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06.11.2002

14:16 Uhr

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6 02

B47837 Alle zwei Monate in allen großen Opern- und Konzerthäusern und im CD-Fachhandel

dezember/januar

C06_01_02_51_52_Klebe

< tradition und zukunft marsalis

ramón vargas < angelika kirchschlager < das grieg-trio <

Special: Klassische Geschenke zu Weihnachten Nur hier: Alle Opernpremieren Dezember, Januar, Februar Sonderteil CLASS-Aktuell


C06_01_02_51_52_neu

07.11.2002

10:38 Uhr

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Neue Hör-Erlebnisse CD 61885

VIVALDI-SENSATION, DRITTER TEIL

CHOPIN-MEISTERLEISTUNG Murray Perahia widmet sich auf seiner neuen CD einer Jugendliebe: sämtlichen Chopin-Etüden aus op. 10 und 25 – Höhepunkte virtuoser Klavierromantik. Zu seinem Chopinspiel schreibt die Presse „verblüffend (SZ)“ , „eine Meisterleistung“ (FAZ). Als limitierte Sonderausgabe gibt es jetzt alle fünf herausragenden Bach-CDs Perahias, in einer Box zum Sonderpreis.

CD 87733

Das Venice Baroque Orchestra und ihr Sologeiger Giuliano Carmignola wurden gerade als „Ensemble des Jahres“ mit dem Echo Klassik Preis ausgezeichnet. Ihre Referenzeinspielung von Vivaldis „4 Jahreszeiten“ und ihre CD mit neu entdeckten späten Violinkonzerte Vivaldis gelten als Sensation und als „ein Muss für jeden Vivaldi-Fan“ (Brigitte). Jetzt erscheint der zweite Teil der späten Violinkonzerte Vivaldis wieder als Weltersteinspielung. Wer Vivaldi mag, wird diese CD lieben.

BEZAUBERNDER BACH

CD 89921

CD 89924

Die bezaubernde Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager lässt tiefe Innigkeit mit Temperament und Lebenslust verschmelzen, wenn sie BachArien singt: von dem bekannten „Erbarme Dich...“ (Matthäus-Passion) bis zu seltenen Schätzen wie der Kantate „Vergnügte Ruh“. Begleitet vom Venice Baroque Orchestra – eine Traumkombination hervorragender Musiker hat eine sensible und „traumhafte“ CD geschaffen. „Hinreißend und mit natürlichem Charme.“ (Handelsblatt)

JAHRHUNDERT-TALENT Bereits mit ihren letzten Veröffentlichungen bewies die 22-jährige Geigerin Hilary Hahn eine erstaunliche interpretatorische Reife und Sinn für interessante Zusammenstellungen. Auch auf ihrer neuen CD stellt „das Jahrhunderttalent“ (Süddeutsche Zeitung) wieder eine ausgewählte Kombination von Romantik und Moderne vor: Gemeinsam mit dem Oslo Philharmonic Orchestra unter Marek Janowski und Hugh Wolff interpretiert sie Felix Mendelssohns berühmtes Konzert in e-Moll und das 1. Violinkonzert von Dimitri Schostakowitsch – eine spannende Begegnung.

Die Klassik-CD-Bestsellerliste ab jetzt bei Ihrem Händler und samstags ab 16.00 Uhr zu hören bei

Holen Sie sich die kostenlose CD mit Hörbeispielen aus den Sony Classical CD-Neuheiten. Nur solange der Vorrat reicht. Es genügt eine Postkarte mit Ihrem Absender und dem Stichwort „Hörprobe“ an: Sony Classical, Postfach 110752, 10837 Berlin. Oder ein e-mail an: info@sonyclassical.de


C06_03_Editorial+Inhalt

06.11.2002

18:44 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser! Chefredakteur Arnt Cobbers

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Inhalt Dezember 2002/ Januar 2003

Festspielsommer: 2003 Jetzt schon buchen oder zu Weihnachten verschenken

Bregenzer Festspiele 16.07. bis 18.08.2003

Porträt

Manchmal möchte man verzweifeln! Als ich auf der ECHOGala einen Labelchef fragte, warum er mit zahllosen Wiederveröffentlichungen die eigenen Neuproduktionen in den Schatten stellt, antwortete er mit einem entwaffnend

Nicht von gestern Der Saxophonist Branford Marsalis

4

Gefragt Die Mezzo-Sopranistin Angelika Kirchschlager

6

Mut zum Risiko Das Grieg-Trio

unschuldigen Lächeln: „Wahrscheinlich brauchen wir noch

Interview

Umsatz bis zum Jahresende.“ Klingt da irgendwo ein Kon-

Ein Romantiker Der Tenor Ramón Vargas

12

8

zept durch? Wohl präpariert Steffen Schleiermacher über John Cage

10

CD findet sich auf Seite 13, hinter Filmmusik, alten

Abschied Der Geschäftsführer der Phono-Akademie Werner Hay

11

Schwänken auf DVD und einer All-Star-Pop-Platte, auf der

Thema

zur Begleitung ein Symphonieorchester spielt. Glaubt da

ECHO Klassik 2003. Eine Bilder-Nachlese

jemand an sein eigenes Produkt?

geschenkt

Zwei Tage später lese ich den Neuheiten-Prospekt eines großen deutschen Klassik-Labels: Die erste echte Klassik-

11 14

Westside Story Eintrittskarten von EUR 31,00 bis EUR 165,00 Bregenz Package z.B. – 2 Übernachtungen inkl. Frühstück – 1 Eintrittskarte Kategorie III – 1 Festspielmenü – 1 Bodensee-Erlebnis-Karte ab EUR 390,00 pro Person im Doppelzimmer

Arena di Verona 21.06. bis 31.08.2003

Es weihnachtet sehr…

Am selben Tag höre ich aus einer anderen Firma, zu einer

Premierenspiegel

bestimmten CD hätten sie vermutlich kein Bildmaterial

Kurz und Knapp Das Orpheus-Projekt in Bielefeld Die Verkaufte Braut in Berlin Carmen in Dresden Das Nachlager von Granada in Freiberg und Das Labyrinth in Chemnitz Facing Goya in Karlsruhe Der Fliegende Holländer in Mannheim Don Carlo in Weimar Oper im Nordwesten NRW-Rundschau

mehr, die sei ja schon so alt – nämlich genau ein Jahr. Muss es immer um den schnellen Profit gehen? Nein, dreimal nein! Dass es auch anders geht, glaubt Branford Marsalis, der gerade ein neues Label gegründet hat: „Wenn du an etwas glaubst, investierst du auch.“ So sehen wir das auch. Deshalb haben wir in ein neues Layout investiert. Und zu unserer Freude ist es bei Ihnen auf sehr positive Resonanz gestoßen. Ihre Äußerungen haben

unterwegs

16 18 18 19 19 19 20 20 20 21

22

Reise-Tipps

wir zum Anlass genommen, eine neue Rubrik einzuführen:

Rätsel

24

Leserbriefe. Auf Seite 37 haben wir einige Ihrer Reaktio-

Regional

25

gelesen

37

nen auf unsere Leserumfrage zusammengestellt – und wir hoffen auf weitere Anregungen.

Bücher-Besprechungen

Viel Vergnügen mit dem neuen Crescendo

Klassik Top 20

38

gehört

38

CD-Besprechungen

erlebnis mehrkanal

44

DVD/SACD-Besprechungen

Ihr Arnt Cobbers

high fidelity

47

was? wann? wo?

48

Musiktheaterpremieren von Dezember bis Februar 2003 in der Vorschau Ihre Meinung ist gefragt!

Unter allen Einsendungen zu unserer Leserumfrage

Impressum

44

Leserumfrage

46

auf Seite 46 verlosen wir als Dankeschön 50 hochwertige Klassik-CDs. Sind Sie dabei?

EDITORIAL INHALT

THEMA INTERVIEW PORTRAIT

crescendo 06 2002 3

Aida, Carmen, Nabucco, Rigoletto und Turandot Eintrittskarten von EUR 22,00 bis EUR 184,00 Verona Package z.B. – 2 Übernachtungen inkl. Frühstück – 2 Eintrittskarten für die Arena di Verona – 1 Abendessen im Restaurant „Il Cenacolo“ – 1 Verona Reiseführer ab EUR 290,00 pro Person im Doppelzimmer Informationen und Buchungen unter www.artcities.de oder bei ART CITIES IN EUROPE GmbH, Raitenaugasse 5, D-78462 Konstanz Tel.: 07531-9073-0, Fax: 07531-9073-5 e-mail: tickets@artcities.de. Fordern Sie unseren Informationsflyer an. www.artcities.de – Das Kulturtourismusportal Schicken Sie uns ein E-mail an info@artcities.de mit dem Stichwort CRESCENDO und Sie erhalten regelmäßig Informationen zu interessanten Veranstaltungen und touristischen Angeboten.


06.11.2002

11:40 Uhr

Seite 4

besucht

C06_04_05_Marsalis

Zum Baseball mit Branford Marsalis Von Arnt Cobbers ranford lädt Sie ein zum Baseballspiel. Um

werden. So einfach ist das.“

19 Uhr im Comerica Park-Stadium, weni-

– Und das wird nur Jazz

ge Häuserblocks vom Hotel. Ihre Karte ist

sein? – „Nein, das kann ich

an der Hotelrezeption hinterlegt“, hatte

nicht finanzieren. Ich werde

B

Der Amerikaner Branford Marsalis ist nicht nur einer der wichtigsten Jazz-Saxophonisten. Mit Marsalis Music hat er nun auch sein eigenes Platten-Label gegründet.

die Dame von der Künstleragentur gesagt. Ist sie

Musiker nehmen, von denen ich denke, dass sie wirklich

eigenes Label gegründet? – „Ich hatte keine Wahl. Alle Fir-

aber nicht. Nach langem Hin und Her und mehreren

kreativ sind. Diese Kategorien sind irrelevant für mich.“

men denken in Pop-Kategorien. Es geht nur noch darum,

Telefonaten zwischen Detroit und New York stellt

mehr Käufer für Jazzplatten zu bekommen. Aber wozu?

sich heraus, Marsalis sitzt mit meiner Karte schon

Während sein trompetender Bruder Wynton sich

im Stadium. „Branford erwartet Sie dort am

zum Gralshüter des wahren Jazz aufgeschwungen und als

das so sein? – „Ja, Mann, die Musik ist kompliziert, man

Eingang.“

Leiter des Jazz-Programms am Lincoln Center und Initiator

muss sich mit Jazz beschäftigen. Und das überfordert die

wichtiger Jazz-Dokumentationen enormen Einfluss gewon-

meisten Leute. Selbst in den 60ern wurde Jazz nur in den

nen hat, war Branford immer offen für alles: Er begann bei

kleinen Clubs gespielt. Die Musiker waren cool, Jazz war

Branford Marsalis, der älteste Sohn der berühmten Jazz-Fa-

den als Talentschmiede berühmten Jazz Messengers von

Mode, aber es ging nie um die Musik. Das Time Magazine

milie, ist ein freundlich dreinblickender, jünger als 42 wir-

Art Blakey („Blakey wollte mich nur, damit mein Bruder in

hat mal eine Titelgeschichte mit Thelonious Monk ge-

kender Mann mit Baseballkappe und lässig, aber stilvoll ge-

der Band bleibt. Er hat mich gnadenlos kritisiert, aber er

macht. Musst du mal lesen. Da ist kein einziges Mal von

kleidet. „Das ist das schlechteste Baseballspiel, das ich je

war immer ehrlich, ich verdanke ihm viel.“). Er spielte die

der Musik die Rede.“

gesehen habe – 4. Liga“, sagt er und führt mich auf einen

luziden Sopransolos auf Stings vielleicht schönster CD

Dass er nur für wenige spielt, stört ihn angeblich nicht. „Ich

Platz nahe dem Spielfeldrand, wo schon der Tourmanager

„The Dream of the Blue Turtles“ und flimmerte zwei Jahre

freue mich, wenn Publikum da ist, aber ich spiele nicht fürs

und Pianist Joey Calderazzo sitzen. „Kennst Du Baseball?“

lang als Bandleader in Jay Leno’s Tonight Show über Ame-

Publikum, sondern für meine Mitmusiker. In Roskilde haben

– „Hab’s noch nie gesehen.“ – Also erklärt er‘s mir.

rikas Bildschirme – eine Art Helmut Zerlett der USA, nur

wir mal mit Buckshot LeFonque vor 5000 Leuten gespielt,

Wir gucken fünf Minuten zu, Branford kommentiert fach-

von anderem Kaliber.

es war großartig. Am nächsten Tag standen in Stockholm

männisch, kauft sich und mir Erdnüsse und sagt dann

Mittlerweile hat er (als Leader) 14 Jazz- und zwei Klassik-

50 Leute in einem Riesen-Saal. Mir kamen fast die Tränen,

plötzlich: „OK, wollen wir anfangen?“ Und während rings

CDs gemacht, mehrere Grammys gewonnen, Filmmusiken

aber die Band spielte genauso hart wie am Abend vorher.

um uns das Publikum Homeruns und ähnliches bejubelt

geschrieben und mit seinem Hiphop-Jazz-Projekt Buckshot

Das ist der Unterschied zwischen Musik und Unterhaltung.

und wir vom Stadionsprecher immer wieder zum Aufstehen

LeFonque Verkaufserfolge gefeiert. Und wann immer er

Wir alle in der Band haben eine Verpflichtung uns selbst

Zehn Minuten später treffen wir uns tatsächlich dort.

Jazz war schon immer eine Musik für eine Elite.“ – Muss

und Schreien animiert werden, hält sich Marsalis mein Mikro vor den Mund und antwortet ausgiebig und eloquent auf meine Fragen. Kaum fünf Minuten, und wir sind in einer

„Jazz ist eine Sprache – mit einer definierten Grammatik“

leidenschaftlichen Debatte. „Jazz ist eine Sprache, wie Englisch oder Deutsch, mit einer fest definierten Grammatik. Ich spreche kein Deutsch, aber ich erkenne es, wenn

kann, spielt er Klassik. „Ich bin schließlich mit Oper und

gegenüber. Wenn du für das Publikum spielst, spielst du

ich es höre. Und ich erkenne Jazz, wenn ich ihn höre. Und

klassischer Musik aufgewachsen. Und ich liebe Herausfor-

professionell, aber nicht mit demselben Enthusiasmus.“

wenn ich Jazzmusiker spielen höre, höre ich, ob sie die

derungen. Ich habe in Reggae-Bands gespielt, in Salsa-

Warum machst du CDs? – „Für mich. Mann! Wenn du an

Tradition studiert und verstanden haben oder nicht.“ – Aber

Bands, in Marenge-Bands, für einige Monate habe ich in

etwas glaubst, investiert du. Mir geht es darum, die besten

wo zieht man die Grenze? In den 70ern und 80ern haben

einer Klezmer-Band gespielt. Manche fragen, warum

Platten zu machen, die wir machen können. Und dass wir

sich viele als Jazzmusiker verstanden, die du wohl nicht so

macht der das? Mann, was ist das für eine Frage? Warum

als Firma wachsen, indem die Künstler wachsen. Das ist

nennen würdest. – „Wenn sie es so sehen ist es in Ord-

will jemand als Musiker besser werden?“

etwas, was ich nur noch selten sehe. Nimm fünf Platten

nung, ich bin nicht die Jazz-Polizei. Ich habe eine Band,

Marsalis spricht schnell und engagiert, wenn es um Musik

von einem bekannten Musiker, und er wird auf allen gleich

und die Philosophie, an die ich glaube, schlägt sich nieder

und den Jazz geht. Er hat Spaß am Argumentieren und an

klingen. Kaum jemand versucht noch, ein kompletter Musi-

in der Musik, die ich mache, und sie wird sich niederschla-

der Ironie – und zeigt eine gesunde Portion Arroganz, die er

ker zu sein. Sie versuchen ihre Nische zu finden und zu sa-

gen in den Musikern, die auf meinem Label erscheinen

aber mit viel Charme abfedert. – Warum hast du jetzt dein

gen, das ist meine Nische, ich habe sie erfunden. Und sie

4 crescendo 06 2002

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW

PORTRAIT

PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU

FOTOS: SONY CLASSICAL

Nicht von gestern


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11:40 Uhr

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Wenn du an etwas glaubst, investierst du.

FOTO: JOSEPH ASTOR

besucht

C06_04_05_Marsalis

machen 20 Platten, die exakt gleich klingen. Ich möchte

les ab. Gründet eure Musik auf der Tradition. Wir spielen die

minant. Abgesehen davon, dass er sich als großer Entertai-

aber mit Musikern arbeiten, die ihre Fähigkeiten, ihren

Musik von John Coltrane. Ich weiß, dass ich nicht wie John

ner entpuppt, der das Publikum schon nach der Begrüßung

Horizont erweitern wollen.“

Coltrane klinge. Aber der Grund, warum ich nicht so klinge,

fest im Griff hat. Neben eigenen Originalen spielt Marsalis

ist, dass ich weiß, wie er gespielt hat. Ich habe seine Musik

auch zwei Klassiker der neuen CD, und er verleibt sie sich

Warum nun die erste Platte mit Klassikern von Col-

studiert, aber John Coltrane wurde nicht John Coltrane in

ein, sie werden seine eigene Musik, während doch immer

trane, Rollins, Coleman und John Lewis? „Wir haben als

einem Vakuum. Als er ein Kind war, hat er sich nicht Auf-

das Original Coltrane oder Rollins spürbar bleibt. Marsalis

Band eine gewisse Reife erreicht, und es war an der Zeit,

nahmen von sich selbst angehört, er hörte ältere Musiker,

spielt mit einer Souveränität und Kraft, einer Eleganz und

einige der schwierigsten Stücke der Jazzgeschichte anzu-

Charlie Parker, Johnny Hodges, so ist er John Coltrane ge-

Energie, die in den Bann zieht. Spätestens hier wird klar,

gehen. Die meisten Musiker haben Angst davor, und das

worden. Shit, wenn es für ihn geklappt hat, sollte es auch

dass Marsalis kein Epigone ist, wie es ihm einige Kritiker

war der perfekte Grund für uns, sie zu spielen.“

für mich klappen. Mein Punkt ist: Du solltest nicht nur ein

vorwerfen. Die Tradition klingt in seinem Spiel mit und wird

Aber muss man sich nicht auch von der Tradition befreien?

Student bleiben und die Alten nachmachen. Aber man wird

doch weiterentwickelt, nicht bloß heraufbeschworen.

„Das kann nichts werden, wenn wir immer Neues machen

die Geschichte der klassischen Musik oder die Geschichte

„Wir waren einige Male ziemlich auseinander. Wir hatten

wollen. Wir brauchen Gutes, aber nicht Neues. Mir hat mal

des Jazz nicht weiterentwickeln, indem man die bisherige

uns einige Wochen nicht gesehen“, sagt er am nächsten

ein ziemlich populärer Saxophonist gesagt: Hey Mann, ich

Musikgeschichte ignoriert. Heute gibt es diese ganzen

Morgen beim Frühstück. „Aber wir haben’s versucht. Die

mache eine CD mit einem Codo-Spieler. Ich fragte ihn:

Bücher mit Jazz-Soli drin. Was soll das? Soli muss man

Energie stimmte.“ Und dann flucht er, dass ihm die Lippen weh tun. „Ich bin gerade umgezogen, ich habe nicht viel gespielt in letzter Zeit.“ Bezeichnend, dass er sich trotzdem

Wir brauchen Gutes,aber nicht unbedingt Neues“

schier die Seele aus dem Leib geblasen hat. Später fahren wir in seinem Mietwagen zum Flughafen Detroits, dieser merkwürdigen Stadt, zum dem weder Bus

Warum? Und er: Das wird großartig. Das hat noch niemand

hören und nicht lesen. Wenn du Englisch lernen willst,

noch Bahn fährt. Im CD-Player läuft Mozarts Zaide. Marsa-

gemacht. Leute, so geht’s doch nicht. Als ob das das wich-

kannst du auch nicht einfach in ein Buch gucken, das ist

lis summt mit. „Tolle Musik. Ich hab sie vor ein paar Tagen

tigste wäre! Und alle Plattenfirmen denken so. Schau in die

idiotisch. Dann kommst du her und klingst wie „Ha-lo“.

von einem Freund bekommen.“ Zu Haus in New Orleans

Musikgeschichte: Niemand weiß, ob die Musik in 20 oder

Und so wirken die jungen Musiker auf mich. Die klingen

wartet nun die Soloaufnahme seines Pianisten Joey

30 Jahre noch als gut befunden wird. Also lass uns nicht so

wie aus dem Buch gelernt. Alle Noten sind richtig, es ist

Calderazzo, das nächste Projekt von Marsalis Music.

tun, als hätten wir ein Geheimnis, das niemand anderer

theoretisch gut, aber es hat keine Relevanz.“

Wann er wieder nach Deutschland kommt, steht noch nicht

hat. Lass uns einfach gute Platten machen.“ Gehst du auf die Suche nach neuen Talenten? „Na klar,

Nach einer Stunde wird dem Tourmanager das Spiel

aber wenn ich von dem ausgehe, was ich die letzten 15

langweilig, und so brechen wir unvermittelt auf. Marsalis

Jahre gehört habe, gibt es nicht viel zu entdecken. Die

sagt sofort: „Lass uns morgen weitermachen.“ Doch dazu

meisten haben Angst vor der Tradition, sie suchen sich

kommt’s nicht mehr. Am nächsten Abend fahre ich mit der

einen Musiker und spielen wie er, wie Coltrane oder Mike

Band zur Freilichtbühne am Fluss, wo Amerikas größtes

Brecker. Es gibt heute so viele Musiker, die unglaublich vir-

Gratis-Jazzfest stattfinden. Als ich wie verabredet in Mar-

tuos spielen, aber die können nicht mal einen einfachen

salis‘ Hotelzimmer erscheine, dudelt gerade eine Art indi-

langsamen Blues. Und das ist die Zukunft des Jazz!“

sche Popmusik. Der Mann ist wirklich offen für alles!

„Das schlimmste ist zu sagen, die Geschichte hat für

fest. Nur eines ist sicher: Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, wird er am Samstag nachmittag in einem Fußballstadion sitzen und die Bundesliga gucken. <<<

AKTUELLE CD

Marsalis, den im Hotel und im Stadion niemand zu erken-

Footsteps of Our Fathers

nen schien, ist plötzlich der große Star, immer wieder muss

Branford Marsalis Quartett mit Joey Calderazzo, p,

uns keine Bedeutung, lasst uns Neues schaffen. Viele der

er Autogramme geben. Auf der Bühne wird er angekündigt:

Eric Revis, b, Jeff „Tain“ Watts, dr.

bedeutendsten Gebäude der USA sind heute Parkplätze.

„Wenn man heute an Jazz denkt, denkt man an Branford

Marsalis Music MARCO 3301/in-akustik.

Und jetzt realisieren viele Leute, wir hätten diese Gebäude

Marsalis.“ Was natürlich Blödsinn ist. Aber egal, er ist der

www.branfordmarsalis.com

nie abreißen sollen. So ist es mit dem Jazz. Reißt nicht al-

Star des Festivals, und der Auftritt seines Quartetts ist ful-

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW

PORTRAIT

PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU

crescendo 06 2002 5


06.11.2002

11:45 Uhr

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besucht

C06_06_07_Kirchschlager_WSM

Gefragt Die Mezzo-Sopranistin Angelika Kirchschlager Von Klemens Hippel

A

FOTO: SONY

Kurze Infotexte, auch BU’s genannt, finden hier Platz. And in such a way that the reader will read on.

ngelika Kirchschlager gehört zu den

Überhaupt ist für sie die

besten Sängerinnen ihres Fachs. Vom

Meinung der Musiker, mit

Mozarteum in Salzburg führte ihr Weg an

denen sie arbeitet, entschei-

die Wiener Hochschule, wo sie neben

dend: „Man merkt einfach,

Die Musik ist etwas, was die Menschen brauchen. Deshalb macht sich Angelika Kirchschlager keine Sorgen um die Zukunft.

Gesang auch Schlagzeug studierte. Doch ihren

ob man vom Orchester ge-

Plan, als Schlagwerkerin „die erste Frau bei den

mocht wird oder akzeptiert

Wiener Philharmonikern“ zu werden, gab sie zu-

sächlich vom Ausdruck, von der Rollengestaltung. Das Sin-

oder geliebt. Entweder man versteht sich mit einem Orche-

gunsten einer Gesangskarriere auf. Diese führte sie

gen ist ja nur ein Mittel, um eine Botschaft zu transportie-

ster oder nicht. Man merkt, wenn sie Anteil nehmen, man

inzwischen an alle bedeutenden Opernhäuser der

ren. Es geht nicht um den Gesang, das Erzeugen von Tönen

merkt, wenn sie mitspielen, man merkt ob sie herauf-

Welt.

an sich. Für mich ist das Töne-Produzieren so, wie man ei-

schaun und lächeln, ob sie es genießen oder nicht. Für

nen Zug besteigt, um von Wien nach Hamburg zu kommen.

mich sind die Orchestermitglieder eigentlich immer das

Es ist nur ein Mittel zum Zweck. Die Stimme als Selbst-

absolute Maß.“ Am wichtigsten sei ihr aber die pure Freude

gefunden hat, merkt man gleich. An der Staatsoper, der sie

zweck ist eigentlich eine leere Stimme. Eine Stimme ohne

am Singen. Und weil sie sich die bewahrt hat, macht sie

mit einem Residenzvertrag verbunden ist, kennt sie „vom

Seele ist uninteressant. Ich versuche immer heraus zu fin-

sich auch über die Krise der Klassikbranche, über die fast

Portier bis zum Feuerwehrmann“ die ganze Belegschaft,

den, was ich fühlen würde. Und das versuche ich dann dar-

alle klagen, keine Sorgen: „Die Musik ist etwas, was die

und auch ihr Stamm-Kaffeehaus ist gleich um die Ecke.

zustellen.“

Menschen brauchen. Auch ohne Geld wird es immer Sän-

Dass sie in Wien nicht nur ihre musikalische Heimat

Kein Wunder also, dass wir uns ausgerechnet hier verabre-

ger geben. Ich singe ja nicht wegen des Geldes. Wenn nie-

det haben. Als ich sie um 11 Uhr treffe, hat sie schon ein

Nach zahlreichen Mozart-, Strauss- und Puccini-Parti-

halbes Tagespensum erledigt – eher ungewöhnlich für eine

en, mit Hosenrollen und lebensechten Frauen, ist ihre Flexi-

veranstalte meine eigenen Liederabende. Dann singe ich

Musikerin. Aber schließlich muss sie ihren Sohn in die

bilität längst noch nicht ausgereizt – das Barockfach hält

halt einen Liederabend und dafür kann ich auf Urlaub in

Schule bringen. Da heißt es „um sechs Uhr aufstehen, egal

viele Herausforderungen bereit. „Ich warte ja schon länge-

den Urlaub fahren. Es gibt immer reiche Leute, die privat

ob Vorstellung ist oder nicht“.

re Zeit auf Barockopern. Ich sage das in jedem Interview,

jemanden einladen.“ Das wird allerdings so bald nicht er-

vielleicht hilft dies ja jetzt. Ich finde, dass diese Musik mei-

forderlich werden, denn für die nächste Zeit ist ihr Termin-

ner Stimme sehr gut liegt, ich liebe sie sehr. Ich werde

plan ganz schön voll. <<<

„Singt man denn als Opernsängerin auch zu Hause

mand mehr Geld hat, dann singe ich für Naturalien und

mit dem Sohn?“ möchte ich wissen. “Wir singen zu Hause

2005 Julius Caesar machen, das ist mein Einstieg, und

so zum Spaß, wie man einfach blöd ein paar Fetzen dahin

ich habe auch Projekte mit Oratorien. Barock und französi-

Konzert-Termine:

singt. Meistens singt er mir etwas vor. Es ist völlig unspek-

sches Fach – in die Richtung würde ich gern gehen.“

31.12.02, 01./05./06.01.03, Wiener Staatsoper, Strauß:

takulär – so wie bei allen, glaube ich. Ich singe auch ganz

Die Fledermaus

normal. Wenn ich mit meinem Sohn singe, dann singe ich

Einen großen Schritt auf diesem Weg hat Angelika

nicht wie eine Opernsängerin, wir grölen dann meistens“.

Kirchschlager gerade mit ihrer neuen CD gemacht, einer

Juliette

Kaum zu glauben, denn „Grölen“ ist bestimmt das letzte,

Sammlung von Bach-Arien aus verschiedenen geistlichen

20.01.03, Leipzig Gewandhaus, Berlioz: Romeo et Juliette

was einem zu Angelika Kirchschlagers Stimme einfällt. Alt-

Werken, bei der sie vom Venice Baroque Orchestra beglei-

Arien scheinen ihrem schlanken, leuchtenden und sehr

tet wird. Diese erste Zusammenarbeit mit einem Orchester,

warmen Mezzosopran genauso leicht zu fallen wie Sopran-

das auf Originalinstrumenten spielt, sei ihr nicht schwer

partien, und extra für sie hat Nicholas Maw die Titelrolle in

gefallen: „Man singt einfach einen halben Ton tiefer“, sagt

17.-19.01.03, Berlin Philharmonie, Berlioz: Romeo et

AKTUELLE CD

seiner Oper Sophie’s Choice konzipiert, die im Dezember

sie und lacht. Und betont dann, wie sehr sie von der Arbeit

in London uraufgeführt wird. Vielleicht nicht nur wegen ih-

mit dem Barockspezialisten Andrea Marcon profitiert hat:

Johann Sebastian Bach: Arien

rer Stimme, sondern auch, weil sie auf die Gestaltung der

„Der Klang, den sie haben, ist so klar und rein und warm,

Angelika Kirchschlager, Venice Baroque Orchestra:

Figuren, die sie auf der Opernbühne verkörpert, so großen

dass es mir jetzt schon schwer fällt, zum Beispiel eine mo-

Andrea Marcon 2002. Sony SK89924.

Wert legt: „So wie ich das Singen verstehe, lebt es haupt-

derne Oboe zu hören.“

6 crescendo 06 2002

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW

PORTRAIT

PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU


C06_06_07_Kirchschlager_WSM

06.11.2002

11:45 Uhr

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Unsere Geschenktipps

„Ich fühle mich geradezu in eine andere Welt versetzt, wenn ich Mozart singe“ Cecilia Bartoli

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Die Wiederentdeckung eines Juwels: Ihre allerersten Aufnahmen von 1949, 1952 und 1953

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„Chloë Hanslip überzeugt mit einem Ton voller Leuchtkraft und Fülle“ Süddeutsche Zeitung

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Ein ganz persönliches Geschenk der Erfolgsautorin an ihre Millionen von Fans.

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„Sergei Nakariakov spielt mit unerreichter technischer Finesse. Ein Ausnahmetalent und Vollblutvirtuose“ Stern Spezial

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Verborgene Schätze des Vaters. Die CD zum 10. Todestag des Dirigenten und Vaters des Walzerkönigs.

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06.11.2002

12:20 Uhr

Seite 8

ARTE ARTE NOVA NOVA

DAVID Zinman ZINMAN David

befragt

C06_08_09_Vargas_Arte_Musikwelt

EinRomantiker

74321 95999 2

Richard Strauss Orchesterwerke · Vol. 5

Der Tenor Ramón Vargas Von Arnt Cobbers

Kurze Infotexte, auch BU’s genannt, finden hier Platz. And in such a way that the reader will read on.

er Mexikaner Ramón Vargas zählt zur kleinen Schar der absoluten

D

Spitzentenöre. Mit „Arie Antiche” hat der Belcanto-Star nun eine CD mit Arien des 17. und 18. Jahrhunderts herausgebracht. Ramón Vargas wurde 1960 in Mexiko-Stadt geboren, in seiner Jugend sang er

als Solist im berühmten Chor der Basilika von Guadalupe. Auf die Sängerkarriere konzentrierte er sich erst, nachdem er ein Pädagogik-Studium abgeschlossen hatte. 1982 debütierte er am Opernhaus von Mexiko-Stadt, 1986 gewann er den renommierten Caruso-Wettbewerb in Mailand, besuchte das Opernstudio Wien und war zwei Jahre Ensemblemitglied am Luzerner Theater. Seit Anfang der

Metamorphosen · Vier letzte Lieder · Oboenkonzert Tonhalle Orchester Zürich · David Zinman, Dirigent Melanie Diener, Sopran · Simon Fuchs, Oboe

90er Jahre gastiert er an allen großen Opernhäusern der Welt. Vargas, der in Luzern und in Mexiko-Stadt wohnt, wirkt im Gespräch völlig uneitel und sympathisch.

„Jetzt triumphiert Zürich mit einer Aufnahme von Richard Strauss’ ,Alpensinfonie‘, der es an erlesenen Einspielungen nicht mangelt (Schuricht, Kempe, Sinopoli, Maazel). Die Zürcher Produktion nimmt es mit allen spielend auf.“ Rheinische Post, 06. Juli 2002 Bereits erschienen:

Crescendo: Herr Vargas, befürchten Sie nicht heftige Kritik von Seiten der Alte-Musik-Spezialisten?

Vargas: Die CD ist nicht für Puristen gemacht. Zunächst einmal weiß man nicht, wie man früher diese Musik gemacht hat. Natürlich, so wie ich es singe, hat man damals nicht gesungen, aber ob es wirklich so war, wie andere es singen, weiß man auch nicht. Ich singe ganz in der Tradition der italienischen Romantik. Die Arrangements für das Kammerorchester sind leicht, aber mit viel Respekt gemacht. Wahrscheinlich bekomme ich die Kritik, und ich akzeptiere sie.

Vol. 1: 74321 77067 2

Vol. 2: 74321 85710 2

Vol. 3: 74321 87071 2

Vol. 4: 74321 92779 2

HOGWOOD· ·Kirkby KIRKBY· KOB · KOB Hogwood Klassizistische Moderne · Vol. 2 Igor Stravinsky: Suites 1 & 2, Miniatures & Songs, Act 1 Finale of “The Rake’s Progress” Michael Tippett: Divertimento on “Sellinger’s Round”

74321 92650 2

Benjamin Britten: Sinfonietta Op. 1

Crescendo: Sie haben diese Musik ja schon als Kind gesungen. Vargas: Ja, ich habe sie als Chorsänger in dieser romantischen Richtung kennen gelernt. Und ich habe sie als Student und in Konzerten immer wieder gesungen. Ich möchte mein Spektrum nicht einengen. Wenn ein Theater mich haben will, denkt man dort immer sofort an Edgardo oder Rodolfo, aber nicht an Mozart. Schade, ich möchte ihn gerne wieder singen: Ottavio, auch Belmonte, warum nicht? Aber diese Sachen bekomme ich nicht.

Crescendo: Warum sind Sie, nachdem Sie 1986 den Caruso-Wettbewerb gewonnen hatten, ans Opernstudio in Wien und dann an das kleine Theater in Luzern gegangen?

Vargas: Ich kam von Mexiko nur mit meinem Gepäck nach Mailand, mit großen Hoffnungen und wenig Geld. Ich habe den Wettbewerb gewonnen und gedacht, gut, was kommt als Nächstes. Ich wollte einfach sehen, wo ich stehe, welches Niveau ich habe. Wenn etwas kommt, bleibe ich, wenn nicht, gehe ich zurück nach Mexiko. Im Opernstudio habe ich gemerkt, dass ich noch vieles lernen sollte. Ich hatte eine gute Stimme und war gut ausgebildet, aber ich brauchte noch Zeit, vor allem im Kopf. Und die Jahre in Luzern waren schön.

Kammerorchester Basel · Christopher Hogwood, Dirigent Emma Kirkby, Sopran

Ich habe viel ausprobiert, viel gesungen, ohne Angst, ohne die Verantwortung, die man an

Bereits erschienen:

Caruso, aber die Wahrheit ist, wenn du ins Theater gehst, und da ist ein Orchester, und dort

Klassizistische Moderne · Vol. 1 Martinu°: Toccata e due Canzoni Stravinsky: Concerto en Ré Honegger: Symphony No. 4 “Deliciae Basiliensis” Vol. 1: 74321 77067 2

einem großen Theater hat. Wenn man in einem Studio mit Klavier probt, klingt man wie musst du singen, das ist die Wahrheit. Und damit musst du umzugehen lernen.

Crescendo: Würden Sie jungen Sängern empfehlen, zuerst an ein kleines Theater zu gehen? Vargas: Sicher. Ich wundere mich sehr, dass viele direkt an die großen Theater gehen. Aber

Kammerorchester Basel Christopher Hogwood, Dirigent

www.bmgclassics.de

8 crescendo 06 2002

INHALT THEMA

INTERVIEW


C06_08_09_Vargas_Arte_Musikwelt

06.11.2002

12:20 Uhr

Seite 9

BBC LEGENDS

die offizielle öffnung der

BBC-Archive

FOTO: ADOLFO PEREZ BRUTON

BBC LEGENDS

Tchaikovsky Violin Concerto Brahms Violin Concerto

Ramón Vargas gibt am 1. Dezember im Münchner Herkulessaal einen Solo-Abend mit Verdi-Arien.

BBCL 4102-2 “Herbst-Empfehlung” Diese CD ist bis zum Ende des Jahres zum Sonderpreis erhältlich.

David Oistrakh

ich wundere mich nicht,

Royal Philharmonic Orchestra London Philharmonic Orchestra

dass man nach vier Jahren

Norman Del Mar • Sir Malcolm Sargent

nichts mehr von ihnen hört. Jeder Mensch macht eine Entwicklung durch, und jede Entwicklung verläuft anders. Wir BBC LEGENDS

sind keine Pferde, von denen das schnellste das beste ist. Meine Entwicklung hat ein bisschen länger gedauert, aber ich bin sehr zufrieden. Ich habe noch viele Sachen zu lernen, aber ich kann jetzt von meinen Erfahrungen profitieren. Mass muss lernen, man muss leben. Diese Erfahrungen müssen durch die Stimme gehen. Heute geht alles zu schnell. Alle suchen „die neue Callas”, „den neuen Pavarotti”. Wir sind nicht mehr originell. Warum wird nicht akzeptiert, wie jemand ist? Wir stehen im Schatten dieser großen Namen und lassen nicht einfach die neue Generation kommen. Die Leute schwärmen immer von den großen

Scarlatti • Handel • Schubert • Schumann Stravinsky • Ravel • Duparc • Brahms

Dreien, von Gigli, Caruso usw. Ich denke, diese Leute sollten in ein Museum gehen. Man

Spanish Songs Berlioz excerpts from Les nuits d’été

sollte offen sein für alles – wie ein Radar.

BBC LEGENDS

Crescendo: Freuen Sie sich auf die hohen Cs oder ärgert es Sie, dass Sie immer daran ge-

Victoria de los Angeles • Gerald Moore BBC Symphony Orchestra • Rudolf Schwarz

BBCL 4101-2

messen werden?

Vargas: Ich glaube, die hohen Cs sind wichtig, aber sie sind nicht das Zentrum. Die Sänger, die die hohen Cs von Natur aus haben, sind wie Boxer mit einem starken Punch. Vielleicht sind sie keine guten Boxer, aber sie haben eben den Punch. Ich kenne viele Sänger, die singen nicht so gut, so raffiniert, nicht so musikalisch, aber sie haben eine gute Höhe, und das

Schumann Bunte Blätter Mussorgsky Pictures at an Exhibition Debussy Cloches à travers les feuilles

Publikum ist zufrieden. Und es gibt das Gegenteil, gute Sänger, die aber die Höhe nicht ha-

Sviatoslav Richter

ben, und die erzielen nicht solch einen Effekt beim Publikum. Und es gibt Sänger, die das BBC LEGENDS

balancieren. – Wie alle haben immer ein bisschen Angst, ob diese hohen Töne kommen. Irgendwann muss es passieren, dass ein Ton mal nicht kommt, aber das macht es auch aufregender. Wenn du zum Beispiel eine Krankheit überstanden und gedacht hast, du kannst

BBCL 4103-2

singen, und in der Mitte der Vorstellung bist du plötzlich sehr müde und denkst, mein Gott, jetzt kommen die hohen Töne, das ist nicht so lustig. Ich mag die Höhe, aber es gibt Leute, Publikum wie Kritiker, die hören nur die hohen Töne und die lauten Stimmen. Das ist nicht gut.

Schubert Symphony No.2 Brahms Symphony No.2

Crescendo: Müssen Sie als Sänger viele Opfer bringen? Vargas: Man muss auf vieles verzichten. Ich gehe gern essen und rede gern mit Menschen.

London Symphony Orchestra Karl Böhm

BBC LEGENDS

Das Singen hat mich verändert. Jetzt weiß ich, dass ich am Tag vor einer Vorstellung sehr aufpassen muss, ich bleibe zu Hause, esse ganz in Ruhe, spreche nicht viel. Im Restaurant

BBCL 4104-2

gibt es viel Rauch, pikantes Essen ist nicht gut – für einen Mexikaner ist das furchtbar. <<<

Chopin

AKTUELLE CD

Piano Concerto No.2

Ballade in G minor • Mazurka in C minor Scherzo in E major • Etudes Andante spianato & Grande Polonaise brillante

Artur Rubinstein

Arie Antiche

Philharmonia Orchestra • Carlo Maria Giulini

BBCL 4105-2

Italienische Arien des 17. und 18. Jahrhunderts mit Kammerorchester. 2002. RCA 09026 63913-2/BMG. Fragen Sie auch nach dem neuen BBC-Legends Katalog! Im Vertrieb von

PORTRAIT PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU

The BBC word mark and logo are trademarks of the British Broadcasting Corporation. © BBC 1996. Release schedule subject to change.

Tel 0251/265044

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In association with IMG Artists


06.11.2002

12:22 Uhr

Seite 10

befragt

C06_10_11_Schleierm_Echo

Wohl präpariert Der Pianist Steffen Schleiermacher über John Cage Von Arnt Cobbers und Klemens Hippel teffen Schleiermacher, 42, selbst ein re-

S

FOTO: MDG

Kurze Infotexte, auch BU’s genannt, finden hier Platz. And in such a way that the reader will read on.

Pünktlich zu John Cages 90. Geburtstag und 10. Todestag hat Steffen Schleiermacher seine Gesamteinspielung der Klavierwerke abgeschlossen.

nommierter Komponist, gilt als einer der

wie ulkig. Es ist ihm wahrscheinlich auch aufgefallen,

profiliertesten Interpreten moderner Musik.

als Bürgerschreck wahrgenommen werden; sie finden das

dass manchmal die Geräusche drum herum viel interes-

Als Pianist, Dirigent und Konzertorganisa-

eigentlich ganz normal und völlig selbstverständlich.

santer, viel raffinierter sind. Man muss nur einfach mal

tor widmet er sich ausschließlich der Musik des 20.

Schönberg hielt sich auch für die logische Folge der klassi-

zuhören, wie komplex manche simple Umweltgeräusche

und 21. Jahrhunderts. Für seine in den letzten

schen und romantischen Tradition von Bach oder Brahms.

sind. Und er hat ja auch darüber ganze Stücke gemacht. 4’

sechs Jahren entstandenen Cage-Aufnahmen beim

Er hat es nicht verstanden, wenn es Skandale gab. Ich den-

33’’ ist nur das Extrem davon. Living Room Music, die nur

Label MDG, deren zehnte und letzte gerade er-

ke, Cage hat manchmal die Leute schrecken wollen. Aber

mit ganz herkömmlichen Geräuschen arbeitet, die eigent-

schienen ist, hat er zahlreiche Preise erhalten, u.a.

er hat eigentlich auch nicht so richtig verstanden, was das

lich per se keine Kunstgeräusche sind, wird dadurch, dass

einen ECHO Klassik.

Problem ist oder warum die Leute nur wegen des Skandals

sie in einen Rahmen gestellt ist, zur Kunst. So wie das Uri-

hingegangen sind oder warum sie an den falschen Stellen

nal von Duchamp, das in einer Galerie steht.

Crescendo: Was würden Sie einem Laien sagen, was das

gelacht haben. Es gibt ein paar „Aktionen“ von ihm aus

faszinierende an Cage ist?

den 60er Jahren. Doch das ist ja nicht das Wesen und das

Crescendo: Was wird von Cage bleiben? Schleiermacher: Es ist eher die Frage, welche Stücke blei-

Schleiermacher: Am populärsten und interessantesten,

Wichtige von Cage.

ben werden. Man muss es ja fast so sagen, dass er nur im

zum Beispiel für Kids, sind die Stücke für präpariertes Kla-

Crescendo: Cage ist einmal gefragt worden, was sein lieb-

Nebenberuf Komponist war. Eine große Ausstellung mit sei-

vier. Das ist ja keine neue Musik im eigentlichen Sinne, es

stes Stück ist, und er hat geantwortet: Was wir hören,

nem grafischen Werk, was ja bedeutend größer ist als sein

klingt unglaublich fremd und exotisch und schrill, und es

wenn wir ruhig sind. Also etwa sein Stück 4’ 33’’, in dem

musikalisches Werk, lief gerade in Bremen. Jetzt ist sie in

klappert und kracht und zischt und stinkt. Das ist bestimmt

kein Ton erklingt. Was denkt man da als Interpret, der Sie

Seattle und nächstes Jahr kommt sie nach Basel. Und

eine gute Einstiegsdroge. Music Of Changes oder Etudes

sich die ganze Arbeit des Einstudierens und Übens ma-

dann gibt es noch diese vielen Aufsätze und Texte, die so

Australes würde ich nicht empfehlen. Das muss man ein

chen?

einen Grenzbereich zwischen Poesie und Essay bilden und

paar Mal hören, bis man ungefähr begreift, was der Meister

Schleiermacher: Cage hat viel gesagt, wenn der Tag lang

deshalb auch sehr schwer übersetzbar sind. Da wird be-

sich da ausgedacht hat. Die Hammerklaviersonate von

ist, vor allem im zunehmendem Alter, um das mal vorsich-

stimmt sehr, sehr vieles bleiben. Ob nun unbedingt all sei-

Beethoven würde ich auch nicht als Einstieg für einen Beet-

tig zu formulieren.

ne Musikstücke zum Repertoire gehören, das wage ich

hoven-Neuling empfehlen.

Crescendo: Aber dass für ihn das Wesen der Musik in der

stark zu bezweifeln. Aber einige werden sich mehr oder

Crescendo: Welche Rolle spielt Provokation bei Cage? Schleiermacher: Viele haben genau das Problem, dass sie

Stille zu suchen ist, bedeutet das nicht das Aufhören von

weniger im normalen Konzertleben durchsetzen. Wenn De-

Musik?

bussy schon als Ausnahme und als Moderne gilt, dauert es

Cage mit Provokation gleichsetzen, so wie französische

Schleiermacher: Was heißt Aufhören von Musik? Das ist

noch eine Weile, ehe Cage normal wird. Vieles ist eher von

Musiklehrbücher. Da hat Cage drei Zeilen, während Boulez

ein anderer Musikbegriff, eigentlich geht es um Klang-

historischer oder ästhetischer Wichtigkeit für einen be-

siebzig Kapitel hat. In den drei Zeilen steht, dass Cage die

wahrnehmung überhaupt. Es ging ihm ja, das ist inzwi-

stimmten Moment. Und bei manchen ist die Idee interes-

abendländische Musiktradition zerstören wollte.

schen auch schon ein Allerweltsspruch, um das Aufheben

santer als das Resultat. Aber von den Klavierstücken wird

Crescendo: Halten Sie es denn für ein Missverständnis,

des Unterschieds von normalem Leben und Kunst. Alles

ein Drittel bis die Hälfte überleben.<<<

dass Cage provozieren wollte?

was wir um uns herum wahrnehmen, ist Klang, und wir un-

Schleiermacher: Er wollte nicht nur provozieren, aber er ist

terscheiden ja immer zwischen einem guten Klang – weil

von vielen in diese ulkige Ecke gestellt worden. Manche

Kunst – und einem schlechten – weil nicht Kunst. In einem

Stücke sind auch sehr bizarr oder sehr ungewöhnlich, um

Konzertsaal herrscht beispielsweise eine permanente Un-

es vorsichtig zu formulieren. Cage war unfreiwillig Bürger-

ruhe. Aber man versucht, das alles wie durch einen Filter

schreck. Es gibt ja solche Bürgerschrecks wie Hindemith,

wegzudrängen, weil es nicht zur Musik gehört. Da hustet

John Cage: Sämtliche Klavierwerke

die eigentlich schreckliche Bürger sind. Die wollen irgend-

jemand, dann fällt etwas runter, dann knackt es. Das sind

10 Folgen. Steffen Schleiermacher.

wie provozieren, aber es ist nichts dahinter. Und dann gibt

alles schlechte Geräusche. Das darf nicht sein. Das drückt

Zuletzt erschienen: Vol. 10. MDG 613 0798-2/Naxos.

es die, die ihr Ding machen und sich wundern, warum sie

man weg, weil nur die Kunst zählt. Das fand Cage irgend-

10 crescendo 06 2002

EDITORIAL INHALT THEMA

INTERVIEW

AKTUELLE CD

PORTRAIT PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU


06.11.2002

12:23 Uhr

Seite 11

ECHO Klassik 2002

Werner Hay bei der ECHO-Gala

Abschied Zum Ende des Jahres scheidet Prof. Werner Hay aus seinem Amt als Geschäftsführer der Deutschen Links: ein Blick in die Alte Oper in Frankfurt darunter: ZDF-Intendant Markus Schächter und Werner Hay, der Geschäftsführer der Deutschen Phono-Akademie beim ECHO-Empfang unten: ECHO-Preisträger und Crescendo-Leser Sergei Nakariakov mit Crescendo-Mitarbeiterin Natalie Lenz

Phono-Akademie, das er fast 14 Jahre lang bekleidet hat. Anlass für einige Fragen.

Crescendo: Herr Hay, was ist die Phono-Akademie und was hat Sie an Ihrer Aufgabe besonders gereizt?

Hay: Die Phonoakademie ist das Kulturinstitut der Musikwirtschaft. Hauptaufgabengebiet ist neben der Verleihung von ECHO Pop und ECHO Klassik die Talentnachwuchsförderung. Eine wichtige Aktivität in den letzten Jahren war, dafür zu sorgen, dass der Musikunterricht in den allgemeinbildenden Schulen verbessert wird. Wir engagieren uns stark in der Förderung von Rockmusikern, wir haben nach dem Fall der Mauer im Osten neue Strukturen der Nachwuchsförderung aufgebaut, wir haben in Hamburg das Clubförderprogramm erfolgreich installiert und sind dabei, es auch in Berlin zu initiieren. Die Bandbreite ist also sehr groß. Mich persönlich reizte auch, dass die PhonoAkademie vor 14 Jahren niemand so richtig wahrgenommen hat. Wir haben zum Beispiel den Deutschen Schallplattenpreis, der kaum beachtet wurde, zum ECHO weiterentwickelt. Und seit sieben Jahren hält nun schon die glückliche Liaison zwischen dem ECHO Klassik und dem ZDF.

Crescendo: Sind Sie nicht doch insgeheim froh, dass Sie die krisengeschüttelte Branche hinter sich lassen?

Hay: Im Gegenteil. Sorgen macht mir zum Beispiel die Lage der mittleren und kleineren CD-Händler. Wenn die Platten-

Rechts: Die stolzen ECHO-Preisträger Helmut Thiele und Bernd-Christian Schulze vom Duo Pianoworte unten: CLASS-Geschäftsführer Manfred Görgen mit den Preisträgern des CLASS-Gewinnspiels

industrie nicht aufpasst und den Handel schützt, werden möglicherweise viele unabhängige Händler schließen. Da sehe ich eine große Gefahr. Denn viele Klassik-Käufer wollen sich im Laden beraten lassen. Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Wir haben vieles erreicht, und ich habe meine Aufgabe sehr leidenschaftlich gemacht. Aber es ist auch gut, wenn dann mal ein neuer Mann kommt. Ich werde als Berater weiterhin zur Verfügung stehen.

Crescendo: Und nun werden Sie mehr Freizeit genießen? Hay: Ich bin ein leidenschaftlicher Seefahrer, ich wohne direkt an der Elbe. Ich werde viele Reisen in mein Lieblingsland Cornwall machen. Und ich bleibe auch dem Studiengang Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg als Dozent verbunden. <<<

EDITORIAL INHALT

THEMA

INTERVIEW PORTRAIT PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU

crescendo 06 2002 11

ALLE FOTOS: PEER ZILLMANN

C06_10_11_Schleierm_Echo


besucht

C06_12_13_Grieg_Sony

06.11.2002

12:25 Uhr

Seite 12

Mut zum Risiko FOTO: CF WESENBERG

Das Grieg-Trio Von Arnt Cobbers Haben gut lachen: Ellen Margrete Flesjø, Sölve Sigerland und Vebjörn Anvik haben ein interessantes

Beethoven-Projekt gestartet. as norwegische Klima scheint Musikern

D

gut zu tun. Mit Leif Ove Andsnes, Truls Mörk, und Lars Anders Tomter tummeln

Brahms je ein Auftragswerk norwegischer Komponisten

wichtig, dass wir nicht das ganze Jahr hindurch spielen.

sich erstaunlich viele Norweger in der

gespielt haben. Einmal bekamen wir die Partitur zwei Tage

Wir treffen andere Leute, erhalten neue Inspiration, die wir

ersten Riege der Klassik-Stars. Dass das Grieg-Trio

vor dem Konzert. Wir haben einfach drauflos gespielt und

dann in die Gruppe einbringen.“

beim breiten Publikum nicht ganz so bekannt ist,

versucht, intelligent dabei auszusehen.“ Alle lachen. „Nein

Ungewöhnlich ist, dass Geiger und Cellistin verheiratet sind;

hat einen einfachen Grund: In den 15 Jahren seines

im Ernst, wir hatten Glück, es war kein schwieriges Stück.

ein Paar sind sie schon länger, als das Trio existiert. „Ich lei-

Bestehens hat das Klaviertrio ganze vier CDs auf-

Aber mit mehr Zeit hätten wir es natürlich besser gespielt.

de schrecklich“, sagt Pianist Anvik grinsend. Überhaupt sind

genommen – ein Manko, das auch zahlreiche

Jetzt haben wir vertraglich festgelegt, dass wir die Werke

die drei jugendlich wirkenden Musiker auf dem Teppich ge-

Preise und Konzerterfolge in aller Welt kaum wett-

mindestens fünf Wochen vor dem Konzert bekommen.“

blieben, sie pflegen eine angenehme Mischung aus Ernst-

machen können. Nun aber haben die drei Osloer ein

Zeitgenössische Werke zu spielen, bedeutet ihnen viel.

haftigkeit und der Lust am Herumblödeln – und den Mut zur

Projekt gestartet, dass ihnen die verdiente Aufmerk

„Diese alten Meisterwerke sind phantastisch“, sagt Anvik,

Offenheit: „In grundsätzlichen Dingen haben wir bislang ei-

samkeit auch des CD-Publikums einbringen sollte.

„und ich könnte nicht ohne sie leben. Aber es ist mindes-

gentlich immer übereingestimmt. Aber manchmal können

tens genauso wichtig, die eigene Zeit zu reflektieren. Die

wir uns tatsächlich nicht einigen und lassen ein Detail bis

Art und Weise, wie man Dinge ausdrückt, ist heute anders

zum Konzert offen. Und wenn wir zu der Stelle oder der

nehmen, wobei das Mittelstück jeder der vier CDs ein zeit-

als vor 250 Jahren, und als Musiker haben wir die Chance,

Phrase kommen, sind wir viel konzentrierter und bereit,

genössisches Werk sein wird. „So erstellen wir auch unse-

an diesem Dialog mit der eigenen Zeit teilzunehmen, statt

Dinge einfach im Moment geschehen zu lassen. Das Trio-

re Konzertprogramme“, sagt Pianist Vebjörn Anvik, „und

nur eine Art Museum zu pflegen.“

spiel ist auch von der Psychologie her sehr interessant. Man

Alle Beethoven‘schen Klaviertrios werden sie auf-

wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Der er-

lernt sich selbst sehr gut kennen, die anderen sind in ge-

ste Streich ist schon einmal gelungen: Zwischen das Trio

Die drei Norweger haben sich die Neugier und den Spaß

op. 1, 3 und die späten Variationen über „Ich bin der

an der Musik bewahrt. Sie spielen mit Esprit und Elan, mit

Schneider Kakadu“ spannt sich das Trio III des Finnen Jou-

Leidenschaft und Liebe für ihr Genre. „Es ist absolut wun-

Edvard Grieg hat übrigens nur einen Satz für Klaviertrio

ni Kaipainen aus den 80er Jahren. Keine leichte Kost, die

derbar“, sagt etwa Anvik. „Dieses phantastische Spektrum

geschrieben. Woher also der Name? Die Idee stammt von

aber beim intensiven Hören Kraft und Qualität entwickelt.

an Farben, das man mit diesen drei Instrumenten erzeugen

Siegmund Nissel, dem zweiten Geiger des Amadeus-Quar-

„Es war einfach an der Zeit, den Beethoven einzuspielen“,

kann. Das Duo bietet nicht diese Farbpalette, und im Quar-

tetts, der dem jungen Trio riet: „Ihr kommt aus Norwegen.

wisser Weise wie ein Spiegel für einen selbst.“

sagt die Cellistin Ellen Margrete Flesjø „Beethovens erstes

tett oder mehr noch im Quintett ist es viel symphonischer.

Warum nennt Ihr Euch nicht Grieg-Trio?“ - „Anfangs haben

Trio op. 1 war das erste Werk, das wir überhaupt zusam-

Im Trio kann man die Dinge ganz nach oben und ganz nach

wir uns den Namen nicht wirklich zugetraut“, sagt Flesjø.

men gespielt haben. Und wenn wir nach einer Pause wie-

unten fahren. Es ist aber auch eine große Herausforderung

„Aber er funktioniert sehr gut.“ - „Naja, wir sind aus Nor-

der Beethoven spielen, fühlen wir uns in gewisser Weise zu

für alle, weil die Instrumente so verschieden sind. Man

wegen, das ist keine schlechte Sache. Hoffe ich“, sagt Söl-

Hause.“

muss sehr viel Arbeit investieren und gerade als Pianist

ve Sigerland und alle drei lachen wieder. Nein, das ist wirk-

Parallel zur ersten CD, die beim norwegischen Label Simax

sehr sorgfältig auf die Balance achten, ohne die eigene

lich keine schlechte Sache.<<<

erscheint, startet das Trio eine Konzertreihe, die in vollstän-

Spannung zu verlieren.“

diger Form leider nur in der Londoner Wigmore-Hall läuft;

Dabei kamen sie eigentlich nur zusammen, um einen

der geplante Zyklus im Berliner Konzerthaus ist erst einmal

Meisterkurs bei Andras Mihaly in Schweden zu besuchen.

verschoben. Für die Konzerte haben sie Kompositionsauf-

Und weil der nur Kammermusik unterrichtet, formten sie

träge vergeben: an den Norweger Lasse Thoresen und den

ein Trio. Mit Erfolg, denn Mihaly lud sie sofort zum weiteren

Beethoven , Kaipainen

Tschechen Krystof Maratka, an Peter Maxwell Davies und

Studium nach Budapest ein, wo sie dann auch von 1988

Beethoven Trio c-moll op. 1, Nr. 3; Kaipainen: Trio III

Erkki-Sven Tüür.

bis 1990 studierten. „Es hat einfach Spaß gemacht und gut

op. 29; Beethoven Variationen G-Dur über „Ich bin

Ein spannendes Unterfangen, aber auch riskant. Geiger

funktioniert, und so ist es immer weiter gegangen“, sagt

der Schneider Kakadu“ op. 121a; Allegretto B-Dur,

Sölve Sigerland: „Wir haben vor Jahren in Oslo mal vier

Flesjø. „Und weil wir wollen, dass es weitergeht, passen

WoO 39. Simax PSC 1165/Klassik-Center Kassel.

Konzerte gegeben, in denen wir zwischen Haydn und

wir sehr auf, die richtige Balance zu finden. Es ist ganz

12 crescendo 06 2002

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW

PORTRAIT

AKTUELLE CD

PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU


C06_12_13_Grieg_Sony

06.11.2002

12:25 Uhr

Seite 13

music for you Die äußerst attraktive Reihe m u s i c f o r y o u von Sony Classical wird weiter ausgebaut. Mit Ersteinspielungen und anderen musikalischen Leckerbissen.

CD 87861 Haydn

CD 87862 Mozart, Sonatas

CD 87863 Debussy

CD 87854

Weltersteinspielung

Der in Peru geborene Pianist Juan José Chuquisengo spielt Klavierwerke von Maurice Ravel. Mit einer eigenen Transkription des Endzeitwirbels La Valse als abgründiges Finale.

CD 87864 Händel/Geminiani

CD 87855

Frühbarocke Vespermusiken der Wiener Hofkomponisten Giovanni Valentini und Giovanni Priuli. Jetzt erstmals eingespielt von La Capella Ducale und Musica Fiata unter Roland Wilson.

CD 87865 Chopin

CD 87867 Gershwin

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Nennen Sie uns Ihr music for you Cover-Lieblingsmotiv und gewinnen Sie mit etwas Glück eine Sony Digitalkamera unter www.sonyclassical.de/music-for-you

CD 87866

Mozarts berühmte Sinfonie in der nicht minder berühmten Fassung von den Berliner Philharmonikern mit Carlo Maria Giulini.

CD 87868 Williams

Die weiteren aktuellen m u s i c f o r y o u Veröffentlichungen: Haydn, Klaviersonaten, Emanuel Ax Mozart, Violinsonaten, Stern, Bronfman Debussy, Nocturnes, L.A. Philharmonic Händel, Geminiani, Concerti Grossi, Tafelmusik Chopin, Mazurken & Scherzi, Emanuel Ax Gershwin, Rhapsody in Blue, L.A. Philharmonic John Williams plays Baroque (Gitarre) Schubert, Messe Es Dur, Giulini Mozart, Strauss, Konz. f. Flöte, Fagott, Oboe

CD 878690 Schubert

CD 87870 Mozart/Strauss


geschenkt

C06_14_15_Weihnachten

06.11.2002

12:27 Uhr

Seite 14

Es weihnachtet sehr Und wie jedes Jahr stellt sich die Frage nach den richtigen Geschenken.

> 1 Tasso > 2 Waterman > 3 Ekornes > 4 KPM > 5 Manufactum

ei uns in der Redaktion war das diesmal

B

anders. Als wir die neue CD mit dem achten Madrigalbuch Claudio Monteverdis bekamen, war gleich klar: Diese CD ist so

schön, dass wir sie Ihnen schenken müssen.

werden uns mit der CD einfach bei den Absendern der 10

>1

schönsten Weihnachtskarten bedanken, die uns auch die-

Ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch im Bett! Da sollte er es sich möglichst bequem machen.

ses Jahr hoffentlich wieder zahlreich erreichen. Die ande-

Besonders bequem, so haben zahlreiche Versuche gezeigt, liegt man auf einer Wassermatratze. Sie bietet

ren Produkte, die wir auf dieser Seite vorstellen, können

gleichmäßige Druckentlastung und angenehme Wärme und ist daher besonders geeignet für Menschen mit

wir Ihnen leider nicht schenken. Aber vielleicht ist ja für

Rückenproblemen. Und da für Milben in einer Wasserkernmatratze wenig Platz ist, freuen sich auch Allergi-

den einen oder die andere eine Anregung dabei, wie man

ker auf eine ungestörte Nachtruhe. Ein umfangreiches Angebot an Wasserbetten hält Vontana® Industrie

Deshalb gibt es in dieser Ausgabe auch kein Rätsel – wir

jemandem zu Weihnachten das Leben ein bisschen verschönern kann.<<<

Zum Beispiel zum Schlafen

mit seinen Tasso®-Betten bereit. Mehr Informationen unter www.tasso.com

>2 …oder bei der Arbeit Dafür braucht schließlich fast jeder ein Schreibgerät. Wer exklusive Füller, Kugelschreiber oder emerkenswert ist diese CD schon aufgrund

Stifte sucht, wird bestimmt bei Waterman fündig. Für Freunde echter Tinte gibt es z.B. den Water-

des aufgenommenen Werkes. Denn „Madri-

man Carène de Luxe im Stromlinien-Design der 50er Jahre. Die Feder geht fließend in den blauen

galbuch“ ist ein irreführender Titel. Schließ-

Schaft über, verschlossen wird der Füller mit einer silberplattierten Kappe. Und für alle Fälle erhal-

B

lich versammelt Monteverdi hier neben Madrigalen

ten Sie ein Glas Waterman-Tinte frei dazu.

diverse Bühnenmusik, gewissermaßen Mini-Opern. Es geht ihm, am Ende seines Lebens, noch einmal um die Möglichkeit der Darstellung von Leidenschaft in der Musik – und genau diese ganz außergewöhnliche Leidenschaftlichkeit zeichnet auch die Interpretation der Stücke aus. Da muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren: Wer die ganze Kunst Monteverdis auf engstem Raum in einer exemplarischen Interpretation hören will, kommt an dieser CD nicht vorbei. An einer perfekten Aufnahme, von der fanta-

sich kaum etwas extra hervorheben. Außer vielleicht

>3 …oder beim Ausruhen

Bernarda Finks Version eines der schönsten Stücke

Nicht nur zum Schlafen, auch zum Musikhören braucht man ein gemütliches Plätzchen, an dem

Monteverdis: dem Lamento della Ninfa.

man es eine Weile aushält. Wer dafür etwas mehr Geld ausgeben möchte, sollte die Stressless®

stischen Artikulation der Instrumentalisten bis zu absolut gleichwertigen Sängerinnen und Sängern lässt

KH

Claudio Monteverdi: Madrigali guerrieri ed amorosi

Bequemsessel in Betracht ziehen. Aus diversen Leder- und Stoffarten, zahlreichen Farben und

Concerto Vocale: René Jacobs 2000.

Holztönen sowie unterschiedlichen Größen kann man sich sein Wunschmodell individuell zusam-

Harmonia mundi HMC 901736.37

menstellen. Und sich dann, in gemütlichster Lage, ganz in die Musik vertiefen. Das komplette Angebot finden Sie unter www.ekornes.de.

14 crescendo 06 2002

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW PORTRAIT PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE

SPEZIAL

BÜCHER CD DVD VORSCHAU


06.11.2002

12:27 Uhr

Seite 15

geschenkt

C06_14_15_Weihnachten

>5 …oder für den Alltag „Es gibt sie noch, die guten Dinge“. Unter diesem Motto spürt Manufactum auf der ganzen

>4 …oder zum Feiern

Welt all die „Klassiker“ auf, die man im Alltag braucht: von der Seife bis zum Pullover, vom Messer bis zum Telefon. Die Funde werden in einem mehr als 350 Seiten dicken Katalog präsentiert, der selbst dann sehr interessant ist, wenn man gerade nichts braucht. Denn für jede Produktgruppe gibt es ebenso lesenswerte wie aufschlussreiche Informationen – und

Porzellane her. Wer sich also ein Service in einem Design wünscht, das auch in 20 oder 30

natürlich schöne Abbildungen. Wer kein Freund unserer Wegwerfgesellschaft ist, ist hier ge-

Jahren noch up to date ist, findet hier sicher etwas Passendes. Das aktuelle KPM-Service,

nau richtig. Denn die Manufactum-Produkte sind aus umweltfreundlichen Materialien, lang-

BERLIN, wurde vom renommierten Mailänder Designer Enzo Mari und der KPM-Meister-

lebig und reparierbar, solide und funktionstüchtig. Nicht langlebig sind allein die Lebensmit-

werkstatt entwickelt. 1998 erhielt es den IF Design Award.

tel – dafür schmecken sie zu gut.

Mehr Informationen unter www.kpm.de

Mehr Informationen unter www.manufactum.de

info@beethovenhalleorchester.de www.beethovenhalleorchester.de

Konzerte der Bundesstadt Bonn Marc Soustrot Generalmusikdirektor

Frangis Ali-Sade

Schon seit über 250 Jahren stellt die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin stilbildende

Weitere CD-Produktionen mit Marc Soustrot und dem Orchester der Beethovenhalle

Brandneu !

3. Freitagkonzert 10. 01. 2003

Beethovens

Fr, 20 Uhr und 4. Sonntagkonzert 12. 01. 2003

„Missa solemnis“

So, 18 Uhr

Ludwig van Beethoven: „Leonore 1806“ Welt-Ersteinspielung! MDG 337 0826-2

Beethovenhalle Frangis Ali-Sade (*1947) „Werk für Sopran, Violoncello

Krzysztof Penderecki:

und Orchester“

„Passio et mors Domini nostri

Auftragswerk der Bundesstadt

Jesu Christi secundum Lucam“

Bonn

MDG 337 0981-2

Anton Bruckner (1824-1896)

Beethovens großartiges Sakralwerk, die „Missa solemnis“,

Sinfonie Nr.3 d-Moll Franziska Hirzel Sopran

ist die jüngste CD-Einspielung des Orchesters der Beethovenhalle

Ivan Monighetti Violoncello Orchester der Beethovenhalle

mit Marc Soustrot. Die Aufnahme entstand im Juli 2001 in der

Marc Soustrot Dirigent

Bonner Beethovenhalle parallel zu zwei gefeierten Konzerten.

„Musik braucht Schönheit, auch wenn eine

Bestell-Nr. MDG 337 1128-2

tragische Botschaft vermittelt werden soll,

In Kürze auch als DVD erhältlich!

Ernst Krenek: „Karl V.“

Best.-Nr.: MDG 937 1128-5

Welt-Ersteinspielung der ungekürzten Fassung! MDG 337 1082-2

Frangis Ali-Sade

Claude Debussy, Maurice Ravel:

Marc Soustrot

Musik braucht Emotionalität!“

Orchesterwerke MDG 337 1099-2 Neu! Als DVD Audio MDG 937 1099-5


06.11.2002

5:02 Uhr

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gesehen

C06_16_21_Premierenspiegel

Kurz und Knapp Ein knapper Rückblick auf Opernpremieren und Festivals der letzten zwei Monate

„Abseits „Abseits von von großen großen Spekulationen, Spekulationen, mit mit kluger kluger Zurückhaltung, Zurückhaltung, hat hat sich sich inzwischen inzwischen der der mexikanische mexikanische Tenor Tenor Ramón Ramón Vargas Vargas einen einen Platz Platz unter unter den den weltbesten weltbesten Tenören Tenören ersungen.“ ersungen.“

Mozart „verrockt“? Das kann tatsächlich gutgehen, wenn man’s mit so viel Schwung und Geschmack macht wie die Mozartband aus Wien, in der sich Musiker aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen wie Klassik, Alpenrock und Musical getroffen haben. Das Programm der „Soul“-Tournee jedenfalls, das sich überwiegend auf Mozarts Oper Il re pastore stützte, machte dem buntgemischten Publikum großen Spaß. Zugabe erbeten! AC

>1

Sonntagszeitung Sonntagszeitung FOTO: BB PROMOTION

„Ich gebe nicht vor, ein typischer Barock-Sänger zu sein. Aber... schon in meinen Kindertagen habe ich Choräle, polyphone Musik und Werke von Vivaldi gesungen. Es ist die Musik meiner Erinnerungen und ich fühle mich wohl mit ihr.“ RAMÓN VARGAS – dieser Name ist Synonym für eine vollendet schöne Stimme, die mit romantischen Opernpartien ein breites Publikum begeistert. Doch die Liebe zur Barockmusik hat ihn nie verlassen. Mit der CD „Arie Antiche“ erfüllt er sich einen Traum und präsentiert eine wahre Fundgrube exquisiter Vokalmusik aus dem 17. und 18. Jahrhundert. „Ich singe, weil ich es genieße und Spaß daran habe!“ Die ungezwungene, natürliche Freude am Singen jenseits aller stilistischen Dogmen prägt die spezielle Atmosphäre der „Arie Antiche“ und macht diese CD zum reinen Hörgenuss.

Augsburg dreht auf mit Falstaff: Unter dem neuen GMD Rudolf Piehlmayer ist richtig Schwung ins Theater gekommen. Nun eine frische Inszenierung mit Verdi leibhaftig auf der Bühne. Flottes Bühnenbild (Manfred Breitenfeller) und fortgeschrittene Gesangsleistungen mit Riccardo Lombardi (Falstaff), Ronald Ulen (Ford) und den famosen Bürgerfrauen Alice (Sally du Rand) und Meg (Kathrin Koch). MSt

>2

FOTO: LIOBA SCHÖNECK

In Gelsenkirchen stellt Regisseurin Rosamund Gilmore Puccinis Turandot in eine strenge Choreografie, durchaus faszinierend. Cosima Sophia Osthoff rückt bei ihrem Dirigat die brüchigen Stellen der Partitur in den Vordergrund. Richetta Manager und Regine Herrmann als Turandot und Liu singen mit viel Hingabe, Roumen Sterionov bewältigt den Kalaf. Bei den beeindruckenden Chören haben ebenfalls die Damen die Nase vorn. MF

>3

FOTO: MUSIKTHEATER IM REVIER

Zum 9. Mal lockte das Usedomer Musikfestival auf die herbstliche Ostseeinsel. Zwei Wochen täglich ein Konzert mit hochkarätiger Besetzung in Kirchen und Kunstscheunen, Kursälen und Fischkuttern. Im Zentrum stand diesmal Moskau. Höhepunkt: Brittens Requiem im Kraftwerk Peenemünde (dirigiert von Mstislaw Rostropowitsch). Das Schwerpunktthema 2003 erfahren Sie im nächsten crescendo-Festspiel-Guide. AC

>4

FOTO: USEDOM MUSIKFESTIVAL

Beim Baseler Tannhäuser erzeugt Dirigent Mark Letonja einen Orchesterklang von suggestiver Schönheit. Claus Guth und Ausstatter Christian Schmidt verlegen die Handlung in ein modernes (Stunden-) Hotel. Die wohlsituierten Tugendwächter tolerieren einen Außenseiter wie Tannhäuser (Hendrik Vonk) nicht. Die Männer wie Wolfram (Björn Waag) beneiden ihn, weibliche Herzen wie das von Elisabeth (Elena Pankratova) fliegen ihm zu. Hoffentlich noch lange, denn dieser Tannhäuser-Tenor ist lyrisch-belkantesk geprägt, keineswegs robust. BK

>5

FOTO: SEBASTIAN HOPPE

www.bmgclassics.de

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EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW PORTRAIT


C06_16_21_Premierenspiegel

06.11.2002

> 1 Wien > 2 Augsburg > 3 Gelsenkirchen > 4 Usedom > 5 Basel

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> 6 Hannover > 7 Karlsuhe > 8 Minden > 9 Berlin > 10 Berlin

Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt 15. November 2002 Gewandhausorchester · Philippe Herreweghe Anna Korondi Sopran · Johann Sebastian Bach, Ouvertüre D-Dur BWV 1068 Kantate „Mein Herze schwimmt im Blut” BWV 199 · Robert Schumann, 1. Sinfonie B-Dur op. 38 („Frühlingssinfonie”) 1. Dezember 2002 Gewandhausorchester · Herbert Blomstedt · N.N., Sprecher · Wolfgang Amadeus Mozart, Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte” · Carl Nielsen Aladdin-Suite · Sergej Prokofjew, Peter und der Wolf op. 67 · Felix Mendelssohn Bartholdy, Das Märchen von der schönen Melusine op. 32 · Jean Sibelius, Der Schwan von Tuonela op. 22/2 · Paul Dukas Der Zauberlehrling 5./6./7. Dezember 2002 Gewandhausorchester GewandhausKammerchor · Herbert Blomstedt · Nancy Argenta, Sopran Michael Chance, Altus · Christoph Genz, Tenor · Johannes Mannov, Bass Georg Friedrich Händel, Messias · Oratorium für Solostimmen, Chor und Orchester 20. Dezember 2002 Gewandhausorchester · Bobby McFerrin · Sergej Prokofjew, 1. Sinfonie D-Dur op. 25 („Symphonie classique”) · Maurice Ravel, Le Tombeau de Couperin · Bobby McFerrin A - Cappella - Improvisationen · Wolfgang Amadeus Mozart, Sinfonie g-Moll KV 550 29./30./31. Dezember 2002 Gewandhausorchester GewandhausChor · MDR Rundfunkchor · GewandhausKinderchor · Herbert Blomstedt · Sylvia Greenberg, Sopran · Iris Vermillion, Alt · Christian Elsner, Tenor · Carsten Stabell, Bass · Ludwig van Beethoven, 9. Sinfonie d-Moll op. 125 mit Schlußchor über Schillers „Ode an die Freude” 10./11. Januar 2003 Gewandhausorchester · John Mauceri Meret Becker, Sopran · ensemble amarcord · Kurt Weill, Die sieben Todsünden Originalfassung (Sopran), Text von Bertolt Brecht sowie Filmmusik 16./17. Januar 2003 Gewandhausorchester · Herbert Blomstedt · Ludwig van Beethoven, 6. Sinfonie F-Dur op. 68 („Sinfonia Pastorale”) · Ludwig van Beethoven, 7. Sinfonie A-Dur op. 92 23./24. Januar 2003 Gewandhausorchester · Hartmut Haenchen · Isabelle van Keulen, Violine · Wolfgang Amadeus Mozart, Maurerische Trauermusik KV 477 · Richard Strauss, Metamorphosen - Studie für 23 Solostreicher Karl Amadeus Hartmann, Concerto funebre für Violine und Streichorchester Gustav Mahler, Sinfonische Dichtung „Totenfeier” 30./31. Januar 2003 Gewandhausorchester · Herbert Blomstedt · Kim Kashkashian, Viola · Joseph Haydn, 86. Sinfonie D-Dur Hob. I:86 · Béla Bartók, Konzert für Viola und Orchester · Jean Sibelius, 2. Sinfonie D -Dur op. 43 1. Februar 2003 Gewandhausorchester · Herbert Blomstedt Joseph Haydn, 86. Sinfonie D-Dur Hob. I:86 · Ludwig van Beethoven, 7. Sinfonie A-Dur op. 92 6./7. Februar 2003 Gewandhausorchester Jírí Belohlávek · Sarah Chang, Violine · Peter Tschaikowski, „Romeo und Julia“, Fantasie-Ouvertüre nach Shakespeare · Max Bruch, 1. Konzert für Violine und Orchester g-Moll op. 26 · Modest Mussorgski, Bilder einer Ausstellung (in der Orchesterfassung von Maurice Ravel)

Zum 400. Geburtstag Francesco Cavallis brachte die Staatsoper Hannover Il Giasone. Aurelia Eggers erzählt die turbulente Flucht Jasons nach dem Raub des Goldenen Vlieses in der phantasievollen Ausstattung Gesine Völlms amüsant und poetisch. Als Jason brilliert Kai Wessel, aus dem exzellenten Hausensemble ragen Cordula Berner und Michaela Schneider heraus. Das Ensemble Musica Alta Ripa spielt unter Bernward Lohr stil- und schwungvoll. MF

>6

FOTO: MATTHIAS HORN

Auch in Karlsruhe steht Verdis Abschiedsstück für einen Neubeginn. Falstaff fällt für den neuen GMD Anthony Bramall lau aus. Alexander Schulin streut viel Augenfutter in die amüsant modernisierte Szene, ein zum Autohaus umfunktioniertes Theater, ohne seine Ideen wirklich auszuformulieren. In der vordergründigen Komödie sorgte Günter von Kannens prall buffonesker, stimmlich überreifer Falstaff für wohlfeile Lacher. RF

>7

FOTO: JAQUELINE KRAUSE-BURBEG

Minden produziert seinen ersten Holländer mit Holger Müller-Brandes (Regie), die Nordwestdeutsche-Philharmonie (NWD) spielt zum ersten Mal Oper. Verhaltenes Lob für (fast) alle Mann an Bord. Die beste Figur machte aber das NWD (unter Frank Beermann), das früher viel mit Radio Bremen produzierte, denn: Weil Mindens Theatergraben kaum Platz bietet, saßen die Musiker – akustisch optimal – auf der Bühne. MSt

>8

F O T O : B E RT R A M S C H U LT E

Eine Zeitmaschine mit Brahms & Messiaen boten die diesjährigen Berliner Festspiele. Neue und neueste Musik wurde elegant mit Klängen der Klassik, Renaissance und Romantik zu interessanten und vielfältigen Programmen verbunden. Von Dufay bis Saariaho reichte das Repertoire, in dem u.a. das Keller Quartett in Interpretationen von Ligeti und Kurtág glänzte und das Huelgas-Ensemble sich in einer nicht zu überbietenden Klangperfektion präsentierte.KH

>9

FOTO: HARMONIA MUNDI

03 41/12 70-280

✁ Seit Beginn dieser Saison ist Marek Janowski Künstlerischer Leiter des traditionsreichen Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Und er setzte zum Auftakt einen bezeichnenden thematischen Akzent: In fünf Konzerten wurden ausschließlich Werke Robert Schumanns präsentiert, darunter das selten gespielte Oratorium Das Paradies und die Peri. Janowski bewies eindrucksvoll, dass es zur Zeit wohl keinen besseren Schumann-Dirigenten gibt. Man darf auf weitere inspirierenden Konzerte hoffen. PSa

Ja, bitte senden Sie mir das Jahresprogramm für die Saison 2002/2003 mit über 180 Konzerten im Gewandhaus zu Leipzig.

>10

Name, Vorname

Straße

PLZ, Wohnort

FOTO: RSB

Telefon

Geburtsdatum

Coupon bitte zurücksenden an: Gewandhaus zu Leipzig · Marketing und Kommunikation · Augustusplatz 8 · 04109 Leipzig

PREMIERENSPIEGEL

RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU

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w w w . g e w crescendo a n d h 06a 2002 u s . d e


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am Rande Rettungsaktion für die Staatsoperette Dresden: Auf einer Pressekonferenz im Oktober 2002 verkündete Oberbürgermeister Roßberg, dass die Sparpläne der Stadt Dresden auch die Schließung der Staatsope-

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Dreh dich nicht um

Bericht aus Berlin

Die Auseinandersetzung mit dem Orpheus-Mythos war schon immer eine Herausforderung für zeitgemäßes Musiktheater,und sie ist es noch heute. Am Theater Bielefeld waren nun drei beeindruckende Entwürfe modernen Musiktheaters zu besichtigen.

Gegenwartsbezüge in Berlin: Sozialistischer Grauschleier überzieht an der Komischen Oper eine trottelhafte Dorfgemeinde. Andreas Homoki lässt Smenatans Verkaufte Braut in Wende-Zeiten spielen.

rette Dresden zum 1. August 2003 vorsehen. Die Staatsoperette ist das letzte selbstständige Operetten theater im deutschsprachigen Raum, und mit einer Zuschauerauslastung von 90% zählt sie zu den bestbesuchten Theatern Deutschlands. Als ersten Schritt hat die Staatsoperette auf ihre Internet-Seite eine Unterschriftenliste zum Herunterladen eingerichtet. Kontakt: www.staatoperette-dresden.de. Franz Xaver Ohnesorg tritt zum 1. Januar 2003 „aus FOTO: MONIKA RITTERSHAUS

persönlichen Gründen” von seinem Amt als Intendant der Berliner Philharmoniker zurück. Er will aber wei„beratend zur Seite stehen”. Die Gerüchteküche hatte schon seit längerem über ein schwieriges Arbeitsklima im Hause berichtet. Der Musikfest-Preis Bremen 2002 ist dem österreichischen Dirigenten Nikolaus Harnoncourt verlie-

FOTO: MATTHIAS STUTTE

terhin dem Orchester und Chefdirigent Simon Rattle

Irritierende Installationen im Bielefelder Bunker: orpheusarchipel

Liebestrunken: Dina Kuznetsova als Adina und Rolando Villazon als Nemorino an der Berliner Staatsoper

Es fehlt an herzerfrischender Komik, den Liebenden an

hen worden. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert und wird von der Kultur-Stiftung der Deut-

Iris ter Schiphorst präsentiert mit Eurydike – Szenen aus

Gefühlstiefe, den hurtigen Tempi des neuen GMD Kirill

schen Bank ausgestattet.

der Unterwelt die weibliche Perspektive. Sinnliche Instru-

Petrenko an musikantischem Esprit.

mentenklänge, virtuose Vokalisen formen den musikali-

Souveräner geht Antonello Allemandi an der Deutschen

Der Robert Edler Preis für Chormusik 2002 geht an

schen Grund – eine kommunikativ-inspirierende Bühne

Oper mit Massenets sanfter Werther-Kantabilität um – bei

den Weltjugendchor (WYC). Mit diesem Preis, der

(Sandra Meurer) gibt Michael Hirsch Gelegenheit zu inten-

sängerisch hervorragender Besetzung (Paul Charles Clar-

nach dem Heilbronner Komponisten benannt und mit

siver Regie. Beeindruckend das oh-ton-Ensemble und

ke, Charlotte Hellekant). Das kammerspielhafte Psycho-

7.500 Euro dotiert ist, werden alljährlich eine

Anna Clementi als differenziert agierende Eurydike.

gramm verliert sich leider in der Weite der großen, heutig

Persönlichkeit, ein Chor oder eine Institution geehrt,

Manos Tsangaris verlegt Orpheus, Zwischenspiele in

ausgestatteten Bühne (Hartmut Mayer) wie in den abstru-

„die das internationale Chorwesen in entscheidender

eine U-Bahn-Station. Optische und musikalische Installa-

sen Einfällen des jungen Regisseurs Sebastian Baumgarten.

Weise positiv beeinflusst oder durch eine herausra-

tionen sowie eine Fahrt im schummrigen U-Bahn-Zug er-

An der Staatsoper gilt die erste Premiere Donizettis sprü-

gende Interpretation/Komposition eines Chorwerkes

wecken echtes „Unterwelt-Gefühl“ – erst danach entfalten

hend-liebenswürdigem L’elisir d’amore. Aus dem dort

international Aufsehen erregt hat”. Im Weltjugend-

Carolin Nordmeyer mit dem Philharmonischen Orchester,

von Daniele Callegari musikalisch sorgfältig betreuten En-

chor finden sich alljährlich 96 junge Chorsängerinnen

der wunderbare Countertenor Charles Maxwell und die

semble ragt Rolando Villazon als ein stimmlich feuriger

und -sänger aus der ganzen Welt zu zwei intensiven

zauberhafte Eurydike Victoria Granlunds auf den Rolltrep-

Nemorino von eminenter Spielfreude heraus. Percy Adlon

Probenwochen zusammen, um anschließend auf

pen musikalische Opulenz.

inszenierte mit viel Humor und Sinn für das Unbeschwert-

Tournee durch das jeweilige Gastgeberland und die

Im alten Hochbunker eröffnet schließlich Georg Nussbau-

Beschwingte, und das ist nun endlich einmal nicht provo-

Nachbarländer zu gehen.

mers orpheusarchipel eine überwältigend-vielfältige Fül-

zierend, sondern einfach „nur“ unterhaltend.

le von Installationen: rudimentäre Instrumente, eine Schot-

Angela, „eine deutsche Nationaloper“ hob die Neuköllner

Der 30-jährige Sebastian Tewinkel, ehemals Stipen-

terlandschaft mit pulsierenden Schläuchen, Nierenbecken

Oper im rohbauhaften U-Bahnhof Reichstag aus der Taufe.

diat der Karajan-Stiftung und Gewinner mehrerer Diri-

mit plastifizierten Innereien –dazu Klänge, Geräusche,

Die Geschichte um Angela Merkels politischen Aufstieg er-

gentenwettbewerbe, hat mit Beginn der Saison die

Töne, „Gesang“. Die virtuosen Instrumentalisten und die

weist sich als „opernwürdig“, denn Michael Frowins Text

künstlerische Leitung des Südwestdeutschen Kam-

exquisiten Sänger (Christina Ascher!) vermittelten ein nie

wirft überzeitliche Fragen um Machtwillen und den Kampf

merorchesters Pforzheim übernommen. Das zuvor

erlebtes Gefühl von „Unterwelt-Assoziationen“.

um die eigene Integrität auf. Zur komplexen und viel-

von Vladislav Czarnecki geleitete Orchester besteht

Das Publikum lässt sich intensiv auf das sechsstündige

schichtigen Musik (Frank Schwemmer) agierten die Sän-

seit 1950 und hat sich durch zahlreichen CD-Aufnah-

dreiteilige Orfeo-Projekt ein, erlebt bewusst eine nie ge-

ger in Robert Lehmeiers Inszenierung frappierend „echt“.

men und Tourneen einen guten Namen gemacht.

kannte theatrale Fülle emotionaler Eindrücke. Rufus Sperling

18 crescendo 06 2002

INTERVIEW PORTRAIT

Bernd Kima

Arnt Cobbers

PREMIERENSPIEGEL

RÄTSEL


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Sächsische Ausgrabungen

Meine Gene gehören mir

Nach der Hochwasserkatastrophe im August, in der die Semperoper Dresden von den Fluten der Elbe hart getroffen und die Technik schwer beschädigt wurde, ist das Haus erst ab dem 9.November als Spielstätte, mit Einschränkungen vorerst, wieder nutzbar. Harry Kupfer inszenierte nun Carmen in den Ausstellungsräumen der Gläsernen Fabrik von VW.

Das Mittelsächsische Theater Freiberg/Döbeln ist bekannt für seine Wiederaufführungen vergessener Opern. Nun erwies sich Conradin Kreutzers Nachtlager von Granada von 1833, einst neben Webers Freischütz erfolgreichste Oper auf deutschen Bühnen, als erstaunlich wirkungsstark.

Michael Nyman, dessen Facing Goya in der Neufassung nun in Karlsruhe uraufgeführt wurde, dürfte der populärste der musikalischen Minimalisten sein.Doch so berühmt Nyman als Tonlieferant des Kultfilmers Peter Greenaway sowie als Verfasser tageslichttauglicher Auftragsmusik wurde, so wenig konnte er sich selbst in seiner britischen Heimat als Opernkomponist behaupten.

Auf in den Kampf: Jukka Rasilainen als Escamillo im Dresdner VW-Werk

FOTO: JAQUELINE KRAUSE-BURBERG

Kupfer’s Fluthilfe

FOTO: DETLEV MÜLLER

FOTO: ERWIN DÖRING

C06_16_21_Premierenspiegel

Gabriele als Germania mit Schwert: Maria Gessler in Freiberg

Vergebliche Klonereien am Badischen Staatstheater

Facing Goya wurde vor zwei Jahren ohne Resonanz in Spanien uraufgeführt. Die Neufassung, die am Badischen

Christoph Sandmann, der sich als Arrangeur des origina-

Staatstheater ihre Uraufführung erlebte, wird hierzulande

So erhielt Bizets Oper ein Umfeld, das an die futuristischen

len Materials verdient machte, gab der Musik beein-

kaum das Terrain für Nyman vorbereiten. Nyman setzt auf

Bilder der Agenten-Filme um „007“ erinnert. Stahlträger,

druckend klares Profil. Die Inszenierung von Ingolf Huhn

die gleichen meditativen und repetierenden Kleinstmotive

Galerien und Treppen kühn dazwischen, eine „Visionsku-

im treffenden Bühnenbild Marie-Luise Strandts suchte der

wie Glass und Adams, doch er packt sie schärfer und kan-

gel“ in der Mitte, vor der sich die Haupthandlung um Car-

etwas simplen Handlung im nachmaurischen Spanien

tiger an, auch jazziger und durchaus mit Witz und Ironie.

men und José abspielt. Treppauf, treppab eilt der Chor,

Züge des Freiheitskampfes vom Beginn des 19. Jahrhun-

Doch trotz der gelegentlich fast musicalhaft auflachenden

während das Orchester seitlich postiert ist. Dirigent Massi-

derts zu verleihen. Maria Gessler, Guido Hackhausen und

Musiziergesten des 16-Mann-Orchesters und der swing-

mo Zanetti hatte alles erstaunlich präzise im Griff, und die

Michael Kunze trugen das Niveau der vom Publikum gefei-

enden Rezitativkunst des Vokalquartetts pendelt sich der

Staatskapelle schuf ein dramatisches und zuweilen auch

erten Wiedergeburt.

gescheite Exkurs um Genmanipulation und Klonologie, um

poetisches Klangbild im dem über 20 Meter hohen Raum.

Sieben Jahre nach der Mozartschen Zauberflöte erfand Li-

Schädelvermessung und Menschenzucht nur schwer zwi-

In Harry Kupfers auf zwei Stunden gekürzter Fassung kon-

berettist Emanuel Schikaneder eine Fortsetzung des Er-

schen Wissenschaftsoperette und Labortristesse ein. Auch

zentriert sich das Spiel auf Carmen, José und Micaela.

folgsstücks, die Labyrinth. Der zweyte Teil der Zauber-

Robert Tannenbaums artige Inszenierung und die deut-

Und es geht auf, akustisch mit Einschränkungen, aber mit

flöte überschrieben ist. Der Chemnitzer GMD Fabrice Bol-

schen Übertitel können die Langeweile nicht bannen. Eine

erstaunlicher Ausdruckskraft. Ulrike Helzel als Titelheldin

lon bearbeitete die in der Berliner Staatsbibliothek

Kunsthändlerin hat den Schädel Goyas erworben, wodurch

gab der emanzipierten Frau jugendliches Profil. Douglas

lagernden Materialien; den musikalischen Teil des Abends

die Frage nach der Vervielfältigung seiner Gene im Raum

Nasrawi als José war ein stimmkräftiger Partner, der am

trug er sehr engagiert. Die Musik des späteren Münchner

steht. Hilary Summers singt die Besessene mit fulminan-

Ende nicht nur die standhaft abwehrende Carmen nieder-

Hofkapellmeisters Peter von Winter hält sich stilistisch bei

tem Alt, von dem man gerne sämtliche Songbooks der

sticht, sondern auch sich selbst den Todesschuss gibt. Und

aller Beethoven-Nähe in Mozarts Bahnen und adaptiert auf

amerikanischen Song-Klassiker hören würde.

Eva Kirchner gestaltete Micaela mädchenhaft zurückhal-

originell eigenständige Weise den „Zauberflöten“-Ton.

tend. So erfüllte sich Carmens Schicksal, während rings-

Sabine Sterken inszenierte die Zauberoper mit Effekt. Aus

herum am Fließband Autos gebaut wurden. Friedbert Streller

dem spielfreudigen Ensemble ragten Jana Büchner und

Rolf Fath

Simone Schneider heraus. Die umjubelte Aufführung könnte die Aufmerksamkeit wieder auf diese gelungene Mozart-Adaption lenken.

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW PORTRAIT

PREMIERENSPIEGEL

Friedbert Streller

RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU

crescendo 06 2002 19


06.11.2002

5:03 Uhr

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Verdi in Weimar

Opernrundschau im Nordwesten

Richard Wagners Fliegender Holländer wird von Stein Winge, Chefregisseur am Osloer Opernhaus, in Mannheim neu erzählt. Während der Ouvertüre verspricht Kapitän Daland seine Tochter Senta dem Jäger Erik zur Frau. Das folgende Geschehen erlebt Senta als (Alb-)Traum.

In Weimar enthüllt Michael Schulz mit einfachen Mitteln die Aktualität und Brisanz von Verdis Don Carlo. Seine Inszenierung rückt die politische Seite des Stoffs ins Zentrum, die mörderische Falschheit der Inquisition, und holt sie mittels einiger moderner Versatzstücke aus der historischen Distanz.

Die Hamburgische Staatsoper verordnete ihrem Publikum zu Saisonbeginn ein Stück Avantgarde,und ein recht sprödes noch dazu: Luciano Berios La vera storia,1984 in Mailand uraufgeführt und seitdem nur wenig nachgespielt, hielt Einzug im Norden.

Sensationelle Senta: Kathleen Broderick

Im klinisch und klaustrophobisch anmutenden Bühnen-

FOTO: ARNO DECLAIR

Gelungener Albtraum

FOTO: ERIKA FERNSCHILD

FOTO: HANS JÖRG MICHEL

C06_16_21_Premierenspiegel

Milva als Cantastorie an der Hamburgischen Staatsoper

Und mit ihr – das wertete die wenig einfallsreiche Inszenierung von Henning Brockhaus ein wenig auf – die beRosita Kekyte als Eboli und Mauro Nicoletti als Don Carlo

rühmte Milva, für die der Komponist die Partie der Cantastorie, der Balladensängerin, erdacht hatte. Ihr vor allem

raum (Johannes Schütz, Bettina Bender) wandelt Senta

ist der Achtungserfolg des Stücks zu verdanken.

zwischen dem Dreh- und Angelpunkt des zum Nachen ge-

Eine blinkende Lichterkette umrahmt in der Hinrichtungs-

In Bremen stellte sich mit Lawrence Renes ein neuer, 31

schrumpften Holländerschiffs, merkwürdigen Individuen

szene ein erdrückend überdimensioniertes Kreuz, und der

Jahre junger GMD vor, der Verdis Aida mit schlankem, ge-

und beängstigenden Kollektiven. Ein grotesker Norweger-

königliche Herold (Silona Michel) tritt mit Engelsflügeln

zügeltem Klang gestaltete und den erzählerischen Duktus

Chor, nackte Lemuren der Holländer-Besatzung und eine

und Mikrophon auf, so dass die Anklage sich auf die Verlo-

der Musik unterstrich. Neuer, jugendlicher Drive für ein alt-

Heerschar aufgeputzter Bräute lehren das Fürchten. Die

genheit heutiger Propaganda, Werbung und Showbizz

bekanntes Stück, das Heinz Hausers an optischen Effekten

Hochzeit von Senta und Holländer findet als düstere Toten-

richtet statt auf den kaum mehr aktuellen Katholizismus.

reiches Bühnenbild und David Mouchtar-Samorais Insze-

feier statt. Traum und scheinbar auch Senta brechen zu-

Die überzeugendste Figur ist Posa (Tomas Möwes), der

nierung in eine glatt-glitzernde Schickeria-Gegenwart ver-

sammen. Zu den Schlussklängen reißt Daland seine Toch-

sehr realistisch einen engagierten und mitfühlenden Idea-

legten. Neue Erkenntnisse brachte das nicht.

ter aus dem Koma, um sie Erik zuzuführen. Doch Senta

listen gibt. Sein Gegenspieler König Philipp (Hidekazu Tsu-

Als überzeugende Sichtweise erwies sich dagegen die An-

verharrt in abwehrender Haltung.

maya) tritt im historischen Kostüm auf, letztlich aber er-

siedlung von Wagners Meistersingern in der unmittelba-

Winge hat einprägsame Bilder und Figuren geschaffen.

scheinen beide überzeitlich. Die Titelfigur (Mauro Nicoletti)

ren Nachkriegszeit, wie sie Regisseur Andreas Baesler in

Der geschäftige Daland (sonor Winfried Sakai), der bieder-

ist in Anlehnung an die historische Person des Infanten

Oldenburg vornahm. Auf einmal ist uns das Stück ganz

verzweifelte Erik (mit tenoraler Durchschlagskraft Stefan

und psychologisch überzeugend ein reiner Tor, der dem In-

nah, verliert alle Pathetik, und auch das Orchester unter

Vinke), der alkoholisierte Steuermann (Uwe Eikötter) und

trigenspiel schutzlos ausgeliefert ist.

Alexander Rumpf versteht sich auf eine natürlich fließen-

die spießige Gesellschaftsdame Mary (Hannelore Bode) er-

Für die Darstellung der Liebestragödie – das andere Zen-

de, dem Lyrischen zuneigende Lesart. Darüber hinaus sind

scheinen als Repräsentanten einer dubiosen Gesellschaft.

trum der Handlung – verlässt sich Schulz ganz auf die In-

mit Hannu Niemeläs geistig überlegenem Hans Sachs,

Sehr beindruckend die beiden Hauptfiguren: Mit kräftigem

tensität von Verdis Musik und die Stimmqualität des En-

Magdalena Schäfers temperamentvoller Eva, John Ulen-

Bassbariton singt Ronnie Johansen einen bärbeißigen

sembles. Die ist durchweg sehr gut, in Weimar kommt

hopps makellos gestaltendem und durchhaltendem

Holländer wohlklingend und verständlich. Kathleen Brode-

man ohne Gaststars aus. Nur Dalia Schaechter als Eboli

Walther sowie Martin Koch als stimmfrischem, textpräg-

rick, mit schönem, zu Lyrik und Dramatik fähigem Sopran,

wirkt in der Höhe etwas angestrengt. Das Orchester unter

nantem David ganz exzellente Solisten am Werk.

spielt die Senta sensationell. Dass es musikalisch brandet

der Leitung des neuen GMD Jac van Steen war nicht frei

und schäumt, dafür sorgen Enrico Dovico und das Natio-

von Ungenauigkeiten, hatte aber viele Momente von

naltheater-Orchester.

Heinz-Günter Vester

20 crescendo 06 2002

großer Intensität.

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW PORTRAIT

Gerhart Asche

Peter Sarkar

PREMIERENSPIEGEL

RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU


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06.11.2002

5:03 Uhr

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NRW-Rundschau

FOTO: KLAUS LEFEBVRE

FOTO: FRANK HELLER

Im Westen nichts Neues? Doch,jede Menge.Kurz und knapp berichtet Jens Mail in jedem crescendo über die wichtigsten Opernpremieren im größten deutschen Ballungsgebiet: Was also ist passiert zwischen Aachen und Wuppertal, zwischen Bonn und Gelsenkirchen?

Da gibt es eine Programmzeitschrift, … die wie in guten alten Zeiten des Dampfradios umfassend und ausführlich die Radioprogramme des gesamten deutschsprachigen Raums Woche für Woche dem treuen Radiohörer zur Lektüre und Orientierungshilfe bietet.“ Klaus Amann, SWR 2 „… wer einmal dieses Wochenprogramm in Händen hält und auf 141 Seiten (141!) mit grenzenloser Verwunderung feststellt, welch ungeheuren geistigen Reichtum unser derzeitiger Hörfunk anzubieten hat und welch ungeheuer großen Bildungsschatz man Woche für Woche ungehört an sich vorbeirauschen lässt, der wird einsehen, dass es höchste Zeit wird, für dieses Dampf-Radio einmal publizistisch Dampf zu machen: es lässt erahnen, in welchem radiophonen Luxus wir (noch) leben.“ Prof. Dr. Hans Christian Schmidt, Osnabrücker Nachrichten

Monika Groop als Oktavian und Soile Isokoski als Marschallin im Kölner Rosenkavalier

Aachener Straßenszene mit Lisa Graf und Gavin Taylor

intellektuell, aber weitgehend konzeptionslos ausgetobt, das Publikum verärgert, den Etat verplempert. Hoffentlich Neues aus NRW: Der populäre Düsseldorfer Altstadt-

auf Nimmerwiedersehen! Dirigent Marc Soustrot, Titelheld

Herbst hatte seine ersten Opern-Premiere: The Bird Gar-

Frode Olsen und Cynthia Makris (Senta) halten das Un-

den. Libretto von Polly Hope, einer Old Lady der engli-

glück wenigstens musikalisch in Grenzen.

schen Kunstszene, die polystilistische Musik vom Jung-

Verdis Macbeth in Mönchengladbach leidet am Gegen-

komponisten Quentin Thomas. Man fragt sich, ob sie dem

teil. Regisseur Jens Pesel weiß klug über die Oper zu re-

Drama wirklich weiterhilft.

den, aber auf der wenig aussagekräftigen Bühne (Konrad

Die weiblichen Singles diskutieren vor allem die Situation

Hartmann) sieht man nur eine Ansammlung von Hilflosig-

der Frau usw. Die Gesprächsinhalte versteht man aber

keiten. Die Lady der jungen Milana Butaeva ist eine Ent-

letztlich nur dank der Übertitel. Der Klageschluss gerät

deckung, auch wenn man bei künftiger Rollenwahl Vor-

sentimental, die Vogel-Metapher (Titel) scheint ziemlich

sicht anraten möchte. Das Flüchtlingsbild lebt vom wirk-

weit hergeholt. Beflügelnder Dirigent (Martin Fratz), gute

lich hinreißenden Chor und dem Macduff Kairschan

Sängerdarstellerinnen, mittelprächtiges Operndebüt des

Scholdybajews. Kenneth Duryea dirigiert einmal mehr mit

Regisseurs Norbert Kentrup.

Italianità-Gespür.

Street Scene, die 1946 entstandene „amerikanische“

Ein Dschungelbild Henri Rousseaus ziert den Zwischen-

Oper Kurt Weills, schildert auf unprätentiöse Weise Alltags-

vorhang. Wie passt das zur Rokokotradition von Strauss’

szenen; im Mittelpunkt der Handlung steht ein Eifer-

Rosenkavalier, die in der Kölner Neuinszenierung zumin-

suchtsmord. Das Werk hatte es nicht leicht, wurde jetzt

dest beim Kostüm der durch Soile Isokoski hinreißend be-

aber in Aachen mit Begeisterung aufgenommen, ver-

setzten Marschallin bis zum Schluss erhalten bleibt? Gün-

ständlich alleine angesichts der hochrangigen musikali-

ter Krämer bildet weniger Realität ab, als dass er Seelen-

schen Interpretation unter Marcus R. Bosch (bei den Sän-

zustände sichtbar werden lässt, kulminierend im

gern sind Lisa Graf und Gundula Payerl hervorzuheben).

somnambulen Schlussterzett. Nicht alles wirkt gleicher-

Die Inszenierung von Bruno Klimek freilich wirkt defizitär.

maßen gelungen, doch gibt es einige wirklich frappierende

Mit stilisierten, um 90 Grad gekippten Wolkenkratzern hat

Erhellungen. Iride Martinez bezaubert als Sophie, Monica

sich Ausstatter Thomas Armster allerdings geschickt auf

Groop als Octavian. Kristinn Sigmundsson wertet den

die beschränkten Bühnenverhältnisse eingelassen.

Ochs auf, ist aber immer noch eine ganz schön fiese Type.

Bei Wagners Fliegendem Holländer in Bonn kann man

Dirigent Philippe Auguin bringt die Strauss-Musik mehr

sich kurz fassen: Regisseur Matthias Schönfeldt hat sich

und mehr zum Leuchten.

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW PORTRAIT

zunächst gar nicht glauben! „Man will es

PREMIERENSPIEGEL

RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD

Jens Mail

„Zum Lobe der Öffentlich-Rechtlichen ... Nach wie vor gibt es auch die öffentlichrechtlichen Kultursender und sie verfolgen Ihren Auftrag mit großer Energie und großem Aufwand. Zum Beispiel durch eine große Zahl an Radiokonzerten bis hin zur eigenen- oder koproduzierten Ur- und Erstaufführung. Zum Beispiel durch Hörspiele, ca. 30 im Monat. Zum Beispiel durch Literaturlesungen, täglich mehrere. Und nicht zuletzt durch soliden Funkjournalismus bis hin zum ausgedehnten „Feature“ zu Fragestellungen politischen, technischen, medizinischen, kulturellen und sozialen Inhalts. Und viele hören zu – … aber was wird wann gesendet? Lesen was läuft. Hören was lohnt: das „Dampf-Radio“. All diese Informationen der öffentlichrechtlichen Sender zusammenzutragen hat sich die einzige überregionale Radiozeitschrift Deutschlands, das „Dampf-Radio“ … zum Ziel gesetzt. Probieren Sie es aus: Bestellen Sie unverbindlich ein Probeheft… Sie werden feststellen: Das Angebot der öffentlich-rechtlichen Radiosender ist groß; es ist vieles da. Man muß nur Hinhören. Und wissen, dass (und wann) es „läuft“.“ MANUFACTUM Eine kostenlose, gültige Ausgabe erhalten Sie unverbindlich unter dem Stichwort „Crescendo 3“. Dampf-Radio Marketing Pfarrer-Reinartz-Straße 7, 53925 Kall Fax: 02444/911332 Email: probe@dampf-radio.de

www.dampf-radio.de

crescendo 06 2002 21


19:08 Uhr

Seite 22

Reise-Tipps

>1 Auf Wink des russischen Zaren Der ADAC Hessen-Thüringen ist in ganz Europa daheim; denn seit über 20 Jahren werden von ihm anspruchsvolle Reisen zu Opern-, Ballett- und Konzertaufführungen organisiert. Man setzt auf personelle Kompetenz und verfügt über glänzende Kenntnis der Verhältnisse vor Ort, so dass bei den Arrangements Reise- und Musikprogramm stimmig und die Hotels Spitzenklasse sind.

Die jüngste und zugleich nördlichste Millionen-Metropole unseres Kontinents feiert 2003 ihr 300- jähriges Bestehen: St. Petersburg – auf Wink des russischen Zaren Peter I. an der Foto Alvaro Yañez

Mündung der Newa aus dem schlammigen Boden gestampft, ein Wunder barocker Prachtentfaltung, die ehemalige russische Hauptstadt. Ihre Skyline – Admiralität, Isaaks-Kathedrale, die weltberühmte Eremitage – muss Künstler magisch angezogen haben. Alexander Puschkin hat dort seine Verse geschrieben, Peter Tschaikowsky komponiert, Marius Petipa choreographiert und Ilja Repin gemalt. Im Juni wird das Stadtjubiläum gebührend gefeiert: Die „Weißen Nächte“ verheißen glorreiche Abende in St. Petersburgs traditionsreichen Theatern und Konzertsälen, wie dem Mariinsky, der alten Zaren-Oper, oder dem SmolnyKloster, wo die St. Petersburger Philharmoniker (die ehemaligen Leningrader), ein Weltklasse-Orchester, beheimatet sind.

Eine weitere Musikreise bietet der ADAC schon Ende Febraur 2003 an: nach Monte Carlo („Fidelio“) und Nizza („La Bohème“). Ausflugsprogramme führen zu den schönsten Plätzen an der Côte d’Azur wie der Villa Ephrussi de Rothschild und dem bekannten ChagallMuseum in Villefranche-sur-Mer.

RENÉ JACOBS Concerto Vocale CLAUDIO MONTEVERDI Madrigali guerrieri ed amorosi

Der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ gereicht selbst einer Stadt, die schon zum UnescoWelterbe gehört, zur Zierde. Die Reverenz ist deshalb angebracht: Im Grazer Opernhaus werden die unvergleichlichen Wiener Philharmoniker als Gäste erwartet – mit Cileas „Adriana Lecouvreur“ im Gepäck. Grund genug für einen Trip in die Burgen- und Schlösser-reiche Steiermark.

Sonstige Reiseziele im kommenden Jahr: die italienischen Städte Ferrara, Parma, Mailand, Verona und Neapel; die österreichischen Musikzentren Salzburg und Wien; die Bundeshauptstadt Berlin mit ihren drei Opernhäusern und zwei Konzertsälen; das bayerische

Die musikalische Darstellung glühender Leidenschaft

Musik-Mekka München; die aufstrebende Festspielstadt Baden-Baden und jenseits des Rheins - im Herzen Europas - Straßburg. Info: ADAC Reisen für Musikfreunde, Tel. 069 - 66078303, Fax 069 - 66078349, www.adac.de/hessen-thueringen email: oper@hth.adac.de

www.harmoniamundi.com

22 crescendo 06 2002

RÄTSEL

REISE

FOTO: ADAC HESSEN-THÜRINGEN

06.11.2002

unterwegs

C06_22_23_Reise


19:08 Uhr

Seite 23

> 1 ADAC: Exklusive Musikreisen > 2 Lucerne Festival, Ostern 2003 >3 Auflösung Rätsel crescendo 5/02

>2 Preisrätsel:

TESTAMENT

Wie hieß Richard Wagners „Idyll“ am Vierwaldstättersee?

Nominierungen ONDINE

06.11.2002

FOTO: HOTEL KRONE, SARNEN

C06_22_23_Reise

So ein „Exil“ kann man sich nur wünschen: eine Villa mit Seeblick, Lucerne mit seiner traumhaften Lage gegenüber. Richard Wagner hat dies nach seiner Vertreibung aus München in vollen Zügen genossen. Warum es ihm nicht gleichtun? Die TOM Service AG hat exklusiv für

SBT 1210

crescendo-Leserinnen und -Leser ein Package-Angebot (10.-13. April 2003) zum Lucerne

ODE 960

gen im Hotel Krone in Sarnen, ein hochkarätiges Besichtigungsprogramm und sehr gute Karten für das Symphoniekonzert des Gustav Mahler Jugendorchesters unter Pierre Boulez sowie das Chorkonzert in der Lucerner Hofkirche mit dem weltberühmten Hilliard Ensemble. Reise-Infos: TOM Service AG, Schweiz Tel 0041 (0)41 368 10 00 email: esther.dysli@tom.ag, Weitere Infos über die Schweiz: www. myswitzerland.com Eine Reise zum Lucerne Festival, Ostern 2003 für zwei Personen können Sie aber auch

MACD 1084

gewinnen. Schicken Sie die Antwort auf obige Frage bis zum 10. Januar an:

Beethoven: Complete Quartets; Vegh Qt.

ODE 979

Port Media GmbH, Team Crescendo, Fax 089 – 74 15 09-11, email crescendo@portmedia.de Rechtsweg ausgeschlossen

>3 AuflösungRätselcrescendo 5/02 Für manche Leute sind Klavier und Flügel bloß Möbelstücke. Andere – wie die Besucher des

LSO 0010

Lucerne Festival, Piano – wissen um das „Geheimnis“: Zwar gibt es auch einen Konzertflü-

Berlioz: Les Troyens; Sir Colin David

gel mit vollen acht Oktaven Umfang, also 97 Tasten (Bösendorfer Imperial), doch die heute

ODE 982

FOTO: FESTSAAL LUCERNE/PRISCA KETTERER

Herr Thomas Schachschal, 76131 Karlsruhe.

TIM 1C 1062

Strauss: Four Last Songs; Soile Isokoski

GLOSSA

tet deshalb: 88 Tasten. Gewonnen hat und auf eine Klavier-Reise nach Lucerne freuen darf sich:

TIMPANI

üblichen Instrumente von Steinway, Fazioli, Yamaha, Schimmel, Steingräber, Bechstein, Blüthner usw. reichen vom Subcontra-A bis zum fünfgestrichenen C. Die richtige Lösung lau-

Brouwer: Guitar Concerto No. 5; Timo Korhonen

ONDINE

L S O - L IV E

Senefelderstr. 14, 80336 München,

Hakola: Clarinet Works; Kari Kriikku, Avanti Quartet

ONDINE

MUSIC & ARTS

Festival, Ostern 2003 parat: Das Arrangement für 435 Euro/Person umfasst drei Übernachtun-

Bruckner: Symphony No. 2; Carlo Maria Giulini

Xenakis: Orchestral Works Vol. 2; Arturo Tamayo, Orchestre Philharmonique du Luxembourg

GCD 920405

Bach: Cello Suites; Paolo Pandolfo

Note 1 Musikvertrieb GmbH Heuauerweg 21 · 69124 Heidelberg · Tel. 0 62 21/72 03 51 Fax 72 03 81 · e-mail: info@note-1.de · www.note-1.de

crescendo 06 2002


07.11.2002

gesucht

C06_24_Rätsel

14:33 Uhr

Seite 24

Das Crescendo-Rätsel > Frage gefunden!

E

s ist doch immer wieder frappierend, wie

fonie brauchte oder die Nummernoper “Invincibile” von

viele phantasievolle und rätselbegabte

Barbara Propitius Nummern hat. Und wissen Sie, wie alt

Leser wir haben. Dabei hatten wir Ihnen ja

Michael Jarre in fünf Jahren und seine aktuelle Freundin in

im letzten Crescendo einmal keine Frage

19 Jahren sein werden? Sie ahnen es schon: 42!

gestellt, sondern eine Antwort gegeben, auf die Sie eine musikalische Frage formulieren sollten.

Interessant auch, was bedeutende Musiker mit 42 Jah-

Jürgen Imandt, Manager PR Bose (mitte), Barbara Wunderlich, Mediaberatung Crescendo und der Hauptgewinner Matthias Wimmer

UNSERE GEWINNER: Schade, dass nur einer den Hauptgewinn, die Bose Life Style System 35 Surroundanlage im Wert von

ren erlebten:

5.400 EUR erhalten konnte. Und dieser Glückliche

Smetana die Uraufführung der Verkauften Braut, Berlioz

war: Matthias Wimmer aus Garching.

kannt haben. In Douglas Adams‘ Buch „Per Anhalter durch

die erste Aufführung seiner Oper Damnation de Faust, Ari-

Herzlichen Glückwunsch!

die Galaxis” rechnet ein Großrechner viele Jahre, um dann

bert Reimann die des Lear. Wagner schloss die Partitur der

dem gespannten Universum die Antwort auf die Frage nach

Walküre ab, dirigierte vor Königin Victoria und erlitt den

Neun

dem Sinn des Lebens, des Universums und allem übrigen

Tod seines Hundes Peps (wir glauben das einfach mal), zu-

erhalten als jeweils zweiten

zu geben. Und diese Antwort lautet: 42. Worauf ein neuer

dem wurde seine Oper Rienzi in der 42. Woche des Jahres

Preis den Live-Mitschnitt einer

Rechner gebaut werden muss, um nach der passenden

1842 uraufgeführt. Mahler vollendete mit 42 Jahren seine

Macbeth am Opernhaus Zürich

Frage zu suchen...

5. Symphonie, dirigierte erstmals in der Wiener Hofoper

DVD-Video. Die Inszenierung

den Tristan und erlebte die Geburt seiner ersten Tochter

glänzt mit schönen rothaarigen

Die meisten Leser werden die Antwort 42 wiederer-

Der Rücklauf auf unsere Frage-Aktion war enorm!

weitere

Fragesteller

Anna Maria; Skrjabin begann sein Projekt Mysterium, und

Hexen, einer gefährlich verfüh-

Und wir in der Redaktion haben wieder jede Menge gelernt.

Joseph Lanner, Mussorgsky und Hugo Wolf starben, eben-

rerischen Pauletta Marrocu als Lady Macbeth und

Zum Beispiel, dass vor 42 Jahren die Leipziger Oper als er-

so Elvis Presley.

einem überzeugend getrieben-verwirrten Macbeth

ster großer Theaterneubau der DDR eröffnet wurde, Stanis-

(Thomas Hampson).

law Skrowaczewski Chefdirigent des Minneapolis Sym-

Schön waren die ungewöhnlichen Fragen wie die

phony Orchestra wurde und im gleichen Jahr der Jazzbas-

eines österreichischen Brahms-Freundes:

Zuricher Opernhauses: Welser-Möst. TDK DV-

sist Oscar Pettiford, der Dirigent Dimitri Mitropoulos und

„Wenn man sich jeden der Ungarischen Tänze von Brahms

OPMAC.

der Bariton Leonard Warren starben.

zweimal anhört – weil sie so schön sind! – wie viele

Je eine DVD haben gewonnen: Christine Vogl aus

Stücke hat man dann gehört?” Oder diese: „Wie viele Mu-

Aldersbach, Holger Maleta aus Bonn, Alfred

siker braucht man, um sechs Septette zu bilden?” Oder

Schäfer aus Chemnitz, Gertraude Göpner aus

zeichniszahl 42 tragen, etwa „der bekannteste Liederzyk-

jene: „Welche Opusnummer von Charles-Marie Widor muss

Laatzen, David Erler aus Leipzig, Wolfgang Berger

lus, den Dietrich Fischer-Dieskau nicht gesungen hat”

man unbedingt finden, wenn man großartige Orgelmusik

aus Magdeburg, Judith Kabbeck aus München,

(Schumanns Frauenliebe und -leben), Bachs Kantate Am

für seine Hochzeit haben will?”

Wolf Pilz aus Oberau und Christel Hagen aus

Wir erfuhren, welche Werke die Opus- oder Werkver-

Abend aber desselbigen Sabbats (diese Frage lasen wir

Giuseppe Verdi: Macbeth. Chor und Orchester des

Rosengarten.

oft) oder Felix Mendelssohns Vertonung des 42. Psalms(!).

Für die Mathematiker gab es folgende Fragen:

Wie viele Opern komponierten Händel und Cavalli (naja, un-

„Was ist BACH mal drei?” (3 x 14); „Welche Zahl ergibt

ter Cavallis 42 Opern sind ein paar, die wohl nicht von ihm

sich, wenn man von der Opuszahl von Beethovens Egmont

EIN RÄTSEL STELLEN WIR IHNEN DIESMAL NICHT!

sind, aber ob alle Fragen auch wirklich die Antwort „42”

die doppelte Opuszahl von seiner ersten Sinfonie abzieht?”

Alles weitere finden Sie auf der Weihnachts-Seite

hatten?)? Wie viele Sinfonien komponierte Mozart, wenn

Oder für ganz Spitzfindige: „Wie viele Engel wären erfor-

(Seite 14).

man die Sinfonia concertante mitzählt? Wie viele Takte

derlich, wenn sich die adeligen Waisen (Rosenkavalier)

hat die e-moll-Fuge aus Bachs Wohltemperiertem Kla-

desselben Schutzes erfreuen wollten wie Hänsel und Gre-

oder – auch schön – „Wenn Beethoven 33 Symphonien

vier, Band I? Wie viele Klavier- und Violinsonaten hat

tel? (3 x 14, vgl. Abendsegen)“; und diese: „Im zweiten

mehr komponiert hätte, wie viele wären es dann insge-

Beethoven geschrieben? Wie viele Personen waren im

Aufzug von Pfitzners Palestrina sagt der Kardinallegat

samt?”

Opernorchester Dresden um 1750 vertreten? Wie viele Sai-

Morone: ‚Ihr wisst, von des Kaisers Propositionen, den xx,

ten hat die bayerische Zither? Wie viele Register besitzt

ist schon das meiste besprochen, geprüft und erledigt.‘ Von

Einen Sonderpreis hat sich Holger Maleta aus Bonn

das Pansymphonikon (ein orgelartiges Instrument, das

wie vielen Propositionen spricht Morone?” Ein Leser

verdient, der uns ein Kreuzworträtsel um die Wörter “Zwei-

auch in großen Musiklexika nur mit Mühe zu finden ist)?

schickte uns seitenlange Fragen nach Art der folgenden:

undvierzig” und “Lifestylesystem” bastelte.

Und wie viele Jahre älter als Mozart wurde Haydn? Genau-

„Welche Summe ergibt sich aus den Quersummen des Ge-

Allen Einsendern, deren Karten und Briefe zum Teil sehr

so viele wie Mozart Tage zur Komposition der Jupiter-Sin-

burtstages von Lortzing und des Todestages von Wagner?”

schön gestaltet waren, danken wir ganz herzlich. <<<

24 crescendo 06 2002

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW PORTRAIT PREMIERENSPIEGEL

RÄTSEL

REISE HIFI BÜCHER CD DVD VORSCHAU


06.11.2002

17:13 Uhr

Seite 25

plus regional

angekündigt

C06_25_Regional

Bayern

Den Walzerkönig im Blut FOTO: DA CAPO

Die »Wiener Johann Strauß Konzert-Gala« „Ein echter Wiener, der hat den Strauß im

Seit 1998 untersteht das 50 Musiker starke

Blut“. Und was für den kleinen Mann von

Johann Strauß Orchester der musikali-

nebenan zutrifft, gilt erst recht für die soge-

schen Gesamtleitung von Herbert Prikopa,

nannten „Wiener vom Fach“: Herbert Priko-

der selbst ein Stück Wiener Musikge-

pa, zum Beispiel, Gerlinde Dill oder die Mu-

schichte ist: Über 90 Hauptpartien hat er

siker des „Internationalen Johann Strauß

als Solist an der Wiener Volksoper gesun-

die Darbietungen des Staatsopernballetts

Orchesters“. DaCapo Musikmarketing, das

gen, bevor er 1977 zum Dirigentenstab griff

beim weltweit übertragenen Wiener Neu-

auch unterhaltende Musik ernst nehmen

und nebenbei auch als Komponist, Kabaret-

jahrskonzert leitete. Gesangseinlagen von

will, hat sie schon vor Jahren zusammen-

tist, Schauspieler, Rundfunk- und Fern-

Sopranistinnen wie Judith Kuhn und Birgit

gebracht. Herausgekommen ist eine präch-

sehmoderator in Aktion trat. Dazu tanzt das

Beer runden die gefeierte Produktion ab,

tige Gala-Show mit Musik, Tanz und Ge-

eigens für die Gala ins Leben gerufene

die pünktlich zu Weihnachten mit neuem

sang, deren Programm sich vornehmlich

„Österreichische K&K Ballett“ – eine Grup-

Programm, neuer Choreographie und völlig

um die weltweit beliebten und das Ohr

pe von fünf Paaren, darunter vier Solisten –

neuen Kostümen nach Entwürfen von Alice

schmeichelnden Melodien der Strauß-Dy-

zu ausgewählten Walzer-, Polka- und Csár-

Maria Schlesinger wieder in Deutschland

nastie dreht: das in München, Augsburg,

dás-Stücken. Die Choreografie der Tänze

und der Schweiz zu erleben ist.

Aschaffenburg, Nürnberg und Ulm schon

obliegt der ehemaligen Tänzerin, Ballett-

Karten: 01805/426 426 (12 Cent/Min.) und

längst zur Tradition gewordene Gastspiel

meisterin und heute freischaffenden Künst-

bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.

der »Wiener Johann Strauß Konzert-Gala«.

lerin Gerlinde Dill, die von 1974 bis 1995

www.dacapo.at

Gutschein gültig für ein Programmheft Wiener Johann Strauß Konzert-Gala Einzulösen am Veranstaltungstag beim Programmheft-Verkaufsstand (Wert bis EUR 8,–) Name: Anschrift:


06.11.2002

18:14 Uhr

Seite 26

plus regional

>1 Künstler der Superlative

>2 Offenes Geheimnis

Der Name ist Programm. Und bei der Aus-

Sind Mozart und Salzburg noch voneinan-

lichter zur Weihnachtszeit) die drei nordi-

raschende akustisch-räumliche Perspekti-

wahl renommierter Künstlerpersönlichkei-

der zu trennen? Nein, und das bestimmt

schen Sopranistinnen am Haus, Päivi Elina

ven und Eindrücke, wie sie ganz ähnlich

ten hat das Management der Konzertdirek-

nicht wegen der – zugegeben – köstlichen

(Finnland), Marianne Larsen (Dänemark)

auch in Anders Hillborgs Dreaming River

tion Bell’Arte ein sicheres Händchen, auf

Mozartkugeln, sondern weil die Musik des

und Hlín Pétursdóttir (Island). Bleibt noch

vorkommen. Nur das der ein Jahr jüngere

Komponisten in seiner Geburtsstadt seit je

zu erwähnen, dass die letzte Premiere des

Schwede zwei chinesische Oboen mitspie-

auf höchstem Niveau gepflegt wird. Des-

Jahres 2002, zwei Tage vor Heilig Abend,

len lässt, was einen sehr exotischen Klang-

halb pilgern die Mozartianer auch alljährlich

wohl weniger besinnlich als denn sinnlich

hintergrund erzeugt. Im Mittelteil wird das

nach Salzburg zum Winter-Musikfest. Die

ausfallen wird: In seiner vierten Operetten-

Symphonieorchester des Bayerischen

Mozartwoche im Januar – veranstaltet von

Inszenierung am Gärtnerplatztheater will

Rundfunks unter Michael Gielen Alexander

der Stiftung Mozarteum – präsentiert dem

Franz Winter Strauß’ Fledermaus ganz aus

Raskatovs Xenia für Kammerorchester auf-

Publikum in rund 30 Konzerten internatio-

dem Geist der Entstehungszeit (1872/1874)

führen: ein Beispiel lebhafter Phantasie und

nal bekannte Dirigenten, Solisten und Or-

auf die Bühne bringen.

Emotionalität, die der noch nicht 50jährige

chester, wie zum Beispiel die Wiener Phil-

Karten und Info: (089) 21 85 19 60.

Russe mit sorgfältig ausgearbeiteten Struk-

harmoniker, Nikolaus Harnoncourt, Mauri-

www.staatstheater-am-gaertnerplatz.de

FOTO: BELL ARTE

angekündigt

C06_26_28_Regional

turen zu kombinieren weiß.

zio Pollini , Angelika Kirchschlager , das

Karten und Info: Tel. (089) 59 00 40 90

Mozarteum Orchester Salzburg unter Sir Roger Norrington, András Schiff oder Gidon

>4 Klang-Raum-Perspektiven

oder München Ticket Tel. (089) 54 81 81 81.

Kremer.

Nach nunmehr fünf musica viva-Spielzeiten

www.br-online.de

Karten und Info: +43 (662) 87 31 54.

unter der künstlerischen Leitung von Udo

>5 Andechser Musik-Winter

www.mozarteum.at

Zimmermann können die Freunde der zeit-

Ort der Wallfahrt und Hort kulturellen Le-

genössischen Musik in München ein erstes

bens – in Kloster Andechs hat beides lange Tradition. Nicht zuletzt die jeden Sommer

Aber auch die Musiker kommen immer

>3 Advent am Gärtnerplatz

Jubiläum feiern. Das Konzept, aufsehenerregende Veranstaltungen mit zahlreichen

stattfindenden Carl-Orff-Festspiele locken

wieder gerne nach München, was den Zu-

Du sollst nicht lieben hat Kabarettist und

Uraufführungen, großen Komponisten-

Liebhaber in Sachen Musik zu einem Ab-

schauern wiederum die Möglichkeit bietet,

Chansonnier Georg Kreisler seine Musikali-

persönlichkeiten, berühmten Ensembles,

stecher auf den „Heiligen Berg“, wo übri-

in zeitlichem Abstand verschiedene Pro-

sche Komödie um das streitfreudige „Hel-

gens auch das Brauwesen (Andechser Dop-

gramme ein- und desselben Künstlers zu

den“-Paar Sonja und Lothar genannt. Pre-

pelbock!) hochgeschrieben steht. Doch der

erleben oder Karriere-Etappen live mitzuer-

miere war im Mai und Margit Rogalls amü-

Ausflug lohnt sich auch an kalten Novem-

leben. So können Fans der klassischen Fla-

sante Inszenierung für das Metropol-

menco-Gitarre sich Ende November (Phil-

Theater ein akustisch-optischer Spaß voller

harmonie im Gasteig, 30.11.) auf ein Wie-

satirischer Untiefen. Später als geplant wird

dersehen mit Paco Pena und seiner

das unterhaltsame Beziehungsdrama nun

Flamencotruppe (12 Gitarristen, Tänzer und

am 9. und 10.12. wiederholt – ein Anlass

Sänger) freuen, während eben dort am

unter vielen, sich zu überzeugen, wie um-

4.12. der „Jahrhunderttrompeter“ Maurice

triebig und vielseitig einsetzbar die Künstler

erstklassigen Dirigenten und Solisten zu

André, begleitet von seinem Sohn Nicolas

des Ensembles am Gärtnerplatz sind. Und

präsentieren, hat ein Umdenken beim Pu-

tung von Pianistin Micaela Gelius mit kam-

(Trompete) und seiner Tochter Beatrice

nicht nur das. Entgegen Kreislers Titelfor-

blikum eingeleitet, dass der immer noch

mermusikalischen Trios von J. Haydn, F.

F OTO : K ATA L I U M O DVAY

das sich das Publikum verlassen kann.

Bayern

ber- und Dezember-Tagen, zu Kammermusik und Klavierabenden der Konzertreihe in der Alten Bibliothek. Neben ganz auf Weihnachten abgestimmten Veranstaltungen, die jedoch bereits ausverkauft sind, wollen wir besonders für drei Programme unsere Empfehlung aussprechen: Das unter Lei-

derung ergreifen auch in diesem Jahr wie-

allzu oft mit Skepsis angegangenen Neuen

Schubert und E. Lalo auftretende Gelius Trio

der einzelne Gesangssolisten, Mitglieder

Musik zugute kommt. Hauptwerk des drit-

(23.11., 18 Uhr). Sreten Krsti˘c, erster Kon-

del, Albinoni, Haydn und Hummel zum be-

des Orchesters und der Kinderchor des

ten Konzerts der musica viva-Reihe im

sten geben wird. In der Reihe „Klavierma-

Staatstheaters unter Leitung von Franz

Münchner Herkulessaal am 17.01.2003 ist

tinéen im Prinzregententheater“ sei auf ein

Frank die Initiative und gestalten zugunsten

George Lopez’ Breath-Hammer-Lightening

Konzert des für seine Vielseitigkeit bekann-

der von der Flutkatastrophe betroffenen

– ein Kompositionsauftrag der musica viva.

ten Pianisten (und Fitness-Fanatikers) Tzi-

Theater und Orchester in Sachsen ein fest-

Der 1955 geborene und in den USA aufge-

mon Barto am 15.12. hingewiesen. Er wird

liches Weihnachtskonzert als Benefizma-

wachsene Kubaner, dem es um die Vermitt-

Stücke von Bartók, Rameau, Schumann,

tinée (15.12., 11 Uhr). Kurzweiliges und

lung von Natur- und Kulturklang geht, hat

Rihm, Bach, Brahms und J. Strauß spielen.

Musikalisches zum Thema „Weihnachten

darin ein umfassendes Raumkonzept mit

Karten und Info: (089) 811 61 91.

skandinavisch“ bieten in bewährter Forma-

Standortwechseln der Musiker und Fernor-

www.bellarte-muenchen.de

tion am 17.12. (Soirée im Foyer: Drei Nord-

chester erarbeitet: Zu erwarten sind über-

26 crescendo 06 2002

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW PORTRAIT PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE

FOTO: KLOSTER ANDECHS

(Oboe) – an der Orgel: Hedwig Bilgram – Werke von Purcell, Telemann, Corelli, Hän-

REGIONAL

BÜCHER CD DVD VORSCHAU


06.11.2002

18:14 Uhr

Seite 27

> 1 Bell’Arte Konzertdirektion > 2 Mozarteum Salzburg > 3 Staatstheater am Gärtnerplatz München

angekündigt

C06_26_28_Regional

> 4 musica viva des Bayerischen Rundfunks > 5 Kloster Andechs > 6 Bayerische Staatsoper München

>6 Entführungsdrama „Ein gewisser Mensch namens Mozart in

Entführung aus dem Serail nach der Urauf-

Brite Daniel Harding, der seit seinem Debüt

ist mit seiner Violone zu hören. Das Violon-

Wien hat sich erdreistet, mein Drama Bel-

führung am 16. Juli 1782 im Burgtheater

1994 beim City of Birmingham Symphony

cello - ein Meisterinstrument von Januarius

mont und Constanze zu einem Operntext

zu Wien konnte er nicht verhindern. Sein

Orchestra eine Aufsehen erregende Karrie-

Gagliano aus dem Jahre 1736 - spielt sein

zu missbrauchen. Ich protestiere hiermit

nach der englischen Operette The captive

re durchlaufen hat, die Produktion beglei-

Kollege Michael Hell . Fast schon ein

feierlich gegen diesen Eingriff in meine

verfasstes Libretto sollte in der von Johann

ten. Die Entführung aus dem Serail (Pre-

Stammgast ist der aus Sydney stammende

Gottlieb Stephanie für und mit Mozart über-

miere: 15.01.2003) ist zugleich seine erste

Tastenvirtuose Michael Lesslie (14.12., 18

arbeiten Fassung Operngeschichte schrei-

musikalische Einstudierung an der Bayeri-

Uhr). Für seinen nunmehr dritten Andechser

ben und dem damals 26-jährigen Komponi-

schen Staatsoper. Unter seiner Leitung sin-

Besuch hat er Stücke aus J.S. Bachs Wohl-

sten zum Durchbruch auf dem Gebiet der

gen die junge französische Sopranistin

temperiertem Klavier I & II und R. Schu-

Oper verhelfen.Mit ihrer Neuinszenierung

Sandrine Piau (Konstanze), Deborah York

manns Sonate fis-moll op. 11 ausgewählt.

der mittlerweile 220 Jahre alten und immer

(Blonde), Roberto Saccà (Belmonte), Kevin

Zum Jahresausklang dann geben Die Har-

noch beliebten „Türkenoper“ wollen sich

Conners (Pedrillo) und Paata Burchuladze

feen, Veronika Ponzer und Anette Hornstei-

Martin Duncan (Regie) und Ultz (Bühne und

(Osmin).

ner , ein ungewöhliches Silvesterkonzert

Kostüme) auf jene Faszination des Orienta-

Karten und Info: Tel. (089) 21 85 19 20.

lischen einlassen, die schon seit dem Mit-

www.staatsoper.de

FOTO: STAATSOPER

zertmeister der Münchner Philharmoniker,

(31.12., 16 und 19 Uhr) engelhafter Fingerfertigkeit: ein musikalisches Feuerwerk auf zwei Harfen mit Werken von J.B. Krumpholtz, C. Schaffrath, B. Andrès, J. Thomas

telalter die Phantasie der Europäer angeregt und gerade im 19. Jahrhundert, als der

plus regional Bayern

Hang nach Exotischem die Mode bestimm-

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Class 2002-11-04

CLASS Association of Classical Independents in Germany e.V. Bachstraße 35 32756 Detmold www.classgermany.de info@classgermany.de

Mit der Ersteinspielung von Beethovens Missa Solemnis auf DVD-Audio widmet sich das Orchester der Beethovenhalle einem der bedeutendsten Werke der Oratorienliteratur. Diese Aufnahme – von Marc Soustrot mit gewohnter Sensibilität geleitet – ist mit international hervorragenden Vokalisten, dem Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn und namhaften Solisten, besetzt.

„Von Herzen – Möge es wieder – zu Herzen gehen…“

AKTUELLE EINSPIELUNGEN ORCHESTER DER BEETHOVENHALLE BONN

Ludwig van Beethoven „Leonore“ (1806) Pamela Coburn, Mark Baker, Jean-Philippe Lafont, Victor von Halem, Christine Neithard Barbaux, Benedikt Kobel, Eric Martin-Bonnet, Kölner Rundfunkchor Marc Soustrot, Dirigent MDG 337 0826-2

Krzysztof Penderecki Lukas Passion Franziska Hirzel, François Le Roux, Jean-Philippe Courtis, Manfred Jung, Sprecher WDR Rundfunkchor Köln Chor des Norddeutschen Rundfunks Mainzer Domchor Marc Soustrot, Dirigent MDG 337 0981-2 …schrieb das Bonner Kompositionsgenie selbst als Motto über das Kyrie in der autographen Partitur, die ursprünglich zur Inthronisationsfeier des Erzherzog Rudolph gedacht war, jedoch nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte. Die Missa entstand in einer für Beethoven verrückten Zeit: Aus seiner Sicht unbedeutende Werke wie Wellingtons Sieg op. 91 und die Kantate Der glorreiche Augenblick op. 136 lösten in Wien Begeisterungsstürme aus, und er mußte erleben, wie daneben die wesentlich bedeutendere 7. Symphonie fast unterging. Beethoven zog sich für lange Zeit kompositorisch zurück - um in seinem Spätwerk mit Werken zurückzukehren, die alles Gewohnte sprengen sollten: die 9. Symphonie, das cisMoll-Streichquartett op. 131, die Hammerklaviersonate - und eben die Missa solemnis. War es wirklich christliche Demut, wenn er 1815 in sein Tagebuch schrieb: „eine kleine Kapelle - von mir in ihr den Gesang geschrieben angeführt, zur Ehre des Allmächtigen - des Ewigen Unendlichen?“ Denn tatsächlich sprengt diese Missa sämtliche bisher dagewesenen Dimensionen. Da sind die herausragenden Vokalpartien, die an die ausführenden Chorsänger allerhöchste und meist gefürchtete Anforderungen stellen, da ist ein vergleichsweise riesiger Aufwand an Chor, Solisten, Orchester, mit Orgel und Posaunen verstärkt, da sind dichteste dynamische Kontraste, opernhafte Gesten und höchste Emotionalität: Schon allein wegen der Ausmaße ist an eine liturgische Aufführung im feierlichen Hochamt kaum zu denken, weshalb die Missa traditionell eher im Konzertsaal erklingt.

Trotzdem gehört eine Messe als geistliche Musik in eine Kirche, daher kommt der Raum- und damit der Akustikauswahl gerade bei einer Schallplattenaufnahme eine besondere Bedeutung zu. Für diese Einspielung wurden daher aus der Beethovenhalle sämtliche Publikumsstühle entfernt, da deren Polsterung eine starke Bedämpfung des Raumklanges zur Folge hat. So hat die Wiedergabe ein wichtiges Maß an kirchenähnlicher Akustik gewonnen, die natürlich in der Mehrkanalversion auf der DVD besonders vorteilhaft zur Geltung kommt. Marc Soustrot und das Orchester der Beethovenhalle debutierten auf dem Schallplattenmarkt mit einen Paukenschlag: Die Ersteinspielung von Beethovens Leonore, einer authentischen Frühfassung des Fidelio, ist uns noch in bester Erinnerung! Auch die herausragenden Vokalisten des Tschechischen Philharmonischen Chores aus Brünn bewährten sich schon hervorragend bei einer anderen Weltersteinspielung: Die erste ungekürzte Fassung von Krenek's Oper Karl V. Die ZEIT urteilte kurz „Brillant!“.

Joachim Thalmann

Ludwig van Beethoven Missa solemnis op. 123 Hillevi Martinpelto, Elena Zaremba, Herbert Lippert, Ronnie Johansen Philharmonischer Chor Brno, Orchester der Beethovenhalle Bonn Marc Soustrot, Dirigent CD: MDG 337 1128-2 DVD: MDG 937 1128-5

Ernst Krenek: Karl V. David Pittman-Jennings, Bariton Christoph Bantzer, Sprecher Solisten und Sprecher Tschechischer Philharmonischer Chor Brno Marc Soustrot, Dirigent MDG 337 1082-2

Claude Debussy Prélude à l' après-midi d'un faune Le Martyre de Saint Sébastien Maurice Ravel: Ma Mère l'oye La Valse Marc Soustrot, Dirigent CD: MDG 337 1099-2 DVD: MDG 937 1099-5 *) Alle MDG-Einspielungen im Fachhandel erhältlich

Weitere Informationen unter: www.mdg.de TERMINE

Aktuelle Konzerte (Auswahl) www.beethovenhalleorchester.de 29. November 2002 Tschaikowsky Serenade für Streicher op.48 Schostakowitsch Sinfonie Nr.10 op.93 Dirigent: Vladimir Fedoseyev 29. Dezember 2002 Beethoven Sinfonien Nr.1 und Nr.9 Dirigent: Peter Gülke 10. + 12. Januar 2003 Ali-Sade Uraufführung Bruckner Sinfonie Nr.3 Dirigent: Marc Soustrot


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Neues vom

Plattenmarkt

Back to the roots: Auf ihrer neuen Platte (BIS 1435) ist Emma Kirkby wieder „so richtig“ im Bereich der alten Musik. Anthony Rooley, der sie auf der Theorbe begleitet, hat Songs der Spätrenaissance und des Barock (von Blow über Campion bis Wilson) für die Kirkby arrangiert.

Eine Liedaufnahme ganz anderer Art stellen Jutta Bokor, Mezzosopran, und Márta Gulyás, Klavier, auf Hungaroton 31967 mit Liedern von Karl Goldmark vor (Ersteinspielung). Sie zeigen, dass Goldmark nicht nur die große Oper beherrschte („Die Königin von Saba“), sondern auch in der kleinen Form des Liedes als Romantiker wesentliches zu sagen wusste.

Die drei Violinkonzerte von Camille Saint-Saëns hat Liviu Prunaro für Claves aufgenommen (Claves 502210). Es begleitet das Ensemble Orchestral de Paris unter Leitung von Lawrence Foster. Prunaru, Schü-

ler von Menuhin und Lysy, unterrichtet Violine an der Menuhin Akademy in Gstaad und konzertiert regelmäßig weltweit. Er spielt eine Guarneri von 1676, die vormals Jan Kubelik gehörte.

„Expression und Virtuosität“ sind die verbindende Klammer der Klavierwerke, die Wolfgang Döberlein auf Musicaphon M 56850 vorstellt: Neben Ullmanns 6. Sonate sind die Sonate von Gideon Klein sowie die autobiographische Suite „Erinnerungen“ von Karel Berman zu hören.

Von Johannes Spech, Schüler Joseph Haydns, sind ausschließlich seine Lieder im kollektiven musikalischen Gedächtnis geblieben. Das auf Originalinstrumenten musizierende Festetics Quartett erweitert unsere Kenntnisse nun durch Vorlage der 3 Streichquartette op. 2 (Hungaroton 31945).

Bei BIS entstand zwischen 1982 und 1986 eine Gesamtaufnahme der Symphonien des so wichtigen estnischen Komponisten Eduard Tubin (1905-1982). Neeme Järvi stand am Pult der Bamberger Symphoniker und des Schwedischen Rundfunk-Symphonieorchesters. Unter der Katalognummer 1402 sind die Aufnahmen jetzt in einer günstigen Box (5 CD zum Preis von 3) zusammengefasst.

Der historische Roman „Ivanhoe“ von Walter Scott hatte bei seinem Erscheinen 1819 in ganz Europa riesigen Erfolg. Auch Gioacchino Rossini fühlte sich von dem Stoff so inspiriert, dass er 1826 für die Pariser Oper daraus eine dreiaktige Oper schuf. Bei der Ersteinspielung auf Dynamic 397 singen Edwards, Balabanova, Kang, Morace sowie der Kammerchor Bratislava. Das Orchestra Internazionale d’Italia wird geleitet von Paolo Arrivabeni.

Wort und Musik einfühlsam verbunden im Dienst an einer ernsten Sache: Unter dem Titel „denn es will Abend werden...“ gehen Martin Fogt als Rezitator und Silke Aichhorn an der Harfe einfühlsam Reflexionen zu Abschied, Tod und Ewigkeit nach. Die Auswahl der Texte und Gedichte von Gryphius bis Tucholsky zeigt die ganze mögliche Bandbreite im Umgang mit dem Thema: von mystisch versunken bis ironisch distanziert (Cantate C 58017). Auf der Website www.classicdisc.de können Sie sich den Gesamtkatalog zum eigenen Gebrauch herunterladen und Informationen über Neuerscheinungen einsehen.

BITTE SENDEN AN:

Klassik-Center Kassel Glöcknerpfad 47 · 34134 Kassel Tel. 05 61/9 35 14 13 Fax 05 61/ 9 35 14 15 www.classicdisc.de ·info@classicdisc.de Gern schicken wir Ihnen Kataloge und Neuheiteninformationen

Eines der längerfristigen Projekte bei EDA ist die Vorstellung von Franz Schrekers Meisterklassen in Wien und Berlin. Auf vol. 2 dieser Reihe spielt Kolja Lessing Klaviersonaten von Karol Rathaus, Jerzy Fitelberg und Grete von Zieritz (EDA 19).

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Gleich zweimal Saxophon und Klavier, und doch zwei verschiedenen Welten: Auf Musicaphon M 56851 haben Harry-Kinross White, Saxophon und Edward Rushton, Klavier, Lieder von Edvard Grieg unter dem Titel „Summernight“ für ihre Besetzung arrangiert. So sommerlich leicht wie der Titel klingen auch die wunderbaren Arrangements. Dagegen spielen Frank Lunte und Tatjana Blome auf EDA 21 Originalkompositionen von Schulhoff, Jacobi, von Knorr und Dressel. Es ist die erste Folge einer Reihe „Musik für Saxophon aus Berlin“ (vol. 1: 1930-32) mit einem EDA-typischen, ausführlichen Text zur Einführung in die Musik dieser Zeit.


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Als Freund klassischer Musik kennen Sie „Ihre“ Künstler und Ensembles, Dirigenten und Orchester. Und sicher ist Ihnen das eine oder andere Label ans Herz gewachsen, und Sie wissen: Hier wird meine Musik aufgenommen – hier gibt es exzellente Aufnahmen – hier gibt es Besonderheiten, von denen ich vorher noch nie gehört hatte. Aber haben Sie sich schon einmal überlegt, wie eigentlich die Tonträger zu Ihrem Schallplattenhändler kommen?

Ganz schön vertrieben… CHAN 10018

CDA 67315

CHAN 0681

CHAN 9997

AKTUELLE EINSPIELUNGEN

The Songs of Robert Schumann Vol. 7 Vier Duette op.34 und 78 Myrten op. 25 Dorothea Böschmann, Sopran Ian Bostridge, Tenor Graham Johnson, Klavier Hyperion CDJ 33107 Mark-Anthony Turnage Fractured Lines Evelyn Glennie; Peter Erskine, Schlagzeug Christian Lindberg, Posaune BBC Symphony Orchestra Leonard Slatkin Chandos CHAN 10018 J.S. Bach Alto Arias Catherine King Norwegian Baroque Orchestra Linn Records CKD 158 Ancˇerl Gold Edition Anton Dvorak Sinfonie Nr. 9 Tschechische Philharmonie Karel Ancˇerl Supraphon SU 3662

CDJ 33107

SU 3662

Eine wichtige Aufgabe als Mittler zwischen den internationalen Schallplattenlabels und Ihrem Fachhändler hat der Vertrieb. Er sorgt nicht nur für Import und Transport der Tonträger - er sichtet auch das unüberschaubare Angebot an Neuerscheinungen, berät die Händler, informiert über besondere Aufnahmen und Neuigkeiten der verschiedenen Labels. Mit dem Vertrieb ist es also wie mit vielen Dingen des Alltags - wie wichtig er ist, bemerkt man vor allem dann, wenn er plötzlich weg ist. So ging es kürzlich einigen Labels, die durch die Übernahme der Firma Koch durch Universal ihren gewohnten Vertriebsweg verloren. Für so bekannte Klassikkataloge wie Chandos oder Hyperion musste sofort ein neuer Vertrieb her, denn was macht es für einen Sinn, Musik aufzunehmen, wenn die dann niemand kaufen kann? Zum Glück ist es schnell gelungen, einen solchen neuen Partner zu gewinnen: Die CODÆX Deutschland GmbH. Und wir freuen uns sehr, bei dieser Gelegenheit CODÆX auch als neues CLASS-Mitglied begrüßen zu können. Als Partner von ASV, Black Box Music, Camerata, Campanella Musica, Chandos, Gimell, Hyperion, Linn und Supraphon wird CODÆX dafür sorgen, dass das umfangreiche und interessante Programm dieser Labels weiterhin in Deutschland erhältlich sein wird. Im Katalog von CODÆX gilt das Augenmerk dem Besonderen, der Musik außerhalb des Mainstreams in allen Epochen. Vokalwerke des Renaissancemeisters William Mundy finden sich hier

CDA 67320

CDA 66829

ebenso wie die Sinfonien Muzio Clementis oder moderne geistliche Musik Sofia Gubaidulinas. Einen besonderen Schwerpunkt stellt, mit Hyperion und Chandos, die englische Musiktradition dar, Komponisten wie Ralph Vaughan Williams, Frank Bridge, James MacMillan oder Sir William Walton werden hier dem deutschen Publikum näher gebracht. Und auch große Editionen wie das Lebenswerk des tschechischen Dirigenten Karel Ancˇ erl auf 42 CDs bei Supraphon oder die Schubert- und Schumann-Liededitionen bei Hyperion finden ihren Platz. Aber natürlich kommen auch die bekannten Komponisten und ihre Werke nicht zu kurz - Vivaldis L’Estro Armonico ist ebenso im Programm wie Liszts Paganini-Etüden. Bei allem, was an Bekanntem und Musik aus der „Nische“ und Neuentdeckungen präsentiert wird - wichtig ist CODÆX die hohe technische und musikalische Qualität der Aufnahmen. Wenn Sie über alle Neuheiten informiert sein möchten, dann schauen Sie doch einfach in die monatlich erscheinende Neuheitenbroschüre, in der CODÆX informativ und übersichtlich über neue CDs, Super Audio CDs und DVDs sowie aktuelle Konzerttermine berichtet. Die ersten beiden Ausgaben, in der alle Neuveröffentlichungen der letzten Monate zusammengefasst sind, sind inzwischen erschienen und über den Fachhandel oder direkt über den Coupon erhältlich. Wir wünschen unseren Kollegen von CODÆX alles Gute für die Zukunft! CLASS Germany

The Byrd Edition Vol. 8 Cantiones Sacrae 1598 Propers for the Feast of Purification The Cardinall’s Musick Andrew Carwood, David Skinner ASV Gaudeamus GAU 309 James Macmillan Raising Sparks Piano Sonata Jean Rigby, Mezzo-Sopran The Nash Ensemble Martyn Brabbins John York, Klavier Black Box Music BBM 1067 Georg Philipp Telemann Suiten Nr. 1 – 6 Konzerte Nr. 1 - 6 Thomas Indermühle, Oboe Claudio Brizi, Cembalo und Orgel 2CD Camerata CM 0581 BITTE SENDEN AN:

CODÆX Deutschland GmbH Landsberger Str. 492 81241 München de@codaex.com

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„Escapades“ Ouvertüren und Variationen von Mozart, Lortzing, Nicolai, Rossini, Reger und Pillney (arr. für Klavier zu vier Händen) Pianoduo Trenkner-Speidel MDG 330 1134-2 W.A. Mozart Die Zauberflöte (arr. für Flötenquartett von H. Ehrenfried) Konrad Hünteler, Flöte Jürgen Kußmaul, Violine Rainer Kußmaul, Viola Roel Dieltiens, Violoncello MDG 311 1138-2 J.S. Bach Sämtliche Violinsonaten Vol. 3 Sonaten BWV 964, 968, 1019a, 1022 & 125 Musica Alta Ripa MDG 309 1075-2

NEUHEITEN

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Marcel Dupré Orgelwerke Vol. 4 Deuxième Symphonie op. 26 Sept Pièces op. 27 Chorales op. 28 Ben van Oosten, Willis-Orgel St. Patrick’s Cathedral Dublin MDG 316 0954-2

Charles Ives (1874-1954) Sämtliche Werke für Streichquartett Leipziger Streichquartett Yeon Hee Kwak, Englischhorn Steffen Schleiermacher, Klavier MDG 307 1143-2

Milonga tangueada Tango Argentino / Hommage à Piazzolla Sibylle Wolf, Mezzosopran Stefan Irmer, Klavier MDG 618 1134-2

Terry Riley (*1935) Keyboard Studies Steffen Schleiermacher Bernd E. Gengelbach MDG 613 1135-2

DG

Musikproduktion Dabringhaus und Grimm Bachstraße 35, 32756 Detmold Tel. ++ 49 (0) 5231 - 93890 Fax ++ 49 (0) 5231 - 26186 email: info@mdg.de Internet: http://www.mdg.de Vertrieb: NAXOS DEUTSCHLAND GmbH Telefon: 0251 - 92 406-0 Telefax: 0251 - 92 406-10 Österreich: Gramola, Wien Schweiz: MusiKontakt, Zürich

Klare Knabenstimmen Quadro Nuevo in feinster Balance Canzone della Zwei neue CD-Veröffentlichungen mit dem Windsbacher Knabenchor „Ein deutsches Requiem“ mit Knabenstimmen? Gibt es im Handel nicht bereits über 40 CDs mit dem populären Werk von Johannes Brahms? Allen Zweifeln zum Trotz, der Erfolg gibt ihnen Recht: Soeben haben Karl-Friedrich Beringer und der Windsbacher Knabenchor ihre neue CD veröffentlicht (Rondeau Production CD ROP2020, © 2002). Mit „der Klarheit von Knabenstimmen und feinster Balance“ möchte Karl-Friedrich Beringer eine neue klangliche Dimension in das Werk bringen. Beringer leitet seit CD ROP2020 (Vertrieb Note 1) 1978 den Knabenchor aus dem fränkischen Windsbach. Als besondere Stärke seiner Windsbacher sieht er dabei die extremen dynamischen Gegensätze: „Nuancen, die ein gemischter Chor nicht bringen kann.“ Hochkarätige Partner tragen zum Erfolg der neuen Einspielung bei: Neben dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin begleiten Juliane Banse und Stephan Genz CD ROP2018 (Vertrieb Note 1) den Windsbacher Knabenchor auf der neuen CD und bei einer Konzerttournee. Der Chor „begeisterte in der Frische und Natürlichkeit der Stimmführung, und auch als Solisten hatten sich zwei junge Weltklassesänger dazugesellt“, so das Kritikerlob nach den ersten Konzerten: „In der exzellenten Aussprache und der blitzsauberen Intonation sind die jungen Sänger des Windsbacher Knabenchores vorbildlich, und das innige Strahlen, mit dem die Soprane die „ewige Freude“ intonieren, kann man so rein und zuversichtlich vielleicht nur von ihnen hören.“ Eine Besonderheit ist auch die zweite neue CD, die ab sofort mit dem Windsbacher Knabenchor lieferbar ist. Mit „Musikalischen Scherzen und Eulenspiegeleien“ übt sich der Chor einmal abseits der geistlichen Chormusik, deren Interpretationen ihn weltberühmt machten: „Eine kleine Melodie“ (CD ROP2018, © 2002). Dabei kann eine leicht bekömmliche Melodie mit höchster Kunst der Komposition und der Ausführung verbunden sein – und mit Überraschungen. Variiert oder bearbeitet, erwartet den Hörer also Bekanntes, Volkstümliches und Humoristisches.

Strada Die Leidenschaften des Ensembles Quadro Nuevo galten schon immer dem Tango, der Valse Musette, dem Flamenco und spätestens seit seiner 3. CD CinéPassion auch der liebevollen Aufarbeitung ausgewählter Filmmusik.

Auf ihrem gerade eben erschienenen Album Canzone della Strada nehmen sich die vier Herren des alten italienischen Tango und der lyrischen Canzone an. Musik eines fast schon verklungenen Italiens, welche einst von so bezaubernden, wenn auch lange schon vergessenen Sängern wie Carlo Buti, Nilla Pizzi und Claudio Villa dargeboten wurde. In deren Liedern erwachen die Traumbilder des Südens, die seit jeher die sehnsüchtig schwermütige Phantasie des Nord- und Mitteleuropäers beflügeln. Die Anregungen und Inspirationen hierzu holte sich Quadro Nuevo auf ausgedehnten musikalischen Reisen durch Italien und setzt all dies handwerklich ganz vorzüglich in Musik gewordenes Lebensgefühl um. Das akustisch-nostalgische Quartett in der Besetzung Saxophon, spanische Gitarre, Akkordeon und Kontrabass gründete sich 1996 und spielte seither rund 600

FM 106-2 (Vertrieb: Soulfood)

Konzerte in Europa und den USA. In diesem Herbst erhält es bereits zum zweiten Mal den begehrten und selten vergebenen Jazz Award der Deutschen Phonoindustrie.

Frank Hallmann www.rondeau.de

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„Die unbändige Lust am klanglichen Fabulieren“ (Klassik heute)

WERGO

Neues vom schöpferischen Genie des Brasilianers Heitor Villa-Lobos cpo erkundet schon seit geraumer Zeit mit einer vielbeachteten Gesamtedition den symphonischen »großen« Heitor Villa-Lobos. Bislang hat das Label schon acht Sinfonien seiner insgesamt 12 Sinfonien auf 4 CDs veröffentlicht. Die Sinfonien überspannen das ganze schöpferische Leben Heitor Villa-Lobos. Demzufolge sind es ganz unterschiedliche Werke, in denen sich die verschiedensten musikalischen Ansätze widerspiegeln. Diese stilistische Bandbreite soll auch die Edition aller Sinfonien des Brasilianers dokumentieren, indem wenn möglich - frühe mit späten Werken pro CD gekoppelt werden. Auf der aktuellen Neuheit in dieser Reihe wird z. B. die 3. Sinfonie von 1919 der 9. Sinfonie aus dem Jahr 1952 gegenübergestellt (cpo 999 712-2). Offenbar ist die Dritte cpo 999 712 - 2 im Auftrag der brasilianischen Regierung zum Ende des Ersten Weltkriegs entstanden. Sie trägt den Titel »A Guerra« (Der Krieg) und spiegelt die Eindrücke und Empfindungen des Komponisten angesichts des Krieges wider. Zusammen mit seiner großen Chorsinfonie gehört sie sicherlich zum beeindruckendsten, was er in dieser Gattung geschrieben hat. Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR hat sich unter St.Clair hörbar zum Villa-Lobos-Spezialisten entwickelt! „Mit diesen in jeder HinSt.Clair sicht bemerkenswerten Einspielungen zeigt sich das Orchester seinem Kulturauftrag nicht nur verpflichtet, sondern auch gewachsen.“ (Fono Forum zu den Sinfonien 4 & 12, cpo 999 5252) Wie vielseitig dieser ungeheuer fruchtbare Komponist war, zeigt auch seine kleinbesetzte Kammermusik. Als cpo 999 525 - 2

Heitor Villa-Lobos

Cellist war Villa-Lobos besonders den Streichinstrumenten zugetan, deren Repertoire er beträchtlich vergrößert hat. Allein 18 Streichquartette sind da ein deutliches Zeichen. Aber sogar zwei und drei Instrumenten konnte er unglaubliche harmonische und virtuose Facetten abgewinnen, wie die Einspielungen mit dem Deutschen cpo 999 517 - 2 Streichtrio zeigen: Zwei Werke für Violine und Cello: Deux Choros und Choros No 2, das Duo für Violine und Viola und - als Hauptwerk - das berühmte Streichtrio von 1945 (cpo 999 827-2). Dessen vier kontrastierende Sätze bilden ein ungewöhnlich ausgefeiltes Werk, das sich zugleich aber durch cpo 999 568 - 2 eine bemerkenswerte Sparsamkeit auszeichnet. Ganz wunderbar, wie VillaLobos mit nur drei Instrumenten so viele Farben zaubern kann. Insgesamt zeigen die cpo Aktivitäten ganz neue Facetten dieses äußerst vielseitigen Genies.

WERGO 40 Jahre 1962–2002 Music of Our Time Special Edition: Stockhausen, Cage, Ligeti, Rihm WER 69212 (4 CDs)

40 Jahre Avantgarde 40 Jahre Kompromisslosigkeit 40 Jahre Zukunftsorientierung Seit 1962 steht das Label WERGO für die avancierte Musik unserer Zeit. Zum Jubiläum erscheinen vier Aufnahmen aus vier Dekaden in einer limitierten Sonderedition.

Burkhard Schmilgun

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Claudia Barainsky · … · Deutsches SymphonieOrchester Berlin · Leitung: Roger Epple WER 66402 (CD + 88-seitiges Textheft) Fordern Sie unseren neuen Katalog an! WERGO Weihergarten 5 · 55116 Mainz E-Mail: service@wergo.de Internet: www.wergo.de


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Echo empfiehlt CLASS In ihren Katalogen bieten die CLASS-Mitglieder ein vielfältiges Repertoire, das nicht selten weit abseits des Mainstream so manche hervoragend rezensierte, mit Enthusiasmus und Einfühlungsgefühl produzierte Aufnahme enthält. Sorgfältige Arbeit zahlt sich aus, so sind auch bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Musikpreises ECHO Klassik 2002 in insgesamt fünf Kategorien Preise an CLASS-Mitlgieder gegangen. Ein schöner Erfolg und damit eine ausdrückliche Empfehlung für alle musikinteressierten Hörer!

INSTRUMENTALISTIN DES JAHRES Sharon Bezaly, Flöte From A To Z „Das Hohelied der Reinheit“ (Fono Forum): Überragende Technik, Schönheit des Tons und verblüffende Virtuosität – Sharon Bezaly steht am Beginn einer faszinierenden Flötenanthologie und einer ganz großen internationalen Karriere. BIS-CD-1159

NEU - Gesamteinspielung der Klavierwerke von Robert Schumann mit dem Pianisten Franz NEU - Gesamteinspielung Klavierwerke Vorraber. Die auf 13 Einzel-CDsder angelegte

von Robert Schumann Pianisten Franz Gesamteinspielung wirdmit in dem monatlicher Abfolge Vorraber. DieBei aufSchumanns 13 Einzel-CDs angelegte erscheinen. starker Affinität zum Gesamteinspielung monatlicher Abfolge Poetischen bot sich wird eine in Ordnung der einzelnen erscheinen. Schumanns starker Affinität Folgen nachBei Stoffund Themenkreisen an, sozum Poetischen bot sich eine Ordnung der einzelnen daß jede Neuerscheinung einen eigenen Blick Folgen nach Stoff- und Themenkreisen an, so auf dieses vielschichtige Genie ermöglicht. daß jede Neuerscheinung einen eigenen Blick „Zwischen energischem Brio und leisesten Klängen entfaltet auf dieses Genie Interpretation ermöglicht.von Vorraber eine vielschichtige große und eigengeprägte

KAMMERMUSIKEINSPIELUNG DES JAHRES Ensemble Villa Musica W. A. Mozart: Sämtliche Streichquintette Vol. 1 „hochinteressant, spannend, ausgewogen“ (Fono Forum) „Es tut gut, endlich wieder einmal einen solch klassischen und wundervoll gespielten Mozart zu hören!“ (Pizzicato) „Brillant.“ (Gramophone) MDG 304 1031-2

Frankfurter Allgemeine Zeitung Schumannsenergischem Meisterwerk“Brio „Zwischen und leisesten Klängen entfaltet „Franz Vorrabers Spiel isteigengeprägte sehr beeindruckend. Neben von seiner Vorraber eine große und Interpretation technischen Sicherheit besticht sein interpretatorischer Frankfurter Allgemeine Zeitung Schumanns Meisterwerk“ Yukio Miyake / Tokio Feinsinn“ „Franz Vorrabers Spiel ist sehr beeindruckend. Neben seiner technischen Sicherheit besticht sein interpretatorischer Feinsinn“ Yukio Miyake / Tokio

Bisher erschienen: Vol.1 Bisher erschienen:

BUNTE V ol.1 BLÄTTER op.99

KONZERTEINSPIELUNG DES JAHRES

SCHERZO o.op. op.99 BUNTE BLÄTTER SONATE op.14 SCHERZO o.op.F-Moll

Deutsche Naturhorn Solisten, Neue Düsseldorfer Hofmusik Georg Philipp Telemann: Ouvertüren und Konzerte „Atemberaubende Brillanz.“ (FAZ) „Alles ist mit Liebe zum Detail, musikalischer Frische, höchster Treffsicherheit und schönem Raumklang aufgenommen.“ (Deutschlandfunk) MDG 605 1045-2

SONATE CTH 2513op.14 F-Moll CTH 2513

Vol.2 HUMORESKEVop.20 ol.2

B-Dur HUMORESKE op.20 BLUMENSTÜCK op.19 B-Dur Des-Dur BLUMENSTÜCK op.19 SONATE op.11 fis-Moll Des-Dur SONATE op.11 fis-Moll CTH 2514

WELTERSTEINSPIELUNG DES JAHRES Karl Amadeus Hartmann: Wachsfigurenkabinett Spritzig-vitales Musiktheater des großen deutschen Sinfonikers: brachial, verspielt, lustvoll: „20er-Jahre in Hochform!“ (Neue Musikzeitung) „exemplarisch“ (Klassik Heute) Wergo 6640 2

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TOCCATA op.7 op.82 C-Dur WALDSZENEN ARABESKE op.18 C-Dur TOCCATA op.7 C-Dur FANTASIE op.17 C-Dur ARABESKE op.18 C-Dur FANTASIE CTH 2515 op.17 C-Dur CTH 2515 THOROFON ist ein Label der BELLA MUSICA Edition THOROFON ist ein Label der 77815 Bühl/Baden, Eisenbahnstr.30 BELLA MUSICA Edition

Tel.: 07223 98550, Fax: 07223 985566 77815 Bühl/Baden, Eisenbahnstr.30 info@bella-musica.com Tel.: 07223 98550, Fax: 07223 985566 info@bella-musica.com Fordern Sie unseren

Katalog an Fordern SieFachhandel: unseren Katalog an Vertrieb für den Vertrieb für den Fachhandel: KLASSIK CENTER KASSEL Glöcknerpfad 47, D-34134 Kassel KLASSIK CENTER KASSEL Tel: 0561 - 935 14 - 0, Fax: 0561 - 935 14 15 Glöcknerpfad 47, D-34134 Kassel info@classicdisc.de Tel: 0561 - 935 14 - 0, Fax: 0561 - 935 14 15 info@classicdisc.de

KLASSIK FÜR KINDER Duo Pianoworte Ophelias Schattentheater Ein Hörerlebnis für Jung und Alt, spannend und voller Poesie. „Die Interpretationen der drei Märchenerzählungen zielen…direkt ins Zentrum des Zauberhaften“ (NMZ) Thorofon CTH 2445


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05.11.2002

16:38 Uhr

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uell

Das Zukunfts-Panorama ernsthafter Konzertmusik: Strawinsky neben James Brown, Compay Segundo neben Drum & Bass. »Kategorien sind der Feind des Absolute Ensemble, offene Erkundung ist seine Mission« (New York Times). ENJ-9449 2 NOVA

Absolute (Ensemble) FIX

Marilyn Monroes Filmsongs als relaxte Balladen. Wochenlang auf Platz 2 der deutschen Jazz-Charts. »Denkmal für ein trauriges Mädchen.« (Die Welt) »Tolles Booklet, feiner Klang.« (Stereoplay) Erstmals live auf Tour: 18.1. Zürich | 19.1. Basel | 22.1. Biel | 23.1. St.Gallen 24.1. München | 25.1. Düsseldorf | 27.1. Nürnberg

ENJ-9422 2

Kristjan Järvi [Produzent, Dirigent] Mat Fieldes [Bass] Vesselin Gellev [Violine] Martin Kuuskmann [Fagott] Charles Porter [Trompete] David Rozenblatt [Schlagzeug] Mike Seltzer [Posaune] Michiyo Suzuki [Klarinette]

David Klein Quintet MY MARILYN David Klein [Tenorsaxofon] Miriam Klein [Gesang] Mulgrew Miller [Piano] Ira Coleman [Bass] Marcello Pellitteri [Drums]

+ Gäste

ENJ-9438 2 NOVA / SoundCircus

Seit Jahren gehört die Pianistin Joanna MacGregor zu den echten Innovativkräften der Musikszene Großbritanniens. Sie hat zahlreiche Kompositionen von Zeitgenossen uraufgeführt, trat mit großen Dirigenten wie Sir Colin Davis und Simon Rattle auf und arbeitete mit Komponisten wie Pierre Boulez und John Adams. Aber nicht nur klassische Musik steht bei ihr auf dem Programm (Werke von Bach bis Cage), sondern gleichermaßen die Kooperation mit Jazzmusikern wie Django Bates und Andy Sheppard und Weltmusik-Künstlern wie Nitin Sawhney, Talvin Singh und Jin Xings chinesischem Tanztheater. Sie trat in mehr als 40 Ländern auf und spielte unter anderem mit dem London Symphony Orchestra und dem New York Philharmonic. Allein im Jahr 2001 gab sie Gastspiele in Nord-, West- und Osteuropa, Australien, den USA und Fernost und hatte außerdem ihr Debüt als Dirigentin. Ihre Klavierlehrbücher für Kinder, »Piano World«, besitzen längst Kultstatus. Joanna MacGregor erhielt mehrfach akademische Auszeichnungen und ist Mitglied des Arts Council of England.

Joanna MacGregor PLAY 01 02 03 04 05 06 07 08

Ihr Album PLAY ist bislang nur auf ihrem eigenen Label in Großbritannien erschienen und wurde für den Mercury Award 2002 nominiert. Fern der üblichen Klassik-Programme wagt sich Joanna MacGregor hier an eine exzentrische Mischung der Stilistiken, die sich dabei wechselseitig in neues Licht rücken. Neben Klavier-Solostücken – von J. S. Bach und John Dowland bis hin zu Ligeti, Nancarrow und Cage – hören wir Joanna MacGregor auch in faszinierenden Kooperationen mit dem Tabla-Meister Talvin Singh bzw. dem südafrikanischen Jazzpianisten Moses Molelekwa. Mit diesem riskanten, faszinierenden, vielseitigen Projekt beweist die Pianistin ihr großes Können, ihre künstlerische Phantasie und ihre Fähigkeit zur analytischen Interpretation. Rundum begeisternd und sympathisch.

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The Observer: CD of the Week. »Worth every penny.«

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ALASDAIR NICOLSON 42nd St. Stomp 04.10 ASTOR PIAZZOLLA Libertango 02.59 WILLIAM BYRD Hughe Ashton’s Ground 07.15 GYORGY LIGETI Autumn in Warsaw 04.15 SOMEI SATOH Incarnation II 06.57 TALVIN SINGH/MacGREGOR Endgame 05.31 MOSES MOLELEKWA/MacGREGOR Strumming 04.10 CONLON NANCARROW Player Piano Study No.11 03.32 HOWARD SKEMPTON Even Tenor 02.52 JOHN DOWLAND Forlorn Hope Fancy 03.05 JOHN CAGE Sonata No.5 01.28 CHARLES IVES The Alcotts 05.05 IVANA OGNJANOVIC Ship in Embrace... 07.29 JS BACH Allemande 05.26 JOANNA MacGREGOR Dance It 02.47

Vertrieb D: Soulfood

ENJA RECORDS Matthias Winckelmann GmbH www.enjarecords.com

A: edel Records CH: Musikvertrieb AG BENELUX: Choice

TIP-888 845 2

ENJ-9441 2

Abdullah Ibrahim AFRICAN MAGIC

Gabriele Mirabassi LATAKIA BLEND

Abdullah Ibrahim [Piano] Belden Bullock [Bass] Sipho Kunene [Drums]

Gabriele Mirabassi [Klarinette] Luciano Biondini [Akkordeon] Michel Godard [Tuba]

Südafrikas führender Jazz-Botschafter und vielfacher Preisträger (z.B. Ehrenurkunde der deutschen Schallplattenkritik) in einer Sternstunde afrikanischer Klangmagie.

Das virtuose Trio (bekannt aus der Band von Rabih Abou-Khalil) verwandelt die Melodiosität italienischer Folklore in ein genaues, emotionales Statement musikantischer Gegenwart.

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Myriam Alter IF

Neue Weltmusik zwischen Sinfonik und Jazz: »Eine Band der Superlative« (Die Welt). »Michael Heitzler ist der beste Klezmer-Klarinettist weltweit, Giora Feidman eingeschlossen« (FAZ). TIP-888843 2 [Februar 2003]

Dino Saluzzi [Bandoneon] John Ruocco [Klarinette] Kenny Werner [Piano] Greg Cohen [Bass] Joey Baron [Drums] Die belgische Komponistin und ihre hochkarätigen Interpreten verzaubern mit sensiblem Kammerjazz. »Ätherische Tango-Stimmungen erzählen von Sehnsucht, Leidenschaft, Melancholie« (Jazz thing).

THE WORLD QUINTET (vormals: Kol Simcha)

Michael Heitzler [ Klarinette] Ariel Zuckermann [ Flöten] Olivier Truan [ Piano] Daniel Fricker [ Bass] David Klein [ Schlagzeug] Gäste: The London Mozart Players [Ltg. David Angus] Herbert Grönemeyer

Erscheint Februar 2003

Joanna MacGregor: PLAY


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05.11.2002

16:38 Uhr

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Sämtliche Klavierkonzerte Jenö Jandó Concentus Hungaricus 11 CDs NX 8.501103

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Brahms: Das Klavierwerk Idil Biret 12 CDs NX 8.501201

Bruckner:

Haydn:

Sämtliche Symphonien Georg Tintner 11 CDs NX 8.501104

Sämtliche Streichquartette Kodály Quartet 23 CDs CDs NX 8.502301

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CDs

Bach:

hmen

ufna Referenza

Fessetlandtieonen Interpre

Das Orchesterwerk Kölner Kammerorchester Helmut Müller-Brühl 8 CDs NX 8.508005

Grieg:

Chopin: Das Klavierwerk Idil Biret 15 CDs NX 8.501501

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CDs

srageknldene Herasaum y Ge tz

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CDs

Das Klavierwerk Einar Steen-Nøkleberg 14 CDs NX 8.501401

Erhältlich im Fachhandel. Den aktuellen Katalog erhalten Sie auch direkt von: NAXOS DEUTSCHLAND GmbH, Wienburgstr. 171a, Abt. N15, 48147 Münster e-mail: info@naxos.de

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> Crescendo macht einfach Spaß: informativ, bunt, vergnüglich, mit nicht zu knappen Kritiken und ohne die übliche Hybris (der Kritiker). Christian Hees aus Schwerin

> Eine gute d.h. hilfreiche Musikzeitschrift erkennt man daran, dass sie auch scharfe Kritiken beinhaltet. Und die hat Crescendo schon, obwohl man noch auf bessere bzw. detailliertere Kritik hofft. Guillaume Frechette aus Hamburg 1>Harenberg Musikkalender; Arche Musikkalender Das ganze Jahr mit Musik an der Wand – zwei Kalender machen‘s möglich: Der kleinformatige Harenberg-Kalender zeigt täglich zum Abreißen ein neues Farbbild: junge und alte oder auch längst verstorbene Musiker, bedeutende Inszenierungen aus Oper, Musical oder Tanz, Konzerthäuser oder Instrumente. Auf der Rückseite findet sich der passende Text: über Geburtsund Todestage, Festivals oder andere Jubiläen. Großformatiger und nobler, kunstvoll gestaltet und dank der dezenten Farbigkeit auch gediegener erscheint der Arche-Kalender, der diesmal schon verstorbene Größen der Klassik-Welt unterwegs auf Reisen und Tourneen zeigt. Da auf ein über-DinA-4 großes Blatt eine ganze Woche passt, kann man sich sieben Tage lang dem jeweiligen Musiker widmen, seinem Foto und einem passenden, längeren Zitat. Und unter der Datumsleiste finden sich die Geburts- und Todestage bedeutender Musiker. AC Harenberg Musik-Tageskalender 2003. 324 Blätter. EUR 16,90 Arche Musik Kalender 2003. Unterwegs- Reisen und Tourneen. 60 Blätter. EUR 23,-. 2>Götz Friedrich: Mein Opernführer Wenn Götz Friedrich inszenierte, fragte er wie sein Lehrer Felsenstein immer nach dem „warum”. Seine vielen Regieaufzeichnungen gedachte der im Jahr 2000 Verstorbene als Buch herauszugeben. Inzwischen ist „Mein Opernführer” zu einem Vermächtnis geworden. Wagner und Mozart scheinen zu dominieren, doch auch bei und zwischen Janáˇceks Totenhaus und Menottis Amahl (den Berliner Eckpfeilern) fand Friedrich zu einem Höchstmaß szenischer Beredsamkeit. Er setzte sich stark für die Moderne ein, machte Operette und Schauspiel, drehte Opernfilme. Debüt in Weimar 1958, dann erste Regiegastspiele außerhalb der DDR. Die internationalen Aufgaben (häufig Bayreuth) ließen ihn nicht zum Routinier werden. Seine Beharrlichkeit im Konzeptionellen, verbunden mit Freiraum für die Sänger, machten ihn als Arbeitspartner beliebt. Das materialreiche, schöne Buch sollte man in Ruhe lesen. JM Henschel-Verlag, Berlin 2002. 286 S., zahlreiche Abb., EUR 35,-. 3>Bernd Feuchtner: Dmitri Schostakowitsch „Und Kunst geknebelt von der groben Macht” lautet der Untertitel dieses sehr empfehlenswerten Buches, das keine Monographie im herkömmlichen Sinne ist. Vielmehr webt Feuchtner Schostakowitschs Biographie, deren äußere Stationen er knapp umreißt, in das kulturelle und politische Umfeld seiner Zeit ein. Denn nur so wird Schostakowitschs Musik verständlich: Subtil, aber für Eingeweihte klar zu deuten, reagierte er in seinen Werken auf die immer drohenden Repressionen und das Leben am Rande der politischen Abgründe, das ihn vom führenden Komponisten der Sowjetunion zum Volksfeind und wieder zurück führte. Feuchtners Analysen der wichtigen Werke belegen die Doppelbödigkeit: Oft ist, wo es nach Triumph klingt, Schmerz und

PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE HIFI

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Ratlosigkeit gemeint. Feuchtners Buch, vor 15 Jahren erstmals erschienen, ist auch für Nicht-Fachleute gut lesbar. AC Bärenreiter-Verlag, Kassel/Verlag J.B. Metzler, Stuttgart 2002. 268 S., EUR 34,90.

4>Heiner Goebbels: Komposition als Inszenierung Heiner Goebbels ist einer der originellsten und anerkanntesten Komponisten des zeitgenössischen Musiktheaters. Zu seinem 50. Geburtstag (im August) hat der Journalist Wolfgang Sandner nun ein umfangreiches und schön gestaltetes Jubiläumsbuch herausgegeben, das sich eher an Interessierte denn an Einsteiger richtet. Essays von Weggefährten, Musik- und Theaterwissenschaftlern, aber auch Goebbels’ eigene wortgewandte und tiefgehende Reflexionen über seine Arbeit umkreisen in verschiedenen Themenblöcken das Werk des Wahl-Frankfurters, der vor allem durch seine „Hörstücke” und die Projekte mit Heiner Müller bekannt wurde. Libretti, Szenenfotos von Goebbels‘ eigenen Inszenierungen, ein Werkverzeichnis und eine Diskographie komplettieren den Band. AC Hrsg. v. Wolfgang Sandner, Henschel-Verlag, Berlin 2002. 240 S., EUR 34,90. 5>Stenographische Umarmung. Sergiu Celibidache beim Wort genommen „Man kann mich nicht mir normalen Maßstäben messen.” An falscher Bescheidenheit mangelte es Celi nicht. Aus den verschiedensten Interviews und Schriften haben die Herausgeber Stefan Piendl und Thomas Otto Zitate des 1996 verstorbenen Dirigenten zusammengetragen. Das Ergebnis ist nicht nur eine Fundgrube an amüsanten, pointierten, zuweilen auch bösen Aperçus und Aphorismen. Das Büchlein gibt auch einen tiefen Einblick in das nicht nur musikalische Denken eines der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. AC Hrsg. v. Stefan Piendl und Thomas Otto, ConBrio Verlagsgesellschaft, Regensburg 2002. 140 S. m. Abb., EUR 14,80. 6>Hector Berlioz: Schriften Hector Berlioz, als Komponist zu Lebzeiten kaum und noch heute zu wenig gewürdigt, war auch ein produktiver Feuilletonist und Musikschriftsteller. Mit sanfter Ironie oder beißendem Witz, in tiefgreifender Analyse oder mit hoffmannesker Fabulierlust, immer aber geschliffen auf den Punkt gebracht, porträtierte der „pragmatische Radikalist” seine Komponistenkollegen, deutete ihre Werke und beobachtete das Musikleben der 1830er bis 50er Jahre, besonders das der Metropole Paris. Dank der schönen Übersetzung lesen sich die „Betrachtungen eines musikalischen Enthusiasten”, die Frank Heidlberger aus Berlioz‘ unfangreichem Werk ausgewählt, eingeleitet und kommentiert hat, auch auf Deutsch mit großem Vergnügen und Gewinn. AC Hrsg. v. Frank Heidlberger, Bärenreiter-Verlag, Kassel/ Verlag J.B. Metzler, Stuttgart 2002. 284 S., EUR 34,90.

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> Super! Umfassende, aktuelle Infos über das Musikleben in den deutschen Städten. Und dabei unterhaltsam! Wolfgang Berger aus Magdeburg

> Überschaubar, informativ und anregend zum Plattenkauf. Ingeborg Weste aus Köln

> Vor allem gefallen mir die Vorstellungen von CDNeuerscheinungen und die Firmenunabhängigkeit. Martin Turner aus Köln

> Gut – Klasse - Klassik! Rudolph Dorn aus Bayreuth

> Nur mit einem Magazin wie Crescendo lässt sich ein Überblick über die Neuveröffentlichungen erreichen! S. Weber aus Stuttgart

> Hervorragende Aufmachung und wirkliche Kompentenz der Mitarbeiter! Bernd Müller aus Löbau

> Crescendo deckt besonders über mehrere Hefte hinweg alle Themenbereiche ab, die mich in einer Musikzeitschrift interessieren! Thomas Schachschal aus Karlsruhe

MÖCHTEN SIE UNS AUCH IHRE MEINUNG SAGEN? Dann schreiben Sie sie bitte an: Port Media, Erdmannstr. 6, 10827 Berlin Telefon: 030 – 784 82 07 Fax: 030 – 78 70 82 09 email: crescendo@portmedia.de Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen.

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Klassik Top 20 1 –

Beethoven: Violinkonzert Anne Sophie Mutter New York Philharmonic: Masur Deutsche Grammophon

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Kennedy - Greatest Hits Kennedy EMI classics

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Mahler: Symponie Nr. 5 Berliner Philharmoniker: Rattle EMI Classics

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Domingo: Sacred Songs Placido Domino Orch. e Coro Sinf. di Milano G. Verdi: Viotti Deutsche Grammophon

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Fleming: Bel Canto Renée Fleming St. Luke’s Orchestra: Summers Decca

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Bartoli: Gluck Italienische Arien Cecilia Bartoli Akademie für Alte Musik Berlin Decca

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Licitra: E lucevan le stelle Salvatore Licitra London Symphony Orchestra: Rizzi Sony Classical

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Bach: Klavierkonzerte Murray Perrahia Academy of St. Martin in the Fields Sony Classical

10 –

Otter singt Offenbach Anne Sofie von Otter Les Musiciens du Louvre: Minkowski Deutsche Grammophon

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Bach: Klavierkonzerte Nr. 1, 2 u. 4 Murray Perrahia Academy of St. Martin in the Fields Sony Classical

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Klarinettenkonzerte Sabine Meyer Academy of St Martin in the Fields: W. Meyer EMI Classics

13 –

The Magic of Satie Jean-Yves Thibaudet Decca

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Schumann: Carneval, fis-moll-Sonate Evgeny Kissin RCA Red Seal

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Round Midnight Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker EMI Classics

16 –

Mozart: Violinkonzerte 1, 3 u. 4 Viktoria Mullova Orchestra of the Age of Enlightenment Philips

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Rossini: Arien Juan Diego Florez Orch. Sinfonica di Milano G. Verdi: Ricccardo Chailly

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Grieg: Lyrische Stücke Leif Ove Andsnes EMI Classics

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Wagner: Arien Bryn Terfel Berliner Philharmoniker: Claudio Abbado Deutsche Grammophon

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Mendelssohn: Cellosonaten Misha Maisky, Sergio Tiempo Deutsche Grammophon

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Pärt: Orient & Occident Schwedisches RSO und Chor: Kaljuste ECM

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1>Heinrich Ignaz Franz Biber: Unam Ceylum Biber, Kapellmeister in Salzburg, war einer der führenden Violinvirtuosen des 17. Jahrhunderts. Sechs seiner Violinsonaten hat nun der britische, in Dresden unterrichtende Geiger John Holloway mit der aparten Begleitung von Orgel und Cembalo eingespielt. Holloway gibt den virtuosen Geigenpart mit einer bezwingenden Mischung aus Klangsinnlichkeit und gläserner Schärfe – und mit einer Souveränität, als würde er aus dem Stand improviseren. Darunter legen Aloysia Assenbaum, Orgel, und Lars Ulrik Mortensen das regelrecht „swingende“ Fundament. AC Holloway, Assenbaum, Mortensen 2001. ECM New Series 1791 472 084-2. 2>Benjamin Britten: The Turn of The Screw Brittens Kammeroper The Turn of the Screw (1954) ist eine Abfolge von 16 Szenen, in denen es um geheimnisvolle Beziehungen zwischen Kindern, Haushaltsvorstehern und Gouvernanten geht. Daniel Harding und das Mahler Chamber Orchestra machen sich mit Fingerspitzengefühl an „Die Drehung der Schraube“. Die Feinmechanik der Motive, Stimmungen und Stimmen wird luzid. Der klare Klang der Stimmen entspricht dieser transparenten Interpretation. HGV Rodgers, Bostridge, J. Henschel, Tierney, Leang, Wise, Mahler Chamber Orchestra: Harding 2002. Virgin Classics 7243 5 45521 2 0. 3>Max Bruch: Violinkonz. Nr. 1u. 3; Pablo de Sarasate: Navarra op. 33 Am Ende möchte man glatt applaudieren vorm Lautsprecher, so mitreißend ist der Sarasate-Ausklang. Chloe Hanslip wird hier von Mikhail Ovrutsky assistiert, und beide können ihre elementare Musikalität ausspielen. Natürlichkeit, in der noch komplizierte Sprünge und Lagenwechsel ganz organisch fließen, statt Pathos oder bloßer virtuoser Capricen; dunkle Leidenschaft, ungewöhnliche lyrische Intensität – die junge Geigerin beeindruckt auch bei Bruch. Martyn Brabbins lässt das London Symphony Orchestra mächtig schäumen und wogen: Romantik pur. GF Chloe Hanslip, M. Ovrutsky (Klavier), London Symph. Orchestra: Martyn Brabbins 2001. Warner Classics 0927-45664-2. 4>Luigi Cherubini: Les deux journées Selten genug widmen sich Deutsche dem französischen Repertoire, und wenn dann eine fast schon vergessene kleine Oper produziert wird, kommt das einer Sensation gleich. Zumal Christoph Spering mit exzellenten Sängern und Musikern die Geschichte vom edlen Wasserträger sehr lebendig, farbig und facettenreich erzählt. Trotz Lebensgefahr rettet er einen fälschlich angeklagten Adligen, eine Liebesgeschichte ist auch mit dabei, und Cherubinis Musik verrät in dieser spannenden Aufnahme, dass hier keineswegs alles nur putzig historisch ist. NL Yann Beuron, Mireille Delunsch, Andreas Schmidt u.a. Chorus Musicus Köln. Das Neue Orchester: Christoph Spering 2001. Harmonia Mundi OP 30306.

5>Maria Callas: Die ersten offiziellen Aufnahmen Die Wiederveröffentlichung der „First Official Recordings“ von 1949 führt uns eine Sopranstimme vor, die sowohl Wagner wie Bellini auf höchstem Niveau singt, die durch ihr unverwechselbares Timbre und einen fulminanten Zugriff aufhorchen lässt. In Isoldes Liebestod besticht das edel gesponnene Legato, in den Norma-Szenen ihre Fähigkeit, den Hörer unmittelbar zu packen. Callas entwirft plastische Gesangsfiguren, eröffnet in den langsamen Phrasen gestalterische Vielfalt und überrascht durch Kraft und Volumen. Die Ausschnitte aus ihrer einzigen StudioTraviata reichen nicht an ihre späteren Live-Interpretationen heran. RF Orchestra Sinfonica di Torino della RAI, u.a.: Basile, Votto, Santini 1949. Warner Fonit 5050466-1000-2. 6>Frédéric Chopin: Etüden op. 10, op. 25 Wer die Gesamt-Einspielung von Cortot zu antiquiert, Pollini zu materiell und Gawrilow zu unbedeutend findet, hat nun eine Alternative: Chopins geratenste Kinder, die auf so verführerische Namen wie „Schwarze Tasten-“, „Sternenregen-“ oder „Schmetterlingsetüde“ hören, behandelt Perahia wie ein guter Vater, führt sie wie Abraham die Seinen in das Land der Verheißung. Sein Wanderstab ist sein Mut, der ihn nie verlässt. Er artikuliert deutlich bei gestochen scharfem Klangbild und verfügt über visionäre musikalische Prophetie. Wärme des Herzens wird Takt um Takt spürbar in diesen beiden Meisterwerken. MSt Murray Perahia 2001. Sony SK 61885. 7>Chiara Margarita Cozzolani: Marienvesper Den Kirchenoberen war sie damals verdächtig – die Musik Chiara Margarita Cozzolanis. Zu weltlich und zu sinnlich fand man die klangprächtige Musik der Benediktinerin, die am Mailänder Konvent der heiligen Radegondis wirkte. Für das Orlando di Lasso Ensemble dagegen scheint gerade diese Lust am Klang der Ausgangspunkt der Interpretation gewesen zu sein – mit purer Freude am Singen bringt man Psalmen und Concerti aus den Jahren 1642 und 1650 zum Klingen. Vor allem die Soprane bestechen mit überaus warmem Ton, und neben dem insgesamt exzellenten Vokalensemble überzeugt auch die ausgezeichnete, stets den richtigen Impuls gebende Continuogruppe. KH Orlando di Lasso Ensemble 2000. Thorofon CTH 2461/2/ Klassik-Center Kassel. 8>Christian Gerhaher: Lieder von Schubert, Brahms und Martin Die Auswahl an Schubert-Liedern, Brahms‘ Vier ernste Gesänge und die wenig bekannten Monologe aus Jedermann von Frank Martin kreisen thematisch um Abschied und Tod. Die technische Beherrschung und die Schönheit der Stimme sind außergewöhnlich. Die ideale Einheit von Klangfluss und Sprachgestaltung seiner phänomenalen Winterreise erreicht Gerhaher zwar nicht mehr ganz. Dennoch eine sehr lohnenswerte CD. MK Gerold Huber (Klavier) 2001. Arte Nova 74321 92771-2/BMG.

Die Klassik-Charts für den Zeitraum 30.9. bis 20.10. wurden ermittelt durch Mediacontrol im Auftrag des Bundesverbandes der phonographischen Wirtschaft. Erfasst sind nur CDs, die zuvor von den Plattenfirmen zur Auswertung angemeldet wurden. Weisse Rangnummer = Platzierung Vormonat

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CD

DVD VORSCHAU

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9>Christoph Willibald Gluck: Alceste In Glucks Alceste liefern sich die Liebenden Admeto und Alceste einen edlen Wettstreit darum, wer für den anderen sterben darf. John Eliot Gardiner, die durchweg hervorragenden Solisten um Anne-Sofie von Otter, Chor und Orchester machen aus der morbiden Handlung Hörgenuss pur. Bis in feinste dynamische Nuancen und perfekt austarierte Ritardandi, Diktion und Pausensetzung spüren Gardiner, die Sänger und die Musiker den leidenschaftlichen Emotionen hinter Glucks Wohlklang nach. NL Groves, von Otter, Henschel u.a. Monteverdi Choir, English Baroque Soloists: Gardiner 1999 Philips 470 293-2. 10>Gustav Holst: Die Planeten Für die perfekte Widergabe britischer Kompositionen scheinen britische Dirigenten nur die notwendige, aber nicht die hinreichende Bedingung zu sein. Es bedarf auch noch eines britischen Orchesters, nicht mal unbedingt aus der allerersten Reihe, für die richtige Mischung aus Größe, Würde, Freude und Wehmut. Roger Norringtons Stuttgarter Orchester gehen diese Dimensionen spätestens bei der heroischen Hymne des Jupiter verloren. So geht die Krone klar an die preiswerte Naxos-Einspielung, die außerdem mit dem Mystischen Trompeter noch eine gesangsmächtige Zugabe bietet. Auf die Vollendung der Planeten durch den von Colin Matthews nachkomponierten Pluto hätte man freilich verzichten können. TR Royal Scottish Nat. Orch.: Lloyd-Jones 2001. Naxos 8.555776. RSO Stuttgart: Norrington 2001. Hänssler 93.043/Naxos.

Jeden Monat erscheinen mehrere hundert Klassik-CDs in Deutschland. Die über 80 CDs, die wir alle zwei Monate in Crescendo besprechen, bilden also schon eine gezielte Auswahl. Es sind Aufnahmen, die wir für besonders wichtig halten – auf Grund des Repertoires, der Interpreten, der Interpretation oder auch wegen ihrer Originalität. Aus der erfreulich großen Zahl der guten Einspielungen wollen wir Ihnen einige wenige CDs besonders ans Herz legen. Aufnahmen nämlich, die unsere Rezensenten schlicht für ausgezeichnet halten.

11>Franz Lehár: Tatjana Unbekannter Lehár in Fortsetzung bei cpo, jetzt mit der Oper Tatjana. Die Handlung im fernen Sibirien inspirierte das unerfüllte Opernherz des Komponisten: Über das im Schneesturm zugrunde gehende Liebespaar schüttete er ein Füllhorn ergreifender Melodien und edel-elegischer Harmonien aus. Bühnenchancen dürfte Tatjana allerdings kaum haben. Als Hörer wird man vom Dirigenten Michail Jurowski, Chor und Orchester aber bestens bedient. Dagmar Schellenberger bezaubert, Herbert Lippert nicht. JM Schellenberger, Lippert, Mewes, Fischer u.a. Rundfunkchor und RSO Berlin: Michail Jurowski 2001. cpo 999762-2/jpc. 12>Mendelssohn: Violinkonzert e-moll; Schostakowitsch: Violinkonzert a-moll Ernst und unerbittlich macht die 22-Jährige ihren Anspruch geltend, auch der Musik des 20. Jahrhunderts gerecht zu werden – was ihr gelingt. Sie verfügt über viel geigerisches Talent, bringt zarteste Pianissimi und lässt ihren Klang eindrucksvoll mit dem der Osloer Philharmoniker verschmelzen. Im berühmten Mendelssohn-Konzert kann Hahn ihre Virtuosität ausleben; tadellos und klar nimmt sie die Hürde des langsamen Satzes, entfacht im Finale ein Feuerwerk. MSt Hilary Hahn, Osloer Philharmoniker: Marek Janowski/ Hugh Wolff 2001. Sony SK 89 921.

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13>Christoph Willibald Gluck: Orfeo ed Euridice Unter der Leitung von Arnold Östman hat ein Trio schöner Frauenstimmen die Wiener Erstfassung von Glucks bekanntester Oper gesungen. Die Mezzosopranistin Ann-Christine Biel interpretiert die wichtigste Partie des Stücks sehr kultiviert. Maya Boog vermittelt eine jugendlich-verletzliche Euridice, Kerstin Avemo ist mit leichtem, hellem Sopran ein charmanter Amor. Das Orchester des Theaters Drottningholm klingt originalgetreu handgemacht, der Chor gibt überzeugend klagende Nymphen und bissige Furien. Keine besonders expressive, aber eine sehr liebevolle Aufnahme. NL Biel, Boog, Avemo, Theater-Orchester und -Chor: Arnold Östman. Naxos 8.66 00 64. 14>Erich Wolfgang Korngold: Lieder Vor knapp 20 Jahren hat Steven Kimbrough mutig ein Liedprogramm exklusiv Erich Wolfgang Korngold gewidmet. Das damals nur fragmentarisch vorliegende Opus 5 bietet Dietrich Henschel jetzt vollständig (Weltpremiere). Die Ausdrucknuancen des Baritons kommen der Stilvielfalt der Kompositionen und ihrer reichen Farbdramaturgie zugute. Das von Helmut Deutsch pianistisch mustergültig betreute Recital lässt neue und interessante Facetten beim zunächst als Wunderkind gehätschelten, später als Hollywood-Karrierist verunglimpften Korngold erkennen. Eine interpretatorisch wie editorisch bedeutsame Aufnahme. JM Dietrich Henschel, Helmut Deutsch 2001. Harmonia Mundi 901780.

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Bereits mit 36 Jahren ein erstes “Best-of”Album: “the art of Cecilia Bartoli” präsentiert

neben Highlights von Händel, Vivaldi, Gluck,

Cecilia Bartoli

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Mozart und Rossini auch zwei bislang unveröffentlichte Duette mit Luciano Pavarotti (Decca 473 380-2). Zum 50. Geburtstag des Berliner Sinfonie-Orchesters ist bei Harmonia mundi eine 5-CD-Box mit 30 bis 40 Jahre alten, bislang unveröffentlichten Live-Mitschnitten erschienen: Der langjährige Chefdirigent Kurt Sanderling dirigiert Schostakowitsch, Prokofjew, Mozart u.a., David Oistrach dirigiert Schostakowitschs 10. Symphonie. Besonderes Schmankerl: der Mitschnitt des Konzerts vom Mai 2002, mit dem der fast 90-jährige Sanderling Abschied vom Dirigieren nahm (Harmonia mundi HMX 2905255.59). Die Geigerin Midori feiert in diesem Jahr ihr 20.

15>Felix Mendelssohn Bartholdy: Cellosonaten, Lieder ohne Worte An die Stelle von Maiskys langjähriger Partnerin Martha Argerich tritt deren Protégé Sergio Tiempo, und man darf sich nicht beklagen: Die beiden spielen zusammen, als hätten sie es schon immer getan. Mendelssohns zwei Cellosonaten sind brillant und extrovertiert, mit der Schwierigkeit, dass der sehr volle Klavierpart leicht das Cello übertönen kann. Diese Gefahr umgehen Tiempo mit rücksichtsvollem Spiel und die effektive Aufnahmetechnik. Die CD enthält außer den originalen Cellowerken Mendelssohns mehrere Transkriptionen seiner Lieder und Klavierstücke, die unterschiedlich gelungen sind. CMS Mischa Maisky, Sergio Tiempo 2000. DG 471 565-2.

„Podiumsjubiläum” – und das im zarten Alter von 31 Jahren. Sony legt zur Feier des Jahres ein „20th Anniversary Album” auf – mit bislang in Deutschland unveröffentlichten Aufnahmen, u.a. dem Violinkonzert Nr. 1 von Henryk Wieniawski (mit dem St. Louis Symphony Orchestra unter Leonard Slatkin; Sony SK 89700). Der „Preis der deutschen Schallplattenkritik” geht in diesem Jahr an den Cembalisten Andreas Staier, den Lautenisten Rabih Abou-Khalil und den Stuttgarter Schallplattenproduzenten Andreas Spreer (vom Label TACET). Die Juroren, 110 deutschsprachige Musikkritiker, entschieden sich für die drei Preisträger wegen „ihres langjährigen innovativen Umgangs mit dem Tonträger”. Beim Festakt am 1. Dezember im Berliner Musikinstrumenten-Museum werden außerdem zehn CD-Produktionen ausgezeichnet. Zum 100. Geburtstag des Dirigenten Eugen Jochum am 1. November hat die Deutsche Grammophon einige seiner wegweisenden Einspielungen neu aufgelegt: darunter die Bruckner-Symphonien 1 bis 9 mit den Berliner Philharmonikern bzw. dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Jochum von 1949 bis 1960 leitete, sowie eine Doppel-CD mit den Carmina Burana und anderen Werken von Carl Orff (DG 469 810-2 bzw. 474 131-2).

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16>Dmitri Schostakowitsch: Die Symphonien Es ist ein fulminanter Zyklus, den Rudolf Barshai mit dem WDRSinfonieorchester in den Jahren 1992 bis 1998 aufgenommen hat. Barschai, mittlerweile 78, war Kompositionsschüler und später enger Vertrauter von Schostakowitsch, 1969 brachte er dessen 14. Symphonie zur Uraufführung. Wohl kein anderer aktiver Dirigent kennt die persönlichen Hintergründe, die Feinheiten und Doppelbödigkeiten in Schostakowitschs Musiksprache so genau wie der 1977 in den Westen emigrierte Barschai. Und so ist nun ein authentischer, ungemein packender Zyklus entstanden, der den Blick auf die Gefühle frei gibt, die Schostakowitsch oft nur getarnt darstellen konnte: seine Hoffnungen und Ängste, Wut und Wehmut, Ratlosigkeit, Aggression und ein oft beißender Humor. Schostakowitschs 15 Symphonien sind das aufrüttelnde, erschreckende Panorama des 20. Jahrhunderts, und kaum zuvor ist es so in solch klaren, deutlichen Farben dargestellt worden wie in diesem Zyklus, in dem selbst die frühen „Nebenwerke“ einiges Gewicht erhalten. Der Preis der 11 CD-Box ist konkurrenzlos, dafür gibt es nur kurze Booklettexte auf Englisch. AC WDR-Sinfonieorch.: Barshai 1992-98. Brillant Classics 6275. 17>Robert Schumann: Carneval, fis-moll-Sonate Wollen wir herausragende Interpretationen von Klaviermusik erleben, hören wir heute Horowitz, Benedetti Michelangeli oder Gould. Und unsere Enkel? Sie werden jene immer noch hören, aber ein Jüngerer wird sich hinzu gesellen: Evgeny Kissin. Schon heute, mit gerade 30 Jahren, ist ihm ein Ehrenplatz am Pianistenhimmel sicher. In seiner neuesten Schumann-CD beweist er mit Carnaval op. 9 und der selten gespielten fis-moll-Sonate op. 11 erneut seine Ausnahmequalität. MSt Evgeny Kissin 2002. RCA 09026 63885-2/BMG. 18>Noam Sheriff: Cellokonzert, Orchesterstücke, Lieder In Israel ist er einer der ganz Großen, hier muss er noch entdeckt werden: Noam Sheriff. Er könnte durchaus populär werden, denn seine Musik spricht emotional direkt an. Sheriff, geboren 1935, ist ein Meister der Orchestrierung, der virtuos mit verschiedenen Stilen von Renaissance über sinfonische Filmmusik bis zu Geräuschmusik nach Art von Varèse jongliert. In den La

Follia-Variationen zeigt er charmanten Humor, in Akeda zum Andenken an den ermordeten Yitzhak Rabin monumentalen Ernst. Neoklassizistischen Esprit versprüht das Cellokonzert, bildhaft sind die Lieder nach Paul Celan. Solisten und Orchester bieten unter Leitung des Komponisten eine brillante Leistung. PSa Boris Pergamentschikow, Ella Sheriff, Düsseldorfer Symphoniker: Sheriff 2002. col legno WWE 20065/harmonia mundi.

19>Tschaikowsky: Violinkonzert; Schostakowitsch: Violinkonzert Nr. 1. Vor ein paar Jahren durfte ich Gringolts´ erste CD rezensieren und war bei aller technischer Meisterschaft von einigen Manierismen irritiert. Heute muss ich feststellen, dass sie verschwunden sind! Gringolts ist in der Zwischenzeit unter die Fittiche Itzhak Perlmans gekommen, und der Unterricht hat offensichtlich gefruchtet. Die ganz unterschiedlichen Klangwelten von Tschaikowsky und Schostakowitsch sind treffend erfasst und unter Mitwirkung des Israel Philharmonic charakterisiert. Gringolts´ Klangpalette scheint schier unerschöpflich zu sein, und die technische Meisterschaft ist noch gewachsen. Auch dank der exzellenten Aufnahmequalität dringend zu empfehlen. CMS Ilya Gringolts, Israel Philharmonic: Itzhak Perlman 2002. Deutsche Grammophon 471 616-2. 20>Giuseppe Verdi: Il Trovatore Antonio Pappanos Opernaufnahmen besitzen eine Gediegenheit, die heute nicht mehr selbstverständlich ist. Auch im Trovatore liegt ihm daran, Details auszuformulieren und das Werk möglichst delikat anzugehen. Das korrespondiert mit Angela Gheorghius kluger und klangschöner Leonora, die ihr gleichwohl eine Nummer zu groß ist. In noch stärkerem Maß gelten die Einschränkungen für den weinerlichen Manrico Roberto Alagnas, dem es nicht zuletzt an Geschmack fehlt. Dagegen ist Thomas Hampsons Luna eine noble Lektion in Sachen Verdi-Gesang. Als Azucena führt Larissa Diadkova eine ausgeglichene, mächtige und dunkelschöne Stimme vor. RF Alagna, Gheorghiu, Hampson, Diadkova u.a., London Symphony Orchestra: Antonio Pappano 2001. EMI 5 57360-2. 21>Antonio Vivaldi: Späte Violinkonzerte Einen weiteren Einblick in die Vielfalt Vivaldischer Musik gibt das Venice Baroque Orchestra auf seiner dritten CD mit Violinkonzerten des venezianischen Komponisten. Erneut mit einem großartigen Orchesterklang, in dem die immanente Spannung der Werke hervorgehoben wird und mit einem vor Spielfreude sprühenden Solisten. Anders als in den bisherigen Aufnahmen scheint allerdings Giuliano Carmignola die Brillanz, die Vivaldi der Solo-Violine verliehen hat, nicht mehr zu reichen. Sein Spiel klingt insgesamt ein bisschen selbstverliebt, und mancher Effekt ist eher aufgesetzt als der Partitur entnommen. Kein Zufall, dass Carmignolas Name diesmal größer gedruckt ist als der Vivaldis? KH Giuliano Carmignola, Venice Baroque Orchestra: Andrea Marcon 2002. Sony SK87733.

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22>Antonio Vivaldi: Giustino Zwei sehr unterschiedliche Interpretationen von Vivaldis Oper Giustino (1724) sind nun beinahe zeitgleich erschienen. Estevan Velardi bietet die komplette Oper mit allen Rezitativen, Arien und Wiederholungen. Weil er dazu auch noch häufig sehr getragene Tempi wählt, dauert seine Version über zwei Stunden länger als die Virgin-Aufnahme. Alain Curtis erreicht durch radikale Striche zwar eine insgesamt unterhaltsamere Wiedergabe, bewegt sich dafür aber oft am Rande der Entstellung. Beide Aufnahmen stützen sich auf kompetente Sänger. Einzig der Countertenor Gianluca Belfiori Doro überzeugt in der Titelrolle bei Velardi nicht recht. Der Orchesterklang vom Complesso barocco ist vielleicht manchmal zu scharf, kühl und unbeteiligt, Velardis Ensemble hat insgesamt einen runderen Ton. Und so überzeugen denn die Italiener mehr durch Fleiß, Authentizität und Vollständigkeit, während Curtis‘ Ensemble mehr durch Kurzweil, Brillanz und Entertainment für sich einnimmt. MK Labelle, Provvisionato, De Lisi, Il Complesso Barocco: Alain Curtis 2001. Virgin 545 518-2/EMI. Bossa, Belfiori Doro, De Lisi, Alessandro Stradella Consort: Estevan Velardi 2001. Bongiovanni GB 2307/10-2/Gebhard.

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23>Kurt Weill: Zaubernacht Auch Weill-Kenner wird die Zaubernacht verblüffen, klingen die musikalischen Zauber, die Weill hier entfacht, doch ganz ungewohnt. Kein Wunder: Die Ballettpantomime ist Weills erste Theaterkomposition, die nun als Ersteinspielung in einer rekonstruierten Fassung vorliegt. Der 22-Jährige wandelt hier deutlich auf den Spuren seines Lehrers Busoni, auch spürt man die orientalischen Phantasmagorien eines Rimsky-Korssakow und die stählerne Pranke Strawinskys. Insgesamt liegt über diesem Stück mit seinen Tänzen und Märschen eine (fast) liebliche Kinderstuben-Idylle, die in der von Celso Antunes betreuten Aufnahme mit den zwei Handvoll Instrumentalsolisten des Ensemble Contrasts Köln zu informativer Wirkung gebracht wird. RF Ingrid Schmitthüsen, Ensemble Contrasts Köln: Celso Antunes 2001. Capriccio 67011.

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24>Bernd Alois Zimmermann: Frühe Orchesterwerke Wer Bernd Alois Zimmermann nur als Neutöner kennt, wird überrascht sein: Die frühen Orchesterwerke zeigen ihn, der mit seiner Oper Die Soldaten zu einer führenden Figur der Avantgarde wurde, als „breitentauglichen“ Klangmagier. Die sieben Sätze der Märchensuite von 1950, deren späte Uraufführung für die CD mitgeschnitten wurde, erweisen sich als geistvolle, impressionistische Klanggemälde. Und auch die Ballettmusik Alagoana. Caprichos brasileiros von 1951-54 steht nach Zimmermanns eigener Aussage „absolut unter dem Gesichtspunkt der Klangfarbe“. Den Weg in die Avantgarde wiesen Ende der 50er Jahre der seriell konstruierte Canto di speranzo für Cello und Orchester und das kurze Impromptu. AC Lucas Fels (Cello), Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin: Peter Hirsch 2001. Wergo WER 6656-2/Schott.

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ALTE MUSIK 25>Der Zink begegnet den Freunden Alter Musik meist nur als konzertierendes Instrument in der Vokalmusik des 16. und 17. Jahrhunderts. Umso interessanter ist der Einblick in die Vielfalt solistischer Musik für Zink, die Le concert brisé auf seiner CD bietet: Hier wird das Wesen der Neuen Musik um 1600 lebendig. Zum Beispiel in der Sonate La Golferamma, die die Spielfreude, Virtuosität und Freiheit vereint, von der die Instrumentalmusik dieser Zeit gekennzeichnet ist. carpe diem 16258/Note1 26>Die Motetten des „letzten Niederländers“ Philippe de Monte zeichnen sich durch einen ebenso schlichten wie eindringlichen Ton aus. Und genauso interpretiert Erik van Nevel mit seiner Currende die geistlichen Werke – die große Kunstfertigkeit wird hinter einer schlichten Oberfläche verborgen, man singt sehr flüssig, unaufgeregt, eine große Ruhe ausstrahlend. Bemerkenswert an der Aufnahme ist vor allem die ausgezeichnete klangliche Balance in den bis zu 12-stimmigen Sätzen. Eufoda 1306/Musikwelt 27>Die Wiederentdeckung von vergessenen Komponistinnen schreitet voran. Diesmal widmet sich bizarrie armoniche Komponistinnen des 17. Jahrhunderts, die oft in Orden wirkten. Das hohe musikalische Niveau, das Nonnen wie Rosa Badalla oder Bianca Maria Meda schon in ganz jungen Jahren erreichten, lässt auf weitere Entdeckungen hoffen, vor allem, wenn die Musik so gekonnt und engagiert aufgeführt wird wie hier. opus 111 op 30341/Note1 28>In München und Wien wirkte Johann Caspar Kerll, dessen geistlicher Musik sich das Johann Rosenmüller Ensemble in seiner Aufnahme widmet. Im zwei- bis 18-stimmigen Satz arbeitet es in immer wieder neuen Kombinationen von Instrumental- und Vokalstimmen den ganzen Farbenreichtum seiner Musik heraus. Glanzstück der Aufnahme ist die Messe, die Kerll während der Belagerung Wiens 1683 komponierte – ein Werk mit atemberaubend dissonanten Passagen. Christophorus CHR 77249/Note1 29>Unter dem etwas irreführenden Titel von „frühen Ouvertüren“ stellt Nova Stravaganza Musik Johann Sebastian Bachs vor. Hier wurden keine frühe Ouvertüren entdeckt, sondern die Orchestersuiten so rekonstruiert, wie sie wohl ursprünglich in Weimar und Köthen aufgeführt worden sind: Ohne Pauken, Trompeten und Solo-Flöte wird aus den Orchestersuiten Kammermusik. Die ist perfekt gespielt und wunderbar aufgenommen – so schön, dass ich mir wünschen würde, man hätte doch lieber Bachs spätere Fassungen mit ihrem größeren Reichtum an Klangfarben gespielt. KH. MDG 341 1131-2/Naxos

GEISTLICHES 30>Wer Haydns Schöpfung noch nicht im Plattenschrank hat oder sich eine neue Aufnahme zulegen will, dem empfiehlt sich die erfrischend musizierte, schön und ausdrucksvoll gesungene Interpretation durch Thomas Hengelbrock mit dem Balthasar-

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Neumann-Ensemble und -Chor sowie einem Quintett erlesener Solisten (Kermes, Mields, Davislim, Mannov, Chung). DHM 05472 77537-2/BMG 31>Händels Oratorien werden ergänzt um ein Stück, das keines ist. Nabal wurde von Händels langjährigem Mitarbeiter Christopher Smith aus den Highlights der bestehenden Werke zusammengestellt. Die Solisten (MacLeod, Boog, Schoch, Van der Heijden, Perillo), die Junge Kantorei und das Frankfurter Barockorchester unter Joachim Carlos Martini lassen an der musikalischen Schönheit der ausgewählten Arien und Chöre keinen Zweifel. Naxos 8.555276-77 32>Programmatisch anspruchsvoller ist die jüngste CD des Ensembles musica poetica Freiburg, die Stücken von J.S. Bach Werke seiner Zeitgenossen gegenüber stellt, darunter solche Entdeckungen wie die Concerti von Johann Ernst von SachsenWeimar und Kantaten von Graupner und Kauffmann. Hänssler 98.408/Naxos 33>Das hohe Niveau Hamburger Kirchenmusik belegen C. Ph. E. Bachs „Kantaten für Hamburg“. Stilgerecht spritzig musiziert (von der Wiener Akademie unter Martin Haselböck), die festlichen Chorsätze und melodischen Arien klangschön gesungen (Kermes, Vierlinger, Schäfer, Mertens, Wiener Kammerchor), kommen die zwei ausgewählten Stücke bestens zur Geltung. NL. ORF CD 306

ORGEL 34>Marcel Dupré, César Franck und Charles-Marie Widor auf einer CD – das hört sich nach einer weiteren Zusammenstellung populärer französischer Orgelspätromantik an. Betrachtet man jedoch Instrument und Interpret, wird die Besonderheit dieser Aufnahme deutlich: Michael Murray spielt an der CavailléColl-Orgel der Kirche St. Sulpice in Paris. Die Vertrautheit des Dupré-Schülers mit den Werken der großen Franzosen lässt aufhorchen. Und die „schönste Orgel der Welt“ (Albert Schweitzer), auf der Widor und Dupré spielten, lohnt allemal. SV. Telarc 80516/in-akustik 35>Dem Label Querstand ist zu danken für die Aufnahme der kompletten Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs. Die zehnte CD schließt das Projekt ab, das nicht nur den Bach-Schüler Krebs populärer macht, sondern auch die Kenntnis über die Orgelmusik der Bach-Zeit erweitert. Die Wahl verschiedener Orgeln aus dem mitteldeutschen Raum erschließt dem Hörer zugleich eine reizvolle Orgellandschaft. Zu Komposition und Instrument kommt mit Felix Friedrich ein ausgewiesener Krebs-Kenner als Interpret. Sehr gut! SV. querstand/VKJK 0203 36>Ob die meditativen Stücke des Livre du Saint Sacrement Olivier Messiaens gerade in eine Konzerthalle gehören, kann man bezweifeln. Dem CD-Zuhörer jedoch macht das wenig aus. Denn er hört nur, dass live, aber nicht wo gespielt wird. Und er hört, dass Elisabeth Zawadke an der Goll-Orgel im Kultur- und Kongreßzentrum Luzern eine einfühlsame Interpretation gelungen ist. SV. Ars Musici AM 1289-2

SYMPHONISCHE RARITÄTEN 37> Ein gefundenes Fressen für die Freunde monumentaler Spätromantik sind die frühen Werke des Portugiesen Joly Braga Santos (1924-88), der sich erst mit Mitte 30 zum Avantgardisten wandelte. Die vierte Symphonie ist melodieselig, stimmungsvoll und dramatisch geschickt aufgebaut. Sie klingt zwar immer irgendwie nach Bruckner, Sibelius oder einem WesternSoundtrack, ist aber meisterlich komponiert – und vom National Symphony Orchestra of Ireland unter Álvaro Cassuto ebenso eingespielt. Marco Polo 8.225233/Naxos 38>Auch Wilhelm Furtwänglers 1944-48 entstandene zweite Symphonie ist reinste Spätromantik. Dass das 80-minütige, spannungsreiche Werk nicht häufiger im Spielplan auftaucht, kann kaum an seiner musikalischen Qualität liegen, wie das Chicago Symphony Orchestra unter Daniel Barenboim deutlich macht. Teldec 0927 43495-2 39>1945 entstand auch die fünfte Symphonie, die „Apokalyptische“, des Wiener Spätromantikers Karl Weigl, der 1938 in die USA emigiert war. Das vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Thomas Sanderling erstmals eingespielte Werk ist viel sparsamer und intimer angelegt, leidet aber an mangelnder thematischer Prägnanz. Spritzig und stimmungsvoll ist das Phantastische Intermezzo von 1921. BIS 1077/Klassik-Center Kassel 40>Um eine Synthese aus westlichen und türkischen Musikelementen bemühte sich Ahmet Adnan Saygun (1907-91). Die ersten beiden Symphonien, eingespielt von der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter dem neuen Chefdirigenten Ari Rasilainen, sind kraftvoll und ausdrucksstark, ihre Exotik für den Laien aber kaum als türkisch oder orientalisch zu erkennen. cpo 999 819-2/jpc 41> Die siebte, die „Sturm-Symponie“ des Dänen Paul von Klenau (1883-1946), der u.a. bei Max Bruch studierte und viele Jahre in Deutschland lebte, ist zwar auf einer Zwölftonreihe aufgebaut, aber dank des melodiebetonten und harmonischen Aufbaus auch eingefleischten Verfechtern der Tonalität zu empfehlen. Als Beigabe spielt das Odense Symfoniorkester unter Jan Wagner einige frühe Werke wie die Orchesterphantasie Jahrmarkt bei London mit einer köstlichen Klage über Regen und Nebel. da capo 8.224183/Naxos 42>Wer es kraftvoll und zupackend mag, dem sei die Musik des Mexikaners Silvestre Revueltas (1899-1940) ans Herz gelegt. Das Aguascalientes Sinfonieorchester unter Enrique Barrios hat drei Filmmusiken bzw. Ballette eingespielt – perkussionsbetonte, ungemein farbenprächtige Werke, bei denen mal die Wände wackeln, mal die Blumenvasen im mexikanischen Tanzrhythmus zu hüpfen beginnen. Naxos 8.555917 AC

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STRAVINSKY The Firebird & Les Noces

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JAZZ 43>Schönes aus deutschen Landen: Im besten Sinne klassischen Jazz mit ruhigen und schnellen Nummern im Wechsel bietet „Lisboa“ des Düsseldorfer Engstfeld-Weiss-Quartetts, das vor allem durch den abgeklärten, vollen Tenorsound von Wolfgang Engstfeld bestimmt wird. (m. H. Soll, p, C. Ramond, b, P. Weiss, dr). Acoustic Music 319.1267.242/Zomba 44>Aus Köln kommt der Pianist Hubert Nuss, der für „The Underwater Poet“ mit John Goldsby (b) und John Riley (dr) überwiegend ruhige Nummern aus eigener Feder aufgenommen hat. Doch auch in den schnellen Stücken hat sein Klavierspiel immer etwas Überirdisch-Schwebendes. Greenhouse 1016 45>Der Berliner Jonas Schoen ist einer der Dezenten im Lande, was den Ton seiner Saxophone und Klarinetten betrifft. Doch er hat viel zu erzählen: „My Middle Name“ ist eine rundum gelungene, prall gefüllte CD mit interessanten Eigenkompositionen. (m. B. Braune, p, rhodes, P. Berns, b, H. Lichius, dr). NRW 4010 46>Eine delikate Stimme, außergewöhnliche Stücke aus eigener Feder (oder der des originellen Pianisten Mark Reinke) und die Texte auf Hebräisch: Das überwiegend ruhig gehaltene Debüt „Merry-go-round“ der jungen, in Berlin wohnenden Sängerin Efrat Alony bietet etwas ganz Besonderes (m. E. St.-Laurent, git, S. Weeke, b, K. Lübke, dr). Village VILCD 1018-2/ZYX 47>Dass Ferenc Snétberger, Ungar mit Wohnsitz Berlin, zu Recht zu den führenden Jazzern auf der akustischen Gitarre zählt, beweist der Live-Mitschnitt eines Solokonzerts aus dem Berliner Kammermusiksaal mit dem treffenden Titel „Balance“. enja ENJ-9432-2 48>Recycling mal anders herum: Das Frankfurter Label INFRACom lässt auf [re:jazz] die meist am Computer entstandenen Highlights der zehnjährigen Labelgeschichte von einem JazzTrio mit Gästen spielen – und es erklingt feiner, tanzbarer Jazz der klassischen Art, dank des Klaviertrios (M. Vogt, A. Manns, V. Schmidt) und Gästen wie den Sängerinnen Lisa Bassenge, Joy Denalane und Linda Carriere, Till Brönner und Erik Truffaz von hoher Qualität. INFRACom LC04596/Soulfood 49>Und noch ein Blick über den großen Teich: Am Abend des 11. Septembers 2001 sollte Altmeister Charles Lloyd mit seiner neuen Band im New Yorker Blue Note auftreten – es kam anders. Auf der kurz danach entstandenen „Lift Every Voice“ verbinden der Saxophonist und seine beiden Bands (G. Allen, p, L. Grenadier, b, B. Hart, dr, bzw. J. Abercrombie, g, M. Johnson, b, Hart) bekannte Standards, Spirituals und eigene, meist meditative Werke zu einer intensiven, überwiegend ruhigen Doppel-CD. ECM 1832/22 018 783-2 50>Als ein schönes Projekt erweist sich die Idee des Audiophilen-Labels Chesky aus New York, vier Musiker aus Miles Davis‘ Bands zusammenbringen. Der Titel 4 Generations of Miles führt zwar in die Irre, denn drei von ihnen spielten in den 60ern zusammen bei Davis, doch die Namen George Coleman, t-sax, Mike Stern, git, Ron Carter, b, und Jommy Cobb, dr, bürgen für höchste Qualität. Der Live-Sound aus dem kleinen New Yorker Club Makor ist superb. AC. Chesky JD 238/in-akustik

Mit Hilary Hahn, Jane Eaglen, BBC Symph. Orchestra und Sir Andrew Davies: »Land of Hope and Glory« »Rule Britannia!« »Jerusalem« u. v. m. · 2001 1 DVD 9, AC 3 OA 0850 D

TAVENER Fall and Resurrection

Es tanzt das Royal Ballet Covent Garden mit Leanne Benjamin als »Feuervogel« in einer Choreografie von Mikhail Fokine. Orchestra of the Royal Opera House unter der Leitung von Vasko Vassilev 1 DVD 9, AC 3, DTS OA 0832 D

VIVALDI Die Vier Jahreszeiten

Mit Patricia Rozario, Michael Chance unter der Leitung von Richard Hickox. WELTERSTEINSPIELUNG eines anspruchsvollen Werkes zur Schöpfungsgeschichte 1 DVD 9, AC 3, DTS OA 0841 D

RAVI SHANKAR In Portrait

Mit Julia Fischer, Violine, und der Academy of St. Martin In The Fields. Vivaldis »Dauerbrenner« in einer 2001 entstandenen erfrischenden und brillanten Interpretation! 1 DVD 9, AC 3 OA 0818 D

VERDI Il trovatore

Konzertmitschnitt und Portrait zum 80. Geburtstag. Eine glanzvolle Retrospektive eines über sieben Jahrzehnte umfassenden Wirkens als Musiker und Guru auf 2 DVDs! OA 0853 D

Mit José Cura, Yvonne Naef, Dmitri Hvorostovsky, The Royal Opera Chorus and The Royal Opera House unter der Leitung von Carlo Rizzi 1 DVD 9, AC 3 OA 0848 D

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Herausgeber: Winfried Hanuschik, E-Mail: hanuschik@portmedia.de

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Chefredakteur: Dr. Arnt Cobbers (verantwortlich), E-Mail: cobbers@portmedia.de Redaktion: Dr. Klemens Hippel, Katharina Honke, Katrin Langeheinecke, Diane Gross Erdmannstr. 6, 10827 Berlin Telefon: 0 30 - 7 84 82 07 Fax: 0 30 - 78 70 82 09 E-Mail:crescendo@portmedia.de

MEHRKANAL 1>Ludwig van Beethoven: Missa solemnis DVD-Audio (5.1, 2+2+2)/DVD-Video (AC-3, PCM) Als ein Chorwerk erscheint Beethovens große Messe hier: So, wie sie gemeint war. Mit Solisten, die aufnahmetechnisch nicht überlebensgroß abgebildet sind, sondern in einer schönen Balance zu Orchester und Chor stehen. Das ist auch insofern gut, als der Chor ohnehin der eigentliche Star der Aufnahme ist; mühelos meistern die Sänger die extrem hohen Passagen, stets unterstützt vom präzise spielenden Orchester. Schade, dass sich die Solisten von diesem exzellenten Chor nicht zu einer einheitlichen Interpretation inspirieren ließen – da geht jeder lieber seinen eigenen Weg. KH Martinpelto, Zaremba, Lippert, Johansen, Chor der Tschechischen Philharmonie Brünn, Orchester der Beethovenhalle Bonn: Soustrot 2002. MDG 937 1128-5 2>Felix Mendelssohn-Bartholdy: Streichquintette op.18 & 87 Hybrid-SACD: PCM-Stereo, DSD-Stereo, DSD-Mehrkanal Räumlich, durchsichtig und klangprächtig erscheint das Mendelssohn Quartett auf seiner SACD mit Mendelssohns Streichquintetten. Und entfaltet das ganze Kaleidoskop von Stimmungen in diesen Werken: Von der perfekt wiedergegebenen Dramatik des langsamen Satzes des Quintetts op. 87 bis zum zügig und erfrischend unsentimental interpretierten „Nachruf“ auf Mendelssohns Jugendfreund Eduard Rietz im op. 18. Etwas zu viel Hektik stört gelegentlich in den schnellen Sätzen – das geht auf Kosten der Genauigkeit und beeinträchtigt die Leichtigkeit, die gerade die virtuosen Passagen dieser Werke auszeichnet. KH Mendelssohn Quartett, Robert Mann 2001. BIS SACD 1254

4>The Art of Conducting Vorsicht! Wer die zweiteilige Dokumentation „The Art of Conducting“ sieht, gerät in einen Strudel: Man purzelt von einer Sternstunde in die nächste, von einer Dirigenten-Legende zur anderen. 27 kleine Porträts der wichtigsten historischen Pult-Magier, liebevoll und kenntnisreich kommentiert von Kollegen, Musikern und Produzenten. Das allein wäre spannend genug. Wirklich aufregend aber ist der musikalische Teil: Meist sieht und hört man vollständige Sätze und Werke, wie einen kompletten Till Eulenspiegel unter Furtwängler, eine Egmont-Ouvertüre unter Celibidache, Toscanini mit Pini di Roma und eine Tannhäuser-Ouvertüre mit Fritz Busch, die glänzt und perlt wie bei Rossini. Sie haben schon die VHS-Version im Schrank? Macht nichts, denn was die Technik-Tüftler der Teldec aus den alten Zelluloid-Schnipseln gezaubert haben, bereichert um eine Stunde bislang unveröffentlichtes Interview-Material, wird auch DVD-Skeptiker animieren, die schwarzen Plastikteile endlich beiseite zu legen. OW Great Conductors of the Past, Regie: Sue Knussen 1993. Legendary Conductors of a Golden Era, Regie: Peter R. Smith 1997. Teldec/Warner Vision DVD 0927 42667-2 bzw. 0927 42668-2.

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3>Peter Tschaikowsky: Pique Dame Man kommt sich vor wie in einer nachkolorierten Film-Fassung von Goethes Wahlverwandtschaften: Yuri Temirkanovs Inszenierung von Tschaikowskys Pique Dame scheut Brüche und zeigt Sänger mit bekannten Gesten, wenig Aktion und viele bunte Kostüme. Doch alles Optische kann zur Nebensache werden, wenn Valery Gergiev dirigiert: Orchester-Aufschwünge kommen wie aus dem Nichts, mächtige Bläser setzen Akzente ins füllige Streicher-Bett, straffe Rhythmen treiben Hermanns Schicksal voran: Gegam Grigorian ist weniger der jugendliche Held als der schwere, russische Melancholiker. An seiner Seite gibt Maria Gulegina eine blutvolle Lisa. Nur bei der Gräfin von Ludmila Filatova sollte man sich kompromissbereit zeigen. Dennoch: Wenn sie ihr Geheimnis verrät, dann entsteht auch in St. Petersburg Spannung auf der Bühne. OW Grigorian, Gulegina, Filatova, Leiferkus, Gergalov u.a., Chor und Orchester der Kirov Oper: Valery Gergiev, Regie: Yuri Temirkanov, Ausstattung: Igor Ivanov; Bildregie: Brian Large 1992. Philips DVD 070 434-9/Universal.

können Sie sich die dreidimensionale Konzertsaalakustik in Ihr Wohnzimmer holen. Möglich wird das durch die Mehrkanalton-Technik, bei der die Musik in bis zu sechs Kanälen aufgezeichnet und wiedergegeben wird.

CRESCENDO HÖRT MIT: 2 Frontlautsprecher B&W CDM 9NT 4 Surroundlautsprecher B&W CDM 1NT 1 Center B&W CDM CNT 1 Subwoofer ASW 2500 Denon Receiver AVR 3801 Denon DVD-Player DVD 3300 Sony SACD-Player XA-333 S

Schlussredaktion: Florence Lachner Weitere Mitarbeiter: Alexander Ross (Reporter), Carsten Rampacher (Hifi), Susann Adam, Gerhart Asche, Prof. Dr. Hans Gärtner, Klaus-Martin Bresgott, Jakob Buhre, Dr. Martin Essinger, Dr. Rolf Fath, Martin Freitag, Jürgen Hartmann, Raimund Hertzsch, Sandro Hügi, Guido Johannes Joerg, Markus Kettner, Bernd Kima, Katarina Kurze, Nike Luber, Jens Mail, Dr. Volker Rülke, Dr. Tom Reinhold, Peter Sarkar, Federico Skerra, Carlos Maria Solare, Rufus Sperling, Peter Spiel, Manuel Stangorra, Dr. Friedbert Streller, Tobias van de Locht, Prof. Dr. Dr. Heinz-Günter Vester, Stefan Voges, Dr. Andreas Waczkat, Hans Georg Walder, Oliver Wazola, Dr. Eckhard Weber, Peter Zacher, Dietholf Zerweck, Dominik Zimmermann Anzeigenverwaltung: Ruth Pirhalla (verantwortlich) Telefon: 0 89 - 74 15 09-82 E-Mail: pirhalla@portmedia.de Anschrift s. Verlag Verlagsrepräsentanten: Barbara Wunderlich E-Mail: wunderlich@portmedia.de Liselotte Richter-Lux E-Mail: richter-lux@portmedia.de Medialust Christiani Medien GmbH&Co KG Phönixhof/Ruhrstrasse 11a, D-22761 Hamburg-Altona Telefon: +49 (0) 40 - 271413-0; Fax:-55, Betreuer: Klaus Schill E-Mail: crescendo@medialust.com, www.medialust.com Gültige Anzeigenpreisliste: Nr. 4 vom 01.01.2002 Layout & Grafik: Peer Zillmann (verantwortlich) E-Mail: zillmann@portmedia.de Peter Christl E-Mail: christl@portmedia.de Druck: Oberndorfer Druckerei GmbH Mittergöming 12, A-5110 Oberndorf Erscheinungsweise: Crescendo erscheint sechsmal jährlich und ist in Opernund Konzerthäusern, Vorverkaufsstellen und im Musikund Tonträgerfachhandel erhältlich. Copyright für alle Beiträge bei Port Media GmbH. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt die der Redaktion wieder. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine Gewähr übernommen. Angabe der Beteiligungsverhältnisse gemäß Art. 2 DVBayPrG: Gesellschafter der Port Media GmbH: 100 % Winfried Hanuschik (Werbekaufmann), München Abonnement-Preis: EUR 15,– p. Jahr* inkl. 7 % Mwst., *= Inland; europ. Ausland EUR 15,– + Versandspesen EUR 10,– . Kündigung 6 Wochen zum Ende des Kalenderjahres. Verbreitete Auflage: 101.460 (laut IVW-Meldung II/02) ISSN: 1436-5529

44 crescendo 06 2002

PORTRAIT PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD

DVD

VORSCHAU

geprüfte Auflage


C06_37_45_Rezensionen

06.11.2002

4:54 Uhr

Seite 45

Die

Stars sind da! José Carreras

m

Cecilia Bartoli

m

Anne-Sophie Mutter

m

Plácido Domingo

■ Endlich legt Cecilia Bartoli eine Sammlung ihrer schönsten Arien vor. Neben Paraderollen aus Opernhighlights von Vivaldi, Mozart oder Rossini hält diese Aufnahme eine besondere Überraschung bereit: Luciano Pavarotti gibt sich in zwei Duetten aus Donizettis „L’elisir d’ amore“ die Ehre – als Welterstveröffentlichung!

■ José Carreras jüngstes Album ist eine Hommage an die großen Tenöre der Vergangenheit. Klingende Miniaturen, mit denen die von ihm verehrten Vorbilder Caruso oder di Stefano in allen Soloprogrammen ihr Publikum verzauberten, erklingen hier neu arrangiert. Sein persönlichstes Album!

Malincolia d’Amore José Carreras, Tenor Lorenzo Bavaj, Klavier Ensemble Wien CD 474 160-2

The Art of Cecilia Bartoli Cecilia Bartoli, Mezzosopran Luciano Pavarotti · Bryn Terfel · David Daniels CD 473 380-2

■ Das Album der besinnlichen Momente. Die schönsten geistlichen Werke der letzten 300 Jahre, gesungen vom größten lebenden Tenor. Plácido Domingo präsentiert hier ausschließlich Werke, die er noch nie zuvor eingespielt hat. Darunter die ihm gewidmete Neukomposition von Paolo Rustichelli.

■ Anne-Sophie Mutter setzt gemeinsam mit Kurt Masur 23 Jahre nach ihrer ersten Aufnahme von Beethovens Violinkonzert einen neuen Maßstab. „Was für eine Mischung aus Ruhe und selbstsicherer Virtuosität... ein Triumph!“ (Prof. Joachim Kaiser)

Sacred Songs Beethoven Violinkonzert und Romanzen Anne-Sophie Mutter, Violine New York Philharmonic Orchestra Dirigent. Kurt Masur CD 471 349-2

www.klassikakzente.de www.deutschegrammophon.com www.deccaclassics.com

Plácido Domingo, Tenor Sissel, Vocals Orchestra Sinfonica e Coro di Milano di Giuseppe Verdi Dirigent: Marcello Viotti CD 471 575-2

Wenn auch Sie regelmäßig informiert werden möchten, senden wir Ihnen gern kostenlos die aktuelle Ausgabe unseres Kundenmagazins Klassik-Akzente zu. Schreiben oder faxen Sie bitte an: Universal Classics, „Klassik-Akzente“, Stralauer Allee 1, 10245 Berlin, Fax: 0 30- 520 07-22 44


C06_46_Leserumfrage

06.11.2002

12:41 Uhr

Seite 46

> crescendo-Leserumfrage 2002 Gerade halten Sie eine der ersten Ausgaben im neuen Design in den Händen. Nun sind wir gespannt auf Ihre Meinung! Als Dankeschön verlosen wir unter allen Einsendungen 50 hochwertige Klassik-CDs.

> An welchem Ort nehmen Sie crescendo in der Regel an sich? ❑ Konzertsaal ❑ Opernhaus ❑ Kartenvorverkaufsstelle ❑ Tonträgerhandel ❑ Sonstiges: ___________________________________________________________

> Wie viele Ausgaben von crescendo haben Sie in den letzten 12 Monaten genutzt? ❑ 4–6

❑ 2–3

❑1

❑ gar keine

> Wie häufig nehmen Sie in der Regel eine Ausgabe von crescendo zur Hand,

Musik zu? (Mehrfachnennungen möglich) ❑ Klassische Musik konsumiere ich primär bei Konzertbesuchen ❑ Klassische Musik ist meine Passion ❑ Hochwertige HiFi-Komponenten sind unabdingbar für einen optimalen Hörgenuss zu Hause ❑ Ich informiere mich gezielt und regelmäßig über aktuelle Veranstaltungen u. Veröffentlichungen

> Welche der unten genannten Mediengattungen nutzen Sie generell? ❑ TV ❑ Zeitschriften

um darin zu lesen? ___ mal

> Wie viele Seiten nutzen Sie durchschnittlich pro Ausgabe von crescendo? ❑ Alle, fast alle ❑ Die Hälfte

> Welche der unten genannten Aussagen treffen auf Ihr Nutzungsverhalten Klassischer

❑ Drei Viertel ❑ Ein Viertel

❑ Nur wenige Seiten

❑ Radio ❑ Kino

❑ Zeitungen ❑ Internet

> Welche dieser Zeitungen lesen Sie regelmäßig (Mehrfachnennung möglich) ? ❑ FAZ ❑ Die Welt ❑ Financial Times D

❑ SZ ❑ Bild ❑ Handelsblatt

❑ Frankfurter Rundschau ❑ Die Zeit ❑ Sonstige________________________

> Wie viele weitere Personen in Ihrem Haushalt nehmen crescendo in der Regel zur Hand, um darin zu lesen? ❑ ____ Personen

❑ keine weitere Person

> Bitte vergeben Sie Schulnoten von 1–6 für – das Heftkonzept ___ – die Themenauswahl ___ – den journalistischen Stil ___ – die Gestaltung ___ – insgesamt ___

> Was gefällt Ihnen an crescendo besonders

> Welche dieser Zeitschriften lesen Sie regelmäßig (Mehrfachnennung möglich) ? ❑ Fono Forum ❑ Opernwelt ❑ Stereoplay ❑ National Geographic ❑ Homes&Gardens ❑ Architektur&Wohnen

> Und nun noch einige allgemeine demographische Fragen: Geschlecht:

❑ männlich ❑ weiblich

Alter:

❑ 14–19 ❑ 35–39

❑ 20–24 ❑ 40–44

❑ verheiratet ❑ Lebenspartner

gut: __________________________________________________________________ weniger: ______________________________________________________________

> Vermissen Sie beim derzeitigen Heftkonzept bestimmte Musikstile oder Themenbereiche? ❑ ja, und zwar: _________________________________________________________ ❑ nein

> Gerne würden wir Ihre Meinung veröffentlichen. Sagen Sie uns bitte in zwei Sätzen, wie Ihnen crescendo gefällt. ______________________________________________________________________ ______________________________________________________________________

> Welche der unten genannten Musik-Genres hören Sie regelmäßig neben klassischer Musik? ❑ Jazz ❑ Rock/Pop ❑ World Music ❑ Sonstiges: ____________________________________________________________

> Wie hoch sind Ihre durchschnittlichen monatlichen Ausgaben für: ❑ CDs /LPs: ____ ❑ Musik-DVDs: ____ ❑ Videos: ____ ❑ Film-DVDs : ____ ❑ Konzert- und Opernbesuche : ____

> In welchen der unten genannten Bereiche planen Sie in den nächsten

❑ 25–29 ❑ 45–49

❑ 30–34 ❑ 50+

Familienstand:

❑ ledig

Kinder im Haushalt:

❑ ja (incl. Nennung des jeweiligen Alters) _______ ❑ nein

Schulabschluss:

❑ ohne ❑ FH-Reife

❑ Haupt-/Volksschule ❑ Abitur

❑ Realschule ❑ Studium

Berufstätigkeit:

❑ in Ausbildung ❑ Selbständig

❑ Angestellt ❑ Freiberuflich

❑ Beamter

Monatliches Haushaltsnetto-Einkommen: ❑ unter 1.000 ❑ 1.000–1.500 ❑ 2.000–2.500 ❑ 2.500–3.000

❑ 1.500–2.000 ❑ > 3.000

Monatliches frei verfügbares Einkommen: ❑ <100_ ❑ 100–200 ❑ 400–500 ❑ 500–600

❑ 200–300 ❑ 600–700

❑ 300–400 ❑ >700

Größe des Wohnortes (in Tsd.): ❑ < 2‘ ❑ 2‘–5‘ ❑ 20‘–50‘ ❑ 50‘–100‘

❑ 5‘–10‘ ❑ 100‘–500‘

❑ 10‘–20‘ ❑ >500‘

Einfach ausfüllen und per Fax an 089 - 74 15 09-11 oder per Post an Verlag Port Media, Team Crescendo, Senefelderstrasse 14, 80336 München. Diesen Fragebogen können Sie auch im Internet ausfüllen: www.crescendo-magazin.de

Unter allen Einsendungen verlosen wir 50 Klassik-CDs. Wenn Sie an der Verlosung teilnehmen wollen, bitte Adresse angeben: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluß ist der 14. Februar 2003.

12 Monaten Ausgaben / Anschaffungen? ❑ Verstärker ❑ Lautsprecher ❑ SACD-Player ❑ DVD-Player / Recorder ❑ Plattenspieler ❑ TV / Video ❑ PC/Internet ❑ Fotografie ❑ Motorrad ❑ PKW ❑ Reisen ❑ Mode ❑ Accessoires / Schmuck ❑ Möbel / Einrichtung ❑ Versicherungen / private Altersvorsorge

❑ Rondo ❑ Opernglas ❑ Audio ❑ Stereo ❑ Yacht ❑ Geo ❑ kultur Spiegel ❑ Art ❑ Manager-Magazin ❑ Merian ❑ Sonstige____________________________________________

Vor-/ Nachname: Strasse: PLZ/Ort: Telefon/ Fax: email:


06.11.2002

12:56 Uhr

Seite 47

> 1 Infinity Modulus. > 2 Pioneer VSA-AX10 > 3 Mission m5 > 4 Monitor Audio Fast Bass 212 > 5 Yamaha RX-V1300

Das hört sich gut an Wer Klassik nicht nur im Konzert oder in der Oper hören will, sondern auch zu Haus,der braucht eine Hifi-Anlage. Auf vielfachen Wunsch unserer Leser haben wir nun eine Hifi-Seite eingerichtet,auf der Ihnen Carsten Rampacher Geräte vorstellt,die für den Klassik-Hörer interessant sind.

high fidelity

C06_47_Hifi

Ein Traum für jeden Mehrkanal-Musikliebhaber: Der Pioneer VSA-AX10, ein Siebenkanal-AV-Verstärker der Luxusklasse, kostet zwar 4599 EUR, bietet daf��r aber auch Musikgenuss vom Allerfeinsten: Ob es um die Wiedergabe großer Dynamiksprünge geht oder um eine kristallklare Hochtonabbildung, der Pioneer sorgt immer für glückliche Gesichter bei den Zuhörern. Technisch ist das titanfarbene Schmuckstück mit allem ausgerüstet, was die moderne Mehrkanal-Musik- und Heimkino-Technik an Highlights bereithält. Mehr Infos: www.pioneer.de

>1

Denon DVD-3800 Seit der Einführung der DVD-Audio gibt es

Dass auch kompakte Subwoofer-/Satellitensysteme inzwischen klangliche Sphären erreichen können, die sogar Klassik-Liebhaber beeindrucken können, beweist das aus edlen Materialien gefertigte und progressivfuturistisch gestylte Infinity Modulus. Besonders die Klarheit der Darbietung beeindruckt. Zudem überzeugt der mitgelieferte aktive Subwoofer mit solidem, aber nie übertriebenem Bassfundament. Angesichts solcher Qualitäten fällt selbst der Preis mit 1699 EUR nicht zu üppig aus. Mehr Infos: www.infinity.de

>2

nun auch für den anspruchsvollen Musikliebhaber ein echtes High Quality-Format – mit kristallklarer Auflösung und unglaublicher Dynamik wird eine neue Wiedergabedimension erreicht. Doch Abspielgeräte, die dieses gigantische Potenzial auch angemessen umsetzen können, finden sich nicht allzu viele auf dem Markt. Wer sich auf die Suche nach einem hoch-

des Vortrags begeistert, die Spielfreude

wertigen DVD-Audio/DVD-Video-Player

der Musiker wird ungefiltert und in größt-

begibt, sollte unbedingt den Denon DVD-

möglicher Reinheit in den Hörraum getra-

3800 in Betracht ziehen.

gen. Jeder Stimme, jedem Instrument ver-

Schon die Optik beeindruckt: Die

leiht der DVD-3800 eine ungeheure Tiefe und Ausdruckskraft. Mehrkanalige DVD-

dicke Frontplatte besteht aus edlem Al-

Audio-Aufnahmen gibt der Denon mit ei-

uminium, die Haptik der Bedienungsele-

nem angenehmen Gefühl natürlicher Rä-

mente am Gerät ist auf höchstem Niveau.

umlichkeit wieder. Doch auch normalen

Technisch bietet der Denon alles, was das

Audio-CDs gibt der Denon neuen akusti-

Herz begehrt: So gibt es selbstverständ-

schen Glanz und entlockt den Scheiben

lich einen besonders akkurat arbeitenden

ein ungeahntes Qualitätsniveau: Mit so

Digital-/Analog-Wandler für den DVD-Au-

feinfühliger Detaildarstellung ertönte die

dio-Betrieb, eine hochwertige Netzteil-

Lieblings-CD noch nie. Wer sich eine DVD

Sektion und vielfältige Möglichkeiten, die

Video-Disc zu Gemüte führt, wird außer-

Klanggüte auch bei der Wiedergabe her-

dem von der überragenden, scharfen und

kömmlicher Audio-CDs zu optimieren.

dreidimensionalen Bildwiedergabe begei-

Auch ein Decoder für die digitalen Mehr-

stert sein.

kanal-Systeme Dolby Digital und DTS findet sich an Bord. Selbstredend, dass auch

Auch die “Begleitumstände” stimmen:

die Bildqualität auf bestmöglichem Niveau

Vom schnellen Laufwerk hört man prak-

ist; dafür sorgt auch hier eine besonders

tisch nichts, und selbst die Bedienung gibt

präzise Signalverarbeitung.

trotz der nicht zu knapp bemessenen Funk-

Soweit die Theorie – doch wie schlägt

tionsvielfalt keinerlei Rätsel auf. In Anbe-

sich der Denon in der Hörpraxis? Die kur-

tracht dieser superben Qualitäten geht auch

ze Antwort: Brillant. Ganz gleich, ob her-

der Kaufpreis des in schwarzer oder gol-

kömmliche Audio-CD, DVD-Video oder

dener Ausführung erhältlichen Ausnahme-

DVD-Audio, die gebotene Klangqualität

Players voll und ganz in Ordnung: 1599 EUR

überzeugt bis ins Detail. Die Lebendigkeit

wechseln den Besitzer. <<<

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW PORTRAIT PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE

HIFI

BÜCHER CD DVD VORSCHAU

Elegante Optik, gepaart mit überragenden akustischen Eigenschaften – dies sind die hervorstechenden Merkmale der Mission m5-Serie, die seit kurzem erhältlich ist. Ob es um plastischen, homogenen Stereoklang oder um eine feinfühlige, klare MehrkanalAkustik geht, mit der m5-Serie liegt der anspruchsvolle Hörer immer richtig. Für knapp 3500 EUR gibt es ein komplettes 5.1-Set inklusive aktivem Subwoofer und hochwertigen Front-Standlautsprechern. Mehr Infos: www.mission.co.uk

>3

Wer denkt, dass ein aktiver Subwoofer bei der hochwertigen Musikwiedergabe wenig zu suchen hat, der sollte sich einmal den Monitor Audio Fast Bass 212 anhören: Eine perfekte Integration ins Gesamtklangbild, höchste Präzision und eine enorme Pegelfestigkeit sorgen ebenso für Furore wie die Verarbeitung auf Referenzniveau. Sonderwünsche bezüglich der Farb- und Materialausführung können gegen Aufpreis berücksichtigt werden. Die Standardversionen gibt es ab 1990 EUR. Mehr Infos: www.monitoraudio.de

>4

Tadelloser Klang und ein exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis zeichnen den 999 EUR kostenden Yamaha RX-V1300 aus: Hochwertige 192 kHz/24Bit Audio-D/A-Wandler sorgen für eine hervorragende Klangqualität; die Ausstattung ist reichhaltig und die Verarbeitung ansprechend. Das in den Farbversionen Schwarz und Titan lieferbare Gerät ist eine besonders gute Wahl für den preisbewussten Mehrkanal-Musikliebhaber, der trotzdem beste Qualität und modernste Technik wünscht. Mehr Infos: www.yamaha-hifi.de.

>5

crescendo 06 2002 47


was-wann-wo?

C06_48_50_Premierenvor3

06.11.2002

12:58 Uhr

Seite 48

Alle Musiktheaterpremieren Dezember 2002/Januar 2003

10.01. 11.01. 11.01. 11.01.

IN DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND DER SCHWEIZ UND EINE AUSWAHL BENACHBARTER OPERNHÄUSER

11.01.

Reihenfolge der Namen: Komponist, Titel, musikal. Leitung, Regie bzw. Choreografie, UA = Uraufführung, DE/ÖE/SE = Deutsche/Österreichische/Schweizerische Erstaufführung, ÜN = Übernahme Tipps und Empfehlungen der Redaktion in grün

12.01.

12.01.

12.01. 15.01. 01.12. 01.12. 04.12. 04.12. 05.12. 06.12. 06.12. 06.12. 06.12. 07.12. 07.12. 07.12. 07.12. 07.12. 07.12. 07.12. 08.12. 08.12. 08.12. 08.12. 08.12. 08.12. 08.12. 08.12. 11.12. 12.12. 13.12. 13.12. 14.12. 14.12. 14.12. 14.12. 14.12. 15.12. 15.12. 15.12. 15.12. 15.12. 15.12. 16.12. 17.12. 18.12. 19.12.

Gelsenkirchen: Beethoven, Fidelio, Wildner, Rech Kaiserslautern: Flotow, Martha, Weinmeister, Drechsel München Staatsoper: Porträt Jirí Kylián, Feltz (Ballette) St. Gallen: Schneewittchen und die sieben Zwerge, Egli (Tanztheater für Kinder) Mannheim: Mozart, La clemenza di Tito, Fischer, Schönfeldt Dessau: tanZZeit 2, Kluge, Galguera (Ballett) Halberstadt: Frimm/Jahns, Das Küssen macht so gut wie kein Geräusch, Kollar (Revue, Kammerbühne) Hof: Strauß, Wiener Blut, Pointner, Ludwig Nordhausen: Herman, Ein Käfig voller Narren (Musical) Darmstadt: Puccini, La Bohème, Grüneis, Herzog Essen: Eifman zu Mozart, Requiem; Spoerli zu Strawinsky, Le sacre du printemps, Soltesz (Ballette) Hildesheim: Massenet, Werther, Seitzer, Pawlik Kassel: Fall, Madame Pompadour, Willimczik, Bridle Radebeul: Wasserman/Leigh, Der Mann von La Mancha, Preu, Gööck (Musical) Saarbrücken: Boublil/Schönberg: Les misérables, Lawton, Schildknecht (Musical) Zürich: Donizetti, Maria Stuarda, Viotti, Del Monaco Antwerpen: Mozart, Così fan tutte, van Immerseel, Joosten Annaberg-Buchholz: Mozart, Die Gärtnerin aus Liebe, Verdigans, Holm Berlin Staatsoper: Minkus, Die Bajadere, NN, Malakhov nach Petipa (Ballett) Hamburg: Minkus, La Bayadère, Presser, Makarova nach Petipa (Ballett) Innsbruck: Bizet, Carmen, Schmöhe, Fassbaender Krefeld: Humperdinck, Hänsel und Gretel, Bergius, Fallheier Lausanne: Martin y Soler, La capricciosa coretta, Rousset, de Letteriis Nürnberg: Wagner, Götterdämmerung, Auguin, Lawless Heidelberg: Pauls zu Bach, Jauchzet frohlocket!, Kalb (Ballett) Wien Kammeroper: Porter/Gedeon, Die Cole Porter Story, NN, Tötschinger (Musical) Braunschweig: Loewe, My Fair Lady, Menskes, Rabenald (Musical) Gera: Offenbach, Ritter Blaubart, NN, Bauernfeind (Übernahme aus Altenburg) Bremen: Loewe, My Fair Lady, Klingele, Baumann (Musical, Theater am Richtweg) Chemnitz: Straus, Die lustigen Nibelungen, Stier, Heinicke Freiburg: DE Benedetto Marcello, Arianna, Pettite, Behr Rudolstadt: Pechuel zu Bizet/Sarasate, Carmen (Ballett) Passau: Lehár, Die lustige Witwe, Klaus, Stiehl Dresden Semperoper: Mendelssohn, Ein Sommernachtstraum, Neumeier (Ballett) Dortmund: Mozart, Don Giovanni, Fagen, Blankenship Frankfurt/Main: Schreker, Der Schatzgräber, Alber, Alden Linz: Donizetti, Der Liebestrank, Pazmany, Sturm Regensburg: Rossini, La Cenerentola, Okamoto, Quetes Wien Volksoper: Kálmán, Gräfin Mariza, Sallaberger, Nemirova Wien Staatsoper: Krenek, Jonny spielt auf, Ozawa, NN Genf: Mozart, Le Nozze di Figaro, Jones, Hytner Berlin Deutsche Oper: Spoerli zu Offenbach, La belle vie, Lassen (Ballett) Basel: Bellini, Norma, Podic, Schuster

48 crescendo 06 2002

19.12. Biel: Strauß, Der Zigeunerbaron, Joho, Berger-Gorski (Operette im Palace) 19.12 Braunschweig: Nymann, Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte, Bauche, Möller (Kleines Haus) 19.12. Frankfurt/Main: Sciarrino, Macbeth, Debus, Freyer (im Schauspielhaus, Übernahme aus Schwetzingen) 19.12. Klagenfurt: Mozart, Die Zauberflöte, NN, Nicklisch 20.12. Düsseldorf: Prokofjew, L’amour des trois oranges, Karabtchevsky, Besson 20.12. Lübeck: Lehár, Die lustige Witwe 20.12. Nürnberg: Kurz u.a., Zooming! (Ballette) 21.12. Döbeln: Fall, Madame Pompadour 21.12. Erfurt: UA Stanley Walden, Bachs letzte Oper, Prokopetz, Andersen 21.12. Flensburg: Sondheim, Sweeney Todd, Liao, Sakowitz (Musical) 21.12. Gießen: DE André Previn, Endstation Sehnsucht, Gietzen, Polixa 21.12. Karlsruhe: Lehár, Der Graf von Luxemburg, Heinzel, Mentha 21.12. Kiel: Schröder zu The Doors, Jim Morrison – König der Eidechsen (Ballett) 21.12. St. Gallen: Kalmán, Die Csárdásfürstin, NN, Köpplinger 21.12. Wuppertal: Bock, Anatevka, Rekers, Láng (Musical) 22.12. Bonn: Verdi, Simon Boccanegra, König, Bosse 22.12. Graz: Massenet, Werther, Stert, Pöhler 22.12. Hagen: Limon/Killman zu Bach, Pärt u.a., Tempus (Ballette) 22.12. Hannover: Bellini, I Capuleti e i Montecchi, Mazzola, Nordey 22.12. Kaiserslautern: Prokofjew, Cinderella, Wycik, Reinthaller (Ballett) 22.12. Luzern: Mozart, Die Zauberflöte, Arming, Richter 22.12. München Gärtnerplatztheater: Strauß, Die Fledermaus, Klemm, Winter 22.12. Trier: Humperdinck, Hänsel und Gretel, Henning, NN 25.12. Baden: Strauß, Wiener Blut, Roos, Ferkay 25.12. Bremerhaven: Beethoven, Fidelio 25.12. Innsbruck: Tschaikowsky, Der Nussknacker, Ventura, Ulrich (Ballett) 25.12. Münster: Lortzing, Zar und Zimmermann, Voß, Fioroni 28.12. Freiberg: Fall, Madame Pompadour (Übernahme aus Döbeln) 30.12. Bern: Millöcker, Der Bettelstudent, Dinic, Wolf 31.12. Bielefeld: Benatzky, Im weißen Rössl 31.12. Coburg: Kálmán, Die Csárdásfürstin, Stähli, Gackstetter 31.12. Detmold: Edwards/Mancini/Bricuse, Victor/Victoria (Musical) 31.12. Heidelberg: Durch’s Champagnerglas betrachtet (Operettengala) 31.12. Innsbruck: Offenbach, Häuptling Abendwind, Kosiol, Gallé (Kammerspiele) 31.12. Pforzheim: UA Gisle Kverndokk/Öystein Wiik, Gefährliche Liebschaften, Vranos, Kochheim (Musical) 03.01. Landshut: Lehár, Die lustige Witwe, Klaus, Stiehl (Übernahme aus Passau) 04.01. Solothurn: Strauß, Der Zigeunerbaron, Joho, BergerGorski (Übernahme aus Biel) 05.01. Augsburg: Mozart, Don Giovanni, Piehlmayer, Mittmann 05.01. Mönchengladbach: Tschaikowsky, Der Nussknacker, NN, Schwaarz (Ballett; Übernahme aus Krefeld) 10.01. Osnabrück: Zöllig zu Waits u.a., Der Stand der Dinge (Ballette)

16.01. 17.01. 17.01. 17.01. 17.01. 17.01. 17.01. 17.01. 18.01. 18.01. 18.01. 18.01. 19.01. 19.01. 23.01. 24.01. 24.01. 24.01. 25.01. 25.01. 25.01. 25.01. 25.01. 25.01. 25.01. 25.01. 25.01. 26.01. 26.01. 26.01. 30.01. 31.01. 31.01. 31.01. 31.01. 31.01. 01.02. 01.02.

01.02. 01.02. 01.02.

Saarbrücken: Donlon zu Bizet, Carmen, Trinks (Ballett) Aachen: Weber, Der Freischütz, Bosch, Esterhazy Cottbus: Mussorgsky, Boris Godunow, Petersen, Schüler Görlitz: Jaroschinski zu Schubert/Zender, Die Winterreise (Ballett) Magdeburg: DE James McMillan, Parthenogenesis (Kleine Bühne) Gelsenkirchen: Schindowski zu Glanert, Der Spiegel des großen Kaisers, Osthoff (Ballett) Kassel: Mondini zu Gershwin, S’ Wonderful, Willimczik (Ballett) Zürich: Mozart, Idomeneo, von Dohnányi, Grüber München Staatsoper: Mozart, Die Entführung aus dem Serail, Harding, Duncan Würzburg: Donizetti, Der Liebestrank, NN, Eckerle Basel: Wherlock zu Grieg, Peer Gynt, Henneberger (Ballett) Berlin Staatsoper: Händel, Rinaldo, Jacobs, Lowery/Hosseinpour Gera: Mozart, Die Entführung aus dem Serail, Wicklein, Blüher Halle: Verdi, La Traviata, Baleff, Pachl Hof: Nestroy/Binder, Tannhäuser oder Die Keilerei auf der Wartburg, Straube, Straube (Opernparodie im Studio) Mainz: Strauss, Ariadne auf Naxos, Rückwardt, Schütz Meiningen: Prokofjew, Aschenbrödel, NN, Wang Dessau: Mozart, Die Hochzeit des Figaro, Berg, Felsenstein Karlsruhe: Wyss, Und ich sah... (Ballett zu Musik vom Band) Ulm: UA Günter Buhles, Die Judenbuche, Meister, NN Wiesbaden: Lehár, Die lustige Witwe, Delamboye, NN Berlin Komische Oper: Zeller, Der Vogelhändler, NN, Slater Plauen: Wagner, Lohengrin, Reuter, Erkrath (Übernahme aus Zwickau) Braunschweig: Soulié/Williams/NN, New Ways – Another Walk (Ballette im Kleinen Haus) Dresden Staatsoperette: Lloyd-Webber/Elton, The beautiful game, Flade, Lin (Musical) Salzburg Landestheater: Mozart, Così fan tutte, Soudant, Mielitz Schwerin: Bizet, Carmen, Pitschmann, Widder Baden: Künneke, Der Vetter aus Dingsda, Roos, Meschwitz Bielefeld: Verdi, La Traviata, Kaftan, Rech Bremerhaven: Fall, Madame Pompadour Chemnitz: Weber, Der Freischütz, Bareza, Siegert Hannover: Mozart, La finta giardiniera, Kütson, Schönfeldt Magdeburg: Ludwig/Heymann, Linie 1 (Musical) Osnabrück: Europ. EA Jake Heggie, Dead Man Walking, NN, Münstermann Rostock: Weill, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, Hammer, Nürnberger Weimar: Rossini, Der Barbier von Sevilla, Bühl, Reinhard Altenburg: Christe zu Wagner, Fünf Gedichte: zu Purcell, Purcell Pieces (Übernahme aus Gera) Hamburg: Poulenc, Dialogues des Carmélites, Metzmacher, Lehnhoff Kiel: Schreker, Das Spielwerk und die Prinzessin, NN, Harms Klagenfurt: Puccini, La Bohème, Mancusi, Pflegerl Antwerpen: Massenet, Werther, Fournillier, Decker Braunschweig: Korngold, Die tote Stadt, Alber, Schwarz Bremen: Wagner, Lohengrin, Renes, Brockhaus (Theater am Richtweg) Hof: Adam, Giselle, Boggasch, Graczyk (Ballett) Neustrelitz: Krenek, Johnny spielt auf, Zacher, Ansel Dortmund: Kálmán, Die Csárdásfürstin, NN, Winter Duisburg: Strawinsky, Petruschka/Le sacre du printemps, Chien, Walter/Vàmos (Ballette, Übernahme aus Düsseldorf) Erfurt: Lortzing, Zar und Zimmermann, Prießnitz, Nicolet Gießen: Ringel/Assam zu Cage, Wasserwerke (Ballett) Hildesheim: Strawinsky, Les Noces, Dorsch, Matos (Ballett)

EDITORIAL INHALT THEMA INTERVIEW PORTRAIT PREMIERENSPIEGEL RÄTSEL REISE HIFI BÜCHER CD DVD

VORSCHAU


C06_48_50_Premierenvor3

06.11.2002

J A Z Z

Seite 49

T R A D I T I O N A L

C O N T E M P O R A R Y

PHOTO / CAIROLI — DUPUIS

C L A S S I C A L

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19-23 January 2003 Palais des Festivals/Cannes/France MIDEM CLASSIQUE & JAZZ Midem Classique & Jazz International Sales Director: Cornelia Much Germany Tel: 49 (0) 7631 17680 Fax: 49 (0) 7631 176823 info.germany@reedmidem.com

HEADQUARTERS Artistic Director: Hervé Corre de Valmalete France Tel: 33 (0)1 47 59 87 09 Fax: 33 (0)1 47 59 87 00 midem@transartproductions.com

Reed Midem Tel: 33 (0)1 41 90 44 60 Fax: 33 (0)1 41 90 44 50 info@midem.com


was-wann-wo?

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06.11.2002

12:58 Uhr

Seite 50

Drei Theater feiern Geburtstag: Das Theater am Küchengarten in Gera (oben) wird ebenso 100 Jahre alt wie das Stadttheater

Fürth (mitte). Und das Theater Trier (unten) kann bereits auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken.

01.02. Kaiserslautern: Verdi, Macbeth, Corti, Häberli 01.02. Quedlinburg: Ullmann, Der Kaiser von Atlantis, Rademacher, Misgaiski 01.02. Rostock: Greiffenhagen/Wittenbrink, Die Comedian Harmonists, Preu, Sterken (Revue) 01.02. Stuttgart: Händel, Giulio Cesare in Egitto, Leppard, Kusˇej 01.02. Zürich: Haydn, Armida, Harnoncourt, Flimm 02.02. Dresden Staatsoper: Schönberg, Moses und Aron, Layer, Engel 02.02. Frankfurt/Main: Strauss, Die Frau ohne Schatten, Weigle, Nel 02.02. Hamburg: Davies, Cinderella, Meister, Brezovec (Kinderper) 02.02. Linz: Mascagni, Cavalleria rusticana; Leoncavallo, Pagliacci, Davies, Alexander 02.02. Saarbrücken: Strawinsky, The Rake’s Progress, Grin, Cox 04.02. Regensburg: Bock, Anatevka, Okamoto, Blumenthal (Musical) 05.02. Annaberg-Buchholz: Pergolesi, Die Magd als Herrin; Telemann, Pimpinone oder Die ungleiche Heirat, NN, Link (Studiobühne) 05.02. Genf: Ravel, Daphnis et Chloé, Davin, Childs (Ballett) 05.02. Pforzheim: Mozart, Così fan tutte 06.02. Ulm: Schönberg, Verklärte Nacht; Strawinsky, Le sacre du printemps, Gähres, Plucis (Ballette) 07.02. Biel: SE Tommaso Traetta, Antigone, Trinca, Holzapfel

07.02. Halberstadt: Assam zu Mahler, Das Lied von der Erde (Ballett) 07.02. Nürnberg: Guerin/Leoni, Sampling (Ballette) 07.02. Oldenburg: Verdi, Rigoletto, Rumpf, Pörzgen 07.02. Zwickau: DE Carol Hall, Das beste kleine Freudenhaus in Texas, Andresen, Mittendrein (Musical) 08.02. Coburg: Strawinsky, The Rake’s Progress, Seidlmeier, Altenbeck 08.02. Darmstadt: Mozart, Don Giovanni, Grüneis, Meyer-Oertel 08.02. Eisenach: Offenbach, Hoffmanns Erzählungen 08.02. Essen: Giordano, Andrea Chénier, Ringborg, Schulz 08.02. Freiburg: Bizet, Carmen, Stockhammer, Nemirova 08.02. Hagen: Europ. EA William Bolcom, A View From The Bridge, Fritzsch, Tannenbaum 08.02. Mannheim: Mussorgsky, Boris Godunow, Fischer, Himmelmann 08.02. St. Gallen: SE Claude-Michel Schönberg, Miss Saigon, Wohlleben, Davids (Musical) 08.02. Wiesbaden: Cauwenbergh zu Brel/Piaf/Greco/Bécaud, Soirée Francaise (Ballett) 09.02. Mönchengladbach: Rihm, Oedipus, Duryea, Horres 12.02. Berlin Staatsbank: Maderna, Satyricon, Gottschick, Paeffgen (Prod. d. Neuen Opernbühne Berlin) 13.02. Bonn: UA Gérard Hourbette, Battling Siki - Boxe et Opera, Bruyère (im Forum der Kunst- und Ausstellungshalle) 14.02. Bern: Debussy, Pelléas et Mélisande, Drewanz, Heinz 14.02. Halle: DE Frank Wildhorn, The Scarlet Pimpernel – Der scharlachrote Reiter, Schoots, Schieske (Musical) 14.02. Meiningen: Porter, Kiss Me Kate (Musical) 15.02. Augsburg: Massenet, Don Quichotte, Bihlmaier, Wünsch 15.02. Berlin Komische Oper: Li zu de Falla u.a., Al’Andalus, Foremny (Ballett) 15.02. Bremen: Britten, Der Raub der Lukrezia, Ludwig, Majer (Concordia) 15.02. Flensburg: Bartók, Der wunderbare Mandarin/Herzog Blaubarts Burg 15.02. Heidelberg: Rossini, La Cenerentola, Christ, Mehring 15.02. Lüneburg: Henze, Undine (Ballett) 15.02. Kassel: Wagner, Tannhäuser, Paternostro, Fulda 15.02. Mainz: Strawinsky, Der Feuervogel u.a., NN, Schläpfer (Ballett) 15.02. Passau: Händel, Rodelinda regina de’ Langobardi, Coleman, Newport 15.02. Wuppertal: Haydn, L’anima del filosofo, C. Spering, Freyer

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verschiedene Instrumente, Gesang und Chor

16.02. Annaberg-Buchholz: Lehár, Das Land des Lächelns, Schulz, Voß 16.02. Graz: Strauss, Ariadne auf Naxos, Jordan, Fontheim (Schauspielhaus) 16.02. Hamburg: Monteverdi, L’incoronazione di Poppea, De Marchi, K. Gruber 16.02. Trier: d’Albert, Tiefland, Dénes, Lukas-Kindermann 17.02. Wien Staatsoper: Donizetti, La Favorite, Luisi, Dew 19.02. Frankfurt/Main: Schubert, Die schöne Müllerin, Samel (szenisch im Schauspielhaus) 20.02. Würzburg: Heim zu Haydn, Die Schöpfung (Ballett zu Musik vom Band) 21.02. Karlsruhe: Händel, Giustino, Hofstetter, Boysen 21.02. Landshut: Händel, Rodelinda, Regina de’Langobardi, Coleman, Newport (Übernahme aus Passau) 21.02. Lausanne: Offenbach, Les Contes d’Hoffmann, Minkowski, Pelly 21.02. Luzern: Rossini, Moses und Pharao, Rouland, Baumgarten 21.02. Nordhausen: Triple Bill III (Ballett) 22.02. Aachen: Händel, Xerxes, Hulin, Beyer 22.02. Bremerhaven: Flüchtige Visionen, Mannes (Ballett) 22.02. Detmold: Puccini, Manon Lescaut 22.02. Gießen: Traetta, Antigone, P. Kuhn, Klimek 22.02. Innsbruck: Porter, Kiss Me Kate, Klinkhardt, Renshaw (Musical) 22.02. Karlsruhe: Händel, Lucio Silla, A. Spering, Peters 22.02. Krefeld: Verdi, Macbeth, Duryea, Pesel (Übernahme aus Mönchengladbach) 22.02. Leipzig: Strawinsky, Le Sacre du Printemps, NN, Scholz (Ballett) 22.02. Magdeburg: Smetana, Die verkaufte Braut 22.02. Rudolstadt: Weber, Der Freischütz (Übernahe aus Eisenach) 22.02. Stuttgart: van Manen zu Beethoven/Kylián zu Webern/Lightfoot zu Rossini, Galili zu NN, Dutch Dance (Ballette) 23.02. Bonn: Strauss, Ariadne auf Naxos, Soustrot, Horres 23.02. Dortmund: Honegger, König David, Fagen (konzertant) 23.02. Duisburg: Bizet, Carmen, Podic, Savary (Übernahme aus Düsseldorf) 23.02. Gelsenkirchen: Rossini, Il viaggio a Reims, Osthoff, Baesler 23.02. Innsbruck: Benda, Romeo und Julie, Cramer, Wandruszka (Kammerspiele) 27.02. Mannheim: O’Day zu Volan/Dumais zu Cadesky/O’Day zu Schumann, Schumann Konzertstück (Ballette) 27.02. Pforzheim: Sutherland, Tanzpodium I 27.02. Regensburg: Catalani, Die Loreley, Rumstadt, NN 27.02. Ulm: Verdi, Nabucco, Gähres, Rak 28.02. Basel: Debussy, Pelléas et Mélisande, NN, Schlömer 28.02. Bielefeld: UA William Ward Murta, Starry Messenger (Sternenbote), Murta, Rabenald (Musical über Galileo Galilei) 28.02. München Staatsoper: Wagner, Götterdämmerung, Mehta, Alden 28.02. Wien Volksoper: Dallapiccola, Il Prigioniero, Hengelbrock, Gürbaca

Berichtigung: Das Alleetheater Hamburg spielt noch bis in den Februar La Bohème von Leoncavallo, nicht, wie im letzten Crescendo angegeben, von Puccini.

< 14tägig neue Stücke zur

Auswahl < einfach herunterladen und

ausdrucken

Vorschau 01

Das nächste

crescendo erscheint am 14. Februar 2003. Wir sprechen mit Gewandhaus-Kapellmeister

Herbert Blomstedt, porträtieren den Pianisten Leif Ove Andsnes und besuchen die Gambistin Hille Perl. Wir treffen den Tenor Salvatore Licitra und die Pianistin Joanna MacGregor, die von der Klassik zum Jazz wechseln will. Und wir finden endlich Platz für den zweiten Teil der Mahler-Diskographie, den schon zahl-

STRETTA

reiche Leser vermisst haben.

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Anzeigenschluss: 16. Januar 2003


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Weitere Veröffentlichungen in der Serie CLASSIC ARCHIVE finden Sie unter: www.emiclassics.de

MSTISLAV ROSTROPOWITSCH & SVIATOSLAV RICHTER Ludwig van Beethoven: Sonaten für Violoncello & Klavier Nr. 1-5 u.a. DVD-Video 492848 9

DAVID OISTRACH Johann Sebastian Bach: Violinkonzert a-moll BWV 1041 Ludwig van Beethoven: Sonate Nr.5 F-dur (Frühlingssonate) Johannes Brahms: Violinkonzert u.a. DVD-Video 4 92836 9

Elisabeth Schwarzkopf: A Self-Portrait In diesem Film präsentiert Elisabeth Schwarzkopf einen Rückblick auf ihr Leben und ihre Laufbahn

ELISABETH SCHWARZKOPF: A Self-Portrait Ein Film von Gérald Caillat DVD-Video 492852 9


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