewohnheiten, und ich kann mein Inneres nicht einfach umstellen. Ich bin immer neugierig und höre mir vieles an – aber ich kann es nur dann akzeptieren, wenn es mich erreicht. Wenn es nur nach Computer klingt, bin ich verloren. Aber wenn es mich anrührt, dann ist es herrlich, dann fühle ich mich in eine andere versetzt.“ Inge Borkh, Jahrgang 1921, hatte ihren letzten Auftritt vor großem Publikum bereits 1973 (Sie sang damals die Elektra von Richard Strauss). Heute wohnt sie im Stuttgarter Augustinum. Aber meistens ist sie auf Reisen, um einen ihrer Favoriten im Konzert zu hören. Mariss Jansons zum Beispiel. Oder Jewgeni Kissin. Oder Christian Gerhaher. In die Oper geht sie nicht mehr so gerne – weil sie sich richtig

v.l. oben: die junge Inge Borgk aus dem Jahr 1954, daneben im Porträt zu ihrem 80. Geburtstag und in der Rolle der Elektra von Richard Strauss. Darunter v.l. als Salome an der New Yorker Met, zusammen mit Donald McIntyre 1967 in London und 1955 als Elektra in Berlin.

aufregen kann, wenn die Regie am Stück total vorbeigeht. Deshalb lieber Konzerte, Kammermusik und Liederabende. Im Jahr 2006 habe ich mit Inge Borkh ein Buch produziert. Der Titel: „Nicht nur Salome und Elektra“. Natürlich freut sie sich, wenn man sie mit diesen beiden Extrempartien von Richard Strauss identi�ziert. Aber sie möchte nicht darauf reduziert werden. Und deshalb kam weder das berühmte Salome-Porträt von Louis Melancon auf das Buch-Cover noch eines der vielen aufregenden Elektra-Fotos – sondern ihre Färberin in der „Frau ohne Schatten“, ein Foto von jener Produktion, mit der im November 1963 das Nationaltheater in München wiedereröffnet wurde. Der Event wurde damals vom Bayerischen Fernsehen und von der Deutschen Grammophon mitgeschnitten. Von der TV-Aufzeichnung blieb offenbar nur der zweite Akt erhalten; jedenfalls scheint kein


www.crescendo.de 06 2009 | 23 alt-stars

Mensch zu wissen, was mit dem Rest passiert ist. Inge Borkh nimmt’s gelassen und freut sich, dass es zumindest ein paar Highlights aus dem zweiten Akt auf DVD gibt (Fischer-Dieskau-Porträt, DG). Der Audio-Mitschnitt, den die DG 1996 erstmals auf CD veröffentlichte und der inzwischen „gestrichen“ wurde, ist gerade bei „Brilliant Classics“ erschienen. Klangtechnisch ist die Aufzeichnung, für die damals Wolfgang Lohse als Produzent und Heinz Wildhagen als Tonmeister verantwortlich waren, ein kleines Wunder: Sie klingt so präsent und plastisch, als würde man auf einem der besten Plätze im Nationaltheater sitzen. Von den Sängern versteht man auffällig viel Text, und zugleich ist auch die komplexe Orchesterstruktur besser zu hören als in jeder späteren Live-Aufnahme des Werkes. Der Unterschied zum Fernseh-Dokument ist gewaltig, nicht nur wegen der Schwarzweiß-Optik. Bühnenbilder und Regie wirken halt historisch. Ganz anders der Eindruck beim Anhören der CD: Was hier über den Lautsprecher kommt, wirkt so nah, so direkt, so wenig historisch. Man hat Mühe, zu glauben, dass die Sängerin der frustrierten Färberin inzwischen eine sehr gut erhaltene 87-Jährige ist. Als sie noch selbst auf der Opern-Bühne stand, war sie die Frau für alles Extreme: Medea und Lady Macbeth, Tosca und Turandot, Mona Lisa und – Magda Sorel in Menottis „Konsul“. Das war die Partie, mit der sie 1951, bei der Berliner Erstaufführung des Stückes, ihren großen Durchbruch hatte. Nach ihrer Arie tobte das Publikum minutenlang, laut einer Kritik war es „der Aufschrei einer an der Kehle gewürgten Stadt im Sinnbild einer künstlerischen Leistung!“ Während der 1950er und 1960er Jahre war Inge Borkh der Idealtyp des singenden Darstellers. Sie war Schauspielerin, bevor sie Sängerin wurde. Ein Vorteil, vor allem bei literarischen Operntexten, also bei den gemeinsamen Werken von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss. Schon aus diesem Grunde bleibt ihre Elektra für mich uner-

reicht. Ich kenne keine Sängerin, die die Balance von Ton und Wort, die ganze Bandbreite vom innigsten Seelenton bis zur totalen Entäußerung so überzeugend gebracht hat wie sie. Allein der verzweifelte Ausruf nach dem voreiligen Triumph der Klytämnestra: „Mein Kopf! Mir fällt nichts ein! Worüber freut sich das Weib?!“ Wer das nicht von Inge Borkh gehört hat, hat es nie gehört. Und eigentlich habe ich erst mit ihrer Aufnahme begriffen, dass die Färberin keine hysterische Keife ist, sondern eine Frau, bei der die Nerven blank liegen. In seinen Memoiren schreibt Rudolf Hartmann, damals ihr „Vorgesetzter“ als Intendant und Regisseur: „Die während der Proben an die Sänger gestellten psychischen wie physischen Anforderungen gingen zeitweilig bis an die Grenze des Erträglichen. Die ständige seelische Anspannung brachte die sensible Inge Borkh (Färberin) mehrmals zu Tränenausbrüchen“. Das sei hauptsächlich wegen Fischer-Dieskau gewesen, erinnert sich Inge Borkh. „Er hat mich mit seiner Darstellung des Barak so tief gerührt, dass ich es kaum fertig brachte, ihm ins Gesicht zu sagen: ‚Dort ist jetzt dein Lager!’ Mit diesem Satz sagt sie ja, dass sie nicht mehr mit ihm schläft. Und bei all ihren abweisenden und verletzenden Worten habe ich versucht, die Färberin so zu gestalten, dass man immer spürt, wie sehr sie den Barak liebt – und wie sehr sie von ihm mehr Zuneigung erwartet. Sie ist emotional und sexuell total frustriert, darum ist sie ja so ein leichtes Opfer für die Gaukeleien der Amme.“ // Thomas Voigts Gespräche mit Inge Borkh sind unter dem Titel „Nicht nur Salome und Elektra“ im Verlag Buch & Media erschienen. Richard Strauss: Die Frau ohne Schatten liegt jetzt wieder in der Brilliant Opera Collection vor (Brilliant Classics).

Mehr Borkh auf der crescendo premium-CD (Infos: Seite 40)


kolumne 24 | www.crescendo.de 06 2009

V O N PA S C A L M O R C H É

ALS SICH KARAJAN AUS DEM FLÜGELTÜRER SCHWANG Über die Absurdität der modernen Selbstdarstellung

Der Mensch schaut bis zur psychischen Genickstarre gerne hinauf. Und was sieht er dort? Sterne! Seine Sehnsucht nach Halt und Führung; nach Vorbild und Unerreichbarkeit lässt ihn jemanden verehren, anhimmeln, anbeten gar. Alt ist der englische Begriff „Star“ nicht, gute hundert Jahre gibt es ihn. Die Filmindustrie schuf in Hollywood den „Filmstar“. Aber natürlich gab es Stars viel früher als Filme, man nannte sie nur nicht Stars. Und ebenso natürlich gab es sie auch schon immer in der klassischen Musik. Kastraten wie Farinelli dürften (in ihrer Zeit) größere Stars gewesen sein, als es heute eine Anna Netrebko auch nur ansatzweise sein kann. Im Starkult um eine Maria Malibran könnte die Callas noch nachträglich verblassen und neben Paganini, einem Stern am Geigenhimmel würde ein David Garrett sofort als Sternschnuppe verglühen. Doch fort von Farinelli, Malibran oder Paganini. Der Klassikstar, wie wir ihn heute kennen, ist ein Produkt des 20. Jahrhunderts und der Massenmedien. Ja, er ist nur denkbar, wenn er es versteht eben auch jene Massen anzusprechen, die mit klassischer Musik nichts im Sinn haben. Für viele Menschen, die nie Klassik hören, wurde ein Herbert von Karajan zum Synonym für klassische Musik; und eine Callas kennen auch heute sehr viele, für die Bellini nur ein Drink ist. Zweifellos laufen beim Thema „Klassikstar“ zwei Brüche durch das 20. Jahrhundert: Zunächst ist auch für die Geschichte der Stars in der klassischen Musik das Jahr 1968 von Bedeutung. Es ist jedenfalls auffällig, dass „vor“ 1968 ausschließlich nur jene zu populären Klas-

sik-Stars wurden, die kraft ihrer Eskapaden, ihres Lebenswandels oder ihres Modestils nicht dem damals tradierten Bild des Klassikkünstlers entsprachen; dass sie eben „anders“ waren, als jene, die sich adäquat zur ernsten, hehren, ins Korsett einer (Bildungs)-Bürgerlichkeit gezwängten klassischen Musik verhielten. Nicht und niemals allein durch Arbeit und ihre Kunst, sondern einzig durch Äußerlichkeiten bekamen Künstler – gewollt oder ungewollt – jene Medienpräsenz und Aufmerksamkeit, die sie zu Stars werden

Die blödeste Frauenzeitschrift wurde angefragt, ob sie sich nicht für die Wölfe einer Pianistin interessiere liess. Als sich Karajan in Salzburg 1957 aus seinem 300 SL Mercedes Flügeltürer oder seinen Porsche schwang, klickten die Kameras – beim biederen Auftreten eines Eugen Jochum klickten sie nicht; als Böhm noch mit Krawatte eng korsettiert auf Proben erschien, da spielte Solti Wagners „Ring“ 1958 schon im Polohemd ein. Wenn Anja Silja Anfang der 60er-Jahre in Overknees und Lederminirock auf dem Grünen Hügel in Bayreuth herum lief, trugen ihre Kolleginnen hübsch spießig die Kleider ihrer Hausschneiderinnen. Bei allen populären Prä-1968er-Klassikstars (Karajan, Bernstein, Glenn Gould, Friedrich Gulda, Maria Callas, Georg Solti) werden wir feststellen, dass sie dem Muff und Mief ihrer Zeit habituell widersprachen; dass sie nicht (nur) durch ihr Können zu Stars

mutierten, sondern gerade auch durch unkonventionelle Selbstdarstellung. Dass Stars in� ationär wurden, begann mit der Popularisierung der Klassik. Mit der Demokratisierung der ach so hehren E-Musik; mit ihrer Krise Ende der 80er-Jahre. Im geistigen und wirtschaftlichen Verfall der Platten�rmen stellte die Industrie schon mal Pressedamen ein, die zuvor bei RTL gewesen waren. Ihr Job: Den Klassikkünstler „in den Medien als Star zu kommunizieren.“ Doch die Hoffnung war trügerisch, man könne einen Nikolaus Harnoncourt mit Biolek ins Kochstudio stecken und nach der Sendung dessen Mozart-CDs palettenweise in die Media-Märkte transportieren. Im Zuge von Crossover und erweitertem Kulturbegriff etablierte sich um die Klassikszene herum eine Spezies, die bislang unbekannt war: Der clevere Schöngeist. Er nahm sich der Künstler an und feilte an ihrem Bekanntheitsgrad jenseits der Konzertpodien und Opernbühnen. Von nun an bekam der Künstler Pressemappen und Image-Broschüren verpasst. Das Vorbild: die Popkultur. Es müsse doch möglich sein, Klassikkünstler genau wie Popstars zu vermarkten: Als „Pogo“boy wurde ein gut aussehener junger Pianist bei Cosmopolitan interviewt, oder Nigel Kennedy als nonkonformer Punk-Geiger im Playboy „aufgebaut“ und noch die blödeste Frauenzeitschrift wurde angefragt, ob sie sich nicht für die Wölfe einer Pianistin interessiere. Die Image-Arbeit, die nötig ist, um einen Künstler zum Star zu klonen, sollte sich aber in immer kürzeren Abständen amortisieren. Wer als Künstler nicht mehr mitspielte wie


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Ivo Pogorelich, Nigel Kennedy oder Tzimon Barto, wurde fallengelassen und rappelte sich erst Jahrzehnte später wieder auf. Die ökonomische Messlatte für den Verkauf von Klassikplatten war einfach benannt: „Die drei Tenöre“. Die darbende Klassikindustrie merkte: Ein Star ist machbar. Und der Klassikkünstler merkte das auch, niemandem kann man schließlich verübeln, ein Star werden zu wollen. Vor nahezu zwanzig Jahren taten dann viele reizende Damen genau das, was andere reizende Damen schon länger für Füllfederhalter-, Sonnenbrillenhersteller oder Modedesigner taten: Sie gründeten eine PR-Agentur. Ihre Ziele: Klassikkünstler in die Medien zu bringen. Um dort wahrgenommen zu werden und zum Star zu mutieren, braucht man (neben dem handelsüblichen Können) entweder eine Macke, oder exzellentes Aussehen. Der Künstler wurde von nun an mediengerecht aufgebaut, inszeniert, gestylt. Resultat: Der Klassikstar wird heute mit völlig anderen, nämlich visuelleren Kriterien gemessen als vor 50/60 Jahren. Der Schriftsteller Michael Klonovsky: „Früher hat die Salome grandios gesungen und man hatte einen heiden Schiss davor, dass sie sich in der Tanzszene auszog. Heute ist es umgekehrt!“ Tatsächlich: Die Aufmerksamkeitsschlachten, die heute geschlagen werden, sie sind zumeist von PR-, Werbe- und Promotionfirmen lanciert. Die Werbung für Klassikkünstler macht eigentlich das Plattenlabel, die PR-Agentur baut den Künstler auf und jubelt ihn gegen Kohle zum Star. So wird in�ationär immer wieder „der beste lebende Geiger, oder der neue Star-Tenor“ beschworen. Wo es doch so viele andere beste lebende Geigerinnen gibt, aber nur eine ist wirklich ein Star: Anne-Sophie Mutter, weil sie die Klaviatur der PR perfekt zu bedienen versteht. Eine Entertainisierung der Klassikszene hat stattgefunden, die Imagemaschinerie der Medienindustrie wirft in immer kürzeren Abständen Stars „auf den Markt.“ Die Zeiten sind exhibitionistisch. Ein Selbstdarsteller ist nicht länger eitel-peinlich, sondern liefert eine „Performance“ und wer geschwätzig ist, der gilt als „eloquent“. Auch in der Klas-

sik stimmt Andy Warhols Diktion: „Jeder kann für fünfzehn Minuten ein Star sein.“ Nur kommt damit auch das Verfallsdatum auch eines Klassikstars immer schneller: Manch geigendes Girlie ist im Medienfeuerwerk längst verglüht. Denn: Styling ist viel – aber auf Dauer nicht alles. Können muß der Künstler schon auch noch was. „Effekt ist Wirkung ohne Ursache“, schrieb Richard Wagner. Und wenn die Ursache nicht da ist, verpufft auch schnell der PR-Effekt.

In unserer Mediengesellschaft jedoch wird derjenige zum Star, der sich geschickt zu einem aufbauen lässt. Ich selbst erinnere mich noch gut, wie mir die Redakteurin vom Lufthansa-Magazin auf den Weg gab: „Wenn Sie Kent Nagano treffen, dann reden Sie mit ihm über das Surfen. Er stammt doch aus Kalifornien.“ Im Jahr 2001 war das und Nagano, der gerade das DSO in Berlin übernommen hatte, sollte „dem deutschen Markt näher gebracht werden“, wie seine PR-Frau dem Lufthansa-Magazin zuvor mitgeteilt hatte. Anzeige Hat auch wunderbar geklappt. Nun gibt es in München zwei bedeutende Dirigenten und einen Star. Vor einiger Zeit lief auf Arte ein Nagano-Porträt: In den ersten zwei Sendeminuten stand MÜNCHENER KAMMERORCHESTER der Mann schon auf dem Surfbrett und (im Gegensatz zu Thielemann oder Mariss Jansons) hat er natürlich auch eine großartige Website, die braucht ein Star sowieso. Steter PR-Tropfen höhlt den Stein und das Bewusstsein – und formt den Star. Dadurch �ndet allerdings auch eine eklatante Verschiebung in der Wahrnehmung derer statt, die kulturpolitisch das Sagen haben und nur mehr schwer unterscheiden können, welcher Künstler durch seine Arbeit bedeutend ist und wer durch gezielte PR-Arbeit bedeutend gemacht wurde. Kulturdezernenten, 05.12.2009 | CLAUDE VIVIER -referenten, -senatoren, Kunst- und 06.03.2010 | ERKKI-SVEN TÜÜR Kultusminister sowie deren Berater sind 19.06.2010 | PAUL HINDEMITH nicht immun gegen das PR-Bombarde21.00 Uhr Konzerteinführung ment. Sie �iegen mehr Lufthansa und 22.00 Uhr Konzertbeginn lesen mehr Peoplemagazine, als dass Pinakothek der Moderne, München sie Opernvorstellungen oder Konzerte Karten und Informationen T (089) 46 13 64-30 besuchen. Es ist ihnen nicht einmal anticket@m-k-o.eu, www.m-k-o.eu zulasten, dass sie vielleicht nicht mehr unterscheiden können zwischen großen Künstlern und gemachten Stars. Manchmal ist das ja identisch. Aber nicht immer. Lang Lang kennen alle, Grigory Sokolov nicht. Dabei ist Sokolov der wahrscheinlich bes„Ich habe anfangs nicht gewußt, dass Mete Pianist der Welt! Aber im Gegensatz zu dien- und Bühnenkarriere auch in der KlasSokolov kann Lang Lang nicht nur Klaviersikbranche zwei völlig verschiedene Dinge spielen, sondern dabei auch noch Grimassen sind“, sagt die Sopranistin Anja Harteros schneiden. Er ist eine Inszenierung seiner – und wurde ohne PR-Agentur und Webselbst. Die Möglichkeit, dass sich Lang Lang site ein Star. Nun kann man auch ein Star in Zukunft ebenfalls für die Paparazzi aus werden durch konsequente Verweigerung dem Flügeltürer schwingt, ist da. Es scheitert der Imagemaschinerie; Glenn Gould oder bisher nur an seinem Sponsor. Audi baut derCarlos Kleiber sind hierfür beste Beispiele. zeit nur Autos mit normalem Ausstieg. //

NACHTMUSIK DER MODERNE 09|10

In freundlicher Zusammenarbeit mit


rezension 26 | www.crescendo.de 06 2009

Die Besten CDs

DVDs

Ausgewählt von der crescendo Redaktion Vladimir Horowitz „Berlin 1986 (Sony Classical)

Grigory Sokolov „Live in Paris“ (medici arts)

Pianistisches Panorama des 20. Jahrhunderts

2

Metropolitan Opera „Centennial Gala“, 2 DVDs (Deutsche Grammophon)

2

Rudens Turku Romantische Werke für Violine und Klavier (Avie)

3

3

Amir Katz Mendelssohn: „48 Lieder ohne Worte“ (Live Classics)

Deutsches Nationaltheater Weimar Wagner: „Der Ring des Nibelungen“, 7 DVDs (Arthaus)

4

4

Nils Mönkemeyer „Weichet nur, betrübte Schatten“ (Sony Classical)

Marijn Rademaker „Peer Gynt“ (BelAir)

In der Titelrolle: einer der besten Tänzer weltweit

5

Chen Reiss „Romanze“ (telos music) Ihre Stimme wird viel länger leuchten als ein Stern.

6

Pluhar/Jaroussky/ Rial „Teatro d‘amore“ (Virgin Classics)

7

Robert Sadin „Art of Love“, Lieder von Machaut (Deutsche Grammophon)

8

9

Trio Parnassus Louis Ferdinand von Preußen: Klaviertrios Vol. 3 (MDG)

5

Tan Dun „Marco Polo“ (Opus Arte)

6

Bregenzer Festspiele Krenek: „Karl V.“, 2 DVDs (Capriccio)

11 Mihaela Ursuleasa „Piano & Forte“ (Berlin Classics) Klar & reich: ein gelungenes Debüt-Album 12 delian::quartett Schumann: „Kammermusikwerke“ (OehmsClassics) 13 Joseph Moog „Metamorphose(n)“ (Claves) 14 Robert Crowe „Carissimi: Sopran-Motetten“ (Profil Edition) 15 Volkmar Andreae Bruckner-Zyklus (Music & Arts)

Auswahl der besten CDs und DVDs

Unentbehrliche Wiederentdeckung 7

Puccinis Femmes Fatales Puccini: „Manon Lescaut“, „Tosca“, „Turandot“, 3 DVDs (TDK)

8

Akademie für Alte Musik Berlin Vivaldi, Rebel: „4 Elemente – 4 Jahreszeiten“ (harmonia mundi)

9

Leonard Bernstein „Ode to Freedom“. Beethoven: 9. Sinfonie (medici arts)

Joel Frederiksen „O felice morire“ (harmonia mundi)

10 Dejan Lazi´c Rachmaninow: Klavierwerke (Channel Classics)

Rezensionen

Der Mauerfall vor 20 Jahren mit musikalischem Gänsehaut-Feeling 10 Villazón/Machaidze Gounod: „Roméo et Juliette“, 2 DVDs (Deutsche Grammophon) 11 Cecilia Bartoli „Viva Vivaldi“ (EMI) 12 Walter Felsenstein Edition, 12 DVDs (Arthaus) 13 Royal Danish Opera Wagner: „Der Ring des Nibelungen“, 7 DVDs (Decca) 14 Ballett des Prager Nationaltheaters „Prinzessin Goldhaar“, Märchenballett (Supraphon) 15 Nikolai Lugansky Klavier-Recital (medici arts)

Pianistische Makellosigkeit in jeder Hinsicht

M U R R AY P E R A H I A S P I ELT B A C H

In Vollendung

Zusammen mit seinen Nachfolgern Mozart und Beethoven bildet Johann Sebastian Bach für die breite Öffentlichkeit so etwas wie das Dreigestirn der ganz Großen der klassischen Musik. Entsprechend sind es auch seit jeher vor allem Aufführungen dieser drei Meister, an denen die zeitlose Größe der ausführenden Musiker gemessen wird. Insofern kann man von Murray Perahia sagen, dass er sich bei Beethoven in der Geschichte des Tonträgers auf einem der vorderen Plätze befindet, und bei Bach und Mozart eine unangefochtene Spitzenposition einnimmt. Woran liegt das? Zuerst ist da pianistische Makellosigkeit in jeder Hinsicht: was für ein Klang, Kontrolle auf allen Levels, Pedalkultur, vollendetes Ebenmaß in der großen Form wie im vertracktesten Detail als Grundlage aller Freiheiten, die in höchster Subtilität zum Ausdruck kommen! Bei Mozart kann man Perahias Rang auf seine Präsenz, Leichtigkeit und Lebendigkeit, strukturelle Transparenz und authentische Innigkeit des Ausdrucks zurückführen. Und bei Bach? Hinzu kommt hier ein Höchstmaß kontrapunktischen Innenlebens, also der gleichzeitigen Entfaltung gegenläufig sich artikulierender Stimmverläufe im Dienst einer Form,

deren Themen die sichtbaren Protagonisten eines jeweils einmaligen harmonischen Verlaufs sind, der stets – bei aller Mannigfaltigkeit und Poesie – als Ganzes wie aus einem Guss ist. Ergänzt durch die in ihrem Überschwang gebändigte rhythmische Vitalität, den Elan der weit ausschwingenden Linien, die nahtlos ineinander greifen. In der zweiten Folge der Partiten von Bach ist natürlich die in ihrer barocken Fülle und dem Formenreichtum so außergewöhnliche 6. Partita in e-Moll finaler Höhepunkt, in welchem fast eine Art Gesamtschau des pianistisch-musikalischen Spektrums von Bachs Kosmos aus den Händen seines berufensten Propheten zu bestaunen ist. Herrlich auch, wie Perahia in völliger Losgelöstheit mit dem Metrum spielt, indem die Kraft der Linie die Begrenzungen taktmäßiger Betonung schwerelos transzendiert. Last but not least ist ein ebenso strahlendes wie klares Klangbild verwirklicht. Christoph Schlüren J.S. Bach: Partiten Nr. 1, 5 & 6, Murray Perahia (Sony Classical)

Hören Sie ausgewählte Titel der CDs, die hier besprochen werden, auf der crescendo premium-CD, siehe auch S. 40.

Foto: Felix Broede

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www.crescendo.de 06 2009 | 27 rezension

R A D EM A K E R TA N Z T P E E R GY N T

C H EN R E I S S R O M A N T I S C H

Für seine herausragenden tänzerischen Leistungen bekam Marijn Rademaker, Erster Solist des Stuttgarter Balletts, im März 2009 den Deutschen Tanzpreis „Zukunft“ verliehen. Seine Auftritte zeichnet neben ausgefeilter Technik eine enorme Ausdrucksstärke aus, die die ganze Bandbreite eines großen Repertoires umfasst. Zürichs Ballettchef Heinz Spoerli hatte den so wandlungsfähigen Interpreten deshalb bereits Ende 2008 als Gast für die Titelrolle seines „Peer Gynt“ eingeladen. Ein Erfolg, der mitgeschnitten nun auf DVD die Herzen der Ballettfans höher schlagen lässt. Denn hier trifft brillante Interpretation (des gesamten Ensembles!) auf schlüssige choreografische Erzählstränge und auch Edvard Griegs Vertonung des motivreichen Dramas von Henrik Ibsen harmoniert, ergänzt durch Kompositionen von Mark-Anthony Turnage und Brett Dean mit Florian Ettis zeitgenössischschlichtem, aber keineswegs kargem Bühnenkonzept.

Unwillkürlich erinnern Reinheit, Frische und der spezifische Jubelton von Chen Reiss’ lyrischem Sopran an große Vorgängerinnen wie Maria Reining und Elisabeth Grümmer. „Romanze“ lautet der Titel ihrer neuen CD mit Liedern und Arien von Mozart, Spohr, Lachner und Schubert. Gemeinsam mit dem Klarinettisten Andy Miles hat Chen Reiss ein höchst reizvolles Repertoire aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgegraben: Damals wurde der Singstimme bisweilen ein obligates Soloinstrument an die Seite gestellt – quasi zur gegenseitigen Inspiration. Und genau dies ereignet sich hier. Wenn zwei Musiker (begleitet von einem lebhaft aufspielenden WDR Rundfunkorchester unter Pietro Rizzo) zu solch virtuosen wie innigen künstlerischen Höhenflügen durchstarten, bleibt der Hörgenuss völlig ungetrübt. Einzig die Sehnsucht nach ein wenig mehr Mut zu Dramatik und – ja auch – herberen Klängen mag aufkommen.

Höhenflüge

Richard Eckstein

Vesna Mlakar „Romanze“. Reiss, Miles, WDR Rundfunkorchester, Rizzo (telos music)

„Peer Gynt“, Zürcher Ballett, Heinz Spoerli (BelAir)

BERNST EIN ORIGINAL

D AU S L E I T E T B R A H M S - R E Q U I E M

Bei einer privaten Party war ich letzte Woche Zeuge, wie ein gewitzter Pianist, ein Trompeter, ein Schlagzeuger und ein paar Sänger die Stimmung der Gäste zum Kochen brachten: mit einer kreativen Minifassung der „West Side Story“. Die jüngst ausgegrabene Aufnahme von 1957 mit der Originalbesetzung hat genauso diese Spontanität, diese Lebhaftigkeit. Die schmutzigen Choreinlagen der Jets, Larry Kerts kratzige Stimme (Tony), die glockenreinen Töne der Maria, Carol Lawrence – das alles ist in dieser digital restaurierten Aufnahme nun so lebensnah, so zeitgenössisch eingefangen wie nur irgendwas. Man versteht, warum, liest man das dreiblättrige, etwas dürftige Beiheft: Der Choreograf Jerome Robbins, der Leonard Bernstein die „Romeo-und-Julia“Thematik nahelegte, stachelte die rivalisierenden Banden der Jets und Sharks bei der Uraufführung zu privaten Fehden an, um ihre Gefühle noch authentischer zu machen.

Eines der eindringlichsten geistlichen Chorwerke überhaupt – in einer Version für zwei Klaviere? Nun: Brahms hatte sie selbst erstellt. Heinrich Poos (Jahrgang 1928) fügt einen Paukisten dazu, Solisten und Chor bleiben wie gehabt; ein „originaler Brahms“ also – nur ohne Orchester. Wirklich? Die neue Besetzung verstärkt den diesseitigen Charakter des Werkes, besonders eindrücklich im vierten Satz demonstriert, wo das „wie lie-ie-ieb-li-ich, wie lieblich“ an Brahms‘ „Liebesliederwalzer“ op. 52 anklingt. Das passt, denn Brahms hatte ausdrücklich nicht die lateinische Bitte der Trauergemeinde an Gott, die um Gnade fleht, vertont. Brahms wollte den Trauernden, den Menschen ansprechen, weshalb er die Bibeltexte selbst wählte. Die Wucht seiner Musik, die extremen Spannungen, das schwermütige Mitleid, die herbe Ergebung vermitteln sich in dieser kargen Besetzung aber nicht so gut.

Modern wie nie

Diesseitig

Teresa Pieschacón Raphael

Martin Morgenstern Bernstein: „West Side Story“ (orig. Broadway Besetzung), Kerts, Lawrence (Naxos)

Brahms: „Ein deutsches Requiem“ (Klavierfassung), EuropaChorAkademie, Joshard Daus (Glor Classics)

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JOHANN SEBASTIAN

rezension 28 | www.crescendo.de 06 2009

BACH

MASAAKI SUZUKI BACH COLLEGIUM JAPAN

Die vine Orchestersuiten · Annum per annum Die Brandenburgischen Konzerte

· Variationen zur Gesundung BIS-SACD-1721 von Arinuschka · Für Alina · Im Jahr 2000 hatte Suzuki mit seinem Bach Collegium Quintettino · Konzerte Cantusschon in medie Brandenburgischen einmal aufgenommen. Die neue Aufnahme fand in der MUZA moriam Benjamin Britten Kawasaki-Halle statt, deren Akustik wunderbar die kammermusikalischen Aspekte dieser Musik betont. In BIS sechs 501434 Konzerte hat Suzuki auf das Violoncello vier der da spalla zurückgegriffen; eine kleine Cello-Version, die horizontal gespielt wird (an die Schulter oder die Brust gedrückt). Das Instrument wurde auch schon in der Kantaten-Serie eingesetzt; es eröffnet ganz neue klangliche Möglichkeiten. Wunderbar gelingt die Verden Beitrag zwei Violenzur undFeier den zwei schmelzung mitBIS‘ Dies ist desViole da gamba im 6. Konzert. Die Neuaufnahme auf SACD 70. Geburtstags des Kompobot auch die gut genutzte Möglichkeit, die räumlichen effektiv Aspekte dieser nisten in Musik diesem Jahr.einzusetzen. Über dieErgänzt wird die Einspielung durch die vier Orchestersuiten, Jahre hat BIS viele Werke Pärts die bereits separat auf BIS-SACD-1431 vorliegen. Eine eingespielt daraus nun die-Bach“ Aufnahme, die alsund „unglaublich perfekter von der Financial Times (klassik.com) bezeichnet und se Compilation zusammengeals eine der herausragenden Veröffentlichungen 2005 stellt.wurde. Der Rahmen umfaßt mehr gewürdigt

als drei Dekaden musikalischen des Komponisten: FürSchaffens Schnellentschlossene: bis 1998 reichtvielfach die preisDie von ersten1964 40 Folgen aus Suzukis gekrönter Kantatenreihe in vier preisgünstigen Spanne. Werke verschiedenster Boxen. Limitierte Auflage. Besetzung sind darunter, und

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K L AV I E R L EG EN D E H O R O W I T Z

NOT T DIRIGIERT MAHLER

Eine Pianisten-Legende in einem legendären Konzert: Pfingsten 1986 kehrte der 82-jährige Vladimir Horowitz nach über einem halben Jahrhundert erstmal wieder nach Deutschland zurück. Für ein beeindruckendes, umjubeltes Konzert in der Berliner Philharmonie. In reicher Ausstattung ist der Mitschnitt davon nun als Doppel-CD zum Wieder- oder Erstmalshören erschienen. Drei Sonaten von Scarlatti, Schumanns „Kreisleriana“, zwei Préludes von Rachmaninow, zwei Etüden von Skrjabin, sowie Piècen von Liszt und Chopin standen auf dem Programm. Publikum und Presse reagierten begeistert. Ein Konzert, dessen historische Wirkung bis heute ungetrübt ist und für dessen zeitlose musikalische Bedeutung Horowitz´ künstlerische Meisterschaft steht. Interpretationen auf dem Gipfel der Klavierkunst! Ein Dokument mit großer Aura, steht es doch auch für das 20. Jahrhundert in nuce – kulturhistorisch und musikalisch.

Diese SACD besitzt ein großes Plus: Da Jonathan Nott so klug war, in der von Mahler vorausgesetzten Streicher-Aufstellung mit gegenüberliegenden Geigen spielen zu lassen, hört man endlich einmal vorbildlich ein wesentliches akustisches Element. Die Themen der ersten drei Sätze der „Neunten“ beginnen die von rechts kommenden zweiten Geigen; erst im letzten Satz werden beide Gruppen vereint und setzen der „verkehrten Welt“ die Utopie der Vereinigung entgegen. Die Bamberger Symphoniker musizieren höchst engagiert. Notts Interpretation legt viele Details bloß; Mahler liegt ihm hörbar besser als Bruckner. Leider geht er emotional nicht immer ans Äußerste. In den Ecksätzen hemmen schleppende Tempi den Fluss; Nott braucht 15 Minuten länger für das Werk als Uraufführungs-Dirigent Bruno Walter. Der Booklet-Text ist einer jener typisch analytischen „Reiseführer“, die doch Wesentliches zur Musik schuldig bleiben.

Uwe Schneider

Benjamin-Gunnar Cohrs

Sternstunde

„Das legendäre Berliner Konzert 1986“. Vladimir Horowitz (Sony Classical)

Idealer Raumklang

Mahler: 9. Sinfonie D-Dur. Bamberger Symphoniker, Jonathan Nott (Tudor)

GL ASUNOWS BALLET TKL ASSIK ER

P R E Y- FA M I L I EN A L B U M

Die Story ist so simpel wie banal: Mitten in die Vorbereitungen zu Raymondas Geburtstagsfeier platzt der feurige Sarazenenritter Abderakhman und begehrt das Edelfräulein zur Frau. Sie jedoch erwartet die Rückkehr ihres Verlobten Jean de Brienne. Als es zum Zweikampf kommt, unterliegt der Sarazene. Der Hochzeit von Raymonda (Irina Kolpakova) mit Jean de Brienne (Sergei Berezhnoi) steht nichts mehr im Weg. Das Ballett, dessen herausragendstes Merkmal die zahlreichen raffiniert um die schmale Handlung herum arrangierten Divertissements für Corps und Solisten sind, feierte 1898 im Kaiserlichen Marientheater zu St. Petersburg Premiere. Die nun bei VAI vorgelegte DVD dokumentiert eine Vorstellung von 1980 am selben Ort – in typisch russischer Aufmachung: pompöse Kulisse, prächtige Kostüme und eine Verkettung von Variationen. Nicht immer mitreißend, doch was an Emotionen möglich ist, holen die Interpreten aus ihren Rollen heraus. Vesna Mlakar

Das Zeitdokument ist „all denjenigen gewidmet, die Hermann Prey immer noch im Herzen tragen“. Schade, dass die Aufnahmequalität so dürftig ist; die Platte klingt, als hätte jemand heimlich unterm Sitz den Kassettenrekorder mitlaufen lassen. Sicher, die künstlerischen Einschränkungen der gealterten Stimme Preys sind wahrnehmbar: Er umspielt Spitzentöne, drückt manche leidenschaftliche Passagen zu Tode, gegen Ende ist seine Erschöpfung mit Händen zu greifen. Das Publikum war 1993 aber auch nicht in die Bayerische Staatsoper gekommen, um Spitzengesang zu erleben. Es wollte eine Sängerpersönlichkeit feiern – und erlebte einen Barden mit Herzblut, dessen Lebensmittelpunkt nach eigener Aussage immer schon Schuberts Lieder waren. Oleg Maisenberg begleitet lyrisch auf einem ebenfalls schon etwas altersschwachen Flügel. Aber im Familienalbum ist’s ja auch egal, wenn die Fotos unscharf sind, oder? Martin Morgenstern

Russisch gewandet

Glasunow: „Raymonda“, Kirov-Ballett, Petipa (VAI)

Barde mit Herzblut

„Willkommen und Abschied“. Lieder und Balladen von Schubert, Prey, Meisenberg (orplid)


www.crescendo.de 06 2009 | 29 rezension

R I C H A R D TAU B E R S U P E R S TA R

P U C C I N I S O P E R N E R S T L I N G AU F D V D

Er war der umschwärmte Liebling der Operettenwelt in den Golden Twenties und damit der tenorale Superstar seiner Zeit. Doch der Nachruhm Richard Taubers (1891-1948) scheint genau unter diesem Umstand zu leiden: Seine einstige Popularität macht ihn bei einem Gutteil des heute so seriösen KlassikPublikums verdächtig. Vielleicht gelingt es der Tauber gewidmeten 5-CD-Box aus der verdienstvollen EMI-Reihe „Icon“ einiges zurechtzurücken, denn man begegnet einem Sänger, der nahezu keine Wünsche offen lässt. Und das, was er nicht kann, versteht Tauber, mit äußerster Raffinesse zu kaschieren. Die Bandbreite seines Opern-, Operetten- und Lied-Repertoires ist enorm. Stets gestaltet Tauber aus der wunderschön timbrierten Mittellage heraus. Dass seine Tenorstimme noch vor dem hohen C ihre Begrenzung fand, mag nur denjenigen stören, der sich von Taubers PianissimoZaubereien in der Region unmittelbar darunter nicht beeindrucken lassen will.

Als „kranken Organismus“ sah der selbstkritische Giacomo Puccini seine zweite Oper „Edgar“ von 1888, weshalb er den vierten Akt gleich strich. Gewiss: Nie wieder waren Puccinis Tonstrukturen so kompliziert wie in „Edgar“. Auch das Libretto wirkt angestrengt, handelt es doch von einem zwischen Himmel und Hölle schwankenden Helden, der von der treuen Fidelia als auch der dämonisch verführerischen Tigrana geliebt wird und im Laufe der Story einen abstrusen Scheintod erleben soll. Die wirklich starken Szenen spielen im kirchlichen Milieu. 119 Jahre nach der Premiere wagt sich das Turiner Teatro Regio an die vieraktige Originalversion heran: Mit brachialem Eros schlüpft José Cura in die Rolle des Edgar, als wäre für ihn der an „Carmens“ Don José angelehnte Charakter das Selbstverständlichste der Welt. Bravo! Neben Cura bleibt die Leistung seiner Kollegen eher blass, kränkelt aber nicht.

Bravo José Cura

Pianissimo-Zaubereien

Teresa Pieschacón Raphael

Richard Eckstein Puccini: „Edgar“, Cura, Nizza, Gertseva, Vratogna, Orchester und Chor des Teatro Regio Turin, Yoram David (Arthaus)

„Richard Tauber – The Gentleman Tenor“ (EMI Classics)

W E I N B E R G W I E D E R EN T D E C K T

S C H U B E R T S S O N AT EN - F R AG M EN T E

Die Gesamteinspielung der 17 Streichquartette Weinbergs durch das vorzügliche belgische Quatuor Danel ist nun bei der Hälfte angelangt. Mieczysław Weinberg (1919-1996) war zwar der neben (seinem Freund) Schostakowitsch bedeutendste sowjetische Quartettkomponist, doch als polnischer Jude wurde er zeitlebens an den Rand des Kulturlebens gedrängt – trotz der Förderung durch große Musikerkollegen wie Kogan, Gilels oder Kondraschin. Zweimal war er im Krieg den Nazi-Schergen entflohen, und nur dank Stalins Tod entkam er im April 1953 dem Gefängnis. Ein Großteil seiner 22 Sinfonien ist erst noch zu entdecken. In den Quartetten Nr. 6 (1946), 8 und 15 (1980) spricht sich ein originärer Schöpfer von extremer Vielseitigkeit aus, dem nackte Todesangst, überbordender Humor oder alles überwindender Kampfgeist natürliche Gefährten sind. All das ist in struktureller Vollendung in die Form reiner Musik gegossen. Christoph Schlüren

Gitti Pirner legt hier vier der sechs Klaviersonaten-Fragmente Schuberts vor, denen sie sich unterschiedlich näherte: In D 625 ergänzte sie die von Schubert nicht notierte Reprise des Kopfsatzes analog zur Exposition; bei D 279 fehlt das mutmaßliche Finale (D 346). Bei D 566 ließ sie das 1928 veröffentlichte Scherzo und das Rondo (D 506) weg, und in der „Reliquien-Sonate“ D 840 verzichtete sie auf die Fragmente des dritten und vierten Satzes. Frau Pirner musiziert geschmackvoll, kultiviert, doch recht gradlinig, eher auf Linie und Wohlklang als Beredsamkeit und Doppelbödigkeit bedacht. Farbgebung und Klang-Ebenen-Differenzierung lassen mitunter zu wünschen übrig. Die Atmosphäre der Aufnahme wirkt recht trocken und nüchtern. Wer nach überzeugenderen Auseinandersetzungen mit diesen Torsi sucht, sei auf die phänomenale Einspielung der 20 Sonaten mit Paul Badura-Skoda auf historischen Instrumenten verwiesen. Benjamin-Gunnar Cohrs

Weinberg: Streichquartette Nr. 6, 8 & 15, Quatuor Danel (cpo)

Schubert: Unvollendete Pianosonaten, Gitti Pirner (Farao Classics)

Trocken und nüchtern

Extreme Vielseitigkeit

Rolf Lislevand Diminuito

e

Rolf Lislevand Ensemble

ECM 2088 CD 476 3317

Auf seinem zweiten ECM-Abum erfüllt der norwegische Lautenist Madrigale, Chansons und Instrumentalmusik des 16. Jahrhunderts mit pulsierender Vitalität. Unterstützt wird er von einem agilen Ensemble, dem die zwei Soprane des Trio Mediaeval blitzende Lichter aufsetzen. „Diminuito“ meint die Umspielung vokaler Linien, ihre „verkleinernde“ Anreicherung mit temperamentvollen Läufen und Arabesken: Die Geburt der Virtuosität aus dem Geist der Improvisation.

Diminuito

Im Vertrieb von Universal

The Classic FM Gramophone Awards 2009 LABEL OF THE YEAR

www.ecm40.de

www.ecmrecords.com


rezension 30 | www.crescendo.de 05 2009

BESONDERE HÖREMPFEHLUNGEN VON SONY CLASSICAL

MARTIN STADTFELD

SPIELT WERKE DES JUNGEN BEETHOVEN Auf seiner neuen CD spielt Martin Stadtfeld Werke des jungen Beethoven: das Klavierkonzert Nr. 2 mit der Staatskapelle Dresden unter Sebastian Weigle und selten zu hörende, charmante kleine Solo-Stücke, u.a. das Allegretto c-Moll Hess 69, das Präludium f-Moll WoO 55 und das Rondo alla Ingharese. „Stadtfeld überzeugt mit höchster Anschlagskultur und perlenden Läufen.“ SZ

JA N S EN S P I ELT V I O L I N KO N Z E R T E

Ohne Suggestionskraft Vielen Geigern gilt Beethovens 1806 komponiertes und einziges Violinkonzert als das „Konzert der Konzerte“ als höchster Ausdruck seines Genres, als Juwel der Gattung und harter Prüfstein. Brittens Violinkonzert von 1939 steht dem nicht nach. Für Janine Jansen kein Problem, verfügt sie doch über eine brillante Technik. Nur ihre Interpretation ist Geschmackssache. Ihr empfindsames Spiel und betörend schöner Ton macht aus dem Violinkonzert des deutschen Klassikers eine fast schon romantische Kantilene und aus dem Werk des Engländers eine seelenvolle Meditation. Das Zwingende, Suggestive, Abgründige fehlt, und daher klingt das alles ein bisschen bieder und banal. Ganz anders Paavo Järvi: Er liebt rhetorische Scharmützel, die musikalische Kontroverse, mit Rede und Gegenrede, aufgerauten Akzenten, ruppigen Rhythmen. So muss Musik klingen. Järvi ist einer der ganz großen Dirigenten. Teresa Pieschacón Raphael Beethoven, Britten: Violinkonzerte, Jansen, Dt. Kammerphilharmonie Bremen, London Symphony Orchestra, Järvi (Decca)

88697454502

www.martinstadtfeld.de

STINGS WINT ERWUNDERL AND

MURRAY PERAHIA BACH-PARTITEN 1, 5 & 6

Volume 2 der Referenzeinspielung von Bachs Partiten, für die Murray Perahia 2008 mit dem Echo Klassik ausgezeichnet wurde. „Am Klavier ist Murray Perahia einer der wichtigsten Bach-Interpreten. [...] Er gehört zu den wenigen Pianisten, die Johann Sebastian Bachs Klavierwerke schlüssig, intellektuell durchdrungen, aber auch berührend auf einem modernen Flügel interpretieren können.“ Welt am Sonntag

88697443612 www.murrayperahia.de

Ungekünstelt

Nach seinem vielbeachteten Ausflug mit der Laute zu den Songs John Dowlands hat der Gentleman-Rocker Sting hier erneut ein Album der leisen Töne vorgelegt. Mit Dominic Miller, Daniel Hope, Chris Botti u. a. hat er sich dafür prominente Unterstützung geholt. Eine Meditation über den Winter ist es geworden, mit Arrangements zwischen Pop, Folk und Alter Musik. Von Praetorius, Purcell und Bach über Schubert bis hin zu zwei Eigenkompositionen Stings reicht das Spektrum. Dazu Traditionelles von den britischen Inseln mit Wiegen- und Weihnachtsliedern. Eine Winterwanderung durch die Jahrhunderte, gemessenen Schritts die Variationen der Schneelandschaften, klammer Kälte, mittelalterlicher Dunkelheit und seltsamer Begebenheiten erkundend. Die Authentizität von Stings angerauter Stimme ist einnehmend direkt, ungekünstelt und stimmungsvoll. Musik mit der Wärme einer feuererleuchteten Winternacht. Uwe Schneider „If on a Winter’s Night“. Sting (Deutsche Grammophon)

S O KO L O V L I V E I N PA R I S

BEST OF KLASSIK 2009

DIE EXKLUSIVE DOPPEL-CD ZUR GROSSEN ECHO KLASSIK-GALA Die Highlights der preisgekrönten CDs von Stars wie Anna Netrebko, Rolando Villazón, Lang Lang, Plácido Domingo, Anne-Sophie Mutter, Elı¯na Garancˇa und Sol Gabetta, aber auch von Newcomern wie Nils Mönkemeyer, Ragna Schirmer u.v.a. Best of Klassik 2009 – alle Stars auf einer CD. 88697574122

Einzigartiges Wechselbad Wenn Grigory Sokolov an den Flügel eilt, sich kurz verbeugt, setzt und gleich zu spielen anfängt, wirkt er wie in Trance – abweisend, unnahbar … Sein magischer Klang dagegen und die spieltechnische Souveränität, mit der er virtuose Höchstschwierigkeiten – so im Precipitato-Schluss-Satz der „7. Klaviersonate“ von Prokofjew – ebenso meistert wie die philosophischen Ton-Reflexionen eines Komitas Vardapet, dringen sogleich tief in die Seele. Im fast völlig abgedunkelten Pariser Théâtre des Champs-Élysées zelebriert einer der führenden Vertreter seiner Zunft einen Klavierabend, dessen Spannungsbogen von drei Beethoven-Sonaten bis zum Reigen von fünf(!) Zugaben reicht. 2002 wurde dieses einzigartige Wechselbad der Gefühle und Stile von der unaufgeregten Kameraführung Bruno Monsaingeons für die Nachwelt festgehalten. Bereits vor einigen Jahren bei naïve auf DVD erschienen, wird es nun von medici arts neu ediert. Richard Eckstein Beethoven, Komitas, Prokofjew: Klavierwerke, Grigory Sokolov (medici arts)

www.sonyclassical.de


www.crescendo.de 06 2009 | 31 rezension

D ER KO M P O N I S T U N D P H I LO S O P H M I C H A EL B A S T I A N W EI S S Ü B ER S EI N E A R B EI T

Denkende Musik Die Philosophie ist voller Geschichten. Da fällt der antike griechische Denker Thales in eine Zisterne, weil er über der Betrachtung des Himmels übersieht, was vor seinen Füßen liegt. Da meditiert G. C. Lichtenberg über einen in Spiritus eingelegten Embryo eines afrikanischen Sklaven, ein grausames naturwissenschaftliches Präparat, an dem der Philosoph und Aphoristiker das Leid unzähliger Menschen beklagt. Und da schreibt Kant aus reinem Nachdenken heraus ein epochales Werk, an dem er das Land des menschlichen Geistes einmal ganz durchreist. An solchen Beispielen aus einem ganzen Universum an philosophischen Geschichten entzünde ich meine kompositorische Phantasie. Dennoch zerfällt für mich der Kosmos der Philosophie nicht in eine Reihe von Anekdoten – über das genannte Werk Kants, die Kritik der reinen Vernunft, werde ich nun sogar eine Folge von Seminaren an der Münchner Universität anbieten. Die Verbindung von Musik und Philosophie, das war für mich klar, war nur zu machen, wenn nicht zuviel dilettiert wird. Also habe ich alles daran gesetzt, nach meinem Erststudium der Musikwissenschaft Komposition und Philosophie zu studieren; Hans-Jürgen von Bose nahm mich in seine Klasse an der Münchner Musikhochschule auf,

Günter Zöller akzeptierte mich als Schüler und Doktorand. Beide Studien habe ich abgeschlossen, die Komposition mit der Meisterklasse, die Philosophie mit der Doktorarbeit; ein philosophisches Habilitationsprojekt prosperiert. Nur aufgrund dieser doppelten Verwurzelung sah ich mich auch im Stande, mein derzeit ehrgeizigstes Projekt zu beginnen, eine Oper über den kannibalistischen Serienmörder Jeffrey Dahmer. Das Sujet ist grenzwertig, eigentlich unmöglich, und genau dies brachte ungeahnte Energien hervor. Nach der Uraufführung einer Szene aus diesem Projekt mit dem Titel „Vielleicht war ich ein Azteke“, zu dem ich auch selbst inmitten von Bergen kriminalpsychologischer Bücher das Libretto schrieb, machte mir ein Kollege eines der schönsten Komplimente überhaupt – er hätte Dauer-Gänsehaut gehabt. Da diese große Oper derzeit noch nicht realisiert werden kann, richte ich meine Ambitionen auf realistischere Formate: So entsteht derzeit sowohl ein Zyklus von Madrigalen auf Texte der

Academy of Ancient Music

vorsokratischen Philosophen für das renommierte Vokalensemble „Singer Pur“ als auch ein Liederzyklus für Mezzosopran solo für die so junge wie fabelhafte Ulrike Mayer. Und ich möchte dringend wieder für den genialischen Pianisten Andreas Skouras schreiben. Die Philosophie der Geschichten geht weiter ... M. B. Weiß: „Fragmenta missarum pro defunctis“ für Klavier op. 7, Sonate über die Dunkelheit für zweimanualiges Cembalo op. 13, A. Skouras, Klavier/Cembalo (NEOS)

Richard Egarr


rezension 32 | www.crescendo.de 06 2009

EN E R G I EB Ü N D EL U R S U L E A S A

T R O M P E T E VO N 16 5 0

GERHAHER SINGT SCHOECK

Es ist die Mischung aus temperamentvollem Spiel und lyrischer Begabung, die immer wieder mit dem Namen Mihaela Ursuleasa in Verbindung gebracht wird. Die nun Anfang 30-Jährige hat ein bemerkenswertes Debüt-Album vorgelegt, das genau diese Qualitäten ausspielt. Beethovens c-Moll Variationen, Brahms Intermezzi, Ravels „Gaspard de la nuit“, Ginasteras 1. Sonate und eine Miniatur aus ihrer rumänischen Heimat liefern das Material. Ihr Zugang zu den Werken ist von klarem formalem Aufbau, reicher dynamischer Variationsfähigkeit und einer angenehmen Klangwärme bestimmt. Schon der einleitende Beethoven zeigt dies. Die Tongebung bleibt mit fein differenziertem Anschlag auch in den rhythmischen Eruptionen Ginasteras oder den impressionistischen Farbwelten Ravels kristallklar. Nachdenklich ohne verkopft zu sein, klingt der Brahms, lyrisch grundiert, doch leidenschaftlich und feurig die gesamte CD.

Jean-François Madeuf ist einer der wenigen, der noch eine Naturtrompete ohne nachträglich gebohrte Hilfs-Grifflöcher blasen kann – ein Clarinbläser wie aus dem 17. Jahrhundert. Hier präsentiert er 1:1-Nachbauten einer Trompete von Wolff Birckholtz (Nürnberg 1650), die einst dem Stabstrompeter Jacob Hintze gehörte und Jahrhunderte lang unbeachtet an einem Epitaph im Altarraum der Kirche zu Belitz hing (Info: www. birckholtz.de). In eben dieser Kirche hat Madeuf mit seinem Ensemble aus dem Umfeld der Baseler Schola Cantorum diese so fantastisch musizierte wie lehrreiche Produktion gemacht. Die ausgesuchten Werke geben einen vielseitigen Einblick in das damalige Trompeten-Repertoire – Militärsignale, Intraden, Märsche und Sonaten, öfter mit Orgel, Pauken, zwei Geigen, Posaune und Dulzian. Die Ausstattung mit informativem Booklet ist ebenso vorzüglich wie der räumliche, farbige Klang der CD.

Uwe Schneider

Benjamin-Gunnar Cohrs

Othmar Schoecks (1886-1957) von ornamentischer Melodik, chromatisch gleitenden Harmonien und verschwimmenden Rhythmen gezeichneter Jugendstil ist zeittypisch in der inneren Unruhe zwischen nachromantischem Verlöschen und modernistischer Entwurzelung. Das dreiviertelstündige, 1933 vollendete „Notturno“ op. 47, in welchem in fünf Sätzen acht Gedichte von Nikolaus Lenau und ein abschließendes von Gottfried Keller „für Streichquartett und eine Singstimme“ (so die Reihenfolge in der Partitur) vertont sind, darf als sein berühmtestes Werk gelten. Es herrscht eine Tonsprache äußerster Introversion. Dadurch ergibt sich ein vollendeter Spiegel der wundervollen Gedichte Lenaus, denen Kellers finales „Heerwagen, Sternbild der Germanen“ entgegentritt. Christian Gerhaher intoniert mit herausragender Meisterschaft und trifft wunderbar die fahlen Todesfarben („ich liebe dieses milde Sterben“). Das Rosamunde Quartett agiert mit innigem Ausdruck und klarem Strukturbewusstsein.

Temperament und Lyrik

Durch Nachbau zu neuem Leben

Inniger Ausdruck und Strukturbewusstsein

Christoph Schlüren „Piano & Forte“. Werke von Beethoven, Brahms, Ravel, Ginastera, Mihaela Ursuleasa (Berlin Classics)

Buxtehude, Hasse, Prätorius u. a.: Trompetenwerke, JeanFrançois Madeuf und Ensemble (Edition Raumklang)

Schoeck: „Notturno“, Christian Gerhaher und das Rosamunde Quartett (ECM)

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www.crescendo.de 05 2009 | 33 porträt

Flötistin Magali Mosnier debutierte 2003 beim Orchestre Philharmonique de Radio France

„Ein Star muss etwas besonderes sein“ Foto: Steven Haberland

Magali Mosnier verzaubert ihr Publikum mit einer Flöte, wäre aber auch gerne Sängerin geworden. Ein Gespräch über Aristoteles, ihre Jugend und den Vater der Musik crescendo: „Die Flöte hat keinen guten Einfluss auf die Moral; sie ist

crescendo: Ich helfe Ihnen: Was ist wichtiger: Charisma oder Talent?

zu aufreizend“, sagte Aristoteles ... Magali Mosnier: ... (lacht). Das habe ich noch nie gehört! crescendo: Und, was denken Sie? Mosnier: Oh, ich muss nachdenken. Warum bloß provokativ? Vielleicht sollte man darüber nachdenken, was er über Frauen geschrieben hat. Vielleicht hatte das Instrument einen prostituierenden Charakter für ihn? (lacht) Vielleicht ging es ihm um Sensualität. Die Flöte hat ja viele Facetten. crescendo: Was bedeutet Ihnen selbst Ihr Instrument? Mosnier: Ich habe nicht das Gefühl „eine Flötistin“ zu sein. Ich kann das Instrument spielen, aber wenn ich die Dinge ändern könnte, dann wäre ich gerne Sängerin geworden. Ich liebte es von Kind an, aber es gab keine Sängerklasse in der Musikschule in dem Ort in der Auvergne, nahe Vichy, in dem ich aufwuchs. Deshalb wollte ich unbedingt ein Instrument haben, in das ich hineinblasen kann. crescendo: Wann erkannten Sie, dass Sie Musikerin werden wollen? Mosnier: Als ich dreizehn war, sagte meine Lehrerin zu meinen Eltern, die keine Musiker waren, dass ich begabt sei. Zu dem Zeitpunkt wollte ich noch Journalistin werden. Vor dem Abitur, mit 1, schien mir der Musikerberuf dann wieder erstrebenswert. Nur Lehrerin wollte ich nicht werden. crescendo: Können Sie sich an Ihren ersten Auftritt erinnern? Mosnier: Nein, nicht wirklich, weil man ja immer wieder diese Vorspieltermine hatte. Ich weiß nur, dass ich sehr nervös auf der Bühne war, aber irgendwie auch sehr lebendig. Vielleicht fühlt man sich auf der Bühne so, weil viele Leute einen anschauen und dann muss man einfach überzeugend sein und zeigen, was man kann. crescendo: Was ist für Sie ein Star? Mosnier: Schwere Frage. Wer weiß das schon?

Mosnier: Auf jeden Fall müssen Stars mehr Talent haben, als andere.

Und Charisma ist auch sehr wichtig crescendo: Glauben Sie, dass viele Musiker überschätzt werden? Mosnier: Das würde ich nicht sagen, es ist so subjektiv, einen Künstler

zu mögen oder nicht. Vielleicht gibt es da einige, aber ich habe jetzt kein Beispiel dafür. Vielleicht jene, die nur über ihr Aussehen vermarktet werden. Aber selbst die haben auch eine Menge Druck, immer den Erwartungen zu entsprechen. crescendo: Sie gewannen den Ersten Preis sowie den Publikumspreis beim ARD Musikwettbewerb. Muss ein Star sympathisch sein? Mosnier: Nein, nicht unbedingt. Er muss etwas Besonderes sein. Viele Stars sind arrogant, von der Callas heißt es, dass sie nicht sympathisch war. Oder auch Glenn Gould mit seinem eigenartigen Lebensstil und Marta Argerich, die so unkonventionell ist ... Und trotzdem sind sie Stars geworden, vielleicht gerade deswegen crescendo: Warum brauchen Menschen den Kult um einen Star? Mosnier: Um sich vielleicht vom realen Leben abzulenken? Ich bin nicht so ein Typ. Ich bewundere große Sänger, aber Idole sind sie für mich nicht. crescendo: Noch ein paar Worte zu Ihrer neuen CD … Mosnier: … mit Werken von Bach. Ich weiß, alle sagen, er sei der Vater der Musik. Aber es stimmt einfach. Wenn man seine Musik spielt hat man zwei Möglichkeiten, entweder man bewundert sie, weil sie so erhaben, so universal ist. Oder man fängt einfach damit an im Wissen, dass man ihrem Geheimnis nicht auf die Spur kommen wird. // Teresa Pieschacón Raphael Magali Mosniers neue CD „Bach“ ist bei Sony erschienen. Live ist sie in München (14.11.) und Hamburg (30.11.) zu erleben.


titel 34 | www.crescendo.de 06 2009

Der KĂśnig

Er ist Dirigent, Chef der Opernhäuser in Washington und Los Angeles und Tenor der Superlative. Besuch bei einem Star, der noch nicht am Ziel ist. VON HANNAH GL ASER


www.crescendo.de 06 2009 | 35 titel

Künstler Plácido Domingo (68): „Als ich jung war, war es schwerer.“

Foto: www.placidodomingo.com

erona in Italien. Ein milder Sommerabend hat sich über die steinerne Arena gelegt. Schwalben jagen durch das weiche Licht, ihr lautes Gezwitscher erfüllt die Luft. Ein paar Bühnenarbeiter befestigen riesige Vorhänge an hohen Stangen, die Musiker nehmen ihre Plätze ein und stimmen die Instrumente. Die Ränge sind leer. Bei dieser Generalprobe sind keine Zuschauer zugelassen. „Carmen“ steht auf dem Programm, mit Bizets Oper sollen am nächsten Tag die Festspiele eröffnet werden. Nur ein kleines Grüppchen drückt sich im Parkett hinter der Absperrung herum. Wir sind gekommen, um den Star des Abends zu sprechen, der in diesem Moment – schwarze Hose, schwarzes Hemd, aufgekrempelte Ärmel – mit großen Schritten dem Dirigentenpult zustrebt: Plácido Domingo,  Jahre jung, volles, silbernes Haar, Tenor, Direktor der Opernhäuser in Los Angeles und Washington, verheiratet, drei Kinder, Weltstar. Vor  Jahren hat er hier, auf der Bühne des drittgrößten römischen Amphitheaters der Welt, sein Verona-Debut gefeiert. Im Oktober wird er als erster Künstler überhaupt den mit einer Million Dollar dotierten Birgit Nilsson Preis erhalten, überreicht vom schwedischen König Carl Gustav, den ECHO Klassik für sein Lebenswerk gibt es obendrein. Ein Mitarbeiter seines Stabes sagt, der Tag heute sei nicht gerade der beste für ein Interview. Tatsächlich ist in den vergangenen Stunden schon so einiges dazwischen gekommen. Ursprünglich war ein Gespräch von  Minuten geplant. Das war am Nachmittag, im schönsten Palazzo der Stadt, wo Plácido Domingo sein Buch zu seinem Verona-Jubiläum präsentiert hatte. Daraus wurde nichts, zu viel italienische Presse, zu viel italienisches Fernsehen, Domingo ist ein Heiliger in Italien, da kommt viel Hektik auf. Ein zweiter Termin im Hotel: ebenfalls gestrichen. Die Generalprobe in der Arena ist nun die dritte und finale Chance für das, was inzwischen nur als „ein kurzes Treffen“ tituliert wird, „maximal zehn Minuten“ könne man mit dem Maestro reden, aber bei einem wie Domingo ist man schon über zwei Minuten glücklich.

Foto: Archivio Fondazione Arena di Verona

Domingo bei einer „Turandot“-Aufführung aus dem Jahr 1969 mit Gabriella Tucci und Birgit Nilsson.

Plácido Domingo ist der Leuchtturm unter den modernen Klassik-Stars. Er überragt sie alle. Seine Stimme könne Seelen öffnen, sagen seine treuesten Fans. Domingo, der Magier. Er hat mit 1 Rollen ein Repertoire wie kein Tenor vor ihm. Er sang  Mal den Cavaradossi, 1 Mal den Otello, 1 Mal den Don José. Jeder Opernfan hat mit Domingo seine persönlichen, ganz speziellen Sternstunden erlebt, kennt ihn als Alfredo in Verdis „Traviata“, als Rodolfo in der Bohème, als Hoffmann in Offenbachs Oper. Und dann die herrlichen Stimmen, die Domingo mit seiner Nachwuchsförderung für die Opernwelt entdeckt hat: Nina Stemme und Joyce DiDonato, Erwin Schrott und Ludovic Tezier, Joseph Calleja und Rolando Villazón – alles Sieger seines Operalia-Wettbewerbs. Der erste Akt der Generalprobe ist zu Ende. Jetzt das Interview? Es sieht nicht danach aus. Ein anderer Signore versperrt den Weg und wedelt aufgeregt mit den Armen als müsste er eine wild gewordene Schafherde ausbremsen. Sofort zurück auf die Plätze, heißt sein Kommando. Der Maestro hat in dieser Pause nun doch keine Zeit. Nicht herumlaufen, nicht die Sitzreihe wechseln, neuer Versuch in der nächsten Pause. Dass Plácido Domingo als Dirigent auf der Bühne steht, ist ein ungewohntes Bild. Die Menschen jenseits der Klassikszene haben ihn nicht als Dirigenten im Kopf, sondern lernten ihn als Teil der grandiosen Vermarktungsidee „Die drei Tenöre“ kennen. Man kann nicht behaupten, Domingo hätte nicht davon profitiert. Er hat sich vielmehr mit einer unglaublichen Leichtigkeit wieder zu einem Solokünstler herausgelöst. Und letztendlich ist es Domingo, den Daniel Barenboim anruft, wenn er einen Parsifal in Berlin braucht. Auf der Bühne von Verona macht sich Don José mit Carmen und der Schmugglerbande auf und davon, als unvermittelt ein Agent auftaucht und hektisch winkt, man soll sofort hinunter in den düsteren


titel 36 | www.crescendo.de 06 2009

NEUN MINUTEN MIT PLÁCIDO DOMINGO:

„Heute tut jeder überall seine Meinung kund!“ es für einen Opernsänger zu Beginn Ihrer Karriere einfacher als heute? Domingo: Als ich jung war, war es viel schwerer, denn das Angebot für einen Sänger war längst nicht so groß wie heute. Heute gibt es viel mehr Bühnen, die anspruchsvolle Rollen vergeben. Es gibt Gesangswettbewerbe, bei denen Talente gefördert und entdeckt werden. Damals war es ungeheuer schwer die Treppe hinaufzusteigen, die Scala war fern wie der Mond. crescendo: Was ist mit den Fans, sind sie heute aufdringlicher als vor  oder  Jahren? Domingo: Nein, es sind zum allergrößten Teil sehr freundliche Leute, die an der Bühnentüre warten und uns Sängern nette Dinge sagen. Der Unterschied liegt woanders: Früher haben nur berufsmäßige Kritiker eine Aufführung kritisiert, heute tut jeder überall seine Meinung kund, das ist manchmal lästig. crescendo: Sie meinen die Kommentare auf YouTube? Domingo: Wenn ich früher vor  Leuten gesungen habe und es gab eine Panne, dann haben das nur diese  mitbekommen und sonst niemand. Heute steht das fünf Minuten später im Internet und alle Welt weiß Bescheid. Der Druck ist enorm, speziell für junge Kollegen. crescendo: Was halten Sie von der modernen Vermarktung? Domingo: Gut, man muss heute für die eigene Kunst Reklame laufen, man muss viele Medienauftritte absolvieren. Früher war alles ruhiger, man war nicht in dem Maß eine öffentliche Person wie es im Moment der Fall ist. crescendo: Was würden Sie Ihren Enkeln raten, wenn sie Sänger werden wollten? Domingo: Ich würde mich sehr freuen und sie dabei voll und ganz unterstützen. Es ist eine wunderbare Kunst und ein wunderbares Leben – aus vielen Gründen ... crescendo: Hatten Sie irgendwann ernsthafte Probleme mit Ihrer Stimme, wurden Sie jemals an den Stimmbändern operiert, wie jetzt Ihr Tenor-Kollege Rolando Villazón? Domingo: Kritiker haben mich vor vielen Rollen gewarnt, sie seien zu schwer für meine Stimme. Das fing mit Verdis „Otello“ an und hat bei Wagner nicht aufgehört. Nichts davon hat sich bewahrheitet. Glücklicherweise hatte ich mein ganzes Sängerleben kaum Probleme. Wenn doch, dann waren sie unkompliziert und haben sich dadurch gelöst, dass ich zwei Tage den Mund gehalten habe. crescendo: Wenn Sie zurückblicken, würden Sie Ihr Leben genau so wieder leben wollen? Domingo: Ja. Mit allen Fehlern. Denn erst durch Fehler machst du die nötige Erfahrung. Fotos:

Fotos: Dario Acosta / DG; Privatarchiv; Archivio Fondazione Arena di Verona: Ennevi (2); www.placidodomingo.com; Rafa Martin

crescendo: Sie stehen seit mehr als  Jahren auf der Bühne. War

Gang, der unter den Rängen durch das Arena-Oval führt. Vor Domingos Garderobe warten schon etliche Leute im funzeligen Dämmerlicht. Fans, Verwandte, Kollegen? Niemand spricht ein Wort, alles lauscht, es ist still und kühl hier drinnen. Noch dirigiert der Maestro oben die letzten Takte, dann läuft ein Raunen wie eine Zündschnur durch den langen Gang. Er kommt! Und schon ist er da und begrüßt einen Mann mit einer innigen Umarmung. Es ist sein Sohn Alvaro, er hat beide Enkel im Schlepptau. Ein Kind schläft im Buggy, eines nimmt Papa jetzt auf den Arm. Der Kleine hat ein rotes Matchbox-Auto in der Patschehand, und während Domingo senior mit Domingo junior plaudert, fährt der Kleine seinem Großvater unentwegt mit dem Auto über das Gesicht. Plácido Domingo hat drei Söhne. José Plácido Domingo Guerra (Pepe), stammt aus seiner ersten Ehe mit der Jugendliebe Ana María Guerra Cué. Er hatte sie im Alter von 1 Jahren in Mexiko geheiratet, was dazu führte, dass seine Eltern „aufgebracht und traurig zugleich“ waren. Die Ehe hielt zwei Jahre. Die beiden anderen, Plácido Francisco („Pláci“) und Alvaro Maurizio, bekam er mit seiner zweiten Frau, der mexikanischen Sopranistin Marta Ornelas, mit der er seit 1 verheiratet ist und die ihn überall hin begleitet. Vater, Sohn und Enkel verschwinden in der Garderobe, zehn Minuten vergehen, eine Viertelstunde. Der große Startenor genießt offenbar jede Sekunde, die er mit seiner Familie verbringen kann. Er betont immer wieder, wie schön es wäre, sie alle an einem Ort zu haben. Im Moment ist Domingos Hauptwohnsitz in New Jersey nahe New York. Die meiste Zeit aber verbringt er in Hotels und an seinen beiden Opernhäusern in Los Angeles und Washington. Die Engagements laufen bis 11, manchmal möchte er eines abgeben, manchmal wieder nicht. Auf seiner offiziellen Website prangt das Leitmotiv: „Wenn ich raste, roste ich“. Als er im Frühsommer den spanischen Tennisspieler Raphael Nadal auf Mallorca traf, versprach


www.crescendo.de 06 2009 | 37 titel

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v.l. Plácido Domingo mit Frank Sinatra, in der Rolle des Otello, als Cyrano de Bergerac, als Zarzuela-Sänger, als Kaiser von China in Turandot, Backstage mit Sänger Emilio Aragon und Dirigent Miguel Roa und selbst als Dirigent der Oper „Carmen“ in Verona.

er seinem Landsmann, ihn beim großen US Open Tennisturnier in New York zu besuchen. Obwohl Domingo gerade im peruanischen Lima einen Auftritt hatte und anschließend nach Los Angeles musste, buchte er kurzerhand um und flog nach New York, um sein Versprechen einzulösen und Nadal anzufeuern. Was sich für viele wie Stress anhören mag, ist für Domingo die pure Lebenslust. Plötzlich wird die Schiebetür der Garderobe geöffnet, es gibt ein kurzes Gedränge und Geschubse, irgendwer geht und dann darf man endlich eintreten. Der Raum ist nicht größer als zwei Telefonzellen, linker Hand ein Garderobeständer, ein schwarzer Sessel und ein Waschbecken. Keine Ablage, kein Fenster, keine Frischluft. Statt dessen muss man die eigenen Füße sortieren, um dem Maestro nicht versehentlich ein Bein zu stellen. Die Schiebetüre bleibt offen, sein Stab will mithören. Und alle, die draußen gewartet haben, stecken ebenfalls die Nase herein. Doch der einzige, den dieses Tohuwabohu nicht stört, ist Plácido Domingo. Er grüßt charmant, reicht einem aufmerksam die Hand und ist im Gespräch so konzentriert und zugewandt, als wäre es der erste Termin an diesem Tag. Das Publikum im Türrahmen macht ständig Fotos, reicht Bücher zum Signieren durch und orchestriert das Gespräch mit einem Lärmpegel aus Freudenrufen, Handygebimmel und Telefonaten, wie es nur in Italien möglich ist. Schon nach neun Minuten ist Schluss. Zum Abschied gibt es eine kurze Umarmung von Domingo und seine Frage, ob man für die Premiere womöglich eine Karte braucht? Leider, leider nein, denn der Rückflug geht schon am nächsten Morgen. //

Auf Domingos Website prangt das Motto: „Wenn ich raste, roste ich“.

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Domingo singt Verdi. Die kompletten Tenor-Arien (DG)

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Maurizio POLLINI

Chopin

Bach

Anlässlich des 200. Geburtstages von Frédéric Chopin, hat der überragende Chopinwettbewerbgewinner Rafal– Blechacz die beiden Klavierkonzerte seines Landsmannes aufgenommen, und wird hiermit das Chopinjahr 2010 eröffnen!

Maurizio Pollinis seltene Konzertaufführungen von Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ genießen uneingeschränkten Legendenstatus. Nun ist der Meister, nach fast einem Vierteljahrhundert, endlich mit dem ersten Band ins Aufnahmestudio gegangen. Eine Offenbarung!

„Ein Klangsensualist vor dem Herrn.“ (Frankfurter Rundschau) www.rafal-blechacz.de

www.maurizio-pollini.de Ab 16.10. im Handel!

Marcello ÁLVAREZ

Beethoven & Britten

Der Verdi Tenor

„Wann auch immer ein Repertoire-Stück wiederbelebt werden soll, gibt’s eine einfache Lösung: man muss es einfach nur Janine Jansen spielen lassen.“ The Times

Er gilt als einer führenden VerdiTenöre von heute: Marcelo Álvarez.

www.janine-jansen.de

Decca CD 478 1442

Janine JANSEN

Wie für einander geschaffen: Janine Jansen und das Britten Violinkonzert!

Decca CD 478 1530

DG CD 477 8078

DG CD 477 8088

Rafal– BLECHACZ

In seiner Decca-Debütaufnahme singt er dramatische Szenen und Arien aus den Verdi-Opern „Aida“, „Ein Maskenball“, „Der Troubadour“, „Don Carlos“, „Otello“ u. a. www.marcello-alvarez.de Ab 30.10. im Handel!

Jonas KAUFMANN Die schöne Müllerin

Decca CD 478 1528

Gemeinsam mit seinem langjährigen Partner am Klavier Helmut Deutsch hat Jonas Kaufmann Schuberts Liedzyklus „Die schöne Müllerin“ aufgenommen. „Es ist ein spezielles Erlebnis zu spüren, wie ernsthaft und tief sich Jonas Kaufmann mit den Texten der ,Schönen Müllerin‘ auseinandersetzt, wie wahr und lebendig sie für ihn sind und wie viele Anregungen er aus einzelnen Worten und Bildern für sein Singen zu erschöpfen vermag.“ (Helmut Deutsch) Videos und Hörproben: www.jonas-kaufmann.net Ab 16.10. im Handel!

Videos und Hörproben auf www.klassikakzente.de


www.crescendo.de 06 2009 | 39 stars

Sopranistin Jessye Norman (64): „Ich bin eine hart arbeitende Sängerin.“

weise. Die Art, wie man man, was singen Sie Kunst erlernt, der einfache unter der Dusche: Vorgang des Wiederholens, Klassik oder Jazz? etwas immer und immer Jessye Norman: Also wieder zu tun, mit dem Ziel wenn ich überhaupt Perfektion zu erreichen, unter der Dusche sindas kann man auf alle Arge, dann meistens das, ten der Bildung übetragen. was auch auf der Bühcrescendo: Sie haben ne gerade ansteht ... neun Neffen und eine crescendo: Also eher Musik schule für Kinder. Jazz im Moment. Wie Was sehen Sie in den re Lieb e zu ihre Karrie re, ih er üb t kam es zu der Idee, mit Augen der nächsten Gech ri sp aubt . Je ssye N orman gu te Zukunf t gl ne ei „ American Masters“ neration? an e si d war um Deu ts chland un ER eine Tour ganz ohne Norman: In den neugieRM A FA VO N M IC HA EL klassische Musik zu gerigen Augen der Kinder stalten? sehe ich die Hoffnung Norman: Da ich alle Arten auf eine andere Welt als die, in der wir uns gerade selbst befinden. von Musik mag und so viele Komponisten und Künstler bewundere, Unsere Kinder sind bereiter, wollen eher Neues ausprobieren. Sie empfinde ich es als große Ehre, diese Musik selbst singen zu dürfen. hören mit Ohren, die nicht beeinflusst sind, von persönlichen VorIch habe meine künstlerische Entwicklung nie eingegrenzt und ich lieben oder dem, was als „normal“ gilt. Sie wollen lernen und erfordenke, das neue Programm ist eine logische Konsequenz. schen. Ich habe großes Vertrauen in das, was dadurch in unserer crescendo: Eine Sängerin, die eine solche Karriere gemacht hat, wird Welt entstehen kann. gerne als Diva bezeichnet. Darf man Sie so nennen? crescendo: Zu dieser Welt gehört auch Deutschland. Sie haben hier Norman: (lacht) Ist der Begriff „Diva“ als Kompliment gedacht? Wenn einige Zeit gelebt. Was verbinden Sie mit diesem Land? ja, dann ist es wunderbar. Wenn nicht, dann würde ich lieber als Norman: Zuerst einmal bin ich sehr froh, dass ich zu meiner Studien„hart arbeitende Sängerin“ bezeichnet werden. zeit nach Deutschland kommen konnte und den Ersten Preis beim crescendo: In welchen Momenten ist eine `hart arbeitende Sängerin` ARD-Musikwettbewerb in München gewann. Die Tatsache, dass stolz auf ihre große Karriere? hier ein Grundstein für meine Karriere gelegt wurde, und die vielen Norman: Fragen Sie lieber, in welchen Momenten ich `dankbar` für anschließenden Besuche, haben immer mehr dazu geführt, dass ich meinen Erfolg bin. Es macht mich froh, all diese Möglichkeiten bezu Deutschland eine sehr innige Verbindung habe. kommen zu haben, aber dem Wort `Stolz` stehe ich sehr kritisch crescendo: Sie sind jetzt seit mehr als vier Jahrzehnten auf der Bühne zu gegenüber. Man sollte nicht von Stolz sprechen, wenn man über die Hause.Hat sich das Leben als Künstler in dieser Zeit sehr verändert? eigenen Leistungen nachdenkt. Stolz bin ich auf meine Vorfahren Norman: Die ganze Welt hat sich seitdem verändert, und das hat sich mit afrikanischen Wurzeln, die Türen geöffnet und den Weg erhellt natürlich auch in meinem Privatleben und meiner Karriere gezeigt. haben, damit ich meinen Weg leichter gehen konnte. Das macht Wer hätte im Jahr 1 gedacht, dass wir wie selbstverständlich mich glücklich und erfüllt mich jeden Tag meines Lebens mit Stolz. mit iPods oder Laptops herum laufen würden. Die Geschwindigcrescendo: Sie sagten in einem Interview: „Wer sich künstlerisch auskeit, mit der Informationen inzwischen durch das Leben rasen, ist drücken kann, wird ein besserer Bürger und Wähler sein.“ Sollte Ihrer schon verblüffend. Als Künstler braucht man aber noch Zeit, Zeit Meinung nach die musikalische Erziehung verbessert werden? um sich vorzubereiten, Zeit nachzudenken, Zeit zum Träumen, Zeit Norman: Ich könnte Ihnen jetzt drei Tage lang einen Vortrag halten für Familie und Freunde. „Plus que ça change, plus que ça reste la über die Wichtigkeit der Bildung, für die ganze Person, den Geist, même chose!“ // den Körper und die Seele. Aber machen wir es kurz: Lehrer und Jessye Norman ist mit „American Masters“ live in Leipzig (26.10.), Bildungsverantwortliche, sollten mehr Energie auf die „Seele“ der Freiburg (3.12.), Düsseldorf (7.12.) und Hamburg (10.12.) zu erleben. Schüler verwenden. Das bedeutet, sie sollten die Kunst, die Musik, Ende Oktober erscheint auch die Live-CD zu ihrer letzten Tour mit demselben Nachdruck vermitteln wie Mathematik beispiels„Roots: My Live, My Song“ (DEAG Music). Foto: Carol Friedma

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premium 40 | www.crescendo.de 06 2009

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www.crescendo.de 05 2009 | 41 crescendo-kids

die Klassik-Seite für den Nachwuchs

Frage des Monats: Warum darf man

„DER „ DER WEG ZUR KLASSIK“ (TEIL (TEI L V) V)

Zeichnung: Stefan Steitz

im Konzert kein Popcorn essen? Früher, also vor zweihundert Jahren etwa, da saßen in den Opernhäusern nur die Damen und Herren mit viel Geld. Diese Menschen saßen in ihren Logen und ließen dort ab und zu sogar Speisen und Getränke auffahren, sie lauschten der Musik nur nebenbei. Die Musiker waren damals nur einfache Leute. Heute ist das anders. Den Musikern, vor allem den Dirigenten, zeigt man seinen Respekt, man sieht zu ihnen auf. Aber die wollen in ihren Darbietungen auf keinen Fall gestört werden. Man sollte noch nicht einmal husten! Deshalb ist das Verzehren von Speisen tabu. Es gibt aber auch ein paar Stätten, an denen man auf jeden Fall Popcorn mampfen darf: Zum Beispiel die Arena in Verona oder der Central Park in New York, in dem ab und zu Konzerte statt�nden. Für alle anderen Säle gilt: Warten, bis die Pause kommt und dann zuschlagen, was das Zeug hält! //

Die besten Klassik-CDs für Kinder Wir haben die wirklichen Spezialisten, die „Walgruppe“ aus einem Münchner Kindergarten, befragt. Cäsalie, Djego, Fee, Junis, Kira, Laura, Leo, Linus, Ludwig, Lukas und Tobias sind zwischen drei und sechs Jahre alt und haben die neuen CDs getestet. Hier ihre Wertungen, die ihre Erzieherin Dagmar Wagner zu Papier brachte:

„Karneval der Tiere“ Ein absoluter Klassiker und immer wieder ein Erlebnis. Ein Muss für jeden, der kleine Kinder zuhause hat. Deutsche Grammophon

„Luftmusik und Feuerfarbe“ Eigentlich keine Klassik-CD, aber ideal für alle bis 10 Jahre: Die Kinder wollen gleich dazu malen. Oekotopia Verlag

„Ein Orchester zieht sich an“ Musiker ziehen sich an verschiedenen Plätzen an. Klingt komisch? Fanden die Kinder auch. Random House Audio Wir danken auch Eve-Alina und Sabrina für ihre Handabdrücke. Register: 5 Patschen = „Wünsch ich mir zum Geburtstag“, 1 Patsche = „Gefällt mir gar nicht“.

Papageno: gut

Tom Pfeiffer war für uns in der „Zauberflöte“ Herzlich Willkommen zum fünften Teil unserer Serie. Ein großer Meilenstein auf unserem Weg zur Klassik ist geschafft. Wir waren mit der ganzen Familie am . September in der Premiere der Zauberflöte im hiesigen Stadttheater. Dachte ich am Anfang noch: „Hoffentlich halten die Kids das durch und ich ersticke jetzt nicht gleich die ganze Idee im Keim“, so war ich dann sehr froh, dass wir das Glück hatten, einen Mix aus zeitgemäßer und doch klassischer Aufbereitung des Stoffes zu erleben. Die Sprechrollen waren mit einigen lustigen Ideen versehen, auch eine Rahmenhandlung hatte man in die heutige Zeit übertragen. Das Highlight war aber zweifelsohne unser Papageno, der sich im tiefsten Z IE L S TA R T bayerischen Dialekt und fast schon „comedyhaft“ mit Prinz Tamino und den anderen Figuren der Geschichte auseinander setzte. Das gefiel meinen Kindern extrem gut, lockerte zwischen den klassischen musikalischen Beiträgen auf und war für das Verständnis der „Story“ sehr gut. Fazit von meinen beiden: „Anstrengend, ungewöhnlich, nicht so angestaubt wie gedacht aber doch interessant – nur zu lange“. Fazit von meiner Frau und mir: „Ziel erreicht“. Nun: Wir werden die nächste passende Veranstaltung wieder gemeinsam besuchen. //

Der W eg zur K lassik

crescendo@tom-pfeiffer.de


essay 42 | www.crescendo.de 06 2009

ESSAY: DER VORSTANDS C H E F D E R T V- P R O D U K T I O N S F I R M A M M E Ü B E R :

Kultur in den Medien

Illustration: S. Steitz

Überraschende Ansichten eines Fernseh-Dinosauriers

VON MARTIN HOFFMANN

turseminar, Kaffeehaus und WG-Küchentisch. Diskutiert wurde wie Ich könnte es mir leicht machen: Ich könnte mir einen Kulturkritiker früher zwischen Nutellaglas und Orangensaft aus der Tüte: Polegegenüber setzen und zusammen könnten wir uns annicken, über die misch, rüpelhaft, radikal, blasiert und ungerecht. Mit anderen Worten – Bildungsmisere oder den Verfall der deutschen Sprache, über dieses grandiose Unterhaltung. Die Synthese aus Pop und Hochkultur war Internet, das jegliche Kultur zerstört und die Spaßgesellschaft im allgeglückt. Denn immer hatte man das Gefühl, es gehe hier um alles. gemeinen. Nichts schätzt der deutsche Kulturmensch ja mehr als die Am Ende waren alle Beteiligten glücklich: Die Zuschauer, die Diskulustvolle Selbstgeißelung. tanten, die Autoren und vor allem das Publikum. Aber ich muss Sie enttäuschen: Den apokalyptischen Ansatz vom Warum erleben wir keine Neuau�age des „Literarischen QuarEnde von allem, wie er in bürgerlichen Kreisen gep�egt wird, den teile tetts“, zur besten Sendezeit, im mächtigsten Sender? Warum moderiert ich überhaupt nicht! Ich bin vielmehr überzeugt, dass wir ein wunderHarald Schmidt nicht eine solche Sendung? bares, breites, verwirrendes, widersprüchSchmidt gegen Uwe Tellkamp, Charlotte liches, vor allem unglaublich reiches und Roche, Daniel Kehlmann – das wären freies kulturelles Angebot in diesem Land Sternstunden der TV-Unterhaltung. haben – die Frage ist nur, wie die Medien Es gibt ein menschliches Urbedürfnis damit umgehen. nach Kultur, über Altersgrenzen, soziale Natürlich verehre auch ich die Kollegen Schichten und ethnische Gräben hinweg. vom Feuilleton, die sich mit traumwandUnd es ist völlig gleichgültig, welches Melerischer Sicherheit durch das komplexe dium diese Kultur transportiert, ob Buch Gewerbe der Hoch-Kultur rackern. Aber oder MP3, Fernsehen oder Internet. Kulsowohl Zeitungen als auch TV-Sendungen tur ist eine mediale Gemeinschaftsaufgawie „Aspekte“ oder „Titel, Thesen, Tempebe, wobei das Fernsehen nach wie vor eine ramente“ verengen mir die Kultur zu stark. unfassbar große Zahl von Menschen erSie machen sie zur Nische! Kultur aber, reicht und deshalb ein wesentlicher Transauch die sogenannte Hochkultur, ist eine porteur der Kultur ist. Nur zum besseren Gemeinschaftsaufgabe. Verständnis: Zu den Salzburger FestspieMich beschleicht kein gutes Gefühl, len kamen dieses Jahr insgesamt knapp wenn man die Kultur, die wir meinen, im 230 000 Zuschauer, die sich auf 200 VerFernsehen in Reservate steckt, so wie vom anstaltungen verteilten. Ein großer Erfolg, Aussterben bedrohte Tiere, von denen es ja. Eine Viertelmillion erreicht der Sender nur noch sehr wenige Exemplare gibt. KulRTL allerdings morgens um vier mit dem tur macht doch eigentlich nur dann Sinn, Nachtjournal. wenn sie möglichst viele Menschen anregt, Mediale Kulturförderung Erlauben Sie mir, zum Ende drei Thesen erregt, aufregt, wenn sie Debatten erzeugt, ist kein Almosen-Geschäft. aufzustellen, die hoffentlich ein wenig WiEmotionen, Begeisterung, gern auch Proderspruch provozieren, also den Minimalanspruch von Kunst erfüllen: vokation und Ablehnung. Gerade die Ablehnung ist ein vielfach un1. Kultur ist keine Minderheiten-Angelegenheit, sondern Bürgerrecht terschätztes Kulturmerkmal. Denken Sie nur an Joseph Beuys, der am und Bürgerp�icht. Jedes Kind sollte ein Instrument spielen lernen, so Anfang verlacht und verdammt wurde. wie es in skandinavischen Ländern üblich ist, oder die Grundregeln Die Medien, insbesondere das Fernsehen, sollten Menschen feiern, der Dichtkunst kennen. Die Rap-Branche ist da eine hilfreiche Grunddie den Mut und die Eitelkeit, vor allem aber die Besessenheit besitzen, lage, wie alle Eltern von Heranwachsenden wissen. 2. Wir brauchen sich und ihre kontroversen Arbeiten zu präsentieren, die für ihre Ideen gemeinsamen Mut, um Kultur modern zu vermitteln. Es geht nicht kämpfen und streiten. Sie sollten Künstler und ihre Werke bekannt nur um großartige Inhalte, sondern auch um deren Präsentation. machen, ihnen Raum und Zeit geben, Spielfelder für Debatten und 3. Mediale Kulturförderung ist kein Almosen-Geschäft, sondern eine Emotionen eröffnen. Der Erfolg von Projekten wie „MoMa goes Berlin“ demokratische P�icht. oder Public Viewing in Bayreuth zeigt doch, dass das Interesse des Eine offene Gesellschaft ist eine Kulturgesellschaft. Oder sie ist Publikums vorhanden ist. am Ende. // Ich frage mich oft, warum wir früher sehr viel mutiger waren beim selbstbewussten Präsentieren von Kultur. Wenn wir an FernsehMartin Hoff mann (50), arbeitete von 1994 bis 2003 beim Fernsehsender Sat.1, zuerst als Büroleiter Geschäft sführung, dann als Programmgeschäft sführer und zuletzt als Geschäft sführer. Kultur denken, was fällt uns denn ein? Doch zuallererst Marcel ReichSeit 2004 ist Hoff mann Vorstandschef der TV-Produktions�rma MME. Der Text ist ein Auszug Ranicki und sein „Literarisches Quartett“, eine Mischung aus Literaaus seiner Rede anlässlich der Verleihung des Deutschen Kulturförderpreises 2009.


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plus regional 44 | www.crescendo.de 06 2009

Fotos: Lukas Beck (2); Maike Helbig; Jürgen Hasenkopf

Dirigent Adam Fischer: „Unser Stil basiert auf einer lebendigen Tradition.“

Ö ST ERREICHISCH-UNGARISCHE HAYDN-PHIL H A R M O N I E I M H AY D N - JA H R :

Mehr Haydn geht nicht! Adam Fischer geht mit Musikern aus Österreich und Ungarn voller Leidenschaft auf Deutschland-Tournee. Vor zwei Jahren feierte die Österreichisch-Ungarische HaydnPhilharmonie ihr 20-jähriges Bestehen. Der Dirigent und Gründer Adam Fischer hat auch zum Ende des Haydn-Jahres die besten Musiker Österreichs und Ungarns zusammengeführt, um das Werk des großen Komponisten ins Zentrum seiner Programmplanung zu stellen.

Rechtzeitig zum Finale des Haydn-Jahres verlässt das Orchester seinen eigentlichen Stammsitz, den Haydnsaal in Schloss Esterházy im österreichischen Eisenstadt. Vom . bis . November ist der Dirigent Adam Fischer mit seinem Orchester in Deutschland auf Tournee (genaue Termine siehe Kasten). Neben Werken von Joseph Haydn stehen zusätzlich Kompositionen von Wolfgang A. Mozart, Felix Mendelssohn und Carl Maria von Weber auf dem Programm. Die Solisten Sharon Kam, Klarinette und Gabor Boldoczki, Trompete sind die bekannten Stars unter den Musikern.

„Unser Stil basiert auf jener lebendigen Tradition des österreichisch-ungarischen Musizierens. Wir kultivieren unser eigenes ‚Lokalkolorit‘, einen Fluss von Rubati, Akzenten und so weiter, der Haydns Musik lebendig macht und dem Spiel Dramatik verleiht“, sagt Adam Fischer und beschreibt damit den musikalischen Ansatz seines Orchesters. „Und zu guter Letzt ist unser Spiel doch nur authentisch, wenn wir im Zuhörer die gleichen Gefühle hervorrufen wie die Musik vor zweihundert Jahren. Da unser Wahrnehmungssinn weitaus größere Veränderungen als die Instrumente erfahren hat, reicht es beileibe nicht aus, den Klang wieder zu erschaffen und damit die gleiche emotionale Wirkung hervorrufen zu wollen.“ „Die Tatsache, dass die Musiker der Haydn-Philharmonie, die fast alle Mitglieder der großen Wiener und Budapester Orchester sind, neben ihren Diensten in ihrer Freizeit das machen, was sie eigentlich täglich tun – nämlich wieder Orchester zu spielen – spricht für die


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HAPPY BIRTHDAY Die Deutsche Grammophon wird 111

ansteckende Musizierlust und die Verbundenheit zwischen den Musikern und Adam Fischer“, so der Geschäftsführer Géza Rhomberg. Das diesjährige Haydn-Jubiläumsjahr ist nach der erfolgreichen Jubiläumssaison  eine ungleich größere Herausforderung für die Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie – ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Orchesters. Trotz seiner im September  begonnenen Tätigkeit als Musikdirektor der Ungarischen Staatsoper hat sich Adam Fischer auch im Haydn-Jahr die Zeit genommen, fast alle Konzerte der Haydn-Philharmonie selbst zu dirigieren. Gastdirigenten wie Christopher Hogwood oder der Spezialist für Alte Musik Jordi Savall gestalteten die wenigen Ausnahmen. Rund  Konzerte führen das Orchester im Herbst  in zahlreiche renommierte Konzertsäle Europas und Asiens. Den Jahresabschluss bildet eine Reise nach Korea und Japan mit Auftritten unter anderem im Seoul Arts Center und der Suntory Hall Tokyo gemeinsam mit dem Cellisten Mischa Maisky und dem Trompeter Hans Gansch. Anlässlich des Konzertes in der Suntory Hall Tokyo wird das Auftragsviolinkonzert „Hommage an Joseph Haydn“ des österreichischen Komponisten Helmut Schmidinger uraufgeführt werden. So spannt die Haydn-Philharmonie nicht nur eine Brücke zwischen Österreich und Ungarn, sondern auch zwischen Ost und West und Alt und Neu. //

Adam Fischer – live und auf DVD „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn – eingespielt im Haydnsaal von Schloss Esterházy – mit der Haydn-Philharmonie und den Solisten Thomas Quasthoff, Annette Dasch und Christoph Strehl ist nun als DVD bei medici arts / Euroarts erschienen. www.medici-dvd.com Die Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie ist in Wilhelmshaven (3.11.), Hamburg (4.11.), Braunschweig (5.11.), Kassel (6.11.) und Düsseldorf (7.11.) live zu erleben. www.haydnphil.com

GUTE KARTEN

Four Seasons lädt zu Stradivaris in Florenz Eines der schönsten Hotels weltweit, das Four Seasons Hotel Florenz, bietet im November ein ganz besonderes Arrangement für Liebhaber klassischer Musik: Gäste des Hotels haben die Möglichkeit, einem exklusiven Kammerkonzert mit Streichinstrumenten des größten Geigenbauers aller Zeiten, Antonio Stradivari, vor einer eindrucksvollen Kulisse zu lauschen. Das Wohltätigkeitskonzert zugunsten des Maggio Musicale Festivals findet am . November  vor Michelangelos „David“ in der Galleria dell’Accademia statt. Neben Stradivaris der Nippon Music Foundation kommt die Stradivari Archinto zum Einsatz. Die einzigartige Bratsche ist eines der berühmtesten Musikinstrumente und im Besitz der Royal Academy of London. Das Hotel organisiert für seine Gäste Tickets der besten Kategorie. A nschließend steht ein Dinner-Empfang mit den Musikern im geschichtsträchtigen Das Four Seasons in Florenz Medici-Palast Palazzo Tornabuoni auf dem Programm. Reservierungen können telefonisch unter der kostenlosen Hotline -  oder direkt im Hotel unter   1 getätigt werden. www.fourseasons.com/florence //

Foto: Barbara Kraft

Sharon Kam (oben) und Gabor Boldoczki begleiten die Haydn-Philharmonie auf Deutschland-Tour.

Ihre Geschichte ist einmalig, denn sie geht bis in die Anfänge der Tonaufnahme zurück: Die Deutsche Grammophon, das älteste Klassik-Label der Welt, wurde im Jahr 1 von Emil Berliner und seinem Bruder Joseph gegründet. Emil gilt auch als Erfinder der Schallplatte und des Grammophons. Bereits im Jahr 1 ist die Firma als Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in Berlin registriert und unterhält Niederlassungen in den USA und England. Der erste „große“ Künstler, der für die Deutsche Grammophon eine Aufnahme macht, ist Enrico Caruso. Ihm folgten Stars von Vladimir Horowitz bis Anna Netrebko. Zum Geburtstag gibt es zwei limitierte Jubiläumseditionen: Die Das alte und neue DeutCD-Edition „111 Meisterwerke“ und die sche Grammophon Logo DVD-Edition „11 Filme“. Beide Editionen sind ab Oktober im Handel erhältlich. //


plus regional | 46 www.crescendo.de 06 2009

Oktober/November: Diese Termine sollten Sie PREMIEREN 15.10. Luzern/Theater (CH) Schnee Schauspiel nach dem Roman von Orhan Pamuk 15.10. Wien/Theater an der Wien (A) Tancredi/Gioacchino Rossini 15.10. Ulm/Theater Cinderella/Sergej Prokofjef

23.10. Gera/Theater Wallenstein Oper von Jaromír Weinberger

30.10. Hellerau/Großer Festspielsaal Das kalte Herz (UA) Musikalische Performance

7.11. Bielefeld/Stadttheater Der Stern (L‘ Etoile) Oper von Emmanuel Chabrier

23.10. Basel/Theater (CH) Jekyll und Hyde Robert Woelfel nach dem Roman von R.L. Stevenson

31.10. Zürich/Opernhaus (CH) Raymonda/Alexander Glasunow

8.11. Basel/Theater (CH) Aus einem Totenhaus/ Leoš Janácˇek

24.10. Ulm/Theater Schwergewicht oder Die Ehre der Nation/Ernst Krenek (Oper)

31.10. Solothurn/Theater (CH) Alexandre bis & L‘Heure espagnole Opera buffa von Bohuslav Martinu & Comédie musicale von Maurice Ravel

24.11. Bern/Stadttheater (CH) My Way/Andy Hollwax (WA), The true story of Frank Sinatra and Ava Gardner

KONZERTE

8.11. Altenburg/Landestheater Scharlatan (DE) Oper von Pavel Haas

13.10. München/Jesuitenkirche St. Michael „Die Kunst der Improvisation“ im Rahmen des Internationalen Orgelfestivals

12.11. Wien/Theater an der

15.10. Klagenfurt/Stadttheater (A) Im Garten des Eiffelturms / 3 Tage/Silke Tebel-Haas (UA)

13.10. Berlin/Konzerthaus Daniel Müller-Schott & Robert Kulek, Juwelen der Kammermusik

17.10. Zürich/Opernhaus (CH) Madama Butterfly/ Giacomo Puccini

14.10. Hamburg/Laieszhalle Ludovico Einaudi

17.10. Wien/Volksoper (A) Rigoletto/Giuseppe Verdi

14.10. Wiesbaden/Hessisches Staatstheater Gautier Capuçon, Ltg.: Fabrice Bollon

17.10. St.Gallen/Theater (CH) Medea in Corinto Oper von Giovanni Simone Mayr

15.10. Berlin/Philharmonie Janine Jansen, Berliner Philharmoniker & Daniel Harding spielen Bartók, Britten & Strauss

17.10. Innsbruck/Tiroler Landestheater (A) Olé! Es lebe das Leben! (UA), Tanzstück mit Musik von u. a.: Debussy, Ravel & Saint-Säens 17.10. Bremerhaven/Stadttheater Die Leiden des jungen W./ Ulrich Plenzdorf 17.10. Augsburg/Theater Don Carlos/Giuseppe Verdi 17.10. Altenburg/Landestheater Heimat `09 (UA), 10 Szenen an einem Theaterabend

München Ein grosser Brocken für Ausführende und Zuhörer. Ein teurer Spaß für den Veranstalter, u.a. drei Chöre werden benötigt. Hier kriegt man was für seine Rundfunkgebühren. Mariss Jansons dirigiert die Gurre-Lieder von Arnold Schönberg. Am 22./23.10. im Gasteig. www.brklassik.de

Pina Bauschs Sacre du printemps/Das Frühlingsopfer und The Cutman/Nicholas Pierpan (Theater) 24.10. Linz/Landestheater (A) Delirium zu zweit: Ein privater und ein gesellschaftlicher Krieg 24.10. Frankfurt/Oper La Bohème/ Giacomo Puccini (WA) 24.10. Bern/Stadttheater (CH) Hänsel und Gretel/ Engelbert Humperdinck 24.10. Berlin/Staatsoper unter den Linden Simon Boccanegra/ Giuseppe Verdi

31.10. Linz/Landestheater (A) Das Land des Lächelns, Romantische Operette von Franz Lehár 31.10. Gießen/Stadttheater Der geheime Garten/Lucy Simon Ltg.: J. Hoffmann 1.11. Berlin/Komische Oper Die rote Zora, Familienoper nach Emil Zola ab 8 Jahren 1.11. Basel/Theater (CH) Eine Familie Schauspiel von Tracy Letts

24.10. Baden/Stadttheater Hoffmanns Erzählungen, Fantastische Oper von Jacques Offenbach

1.11. Annaberg-Buchholz/Eduard-Von-Winterstein Theater Der Zauberer von Oss Musical nach dem Roman von L. Frank Baum

Und danach: Ausatmen bei einem kleinen Gang über die Isar ins Porta Capuana. Hohe italienische Qualität zu fairen Preisen. www.porta-capuana.com

25.10. Wien/Volksoper (A) Häuptling Abendwind oder Das gräuliche Festmahl, Operette von Jacques Offenbach

3.11. Wien/Neue Oper (A) Schlafes Bruder Oper von Herbert Will, nach dem Roman von Robert Schneider

18.10. Salzburg/Landestheater Marilyn, Ein Ballett von Peter Breuer & Andreas Geier

25.10. Bonn/Opernhaus Rigoletto/Giuseppe Verdi 25.10. Aachen/Theater Pelléas und Mélisande/ Claude Debussy

4.11. Bern/Stadttheater (A) Der goldene Drache/Roland Schimmelpfennig

18.10. Frankfurt/Oper Die Frau ohne Schatten/ Richard Strauss (WA) 22.10. Berlin/Neukölner Oper Der Fall Rigoletto, Ein Vatikan-Krimi mit Musik 23.10. Wien/Staatsoper (A) Lady Macbeth von Mzensk/ Dmitri Schostakowitsch

27.10. Gießen/Stadttheater Die große Erzählung/Bruno Stori Regie: Chr. Lugerth 29.10. Solothurn/Theater (CH) Die Odyssee Schauspiel von Ad de Bont 29.10. Klagenfurt/Stadttheater (A) Sweeney Todd – Der Teufelsbarbier aus der Fleet Street

5.11. Gießen/Stadttheater Die 39 Stufen/John Buchan & Alfred Hitchcock Inszenierung: M. Niemeyer 5.11. Altenburg/Landestheater Das Opernschiff oder am Südpool, denkt man, ist es heiß Oper für Kinder & Erwachsene von Elke Heidenreich 6.11. Bern/Stadttheater (CH) Der Gott des Gemetzels/ Yasmina Reza

Wien (A) Der Prinz von Homburg Oper von Hans Werner Henze 12.11. Berlin/Neukölner Oper Stadt der Hunde Oper von Sinem Altan 14.11. Salzburg/Landestheater (A) Reinhardt (dt. EA), Schauspiel von Michael Frayn 14.11. Klagenfurt/Stadttheater (A) Peter Pan Märchen von James Matthew Barrie, dt. von Erich Kästner 15.11. Linz/Landestheater (A) Das Dschungelbuch/ Rudyard Kipling 20.11. Gießen/Stadttheater C´est la vie/David Williams & Tarek Assam (UA) 20.11. Gera/Theater Menschensohn/ Gregor Seyffert (UA) 21.11. Wien/Volksoper (A) Carmen/Davide Bombana 21.11. Baden/Stadttheater (A) Hänsel und Gretel, Märchenoper von Engelbert Humperdinck 22.11. Zürich/Opernhaus (CH) Il Corsaro/Giuseppe Verdi 22.11. Graz/Opernhaus (A) Die Fledermaus/Johann Strauß Komische Operette 22.11. Frankfurt/Oper Die tote Stadt/Erich Korngold 22.11. Berlin/Komische Oper Lear/Aribert Reimann

Foto: Laszlo Szito

17.10. Luzern/Theater (CH) Die Fledermaus/Johann Strauß

17.10. München/Schloss Nymphenburg Mozart-Nacht im Rahmen der Nymphenburger Schlosskonzerte 18.10. München/Residenz Die Schöpfung/Joseph Haydn 19.10. Köln/Philharmonie Lucia Aliberti 20.10. Wien/Theater an der Wien (A) The Othello Syndrome, Musik von Uri Caine nach Giuseppe Verdi 20.10. Oberhausen/KönigPilsener-Arena Riverdance, die weltberühmte Tanzformation auf Abschiedstournee 21.10. München/Ampere San Glaser, Neue Jazzreihe „Mad About Jazz“ 21.10. Bremen/Die Glocke Jan Garbarek Group, GLOCKE JAZZnights 21.10. Neustrelitz/Landestheater Peter und der Wolf, Ein musikalisches Märchen von Sergej Prokofjew 22.10. München/AllerheiligenHofkirche Elisabeth Kulman & Amarcord Wien, Lieder von Gustav Mahler 22.10. Baden-Baden/Festspielhaus Jonas Kaufmann & die Staatskapelle Weimar 24.10. Murnau/Kultur- und Tagungszentrum Enrico Rava & Stefano Bollani (Trompete & Piano), grenzenlos Weltmusikfestival Murnau 24.10. Garmisch-Partenkirchen/ Richard-Strauss-Institut Christoph Hartmann & Hansjacob Staemmler, Kammerkonzert 25.10. München/Prinzregenten-


www.crescendo.de 06 2009 47 | plus regional

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nicht versäumen Die politischen Gedenktage in diesem Jahr bestimmen das Thema der 34. Fränkischen Musiktage Alzenau. Unter der Überschrift „Geist der Freiheit – Freiheit des Geistes“ spürt der Bürgerrechtler und Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels Friedrich Schorlemmer gemeinsam mit dem Süddeutschen Kammerchor und der Mannheimer Hofkapelle Aspekten von Luthers Freiheitsbegriff in Bachs „Johannespassion“ nach. Am 14. November bringt Concerto Köln (Ltg.: Gerhard Jenemann) Johann Christian Bachs Mailänder Vesperpsalmen zur Erstaufführung. Auch der traditionelle Fokus des Festivals, die Förderung von Nachwuchskünstlern, kommt nicht zu kurz. Neben Solorecitals mit der Geigerin Vilde Frang und der Pianistin Mona Asuka Ott werden sich Kammermusik-Akademien, geleitet von Peter Buck und Ana Chumachenco, mit den Streichquartetten und -oktetten von Spohr, Milhaud und Mendelssohn beschäftigen. Alzenau, 17.10. bis 23.11., www.fraenkische-musiktage.de

41. Würzburger Bachtage Die diesjährigen Würzburger Bachtage stehen ganz im Zeichen von Johann Sebastian Bach und Anton Bruckner. In 15 Veranstaltungen werden Parallelen und Unterschiede der Komponistenpersönlichkeiten zum Thema. Veranstaltungsorte sind die St. Johanniskirche, der St. Kilians-Dom, die Stephanskirche, die Hochschule für Musik sowie der Toskana-Saal der Residenz. Auf dem Programm stehen Oratorien, Orgel- und Kammermusik, Bachkantaten im Gottesdienst und ein CrossOver-Konzert. Ein Vortrag über Bach und Bruckner sowie Orgelführungen für Kinder runden das Programm ab. Würzburg, 21. bis 30.11., www.bachtage-wuerzburg.de

Sehr persönlich Komponist Harald Weiss widmete dem Knabenchor Hannover unter dem Titel „Schwarz vor Augen und es ward Licht!“ in Form eines Requiem, seine sehr persönliche Annäherung an das Mysterium Tod. Die traditionelle Liturgie des Requiems verbindet er mit Texten von Eichendorff, Rilke, Hesse, Tagore und auch mit Bibelversen. Dabei erinnert seine Tonsprache an die Musik von Arvo Pärt und Carl Orff. Am 31. Oktober gelangt das Werk mit dem Knabenchor Hannover und der NDR Radiophilharmonie unter der Leitung von Jörg Breiding im Großen Sendesaal des NDR zur Uraufführung. Hannover, NDR-Sendesaal, 31.10., www.knabenchor-hannover.de

Musica Adventus

Aula der Schule

Sonntag, 29. Nov. (erster Advent), 16 Uhr Das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau intensiviert Kontakte   Weihnachtlich-beschwingter Advent mit Max Greger jr. & Band zur regionalen Musikszene und setzt Samstag, 12. Dez., 20 Uhr bewusst auf Synergien mit den Musikschaffenden vor Ort. So entstand die Michael Lerchenberg liest Ludwig Thoma   Idee, bei einem Adventskonzert mit Musik: crème duett dem Kammerchor Bad Brückenau zuSamstag, 19. Dez., 19.30 Uhr sammen zu arbeiten. Gemeinsam wird Wolf Euba liest bairische Autoren das Oratorium „Die Kindheit Jesu“   Musik: Unterbiberger Hofmusik von Johann Christoph Friedrich Bach  aufgeführt. Als Kontrast dazu erklingt unter dem Motto „Musica Adventus“ das gleichnamige Werk des lettischen Komponisten Pēteris Vasks von 1996. 1 21.09.2009 19:50:22 Uhr Wolfram Christ, Bratscher und ufg_advent09_92x63.indd „Or2010 chestererzieher“, dirigiert in der Stadt14,50 Euro Viel pfarrkirche St. Bartholomäus. Kultur fü wenige r r Geld! Bad Brückenau, 28.11., www.kammerorchester.de 14,50 Euro

Mozart in allen Facetten Facettenreich und spannend wird das 34. Schwetzinger Mozartfest werden. In diesem Jahr wurden Interpreten eingeladen, die Mozart in ihren Programmen in Beziehung zur Musik des zeitgenössischen finnischen Komponisten Magnus Lindberg stellen. Durch diese Konfrontation wird dem Publikum die Basis für ein neues spannendes Hörerlebnis mit der Musik Mozarts geschaffen. Verdeutlicht sich doch, wie modern Mozarts Musik seinerzeit war und wie sehr die zeitgenössische Musik trotz ihrer modernen Sprache auf klassischen Füßen steht. Mozart als Gegenstand hintersinniger Plaudereien im klassischen Musik-Kabarett, Mozart swingend zwischen Klassik und Jazz, schließlich Mozarts „Don Giovanni“ in einer für Schwetzingen inszenierten Aufführung des Pfalztheaters Kaiserlautern und der Auftritt der Stipendiaten der Jürgen Ponto-Stiftung runden das Programm ab. Schwetzingen, Schloss, bis 18.10., www.mozartgesellschaft-schwetzingen.de

Schubertiade Hohenems Wer zur Schubertiade, dem größten Festival rund um Franz Schubert, kommt, darf als erklärter Liebhaber der Kammermusik und Liedkunst besondere Kunstgenüsse erwarten. So auch in Hohenems, wo sechs Konzerte mit den Interpreten Daniel Müller-Schott, Till Fellner, Uwe Heilmann, dem Hagen Quartett, dem Kuss Quartett sowie Baiba und Lauma Skride auf dem Programm stehen. Die Konzerte finden alle im Markus-SittikusSaal statt. Der unter Denkmalschutz stehende Saal wurde 2005 von der Schubertiade liebevoll renoviert und steht seither ergänzend zum AngelikaKauffmann-Saal in Schwarzenberg als Aufführungsort zur Verfügung. Hohenems, 15. bis 18.10., www.schubertiade.at

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plus regional | 48 www.crescendo.de 06 2009 Oktober/November: Diese Termine sollten Sie nicht versäumen theater Ivo Pogorelich & Kammerorchster des BR, Werke von Kilar, Chopin, Tschaikowsky 25.10. München/Prinzregententheater Roberto Fonseca 25.10. Augsburg/Theater Mozart für Kinder, Ein theatralischer Streifzug durch Mozarts Leben 26.10. Luxembourg/Philharmonie (L) Edita Gruberova 26.10. Leipzig/Gewandhaus Jessye Norman präsentiert „American Masters“

Händel-Jubiläum 31.10. Ludwigsburg/Forum am Schlosspark Balthasar Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble Ltg.: Thomas Hengelbrock; Bach, Campra, Händel & Vivaldi 31.10. Frankfurt/Alte Oper Tonhalle-Orchester Zürich Ltg.: David Zinman, Radu Lupu (Klavier); Beethoven & Mahler 1.11. Unterschleißheim/Bürgerhaus Ein deutsches Requiem/ Johannes Brahms 1.11. Frankfurt/Alte Oper Klassik am Sonntagnachmittag

8.11. Baden-Baden/Festspielhaus Cecilia Bartoli 9.11. Berlin/Brandenburger Tor 20 Jahre Mauerfall, Staatskapelle Berlin & Daniel Barenboim 9.11. Hamburg/St. Michaelis Kirche Thomas Hengelbrock & Balthasar-Neumann-Chor & -Ensemble 9./10.11. Ludwigshafen/BASFFeierabendhaus, Rudolf Buchbinder, Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

27.10. Basel/Musical Theater (CH) West Side Story

3.11. Leer/Ems-Aula Mandelring-Quartett

29.10. Baden-Baden/Festspielhaus Wiener Philharmoniker & George Prêtre 30.10. St.Gallen/Theater (CH) Haydn Trio Eisenstadt 30.10. Luxembourg/Philharmonie (L) Hommage à Klaus Nomi - a songplay in nine fits 30.10. Baden-Baden/Festspielhaus Sol Gabetta & Kammerorchester Basel 31.10. Unterföhring/Schule Lieder der Romantik mit dem Münchner Madrigalchor 31.10. München/Schloss Nymphenburg Wassermusik/ Händel Barockfest zum 250.

26.11. Frankfurt/Alte Oper Baiba & Lauma Skride Schubert, Szymanowski & Beethoven

Wuppertal Das Tanztheater Wuppertal lebt weiter, hoffentlich noch lange. Die legendäre Choreographie des „Sacre du printemps“ von Pina Bausch ist wieder zu erleben ab 22.10. im renovierten Opernhaus. Dieses besondere Erlebnis ist jede Reise wert! www.pina-bausch.de

10.11. München/Prinzregententheater Dorothee Oberlinger

Foto: Salzburger Festspiele 09 Sebastian Hoppe

Ein Konzert für Jugendliche und ihre Eltern

29.10. Luxembourg/Philharmonie Katja & Marielle Labèque spielen Debussy & Albéniz

17.11. Zürich/Theater 11 (CH) Tanguera, das erfolgreichste argentinische Musical

Und danach mit dem Auto zum besten Italiener der Stadt in die Jugendstilvilla Scarpati. www. scarpati.de

26.10. Frankfurt/Alte Oper Königliche Philharmonie von Flandern Collegium Vocale Gent, Coro dell‘ Accademia Chigiana, Ltg.: Philippe Herreweghe

28.10. Bern/Stadttheater (CH) La Bohème en Chansons, Ein französischer Abend mit Rotwein und Chansons

24.11. Leverkusen/Forum Mendelssohn: Elias, Das Neue Orchester, Chorus Musicus Köln

17.11. Bonn/Kulturkirche Angel Affair: Mulo Francel & Nicole Heartseeker

Stephanie Schönfeld kämpft in Stuttgart als Judith gegen die männliche Überlegenheit.

28.10. München/Residenz Hélène Grimaud & Jan Vogler, Kammermusikabend

16.11. Ludwigshafen/BASF-Feierabendhaus, Grigory Sokolov spielt Schubert & Schumann

2.11. Köln/Philharmonie Renaud Capuçon, MCO Academy, Mahler Chamber Orchestra, Ltg.: Daniel Harding

Berlin Claudio Abbado hat den Maßstab gesetzt für diese tolle VerdiOper, auch auf CD als Appetitanreger. Spannung verspricht ein neuer Bariton. Plácido Domingo beginnt seine Simone Boccanegra-Welttournee an der Staatsoper am 24.10. Die Met, Covent Garden etc. folgen. Mit Anja Harteros unter Daniel Barenboim. www.staatsoper-berlin.de Und danach: Ein zehnminütiger Spaziergang ins Grill Royal zu einem schönen Stück Fleisch. www.grillroyal.com 3.11. Berlin/Philharmonie Galakonzert „Debüt in Deutschlandradio Kultur“ mit Isabelle Faust, Baiba Skride, Francois Leleux, Martin Helmchen u.v.m 4.11. Berlin/Philharmonie Plácido Domingo & Daniel Barenboim

12.11. München/Prinzregententheater Julian Rachlin (Violine) & Itamar Golan (Klavier) 12.11. München/Residenz Martin Helmchen spielt Bach, Mozart & Schubert 12.11. Bregenz/Festspielhaus (A) Dido und Aeneas/Henry Purcell, New London Consort, Ltg.: Philip Pickett 13.11. Frankfurt/Alte Oper Musical Diva Anna Maria Kaufmann live mit Band 13. 11. Leverkusen/Erholungshaus, Benefizkonzert mit den Bayer Philharmonikern, Almuth Siegel, Valentin Radutiu 14.11. Hamburg/Club Au Quai Alexandre Paley, im Rahmen der Veranstaltungsreihe NACHTSALON 14.11. Hamburg/CCH Saal 2 Der kleine Medicus, Stück nach Dietrich Grönemeyers Bestseller

18.11. Wien/Konzerthaus (A) Chen Reiss Schubert - Lieder mit Orchester 18.11. Hamburg/Laieszhalle Nikolai Tokarev 18.11. Hamburg/Color Line Arena Adoro 19.11. Berlin/Philharmonie Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Charles Dutoit & Martha Argerich spielen Weber, Schumann, Rachmaninow & Ravel 20.11. Leipzig/Gewandhaus Lisa Batiashvili, Gewandhausorchester, Ltg.: Lawrence Foster 21.11. Hamburg/St. Michaelis Kirche Chen Reiss Ein deutsches Requiem/Johannes Brahms, St. Michaelis Chor, Ltg.: Christoph Schoener 21.11. Frankfurt/Alte Oper Academy of St Martin in the Fields Murray Perahia (Klavier und Leitung), Bach & Mozart 22.11. München/Schloss Nymphenburg Rossinis Meisterwerke, Arien von Gioacchino Rossini 22.11. München/Prinzregententheater Rudolf Buchbinder spielt sämtliche BeethovenKlaviersonaten 22.11. Hamburg/Laieszhalle Philippe Jaroussky & das Concerto Köln

14.11. Garmisch-Partenkirchen/ Richard-Strauss-Institut Guido Schiefen & Olaf Dreßler, Kammerkonzert

22.11. Frankfurt/Alte Oper Diana Damrau & Helmut Deutsch Lieder von Strauss, Bell, Debussy & Fauré

15.11. Frankfurt/Alte Oper 10 Jahre JAZZnights Wayne Shorter Quartet

24.11. München/Jüdisches Zentrum Jakobsplatz Richard Strauss & Sarah Nemtsov

15.11. Echternach/Trifolion (L) The Spirit of Klezmer, Giora Feidman Trio & Special guest

24.11. Frankfurt/Alte Oper Sax Allemande Kagel & Bach

28.11. Garmisch-Partenkirchen/ Kongresshaus Sinfoniekonzert der Münchner Symphoniker, mit Werken von Beethoven & Mendelssohn Bartholdy

FESTSPIELE/ FESTIVALS bis 13.10. Sommer Oper Bamberg bis 16.10. Settimane Musicali di Ascona (CH) bis 18.10., Thüringen Güldener Herbst bis 18.10. 34. Schwetzinger Mozartfest bis 31.10. Filmatelier Thiersee (A) bis 1.11., Weißenfels/ Bad Köstritz/Dresden Mitteldeutsche HeinrichSchütz-Tage bis 8.11., Palma de Mallorca (E) Festival MúsicaMallorca bis 25.11. Luxembourg Festival (L) bis 28.11. Braunschweig Classix Festival bis 31.12., Hainburg (A) Phänomen Haydn 14.10. - 18.10., Winterthur (CH) Internationales Festival der Unterhaltungsmusik 15.10. - 18.10. Schubertiade Hohenems (A) 15.10. - 28.11., Bad Kissingen Kissinger Kabarettherbst 16.10. - 18.10. Donaueschinger Musiktage 17.10. - 23.11. Fränkische Musiktage Alzenau Festival der Jungen 23.10. - 25.10. Weltmusikfestival Murnau 27.10. - 1.11. Wittenberger Renaissance Musikfestival 29.10. - 8.11. Salzburger Jazz-Herbst (A) 29.10. - 21.11. Kasseler Musiktage 30.10. - 1.11., Dresden Mitteldeutsche HeinrichSchütz-Tage 21.11. - 29.11. Würzburger Bachtage 23.11. - 29.11. LUCERNE FESTIVAL am Piano (CH)


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Im Kontrast Was bedeutet das Phänomen der Jubiläumskultur, die die heutige Kulturpraxis prägt? Im Gedenkjahr für Händel, Haydn, Spohr und Mendelssohn soll bei den Kasseler Musiktagen nicht ein Jubilar im Mittelpunkt stehen, sondern potentiell alle. So werden dem Jubiläumsprogramm zwölf Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten gegenüber gestellt. Unter dem Motto „Haltet die Zeit! “ soll der Wert des Vergangenen für unsere Gegenwart dingfest gemacht werden und der kausale Zusammenhang, der unsere Kultur beherrscht und prägt, nämlich der zwischen Fortschritt und Musealität, unmittelbar erfahrbar gemacht werden. Zu Gast sind das hr-Sinfonieorchester, das Leipziger Streichquartett, das Ensemble Modern, Vladimir Stoupel, Adam Fischer, die ÖsterreichischUngarische Haydn Philharmonie, das Münchener Kammerorchester, das Quiroga Quartet, das Auryn Quartett, die Frankfurter Musikhochschule und viele andere. Kassel, 29.10. bis 15.11., www.kasseler-musiktage.de

Triumph des Schwachen Mit „Judith“ nähern sich die Stuttgarter Ensembles von Oper und Schauspiel der biblischen Gestalt Judith und dem Triumph des Schwachen über das Starke. Hebbels gleichnamiges Drama, Texte von Anne Tismer und aus dem „Buch Judit“ sowie Vivaldis Festmusik „Juditha triumphans“ von 1716 bilden die Bausteine von Sebastian Nüblings szenischer Arbeit. Dabei arbeitet er erstmals Sparten übergreifend sowohl mit Sängern, Schauspielern als auch dem Orchester Il Gusto Barocco zusammen. Das Barock-Ensemble gründet sich für diese Inszenierung und wird auch künftig in Stuttgart eine Konzertreihe gestalten. Entwickelt wurde „Judith“ als Koproduktion mit den diesjährigen Salzburger Festspielen. Stuttgart, Schauspielhaus, bis 29.3.10, www.staatstheater.stuttgart.de

Junge Klassik Andreas Scholl – Weltstar, Countertenor, Grammy-, ECHO- und BritAward-Gewinner – arbeitet seit vielen Jahren mit dem Countertenor Roland Kunz (Orlando) und dessen Band „Orlando & die Unerlösten“ zusammen. Die beiden Countertenöre hatten vor einigen Jahren bei einem gemeinsamen Barock-Projekt mit Philippe Herreweghe den Plan gefasst, Songs und Duette zu schreiben. Aus dem Plan wurde klingende Realität. Nun haben die beiden Countertenöre unter dem Motto „Great Storms“ ein ganz besonderes Programm geschmiedet: Sinfonische Duette von und mit Scholl und Orlando eingebettet in FilmmusikKlassiker. Das einstündige, moderierte Konzert der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern

Salzburger Jazz-Herbst VeranstaltungsGmbH. &

unter der Leitung von Gast Waltzing findet in der Reihe „Musik für junge Ohren“ statt und richtet sich an Schüler ab 12 Jahren. Am Abend desselben Tages können jedoch auch Erwachsene das (erweiterte) Programm in der Congresshalle erleben. Saarbrücken, Congresshalle 20.11., www.drp-orchester.de

Für einen guten Zweck Das diesjährige Benefizkonzert der Audi Bläserphilharmonie wird zugunsten der KlinikClowns veranstaltet. KlinikClowns versuchen, kranken Kindern den Heilungsprozess im Krankenhaus zu erleichtern und durch Lachen den Heilungsprozess zu fördert. Die Audi Bläserphilharmonie unter der Leitung von Christian Lombardi spielt bekannte Klassiker von Jacques Offenbach und Antonín Dvořák sowie Populäres aus Musical und Film von Andrew Lloyd Webber, Freddy Mercury und anderen. Der Eintritt ist frei. Die Besucher können jedoch vor Ort für die KlinikClowns spenden. Ingolstadt, Festsaal, 30.10., www.audi.de/kultur.

Schütz und Schlesien Fast 60 Jahre stand der „Vater der deutschen Musik“, Heinrich Schütz, als Hofkapellmeister in Kursächsischen Diensten. Als wichtige „Schütz-Stadt“ der Neuzeit gewann Dresden ihren Ruf im 20. Jahrhundert mit der SchützPflege des Dresdner Kreuzchores unter Rudolf Mauersberger. Seit 1998 wird mit den „Mitteldeutschen Heinrich Schütz Tagen“ an Leben und Werk des großen Komponisten erinnert. Die Konzerte und Vorträge stehen in diesem Jahr unter dem Thema „Heinrich Schütz und Schlesien“. Zu erleben sind u.a. die Cappella Sagittariana Dresden, das polnische Ensemble Ars Cantus, der Schauspieler FriedrichWilhelm Junge und das Sächsische Vocalensemble. Dresden, 30.10. bis 1.11., www.dresdner-hofmusik.de

Adel verpflichtet Die aktuelle Spielzeit am Theater Erfurt steht unter dem Motto „Adel verpflichtet“. Nach Mozarts „Hochzeit des Figaro“, in der die moralische Integrität eines Grafen auf den Prüfstand kam, wird in der „Csárdásfürstin“ die Geschichte der Varietésängerin Sylva und ihrer durch viele Operettenwidrigkeiten hindurch hart auf die Probe gestellten Liebe zu Edwin, einem jungen Adligen aus standesbewusstem Haus, erzählt – ohne Zweifel Emmerich Kálmáns populärste Operette. Die Inszenierung von Regisseur Werner Schneyder entstand für das Bremer Theater und ist nun als Koproduktion in Erfurt zu erleben. Erfurt, Theater, 25.10. (P), www.theater-erfurt.de

Sonny Rollin s Cassandra W ilson Blind Boys Of Alabama »Kind Of Blu e« At 50: Jimmy Cobb ‘s So What Band Joe Lovano Nonet Bobby Hutch erson Quart et Ahmad Jam al Quartet Monty Alexa nder Trio Rudi Wilfer: »Requiem Fo r Joe Zawinul « Yaron Herm an Trio James Carter Quintet Norma Win stone Trio Scott Hamilt on Quartet Axel Zwinge nberger Mee ts Lila Ammon s Russell Mal one Quartet Depart Hans Salom on Sextet fe at. Jacqueline Pa tricio Sabina Han k & Band: »Focus On In finity« Cécile Verny Quartet Ines Reiger Quintet feat . Roman Schw aller Roland Neu wirth & Extremschram meln Salesny, Scha bata, Preusc hl & Joos Daniel Schr öckenfuchs Jazz In The Movies: 25 Filme Ausstellung Christian Gra yer: »close up ja zz« Gesangswor kshop Ines Reiger

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lieto fine 50 | www.crescendo.de 06 2009

und zum Schluss:

DANIEL HOPE

Wir sind CD!

schreibt exklusiv in crescendo

Stargagen

Der Bayerische Rundfunk präsentiert mit BR-KLASSIK sein eigenes CD-Label. Ist das gut?

Das Thema ist beileibe nicht neu. Man denke an Klaus Umbachs Report „Geldscheinsonate“ aus den neunziger Jahren, in dem das Millionenspiel mit der Klassik hinlänglich beschrieben wurde. Der ganze Musikbetrieb sei doch nur ein Riesengeschäft, alles drehe sich einzig und allein ums große Geld. Und der schlichte Musikfreund müsse, wenn er ins Konzert geht, an der Abendkasse bluten.

Aber was ist mit den Schwindel erregenden Summen, die für manche internationalen Stars bezahlt werden? Solange die Säle voll waren, hat niemand groß nachgefragt: hohe Gagen wurden gefordert, bezahlt und durch den Ticketverkauf, manchmal aufgestockt durch einen Sponsor, wieder hereingeholt. Aber wenn nicht alles täuscht, ändert sich das allmählich, ausverkaufte Häuser sind keine Selbstverständlichkeit mehr, selbst wenn große Namen auf dem Plakat stehen. Kommt dann noch eine weltweite Finanzkrise hinzu, haben die Veranstalter plötzlich einige Probleme. Darin liegt allerdings auch eine Chance: dass häufiger als bisher auch junge Künstler eine Auftrittsmöglichkeit erhalten könnten. Hervorragende Nachwuchstalente gibt es genug, doch allzuoft warteten sie vergeblich auf ein Engagement, weil nur die ganz großen Namen zählten und die Konzertmanager nur mit ihnen das Publikum locken zu können glaubten. Sie sind aber auch unsere Stars, von morgen. Daniel Hopes neues Buch „Wann darf ich klatschen?” (Rowohlt) ist soeben erschienen. Mehr Infos unter www.klatschen.info oder www.DanielHope.com

Foto: Bayerischer Rundfunk / BR

Dass Komponisten wie Verdi und Richard Strauss schwerreiche Männer wurden, ist ebenso bekannt wie die Supergagen, die Paganini oder Franz Liszt kassierten. George Gershwin nahm 100 bis 200.000 Dollar im Jahr ein und machte damit sogar den geschäftstüchtigen Strawinsky neidisch. Großverdiener in der Musik gab es immer, wie es umgekehrt viele gab, die bettelarm blieben.

„Müssen wir denn alles selbst machen?“ Die Orchester-Chefs Prof. Ulf Schirmer und Mariss Jansons mit Chor-Leiter Peter Dijkstra auf der BR-KLASSIK Pressekonferenz.

Erst kürzlich kritisierte der Bayerische Oberste Rechnungshof die Kosten der zwei Orchester und des Chores des Bayerischen Rundfunks und wollte sie „ausgliedern“ – was einem Ende der renommierten Klangkörper gleichkommen würde. Dennoch, die Überlegung ist nicht unberechtigt: Um Radio zu machen, braucht man kein eigenes Orchester, da reicht eine gut sortierte CD-Sammlung. Aber der BR ist kein Privatsender, sondern hat einen „Kulturauftrag“. Und den erfüllen die renommierten Klangkörper mit großer Leidenschaft. Umso ärgerlicher, dass diese Luxus-Qualität bis auf wenige Ausnahmen auf Nimmerwiedersehen in den BR-Archiven verschwand. Das fand wohl auch Hörfunkdirektor Johannes Grotzky und gründete die Sendereigene Plattenfirma „BR-KLASSIK“ – mit prominenter Unterstützung: Der frühere BMG-Klassik-Manager Stefan Piendl und der langjährige Präsident von EMI Classics, Peter Alward, sind mit an Bord. Die ersten acht CDs (plus eine DVD) liegen bereits in den Regalen. Wir wünschen viel Erfolg!

Impressum Verlag:

Port Media GmbH Senefelderstraße 14, 80336 München Telefon: +49-89-741509-0, Fax: -11 info@crescendo.de, www.crescendo.de Port Media ist Mitglied im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger und im AKS Arbeitskreis Kultursponsoring Herausgeber: Winfried Hanuschik (verantwortlich) hanuschik@crescendo.de Artdirector: Stefan Steitz (verantwortlich) Redaktion: Richard Eckstein Autoren: Pascal Morché, Teresa Pieschacón Raphael, Christoph Schlüren

Chef vom Dienst: Michaela Wurstbauer Textchef:

Robert Kittel plus regional:

Projektleitung: Liselotte Richter-Lux richter-lux@crescendo.de Mitarbeiter dieser Ausgabe: Benjamin-Gunnar Cohrs, Michaela Farmer, Hannah Glaser, Tobias Haberl, Martin Hoffmann, Ioan Holender, Daniel Hope, Vesna Mlakar, Martin Morgenstern, Tom Pfeiffer, Burkhard Schäfer, Antoinette Schmelter de Escobar, Stefan Schmerbeck (crescendoTipps), Paul Schmitt, Uwe Schneider, Thomas Voigt, Michael Bastian Weiß.

Verlagsrepräsentanten: Tonträger: Petra Lettenmeier lettenmeier@crescendo.de Kulturbetriebe: L. Richter-Lux, richter-lux@crescendo.de Hifi & Marke: Heinz Mannsdorff, mannsdorff@crescendo.de Raimund Arntzen, arntzen@crescendo.de Auftragsmanagement: Petra Lettenmeier (verantwortlich) lettenmeier@crescendo.de Gültige Anzeigenpreisliste: Nr. 12 vom 01.09.2008 Druck: Westermann Druck Georg-Westermann-Allee 66 38104 Braunschweig

Das nächste crescendo mit dem Themenschwerpunkt „Farben der Musik“ erscheint am 24. November 2009.

Erscheinungsweise: crescendo erscheint mit sieben Ausgaben pro Jahr und zusätzlichen crescendo-themenspecials. crescendo ist bei Opern- und Konzerthäusern, im Kartenvorkauf und im Hifiund Tonträgerhandel erhältlich. Copyright für alle Beiträge bei Port Media GmbH. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt die der Redaktion wieder. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine Gewähr übernommen. Angabe der Beteiligungsverhältnisse: Gesellschafter der Port Media GmbH: 100 % Winfried Hanuschik, München Abonnement: Abo-Service crescendo Postfach 13 63, 82034 Deisenhofen Telefon: +49-89-8585-3452, Fax: -362452 abo@crescendo.de

Das crescendo premium-Abo umfasst sieben Ausgaben, davon ein Sonderheft „crescendo festspiel-guide“ und zusätzlich sechs exklusive heftbegleitende premium-CDs und kostet 34,- EUR pro Jahr inkl. MwSt. und Versand. Versand ins Europäische Ausland: zzgl. EUR 10,- Bank-/Portospesen Zahlung per Rechnung: zzgl. EUR 5,- Bearbeitungsgebühr. Kündigung: nach Ablauf des ersten Bezugsjahres, jederzeit fristlos. Verbreitete Auflage: 78.709 (laut IVW-Meldung II/09) ISSN: 1436-5529 geprüfte Auflage Beilagenhinweis: Diese Ausgabe enthält das crescendo Themenspecial HighFidelity Herbst/ Winter 2009 sowie eine Teilbeilage des Kissinger Winterzaubers.


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