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1/2019 Einzelpreis EUR 10,-/ Jahresabo EUR 36,-

Zukunftskraft Genossenschaft Startschuss für die neue Gründerinitiative des ÖGV Volksbank-Legende Vorstandsdirektor Josef Preißl im großen Interview über seinen Abschied

Innovatives Projekt Eine neue Genossenschaft plant kreatives Wohnen in alten Gemäuern

Fest des Miteinanders Alle Highlights und Bilder von den 45.cooperativ Volksbank1/19 1 Winterspielen


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Mit voller Kraft Richtung Zukunft

ir wollten es ganz genau wissen: Als Ausgangspunkt für unsere neue Gründerinitiative, die wir Ihnen in diesem Heft vorstellen, haben wir die Österreicher gefragt, wie sie zu Genossenschaften stehen und welche Begriffe sie damit verbinden. Dabei gibt nur ein knappes Drittel an, sehr gut oder zumindest einigermaßen gut über diese Kooperationsform informiert zu sein. Auf der anderen Seite zeigen die Daten aber auch ganz deutlich: Selbst jene, die wenig über Genossenschaften wissen, verbinden damit durchwegs positive Werte und Eigenschaften wie regional, erfolgreich, sicher oder zukunftsorientiert. Für unsere tägliche Arbeit bedeutet das: Wir müssen zwar verstärkt über die Rechtsform der Genossenschaft und ihre vielfältigen Möglichkeiten aufklären, können dabei aber auf einer guten Grundlage aufbauen, was das Image in der Bevölkerung betrifft. Genau hier setzt unsere Gründerkampagne an: Anhand von ganz konkreten Erfolgsbeispielen zeigen wir auf, was Genossenschaften heute schon für Österreichs mittelständische Wirtschaft leisten und wie sie damit erfolgreich sind. Das soll andere etablierte Unternehmen, aber auch Start-ups dazu anregen, ebenfalls auf das Modell der Kooperation zu setzen. Für beide genannten Zielgruppen – weitere Initiativen sind bereits in Planung – haben wir maßgeschneiderte Informationspakete ausgearbeitet, um die Vorteile der Genossenschaft auf den Punkt zu bringen. Dabei ist uns aber auch klar: Das Feuer der Begeisterung lässt sich letztlich nur im direkten Austausch mit den Unternehmen und Bürgern entfachen. Daher wollen wir mit unserer Initiative starke Präsenz bei Veranstaltungen zeigen, den direkten Kontakt zu unserem Gründerservice durch eine neue Serviceline vereinfachen und die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation nutzen. Unser Internetauftritt wurde dazu völlig überarbeitet und modernisiert. Bei all dem bauen wir auch auf Sie, liebe Mitglieder und Freunde des Genossenschaftswesens. Helfen Sie mit, aus der Genossenschaft eine Zukunftskraft zu machen! Ich bin mir sicher: Gemeinsam sind wir erfolgreich.

Peter Haubner

Vorsitzender des Vorstandes & Verbandsanwalt des ÖGV

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Inhalt

Inhalt 01 Kommentar: Peter Haubner 02 Inhalt 03 Editorial 62 Ex Libris 63 Impressum 64 Anno dazumal

04

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Thema

Management

04 Zukunftskraft

10 Ein Leben

Alles zum Start der neuen Gründerinitiative des ÖGV: Botschaften, Testimonials, Ziele.

Volksbank-Vorstandsdirektor Josef Preißl im großen Interview über seinen Abschied.

08 Daten und Fakten

13 Entscheidungskultur

Genossenschaft

Was verbinden die Österreicher mit dem Begriff Genossenschaft? Eine IMAS-Studie klärt auf.

für die Bank

Rasante Veränderungen erfordern rasches Handeln: Wie Unternehmen schneller werden.

16 Komplexität meistern

Erfolgreiches Management in einer komplexen Welt: Warum Führungskräfte jetzt den Blick radikal öffnen müssen.

20 Die Zukunft des Lernens

Get-together im Zeichen der Bildung: So lief das Fresh-upEvent der Volksbank Akademie.

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Wirtschaft 22 Mission Brüssel

Das Team der internationalen Interessenvertretung des ÖGV im Porträt.

25 Neugründung

Wie eine junge Genossenschaft kreatives Wohnen in alten Gemäuern ermöglichen will.

26 Konjunktur und Aktien

Die Fondsexperten von Union Investment über Perspektiven und Anlagestrategien fürs heurige Jahr.

28 Der Markt und wir

Ein neues Buch beleuchtet das Verhältnis zwischen dem Markt und seinen Teilnehmern.


Editorial

36

42

International 30 „Global denken, lokal handeln“

Die CIBP war mit ihrem Management-Programm zu Gast in Wien: Ein Gespräch mit Präsident Alain Declercq.

Kultur 36 Götter und Vulkane

Anton Schmoll hat Indonesien besucht und vielfältige Eindrücke mitgebracht.

Sport 42 Fest des

Miteinanders

Alle Highlights und Bilder von den 45. Volksbank-Winterspielen in Schladming.

46 Stars von morgen

32 Digital und nah

Skisprung-Legende Andreas Goldberger war diesen Winter wieder auf der Suche nach jungen Talenten.

Wie Genossenschaftsbanken ihre Stärke, die Kundennähe, mit der digitalen Welt verbinden können.

34 Blick über

Chronik 47 Volksbanken-Verbund: Neue Aktion für Dachsanierung 56 Volksbank Kärnten: Unternehmer des Jahres ausgezeichnet 59 ADEG Wolfsberg: Weichenstellungen für die Zukunft

den Tellerrand

Ein Erfahrungsbericht vom Treffen der Sozialgenossenschaften in Neapel.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, genauso wie den gesamten Außenauftritt des ÖGV haben wir mit dieser Ausgabe auch das Erscheinungsbild des „cooperativ“ einer Frischzellenkur unterzogen. Wir wollen damit ein Zeichen in Richtung Erneuerung und Modernisierung setzen. Aber nicht nur optisch hat sich einiges getan: Unter dem Motto „Zukunftskraft Genossenschaft“ haben wir eine Initiative an den Start gebracht, mit der die Genossenschaft als moderne Antwort auf aktuelle unternehmerische Herausforderungen präsentiert werden soll. Wir stellen Ihnen in diesem Heft die Grundpfeiler der Kampagne vor. Außerdem lassen wir einen ganz Großen zu Wort kommen: Nach über 40 Jahren beendet Vorstandsdirektor Josef Preißl seine Karriere im Volksbanken-Verbund. Im Interview blickt er zurück und auch nach vorn. Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen Ihr Günther Griessmair

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Thema

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Thema

Zukunftskraft Genossenschaft am Start

Die Genossenschaft als attraktive Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft zu präsentieren und damit zu Neugründungen anzuregen, ist ein erklärtes Hauptziel des ÖGV. Gelingen soll das mit einem frischen Außenauftritt und einer Gründerkampagne, die dieser Tage startet. Text: Günther Griessmair Fotos: ÖGV, Reichl und Partner

„Aktivieren Sie das Wir mit der Zukunftskraft Genossenschaft“, lautet die Kernbotschaft der Kampagne, die der ÖGV gemeinsam mit der Agentur Reichl und Partner entwickelt hat. Visualisiert wird der Slogan durch Mitarbeiter aus allen Leistungsbereichen des Verbandes, die in V-Formation dynamisch voranschreiten. Begleitend dazu wurde auch das Corporate Design modernisiert – vom Logo bis zum Schriftverkehr.

„Zukunftskraft Genossenschaft”: Das Key Visual der neuen Kampagne

Der ABAU-Mitgliedsbetrieb, der dank Kooperation auf Augenhöhe mit den Großen der Baubranche ist, die Expert-Fachhändlerin, die Teil einer starken Einkaufsgemeinschaft und zugleich trotzdem eigenständig und regional nah beim Kunden ist oder die Austria Presse Agentur, die zeigt, was Kooperation in der digitalen Medienwelt leisten kann, sind nur einige der Beispiele.

Botschafter für eine geniale Idee

Persönlicher Kontakt mit Zielgruppen

Um die Möglichkeiten der Genossenschaft greifbar und besser verständlich zu machen, werden Testimonials als Botschafter für die Idee der Kooperation eingesetzt. Diese kommen allesamt aus dem Mitgliederkreis des ÖGV oder der einzelnen Genossenschaften und sollen ganz konkrete genossenschaftliche Erfolgsstorys erzählen.

Die Erfolgsstory Genossenschaft sollen nicht nur in Form von Werbeanzeigen, sondern vor allem auch persönlich bei Veranstaltungen vermittelt werden. Dabei wird das Gründerteam des ÖGV ganz gezielt Unternehmer und andere mögliche Zielgruppen über die Vorteile der genossenschaftlichen Idee informieren. So veranstaltet der ÖGV cooperativ 1/19

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gemeinsam mit der Genossenschaft Smart Austria und der Universität Wien am 7. Juni ein Schwerpunkt-Event zu kooperativen Lösungen für die Arbeitswelt der Zukunft. Keynote-Speaker wird kein Geringerer als Trebor Scholz, der Erfinder des Platform Cooperativism, sein. Solche Auftritte sollen Unternehmer, Start-ups und andere Interessierte dafür begeistern, sich genossenschaftlich zu organisieren und die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam in Angriff zu nehmen. Als Anlaufstelle für neue genossenschaftliche Initiativen dient dabei stets das Gründerservice des ÖGV, das für Gründungsanfragen ab sofort unter der neuen Infoline 01 313 28-100 oder unter gruenderservice@genossenschaftsverband.at erreichbar ist. Grundlegende Informationen werden auch direkt auf der Website www.genossenschaftsverband.at geboten, die Seite wurde dazu völlig neu gestaltet.

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Maßgeschneiderte Servicepakete für Gründer Um die Leistungen für Gründer attraktiver und besser verständlich darzustellen, wurden sogenannte Servicepakete geschnürt, die auf die jeweiligen Zielgruppen abgestimmt sind. Das „Top-Koop-Service“ richtet sich gezielt an etablierte Unternehmen, die kooperieren möchten, um Neues umzusetzen oder Bestehendes effizienter zu lösen. Das „Start-up-Service“ zielt hingegen auf junge Unternehmen und Gründer ab, die eine flexible und demokratische Rechtsform für ihr gemeinsames Projekt suchen. Weitere Pakete sind bereits in Ausarbeitung. „Die neue Initiative legt den Grundstein für den zukünftigen Erfolg des Genossenschaftsmodells und damit auch des Verbandes. Wir sind überzeugt davon, dass kooperative Lösungen für viele Unternehmen und Branchen die richtige Antwort sein können. Das wollen wir auf breiter Basis vermitteln“, so Peter Haubner, Vorsitzender des Vorstandes und Verbandsanwalt des ÖGV.

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Kontakt zum ÖGV-Gründerservice

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Thema

Wie genossenschaftlich tickt Österreich? Was verbinden die Österreicher mit dem Begriff Genossenschaft? Und wie ist es um das Wissen dazu bestellt? Das hat das IMASInstitut für den ÖGV erhoben. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert, die zugleich der öffentliche Auftakt für die Initiative „Zukunftskraft Genossenschaft“ war. Text: Grafiken:

Günther Griessmair IMAS

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ür die repräsentative Studie „Genossenschaften in den Augen der österreichischen Bevölkerung“ hat das IMAS im Jänner über 1.000 Österreicherinnen und Österreicher ab 16 Jahren in persönlichen Interviews befragt. Zunächst wurde - ganz unabhängig von Genossenschaften - abgefragt, auf welche Aspekte Unternehmen in Zukunft ein besonderes Augenmerk legen müssen. Demnach sollen vor allem Orientierung an gesellschaftlichen Bedürfnissen, Nachhaltigkeit im Umgang mit den Ressourcen und gesellschaftliche Verantwortung eine größere Rolle spielen (jeweils 67 Prozent). Gleich dahinter folgen mit je 66 Prozent die Koope8

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Ist Ihnen das Genossenschaftswesen in Österreich grundsätzlich bekannt?


Thema

ration regionaler Unternehmen und der Einsatz neuer Technologien. Eine Chance für Genossenschaften, sich entsprechend zu positionieren? Ja, sofern die Befragten etwas mit dem Begriff anfangen können. Bei immerhin rund drei Fünftel der Befragten ist das der Fall. Was dabei in Auge sticht: Je älter und je höher gebildet die Befragten sind, desto eher ist ihnen das Genossenschaftswesen geläufig. Und an was genau denken die Österreicher, wenn sie von Genossenschaften hören? Spontan verbinden sie damit am häufigsten das Wohnen und Wohnbaugenossenschaften (34 Prozent). Des Weiteren werden landwirtschaftliche Genossenschaften, die Lagerhäuser und ganz allgemein Zusammenschlüsse und Gemeinschaften genannt. Junge Personen und solche mit höherer Bildung gaben dabei Wohnen und Wohnbaugenossenschaften besonders häufig zu Protokoll. Im Rahmen einer gestützten Abfrage wurde zudem erhoben, welche Eigenschaften mit Genossenschaften in Verbindung gebracht werden. Dabei wurden fünf Attribute besonders oft als voll zutreffend genannt: regional, wirtschaftlich erfolgreich, sicher, zukunftsorientiert und kooperativ. Am wenigsten werden hingegen Begriffe wie Starrheit, aber auch Unkompliziertheit mit Genossenschaften assoziiert. Dabei fällt auf: Personen mit höherer Bildung bringen stärker die Regionalität, den wirtschaftlichen Erfolg und das Soziale mit Genossenschaften in Verbindung als andere Bevölkerungsgruppen. Und: Unter den Genossenschaftskennern bzw. jenen Personen, die sich diesbezüglich gut informiert fühlen, zeigt sich ein ähnliches Bild wie in der Gesamtbevölkerung, allerdings mit deutlich mehr Angaben bei der Antwortkategorie „trifft voll und ganz zu“. Schließlich lässt sich auch noch sagen: Der Informationsstand über Ge-

nossenschaften ist insgesamt noch ausbaufähig. Denn zwei Drittel der Befragten geben an, sich darüber nicht gut oder überhaupt nicht gut informiert zu fühlen. Lediglich eine Minderheit von drei Prozent ist der Meinung, sehr gut informiert zu sein. Es gibt also noch viel zu tun im Rahmen der Initiative „Zukunftskraft Genossenschaft“ … 

Was fällt Ihnen zu Genossenschaften allgemein ein?

Welche Eigenschaften treffen grundsätzlich auf Genossenschaften zu?

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Management

„Seine Loyalität und Handschlagqualität sind legendär, seine Erfahrungen und sein Fachwissen im Bankgeschäft unvergleichbar“, steht im Schreiben, das seinen Abschied ankündigt: Vorstandsdirektor Josef Preißl beendet nach mehr als 40 Jahren seine Volksbank-Karriere. Wir haben zum Abschied mit ihm gesprochen.

„Immer offen für Veränderungen bleiben“ „cooperativ“: Herr Direktor Preißl, Sie sind 1978 gleich nach der HAK-Matura in die Volksbank eingetreten … Josef Preißl: Am 3. Juli 1978, um genau zu sein. … und haben dort ihr ganzes Berufsleben verbracht. Ihr Name ist untrennbar mit der Volksbank verbunden. Was hat Sie nun dazu bewogen, Ihre Karriere zu beenden? Im letzten Sommer habe ich intensiv darüber nachgedacht, wie meine persönliche Zukunft aussehen soll und wann der richtige Zeitpunkt zum Aufhören ist. Ich werde im März 60, blicke auf über 40 Dienstjahre zurück, davon 30 in Vorstandspositionen. Da ist die Entscheidung, Abschied zu nehmen, 10

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letztlich in mir herangereift, auch wenn sie mir nicht leicht gefallen ist. Sie befinden sich derzeit auf „Abschiedstournee“ und besuchen dabei alle Filialen der Volksbank Wien. Welche Eindrücke nehmen Sie da mit? Ich habe den Eindruck, dass sich die Mitarbeiter freuen, wenn ich komme. Es herrscht eine positive Stimmung. Und vor allem: In den Filialen, die ich bisher besucht habe, war sehr viel los, Kunden gingen ein und aus, es gab eine rege Beratungstätigkeit. Und da ich meine Besuche nicht immer ankündige, glaube ich nicht, dass diese Szenen alle gestellt waren. (lacht) Sie hatten 2015 auf dem Heimflug von einem EZB-Termin die Idee, mit Ihren Vor-

Interview: Fotos:

Günther Griessmair Wolfgang Schmidt

standskollegen nach Mariazell zu pilgern. Stand es wirklich so eng um die Zukunft der Volksbanken, dass nur noch Beten half? Ich bin eben ein gläubiger Mensch. Die Zukunft des Verbundes stand damals wirklich auf der Kippe. Aber mit Unterstützung der EZB, des Finanzministeriums, der FMA, der OeNB und vieler anderer haben wir es geschafft. Aus Dankbarkeit sind wir dann nach Mariazell gepilgert, organisiert haben das die Kollegen aus Wiener Neustadt rund um Martin Heilinger. Der neue Verbund wurde zwar erfolgreich auf Schiene gebracht, er hat aber auch Federn lassen müssen: Wie weh tut es Ihnen zum Beispiel, dass die Immo-Bank, deren Vorstand Sie 17 Jahre lang waren,


Management

im Zuge der Neustrukturierung an die BAWAG verkauft wurde? Das war schon sehr schmerzhaft, und es traf mich besonders, zumal ich die ImmoBank selbst mit aufgebaut hatte. Aber letztlich war es eine rationale Entscheidung, die nachvollzielbar war: Der Verbund brauchte eben Eigenmittel. Am Ende überwog die Freude, dass ein vernünftiger Preis erzielt werden konnte. Sie kennen alle Facetten des Bankgeschäfts – von der Schaltertätigkeit bis zur Vorstandsetage: Wie hat sich der Beruf in den letzten 40 Jahren gewandelt? Die Veränderungen in unserer Branche sind schon gewaltig: Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass wir früher irrsinnig ineffizient gearbeitet haben. Alles war von Hand zu erledigen, vieles musste man sich selbst organisieren. Heute gibt es Automatisierung, vorgegebene Standards und Regeln. Man könnte bildhaft sagen: Während früher alles mit dem Schraubenzieher selbst zusammengebaut werden musste, gibt es heute modulare Fertigteile. Was sich in all den Jahren aber nicht verändert hat, ist die Bedeutung des Kunden: Er muss Vertrauen in seine Bank haben. Die Bindung zwischen dem Kunden und seiner Volksbank ist unser zentrales Asset. Die große Zukunftsfrage wird sein: Wie schafft man es trotz Digitalisierung, diese besondere Kundenbeziehung aufrecht zu erhalten?

schnelllebig wie jetzt, aber stressig war es auch früher, wenn auch anders als heute. Glauben Sie, dass Filialbanken trotz Digitalisierung noch Zukunft haben? Die Digitalisierung ist eine große Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen. Letztlich hängt es vom Kunden und seinem Verhalten ab, wie viele Filialen es in Zukunft noch gibt. Aber dass es sie braucht, steht für mich außer Zweifel: Beim qualifizierten Geschäft – etwa Wohnungskauf, Hausbau oder Vermögensveranlagung – wird es immer Kunden geben, die lieber mit einem Berater reden. Die Frage der Zukunft ist also eher: Wie viele Filialen wird es geben und mit welcher Ausstattung? Ich persönlich gehe davon aus, dass es zwar weniger, aber dafür

größere Filialen sein werden, wo das gesamte Finanz-Know-how gebündelt ist. Der Kunde erwartet sich heute einfach, auf jede Frage rasch eine Antwort zu bekommen. Aber braucht es dafür Regionalbanken? Auf jeden Fall! Bei aller Digitalisierung und Standardisierung bleibt doch eine Vielzahl von Geschäften, bei denen man Kundenwünsche individuell erfüllen muss. Dazu sollte man die örtlichen Gegebenheiten kennen und genau verstehen, was der Kunde braucht - ob im Privat- oder im Kommerzgeschäft. Das ist und bleibt der USP regional verankerter Institute. Welchen Rat würden Sie einem jungen Mitarbeiter geben, der so wie Sie damals nach der Matura am Schalter anfängt?

War früher eigentlich alles besser? Das kann man so nicht sagen. Man sollte die Vergangenheit nicht glorifizieren. Die Zeit war damals zwar nicht so

Preißl: „Die Bindung zwischen dem Kunden und seiner Volksbank ist unser zentrales Asset“ cooperativ 1/19

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Management

Ein Standardsatz von mir, den ich immer wieder predigte, lautet: Man muss aufgeschlossen sein, mit Engagement und Freude in die Bank gehen und keine Scheu haben, sich auch mit schwierigen Kundenwünschen auseinanderzusetzen. Außerdem sollte man sich ständig weiterbilden und Veränderungen geistig offen gegenüberstehen. Was war in all den Jahren ihr schönstes Erlebnis? Es gab viele Momente, die mir Freude bereitet haben. Nur ein Beispiel: Als ich gerade erst einige Wochen meinen Job hatte, kam ein Beschwerdekunde zu mir an den Schalter. Weil ich neu war, konnte ich ihm zunächst nicht weiterhelfen. Aber er war bereit, mir seine Probleme so lange zu erklären, bis ich verstanden habe, wo der Schuh drückt. Wir haben dann ein Problem nach dem anderen aus dem Weg geräumt. Dabei habe ich alle Abläufe in der Bank kennengelernt. Am Ende war dieser Kunde wieder happy – ein schönes Gefühl! Im Abschiedsschreiben an die Mitarbeiter sprechen Sie von kleinen und großen Steinen, die noch aus dem Weg zu räumen sind. Was meinen Sie damit? Die kleinen Steine sind die täglichen Kundenherausforderungen und die Veränderungen am eigenen Arbeitsplatz, denen man offen begegnen sollte. Mit den großen Steinen meine ich die Herausforderungen für den Verbund, vor allem auch auf der Kostenseite. Nur wenn die Kosten sinken, können wir wieder jene Erträge erwirtschaften, die wir für die Erfüllung der regulatorischen Vorgaben benötigen. Wo sehen Sie bei all dem die Rolle der Genossenschaft? Hat sie heute noch ihre Berechtigung? 12

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„Ich werde dem Volksbanken-Verbund immer verbunden bleiben“

Die Genossenschaften und ihre Funktionäre sind enorm wichtig. Denn sie bilden das ausgleichende Gegengewicht zum Trend in Richtung Automatisierung und Standardisierung. Die Genossenschaft steht für Verankerung in der Region, für die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Bank und für Vertrauen. Auch heute noch gibt es Mitgliederversammlungen, zu denen mehrere Hundert Leute kommen. Mitbewerber, die nicht genossenschaftlich organisiert sind, zerbrechen sich vergeblich den Kopf darüber, wie sie diese Verbundenheit anders zustande bekommen.

viel Zeit im Weinviertel verbringen. Ein Hobby von mir ist es, mich handwerklich zu betätigen. So habe ich etwa schon ein altes Presshaus modernisiert. Auch meine sportlichen Aktivitäten will ich verstärken – vor allem das Radfahren. Und schließlich möchte ich mich auch geistig fit halten - etwa, indem ich mich mit Fremdsprachen beschäftige. Ich möchte mein Englisch perfektionieren und auch etwas Tschechisch lernen.

Welche Pläne haben Sie für den Ruhestand? Brauchen Sie eine Entzugstherapie?

Ich werde keine offiziellen Funktionen mehr bekleiden. Aber für Fragen oder unterstützend etwa bei Veranstaltungen stehe ich immer zur Verfügung. Ich werde dem Volksbanken-Verbund immer verbunden bleiben.

(Lacht) Ich habe vor dem, was da auf mich zukommt, keine Angst, da ich sehr viele Interessen habe. Ich werde

Werden Sie den Volksbanken mit Ihrer Expertise weiterhin zur Verfügung stehen?


Management

Die Kunst der raschen und richtigen Entscheidungen Die rasanten technologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen zwingen die Unternehmen zum raschen Handeln. Gute und zugleich zügige Entscheidungen sind somit fundamental. Deshalb brauchen neue Zeiten auch eine neue Entscheidungskultur. Text: Anne M. Schüller Foto: iStockphoto.com

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ührungskräfte müssen zwar vieles wissen und kennen, aber nicht alles können. Entscheidungen „kraft Amtes“ von oben, die zudem ewig dauern, kann sich kein Unternehmen noch länger leisten. Ist das Geschehen rasant und komplex, werden Top-down-Dekrete zum Bremsklotz einer Organisation. Vormarsch, individualisierte Dienstleistungen und hohes Tempo sind nur dort machbar, wo zwischen Entscheidung und Umsetzung möglichst wenig Zeit vergeht.

Zudem liegen fachliche Kompetenzen heute vor allem bei den Spezialisten im Team. Wer die Tore schießt, sollte auch die dazu notwendigen Entscheidungen treffen. „Kompetenzen und Verantwortung zusammenführen“ nennt man dieses Prinzip. Doch in klassischen Organisationen werden größere Entscheidungen nach wie vor in die nächsthöheren Hierarchiestufen verlagert. Das ist, als ob der Trainer die Elfmeter schießen müsste. Und genau das steht einem Erfolg dann im Weg.

Wie sich die Entscheidungsqualität erhöhen lässt Schauen wir uns zunächst einen Fall an, der tatsächlich passiert ist: Anschaffungen ab 100 Euro brauchen in diesem Unternehmen die Unterschrift des nächsthöheren Vorgesetzten. Hierfür ist aufwendig ein Formular auszufüllen. Zu allem Übel ist der Chef zwei Wochen auf Urlaub, danach türmt sich bei ihm die Arbeit. Als endlich grünes Licht kommt, ist der Kunde, für descooperativ 1/19

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Management

sen Auftrag die Anschaffung notwendig war, weg. Er konnte nicht länger warten. Der entgangene Umsatz beläuft sich auf 10.000 Euro. Die Kosten für die interne Prozessabwicklung kommen noch obendrauf. Ist das nicht völlig abstrus? Erst wollen die Firmen die besten Mitarbeiter, und dann werden die geführt, als ob sie keine eigenen Entscheidungen treffen könnten. „Es macht keinen Sinn, kluge Köpfe einzustellen und ihnen dann zu sagen, was sie zu tun haben. Wir stellen kluge Köpfe ein, damit sie uns sagen, was wir tun können.“ So brachte das schon vor Jahren Steve Jobs auf den Punkt. Im Führungsverständnis von heute geht es nicht länger darum, Entscheidungen von oben vorzugeben, sondern darum, gemeinsam getragene Entscheidungen herzustellen und operative Entscheidungen in die Teams zu verlagern. Schauen wir uns an, wie das gelingt.

Alte und neue Methoden der Entscheidungsfindung Um Entscheidungen herbeizuführen, gibt es viele Mittel und Wege. Zwei konventionelle sind der Mehrheitsentscheid und der Konsensentscheid. Beim Mehrheitsentscheid wird eine Entscheidung nach einem vorgegebenen Mehrheitsschlüssel getroffen. Bis zu 49 Prozent aller Stimmen werden dabei verlieren. Viel Unzufriedenheit kann so entstehen, die Tragfähigkeit einer Entscheidung wird leicht unterminiert. Demgegenüber benötigt ein Konsensentscheid die ausdrückliche Zustimmung aller. Dem eilen oft lange Diskussionen voraus. Schließlich einigt man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Dies ist wohl der 14

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schlechteste aller Wege in neuen Zeiten. So geht es besser: » Der konsultative Einzelentscheid: Dies ist eine exzellente Methode, vor allem in selbstorganisierten Kontexten. Ziel ist es, die Expertise Dritter in seine Entscheidung mit einzubeziehen. So kann zum Bei spiel bestimmt werden, dass, bevor eine Entscheidung getroffen wird, immer mindestens zwei sachkun dige (!) Personen befragt werden müssen - und nicht etwa bequeme Kollegen. Dabei kann es sich um Per sonen von innerhalb oder außerhalb der Firma handeln. Die Verantwor tung, wie am Ende entschieden wird, verbleibt allerdings bei der entscheidenden Person oder Gruppe. So umgeht man langwierige Ab stimmungsrunden, verbessert die Entscheidungsgrundlage, erhöht die Handlungssicherheit und beschleu nigt die Umsetzung. » Der Konsententscheid: Mit dieser Methode können zähe Diskussionen oder wachsweiche Gruppenbe schlüsse vermieden werden. Nicht „Ja, ich stimme zu!“, sondern „Ich habe keinen schwerwiegenden, be gründeten Einwand dagegen“, das ist ein Konsententscheid. Es geht also nicht um ein Maximum an Zustimmung, sondern um eine Minimierung der Bedenken. Das heißt, man stützt sich auf Entschei dungen, die „gut genug“ sind, damit es zügig vorangeht. Dazu fragt man in etwa so: „Sieht jemand einen wichtigen Grund, weshalb dieser Vorschlag Schaden anrichten könnte?“ Zieht nun jemand die Veto Karte ernster Bedenken, dann setzt man den Vorschlag nicht um. Am

besten regt man an, damit gleich zu experimentieren - und zwar im Konsentformat: „Lasst uns das doch mal einen Monat lang aus probieren. Wenn es nicht funkti oniert, schaffen wir es wieder ab. Hat jemand einen gravierenden Ein wand dagegen?“ » Die Elfer-Skala: Dies ist eine Me thode, die statt langer Diskussio nen einen zügigen Entscheidungs prozess in einer Gruppe oder in Meet ings sichert und für gemeinsam getragene Entscheidungen sorgt. Die einzelnen Schritte: Zunächst wird das Thema vorgestellt, zu dem eine Entscheidung ansteht. Danach ist Zeit für Verständnisfragen. Hier nach wird den Teilnehmern eine erste Bewertungsfrage gestellt: „Auf dieser Skala von 0 bis 10: Wie wich tig und dringlich ist dieses Thema für das Projekt/unser Unterneh men?“ Jeder entscheidet verdeckt. Danach werden stellvertretend je zwei oder drei Meinungen aus dem niedrigen (0 bis 4) und dem hohen Bewertungsbereich (6 bis 10) gehört. Darauf folgt eine Minute der stillen Besinnung. Anschließend gibt es eine zweite verdeckte Bewertung: die gleiche Frage auf einer neuen Skala. Liegen alle Bewertungen zwi schen sieben und zehn, ist das Thema angenommen. Liegt eine darunter, kann die Konsent-Frage helfen.

Wollen Mitarbeiter überhaupt entscheiden? Sie glauben, Ihre Mitarbeiter wollen gar nicht entscheiden? Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann schon.


Management

Die Elfer-Skala für eine schnelle Entscheidungsfindung

Einer Studie der Haufe-Gruppe zufolge möchten 84 Prozent der 11.880 Befragten mehr Einfluss auf Entscheidungen im Unternehmen haben. » 77 Prozent sagen: Das steigert mei ne Motivation. » 42 Prozent denken, dass Entschei dungen so verbessert werden könnten. » 29 Prozent meinen, dass das Unter nehmen dann erfolgreicher wäre. Das Potenzial ist also enorm. Doch man muss üben, um zu brillieren. Be-

ginnen Sie also mit kleinen Schritten. Klären Sie zudem gemeinsam, wer welche Entscheidungsbefugnisse erhält, nach welcher Methode jeweils entschieden wird und wo die jeweilige Umsetzungsverantwortlichkeit liegt. Am besten machen Sie alles an einer sichtbaren Mitteilungswand transparent, damit nichts im Niemandsland landet. Das kleinteilige Mikro-Management, das die eigentliche Arbeit der Führungscrew so sehr blockiert und

Über die Autorin

Anne M. Schüller ist Managementdenker, KeynoteSpeaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint-Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Sie zählt zu den gefragtesten Rednern im deutschsprachigen Raum. 2015 wurde sie für ihr Lebenswerk in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Vom Business-Netzwerk LinkedIn wurde sie zur Top-Voice 2017/2018 und vom Business-Netzwerk XING zum XING-Spitzenwriter 2018 gekürt. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft. Ihr Touchpoint-Institut bildet zertifizierte-Touchpoint Manager aus. Kontakt: www.anneschueller.de

außerdem Zeitdruck erzeugt, wäre damit vom Tisch. Die zunehmende Selbststeuerung schärft das Engagement der Mitarbeiter und macht die Ergebnisse besser. So können sich Ihre Leute beweisen und soziale Anerkennung erlangen. Wer sich seine Okays immer von oben abholen muss, bekommt das nicht. Zu was das dann führt? Zunächst sinkt die Stimmung talentierter Mitarbeiter, dann deren Anzahl. Und neue Talente kommen erst gar nicht an Bord. 

Das Buch zum Thema Anne M. Schüller, Alex T. Steffen

Die OrbitOrganisation – In 9 Schritten zum Unternehmensmodell für die digitale Zukunft Gabal Verlag 312 Seiten € 34,90 ISBN: 978-3869368993 cooperativ 1/19

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Management

Erfolgreiches Management in einer komplexen Welt Rauchende Köpfe in den Chefetagen: Allerorts wird die immer größer werdende Komplexität anstehender Aufgaben beklagt. Wer da noch den Überblick behalten kann, hat einen beträchtlichen Wettbewerbsvorteil. Doch dazu müssen Führungskräfte radikal den Blick öffnen. Text: Peter Baumgartner und Christoph Stumm Fotos: iStockphoto.com, photolounge, ADG

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er Umgang mit Komplexität ist eine zentrale Frage des 21. Jahrhunderts. Althergebrachte Denkwerkzeuge allein, allen voran die Vernunft, reichen nicht mehr aus, um die Herausforderungen zu meistern. Es ist eine trügerische Sicherheit, die Zukunft simplifizierend einzuschätzen, weil Spezialisten Unsicherheiten scheinbar kalkulierbar gestalten können. Das funktioniert gut bei einfachen Problemlagen, wirkt aber schlechter, je höher die Komplexität ist. Komplexe Probleme sind aus mehreren Gründen nicht einfach lösbar: » Die Ausgangslage kann nicht immer logisch erfasst werden. » Zusammenhänge fehlen oder sind unübersichtlich. » Bisherige Erfahrungen und Lösungs modelle sind nicht direkt anwendbar. Menschen bezeichnen etwas als komplex, wenn sie es nicht verstehen oder erklären können. Komplexität weist eine Eigendynamik auf, und die daraus resultierenden, auch unternehmerischen Zustände sind meist irreversibel. Die wesentlichen Treiber der Komplexität sind: 16

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» interne Faktoren wie Personen, Pro zesse, Strukturen und Finanzen » externe Faktoren wie Markt und Wettbewerb, Kultur und Umwelt » zunehmende Regulierung » hochgradige Vernetzung und damit einhergehende Überforderung von Menschen und Unternehmen » größere Vielfalt an Kommunikati onskanälen mit dem Kunden » IT-Systeme, denen ein übergeordne ter Zusammenhang fehlt » ständig wachsendes Produktangebot » fehlende Führungskompetenz und die Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen

Nichtstun ist keine Option Es ist heute schwierig, gute und tragfähige Entscheidungen zu treffen. Viele kleben am Widerspruch zwischen einer schnellen Entscheidung, die einsam zu treffen ist, und einer gemeinsamen Entscheidung, die längere Dialoge braucht, fest. Aufgrund der komplexen Tätigkeit sind Führungskräfte in der Regel eher generalistisch veranlagt. Sie vertiefen

ihr Wissen mit Hilfe der Teammitglieder in jenen Bereichen, die für die relevanten Entscheidungen von Wichtigkeit sind. Übersehen wird dabei oft, dass auch ein Nicht-Handeln Einfluss auf ein System haben kann. Komplexe Aufgaben bringen eine Intransparenz mit sich, die zu akzeptieren ist. Wir können nicht jede Kleinigkeit miteinbeziehen. Man muss sich entscheiden, nichts zu tun, ist keine Option.

Strategie in komplexen Zeiten Strategie ist der Umgang mit einem nicht zu beseitigenden Mangel an Wissen. Wenn wir alle Gegebenheiten für eine weitreichende Entscheidung


Management

wüssten, wäre keine Strategie nötig, sondern nur simple Planung. Wir müssen in vernetzten Systemen und unter enormer Dynamik des Wandels arbeiten und führen. Strategie ist keineswegs Taktik, denn diese ist viel zu kurzfristig ausgelegt. Strategie verfolgt langfristigere Ziele. Sie muss daher auch der Umgang mit Nichtwissen sein. Dabei erscheint wichtig, dass es uns gelingt, die Zukunft aktiv zu gestalten und sie nicht passiv erdulden zu müssen. Gerade im Bankensektor bestehen externe Einflüsse, welche die Dynamik am Markt stark mitgestalten. Darüber hinaus sind es diese externen Einflüsse, die den Markt heute sogar

transformieren. Die Banken verkommen oftmals fast zum Passagier.

Sich vom Problem lösen Ein erster Ansatz ist, Komplexität auf wenige, entscheidungsrelevante Merkmale und Muster zu reduzieren. Das ist aber nur dann ein gangbarer Weg, wenn er nicht in beschränkender Einfachheit gipfelt. Es gibt viele Möglichkeiten, um mit Komplexität umzugehen: » Kommunikation und Gesprächs führung wichtig nehmen, intensiv zuhören » wertfrei beobachten » Zusammenhänge visualisieren

» flexibel reagieren » kreative Potenziale im Unterneh men erschließen » Mitarbeiter entwickeln, motivieren und befähigen » Gemeinsames vor Trennendes stellen » Wissen teilen, den Wissensaus tausch gezielt fördern » die Philosophie der stetigen, wenn auch bedächtigen Schritte » die Organisation kompatibel zu komplexen Aufgaben gestalten » sich letztlich vom Problem lösen

Wie Banken Komplexität meistern Komplexität kann man nicht beherrschen, man kann sie lediglich meiscooperativ 1/19

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Management

tern. Das ist das Ziel. Bei Banken ist die Rendite in Bedrängnis, eine Ursache hierfür ist die zunehmende Komplexität der Branche. Diese bringt zwei wesentliche Nachteile mit sich: Sie verringert die Transparenz und erhöht die Kosten. Ein Finanzinstitut ist durch seine vielen Kunden, Produktlinien, Vertriebskanäle und Mitarbeiter stets komplex. Das ergibt sich aus Risikodiversifikation, Skaleneffekten und der unaufhaltsamen Vernetzung. Die Banken müssen den Umgang mit Komplexität verbessern und die damit verbundenen Kosten in den Griff bekommen. Komplexität zu meistern, heißt, einen Zusammenhang zu erkunden, zu erkennen und das System dahinter verstehen zu wollen. Erst dann können wir reagieren.

Wie Führungskräfte Komplexität meistern Führungskräfte können in einem komplexen System nicht mit altbekanntem Wissen neue Lösungen im Alleingang entwickeln. Das bedeutet nicht, dass hart erlerntes Wissen und liebgewonnene Grundeinstellungen überflüssig geworden sind. Es bedarf jedoch der ständigen Reflexion darüber, für welche Art von Fragestellung Antworten gesucht werden. Handelt es sich wirklich um eine komplexe Fragestellung, so führt dies zu mehreren ganz persönlichen Herausforderungen. Die über Jahrzehnte erlernten Erfolgsmuster, in Beruf, Weiterbildung oder Studium antrainiert und für persönlich gut befunden, greifen bei komplexen Fragestellungen nicht. Schwierige Fragestellungen können wir, das gilt auch heute noch, über Expertenwissen beantworten. Hochkomplexe Fragestellungen sind hingegen vielfältig verästelt und vernetzt, teilweise gegenläufig und paradox. Wir können nicht ein18

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fach sachlogisch wissen, wie die Lösung aussieht. Es gilt als Führungskraft zu verstehen und zu akzeptieren, dass wir mit altbekannten Lösungsmustern in komplexen Systemen Teil des Problems und nicht der Lösung sind. Führungskräfte müssen sich unausweichlich eine neue Haltung, eine neue Denkweise und ein neues Kooperationsverständnis antrainieren, um in komplexen Situationen erfolgreich zu sein.

Neue Haltung Haltung bedeutet, einen inneren Kompass zu haben, also ein Muster von Einstellungen, Werten und Überzeugungen. Eine Haltung ist dem Handeln übergeordnet, individuell ausgeprägt und dadurch nicht beliebig. Durch Haltungen können wir schneller Entscheidungen treffen. Eine Haltung trägt aber auch eine Problematik in sich: Schnelle Bewertungen aufgrund von Erfahrungen klammern neue Möglichkeiten aus. Eine Sachlage können wir leider nicht immer logisch erfassen. Fehlende Zusammenhänge oder Unübersichtlichkeit fordern uns, zusätzliche Muster hinzuzufügen, um wieder erfolgreich zu sein. Bei komplexen Fragestellungen geht es somit darum, unvoreingenommen den Blick zu öffnen, zu erkunden, neugierig zu sein und flexibel zu bleiben. Führungskräfte müssen sich stärker als Experimentatoren verstehen. Das bedeutet pilotieren, testen, annehmen oder verwerfen und wieder neu anfangen. Mit anderen Worten: Ein ständiger Lernprozess ist unser Begleiter.

Neues Denken Die Anzahl der Überraschungen steigt im komplexen Umfeld. Trotzdem können wir uns auf Komplexität vor-

bereiten - und zwar mit einer reflexiven Denkweise. Lernen funktioniert am besten über Irritation. Psychologische Studien zeigen, dass wir vielschichtiger nachdenken und bessere Argumentationen entwickeln, wenn wir Informationen erhalten, die im Widerspruch zu unseren eigenen Annahmen stehen. Konkret bedeutet dies, dass Führungskräfte den Umgang mit Komplexität dann lernen, wenn sie persönlich betroffen sind. Wenn sie erleben, warum ihre Führungskomplexität so groß ist. Wenn sie erfahren, wie sie ihre Komplexität mit Wissen und Methoden gestalten können. Zum neuen Denken gehört, dass in komplexen Systemen Intuition ein guter Ratgeber ist. Der menschliche Geist kann mit Komplexität sehr gut umgehen. Es ist somit sinnvoll, sich auf seinen sechsten Sinn beziehungsweise seine Bauchentscheidung zu verlassen. Entscheidend ist jedoch, wann die Erfahrungen gemacht wurden. Sind Wissen und Erfahrungen zu alt, ist der Bauch ein schlechter Ratgeber. Wurden persönliche Krisen durchlebt und Erfahrungen in komplexen Situationen gemacht, achtet die Intuition eher auf das Ganze als auf dessen Teile. Sie ist dann zukunfts- und möglichkeitsorientiert, sprich: ein guter Ratgeber.

Neue Kooperationen Das Bedürfnis nach Vernetzung und Verbundenheit ist enorm. Die Wachstumszahlen von digitalen Netzwerken und Plattformen sind beeindruckend. Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Wandel. Empirische Studien zeigen, dass in der neuen Arbeitswelt Allianzen und Zusammenarbeit positiv erlebt werden. Das gilt für Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen. Das Bedürfnis nach Verbundenheit ist


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zutiefst menschlich. Kooperationen sind sinnstiftend und vertrauensbildend. Es geht in komplexen Arbeitswelten nicht mehr um die eine intelligente Person, die Ideen hat. Wenn ausschließlich Führungskräfte in Unternehmen denken und entscheiden, ist die Organisation automatisch nur so intelligent wie die Summe ihrer Führungskräfte. Diese Limitierung kann niemand ernsthaft wollen. Es gilt, Wissen, Erfahrungen und Spezialisierungen zu bündeln und die Beziehungen zu Menschen als Wir-Intelligenz zu begreifen. Kooperationen in Wirkung zu bringen, ist die zentrale Führungsaufgabe.

Den Blick radikal öffnen Alles, was wichtig ist, liegt oft vor uns, wir können es aber meist noch nicht sehen. Der Blick auf zu viele Details kann dabei hinderlich sein. Es geht darum, die großen Muster zu erkennen. Vier Augen sehen mehr als zwei, sagt schon der Volksmund. Heute nennen wir es die „Intelligenz der Vielen“. Brian Robertson hat mit der Holokratie ein Werkzeug entwickelt, das Entscheidungen mit Transparenz und Beteiligung möglich macht. Dadurch werden Unternehmen schneller und unangreifbarer. Durch Kooperation, Vertrauen, Respekt und Begegnung auf Augenhöhe

kann das entstehen, worauf alle warten: eine zukunftsfähige Lösung. Zukunftsfähigkeit wird bestimmt durch: » Offenheit für Begegnung und Diskurs » begeisterte Menschen mit gemein samen Zielen » Kooperation über Hierarchie- und Abteilungsgrenzen hinweg » das Zulassen von Fehlern Für die Finanzbranche hilft Folgendes, um den Blick zu öffnen: » Das Ziel muss sein, Banken flexibel, übersichtlich und profitabel zu machen. » Die Branche muss sich von überhol tem Wissen und unzureichenden Methoden trennen. » Banken benötigen gute Analysen durch gute Analysten und Metho den. Daten aus internen Systemen und Social Media sind wertvoll. » Einheitliche und vergleichbare Kennzahlen (Maßstäbe) zur Bewer tung helfen, ein klares Bild des Unternehmens zu erhalten. » Standardisierte Prozesse und Struk turen verbessern die Effizienz und reduzieren Mikro-Management so wie Fehlerquellen. » Dezentrale Entscheidungen durch Mitarbeiter, die nahe an der Thematik arbeiten, reduzieren Komplexität.

Über die Autoren

Peter Baumgartner ist Vortragsredner, Hochschuldozent, fünffacher Buchautor und Wirtschaftsliteraturpreisträger. Leadership und Kommunikation sind seine international gefragten Kernthemen für Vorträge, Coachings und in der Beratung. Weitere Themen sind Mut machen, Mitarbeitergewinnung, Digitalisierung, Zukunftsfaktor Jugend oder Bankenwettbewerb. Baumgartner bewegt Menschen und macht Organisationen zukunftsfähig. Internet: www.peterbaumgartner.at Christoph Stumm ist Teamleiter der Managementprogramme bei der Akademie Deutscher Genossenschaften. Er verfügt über zehn Jahre Erfahrung in Personalentwicklung und Führungsarbeit. Davor war er als Unternehmensberater bei der KPMG und als Lehrbeauftragter an einer Hochschule tätig. Als Leiter der Managementprogramme initiiert er innovative und nachhaltige Lernprozesse, um Führungskräfte erfolgreich für die neuen Arbeitswelten zu machen. Internet: www.adgonline.de

» Banken stellen den Kundennutzen ins Zentrum ihres Bemühens. » Eine gute Unternehmenskultur mi nimiert mit ihren Werten und Ver haltensregeln Komplexität und Kosten.

Orientierung, Trennschärfe und Intuition Die Bedingungen, unter denen wir uns heute bewähren müssen, sind oft von Ungewissheit, Unsicherheit sowie von der Notwendigkeit, Komplexität zu beherrschen, bestimmt. Die Verschränkungen nehmen weiter zu, daher bedarf es mancher Anker, um Orientierung zu schaffen. Was ist wertvoll oder wertlos, was sinnvoll oder sinnlos? Die Trennschärfe, der Blick für das Wesentliche macht es aus. Er entscheidet zwischen Gelingen und Misslingen. Entscheidungen sind von hoher Dynamik, Vernetzung und Komplexität geprägt. Der Anteil von Routineentscheidungen sinkt. Zugleich steigen die Anforderungen an die Entscheidungsqualität. Die meisten Entscheidungen sind solche, die konkurrierende Ziele anstreben. Die Intuition spielt dabei eine bedeutende Rolle.

Erfolg in komplexen Zeiten Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Erfolgreiche Unternehmen stiften einen überlegenen Kundennutzen. Dieser rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt. Besonders für die Banken wird es dabei wichtig, auch Leistungen anzubieten, die über das traditionelle Geschäft hinausgehen. Ein Beispiel ist der Wohnungs- oder Hauskauf: Die Bank regelt im Idealfall neben Finanzierung und Versicherung auch den Umzug und den Kaufvertrag für den Kunden. Wie ist ein überlegener Kundennutzen herzustellen und aufrecht zu erhalten? Das Unternehmen muss seine Ressourcen in Resultate transformieren. Komplexität hin oder her - nachhaltige Wettbewerbsvorteile gründen auf Führungsvorteilen, die gewährleisten, erfolgreich zu bleiben oder es zu werden. 

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Management

Auftakt zum Fresh-up-Event im Wiener Hotel de France

Ein Get-together im Zeichen der Bildung Es ist viel über die Zukunft des Lernens diskutiert worden, es ging um Wissensvermittlung in der digitalen Welt, das neue Training mit VR-Brille konnte ausgiebig getestet werden, und schließlich wurden die Diplome an die neuen Trainer überreicht: Mit ihrem jährlichen Fresh-up-Event setzte die Volksbank Akademie Akzente. Text: Günther Griessmair Fotos: Alexander Müller „One step ahead“ – das Thema des Eröffnungsreferats von Akademie-Geschäftsführerin Barbara Czak-Pobeheim zog sich wie ein roter Faden durch das Fresh-up für Trainer und Prüfer, das mit 71 Besuchern wieder ein Bildungshighlight des Jahres war. Der Neurobiologe Bernd Hufnagl erklärte in seiner Keynote, wie gehirngerechtes Lernen in einer digitalen Welt funktioniert. Sein simpler, fast schon altmodisch anmutender Rat: „Schließen Sie die Wissensvermittlung immer mit einem positiven Erlebnis ab, am besten mit Humor!“ Denn die Gedächtnisforschung zeige klar, dass das Ende darüber entscheide, ob und wie eine Schulung den Teilnehmern nachhaltig in Erinnerung bleibe. 20

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Die vielen Facetten des E-Learnings Über die Chancen von E-Learning in einer immer komplexer werdenden Welt referierte Bernd Simon, Geschäftsführer von Knowledge Markets Consulting. Digitales Lernen habe heute viele Gesichter, es müsse nicht immer der Hochglanz-Webaufritt sein. Er stellte unterschiedlichste Beispiele für digitale Lernkonzepte bei Unternehmen wie Cisco, Daimler, der Asfinag oder den Wiener Linien vor. Generell sei E-Learning dazu geeignet, das Wachstum im Unternehmen zu fördern und gleichzeitig die Schulungskosten zu senken. Trotzdem gelte es, den Aufwand im Auge zu behalten und in Relation zum Nutzen zu setzen. Und:

„Am Ende ist Lernen immer mit einer Verhaltensänderung verbunden, und das ist und bleibt auch in der digitalen Welt viel harte Arbeit.“

Diskussion über Zukunft des Lernens Um die Frage, was digitales Lernen leisten kann und welche Rolle Präsenztrainings in Zukunft noch spielen, diskutierte Barbara Czak-Pobeheim mit Christoph Schmidt-Martensson von CREATE.21st century, dem Unternehmen, das auch die 360-Grad-VR-Videos für die Volksbank Akademie umgesetzt hat, Ronald Riegler (Competence Business Academy) und Bernd Simon (Knowledge Markets Consulting). Prä-


Management

Die erfolgreichen Absolventen der Trainerausbildung mit Johannes Monsberger und Barbara Czak-Pobeheim

senztrainings werde es weiter geben, aber in anderen Formaten, so der Tenor. Der Trainer sei gefordert, die Teilnehmer sowohl digital mit Online-Lernelementen, als auch kollaborativ auf ein gemeinsames Wissensniveau zu heben. In der Präsenzzeit gelte es, den Inhalt mit interaktiven Methoden zu festigen und dann digital nachzubearbeiten. Somit wandle sich die Rolle des Trainers: Die Wissensvermittlung werde immer stärker von digitalen Lernformaten übernommen. Der Trainer benötige daher ein Repertoire an digitalen und traditionellen Fähigkeiten. Beim Präsenztraining schlüpfe er in die Rolle des Coaches und übe interaktiv in Form von Praxisbeispielen den Inhalt. Laut Czak-Pobeheim lässt sich die Trainingszukunft mit „3D“ zusammenfassen: „dezentral, digital und divers“.

Zertifikate für neue Trainer Ein Highlight des Fresh-ups war wie immer die Verleihung der Zertifikate an die erfolgreichen Absolventen der Trainerausbildung durch Akademie-Vorstand Johannes Monsberger, der in dieser ehrenamtlichen Funktion den digitalen Bildungsweg der Volksbank Akademie seit 2015 begleitet. Er bedankte sich bei allen Verbundtrainern und

CREATE-Chef Christoph Schmidt-Martensson bei seiner Keynote

Barbara Czak-Pobeheim im Gespräch mit VB-NÖ-Vorstand Reinhard Diem

VB-NÖ-Vorstandsvorsitzender Rainer Kuhnle und VB-Steiermark-Vorstand Johannes Monsberger

-prüfern für die Pionierarbeit bei der Umsetzung der digitalen Lernformate. „Die Vision der Volksbank Akademie ist es, bis 2025 die Nummer eins in der Finanzbildung zu werden. Und die Teilnehmer sollen sich das Wissen unterhaltsam sowie jederzeit und überall aneignen können. Wissensvorsprung durch digitale Lernformate ist unser Erfolg“, gab Czak-Pobeheim die Richtung vor. 

Live-Demo der Schulung mittels VR-Brille cooperativ 1/19

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Wirtschaft

Unser Spezialteam für Brüssel & Co

Alarmstufe Rot: Seit der Finanzkrise sehen sich vor allem Banken mit einer regelrechten Regularienflut konfrontiert. Hier tritt das Team der internationalen Interessenvertretung des ÖGV auf den Plan. Seine Mission: Kampf für die Anliegen der Mitglieder. „cooperativ“ stellt die Abteilung mit dem Spezialauftrag vor. Text: Günther Griessmair Foto: Wolfang Schmidt

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ie Arbeit beginnt früh und meist im Hintergrund: Bereits wenn es erste Überlegungen für einen Rechtsakt gibt, wird die Interessenvertretung des ÖGV aktiv. Sie analysiert mögliche Folgen, meldet gegebenenfalls den Gesetzgebern oder europäischen Aufsichtsbehörden ihre Bedenken und bringt dann konstruktive Gegenvorschläge ein. Somit ist die Interessenvertretung direkt in den Entstehungsprozess von Gesetzen eingebunden, lange bevor eine Kundmachung erfolgt. Das dabei erworbene Wissen wird im Rahmen von Schulungen an die Mitglieder weitergegeben, die Volksbank Akademie erhält Beratung bei der Erstellung des Schulungsprogramms. Außerdem bietet die Interessenvertretung Unterstützung beim Interpretieren neuer Rechtsakte und steht den Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite. Sie weist auf notwendige interne Umsetzungen hin und nimmt anschließend 22

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bei Bedarf auch aktiv an Umsetzungsprojekten im Volksbanken-Verbund teil. Dem hohen fachlichen Anspruch wird auch durch wissenschaftliche Arbeiten und Diskussionen mit der Fachwelt Genüge getan. Stetig steigender Beliebtheit erfreut sich das hauseigene Jour Fixe der Interessenvertretung, bei dem die Abteilung über die wichtigsten Neuerungen informiert. Dieses Angebot für einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf regulatorischer Ebene steht übrigens jedem Mitarbeiter im Volksbanken-Verbund offen. „cooperativ“: Könnt ihr als Vertreter aus einem kleinen Land wie Österreich in Brüssel überhaupt etwas bewirken? Victoria Pagowski: Auf jeden Fall! Im Kampf gegen die Überregulierung ist Wissen unsere stärkste Waffe: Durch die zunehmende Komplexität und Zersplitterung der Rechtsakte fällt es auch

den Vertretern anderer Bankensektoren und sogar den Entscheidungsträgern in Brüssel immer schwerer, alles zu lesen und nachzuvollziehen. Nicht umsonst ist der Begriff „Normenflut“ in aller Munde. Die Kommission selbst hat eine Deregulierungsoffensive gestartet, die jedoch bis dato nicht zu einem Abflauen der Regulatorik geführt hat. Dies stellt uns vor große Herausforderungen, da unsere Ressourcen knapp sind. Jeder unserer Aktionen muss eine Abwägung und Priorisierung vorangehen, um gezielt gegen die größten Druckstellen des regulatorischen Schuhs wirken zu können. Unsere Stärke ist dabei der Überblick, mit dem wir versuchen, für Konvergenz zu sorgen, ergänzt durch spezifisches Detailwissen auf den wichtigsten Rechtsgebieten. Wenn man sich in einem komplexen Thema eine Expertise erarbeitet hat und damit die anderen Bankenvertreter überzeugen kann, entsteht etwa in der Wirtschaftskam-


Wirtschaft

Victoria Pagowski Das sagen die Kollegen über sie: Legal Council und Bank Accountant in einer Person – Motto: Vollgas, denn Stillstand ist Rückschritt – Kompetenz und Motivation machen das Unmögliche möglich – Expertin für BankenRegulatorik – motiviert alle

Silvia Liegl Das sagen die Kollegen über sie: Der direkte Draht nach Europa – Brüssel-Erfahrung über viele Jahre – Diplomatin im Herzen und Financial-Markets-Expertin im Hirn – dabei stets gut gelaunt und positiv eingestellt

Stefan Resetarits Das sagen die Kollegen über ihn: Unser Neuer ist Problemlöser für alles – Profi für Zivilrecht – Unterstützung für die beiden „Seniors“ und dadurch guter Überblick – bringt frisches Wissen von der Uni mit – meistert jeden Tag neue Herausforderungen

Sandra Steurer-Konrath Das sagen die Kollegen über sie: Herz und Zentrale der Abteilung – hochmotiviert – Rückversicherung und Fels in der Brandung – immer serviceorientiert – leidenschaftliche Optimiererin – Motto: „Her mit der Arbeit!“

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Wirtschaft

mer oder den Gremien und EACB-Arbeitsgruppen die Bereitschaft, unsere Ansichten und Stellungnahmen in die gemeinsame Position aufzunehmen weitgehend unabhängig davon, welches Land oder welchen Sektor man repräsentiert. Die EACB wiederum vertritt die Genossenschaftsbanken Europas, dies bedeutet einen Marktanteil von immerhin 20 Prozent. Auf diesem Weg können wir für unsere Mitglieder einiges bewegen. Was ist das Ziel eurer Arbeit? Silvia Liegl: Unser oberstes Ziel ist es natürlich immer, Verbesserungen für die Mitglieder zu erreichen. Im Bereich der Regulatorik gilt allerdings sehr oft: Wenn die Mitglieder nichts davon zu spüren bekommen, dann haben wir im Hintergrund das Schlimmste abwenden können. Und das, was Gesetz wird, bereiten wir für die Mitglieder auf, wir schulen und helfen bei der Umsetzung. Was sind die Vorteile einer eigenen Interessenvertretung? Silvia Liegl: Die Interessen von großen Bankengruppen stehen denen von Genossenschaftsbanken vielfach diametral gegenüber. Daneben gibt es selbst auf nationaler Ebene oft grundlegende Differenzen zwischen den unterschiedlichen Bankensektoren. Aus der rechtlichen Sonderstellung des Volksbanken24

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Zahlen und Fakten 2018

Eingelangte Rechtsakte (Regulatory Radar): 1.587 Verhandlungen und Termine im Ausland: 18 Verhandlungen und Termine im Inland:

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Abgehaltene Informationsveranstaltungen: 21 Schulungstage für Mitglieder: 7 Verbundes ergibt sich der Bedarf nach einer Vertretung, die diese Ausgangslage kennt, Erfahrung mit den Spezifika hat und die Interessen bestmöglich an Behörden und Gesetzgeber herantragen kann. Aber es gibt auch messbare finanzielle Vorteile: Einerseits spart man sich oft die Kosten für externe Berater. Andererseits bringt die Durchsetzung unserer Anliegen vielfach Erleichterungen, etwa die Anerkennung der Sonderstellung von Kreditinstitute-Verbünden zu MREL in der neuen BRRD II oder die Aufrechterhaltung der provisionsbasierten Beratung in der MiFID II. Was reizt euch an eurer Arbeit besonders? Stefan Resetarits: Die Abteilung ist interdisziplinär an der Schnittstelle zwischen Recht und Politik tätig und bietet daher die einmalige Gelegenheit, Recht von der Entstehung bis zur Umsetzung und Anwendung zu begleiten, aktiv zu formen und jeden Tag aufs Neue sowohl gänzlich Unbekanntes zu entdecken, als auch Details zu vertiefen.

Victoria Pagowski: Hier kann man sämtliche intellektuellen Stärken gut gebrauchen, denn sowohl der Arbeitsumfang als auch die Komplexität unserer Tätigkeitsbereiche verlangen optimale Organisation, Motivation und tiefgehendes Know-how. Zudem sind ausgezeichnete Fremdsprachenkenntnisse essenziell. Silvia Liegl: Es ist auch spannend zu sehen, dass viele in Brüssel entstandene „gut gemeinte“ Regularien in den Mitgliedstaaten praktische Probleme darstellen. Hier zu vermitteln und einzugreifen, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Außerdem ist es faszinierend, Gesetze nicht nur anzuwenden, sondern aktiv mitgestalten zu dürfen. Sandra Steurer-Konrath: Es gibt jeden Tag spannende Aufgaben. Ich finde es interessant, welchen Einfluss die Interessenvertretung auf die Gesetzgebung hat. Und es macht Freude, wenn man ständig etwas dazulernt. Unser Team ist einfach großartig. 


Wirtschaft

Modell des fertigen Projekts mit Kirche, Kloster und Neubauteil

Historische Ansicht des 1338 gegründeten Klosters

Kreatives Wohnen in alten Gemäuern Mit dem Zukunftsthema innovatives Wohnen beschäftigt sich die jüngste Neugründung im ÖGV: Die Genossenschaft Mona21 möchte einem ehemaligen Kloster neues Leben einhauchen. Text: Günther Griessmair Fotos: Mona21, einszueins Architektur

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ür das 1338 gegründete Augustinerkloster in Korneuburg samt Kirche, welches derzeit im Eigentum der Stadt steht, soll eine neue Nutzung gefunden werden. Eine Gelegenheit, die sich ein Team um Doris Wilhelmer – sie ist Innovationsforscherin am Austrian Institute of Technology – und den Informatiker Michael Leitner nicht entgehen lassen will: Gemeinsam mit Gleichgesinnten planen sie, aus der ehemaligen Klosteranlage das genossenschaftliche Wohnprojekt Mona21 zu machen – der Name soll an die Geschichte des Gebäudes erinnern und zugleich ins 21. Jahrhundert weisen. „Bereits 2016 hatten wir die Idee für ein innovatives Wohnprojekt. Jetzt endlich haben wir das ideale Areal dafür gefunden“, berichtet Wilhelmer. Auf rund 4.000 Quadratmetern Nutzfläche sollen 30 bis 40 Wohnungen sowie Gewerbe- und Kulturflächen entstehen. Dazu will die Genossenschaft den

Das Team von Mona21 und ÖGV-Beraterin Barbara Pogacar (li.) stoßen auf die erfolgreiche Gründung an

denkmalgeschützten Altbestand sanieren, um einen Neubauteil ergänzen und dann an die Mitglieder und Miteigentümer vermieten.

„Ein Dorf im Herzen der Stadt“ „Im Herzen von Korneuburg soll auf diese Weise ein eigenes Dorf entstehen, ein gemischt genutzter Lebensraum für weltoffene Menschen. Besonderen Wert legen wir dabei auf ein aktives Miteinander der Generationen“, erklären die Initiatoren. Vorgesehen sind daher auch ein Co-Working-Space und Gemeinschaftsräume. Ein Restaurant, ein Stadtheuriger, eine Praxisgemeinschaft und ein Kulturzentrum sollen zudem helfen, Lücken in der lokalen Versorgung zu schließen. Im Dezember 2019 entscheiden die Stadt Korneuburg und die Erzdiözese Wien über den Zuschlag für die Immobilie, dann soll auch der Mitgliederkreis

der Genossenschaft – derzeit sind es sieben – nochmals deutlich auf rund 50 erweitert werden. „Wenn alles gut geht, können die Mitglieder Ende 2022 einziehen. Die gemeinnützige Bau-, Wohnund Siedlungsgenossenschaft Alpenland und die Architekten Wehdorn und einszueins Architektur unterstützen uns auf diesem Weg“, so Wilhelmer.

Infos zum Projekt Tipp für Interessenten: Das MonaTeam veranstaltet immer wieder Infoabende, die auf www.mona.jetzt angekündigt werden. „Willkommen sind alle, egal ob jung oder alt. In der Aufbauphase freuen wir uns besonders über den Eintritt von Juristen, Finanzexperten, Architekten, Medizinern, Kulturmanagern und Kulturschaffenden sowie von Gastronomen, die ein Restaurant oder den Stadtheurigen hochziehen wollen“, erklärt Wilhelmer. 

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Wirtschaft Portfolio-Manager von Union Investment bei der Arbeit

Kapitalmarkt:

Ein Jahr der Chancen? Union Investment, Partner der Volksbanken bei Fondsprodukten, hat im Rahmen einer Veranstaltung in Wien vor institutionellen Anlegern über Kapitalmarktperspektiven und Anlagestrategien für 2019 referiert. „cooperativ“ war für Sie dabei. Text: Günther Griessmair Fotos: Fritz Philipp, Union Investment „Historisch betrachtet haben sich die Gesamtrenditen in Jahren nach schwachen Marktphasen fast immer deutlich erholt“, gab sich André Haagmann, Geschäftsführer für den Bereich institutionelle Kunden bei Union Investment, in seinem Eingangsstatement hoffnungsfroh für heuer. Denn 2018 war so ein schwaches Jahr - mit negativen Renditen in fast allen Anlageklassen. Besonders schlimm erwischte es deutsche Aktien und Papiere von Energieversorgern - mit einem Minus von über 17 Prozent. Als Gründe dafür nannte Haagmann ein abflachendes Wachstum der Weltwirtschaft, geopolitische Risiken wie die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump, die Unsicherheiten rund um den Brexit und um Italiens Staatshaushalt sowie die Straffung der Geldpolitik durch Fed und im Ansatz auch EZB. 26

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Abschwächung ja, aber … Der Handelskonflikt zwischen den USA und China werde die Kapitalmärkte noch länger beschäftigen, so Union-Experte Christian Kopf in seinem Konjunkturausblick. Der Grund: Den USA gehe es nicht nur um Zölle, sondern insgesamt um eine strategische Schwächung Chinas, dessen Handelspolitik nicht nur von Trump, sondern auch von einer breiten Mehrheit der US-Bevölkerung als unfair betrachtet werde. Diese Politik bleibe nicht ohne Folgen für Chinas Wirtschaftswachstum, das nach Union-Einschätzungen derzeit sogar noch stärker zurückgeht als von offiziellen Stellen angegeben. Auch für die Eurozone erwartet Union Investment heuer nur ein Wachstum von 0,9 Prozent – und liegt mit dieser Einschätzung unter den Pro-


Wirtschaft

gnosen der meisten Wirtschaftsforscher. Andererseits rechnet man anders als viele Pessimisten weder für die USA noch für die EU mit dem Abgleiten in eine Rezession. In Europa wird mit einer schrittweisen, wenn auch moderaten Anhebung der „Strafzinsen“ für Banken durch die EZB gerechnet: von -0,4 Prozent auf -0,25 im heurigen Jahr und auf null Prozent im Jahr 2020. Dafür werde die Fed bei Zinserhöhungen heuer vorsichtiger agieren, da die Finanzierungsbedingungen in den USA bereits zusehends restriktiver würden. „Der Großteil der US-Zinserhöhungen liegt hinter uns“, glaubt Kopf.

Das Zauberwort heißt Selektion In diesem Umfeld bricht Union einmal mehr die Lanze für aktiv gesteuerte Fondsveranlagung. Diese bringe für die Kunden deutlichen Mehrwert gegenüber passiven ETF-Produkten. Denn gezielte Selektion sei besonders in späten Aktienzyklen mit reduzierter Dynamik – wie wir sie aktuell erleben ein Erfolgsrezept. Chancen gebe es zur genüge.

Präsentation der Kapitalmarktperspektiven vor institutionellen Anlegern in Wien

„Der 2018 beobachtete Rückgang bei den Aktienkursen preist eine erhebliche Wachstumsabschwächung ein, die Rückgänge waren aus unserer Sicht übertrieben“, so Benjardin Gärtner, Leiter des Portfoliomanagements Aktien bei Union. „Da die Gewinne weiterhin auf hohem Niveau bleiben, sind Aktien jetzt insgesamt günstiger bewertet als vor einem Jahr“, so der Experte. Dabei sieht er US-Papiere noch immer im Vorteil gegenüber europäischen Titeln.

Abschließend gab Gärtner noch einen Einblick in die Arbeit der Union-Aktienspezialisten, die aus den rund 2.500 wichtigsten Titeln der Welt in einem mehrstufigen Investmentprozess die besten und erfolgreichsten für die Kunden auswählen, wobei auch Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden. Ausgewählte Aktien aus dem Anlageuniversum finden letztlich Eingang in die Fondspalette von Union Investment. Damit profitieren auch Volksbank-Kunden von dieser Research-Arbeit der Profis. 

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Wirtschaft

Der Markt und wir

Der Markt zwinge Unternehmen zu Entlassungen, der Markt scheuche die Politik vor sich her, der Markt reagiere nervös, heißt es immer wieder. Der Marktglaube geht oft so weit, den Markt zu personifizieren. Ein neues Buch stellt dem einen ganz anderen Ansatz gegenüber. Text: Holger Blisse Foto: iStockphoto.com

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bwohl die sogenannte Finanzkrise, zutreffender als Finanzmarktkrise bezeichnet, erheblichen Rettungsbedarf und Regulierungsanstrengungen hervorgerufen hat, besteht der Glaube an den Markt und die Marktkräfte, zugleich aber auch an die Verantwortlichkeit des Marktes für das wirtschaftliche Geschehen, fort. Doch gehandelt haben Menschen; von ihnen stammten etwa die auf den Markt gebrachten und später ausfallgefährdeten („toxischen“) Wertpapieremissionen. Den Ausgangspunkt für eine alternative Sichtweise bietet die Frage: Was wäre, wenn dieser verabsolutierte Markt gar nicht existierte? Peter Seele, Professor für Corporate Social Responsibility an der Universität Lugano, und Chr. Lucas Zapf, Wissenschaftler an der Theologischen Fakultät der Universität Basel, argumentieren wie folgt: „In einer dreiwertigen Logik, in der es eine Mitte zwischen Wahr und Falsch gibt, 28

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erscheint der Markt als vergöttertes Dazwischen. Diese Sichtweise ermöglicht es, den Markt rhetorisch zu einer außerweltlichen Autoritätsfigur zu erheben.“

Fokus auf die Marktteilnehmer Dem stellen beide eine analytisch scharfe, zweiwertige Logik entgegen: Dann existiert nicht der Markt, sondern der Blick richtet sich direkt auf die Marktteilnehmer und die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen bis hin zu Kräfteungleichgewichten, die Ausdruck einer in vielerlei Hinsicht unterschiedlichen Ausstattung der in Markt- bzw. Vertragsbeziehung miteinander tretenden Marktteilnehmer sind. Die Marktvergötterung wird genutzt, um beispielsweise unangenehme Entscheidungen zu entschuldigen und zu legitimieren sowie die Verantwortung abzuwälzen. Dagegen stellen die

Autoren einen „freien und aufgeklärten Marktbegriff“, mit dessen Hilfe sich diese „riskanten Verzerrungen“ wie eine Marktvergötterung auflösen. Ihr Ergebnis entwickeln Seele und Zapf in zwei Schritten: Der Markt stellt erstens eine soziale Konstruktion und Übereinkunft zur Regelung der einzelnen Transaktionen von Tauschpartnern dar. Als solche ist der Markt formbar, hinterfragbar, kritisierbar, kein Naturgesetz und schon gar keine Gottheit. Daraus leiten sie zweitens ab, dass die Bedeutung des Begriffs „Markt“ von seinen Teilnehmern abhängig ist. „Der Markt existiert nicht“, schreibt auch der politische Ökonom Leonardo Becchetti, zumindest nicht ohne die Menschen. Ein Markt existiert in der Form, die ihm die Menschen geben, welche sich seiner bedienen. So lautet der Titel eines Buches von Becchetti auch folgerichtig „Wir sind der Markt“ (Il mercaro siamo noi).


Wirtschaft

Genossenschaften als Beispiel für ein Korrektiv Die Autoren dekonstruieren den Markt und legen seine normativen Bedeutungen offen. Ihnen geht es um die Verwendung eines aufgeklärten Marktbegriffes. Eine Marktvergötterung entkoppelt Gesellschaft und Ökonomie, indem sie den Markt verklärt und unantastbar macht. Es kommt darauf an, den Markt seinen Konstituenten argumentativ wieder anzunähern. Dazu muss der Markt realisiert, auf die Welt und in den Einflussbereich der Menschen zurückgeholt werden. Dem Markt muss seine Lebendigkeit aberkannt werden, um ihn auf seine technische Funktion zu reduzieren. Ein vergötterter Markt kann aus sich selbst heraus kein Korrektiv entwickeln, wie es etwa Genossenschaften in Zeiten von Marktversagen oder bei nicht über den Markt bereitgestellten Angeboten und Problemlösungen immer wieder sind und dauerhaft sein können. An ihrem Beispiel wird die aktive Rolle der be-

Buchtipp Holger Blisse Geld und Gesellschaft: Einstimmende und begleitende Beiträge zu einer breiteren Diskussion

Wissenschaftlicher Rat 46 Seiten € 12,90 Mit seinen profunden, oft durchaus kritischen Analysen und Beiträgen zu Banken und Genossenschaften ist Holger Blisse ein fester Bestandteil des Autorenteams im „cooperativ“, er publiziert aber weit darüber hinaus. Nun ist ein neuer Band von ihm erschienen:

troffenen Menschen nur allzu deutlich, auch, wenn es zur Aktivierung zuweilen externer Vermittlung bedarf („Hilfe zur Selbsthilfe“).

Markt braucht Ethik und Regeln Mit den Worten des Schweizer Wirtschaftsethikers Peter Ulrich müssen für die Autoren die Fragen von Verteilungsgerechtigkeit und kulturellen Leitideen von außen in den Markt gebracht werden. Denn die Marktteilnehmer formen den Markt. Dies schränke nicht die Freiheit des Marktes ein, sondern setze Grenzen, innerhalb derer sich der Markt frei bewegt. Die Rationalität des Marktes sei kulturell bedingt – und damit eine Folge gesellschaftlicher Aushandlung. Zudem ist die Freiheit des Marktes nicht mit individueller Freiheit zu verwechseln, im Gegenteil: Ein freier Markt soll ein Instrument bleiben, um Austausch wettbewerblich und damit effizient zu gestalten. Dies hat nicht den Rang eines Menschenrechtes. Der

„Geld und Gesellschaft“ ist eine strukturierte Sammlung von Kommentaren, welche seit 2015 in der „Wiener Zeitung“ erschienen sind. Teilweise wurden sie überarbeitet und aktualisiert. Ausgehend vom Phänomen sozialer Ungleichheit spannt Blisse darin den Bogen von der Rolle des Staates über Wirtschafts- und Marktethik bis zur Bedeutung von Banken. Dabei bricht er stets eine Lanze für eine Ökonomie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. In diesem Zusammenhang sieht er auch die Stärken und Zukunftschancen von Genossenschaften. Eine Pflichtlektüre für alle, die unsere Art zu wirtschaften reflektieren statt nur als gegeben hinnehmen wollen. Günther Griessmair

Markt ist eine sozial bedingte Konstruktion, entsprechend sind es Marktverwerfungen, die eines gesellschaftlich auszuhandelnden Ausgleichs – für Wettbewerbsverzerrungen bis hin zu betrügerischen Angeboten – bedürfen, wie dem etwa die Genossenschaften das in ihnen mögliche gegenseitige und gleichberechtigte Wirken als Basis gegenüberstellen. Es ist die Aufgabe jedes einzelnen Marktteilnehmers, aber auch der Gemeinschaft, in der sich Märkte ausbilden, sich dem vergötterten Markt zu widersetzen und „ihn“ auf den Boden der Tatsachen zu holen. Die Verantwortung für das eigene Handeln ist nicht auf den Markt abzuwälzen. Am Ende scheinen die Autoren jedoch der eigenen Logik nicht konsequent folgen zu wollen, bleiben einem traditionellen Verständnis verhaftet und entbinden den Markt einer Verantwortung, wie sie nur eine dritte Instanz bieten kann, wenn sich ungleich starke Marktteilnehmer gegenüberstehen. Denn es gibt für Seele und Zapf eben doch den Markt als etwas Eigenständiges, wenn sie sich dafür aussprechen, „den Markt zu nutzen als das, wozu er am besten funktioniert: als vorzügliches Verfahren, um die Wirtschaft zu organisieren, effiziente, neue und dienliche Lösungen zu finden“. Dies beschreibt dann eben doch Wettbewerb und Konkurrenz als das heutige Marktverständnis und die Wirtschaftsweise kennzeichnende Elemente in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. 

Peter Seele, Chr. Lucas Zapf

Der Markt existiert nicht – Aufklärung gegen die Marktvergötterung Springer Verlag 140 Seiten € 25,70 cooperativ 1/19

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„Global denken, lokal handeln“ Im Februar ist die Internationale Volksbankenvereinigung mit ihrem LINK-Programm zu Gast in Wien gewesen. Wir haben die Gelegenheit genutzt und Präsident Alain Declercq gefragt, warum es sich lohnt, bei der CIBP dabei zu sein, was er für die Zukunft plant und wie er als Vertreter einer kleinen Bank mit der Regulatorik zurechtkommt. Interview: Foto:

Andrea Karner und Victoria Pagowski Banque CPH

„cooperativ“: Herr Declercq, vor etwas mehr als einem Jahr sind Sie zum neuen CIBP-Päsidenten gekürt worden. Was hat sich seither getan? Alain Declercq: Die ersten Monate meiner Präsidentschaft waren dem Umbau der CIBP gewidmet. Erstmals gibt es auch eine Aufgabenteilung: Ich bin mit Marco Aurélio de Almada, CEO der brasilianischen Bancoob, angetreten, um der CIBP eine neue Richtung zu geben. Wir verfolgen zwei große Ziele: den Ausbau des LINK-Programms, das seit über zehn Jahren sehr erfolgreich läuft, und die Beschäftigung mit technischer Innovation und ihrer Akzeptanz in der Gesellschaft. Meine Aufgabe ist es, das CIBP-Büro in Brüssel auf neue Beine zu stellen und das LINK-Programm weiterzuentwickeln. Das Thema Innovation treiben die Brasilianer voran. Sie sind als relativ junge genossenschaftliche Bankengruppe sozusagen Digital Natives und verfolgen einen sehr innovativen Technologieansatz. Sie setzen also auf Personalentwicklung und technologische Innovation. Sind das für Sie die größten Herausforderungen im Bankenumfeld – speziell für Genossenschaftsbanken? Ich möchte hier gar keine Unterscheidung zwischen Genossenschaftsbanken und anderen Banken treffen. Die Rahmenbedingungen sind für alle gleich, die Zinsspanne ist gering oder sogar negativ. Für die CIBP ist es wichtig, den Mitgliedern interessante Leistungen anzubieten. Denn das Internet hat auch das Leistungsangebot der CIBP verändert, welches auf einem persönlichen Netz30

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werk hochrangiger Manager von Genossenschaftsbanken beruht. Wer heute Geschäftspartner in anderen Ländern sucht, der wird zuerst einmal googeln und dann vielleicht über LinkedIn Kontakte herstellen. In der CIBP treffen wir uns auf CEO-Ebene alle sechs Monate. Im Exekutivkomitee identifizieren wir gemeinsame Herausforderungen und setzen gezielte Maßnahmen. Nehmen wir als Beispiel das LINK-Programm, mit dem Sie gerade hier bei der Volksbank Wien zu Gast sind. Die Idee dazu kommt ja aus Österreich: Damals war die ÖVAG für einige Mitglieder der CIBP der Brückenkopf zu den Märkten in Mittel- und Osteuropa. Von Beginn an hat Rainer Borns, heute Vorstand der Volksbank Wien, das LINK-Programm vorangetrieben. Warum sollte Österreich heute noch Teilnehmer zu diesem internationalen Managementtraining entsenden, wenn doch der Fokus mittlerweile auf dem nationalen Markt liegt? Wir alle brauchen dringend Manager mit genossenschaftlichem Background in unseren Führungs- und Aufsichtsgremien. Das LINK-Netzwerk mit über 120 Alumni aus zwölf Nationen kann hier einen wertvollen Beitrag leisten. Viele Teilnehmer wussten vorher gar nicht, dass es auch in anderen Ländern und sogar auf anderen Kontinenten Bankenorganisationen gibt, die ihren Instituten sehr ähnlich sind und die auf genossenschaftlichen Werten beruhen. Gerade diese Werte schaffen eine starke Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Bank und ein Gefühl der Gemeinsamkeit - auch länderübergreifend. Als CEO einer kleinen belgischen

Genossenschaftsbank möchte ich auch in 15 Jahren noch für meine Mitglieder und Kunden da sein. Nur, wenn wir unsere Werte hochhalten und trotz aller Regulierungen, die uns die Aufsicht auferlegt, gute Geschäfte machen, können wir im Wettbewerb bestehen. Global denken, lokal handeln - dieses Motto, unsere traditionellen Werte und loyale Kunden sind unsere Gemeinsamkeiten. Das treibt uns an. Ihre Bank, die CPH, ist schon seit vielen Jahren Mitglied der CIBP. Warum rechnet sich für Sie der Mitgliedsbeitrag? Ich schätze mein persönliches Netzwerk mit den Kollegen in Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Kanada, Marokko oder auch Österreich sowie die Kontakte, die meine Mitarbeiter zu Kollegen in diesen Ländern über das LINK-Programm geknüpft haben. Es ist einzigartig und stellt unsere Bank in Belgien in einen globalen Zusammenhang, der auf dem Vertrauen in das genossenschaftliche Bankensystem und seine Zukunft beruht. Im letzten Jahr konnten wir übrigens auch Vertreter aus Chile und Kolumbien als Mitglieder gewinnen. Und wir haben SPARK gegründet, eine Skype-Session zu Top-Themen, die Vortragende für 35 Minuten mit Teilnehmern aus interessierten Mitgliedsbanken verbindet. Es sind aber


International

vor allem die gelebten genossenschaftlichen Werte, die wir hochhalten und die den Unterschied zu anderen Banken im Wettbewerb ausmachen. Wie gelingt es eigentlich Ihrer kleinen Banque CPH, auf „Stand alone“-Basis die Vielzahl an aufsichtsrechtlichen Bestimmungen zu erfüllen? Diese Frage wird mir sehr oft gestellt. Klein zu sein, hat auch Vorteile. Wir haben 220 Mitarbeiter und seit 20 Jahren eine CIR von unter 60 Prozent, zuletzt lag sie sogar bei 45. Meine persönliche Meinung ist: Wer erfolgreich sein will, muss entweder sehr klein oder sehr groß sein. Wer dazwischen liegt, der hat die Kosten der Großen und die Einnahmen der Kleinen. Wir haben ein integriertes IT-System und kommen sehr schnell an alle Informationen, die wir für das Reporting an die Aufsicht brauchen. Das Internet hilft uns dabei, an günstige Dienstleistungen zu kommen, die wir nicht selbst im Haus zur Verfügung haben. Nächste Woche haben wir wieder eine Aufsichtsratssitzung mit 21 Tagesordnungspunkten, 18 davon betreffen neue Regulierungsvorschriften. Damit müssen wir in Zukunft leben. Eine gute IT-Ausstattung und ausgezeichnete Mitarbeiter helfen dabei. Wo sehen Sie die CIBP in zwei Jahren? Ich freue mich schon auf das Jahr 2020, wenn wir den 70. Geburtstag der CIBP in St. Malo feiern. Bis dahin wird die Restrukturierung abgeschlossen und die Internationale Volksbankenvereinigung fit für das digitale Zeitalter sein. 

Ein Tag, der verbindet Von Japan über Marokko bis Brasilien: Im Rahmen des LINK-Programms der Internationalen Volksbankenvereinigung (CIBP) kamen Vertreter von Volksbanken aus aller Welt in Wien zusammen, um sich mit Innovationen im genossenschaftlichen Banking zu beschäftigen. Text und Foto:

Victoria Pagowski

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ie Veranstaltung, die von der Volksbank Wien gemeinsam mit dem ÖGV organisiert wurde, war Teil des Management-Trainingsprogramms der CIBP. Zunächst gaben Barbara Pogacar (Beratung Ware im ÖGV) und die Autorin dieses Beitrags einen Überblick über das österreichische Genossenschaftswesen und die Rolle des ÖGV. Im Anschluss bot die Volksbank Wien Einblicke in die Struktur des Volksbanken-Verbundes und die aktuellen Entwicklungen: Die Begrüßung übernahm Generaldirektor Gerald Fleischmann, danach referierten Kommunikationsdirektor Wolfgang Layr und Manuela Elsensohn-Pauser (Investor Relations). Zum Kernthema der Veranstaltung, Innovation und Digitalisierung, war die FMA-Expertin Bibiane Kaufmann als Gastreferentin geladen. Sie stellte die Sichtweise der Finanzmarktaufsicht zu Fintech-Unternehmen sowie Fintech-Angeboten von etablierten Banken dar. Ein Fokus lag auf den aktuellen und künftigen Anwendungsmöglichkeiten von künstlicher Intelligenz im Finanzbereich. Um die Digitalisierungsstrategie im Volksbanken-Verbund ging es im Referat von Horst Weichselbaumer-Lenck (Leitung Digitalisierung in der Volksbank Wien). Er thematisierte auch die Kooperation mit Start-ups aus dem Fintech-Bereich, die Herausforderung für etablierte Banken, IT-Innovationen mit bestehenden Systemen zu vereinen, und wie Banken auch in Zukunft die emotionale Bindung mit ihren Kunden aufrechterhalten können. Zum Abschluss gab es noch einen Einblick in die Bankberater-Ausbildung mittels Virtual Reality, welche die Volksbank Akademie gemeinsam mit CREATE.21st century erfolgreich umgesetzt hat. Christoph SchmidtMartensson, CEO von CREATE, lud die Teilnehmer auch gleich zum Ausprobieren der VR-Technologie ein.

Zitate von Teilnehmern aus aller Welt „Das genossenschaftliche Modell ist nachhaltig und verfügt über eine Langzeitperspektive.“ Béatrice Vignon, FNBP (Frankreich) „Wir unterstützen Projekte zur sozialen Entwicklung, insbesondere für Jungunternehmer.“ Yacine Lemcharki und Narjis Elamrani, Banque Centrale Populaire (Marokko)

„Wir fördern die Regionen der Mitglieder und Eigentümer unserer Genossenschaften.“ Kazutaka Takii, Norinchukin Bank (Japan) „Wir stehen für die nachhaltige Entwicklung der Region.“ Jackson Duarte Silva, Banco Cooperativo do Brasil „Unsere Mitglieder sind auch unsere Kunden und Eigentümer. Dieses historische Prinzip ist auch heute noch modern.“ Fancois Petit, Banque CPH (Belgien)

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Digital UND nah als Erfolgsrezept Wie können Genossenschaftsbanken ihre traditionelle Stärke, die persönliche Nähe zum Kunden, mit den Herausforderungen der Digitalisierung zu einer zukunftsfitten Kombination machen? Zu dieser Schlüsselfrage lud Theresia Theurl Experten und Vertreter von Banken an die Uni Münster. Text: Benedikt Lenz, Robin Schupp und Robin Wolf Fotos: Uni Münster

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ie zentralen Herausforderungen umriss Wolfgang Klotz, Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Volksbank: Plattformen und Aggregatoren können sich in die Schnittstelle zwischen Kunde und Genossenschaftsbank schieben und die Bank damit zum reinen Produkt- oder Leistungslieferanten degradieren. Innovatoren entwickeln neue Leistungen, die bisher nicht im Portfolio der Genossenschaftsbank waren, und substituieren diese somit in bestimmten Bereichen. Zudem treten Disruptoren auf, welche die Bank durch technologische Konzepte und Plattformen vollständig ersetzen könnten. Genossenschaftsbanken müssten sich dieser Entwicklung annehmen und sie zu ihrem Vorteil nutzen. Ein guter Ansatz dabei sei laut Klotz, die Nähe und persönliche Beziehung zum Kunden zu nutzen und zugleich die Technologie als integralen Bestandteil in die Strategie der Genossenschaftsbank einzubinden. Die Umsetzung dieser Einbindung erfordere jedoch viel Expertise, weshalb sie nur gemeinsam im Verbund bewältigt werden könne.

Die Genossenschaftsbank als „modernes Gesamtkunstwerk“ Andreas Kinser, Vorstand der Grafschafter Volksbank, ging der Frage nach, welchen Beitrag digital gut ausgebildete Mitarbeiter für den nachhaltigen Erfolg 32

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Die vollbesetzte Aula im Schloss der Universität Münster

einer Genossenschaftsbank leisten. Für ihn ist klar: Künftig ist weniger der Produkt- und Leistungswettbewerb erfolgsrelevant, sondern vielmehr die Kundenwahrnehmung. Diese dürfe jedoch nicht isoliert an der Umsetzung von Digitalisierungskonzepten gemessen werden. Aufgabe der Bank sei es, dem Kunden als „modernes Gesamtkunstwerk“ zu erscheinen. Konkret nannte er sechs Faktoren für eine erfolgreiche digitale Zukunft: » den Marktauftritt, bei welchem die Bank die Digitalisierung als Ganzes präsentieren müsse » eine fokussierte Kundenausrich tung, wobei der Kunde die Bank nicht bloß als attraktiv und nett, sondern als sexy empfinden müsse

» die Leistungen und Produkte, welche konsequent aus der Sicht des Kun den gedacht werden müssten » die bankinterne Organisation, wo bei hier alles digitalisiert werden müsse, was digitalisierbar sei, um fit für die Zukunft zu sein » die Transformation hinsichtlich Kultur und Führung, wobei gelasse ner und ohne Angst mit Verände rungen umgegangen werden müsse » die Mitarbeiter als erfolgskritische Akteure, die zwingend eine digitale Reife vorweisen müssten Innerhalb der Grafschafter Volksbank wird letzteres durch den sogenannten DigiCoach umgesetzt. Dieser arbeite hierarchiefrei und erörtere in eigenen Foren, welche Digitalisierungsthemen im


International

Die Podiumsdiskussion mit Professor Theresia Theurl

Zuge eigener Digitalisierungswochen mit den Mitarbeitern erarbeitet werden sollen. Kinser betonte dabei, dass nicht nur die Mitarbeiter an einer ganzheitlichen Digitalisierung der Bank mitwirken müssten, sondern insbesondere auch der Vorstand ein solches Digitalisierungskonzept mitgehen und als Repräsentant vertreten müsse.

Erster Ansprechpartner über alle Vertriebskanäle Wolfgang Baecker, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Westmünsterland, referierte zum Thema „#allesbleibtanders – Digitales Banking von Mensch zu Mensch“. Er kritisierte, dass in der Praxis häufig die Filiale als Ertrags- und Kostenproblem identifiziert werde, weshalb Schließungen und verkürzte Öffnungszeiten an der Tagesordnung vieler Genossenschaftsbanken stünden. Baecker warnte davor, dass die Banken bei einer Aufgabe der Flächenpräsenz riskieren, eine wichtige Kundenschnittstelle zu verlieren, die von digitalen Fintechs nicht besetzt werden kann. Das Geschäftsmodell der VR-Bank Westmünsterland sei es daher, immer als erster Ansprechpartner über alle Vertriebskanäle hinweg zu agieren. Dieses Ziel soll beispielsweise durch mehr Service vor Ort, geringere Kosten, längere Öffnungszeiten sowie weniger Personal erreicht werden. Insgesamt gehe es darum, als Bank persönlich zu bleiben. Dies sei jedoch nicht nur über den direkten Filialbetrieb zu erreichen. Baecker berichtete in diesem Zusammenhang von „VRanzi“, einer virtuellen Ansprechpartnerin (Chatbot), wel-

che dem Kunden auf Grundlage künstlicher Intelligenz Fragen beantworte und zum digital-persönlichen Vertrieb (Servicecenter) überleiten könne.

Genossenschaftliches Crowdfunding als Chance Jürgen Pütz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Köln Bonn, referierte darüber, wie Genossenschaftsbanken Crowdfunding und Crowdinvesting erfolgreich integrieren können. Die Volksbank Köln Bonn betreibt schon seit 2014 eine eigene Online-Plattform, über die lokale Crowdfunding-Projekte organisiert und damit unterstützt werden. Die Bank sorge dabei einerseits für den technischen Betrieb, die Einhaltung des rechtlichen Rahmens und eine reibungslose Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Andererseits übernehme sie die Rolle des Promoters und unterstütze mit Werbung und im Vertrieb die zu finanzierenden Projekte. Zusätzlich sei sie auch Spender, indem sie selbst finanzielle Beiträge leiste. Damit sorge die Volksbank Köln Bonn dafür, dass Projekte umgesetzt werden können, die sonst nicht zu Stande gekommen wären. Sie könne dabei neue Kontakte knüpfen und ihre Bekanntheit steigern. Pütz adressierte auch das Crowdinvesting. Im Gegensatz zum Crowdfunding erhalten die Geldgeber dabei keine ideelle Vergütung, sondern eine Verzinsung. Vor allem das Reputationsrisiko, falls die angenommenen Projekte eine unerfreuliche Entwicklung nehmen, sei der Grund dafür, dass die Volksbank Köln Bonn kein Crowdinvesting betreibe.

Mut zur Automatisierung zeigen In der abschließenden Podiumsdiskussion skizzierte Jan Koserski, Managing Director der Boston Consulting Group, die Digitalisierung als vermeintlich alten Bekannten, der nun ungeahnt drastische Züge offenbare. Weder technologischer Wandel noch Kostendruck seien neu, aber sie würden durch ein geändertes Nutzerverhalten, die erhöhte technologische Verfügbarkeit und die Konkurrenz der Fintechs in neuem Licht erscheinen. Nötig sei es nun, die Kundenschnittstelle konsequent zu überarbeiten und Mut zur Automatisierung zu zeigen. Dabei die Mitarbeiter nicht zu vergessen und auch ihnen den Mehrwert der digitalen Veränderungen zu verdeutlichen, mahnte Frank Ostertag, Vorstand der Volksbank Wildeshauser Geest, ein. Digitalisierung funktioniere nicht nur nach außen, sondern könne etwa auch in Form eines „internen Facebook“ zum Ideen- und Meinungsaustausch unter den Mitarbeitern eingesetzt werden. Gleichzeitig ermögliche die Technik dem Berater, sich dem Kunden als vorausschauender Problemlöser anzubieten. Ein Potential, das es zu nutzen gelte. Einigkeit herrschte schließlich in Bezug auf die nötige Zukunftsstrategie der Genossenschaftsbanken, um ihr einzigartiges Geschäftsmodell auch in digitalen Zeiten erfolgreich bewahren zu können: den Kunden konsequent in den Mittelpunkt stellen und die Veränderungen aktiv angehen. Denn wie Professor Theurl abschließend feststellte: „Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben und somit keine adäquate Strategie.“ 

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International

Die engagierte Welt der Sozialgenossenschaften In Neapel findet jedes Jahr die Social Cooperatives International School statt, ein weltweites Treffen sozialer Genossenschaften. Aus Österreich war diesmal Sabine Kock, Geschäftsführerin von Smart Austria, dabei. Für „cooperativ“ berichtet sie über ihre Eindrücke. Text: Sabine Kock Fotos: Fattoria Sociale Fuori di Zucca

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ährend in Österreich Genossenschaften stark unternehmerisch verortet sind, bieten andere Länder wie Italien, Tschechien oder auch Südkorea spezielle gesetzliche Bestimmungen für Genossenschaften, die sozialen Nutzen für das Gemeinwohl stiften. Dieser Sonderstatus ist meist verbunden mit steuerlichen Erleichterungen, geringeren Sozialversicherungsabgaben für Anstellungen oder dem Zugang zu speziellen Förderungen etwa im Zusammenhang mit Beschäftigungs- und Wiedereingliederungsmaßnahmen in den Arbeitsmarkt. Die inhaltliche Vielfalt dieser Genossenschaften ist beeindruckend, wie die Social Cooperatives International School zeigte.

Mafialand den Menschen zurückgeben Allein im Gastgeberland Italien gibt es 6.225 Sozialgenossenschaften, in denen insgesamt 229.000 Menschen arbeiten. Eine besondere Vorgeschichte hat die Genossenschaft Fuori di Zucca in einem Vorort von Neapel: Das idyllische Areal ist eines von rund 40 Grundstücken, die der Staat von der Mafia konfisziert hat und das nun einem sozialen Zweck gewidmet ist. Die Genossenschaft ermöglicht Menschen, die aufgrund von Traumata, Krankheit oder Drogensucht aus ihren Arbeits34

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und sozialen Verhältnissen herausgefallen sind, einen Zugang zu sinnvoller Arbeit: Gartenland wird beackert, Tiere sind zu versorgen, ein Hofladen vertreibt die Produkte der Genossenschaft. Eine Gedenkstätte im Garten erinnert an die Opfer der Camorra und verweist zugleich auf die Vision von Fuori die Zucca: Auf dem „belasteten“ Boden sollen Initiativen für Gemeinschaft und Sozialleben entstehen. Ein anderes Beispiel aus der Region ist ParteNeapolis, eine innerstädtische Genossenschaft, die in den Bereichen Bildung und Tourismus tätig ist. Sie organisiert Stadtführungen sowie Reisen und Aufenthalte etwa für Schulen, in die soziokulturelle Aktivitäten und Events wie Theaterbesuche eingebunden werden. Darüber hinaus kümmert sie sich direkt um die Betreuung einzelner Sehenswürdigkeiten wie der Kirche Sant‘ Anna dei Lombardi, die eines der bedeutendsten Beispiele der toskanischen Renaissance darstellt. Ein weiteres Erfolgsmodell ist Ambiente Solidale. Jeder erinnert sich noch an die Bilder von aufgetürmten Müllbergen in Neapel – aufgrund von Mafiastrukturen und Streiks brach die Müllentsorgung der Stadt völlig zusammen. Die Genossenschaft sammelt, sortiert und verwertet textile Abfälle und beschäftigt mittlerweile 30 Personen. Die für einen Wiederverkauf verwertba-

ren Textilien werden aufbereitet und auch wenn die Miete dort hoch ist - bewusst in einem Shop mitten in der Altstadt verkauft, um auf die Problematik aufmerksam und das Projekt bekannt zu machen. Der Überschuss fließt in ein Projekt, das Ambiente Solidale zusammen mit der Caritas betreut: Dabei werden täglich Care-Pakete für 70.000 Menschen in der Region Neapel zusammengestellt und verteilt – an Obdachlose oder auch an arme Familien.

Genossenschaften als Ersatz für Wohlfahrtsstaat Wir wechseln den Kontinent: Eine Delegation aus Indien stellte die Delhi State Consumer Cooperative Federation vor – einen Verbund von Konsumgenossenschaften mit weit über einer Million Mitgliedern. Insgesamt gibt es in Indien etwa 3.000 soziale Genossenschaften in den Bereichen Landwirtschaft, Banken und Kreditwesen sowie Konsum. Genossenschaftsbanken sind in Indien vielfach mit Mikrokreditsystemen erfolgreich. Auch in Nigeria dominieren Sozialgenossenschaften in der Landwirtschaft und bei der Vergabe von Mikrokrediten etwa für Landerwerb. Das große Problem Nigerias: 30 Prozent des BIP macht die Ölindustrie aus, doch durch wirtschaftliche Einbrüche gibt es aktuell eine Rü-


International

ckentwicklung zur Landwirtschaft. Die Lagos State Cooperative Federation bildet den größten Dachverband nigerianischer Genossenschaften und hat zugleich eine starke quasi-gewerkschaftliche Funktion in der Durchsetzung von arbeitsrechtlichen Verbesserungen. Äußerst eindrucksvoll war auch die Darstellung der Genossenschaften aus Südkorea. Im Tigerstaat sind im Zuge des wirtschaftlichen Wachstums und industriellen Wandels viele auf der Strecke geblieben: Arme, Alte, Frauen, Menschen ohne Bildung haben oft keine Teilhabe an den Errungenschaften des Turbokapitalismus, ein mit Europa vergleichbares staatlich organisiertes Wohlfahrtssystem gibt es nicht. Als Gegenreaktion hat sich eine Genossenschaftsbewegung entwickelt, die mittlerweile ein relevanter wirtschaftlicher Faktor im Land geworden ist. Mit ihrem Enthusiasmus begeisterten die Genossenschaftsmitglieder aus Südkorea auf dem Treffen in Neapel. Ausgehend von ihrem Leitspruch „Alle zusammen“ haben sie eine neue Gesellschaftsvision entwickelt: „Erst der Mensch, dann das Kapital!“ Neben landwirtschaftlichen und Konsuminitiativen boomen Genossenschaften im Wohnbau und Bildungssektor, aber vor allem auch Gesundheitsgenossenschaften, die vielen eine leistbare Krankenversicherung ermöglichen.

der Diabetes-Erkrankungsrate oder der Zahl der Gefängnisinsassen. Das senke wiederum gesellschaftliche Folgekosten, die sonst wesentlich höher wären als die geleistete Investition. Für den Staat sei das Ganze also wirtschaftlich interessant. Sozialgenossenschaften mit ihrem regelmäßigen Monitoring sind hier gut aufgestellt mit ihrer Investment Readiness und einer Agenda, die demokratischen und sozialen Prinzipien folgt. 

Die Genossenschaft Fuori di Zucca verkauft Produkte, die auf ehemaligem Mafiagrund angebaut wurden

Sozialen Nutzen und Rentabilität verbinden Der Mailänder Wirtschaftswissenschaftler Mario Calderini resümierte zum Abschluss der Konferenz, dass Investoren weltweit zunehmend auf Projekte mit dezidiertem Social Impact setzen. Die neue Ethik des Investments verbinde erfolgreich soziale Implikationen mit Rentabilität. Und: Mit vielen sozialen Initiativen sei letztlich klar messbarer Output verbunden - etwa eine Reduktion der Schulabbrecherquote, cooperativ 1/19

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Kultur

Der Borobudur ist das größte buddhistische Baudenkmal der Welt

Von Göttern, Vulkanen und Totenkult Zentral am Äquator liegt Indonesien – mit über 17.000 Inseln der größte Inselstaat der Erde. Jede davon ist so unverwechselbar wie ihre Bewohner mit den unterschiedlichen Kulturen, Bauten und Religionen. Auf Java, Bali und Sulawesi kann man diese zauberhafte Vielfalt erleben. Text und Fotos:

Anton Schmoll

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s ist ein waghalsiges Abenteuer, die Straße zu überqueren während der Rushhour in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens. Morgens und abends gibt es fast kein Durchkommen, da mehrere Millionen Javanesen in der Stadt arbeiten und so zu Verkehrschaos und Smog beitragen. In beiden Fahrtrichtungen sind die Hauptverkehrsadern so voll mit Motorrollern, dass kaum mehr Platz für ein weiteres Vehikel zu sein scheint. Hier in Jakarta gibt es Millionen Mopeds, die ihre Abgase in die Luft blasen. Die „Normbeladung“ sind drei Personen – inklusive Kinder können es aber auch fünf sein. Für uns bleibt es ein Rätsel, wie dieses Verkehrschaos nach ungeschriebenen Gesetzen ohne viele Unfälle funktioniert. 36

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Das Sultanat Yogyakarta Szenenwechsel: Gemächlich fahren wir mit einer Fahrrad-Rikscha und können in aller Ruhe das Alltagsleben von Yogyakarta beobachten. Die Stadt ist Javas kulturelles Zentrum. Hier leben viele Künstler, es gibt zahlreiche Galerien, die Stadt ist das Zentrum für traditionelle Batikkunst und javanisches Puppenspiel. Yogyakarta hat innerhalb Indonesiens einen Sonderstatus, denn es ist ein Sultanat. Dies quasi als Dank, dass die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg Zentrum der Unabhängigkeitsbewegung war, wobei der Vater des derzeitigen Sultans eng mit dieser Bewegung kooperierte.

Wir besuchen den königlichen Kraton, den javanischen Sultanspalast, in dem heute noch 25.000 Menschen leben: Mitglieder der Sultansfamilie, Soldaten, Wächter und Höflinge. In der Fotogalerie des riesigen Palastes, der aus einigen offenen Pavillons und wenigen geschlossenen repräsentativen Räumen sowie viel Hof- und Gartenfläche besteht, können wir uns überzeugen, wie sehr der Sultan heute noch verehrt wird.

Borobudur – Abbild des Universums Nicht weit von Yogyakarta liegt der Borobudur-Tempel. Er ist das größte buddhistische Baudenkmal der Welt und wurde um das Jahr 780 während der


Kultur

Prambanan – Symbol des Hinduismus

Der hinduistische Prambanan-Tempelkomplex umfasste einst 232 Bauten

Als Mitte des 9. Jahrhunderts die buddhistische Herrschaft von der hinduistischen Matram-Dynastie abgelöst wurde, errichtete man als steinernes Symbol für diesen Sieg einen gigantischen Tempelkomplex – den Prambanan. Die ursprüngliche Anlage umfasste 232 (!) Bauten, deren Mauerwerk ohne Mörtel zusammengefügt war. Der Hindu-Göttertrinität entsprechend sind die drei größten Schreine den Göttern Shiva (dem Zerstörer), Vishnu (dem Bewahrer) und Brahma (dem Schöpfer) geweiht. Aufwendig gemeißelte Reliefs erzählen sehr detailliert Episoden aus den zwei großen Hinduepen Mahabharata und Ramayana. In einer spektakulären Tanzaufführung wird für uns die Geschichte des Königssohns Rama auf besondere Weise lebendig.

Die Naturbühne des Bromo

Aus dem Kraterschlund des Bromo steigen Schwefeldämpfe

Sailendra-Dynastie errichtet. Mehr als zwei Millionen Steinblöcke wurden dafür vom Fluss Progo zur Baustätte geschafft, bearbeitet und kunstvoll aufgeschichtet. Das Bauwerk ist voller buddhistischer Symbole und stellt die Nachbildung des Universums dar. So hat der Grundriss die Form eines quadratischen Mandalas. Die Stufenpyramide besteht aus sechs quadratischen Ebenen, drei kreisförmigen Terrassen und einer zentralen,

die Spitze bildenden Stupa. Die Terrassen symbolisieren die drei kosmischen Sphären des Mahayana-Buddhismus: die Sphäre der Wünsche, die Sphäre der Form und die Sphäre der Formlosigkeit. Auf einem fünf Kilometer langen Weg kann man auf den unteren Terrassen fein gearbeitete Reliefs bewundern: 1.300 Szenen aus dem Leben Buddhas - von seiner Geburt bis zu seinem Eintritt ins Nirwana - sind hier in Stein gehauen.

Neben kulturellen Höhepunkten kann Java aber auch mit Naturerlebnissen aufwarten. So wie jeder Besucher wollen auch wir zum Vulkan Bromo. In Reiseführern haben wir von den spektakulären Sonnenaufgängen gelesen, und so machen wir uns bereits kurz nach 3 Uhr früh mit Geländewagen auf dem Weg zu einem benachbarten Gipfel. In der Dunkelheit stolpern wir auf glitschigen Pfaden zum Aussichtsplatz, wo sich bereits andere Touristen befinden. Eingehüllt in dicke Jacken und mit Skimützen beginnt nun das lange Warten auf den Sonnenaufgang. Doch aus den erhofften spektakulären Fotos wird nichts – außer einer dichten Nebelwand gibt es nichts zu sehen. cooperativ 1/19

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Kultur

Also geht es in wilder Fahrt weiter zum Krater des Bromo. Wir erblicken die vor Millionen Jahren entstandene Caldera, die mit einer Ausdehnung von 8,5 mal zehn Kilometern zu einer der größten weltweit zählt. Kaum aus dem Jeep draußen, werden wir von Männern mit Pferden belagert, die uns einen Ritt zum Vulkankrater anbieten. In schnellerem Tempo reiten wir über den Vulkansand zum Kraterrand. Nur noch ein sportlicher Anstieg mit 250 Treppenstufen und dann bietet sich uns ein gewaltiger Blick in den dampfenden Kraterschlund. Aus der Tiefe hören wir Brodeln und Zischen, nach Schwefel riechende Dämpfe steigen auf. Wie es Tradition ist, werfen wir Blumen in den Krater, um den Zorn des vulkanischen Gottes zu besänftigen. Und wir haben tatsächlich allen Grund, uns zu bedanken: Denn als wir bei der Abfahrt einen Blick zurück werfen, ist der Bromo bereits wieder in Wolken gehüllt. Wir aber haben ihn bei Sonnenschein erlebt.

Beeindruckender Totenkult auf Sulawesi Auf der Insel Sulawesi ist unser Ziel das Land der Toraja, eines der bedeutendsten Altvölker von Indonesien. Dazu nehmen wir eine lange Anfahrt in das Hochland von Südsulawesi auf uns, das inmitten von Reisfeldern liegt und von einem Karstgebirge umgeben ist. 38

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Zu Besuch bei den Toraja: ein Wohnhaus (rechts) und eine Totenzeremonie (oben)

Durch diese Gebirgsketten ist die Region von den Nachbargebieten abgeschnitten und hat sich dadurch ihre kulturelle Identität bewahrt. Die Häuser der Toraja, Tongkonan genannt, sind alle gegen Norden ausgerichtet und fallen durch ihre spezielle Bauweise auf: Große, auf steinernen Sockeln ruhende Holzpfeiler tragen das ohne Nägel errichtete Wohngebäude. Das Satteldach hat die Form eines Schiffsrumpfs. Diese ungewöhnliche Dachkonstruktion gibt Hinweise auf die Herkunft dieses altmalaiischen Volkes, dessen Vorfahren mit Booten aus China kamen. Eine Legende gibt noch eine andere Interpretation für die geschwungene Form: Der Mensch kommt vom Himmel und geht wieder zurück in den Himmel. Auf dem Mittelpfosten vor dem Haus werden die Hörner der geopferten Büffel aufgehängt – ein Zeichen für den Wohlstand der Familie und gleichzeitig ein Symbol für die Ahnenverehrung.

Das Leben mit dem Tod Berühmt ist das Toraja-Land vor allem für seinen Totenkult und die außergewöhnlichen Totenzeremonien. Tod

und Begräbnis sind bei den Torajas die wichtigsten Ereignisse im Leben. Dabei bestimmt der Status des Verstorbenen, wie aufwendig die Totenfeier auszurichten ist. Ein Begräbnis dauert oftmals vier Tage lang. Es werden dafür eigene Unterkünfte für die Gäste aufgebaut, was bis zu vier Monate in Anspruch nehmen kann. Für die Verpflegung werden Büffel und Schweine geschlachtet. Bei bekannten Persönlichkeiten, zu deren Begräbnis mehrere Hundert Menschen kommen, ist das eine äußerst kostspielige Angelegenheit. Um sich das leisten zu können, fangen die Menschen sehr früh an, für das Begräbnis zu sparen. Manchmal dauert das einige Jahre. Das ist auch der Grund, warum der Tote nicht sofort begraben, sondern die Leiche noch einige Zeit zu Hause aufbewahrt wird. Der Tote ist konserviert und liegt in einem separaten Raum. Er wird dabei übrigens nicht als tot, sondern als krank betrachtet. Die Angehörigen sprechen mit ihm, und es werden ihm auch regelmäßig Mahlzeiten gebracht. Bei der eigentlichen Begräbniszeremonie stört es überhaupt nicht, dass wir als Touristen dabei sind. Wir brin-


Kultur

gen Geschenke mit, plaudern mit den Einheimischen und können das Geschehen aus nächster Nähe beobachten. Ein Zeremonienmeister leitet die Feierlichkeiten und regelt den Ablauf. Insgesamt eine würdige, aber keinesfalls bedrückende Stimmung. Nach der mehrtägigen Beerdigung werden die Särge der reicheren Leute in Grabkammern bestattet, die in Felswände gemeißelt wurden. Davor sitzen die Tau-Taus in Felsnischen und schauen auf uns herunter. Das sind aus Holz geschnitzte Figuren, die die Kleidung der Toten tragen und nach deren Ebenbild angefertigt wurden. Einmal im Jahr wird das Grab geöffnet und der Tote neu angezogen.

Bali – Insel der zehntausend Tempel Bali gilt als die Insel der Götter und der zehntausend Tempel. Die Religion spielt im Alltag eine große Rolle. Die Balinesen glauben an die allmächtigen Kräfte der Natur und an die Beseeltheit der Umwelt. Daneben spielt auch hier der Ahnenkult eine große Rolle. Nach ihrer Vorstellung ist die Welt zweigeteilt, was in Gegenüberstellungen wie Licht und Finsternis, Sonne und Mond oder Gut und Böse zum Ausdruck kommt. Durch das Zusammenwirken dieser Gegensatzpaare wird jede Existenz erst möglich. Daher muss neben den Göttern auch den Dämonen gehuldigt werden. Diese farbenfrohe Kultur begegnet uns auf Schritt und Tritt bei religiösen Zeremonien, Ritualen und unzähligen Festen. So können wir in unserem kleinen Ressort im touristisch noch nicht so überlaufenen Norden beobachten, wie die Schwiegertochter des Hauses jeden Morgen ihre Opfergaben zu den kleinen

Bali gilt als die Insel der zehntausend Tempel

Altären und Schreinen in der Anlage bringt. Jedes Gehöft verfügt hier über einen Familien- oder Haustempel. Darin befinden sich auch die Schreine für die Ahnenverehrung. Daneben gibt es die Dorftempel, wobei die meisten Dörfer davon drei besitzen. Besondere Verehrung genießen die neun sogenannten Reichs- oder Nationaltempel. Als heiligster Tempel der Insel gilt der Pura Besakhi am Hang des Vulkans Gunung Agnung. Einen Tempel betritt man durch ein gespaltenes Tor, das die Gegensatzpaare symbolisiert. Eine weitere Besonderheit der balinesischen Tempel sind die Meru, auf einem Sockel errichtete Holzkonstruktionen mit unterschiedlich vielen, pagodenartig gestaffelten Dächern, die mit Palmwedeln bedeckt sind. Sie sym-

bolisieren den Weltenberg Meru, den Sitz der Götter.

Feste und Zeremonien Aufgrund der Vielzahl an Familien-, Sippen-, Tempel- oder Dorffesten wird auf Bali praktisch das ganze Jahr über irgendetwas gefeiert. Wir haben Gelegenheit, an mehreren Zeremonien teilzunehmen. Mit bewundernswertem Geschick balancieren Frauen farbenprächtige Opfergaben aus Reiskuchen, Früchten und Blumen auf ihrem Haupt, die sie den Priestern übergeben. Bei jedem Fest sind die Tänze fixer Bestandteil. Fast jedes Dorf kann eine Tanzgruppe und sein eigenes Gamelan-Orchester vorweisen. Bereits im Kindesalter beginnen die kleinen Mädchen mit der langen Ausbildung. Denn bei den meisten Tänzen cooperativ 1/19

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Kultur

Feste sind ein faszinierendes, farbenprächtiges Schauspiel

sind Chorographie und alle Bewegungen genau festgelegt. Auch wenn wir die Inhalte nicht verstehen, sind für uns das Gebärdenspiel der Hände und Finger sowie das kontrollierte Spiel der Augen ein faszinierendes Schauspiel. Es sind aber nicht nur die Feste und schönen Landschaften, die auf Bali eine besondere friedvolle und harmonische Atmosphäre entstehen lassen – es sind die Menschen. „Die Götter haben Bali das ewige Lächeln geschenkt“, sagt ein Sprichwort. Und es ist wahr – überall auf der Insel werden wir von strahlenden, freundlichen Menschen empfangen. So ist es auch nicht schwer, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Bei jedem Fest werden wir gleich eingeladen, Platz zu nehmen, bereitwillig werden die für uns fremdartig wirkenden Abläufe erklärt. Interessant ist neben den Gegensatzpaaren der Lebensphilosophie noch eine andere Art von Gegensatz: auf der einen Seite das Leben in der Tradition und auf der anderen Seite die Nutzung 40

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der Technik des 21. Jahrhunderts. Noch bei keiner Reise konnte ich mit dieser Intensität beobachten, wie rasch sich mein Sohn mit fremden Menschen auf Facebook befreundet.

Reisterrassen – die Stufen zum Himmel Kaum etwas anderes prägt das satte, grüne Landschaftsbild von Bali so sehr wie die vielen Reisterrassen. Sie sind bauliche Meisterwerke und werden von den Einheimischen die „Himmelstreppen zu den Göttern“ genannt. Für viele Balinesen waren und sind sie eine Existenzgrundlage. Für uns Touristen gehören sie zu den landschaftlichen Höhepunkten auf dieser Insel. In der Nähe des zweithöchsten Vulkans von Bali, dem Gunung Batukau, starten wir im Dorf Jatluih unsere Wanderung. Was wir sehen, wird dem Namen des Ortes mehr als gerecht – denn er bedeutet „wahrlich wunderbar“. Diese malerischen, saftig grünen Reis-


Kultur

terrassen gehören zweifelsohne zu den beeindruckendsten von Bali und zählen inzwischen auch zum Weltkulturerbe. Reis ist in vielen asiatischen Ländern das Hauptnahrungsmittel und bildet morgens, mittags und abends einen festen Bestandteil der Gerichte. Die Arbeit auf den Feldern ist mühsam. Während Männer für schwere Tätigkeiten wie Anlegen von Feldern, Terrassen und Bewässerungsvorrichtungen verantwortlich sind, müssen sich die Frauen vor allem um das Jäten von Unkraut und die Erntearbeiten kümmern. Durch eine stetige Bewässerung – das System stammt aus dem 9. Jahrhundert – kann bis zu drei Mal jährlich geerntet werden. Bei unserer Wanderung haben wir Gelegenheit, die Reisbauern bei der Arbeit zu beobachten. Während einige den schlammigen Boden mit einem Reisfeldtraktor bearbeiten, gibt es vereinzelt noch Bauern, die ihren Pflug hinter einem Wasserbüffel herziehen. Eine andere Begegnung ist für uns besonders berührend: Kleine Mädchen nutzen das unter Wasser stehende Feld als Planschbecken und haben Freude daran, sich gegenseitig mit Schlamm zu bewerfen. So einen einfachen Kinderspielplatz haben wir noch selten gesehen. An den Rändern der Felder sind Schreine aufgestellt. Täglich werden hier Opfergaben gebracht. In den kleinen, selbst hergestellten Körbchen aus Palmblättern befinden sich neben Blüten und Räucherstäbchen auch immer einige Reiskörner. Die Balinesen bedanken sich damit für die alte Ernte und bitten gleichzeitig um eine neue, reiche Reisernte. Auch auf den Feldern ist die Spiritualität Balis also allgegenwärtig. 

Manche Reisbauern lassen ihren Pflug noch von Wasserbüffeln ziehen

Kinder nutzen eine Schlammpfütze auf einem Reisfeld als Spielplatz cooperativ 1/19

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Sport

Die Winterspiele des Miteinanders Einen Wettstreit gab es nur bei den sportlichen Bewerben, ansonsten standen die 45. Volksbank-Winterspiele von 14. bis 17. März ganz im Zeichen des Zusammenhalts im Verbund. Mitarbeiter der Volksbanken und ihrer Partner waren aus allen Regionen Österreichs nach Schladming gekommen, um unter dem Motto „Regional first – verbunden – einfach – schnell – erfolgreich“ ein Riesenfest zu feiern. Text: Günther Griessmair Fotos: Simon Jimenez, Manuel Brenner und Thomas Mlakar

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ie im Vorjahr eröffnete Generaldirektorin Regina OvesnyStraka als Vertreterin des Gastgebers Volksbank Steiermark die Winterspiele. Mit auf dem Podium war diesmal auch Vorstandsdirektor Rainer Kuhnle – die Volksbank Niederösterreich fungierte als Co-Veranstalter. Beide betonten in ihren Ansprachen das neue Miteinander im Verbund, das auch durch die gemeinsame Ausrichtung dieser Winterspiele zum Ausdruck kommen solle.

Titelverteidiger und neue Sieger Zu diesem Zeitpunkt hatten die Snowboarder und Langläufer ihre Be42

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werbe bereits in den Knochen. Auf der Loipe in der Ramsau bewältigten Margit Pfluger (Volksbank Tirol) und Axel Berchthold (ARZ) den dreimal 2,5 Kilometer bzw. viermal 2,5 Kilometer langen Rundkurs unter schwierigen Bedingungen am schnellsten. Während Pfluger damit ihren Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen konnte, wurde Helmut Zimmel (ABS Factoring) bei den Herren diesmal doch recht deutlich auf Platz zwei verwiesen. Bei Schneefall trugen die Snowboarder am Lärchkogel ihren Bewerb aus. Bei den Damen setzte sich mit Stefanie Rehm (TeamBank) auch hier die Vorjahressiegerin durch. Der Sieger

bei den Herren hieß diesmal Wolfgang Kendlbacher (ABS Factoring). Mit Rainer Borns (Volksbank Wien) war auch die Vorstandsetage der Volksbanken beim Snowboard vertreten.

Ab ins „Fotokisterl“! Höhepunkt des ersten Tages war die Cooperation-Party in der Hohenhaus Tenne, die wie im Vorjahr von Union Investment großzügig unterstützt wurde. Unter dem Motto „Classic Disco Party“ wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt und gefeiert. Als Party-Hit während der gesamten Winterspiele erwies sich das „Fotokisterl“,


Sport

Die Langläufer kämpften in der Ramsau um den Sieg

Duo Santino Schalk (Volksbank Steiermark) und Christoph Gruber (Volksbank Kärnten) am besten.

Ein Sensationslauf und eine Sonderehrung

Der Snowboard-Bewerb fand bei widrigen Bedingungen statt

ein umgebauter Kleinbus, in dem sich zahlreiche Teilnehmer dichtgedrängt in schrägen Posen und mit nicht minder schrägen Accessoires ablichten ließen. Am Samstag gab es mit dem Verbund-Parcours – powered by TeamBank – einen völlig neuen Bewerb bei den Winterspielen. Der Spaßwett-

kampf vor dem congress Schladming hatte ganz spezielle Regeln: So traten die Teilnehmer in Zweierteams an, die zufällig zusammengewürfelt wurden, und am Ende siegte nicht das Team mit der schnellsten Zeit, sondern jenes, das der Durchschnittszeit aller Teilnehmer am nächsten kam. Und das gelang dem

Nach traditionellen Regeln lief unterdessen der Riesentorlauf am Lärchkogel ab, der allerdings aufgrund der schwierigen Schneeverhältnisse verspätet und nur in einem Durchgang durchgeführt werden konnte. Bei den Damen setzte sich Johanna Langreiter (Volksbank Salzburg) hauchdünn um ein knappes Zehntel vor Margit Sablatnig (Volksbank Kärnten) durch. Klarer fiel die Entscheidung bei den Herren aus: Hier deklassierte Titelverteidiger Marco Geisler (Volksbank Salzburg) mit einem Sensationscooperativ 1/19

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Sport

Gegenüber dem Vorjahr entschärft, aber noch immer anspruchsvoll: Riesentorlauf am Lärchkogel

Feiern bis spät in die Nacht bei der Cooperation-Party in der Hohenhaus Tenne

lauf die Konkurrenz gleich um mehrere Sekunden. Da staunte auch Vorläufer Thomas Morgenstern, der auch jeden Abend die begehrten Holzpokale an die Sieger überreichte. Auf die gegenüber dem Vorjahr etwas verkürzte und leichter gesteckte, aber immer noch anspruchsvolle Piste wagten sich auch mehrere Vorstände: Monika Cisar-Leibetseder (Volksbank Steiermark), Gerald Fleischmann, Thomas Uher und Josef Preißl (alle Volksbank Wien). Für den scheidenden Vorstandsdirektor Preißl, der anders als angekündigt nicht den letzten Platz belegte, gab es am Abend noch einen Sonderpokal. Wie im Vorjahr auf Asphalt mussten die Eisstockschützen ihren Bewerb austragen, was der guten Laune aber keinen Abbruch tat. Am Ende siegte ein Team der gastgebenden Volksbank Steiermark (Name: „Die Mannschaft, die mir persönlich am besten gefällt“), gefolgt von den „Rubberducks“ der Volksbank Wien und den „Eislöweln“ vom ÖGV.

Good News zum Abschluss Krönender Abschluss der Winterspiele war die Competition-Party im congress Schladming, bei der die Gäste 44

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Gelungener Schnappschuss aus dem „Fotokisterl“

Bewiesen viel Humor und Teamgeist: Rainer Kuhnle und Regina Ovesny-Straka beim Verbund-Parcours

sich traditionell in Dirndl und Lederhosen zeigten. Hier wurden die besten Athleten der Winterspiele und vor allem auch die sportlichste Volksbank gekürt. Dieser Titel ging heuer an die Volksbank Steiermark, die deutlich vor Tirol und Wien die Nase vorn hatte. Ehe die „Saubartln“ aus Salzburg für Tanzstimmung sorgten, gab es noch Danksagungen an alle Sponsoren und Helfer – allen voran

„Mister Winterspiele“ Kurt Grossauer (es waren seine 26. Spiele). Für zusätzliche Top-Stimmung sorgte zum Abschluss der Winterspiele Generaldirektor Gerald Fleischmann, der erfreuliche Geschäftszahlen für den Verbund mit im Gepäck hatte: Laut vorläufigen Zahlen wurden 2018 nach Steuern 115 Millionen Euro verdient - ein Plus von über 88 Prozent gegen-


Sport

Die Volksbanken-Meister 2019

Snowboard – Damen 1. Stefanie Rehm (TeamBank) 2. Daniela Windhofer (ABS Factoring) 3. Verena Leyendecker (Volksbank Steiermark) Snowboard – Herren 1. Wolfgang Kendlbacher (ABS Factoring) 2. Manfred Klausner (Volksbank Salzburg) 3. Roland Zuckerstätter (ABS Factoring) Langlauf – Damen 1. Margit Pfluger (Volksbank Tirol) 2. Gabriele Mitschek (VB Services) 3. Kerstin Droese (TeamBank) Langlauf – Herren 1. Axel Berchthold (ARZ) 2. Helmut Zimmel (ABS Factoring) 3. Robert Petutschnigg (Volksbank Tirol) RTL – Damen 1. Johanna Langreiter (Volksbank Salzburg) 2. Margit Sablatnig (Volksbank Kärnten) 3. Margit Pfluger (Volksbank Tirol)

Das Siegerpodest beim Eisstockschießen

RTL – Herren 1. Marco Geisler (Volksbank Salzburg) 2. Martin Wiedenhofer (Volksbank Tirol) 3. Franz Höcher (Volksbank Steiermark) Eisstock 1. Die Mannschaft, die mir persönlich am besten gefällt (Volksbank Steiermark) 2. Rubberducks (Volksbank Wien) 3. Eislöweln (ÖGV) Verbund-Parcours 1. Santino Schalk (Volksbank Steiermark) und Christoph Gruber (Volksbank Kärnten) 2. Stefanie Peter (Volksbank Akademie) und Dominik Neubauer (Volksbank Niederösterreich) 3. Gertrude Narath und Sigrid Bergmann (beide Volksbank Steiermark) Alle Ergebnisse auf www.vb-winterspiele.at

Thomas Morgenstern in ungewohnter Rolle als Vorläufer

über dem Vorjahr. Fleischmann nutzte die Gelegenheit, allen Mitarbeitern für diesen gemeinsamen Erfolg zu danken, zugleich legte er ein klares Bekenntnis zur Filiale und zur Beratung ab. Ob sich dieser Erfolg noch toppen lässt? Bei den nächsten Winterspielen – vieles spricht wieder für Schladming – werden wir es erfahren. 

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Sport

Die Skisprungstars von morgen Zum bereits zwölften Mal ist Skisprunglegende Andreas Goldberger diesen Winter in ganz Österreich auf der Suche nach jungen Talenten gewesen – unterstützt von den Volksbanken. Text: Günther Griessmair Fotos: Paula Arnold, Alex Schwarz/Red Bull Content Pool

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m Rahmen des Talente Cups tourte Goldberger im Jänner und Februar durch fünf Bundesländer und gab Buben und Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren die Chance, erste Versuche auf der Skisprungschanze zu wagen. Bei Stopps in Villach, Mürzzuschlag, Bad Goisern, Tschagguns und Wörgl gaben die „Jungadler“ ihr Bestes, jeweils unterstützt von zahlreichen Zuschauern. Die Skisprunglegende stand den Kindern dabei mit Tipps und Tricks zur Seite. Am Ende schwärmte Goldberger begeistert von den eifrigen Sprungversuchen: „Es waren wieder Talente dabei, von denen wir hoffentlich einige auf großen Schanzen wiedersehen werden. Manche Kinder haben sich gleich für das Schnuppertraining beim Verein angemeldet. Das freut mich natürlich sehr, weil es ja darum geht, die Kinder für den Skisprungsport zu begeistern.“ Der Schirmherr und Initiator des Talente Cups, der selbst zweifacher Vater ist, will mit seiner Talentsuche auch die Basis für die Nachfolge der derzeitigen Stars im Skisprungsport legen. Dass sich die Arbeit bezahlt macht, zeigt sich nunmehr schon an einigen Jungathleten, die bereits am Sprung zu einer internationalen Karriere sind. 

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Chronik

Volksbanken-Verbund

Neue Aktion für Dachsanierung

Wenn es um die thermische Sanierung der eigenen vier Wände geht, nimmt das Dach eine besonders wichtige Rolle ein. Das nahmen die Volksbanken zum Anlass, eine neue Wohnbaukampagne zum Thema Dachsanierung ins Leben zu rufen – mit einem starken Industriepartner an der Seite.

Das Sujet zur neuen Wohnbaukampagne der Volksbanken

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ie verbundweite Wohnbaukampagne wurde im Februar in Kooperation mit dem Marktführer für Dachund Fassadensanierungen Eternit gestartet. Für Volksbank-Kunden gibt es ein einzigartiges Angebot: Wer sich bis Jahresende im Rahmen seines Sanierungsprojekts ein neues Eternit-Dach von der Volksbank finanzieren lässt, erhält eine kostenlose Altdachentsorgung obendrauf. Die perfekte Gelegenheit für Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern, jetzt die Sanierung in Angriff zu nehmen. Der einfachste Weg zum neuen Dach führt über die örtliche Volksbank-Filiale: Von der individuellen Finanzierungsberatung über derzeit aktuelle Möglichkeiten der finanziellen Förderung des Renovierungsprojekts bis hin

zum Kontakt des nächsten Eternit-Partners erhalten Interessenten hier alles aus einer Hand. Nähere Infos gibt es auch auf www.volksbank.at/dach. Warum gerade jetzt das Thema Dachsanierung? Die starken Schneefälle im Jänner haben eindrücklich gezeigt, wie wichtig ein stabiles Dach ist. Doch auch abseits solcher Extremwetterlagen spielt die Qualität des Hausdachs eine besondere Rolle – vor allem, wenn es um das Thema Energieeffizienz geht: Über einen Quadratmeter Dachfläche entweicht dreimal so viel Wärme wie über einen Quadratmeter Wandfläche. Die thermische Sanierung ist also einer der besten Wege, um Energie und vor allem auch Geld zu sparen. 

Start für Multibanking-Funktion Digitale Innovation bei den Volksbanken: Kunden können ab sofort über ihr Volksbank-Onlinekonto auch Girokonten anderer Banken aus Österreich sowie Deutschland hinzufügen und so all ihre Konten gemeinsam darstellen. Die Volksbanken gehören zu den ersten heimischen Instituten, die diese Multibanking-Funktion anbieten.

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ür Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien, liegen die Vorteile auf der Hand: „Manche unserer Kundinnen und Kunden haben Konten bei mehreren Banken. Das führt zu einer unübersichtlichen und mühsamen Bedienung mehrerer Banking-Apps mit unterschiedlichen Zugangsdaten, verschiedenen Nutzeroberflächen und Funktionen. Mit dem Multibanking können jetzt alle Konten über das Volksbank Banking auf einen Blick dargestellt werden – das verschafft eine bessere finanzielle Übersicht und vereinfacht den Alltag.“ Mit Einführung des Multibanking bietet der Volksbanken-Verbund eine wichtige Funktion der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 der EU schon vor der offiziellen Einführung. Die Richtlinie schreibt allen Banken bis zum 19. September 2019 vor, technische Schnittstellen zu schaffen, über die andere Finanzdienstleister ihre Leistungen anbieten und auf die Daten von Girokonten zugreifen können, wenn der Kunde das so einrichtet. „Über die Ansicht oder Verarbeitung der Daten durch andere Finanzdienstleister bestimmt aber immer der Kunde selbst. Auch die Datensicherheit wird durch PSD2 gestärkt“, so Horst Weichselbaumer-Lenck, Chief Digital Officer der Volksbank Wien. 

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Chronik

Volksbanken-Verbund

Zu Besuch bei Digital-Hub in Berlin

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ie Vorstände der Volksbanken setzen sich intensiv mit den Zukunftsentwicklungen in der Finanzdienstleistungsbranche auseinander. Anhand von Beispielen und Erfahrungen aus anderen Umfeldern werden gemeinsam Überlegungen angestellt, ob und wie Trends für die Volksbanken in Österreich erfolgversprechend umgesetzt werden können. Zuletzt waren die Vorstandsvorsitzenden gemeinsam mit ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner zu Gast in Berlin. Dabei ging es um neue Optichannel-Geschäftsmodelle, Tools zur Kundendatenanalyse, Blockchain und Kryptowährungen. 

Smartes Kassensystem für KMUs Als erstes österreichisches Finanzinstitut haben die Volksbanken den Vertrieb der smarten SumUp-Kartenterminals gestartet. Damit bauen sie ihr Angebot an kosten- und zeitsparenden Lösungen für KMUs weiter aus.

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ei den Terminals des internationalen Anbieters SumUp handelt es sich um mobile Kassensysteme, ideal für kleinere Unternehmen und Händler ohne festen Verkaufsstandort. Das Besondere an SumUp ist die einfache und flexible Handhabung: Um Kartenzahlungen aller gängigen Kredit- und Bankomatkarten sowie Apple Pay und Google Pay akzeptieren zu können, braucht man lediglich den SumUp-Kartenleser und ein Smartphone oder Tablet. Gleichzeitig bietet SumUp auch die Möglichkeit, die mobilen Kartenterminals zu kompletten stationären Kassensystemen aufzurüsten. SumUp macht den Bezahlvorgang nicht nur einfacher und flexibler, sondern auch günstiger: Bei der Volksbank gibt es das kleine SumUpAir-Terminal schon ab 19 Euro. Fixkosten gibt es keine, und Inhaber eines Volks48

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bank-Kontos profitieren von besonders günstigen Transaktionsgebühren. Für Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien, ist SumUp ein weiterer logischer Schritt im Leistungsspektrum der Bank: „Im November haben wir unsere Unternehmerstudie veröffentlicht, in der wir gezielt die persönlichen Bedürfnisse

von Unternehmern in Österreich abgefragt haben. Eine zentrale Erkenntnis daraus war, dass diese Personengruppe überdurchschnittlich viel arbeitet und insbesondere bei KMUs ein großer Zeitmangel herrscht. Als Bank können wir hier einen Beitrag leisten, indem wir zumindest bei Finanzsachen für Zeitersparnis sorgen.“ 


Chronik

Management Circle spendet 67.000 Euro für soziale Projekte Scheckübergabe an Wings for Life

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nter dem Motto „Wir laufen für alle, die nicht laufen können“ legen seit 2014 jährlich an über hundert Eventlocations weltweit Tausende Menschen unzählige Kilometer in ihren Laufschuhen zurück. Am 5. Mai ist es wieder soweit – unterstützt von der Volksbank. Wolfgang Illek (rechts im Bild), Fundraising-Leiter von Wings for Life, durfte schon im Vorfeld einen Spendenscheck aus den Händen von Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien, und Kommunikationsdirektor Wolfgang Layr entgegennehmen. Auch beim Lauf selbst wird die Volksbank wieder mit einem eigenen Team am Start sein, mit prominenter Unterstützung von Thomas Morgenstern und Andreas Goldberger. 

Generaldirektor Gerald Fleischmann und Vereinsobmann Martin Heilinger mit den Volksbanken-Geschäftsleitern

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er Management Circle, die ehemalige Interessenvertretung der Volksbanken-Geschäftsleiter, widmet sein Vereinsvermögen zehn sozialen Projekten. Die Spenden ge-

hen an verschiedene Serviceclubs wie Rotary, Lions und Kiwanis, in denen auch Mitglieder des Management Circle vertreten sind. Damit kann der beachtliche Betrag von 67.000 Euro für unterschiedliche soziale Projekte in ganz Österreich sinnvolle Verwendung finden. Obmann und Volksbank-Regionaldirektor Martin Heilinger sowie Generaldirektor Gerald Fleischmann unterstreichen die Bedeutung von sozialem Engagement und Nachhaltigkeit für die Volksbanken, denn neben der volkswirtschaftlichen Verantwortung als Bankenverbund würden auch die genossenschaftlichen Wurzeln und Satzungen zu Regionalität und Nachhaltigkeit verpflichten. Der 1985 als Club der Geschäftsleiter gegründete Verein organisierte regelmäßig Veranstaltungen, Studienreisen und Konferenzen. Im Zuge des Umbaus im Verbund wurde er auf Volksbanken Management Circle umbenannt, 2018 erfolgte schließlich die Auflösung. 

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Chronik

Volksbank Wien

Kabarett-Highlight in Wiener Neustadt

Einen launigen Kabarettabend haben die Genossenschaftsmitglieder der VB Niederösterreich Süd und der VB Baden Beteiligung geboten bekommen: Auf dem Programm stand „Dramaqueen & Couchpotato“ mit Monica Weinzettl und Gerold Rudle.

V. l. n. r.: Günter Alland (VB Baden Beteiligung), Viktor Strebinger (VB Niederösterreich Süd), das Künstlerpaar Gerold Rudle und Monica Weinzettl, Andrea Kovacs-Wöhry (Region Wiener Neustadt), Martin Heilinger (VB Niederösterreich Süd)

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iner Volksbank-Tradition folgend lud die Region Industrieviertel der Volksbank Wien zu dieser Abendveranstaltung in das altehrwürdige Stadttheater Wiener Neustadt ein. Die 600 Gäste füllten das Theater bis auf den letzten Platz - sie kamen aus sämtlichen 17 Filialstandorten der Region. Die Besucher wurden beim Eingang durch die neue Regionaldirektorin Andrea Kovacs-Wöhry und Martin Heilinger, Vorstandsdirektor der VB Niederösterreich Süd, persönlich willkommen geheißen. Heilinger und Günter Alland (VB Baden

Beteiligung) hielten im Anschluss die Eröffnungsreden. Danach erlebten die Gäste das Kabarettprogramm von Weinzettl und Rudle. Das auch im richtigen Leben verheiratete Paar bot skurrile und irrwitzige Alltagsszenen einer Ehe. Das Programm auf hohem Niveau, ohne Längen und mit permanenter Lachmuskelanspannung, wurde in Wiener Neustadt zum letzten Mal aufgeführt. Heilinger hochzufrieden: „Ein dermaßen positives Feedback haben wir von unseren Kunden noch selten bekommen. Mit dieser Veranstal-

Bühne frei für Monica Weinzettl und Gerold Rudle

tung durften wir uns für die Treue zur Volksbank und die Zugehörigkeit unserer Genossenschaftsmitglieder zu einer Wertegemeinschaft recht herzlich bedanken.“ Auch die Künstler bedankten sich bei den Gastgebern für das Engagement, sie zeigten sich vom Publikum und der Atmosphäre im Stadttheater Wiener Neustadt begeistert. 

Erfolgreiche Anleiheemission

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ie Volksbank Wien hat im Februar eine fundierte Bankschuldverschreibung mit einem Volumen von 500 Millionen Euro emittiert. Die Anleihe mit einer Laufzeit von sieben Jahren wurde im Anschluss an eine erfolgreiche Roadshow einem breiten institutionellen Publikum in Skandinavien, Benelux, Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich angeboten. Mit einem Orderbuch von über 1,6 Milli-

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arden Euro war sie rund 3,2-fach überzeichnet. Generaldirektor Gerald Fleischmann. „Wir freuen uns über das sehr große Interesse der Investoren an der Volksbank. Das Emissionsvolumen dient zur Finanzierung des Kreditwachstums im gesamten Volksbanken-Verbund. Dieses ist schon in den letzten Jahren sehr kräftig gewesen.“ Die Anleihe wurde von Moody‘s mit dem ausgezeichneten „Aaa“-Rating bewertet. 


Chronik

Informationsabend für Unternehmer in Baden

Zufriedene Kunden trotz Preissteigerung – geht das? Um diese für Unternehmer sehr spannende Frage ging es bei einer Veranstaltung, zu der die Wirtschaftskammern Baden und Mödling gemeinsam mit der Volksbank und Simon-Kucher & Partners geladen hatten.

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olksbank-Regionaldirektor Martin Heilinger widmete sich in seinem Vortrag zum Thema „Der Preis des Geldes“ zentralen Fragen unseres Geldwesens – etwa, ob dem Bargeld das Aus droht, welche Rolle Buchgeld einnimmt, ob Gold ein sicherer Hafen ist oder welches neue Licht die LehmanPleite und Kryptowährungen auf unser Geldsystem geworfen haben. Sonia Fischer-King von Simon-Kucher & Partners, dem Weltmarktführer im Bereich strategische Preisfindung von Waren und Dienstleistungen, referierte als Expertin für Strategie, Vertrieb, Marketing und Pricing. Den interessieren Gästen brachte sie näher, weshalb Cost-plus-Pricing von gestern ist und die strategische Preisgestaltung eine essenzielle Rolle einnimmt. Die Preisbildung sei oft kostenbasiert, unsystematisch und handgestrickt, das vernichte Unternehmens-

wert vom Start weg, so Simon-Kucher-Experte Othmar Schwarz in seinen Ausführungen. Neben neuen Verrechnungsmodellen oder der unterschiedlichen Bepreisung nach Kundengruppen legte er anhand von Beispielen eindrucksvoll dar, wie sich bei gleicher oder teilweise sogar größerer Kundenzufriedenheit der Ertrag steigern lässt. Zum Abschluss legte Irene Heher vom Unternehmerservice der Wirtschaftskammer Niederösterreich dar, wie Gewerbetreibende von der betriebswirtschaftlichen Beratungsförderung der WKNÖ profitieren können. Den Abend nutzten die Unternehmer aus den Bezirken Baden und Mödling auch zum gegenseitigen Kennenlernen und Gedankenaustausch. Bezirksstellenleiter Andreas Marquardt freute sich über das starke Interesse an der Veranstaltung in Baden und den ausgebuchten Saal.

Hohe Auszeichnung für Franz Gartner

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n Anerkennung und Würdigung seiner hervorragenden Verdienste wurde dem 3. Präsidenten des niederösterreichischen Landtages a.D., Vizebürgermeister, Aufsichtsratsmitglied der Volksbank Wien und Vorstandsvorsitzenden der VB Baden Beteiligung, Franz Gartner, von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner das Silberne Komturkreuz mit dem Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich verliehen. Wir gratulieren! 

V. l. n. r.: GD Gerald Fleischmann, Sonja Rathmanner (Gattin des Geehrten), Franz Gartner, Christoph Prinz (Bürgermeister Bad Vöslau und AR-Vorsitzender VB Baden Beteiligung), Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Günter Alland (Vorstand VB Baden Beteiligung)

V. l. n. r.: Anton Kufner (Volksbank), Andreas Marquardt, Karin Dellisch-Ringhofer, Sabine Wolfram (alle WK), Sonia Fischer-King (Simon-Kucher), Martin Heilinger (Volksbank), Irene Hehler und Martin Fürndraht (beide WK)

Volksbank-Regionaldirektor Martin Heilinger bei seinen Ausführungen cooperativ 1/19

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Chronik

Volksbank Niederösterreich

Kabarettabend mit der „Hausbank“ Die Volksbank Niederösterreich lädt auch heuer wieder ihre Mitglieder zu den bereits traditionellen Kabarettabenden ein. Der Auftakt dieser beliebten Veranstaltungsreihe fand diesmal in Stockerau statt – mit Herbert Steinböck und einem weiteren Stargast …

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unächst berichtete Vorstandsdirektor Reinhard Diem über ein äußerst erfolgreiches Geschäftsjahr 2018, in dem die Bilanzsumme um 7,5 Prozent auf 3,45 Milliarden Euro gesteigert werden konnte. Dann hatte Vorstandsdirektor Rainer Kuhnle die Lacher auf seiner Seite, als er – getreu dem Motto der Volksbank – eine „Hausbank“ auf die Bühne schob. 50 dieser exklusiven Bänke werden im Rahmen des aktuellen Schwerpunkts „Bauen & Wohnen“ verlost. Für den Höhepunkt des Abends sorgte dann Kabarettist Herbert Steinböck mit seinem neuen Programm „Ätsch“. Nach dem Auftritt ließ er es sich nicht nehmen, gemeinsam mit den Volksbank-Vertretern auf der „Hausbank“ auf den gelungenen Abend anzustoßen. Die Förderung der Mitglieder nimmt bei der Volksbank Niederösterreich seit jeher einen besonderen Stellenwert ein: Neben der Einladung zum Kabarettabend und einer kostenlosen Unfallversicherung können sich die Mitglieder ab April auch in der Therme Laa entspannen. 

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Genossen einen tollen Abend (v. l. n. r.): Vertriebsleiter Gerd Fischer, Kabarettist Herbert Steinböck, die Vorstände Rainer Kuhnle und Reinhard Diem Die Vorstandsdirektoren Rainer Kuhnle und Reinhard Diem auf der „Hausbank“


Chronik

Volksbank Oberösterreich

Mit dabei beim OÖN-Geld-Tag in Linz Der Andrang hat alle Erwartungen übertroffen: Über 800 Besucher drängten sich beim ersten Geld-Tag der „Oberösterreichischen Nachrichten“ zwischen den Ausstellungsständen und im Veranstaltungssaal. Auch die Volksbank und Union Investment waren vor Ort präsent.

Andreas Pirkelbauer, Vorstand der Volksbank Oberösterreich, mit Senior-Fondsmanager Nobert Faller von Union Investment vor dem Volksbank-Stand

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Bis auf den letzten Platz besetzter Vortragssaal bei den Talkrunden

Fotos: Alexander Schwarzl

nteressierte Anleger konnten sich sowohl bei den Ausstellern als auch in vier hochkarätig besetzten Talkrunden rund um das Thema Geldanlage informieren. So diskutierten heimische Top-Banker, Fondsmanager und Vertreter börsennotierender Unternehmen über die Entwicklung der Weltwirtschaft oder die Zukunft der Geldanlage. Auf Einladung der Volksbank Oberösterreich nahm Senior-Fondsmanager Nobert Faller von Union Investment an der Talkrunde über langfristiges Anlegen in Aktien, Immobilien und Gold teil und gewährte dabei spannende Einblicke in sein Veranlagungswissen. „Sparen allein reicht nicht mehr. Sie müssen Ihr Geld in Aktien streuen“, riet Faller dem Publikum. „Wir gratulieren den OÖN zum erfolgreichen Geld-Tag und freuen uns, dass das Interesse an einer sinnvollen Geldanlage in Zeiten von Niedrigzinsen trotzdem so hoch ist“, so Andreas Pirkelbauer, Vorstand der Volksbank Oberösterreich. Eine ausführliche Berichterstattung zu diesem Event erfolgte übrigens in einer Sonderausgabe des „Pegasus“, der Wirtschaftszeitung der OÖN mit einer Auflage von 200.000 Stück.

Großer Andrang auch bei den Informationsständen cooperativ 1/19

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Chronik

Volksbank Salzburg

Ehrungen für verdiente Mitarbeiter

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er Vorstand der Volksbank Salzburg hat kürzlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geehrt, die auf eine lange und erfolgreiche berufliche Laufbahn in der Bank zurückblicken können. Generaldirektor Andreas Höll (1. v. r.), Vorstandsdirektor Andreas Hirsch (1. v. l.), Personalchefin Manuela Schlemmer (sitzend Mitte) sowie Betriebsratsobmann Thomas Joch (2. v. l.) dankten im Rahmen einer Feier fünf Jubilaren für ihren bereits 40-jährigen Einsatz und ihre Treue: Kurt Schnegg, Johann Millinger, Johann Steger (v. l. n. r. stehend), Andreas Steglegger und Hans Mittendorfer (v. l. n. r. sitzend). 

Finanztipps vom Experten Hochrangiger Expertenbesuch in der Firmenzentrale der Volksbank Salzburg: Jan Holthusen, Chefanalyst der DZ BANK in Frankfurt, prognostizierte in einem Vortrag zum Thema „Sanfte Landung oder Abschwung? Ausblick auf Konjunktur und Kapitalmärkte 2019“ die kommenden wirtschaftlichen Entwicklungen.

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Top-Analyst Jan Holthusen (li.) mit Generaldirektor Andreas Höll

Der vollbesetzte Saal in der Zentrale der Volksbank Salzburg

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ie Weltwirtschaft hatte den politischen Belastungsfaktoren lange getrotzt – nun wird der Gegenwind stärker, und die Konjunktur zeigt Schwächetendenzen. Der bevorstehende Brexit, die irrlichternde Politik des US-Präsidenten Donald Trump sowie der Haushaltsstreit zwischen der italienischen Regierung und Brüssel haben Wirtschaft und Kapitalmärkte verunsichert. Die Konjunktur steht am Scheideweg: Setzt der jahrelange Aufschwung in Europa zu einer sanften Landung an, oder steht ein abrupter Absturz bevor? Wird die zinspolitische Wende der Europäischen Zentralbank auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben? Jan Holthusen analysierte in seinem Vortrag, wie diese Faktoren zusammenhängen und was daraus für die weitere Entwicklung von Konjunktur und Kapitalmärkten zu erwarten ist. Sein Fazit für 2019: Das globale Wirtschaftswachstum wird sich leicht abschwächen. Obwohl Europa den Konjunkturhöhepunkt bereits überschritten hat, schließt er eine Rezession aus. Insgesamt könne man – so Holthusen – damit rechnen, dass die Renditen auf niedrigen Niveaus bleiben. Erst nach einer Stabilisierung der diversen politischen Risiken, vor allem nach Klärung des Brexit, können diese eventuell ansteigen. Den Gästen gab Holthusen mit seinen Ausführungen wertvolle Tipps für deren geschäftliche und persönliche Finanzen. In einer spannenden Fragerunde und beim Gettogether im Anschluss gab es viel Gesprächsstoff rund um die aktuelle Wirtschaftssituation und die Entwicklungen in der Finanzwelt. 


Chronik

Volksbank Vorarlberg

Spende an „Netz für Kinder“

Die Volksbank Vorarlberg hat im Herbst von einem unabhängigen Institut eine Kundenbefragung durchführen lassen. Als kleinen Anreiz für die Teilnehmer spendete die Bank für jeden ausgefüllten Fragebogen drei Euro an den Verein „Netz für Kinder“. 1.971 Volksbank-Kunden haben mitgemacht, dadurch kam die stolze Spendensumme von 5.913 Euro zusammen. Der Vorstand rundete diesen Betrag auf 6.000 Euro auf. „Als Genossenschaftsbank sind wir uns unserer sozialen Verantwortung bewusst. Es ist uns ein Anliegen, Menschen und Vereinen in der Region zu helfen“, betonte Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel. „Ich freue mich, dass wir mit dieser Spende die Projekte von ‚Netz für Kinder‘ unterstützen können.“ Bei der offiziellen Spendenübergabe im Dezember überreichte Hamel den Scheck an Hubert Löffler und Conny Amann von „Netz für Kinder“. „Benachteiligte Kinder in Vorarlberg zu stärken, ist ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art, für das wir sehr dankbar sind“, so Löffler bei der Scheckübernahme.

Zahlreiche Teilnehmer bei Blutspendeaktion in Rankweil

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n Kooperation mit dem Roten Kreuz hat am 28. Februar in der Zentrale der Volksbank Vorarlberg in Rankweil eine Blutspendeaktion stattgefunden. Die Betreuung der rund 120 Teilnehmer, darunter auch 20 Mitarbeiter, übernahmen die Bediensteten des Roten Kreuzes unter der Leitung von Michael Hamel. Initiator für diesen erfolgreichen Tag war der Betriebsrat der Volksbank Vorarlberg. Um nach der Blutspende entspannt den Heimweg antreten zu können, gab es im Anschluss eine Jause von „Herbert‘s Dorfmetzg“. Aufgrund der regen Teilnahme steht einer Wiederholung der Aktion nichts im Wege. 

V. l. n. r.: Guntram Zehetner (VVB-Betriebsrat), Michael Hamel, Johanna Lukasser (beide Rotes Kreuz) und Michael Schierle (VVB-Betriebsrat)

V. l. n. r.: Volksbank-Vertriebsleiter Hubert Entner, Conny Amann (Netz für Kinder), Volksbank-Vorstandsvorsitzender Gerhard Hamel und Hubert Löffler (Netz für Kinder) bei der Scheckübergabe

Das Rote Kreuz betreute die Blutspendeaktion in der Volksbank-Zentrale in Rankweil cooperativ 1/19

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Chronik

Volksbank Kärnten

Auszeichnung für „Unternehmer des Jahres“

Foto: Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr hat die „Kleine Zeitung“ auch heuer im Schlosshotel Velden die „Kärntner des Jahres“ in sieben Kategorien gekürt. Die Patronanz für die Kategorie „Unternehmergeist“ übernahm wie schon 2018 die Volksbank Kärnten.

Die Preisträger Patrick Kleinfercher und Christoph Raunig (Mitte) mit Johannes Jelenik, Heinz Strohmayer, Horst Hackl, Barbara Schweiger und Hubert Kescher (Volksbank Kärnten)

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ehn erfolgreiche Kärntner Unternehmer aus unterschiedlichen Branchen, darunter auch Kunden der Volksbank Kärnten, waren nominiert. Jeder hätte sich die Auszeichnung verdient, die Entscheidung fiel im Online-Voting durch die Leser der „Kleinen Zeitung“: Den Preis in der Kategorie „Unternehmergeist“ konnte Volksbank-Vorstandsvorsitzender Johannes Jelenik schließlich an Christoph Raunig und Patrick Kleinfercher überreichen. Das Unternehmerduo begeistert mit dem Start-up „My Acker“ nicht nur Investoren, sondern mittlerweile mehr als 1.300 Kunden. Über myacker.com kann jeder per Mausklick in drei einfachen Schritten frisches Gemüse anbauen und pflegen lassen. Am Ende wird die Ernte per Post nach Hause geliefert. 

Union Investment

Volksbanken mit 575 Millionen Euro Neukundengeschäft

Die österreichischen Volksbanken sind mit dem Fondspartner Union Investment ins vierte gemeinsame Geschäftsjahr gestartet, und die bisherige Bilanz ist sehr erfreulich: Insgesamt sind per Jahresultimo rund 2,8 Milliarden Euro von Privatanlegern in Fonds von Union Investment veranlagt. 2018 wurde ein Neukundengeschäft von 575 Millionen Euro netto registriert – eine Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Die Entscheidung zur Zusammenarbeit vor drei Jahren war in mehrfacher Hinsicht goldrichtig. Union Investment ist ein verlässliches, mehrfach ausgezeichnetes Unternehmen und genau der richtige Partner für uns Volksbanken, wenn es um Wertpapierveranlagung geht“, so Gerald Fleischmann, Generaldirektor der Volksbank Wien. Viele Kunden würden im anhaltenden Niedrigzinsumfeld nach intelligenten Anlagemöglichkeiten für ihr Geld suchen. „An langfristig orientierter Veranlagung an den Kapitalmärkten führt kein Weg vorbei, wenn wir über eine zukunftsfähige Geldanlage sprechen“, so Marc Harms, Mitglied der Geschäfts-

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führung der Union Investment Austria. „Klassische Zinsanlagen müssen um renditestärkere Anlageformen ergänzt werden“, bekräftigt Harms. Und genau hier findet offenbar ein gewisses Umdenken bei den Anlegern statt, denn die Attraktivität von Wertpapieren nimmt zu: Insgesamt 70.000 Fondssparpläne von Union Investment waren per Ende 2018 abgeschlossen, was in der Jahresbetrachtung einem Plus von 43 Prozent entspricht. Fondssparpläne bilden daher auch heuer einen Schwerpunkt bei den Volksbanken. „Viele Menschen wollen Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen, scheuen sich jedoch davor, sich mit der Komple-

xität der globalen Märkte zu befassen. Genau hier können unsere Berater ihre Kunden entlasten und stehen als verlässliche Wegbegleiter zur Verfügung“, so Fleischmann. Auch das Interesse von institutionellen Anlegern in Österreich nach professionellen Asset-Management-Lösungen hielt 2018 an. Trotz eines herausfordernden Kapitalmarktjahrs konnten neue Kunden gewonnen werden. „Besonders erfreulich ist, dass durch die erfolgreiche Kooperation mit den Volksbanken das Geschäft mit betrieblichen Anlegern weiter wuchs“, betont Sandra Hofer, Leiterin des institutionellen Geschäfts in Österreich. In diesem Bereich konnte ein Nettoabsatz von rund 90 Millionen Euro erreicht werden. Insgesamt verwaltete Union Investment in Österreich per Jahresende rund 3,8 Milliarden Euro für institutionelle Kunden. 


Chronik

ERGO

Großer Jahresauftakt mit Volksbanken

Versicherungspartner ERGO und die Volksbanken Wien und Steiermark sind heuer erstmals mit gemeinsamen Auftaktveranstaltungen ins Jahr gestartet. Vor insgesamt rund 350 Mitarbeitern wurde die neue Versicherungsstrategie der Volksbanken vorgestellt.

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ei den beiden Events im Wiener Studio 44 und in der Grazer Seifenfabrik wurden die Mitarbeiter von ERGO sowie der Volksbanken Wien und Steiermark auf das Jahr 2019 eingeschworen. Die Generaldirektoren Gerald Fleischmann (Volksbank Wien) und Regina Ovesny-Straka (Volksbank Steiermark) präsentierten in gemeinsamen Auftritten mit ERGO Vorstandsdirektor Christian Noisternig die neue Volksbanken-Versicherungsstrategie, Chancen, Ziele und Wachstumspotenziale. Fleischmann und Ovesny-Straka hoben in ihren Vorträgen die Wichtigkeit und das Potenzial von Lebensversicherungen zur Ertragssteigerung und Erhöhung der Kundenbindung hervor. Die neue Versicherungsstrategie: Die Berater in den Volksbanken arbeiten partnerschaftlich und auf Augenhöhe mit den „ERGO PlusPunkt“-Beratern zusammen. Während die Volksbank-Mitarbeiter als erste Ansprechpartner für ihre Kunden fungieren, wenn es um Vorsorgen und Absichern geht, unterstützt das ERGO-Team als Coach und fokussiert sich auf Basis von Terminweiterleitungen auf den Vollkundenausbau in der Sach- und Unfallversicherung. Erklärtes Ziel ist die Steigerung der Abschlüsse von Lebensversicherungen durch die Volksbank-Berater. Das Thema Vorsorgen und Versichern mit einer „ERGO fürs Leben“-Vorsorge oder „ERGO fürs Absichern“-Risikoversicherung soll daher im Sinne einer 360-Grad-Beratung bei jedem Privatkreditgespräch, jeder Wohnbaufinanzierung und bei jeder Kundenberatung angesprochen werden. ERGO Vorstandsdirektor Noisternig untermauerte die Strategie mit Umfrageergebnissen: Demnach sei jeder zweite Kunde an Vorsorgeprodukten interessiert und wolle diese direkt bei seinem persönlichen Bankberater abschließen. Diesen Kundenwunsch gelte es zu erfüllen. Das Marktpotenzial ist jedenfalls groß: 70 Prozent der Österreicher möchten aktiv mit einer Lebensversicherung vorsorgen. Ablebensversicherung, Pensionsvorsoge und Unfallversicherung sind die drei gefragtesten Versicherungsprodukte. Hier bietet die ERGO mit „ERGO fürs Absichern“, „ERGO fürs Leben“ und „Sicher Aktiv“ Top-Produkte. Für gute Laune bei den Veranstaltungen sorgte Stimmenimitator Alex Kristan mit dem ERGO Vorsorge-Kabarett „Lachen gehört zum Leben wie eine Versicherung“. In Wien wurden zusätzlich die erfolgreichsten Versicherungsberater und das beste Filialteam 2018 geehrt. 

Volksbank Wien-Generaldirektor Gerald Fleischmann auf der Bühne des Studio 44

Regina Ovesny-Straka (Volksbank Steiermark) mit ERGO-Vorstandsdirektor Christian Noisternig in Graz

Ehrung für die erfolgreichsten Versicherungsberater des Jahres in Wien cooperativ 1/19

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Chronik

Volksbank Akademie

Erneut Auszeichnung für innovatives VR-Coaching

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eitere internationale Bestätigung für die Volksbank Akademie, der Bildungseinrichtung für den Volksbanken-Verbund: Nach der Goldenen Eule beim Europäischen Preis für Training, Beratung und Coaching – „cooperativ“ berichtete – wurde ihr E-Learning-Konzept nun auch vom renommierten „eLearning Journal“ ausgezeichnet. „Durch den innovativen Einsatz neuer digitaler Wegweiser wird den Teilnehmenden eine reale Abbildung der Wirklichkeit gegeben, um das Training so effizient wie möglich zu gestalten“, begründete die Jury ihre Entscheidung für die Verleihung des Awards 2019 in der Kategorie „Coaching“ an die Volksbank Akademie und ihren Projektpartner CREATE.21st century. Das Projekt „VR-Coaching in der Bankausbildung“ setzte sich gegen mehr als 200 Einreichungen durch. 

TeamBank

Neuer Vorstandsvorsitzender

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er 55-jährige Mühlbauer (Bild), bisher Co-Vorstandsvorsitzender des Pfandbriefexperten DZ HYP, gehört der Genossenschaftlichen FinanzGruppe seit 35 Jahren an. „Wir freuen uns, dass wir mit Frank M. Mühlbauer einen sehr Akademie-Geschäftsführerin Barbara Czak-Pobeheim mit Frank Siepmann erfahrenen Unternehmensleiter gewinnen konn(Herausgeber „eLearning Journal“) und Ricardo Felipe Bayer (Mitbegründer ten, der über weitreichende Kompetenzen verfügt von CREATE.21st century) bei der Preisübergabe am 20. Februar in Köln – von der Königsdisziplin Digitalisierung über das Retailgeschäft bis zur wichtigen Verankerung im Verbund“, so Thomas Ullrich, Aufsichtsratsvorsitzender der TeamBank und Mitglied des Vorstandes der DZ BANK. Boldyreff (51) wird als Gesellschafter in den Mischkonzern Werhahn wechseln. Aufsichtsratsvorsitzender Ullrich: „Alexander Boldyreff hat es geschafft, easyCredit und damit das Liquiditätsmanagement der TeamBank erfolgreich in der DNA der Genossenschaftlichen FinanzGruppe zu verankern und so die TeamBank zum Schrittmacher der Gruppe zu machen. Der Aufsichtsrat dankt ihm sehr herzlich für sein Engagement und seine Erneuerungslust, mit der er von Beginn an überzeugt hat. Wir bedauern und respektieren seine Entscheidung und wünschen ihm für seinen weiteren Lebensweg alles Gute.“ Weitere personelle Neuerungen: Christian Polenz (49), bisher COO der TeamBank, ist seit Jahresbeginn stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Christiane Decker (57) schied zugleich aus dem Vorstand aus, ihr folgt Astrid Knipping nach. Decker war 2007 in den Vorstand der TeamBank eingetreten und nahm entscheidenden Einfluss auf deren erfolgreiche Entwicklung. Sie verantwortete unter anderem auch den erfolgreichen Eintritt in den österreichischen Markt. 

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Foto: eLearning Journal

Wechsel an der Spitze der TeamBank, Partner der Volksbanken beim Konsumkredit: Alexander Boldyreff übergibt den Vorstandsvorsitz mit 1. April an Frank M. Mühlbauer.


Chronik

ADEG Wolfsberg

Weichenstellungen für die Zukunft

Die ADEG Wolfsberg – sie feierte gerade ihr 65-jähriges Jubiläum – bekommt einen neuen Geschäftsführer: Arno Riedl folgt auf Wolfgang Jäger. Bei der jüngsten Generalversammlung wurde auch ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender gewählt.

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ast 15 Jahre lang leitete Wolfgang Jäger die Geschicke der ADEG Wolfsberg, auch als Verbandsrat des ÖGV war er tätig. Mit Jahresbeginn trat er nun den wohlverdienten Ruhestand an, der aber eher ein „Unruhestand“ ist: Jäger wird weiterhin als Obmann und als Konsulent zur Verfügung stehen und zudem die beiden bevorstehenden Bauprojekte AGM und EUCO in Wolfsberg verantworten. Die offizielle Schlüsselübergabe an seinen Nachfolger Arno Riedl erfolgte im Rahmen der 65-Jahr-Feier vor rund 300 Mitarbeitern in der VIP-Lounge des WAC. Zu den Klängen von Udo Jürgens‘ Hit „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, gespielt von der ADEG-Band, betrat Jäger die Bühne. Zum Abschied gab es Dankesworte von Vorstand und Aufsichtsrat und als Geschenk Reisegutscheine von den Funktionären und Mitarbeitern. Zuvor hatte es bereits bei der Generalversammlung der ADEG Wolfsberg eine wichtige Weichenstellung gegeben: Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Franz Schuler schied altersbedingt aus, ihm folgt Krimhilde Kummer nach. Zudem wurde Harald Theißbacher neu in den Aufsichtsrat gewählt. Bei den Wahlen in den Vorstand wurde Jäger als Obmann für eine weitere Periode bestätigt und Johann Weißegger neu in den Vorstand gewählt. Der scheidende AR-Vorsitzende Schuler dankte Jäger und dem gesamten Team für die erfolgreiche Arbeit. Er hob insbesondere auch das erfolgreiche Bemühen um den Fortbestand des Großhandels in St. Andrä und damit verbunden die Erhaltung vieler Arbeitsplätze hervor. Unterdessen geht die Erneuerung auch bei den ADEG-Märkten weiter: Noch vor Ostern soll der Umbau im AGM Wolfsberg abgeschlossen werden. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich hier auf über 1,8 Millionen Euro. Allein für den Kühlbereich mit Obst und Gemüse, Molkereiprodukten, Feinkost, Fleisch und Wurst sowie Tiefkühlprodukten werden über 500.000 Euro in die Hand genommen. 

Geschäftsführer Wolfgang Jäger (li.) bei der symbolischen Schlüsselübergabe an Nachfolger Arno Riedl

Das neue Funktionärsteam – von links: VS Franz Kampl, AR Rudolf Verhounig, AR-Vorsitzende Krimhilde Kummer, AR Harald Theißbacher, VS Arno Riedl, Obmann Wolfgang Jäger, AR Wolfgang Hassler, VS Johann Weißegger

Ehrung durch den ÖGV: Barbara Pogacar, Leiterin der Ware-Beratung, überreichte Jubiläumsurkunden an Anton Kovsca (ADEG Österreich) und Wolfgang Jäger cooperativ 1/19

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Chronik

Brauerei Murau

Sechsmal Gold und zweimal Silber

Die Brauerei Murau freut sich über einen Medaillenrekord: Nach dem European Beer Star, der höchsten Auszeichnung der Bierwelt, hat sie nun bei der internationalen DLG-Qualitätsprüfung das beste Ergebnis ihrer Brauereigeschichte eingefahren.

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ie genossenschaftliche Brauerei ist vom Testzentrum Lebensmittel der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) mit sechs Goldmedaillen und zwei Silbermedaillen für die hervorragende Qualität ihrer Produkte ausgezeichnet worden. Gold ging an den Klassiker Murauer Märzen, an Winter WEISSE, Weißbier, Bockbier, Hoamat WEISSE und hm Radler. Silber holten das Murauer Pils und der Kräuterradler alkoholfrei. Im Rahmen der Qualitätsprüfung für Bier und Biermischgetränke untersuchen die Experten der DLG jedes Jahr die Qualität von rund tausend Produkten. Im Mittelpunkt stehen umfangreiche Analysen im Labor und in der Sensorik. „DLG-prämierte Biere stehen nachweislich für höchste Braukunst und überzeugen durch ihren Genusswert. Alle Produkte wurden in neutralen Tests auf Basis wissenschaftlich abgesicherter Prüfmethoden von Experten getestet. Auf diese Weise erhalten sowohl die Brauereien wie auch die Verbraucher wertvolle Informationen zu den prämierten Produkten“, so Thomas Burkhardt, Bereichsleiter im DLG-Testzentrum Lebensmittel. Murauer-Geschäftsführer Josef Rieberer freute sich mit dem gesamten Brauerteam über die Medaillen, welche die hervorragende Qualität der Biere aus Murau belegen. 

Brauerei Ried

Ein Prost auf 110 Jahre

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rund zum Feiern hatten unlängst die Geschäftsführer der Brauerei Ried, Christian Aigner (li.) und Josef Niklas (re.): Vor 110 Jahren gründeten Gastwirte aus dem Innviertel die Brauereigenossenschaft in Ried. Heute ist das Rieder Bier ein vielfach preisgekröntes Aushängeschild der Region. Wie das Murauer war auch das Rieder Bier zuletzt äußert erfolgreich bei der DLG-Qualitätsprüfung – mit fünfmal Gold und einmal Silber. Da ließ es sich auch ÖGV-Verbandsanwalt Peter Haubner nicht nehmen, vor Ort mit den Jubilaren anzustoßen. 

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Geschäftsführer Josef Rieberer und der technische Betriebsleiter, Michael Göpfart, freuen sich über die Auszeichnungen


Chronik

Nachruf

Im Gedenken an Wolfgang Kemmetmüller Ein großer Förderer und Freund der Genossenschaften ist heimgegangen.

A

m 20. Jänner 2019 verstarb Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Kemmetmüller im 80. Lebensjahr. Damit ist jemand von uns gegangen, der seine Kraft über ein halbes Jahrhundert lang in den Dienst der Wirtschaftsuniversität (vormals Hochschule für Welthandel) und der Genossenschaften gestellt hatte. Kemmetmüller wurde am 14. Dezember 1939 in Gmunden (OÖ) geboren. Seine Eltern führten dort eine Bäckerei, durch die er die Welt eines Gewerbebetriebes kennenlernte. Diese Erfahrung begleitete ihn ein Leben lang auch als Universitätsprofessor. Er absolvierte sowohl die Bäckerausbildung – auf die er zurecht stolz war – als auch das Gymnasium und danach das Studium an der Hochschule für Welthandel mit dem Abschluss zum Diplomkaufmann (1962) und zum Doktor der Handelswissenschaften (1964). Danach war er Mitarbeiter am Institut für Betriebswirtschaftslehre des Gewerbes und der Klein- und Mittelbetriebe der Hochschule für Welthandel, dessen Vorstand damals Univ.-Prof. Dr. Erich Hruschka war. Im Jahr 1973 habilitierte er sich im Fach Betriebswirtschaftslehre und wurde 1979 zum ao. Univ.-Prof. ernannt. Internationale Reputation erwarb er vor allem aus seiner aktiven Rolle im Rahmen der Rencontres de StGall, einer Runde von Experten für Klein- und Mittelbetriebe aus aller Welt, an deren Treffen er von 1976 bis 2000 teilnahm. Die Schwerpunkte seiner Lehr- und Forschungstätigkeiten können am besten mit den Stichworten Genossenschaften, Kostenrechnung, Gewerbe, Klein- und Mittelbetriebe charakterisiert werden. Der Praxisbezug war ihm ebenso wichtig wie seinem Kollegen Prof. Rolf Eschenbach, der auch gelernter Brauer war: In einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte dieser vor kurzem, dass viele Absolventen der Betriebswirtschaftslehre leider nie einen Betrieb von innen gesehen hätten. Gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Hruschka begann Kemmetmüller im Jahr 1976 eine Kooperation mit dem ÖGV und der ÖVAG. Der Festakt fand im Schloss Laudon in Wien statt. Damit begann eine wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte Unterstützung der KMUs als Kunden der Volksbanken und Mitglieder der Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften nach dem System Schulze-Delitzsch.

Aufgrund seiner wissenschaftlichen Spezialisierung, verbunden mit praktischen Erfahrungen und Angeboten an Problemlösungen für KMUs, wurde Kemmetmüller im Jahr 1989 zum Leiter des neu gegründeten Forschungsinstituts für Betriebswirtschaftslehre der Genossenschaften berufen. Alle vier genossenschaftlichen Verbände (ÖGV, ÖRV, Konsumverband und Wohnbaugenossenschaften) beteiligten sich an der Gründung und Kooperation dieses Instituts. Die Genossenschaftsverbände bekamen damit einen formellen Zugang zur Wirtschaftsuniversität und die Möglichkeit, mit einem Lehrauftrag den Studenten die genossenschaftliche Praxis näherzubringen. Ergebnis dieser Kooperation war neben zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen in Fachzeitschriften und praxisorientierten Leitfäden auch das von Kemmetmüller herausgegebene und mitverfasste Standardwerk „Genossenschaftliche Kooperationspraxis“. Aus dem ersten beruflichen Kontakten im Jahre 1976 entstand aus der Zusammenarbeit eine persönliche lebenslange Freundschaft, in die auch seine Familie, seine Frau Eva und seine Tochter Susanne, eingebunden waren. Benediktinische Reverentia und herzliche Freundschaft mit jederzeitiger Unterstützung zeichneten die weit über eine formelle Kooperation hinausgehende Beziehung aus. Aufgrund seiner Verdienste und in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Unterstützung der Genossenschaften und ihrer Mitglieder verlieh ihm der Österreichische Genossenschaftsverband die Schulze-Delitzsch-Medaille in Gold am Bande. Erholung, Auftanken und Inspiration für neue Ideen und Problemlösungen suchte Kemmetmüller in seinem geliebten Forstbetrieb in Grünau im Almtal mit Frau Eva und Tochter Susanne. Unvergesslich ist uns auch die herzliche Aufnahme dort. Anlässlich seines 79. Geburtstages im Dezember 2018 durften wir mit ihm in seiner Wohnung in Grinzing mit seiner Familie noch einmal mit einem Glas seines geliebten „KGV“ (Kremsmünsterer Grüner Veltliner) anstoßen. Wir werden Wolfgang Kemmetmüller immer ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren. Requiescat in pace! 

Hans Hofinger und Peter Weiß

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Ex Libris

Sebastian Bergmann, Erik Pinetz (Hrsg.) GebG – GSpG, VersStG und WerbeAbgG Kommentar Linde 1.392 Seiten € 248,-

Das vorliegende Werk enthält eine umfassende, aktuelle und übersichtliche Kommentierung des Gebührengesetzes. Die jüngsten gesetzlichen Entwicklungen wurden von steuer- und rechtsberatenden Experten eingearbeitet. Darüber hinaus werden in dem Kommentar auch von der Literatur bislang wenig beachtete Nebengesetze wie Glücksspielabgabe, Versicherungssteuer und Werbeabgabe detailliert aufgearbeitet. Das Buch eignet sich besonders als Nachschlagewerk für die Beratungspraxis bei verkehrssteuerlichen Fragen. Ulrike Schuh

Gert-Peter Reissner (Hrsg.) AngG – Angestelltengesetz Kommentar Linde 1.096 Seiten € 138,-

Der Kommentar zum Angestelltengesetz von Gert-Peter Reissner liegt nunmehr in dritter Auflage vor. Der Herausgeber sowie das gesamte Autorenteam sind Experten aus Wissenschaft, Praxis und Justiz. Ziel dieses Kompaktkommentars ist es, eine aktuelle und handliche Darstellung des Angestelltengesetzes zu bieten, die zugleich zuverlässige und umfassende Orientierung zum Stand von Rechtsprechung und Lehre bietet. Ergänzt werden die Ausführungen durch eine Vielzahl an Beispielen. Die Informationen sind in erforderlicher Breite ohne überflüssigen Ballast enthalten. Seit dem Erscheinen der zweiten Auflage im Jahr 2015 gab es insbesondere Änderungen bei der Rechtslage zum Krankenstand, zur Konkurrenzklausel oder beim Entgeltfortzahlungsrecht. Eingearbeitet wurden zudem zahlreiche neue Gerichts-

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entscheidungen, auch kritische Stellungnahmen zu strittigen Fragen finden sich bei einzelnen Bestimmungen im Angestelltengesetz. Im übersichtlich gegliederten Kommentar wird zudem großer Wert auf den Bezug zur Praxis gelegt. Johanna Thalhammer

Stefan Köck (Hrsg.) Arbeitszeit Neu: Die Arbeitszeitnovelle 2018 Manz 180 Seiten € 36,-

Mit 1. September 2018 ist die Arbeitszeitnovelle 2018 in Kraft getreten. Die darin vorgesehenen Maßnahmen sollen der Flexibilisierung und Modernisierung der Arbeitszeitgesetze dienen und diese auch entbürokratisieren. Die Änderungen wurden in das Arbeitszeitgesetz (AZG) und in das Arbeitsruhegesetz (ARG) eingearbeitet. Das Autorenteam des vorliegenden Bandes besteht größtenteils aus arbeitsrechtlichen Praktikern. Die Unterschiede zur bisherigen Rechtslage werden präzise und übersichtlich dargestellt. Das Werk gliedert sich in fünf Teile: Im ersten Kapitel werden die neuen Ausnahmen für leitende Angestellte und Angehörige dargestellt. Kapitel zwei enthält die Neuregelung der Überstunden und der Wochenendarbeit. Behandelt werden zentrale Themen wie die neuen Höchstgrenzen der Arbeitszeit, das Ablehnungsrecht und das Wahlrecht bei der Abgeltung betreffend Sonderüberstunden sowie Auswirkungen auf bestehende Vereinbarungen. In Kapitel drei werden die Auswirkungen der AZG-Novelle auf das System der Gleitzeit ausführlich analysiert. Abschließend finden sich in den Kapiteln vier und fünf Informationen zur Neuregelung der täglichen Ruhezeit in der Gastronomie und bei Rufbereitschaft sowie zum Inkrafttreten, zur „Bestandsgarantie“ und zu Strafbestimmungen. Durch Beispiele, Praxistipps und Musterklauseln leistet das Buch einen wichtigen Beitrag für die praktische Arbeit. Es werden Lösungswege zu den wichtigsten offenen

Rechtsfragen aufgezeigt. Ein Anhang enthält zusammengefasst den novellierten Gesetzestext des AZG und des ARG unter Ausweis aller Änderungen im Detail sowie unter Einfügung der jeweiligen Begründungen zum parlamentarischen Initiativantrag bzw. zum Abänderungsantrag. Johanna Thalhammer

Rainer Knyrim (Hrsg.) Der DatKomm – Praxiskommentar zum Datenschutzrecht Manz Lose-Blatt-Sammelwerk € 198,-

Der neue DatKomm-Praxiskommentar zum Datenschutz bietet eine umfassende Kommentierung der Durchführungsbestimmungen des novellierten Datenschutzgesetzes gemeinsam mit den Artikeln der Datenschutz-Grundverordnung und der Datenschutzrichtlinie für den Bereich Polizei und Justiz. Das Werk im handlichen Heftchenformat (oder auch in einer Online-Version) optimiert den Lesernutzen, indem es sich inhaltlich den schwierigen Fragen stellt, Zusammenhänge der DSGVO und des DSG sinnvoll verschränkt und tiefgehend wesentliche Auslegungsschritte optimal aufarbeitet und erklärt. Wichtige Literatur und Judikatur – auch zum bisher geltenden Recht – fehlen ebenso wenig wie Anhänge mit Guidelines, Beschlüssen des Datenschutzausschusses und wichtige Bestimmungen aus Nebennormen. Ulrike Schuh

Bernhard Gruber, Christian Engelbrechtsmüller (Hrsg.) IFRS 9 Finanzinstrumente – Herausforderung für Banken Linde 352 Seiten € 65,-

In die zweite Auflage dieses Werkes sind alle Erkenntnisse aus den vergangenen drei Jahren eingeflossen, welche aus Fachartikeln, internationalen Konferenzen und aus der täglichen Arbeit gewonnen wurden. Da-


Ex Libris

durch werden Problemstellungen, die sich aus der Anwendung der nunmehr geltenden Regelungen der internationalen Rechnungslegung für Finanzinstrumente ergeben, lösungsorientiert aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet. Es werden neue Perspektiven in der praktischen Umsetzung, Anwendung und Prüfung der Regelungen des IFRS 9 geboten. Nach einer Darstellung der allgemeinen Grundlagen zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS und der Qualität der Finanzberichterstattung bei Banken behandeln die Autoren folgende Themenbereiche: Klassifizierung und Bewertung der Finanzinstrumente, Bilanzierung der Risikovorsorge nach IFRS 9, Impairment-Modellierung, Chan-Ladder-Methode zur Modellierung des IFRS-9-LGC, methodische Überlegungen zur Ermittlung des erwarteten Verlustes, Vertragsänderungen, Abschreibungen, POCI-Vermögenswerte und Micro Hedge Accounting nach IFRS. Die Autoren gehen auch auf das für Banken wichtige Thema IFRS und Aufsicht sowie letztlich auf die Umsetzungsherausforderungen für die österreichischen Institute ein. Das Werk ist für alle mit der Umsetzung, Anwendung und Prüfung der Regelungen des IFRS 9 befassten Kollegen ein profundes Nachschlagewerk. Franz Groß

IMPRESSUM cooperativ – Das Magazin für Genossenschaften 1/19 147. Jahrgang DVR 0048577 MEDIENINHABER (VERLEGER) Österreichischer Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch), Löwestraße 14, A-1010 Wien, Tel: 01 313 28-0, Fax: 01 313 28-450, weitere Informationen zum Medieninhaber nach dem MedienG: www.genossenschaftsverband.at HERAUSGEBER Österreichischer Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch) CHEFREDAKTEUR Günther Griessmair REDAKTION Daniela-Monica Essler, Hermann Fritzl, Peter Haubner, Hans Hofinger, Andrea Karner, Markus Rothenbach, Wolfgang Schmidt, Anton Schmoll, Peter Weiß ARTDIRECTOR Daniel Dobernig LAYOUT-DESIGN Daniel Dobernig, Elke Bauer DRUCK Berger, Horn KONTAKT redaktion@ oegv.volksbank.at Gezeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder. Gender-Hinweis: Im Sinne einer besseren Lesbarkeit unserer Artikel verwenden wir die maskuline oder feminine Sprachform. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des jeweils anderen Geschlechts.

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Anno dazumal

Damals vor 100 Jahren So wie der ÖGV selbst blickt auch sein Verbandsmagazin auf eine lange Tradition zurück: Beide gibt es – wenn auch unter anderem Namen – seit 1872. Der Vorgänger des „cooperativ“ hieß „Die Genossenschaft“, herausgegeben vom Allgemeinen Verband der auf Selbsthilfe beruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften Österreichs. Für die Rubrik „Damals vor 100 Jahren“ öffnen wir unsere Archive und blicken zurück. Wir bringen Wissenswertes, aber auch Schmankerl von anno dazumal.

I

n Mähren ansässige Genossenschaften erhielten Anfang 1919 per Rundschreiben eine Beitrittsaufforderung zum Zentralverband der deutschen gewerblichen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften Mährens und Schlesiens mit dem Hinweis, dass künftig die Mitgliedschaft im Allgemeinen Verband in Wien aufgrund staatlicher Neuordnungen wahrscheinlich nicht mehr möglich sei. Ein fadenscheiniges Argument, wie man damals in Wien meinte, zumal die Grenzen der Tschechoslowakei durch die Friedenskonferenz noch gar nicht festgelegt worden seien. Verbandsanwalt Karl Wrabetz mutmaßte, dass aufgrund ausbleibender Subventionen aus Wien der wirtschaftliche Druck auf den Verband in Mähren gestiegen sei und dieser nun alternative Einnahmequellen suche. Grundsätzlich wurde allen Genossenschaften empfohlen, die Friedensverhandlungen abzuwarten und erst dann über einen Verbandswechsel nachzudenken. * Am 31. Jänner 1919 fand in Wien eine Demonstration statt, deren Teilnehmer rote Fahnen schwenkten. Der Zug kam auch in der Lindengasse, dem Sitz des Allgemeinen Verbandes, vorbei. Einige Demonstranten erkannten über dem Eingangstor die SchulzeDelitzsch-Büste und riefen laut Bericht aufgebracht: „Ihr Christlichsozialen, wartet nur, euch werden wir‘s zeigen!“ Die Mitarbeiter des Verbandes quittierten die Szene mit Gelächter. Schließlich sei es doch gerade Hermann Schulze-Delitzsch gewesen, der zu Lebzeiten dem reaktionären Staat die Steuern verweigert habe. * Die tschechoslowakische Regierung plante die Abstempelung sämtlicher auf ihrem Territorium in Umlauf befindlichen Banknoten, wie den Wiener Tagblättern zu entnehmen war. Sobald der Plan in die Realität umgesetzt werde, sei es nur eine Frage der Zeit, bis auch Deutschösterreich seine Kronen-Noten kenntlich mache. Es sei zu befürchten, dass sich aufgrund des gewaltigen Geldvermögens lange Schlangen bilden, wie man sie aus den Kriegszeiten kenne. Um dem vorzubeugen, könne man sein Barvermögen noch vor Inkrafttreten eines deutschösterreichischen Erlasses auf ein Bankkonto einlegen, riet Verbandsanwalt Wrabetz. * Per Jahresende 1918 verließ ein langgedienter Revisor den Allgemeinen Verband. Nachdem der Mann das zweite Halbjahr 1918 über bettlägerig gewesen war und nach Wiederaufnahme seiner Profession feststellen musste, dass die notwendigen Reisen seine Gesundheit stark belasten, reichte er mit aufrichtigem Bedauern seinen Rücktritt ein. Der Verband dankte ihm in einem hochlobenden Artikel für seine Tätigkeit und warb mit einem Inserat um einen Nachfolger. * In der nächsten Ausgabe von „Damals vor 100 Jahren“ geht es um die Gründung eines neuen Revisionsverbandes, während die noch junge Republik unentwegt versucht, neue Steuerquellen zu erschließen. 

Markus Rothenbach

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Zukunftskraft Genossenschaft: Startschuss für die neue Gründerinitiative des ÖGV

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Zukunftskraft Genossenschaft: Startschuss für die neue Gründerinitiative des ÖGV

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