lokomagazin #02 // Einfach mal machen!

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#02 EINFACH MAL MACHEN

loko magazin GSEducationalVersion

Kurz nachgefragt Wie wird man in der Stadt aktiv? Statements von Stadtmacher*innen übers einfach mal machen Das lokomobil rollt Einblicke in die Planungen, den Bau und die Aktionen im Stadtraum


*ko-w ko-sp as? ielen , ko-g ko-ta nzen , ko-g estalten, gärtn enieß e rn, ko werk en, k -prod oln, ko uzier -koch e ko-o n , e k n o perie , ko-d ren, k iskut spor o-fau ieren tln, k , lenze o-for n, ko sche n, ko -lern en,... ...und was kost du? Liebe Leser*innen, ein Jahr club loko ist wie im Fluge vergangen. Ein Jahr gemeinsames Ideen spinnen, diskutieren, Ideen wieder verwerfen, konzeptionieren, zoomen, entwerfen, aktiv sein, bauen und Geduld üben. Wir wollen in dieser Ausgabe einen zusammenfassenden, selbstkritischen und stellenweise auch selbstironischen Einblick in unseren Prozess geben, unser gesammeltes Wissen teilen und auf eine aufregende, gemeinsame Zeit zurückblicken. Aus gewöhnlichen Semesterprojekten und theoretischen Konzepten ist in den vergangenen zwei Semestern ein reales Projekt entstanden. Mit der Umsetzung des lokomobils versuchen wir eine Antwort auf gesellschaftsrelevante Fragen und einen Umgang mit den Auswirkungen der aktuellen und zukünftigen Krisen zu finden. Zudem verfolgen wir das Ziel, durch Kooperationen und gemeinsame Veranstaltungen, mit anderen aktiven Vereinen und Initiativen aus München ein Netzwerk von Stadtmacher*innen aufzubauen, um damit einen Beitrag zur lokalen Stadtgestaltung Münchens zu leisten. Um Veränderung anstoßen zu können, braucht es eine engere Zusammenarbeit aller mutigen Kreativköpfe, die von alternativen Strategien für die Entwicklung der Zukunft dieser Stadt träumen. Die Sammlung der Erfahrungen unserer bisherigen Reise soll anderen jungen Initiativen dabei helfen, den Fuß in die Tür der Stadtgestaltung zu bekommen und ihre Ideen (etwas schneller) in die Tat umsetzen zu können. Lokale Grüße und viel Freude beim Lesen! Euer club loko*


AGENDA

Inhalt

club loko kurz erklärt

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Update lokomobil

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Wie sind wir aktiv geworden?

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Wie kann man einen zugänglichen Raum für Dialog auf öffentlichem Boden aufspannen? Prototyping Ressourcen Bau des lokomobils

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Kurz nachgefragt “Wie wird man aktiv in der Stadt?”

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das lokomobil in Aktion

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Ko-Forschung Urbane Liga

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Hinter den Kulissen

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Reflexion drei schnelle Fragen an den club loko

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+ Extra: “Von der Uni in den Stadtraum”


Mehr Infos zu unserem Werdegang und dem theoretischen Hintergrund im lokomagazin #01 Digitaler Spagat

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WER WIR SIND

Der FC Bayern München war gestern - jetzt kommt club loko: für mehr Teamspirit in der Stadtentwicklung, Einlass für alle, mehr Vielfalt unter den Dancemoves, eine gerechtere Platzverteilung und faire Schiedsrichter*innen.

club loko kurz erklärt Fünf Architekturstudentinnen, eine Vision, viele Ideen, ein Fahrradanhänger, Tatendrang und ein Haufen Holz. In einem Jahr club loko ist einiges passiert - wie aber hat nochmal alles angefangen? Ein kurzer Überblick über unsere Mission, was wir eigentlich wollen und welche Überzeugungen hinter unserem Tun stecken. Die Auswirkungen globaler Krisen rücken das lokale Umfeld als Austragungsort aktiver und passiver Mitgestaltungs- und Aushandlungsprozesse der Bürger*innen in den Fokus. Wir sehen hier sowohl den Bedarf, als auch das Potenzial, die Stadt München aus ihren kleinsten städtischen Einheiten heraus langfristig resilienter zu gestalten. Wir sind der Überzeugung, dass die Bürger*innen in den Quartieren und Nachbarschaften wertvolles lokales Wissen und Ressourcen in sich tragen, um die Stadt, in der wir gemeinsam leben, zu gestalten. Um dieses Wissen zu aktivieren, müssen niedrigschwellige Orte der Begegnung zum Austausch, Experimentieren, Diskutieren und Träumen geschaffen werden.

Nach einer intensiven theoretischen und konzeptionellen Auseinandersetzung haben wir die erarbeiteten Ansätze im realen Stadtraum mit Bürger*innen erprobt und daraus die Gestaltungsgrundsätze für das lokomobil, dem Begegnungsraum auf Rollen, entwickelt. Mit der baulichen Umsetzung des lokomobils und den ersten Aktivitäten in München konnten wir erste Impulse für eine lokale Stadtgestaltung setzen und Kooperationen mit lokalen Akteur*innen aus verschiedenen Bereichen knüpfen.

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WER WIR SIND

Notizen unseres ersten realen Treffens als club loko

Gemeinwohlorientiert und im Ko arbeiten wir, als club loko, aktivierend, nachhaltig und inklusiv an Lösungsansätzen für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung, der niedrigschwelligen Mitgestaltung der Stadt und der Aktivierung und Ermächtigung von Bürger*innen. Das lokomobil ist der erste Spielzug um unsere Mission zu erreichen: die Ko-Gestaltung der Stadt soll als Aufgabe von Vielen zum urbanen Alltag werden.

So hat alles angefangen Begonnen hat unsere gemeinsame Reise bereits im Sommersemester 2020. Auf damals noch unterschiedlichen Wegen haben wir alle einen Blick über den Tellerrand unseres bereits fortgeschrittenen Architekturstudiums geworfen. Nachdem wir uns ein Semester lang in verschiedenen Konstellationen als „KiosKooperative“ am Lehrstuhl für Raumentwicklung und als „Die Lokalen Urbanen“ an der Professur für Urban Design noch sehr theorielastig mit den Auswirkungen globaler Krisen der Zukunft und verschiedenen Lösungsansätzen auf Quartiersebene auseinandergesetzt haben, brannte sich der Gedanke, daraus mehr zu machen und die beiden Projekte zu fusionieren, immer weiter in unsere Köpfe ein. Die gemeinsame Erkenntnis über den starken Handlungsbedarf und das Potential der lokalen Handlungsebene, sowie die Motivation ins Handeln zu kommen, ließ uns, in einer kleinen Spontanaktion (bekannt als die Besten), den club loko gründen. Den ersten loko-Schritt wagten wir im Herbst 2020 mit der erfolgreichen Bewerbung für die Urbane Liga, einem 2-jährigen Programm für junge Stadtmacher*innen des Bundesministeriums des Inneren. >> mehr zur Urbanen Liga auf Seite 38

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Update lokomobil Das lokomobil soll provozieren, Reibung erzeugen und als lokaler Impulsgeber einen Raum aufspannen, in dem ein Dialog auf Augenhöhe mit Bürger*innen über ihre Nachbarschaft entstehen, Skills und Wissen vermittelt werden und zu Themen der nachhaltigen und resilienten Stadtentwicklung informiert werden kann.

Möglichst mobil, flexibel einsetzbar, aneigenbar und raumbildend - das waren und sind die primären Gestaltungsanforderungen an das lokomobil. Die anfängliche Idee, einen Autoanhänger zu bebauen, konnte sich vor allem nicht mit dem Aspekt der Flexibilität, als auch mit unserem Grundsatz des nachhaltigen Handelns vereinbaren, da für jeden Standortwechsel ein PKW hätte bewegt und ein Parkplatz hätte belegt werden müssen. Die Einsicht, dass ein Fahrradanhänger als Basis unseren Anforderungen an das lokomobil am ehesten gerecht wird, hat zu einer erneuten Reflexion darüber geführt, welche Funktionen und Elemente es in der alltäglichen Nutzung wirklich braucht. Neben

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EIN BLICK ZURÜCK

der Aneignung von bisher unbekanntem Wissen über temporären Urbanismus oder Partizipationsprozesse, war in diesem Semester vor allem der Entwurf des lokomobils, in einem deutlich kleineren Maßstab als wir es bisher gewohnt waren, eine der größten Herausforderungen. Eine regelmäßige Überprüfung unseres Projektziels und die Überwindung von, zu Teilen dem Architekturstudium geschuldetem, hohen Ansprüchen, hat zu diesem Zeitpunkt schließlich seine Hochphase erlebt und zu der Erkenntnis geführt, dass das ‘Downscaling’ unseres Projektes keinesfalls das Konzept schwächt. Ganz im Gegenteil - im ersten

Schritt eine kleine Version der großen Idee umzusetzen, lässt mehr Raum für eine Überprüfung im 1 zu 1, komprimiert das Projekt auf das Wesentliche und nimmt vor allem Verantwortung und Druck für die Phase der tatsächlichen Nutzung. Das Projekt ausschließlich mit der uns vorhandenen Ressource der eigenen Kraft umzusetzen, wurde somit zu einer zusätzlichen Gestaltungsanforderung.

Braucht es diesen massiven Entwurf und einen Autoanhänger, wenn das Mobil doch viel flexibler sein soll?

Was wollen wir als club loko überhaupt mit dem lokomobil erreichen? Was soll es können? Was ist unser Ziel?

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Kontext Was ist das loko mobil nochmal? Mit dem lokomobil wird ein offener Kiosk für lokale Ko-Gestaltung in der Nachbarschaft geschaffen, der das Zusammenkommen der Stadtgesellschaft miteinander fördert, aber auch die Möglichkeit eröffnet mit anderen Akteur*innen, wie (lokalen) Initiativen, Vereinen, Institutionen und Verwaltung auf Augenhöhe in den Dialog zu treten.

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LOKOMOBIL

: ein omobil Das lok m um ungsrau n g e g e B ung tgestalt d a t S lokale ollen zu m ins R a s in e gem . bringen

Noch ist es eine Idee auf dem Papier: das lokomobil als flexibles Tool für verschiedene Events wie Vorträge, Workshops oder Ausstellungen

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LOKOMOBIL

Das lokomobil ist: runder Tisch, Bar, Küche, Werkstatt, Info, Nachbarschaftskino, Ausstellungsfläche, Tauschbörse. Es soll als Ort der Interaktion und des Austauschs in der Nachbarschaft fungieren und ist sowohl in sozialer, als auch in struktureller und kultureller Hinsicht offen für alle Menschen und Ideen. Das lokomobil zeichnet sich durch Funktionalität und eine wandelbare Struktur aus. Aufgebaut auf einem Fahrradanhänger ist das mobile ‚Werkzeug‘ so entwickelt, dass es sich neuen Situationen anpassen und verschiedene Räume für unterschiedliche Beteiligungsformate schaffen kann. Um der programmatischen Flexibilität gerecht zu werden, ist das lokomobil aus einem leichten und einfachen Holzrahmensystem aufgebaut, das, je nach Programm und Anforderung, als Regal mit verschiedenen Elementen gefüllt werden kann. Insgesamt kann das Holzregal bis zu zwölf wiederverwendbare Industrieboxen aufnehmen, die sowohl als Stauraum

für notwendiges Werkstatt- oder Veranstaltungsequipment, als auch, übereinander gestapelt, als Sitzmöglichkeiten genutzt werden können. Flächige Elemente, die als Verkleidung für das lokomobil montiert werden, sollen zusätzliche Anpassungsfähigkeit für unterschiedlichste Raumsituationen bieten. Je nach Gegebenheit können diese Elemente zur Unterteilung und/oder Öffnung von Räumen eingesetzt werden, sie können als vertikale Informationstafeln fungieren oder zu Tischplatten umfunktioniert werden. Seit Anfang Juli 2021 rollt das lokomobil nun schon durch München und kommt an verschiedenen Standorten zum Einsatz. Dabei wurden Workshops und Aktionen umgesetzt, um die Ko-Gestaltung der Stadt auf Quartiersebene mit lokalen Kooperationspartner*innen voranzutreiben und einen niederschwelligen Ort zu öffnen, an dem die Nachbarschaft zusammenkommen kann. In verschiedenen Ausstellungen, (Bau-) Workshops und Talks

[Definition] lokomobil lo = lokal, ko = gemeinschaftlich, mobil = beweglich

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LOKOMOBIL

wurde über Themen der selbstgemachten Stadtgestaltung, Planungsprozesse oder über den Zugang zu Experimentierräumen in der Stadt diskutiert und im Sinne der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung nach Bedarfen und Wünschen der Bürger*innen in verschiedenen Nachbarschaften gefragt.

Als infrastrukturelles Tool, steht das lokomobil auch anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen und Vereinen, sowie städtischen und kulturellen Institutionen zur Verfügung, um in Projekten und Aktionen eingesetzt zu werden, die sich aktiv mit der Mitgestaltung der Stadt durch die Bürger*innen beschäftigen. >> Einblicke in die bisher stattgefundenen Events bekommst Du ab Seite 30

Skizzen vom Entwurf des lokomobils

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LOKOMOBIL

Nach der Umsetzung der CAD-Zeichnungen und Skizzen: das fertige lokomobil bei einer der ersten Aktionen

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Mit eineinhalb zugedrückten Augen und viel Vorstellungskraft lassen sich die Anfänge des lokomobils und der darauffolgenden Aktionen erkennen

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Nach der theoretischen Auseinandersetzung mit Themen, die eigentlich die Erprobung im realen Raum erfordern und einigen gedrehten Schleifen um das Konzept und den Entwurf, führten sowohl die wiederholten Aufforderungen von außen, auch unserer innerer Drang, endlich mal „ins Machen“ zu kommen, dazu, den Sprung ins kalte Wasser aka den Stadtraum zu wagen. Auch wenn der Weg zu unserem Aktiv-werden nicht unbedingt direkt und ohne Umwege verlaufen ist, hat uns die theoretische Auseinandersetzung mit Themen der Resilienz der Stadt, dem Quartier und der Beteiligung von Bürger*innen eine solide Basis für die reale Umsetzung geschaffen.

Auf d en nä Seite chste n ver n s u Antw c orten hen wir auf d Frag iese e zu finde n

Wie sind wir aktiv geworden? 15


EINFACH MAL MACHEN

Wie kann man einen zugänglichen Raum für Dialog auf öffentlichem Boden aufspannen? Nachdem wir uns im Wintersemester noch sehr allgemein mit Themen der Resilienz in Anbetracht (zukünftiger) Krisen, dem Quartiersbegriff, der Beteiligung von Bürger*innen und Ansätzen des Social Design beschäftigt haben, setzten wir uns am Anfang des Semesters mit der konkreten Frage auseinander, wie man einen zugänglichen Raum für Dialog auf öffentlichem Boden aufspannen kann. Damit wurde sowohl gestalterisch als auch konzeptionell die Basis für die Umsetzung des lokomobils gelegt. Welche (in)offizielle Regeln und Gesetze gelten vor Ort? Welche Spielräume oder Lücken gibt es in den gesetzlichen Vorgaben?

Alles rund um die rechtlichen Rahmenbedingungen und mögliche Handlungsspielräume bei der Nutzung von Freiräumen findet ihr in der Freiraumfibel - Wissenswertes über die selbstgemacht Stadt!

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Bevor es in die umfangreiche und zeitaufwendige Planungsphase eines Projektes geht, sollten die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt werden. Werden spezielle Genehmigungen für das Projekt benötigt, bewegt man sich im Graubereich oder sogar auf komplett unerforschtem Gebiet, weil keiner weiß ob das Vorhaben rechtmäßig ist oder nicht? Falls sich dann herausstellen sollte, dass es keine rechtliche Legitimation für das Vorhaben geben sollte, können dafür verantwortliche Aspekte immer noch abgeändert werden - wie beispielsweise der Ort, die Größe oder die offiziell gültige Nutzung. Oft ist es auch sehr hilfreich, ähnliche Projekte genauer unter die Lupe zu nehmen und nach den jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen nachzufragen. Auch wenn sie sich in anderen Regionen und lokalen Gegebenheiten befinden, geben sie womöglich Hinweise für unentdeckte Lücken im Gesetz. Spielräume für die selbstgemachte Stadt müssen manchmal auch noch selbst erfunden werden.


EINFACH MAL MACHEN

Welche Bedarfe gibt es an dem Ort? Von wem gehen diese aus und wie kann man auf diese eingehen? Für eine gemeinwohlorientierte und bürgernahe Stadtgestaltung die nachhaltig und an die vorhandenen Bedarfe angepasst ist, sollte als Basis eines Projektes möglichst viel lokales Wissen angesammelt werden. Dafür braucht es einerseits einen Dialog auf Augenhöhe mit den jeweiligen Anwohner*innen und andererseits einen regen Kontakt zu anderen aktiven Initiativen der jeweiligen Nachbarschaft, die ihre bereits gesammelten Erfahrungen teilen können. Vor allem in der frühen Phase des Projektes bringt eine Akteursanalyse oft ein besseres Verständnis für das ortspezifische Netzwerk und welche Bedarfe bereits abgedeckt sind.

Welche Instrumente oder Methoden braucht es um in den Dialog zu kommen? Bestimmte Werkzeuge und Methoden können helfen, um eine inklusive Kommunikation mit allen Beteiligten zu öffnen, einen leichten Zugang zu den Inhalten des Projektes, Offenheit und Neugierde für das Thema zu ermöglichen und ein möglichst vielfältiges Meinungsbild zu bekommen. Interaktive Karten, Fragebögen, themenbezogene und leicht zu verstehende Grafiken oder simple Umfragetools. Eine anschließende Auswertung und Reflexion der Ergebnisse darf nicht vergessen werden, da sie vor allem im Rückblick zu erkenntnisreichen Parametern für die weitere Entwicklung des Projektes führen können.

Wie spannen wir Raum auf? Welche Elemente braucht es dafür? Was macht einen Raum niedrigschwellig und aneigenbar? Um über lokale Stadtgestaltung ins Gespräch zu kommen, ist ein direkter Bezug zu den entsprechenden ortsspezifischen Gegebenheiten extrem hilfreich für eine Diskussionsgrundlage und das Vorstellungsvermögen von Bürger*innen. Der Ort des Geschehens sollte also der Stadtraum selber sein. Raumbildende Elemente können dabei nicht nur die erforderliche visuelle Präsenz und Aufmerksamkeit erzeugen sondern auch einen Rahmen schaffen, der eine interaktive Fläche und einen Ort der Begegnung schafft. Je nach Programm und Situation vor Ort können das Stellwände als Ausstellungsfläche, Sitzmöglichkeiten für Vorträge und Diskussionsrunden oder ein runder Tisch für einen Dialog auf Augenhöhe. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt - auffällige und ungewöhnliche Installationen sorgen für das notwendige kleine Extra an Provokation und der Störung des Alltags.

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Prototyping Um die bereits erarbeiteten Ansätze zu überprüfen, die Nutzungsanforderungen an das lokomobil zu schärfen und “einfach” mal ins Machen zu kommen, folgte auf die intensive theoretische Auseinandersetzung die Erprobung im Realen.

Nach einer ersten Annäherung im Maßstab 1:1 auf der Theresienwiese, konzipierten wir einen Prototype* des zukünftigen lokomobils und zogen damit in verschiedene Quartiere Münchens, um sowohl die räumlichen als auch die konzeptionellen Elemente unseres Werkzeugs im Stadtraum unter Einbezug der Bürger*innen vor Ort zu testen. Für den ersten Versuch, uns an die späteren Dimensionen und Anforderungen anzunähern, waren Kreide, Tücher und vom Mitbewohner geliehene Eurobehälter, welche uns seit dem bei jeder Aktion begleitet haben und letztendlich auch Teil des lokomobils geworden sind.

*Definition Prototype Ein Prototype ist eine erste, vorläufige Version eines Endprodukts, ein Modell, anhand dessen Form, Gestaltung und Funktion unter möglichst realen Bedingungen getestet werden können. Durch Einbezug aller Projektbeteiligten und zukünftigen Nutzer*innen, können so schnell Feedback eingeholt und Konzepte angepasst werden. As simple as it can be: die erste räumliche Annäherung auf der Theresienwiese

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Erkenntnis des ersten Protyping-Tages: es muss schnell ein Fahrradanhänger her!

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EINFACH MAL MACHEN

Für die Weiterentwicklung des lokomobils und eine bürgernähere Konzeptionierung waren wir Ende April mit unserem Test-Mobil am Josephsplatz in München-Maxvorstadt und haben Anwohner*innen aller Altersgruppen nach ihren Wünschen für die Nachbarschaft und die Gestaltung des Josephsplatzes gefragt. Mit Hilfe von WunschKarten, Kreide und Gesprächen haben wir viele inspirierende, fantasievolle und zukunftsweisende Ideen und Vorschläge gesammelt - von der Begrünung der Schellingstraße bis hin zur wöchentlichen Straßensperrung für Inlineskater*innen.

Der erste improvisierte aber fahrbare Prototyp im Einsatz

„Es schaffen, dass sich die Generationen begegnen und miteinander in Kontakt treten“ hier geht es zu den Wünschen der Anwohner*innen am Josephsplatz

Wunschkarten als leicht zugängliches Kommunikationsmittel um in den Dialog zu kommen

„Mehr für einander, mit wenig Konsum glücklich werden!“

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EINFACH MAL MACHEN

Mitte Mai wurden wir in einer weiteren Aktion mit dem Test-Mobil in erweiterter Form mit Stellwänden auf dem Edelweißplatz in München-Obergiesing aktiv. Dort wurden zum einen die bereits gesammelten Wünsche vom Josephsplatz zur Inspiration und Diskussion ausgestellt und zum anderen Ideen und Wünsche für die Nachbarschaft rund um den Edelweißplatz gesammelt. Um ein besseres Verständnis davon zu bekommen, was die Bewohner*innen unter “ihrer Nachbarschaft” verstehen, wurden diese dazu aufgefordert, ihren Wohnsitz mithilfe eines Klebepunktes auf einer Karte zu verorten und einen Kreis um “ihre Nachbarschaft” zu zeichnen.

Als Stellwände musste damals noch das Gitter der Absperrung herhalten

„Mehr Sichtbarkeit für die Arbeit des Bezirksausschusses und mehr Niedrigschwelligkeit im Zugang“

Sowohl die Erkenntnisse aus den Befragungen, als auch die Erfahrungen mit dem Mobil selbst, waren maßgeblich für die bauliche Planung des lokomobils und die weitere konzeptionelle Ausarbeitung zukünftiger Aktionen. Auch wenn “einfach” mal machen, vor allem in Zeiten der Covid-19 Pandemie, gar nicht so einfach ist, wie es vielleicht klingen mag, hat uns diese Phase des Projekts doch aufgezeigt, wie gewinnbringend das Testen am Modell bzw. im realen Stadtraum für den gesamten Prozess ist. hier geht es zu den Wünschen der Anwohner*innen am Edelweißplatz

Dem zentralen und belebten Edelweißplatz fehlt es an einer umfassenden Gestaltung, das zeigte auch der Dialog mit den Anwohner*innen

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Ressourcen Was brauchen wir jetzt noch um unsere Idee umzusetzen? Wie bekommen wir Zugang dazu? Finanzielle Förderungen, Kooperationen, Räume, Kapazitäten - it’s all about Ressource!

Bisher waren wir “normale” Semester mit vorgegebener Struktur und regelmäßigen Abgaben gewohnt - der Studioplatz wurde schon am ersten Tag gesichert, die Kommiliton*innen sind spätestens nach der ersten Zwischenkritik zu halben Mitbewohner*innen geworden und der größte Kostenpunkt kam mit der allsemestrigen Schlusspräsentation inkl. diversen Plots und Modellen im Maßstab 1:5 bis 1:2000 auf eine*n zu. Zwei Semester freies Projekt haben uns dann plötzlich sehr viel Freiheit gegeben, Raum für Selbstorganisation und -verwaltung und uns mit der Frage konfrontiert, was es neben Konzept, Entwurf und theoretischer Basis, eigentlich braucht, um ein gemeinwohlorientiertes Projekt, wie das lokomobil, in die Realität umzusetzen und wie wir an benötigte Ressourcen, wie z.B. finanzielle Mittel, Räumlichkeiten und Genehmigungen, aber auch “weiche” Faktoren, wie Zeit, Netzwerk und Informationen, kommen.

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Netzwerk Vitamin B hat noch niemandem geschadet und auch uns die ein oder andere Tür geöffnet - dank einigen Kontakten aus dem persönlichen, universitären und beruflichen Umfeld, sowie einigen schicksalhaften Zufällen konnten wir uns so nach und nach ein Netzwerk aus Kooperationspartner*innen, Unterstützer*innen und Gleichgesinnten aufbauen. Im Sinne des Ko versuchen wir auf diese Weise Wissenstransfer und Austausch zu fördern, andere Perspektiven zu beleuchten, Expert*innenwissen einzuholen, Synergie- und Multiplikatoreneffekte zu schaffen und unser Netzwerk stetig zu erweitern, um letztlich, unserer Mission folgend, die Stadt und die damit verbundenen Prozesse gemeinschaftlich zu gestalten.


WHAT WE NEED

Zeit Gab es in herkömmlichen Semestern feste Studiotage und einen vorgegebenen Terminkalender mit festen Abgabetagen, ist seit einem Jahr Multitasking und ein hohes Maß an Selbstdisziplin gefragt. Mit der Umsetzung eines eigenen, realen Projektes ist neben den uns bekannten Aufgabenbereichen auch die Anzahl der E-Mails gewachsen die beantwortet werden wollen. Zu jeder Zeit erreichbar zu sein, eine spontane gemeinsame Besprechung oder kurz etwas wegschicken zu müssen, kollidierte nicht selten mit den jeweiligen Arbeitszeiten in Architekturbüros, Stiftungen oder Restaurants. Um trotzdem alles und jede*n unter einen Hut zu bekommen ist eine gute Zeitplanung und Struktur das A und O. Kleine Erinnerung: es dauert fast immer länger als man denkt.

Arbeitsräume Der pandemischen Situation, dem damaligen Entwurf des lokomobils und anderen Umständen geschuldet, haben wir zunächst einige Schleifen gedreht, zogen Gemeinschaftswerkstätten, die elterliche Garage und diverse Co-Workingspaces der Stadt in Erwägung, bis wir die Lösung direkt vor unserer Nase fanden: die universitätseigene Holzwerkstatt mit zwei überaus kompetenten und motivierten Mitarbeitern, in der wir kostenfrei arbeiten und uns großflächig ausbreiten konnten. An dieser Stelle möchten wir großen Dank an Michael und Hendrick aussprechen, ohne die wir das ein oder andere Detail sicher nicht so elegant gelöst hätten!

Money money money Anträge auf finanzielle Förderungen können meist nur von gemeinnützigen Organisationen, wie z.B. gemeinnützigen Vereinen, oder von Körperschaften öffentlichen Rechts, wie Universitäten oder Hochschulen, gestellt werden. Nach einem kurzen Exkurs zum Thema Vereinsgründung und Satzungen schreiben, entschieden wir uns dann doch dazu, vorerst noch als studentische Initiative an der Professur für Urban Design zu betiteln und uns unter dem universitären Deckmantel um Fördermittel zu bewerben. Dankenswerterweise haben wir auf diesem Wege finanzielle Unterstützung für die bauliche Umsetzung des lokomobils und der Gestaltung der Aktivitäten und Workshops von der Hans Sauer Stiftung* erhalten. Herzlichen Dank an dieser Stelle! *Die Hans Sauer Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung, fördernd und operativ tätig. Schwerpunkte der Arbeit sind Social Design und Stadtentwicklung.

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Bau des loko lokomobils mobils Nach eineinhalb Semestern theoretischer Arbeit, stundenlangen virtuellen Entwurf Sessions (die später glücklicherweise ihren Weg zurück in den realen Raum fanden), einem richtungsweisenden Gespräch, mehreren Prototyping-Versuchen im urbanen Raum und vermehrten Anfragen, ob es das lokomobil überhaupt schon gibt, wurde es höchste Zeit das lokomobil, auf das schon alle warteten (vor allem wir), endlich baulich umzusetzen. Detailplanung im Kopf: check! - Ausgedruckt? : Brauchen wir nicht! *

Hier ein kleiner Einblick in unsere Zeit in der Werkstatt Aller Anfang macht Freude, vor allem als wir endlich in der Werkstatt sein konnten

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BERICHT

„Juhu - Wir haben heute alle Schrauben bekommen, die wir brauchen werden!“ * 1. Schritt geschafft: Gerüst steht, Boxen passen, das lokomobil ist schon ganz bald fast fertig

Nach eineinhalb Semestern theoretischer Arbeit, stundenlangen virtuellen Entwurf Sessions (die später glücklicherweise ihren Weg zurück in den realen Raum fanden), einem richtungsweisenden Gespräch, mehreren Prototyping-Versuchen im urbanen Raum und vermehrten Anfragen, ob es das lokomobil überhaupt schon gibt, wurde es höchste Zeit das lokomobil, auf das schon alle warteten (vor allem wir), endlich baulich umzusetzen. Lange genug haben wir versucht das lokomobil mittels verschiedener digitaler Zeichenprogramme zu begreifen und zögerten bei dem nächsten Schritt es in die Werkstatt zu wagen. Noch wenige Tage vor Beginn des Baus und nach zahlreichen aufregenden Baumarkt-Besuchen wurde weiterhin eifrig an der Ausführungsplanung herumgebastelt, auf die wir uns später, während des Baus, stützen wollten. Zum Ausdrucken dieser Pläne ist es letztendlich jedoch nie gekommen, stattdessen wurde im Kopf gerechnet, auf Archicad gemessen und letztlich zu Teilen auch erfolgreich improvisiert. Wie man sich vielleicht denken kann verlief der Bau alles andere als planmäßig. Aber trotzdem lief es insgesamt viel besser, als wir erwartet hatten. Denn

trotz der plötzlichen Verkleinerung unseres Teams zu Beginn des Baus, lebten wir uns rasch in die WerkstattUmgebung ein, machten uns schneller als gedacht mit den großen Maschinen vertraut und merkten an dieser Stelle wieder welche Vorteile die Einstellung “einfach mal machen” bringen kann. Es wurde geschraubt, gehobelt, gesägt, gebohrt, lasiert, zusammengesteckt, auseinandergenommen, geleimt und wieder zusammengeschraubt, bis schließlich das lokomobil zu all unserem Erstaunen zu seinem ersten Event losrollte. Trotz des anfänglichen Chaos und unzähligen wiederholten Einkäufen von vergessenen Schrauben, Holz und sonstigem Werkzeug, stellte sich die Zeit in der Werkstatt für manche von uns als das Highlight der bisherigen Arbeit heraus. Der Schritt weg von virtuellen Zeichnungen und Diskussionen über theoretische Konzepte hin zur praktischen physischen Umsetzung unserer Ideen, hat unser Projekt als Ganzes für uns alle auf eine völlig neue, reale und (be)greifbare Ebene gehoben.

* stellte sich spätestens nach dem ersten und den

dann noch zahlreichen folgenden Baumarktbesuchen als kleiner Irrtum heraus

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Kurz nachgefragt „Wie wird man aktiv in der Stadt?“ Magda vom

Eric Treske von der Arbeitsgruppe ‚Bewegte Quartiere‘ des Green City eV. "Es braucht in München etwas, das dich herausfordert, weil es nicht mehr in die Zeit passt, es sich aber nicht von allein verändert. Eine Idee entsteht. Ist sie gut, findet sie Gleichgesinnte. Man trifft sich und redet sehr lange miteinander. Bleibt die Gruppe stabil, wird aus der Idee eine Aktion. Wo nun in der Stadt aktiv werden, die Stadt ist groß oder einfach im eigenen Stadtteil? Die Anwohnerschaft macht den Ort und folgt ihren unausgesprochenen Interessen. Finden sie Idee und Aktion gut, ertragen sie sie nur oder bringt man gemeinsam einen Stein ins Rollen? Vor der Umsetzung steht der sportliche Teil, der Antrag. Passt er in die Antragslogik der Stadt? Wer ist zuständig, welche Fristen sind einzuhalten? Falls nein, ist Kreativität gefragt, Ausdauer und Leidensfähigkeit. Manchmal helfen jetzt die Joker Bezirksausschuss oder Stadtrat. Der Rest ist Projektmanagement."

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„Wir arbeiten in München, weil wir uns genau diese Frage stellen: Wie wird man eigentlich in der Stadt aktiv? Kann man Stadt aktiv verändern? Aus dem Architektur- und Urbanistikstudium kommend wollten wir es nicht bei Konzepten und Prinzipien belassen, sondern den Diskurs fern der Universität suchen und im Raum intervenieren. Vor der Haustür der Münchner*innen und auf der Straße möchten wir zeigen, wie Stadt besser geht, wie der öffentliche Raum „grüner“ und „sozialer“ sein kann – das ist unser Ziel. Auf dem Weg dorthin sind wir mit Initiativen, Politiker*innen, Verwaltung, Anwohner*innen, Gewerbetreibenden... im Dialog, entwickeln unsere eigene Meinung weiter, versuchen Mittel zu generieren, Projekte trotz Umwege umzusetzen und Zeit zwischen Erwerbsarbeit und Studium zu finden. Es gibt also viele Wege in der Stadt aktiv zu werden. Letztendlich bewegt man sich irgendwo zwischen Aushandlung, Dialog und „einfach Machen“ ohne zu fragen.“


INTERVIEW INTERVIEW

Joshua Neumann, Teil des Common Ground Kollektivs, München "Gemeinsam aktiv zu sein ist ein guter Ansatz. Mit Ideen und Ressourcen aus dem eigenen Umfeld in den Austausch mit anderen Initiativen gehen, so wie eine tiefgehende Vernetzung mit interdisziplinärem Anspruch in der eigenen Organisierung oder Projekten. Eine Öffentlichkeit für Anliegen zu generieren und Transparenz in Prozessen als auch Entscheidungen aufzuzeigen sind weitere wichtige Bausteine. Wenn es größere Vorhaben sind, lohnt es sich Unterstützung von externen Expert*innen einzuholen. Im Detail heißt das viel Recherchieren und eine gute Dokumentation bzw. Archivierung von Informationen, Abläufen und Finanzen anzufertigen. Gleichzeitig darf es auch Raum für individuelle Bedürfnisse und Reflektion geben. Mithilfe von Awareness Strukturen kann bei jeglicher Form von Grenzüberschreitung eine erste Anlaufstelle für das Wohlbefinden der Gruppe geschaffen werden. Wichtig ist das gegenseitige Vertrauen und ein gutes Miteinander.

‘Einfach mal machen’ - manchmal leichter gesagt als getan. Doch was treibt uns Stadtmacher*innen an, in unserer Stadt aktiv zu werden und mit anderen gemeinsam die Stadt zu gestalten?

Leona Lynen ist Vorständin der Stadtentwicklungsgenossenschaft ZUsammenKUNFT Berlin und Partnerin bei stadtstattstrand „Die Stadt ist ein komplexes Geflecht, ein Dschungel der Auflagen, stets im Werden und daher niemals fertig. Auf verschiedenen Maßstäben ringen in ihrer Entstehung vielfältige Kräfte und Akteure miteinander, die bisweilen ein sehr unterschiedliches Verständnis von Stadt und lebenswerten Räumen haben. Oftmals braucht es eine Krise, ein Versagen der herkömmlichen Marktmechanismen, um Alternativen Raum zu geben. Einfach machen! war jahrelang die Parole, der viele Stadtmacher gefolgt sind und vielfältige Orte des kreativen Zusammenkommens geschaffen haben. Eine Zeit lang unter dem Radar der Verwaltung gleitend, treten diese Stadtmacher nun immer häufiger auf den Plan. Heute wird Stadt immer häufiger gemeinsam gemacht: Kooperationsvereinbarungen schaffen die Basis für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Erbbaurechtsverträge ermöglichen langfristig Bezahlbarkeit im späteren Betrieb. Eine koproduktive Stadtentwicklung wie am Haus der Statistik in Berlin macht auch jenseits der Hauptstadt Mut, in ungewohnten Konstel-

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lationen und abseits des Denkens in Zuständigkeiten gemeinsam Lösungen für ein vielfältiges Zusammenleben in der Stadt zu entwickeln. Um das komplexe Geflecht Stadt greifen zu können, bietet sich der Zwischenmaßstab des Quartiers als feste Bezugsgröße alltäglicher Lebenswelten an. Die Auseinandersetzung mit dem vor Ort Vorgefundenen bildet dabei oftmals den Startpunkt für das eigene Wirken in der Stadt – hier gilt es zwischen den individuellen Interessen der Menschen vor Ort und den kollektiven Bedürfnissen der erweiterten Stadtgesellschaft zu verhandeln. Stadtmachen, das geht nur gemeinsam."

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Das Team vom

e.V. aus Stuttgart

"Wir verstehen eine funktionierende Stadt bzw. Urbanität nur in Verbindung mit ihren Bewohner:innen. Allerdings wird zunehmend die Wohnung zu einem vom städtischen Kontext losgelösten Bereich, in dem es zu einem regelrechten Innovationsstau kommt. Es braucht stattdessen mehr Möglichkeitsräume, um neue Wohnformen zu testen, den sozialen Umgang miteinander nicht nur auf zufällige Begegnungen zu beschränken und voneinander zu lernen. Aus u.a. dieser Überlegung ist unser Plan entstanden, eine etwa zwei Jahre dauernde Wohn-Zwischennutzung in einem gewerblichen Leerstand umzusetzen. Zur Annäherung an unser Vorhaben entwickeln wir eigene aktionsbasierte Forschungsmethoden und Werkzeuge und führen Untersuchungen in verschiedensten Maßstäben und Zeiträumen durch. Im Rahmen von beispielsweise Beteiligungsworkshops, die immer wieder in verschiedenen Gewerbeleerständen Stuttgarts stattfinden, regen wir die Teilnehmer*innen dazu an, sich mit dem eigenen Wohnverhalten wieder mehr auseinander zu setzen. Ziel ist es dabei, neue tragfähige Ansätze für gemeinschaftliches urbanes Wohnen zu erproben, die perspektivisch auch während einer experimentellen Wohn-Zwischennutzung in einem Gewerbeleerstand angewendet werden können."


Bei der Ko-Runde Anfang August 2021 kamen verschiedene Stadtmacher*innen Münchens zusammen, um ihr Wissen zu teilen und sich zu vernetzen.

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das lokomobil in Aktion Alle Materialien verstaut - check! Spanngurte festgezurrt - check! E-Bike gemietet - check! Helm auf - check! das lokomobil kann losrollen!

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UNTERWEGS

Bauworkshop mit Schüler*innen, bauwärts und P.O.N.R. Zusammen mit Schüler*innen wurden in ein paar Stunden Stadtmöbel geplant und gebaut

Am 07. Juli ging es jetzt nun wirklich los! Die letzten Schrauben wurden festgezogen, alle Materialien in den Boxen verstaut und die Reifen des Anhängers noch einmal aufgepumpt - das lokomobil rollte zum ersten Mal los - direkt aus dem Lastenaufzug der Uni-Werkstatt in Richtung Neuhausen-Nymphenburg. Die Jungfernfahrt des lokomobils ging zum Workshoptag „Spielraum Stadt: Experimentelles Spiel- und Stadtmobiliar” im Rahmen der ‘Woche der baukulturellen Bildung’ im Garten der Bayerischen Architektenkammer zusammen mit bauwärts und dem Architektur- und Urbanistik-Kollektiv Point of no Return (P.O.N.R.). Bei diesem Workshop wurden gemeinsam mit Schü-

ler*innen der 10. und 11. Klasse in

Kleingruppen zuerst der zu bespielende Stadtraum (Platz Ecke Nymphenburger Straße/ Waisenhausstraße) erkundet und Ideen für das Mobiliar gesammelt. Dabei diente das lokomobil als Toolbox und Zeichentisch. Mit den ersten Ideen im Kopf ging es dann zurück in den Garten, in dem die Schüler*innen mehrere kleine Input-Sessions des Kollektivs P.O.N.R. zu den Themen Konstruktion, Gestaltung, Maß und ‘Werkstatt’ erwarteten. Anschließend wurden die Entwürfe konkretisiert und direkt in die Tat umgesetzt. Den Schüler*innen wurden verschiedene Materialien (Holz, vor allem gelbe Schalungstafeln; Textilien, wie alte Windsegel und Stoffe; diverse

Farben; Schnüre und Bänder) und Werkzeuge zur Verfügung gestellt. So entstanden gemeinsam Mobiliare, sowohl für den BYAKGarten als auch für den Platz z.B. ein Tisch, welcher auf die vorhandene Sitzlandschaft gesteckt werden kann, ein Lesepult für den dortigen Bücherschrank und einen in der Sitzlandschaft integrierten Stehtisch für den Kiosk.

Learning Auch in wenigen Stunden können sehr coole Stadtmöbel entstehen, auch wenn zu Beginn die Hemmschwelle für einige Schüler*innen groß ist!

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UNTERWEGS

LUISE - Wochenende der offenen Tür Am 17. Juli waren wir mit unserem lokomobil zu Gast beim ‘Wochenende der offenen Tür’ der LUISE Kultur, einem Raum für Engagement und Kultur für die Stadtbezirke der Ludwigvorstadt, Isarvorstadt und Sendling. An diesem Nachmittag gingen wir mit Anwohner*innen und Nachbar*innen den folgenden Fragen nach: Was macht Deine Stadt aus? Welche Orte und Gebäude geben Deinem Stadtviertel sein Gesicht? Was hast Du davon im Lockdown besonders vermisst und vor allem - was wünschst Du Dir unbedingt noch für die Zukunft der Stadt? Das wertvolle lokale Wissen der Nachbar*innen, in Form von (Geheim-)Tipps, Anregungen, Kritik und Ideen zur Verbesserung des Stadtraums, wurde gemeinsam in einer großen Nachbarschaftskarte am lokomobil verortet. Beim gemeinsamen Mapping wurde sich rege über das Quartier ausgetauscht und an verschiedene Ideen für positive Veränderungen im Stadtraum gesponnen. Außerdem konnten sich die Nachbar*innen auf ‘Kennenlernkarten’ ihrer Nachbarschaft persönlich vorstellen.

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Ausfüllen von Steckbriefen für die Galerie der Nachbar*innen © Elif Simge Fettahoğlu-Özgen

Das fast vollständige Team vor dem Kulturzentrum LUISE © Elif Simge Fettahoğlu-Özgen

Die Steckbriefe und die große Nachbarschaftskarte sind vor Ort in der LUISE geblieben und können so von Nachbar*innen und Besucher*innen weiterhin mit Ideen und lokalem Wissen gefüllt werden.

Learning Unsere Klappwände und starker Wind verstehen sich nicht ganz so gut und Theresas Eltern sind unsere größten und besten Fans.


UNTERWEGS

Theresa begrüßt alle Gäst*innen, leitet die Ko-Runde ein und übergibt an die Vortragenden

Ko-Runde auf der Pinakotheken-Wiese Das Ko in loko steht ja vor allem für die Ko-Gestaltung der Stadt. Oder auch: Ko-operieren, Ko-mmunizieren, Ko-werkln, Ko-kochen, Kosportln, Ko-forschen...

Statt einer frontalen Semesterendpräsentation digital über Zoom im kleinen Kreis, wollten wir mit dem lokomobil in seine gewohnte Umgebung, den Stadtraum. So luden wir am 03. August zu unserer Semesterendpräsentation aka Ko-Runde ein. In dieser

Ko-Runde wollten wir neben einer ‘Schlusskritik’ und der offziellen Einweihung des lokomobils gemeinsam mit der Professur, anderen (jungen) Stadtmacher*innen, Wegbegleiter*innen und Freund*innen einen ironisch - selbstkritischen Blick auf den Prozess verschiedener (junger) Stadtmacher*innenProjekte inklusive unseres eigenen werfen. Dabei wurden die Fragen: Was lief gut, was lief schlecht, was hätte besser laufen können und was wollen wir anderen mitgeben? - in Form von kurzen Pecha Kucha-Vorträgen beantwortet. In einer anschließenden lockeren, gemeinsamen Diskussion wurde über die notwendigen Ressourcen junger Initiativen gesprochen, was sie brauchen, um langfristig wirksam sein zu können und welche Rolle die universitäre Lehre dabei

Pecha Kucha Nummer eins: wir starten die Vortragsrunde mit einem Rückblick unseres Prozesses

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UNTERWEGS

einnehmen kann. Außerdem wurde darüber gesprochen, welche Strukturen es braucht, um die Wirkungskraft junger Projekte zu vergrößern und das oft bereits gesammelte Wissen über Ressourcen, Verwaltungsprozesse oder Genehmigungen zu bündeln. In der Gesprächsrunde entstand so die Idee ein lokales Netzwerk und eine Wissensplattform von und für Initiativen in München zu schaffen, um sich einerseits noch besser zu Vernetzen und Auszutauschen, gemeinsam von dem Wissensschatz der großen Gemeinschaft zu profitieren und künftig auch mit einer gemeinsamen Stimme an Verwaltung, Stadt und andere Akteur*innen herantreten zu können.

Learning Es ist so viel schöner wieder live mit Menschen im Stadtraum über den Stadtraum zu diskutieren! Und: der gemeinsame Wunsch nach einem Ko-Netzwerk ist sehr stark und sollte unbedingt weiterverfolgt werden!

Eine Endpräsentation der besonderen Art macht auf jeden Fall noch mal mehr Freude

Das Kollektiv Pont of no Return erzählen von überraschenden Wendepunkten, Ups and Downs

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UNTERWEGS

auf einer Quartiers-Karte ihnen bekannte Orte für Nachhaltigkeit, (regionale) Einkaufsmöglichkeiten und Zirkularität zu mappen. Das Stimmungs- und Meinungsbild der Konsument*innen zu den gestellten Fragen war sehr homogen (wahrscheinlich auch durch den Ort begründet): Wichtigkeit von Regionalität und/ oder Bio-Qualität der gekauften Lebensmittel, Bevorzugung von fleischarmer bzw. vegetarischer/ veganer Ernährung und das Bewusstsein für zirkuläre Ansätze. Zusammen mit dem social design lab wurden Westendler*innen zum Thema Zirularität befragt

club loko x social design lab - Bürger*innenbefragung im Westend In Kooperation mit dem Team des social design labs der Hans Sauer Stiftung befragten wir am 05. August am Randes des Wochenmarktes am ‘Georg-Freundorfer Platz’ Bürger*innen des Westends und der Schwanthalerhöhe zum Thema Ernährung und Zirkularität in ihrer Nachbarschaft. Dabei tauschten wir uns mit Anwohner*innen, Passant*innen und Besucher*innen des Marktes über folgende Themen aus: Das Westend als Quartier zum Wohnen, Arbeiten und zum Leben, Orte und Ansätze der Nachhaltigkeit und Zirkularität sowie Ernährung und Lebensmittel im Quartier. Die Bürger*innen hatten dabei unter anderem die Möglichkeit

Das lokomobil dient mit seinen Stellwänden als Infrastruktur für die Bürger*innenbefragung

Learning Kinder lassen sich schnell für Farbstifte und unsere Wunschkarten begeistern, haben kreative Ideen und ziehen ihre Eltern gleich mit ins Geschehen!

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UNTERWEGS

Urbane Liga on Tour bei Vorhang auf Giesing Am 22. August machte die ‘Urbane Liga on Tour’ Halt in München. Die Ausstellung über die Projekte von jungen Stadtmacher*innen des aktuellen Jahrgangs fand am Kolumbusplatz in Giesing bei ‘Vorhang auf Giesing’*, einem weiteren jungen Münchner Projekt der Urbanen Liga, statt. Neben der ‘UL on Tour’-Ausstellung wurden auf einem großen Schwarzplan von München gemeinsam aktuelle und zukünftige Leerstände, Zwischennutzungen, Genossenschaftsprojekte und Potenzialflächen im Stadtgebiet gemappt und über mögliche Ideen für diese Flächen diskutiert. Zum Abschluss des Tages fand eine Diskussion zum Thema: „Raum zum Experimentieren in München“ statt. Die Diskutant*innen waren: Birgit Kno-

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Die Ausstellung von 23 Projekten junger Stadtmacher*innendes aktuellen Jahrgangs der Urbanen Liga

Die Diskutant*innen sprachen über fehlende Experimentierräume in München

*Vorhang auf Giesing kurz erklärt: Eine temporäre Vorhanginstallation an einem ungenutzten Stadtraum - einer stillgelegten Busstation unter einer Bahnbrücke am Kolumbusplatz. Dort fanden zwischen dem 12. und 22. August diverse kulturelle Veranstaltungen, von Musik, über Fotografie, Film und Performances statt.


UNTERWEGS

blach vom Kulturzentrum Giesinger Bahnhof, Markus Sowa von der Genossenschaft Kooperative Großstadt, Kay Mayer, Leiter der Fachstelle MoNa („Moderation der Nacht“) und Joshua Neumann vom Kollektiv Common Ground . Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Leila Unland vom Architektur- und Urbanistik-Kollektiv Point of no Return(P.O.N.R.). In der Diskussion ging es sowohl um die Art und die Wirkungskraft von Experimenten, als auch um die aufkommenden Hemmnisse/ Hindernisse für Experimente in München.

Learning Es braucht einnehmbare und unprogrammierte Räume für alle in der Stadt! Außerdem lässt sich das lokomobil auch im Regen wunderbar durch die Münchener Altstadt fahren! Der Ort war Programm: im Experimentierraum von Vorhang auf Giesing wurde über genau solche Orte diskutiert, warum es sie braucht und wie man sie fördern kann

Auf einer großen Stadtkarte wurden zahlreiche Experimentierräume Münchens gemappt

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Ko-Forschung Ko -Forschung Neben Uni-Abgaben, dem Bauen des lokomobils, Aktionen im Stadtraum sind wir in der Urbanen Liga aktiv und diskutieren gemeinsam mit Stadtmacher*innen aus ganz Deutschland über die gemeinwohlorientierte Planung unserer Städte und die dafür notwendige faire(re) Verteilung von Ressourcen.

In welcher Liga spielen wir? Die Urbane Liga ist nicht irgendeine kleine Liga von städtischen Fußballvereinen, sondern ein Bündnis, Ideenlabor und Netzwerkplattform junger Stadtmacher*innen aus ganz Deutschland, die sich aktiv(ierend) in die Gestaltung ihrer Städte einbringen. Die Urbane Liga ist beim Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat untergebracht. Dort bekommen wir als Ligist*innen die Möglichkeit unsere Ideen zur zukünftigen Entwicklung der Städte zu präsentieren, mit der höchsten Instanz der Stadtentwicklungspolitik zu diskutieren und gemeinsam an Visionen und Strategien zu forschen.

Mit was beschäftigen wir uns? In der Urbanen Liga beschäftigen wir uns mit dem Themenkomplex ‘urbane Governance’. Begriffsdefinition ‘Governance’: Die “gemeinsame Steuerung unter Beteiligung der Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und der Öffentlichkeit”. Zur urbanen Governance gehören somit auch die “Themen wie die Kooperation auf Augenhöhe, lokale Mitbestimmung, der Abbau von Barrieren in der Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung oder die Förderung von Bottom-Up-Prozessen.” (Urbane Liga-Heft Denklabor #2, BBSR 2021.)

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VERNETZUNG

Zu diesem Fokusthema haben wir dann zum Abschluss des 1. Denklabores gemeinsam die folgende Kern- bzw. Leitfrage formuliert: Wie schaffen wir es, Kenntnisse und Zugang zu städtischen Ressourcen, Entscheidungs- und Organisationsprozessen zu erhalten, und Handlungsspielräume offenzulegen und diese koproduktiv zu nutzen? Basierend darauf wurden drei Subthemen für die Ko-Forschung erarbeitet, welche in den kommenden Monaten in Kleingruppen bearbeitet werden.

Was ist die Ko-Forschung? In der Ko-Forschung werden die in den Denklaboren erarbeiteten Themen weiterverfolgt und vertieft. In Kleingruppen werden die Themen und ihre Zusammenhänge erforscht. Die Ergebnisse werden dann am Ende der Ko-Forschung in Produkte übersetzt - so entstand beispielsweise im letzten Jahrgang der Werkzeugfächer der Mitgestaltung. In den drei Sessions des zweiten Denklabors wurden die Unterthemen der Ko-Forschung zum Thema ‘’Urbane Governance’’ entwickelt und geschärft. Hier ein kleiner Einblick in die Themen und die zugehörigen Leitfragen: Ressourcenkompass - Navigator öffentlicher Ressourcen “Welche öffentlichen Ressourcen benötigen junge Stadtmacherinnen und Stadtmacher und wie kann der Zugang zu diesen vereinfacht werden?” Solidarische urbane Praxis - Diversität, Ja! Aber wie? “Wie können die Stimmen marginalisierter Gruppen in städtischen Governance-Strukturen besser repräsentiert werden?” Woran hapert’s? - Wege zu einer gelingenden Zusammenarbeit zwischen Stadtaktiven und Verwaltungen “Welche Herausforderungen treten in Zusammenarbeit zwischen junge Stadtmacherinnen und Stadtmachern und Verwaltungen auf?”

Vorstellung der Ko-Forschungsgruppe ‚Ressourcenkompass‘ bei Anne Katrin Bohle (Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat)

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VERNETZUNG

Ressourcenkompass Wir als club loko sind Teil der Ko-Forschungsgruppe, die sich mit dem Ressourcenkompass in den nächsten Monaten beschäftigen wird. Ziel unserer Ko-Forschung ist es, ein Werkzeug zu erarbeiten, welches Initiativen helfen kann, Zugang zu öffentlichen Ressourcen zu finden, zu sichern und zu erweitern. In der Ko-Forschung soll kollektives Wissen über die Art der Ressourcen als auch die Wege und Mittel des Zugangs zu den Ressourcen und den Ansprechpartner*innen der verschiedenen Ebenen der Stadtentwicklung (Verwaltung, Unternehmen, Politik) gesammelt und zugänglich gemacht werden. Durch die Bündelung dieser Informationen soll eine Handlungsempfehlung für Stadtmacher*innen entwickelt werden, welche wie ein Rezept auf möglichst viele Projekte anwendbar ist.

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W ir Chris , tina, Lau Stell ra, Leonie vom a und T he , club res zurüc loko bli a cken k au geme f unsere insam e Zeit

club loko hinter den Kulissen Gruppenarbeiten und die damit verbundenen Höhen und Tiefen kennen wir aus normalen Entwurfssemestern. Ein reales Projekt bringt neue Aufgabenbereiche, Fragestellungen, zu überwindende Herausforderungen und dabei angeeignete Fähigkeiten mit sich.

Das gemeinsame E-Mail Postfach will gepflegt, das Bauprojekt realisiert und der betreuende Professor auf dem Laufenden gehalten werden. In unzähligen Besprechungen über Aufgabenbereiche und Zuständigkeiten wurde versucht, Ordnung in das geordnete Chaos zu bringen und Prozesse zu beschleunigen. Vor allem während des Lockdowns war es ebenso wichtig mit digitalem Kochabenden oder gemeinsamen Spaziergängen das Level an Motivation und Spaß an der Freude hoch zu halten. Ein Jahr in Selbstorganisation wird von jeder von uns im Rückblick unter die Lupe genommen.

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VON AUF UND ABS

Was war dein schönstes Erlebnis? „Das Pecha Kucha auf der Pinakothekenwiese. Die Vernetzung von verschiedenen aktiven Stadtmacher*innen ist genau das was wir erreichen wollen, was München schon lange braucht und fehlt.“ "Der lang ersehnte Schritt vom virtuellen, digitalen Bildschirm in die Werkstatt und in die reale Praxis." "Das Setzen der ersten Schrauben im Grundgerüst des lokomobils und somit das Näherrücken der Realisierung." „Als wir das erste Mal von der Uni aus losgerollt sind, der Fahrtwind in den Haaren zu spüren war und wir dann zum ersten Mal mit dem lokomobil aktiv waren!“ "Mit ganz vielen Wegbegleiter*innen, beim Lehrstuhl angefangen, über andere Stadtmacher*innen und Unterstützer*innen, bis hin zu Familie und Freund*innen, nach der Ko-Runde auf der Pinakothekenwiese zu sitzen, sich über das lokomobil zu freuen und gemeinsam an neuen Ideen zu spinnen!"

Was war der Tiefpunkt in den letzten zwei Semestern für dich? „Das Entwurfs-Chaos, das uns kurzzeitig vergessen ließ, was wir eigentlich erreichen wollten.“

„Irgendwann in den Semesterferien, als wir kurzzeitig sehr in der Luft hingen und sehr vieles hinterfragt haben. Aber ab da ging es nur noch bergauf!“ „Bestimmt einer von diesen nicht enden wollenden Tagen vor der Kamera, einer an dem wir uns besonders viel im Kreis gedreht und alles in Frage gestellt haben.“ "Der Tag, an dem unser Entwurf nochmal eine 180 Grad Wendung genommen hat und wir alles in Frage gestellt haben - im Nachhinein war das aber nicht der Tiefsondern eher der Wendepunkt." "Auf jeden Fall einer der vielen, langen Zoom Tage, die Ende April zum Glück fast vollständig von in-Person Meetings abgelöst wurden!"

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VON AUF UND ABS

Was nimmst du aus diesem Projekt mit? „Es kommt auf die Menschen an. Es braucht viele Kontakte, gute Laune im Team und neugierige Bürger*innen. Aber vor allem gemeinsam. Und wenn’s kurz nicht läuft: immer loko bleiben.“ „Einfach mal machen - und das am Besten gemeinsam mit genauso motivierten Menschen!“ „Mut, nicht den Weg zu nehmen, der am nächsten zu sein scheint.“ „Immer offen dafür zu sein, sich aus der Komfortzone raus zu bewegen - so habe ich tolle neue Erfahrungen gesammelt und einen erweiterten Horizont gewonnen.“ "Auch wenn es an der Stelle den meisten schon klar sein dürfte, aber: früher aus der Denkspirale ins Machen kommen! Und den Mut zu haben, eigene Ideen ernst zu nehmen, weiter zu verfolgen und sich nicht von Konventionen aufhalten zu lassen."

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Reflexion was hätte besser rollen können? Um Ideen erfolgreich in die Tat umzusetzen braucht es neben einem starken Konzept, Durchhaltevermögen oder dem Durchblick im Bürokratiedschungel der Stadtverwaltung hin und wieder auch ein wenig Glück. Ein kurzer Blick hinter die Kulissen offenbart Situationen, die zunächst ausweglos erschienen und sich dann als Schlüsselmomente entpuppten. Vom Spagat zwischen Uni und Ehrenamt, den gedrehten Schleifen und den AHA-Momenten.

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Der Name sollte gut überlegt sein club loco, klub loko, lokos, club loko, club.loko oder einfach nur loco? E-Mails in dem unser Teamname etwas abgeändert geschrieben wird sind keine Seltenheit, am beliebtesten ist dabei wohl der ‚club loco‘ [spanische Aussprache]. Auch wenn wir einer verrückten Gruppe nahe kommen könnten, steht club loko für die Lokale Ko-Gestaltung, die gemeinsame Gestaltung der Stadt auf Quartiersebene. Aber die Mischung aus beiden Bedeutungen machts vielleicht auch.


ORGANISIERTES CHAOS

Stellplatz gesucht! Ich suche nach einem schö nen Zuhause! Damit sich

unser lokom

obil nach seine nächsten 3-4 n Aktionen Monate nach ausruhen kann einem Schla , sucht es für fplatz. die - gerne auch unbefristet - mit eigenem, barrierefreiem Zugang - unmöbliert - mindesten s 4 m2 - zentrale Lage (innerhalb des mittleren Rings - überdacht ) und trocken Alle Ideen sind willkomme n und werd Lieblingskuche en bei erfolg reicher Verm n und große r Dankbarke ittlung mit it entlohnt!

mehr zum lokom

obil und seine n Aktionen @club.loko

mail club.lo ko@web.de mobil 0176 - 32 77 41 43

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Wir freuen uns über jeden Tipp!

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auf instagram

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Über Monate haben wir uns mit dem Entwurf und der Planung vom lokomobil beschäftigt. Als es dann endlich zur Phase der Umsetzung kam und die Werkstatt unser neuer Arbeitsplatz wurde, ging alles auf einmal sehr schnell - schon nach eineinhalb Wochen war das lokomobil einsatzbereit. Beschleunigt haben diesen Prozess in jedem Fall die ein oder andere Hilfe der Werkstattleiter oder die Ratschläge von Mitarbeitern während unzähligen Baumarktbesuchen. Auch das direkte Bauen am Modell hat sich unerwarteterweise am meisten bewährt - die Ausführungsplanung gab es auf Archicad, ausgedruckte Pläne gab es aber keine.

Mit der Frage, wo das lokomobil dann zwischen den Aktionen steht, haben wir uns dann erst wirklich auseinandergesetzt, als es fertig war. Die Stellplatzfrage war vielleicht nicht die einzige Unklarheit, die wir etwas länger vor uns hergeschoben haben, wie zum Beispiel auch die rechtlichen Hintergründe von temporären Interventionen im Stadtraum. Wir merken uns: vorausschauendes Planen spart wirklich Zeit und Nerven.

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Bauen am Modell

Stellplatz gesucht

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Ein Hoch auf R=O G=O B=254 !

Zu viele Whatsapp Chats und diverse slack-channel sollten eigentlich für mehr Struktur und klare Kommunikation innerhalb des Teams sorgen. Die haben dann viel eher nicht selten die Frage aufgebracht, wo wir jetzt eigentlich reinschreiben damit es auch alle mitbekommen. Parallel laufende Absprachen in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen über Zoom, am Telefon oder in Persona konnten dabei die Missverständnisse nicht unbedingt minimieren.

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Augen auf bei der Logo-Gestaltung. Was auf dem Bildschirm nach einem knalligem blau aussieht, hat uns spätestens im Druck besonders viele Nerven gekostet und war dann gar nicht mal mehr so knallig - wie man bei dem ganzen Blau in diesem magazin vielleicht unschwer erkennen kann.Weder Flyer noch Sticker oder Boxen, nichts hat es zu dieser Farbe geschafft. Dennoch halten wir an dem loko-blau fest und wissen beim nächsten Mal, dass manche grafische Ansprüche dann doch der Realität angepasst werden sollten. Festgehalten sollte an dieser Stelle noch, dass es sich in keinem Fall an dem TUM-Logo orientiert.

Alle Kommunikationskanäle offen

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Zwischen RGB, RAL-Farben und Siebdruck

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AUSSERDEM

Christiane-Thalgott-Preis An einem heißen Nachmittag im August erreichte uns die freudige Nachricht. Wir fühlen uns sehr geehrt über diese Auszeichnung und freuen uns schon sehr auf die Preisverleihung und das persönliche Kennenlernen mit Prof. Christiane Thalgott, ehemalige Stadtbaurätin Münchens und Honorarprofessorin für „Strategie und Umsetzung in der städtebaulichen Planung“ an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München. *Förderpreis der Frauenbeauftragten der Fakultät für Architektur

Das loko-Magazin ist eine Gedanken-, Meinungs- und Ideensammlung vom club loko, dem Team für lokales ko* in München - und darüber hinaus. Redaktion, Fotografie, Illustration: Theresa Bader, Christina Funke, Laura Höpfner, Stella Sommer, Leonie Wrighton Ausgabe Nr. 2 | 2021 @club.loko club.loko@web.de Wir freuen uns über Liebesbriefe, Ideen und Unterstützung jeglicher Art!

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W ir e stolz sind nen von zerin xen Besit ieser Bo ie d d n nk an für viele a D en H - viel Utz Gmb e g ig Geor großzüg g! das sorin Spon


CIAO KAKAO

Wie geht es weiter? Nachdem wir nun drei Semester lang unsere Gedanken und Ideen in die Tat umsetzen konnten, geht die Reise mit dem lokomobil nun weiter, beziehungsweise fängt jetzt erst richtig an. Bis sich das lokomobil in seinen ersten Winterschlaf begibt, wird es noch ein paar Stationen in München und Umgebung besuchen und dabei einen Raum für Begegnung und Austausch aufspannen. Wohin und wie lange wir und das lokomobil noch rollen werden, wird die Zeit und der Verlauf unseres jeweiligen Studiums zeigen. Ab sofort findet es nun auf jeden Fall ganz offiziell nur noch in unserer Freizeit statt. An dieser Stelle gilt auch noch ein großer Dank der Professur für Urban Design für ihre Unterstützung!

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*theoretisch

Von der Uni in den Stadtraum Oder: wie man eine theoretische Idee in ein reales Projekt umwandelt*. Mit dieser Sammlung an Erfahrungen aus einem Jahr club loko, hilfreichen Werkzeugen, Links und Adressen, sowie inspirierenden Projektbeispielen, Texten und Podcasts zum Thema Stadtmachen möchten wir euch auf dem Weg von der Uni in den Stadtraum begleiten und den ein oder anderen Stein aus dem Weg räumen bzw. Umweg ersparen.

#01 Suche nach Idee und Ideenfreund*innen

Du willst deine letzte Endabgabe nicht im Ordnerchaos versinken lassen, sie stattdessen weiterspinnen und umsetzen oder du hast einfach eine Idee, die in die Realität umgesetzt werden möchte? Wenn du noch keine Verbündeten hast, such dir Gleichgesinnte und überzeuge sie von deiner Vision - unterschiedliche Perspektiven und Fähigkeiten bringen verschiedene Mehrwerte ins Projekt, in intensiven Diskussionen wird das Konzept geschärft und last but not least: Zusammenarbeiten macht einfach mehr Spaß! >>> Du willst aktiv werden, hast aber noch keine Idee wie? Auf diesen Plattformen findest du Inspiration: urbane-liga.de stadtstattstrand.de stadtmacher-akademie.org stadtmacher-archiv.de

#02 Tschüss Konventionen!

Verabschiedet euch von vorgegebenen Abgabeleistungen, Modellbauschlachten und Semesterfristen und

fragt stattdessen das Fachgebiet eures Vertrauens nach der Möglichkeit ein „freies Projekt“ anzumelden. Das Semester beginnt also nicht mit der Qual der Wahl auf dem Project Market, sondern mit der selbstständigen Semesterplanung und Terminvorschlägen an eure Betreuer*innen. „Freies Projekt“ bedeutet zwar viel Freiheit, aber auch freie Organisation in Selbstverantwortung. >>> Um organisiert zu bleiben und den Überblick zu behalten helfen vorallem in Homeoffice-Zeiten digitale Apps, wie die Kommunikationsplattform slack und der geteilte Google Kalender.

#03 Vision, Mission, Leitbild

Konzept, Konzept, Konzept - dass es am Anfang vor allem darum geht, ein starkes und überzeugendes Bild zu schaffen, kennt ihr wahrscheinlich aus eurem bisherigen Studium. Werdet euch darüber hinaus klar über eure Organisation, euer Selbstverständnis und eure Grundprinzipien. Dass dieses Leitbild auch mal ins Wanken gerät ist normal und gehört zum Prozess, siehe hier auch #07 Am Ball bleiben.

>>> Ihr versucht noch die richtigen Worte zu finden? Das Glossar zur gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung kann euch dabei helfen die richtigen Worte zu finden!

#04 Macht eine Marke draus

Um euer Konzept nun auch für jede*n verständlich und zugänglich zu machen, muss eine Strategie für die Darstellung eures Projekts oder Teams in der Öffentlichkeit her. Ob Instagram, Website oder Print-Medien - jetzt dreht sich alles um die Suche nach einem catchy Titel, einer seriös klingenden Email-Adresse, einer ansprechenden Farbpalette und passenden Fonts. Kleiner Hinweis: gedruckt sehen Farben oft anders aus als auf dem Bildschirm. >>> Eine große Auswahl an kostenlosen und websicheren Schriften findet ihr bei www.fonts.google.com >>> Seid ihr glückliche Besitzer*innen der Adobe-Cloud? Dann schaut auch hier vorbei: www.fonts.adobe.com

#05 Netzwerk

Um den Fuß in die Tür der gemeinsamen Stadtgestaltung zu bekommen,

spannende Kooperationspartner*innen kennenzulernen, von dem (Erfahrungs-) Austausch mit anderen Projekten zu profitieren und auch ein wenig Zuspruch und motivierende Worte mit auf den Weg zu bekommen, könnt ihr nie genug Vitamin B haben. Durch die Universität, bestehende Kooperationspartner*innen, Arbeitsplätze, Freund*innen, Vereine oder Initiativen kann sich (schnell) ein Netzwerk aus Wegbegleiter*innen, Unterstützer*innen und Fans bilden. Da das Rad eh nicht mehr neu erfunden werden kann, lohnt es sich immer nachzufragen und auf die schon vorhandenen Ressourcen zurückzugreifen. Wichtig ist dabei am Ball zu bleiben: das E-Mail-Postfach nicht überquellen zu lassen, nicht zögern zum Hörer zu greifen und die Ohren offen halten.

#06 Money, money, money

„Ohne Moos nichts los“ ist eine Aussage, die ihr früher von euren Eltern gehört habt und ihr spätestens dann zu spüren bekommen habt, als es um das nötige Kleingeld für den Clubeintritt ging? Gerade, wenn ihr an einer baulichen Übersetzung eures Konzepts arbeitet oder doch mal das ein


oder andere drucken/basteln müsst, lohnt es sich frühzeitig einen Finanzierungsplan zu erstellen und nach geeigneten Fördermitteln Ausschau zu halten. Wollt ihr (noch) keinen Verein gründen, lohnt es sich an dieser Stelle, wenn ihr noch mit mindestens einem Bein in der Uni steht, da ihr so Förderungen über die Uni beantragen könnt. >>> Hier* findet ihr eine kleine Sammlung an Stiftungen, Fördermitteln, etc. Lokale Fördermittel: > Förderprogramme des PlanTreffs für bürgerschaftliches Engagement in München > Stadtbezirksbudget für Quartiersgestaltung der LH München > weitere Fördermöglichkeiten der LH München Stiftungen o.ä.: > Förderprogramm der Sto Stiftung für DesignBuild Projekte > thematisches Förderprogramm der Hans-Sauer-Stiftung > Förderprogramm der Deutschen Postcode Lotterie > Sponsoring durch Schnitzer&

#07 Am Ball bleiben

Auch wenn die Frage „ob man denn eigentlich immer noch das eine Projekt aus dem letzten Semester macht“ nach 10 Monaten intensivem Arbeiten nervt, lohnt es sich doch meist am Ball zu bleiben und auch die dritte Denkschleife auf dem Weg zur Umsetzung mitzunehmen. Dabei helfen: Zuspruch von außen, sich die eigene Vision, Mission und Leitbild vorzubeten, Spaß haben, gut essen und trinken, Pausen machen und stolz darauf sein, was man bisher schon geschafft hat. Warnzeichen dafür, dass ihr aber vielleicht doch auf dem Holzweg seid: Schlaf, Spaß und Inspiration sind merklich auf der Strecke geblieben und der Lehrstuhl will euch kein sechstes mal ein freies Projekt anrechnen.

#08 Teamwork is dreamwork Bei der Umsetzung eines realen Projektes und der damit zusammenhängenden gemeinsamen Verantwortung ist die konstruktive Arbeit im Team unabdingbar. Sie sollte auf der Grundlage von Solidarität, Respekt, Kommunikation und gegenseitigem Verständnis aufgebaut sein, sowie

eine klare und gerechte Aufgabenteilung, direkte Kommunikation, als auch ehrliches Feedback beinhalten. Dafür und um die Work-Life-Balance ausgeglichen zu halten, solltet ihr auch andere Kommunikationstools als den Gruppenchat in WhatsApp in Erwägung ziehen, siehe hier auch #02 Tschüss Konventionen! >>> Tips & Tricks zur konstruktiven Teamarbeit findet ihr bei den Neuen Narrativen >>> Das Handbuch „Organisiert euch!“ stellt euch zudem einen großen Erfahrungsschatz zur Selbstorganisation unterschiedlicher Akteur*innen zur Verfügung.

#09 „Einfach“ mal machen

Die intensive Auseinandersetzung auf theoretischer Ebene bildet die Grundlage für die reale Umsetzung eures Konzeptes und schafft Sicherheit, vor allem wenn ihr euch noch auf unbekanntem Terrain bewegt. Um sich jedoch nicht in Gedankenlabyrinthen zu verlieren, solltet ihr euch so früh es geht in den öffentlichen Raum wagen und eure Skizzen und theoretischen Ideen in der realen Welt testen. Ganz

wichtig im Hinterkopf zu haben: es muss noch nicht(s) perfekt sein! >>> Wissenswertes zur selbstgemachte Stadt bietet die Freiraumfibel. >>> Praxisbeispiele der (in)formellen Mitgestaltung sind im Werkzeugfächer der Mitgestaltung zusammengefasst.

#10 Der Weg ist das Ziel

Klare Vorstellungen über Vision und Mission und die dafür notwendigen Zwischenschritte zu haben ist zwar nie verkehrt, aber weil dann oft doch vieles anders läuft als geplant, sollte stets Raum für Improvisation und starke Nerven bleiben. Gewinn bringt am Ende nicht nur die spacige Installation oder die gelungene Aktion im Stadtraum, sondern auch alles andere was ihr so auf dem Weg mitgenommen habt: von soziologischen Theorien, über potenzielle Kooperationspartner*innen und neuen Skills in Buchhaltung, Holzverarbeitung und Rechtsfragen, bis hin zum besten Feierabendspot und der Aneignung von Geduld.

Literatur

> Gabriela Burkhalter: The Playground Project > Gabu Heindl: Stadtkonflikte. Radikale Demokratie in Architektur und Stadtplanung > Laura Bruns: Stadt selber machen. Ein Handbuch > Mike Lydon & Anthondy Garcia: Tactical Urbanism > Stavros Stavrides, Massimo De Angelis: Common Space: The City as Commons > Stephan Willinger: Governance des Informellen. Planungstheoretische Überlegungen > Thomas Sieverts: Am Beginn einer Stadtentwicklungsepoche der Resilienz? Folgen für Architektur, Städtebau und Politik

Podcasts

> bunterbeton: bunterbeton > THF Radio: Fuß in der Tür - Der Podcast über urbane Praktiker*innen

Hier findet ihr nochmal alle Links!