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3/2015 Einzelpreis EUR 10,-/ Jahresabo EUR 36,-

Das Magazin für Genossenschaften

Gründerzeit Neue Genossenschaften braucht das Land

Interview Wie Staatssekretär Mahrer Österreich an die Spitze bringen will

Überblick Die Landkarte der neuen Volksbanken-Welt

Das „Bummerl“ Horst Chmela über das Musikerdasein in Österreich


€ 80,–

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TANKGUTSCHEIN Aktionszeitraum: 1.9. - 30.11.2015

Gute Fahrt!

* gültig bei Abschluss eines neuen KFZ-Finanzierungsvertrages bei der VB Leasing Finanzierungsgesellschaft m.b.H. und in jeder Volksbank-Filiale.

Dieser Gutschein wird von der VB Leasing bei Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen gegen einen entsprechenden Treibstoff-Gutschein umgetauscht. Die Annahme des Finanzierungsvertrages obliegt der VB Leasing. Pro Person und Vertrag kann nur ein Gutschein in Anspruch genommen werden. Keine Barablöse möglich.

www.volksbank.at


Kommentar

Gründet Genossenschaften!

G

enossenschaften sind verstaubte Konstrukte aus dem 19. Jahrhundert und bieten keine Lösungen für die Probleme unserer Zeit? Von wegen! Ich behaupte: Die Rechtsform der Genossenschaft ist nicht nur zeitlos, sondern aktueller denn je und ein Modell für die Zukunft. Dafür muss sie aber fit für die neuen Herausforderungen gemacht werden. Sie muss sich ständig neu erfinden. Die Zeichen der Zeit sind jedenfalls klar: Kooperation der Kleinen ist im sich verschärfenden globalen Wettbewerb ein probates Rezept, um im Konzert der Großen mitzuspielen. Man muss diese Zusammenarbeit nur dynamisch und flexibel genug gestalten. Den geeigneten Rahmen dafür bietet die Genossenschaft, es gilt nur, ihn mit neuem Leben auszufüllen. Kooperation ist auch gefragt, wenn es um die Aufbringung von Kapital für Neugründungen geht. Den Megatrend Crowdfunding, durch das neue Alternativfinanzierungsgesetz endlich auf halbwegs solide Beine gestellt, gab es im Grunde schon vor 150 Jahren. Damals nannte man es eben Genossenschaft, wenn Menschen sich zusammenschlossen, um Geld für die Finanzierung gemeinsamer Vorhaben aufzustellen. Dennoch kann sich die Genossenschaft etwas vom Crowdfunding abschauen - etwa, wenn es um die Nutzung der Chancen in der digitalen Welt geht. Erfolg hat, wer es schafft, Digitalisierung und Regionalisierung sinnvoll zu verbinden. Die beiden Konzepte sind kein Widerspruch: Facebook etwa ist zwar ein global erfolgreicher digitaler Player, der Erfolg basiert aber letztlich auf vielen lokalen Netzwerken der Nutzer, die sich so mit ihren Angehörigen, Freunden, Arbeitskollegen verbinden. Die Zeichen für eine neue Gründerzeit - diesem Schwerpunktthema widmet sich auch diese Ausgabe von „cooperativ“ - stehen gut: Die Wirtschaft wird über kurz oder lang wieder stärker wachsen. Menschen mit neuen Geschäftsideen gibt es zuhauf. Sie müssen sich nur zusammenschließen und etwas wagen. Die Digitalisierung wirkt dabei wie ein Effizienz-Turbo. Genossenschaften, richtig gestaltet - mit schlanker Satzung, flexibler Struktur und digitaler Vernetzung ihrer Mitglieder -, sind in diesem Umfeld genau das richtige Vehikel zum Erfolg. Mehr denn je gilt: Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele!

Günther Griessmair Redaktion „cooperativ“

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Inhalt

Inhalt 01 Kommentar: Günther Griessmair 02 Inhalt 03 Editorial 63 Impressum

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63 Ex Libris 39

Thema

Management

Wirtschaft

04 Gründer-Spirit

12 Empfehlungs-

22 Grünes Gold

Wie Staatssekretär Harald Mahrer Österreich an die Spitze bringen will.

08 Neue Genossenschaften Warum Kooperation jetzt mehr denn je das Gebot der Stunde ist.

10 Revolution Wie das Projekt CrowdCoopFunding die Gründerszene aufmischen will.

marketing

Durch Mundpropaganda neue Kunden gewinnen: Anne M. Schüller verrät, wie’s geht.

16 Entspannt führen

Die Holzwärme Bad Goisern und ihr umweltschonender Ansatz zur Energieversorgung.

23 Verbund-Startschuss

Wie Manager gelassener und zugleich effektiver im Job werden.

Die Volksbanken stellen sich neu auf: Was bisher passiert ist und was noch kommt.

18 Digital-Strategie

24 Großer Überblick

So wird der Volksbanken-Verbund fit für die Zukunft gemacht.

20 E-Learning Die Volksbank Akademie beschreitet bei ihrem Bildungsprogramm innovative Wege.

Die Landkarte der neuen Volksbanken-Welt - mit Zeitplan für die Fusionen.

26 Kommentar So genossenschaftlich wie möglich sollen die Volksbanken bleiben, fordert Holger Blisse.

27 Kapitalismus und Religion

Wie diese beiden Welten zusammenhängen, erörtern zwei neue Publikationen.

28 Unter Strom Expert-Chef Alfred Kapfer über die Trends im Elektrofachhandel.

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30 Editorial

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International

Kultur

Sport

Chronik

30 Regionalhelden

39 Das andere China

50 V wie Flügel

Zwei Handpuppen sorgen im deutschen Genossenschaftswesen für Furore.

Anton Schmoll war auf Reisen und hat einen Bericht mit spektakulären Fotos mitgebracht.

Die Volksbanken und die ÖSV-„Adler“ springen in ihre achte gemeinsame Saison.

52 Im Gedenken an Harald Stehlik

32 Auf der Überholspur

44 Das „Bummerl“

Der Erfolg der DZ BANK lässt die Konkurrenz vor Neid erblassen. Was dahintersteckt.

Kultfigur Horst Chmela und Sohn im großen Interview über das Musikerdasein in Österreich.

34 Schützenhilfe

48 Historie

EU-Plädoyer für regionale Kreditinstitute: Der Wirtschafts- und Sozialausschuss will gelockerte Regeln.

55 Extremsport-Event im „Ländle“ 60 VolksbankenGeschäftsleiter in Mariazell

Gustav Klimt als Mitglied der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens.

36 Sozialgenossen-

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

In Teil zwei seiner Serie begibt sich Hans-H. Münkner auf Spurensuche in Europa.

diese Ausgabe steht unter dem Motto „Gründerzeit“. Die österreichische Wirtschaft braucht neue Impulse zur ökonomischen Weiterentwicklung. Dazu kann die Genossenschaftsbewegung beitragen und Anregungen für regionale Wirtschaftskonzepte liefern. Auch Staatsekretär Harald Mahrer kommt zu diesem Thema zu Wort. Eine neue genossenschaftliche Revolution auszulösen - das hat sich die neu gegründete CrowdCoopFunding eG auf die Fahnen geheftet. Aber auch unser „cooperativ“ tritt in diese „new modern times“ ein und entwickelt sich weiter. Wir haben daher den Untertitel auf „Das Magazin für Genossenschaften“ geändert. Ebenso werden wir ab dieser Ausgabe akademische und sonstige Titel nicht mehr anführen.

schaften

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen Ihr Christian Pomper

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Thema

„Mit unternehmerischem Mut anstecken“

Er möchte den Gründer-Spirit in Österreich neu wecken und ist dafür auch bereit, unkonventionelle Wege zu beschreiten: Harald Mahrer, 42, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, verrät „cooperativ“ seine Pläne. Text: Günther Griessmair Fotos: Johannes Brunnbauer

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Thema

„cooperativ“: Herr Staatssekretär, diese Ausgabe unseres Magazins steht unter dem Motto „Gründerzeit“. Sie haben das Ziel vorgegeben, Österreich zur Gründernation Nummer eins in Europa zu machen. Wie wollen Sie das anstellen? Harald Mahrer: Mit einem konkreten Fahrplan, der sich in fünf Handlungsfelder und 40 Maßnahmen unterteilt. Denn wenn wir Österreich zurück an die Spitze bringen wollen, helfen uns Politiksprech und Sonntagsreden nicht weiter. Wir haben mittlerweile eine junge, dynamische Gründerszene, die alle Mauern niederreißen möchte. Es ist unsere Aufgabe, diese Dynamik mit den alten, starren Strukturen, die wir in Österreich teilweise noch haben, in Einklang zu bringen. Vizekanzler Mitterlehner und ich haben daher die Strategie „Land der Gründer“ vorgestellt. Das „big picture“ hat sich aber nicht die Politik alleine im Elfenbeinturm sitzend ausgemalt. Ganz im Gegenteil: An der Strategie haben mehr als 250 Akteure mitgearbeitet. Das ist mein Verständnis partizipativer Politikgestaltung, einer neuen Form des Regierens. Gemeinsam mit der Community und den Vertretern in den Bundesländern setzen wir die Strategie jetzt Schritt für Schritt um. Der positive Spirit, der in den vergangenen Monaten entstanden ist, ist gigantisch. Das braucht‘s, damit wir die Leute mit unternehmerischem Mut anstecken. Sind die Österreicher nicht generell risikofeindlich und damit auch gründerfeindlich? Nicht per se. Aber ja, wir sind immer noch ein risikoaverses Land. Bei uns war die Idee „Alles ist möglich“ nie so verankert wie in den USA. Dieses Konzept des amerikanischen Traums ist in Österreich oder Europa praktisch nicht vorhanden. Es gibt viele kluge Köpfe mit genialen Ideen, aber nicht alle ma-

chen sich selbstständig. Das Ganze hat natürlich auch viel mit Stimmung und Geisteshaltung zu tun. Bewusstseinsbildung ist eine der zentralsten Stellschrauben, an der wir drehen müssen. Daher müssen wir im Bildungssystem ansetzen, vor allem im Elementarpädagogikbereich. Denn Kinder haben von Natur aus Freude am Tüfteln und Ausprobieren von neuen Sachen. Sie sind wissbegierig, risiko- und experimentierfreudig. Genau diese Fähigkeiten trainiert ihnen das System aber ab. Das verstärkt den Trend zur unselbstständigen Erwerbstätigkeit, zum Job im sicheren Hafen. Nicht umsonst ist der öffentliche Dienst in allen Berufswunsch-Rankings bei Jugendlichen immer vorne mit dabei. Über die Frühförderung von Talenten, bessere Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen und ein leistungsfreundliches Klima könnte man hier schon einiges bewegen. Wie wollen Sie sicherstellen, dass es genügend Risikokapital für Neugründer gibt? Der Aktienmarkt ist in Österreich unterentwickelt, und die Banken halten sich mit der Kreditvergabe zurück. Naja, für Neugründer ist der Aktienmarkt ja nicht unmittelbar relevant. Derzeit ist es so, und das bestätigen uns auch sämtliche Experten, dass wir im Seed- und Preseed-Bereich sehr gut aufgestellt sind. Die Finanzierungslage passt. Bei den Förderungen sind wir laut Global Entrepreneurship Monitor weltweit auf Platz eins. Forschungsförderungsgesellschaft, aws & Co machen hier einen ausgezeichneten Job, ebenso unsere Businessangels und Fonds wie Speedinvest. Aber klar, das Thema Finanzierung ist natürlich ein Dauerbrenner bei Start-ups. Das neue Crowdfunding-Gesetz ist sicher ein wichtiger Meilenstein, um die Finanzierungslücke schrittweise zu schließen. Und cooperativ 3/15

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Thema

da Crowdfunding bis zu fünf Millionen Euro ohne Prospekt auskommt, erwarten wir da auch Verbesserungen im Wachstumsbereich. Dort haben wir sicher noch Aufholbedarf. Es gibt in Österreich einfach zu wenig Venture Capital. Ein echter Beteiligungsfreibetrag, den alle Experten dringend empfehlen und der auch in anderen Ländern hilft, würde einiges dazu beitragen, die privaten Mittel weiter zu mobilisieren. Also eine kleine steuerliche Anreizwirkung für Investitionen in neue Unternehmen und Wachstumsprojekte. Aber für wirklich große Wachstumsprojekte jenseits der 30 Millionen müssen wir auch über die Weiterentwicklung und Optimierung des Börsenplatzes nachdenken.

Es wird Pleiten geben, keine Frage. Es gibt sie ja jetzt schon. Aber das ist nur logisch. Wir sprechen ja von Risikokapital, nicht von Geld unter der Matratze. Aber auf der anderen Seite stehen auch Aussichten auf schöne Renditen, während das Geld unter der Matratze durch die Inflation Tag für Tag weniger wert wird. Aber klar: Crowdfunding ist ein Investment, das unternehmerisches Risiko birgt. Da wird es Ausfälle geben. Das muss man wissen. An einen Crash glaube ich dennoch nicht. Erstens sind die Menschen mündig und wissen über das Risiko Bescheid. Zweitens haben wir auch im Sinne des Konsumentenschutzes dafür gesorgt, dass niemand mehr Geld verlieren kann, als er sich leisten kann.

Stichwort Crowdfunding-Gesetz: Welche Ziele haben Sie sich gesetzt? Wie viel soll auf diese Weise gefundet werden?

Mal ehrlich: Was verbinden Sie mit dem Begriff „Genossenschaft“? Passt diese Rechtsform noch ins 21. Jahrhundert?

Das neue Gesetz unterstützt die Weiterentwicklung neuer Ideen und macht Österreich als Standort für junge Unternehmen noch attraktiver. Zahlreiche Klein- und Mittelunternehmen können damit Innovationsprojekte umsetzen, die aufgrund der Basel-III-Regeln für Banken nicht oder nur sehr schwer finanzierbar sind. Sie erhalten Starthilfe, bis der Motor läuft. Unsere Prognosen sagen, dass, wenn wir uns durch dieses neue Gesetz an den EU-Schnitt heranarbeiten können, unser jährliches Potenzial bei 65 Millionen frischem Geld für Crowdfunding-Projekte liegt. Das würde auch mehr als 6.500 Arbeitsplätze bedeuten. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt. Wobei klar ist, dass wir erst am Anfang stehen. Denn eine echte Beteiligungskultur entsteht nicht auf Knopfdruck.

Nun, ich verbinde mit Genossenschaften ein Gefühl der gesellschaftlichen Si-

Besteht nicht die Gefahr, dass der große Crowdfunding-Crash kommt, wenn es erste Pleiten in diesem Bereich gibt? 6

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Kurz gefragt: Harald Mahrer privat Meinen Sommerurlaub verbrachte ich in: Wien und den Bergen Mein Erspartes lege ich an in: einem breit gestreuten Portfolio, das vom klassischen Sparbuch über Aktien bis hin zu Kunstgegenständen reicht In einer Bankfiliale war ich zuletzt am: vergangenen Freitag Ein ganzer Tag ohne Internet ist für mich: Erholung pur Meine Hobbys sind: Tanzen, Kochen und Lesen

cherheit. Es ist ja nicht zuletzt, wie von Ihnen auch angesprochen, eine sehr alte, traditionelle Form der Beteiligungsgesellschaft. Genossenschaften als eine Art Urform von Crowdfunding, wenn man so will. Sie haben nach wie vor eine enorm wichtige Rolle in unserem Wirtschaftssystem. Oder auch in der Landwirtschaft, wo das Modell der Genossenschaft nach wie vor ein Erfolgsfaktor ist. Nichts ist altmodisch, wenn es funktioniert, nur weil es eine lange Tradition hat. Können Sie sich unter dem Begriff „CrowdCoopFunding“ etwas vorstellen? Wenn Sie damit eine Kombination von Crowdfunding eingebunden in eine kooperative Struktur meinen, dann könnte es sich um den Versuch handeln, der klassischen Genossenschaft einen neuen Namen zu geben. Mit diesem neuen Projekt soll die Genossenschaft als bessere Alternative zum Crowdfunding positioniert werden. Welche Rolle können Genossenschaften Ihrer Meinung nach tatsächlich bei Neugründungen spielen? Gegenfrage: Warum müssen Genossenschaften überhaupt bessere Alternativen zu Crowdfunding werden? Aus meiner Sicht stehen Genossenschaften nicht im Konkurrenzverhältnis zu Crowdfunding-Projekten. Genaugenommen haben wir sogar penibel darauf geachtet, dass für Genossenschaften keine Schlechterstellung passiert. Durch den Revisionsverband bieten Genossenschaften eine gute Prüfstruktur, die viel Sicherheit gibt. Genossenschaften haben immer schon eine Rolle bei unternehmerischen Entwicklungen gespielt. Ich könnte mir vorstellen, es würde sich lohnen zu evaluieren, ob nicht vielleicht gerade Genossenschaften auf dem Risikokapitalmarkt


Thema

eine neue Rolle spielen könnten, da sie strukturell viel Sicherheit bieten und die Last auf viele Schultern verteilen. Ich für meinen Teil bin für Vorschläge offen. Sie haben vor dem Sommer angekündigt, in Österreich eine „Nudge-Unit“ nach britischem Vorbild etablieren zu wollen. Wie steht es mit diesem Vorhaben? Wir haben uns Nudging in Großbritannien sehr genau angesehen. Dort hat sich das Prinzip total bewährt. Es hat sich gezeigt, dass smart gesetzte Motivationsanreize als Orientierungshilfe für persönliche Entscheidungen oft besser wirken als Zwang und Gesetze. Das Motto ist „Motivieren statt regulieren“. Dort, wo die Hand des Gesetzgebers nicht notwendig ist, genügt ein zarter „Stupser“. Gemeinsam mit dem Finanz-, dem Landwirtschafts- und dem Familienministerium starten wir noch im Herbst unter dem Titel „Motivierender Staat“ die ersten Pilotprojekte. Im Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium setzen sich diese mit den Themen Energieeffizienz, Energieeinsparung oder der Reduktion der Studienabbrecherquote auseinander. Internationale Beispiele haben gezeigt, dass sich die Zahl der Studienabbrecher reduziert, wenn man sie vor Ferienende an den Start des nächsten Semesters erinnert. Alle Projekte werden wissenschaftlich begleitet und bezüglich ihrer Wirksamkeit evaluiert, um eine faktenbasierte Entscheidungsgrundlage für weitere Aktivitäten zu gewährleisten. Stimmt das Ergebnis, setzen wir die Projekte fort. Ob am Ende eine eigene Unit rauskommt, ist daher noch völlig offen. Mir gefällt diese Herangehensweise, dass man Maßnahmen erst testet und wissenschaftlich analysiert, bevor man Geld ausgibt. Denn faktenbasiertes Regieren ist aus meiner Sicht das Gebot der Stunde. 

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Thema

Zeit für neue Genossenschaften In seinem Buch „Organisiert Euch in Genossenschaften!“ stellt Hans-H. Münkner die Vorteile der organisierten Selbsthilfe zusammen. Wir bringen einen Auszug. Text: Andrea Karner

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ur Lösung aktueller Probleme - wie etwa der Ausnutzung der Unerfahrenheit von Kleinanlegern am Kapitalmarkt, der Verleitung von Konsumenten zu ungesunder Ernährung oder der Belastung Wohnungssuchender durch übermäßig hohe Mieten - sollten sich die Bürger auf ihre eigene Kraft besinnen und auf die Möglichkeit der organisierten Selbsthilfe. Sie können eigene, demokratisch kontrollierte Organisationen schaffen, »» die in überschaubaren Geschäftsbezirken arbeiten, 8

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»» deren Führungspersonen sie selbst gewählt haben und »» denen sie vertrauen können. Durch Zusammenschluss können Verbraucher ihre Nachfragemacht bündeln und sind dann nicht hilflos anonymen Großunternehmen in ihren Vergütungsstrategien oder ihrem Preisdiktat ausgeliefert. Sie können dann auf gleicher Augenhöhe mitreden, zum Beispiel »» in Gruppen zusammengeschlossene Heizölverbraucher mehrerer Haushalte zwecks Nutzung von Mengenrabatten,

»» in Energiegenossenschaften zusammengeschlossene Verbraucher über den Strompreis, »» in Konsumgenossenschaften zusammengeschlossene Konsumenten über die Kennzeichnung gesundheitsschädlicher Nahrungsmittel, »» in Wohnungsgenossenschaften zusammengeschlossene Mieter über Wohnbedingungen. Verbraucher ebenso wie Produzenten können in Genossenschaften ein anderes Wirtschaften praktizieren und durch Zusammenschlüsse in Verbänden und


Thema

„In der Genossenschaft wird wirtschaftliches Denken mit sozialer Verantwortung und Umweltbewusstsein in ganzheitlicher Betrachtungsweise kombiniert.“

- Hans-H. Münkner

Zentralen die Regeln am Markt mitbestimmen oder sogar diktieren. Im Gesellschaftsrecht prägt der Zweck die Form. Das zeigt sich deutlich bei der unterschiedlichen Gestaltung der Rechtsrahmen von Aktiengesellschaft und Genossenschaft als Wirtschaftsverein mit dem Zweck der Mitgliederförderung. Im Zentrum der Kapitalgesellschaft stehen das Kapital und seine Rendite. Im Zentrum der Genossenschaften dagegen stehen der Mensch und sein Bedarf. Wirtschaftliches Denken wird mit sozialer Verantwortung und Umweltbewusstsein in ganzheitlicher Betrachtungsweise kombiniert. Ökonomie steht nicht an erster Stelle, sondern gleichberechtigt neben sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung. Wirtschaftliche, soziale und ökologische Aspekte werden in gegenseitiger Abhängigkeit gesehen. Genossenschaften sind Unternehmen mit wirtschaftlich-sozialer Zielsetzung und sozialer Wirkung. In der Genossenschaft lässt sich verbinden, was oft unvereinbar zu sein und in Konflikt zu stehen scheint: »» Individualismus, Eigeninteresse und Solidarität, denn Eigeninteresse ist nur zusammen mit anderen zu realisieren. „Kooperativen Individualismus“ nennt das der deutsche Politologe Warnfried Dettling. »» Privateigentum – teils als Individualeigentum, teils als privates Gemeinschaftseigentum (unteilbare Reserven).

»» Vorteile des Kleinbetriebs (Ortskenntnis, örtliches Vertrauen, geringe Transaktionskosten) mit den Vorteilen des Großbetriebs (Economies of scale, Outsourcing, Aufgabenteilung nach dem Subsidiaritätsprinzip). Genossenschaften sind örtlich verwurzelt sowie regional, national und international vernetzt, wie es der Slogan der niederländischen Rabobank zum Ausdruck bringt: „Klein vor Ort und groß im Hintergrund – small in the front, big in the back“. »» Die Fähigkeit, Betroffene zu Beteiligten zu machen, das heißt, die von den Folgen des Wandels Betroffenen an der Lösung der durch den Wandel entstehenden Probleme zu beteiligen, wie zum Beispiel in Energiegenossenschaften. »» Kooperation im Genossenschaftsverbund und Konkurrenz auf dem „äußeren“ Markt. »» Interessen von Kapitalgebern und Kunden, da Träger und Nutzer bei Genossenschaften im Prinzip dieselben Personen sind. Viele sehen deshalb Genossenschaften als die besseren Unternehmen. Voraussetzung für erfolgreiche Genossenschaftsentwicklung ist die entsprechende Ausbildung von Genossenschaftspromotoren und Führungskräften, denn Kapitalgesellschaften und Genossenschaften unterscheiden sich in ihrem Menschenbild und in ihrer Art zu wirtschaften.

Vorteile des Genossenschaftsmodells: 1. Der Mensch und sein Bedarf stehen im Mittelpunkt. 2. Ein auf langfristige und nachhal tige Mitgliederförderung ausge richtetes Management,ohne Druck Rendite suchender Investoren. 3.

Arbeit mit „geduldigem Kapital“ (patient capital), das dient und nicht herrscht, dem die Insignien der Macht im kapitalistischen System entzogen sind. Statt Stimmrecht und Gewinnbeteiligung nach Kapitalbeteiligung wie bei der Aktiengesellschaft: Stimmrecht nach Köpfen und Überschussbeteiligung (Rückvergütung) nach Umsatz.

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Genossenschaften stehen für langfristig angelegtes und nachhaltiges Wirtschaften bei Übernahme von sozialer und ökologischer Verantwortung für die Mitglieder, das Gemeinwesen und die Umwelt.

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CrowdCoopFunding-Initiator Christian Pomper

Eine genossenschaftliche Revolution „Was ist eine Genossenschaft? Ist so etwas heute noch zeitgemäß?“ - Solche Fragen flogen den Gründern der CrowdCoopFunding eG beim Start ihres Vorhabens zu. Entsprechend lautet die Mission der neuen Genossenschaft: die Rechtsform wieder populär machen, und zwar mit modernsten Mitteln. Text: Markus Binder Fotos: CrowdCoopFunding

„Die CrowdCoopFunding eG dient als Ausgangspunkt für eine neue ‚cooperative revolution‘, die zu einer Fülle an genossenschaftlichen Neugründungen führen soll“, umreißt ÖGV-Verbandsanwalt Christian Pomper, Initiator und Gründungsmitglied der neuen Genossenschaft, das hoch gesteckte Ziel. Dazu soll die Rechtsform der Genossenschaft wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden. Man will veranschaulichen, was durch die Einhaltung der drei Grundsätze Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung erreichbar ist. „Kooperation ist im Zeitalter des Crowdfunding wieder hochaktuell. Auch den Vergleich mit anderen Rechtsformen wie der GmbH braucht die Genos10

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senschaft nicht zu scheuen“, ist Pomper überzeugt. Wie der Name schon andeutet, will man das Crowdfunding um das kooperative Element erweitern. Zunächst wurden dazu ein Internet-Auftritt und eine Facebook-Seite ins Leben gerufen - erreichbar unter crowdcoopfunding.at bzw. facebook. com/crowdcoopfunding. Unter der Rubrik „GründerShop“ wird eine breite Palette an mediengerecht aufbereiteten Informationen rund um die Gründung von Genossenschaften bereitgestellt. Und wer will, der kann auf Mausklick Mitglied beim CrowdCoopFunding-Projekt werden. Spannend ist der nächste Schritt, der in Kürze umgesetzt werden soll: Im „CoopShop“ können sich Genossen-

schaften zeitgemäß präsentieren. Und sie erhalten die Möglichkeit, Equity-based Crowdfunding durch den Verkauf von Geschäftsanteilen zu betreiben. So sollen sie nicht nur zu neuen Mitgliedern, sondern auch zu einer kräftigeren Eigenkapitalbasis gelangen. „Ebenso wichtig, wenn nicht noch wichtiger sind die erzielbaren Marketingeffekte, die sich in einem höheren Kundenstock und einem daraus resultierenden höheren Umsatz widerspiegeln. Die Schaffung von sogenannten Botschaftern, die das Unternehmen und seine Produkte nach außen hin vermitteln, ist ein zentrales Element bei der Umsatzsteigerung. Zusätzlich findet ein Transfer von Know-how in die Genossenschaft statt, da neue Mitglieder ihre


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Erfahrungen einbringen können und im Gegensatz zu größeren Kapitalgesellschaften auch Gehör finden“, glauben die CrowdCoopFunding-Macher. Gänzlich digital lässt sich die Zeichnung von Anteilen freilich nicht abbilden, zumal sie ausdrücklich schriftlich erfolgen muss. Daher hat das Gründungsteam der CrowdCoopFunding eG an einem den gesetzlichen Bestimmungen angepassten Prozess gefeilt, der die Beteiligung an Genossenschaften dennoch auf zeitgemäße Art und Weise ermöglichen soll. Die nächste Innovation soll direkt nach der Zeichnung von Geschäftsanteilen über die Plattform ansetzen. Geplant ist ein webbasiertes Mitgliedsbuch, das alle Zeichnungen erfasst und

sie den jeweiligen Genossenschaften zuordnet. Diese können dann über einen eigenen Zugang die Zeichnungen bearbeiten. Im Endausbau soll, so versprechen die Gründungsmitglieder, dieses System zu einer interaktiven Plattform zwischen Anlegern und Genossenschaften werden: Anleger können dann selbst ihre Daten pflegen. Genossenschaften wiederum erhalten durch den intelligenten Einsatz individualisierter Automatismen einen besseren Überblick über ihre Mitglieder, die ausgegebenen Geschäftsanteile und bilanzierungsrelevante Informationen über Eigenkapital und Haftsummen - bei gleichzeitig weniger Zeitaufwand.

„Letztlich wird dadurch die Führung des Mitgliederwesens auf qualitativer Ebene enorm verbessert, auf quantitativer Ebene wird viel Zeit eingespart. Es wird ein einheitliches Register für alle österreichischen Genossenschaften und ihre Mitglieder geschaffen. Eine gute Basis, um die ‚cooperative revolution‘ auszulösen“, so Pomper. Eine Preview-Version der Software soll bereits am 13. November im Rahmen einer Kick-off-Veranstaltung vorgestellt werden. 

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Management

Empfehlungsmarketing:

Durch Mundpropaganda Kunden gewinnen Die gute alte Mundpropaganda, die seit jeher die Geschicke der Menschen begleitet, erlebt gerade einen mächtigen Wandel. Wir leben in einer neuen Empfehlungszeit. Werbung ist immer weniger wirksam. Ein gut gemachtes Empfehlungsmarketing ist der Zukunftsweg zu neuen Kunden.

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igitale Lagerfeuer ergänzen die klassischen Orte fürs Weiterempfehlen. Via Handy-Recherche ist es nun möglich, von überall her und rund um die Uhr an einen benötigten Ratschlag heranzukommen. Webportale, soziale Netzwerke und mobile Apps sind zu einer wahren Spielwiese für innovative Formen des Empfehlungsmarketings geworden. Doch das Weiterempfehlen ist vor allem offline zu Hause - und wichtiger als jemals zuvor. Gerade in informationsüberfluteten Zeiten wie diesen kann das Zu- und Abraten Dritter für kluge Entscheidungen sorgen - und damit das eigene Leben auch ein wenig vollkommener machen. Denn Empfehlungen trennen das Gute vom Schlechten.

Empfehler haben unser Vertrauen Wir sind die Nachfahren solcher Menschen, die den wohlmeinenden Hinweisen ihres sozialen Umfelds folgten, wenn ihr eigenes Wissen nicht reichte. Und mehr als jemals zuvor leihen wir unser Ohr vor allem denen, die uns nahe stehen, die glaubwürdig sind und ihre

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wertvollen Erfahrungen freigiebig teilen: verlässlichen Empfehlern. Zu 80 Prozent vertrauen wir dem, wozu unser persönliches Umfeld uns rät, und folgen solchen Hinweisen gern. Und zu 64 Prozent bauen wir auf das, was die Menschen auf Online-Plattformen erzählen. Doch höchstens noch zu 45 Prozent glauben wir den Werbeformaten der Anbieter im Markt, wie kürzlich eine Nielsen-Studie ergab.

Werbelügen haben kurze Beine Die Unternehmenskommunikation hat sich in einen gigantischen Vertrauensverlust hineinmanövriert. Zu oft sind wir belogen und betrogen worden. Dieser Makel der Werbung, die uns zudem ungefragt überfällt, hat Zweifel gesät und Misstrauen geerntet. Solche Umstände bringen vor allem die konsumfreudigen Digital Natives, also die nach 1980 geborenen und im Internetzeitalter aufgewachsenen Menschen, dazu, klassische Werbeformate weitgehend zu verschmähen, diese mithilfe von Adblockern zu unterdrücken und stattdessen auf die Empfehlungen

Dritter zu bauen. Marken-Stalking, also die aggressive Aufdringlichkeit eines Unternehmens und seiner Marken, ist out. Kaufbestimmend ist in erster Linie, was das eigene Netzwerk empfiehlt.

Das „Reh“ hat nun die Flinte Alles, was die Anbieter sagen, kann heute live und vor Ort auf den Wahrheitsgehalt überprüft und blitzschnell mit den Erfahrungen anderer abgeglichen werden. Jeder Kunde ist heute ein potenzieller „Pressesprecher“. Das „Reh“ hat nun die Flinte in der Hand, und es weiß ganz genau, dass dem so ist. Umsätze steigen nicht länger proportional zum Werbedruck, sondern mit der Qualität von Mundpropaganda und Weiterempfehlungen. Diese stehen immer öfter am Anfang eines Entscheidungsprozesses und am Ende eines Kundenerlebnisses. Sie gelten als Kaufauslöser Nummer eins. Die Konsumenten sind die neuen Vermarkter: agile Markenbotschafter, lautstarke Meinungsmacher, machtvolle Berater, tatkräftige Verhaltensbeeinflusser, effiziente Vorverkäufer.


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Management

Wertvolle Mundpropaganda und aktive Weiterempfehlungen sind die beste Lebensversicherung für ein Unternehmen.

Der Zukunftsweg zu neuen Kunden

Das Buch zum Thema

Anne M. Schüller Das neue Empfehlungsmarketing Durch Mundpropaganda und Weiterempfehlungen neue Kunden gewinnen BusinessVillage, 2015, 300 Seiten, € 29,80 ISBN: 978-3-86980-312-9 www.empfehlungsmarketing.cc

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Ein gut gemachtes Empfehlungsmarketing ist der Zukunftsweg zu neuen Kunden. Und dies aus drei Gründen: 1. Vertrauensbonus: Wer in Marketing und Vertrieb, Service und Kommunikation mit Empfehlungen und Referenzen agiert, lobt nicht länger sich selbst, sondern wird von seinen Kunden gelobt. Als Empfehler agierende Kunden haben einen Vertrauensbonus. Sie machen neugierig und verbreiten Kauflaune. Sie wirken glaubhaft und neutral. Denn Empfehlungen basieren auf Erfahrungswissen. Und sie sind für den Empfänger relevant. Hierdurch verringern sich Kaufwiderstände erheblich. 2. Datenschutz: Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung werden sich die Verbraucherschutzgesetze weiter verschärfen. Gleichzeitig steigen die technologischen Möglichkeiten, sich vor unerwünschter Werbung zu schützen. So wird es für Unternehmen immer schwieriger, Interessenten „kalt“ anzusprechen. Eine unpassende Kontaktaufnahme kann heute nicht nur zu Fehlinvestitionen und rechtlichen Konsequenzen, sondern auch zu schwerwiegenden Reputationsschäden führen. Ein Empfehler hingegen schafft nicht nur Wärme, sondern auch ein perfektes Entrée. 3. Komplexitätsreduktion: Verlässliche Empfehlungen geben uns Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten. Sie erlösen uns aus Entscheidungskonflikten. Sie verringern das Risiko einer fatalen Fehlentscheidung. Sie ersparen uns Zeit und reduzieren Enttäuschungsgefahr. Und sie schaffen Sicherheit in einer zunehmend komplexen Welt. So helfen sie uns, die Spreu vom Weizen zu trennen. Sie sorgen also für etwas,

das unser Gehirn besonders goutiert: die Weitergabe von Informationspaketen, die sich bewährt haben. Außerdem mag unser Oberstübchen „Brain-Convenience“ und „Peace of Mind“, also Einfachheit, Klarheit, Ruhe und Frieden. Genau deshalb folgen wir wohlmeinenden Empfehlern oft nahezu blind.

Im Web kommt alles raus Die Social Media machen aus uns allen Geschichtenerzähler. Und ob das den Unternehmen nun gefällt oder nicht: Was immer sie heute tun, im Internet spricht es sich wie ein Lauffeuer herum. Vernebeln, vertuschen und Marketing-Lügen sind in diesem Szenario ein Auslaufmodell. Selbst kleinste Fehler werden einem um die Ohren gehauen. Und minderwertige Angebote werden vom Kunden gnadenlos aussortiert. Wer unbeschadet davonkommen will, tut gut daran, eine Top-Performance zu bieten, moralisch sauber zu sein und in einen offenen, ehrlichen Dialog zu treten. Denn im Social Web gibt es keine Geheimnisse mehr. Onlinenetzwerke verstärken immer, was in sie eingespeist wird. Und sie intensivieren die Persönlichkeit eines Unternehmens - im Guten wie im Bösen.

Das neue Business-Mantra Das, was die Menschen über einen Anbieter sagen, hat sogar in den Suchmaschinen Vorrang vor dem, was die Unternehmen selbst über sich sagen. Denn Suchmaschinen-Algorithmen bevorzugen People-Buzz - und bringen ihn ganz weit nach vorn auf die Trefferlisten. Immer öfter ist das Suchfeld von Google & Co. auch der Startpunkt für eine potenzielle Kundenbeziehung - und nicht selten zugleich das Ende. Sei wirklich gut, und bring die Menschen dazu, dies engagiert weiterzutragen - so lautet das Mantra in einer


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Empfehlungsgesellschaft. Exzellenz und Multiplikation sind die wesentlichen Zutaten dafür. Viel Zeit bleibt auch nicht. Denn wer heute nicht empfehlenswert ist, ist morgen nicht mehr kaufenswert - und übermorgen tot.

Man muss empfehlenswert sein Empfehlungen sind die ehrlichste Form der Werbung. Doch nur herausragende Leistungen erhalten gute Mundpropaganda. Deshalb gilt: Nur wer empfehlenswert ist, wird auch weiterempfohlen. Dafür muss die Basis stimmen. Und diese liegt weit jenseits der Nulllinie von Mittelmaß und Zufriedenheit. Mundpropaganda und Empfehlungsmarketing kommen erst in der Begeisterungszone in Gang. Sie brauchen verlässliche Fans, „Ideenfunken“ und „Sternenstaub“. Und natürlich eine glasklare Positionierung. Viele Unternehmen haben jedoch eine so unscharfe Positionierung, dass sie vielleicht empfehlenswert wären, aber keiner genau sagen könnte, wofür. Und selbst enthusiastische Kunden denken nicht vollautomatisch daran, sich mit großartiger Mundpropaganda zu bedanken. Wer heute aktives Empfehlungsmarketing betreibt, wartet nicht in aller Bescheidenheit darauf, rein zufällig entdeckt zu werden. Er vertraut auch nicht allein auf sein exzellentes Angebot, sondern treibt den Empfehlungsprozess aktiv und systematisch voran. Das Schaffen und Gestalten von Empfehlungsgründen und -wegen wird zur Daueraufgabe des gesamten Unternehmens.

Die alles entscheidende Frage Die unterschiedlichen Formen der Mundpropaganda können die Vertriebs- und Marketingaktivitäten kräftig unterstützen, das Unternehmen vor Preisattacken bewahren, die mühsame

Neukundengewinnung maßgeblich erleichtern und eine Menge Werbekosten sparen. Die alles entscheidende Frage lautet: Wie mache ich meine Kunden und Kontakte zu Topverkäufern meiner Angebote und Services? Kein Zweifel: Aktive Empfehler sind die wahren Treiber einer positiven Unternehmensentwicklung. Denn das Weiterempfehlen bringt nicht nur gutes Neugeschäft, es stärkt auch die Loyalität. So konnte nachgewiesen werden, dass sich Kunden nach Abgabe einer Empfehlung dem Unternehmen in stärkerem Maße verbunden fühlen. Ebenso hat sich gezeigt, dass das Aussprechen einer Empfehlung eine positive Wirkung auf die eigene Wiederkaufabsicht hat. Die, die ein Unternehmen mit Inbrunst und Leidenschaft weiterempfehlen, werden dieses also kaum mehr verlassen. So kommt man schließlich zu Kunden mit quasi eingebauter Bleibegarantie.   

Über die Autorin Anne M. Schüller ist KeynoteSpeaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für Empfehlungsmarketing und Touchpoint-Management. Sie zählt zu den gefragtesten Referenten im deutschsprachigen Raum. Wenn es um das Thema Kunde geht, gehört sie zu den meistzitierten Experten. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft. Weitere Informationen: www.anneschueller.de

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Management

Entspannt führen Die Fähigkeit, im Moment zu fühlen, zu denken und zu sein, wird von modernen Führungskräften längst praktiziert. Der Erfolg gibt ihnen recht: Sie sind nicht nur gelassener, sondern auch wirksamer im Job. Wie sie das schaffen.

„Und wenn Gedanken aufkommen, dann ohne sich zu ärgern wieder zurück zum Atem …“, spricht die ruhige und tiefe Stimme, während 20 Manager mit geschlossen Augen auf Stühlen im Kreis sitzen. 20 Minuten lang keine Gedanken festhalten, hochkonzentriert nur dem eigenen Atem folgen. Was geht hier im Seminarraum eines Unternehmens der Autozulieferer-Industrie vor? Entspannungstraining? Einschlafhilfen? „Nein“, so der Trainer, „diese Manager trainieren Führung. Arbeiten an der Verbesserung ihrer Wirksamkeit als Führungskraft. Und an einem ausgeglichenen Lebensstil. Aber sie gehen das eben ganz anders an als bisher.“ Das neue Motto heißt: innen beginnen, bei sich selbst. Und der Weg „nach innen“ führt über Achtsamkeit. Die ist fast schon zu einem Modewort oder Hype in den Chefetagen geworden. Renommierte Medien wie das „Manager-Magazin“ („Meditierende 16

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Manager“), die „Wirtschafts-Woche“ („Besser führen ohne durchzudrehen“) oder die „Zeit“ („Die neue Haltung im Büro - mit Achtsamkeit gegen den Stress“) widmen der Achtsamkeit lange Artikel. „Die Schulung des Geistes hat Sport und Fitness als wichtigste Kraftquelle für viele Topmanager abgelöst“, beobachtet etwa das „Manager-Magazin“.

Konzentration auf den Moment Was also ist Achtsamkeit? Dafür muss man keine Anleihen bei der Esoterik nehmen: Achtsamkeit ist eine mentale Fähigkeit, die hilft, eigene Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensautomatismen besser zu erkennen und zielgerichtet zu lenken. Dazu lernt man „mentale Präsenz“, also sich uneingeschränkt und vollständig auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren. Nicht länger der Getriebene sei-

ner eigenen Gedanken, seiner Unruhe und Ängste zu sein, sondern wieder im „Driver Seat“ zu sitzen und sich selbst steuern. Dabei lernt man etwa die Fähigkeit zur „Distanzierung“, also sich selbst, seine Gedanken und Gefühle gewissermaßen von oben, aus Helikoptersicht zu beobachten. Und wer wieder Herr in seinem eigenen Haus ist, kann auch deutlich souveräner und authentischer handeln. Im Führungsalltag wie im Privatleben. Doch dazu braucht es regelmäßiges Training der Achtsamkeit. Das beginnt mit ganz einfachen Atemübungen, geht über Übungen zur verfeinerten Wahrnehmung, auch des eigenen Körpers, wie beim „Body Scan“, bis hin zu den unterschiedlichsten Arten der Achtsamkeitsmeditation, wie etwa langsames und bewusstes Gehen oder „Za Zen“, das Sitzen in Stille. Gemeinsam ist allen Übungen die unbedingte Fokussierung des Geistes auf den gegenwärtigen


Management einen leichteren Perspektivenwechsel und über eine verbesserte Zusammenarbeit im Team. Der Wunsch, bei Mitarbeitern und Kollegen wieder besser durchzudringen, wieder wirksamer zu werden, ist auch eines der Hauptmotive, wenn Führungskräfte Achtsamkeitstrainings oder das „Mindful Coaching“ nachfragen. Sie trainieren dabei das Loslassen. Wo Manager doch eigentlich das Gegenteil gewohnt sind. Doch hier lernen sie, wie sie durch Achtsamkeitsübungen Gedanken und Emotionen loslassen können. Und damit auch - nach regelmäßiger Praxis gewohnte Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmuster verändern können. Mitarbeitergespräche verlaufen völlig anders, wenn man nicht von unbewussten Vorstellungen oder Emotionen geleitet wird. Oder das Brainstorming: Das wird erst dann so richtig kreativ, wenn es nicht mehr durch alte Denkmuster im Zaum gehalten wird. Wenn also alte Denkschablonen nicht nur erkannt, sondern auch „losgelassen“ werden.

Tipps für den Alltag

Moment. Ganz in der Gegenwart leben. Vollständige Präsenz also.

Weniger Stress, weniger Fehler In Deutschland haben die Kalapa Leadership Academy, die Universität München und die Hochschule Coburg in den Jahren 2013 bis 2015 in einer Reihe von Unternehmen Forschungsprojekte durchgeführt - etwa bei Bosch, Beiersdorf, TDS/Fujitsu, dm Drogeriemärkte -, um die Wirkung von Achtsamkeitstrainings am Arbeitsplatz und in der Führung zu untersuchen. Über 700 Teilnehmer haben an dem Projekt teilgenommen. Mit durchschlagendem Erfolg, wie die bisherigen Forschungsergebnisse zeigen. „So berichteten die Teilnehmer unter anderem über eine subjektiv signifikant reduzierte Anspannung und Stressbelastung, einen Anstieg der Konzentrationsfähigkeit und über mehr Raum für Kreativität“, so Chris Tamd-

jidi, Geschäftsführer der Academy. Und Prof. Niko Kohls, der wissenschaftliche Leiter der Studie, ergänzt: „Die Fehlerrate bei der kognitionspsychologischen Testung ist um mehr als 25 Prozent zurückgegangen.“ Führungskräfte berichten nicht nur vom besseren Umgang mit hohen Arbeitsbelastungen, sondern auch über

Über den Autor: Friedhelm Boschert coacht und trainiert Führungskräfte auf der Grundlage von Achtsamkeit und Presencing. Sein Text zum Thema „Entspannt führen“ ist erstmals im E-Magazin „Bildung aktuell“ erschienen. Mehr Infos und Seminartermine: www.leadershipmeditation.com

Als Einstieg in die Alltagspraxis der Präsenz eine Empfehlung: Nehmen Sie sich vor jedem wichtigen Telefonat, vor jedem Gespräch und jeder Sitzung eine Minute Stille, konzentrieren Sie sich nur auf Ihren Atem und denken Sie an nichts. Damit werden der Fokus und die Wahrnehmungsfähigkeit geschärft. Achtsamkeit kann aber auch die Prioritätensetzung im Arbeitsalltag und Privatleben erleichtern: Gehen Sie „bottom up“ vor, also nicht das Wichtigste suchen und festhalten, sondern alles Unwesentliche loslassen und streichen. Dann bleiben die prioritären Aufgaben von alleine über. Und ganz wichtig für Führungskräfte: Verbessern Sie Ihre Fähigkeit zum Zuhören. Beobachten Sie, welche Impulse und Gedanken bei Ihnen auftauchen, wenn Ihr Mitarbeiter oder Kollege zu Ihnen spricht. Versuchen Sie, diesen Impulsen und Gedanken nicht sofort nachzugeben, und hören Sie weiter achtsam zu. Das Resultat: Teamzusammenarbeit und Führungswirksamkeit werden sich schon nach kurzer Zeit deutlich verbessern. 

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Management

Die Digital-Strategie der Volksbank:

Fit für die Zukunft

Im Vorjahr hat der Volksbanken-Verbund ein großes Digitalisierungsprojekt gestartet. Seitdem ist viel geschehen, aber es gibt noch Herausforderungen für die Zukunft. Text: Bettina Fattinger und Helga Grünbichler Foto: istockphoto.com

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igitalisierung und Vernetzung stellen etablierte Geschäftsmodelle zunehmend auf den Prüfstand. Es entstehen neue Konkurrenz, neue Kontaktpunkte zum Kunden, neue Kommunikationskanäle. Wer vorn dabei bleiben will, muss handeln: Die konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen des Kunden und das Bereitstellen innovativer Produkte und Services bilden die zentralen Erfolgsfaktoren. Als Antwort auf die Herausforderungen der digitalen Transformation hat die Volksbank im Frühjahr 2014 ein Digitalisierungsprojekt gestartet. Für die Erhebung des Zielbildes wurden strukturierte Interviews mit Entscheidungsträgern im Volksbanken-Verbund wie auch mit den Projekt- und Applikationsverantwortlichen für Internetund Electronic-Banking-Anwendungen durchgeführt. Themen wie Kunden- und Marktanforderungen, die Wettbewerbsposition der Volksbank, die Ausrichtung des Vertriebsmodells sowie die Bewertung des eigenen Webangebotes und der technischen Rahmenbedingungen wurden aufbereitet. Zusätzlich wurde eine Out18

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side-In-Analyse der Online-Aktivitäten der Volksbank durchgeführt. Diese sollte den Blick von außen aufzeigen und damit den Fokus auf die Wahrnehmung der Online-Services der Volksbanken durch den Kunden legen.

5 Schwerpunktthemen Der eruierte Optimierungsbedarf des Online-Kundeninteraktionspfades wurde schließlich im Rahmen eines Workshops mit Vertretern aus Volksbank-Verbundgremien sowie Geschäftsleitern von regionalen Volksbanken analysiert. Daraus haben sich 14 zentrale Handlungsfelder ergeben, die sich auf fünf große Themen reduzieren lassen. Ganz oben auf der Liste steht die Optimierung der Webseiten. Das betrifft Maßnahmen zur Verbesserung des Contentmanagements wie auch zur Optimierung der Online-Analysetools. Den Schwerpunkt dieses Themenfeldes bildet der Relaunch der Volksbank-Webseiten mit der Stärkung der intuitiven Nutzerführung, dem Einsatz von Responsive Design - der intelligenten An-

passung an das gerade genutzte Endgerät - und der Stärkung der Emotionalität durch animierte Komponenten und visualisierte Inhalte. Um die Online-Expertise der Volksbanken auszubauen, wurden im zweiten Themencluster Maßnahmen für Online-Marktstandards geschaffen, konkrete Handlungsempfehlungen und Umsetzungshilfen über interne Medien (Intranet, Blogs) bereitgestellt, sowie in Zusammenarbeit mit der Volksbank Akademie eigene Seminare und Workshops zu Digitalisierungsthemen entwickelt. Das dritte Themenfeld ist die Optimierung des Online-Banking-Angebotes. Es umfasst Handlungsfelder zum Aufbau eines umfangreichen Behind-Login-Marketingkonzeptes sowie den Relaunch des bestehenden Electronic Bankings inklusive der Weiterentwicklung der Mobile Banking App. Weitere Themen im Fokus sind die Standardisierung des Online-Vertriebs und der Auf- und Ausbau eines durchgängigen Vertriebscontrollings. Mit der Bearbeitung und Umsetzung der Handlungsfelder bis 2017 wurde ein bereichsübergreifendes Projektteam aus Marketing, Vertrieb und Organisation/ IT betraut.

Umfrage unter Geschäftsleitern Zur Erhebung des Verständnisses zum Thema Digitalisierung bei den Geschäftsleitern der regionalen Volksbanken wurde zusätzlich im Juli 2015 im Rahmen einer Projektarbeit des Management Curriculum an der Donau-Universität Krems eine Online-Befragung durchgeführt.


Management

Das Ergebnis: Bei der Frage nach dem künftigen Angebot verschiedener digitaler Services für Kunden sehen die Führungskräfte der regionalen Volksbanken schwerpunktmäßig mobile Lösungen zur Kundenbindung und standardisierte Online-Produkte als wichtig. Um in naher Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben, sollen Innovationen in Mobile Payment und Mobile Banking verfolgt werden. Als größte Herausforderungen im Rahmen der Digitalisierung werden die Finanzierung der Digitalisierungsmaßnahmen und die Bereitstellung von genügend Innovationspotential gesehen. Das geänderte Kundenverhalten (Stichwort „Digital Natives“),

das Schritthalten mit dem Mitbewerb sowie das Thema Governance im gesamten Verbund sind weitere wichtige Herausforderungen.

Fit für die digitale Zukunft Mit dem Start des Digitalisierungsprojektes rückte die Auseinandersetzung mit den Anforderungen der digitalen Transformation in der Volksbank klar in den Fokus der Entscheidungsträger. Das Projekt soll den Verbund zukunftsfit machen, damit er sich gegen Aktivitäten von innovativen FinTechs und digitalen Ökosystemen wie Google und Apple behaupten kann. 

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Management

Wo Bildung nur einen Klick entfernt ist Die Bankenlandschaft ist im Wandel und muss sich ständig neuen Herausforderungen stellen. Die Volksbank Akademie unterstützt dabei mit modernen Formen der Wissensvermittlung und setzt ab sofort einen Schwerpunkt auf E-Learning in der gesamten Aus- und Weiterbildung in der Volksbanken-Primärstufe.

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eben bedarfsorientierten Präsenztrainings ist digitales Lernen umgesetzt über die Plattform „moodle“ - in der Volksbank Akademie ein neuer Themenschwerpunkt. Über „moodle“ bietet die Akademie verstärkt virtuelle Lernszenarien in den Kernbereichen Einsteiger und Basisberater, Kundenberater, Kundenbetreuer, Marktfolge, Spezialisten und Management. „moodle“ ist eine weltweit führende Lernplattform mit 71,6 Millionen Nutzern, die auch von namhaften Vertretern aus dem heimischen Hochschulsektor wie etwa der Universität Wien oder der

Donau-Universität Krems - verwendet wird. Dadurch kann die Volksbank Akademie Wissen zentral jederzeit und überall für die mehr als 5.000 Mitarbeiter der Primärstufe regional zur Verfügung stellen.

Lernen ist kein Einzelevent, sondern ein Prozess Wissen vermehrt sich immer schneller, und die Halbwertszeit wird immer kürzer. Das zeigt sich gerade bei beratungsintensiven, komplexen Bankprodukten, aber auch bei gesetzlichen

Regulatorien in der Branche. Laut Vergessenskurve von Ebbinghaus vermindert sich das „klassische“, punktuelle Trainingswissen ohne anschließende wiederholte Festigung des Erlernten bereits nach einem Tag auf 35 Prozent. Das bedeutet: Bei Buchung eines Seminars um 2.100 Euro für einen Mitarbeiter oder eine Führungskraft „verpuffen“ 1.365 Euro oder zwei Drittel des Human Resources Investments schlagartig wieder, wenn die Qualifizierungsmaßnahme nicht vollständig in den Alltag eingebracht werden kann. Folglich ist es wichtig, dass eine Aus- und Weiterbildungsmaßnahme nicht mit dem Seminarbesuch endet, sondern kontinuierlich und jeden Tag direkt am Arbeitsplatz fortgesetzt wird. Aktuelle Studien bestätigen, dass durch die Verzahnung von Präsenztrainings und E-Learning ein effektiveres Arbeiten in der Wissensvermittlung und eine deutliche Reduktion des Vergessens erreicht werden können. Diese Verzahnung bildet die Basis für die Performance und Produktivität im Ausbildungsweg zum Kundenberater, den im Volksbanken-Verbund durchschnittlich 90 Teilnehmer pro Jahr sehr erfolgreich mit einer Zertifizierung abschließen.

Erfolgreich durch Weiterbildung Die Vergessenskurve von Ebbinghaus und der Effekt von E-Learning 20

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Der Erfolg gibt diesen Aus- und Weiterbildungsformaten recht. Sie sichern


Management

Das Blended-Learning-Konzept der Volksbank Akademie

den Mitarbeitern bei ihren Kunden in den Regionen Vertrauen und Beratungskompetenz, die sich in Auszeichnungen wie dem Recommender-Award 2014 für hervorragende Kundenorientierung widerspiegelt. Das Ziel der Volksbank Akademie ist es, die Präsenztrainings und E-Learning zu modernen Blended-Learning-Konzepten zu kombinieren und damit Lernszenarien zu schaffen, die die Mitarbeiter in der Primärstufe für aktuelle und zukünftige Aufgaben bestens

qualifizieren. Umgelegt auf die Ausbildungswege bedeutet das bis zum Jahr 2021 eine Reduktion der Präsenzzeiten um bis zu 40 Prozent und eine deutliche Erhöhung - bis zu 60 Prozent - bei Blended Learnings.

Bildungsprogramm für 2016 online Das Bildungsprogramm 2016 der Volksbank Akademie steht ab 29. September im Internet zur Verfügung: www.volksbankakademie.at 

Über die Autoren: Alexander Wimmer ist seit 2009 Wissensmanager mit dem Fokus auf Wissensvermittlung mit modernen Lernmedien wie Videoschulungen, Webinaren, Web Based Trainings oder Micro Learning. In der Handelsbranche hat er bereits über 150 E-Learning-Module im In- und Ausland für über 40.000 Mitarbeiter erfolgreich implementiert. Er leitet seit Juli 2015 das E-Learning-Team der Volksbank Akademie. Michael Ungersböck ist Wirtschaftspädagoge mit über zehnjähriger Konzeptionserfahrung im Hochschulsektor sowie im internationalen Training. In der Studiengangsleitung an der FH Wiener Neustadt war er für die Entwicklung und Umsetzung des Gesamtcurriculums im Masterstudium „Wirtschaftsberatung und Unternehmensführung“ für über 400 Studierende pro Jahr mitverantwortlich. Er leitet seit Mai 2015 das Team der Konzeption der Volksbank Akademie.

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Wirtschaft

Das grüne Gold von Bad Goisern Wenn es die Bad Goiserer im Winter warm haben, dann verdanken das viele einer kleinen, aber umtriebigen Genossenschaft: Die Holzwärme Bad Goisern versorgt bereits 250 Abnehmer auf umweltfreundliche Weise, und es werden täglich mehr. Dabei wird auch industrielle Abwärme klug genutzt. Text: Günther Griessmair Fotos: Holzwärme Bad Goisern

„Wir sind eine atypische Genossenschaft“, erklärt Johannes Unterberger, Gründer und Obmann der Holzwärme Bad Goisern. „Ein bunter Haufen - bestehend aus Gemeinde, Abnehmern, Lieferanten, Transporteuren, aber auch Privatpersonen, die gar nicht ans Netz angeschlossen sind - sitzt bei uns an einem Tisch. Da passiert der Ausgleich unterschiedlichster Interessen.“ 2006 gegründet, ist das Biomasseheizwerk im Inneren Salzkammergut eine Erfolgsstory. 250 Abnehmer hat man schon, bald sollen es 300 sein. Derzeit wird gerade das Netz erweitert. Öffentliche Gebäude, Gewerbebetriebe, Kuranstalten, Hotels, aber auch viele Privathaushalte werden mit Nahwärme versorgt. Regionalität wird auch bei der Brennstoffversorgung großgeschrieben. Den gesamten Hackschnitzelbedarf deckt man durch Lieferanten aus der Region ab. „Angeregt durch die gestiegene Nachfrage hat sich auch das Angebot an regionalem Waldhackgut in den letzten Jahren laufend erhöht“, so Unterberger zufrieden. Besonders stolz ist er darauf, dass auch die Abwärme, die in einem lokalen Industriebetrieb anfällt, sich nicht einfach in Luft auflöst, sondern in das Netz der Holzwärme Bad Goisern eingespeist wird: „Die Industrieabwärme trägt schon mit 40 Prozent zur Versor22

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Hier wird die industrielle Abwärme in das Netz der Holzwärme eingespeist

Johannes Unterberger, Gründer und Obmann der Holzwärme Bad Goisern

gung bei. Derzeit werden weitere Öfen im Werk angebunden.“ Die Umweltbilanz kann sich sehen lassen: 6.000 Tonnen Kohlendioxid werden jährlich eingespart. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert sich deutlich. „Die Holzwärme ersetzt pro Jahr eine Million Liter Heizöl und über eine Million Kubikmeter Erdgas“, erklärt Unterberger, der sich trotz seiner „grünen“ Ansichten politisch nicht einordnen lassen will.

Kritik? Die gibt es auch, sie perlt aber an Unterberger, der sein ganzes Herzblut und viel Freizeit in das Projekt gesteckt hat, ab. „Viele negative Wortmeldungen kommen aus der Papierindustrie. Die stößt sich daran, dass durch die Aktivitäten der Biomasseheizwerke die Holzpreise deutlich gestiegen sind. Dabei ist der Preis jetzt fair, während er früher zu niedrig war. Und: Holz wächst nach, in Österreich sogar schneller, als wir es verwerten können.“ 


Wirtschaft

In Riesenschritten Richtung Zukunft Die Neuordnung des Volksbanken-Verbundes läuft derzeit auf Hochtouren. Was bisher passiert ist und was noch kommt – ein Überblick. Text: Markus Partl

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m Oktober 2014 wurde ein umfassendes Konzept zur Neuordnung des Volksbanken-Verbundes vorgelegt, das aus zwei Teilen besteht: Der erste Teil, der bereits abgehakt ist, betrifft die Übergabe der Zentralorganisationsund Spitzeninstitutsfunktionen von der ÖVAG an die Volksbank Wien-Baden sowie die Fortführung der „Rest-ÖVAG“ als Abbaugesellschaft mit dem Namen immigon. Ihr Ziel ist es, den Abbauprozess, der seit zwei Jahren erfolgreich läuft, zügig fortzusetzen und ihre Verbindlichkeiten planmäßig bei Fälligkeit zu bedienen. Nach den Grundsatzbeschlüssen im Dezember 2014 haben die Aktionäre der ÖVAG in der Hauptversammlung am 28. Mai 2015 einstimmig die Beschlüsse zur Spaltung der ÖVAG und zur Umwandlung in eine Abbaugesellschaft gefasst. Die rechtliche Spaltung, die Zurücklegung der Bankkonzession und das Ausscheiden aus dem Haftungsverbund erfolgten am 4. Juli.

In der Hauptversammlung der Volksbank Wien-Baden wiederum wurden die Übernahme des Zentralorganisations-Teilbetriebs von der ÖVAG sowie die Erhöhung des Grundkapitals zur Durchführung der Spaltung einstimmig beschlossen. Durch diese Kapitalerhöhung steigen die Eigenmittel der Volksbank Wien-Baden auf nunmehr rund 300 Millionen Euro. Zudem wurde der Spaltungsund Übernahmevertrag genehmigt.

Aufgaben übertragen Jene Aufgaben, die die ÖVAG aufgrund gesetzlicher Vorgaben als Zentralorganisation des Volksbanken-Haftungsverbundes erfüllt hat, wurden mit Anfang Juli 2015 an die Volksbank Wien-Baden übertragen. Ebenfalls übertragen wurden Servicefunktionen, die die ÖVAG dem Volksbanken-Sektor zur Verfügung gestellt hat und die für den ordnungsgemäßen Bankenbetrieb notwendig sind.

Neuer, stabiler Verbund entsteht Teil zwei des Konzeptes beinhaltet den Zusammenschluss der Volksbanken zu acht großen Regionalbanken und zwei Spezialinstituten, der mittelfristig zu einem kapitalmarktfähigen Verbund führen soll. Ziel der Neuordnung ist es, in größeren Strukturen und mit einem Höchstmaß an Effizienz den Bezug zu den Regionen und Kunden der Volksbanken und Spezialbanken zu bewahren. Die Bankengruppe steht weiterhin als der finanzielle Nahversorger und als verlässlicher Partner zur Verfügung. Die Fusionen erfolgen schrittweise und sollen spätestens 2017 auch technisch abgeschlossen sein. Formell beschlossen werden müssen sie von den Generalversammlungen der einzelnen Volksbanken. Mit der Umsetzung dieser Schritte wird der Grundstein für einen neuen und stabilen Volksbanken-Verbund gelegt, der fit für die Herausforderungen der Zukunft ist. 

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Wirtschaft

Die neue Volksbanken-Welt Mit der Abspaltung der ÖVAG wurde der Weg frei für den neuen VolksbankenVerbund. Unter der Führung der Volksbank Wien als Spitzeninstitut entstehen bis 2017 acht Regionalbanken und zwei Spezialinstitute. Hier die künftige VolksbankenLandkarte samt Zeitplan für die Fusionen und ungefähren Bilanzsummen der neuen Institute - berechnet auf Basis des zweiten Quartals 2015.

Volksbank Salzburg Sitz: Salzburg, Bilanzsumme: 2,8 Milliarden Volksbank Salzburg Volksbank Strasswalchen-Vöcklamarkt-Mondsee (8/2015) Volksbank Oberndorf (10/2016) Volksbank Bad Goisern (7/2017) Volksbank Steirisches Salzkammergut (7/2017) Volksbank Vorarlberg Sitz: Rankweil, Bilanzsumme: 2,0 Milliarden

Volksbank Tirol Sitz: Innsbruck, Bilanzsumme: 3,1 Milliarden Volksbank Tirol Innsbruck-Schwaz Volksbank Kufstein-Kitzbühel (9/2016) Volksbank Landeck (9/2016)

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Wirtschaft

Volksbank Oberösterreich Sitz: Wels, Bilanzsumme: 2,3 Milliarden Volksbank-Linz-Wels-Mühlviertel Volksbank Schärding-Altheim-Braunau (9/2015) Volksbank Ried im Innkreis (10/2015) Volksbank Eferding-Grieskirchen (5/2016) Volksbank Vöcklabruck-Gmunden (5/2016) Volksbank Bad Hall (5/2017)

VOLKSBANK WIEN Sitz: Wien, Bilanzsumme: 5,2 Milliarden Volksbank Wien-Baden Volksbank Obersdorf-Wolkersdorf-Deutsch-Wagram (11/2015) Volksbank Ost (11/2015) Volksbank Marchfeld (6/2016) Volksbank Weinviertel (6/2016) Volksbank Niederösterreich Süd (11/2016) Volksbank Südburgenland (11/2016)

Volksbank Niederösterreich Sitz: St. Pölten, Bilanzsumme: 3,3 Milliarden Volksbank Niederösterreich St.Pölten-Krems-Zwettl Volksbank Alpenvorland (9/2015) Volksbank Donau-Weinland (9/2015) Volksbank Fels am Wagram (10/2015) Volksbank Tullnerfeld (11/2015) Volksbank Oberes Waldviertel (5/2016) Volksbank Enns-St.Valentin (10/2016) Volksbank Ötscherland (10/2016) Waldviertler Volksbank Horn (6/2017)

Ärzte- und Apothekerbank Sitz: Wien, Bilanzsumme: 1,1 Milliarden Ärztebank (6/2017) Apothekerbank (6/2017)

Sparda-Bank Austria Sitz: Linz/Villach, Bilanzsumme: 0,8 Milliarden Sparda-Bank Austria Nord (3/2016) Sparda-Bank Austria Süd (3/2016)

Volksbank Steiermark Sitz: Graz, Bilanzsumme: 3,0 Milliarden Volksbank Steiermark Mitte Volksbank Obersteiermark (7/2016) Volksbank Süd-Oststeiermark (7/2016)

Volksbank Kärnten Sitz: Klagenfurt, Bilanzsumme: 1,4 Milliarden Volksbank GHB Kärnten Volksbank Kärnten Süd (4/2016) Volksbank Oberkärnten (4/2016) Volksbank Feldkirchen (8/2016)

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Wirtschaft

Kommentar

Volksbanken, so genossenschaftlich wie möglich! Die Volksbanken werden innerhalb ihres seit 2012 bestehenden Kreditinstitute-Verbundes enger zusammenrücken. Der Fusionsplan ist dicht und stellt hohe Anforderungen „an Menschen und Systeme“. Die verbliebene ÖVAG wird als immigon abgewickelt. Dabei hat man sich entschieden, auch weitere Verbundunternehmen, wie bereits Victoria-Volksbanken Pensionskasse und Victoria-Volksbanken Vorsorgekasse, zu verkaufen: Die Kapitalanlagegesellschaft der Volksbanken geht an die deutsche genossenschaftliche Union Investment, die Finanzierungsgesellschaft an die BAWAG P.S.K. Leasing, deren Muttergesellschaft einst als ÖVAG-Fusionspartner gehandelt wurde. Den Kern des Verbundes sollen ab 2017 acht regionale Bundesländer-Volksbanken zusammen mit den Spezialbanken Ärzte- und Apothekerbank und der neuen Sparda-Bank bilden. Neue Zentralorganisation und zugleich regionale Volksbank ist die Volksbank Wien AG. Den Vorsitz in ihrem Aufsichtsrat hat der Präsident des Österreichischen Genossenschaftsverbandes inne. Ein Signal, die Rolle des Verbandes innerhalb des „genossenschaftlichen Dreiklanges“ aus Mitgliedern, Genossenschaften und Verbund/ Verband zu stärken? Als Genossenschaften werden voraussichtlich mindestens zwei, die Volksbanken Salzburg und Vorarlberg, organisiert bleiben. Bei den Fusionen zu den Volksbanken, die für das Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, die Steiermark und Tirol zuständig sind, sind die aufnehmenden Institute Akti26

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engesellschaften. Perspektivisch ist beabsichtigt, die Volksbanken wieder an den Kapitalmarkt zu führen. Wird dies nur für die Volksbank Wien in ihrer Funktion als Zentralorganisation gelten, oder sollen auch die anderen kapitalmarktfähig werden? Könnte man alternativ die Kapitalmarktaktivitäten in der VB Regio Invest Bank AG bündeln, die schon heute für den Verbund gemeinschaftlich Emissionen durchführt und damit die gruppenweite Rationalisierung unterstützt? Es ist derzeit noch nicht deutlich erkennbar, was mit „kapitalmarktfähig“ gemeint ist und wie es sich auf die Mitglieder der Volksbanken bzw. die in den Verwaltungsgenossenschaften organisierten Eigentümer auswirken wird. Werden Mitglieder künftig, wie bei den italienischen Volksbanken regulatorisch vorbereitet, Aktionäre sein können? Geht die einzelne Volksbank-AG an die Börse? Als Folge eines Börsenhandels von Volksbanken-Aktien würde es mit Aktionären, die Kunden einer Volksbank sind, und Nicht-Kunden-Aktionären zwei Gruppen geben, die sehr unterschiedliche Interessen verfolgen. Das Management einer Volksbank setzt sich der Kontrolle, aber auch den Anforderungen des Kapitalmarktes an Information und Transparenz aus. Es hat die sehr unterschiedlichen Erwartungen der verschiedenen Eigentümer- und Kapitalgebergruppen zu berücksichtigen und die Unabhängigkeit des Verbundes bzw. der einzelnen Regionalbank gegenüber möglichen Übernahmeinteressen sehr viel größerer Investoren zu bewahren. - Keine leichte Aufgabe.

Eine Schlüsselstellung in der neuen Struktur könnte den verbleibenden Verwaltungsgenossenschaften als Nachfolgerinnen der fusionierten Volksbanken zukommen. Sie könnten nicht nur als dauerhafte Kernaktionäre den genossenschaftlichen Eigentümerkreis einer Volksbank-AG stabilisieren, sondern auch ihre Geschäftstätigkeit aktivieren und damit den regionalen, sogar lokalen Bezug leichter aufrechterhalten, als es den regionalen Volksbanken allein möglich ist. Auf diese Weise würde ein genossenschaftliches Leitbild auch innerhalb der Doppelstruktur mit Volksbank-AG und den jeweiligen Verwaltungsgenossenschaften fortgeschrieben. Vielleicht bleibt so auch die Rückkehr aus der AG in die Genossenschaft als Entwicklungsrichtung eine Option. Denn erst wenn der Kreditinstitute-Verbund für sich Alternativen zu Kapitalmarkt und zu einem konzernähnlichen Gefüge sieht, das die einzelnen Institute zu filialisieren droht, bleibt nicht nur ein in rechtlicher, ökonomischer und auch sozialer Hinsicht vielgestaltiges Bankensystem erhalten, sondern bewahren sich auch die Volksbanken und Spezialbanken im Verbund ihre Identität als genossenschaftliche Banken, als Kreditgenossenschaften. 

Zum Autor: Dr. Holger Blisse war wissenschaftlicher Projektmitarbeiter am Institut für Betriebswirtschaftslehre (Genossenschaftswesen) der Universität Wien und beschäftigt sich u.a. mit kredit-, land- und wohnungswirtschaftlichen, genossenschaftlichen und sozialpolitischen Themen.


Wirtschaft

Kapitalismus – eine Religion in der Krise? So könnte man, angelehnt an Walter Benjamin, heute fragen. Erlös und Erlösung, Schulden und Schuld – wirtschaftliche und religiöse Begriffe sind auch sprachlich eng verwoben. Zwei aktuelle Publikationen befassen sich mit den Zusammenhängen zwischen beiden Welten.

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utoren sehr unterschiedlicher wissenschaftlicher Herkunft entwickeln in „Kapitalismus – eine Religion in der Krise II – Aspekte von Risiko, Vertrauen und Schuld“ ihre Ideen um wichtige Grundbegriffe wie Risiko, Glaube, Vertrauen und Schuld. Die erste Hälfte der Beiträge dreht sich um den Schwerpunkt „Zur Krise des Finanzmarktsystems“ mit Diagnosen und Therapievorschlägen. Die Beiträge widmen sich etwa der Beziehung von Geld und Zeit im Handel von Risiken und damit auch den Möglichkeiten, Zukunftsvorstellungen an den Märkten sichtbar zu machen, so wie jener der Professorin für Kommunikationssoziologie in Modena, Elena Esposito. Schwächen im Finanzsektor und bei dessen Regulierung sieht Marc Chesney, Professor für Finanzwirtschaft der Universität Zürich. Ihre Behebung bietet Chancen für die realwirtschaftlichen Märkte und funktionstüchtigere demokratisch-kapitalistische Gesellschaften. Eigenverantwortung – auch an den Märkten –, um weiteren Krisen vorzubeugen, ist das Thema von Christine Hirszowicz, emeritierte Professorin für Bankbetriebswirtschaftslehre der Universität Zürich. Alexander Dill vom Basel Institute of Commons and Economics entwickelt Geld und Sozialkapital, das er als Gegenstück zu ersterem versteht, ausgezeichnet durch Vertrauen, eine Geschenkkultur und Solidarität. Tamar Frankel, Professorin der Rechtswissenschaften der Boston University School of Law, beschäftigt sich mit treuhänderischen Beziehungen, die im allgemeinen Recht und im Zivilrecht unterschiedlich ausgebildet werden. Die zweite Hälfte widmet sich mit Deutungsversuchen dem Schwerpunkt „Finanzkapitalismus und Religion“. Grundlegend untersucht Chris-

tina von Braun, emeritierte Professorin für Kulturtheorie aus Berlin, die Beziehung von Geld und dem Glaubensbegriff, auch vor dem Hintergrund christlicher Opfer- und Inkarnationslehren. Bei Birger P. Priddat, Professor für Politische Ökonomie an der Universität Witten/Herdecke, steht das Begriffspaar „Schuld und Schulden“ im Mittelpunkt. „Glauben und Wirtschaft“ stehen im Zentrum des Beitrags von Hans Christoph Binswanger. Der emeritierte Professor für Volkswirtschaftslehre der Universität St. Gallen analysiert das Verständnis der „unsichtbaren Hand“ bei Adam Smith, für den es keine Veranlassung für die Aufhebung von Ungleichheit und eine Umverteilung nach dem Gebot der Gerechtigkeit gab. Den Vertrauensbegriff untersucht Christoph Weber-Berg, Kirchenratspräsident der Reformierten Landeskirche Aargau. Er betont dabei Zweifel als begründend für Vertrauen und Glauben. Jochen Hörisch, Professor für Neuere Germanistik und Medienanalyse der Universität Mannheim, setzt sich schließlich mit dem

Gleichnis vom barmherzigen Samariter auseinander. Finanzökonomisch übertragen, kann die tätige Liebe zum Nächsten als Investition in die Zukunft des anderen verstanden werden – dem ähnelt das im Kreditwesen notwendige Vorschussvertrauen. In seiner Dissertation „Die religiöse Arbeit der Marktwirtschaft“ stellt Lucas Zapf mit der Arbeit ein wesentliches Element des Wirtschaftens ins Zentrum – als soziale Bezogenheit und Teilhabe, als Dienst am Nächsten, in der Arbeitsteilung zum Wohl der Gesellschaft und mit der Wirkung sozialen Ein- und Ausschlusses. In theoretischer Hinsicht gelingt es ihm, durch Bezug zur Neuen Institutionenökonomie einen wertvollen Beitrag zur religionsökonomischen Forschung zu leisten. Durch seinen Zugang wird Wirtschaft auch für zentrale christliche Elemente wie Glaube, Hoffnung, Liebe offen. Damit können diese Tugenden in wirtschaftlichem Verhalten mit bedacht werden, sie bleiben nicht außerhalb, sondern werden auch (berufs-)alltagstauglich. 

Holger Blisse

Buchtipps Georg Pfleiderer, Peter Seele, Harald Matern (Hrsg.) Kapitalismus – eine Religion in der Krise II – Aspekte von Risiko, Vertrauen, Schuld Religion, Wirtschaft, Politik, Band 9 Pano-Verlag, Nomos 218 Seiten € 29,90

Chr. Lucas Zapf Die religiöse Arbeit der Marktwirtschaft – Ein religionsökonomischer Vergleich Religion, Wirtschaft, Politik, Band 12 Pano-Verlag, Nomos 301 Seiten € 41,20 cooperativ 3/15

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Wirtschaft

„Wir sind die Problemlöser“ Mit rund 200 Fachgeschäften unter einem Dach ist die Expert-Genossenschaft einer der wichtigsten Player im heimischen Elektrofachhandel - und das seit nunmehr fast 40 Jahren. Geschäftsführer Alfred Kapfer spricht mit „cooperativ“ über die Trends in der Branche und wagt einen Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft. Text: Günther Griessmair Fotos: Expert

„cooperativ“: Herr Kapfer, die Zeiten für den Elektrofachhandel waren wohl schon rosiger. Die Konkurrenz – etwa durch Amazon – ist groß. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage? Alfred Kapfer: Der Elektrofachhandel ist seit vielen Jahren mit einem sehr intensiven Wettbewerb konfrontiert. Sowohl die Großfläche, die großen Online-Anbieter, aber auch branchenfremde Anbieter wie der Lebensmitteleinzelhandel und zuletzt verstärkt der Möbelhandel stehen mit ihm in Konkurrenz. Damit verbunden ist naturgemäß auch ein starker Preiswettbewerb, der wiederum die erzielbaren Spannen in allen Produktbereichen unter Druck setzt. Mit Beratungs- und Fachkompetenz, hoher Servicequalität und Problemlösungskompetenz sowie persönlichem Kundenkontakt bei gleichzeitig gutem Preis-Leistungs-Verhältnis gelingt es aber dem klassischen Fachhandel nach 28

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wie vor, sich sehr erfolgreich am Markt zu positionieren. Wie ist das Verhältnis zu Mitbewerber Red Zac, der ja ebenfalls genossenschaftlich organisiert ist? Wodurch unterscheiden Sie sich überhaupt? Grundsätzlich ist das Verhältnis sehr entspannt. Natürlich besteht eine Wettbewerbssituation, zumal es in vielen Orten sowohl einen Expert-Händler als auch einen Red-Zac-Händler gibt. Aber die Hauptkonkurrenten sind, wie vorhin beschrieben, ganz andere. Zu den Unterschieden: Grundsätzlich sind die Strukturen bei Red Zac und Expert ähnlich. Historisch gewachsen ist dabei, dass die Expert-Händlerschaft eher aus dem Bereich der Haushaltsgeräte kommt und die Red-Zac-Händler ihren Schwerpunkt eher im Bereich Unterhaltungselektronik haben. Auf den einzelnen Händler können diese Unterschei-

dungsmerkmale allerdings nur bedingt heruntergebrochen werden. Zudem ist die Verteilung der Geschäfte nach Bundesländern bei den beiden Kooperationen unterschiedlich. Sehen Sie es eigentlich als strategischen Vorteil, dass Sie als Genossenschaft organisiert sind? Selbstverständlich. Jeder Mitgliedsbetrieb hat einen wirtschaftlich und rechtlich selbstständigen Eigentümer, der sich zu 100 Prozent für den Erfolg des eigenen Unternehmens einsetzt. Durch dieses Engagement, gepaart mit harmonischem Zusammenspiel zwischen Mitglied und Genossenschaftszentrale und der Nutzung der von ihr erbrachten Serviceleistungen, kann der Erfolg jedes einzelnen Mitgliedsbetriebs bestmöglich abgesichert werden. Außerdem ist es durch diese Strukturen - anders als bei vielen börsennotierten


Wirtschaft

Geschenkideen: Expert-Chef Kapfer empfiehlt …

Unternehmen – möglich, weit über den Quartalserfolg hinaus langfristig strategisch zu planen. Wie positionieren Sie die Marke Expert in der Werbung? Wir wollen ein sympathischer Problemlöser sein, das übersetzen wir mit dem Slogan „Expert - mit Herz für Sie da“. Wie sieht es mit Ihren Online-Plänen aus? Die Entwicklung und Umsetzung des Themas „Multichanneling“ und damit verbunden eines auf unsere genossenschaftlichen Strukturen maßgeschneiderten Onlineshop-Konzepts ist für Expert aktuell ein Schwerpunkt. Wir wollen noch heuer im Dezember damit starten. Mit welchem Geschäftsverlauf rechnen Sie zu Weihnachten? Für das Weihnachtsgeschäft bin ich in Summe recht optimistisch. Nach dem im Sommer nicht zuletzt aufgrund der hohen Temperaturen schaumgebremsten Geschäftsverlauf erwarte ich zu Weihnachten wieder ein deutliches Anziehen, insbesondere im Bereich TV und Unterhaltungselektronik. Die bevorstehende Fußball-EM in Frankreich, bei der Österreich dabei sein wird, sollte sich da schon bemerkbar machen. Was sind außerdem die Trends im Weihnachtsgeschäft?

Expert Geschäftsführer Alfred Kapfer

Im TV-Bereich geht es in Richtung große Bildschirmdiagonalen (ab 49 Zoll aufwärts bis 65 Zoll und mehr) und hochauflösende UHD-TV-Geräte. Ganz stark ist auch der Trend hin zur Vernetzung der Geräte und damit auch zum Verkauf von entsprechenden Peripheriegeräten. Aber auch Saugroboter, die das alltägliche Leben erleichtern, und Kaffeevollautomaten der neuesten Generation werden zu den Highlights des diesjährigen Weihnachtsgeschäfts zählen.

… für Jugendliche: ein iPad mini 3

Wann kaufen Ihre Kunden eigentlich die Geschenke? In den letzten Jahren waren diesbezüglich immer wieder deutliche Verschiebungen festzustellen. Vor zwei Jahren noch haben sich die Käufe immer näher zum Weihnachtsfest und vielfach auch auf die Zeit nach dem eigentlichen Fest verschoben – etwa durch die Gutscheineinlösung. Im vergangenen Jahr gab es hingegen wieder eine deutliche Tendenz zum früheren Geschenkekauf. Mit ein Grund dafür dürfte sein, dass es auch schon weit vor Weihnachten sehr attraktive Angebote gibt und der Kunde im Hinblick auf die noch vorhandene Auswahl insbesondere bei Trendartikeln noch aus dem Vollen schöpfen kann.

… für den Bruder: ein 55-Zoll-TV-Gerät, z.B. das Sony 55W809C

… für die Ehefrau oder Freundin: einen Saugroboter wie den iRobot Roomba 772

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International

Gestatten, Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Beim Handshake mit dem Chef einer Energiegenossenschaft

Am Steuer: Raiffeisen lenkt, Delitzsch schaltet und koordiniert

Schulze-

Sie sind Helden! Schulze-Delitzsch und Raiffeisen höchstpersönlich zu Besuch in einer Bank, auf einer Tagung, bei einer Warengenossenschaft? Die „Regionalhelden“ machen’s möglich: Wie zwei Handpuppen in der deutschen Genossenschaftswelt für Furore sorgen. Inmitten von Pastinaken beim Besuch einer Marktgenossenschaft

Text: Günther Griessmair Fotos: RWGV

Im Vorjahr hatte die PR-Abteilung des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes eine Idee: Die beiden Gründerväter des Genossenschaftswesens, Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, sollten ihre Auferstehung feiern und junge Generationen von der Genossenschaftsidee begeistern, vor allem über soziale Medien. Im September erblickten die beiden als Handpuppen das Licht der Welt, gefertigt von einem Puppenbauer, der auch für die Muppets verantwortlich zeichnet. 30

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100 Aufritte binnen eines Jahres Unter dem Motto „Genossenschaften sind Regionalhelden“ ziehen Schulze-Delitzsch und Raiffeisen seitdem durch die Lande, begeistern bei Banktagungen ebenso wie bei Jubiläumsfeiern, Verbandstagen oder Politikerbesuchen. An die 100 Auftritte haben die Handpuppen schon absolviert. Ihr Wirken und Werken kann man auf einer eigenen Facebook-Seite hautnah mitverfolgen. Dabei fällt sofort auf: Wo Schulze-Delitzsch und Raiffeisen im Kleinformat

auftauchen, ist die Stimmung locker, ungezwungen. Sich mit ihnen ablichten zu lassen, macht offenkundig Spaß. „Mit den Handpuppen sind wir traditionsbewusst und gleichzeitig am Puls der Zeit. Zurecht gemacht wie im 19. Jahrhundert mit ergrautem Haar, Schnauzer und Nickelbrille sind die beiden Herren auch Facebook-Stars. Sie sind Sympathieträger, erhöhen den Wiedererkennungswert und personalisieren genossenschaftliche Themen. So wird die Genossenschaftsthematik aufgelockert und eine Netzwerk-Platt-


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Zu Besuch bei einer Winzergenossenschaft

form für Mitglieder, Kunden und fentlichkeit geschaffen“, erklären lia Böing und Marco Lorenz, die Puppen bei ihren Auftritten auch Leben einhauchen, die Intention „Regionalhelden“-Aktion.

ÖfJuden das der

Puppen sind Facebook-Stars - und gefragte Gäste Der Erfolg auf Facebook lässt aufhorchen: „Immer mehr Fans verfolgen die Abenteuer der beiden Herren im größten sozialen Netzwerk der Welt, und zahlreiche Genossenschaften mit eigenen Facebook-Seiten teilen die Posts und verweisen auf die Seite. Drei Monaten nach dem Start zählte die Seite bereits 1.000 Fans“, so Böing. Mittlerweile hat man weit über 2.000 „Likes“. Kein Wunder also, dass die beiden Herren gefragte Gäste sind. Böing: „Viele Genossenschaften fragen nach Terminen mit den Handpuppen und laden sie zu sich ein. Auch die regionale und überregionale Presse berichtete über die Regionalhelden, und sogar Wissenschaftler, die zum Thema Genossenschaften und soziale Medien forschen, interessieren sich für das Konzept.“ Böing und ihr Kollege Lorenz reisen dementsprechend viel. Wenn sich ein Termin einmal nicht ausgeht, sind sie flexibel. „Notfalls schicken wir Schulze-Delitzsch und Raiffeisen auch per Post auf Reisen“, so Lorenz. Nur in Österreich waren die beiden Genossenschaftsgründerväter in Puppenform noch nie. Wir werden das schon bald ändern. Versprochen. 

Als Paten für eine gelungene Volksbanken-Fusion

Als Know-how-Vermittler bei einer Schulung

Mit Breze im Bierzelt

Im Oldtimer-Museum mit Bankdirektoren

Als Zaungäste beim Verbandstag

Auf ein Bier mit Ex-Vorständen

Die „Regionalhelden“ machen Schule

Mit „Tagesschau“-Lady Judith Rakers

Überraschungsgäste bei einer Banktagung cooperativ 3/15

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International

Vorstandsvorsitzender Wolfgang Kirsch: „Sehr gute Ergebnisse erzielt“

Zusammen geht mehr Mit dem Motto der deutschen Genossenschaftlichen FinanzGruppe ist das Rekordergebnis der DZ BANK im Jahr 2014 perfekt zusammengefasst. Das Rating von AA- ist das Beste, das Fitch derzeit für Genossenschaftsbanken in Europa vergibt. Und mit dem erwirtschafteten Überschuss ist die DZ BANK an der größten deutschen Privatbank vorbeigezogen. Text: Andrea Karner Fotos: Wonge Bergmann, Stefan Krutsch

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uf konsolidierter Basis hat die deutsche Genossenschaftliche FinanzGruppe im vergangenen Jahr 10,7 Milliarden Euro vor Steuern verdient. Dazu zählen neben den Spitzeninstituten DZ BANK und WGZ BANK 1.047 selbstständige Genossenschaftsbanken, mehrere zur DZ BANK Gruppe gehörige Spezialinstitute wie die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die R + V Versicherung und die Fondsgesellschaft Union Investment, die zuletzt das Fondsgeschäft der österreichischen Volksbanken gekauft hat. „Damit schlagen die 32

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Genossen das größte deutsche Geldhaus, die Deutsche Bank, um Längen“, schreibt zum Beispiel das „Handelsblatt“. Die DZ BANK Gruppe hat mit einem Ergebnis von 2,87 Milliarden Euro vor Steuern eine Bestmarke in der Unternehmensgeschichte erreicht und mit 1,5 Milliarden Euro die größte Kapitalerhöhung ihrer Geschichte vorgenommen. Die umfangreiche Bilanzprüfung und den Stresstest der Europäischen Zentralbank hat das Spitzeninstitut der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken mit Bravour gemeistert.

„Es ist ganz wesentlich auf unseren Zusammenhalt, auf funktionsfähige Verbundstrukturen und den soliden Allfinanzansatz unserer Genossenschaftlichen FinanzGruppe zurückzuführen, dass wir in diesem Umfeld aus Niedrigzinspolitik, Regulierung und Digitalisierung noch sehr gute Ergebnisse erzielen können“, betonte Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der Bank, bei der Hauptversammlung in Frankfurt. Während Fitch gerade das Rating für zahlreiche europäische Banken herunter gestuft habe, weil Staaten in Eu-


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„Es ist und bleibt der Zusammenhalt, mit dem wir auch in Zukunft die großen Herausforderungen meistern können“ zitiert Wolfgang Kirsch bei der Hauptversammlung die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.

ropa immer weniger bereit seien, ihren Banken in Krisen Unterstützung zu gewähren, „bleibt das Rating der DZ BANK unverändert erstklassig“, freut sich Kirsch. Die Basis des Erfolges sei auch laut Bewertung der Rating-Agentur „der hohe Zusammenhalt der Gruppe“, der den Vorsprung zu den Wettbewerbern vergrößere. Insgesamt zeige das Rating eindrucksvoll die Schlagkraft, die Nachhaltigkeit und die Überlegenheit des genossenschaftlichen Geschäftsmodells, sagte der Vorstandsvorsitzende der DZ BANK. Die Bitte um Staatshilfe sei auch in der Krise „nie eine Option gewesen“. Gegenüber internationalen Wettbewerbern mit gleicher Ratingnote verfüge die Genossenschaftliche FinanzGruppe über eine starke Wettbewerbsposition, ein granulares und risikoarmes Asset-Portfolio und gute Profitabilität, attestiert Fitch. Der Abbau von Nicht-Kernaktivitäten führe bei der genossenschaftlichen Zentralbank „zu stetigen Gewinnen und einem geringeren künftigen Kreditbedarf“. Beispiele dafür, dass die genossenschaftliche Idee alleine noch keinen fortgesetzten Erfolg garantiere, seien in Österreich und in Italien zu finden, wo sich

aktuell eine Fusionswelle ankündige. Auch in den Niederlanden würden die bestehenden Konzernstrukturen weiter ausgebaut. Kirsch führt diese Entwicklung nicht alleine auf die zunehmenden Anforderungen durch die Regulierung der Märkte zurück, es seien auch strategische Versäumnisse gewesen, „die den Freiheitsgrad eigener Gestaltung verschwinden ließen“. Die deutschen Genossenschaftsbanken müssten „alles daran setzen, die dezentrale Struktur im Verbund zu bewahren“. Die DZ BANK hat ihre Hausaufgaben als genossenschaftliches Spitzeninstitut gemacht und konzentriert sich wieder auf ihre Mitglieder als Kerngeschäft im deutschen Markt. Wie Kirsch ausführte, sei das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2014 „im Wesentlichen auch das Resultat unserer konsequenten strategischen Ausrichtung auf die Volksbanken und Raiffeisenbanken als unsere wichtigsten Kunden und Eigentümer“. Bei Bonifikationen und Provisionszahlungen an die Genossenschaftsbanken habe die DZ BANK mit 1,8 Milliarden Euro das bereits hohe Niveau der Vorjahre noch übertroffen. Die Eigentümer durften sich für 2014 über eine höhere Ausschüttung freuen. Die Divi-

dende wurde um zwei Cent auf 15 Cent je Aktie angehoben. Kritik übte Kirsch an der Geldpolitik der EZB, die „der Politik Zeit für Reformen“ kaufe. Für Banken sei sie schon „handfest“ greifbar. „Auf Dauer fressen sich die niedrigen Zinsen immer tiefer in unsere GuV und sind je nach Dauer geeignet, selbst völlig intakte Geschäftsmodelle wie das unsere als Genossenschaftliche FinanzGruppe infrage zu stellen.“ Neben der Regulierung und Digitalisierung sei die Niedrigzinspolitik der EZB das Schlüsselthema der Branche in den nächsten Jahren. Auf der anderen Seite berge die neue europäische Bankenaufsicht grundsätzlich eine Chance: „Die EZB kann nun mit ihrer starken Position in der Bankenaufsicht eine bessere Koordination von Regulierungsvorhaben und Vorschriften erreichen.“ Damit würde die regulatorische Komplexität zurückgeführt. Unter Führung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) sei es auch gelungen, die europäische Bankenaufsicht zu überzeugen, dass „Einlagensicherungssysteme auch die Form eines institutsbezogenen Sicherungssystems annehmen können“. 

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International

EU-Plädoyer für regionale Kreditinstitute Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss hebt in einer neuen Stellungnahme die volkswirtschaftliche Bedeutung von Regional- und Genossenschaftsbanken hervor. Vom Gesetzgeber fordert er gelockerte Anforderungen für solche Institute. Text: Holger Blisse

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em Europäischen Wirtschaftsund Sozialausschuss (EWSA) kommt als einem Nebenorgan der EU beratende Funktion zu. Ihm gehören Vertreter der Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und anderer Interessengruppen, etwa Landwirte und Verbraucher, aus allen EU-Staaten an. Man versteht ihn als Repräsentanten der „organisierten Bürgergesellschaft“. Auf eigene Initiative hat der EWSA nun eine Stellungnahme zum Thema „Die Bedeutung von Genossenschaftsbanken und Sparkassen für den territorialen Zusammenhalt - Vorschläge für einen angepassten Finanzregulierungsrahmen“ abgegeben, die am 31. Juli im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht worden ist. Der Text liest sich wie ein Plädoyer für ein vielgestaltiges Bankwesen in Europa, gerade auch mit kleineren Kreditinstituten: Demnach verdienen „Sparkassen und Genossenschaftsbanken eine Sonderbehandlung bei der Anwendung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften, da sie dem von den EU-Bürgern geforderten Bankenmodell entsprechen, das auf einer verantwortungsvol34

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len und solidarischen Geschäftsführung beruht und sich auf die Grundsätze und Werte der Sozialwirtschaft stützt“, schreibt der Ausschuss.

Sektor vor großen Herausforderungen Die künftigen Herausforderungen, insbesondere ungewisse Situationen aufgrund geopolitischer Risiken und technologischer Innovationen, werden das neue Finanzsystem bestimmen, in dem traditionelle Banken, neue Marktteilnehmer im Online-Geschäft, Regulierungsbehörden und Verbraucher zusammenwirken, glaubt der Ausschuss. Die Banken hätten sich zu einer kleineren, gesünderen, aber auch weniger leicht allen potentiellen Kunden zugänglichen Bankenlandschaft umstrukturiert. Dadurch hätten sich die Finanzierungsbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen und Privathaushalte verschlechtert, Filialnetze seien ausgedünnt worden, und es gingen zahlreiche Arbeitsplätze verloren, stellt der EWSA fest. Sparkassen und Kreditgenossenschaften würden dagegenwirken, sofern

sie mit der gewerblichen Wirtschaft vor Ort eng verbunden, regional verwurzelt und den lokalen Interessen nahe bleiben. Ihre Stärke sei das Privatkundengeschäft. Doch auch dort stünden neue Herausforderungen an, die jedoch bewältigbar seien: • Zunehmender Wettbewerb schmä lert die Zinsspannen. Dies kann aber ausgeglichen werden, wenn es gelingt, Wettbewerbsvorteile kun dennaher Banken im Privatkunden geschäft zu stärken. • Der Vertrieb über mehrere Ka näle erfordert hohe Investitionen im Technologiebereich. • Unzureichende Größe führt zu strategischen Bündnissen und Zu sammenschlüssen, die jedoch nicht frei von Risiken verlaufen und Grö ßennachteile gegenüber dem origi nären Geschäftsmodell mit sich bringen können. Dagegen können verbesserte interne Risikomanage mentsysteme wirken. • Kundennähe ist schwer vereinbar mit geografischer Diversifizierung auf internationalen Märkten, doch eröffnet intensivere Zusammenar beit zwischen Banken Regionen übergreifende Chancen. Zusätzlich wachsen - bedingt durch neue Regulierungs- und Aufsichtsmaßnahmen - die Anforderungen an Führungskräfte, an die Verwaltung und an die Transparenz. Und es ist die Kapitalausstattung zu schützen, um Insolvenzen zu vermeiden. Einen wesentlichen


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Beitrag kann nach Ansicht des EWSA ein neues Modell für die interne Aufsicht bei Sparkassen und Kreditgenossenschaften leisten, das Beschäftigte, Vertreter von KMU und andere Interessenträger einbezieht. Das unterscheidet die auf viele Interessenträger ausgerichteten Institute (Stakeholder Value) von den am Shareholder Value orientierten Banken.

Aufsichtsrechtliche Differenzierung gefordert Bei den künftigen aufsichtsrechtlichen Vorschriften sollte laut EWSA auf die Besonderheiten der Sparkassen und Kreditgenossenschaften durch die richtige Anwendung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit Rücksicht genommen werden. So sollten - durchaus auch als Kritik am Basler Ausschuss zu verstehen - die strengsten Anforderungen für global tätige Kreditinstitute, strenge für europaweit tätige und flexiblere für nationale und lokale Banken gelten. Es gehe nicht um willkürliche Privilegien, sondern um Anreize für jene Kreditinstitute, deren Geschäftsmodell sich in Bezug auf die finanzielle und wirtschaftliche Leistung, den Beitrag zur Realwirtschaft, das Risikomanagement und die Unternehmensführung positiv abhebt. Nur so könne die Finanzwirtschaft „das verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnen“. Dabei ist es die Absicht des EWSA, das einzigartige Unternehmensmodell

der Kreditgenossenschaften und Sparkassen mit seinen finanziellen, sozialen und regionalen Beiträgen aufzuwerten und die „Artenvielfalt“ des Finanzsystems und der Unternehmensformen zu erhalten. Im Text werden sie als „Finanzinstitute der Sozialwirtschaft“ bezeichnet, als ein „über Jahrhunderte aufgebautes wertvolles Gemeingut“. Gerade das Modell einer „sozial verantwortlichen Bank“ vermag laut dem Ausschussbericht einen wesentlichen Beitrag dafür zu leisten, dass sich in der EU die gewerbliche Wirtschaft erholt, das wirtschaftliche Gefüge vor Ort gestärkt wird und soziale Probleme bewältigt werden.

Würdigung genossenschaftlicher Grundsätze Speziell für die Kreditgenossenschaften gesprochen, nimmt der EWSA ausdrücklich Bezug auf die Erklärung der Vereinten Nationen 2012 - zum Internationalen Jahr der Genossenschaften - und anerkennt das Beziehungskapital, das auch aus der Solidarität zwischen den Kreditgenossenschaften entsteht. Jede einzelne ist Genossenschaft und zugleich Kreditinstitut. Als genossenschaftliche Grundsätze hebt der EWSA die demokratische Entscheidungsfindung und Mitwirkung ebenso wie die Tatsache hervor, dass ein erheblicher Teil der Gewinne den Rücklagen oder obligatorischen Sozialfonds zugeführt wird.

Der EWSA begrüßt, dass die Mitgliedschaft in institutsbezogenen Sicherungssystemen berücksichtigt wird, ohne sich jedoch gegen einen Fonds zur Finanzierung eventueller Bankenrettungsmaßnahmen auf europäischer Ebene auszusprechen. Auf EU-Ebene sollte auch kleineren Kreditgenossenschaften die Teilhabe an Finanzinstrumenten der europäischen Förderinstitute ermöglicht werden. Und sie sollten eine größere Rolle bei der Umsetzung der Initiative für soziales Unternehmertum spielen, empfiehlt der EWSA. Denn die Institute des sozialen Bankwesens förderten die finanzielle Teilhabe aller Bürger - bis hin zu finanzieller Bildung -, den regionalen Zusammenhalt, das Unternehmertum, die Realisierung von Projekten im Bereich Mikrofinanzierung und sozial verantwortliche Investitionen. Sie hätten sich dabei auch dem Wettbewerb mit Nichtbanken zu stellen, wie sie z.B. mit Crowdfunding-Plattformen bereitstünden, und könnten sinnvoll Kooperationen eingehen. Neue Finanzierungsinstrumente sollten auch innerhalb der Kreditinstitute konzipiert werden, um die derzeitige Unternehmensführung zu verbessern, wobei auch hier auf die Vielfalt der betroffenen Institute Rücksicht genommen und ihnen Stabilität verliehen werden soll – was im Verantwortungsbereich des jeweiligen Gesetzgebers liegt. 

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Genossenschaften mit sozialem Zweck - Teil 2 Im zweiten Teil seiner Serie geht Hans-H. Münkner auf eine Spurensuche durch Europa. Er berichtet über die Verbreitung von Sozialgenossenschaften in einzelnen europäischen Ländern und ihre rechtliche Regelung.

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elbsthilfegruppen zur Organisation der Kinder- und Altenbetreuung, der allgemeinen Gesundheitspflege, zur Hilfe für Flüchtlinge, Zuwanderer und Minderheiten oder zur Förderung gesunder Ernährung, von Wohnraum und Umweltschutz genießen in vielen Ländern Europas eine besondere rechtliche Stellung. Als Sozialgenossenschaften werden sie der Economie Sociale zugerechnet, einem dritten Sektor zwischen der privaten und der öffentlichen Wirtschaft. Im Spektrum des Gesellschaftsrechts sind Sozialgenossenschaften Zusammenschlüsse von Personen und Organisationen zwischen Genossenschaft, Verein und Non-Profit-Organisation, die aber trotz sozialer Zielsetzung wirtschaftlich tragfähig sein müssen.

Deutschland In Deutschland gibt es eine lange Tradition von öffentlich-rechtlichen 36

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Genossenschaften wie Deich-, Forst-, Jagd-, Wassernutzergenossenschaften, Wasser- und Bodenverbände mit Zwangsmitgliedschaft, die aber nach heutigem Genossenschaftsrecht nicht als Genossenschaften eingetragen werden könnten. Statistische Angaben über soziale Genossenschaften beruhen auf Schätzungen: 2010 gab es nach Angaben der Bank für Sozialwirtschaft etwa 100 Sozialgenossenschaften. Laut der DZ Bank wurden zwischen 2011 und 2012 61 neue Sozialgenossenschaften gegründet, deren Gesamtzahl Ende 2012 an die 160 betrug. Nach Schätzungen des ICF sind es 250 bis 300, meist sehr kleine Genossenschaften, die von sozialen Instituten und Wohnungsgenossenschaften gegründet wurden. Im ersten Halbjahr 2013 gab es 169 Neugründungen von Genossenschaften, gegenüber 173 Neugründungen im ersten Halbjahr 2012. Schwerpunkte waren erneuerbare Energien, Dienst-

leistungs- und Sozialgenossenschaften. Die eingetragene Genossenschaft erweist sich auch als geeignete Rechtsform für Netzwerke, in denen Ärzte und Angehörige anderer Heilberufe weiterhin selbstständig ihre Praxen leiten und in Teilberufsausübungsgemeinschaften Ausschnitte ihres Leistungsspektrums gemeinsam in der Genossenschaft erstellen. Bei Ärztegenossenschaften gibt es zurzeit keine Neugründungen, da eine gewisse Sättigung erreicht ist. Seit 2000 entstehen neue Genossenschaften mit neuen Aktivitäten und sozialen Dienstleistungen hauptsächlich im kommunalen Bereich. Diese Entwicklung wird durch die Genossenschaftsverbände unterstützt. In Deutschland gibt es zwar viel Sympathie für Genossenschaften, aber es werden relativ wenige neue Genossenschaften gegründet: 2006 gab es 85, 2007 140 und 2008 181 Neugründungen. Im Vergleich dazu werden allein im Bezirk Berlin-Charlottenburg mo-


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natlich fast 400 neue Gesellschaften mit beschränkter Haftung eingetragen. Die Genossenschaftsrechtsnovelle von 2006 hat zwar Erleichterungen für kleine Genossenschaften gebracht, aber durch die Anschlusspflicht an einen Genossenschaftsverband und Pflicht zu mindestens zweijähriger Prüfung bleiben die Hürden relativ hoch. 2014 setzte die EU Kommission eine Arbeitsgruppe zur Förderung des Potenzials von Genossenschaften zur Schaffung klugen Wachstums ein, mit dem Ziel der Verbreitung der Genossenschaftsidee und deren stärkerer Berücksichtigung in beruflicher und universitärer Ausbildung.

Frankreich In Frankreich wurden 2001 besondere Vorschriften für gemeinnützige Genossenschaften (SICS) als Ergänzung des Artikels 19 in das Allgemeine Genossenschaftsgesetz von 1947 eingeführt. Es gilt folgende Regelung: Sozialgenossenschaften sind Gesellschaften mit variablem Kapital nach Handelsrecht, aber mit besonderen Bestimmungen. Ihr Zweck ist die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen im allgemeinen Interesse, die sozialnützig sind. Nichtmitglieder können diese Güter und Dienstleistungen nutzen. Mitglieder können sein: Mitarbeiter, Nutzer und natürliche Personen, die sich freiwillig beteiligen, öffentliche Organisationen und Verbände sowie jede natürliche oder juristische Person, die zu den Tätigkeiten der Genossenschaft beiträgt. Mitglieder müssen mindestens drei dieser Kategorien angehören und in jedem Fall der Kategorie Arbeiter- und Nutzer-Mitglieder. Öffentliche Organisationen und ihre Verbände können insgesamt nicht mehr als 20 Prozent des Kapitals einer Sozialgenossenschaft halten. Die Verteilung

der jährlichen Überschüsse regelt die Satzung, aber mindestens 50 Prozent sind in die Reserven einzustellen. Nach Internet-Angaben des nationalen Verbandes der Produktivgenossenschaften CG SCOP gibt es aktuell in Frankreich 442 Sozialgenossenschaften.

Italien Nach Erlass des Gesetzes über Sozialgenossenschaften von 1991 ist die Zahl der Sozialgenossenschaften stark gestiegen. 1993 waren es 287, 1998 bereits 1.463, im Jahr 2005 waren es 7.363 mit 262.300 Mitgliedern, 245.000 Mitarbeitern und 35.000 Freiwilligen. In Südtirol gab es 2010 143 Sozialgenossenschaften, davon zwei Drittel im Sozial-, Gesundheits- und Erziehungsbereich. Der Rest entfiel auf Genossenschaften zur Eingliederung sozial Schwacher in den Arbeitsmarkt. In Italien hat die Förderung von Genossenschaften seit 1974 Verfassungsrang, nicht zuletzt wegen ihrer sozialen Aufgabe. Artikel 45 besagt: „Die Republik anerkennt die soziale Aufgabe des Genossenschaftswesens, sofern es nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit und ohne Zwecke der Privatspekulation aufgebaut ist. Das Gesetz fördert und begünstigt mit den geeigneten Mitteln seine Entfaltung und sichert durch eine zweckdienliche Aufsicht seine Eigenart und Zielsetzung.“ Sozialgenossenschaften werden seit 1991 in einem besonderen nationalen Gesetz geregelt: In diesem Gesetz heißt es, dass Sozialgenossenschaften nicht auf dem Zweck der gegenseitigen Hilfe aufbauen, sondern die allgemeinen Interessen der Gemeinde an menschlicher Entwicklung und sozialer Integration der Bürger verfolgen. Zugleich wird aber auch auf das Gelten der allgemeinen Regeln des Genossenschaftsrechts verwiesen, nach dem Genossenschaften als

mitgliederbezogene Organisationen definiert werden. In ihrem Firmennamen müssen sie als Genossenschaft auftreten. Die sozialen Genossenschaften bezwecken per Gesetz das allgemeine Interesse der Gemeinschaft an der Förderung des Menschen und an der sozialen Integration der Bürger durch: • Wahrnehmung von soziosanitären und erziehungsbezogenen Dienst leistungen, • Ausübung verschiedener Tätigkeiten im Landwirtschafts-, Industrie-, Handels- und Dienstleistungssektor, die auf die Arbeitseingliederung von benachteiligten Personen abzielen. Auf die sozialen Genossenschaften werden die Bestimmungen über den ihre Tätigkeit betreffenden Bereich angewandt, sofern diese Bestimmungen mit diesem Gesetz vereinbar sind. Die wie auch immer gebildete Gesellschaftsbezeichnung muss die Angabe „soziale Genossenschaft“ beinhalten. Außer den in den geltenden Gesetzesbestimmungen vorgesehenen Mitgliedern kann in den Satzungen der sozialen Genossenschaften die Mitwirkung von freiwilligen Mitgliedern, die ihre Arbeit ohne Entgelt leisten, vorgesehen werden. Sie werden in einem eigenen Teil des Mitgliederbuches eingetragen. Ihre Anzahl darf die Hälfte der Gesamtzahl der Mitglieder nicht überschreiten.

Portugal Genossenschaften für soziale Solidarität sind in der Gesetzesverordnung (legislative decree) Nummer 7/1998 geregelt: Genossenschaften für soziale Solidarität sind solche, die mittels Zusammenarbeit und Selbsthilfe ihrer Mitglieder nach den Genossenschaftsprinzipien und ohne Gewinnstreben für die Befriecooperativ 3/15

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digung allgemeiner sozialer Bedürfnisse arbeiten und für die Förderung und Eingliederung hauptsächlich in folgenden Bereichen: • Hilfe für benachteiligte Gruppen, insbesondere Jugendliche, Behinder te und Alte • Hilfe für benachteiligte Familien und Gemeinden, mit dem Ziel deren Lebensverhältnisse und deren sozio ökonomische Integration zu ver bessern • Hilfe für portugiesische Bürger, die außerhalb Portugals leben, während ihres Aufenthalts im Ausland und nach ihrer Rückkehr nach Portugal, wenn sie wirtschaftliche Schwierig keiten haben • Hilfe für Personengruppen mit Pro blemen wie Krankheit, Alter oder wirtschaftlicher Notlage

• Förderung der Integration von sozial ausgegrenzten Personen durch Ange bot des Zugangs zu Ausbildung Darüber hinaus können Genossenschaften für soziale Solidarität andere Tätigkeiten ähnlicher Art ausüben und im Rahmen der im Genossenschaftsgesetz definierten Grenzen Nichtmitgliedergeschäfte betreiben. Effektive Mitglieder sind Nutzer der genossenschaftlichen Dienstleistungen für sich selbst, für ihre Familien oder für ehrenamtliche Mitarbeiter der Genossenschaft. Ehrenamtliche Mitglieder sind solche Personen, die Güter, Dienstleistungen und freiwillige Arbeit beitragen. Sie werden auf Vorschlag des Vorstands von der Mitgliederversammlung zugelassen und haben die gleichen Rechte auf Information wie effektive Mitglieder.

Literatur zum Thema Borzaga, Carlos/Spear (2004): Trends and Challenges for Co-operatives and Social Enterprises in developed and transition countries, Trient EU-Kommission (2013): Social economy and social entrepreneurship – Social Europe Guide, Volume 4, Luxemburg International Consulting Inc. (ICF) (2014): A Map of Social Enterprise and their eco-systems in Europe, Country Report Germany, Birkhölzer et al.: Mapping Social Enterprise Activity in Germany, Fairfax, (USA), London Klemisch, Herbert; Vogt, Walter (2012): WISO Diskurs, Expertisen und Dokumentation zur Wirtschafts- und Sozialpolitik, Arbeitskreis Mittelstand, Genossenschaften und ihre Potenziale für eine sozial gerechte und nachhaltige Wirtschaftsweise, Friedrich Ebert Stiftung, November 2012, Bonn Paulick, Heinz (1956): Das Recht der eingetragenen Genossenschaft, Quellen und Studien des Instituts für Genossenschaftswesen an der Universität Münster, Band IX, Karlsruhe Philipps, Robert (2014): Möglichkeiten und Grenzen zur Stärkung von Genossenschaften, in: Mölls, Sascha H./Münkner, Hans-H (2014): Blueprint des IGB für eine Dekade der Genossenschaften in kritischer Betrachtung, Marburger Schriften zur genossenschaftlichen Kooperation 115, Baden-Baden SPD (2009): Erleichterungen für Genossenschaftsgründer – neue Wege zu mehr Genossenschaften, Dokumente, Veröffentlichung der SPD Bundestagsfraktion Nr. 11/09, Fachtagung der Arbeitsgruppe Recht am 25. März 2009 in Berlin Stappel, Michael (2013/2014): Die deutschen Genossenschaften 2013, Entwicklungen – Meinungen – Zahlen, Wiesbaden

Neben dem Vorstand kann die Satzung einen allgemeinen Rat vorsehen, an dem alle ehrenamtlichen Mitglieder und die Amtsträger der Genossenschaft teilnehmen. Der allgemeine Rat hat das Recht, Anträge in die Generalversammlung einzubringen und an Sitzungen des Aufsichtsrates teilzunehmen. Das Gesetz sieht vor, alle Überschüsse in die Reserven einzustellen. Wenn auf Genossenschaften in Abwicklung nicht eine andere Genossenschaft für soziale Solidarität folgt, wird der Liquidationserlös an eine andere Genossenschaft für soziale Solidarität übertragen, vorzugsweise in der gleichen Gemeinde, wie es der Verband beschließt.

Spanien In Spanien regelt das Genossenschaftsgesetz von 1999 in Artikel 106 Genossenschaften für soziale Initiative: „Genossenschaften für soziale Initiative sind Genossenschaften ohne Gewinnstreben, die unabhängig von der Kategorie, der sie angehören, den Zweck verfolgen, gemeinnützige Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Ausbildung, kultureller oder sonstiger Tätigkeiten sozialer Art zu erbringen.“ Für die Eingliederung sozial ausgegrenzter Personen in den Arbeitsmarkt gibt es Sonderbestimmungen. Öffentliche Körperschaften und Organisationen können sich als Mitglieder in der Weise beteiligen, wie es die Satzung der jeweiligen Genossenschaft vorsieht. Die rechtlichen Regeln für die Kategorie von Genossenschaften, zu der die Genossenschaft gehört, finden Anwendung. Genossenschaften jeder Kategorie, die den Anforderungen von Absatz 1 dieses Artikels entsprechen, führen die Bezeichnung „soziale Initiative“ in ihrem Firmennamen. 

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Kultur

Die Stadt Shaxi an der alten Tee- und Pferdestraße

Das andere China Millionenstädte, hoch in den Himmel ragende Wolkenkratzer, verschmutzte Luft – das ist das traditionelle Bild von China. Szenenwechsel: alte Dörfer, Reisfelder, bunt gekleidete Menschen. Unser Ziel ist das „andere China“. Text: Anton Schmoll Fotos: Hans Gumpinger, Anton Schmoll

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bseits der gängigen Reiserouten, fernab von den touristischen Trampelpfaden stoßen wir im Südwesten Chinas auf grandiose Landschaften und faszinierende Kulturen. In diesem Teil des riesigen Landes lebt ein Großteil der über 50 ethnischen Gruppen, die noch nicht allzu viel von ihrer Ursprünglichkeit verloren haben.

Auf der alten Tee- und Pferdestraße unterwegs Auf den Spuren der alten Karawanen reisen wir auf einem Teil der legendären Tee- und Pferdestraße. In alten Zeiten war das ein ausgedehntes Wegenetz, das die bedeutenden Teean-

baugebiete in Yunnan mit dem tibetischen Hochland verband. Einst wurden auf dieser wichtigen Handelsroute Tee, Salz und Zucker nach Tibet transportiert und im Gegenzug tibetische Pferde nach China gebracht. In einigen Orten ist die Aura der damaligen Zeit auch heute noch spürbar. Ein Beispiel dafür ist die ehemalige Königsstadt Dali am Ufer des Erhai-Sees, die 1383 während der Ming-Dynastie gegründet wurde. Die Stadt war einst ein kommunikativer Knotenpunkt mit hoher Bevölkerungsdichte. Viele Handelskarawanen kehrten hier ein, das Geschäft blühte, und es herrschte stets buntes Treiben. Die Märkte luden zum Kauf und zum Austausch von Nach-

richten ein. Heute ist Dali das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der autonomen Region der Bai. Die Gegend um den Erhai-See ist berühmt für die Kormoranfischerei, den traditionellen Fang von Fischen mit Hilfe von zahmen Kormoranen. Die Vögel tauchen nach den Fischen, was ihrer normalen Lebensweise entspricht. Durch Ringe oder Schnüre am Hals kurz über dem Rumpf werden sie am Verschlucken größerer Beute gehindert, die sie dann ihrem Besitzer überlassen müssen. Auf den Spuren der alten Handelsstraßen geht es weiter nach Shaxi am Fuße des Himalayas. Die Stadt hat uns durch das Flair und die alte chinesicooperativ 3/15

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Kultur

Beim Drachenbootrennen der Miao

Freundlicher Empfang beim Volk den Bai

sche Architektur besonders fasziniert. Die kopfsteingepflasterten Karawanenstraßen, die alten Residenzen aus Holz und Stein sowie der prächtige Tempel sind heute noch stumme Zeugen dieser einst florierenden Handelsstadt. Die Geschäfte fanden um den rechteckigen Marktplatz Sideng statt, der heute der einzige vollständig erhaltene historische Marktplatz entlang der Tee- und Pferdestraße ist. Rund 130 Kilometer von Dali entfernt befindet sich die auf 2.600 Metern gelegene Kleinstadt Lijiang, deren Altstadt seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Lijiang ist besonders für die ethnische Minderheit der Naxi und ihre Schrift bekannt. Letztere besteht aus Piktogrammen und wird daher auch zu den Hieroglyphen-Schriften gezählt. Sie ist die einzige Hieroglyphen-Schrift auf der Welt, die noch heute verwendet wird. Ein ganz besonderes Erlebnis war ein Konzert des berühmten Naxi-Musikorchesters. Die Musiker spielen heute noch auf alten chinesischen Instrumenten wie einst auf dem Kaiserhof. In der Zeit der Kulturrevolution war diese Musik verboten. Die Instrumente konn40

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ten nur gerettet werden, weil sie heimlich vergraben wurden. Für sehr große Überraschung sorgte bei uns die Zugabe beim Konzert: Wiener Walzer. Und das, obwohl niemand wusste, dass Gäste aus Wien da waren. Umso erstaunter war der Dirigent, als wir ihm nach dem Konzert mitteilten, woher wir kamen. Es war ein emotional berührendes Gespräch mit dem weit über 80 Jahre alten Mann, der uns von seinem harten Leben erzählte und berichtete, dass er als Kulturinteressierter 21 Jahre lang im Gefängnis saß.

Die Reisterrassen von Longsheng So wie in vielen asiatischen Ländern bildet auch in China der Reis seit Jahrtausenden die Lebensgrundlage der Menschen. Vorherrschend ist vor allem die Form des Nassreisanbaus. Der ist zwar sehr arbeitsintensiv und mühsam, ermöglicht aber höhere Erträge. Um den Boden optimal auszunützen, befinden sich die Felder nicht nur am flachen Land, sondern auch auf den Bergen. Ungefähr 115 Kilometer nordöstlich von Guilin besuchen wir die berühmten Reisterrassen von Longsheng, die in

Tonbildschau über Südchina Dienstag, 6. Oktober 2015 Beginn: 19 Uhr Gewerbehaus Rudolf-Sallinger-Platz 1 1030 Wien Anmeldung: anton.schmoll@aon.at


Schutz für Reisende und beliebter Treff: Die Wind- und Regenbrücken von Sanjiang

Tanz zu den Klängen des Naxi-Musikorchesters

jahrhundertelanger Arbeit angelegt und von der UNSECO in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen wurden. Auf gut ausgebauten Steinpfaden wandern wir zu den kleinen Dörfern der Bauern, die zur ethnischen Minderheit des Zhuang-Volkes gehören. Die Reisterrassen von Longsheng wurden über einen Zeitraum von rund 700 Jahren gebaut, und die Bewässerung der Felder funktioniert noch genauso wie vor tausend Jahren. Quellwasser wird durch ein ausgeklügeltes System von Bambusrohren, Kanälen und kleinen Gräben von den obersten Feldstufen bis hinunter auf die tiefer gelegenen Terrassen geleitet. Teilweise geht es ziemlich steil bergauf. Die höchsten Reisterrassen weisen fast 900 Meter Höhenunterschied auf. Doch die Strapazen halten sich in Grenzen, weil uns das Gepäck teilweise abgenommen wird. Vor allem Frauen mit ihren aus Weide geflochtenen Körben cooperativ 3/15

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Kultur

Tanz zu den Klängen des Naxi-Musikorchesters

UNESCO-Weltkulturerbe: Die Reisterrassen von Longsheng

haben hier als Gepäckträger eine lukrative Einnahmequelle gefunden. So erreichen wir eine der höchstgelegenen Reisterrassen der Welt, die uns einen atemberaubenden Rundblick bietet. Wir übernachten in einem der alten Häuser des Dorfes. Am nächsten Morgen bekommen wir noch eine Vorführung der „Frauen mit den langen Haaren“: Bei besonderen Festen wird das seit Generationen vererbte Haupthaar der Ahnen in das Haar der jungen Mädchen hineinverflochten, das nun einen bis zu zwei Meter langen Zopf ergibt.

Über die Wind- und Regenbrücken Über sehr holprige Straßen und vorbei an vielen Großbaustellen geht es weiter nach Sanjiang. Hier lebt die Minderheit der Dong. Eine der kulturellen Besonderheiten dieser Volksgruppe sind die sogenannten Wind- und Regenbrü42

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cken, die den Reisenden sicher und vor Wind und Regen geschützt von einem Ufer des Flusses zum anderen bringen. Jedes Dorf hat hier so eine Brücke, die gänzlich ohne Metall gebaut wurde. Besonders imposant ist die Brücke von Chengyang. Sie wurde 1916 fertiggestellt, für den Bau sollen die Dorfbewohner fast zehn Jahre benötigt haben. Insgesamt misst sie 76 Meter in der Länge und weist fünf aufwendig gestaltete Pavillons mit je vier Dachebenen auf. Diese Wind- und Regenbrücken sind ein beliebter Treffpunkt der Männer, um nach der Arbeit Karten zu spielen und zu plaudern. In der heißen und schwülen Jahreszeit verschafft das darunter fließende Wasser angenehme Kühle, und die Bänke auf den Brücken werden dann gerne als Schlafplatz zum Entspannen benützt.

Kormoranfischer auf dem Erhai-See


Kultur

Eine weiteres Wahrzeichen der Dong-Siedlungen sind die Trommeltürme. Sie sind achteckig und haben fünf bis elf Stockwerke. Früher dienten sie als Wachtürme. Durch das Schlagen der Trommeln wurden die Bewohner vor drohenden Gefahren gewarnt. Heute sind diese Türme, die je nach Größe zwischen 100 bis 200 Menschen Platz bieten, ein zentraler Ort für Versamm-

lungen und Veranstaltungen. In einem kleineren Dorf können wir eine ganz besondere Verwendung dieser historischen Einrichtungen beobachten: Die Söhne, die weit weg in den Großstädten arbeiten, haben für ihre alten Eltern einen Fernsehapparat gekauft und unter dem Trommelturm aufgestellt. Aufmerksam und gespannt verfolgen nun die betagten Menschen die Geschehnisse auf dem Bildschirm. Quasi „ein Altersheim im Freien“. Und die Bewohner vom Nachbardorf müssen um Erlaubnis fragen, wenn sie sich etwas ansehen wollen. Auch Bernhard Brenner, der Initiator und Organisator dieser speziellen Fotoreise, hat für die Älteren des Dorfes eine Überraschung parat: Er war vor zwölf Jahren sehr lange alleine in diesem Gebiet unterwegs und hat etliche Freundschaften geschlossen. Jetzt hat er einen Stapel Fotos von dieser Reise mitgebracht. Freude und Lachen lösen jene Bilder aus, auf denen sich die alten Menschen wiedererkennen.

Beim Drachenbootrennen der Miao Mit fast sechs Millionen Menschen sind die Miao die fünftgrößte Minderheit in China. Nach ihren Vorstellungen ist die Welt von Naturgeistern beseelt, die das Schicksal des Einzelnen wie das der Gemeinschaft bestimmen. Daher hat der Naturschutz im Gegensatz zum übrigen China bei ihnen einen großen Stellenwert. Nach dem Tod gibt es keine Höhlengräber. Bei der Geburt und beim Tod eines Menschen pflanzen sie Bäume und begraben dort die Toten, ihre Ahnen leben weiter. Wasserbüffel spielen in diesen Regionen eine große Rolle. Und wir freuen uns, wenn wir so einen „BMW“ sehen – einen Bauer mit Wasserbüffel, der wie eh und je mit dem Pflug seine Reisfelder bearbeitet. Früher hatte jedes Dorf einen eigenen Festtagsbüffel für das alljährliche Neujahrsturnier. Der Bulle stand in einem prächtigen Stall und wurde von eigenen Dienern bewacht, die ihn auch fütterten. Bei festlichen Anlässen tragen die Frauen einen gewaltigen Kopfschmuck aus Silber, der Hörner zeigt, die denen eines Wasserbüffels ähneln. Ihre Kostüme sind mit reichen, aus Silber gefertigten Verzierungen geschmückt und wiegen bis zu 22 Kilo. Im Dorf Shidong in der Nähe der Stadt Huangping erwartet uns ein ganz besonderes Erlebnis: das Drachenbootrennen der Miao. Aus allen Dörfern der Umgebung sind die Menschen hierher geströmt, alle feiern in ihrer traditionellen Kleidung - ein Eldorado für Fotografen. Es gibt fast nirgends ein Problem, die Menschen zu fotografieren. Bereitwillig posieren die Schönheiten für uns Fotografen. Und als Danke wollen sie Fotos mit uns machen. Durch die Größenunterschiede entstehen lustige Bilder, denn die zierlichen Mädchen gehen den größten von uns nicht einmal bis zur Schulter.

Wir sehen unzählige Menschen, die mit Gänsen in der Hand unterwegs sind. Gänse sind ein Symbol für lange Freiheit, da sie früher keine Haustiere waren. Sie gelten als Herrscher über Wasser, Land und Luft und werden den Bootsmannschaften als Geschenk überreicht, da sie ihnen Glück bringen sollen. Immer wenn eine Gans gespendet wird, geht ein Feuerwerk mit lauten Knallkörpern und viel Rauch los. Mit dem Kopf nach unten hängen dann die armen Geschöpfe vorne an den langen, offenen Ruderbooten, die Drachenboote genannt werden. Denn durch die Art der Bemalung und der Schnitzarbeiten sowie einen dekorativen Drachenkopf und -schwanz stellen sie einen stilisierten Drachen dar. Elf Boote aus verschiedenen Dörfern sind heute am Rennen beteilig, jeweils zwei treten gegeneinander an. Bis zu 70 Ruderer stehen auf diesen Booten, ein Trommler gibt den Rhythmus vor. Es herrscht fröhliche und ausgelassene Jahrmarktstimmung. Berührungsängste oder Platzangst darf man bei so einem Trubel aber nicht haben. Aber auch das gehört zum „anderen China“ dazu. 

Über die Autoren: Dr. med.univ. Hans Gumpinger, einst Gemeindearzt in Ernstbrunn, ist Obmann des FotoClubs Ernstbrunn. Prof. Dr. Anton Schmoll ist Lektor an der Fachhochschule für Bank- und Finanzwirtschaft sowie Fachbuchautor.

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Kultur

Haben Sie das „Bummerl“, Herr Chmela?

Die AKM sorgt dafür, dass Autoren, Komponisten und Musikverleger den verdienten Lohn bekommen, wenn ihre Songs gespielt werden. Im Vorstand dieser Genossenschaft sitzt eine echte Kultfigur: Horst Chmela, der Erfinder des „Bummerl“, des „Gockala“ und anderer Ohrwürmer. Wir haben ihn und seinen Sohn, ebenfalls Musiker und in der AKM tätig, zum Gespräch in Chmelas Residenz, einem Reihenhaus in Wien-Floridsdorf, getroffen. Text: Günther Griessmair Fotos: Wolfgang Schmidt

„cooperativ“: Horst, wir sitzen hier zusammen mit deinem Sohn Horst Chmela junior, der auch Musiker ist. Kann man sagen, du bist die Wienerlied-Kultfigur, während der Sohnemann der Rocker ist? Horst Chmela: Ja, das stimmt schon. Aber das Wort „Wienerlied“ schreibe ich immer mit Bindestrich, denn meine Lieder sind nur deshalb „Wiener-Lieder“, weil ich aus dieser Stadt komme. Aber ich bin kein Heurigen-Fuzzi. Auch ich habe mit Blues und Rock ‘n‘ Roll in Jugendclubs begonnen. Und: Meine größten Erfolge habe ich in den Bundesländern und im Ausland gefeiert. Vom 44

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„Bummerl“ gibt es rund 200 Versionen. Da bin ich stolz darauf. Inwiefern siehst du dich eigentlich als echten Wiener? Du bist ja im urigen Ottakring aufgewachsen und hast die meiste Zeit deines Lebens in dieser Stadt verbracht. Horst Chmela: Stimmt schon. Bis auf meine Zeit mit den Sunset-Four, da bin ich zehn Jahre herumgetingelt, auch in den USA. Dann war es aus, und ich habe gesagt: „Ana hat imma des Bummerl“. Letztes Jahr hast du den 75. Geburtstag und das 50-jährige Bühnenjubiläum gefei-

ert. Aus diesem Anlass ist ein Best-of-Album erschienen mit dem Titel „Vom Gassenbua zur Kultfigur“. Wie viel Gassenbua steckt noch in dir? Horst Chmela: Ich bin eigentlich ein kompletter Gassenbua geblieben - wie in Amerika die echten Rock ‘n‘ Roller. Eigentlich bin ich ja immer noch ein bluesiger Rock-‘n‘-Roll-Musiker, halt auf die österreichische Art. Aber das wissen nur meine engsten Freunde. Du hast unlängst in einem Interview ein neues Album angekündigt und auch, dass es das letzte sein könnte.


Kultur

Horst Chmela: Ja, es soll ein neues Album kommen, aber es ist schwer. Die großen Produzenten wollen nichts Österreichisches mehr auf den Markt bringen. Horst Chmela junior (unterbricht): Es soll aber nicht das letzte sein, obwohl man das natürlich nie so genau weiß. Horst Chmela: Es schwingt schon immer die Idee mit, dass es das letzte Album sein könnte. Ich bin da ein gläubiger Mensch. Ich glaube, dass da etwas ist, was über den Menschen steht. Aber solange es geht, schreibe ich Lieder. Musik ist für mich auch Therapie. Ich habe noch die Kraft und die Liebe zur Musik, also mache ich das. Am 30. Oktober gibt es eine große Show in der Simm City in Simmering. Mein Sohn und ich machen dabei alles selbst. Da gibt es auch neue Lieder zu hören. Ich kann euch nachher was vorspielen.

Horst Chmela mit Sohn - ein durch und durch musikalisches Gespann

Sehr gerne! Aber uns interessiert auch die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn. Kommt es da manchmal zu Reibereien? Horst Chmela junior: Natürlich, es gibt den klassischen Vater-Sohn-Konflikt! Das ist aber nicht nur bei uns so. Wir streiten eben viel über die Ausgestaltung der Musik. Den berühmten „Gockala“ gibt’s auch im Chmela-Haus

Horst Chmela: Horsti, ich bin ja nicht nur dein Vater, sondern auch der „Vater meiner Lieder“. Horst junior, du hast ja auch eine Solokarriere unter dem Künstlernamen „Der Horst“ gestartet. Wie ist es, in so große Fußstapfen zu treten? Nervt die ständige Frage nach dem „Bummerl“? Horst Chmela junior: Der „Horst“ kam zustande, weil ich einfach nicht mehr der Chmela junior sein wollte. Ich wollte damit plakativ zeigen, dass es zwei verschiedene Personen gibt. Dem „Horst“ ging ein langer Nachdenk- und Selbstfindungsprozess voraus. Trotzdem liebe ich natürlich meinen Vater und seine Musik.

Raum für Kreativität: Hier komponiert Horst Chmela seine Songs cooperativ 3/15

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Kultur

Ist es ein Vor- oder ein Nachteil, einen so prominenten Vater zu haben? Horst Chmela junior: Ich habe den besten Vater der Welt. Und er hat mir beim Einschlafen nie falsch ins Ohr gesungen. Alles andere soll das Publikum selbst beurteilen. 2009 gab es von dir ein Album mit dem Titel „Reduziert“, 2011 die Single „Black Hair“. Seitdem hat man nichts mehr von dir gehört. Warum diese lange Pause? Horst Chmela junior: Ich suche derzeit nach neuen Inspirationen. Ich bin keiner, der sich einfach auf aktuelle Themen draufsetzt. Ich schreibe eben, wonach mir ist. Kommen wir zum Thema AKM: Da seid ihr beide tätig. Horst junior ist Delegierter der Tantiemenbezugsberechtigten, du bist im Vorstand. Wie lange eigentlich schon? Und warum? Horst Chmela: Ich mache das schon seit 30 Jahren. Ich verstehe mich aber nicht als Büromensch, sondern als gewählter Vertreter der Urheber. Ich wache über ihre Rechte und versuche, diese Rechte die Lebensbasis der Künstler - zu mehren. Das ist mein Auftrag, und da gibt es viel zu tun. Im ORF etwa macht der Anteil an deutschsprachiger Musik nur 13 bis 15 Prozent aus. Und auch davon ist nur ein Teil österreichische Musik. Da schauen unsere Mitglieder durch die Finger. Das macht mich traurig. Und wenn ich traurig bin, werde ich böse. Du selbst bist ja auch eher selten im ORF zu sehen und zu hören. Horst Chmela: Stimmt. In 45 Jahren war ich nur achtmal im österreichischen Fernsehen. Aber zugleich hatte ich 25 Auftritte in deutschen Sendern. Obwohl ich zu den am meisten live gespielten und gecoverten Künstlern gehöre, hatte ich so wenig ORF-Präsenz. Die Musik hat sich aber trotzdem durchgesetzt. 46

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Horst Chmela junior: „Ich schreibe, wonach mir ist“

Und ich habe noch immer meine Fans, denen ich sehr dankbar bin. Was ist der Grund, dass es so wenig österreichische Musik zu hören gibt? Horst Chmela: Es fehlt die Austro-Lobby. Frag mich nicht, wer das sein soll. Horst Chmela junior: Musik ist auch nur eine Industrie. Es gibt einige wenige, die das Sagen haben, was gespielt wird und was nicht. Mit dem „Bummerl“ hast du trotzdem einen Welthit gelandet, der millionenfach gespielt wurde und wird. Wie viel bekommst du eigentlich pro Jahr noch an Tantiemen für diesen Song?

Horst Chmela junior: Gut so. Alles, was die Tonbandkassette ersetzt, soll auch genauso behandelt werden, wenn Musik drauf ist. Horst Chmela: Es ist immerhin ein erster Schritt. Denn in der Politik ist es schwer, für die Urheber zu lobbyieren. Dabei ist das Urheberrecht nichts anderes als das Patentrecht. Die AKM ist nicht gut angesehen. Wir gelten als Abzocker. Aber wir vertreten nur, was den Urhebern zusteht, wenn ihre Lieder gespielt werden. Und: Viele Veranstalter melden Aufführungen nicht an. Auch meine Lieder werden da oft gespielt. Das Dumme daran ist: Mir und auch anderen Urhebern entgehen so Tausende Euro.

Horst Chmela junior: Vorsicht, die Steuer hört mit! (lacht)

Sind die Menschen überhaupt noch bereit, für Musik zu bezahlen? Ist Musik nichts mehr wert?

Horst Chmela: Ein VW Golf geht sich damit schon aus.

Horst Chmela junior: Richtig, es ist wohl so.

Aktuell ein brandheißes Thema bei der AKM ist die Festplattenabgabe, die in diesen Tagen in Kraft tritt und die Leerkassettenvergütung ersetzt. Kritiker sprechen von einer Volkssteuer, die Computer und Handys verteuern wird. Wie zufrieden seid ihr mit der Regelung?

Horst Chmela: Musik ist deshalb nichts mehr wert, weil auf Google, Facebook und Co die Songs gratis verbreitet werden. Geben Sie einmal meinen Namen auf Facebook ein! Und ich bin nur der kleine Horst Chmela. Wir brauchen also mehr Schutz. Denn wir sollten ein bis-


Kultur

Über Horst Chmela: Horst Chmela wurde am 29. Oktober 1939 in Wien-Ottakring geboren. Er wuchs zu fünft in einer 24-Quadratmeter-Wohnung auf. Wie sein Vater und sein Bruder lernte er nach der Schule den Beruf des Schuhmachers und schloss 1962 seine Ausbildung mit der Meisterprüfung ab, wodurch er einer der jüngsten Schuhmachermeister in Wien war. Fasziniert vom Rock ’n’ Roll der 1950er- und 1960er-Jahre war er neben seinem Beruf als Bandleader der Gruppe The Sunset-Four tätig. Mit der Combo sammelte er auch in den USA Erfahrungen. 1969 löste sich die Gruppe auf. Seinen ersten ganz großen Erfolg feierte Horst Chmela 1971 mit „Ana hat imma des Bummerl“. 2,4 Millionen Platten mit dem „Bummerl“ gingen seither über den Ladentisch. Es folgten weitere Hits wie der „Depperte Bua“ oder „Her mit meine Henna (...der Gockala is‘ do)“. Chmela lebt in Wien, tritt regelmäßig als Sänger auf und sitzt im Vorstand der AKM. Er ist seit 1965 verheiratet und hat zwei Kinder. Sein Sohn Horst Chmela junior ist ebenfalls als Musiker tätig.

Über die AKM: Die AKM - die Abkürzung steht für „Autoren, Komponisten und Musikverleger“ - ist die größte Urheberrechtsgesellschaft in Österreich. Sie ist als Genossenschaft organisiert und gehört somit den Künstlern. Laut Urheberrecht gebührt Komponisten und Textern eine faire Bezahlung, wenn ihre Musik etwa im Radio oder bei öffentlichen Veranstaltungen gespielt wird. Die AKM hebt diese Tantiemen treuhändig ein und gibt sie an Komponisten, Songtexter und Verleger weiter. Sie vertritt in Österreich die Urheberrechte von rund 21.000 Mitgliedern sowie – über Gegenseitigkeitsverträge mit ausländischen Schwestergesellschaften – von über zwei Millionen Rechteinhabern aus aller Welt.

Webtipps: www.chmela.at - Horst Chmelas offizielle Website www.derhorst.com - Horst Chmela junior als „Der Horst“ www.akm.at - die Website der AKM-Genossenschaft

serl was kriegen für unser Musikschaffen, das wir auch brav in Österreich versteuern. Wie wichtig ist es in diesem Zusammenhang, dass die AKM eine Genossenschaft ist? Horst Chmela: Sehr wichtig. Das ist der einzige Weg, um eine faire Basis für die Urheber zu bekommen. Die Genossenschaft ist für die Mitglieder einfach optimal, auch von der gesetzlichen Seite her. Sie sind im Plenum stimmberechtigt, wählen Vorstand und Aufsichtsrat. Was halten Sie eigentlich vom neuen Trend des Crowdfunding in der Musik? Horst Chmela und Junior unisono: Das kannten wir bisher nicht. Es klingt aber sehr interessant. Denn es ist ein direkter Weg vom Künstler zu den Menschen, die selbst entscheiden, was ihnen gefällt. Damit tun sich sicher neue Chancen auf. 

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Kultur

Klimt, der Genossenschafter Mehr als sechs Jahre lang, zwischen 1891 und 1897, war Gustav Klimt Mitglied der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens. Ein Blick zurück in die Geschichte. Text: Daniela-Monica Essler Fotos: Künstlerhaus Archiv

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m Boom der Gründerzeit entstand 1861 - als Gustav Klimt noch gar nicht geboren war - die Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens. Sie wurde rasch zur größten und angesehensten Künstlervereinigung Österreichs. In den Statuten hieß es: „Im allgemeinen haben alle Mitglieder gleiche Rechte und Verbindlichkeiten, gleichen Antheil an dem Vereinsvermögen, Zutritt zu allen Versammlungen, das Recht in denselben Anträge zu stellen, das gleiche Wahl- und Stimmrecht.“ Mit der Genossenschaft wählte man eine Form des Zusammenschlusses, die neben dem Förderprinzip der Mitglieder Grundsätze wie Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung betonte. Das Recht auf Aufnahme als ordentliche Mitglieder hatten nur Künstler, die sich durch die bildende Kunst „ernährten“, also vom Verkauf ihrer Werke lebten. Rasch betrug die Zahl der Mitglieder über 200.

Künstlerhaus als Verwirklichung eines Traums Die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien befand sich damals im Aufbruch, 1858 hatte der Abriss der Stadtmauern um die Altstadt begonnen, überall herrschte rege Bautätigkeit. Auch die bildenden Künstler schritten zur Ver48

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Kultur Das Künstlerhaus um 1883

wirklichung ihres Traums: der Errichtung eines eigenen Ausstellungs- und Versammlungshauses. 1868 schließlich wurde das Wiener Künstlerhaus am Karlsplatz als Gesellschafts- und Ausstellungszentrum der Genossenschaft errichtet. Der historische Bau aus der Ringstraßenzeit ist das älteste Ausstellungsund Vereinsgebäude bildender Künstler im gesamten deutschsprachigen Raum und einer der traditionsreichsten Ausstellungsorte Wiens. Kaiser Franz Josef selbst kam im September 1868 aus Ischl zur Schlusssteinlegung des neuen Hauses.

Mitgliedschaft war Schlüssel zu Anerkennung Von Anfang an sollte die Genossenschaft durch gesellige Aktivitäten gestärkt werden. Deshalb verfügte das Künstlerhaus neben Ausstellungsräumen über eine Reihe von Gesellschaftsräumen - Casino, Bibliothek, Lesezimmer -, die von den Mitgliedern und deren Freunden genutzt werden konnten. Gesellige und ökonomische Aspekte waren dabei auf das Engste verwoben: Nicht Mitglied der Vereinigung zu sein, hatte wirtschaftliche Nachteile, da man nicht nur von gesellschaftlicher Anerkennung, sondern auch von einer Reihe

staatlicher Vorhaben ausgeschlossen war. Neben Malern und Bildhauern war ein Großteil der Erbauer der neuen Wiener Ringstraße und deren Monumentalbauten Mitglied der Genossenschaft: Theophil Hansen, Planer und Erbauer des Parlaments, der Akademie der bildenden Künste, der Börse und des Musikvereinsgebäudes; Gottfried Semper und Karl Hasenauer, die das Burgtheater, das Natur- und das Kunsthistorische Museum erbauten; Heinrich Ritter von Ferstel, der Architekt der Votivkirche und des Universitätsgebäudes; Friedrich Schmidt, Erbauer des Wiener Rathauses oder August Siccard von Siccardsburg, der Erbauer der Staatsoper und zugleich auch der erste Präsident der Genossenschaft.

Abtrünnige gründeten Secession Gustav Klimt, seit den 1880ern in einer Ateliergemeinschaft unter dem Namen Künstler-Compagnie aktiv, wurde 1891 Mitglied der Genossenschaft. 1892

Klimts Beitrittserklärung zur Genossenschaft

starben sein Vater und sein jüngerer Bruder Ernst. 1897 schließlich gründete er zusammen mit anderen Künstlern die Wiener Secession, deren erster Präsident er war, und trat aus der Genossenschaft aus. Die Hauptforderung der neuen Vereinigung: Freiheit für Kunst und Künstler von der staatlichen Einmischung. Für das Secessionsgebäude entwarf Klimt die Metalltüren. So wie Klimts Schaffen - er starb 1918 - überdauerte auch seine „alte Heimat“ im Künstlerhaus die Wirren der Zeit. Die Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, so heißt die Vereinigung heute offiziell, ist die älteste noch bestehende Künstlerorganisation dieser Art in Österreich. 

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Sport

Im V-Stil zum Erfolg

Beide stehen vor großen Herausforderungen, beide sind auf den Erfolg fokussiert: Die Volksbanken und die ÖSV-„Adler“ springen in ihre bereits achte gemeinsame Saison. Ein Blick hinter die Kulissen der starken Partnerschaft. Text: Günther Griessmair Fotos: GEPA, Mirja Geh

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ie „Superadler“ haben sich mit ihrem Bus im Wald verfahren. Sie beratschlagen, in welche Richtung es nun zur Sprungschanze gehen könnte. Irgendwann kommt ein Wanderer, der ihnen den richtigen Weg weist. Gleichzeitig klärt er auch noch über die Windbedingungen an der Schanze auf. Die kennt er, weil er das Klopfen eines Spechts richtig deutet. „Regionales Wissen macht sich bezahlt“, meint eine Stimme aus dem Off. Szenen wie diese flimmern auch heuer wieder über die heimischen TV-Schirme.

Seit 2008 starke Partner Schon seit 2008 stehen die Volksbanken als starker Sponsor an der Seite der ÖSV-Skispringer. „Das wird der gesamten Sportart helfen, populärer zu werden“, sagte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel damals beim Kickoff-Event. Er sollte recht behalten: Die „Adler“ sprangen von einem Erfolg zum 50

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nächsten. „Volksbank. Mit V wie Flügel“, lautete der eingängige Slogan dazu. Jetzt steht das Skispringer-Team um Gregor Schlierenzauer, Stefan Kraft, Michael Hayböck, Thomas Diethart & Co wieder vor einer herausfordernden Saison. Der Weltcup startet am 22. November im deutschen Klingenthal. Die Höhepunkte sind dann die Vierschanzentournee rund um den Jahreswechsel und die Skiflug-WM Mitte Jänner im heimischen Bad Mitterndorf. Trotz intensiven Trainings blieb im Sommer noch Zeit für die Pflege der Volksbank-Partnerschaft. Die Shootings und Drehs für die kommende Kampagne fanden in und um Innsbruck statt. Die Athleten wissen die Kooperation zu schätzen: „Neben unseren sportlichen Erfolgen waren es auch die Volksbank-Werbespots, die uns noch bekannter gemacht und uns näher an die Fans gebracht haben“, lobt Superstar Gregor Schlierenzauer. 


Sport

Szenen aus früheren Werbedrehs

2009: Szene aus dem TV-Spot „The Match“

2011: Die ÖSV-“Adler“ auf einer Baustelle

2012: Gregor Schlierenzauer im Bett

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Chronik

Im Gedenken an Harald Stehlik Der Österreichische Genossenschaftsverband trauert um einen seiner verdientesten Mitarbeiter: Am 17. August ereilte uns die Nachricht über das plötzliche Ableben von Syndikus Dr. Harald Stehlik, Leiter unserer Rechtsabteilung. Wir sind tief getroffen und erschüttert, haben einen Kollegen und Freund verloren.

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s ist für uns unfassbar traurig, einen Nachruf schreiben zu müssen über jemanden, der viel zu früh und plötzlich aus dem Leben gerissen wurde. Es ist uns aber ein Bedürfnis, seine beruflichen Leistungen, aber vor allem auch seine menschlichen Qualitäten in angemessener Weise zu würdigen. Harald Stehlik wurde am 9. Jänner 1960 in Wien geboren. Sein Vater Arwed Stehlik war bekannter Chemiker, seine Mutter Edith Kindergärtnerin. Er besuchte das naturwissenschaftliche Realgymnasium Franklinstraße im 21.Bezirk, wo er im Juni 1978 maturierte. Danach studierte er an der Universität Wien Rechtswissenschaften und promovierte im Juni 1983 zum Dr. iur. Er trat am 2. Jänner 1985, nach sechsmonatiger Gerichtspraxis und anschließendem Präsenzdienst beim juristischen Verwaltungsdienst im Verteidigungsministerium als Mitarbeiter der Rechtsabteilung in den ÖGV ein. Am 1. August 1995 wurde er zum stellvertretenden Leiter der Abteilung und am 1. Februar 2008 zu deren Leiter und zum Syndikus des ÖGV ernannt. Er war somit über 30 Jahre lang mit seiner Expertise, seiner Umsicht, eng verbunden mit seiner Menschlichkeit und Problemlösungskraft, eine maßgebliche Stütze des ÖGV. Dafür wurde ihm auch die Ehrenmedaille in Gold verliehen. Mit Harald Stehlik verlieren wir, der Verbund gewerblicher Genossenschaften und die gesamte österreichische Genossenschaftsbewegung einen Vordenker, einen exzellenten Juristen mit der Gabe, komplexeste Sachverhalte rasch und präzise aufzulösen, sowie dem Mut zu pragmatischen Entscheidungen, wenn diese gefragt waren. Seine Treue zu den genossenschaftlichen Prinzipien war richtungsweisend und eine konstante Erinnerung an die Schulze-Delitzsch-Werte. Harald Stehlik hat mit seinem Fachwissen und seiner Kompetenz nicht nur das Vertrauen des Verbandsvorstandes, sondern auch das der ÖGV-Mitglieder gewonnen. Unter seiner Leitung hat die Rechtsabteilung des ÖGV ihren anerkannten Status als juristisches Kompetenzzentrum für den gesamten genossenschaftlichen Verbund erwor-

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ben und gefestigt. Aber auch weit über die Grenzen unseres Verbundes hinaus hat er sich trotz seiner Bescheidenheit einen Ruf erworben, der ihn als hochgeschätzten Ratgeber, zutiefst wertebezogenen Mahner und unbeugsamen Kämpfer für eine Weiterentwicklung der Genossenschaft als Rechtsform und moderne Unternehmensstruktur unvergessen macht. Er war als Mitautor des wichtigsten Standardwerks zum Genossenschaftsrecht, als Vortragender im Rahmen der Revisoren- und Wirtschaftstreuhänderausbildung sowie bei internen Veranstaltungsreihen immer stark gefragt. Harald Stehlik hat dank seiner gelebten Prinzipien aber auch dafür gesorgt, dass sein Wissen uns nicht mit ihm verlässt, sondern durch uns weitergetragen wird. Als Vorgesetzter und Kollege hat er trotz höchster eigener Auslastung immer Zeit gefunden, anderen bei Problemen unter die Arme zu greifen. Er war stets Ansprechpartner und konnte immer mit einer zweiten Meinung aushelfen, die durchaus auch eine andere als die eigene sein konnte, wobei er es immer verstand, eine gemeinsame Lösung zu finden. Dank dieser Fähigkeiten war er als Kollege und Vorgesetzter stets verständnisvoll und fördernd. Er hat es verstanden, die richtigen Schlüsse zu ziehen und die richtigen Impulse zu setzen. Neben seiner unbestrittenen fachlichen Qualifikation war er aber vor allem ein wunderbarer Mensch, der sich den Höhen und Tiefen des Daseins gestellt hat. Er war als Vater Familienmensch, hat aber auch seiner Arbeitsumgebung familiäre Fürsorge geschenkt. Seine Loyalität gegenüber Menschen, die ihm wichtig geworden sind, war grenzenlos. Jeder, der Harald Stehlik kennenlernen und mit ihm arbeiten durfte, kann sich glücklich schätzen. Wir sind dankbar, so viel und intensiv mit ihm zusammengearbeitet zu haben und seine Freunde gewesen zu sein. Lieber Harald, du wirst uns fehlen, doch wir werden dein Andenken stets in unserer Erinnerung bei uns tragen. Ruhe in Frieden! Wolfgang Pichler, Wolfgang Schmidt und Phillip Stempkowski


Chronik

Volksbank Wien-Baden

ÖGV-Präsident Donnerbauer neuer Aufsichtsratsvorsitzender Heribert Donnerbauer, Präsident des Österreichischen Genossenschaftsverbandes, ist zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats bei der Volksbank Wien-Baden bestellt worden. Gleichzeitig hat sich das Spitzeninstitut des Volksbanken-Verbundes einen neuen Namen gegeben.

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ie Volksbank Wien-Baden firmiert künftig als VOLKSBANK WIEN. Das wurde in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 7. August beschlossen. Daneben wurden auch die Einbringungen der Volksbank Ost und der Volksbank Obersdorf-Wolkersdorf-Deutsch-Wagram in die neue VOLKSBANK WIEN abgesegnet. Damit kommt es zu einer Kapitalerhöhung im Ausmaß von 13,4 Millionen Euro (Volksbank Ost: 11,1 Millionen Euro, Volksbank Obersdorf-Wolkersdorf-Deutsch-Wagram: 2,3 Millionen Euro) auf nun insgesamt 107,5 Millionen Euro. Mit der Bestellung von Donnerbauer, der seit 2012 auch Präsident des ÖGV ist, fiel eine wichtige Personalentscheidung für die Zukunft. „Seine hervorragenden Kenntnisse des genossenschaftlich organisierten Volksbanken-Verbundes sind eine ideale Voraussetzung, um diesen Verbund in eine erfolgreiche Zukunft zu führen“, so das Institut. Donnerbauer selbst erklärte nach seiner Wahl: „Mit dem erfolgreichen Abschluss der Umstrukturierung im Volksbanken-Verbund kann sich dieser nun wieder voll und ganz den Kunden widmen. Sie stehen im Zentrum aller Dienstleistungsaktivitäten.“ Neben Donnerbauer sitzen Susanne Althaler, Franz Gartner, Martin Holzer, Markus Hörmann, Rainer Kuhnle, Johannes Linhart, Harald Nograsek, Monika Wildner und Otto Zeller im neuen Aufsichtsrat. Der bisherige AR-Vorsitzende, Prof, Leo W. Chini, legt sein Mandat zurück und scheidet aus dem Aufsichtsrat aus.   

Volksbank Salzburg

Infoabend zur Steuerreform

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ie Steuerreform, die zum Jahreswechsel in Kraft tritt, ist in aller Munde. Dementsprechend groß war das Echo auf die Einladung der Volksbank Salzburg zu einer Informationsveranstaltung im Sommer. Die hundert Plätze in der Volksbank-Firmenzentrale waren binnen kürzester Zeit vergeben. Als Referent konnte Martin Traintinger gewonnen werden. Er ist Steuer- und Unternehmensberater sowie Prokurist bei LBG in Salzburg. Der Experte präsentierte den aktuellen Stand und erklärte, womit bei der Steuerreform zu rechnen sein wird. Weiters gab er Tipps, wie man noch vor Inkrafttreten der Steuerreform handeln sollte. Das Echo auf die Veranstaltung war dermaßen positiv, dass es im Oktober einen weiteren Termin geben wird.   

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Chronik

Murau feierte Bierstadtfest Perfektes Wetter, vielseitiges Musikprogramm und köstliches Bier: Das waren die Zutaten für ein gelungenes Murauer Bierstadtfest, das am 3. und 4. Juli an die 12.000 Besucher anlockte.

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ie Festgäste aus ganz Österreich genossen ein vielfältiges Programm: Auf vier Bühnen wurden Konzerte unterschiedlichster Musikrichtungen geboten: Angefangen von Schlagersängern wie Silvio Salmoni über volkstümliche Gruppen wie den Zellbergbuam bis hin zu Rockgruppen wie den Roaring Sixties spielten insgesamt 37 Bands. 23 Musikkapellen marschierten durch die Murauer Innenstadt, drei Musikgruppen zogen „unplugged“ durch die Menge. Bereits am ersten Tag platzte der Raffaltplatz in Murau aus allen Nähten. Das Open-Air-Konzert von Opus ließen sich rund 5.000 Besucher nicht entgehen. Die legendäre Band versetzte die Stadt in beste Stimmung und Feierlaune. Die Höhepunkte am zweiten Tag - er begann am Vormittag mit dem traditionellen Bieranstich - waren die Konzerte von Julian le Play und von den Edlseern. Von den Bühnen aus bot sich ein einzigartiges Bild: zufriedene Menschenmassen, kreischende Fans, glückliche Gäste verschiedensten Alters und das leuchtende Gelb der Krüge, der Sonnenhüte und Schirme. Der heimliche Star des Fests war das köstliche Freibier aus dem gelben Festkrug: Dieser konnte gegen einen einmaligen Betrag erworben und dann kostenlos unbegrenzt nachgefüllt werden. „Somit bieten wir eine Nachhaltigkeitsveranstaltung. Zehntausende Plastikbecher landen so nicht im Müll, darauf sind wir stolz“, so Brauerei-Geschäftsführer Josef Rieberer.   

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Der traditionelle Bieranstich zum Auftakt

Prost auf ein gelungenes Fest

Vor den Bühnen herrschte Top-Stimmung


Chronik

Volksbank Vorarlberg

Extremsport-Event der Superlative Trotz teilweise widriger Wetterbedingungen ist am 15. August in Vorarlberg die 12. outdoortrophy mit den Disziplinen Berglauf, Paragleiten, Wildwasserkajak und Mountainbike über die Bühne gegangen. Die Volksbank Vorarlberg unterstützte das Großevent als Hauptsponsor. „Es freut mich sehr, die outdoortrophy, die in Insider-Kreisen als inoffizielle Weltmeisterschaft im Extremsport gilt, heuer zum ersten Mal als Hauptsponsor unterstützen zu können. Ich darf allen Teilnehmern im Namen der Volksbank Vorarlberg zu ihrer Spitzenleistung ganz herzlich gratulieren“, so Marketing-Leiter Michael Pedratscher. Mit sportlichen Rekorden, Teilnehmern aus der ganzen Welt und einer großartigen Kulisse im Bregenzerwald wurde die outdoortrophy ihrem Ruf gerecht. Der Startschuss fiel am Dorfplatz in Egg: Von dort aus absolvierten die Läufer eine anspruchsvolle Strecke durch dichte Nebelschwaden auf die Niedere. Aufgrund des Nebels konnten dann die Paragleiter nicht fliegen und absolvierten stattdessen mitsamt ihrem Equipment einen Höhenlauf, bevor die Kajaker sich in die Fluten der Bregenzerach stürzten. Die letzte Etappe wurde von den Bikern geschlagen. Den Sieg holte sich das Team „Landrover Hörburger – Martini Sportswear“ mit Petro Mamu, Lorenz Peer, Manuel Filzwieser und Juri Ragnoli mit einer Zeit von 3:45:48, sechseinhalb Minuten vor dem tschechischen Team „OpavaNet“ und knappe zwölf Minuten vor den Teams „Flugschule Blue Sky“ und „Technika Brno Extreme Abuelo“. Bei den Solisten siegte der X-Alps-Pilot Michal Krysta – mit einer Zeit von 5:26:04 ließ der Tscheche sogar einige Teams hinter sich. In der Damenwertung gewann das Team „Qloom“ in einer Zeit von 5:29:52. Die Amateur-Wertung sicherte sich Team „Kfz-Geiger“ mit starken 4:17:13. Bei der outdoornight im High-5Areal an der Bregenzerach ließen die Athleten und Schlachtenbummler die „inoffizielle Weltmeisterschaft im Extremsport“ ausklingen.   

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Volksbank Linz-Wels-Mühlviertel

Schulkinder malten für Guatemala Gemeinsam mit den Schülern der Volksschule Pöstlingberg ermöglicht die Volksbank Linz-Wels-Mühlviertel den Bau einer neuen Schule in Guatemala. Die Kinder malten dabei Bilder von ihrer Heimat, die ihnen die Volksbank nun abkauft. Der Erlös wird für den Schulbau verwendet.

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usschlaggebend für die Entscheidung der Volksbank, den Kindern in Guatemala zu helfen, war ein Film über die Entwicklungsarbeit in der Bergregion Joyabaj. „Wir möchten aber nicht einfach eine Spende überweisen. Als Regionalbank ist es uns ein großes Anliegen, alle unsere Aktivitäten regional zu verankern. Wir wollten mit diesem Projekt Volksschülern einen Blick in die Welt geben, ihnen zeigen, dass unser gutes Leben nicht selbstverständlich ist, und ihnen das Gefühl geben, geholfen zu haben“, erläutert Vorstandsvorsitzender Andreas Pirkelbauer. Daher lud die Bank die Volksschule 41 am Pöstlingberg zur Kooperation ein. Bei den Schulkindern herrschte zunächst tiefe Betroffenheit, als sie durch den Film über den Alltag im Bergland von Guatemala erkannten, wie hart das Leben anderswo für Kinder sein kann. Groß war dann aber ihre Freude, als sie von der Möglichkeit erfuhren, genau diesen Kindern helfen zu können. Landeshauptmann Josef Pühringer erklärte sich sofort bereit, die Patronanz zu übernehmen. „Das ist ein vorbildliches Projekt, auf das die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher wirklich stolz sein können. Ich danke den Kindern, den Lehrerinnen und dem Elternverein für ihr Engagement und der Volksbank Linz-Wels-Mühlviertel für die Organisation und das Sponsoring.“ Mit Begeisterung und fachkundiger Unterstützung ihrer engagierten Lehrerinnen malten rund 90 Kinder kleine Kunstwerke zum Thema Heimat. Der Volksbank sind diese bemerkenswerten Arbeiten der kleinen Künstler nun 10.000 Euro wert. „Mit diesem großzügigen Beitrag werden wir den Kindern im Ort Chocrúz eine neue Schule mit Sportplatz und Fließwasser bauen und die Fotos der kleinen Linzer Wohltäter an den Wänden der neuen Klassenzimmer aufhängen. So haben die Schulkinder in Chocrúz

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Vorstandsvorsitzender Andreas Pirkelbauer und Volksschuldirektorin Anna Doberer-Ilsinger mit Kindern der vierten Klasse

Die Schüler der dritten Klassen mit ihren Arbeiten

immer vor Augen, wer ihnen geholfen hat, ihre gemauerte und wetterfeste Schule zu bekommen“, so Franz Hehenberger, Geschäftsführer der Entwicklungshilfeaktion SEI SO FREI, die das Projekt vor Ort umsetzt. Aber auch die Kinder in Chocrúz waren fleißig und malten ebenfalls ihren Alltag in bunten Bildern. Zu sehen sein werden diese Arbeiten und die der Volksschüler vom Pöstlingberg im Oktober anlässlich des Weltspartages in der Volksbank Linz-Wels-Mühlviertel in der Bethlehemstraße 3 in Linz.    


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Volksbank Akademie

Fleischmann neuer Beiratsvorsitzender B

ei der jüngsten Generalversammlung der Volksbank Akademie hat es einen Wechsel an der Spitze des Beirats gegeben: Hansjörg Mattersberger, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Osttirol-Westkärnten, übergab das Amt an Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien-Baden. Mattersberger, der den Beiratsvorsitz seit 2008 innehatte, betonte zum Abschied, dass Ausbildung für ihn immer einen hohen Stellenwert gehabt habe, sowohl für die Bank, als auch persönlich. „Ausbildung bedeutet Weiterentwicklung.“ Akademie-Geschäftsführerin Barbara Czak-Pobeheim dankte Mattersberger für seine langjährige Tätigkeit: „Trotz der extremen Umbrüche im Verbund hat er die Akademie souverän

begleitet und sein Amt mit vollem Engagement ausgeübt.“ Der neue Beiratsvorsitzende Fleischmann freut sich auf die Zusammenarbeit: „Die Volksbank Akademie wird auch weiterhin eine wichtige Rolle im Verbund einnehmen.“   

Volksbank-Akademie-Geschäftsführerin Barbara Czak-Pobeheim

IGA-Tagung in Innsbruck Das Internationale Institut für Genossenschaftsforschung im Alpenraum (IGA) lädt am 6. November 2015 zu seiner 19. Tagung ins Innsbrucker Hilton-Hotel. Das spannende Kernthema der Veranstaltung: „Erzielt der genossenschaftliche Förderauftrag noch Wertschöpfung?“ Dazu referieren Experten aus Deutschland, Südtirol, Österreich und der Schweiz. Beginn ist um 9.30 Uhr, um Vormerkung bis 27. Oktober wird gebeten: hans.partl@topart-media.at   

Hansjörg Mattersberger mit seinem Nachfolger Gerald Fleischmann cooperativ 3/15

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Volksbank Wien-Baden

Schwedisches Wohndesign in der Operngasse Ab 25. November steht die Volksbank-Filiale in der Wiener Operngasse ganz im Zeichen des schwedischen Einrichtungsstils. Das Kult-Möbelhaus Svenskt Tenn, dessen Design maßgeblich vom Österreicher Josef Frank mitbestimmt wurde, eröffnet dort einen Pop-up-Store.

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chwedische Möbel sind weltberühmt. Dass einer der Mitbegründer dieses Designstils der Österreicher Josef Frank war, ist jedoch weniger bekannt. Ab dem Spätherbst widmet das Museum für angewandte Kunst in Wien dem Architekten und Designer eine historische Ausstellung. Frank hatte durch seine Arbeiten für das Einrichtungshaus Svenskt Tenn großen Einfluss auf die schwedische Designgeschichte. Obwohl er schon 50 Jahre alt war, als er Ende der 1930er Jahre dem aufkommenden Nationalsozialismus nach Schweden entfloh, wird der Österreicher zu den wichtigsten Designern in Schweden gerechnet. Bei Svenskt Tenn bekam er von der Gründerin Estrid Ericson eine einzigartige Plattform, um seine damals sehr fortschrittlichen Ideen im Bereich Wohndesign zu verwirklichen. Frank wandte sich nämlich gegen die damals vorherrschenden puritanischen Grundsätze und fand, dass standardisierte Einrichtungen zu gleichmacherisch seien. Er setzte sich für ein freieres und künstlerisch geprägtes Stilideal ein und entwickelte einen eigenen Typ von Modernismus, in dessen Mittelpunkt Werte wie Bequemlichkeit, Behaglichkeit und Farbreichtum standen. Noch immer wirken seine Designs und Muster modern. Heute ist Svenskt Tenn Teil der Kjell und Martha Beijer Stiftung, die neben vielen Forschungsprojekten auch die Bewahrung der schwedischen Einrichtungstradition fördert. Vom 25. November bis 13. Februar betreibt Svenskt Tenn einen exklusiven Verkaufsraum in den Räumen der Volksbank-Filiale Operngasse 8. Hier wird eine Vielzahl an Objekten von Josef Frank zum Verkauf angeboten. Alle Infos zu Svenskt Tenn und Webshop: www.svenskttennwien.com    

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Volksbank Vorarlberg

6.000 Euro an Netz für Kinder Im Rahmen der Kampagne „Schlausparen“ hat die Volksbank Vorarlberg den Verein „Netz für Kinder“ mit einer Spende in Höhe von 6.000 Euro unterstützt.

V. l. n. r.: Vertriebsleiterin Tina Schwärzler, Ilga Sausgruber und Franz Abbrederis von „Netz für Kinder“, Vorstandsdirektor Helmut Winkler

„Das Engagement für die Menschen im Ländle ist seit jeher eine Herzensangelegenheit für das Team der Volksbank Vorarlberg. Die regionale Genossenschaftsbank hat die Förderung der Region gemäß dem genossenschaftlichen Grundgedanken fest im Leitbild verankert“, so Vorstandsdirektor Helmut Winkler. In diesem Sinne wurde die im Frühjahr gestartete Kampagne „Schlausparen“ - „cooperativ“ berichtete - mit einer sozialen Aktion gekoppelt. Für jeden abgeschlossenen „Schlausparer“ spendete die Volksbank Vorarlberg an den Verein „Netz für Kinder“. Die Kunden erhielten im Gegenzug eine kultige Volksbank-Gummiente. Am Ende übergaben Volksbank-Vorarlberg-Vorstand Winkler und Vertriebsleiterin Tina Schwärzler einen Scheck in Höhe von 6.000 Euro an den Vereinsobmann Franz Abbrederis und Ilga Sausgruber, die Schirmherrin der Aktion. „Mit dieser Spende möchten wir einen Beitrag leisten, um den Kindern in der Region, die sich in schwierigen familiären Situationen befinden, etwas Gutes zu tun“, so Winkler. Abbrederis drückte im Namen von „Netz für Kinder“ seinen Dank für die erfolgreiche Zusammenarbeit aus: „Ohne die Hilfe von Unternehmen wie der Volksbank Vorarlberg könnten wir unsere Arbeit nicht in diesem Umfang gewährleisten.“    

Erfolgreicher Abschluss

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rund zur Freude hatten am 11. September Barbara Czak-Pobeheim, Geschäftsführerin der Volksbank Akademie, und Peter Parycek, Zentrumsleiter E-Governance in Wirtschaft und Verwaltung an der Donau-Universität Krems: Die von ihnen betreute Management-Curriculum-Gruppe feierte den erfolgreichen Abschluss. Die Ausbildung fand bereits zum 16. Mal statt. Mehr zu den Themen und Projektarbeiten finden Sie in der nächsten Ausgabe von „cooperativ“. Wir gratulieren!    

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Club der Geschäftsleiter

Zum Dank nach Mariazell Zu Fuß von Puchberg bis nach Mariazell: Aus Dankbarkeit für den ersten gelungenen Schritt hin zum neuen Volksbanken-Verbund hat der Club der Geschäftsleiter eine Wallfahrt organisiert. Obmann Martin Heilinger berichtet für „cooperativ“ von der Wanderung.

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iele Termine, viel Arbeit, viel Tücke im Detail, schier unüberwindbare Problemstellungen, unterschiedlichste Interessen, Gegenwind, Unverständnis, Neuland - aber unser Wille, die Volksbanken nicht untergehen zu lassen. Die letzten Monate brachten viele von uns an die Grenze der Belastbarkeit. Nach einem Termin bei der EZB, welcher wieder einmal mit gemischten Gefühlen geendet hatte, wurde für den Fall, dass der Verbund Mitte 2015 „ins Fliegen kommt“, am Heimflug von Josef Preissl, Vorstand der Volksbank Wien-Baden, die Idee geboren, eine Wallfahrt nach Mariazell zu veranstalten. Gesagt, getan: Der Club der Geschäftsleiter nahm sich der Organisation an und hatte kurz darauf ein zweieinhalb Tage dauerndes Wallfahrtsprogramm zusammengestellt. Am Freitag, 4. September, trafen sich 15 verwegene Wanderer samt einer Dame in der Geschäftsstelle Puchberg der Volksbank Niederösterreich Süd. Mit Musik aus einer „Quetschen“, Stamperl, guter Laune und unter Teilnahme der lokalen Politprominenz wartete man auf die Ankunft sämtlicher Teilnehmer. Um 11 Uhr wurde am Parkplatz der Zahnradbahn das Gepäck in Richtung Abendhotel verladen, und alsbald setzte sich der Tross in Bewegung. Unter Anleitung des Geschäftsstellenleiters von Puchberg, Franz Böck, führte uns der Weg durch die Ortschaft Puchberg mit Blick auf den Schneeberg - zunächst Richtung Losenheim und anschließend den Tafeln zum Wasserfall bzw. zur Maumauwiese folgend entlang des Römerweges. Bei herrlichem Schönwetter erreichten wir um 12.30 Uhr die Maumauwiese. Dort angekommen, 60

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empfing uns der Geschäftsstellenleiter der Volksbank Gutenstein, Franz Pöchel, und wir genossen das erste Mittagessen. Um 14.30 Uhr ging es weiter bergab zu unserem Weg in Richtung Westen, erneut dem Römerweg entlang. Wir überquerten den Piestingtaler Rundwanderweg von der Edelweißhütte Richtung Klostertal, passierten die Putzkapelle, den Wegscheidhof, überquerten Zäune und gingen weiter in einigen Kehren zur Straße nach Rohr im Gebirge. Bei einer kurzen Rast auf einem schön geschlichteten Holzstapel lernten wir eine kampfeslustige Witwe kennen, welche speziell Vorstandsdirektor Wolfgang Schauer stark zusetzte. Auf der Bundesstraße angekommen, wunderten wir uns über einen Feuerwehrwagen als Labstation für eine Pilgergruppe. Die letzten Kilometer ging es die Bundesstraße entlang bis zur Abzweigung ins Preintal, nach welcher wir bei der „Bacherl-Wirtin“ einkehrten. Die Stim-

Das obligatorische Gruppenfoto vor der Basilika

mung war gut, die Getränkeversorgung ausgezeichnet - und so verging die Zeit bis zu unserem Taxitransport. Die Wirtin zeigte sich mehr als geehrt ob dieser fast schon internationalen Wandergruppe, welche Teilnehmer von Vorarlberg bis Wien vereinte. Anschließend brachte uns das Taxi in den Marienhof nach Reichenau, wo wir den Tag gemütlich ausklingen ließen. Am nächsten Tag war um 7 Uhr Frühstück und um 7.45 Uhr Abfahrt nach Schwarzau im Gebirge. ÖGV-Präsident und Volksbank-Wien-Baden-Aufsichtsratsvorsitzender Heribert Donnerbauer stieß in der Früh dazu. Der Wetterbericht zeigte uns mehr als schlechte Rahmenbedingungen auf, und umso gnädiger war es von unserem Chauffeur, uns ein Stück weiter als geplant ins Preintal zu bringen, sodass wir uns den Großteil der Strecke auf der Straße ersparten. Nachdem wir ausgeladen hatten, ging unser Gepäck


Chronik mittels Taxi weiter an das Hotel für die kommende Nacht. Bei noch trockenem, aber bereits wolkenverhangenem Wetter führte uns der Weg durch das romantische Preintal talaufwärts bis zur Abzweigung Preinecksattel. Wir übersetzten den Schlagerbach und gingen weiter in Richtung Lahnsattel. Einen breiteren Forstweg bergan und noch etwas steiler beim Aufstieg auf das Gscheidl passierten wir in einem Wald die zahlreichen durch Wallfahrergruppen an Bäumen und Felsen angebrachten Erinnerungstafeln an die Fußwallfahr-

auf der Straße bis zum Gasthof Lebernegg. Nach einem Tag Regen, 22 Kilometern Tagespensum und keiner ausgiebigen Pause haben wir uns Essen und Getränke verdient. Die Getränke klappten auch ohne Probleme, um das Essen musste aber gefeilscht werden. Nach einigen vergeblichen Versuchen gelang es erst Donnerbauer, Würstel für uns einzufordern. Wegen unseres Taxirücktransports, welcher uns um 16 Uhr ins Hotel Weißer Hirsch nach Mariazell brachte, wurden wir sofort als Wiener eingestuft. Gemeinsam mit

Dienste. Neben dem Gebirgsfluss führte der Steig durch dichte Auwälder. Mal direkt am Ufer, die Schotterbänke entlang, mal 50 Meter oberhalb im Fels. Wir gingen bis zum Ausgang der Klamm, durch die schön gelegene Annaburg-Siedlung und über den Erzherzog-Johann-Weg bis ins Ortszentrum zur Basilika. Das Wetter hatte sich zwar gegenüber dem Vortag etwas gebessert, bei neun Grad und leichtem Nieselregen jedoch nur um Nuancen. Für die Messe um 10 Uhr war neben vielen anderen Pilgergruppen auch die „Volksbank Österreich“ ange-

Querfeldein zum Ziel: Von Puchberg nach Mariazell ten. Dort war der Regen bereits leicht zu spüren und ließ uns abwägen, ob es besser sei, leicht nass durch den Regen oder stark durchnässt durch den Schweiß die Wegstrecke fortzusetzen. Danach folgten wir dem Zeller Steig über Wiesen, es ging bergab durch den Wald in einer ruhigen, beschaulichen Urlandschaft. Der Weg führte weiter unter der Straße Mürzsteg - Mariazell und dann zum Lahnsattel. Einkehrmöglichkeiten suchten wir vergeblich, Labestationen von anderen Wallfahrern häuften sich jedoch. Wegen des schlechten Wetters waren unsere Pausen ohne Begleitfahrzeug stets nur sehr kurz - zum Trinken oder zur Nahrungsaufnahme aus unserem Lunchpaket. Entlang des Terzbaches ging es im strömenden Regen auf der Straße bis Terz. Dort überquerten wir den Bach und damit die steirisch-niederösterreichische Landesgrenze. Dann marschierten wir

dem hinzugekommenen Geschäftsstellenleiter aus Mariazell, Alfred Grabner, genossen wir das hervorragende Abendessen. Am letzten Tag, dem Sonntag, ging es wieder früh hinaus. Geplant war, die letzten Kilometer des Halltales bis Mariazell zu beenden. Nachdem diese Route jedoch ausschließlich auf der Straße verläuft und noch dazu ein langes Stück davon Baustelle mit Schotterfahrbahn war, ging Marcus Bartl von der BDO daran, nach Alternativen Ausschau zu halten. Der von ihm vorgeschlagene Weg war ein Rundwanderweg und führte uns durch die Salzaklamm. Das Taxi brachte uns Wallfahrer also den Kreuzberg hinunter zum Ausgangspunkt. Von dort ging es unter der Führung von Grabner über eine Brücke und weiter die Klamm entlang. Der Weg war durch den Regen rutschig, das gespannte Drahtseil verrichtete da gute

kündigt. Nach dem Markusevangelium, einer Predigt und dem Auszug aus der Basilika stand nur mehr das Mittagessen zwischen uns und der Heimreise. Dieses nahmen wir gleich neben der Volksbank mit Blick auf die Basilika ein. Ein gemeinsamer Weg verbindet, und wir waren dankbar, den ersten wesentlichen Schritt für unseren neuen Verbund, aber auch 52 Kilometer Fußmarsch geschafft zu haben. Es waren schöne Tage, und es werden wieder schöne Tage im Verbund kommen. Als Organisator darf ich mich im Namen des Clubs der Geschäftsleiter bei allen Teilnehmern für ihre Disziplin, Pünktlichkeit, gute Laune und das Durchhaltevermögen bedanken. Der Dank gebührt aber auch allen anderen Kolleginnen und Kollegen, externen Partnern und Unterstützern des Volksbanken-Verbundes für ihre Leistungen der vergangenen Monate.   

Martin Heilinger cooperativ 3/15

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Immo-Contract

Golf Charity Trophy mit Rekordspendenerlös Mehr als 100 Sponsoren, Spieler und Unterstützer haben sich am 27. August im Diamond Country Club Atzenbrugg zur traditionellen Immo-Contract Golf Charity Trophy eingefunden. Mit dem Spendenerlös - es gab einen neuen Rekord - wurde der Sterntalerhof unterstützt.

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as von Immo-Contract zum bereits vierten Mal organisierte Turnier erzielte getreu dem Motto „Golfen für den guten Zweck“ in diesem Jahr die Rekordspendensumme von rund 14.000 Euro. Der gesamte Erlös ging an den Sterntalerhof, der chronisch und unheilbar kranken Kindern und deren Angehörigen in Form eines Hospizes einen Erholungsort mit einer breiten Palette an Betreuungsmaßnahmen bietet. Sterntalerhof-Geschäftsführer Harald Jankovits nahm sichtlich erfreut den Spendenscheck von Im-

Manfred Vorauer, Volksbank Ried, beim Abschlag 62

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mo-Contract-Geschäftsführer Karl Fichtinger entgegen. „Immo-Contract zählt seit Jahrzehnten mit über 120 Mitarbeitern österreichweit zu den Marktführern in der Immobilienbranche, da ist es selbstverständlich, dass wir auch unsere soziale Verantwortung wahrnehmen. Umso mehr freue ich mich, wenn wir tatkräftig so engagierte Vereine wie den Sterntalerhof unterstützen können“, so Fichtinger. Nach dem erfolgreichen Golfturnier freuten sich alle Teilnehmer über den gemütlichen Ausklang beim abschließenden Abendessen mit Siegerehrung.    

Die Immo-Contract-Geschäftsführer Karl Fichtinger (l.) und Stephan Pasquali (r.) mit Sterntalerhof-Chef Harald Jankovits bei der Scheckübergabe


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Elisabeth König, Eberhard Wallentin, Werner Wiesner Privatstiftung und Umgründungen, Gedenkschrift für Franz Helbich LexisNexis 368 Seiten € 98,-

Mit dieser Gedenkschrift würdigen die Autoren aus unterschiedlichen Bereichen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften das Lebenswerk von Franz Helbich, welcher 2014 90 Jahre alt geworden wäre. Die Beiträge befassen sich mit dem Privatstiftungsrecht und dem Umgründungsrecht, welche für Helbich während seines Berufslebens wesentliche Arbeitsschwerpunkte waren und deren Entwicklung er auch mitgeprägt hat. Die Gedenkschrift ist in drei Teile gegliedert: einen allgemeinen Teil, einen Stiftungs- und einen Umgründungsteil. Der allgemeine Teil behandelt Überlegungen der OECD zur Aufnahme einer Missbrauchsvorschrift im Doppelbesteuerungsabkommen sowie die Umsatzsteuer und Übertragungen von Sachvermögen. Im Stiftungsrechtsteil werden die Entlastung des Stiftungsvorstandes, die Einflussmöglichkeiten der Begünstigten, die Besteuerung von intransparenten und transparenten liechtensteinischen Stiftungen nach dem Steuerabkommen Österreich-Liechtenstein ab 2014, Beiträge zur Stiftungsgründung und die Übertragung von Stiftungsvermögen durch Umgründung behandelt. Die Aktivitäten Helbichs zur Entwicklung des Privatstiftungsrechts runden diesen zweiten Teil ab. Im Umgründungsteil werden wesentliche Themen wie Verlustvortrag bei Verschmelzung in- und außerhalb von Unternehmensgruppen dargestellt sowie umgründungssteuerrechtliche Gestaltungsoptionen für den Unternehmenserwerb, missbräuchliche Umgründungen oder Ausschüttungsfiktion im Umgründungssteuerrecht behandelt. Neben der Darstellung der Aktivitäten von Helbich zur Entwicklung des Privatstiftungsrechts geben die Beiträge auch wichtige Antworten auf Problemstellungen im Bereich des Privatstiftungsrechtes, welche im Zusammenhang mit dem Umgründungssteuerrecht stehen. Franz Groß

Michael Schwimann, Georg E. Kodek ABGB Praxiskommentar - Band 5a - Verbraucherrecht LexisNexis 1.008 Seiten € 199,-

Der „ABGB Praxiskommentar“ ist ein unerlässliches Standardwerk für die tägliche juristische Praxis. Durch die Schnelllebigkeit der Rechtsentwicklung auch in diesem Bereich ist es notwendig, immer über die neueste Rechtslage und Rechtsprechung informiert zu sein. Die bekannten und anerkannten Autoren verleihen diesem Werk noch zusätzlich große Bedeutung und Aussagekraft, deshalb wird dieser Kommentar auch laufend in OGH-Urteilen zitiert. Er sollte in keiner Rechtsbibliothek fehlen. Folgende Gesetze werden praxisnah und mit umfangreichen Erläuterungen und Fußnoten kommentiert. - §§ 429, 905, 1420 und 1503 ABGB - Konsumentenschutzgesetz - Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz - Fern-Finanzdienstleistungs-Gesetz - E-Commerce-Gesetz - Verbraucherkreditgesetz - Bauträgervertragsgesetz - Teilzeitnutzungsgesetz Das bewährte Konzept des Kommentars wird auch in diesem Band weitergeführt.

men. Auch in Österreich wurde die bestehende Rechtslage revidiert. Bereits 2014 wurden mit dem BIRG erste Bestimmungen für die verpflichtende Sanierungs- und Abwicklungsplanung von Banken sowie das Konzept der Frühintervention implementiert. Mit dem Inkrafttreten des BaSAG per 1. Jänner 2015 wurde schließlich nicht nur die Richtlinie 2014/59/EU zur Sanierung und Abwicklung von Banken/Kreditinstituten und Wertpapierfirmen umgesetzt, sondern ein gänzlich neuer Rechtsrahmen geschaffen, der von der politischen Maxime getragen wird, jede Bank unabhängig von ihrer Größe möglichst ohne staatliche Mittel abwickeln zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde mit dem BaSAG, bei gleichzeitiger Schaffung einer neuen Abwicklungsbehörde innerhalb der FMA, ein umfassendes Regelungswerk für Krisenprävention, Krisenmanagement und Krisenbewältigung installiert, welches insbesondere auch die Abwicklung und die dafür erforderlichen Instrumente im österreichischen Recht verankerte. Das vorliegende Werk informiert dazu einschlägig und kann als Arbeitsbehelf für Praktiker herangezogen werden. Da die Autoren gleichzeitig die tatsächlich befassten Juristen innerhalb der neuen Abwicklungsbehörde sind, kann dieses Werk dabei durchaus auch als Stimmungsbild der aufsichtsbehördlichen Linie gesehen werden. Eine interessante Publikation am schnellen Puls des Aufsichtsrechts. Phillip Stempkowski

Karin Trzebin

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Die Finanzkrise brachte dem Thema „Sanierung und Abwicklung von Banken“ nicht nur viel Aufmerksamkeit, sondern auch mannigfache praktische Bewährungsproben, nicht ohne Aufdeckung erheblicher Regelungslücken bzw. Abwicklungshindernisse. Die europäische Politik reagierte mit intensiven Diskussionen rund um einen einheitlichen europäischen Regelungsrah-

IMPRESSUM cooperativ - Das Magazin für Genossenschaften 3/15 143. Jahrgang DVR 0048577 MEDIENINHABER (VERLEGER) Österreichischer Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch), Löwelstraße 14-16, Postfach 135, A-1013 Wien, Tel: 01 313 28, Fax: 01 313 28 450, weitere Informationen zum Medieninhaber nach dem MedienG finden Sie auf der Homepage: www.genossenschaftsverband.at HERAUSGEBER Österreichischer Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch) CHEFREDAKTEUR Christian Pomper REDAKTION Hermann Fritzl, Günther Griessmair, Renate Hinteregger, Hans Hofinger, Andrea Karner, Wolfgang Schmidt, Anton Schmoll, Bernd Spohn, Margareta Steffel LAYOUT DESIGN Elke Bauer LAYOUT UND SATZ Daniel Dobernig DRUCK Berger, Horn KONTAKT redaktion@oegv.volksbank.at Gezeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder. Gender-Hinweis: Im Sinne einer besseren Lesbarkeit unserer Artikel verwenden wir die maskuline oder feminine Sprachform. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des jeweils anderen Geschlechts.

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