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Zeitschrift der 端berkonfessionellen Bewegung Campus f端r Christus Schweiz

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GAS

T F A H C S D N U TFRE


gastfreundschaft | inhalt

gastfreundschaft | editorial

Inhalt

Editorial

ZUM THEMA

Häuser der Hoffnung – Orte der (Gast-) Freundschaft

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Editorial Häuser der Hoffnung – Orte der (Gast-) Freundschaft

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«Menschen für Gottes Schönheit begeistern»

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Die Basivilla in Ostermundigen

Raum für Ehe und Freundschaft

HINWEISE

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CfC national Alphalive, «Minni Schuel», Athletes in Action, Festival della Vita

Als Familie Heimat geben ... ... und sich selbst Heimat bewahren

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«Ein Werkzeug in Gottes Hand» Zum hundertsten Todestag von Henry Dunant

Beziehungen sind zu wertvoll, um sie dem Zufall zu überlassen

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Die seelsorgerliche Bedeutung des Hauses Das Vorbild von Johann Christoph Blumhardt

Ein altes Haus ermöglicht Leben

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gen werden entdeckt und eingesetzt. Man teilt nicht nur Glauben, sondern auch Leben.

Wie Gott einen Traum wahrgemacht hat

Interview mit Rolf und Marielle Hiltl

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Ein Leuchtturm sein in der Nachbarschaft

«Ich sehe die Menschen mit anderen Augen»

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CfC international Innehalten auf dem Jakobsweg

Debora Uhlmann hat die Angst vor Menschen verloren

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Kolumnen «beziehungsweise« und «Filmtipp Sabine Fürbringer und Andi Schindler-Walch zum Thema

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ZUM THEMA

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Das «Christenhaus» im Berner Getto

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Spital und Reha als Orte der Freundschaft

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Inserate, Impressum

ZUM SCHLUSS

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Kolumne «New Generation»

Agape international feiert 30-Jahr-Jubiläum Einsetzung des neuen Dreierleitungsteams

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An der Bar zum Leben finden

Boppi: «My home is my castle»

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Pfarrer Fredy Staub und Markus Baumgartner zum Thema

HINWEISE

Die HeilBAR in Brugg – eine Gemeinschaft an den «Toren der Stadt»

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Kolumnen «von Wegen!» und «Medien»

Maja und Kobi Stalder: «Es ist leicht, den Menschen hier zu begegnen.»

Das Wort des Missionsleiters Hanspeter Nüesch

Themen, die weiterhelfen Aktion: Christliches Zeugnis zum Sammeln und Weitergeben

Gottes Liebe umsonst

« … Häuser als Orte der Hoffnung gestalten, wo Menschen ganzheitliches Leben, heilende Gemeinschaft und den Glauben an Jesus erfahren.» Ende September letzten Jahres brannte das Gebäude der Eglise Evangélique Provence 24 aus, weil in einem unterirdischen Archiv der Stadt Lausanne Feuer ausgebrochen war. Die Gemeinde stand auf der Strasse. Kurzerhand wurden die Sonntagsgottesdienste zumindest einmal im Monat dezentral in die Häuser verlegt. «Schon länger hatten wir uns überlegt, wie wir die Beziehungen in unseren Hauskreisen und in der zweihundertköpfigen Gottesdienstgemeinde neu beleben könnten», erzählt Prediger Jean-Luc Ziehli in seinem Bericht. Die Lausanner Gemeinde macht keine einfache Zeit durch, sieht aber auch Chancen: Man rückt näher zusammen, Beziehungen vertiefen sich, neue Begabun-

Unsere Glaubensgeschwister in Lausanne erfahren zeichenhaft, was Gottes Geist in den letzten Jahren immer mehr zu betonen scheint: eine «Enttempelung» des Glaubens, das heisst, weniger in kirchliche Programme und Gebäude zu investieren, dafür die Häuser als Orte der Gastfreundschaft und des gemeinsamen alltäglichen Gott-Erfahrens wiederzuentdecken. Häuser als Orte der Hoffnung zu gestalten, wo Menschen ganzheitliches Leben, heilende Gemeinschaft und den Glauben an Jesus erfahren. Hier hat der Christustag im Juni mit dem Motto «Häuser der Hoffnung – Orte der Freundschaft» eindrückliche und vielfarbige Akzente gesetzt. Zudem sind in letzter Zeit etliche Bücher erschienen, deren Autoren für gastfreundliches Christsein plädieren, sei es der methodistische Pfarrer Robert Schnase mit seiner Forderung nach «radikaler Gastfreundschaft» (in: Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet), sei es Markus Müller, Direktor der Pilgermission St. Chrischona,mit dem Aufruf, «Orte der Barmherzigkeit» zu schaffen (in: Trends 2016, die Zukunft lieben), seien es Guy und Joële Zeller mit ihrer «Vision pour

la famille», sei es Christian Hennecke mit den «kleinen christlichen Gemeinschaften» in der katholischen Kirche (siehe CZ 2/2010) – und nicht zuletzt auch William P. Young, der mit «Die Hütte» den Nerv einer tief sitzenden Sehnsucht getroffen hat, mit Gott so ganz natürlich leben und reden, essen und trinken zu dürfen, wie Adam und Eva es damals im Paradies taten und wie es Jesus denen zusagt, die «sein Anklopfen hören und ihm die Türe öffnen» (Offenbarung 3,20). Lassen Sie sich von den Beiträgen dieser Ausgabe motivieren, selbst einen Ort der Freundschaft, des Aufatmens und der Barmherzigkeit zu schaffen, an dem Menschen ganzheitlich von Gott berührt werden. Entdecken Sie den Wert eines schönen und einladenden Ambientes, wie man es im Hause Hiltl, in der HeilBAR oder bei Martin und Christine Brudsche erleben kann. Werden Sie kreativ und lassen Sie sich mit dem, was Sie sind und haben, von Gott gebrauchen. Das Beispiel Lausanne zeigt: Wenn die Kirche ausbrennt, ist es Zeit, dass wir «hin und her in den Häusern» die Gastfreundschaft neu entdecken. Und dazu müssten wir eigentlich nur noch die Türe öffnen. Peter Höhn

Die Aktion Gratishilfe in Chur

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Eine Gemeinde im Feuer ... ... und wie sie Gottes Absicht dahinter entdeckt

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gastfreundschaft | die basivilla …

Die Basivilla in Ostermundigen Ein altes Haus ermöglicht neues Leben In der Basivilla, einem alten, um- und ausgebauten Bauernhaus in Ostermundigen, teilen Christen in einer gemeinschaftlichen Wohnform ihr Leben. Dabei verändern sie sich selbst und ihr Umfeld. Das Leben, das Gott in ihrer Mitte sprudeln lässt, soll überfliessen und zum Segen für ihre Nächsten werden.

Sabine Fürbringer Welche Wohltat nach einem intensiven Tag im Stadtrummel und mit vielen Begegnungen: Noch ist es Sommer und ich sitze auf einer Bank vor dem alten, grossen Bauernhaus, der Brunnen lässt das Wasser in den jahrhundertealten Trog plätschern, und die Sonne scheint mir mit ihren goldenen Abendstrahlen ins Gesicht. Es bleiben mir noch ein paar Minuten an diesem friedlichen Ort, bis ich im Haus drinnen zum Abendessen verabredet bin.

Familiäres Bienenhaus Ein älterer Mann kommt auf mich zu, stellt sich mir als Hans vor und nimmt mich mit hinein in die gute Stube. In den Gemäuern des Hauses herrscht reges Treiben – die Bewohner, eine Lebensgemeinschaft, und noch andere Gäste freuen sich auf das gemeinsame Abendessen. Ich werde von verschiedenen Leuten herzlich begrüsst und treffe dann auch Pierre Senglet, der 8

mich eingeladen hat. Das Essen ist familiär, nur mit viel mehr Leuten. Die Gespräche drehen sich um den Alltag, das Erlebte, auch mal um etwas Organisatorisches. Eltern, ihre Kinder und Singles teilen so ihr Leben. Nach einem kurzen Text mit einer biblischen Betrachtung, vorgelesen von einer Teenagertochter, ist das Essen offiziell beendet. In der Zwischenzeit sind noch zwei Nachbarbuben vorbeigekommen, um Brot abzuholen. Mir kommt es vor wie in einem Bienenhaus; bis zuletzt ist mir nicht ganz klar, wer hier eigentlich wohnt und wer bloss zu Besuch ist. Eine Ausnahme bilden die Gäste aus England – die sind durch ihre Sprache eindeutig identifizierbar. Wir werden einander vorgestellt, und ich erfahre, dass sie zur kommunitären Bewegung der Jesus Fellowship gehören.

Evangelistische Grundausrichtung Mark Fels, der zusammen mit seiner Frau Silvia die Basivilla ins Leben

gerufen hat, erzählt, die Begegnung mit der Jesus Fellowship sei für ihren eigenen Weg ausschlaggebend gewesen. «Stark inspiriert hat Silvia und mich ihre Grundausrichtung der Evangelisation; und wir haben bei der Jesus Fellowship gesehen, wie das als Gemeinschaft viel besser geht.» Bald hätten sie aber gemerkt, dass Zusammenleben auch Zeit und Energie brauche. Geleitet habe sie die Aussage im Johannesevangelium, Kapitel 13, Vers 35: dass die Welt die Nachfolger von Jesus an der Liebe erkennen werde. «Und das funktioniert halt nur, wenn diese Liebe im Alltag sichtbar wird», meint Mark Fels. In ihrer Lebensgemeinschaft wollten sie darum verbindliche Beziehungen fördern mit Transparenz und Offenheit. «Es geht nicht um einen Lifestyle, sondern das verlangt die Bereitschaft zur Hingabe», betont der Vater von zwei Kindern und einer Pflegetochter, der beruflich als Künstler arbeitet. cz 4|10

Wie ein Treibhaus Pierre Senglet, von Beruf diplomierter Ingenieur, ist mit seiner Frau Fränzi und ihren drei Kindern eine tragende Säule innerhalb der Gemeinschaft. Er beschreibt den Weg des gemeinsamen Lebens so: «Den Individualismus musst du aufgeben, der stirbt, und das ist auch gut und nötig. Aber die Individualität kommt umso mehr zum Vorschein, deine eigene Art, deine Persönlichkeit und deine Gaben.» Die Gemeinschaft wirke dabei wie ein Treibhaus, in dem sowohl das gute Wachstum wie auch das Unkraut viel schneller zum Vorschein kämen. Wer allein lebe, könne sich die Menschen und Beziehungen aussuchen. Hier hingegen, wo alle ihre Bekannten mitbringen, müsse man sich ihnen stellen. «So kann ich zum Beispiel auch randständigen Menschen oder Drögelern nicht ausweichen, einfach, weil jemand anderes aus der Gemeinschaft die mitbringt.» Pierre Senglet ist als Einzelkind aufgewachsen. «Das Leben cz 4|10

hier ist für mich oft wie eine Rosskur», gesteht er, schmunzelt dabei und wird auch wieder ernst. Jesus habe gesagt, wer sein Leben behalten wolle, werde es verlieren, und wer es um seinetwillen verliere, werde es finden. «Deshalb lege ich mein Leben ab zugunsten der Gemeinschaft. Ich habe Ja gesagt zu dieser Lebensform; und ein Ja zu etwas impliziert auch ein Nein zu ganz vielen anderen Optionen.» Pierre Senglet ist überzeugt: Die Christen in unserer Zeit müssen etwas davon dringend wiederentdecken.

Singles und Familien Die Motivation, in der Basivilla-Gemeinschaft mitzuleben, ist unterschiedlich. Es sind Menschen, die dabei sind, weil sie Hilfe suchen, einsam sind oder mit Lebensproblemen kämpfen. Sie suchen einen Rahmen, weil sie alleine nicht zurechtkommen. Einige lassen sich auf das gemeinsame Leben ein, erfahren Veränderung und werden zu Stützen des gemeinsamen Lebens.

Die Bilder von links nach rechts: • Grosses Bild: Die Basivilla als Zufluchtsort in den Stürmen und der Kälte des Lebens. • Zum jährlichen Freundesfest kommen jeweils 150 bis 200 Leute aus Nachbarschaft und Freundeskreis. • Pierre Senglet. • Die «Basivilla-Singles». • Osterfeier mit Freunden bei einem Sederabend mit messianischer Haggada.

Andere kommen nicht aus ihrem Kreislauf heraus, bleiben die Bedürftigen und gehen dann auch wieder. Die Basivilla versteht sich nicht als therapeutische Einrichtung, sondern als eine von Gott zusammengestellte Bruder- und Schwesternschaft. Dabei haben Familienväter und -mütter das gleiche Gewicht wie Singles. Der Singlestatus ist nicht einfach ein Warteraum auf die Ehe, sondern auch eine Möglichkeit, in dieser Lebensform die sprichwörtliche Stellung zu halten, egal, ob die Person später noch heiratet oder ledig bleiben wird. 9


gastfreundschaft | die basivilla …

• Die Hausgemeinschaft. • Gemeinschaftsznacht mit Gästen unter dem Nussbaum. • Kinderwoche im Mitteldorfpark Ostermundigen mit Fränzi Senglet als Kapitän des Schatzsucherschiffes. • Gottesdienst in der Basivilla-Scheune.

Leben «im Überfluss» Pierre Senglet ist überzeugt: Jede Form von Gemeinschaft – auch jede Familie und jeder Hauskreis – braucht einen «Überfluss des Lebens» hin zu anderen Menschen. «Das beste Wasser wird stinkig, wenn es abgestanden ist. Es muss fliessen.» Cool an der Basivilla sei, dass eben auch der Alltag einen Dienst darstelle: Die Kinder können Kameraden mit nach Hause bringen, und weil man die Ressourcen hat, gibt es einmal im Monat am Samstagabend einen Kids-Club mit gemeinsamem Kochen und Programm. «Viele Kinder kommen regelmässig und gerne, und unsere Kinder fiebern und beten mit, dass ihre Kollegen den Glauben an Jesus auch für sich persönlich entdecken.» Das Leben der Basivilla fliesst über, auch auf andere Umfelder: «Wir legen unsere Kräfte zusammen und organisieren immer wieder Nachbarschaftsfeste. Das könnte eine Familie alleine gar nicht auf die Beine stellen. Als wir kürzlich so ein Fest veranstalteten, sagte ein Nachbar beim Abschied: ‹Das war jetzt wie eine Oase, wie ein Stück 10

aus einer anderen Welt.›» Das grosse Haus bietet mit der ausgebauten Scheune Raum für Gottesdienste und andere Anlässe. Mark, der sein Künstleratelier ebenfalls im Haus untergebracht hat, ermöglicht bei grösseren Aufträgen anderen Leuten eine Mitarbeit. «Da waren schon Alkoholiker und Drögeler sehr dankbar», erzählt er. «Aber auch im Gespräch mit meinen Arbeitskollegen gibt unsere Wohnform immer wieder guten Gesprächsstoff.» In der Basivilla-Gemeinschaft betet man auch regelmässig für den Ort. Ganz frisch ist Silvia im Gemeindeparlament von Ostermundigen nachgerückt und engagiert sich vermehrt politisch.

Unzählige Abenteuer Pierre könnte noch vieles erzählen, zum Beispiel von gemeinsamen Einsätzen in Bosnien-Herzegowina und Montenegro. Oder von Menschen, die Gott souverän in ihr Haus führt: Die Basivilla hat sich nämlich bei Eurotopia auf die Liste setzen lassen, einer freakigen Ökobewegung, die ein europaweites Netz von Übernachtungsmöglichkeiten bei Wohngemeinschaften betreut. Prompt kamen auf diesem Weg drei junge Frauen aus Deutschland in der Basivilla vorbei, lebten drei Tage mit, inklusive Gebetszeiten und zeugnishaften Gesprächen. Die Frauen machten grosse Augen, wollten unbedingt noch mehr wissen und bezeichneten den Aufenthalt beim Abschied als wichtige Etappe auf ihrer Suche. «Solche Sachen erlebst du mit einem offenen Haus!», meint Pierre begeistert. Natürlich gibt es auch stressige Momente. Da war ein Drögeler als Mitbewohner im Haus, der die anderen arg strapaziert hat. Oder es wurde gestohlen. «Nach solchen Erfahrungen wollen wir es natürlich das nächste Mal besser machen», sagt Pierre Senglet. Aber man gerate halt trotzdem immer mal wieder in solche Situationen. «Wir sind häufig offener, als wir es eigentlich beschlossen hatten. Gott gibt halt Menschen eine Chance, und was können wir anderes tun, als da auch wieder mitmachen?!» cz 4|10

Helene lebte sieben Jahre in der Basivilla mit: «Ich erlebte durch die Gemeinschaft im natürlichen wie auch im geistlichen Bereich enormes persönliches Wachstum. Gemeinschaft ist weit mehr als einfach Räume teilen, nein, es ist Leben teilen. Dies ist bereichernd, herausfordernd, intensiv, spannend. Und gemeinsam kann man viel bewegen.» Helene erlebte in ihrer Basivilla-Zeit viel Heilung und Veränderung, heiratete dann Andreas und wohnt heute drei Häuser von der Basivilla entfernt. Helene und Andreas leiten einen Hauskreis und investieren sich zusammen mit der Basivilla-Hausgemeinschaft in die Vision für Ostermundigen.

Basivilla Inspiriert von der Jesus Fellowship in England (www.jesus.org.uk) gründen Mark und Silvia Fels 1996 die Basivilla. Der Name der Lebensgemeinschaft geht zurück auf die Vineyard Bern, zu der die Basivilla zählt, und die sich damals noch Basileia (griechisch für Königsherrschaft) nannte. Villa heisst freistehendes Landhaus, ein Begriff, der auch im übertragenen Sinn zur Vision passt: Wo Gottes Geist wohnt, ist viel Platz zur Entfaltung von neuem Leben.

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Felix ist Landwirtschaftslehrer und Familienvater von vier erwachsenen Kindern und hat ein Grosskind: «Als jemand, der im ‹äusseren Ring› der Basivilla und damit nicht in der WG selbst wohnt, erlebe ich die Gemeinschaft als Pool, in dem ich abhängen und am Samstagmorgen (für mich die einzig ‹menschenwürdige› Zeit für eine Bibelstudiengruppe!) in meinen Schritten bibelsicherer werden kann. Daneben erlebe ich Freundschaft und durch Pierre echtes Lebenscoaching, zudem Hilfe in einer schwierigen familiären Situation: Fränzi (be-)hütet unsere dreijährige Nurya einen Tag in der Woche; und last, but not least begeistert es mich, wann immer wir gemeinsam persönliche und Kirchenfeste feiern.»

Die Bewohner der Basivilla versuchen, ein ganz normales christliches Leben miteinander zu gestalten, und sehen sich als Dienstgemeinschaft im Reich Gottes. Immer wieder konzentrieren sie ihre Kräfte für gemeinsame Aktivitäten, wobei die Arbeit unter den Ausländern und Kindern der Wohngemeinde Ostermundigen einen wachsenden Schwerpunkt bildet. Fixpunkte im Alltag sind das tägliche gemeinsame Abendessen, verschiedene Gebetszeiten und gemeinschaftliche Anlässe. Daneben organisiert die Basivilla immer wieder Events, um mit den Menschen der Umgebung in Kontakt zu treten.

Anita hat in der Basivilla ein neues Lebensgefäss gefunden: «Durch Freunde meines damaligen Verlobten lernte ich die Basivilla kennen. Ich begann, samstags an der Basivilla-Bibelstunde teilzunehmen. Kurze Zeit später lösten wir die Verlobung auf; die Vision in mir zerbrach. Die Freundschaft mit der Basivilla aber blieb bestehen und verstärkte sich. Während einer Gebetszeit hatten zwei Frauen aus der Basivilla ein Bild: ‹Wenn ein Gefäss zerbricht, so schmeisst Gott die Scherben nicht weg, sondern bildet daraus ein neues, noch hübscheres Gefäss.› Meine psychische Situation verschlechterte sich, schliesslich wurde ich krankgeschrieben. In dieser Not zog ich vorübergehend in die Basivilla. Hier erfuhr ich viel Liebe, Geduld und Hingabe. Gebete, Ermahnung und Ermutigung ergänzten sich. Nach sechs Monaten in der Basivilla wurde für mich klar: Mein Leben will ich in Gemeinschaft verbringen! So lebe ich nun seit mehr als drei Jahren in der Basivilla – das neue Gefäss ist gebildet worden!»

Weitere Informationen www.basivilla.ch www.commonlife.ch Commonlife ist ein Netzwerk zur Gründung und Ermutigung von christlichen Lebensgemeinschaften in der Schweiz.

www.offenetuer.ch Die Fachstelle Gemeinschaftliches Leben unterstützt mit Beratung, Vorträgen und Seminaren die Neugründung von Gemeinschaften.

Buchtipp Eichler Astrid; Widmer-Huber, Thomas und Irene:

Es gibt etwas anderes. Gemeinschaftliches Leben für Singles und Familien. Witten: SCM Brockhaus, Edition Aufatmen, 2010, ISBN-13: 978-3417263473.

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gastfreundschaft | raum für ehe …

Raum für Ehe und Freundschaft Beziehungen sind zu wertvoll, um sie dem Zufall zu überlassen • Christine und Martin Brudsche: «Um die Qualität ihrer Beziehung weiter zu vertiefen, empfehlen wir unseren Paaren ‹Ehe mit Vision›, das Wochenende zu zweit von FamilyLife.» www.familylife.ch

Christine und Martin Brudsche aus Hombrechtikon pflegen nicht nur ihre eigene Ehe, sondern auch bewusst und proaktiv freundschaftliche Beziehungen – und tragen dafür Termine fix in ihrer Agenda ein. Zweimal im Jahr laden sie zum achtteiligen Ehekurs in ihre Wohnung und verwöhnen die teilnehmenden Paare wie persönliche Gäste.

Renate Blum Gleich zweimal mussten Christine und Martin Brudsche aus nächster Nähe zusehen, wie Ehen zerbrachen. «Das stimmte mich extrem traurig», erzählt Christine. «Ich wollte helfen und etwas unternehmen, damit Paarbeziehungen gelingen können. ‹Was meinst du, Gott?›, war mein Gebet.» Ein Flyer von FamilyLife, der als Beilage einer christlichen Zeitschrift mit der Post ins Haus kam, lud potenzielle Veranstalter des Ehekurses von FamilyLife zu einem Infotag nach Winterthur ein. Gemeinsam fuhren Christine und Martin Brudsche hin.

Ehekurs zum Geniessen «An diesem Tag wurde ich Feuer und Flamme und freute mich, solche Kurse selber zu organisieren», erinnert sich Christine. Martin reagierte weniger euphorisch, fand aber: «Das ist eine tolle Sache. Ja klar, das machen wir.» Christine und Martin besuchten zunächst selbst einen Ehekurs. Dabei entwickelten sie ihre eigenen Vorstellungen, wie sie den Kurs aufziehen wollten und wie nicht. Später lernten sie das DVD-Set zum Kurs kennen und waren davon so überzeugt, dass sie sich sagten: Warum 12

sich die Mühe machen und selber referieren, wenn etwas so Gutes vorhanden ist?! «Dafür waren wir uns einig», so Martin, «dass wir alle unsere Energie sozusagen in die ‹Verpackung› investieren wollten: Für die teilnehmenden Paare sollte der Besuch bei uns die Bedeutung eines schönen Ausgangabends mit feinem Essen und möglichst viel Privatsphäre haben, damit Herzensgespräche stattfinden können.»

Grosses Engagement und viel Liebe zum Detail Seit 2006 laden Christine und Martin Brudsche zum Ehekurs ein und beten immer wieder: «Füll du, Gott, unsere Wohnung!» Sie sind für vierzehn Paare eingerichtet und staunen jedes Mal, wie die Anmeldungen zusammenkommen. Bis jetzt haben sie zehn Kurse durchgeführt, zuerst dreimal im Jahr, jetzt zweimal. «So stimmt es für uns», sagt Christine. «Wir könnten den Kurs wohl in einem grösseren Rahmen organisieren, aber dann wäre es nicht mehr das Gleiche. Wir möchten ihn bewusst so halten, privat, in einem gepflegten Rahmen.» Während acht Wochen verwandeln Brudsches jeweils ihr grosses Wohn- und Esszimmer mit Galerie in ein stilvolles

Lokal. Christine hat ein ausgesprochen gestalterisches Talent. Jede Woche erscheint die grosszügige Attikawohnung neu in geschmackvollem Outfit mit wechselnder Grundfarbe. Die Zweiertische sind liebevoll und passend zum Thema geschmückt. «Die Dekorationen und das Menü plane ich im Voraus für den ganzen Kurs», erzählt Christine. «Während der Kurswochen bin ich am Dienstag und Mittwoch fast ausschliesslich mit Einkaufen, Herrichten und Kochen beschäftigt. Am Mittwoch gegen Abend kommen drei Personen, die mithelfen.» Auch Martin, beruflich als Verkäufer in der Informatikbranche tätig, kommt um 17 Uhr nach Hause und packt mit an. «Ich bin vor dem Abend zuständig fürs Staubsaugen, für die Salatsauce und dafür, dass die Technik funktioniert.»

In Ruhe und Schönheit einander begegnen Um viertel vor sieben treffen die Gäste zum Apéro im Eingangsbereich ein. Dann nehmen die Paare an den Zweiertischen Platz, und das Essen wird wie in einem feinen Restaurant serviert. Dazu wird ein Glas Wein eingeschenkt. Auf jedem Tisch brennt ein kleines Licht, das cz 4|10

• Liebevoll gestaltete Deko: Mit ein Grund, dass schon über 100 Paare den Ehekurs bei Brudsches besucht haben. Liebe geht durch den Magen: Das gediegene und persönliche Ambiente hilft Paaren, auch über schwierige Themen ins Gespräch zu kommen.

Feedbacks von Ehekurs-Gästen – Der Ehekurs war mehr als ein Kurs, das war Liebe pur. – Wir haben erfahren, wie wichtig es ist, die eigenen Bedürfnisse dem Partner mitzuteilen. – Wir haben gelernt, Konflikte anzusprechen und ihnen nicht auszuweichen. – Wir waren «gezwungen», an diesen Abenden «Zeiten zu zweit» zu verbringen und haben erlebt, wie schön diese Zeiten sind. – Wir geniessen am Morgen neu das Gebet zu zweit. – Die Abgrenzung von Eltern und Schwiegereltern zu erkennen, war wichtig für uns. cz 4|10

zur romantischen Stimmung im Raum beiträgt. Im Hintergrund spielt leise Musik. Nach dem Essen setzen sich alle zum Vortrag um den langen Tisch in der Mitte des Raumes. «Dass es etwas Bewegung im Raum gibt, erleben die Paare positiv», erzählt Martin. Nach dem Videovortrag erzählen er und Christine, welche Erfahrungen sie persönlich mit dem jeweiligen Thema gemacht haben und wie sie damit umgehen. Brudsches haben in ihrer Beziehung selbst schwierige Phasen durchlebt und wollen Mut machen, aktiv an der eigenen Beziehung zu arbeiten und ein Leben lang dranzubleiben: «Wir sind ein ganz normales Ehepaar. Unsere Gäste sollen sehen, dass es völlig normal ist, wenn man als Paar immer wieder mal ansteht und ‹Knörze› hat, es aber nicht dabei bleiben muss.» Für die Verarbeitung des Themas und fürs Dessert setzen sich die Paare wieder an die Zweiertische. Es gibt keine Gruppengespräche. Um viertel vor zehn ist Schluss; aus Erfahrung verabschieden sich die Gäste ziemlich rasch. «Wir finden das gut so», meint Christine, «weil das Paar so miteinander im Gespräch bleibt. Manchmal kommt es vor, dass ein Paar unsere Wohnung bedrückt verlässt, weil ein Konflikt zum Vorschein kam. Wir bieten an, dass sie bei Schwierigkeiten auf uns zukommen können, aber als Eheseelsorger verstehen wir uns nicht.» Bis alles wieder aufgeräumt sei, werde es fast Mitternacht, sagt Martin. «Wir sind dann müde, aber innerlich erfüllt und sagen immer wieder zueinander: ‹Es hat sich nicht nur gelohnt, sondern auch Spass gemacht.›»

«Wiichreis» Mit zunehmendem Alter, erzählen Brudsches, hätten sie realisiert, wie wertvoll gute Freundschaften seien. Neben ihrer Ehebeziehung wollten sie deshalb auch den Kontakt zu einem weiteren Freundeskreis vertiefen. «Wir fragten vier Paare aus unserem weiteren Bekanntenkreis an, ob sie mit uns zusammen eine Weg13

strecke gehen wollten, was heisst, alle zwei Monate einander zu besuchen oder miteinander etwas zu unternehmen.» Daraus ist der «Wiichreis» entstanden. Der Name stammt von einer Weinbauernfamilie, auf deren Hof die gemeinsamen Sonntage nach dem Gottesdienst stattfinden. Fürs gemeinsame Mittagessen bringen alle das mit, was sie via Google-Kalender abgemacht haben. Die Termine werden zu Beginn des Jahres gemeinsam festgelegt. «Man verbringt Zeit miteinander, nimmt gegenseitig Anteil an dem, was einen beschäftigt, und lernt sich besser kennen», sagt Christine. «Wir erzählen uns zum Beispiel, wie wir aufgewachsen sind, sprechen über ein Buch, das alle gelesen haben, oder reden darüber, wie wir Situationen im Alltag erleben und bewältigen. Unser Vertrauen zueinander ist gewachsen, und es können sogar mal ganz deutliche Worte fallen oder auch die Bitte: ‹Wir haben da ein Problem, könnt ihr uns dabei helfen?›» Und Martin ergänzt: «Wenn uns die spielenden Kinder unterbrechen, dann ist uns wichtig, sie ernst zu nehmen und unsere Diskussionen aufzuschieben. Wir als Paar, das ohne Kinder kommt, erleben es als Bereicherung, den Sonntag bewusst mit Familien zu verbringen. Oft enden die Nachmittage mit einem ausgedehnten gemeinsamen Spaziergang.»

In Beziehungen investieren Christine und Martin Brudsche strahlen Lebensfreude und Zufriedenheit aus. Als Paar mit einem erwachsenen Sohn freuen sie sich über die Möglichkeiten und Chancen, die ihr Lebensabschnitt bietet. Miteinander sind sie aktiv geworden und haben neue Perspektiven gefunden. «Wir könnten uns vorstellen, später einmal in einer Alterswohngemeinschaft zu leben», sagt Martin. «Auch deshalb möchten wir uns jetzt um Beziehungen bemühen. Gute Freundschaften sind kostbar – und da wollen wir investieren.»


gastfreundschaft | als familie heimat geben …

Als Familie Heimat geben ... ... und sich selbst Heimat bewahren Dank an René und Brigitta Bregenzer

Es war weder Absicht noch ursprüngliches Lebensziel von Brigitta und René Bregenzer gewesen, ein offenes und gastfreies Haus zu führen. Doch Menschen kamen und öffneten ihnen die Augen für ihre Nöte. Gleichzeitig mussten sie als Familie lernen, das eigene Mass an Nächstenliebe zu finden.

René und Brigitta Bregenzer haben in den letzten sieben Jahren die Arbeit von Campus für Christus wesentlich mitgeprägt und weiterentwickelt. Vom 1. Mai 2003 bis zum 31. Oktober 2010 war René Mitglied der Missionsleitung. Von Beginn weg hat er sich nicht gescheut, grosse Verantwortung zu übernehmen, sei es für die Organisation von EXPLO 2004, aber auch in der übergeordneten Leitung der Schweizer Arbeitszweige. Als Bauingenieur hatte René Bregenzer viele Jahre bei Alusuisse und Geberit die Abteilung «Forschung und Entwicklung» geleitet. Jetzt durften wir bei Campus für Christus von seiner innovativen Energie profitieren. René Bregenzer leistete an vorderster Front für neue Arbeitszweige wie FamilyLife, Internet Ministry, Campus per Cristo und Leben in Freiheit unschätzbare Aufbauarbeit. Er half mit, dem Projekt «DVD für Touristen» zum Durchbruch zu verhelfen. Von «More than Chocolate and Cheese» wurden mittlerweile über 100 000

Brigitte Eggmann Im Anschluss an eine Weltreise, auf der Brigitta und René Bregenzer nach Gott und nach einem Lebensziel gesucht hatten, lernten sie Jesus Christus als ihren persönlichen Herrn und Heiland kennen. Zurück in der Schweiz, kamen sie auf der Suche nach Antworten mit jungen Leuten in Kontakt. Ihnen öffneten sie nicht nur ihr Herz, sondern auch ihre Wohnung und Familie.

Teenager mit Baby Brigitta Bregenzer erzählt von den Anfängen: Ein Laborantenlehrling wusste nicht, wie er mit seinen Freunden und Kollegen über Jesus reden konnte, und bat René um Hilfe. «So kam es, dass René und ich Woche für Woche im Neuhausener Quartier Nohl in einem Hauskreis Menschen von Jesus erzählten.» Die ersten zwei, die aus diesem Hauskreis heraus näheren Kontakt suchten, waren zwei Brüder: Roberto (siehe Kasten Seite 17), gezeichnet von seinem Leben mit Drogen, und sein Bruder Sandro (siehe Kasten Seite 16). Bald darauf organisierten Bregenzers jeweils im Winter ein Skilager. In einem dieser Lager lernten sie ein sechzehnjähriges Mädchen kennen, das in 14

Stück weitergegeben. Eine neue, besonders für Immigranten gedachte DVD zum Thema Integration und Werte der Schweizer ist am Entstehen. René und Brigitta Bregenzer sind in einer christlichen Gemeinde in Rüti verankert und leben den Missionsauftrag eins zu eins vor Ort, in der Nachbarschaft und im eigenen Haus. Schon lange hatten sie die Vision eines Projektes auf dem Herzen, das Evangelisation, Jüngerschaft, gemeinsames Leben und Sozialdiakonie verbindet. Um sich ganz dem Aufbau dieses Projektes zu widmen, haben René und Brigitta Bregenzer ihre vollzeitliche Mitarbeit bei Campus für Christus Ende Oktober beendet, werden uns aber für punktuelle Einsätze weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir sind überaus dankbar für ihren Beitrag und wünschen ihnen für Ihren weiteren Weg Gottes Segen und viel Frucht. Die Missionsleitung von Campus für Christus Schweiz

• Auf dem Columbia Icefield in den kanadischen Rocky Mountains im Jahr 2000: René und Brigitta Bregenzer mit ihren vier Kindern Hanna, Samuel, Judith und Lydia.

Erwartung war. Schnell war klar: Dessen Mutter würde sich aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht um das Baby kümmern können. So wurde nach dem Skilager kurzerhand Bregenzers Büro- und Nähzimmer im Wohnzimmer untergebracht, und das Mädchen zog nach der Geburt ihres Babys für ein Jahr bei ihnen ein, damit sie die Berufslehre beenden konnte. «Wir wurden regelrecht hineingeworfen, die Not trat an uns heran – und wir handelten», erzählt Brigitta, und René schmunzelt: «Ja, und von da an blieb das Büro im Wohnzimmer.» Denn immer wieder übernachteten oder wohnten junge Menschen bei ihnen und blieben eine Nacht, mehrere Wochen, drei Jahre. Sie kamen von der Gasse, auf Besuch, zum Plaudern, zum

Herzausschütten oder zum Mittagessen. Einmal pro Woche oder mehrmals. Schulkollegen und -kolleginnen der eigenen vier Kinder oder Arbeitskollegen von René: «Immer am Mittwoch nahm ich ein paar Arbeitskollegen zum Essen mit nach Hause. Die einen, um ihnen das Evangelium zu erklären, die anderen, um sie in den ersten Schritten des Glaubens zu begleiten. Ohne Brigittas Kochkünste und ihre Gabe der Gastfreundschaft hätte ich mit ihnen in eine Beiz gehen müssen.»

Verstärkung Mit der Zeit wurden auf dem Robinsonspielplatz neben dem Wohnblock, in dem Bregenzers wohnten, Sonntag für Sonntag Festtische und -bänke aufgefahren. cz 4|10

«In unserer Wohnung hätten all die Leute nie Platz gefunden», sagt Brigitta Bregenzer. Nach dem Sonntagsgottesdienst kamen manchmal bis zu fünfzig Personen, es wurde gelacht, gespielt, geschwatzt, gegessen und gesungen. Eine Gitarre fand sich immer. Später zogen zwei weitere Familien mit demselben Anliegen für gemeinschaftliches Leben in den gleichen Wohnblock. Und eine junge Kindergärtnerin öffnete ihre Wohnung als Frauen-WG. Jetzt entstand eine ganz neue Dynamik, ein Kommen und Gehen von ganz unterschiedlichen Leuten, die gerne hier «andockten», weil immer jemand da war.

«Was hat es euch gekostet?» Den Lebensstil eines offenen Hauses cz 4|10

war René schon von seiner Herkunftsfamilie her gewohnt. Für Brigitta hingegen war es, wie sie sagt, eine gewaltige Horizonterweiterung, so viele verschiedene Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten kennenzulernen und das Leben mit ihnen zu teilen. «Wenn uns nicht Gott selbst da hineingestellt hätte, ich hätte das wohl nie gewagt; nie im Leben hätte ich mich mit drogenoder alkoholkranken Menschen abgegeben, ich war zu weit weg von ihnen aufgewachsen.» Am schwierigsten war es für Brigitta, wenn die Leute «an den Anschlag kamen», sodass René und sie auch nicht mehr weiterwussten. «In solchen Momenten fragte ich mich, ob das wohl nicht passiert wäre, wenn ich eine ent-

sprechende Ausbildung gehabt hätte.» René bleibt da cooler: «Wir haben bewusst keine spezielle Therapieausbildung gemacht. Wir wussten: Wenn wir einfach normal als Familie leben, wird das seine Auswirkung haben. Unsere Kinder erlebten uns nicht anders, wenn zusätzlich Leute da waren. Wenn die abendliche Gebetszeit mit den Kindern näherrückte, änderten wir unsere gewohnten Gutenachtrituale nicht. Wer dabei sein wollte, war herzlich eingeladen, wer nicht wollte, konnte auch auf dem Balkon seine Zigarette rauchen.»

Augen für die Not der Menschen Heute sind Bregenzers Kinder alle erwachsen und verheiratet. Und René Bregenzer stellt fest: «Wir haben Augen 15


gastfreundschaft | als familie heimat geben …

für die Nöte ganz anderer sozialer Schichten erhalten und gleichzeitig erkannt, dass dieser kleine Verbund, den Gott schuf und der Familie heisst, eine zentrale Bedeutung hat. Ohne unser Engagement hätte ich das als Geschäftsmann nie so sehen können. Ich wäre meinem Business nachgegangen und hätte alles Übrige an Brigitta delegiert. Wirkliches Leben, nachhaltiges Leben wird in erster Linie in einem gesunden familiären Umfeld geschaffen.»

Grenzen setzen Wer bei Bregenzers ein- und ausging, musste sich an ein paar wenige Familienregeln halten. Das hiess zusammen essen und nicht, sich nach Lust und Laune aus dem Kühlschrank verpflegen, es hiess bei der Wäsche mithelfen und das eigene Zimmer selbst in Ordnung halten. «In der Regel gab es damit keine Probleme», hebt René hervor, «und falls es mal nicht klappte, mussten wir den Rank miteinander suchen und sagen, das sei das Minimum, das wir von ihnen verlangten.» Brigitta gibt offen zu, dass es schon Sonntage gegeben habe, an denen sie einfach mal nur mit Mann und Kindern hätte allein sein wollen. «Nicht, weil ich die Menschen nicht mochte, sondern einfach, weil ich selbst etwas Luft brauchte und die Kinder uns Eltern nie ganz alleine für sich hatten.» Als der älteste Sohn zwölf war, merkten René und Brigitta, dass sie nun wirklich mehr Zeit in die eigene Fa­ milie investieren und einmal «nur als Familie» Ferien machen sollten. «Das wollten wir zwar vorher schon, aber dann wurden doch wieder Lager daraus», erinnern sie sich. Die Balance zwischen offenem Haus und Familienleben fanden sie aber erst mit ihrem Umzug ins Zürcher Oberland. «Ich glaube», meint Brigitta, «Gott hat uns zum Schutz der Kinder einen Riegel geschoben. Als wir

nach Tann umziehen wollten, suchten wir nach einem Haus, das uns ermöglichen würde, möglichst viele Leute aufzunehmen. Was wir schliesslich fanden, war ein reines Familienhaus, und ich konnte es lange nicht akzeptieren. Aber unsere Kinder, damals zwischen zwölf und neunzehn, sagen uns heute, sie hätten das gebraucht.»

Motivation prüfen Was würden sie heute anders machen? René meint, sie würden Motive und Motivation der Einzelnen, die kommen, besser prüfen. Oft seien sie zu wenig aufmerksam gewesen, wenn Menschen nur in ihrer festgefahrenen Meinung hätten bestätigt werden wollen und weder für Korrektur noch für Veränderung bereit gewesen seien. «Heute bringen wir die Dinge früher aufs Tapet. Wir kommunizieren direkter, wenn wir etwas wahrnehmen, und fragen nach, ob wir uns täuschten oder etwas falsch verständen. So kommen wir rascher dahinter, wenn nur ein Spiel gespielt wird. Hier machten wir sicher die gröss­ ten Fehler.» Allerdings, sagt René, sei es nicht nur um die anderen gegangen. Auch sie hätten gelernt, sich selbst zu hinterfragen und ihre eigenen Motive zu prüfen. Wer ein offenes Haus haben möchte, sagen René und Brigitta abschliessend, müsse bereit sein, im Hier und Jetzt zu leben. «Mit einem festen und fixen Tagesprogramm ist jeder Besuch, jeder Telefonanruf ein Stress, eine Störung.» Nachdem heute ihre Kinder alle erwachsen und selbst wieder verheiratet sind, beginnt für René und Brigitta Bregenzer eine neue Lebensphase. «Unser Traum, und der nimmt zurzeit konkrete Formen an, ist es, neue Formen des Wohnens und Zusammenlebens zu entwickeln, in denen Privatsphäre, Gemeinschaft, Evangelisation, Jüngerschaft und Diakonie harmonisch ineinandergreifen und zum ganzheitlichen Zeugnis für Jesus werden.» 16

Elisabeth und Sandro Galanti: «Wir waren immer willkommen.»

Roberto Galanti: «An meinem Herzen, nicht am Äusseren gearbeitet»

• Sandro ist heute Geschäftsführer der Werkstätte Liechtblick in Schaffhausen. Sandro und Elisabeth sind selbst zu geistlichen Eltern für andere Menschen geworden.

«Als wir René und Brigitta im Hauskreis Nohl kennenlernten, waren wir beide Anfang zwanzig. Hier fand Sandro zum Glauben an Jesus Christus, und hier lernten auch wir einander kennen. Wegen unserer nicht immer leichten Freundschaft suchten wir oft den Rat von Brigitta und René. Bei ‹Bregis› zu Hause durfte man einfach vorbeikommen, auch ohne Voranmeldung, immer war man willkommen. Nach unserer Heirat wohnten wir im gleichen Wohnblock, und so wurde die Beziehung noch intensiver. Uns hat immer wieder beeindruckt, wie Brigitta und René Gemeinschaft förderten und dafür auch Opfer brachten, es aber immer mit fröhlichem Herzen taten. Öfter war ich (Elisabeth) krank. Ich wusste mit Sicherheit, dass René kommen und mit mir beten würde. Zwar wurde ich nicht geheilt, doch tief in meinem Herzen tat es mir sehr, sehr wohl. Wir lernten Christsein im Alltag zu leben. Bregenzers lebten dies ganz natürlich vor. Was sie sagten, das taten sie auch. Ihr Vorbild hat uns nachhaltig, auch nach ihrem Wegzug von Neuhausen, bis heute stark geprägt. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar.»

Gastfreundschaft statt Gebäude und Programme «Kein anderer Dienst der Familie erhält im Neuen Testament mehr Beachtung als der der Gastfreundschaft. Er wird mehrmals erwähnt in Form einer direkten Anweisung: «Seid gegeneinander gastfreundlich ohne Murren» (1. Petrus 4,9; siehe auch Römer 12,13 und Hebräer 13,2). Die Gastfreundschaft erscheint auch in den beiden Abschnitten, in denen die Eigenschaften beschrieben sind, die jemand braucht, um Diakon oder Ältester zu werden (1. Timotheus 3,2; Titus 1,8). Darüber hinaus finden wir überall in der Bibel Beispiele der Gastfreundschaft, zum Beispiel Martha und Maria (Lukas 10,38), Lydia (Apostelgeschichte 16,5), der Gefängniswärter von Philippi (Apostelgeschichte 16,34), Publius (Apostelgeschichte 28,7) und viele andere mehr. cz 4|10

• Roberto Galanti leitet heute zusammen mit seiner Frau Hai Ha die Partnerschaftsprojekte von Agape international in Ostasien.

«Bei Bregenzers konnte ich zu jeder Tagesund Nachtzeit vorbeikommen, sie waren immer für einen da. Als Drogenabhängiger brauchte ich einfach mal Liebe und Annahme; Bregenzers nahmen mich so, wie ich war – mit Bart, langen Haaren und rauchend – und arbeiteten an meinem Herzen und nicht an meinem Äussern. René ermutigte mich später, Jungscharleiter zu werden. Das war gut, denn als ehemaliger Junkie war ich sehr selbstbezogen, ein roher und ungeschliffener Diamant. René hatte Augen, die sahen, was Gott in mich hineingelegt hatte, und hat das herausgeholt. Für mich persönlich war ausschlaggebend, dass ich von Anfang an lernte, mich nicht um mich selbst zu drehen, sondern zu dienen und von mir wegzuschauen.»

Gastfreundschaft heisst einfach sein Haus öffnen, um Fremde zu beherbergen. Es kann sich dabei um Christen handeln (zum Beispiel eine Gebetsgruppe, Missionare auf Urlaub oder reisende Diener Gottes) oder auch um Nichtchristen (Nachbarn, Eltern der Schulkameraden unserer Kinder, ihre Lehrer oder entfernte Verwandte). Es kann für die Dauer eines Essens, eines Wochenendes, einer Woche oder mehr sein. Dadurch, dass sich die Familie öffnet und ihr Leben mit anderen teilt, werden diese ernährt, gekleidet, aufgenommen, können sich waschen und erhalten ein Dach über dem Kopf. Es handelt sich um eine der persönlichsten und vielfältigsten Arten, anderen zu cz 4|10

Kenan: «Investition in die Extrameile» • Kenan2 (38) war neunzehn, als er Bregenzers kennenlernte. Heute ist er als Evangelist und Gemeindebauer auch in der islamischen Welt tätig, weshalb wir den Namen zum Schutz seiner Person geändert haben.

«Wie es der ‹Zufall› so wollte, wohnte ich nur gerade einen Steinwurf von Bregenzers entfernt. Ich hatte mich kurz vorher zu Jesus bekehrt und suchte Anschluss, weil mir ein Kollege aus der Berufschule dazu riet. Damals war ich praktisch jeden Abend bei ihnen zu Hause. Ich bin einer von denen, die sagen, sie würden nie heiraten, weil sie das, was sie von Ehe und Familie mitbekommen hatten, nicht überzeugte. Ich bin auch einer von denen, die am Tisch hätten losheulen können, dies aber unterdrücken, weil sie sich genieren. Da war ein Vater, der sich für seine Kinder interessierte, liebevoll mit ihnen umging, wissen wollte, wie es ihnen in der Schule ergangen war. Das kannte ich nicht. Hier erfuhr ich selbst Heilung, erlebte echte Nachfolge von Jesus und wurde selbst darin ‹bejüngert›. ‹Geistlichkeit› fand nicht am Sonntagmorgen während zwei Stunden im Gottesdienst

dienen. Gastfreundschaft ist ein Ausdruck der Liebe Christi. Durch sie teilen wir unsere Familie, unser Haus, unsere Finanzen, unsere Nahrung, unser Privatleben und unsere Zeit. Wir teilen unser ganzes Leben. Gastfreundschaft verwandelt unsere wohlbehüteten Häuser in abenteuerliche Missionszentren. Die Gastfreundschaft gibt der Familie ein Ziel, das über sie hinauswächst. Die Familie existiert, um Gott und der Welt zu dienen, durch die Gemeinde. In der Urgemeinde finden wir den Brauch, Fremde so aufzunehmen, als ob es sich um Christus selbst handelte. Hebräer 13,2b erinnert uns: «... durch sie [die Gastfreundschaft] haben etliche ohne ihr Wissen Engel

statt, sondern im Alltag. Denn in einem offenen Haus können die Dinge nicht verborgen bleiben; ich sah auch Bregenzers ehrlichen Umgang mit ihren eigenen Schwächen. Mein Familienbild hat sich verändert. Heute bin ich verheiratet und habe selbst ein Kind. Was ich bei Bregenzers erlebte, beeinflusst heute, wie mein Kind aufwächst. Diese Investition in die Extrameile haben mich und meine Frau bewogen, wie Bregenzers zu sagen: ‹Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.› Ihre Korrektur konnte schon mal sehr klar und scharf sein, war aber immer aufrichtig, ehrlich und nützlich. Es war lustig und herzlich bei ihnen, wir haben viel gelacht. Ich werde immer dankbar sein für die wertvolle Investition von Bregenzers in mein Leben. Ohne diese wäre ich heute nicht, was ich bin.»

beherbergt.» Der Historiker Adolf von Harnack meint sogar, dass die Praxis der Gastfreundschaft mehr als alles andere zur Ausbreitung des Christentums beigetragen habe. Es wäre ein grosser Schritt in Richtung einer biblischen Reformation, wenn jede Kirche und Gemeinde unseres Landes das Dienstmodell, das sich um Programme und Gebäude dreht, gegen ein Modell austauschen würde, in dem die Gastfreundschaft im Zentrum steht. Dies würde den Dienst auf den Ort fokussieren, an dem er am fruchtbarsten sein kann. Die Gemeindemitglieder würden dadurch freigesetzt, mehr Zeit für Gottes Reich einzusetzen.

Aus: Zeller, Guy; Zeller, Joële: Une vision pour la famille. Chailly-Montreux: Edition Jeunesse en Mission 2006, S. 159/160, ISBN 2-88150-078-1. 17


gastfreundschaft | kolumnen

nicht mehr zu verurteilen oder ihnen Druck zu machen, dass sie ein anderes Leben führen sollen. Ich weiss jetzt, dass es pure Gnade ist, wenn es so weit kommt, und dass Jesus ihr Leben auf einen Schlag verändern kann. Weil du dich selbst angenommen weisst, kannst du andere Menschen annehmen, wie sie sind, und auch loslassen ... Ja, und ich habe Hoffnung für sie! Wir sind nicht Gottes Verteidiger auf dem religiösen Markt. Wir brauchen keine Tricks; wir müssen auch nicht meinen, dass es unser Glaube oder unsere Begabungen seien, auf die es ankomme. Gott ist souverän, und unsere Aufgabe

Bei Muslimen braucht es eine übernatürliche Begegnung mit Jesus, damit sie sich öffnen. Aber so eine übernatürliche Begegnung mit Gott braucht ja jeder Mensch, weil es der Geist Gottes ist, der uns die Augen für Jesus öffnet. besteht nur darin, ihn zu lieben und das zu tun, was er uns vor die Füsse legt. In jener Depressionsphase haben wir übrigens noch einmal geprüft, ob wir wirklich hier wohnen bleiben sollen. Und Gott hat uns ermöglicht, aus der Blockwohnung in eines der neun Einfamilienhäuser auf dem Gelände umzuziehen. Das war ein deutliches Liebeszeichen von seiner Seite. Wie wirkt sich deine veränderte innere Lebenshaltung heute praktisch aus? Da gibt es zum Beispiel diese alte, verbitterte Nachbarin: Niemand mag sie. Auf einen Impuls des Heiligen Geistes hin habe ich eine Tafel Schokolade gekauft und ihr vorbeigebracht. Die Frau erzählt mir bei meinem Besuch einmal mehr von ihrem leidvollen Leben und mit wie viel Stärke sie es gemeistert hat. Ich lege ihr die Hand auf die Schulter und sage nur: «Ja, das ist ein tiefer Schmerz!» Da 20

bekommt diese harte Frau doch tatsächlich Tränen und erzählt weiter, Dinge, die sie sonst nicht herausbringt. Ich kann ihr zusprechen, dass Gott ihr jetzt nochmals eine besondere Zeit schenkt, und bete für sie. Seither begegnet mir diese Nachbarin offener. Ein derartiger Schritt auf einen solchen Menschen zu wäre vor meinem eigenen Zerbruch nicht möglich gewesen. Du leitest auch eine Krabbelgruppe hier im Quartier. Erlebst du dort Ähnliches? Ich arbeitete früher in der Kindertagesstätte im Quartier. Dort mussten wir religiös neutral sein. Doch ich hatte immer den Wunsch, den Kindern etwas von Jesus weiterzugeben. Jetzt sind meine eigenen Kinder in diesem Alter. Ich habe darum junge Familien aus unserer Gemeinschaft zu einer Spielgruppe eingeladen. Neben Singen, Spielen und Basteln gibt es jedes Mal auch eine Geschichte mit biblischem Bezug. Auf diesem Grundstock an Teilnehmern habe ich begonnen, andere Mütter aus dem Quartier einzuladen. Sie kommen, wie das hier üblich ist, sehr unverbindlich dazu. Aber da gab es auch eine Frau, mit der ich auf dem Spielplatz ins Gespräch gekommen war. Sie erzählte mir neben anderen Dingen von ihren Rückenschmerzen, worauf ich ihr anbot, dafür zu beten. Anschliessend lud ich sie zur Krabbelgruppe ein. Heute ist sie voll dabei. Unsere Stube ist mittlerweile zu klein, und ich konnte im Quartier Räumlichkeiten mieten. Wir reagieren die anderen Menschen im Quartier auf eure Gemeinschaft und auf euren Glauben? Mittlerweile kennen uns viele im Quartier und wissen um unseren Glauben. Einmal hat jemand aus unserer Gemeinschaft, die sehr gut Beziehungen knüpfen kann, einen Beautyabend organisiert und Frauen eingeladen. Wir haben die Gäste

massiert, ihnen die Füsse gewaschen und auch einen kleinen Input, ein Lied und einen Tanz vorgetragen. Die Teilnehmerinnen kommen aus sehr schwierigen Verhältnissen und haben so etwas zum ersten Mal erlebt. Das Vertrauen wächst, und wenn sie heute wieder einmal im Schlamassel sitzen, kommen sie zu uns und fragen um Rat. Wirklich für Jesus entschieden haben sich etwa drei Leute. Einige weitere haben sich nach einer ersten Entscheidung wieder abgekehrt. Bei Muslimen braucht es eine übernatürliche Begegnung mit Jesus, damit sie sich öffnen. Aber so eine übernatürliche Begegnung mit Gott braucht ja jeder Mensch, weil es ja der Geist Gottes ist, der uns die Augen für Jesus öffnet. Verlierst du nicht manchmal die Motivation, wenn sich die sichtbaren Erfolge nicht so dramatisch einstellen? Aus unserer anfänglichen Perspektive von drei Jahren sind mittlerweile sieben geworden. Aber ob es noch zehn oder zwanzig Jahre braucht: Wir bleiben. Mein Mann hat mit dem anderen Mann unserer Gemeinschaft Gartenkultur GmbH, eine Gartenbaufirma, gegründet. Sie dient unserem Unterhalt. Obendrein können dort Jugendliche eine Lehre machen, und wir ermöglichen so beispielsweise auch kurdischen Mitarbeitern eine Erwerbstätigkeit. Der Glaube findet im Alltag statt; die Mitarbeiter können in der Gärtnerei Gott erleben. Im Übrigen bin ich nicht mehr so abhängig davon, was hier gerade sichtbar ist. Meine Liebe und Begeisterung für Jesus sind so gross, und die Beziehung zu den Menschen hier ist in sich selbst kostbar. Ich weiss, dass es im Himmel den Willen Gottes für sie gibt. Und ich versuche einfach aus diesem Blickwinkel heraus zu leben.

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Sbeziehungsweise A B I N E Offene Herzen öffnen Türen Es war vor sechs Jahren, anlässlich eines Weiterbildungsurlaubes in den USA. Während wir Eltern einen Kurs über Ehe und Familie belegten, fanden unsere Kinder Unterschlupf bei einer typisch amerikanischen Familie: Riesiges Haus, riesiger Garten, riesiges Herz für vier eigene und zwei Adoptivkinder und für wer sonst noch grad einen Platz brauchte. Die Eltern dieser Familie haben uns mit ihrer Offenheit, Freundlichkeit und ihrem Glauben tief beeindruckt. In etlichen Gesprächen erzählten sie von ihrer Überzeugung, es sei ein klarer Auftrag von Jesus, dass seine Nachfolger sich um die Witwen und Waisen kümmerten. Dabei betonten sie immer wieder, es gehe nicht darum, dass alle, so wie sie, Kinder adoptierten, aber es dürfe der Gemeinde nicht gleichgültig sein, wenn Kinder ohne Zuhause aufwachsen müssten. Zurück in der Schweiz, hat uns diese Begegnung nachhaltig beschäftigt. Wir sind nicht die ausgesprochenen Kindertypen,

F Ü R B R I N G E R die nichts lieber als Betrieb haben. Und trotzdem war da in meinem Herzen die Bereitschaft, Gott gegenüber gehorsam zu sein und seine Leidenschaft für die Waisen zu teilen. Falls er niemanden sonst finden würde, wäre auch ich bereit, mein Haus zu öffnen. Aktiv suchen mochte ich die Herausforderung jedoch nicht. Gott nimmt solche offenen Herzenstüren ernst. Aber statt dass es an der Haustür klingelte und jemand ein Kind vorbeibrachte, klingelte das Telefon. Am Apparat war ein entfernter Bekannter, der mittlerweile als Geschäftsführer einer Stiftung arbeitete. Diese ermöglicht unter ihrem Dach christlichen Grossfamilien eine professionelle sozialpädagogische Arbeit. Er fragte mich, ob ich bereit sei, als Stiftungsrätin Verantwortung zu übernehmen, damit Kinder, meist Sozialwaisen, ein Zuhause bekommen könnten. Ich musste nicht lange überlegen. Innerlich war ich vorbereitet. Seit bald sechs Jahren arbeite ich nun im Hintergrund dieser Stiftung mit. Ich kann mich auf die Dinge kon-

• Sabine Fürbringer ist Psychologin sowie Familienfrau und arbeitet bei Campus für Christus als Referentin, Autorin und Beraterin.

zentrieren, die meinen Begabungen entsprechen, damit die Familien bestmöglich funktionieren und all die uns anvertrauten Kinder eine liebvolle Betreuung und ein Zuhause finden. Ich bin Gott dankbar, dass er mich mit einbezieht in seine Mission in dieser Welt. Und dass ich mich meinen Gaben entsprechend einsetzen darf. Ich will mir das offene Herz Gott gegenüber bewahren, damit er auch in Zukunft seine Anliegen bei mir deponieren kann. Und ein offenes Herz kann durchaus einmal zu einer offenen Tür führen, auch in meinem eigenen Haus.

AFilmtipp NDY SCHINDLER-WALCH Ein Sommer auf dem Lande Frankreich, am Ufer eine Moorlandschaft in den 1930er-Jahren: Hierher kommt Garris (Jacques Gamblin), der den Tod in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs gesehen hat. Eigentlich wollte er nach einer gewissen Zeit wieder weiterziehen, doch noch bleibt er, um sich um seinen Freund Riton (Jacques Villeret) zu kümmern. Der versucht als Ehemann und Vater von drei Kindern seiner Rolle gerecht zu werden. Garris und Riton sind nicht reich und leben in einfachen Holzhütten. Doch sie sind glücklich. Die beiden singen für die Menschen, verkaufen Frösche und Schnecken auf dem örtlichen Markt und übernehmen Gartenarbeiten, um etwas Geld zu verdienen. cz 4|10

Damit werden die beiden Tagelöhner nicht reich, doch es reicht, um zu essen und bei einem Glas Wein mit Freunden zu diskutieren. Mit ihrer Art und ihrer Gastfreundlichkeit ziehen sie die Menschen an. Denn sie verstehen etwas, was viel wertvoller ist als Macht, Besitz und Geld, nämlich die Kunst, das Leben zu geniessen und für die Menschen in ihrem Umfeld da zu sein. Was für die beiden zählt, ist der kostbare Augenblick, das Hier und Jetzt. «Ein Sommer auf dem Lande», nach dem Roman von Georges Montforez, ist eine Ode an das einfache Leben und die Gastfreundschaft. Es ist ein Film, der episodenhaft den Alltag dieser beiden Männer zeigt, denen es gelingt, das Leben anzunehmen, wie es ist. 21

• Andy Schindler-Walch, Filmspezialist und Redaktor bei einer Lokalzeitung.

«Ein Sommer auf dem Lande», (Frankreich/ 1999, 110 Minuten) ist im Internet, z.B.bei amazon.de, als DVD erhältlich.


gastfreundschaft | «das christenhaus im ghetto …»

aus» h n e t s i r h G e t to C r e n r « e B s m i a D Stalder: «Es ist leicht,

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«Berner Getto». So nennt «Der Bund» das Untermattquartier in BernBethlehem. Über sechzig Prozent der Bewohner sind Ausländer. Viele sind arbeitslos. Das Gewaltpotenzial unter den Jugendlichen ist gross und Hoffnung rar. Genau deshalb wohnen und arbeiten Kobi und Maja Stalder seit acht Jahren hier. Mit ihrer Lebensgemeinschaft sind sie Licht und Salz im Quartier.

Sabine Fürbringer Maja und Kobi, warum habt ihr nicht ein gediegeneres Zuhause gewählt? Kobi: Nach sechzehn Jahren im Ausland, zuletzt in Ankara, kamen wir wegen der Schulsituation unserer Kinder zurück in die Schweiz. Wir fragten beim Evangelischen Gemeinschaftswerk (EGW) an, ob wir eine Pastorenstelle irgendwo in einer Berner Landgemeinde antreten könnten. Nach all den Jahren in Metropolen sehnten wir uns nach ein bisschen Idylle. Das EGW bot uns die Arbeit hier an der Looslistrasse an, mit der Idee, eine Ausländerarbeit anzufangen. Es war eigentlich logisch, dass wir aus dem Ausland direkt in ein Ausländerquartier zogen. Nach und nach entstand eine Lebensgemeinschaft im werkeigenen Wohnblock. Maja: Unser Grundanliegen war schon im Ausland und jetzt auch hier dasselbe: Menschen sollen Jesus kennenlernen. Die Leute haben viele Probleme, angefangen bei der Gesundheit über Streitigkeiten, Arbeit, Alkohol, Geldspiele bis zu Gewalt. Weil wir Türkisch 22

sprechen, haben wir einen sehr guten Zugang zu den Kurden. Es ist so einfach mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen. Wenn du sie als Schweizer nur schon grüsst oder mal hilfst, eine Tasche heimzutragen, gehen die Türen auf. Es ist viel einfacher, mit Ausländern in Kontakt zu kommen als mit Schweizern. Heute habt ihr als Gemeinschaft verschiedenste Angebote, von gemeinsamen Essen über Deutschunterricht, Hilfe im Umgang mit Behörden und bei der Lehrstellensuche bis zu KidsPartys. Wie ist das alles gewachsen? Kobi: Als wir hierherzogen, war da noch gar nichts. Wir begannen mit Beten und dem Grüssen der Leute. Weil die Menschen arm waren, haben wir in verschiedenen christlichen Gemeinden Kleider gesammelt und vor unserer Garage ausgelegt. So kamen die Ersten bei uns vorbei. Maja: Zwei Frauen fragten mich dann, ob ich ihnen im Deutsch helfen könne. Daraus entstand eine erste Deutschklasse, die wir grad doppelt führten, in verschiedenen Niveaus. Heute haben

wir durchschnittlich fünfzig Schüler in unseren Kursen. Die Nachbarn kommen mittlerweile bei uns vorbei, wenn sie Hilfe brauchen. Wir sind bekannt als das «Christenhaus». Kobi: Zunächst ist es eine Dienstleistung, die wir anbieten. Aber es ist auch eine Schnittstelle, wir lernen Menschen kennen, und bei einzelnen merken wir, dass wir eine tiefere Beziehung aufbauen können. Es entstehen echte Freundschaften. Worüber redet ihr denn so miteinander? Maja: Mit denen, die im Deutsch fortgeschritten sind, kann man über vieles reden: Fragen zu Alltäglichem, aber auch Fragen zum Glauben. Da gibt es ein echtes Interesse an solchen Themen. Wir haben die Menschen gern, sind echte Freunde. Kobi: Gerade mit den kurdischen Freunden ist es ganz unkompliziert. Wir können immer vorbeikommen bei ihnen, und wenn sie eine Hochzeit feiern, bringen wir einfach noch jemanden mit. Sie haben einen starken Clanzusammenhalt und sind sehr offen. cz 4|10

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zeugung gekommen, dass wir als Christen solche Gemeinschaften brauchen. Es ist nicht eine grosse Menge Salz nötig, aber es muss direkt bei den Menschen sein, damit es wirkt. Ich finde es viel einfacher, als kleine Gruppe in einer Nachbarschaft präsent zu sein. Es gibt Leute, die von uns hören und hierherziehen, weil sie eine Vision haben und mitarbeiten wollen. So kam zum Beispiel eine Krankenschwester dazu, die ihr Arbeitspensum auf 80 Prozent reduziert hat, um mitarbeiten zu können. Oder ein pensionierter Mann kommt uns unterstützen, wenn wir ihn brauchen. Maja: Es gibt aber auch solche, die hierherziehen, und erst mit der Zeit wächst die Vision in ihnen. Wenn du hier wohnst, erlebst du die Kinder im Quartier, und daraus entsteht das Bedürfnis, etwas für sie zu tun. Etwa sechs Leute helfen so bei der Kids-

Party mit, es gibt auch ein Team für die Arbeit unter Jugendlichen. Diese Dienste lassen sich mit dem normalen Arbeitsalltag verbinden, am Samstag oder zu Randzeiten. Ihr seid fleissig am Säen und Dienen in eurer Umgebung. Wo seht ihr, dass der Glaube wächst und Frucht entsteht? Kobi: Da gibt es ein afghanisches Paar, dem wir beim Bibellesen helfen und dem Gott auch schon auf Gebet hin Heilung geschenkt hat. Oder eine Familie, denen Jesus im Traum begegnet ist. Aber die grossen Erweckungen wie zum Beispiel in Indien haben wir nicht vorzuweisen. Wir müssen der Entmutigung, die manchmal aufkommen will, widerstehen. Ich glaube aber, dass wir gerade bei Muslimen in Generationen denken müssen. Durch ihre religiöse Erziehung haben sie viele Vorurteile. 23


gastfreundschaft | das wort des missionsleiters

Spital und Reha als Orte der Freundschaft Das Wort des Missionsleiters ie

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Kürzlich musste ich wegen einer durch einen Zeckenbiss ausgelösten Hirnhautentzündung eine Woche im Spital und zwei Wochen in der Rehaklinik verbringen. Für mich wurden das Orte, an denen ich echte Freundschaft erlebte. Hanspeter Nüesch Nicht nur kümmerten sich die Pflegenden liebevoll um mich, sondern auch die Mitpatienten begegneten mir in Freundschaft. Ein junger Mann, der im gleichen Viererzimmer war wie ich und dem es nach seiner Alkoholvergiftung bereits nach wenigen Tagen wieder besser ging, erklärte den Neuankommenden liebevoll all die kleinen Spitalgeheimnisse. Er half praktisch, wenn man zum Beispiel mit all den Drähten und Kabeln nicht zurechtkam. Noch ausgeprägter zu einem Ort der Freundschaft wurde für mich die Rehaklinik. In meinem Zustand der Schwachheit waren kleine Liebenswürdigkeiten cz 4|10

sehr wichtig und kostbar, sei das ein freundliches Wort, eine Handreichung, ein liebevolles Nachfragen, ein positiver Wunsch, eine kleine Aufmerksamkeit, ein kurzes Gebet. Ich habe einige neue Freunde gewonnen. Ich glaube ihnen, als sie beim Abschied sagten, sie wollten unbedingt in Kontakt bleiben. Spital und Rehaklinik wurden für mich aber auch zu Orten von gelebter Freundschaft durch die Besuche und Telefonate, die ich erhielt. Weil ich krankheitshalber nicht zum Murtener Leitergebet einladen konnte, übernahmen das andere. So wussten viele geistliche Leiter in unserem Land Bescheid über meine Erkrankung. Ihre Reaktionen waren für mich etwas

vom Wertvollsten: Ich spürte echte Anteilnahme, sei es, dass sie mutmachende Worte schrieben, für mich zu beten versprachen oder mich gar besuchen kamen. Ein Denominationsleiter wollte mir sogar einen iPod mit Worshipmusik schenken. Interessanterweise nahmen viele Personen besonderen Anteil, die selbst einmal eine schwierige Zeit durchzustehen hatten. Sie wussten aus eigener Erfahrung, wie wertvoll in solchen Zeiten Zeichen der Aufmerksamkeit und Zuneigung sind. Ich habe erlebt, was es heisst: «Ich war krank, und ihr habt mich besucht» (Matthäus 25,36). Ich habe oft empfunden, mit den lieben Besuchern sei Jesus selbst gekommen. Die drei Wochen im Spital und in der Rehaklinik haben mir gezeigt: Orte der Freundschaft können überall entstehen, sofern wir mit offenen Augen und segnend durch die Welt gehen. 25


gastfreundschaft | an der bar zum leben finden

An der Bar zum Leben finden

ERLEBT

Die HeilBAR in Brugg – eine Gemeinschaft an den «Toren der Stadt» Am Tresen stehen und einen Drink geniessen oder am kleinen runden Tisch einen Cappuccino schlürfen und jemanden haben, der mir zuhört. Jemanden, der sich Zeit nimmt, weil ich da bin und erzählen will. Mitten in Brugg gibt‘s das und noch mehr: Wer sich hier den Leuten der HeilBAR anvertraut, geht anders weg, als er gekommen ist. • Das HeilBAR-Kernteam mit Thomas Neukomm, Verena Hunziker, Katharina Bär, Felicita Rüedi, Hans Keller.

Tom Sommer

Eine Vision nimmt Gestalt an

Dem Autor ist es wie schon vielen ergangen: Der gemütliche Raum der HeilBAR im Hotel «Rotes Haus» in Brugg oder der virtuelle Raum von www.HeilBAR.ch wurde zum Ausgangspunkt echter Lebensveränderungen. Die Mitarbeitenden der HeilBAR haben nicht nur ein offenes Ohr und Zeit für Gespräche, wenn ihnen Menschen ihre Nöte erzählen, sondern bieten in Seminaren auch praktische Lebensbewältigung an. Im vergangenen Frühling habe ich selber ein Finanzseminar besucht und realisiert, wie viel dieses Thema mit Lebensqualität zu tun hat – mehr, als mir bewusst war. Dabei lernte ich auch Philippe kennen, einen Mann, der sich erst ein paar Tage zuvor für ein Leben mit Gott entschieden hatte. «Was, der besucht schon jetzt ein solches Seminar?», dachte ich. Sein Zeugnis Monate später (siehe Kasten S. 27) zeigt mir heute, dass hier wirklich ein Ort ist, an dem Gott seine Verheissung wahr macht: Trauer und Leid zu be­ enden und Menschen in Freiheit zu führen. Diese berühmten Verse aus Jesaja 61 standen auch ganz am Anfang der Vision für die HeilBAR.

www.HeilBAR.ch war als Websiteadresse schon lange von jemand anderem reserviert worden, als sich 2008 das heutige Kernteam der HeilBAR-Gemeinschaft zu formieren begann. «Ich setzte mich mit jenem Mann in Verbindung und schilderte ihm unsere Vision», erzählt Hans Keller, Gesamtleiter der HeilBAR. Dem anderen sei schnell klar geworden, dass er den Namen abtreten sollte. «Er freute sich», so Hans Keller, «dass wir ein ganzheitliches Verständnis von Heilung hatten und das so konkret und zentral mit einem Barbetrieb umsetzen wollten.» HeilBAR ist somit Name und Programm zugleich. Es geht um das Heil, das in Jesus Christus erfahren werden kann, es geht um Heiligung im Lebensstil und um Heilung an Leib und Seele. Alle Bereiche seien heilbar, erklärt mir das fünfköpfige Kernteam. Und die Leute meinen das ernst und sehr konkret, wie ich beim Interviewtermin erfahre: Kurzfristig hatte sich im Team ein Problem als Konflikt entpuppt, und ich musste mich nach der Begrüssung gleich wieder verabschieden, um erst nach interner Klärung das Gespräch führen zu können. Eine Ehrlichkeit, die mich verblüffte, aber

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Vertrauen weckte und letztlich einladend wirkte. Bildlich gesprochen sollte die HeilBAR funktionieren wie eine Arztpraxis, vernehme ich im Gespräch. Die Bar sei das Wartezimmer, einfach etwas schöner eingerichtet und mit feinen Häppchen im Angebot. Ebenso gebe es einen «Röntgenraum» – der zugehörige Gebetsraum, in dem das Team dafür betet, dass Gottes Dimension in allen Belangen spürbar werde. Denn man wolle die Besucherinnen und Besucher in einer Weise ansprechen und ihnen dienen, dass Veränderung geschehe. «Wir sehnen uns danach», erläutert Felicita Rüedi vom Team, «dass die Leute hier etwas von der Freundlichkeit und Herrlichkeit Gottes spüren. Aber sie dürfen auch einfach nur etwas trinken und wieder gehen.»

Ganzheitlich dienen Schon einige Zeit vor der Gründung der HeilBAR bewegte die Mitglieder des Kernteams die Frage, was denn für sie persönlich «ganzheitliches Dienen» bedeute. Für Verena Hunziker war klar, dass es nicht einfach um einen Heilungsdienst für körperliche Leiden gehen dürfe; geistliche und seelische cz 4|10

Gesundheit seien genauso wichtig. Thomas Neukomm wollte nach seinem langjährigen Dienst als Gemeindepfarrer vermehrt solchen Menschen dienen, die ernsthaft eine Veränderung im Leben suchen und im Glauben mündig werden wollen. Hans Keller betont, wie wichtig die geistliche Grundlage sei, um Menschen im Bereich der Heilung überhaupt wirkungsvoll dienen zu können. Das beginne im Team selbst. Dabei gehe es nicht primär um die richtige Strategie, sondern um transparente Beziehungen untereinander: «Wir haben schon viele Schleifprozesse erlebt, haben miteinander geweint und gekämpft. Als Team teilen wir heute unser Leben, Freudiges und Schmerzvolles.» Ohne solche Einheit könne kein fruchtbarer Dienst wachsen. Deshalb versteht sich das ganze HeilBAR-Team nicht primär als Dienstgemeinschaft, sondern als eine Gemeinschaft von Menschen, die ihr Herz miteinander teilen. «Daraus entsteht Frucht», sagt Hans Keller, «sei es als Offenbarung und Autorität in seelsorgerlichen Gesprächen, sei es in Form von veränderten Menschen oder indem wir neue Themen, die dran sind, zum Beispiel in Seminaren weitervermitteln.» cz 4|10

Philippe Desaules: «Hatte die Schnauze voll»

Die Besucherinnen und Besucher der HeilBAR «Die Bibel kannte ich nur dem Namen nach. So konnte sie mir auch nicht dienen, als ich mich vergangenen Winter in einem tiefen emotionalen Loch befand. Die Arbeitslosigkeit bedrückte mich sehr, und überhaupt war ich schon lange auf der Suche nach echtem Leben. Esoterik, Homöopathie und solche Dinge brachten es einfach nicht. Nun hatte ich wirklich ‹die Schnauze voll› und war dabei, aufzugeben. Jemand erwähnte dann einmal die HeilBAR in Brugg und sagte, ich solle doch mal dort vorbeischauen. Das tat ich und fand gleich zwei geduldige und verständnisvolle Zuhörer. Die haben mit mir gebetet und dabei Formulierungen gewählt, die ich irgendwie tief aufnehmen konnte, sodass ich innerlich gelöst wurde. Und so habe ich mich auf der Stelle entschieden, mit Gott zu leben und diesen Weg weiterzuverfolgen. Im Finanzkurs kurz darauf fühlte ich mich stark herausgefordert, aber es zog mich vorwärts, sodass ich heute wieder Freude am Leben und sogar eine Arbeitsstelle habe. So bin ich am Lernen, Gott echt zu vertrauen.»

Die HeilBAR ist jeweils von Donnerstag bis Samstag von 15 bis 23 Uhr geöffnet – reichlich Gelegenheit, sich zu wärmen, zu stärken oder ein Gespräch zu suchen. Solche Gespräche sind oft der Auftakt, weitere Gespräche zu vereinbaren, die dann in den eigens dafür vorgesehenen Räumlichkeiten stattfinden. Menschen seien hier schon aufgetaucht, die gar nicht nach der HeilBAR gesucht hätten, erzählt Katharina Bär. Menschen, die beim Vorbeigehen innerlich wie angehalten worden seien einzutreten. Gerade letzthin sei eine Person geradewegs aus der psychiatrischen Klinik hierhergesteuert. Jemand anders hatte schon einmal etwas von der HeilBAR gehört und erinnerte sich während der Einfahrt seines Zuges in den Bahnhof Brugg wieder daran. Der Mann stieg spontan aus, fand die HeilBAR, in einem Gespräch auch den Zugang zu Gott – und fuhr mit dem nächsten Zug weiter. Das HeilBAR-Team sehe sich geführt, so erläutert Hans Keller, dass während der Öffnungszeiten der Bar wirklich konsequent das Team im Hintergrund 27


gastfreundschaft | kolumne

ERLEBT

• Blick von der Strasse durch die Eingangstüre der HeilBAR.

• Am Eröffnungsfest der HeilBAR.

bete und so ein Getragensein entstehe, das ihnen auch dann Mut mache, wenn einmal wenig Besuch da sei. Zur Verfügung zu stehen und Zeit zu haben für suchende Menschen gehöre zur Berufung der HeilBAR.

zusammengehört und zusammenhängt. Andererseits erwarten wir, dass der Strom jener Menschen zunimmt, die in der HeilBAR Gott finden und lernen, geheilt und befreit auf eigenen Füssen zu stehen.» Die Frage bewegt das Team auch, wie weit man nicht nur auf Besuchende warten, sondern auch auf die Strassen und Plätze treten solle, um Menschen anzusprechen. «Vielleicht kommt eine Zeit», meint Thomas Neukomm, «in der wir Menschen vorübergehend in die HeilBAR-Gemeinschaft aufnehmen und ihnen Herberge bieten können.» Viele Ratsuchende seien von Beziehungsschäden geprägt und hätten, um die Erinnerung an schwere Lebenserfahrungen erträglich zu machen, ungute innere Abmachungen und Lebensmuster entwickelt, die es zu erkennen und zu ersetzen gelte. «Das kann nicht einfach ambulant behandelt werden, sondern braucht Zeit», sagt Thomas Neukomm. Aber, da ist sich das Team einig: Die HeilBAR will alles dafür tun, dass Menschen sich nicht mit ihren Problemen arrangieren, sondern Mut, Kraft und Hilfe finden, um den ganzen Weg zu ganzer Wiederherstellung zu gehen.

Die HeilBAR in Bewegung Trotz vieler wunderbarer Geschichten, wie Menschen geistlich, seelisch oder körperlich Heilung erfahren haben, macht sich das Team immer wieder grundlegende Gedanken, wie Gott die Sache weiterentwickeln möchte. Einerseits wolle man, sagt Hans Keller, die Basis von Gottes Wort zum Thema Heilung in der Bibel so tief wie möglich ausloten, um nichts von seiner ganzheitlichen Dimension zu verpassen. Es beeindrucke ihn, wie im Neuen Testament (zum Beispiel in Matthäus 8,17; Matthäus 9,22; Römer 5,9) dasselbe Wort – sozo – verwendet werde für Retten von Sünde und Heilen von Krankheiten und Gebrechen – in Entsprechung zum Urtext in Jesaja 53. All das habe Jesus Christus am Kreuz vollbracht und für die Menschen bereitgestellt. «Wir wollen unbedingt erforschen und erfahren, wie das alles 28

• Die HeilBAR-Gemeinschaft – eine wichtige Stütze zum Betrieb der HeilBAR.

Claire Höltschi: «Aus der Finanzkrise gefunden»

«Mitten in einer Krise, in die mein Mann René und ich durch das Aufdecken einer hohen Verschuldung geraten waren, kamen wir vor gut einem Jahr in Kontakt mit Christen. Das führte uns im Herbst 2009 in ein Finanzseminar der HeilBAR. Daraus ergaben sich seelsorgerliche Gespräche, sodass wir schliesslich Jesus Christus persönlich kennenlernen durften. Wir lernten als Ehepaar miteinander zu beten, in unseren Geldsorgen ganz auf Gott zu setzen und seine Kraft, Liebe und Fürsorge zu erwarten. Indem wir beide im Gebet Jesus jeden Tag neu in den Mittelpunkt unseres Lebens stellten, erlebten wir auch immer klarer die Führung durch den Heiligen Geist. Schliesslich hat uns ein Jüngerschaftskurs geholfen, geistlich zu wachsen. Für uns ist es ein grosser Segen, zu spüren, wie wir als Ehepaar immer mehr zusammengeschweisst werden. Wie es derzeit aussieht, wird unsere Verschuldung mehr als zwei Jahre früher, als der Schuldenberater berechnet hatte, beendet sein. So wollen und können wir ab Januar 2011 voll Freude selbst ins Reich Gottes investieren. Halleluja!» cz 4|10

AN eNw DG eRn eEr aAt i oSn B O P P A R T My home is my castle

Mein Heim ist meine Burg. Ich bin eben Schweizer. Angehöriger eines streitbaren Volkes. Und der Helvetia gleich guck ich, dass in meine Burg auch sicher niemand reinkommt, der da nicht hingehört. Deshalb pflege ich auch fleissig die Gartenzaunmentalität: Man liebt seine Nächsten. Aber nur, wenn da noch ein Gartenzaun dazwischen steht. Gartenzäune sind ja nur die leicht dezentere Variante der früheren Burggräben. Dennoch ist natürlich jeder zu jeder Zeit willkommen. – Ah nein, diesen Satz streichen wir wieder. Irgendwelche Leserinnen und Leser dieser Zeitschrift könnten das austesten und um vier Uhr nachts an der Haustüre klingeln. So hab ich’s nicht gemeint, sondern: Jeder ist so ziemlich zu jeder vernünftigen Tageszeit willkommen. – Aber auch das stimmt nicht, denn eigentlich habe ich null Bock auf «jeden» und will oft nur ein paar gute Freunde um mich haben. Um genau dem entgegenzuwirken, haben meine Frau Tamara und ich abgemacht, dass wir ein offenes Haus leben möchten, einen

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Ort, an dem Gottes Liebe spürbar wird. Eine echte Herausforderung. Denn das bedingt primär einmal Zeit für andere. Und genau da hapert’s oft. Wie neulich eben. Ich hatte mir einen Tag freigeschaufelt, um eine für den nächsten Tag anstehende Predigt zu schreiben. Ziel war es, den Menschen zu zeigen, wie Christsein im Alltag konkret aussehen könnte. Doch am Morgen ruft mich ein leicht verzweifelter Freund an, da sein Auto nicht mehr anspringt. Eine Stunde später steht ein frustrierter Versicherungsvertreter vor der Tür, dem man von weitem ansieht, dass er wieder mal ein nettes Gespräch nötig hat. Und am Nachmittag klingelt noch die Nachbarstochter, da sie eine Bewerbung abschicken muss und «das mit dem Computer und den Dokumenten» nicht funktioniert. Jedes Mal war ich den Bruchteil einer Sekunde versucht zu sagen, ich hätte keine Zeit für sie. Mir waren der dringende Termin und das Autoproblem meines Freundes egal, genauso wie der Frust des Vertreters und die Arbeitslosigkeit der Nachbarin – für den Bruchteil einer Sekunde zumindest. Mir war bewusst,

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Andreas Boppart ist Eventprediger sowie Autor und leitet den Arbeitszweig Campus Generation Ministry von Campus für Christus.

dass ein Nein mit der Begründung: «Ich kann nicht helfen, weil ich gerade darüber nachdenken muss, was Christsein im Alltag bedeutet» so ziemlich unglaubwürdig klingen würde. Im späteren Nachmittag ging nochmals eine Stunde drauf. Nach der Ordnung in, musste noch Ordnung auf meinem Kopf geschaffen werden. Doch auf dem Coiffeurstuhl geschieht es. Meine Lieblingsfriseuse macht beiläufig ein paar Bemerkungen, und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Haaren: Die von mir verzweifelt gesuchte Predigt habe ich mir gerade selbst, wenn auch leicht widerwillig, vorgelebt. Christsein heisst Zeit haben für Menschen. Ein Haus, das eben so offen ist wie das Ohr. Sodass Freundschaften entstehen und wachsen können.


gastfreundschaft | gottes liebe umsonst

Gottes Liebe umsonst Was haben blitzblanke Igelkäfige, frisch konfigurierte Stereoanlagen und von Blütenstaub befreite Balkone mit praktischem Glauben zu tun? «So bekommt unser Christsein Hand und Fuss», sagt Andreas «Boppi» Boppart, Initiator der Aktion Gratishilfe. 114 Helferinnen und Helfer aus dem Grossraum Chur haben vom 13. bis 25. September 2010 zum zweiten Mal nach 2009 dort geholfen, wo gerade Not am Mann oder an der Frau war.

Jonathan Schmidt «Und wie viel schulde ich Ihnen nun?» – «Gar nichts. Wir machen das gratis. Deshalb heisst unsere Aktion auch Gratishilfe.»

Gratis? – Gratis! Obwohl sie den mit der Zeitung ausgelieferten Aktionsflyer wahrscheinlich wiederholt durchgelesen hat, kann die betagte Frau immer noch nicht glauben, wie ihr gerade geschieht. «Wo ist der Haken?» Diese Frage meint man ihr förmlich vom Gesicht ablesen zu können. Die junge Helferin, die ihr soeben den Balkon geputzt hat, möchte nicht einmal Geld für die Parkuhr. Stattdessen nimmt sie sich nach getaner Arbeit extra noch Zeit, um mit der Rentnerin eine Limonade zu trinken und ihr ein wenig zuzuhören. «Das ist Gratishilfe!», schwärmt Andreas Boppart, Eventprediger und Leiter von «Campus Generation Ministry», auf diese Begebenheit angesprochen.

Der Funke springt über Blenden wir kurz zurück: Spannung liegt in der Luft, als sich im Herbst 2009 in Chur rund 80 Leute verschiedener Gemeinden kurz vor den allerersten Hilfseinsätzen treffen. Ein Werbespot 30

im Radio und verschiedene Zeitungsinserate haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Der Einsatzleiter kommt fast nicht dazu, die Handvoll Aufträge, die vor Beginn der Aktion das Büro erreichten, herunterzulesen – so schnell schiessen die Helferarme in die Höhe. Wenige Augenblicke später sind die ersten Hilfsdienste verteilt. Es wird geklatscht und gelacht, während ein paar Glückliche ihre Auftragskarten entgegennehmen. Noch in diesem Raum wird allen Beteiligten schlagartig bewusst, wie simpel und bestechend zugleich die Aktion ist.

Was macht glücklicher, Hilfe annehmen oder helfen? «Oft ist es schwer, zu sagen, welches Gesicht mehr strahlt: das des Helfers oder das des bzw. der Hilfesuchenden», antwortete Boppi einem Magazin kürzlich auf die altbekannte philosophische Frage. Und tatsächlich, wer es miterlebt hat, der weiss, wovon Boppi als Theologe spricht. «Mit der Aktion Gratishilfe wird Christsein plötzlich ganz praktisch. Indem wir helfen, geben wir Gottes Liebe weiter. Unweigerlich machen wir einen Schritt hinaus aus der Gemeinde, hinein in den ganz gewöhnlichen Alltag von bedürftigen Menschen. Liebe Gottes wird für einmal nicht erzählt, sondern sichtbar und spürbar gemacht

– unabhängig davon, welcher Gemeinde wir angehören.»

Glaube bekommt Hand und Fuss An der freudigen Spannung ganz zu Beginn der ersten Aktion hat sich ein Jahr später nichts geändert. Gleich geblieben sind auch die Grundregeln: dass die Helfenden kein Geld annehmen – auch wenn das viele Hilfeempfänger nur schwer akzeptieren können – und dass die Helfenden nicht evangelisieren. Es gehe weder um eine gross angelegte Werbeaktion noch um ein verstecktes Anwerben für die eigene Gemeinde, sind sich die Helfenden einig. Vielmehr sind sie davon überzeugt, dass sie durch ihre Taten den «Wohlgeruch von Gottes Liebe» in ihrer Umgebung verbreiten können. Sie helfen eben gerade nicht, «damit» sie von Jesus erzählen können, sondern «weil» sie zuerst von Jesus geliebt wurden. Selbstverständlich nehmen die freiwilligen Helfer zum Glauben Stellung, wenn sie danach gefragt werden – und dazu kommt es in den meisten Fällen. Im Zentrum steht jedoch einfach der biblische Auftrag aus Markus 12,29-31, Gott, die Menschen und sich selbst zu lieben.

begeisterte dazu stossen. Die einzige grosse Änderung im Vergleich zum Vorjahr ist, dass sich sowohl Helfer wie Hilfesuchende direkt via Internet melden können. Darüber hinaus wird das Angebot um einen kostenlosen Mittagstisch sowie eine Kinderaufsicht erweitert. Insgesamt leisten 114 Helfende innerhalb von zwei Wochen rund 500 reine Arbeitsstunden. Dabei wird deutlich, dass viele Leute isoliert sind und sich aus unterschiedlichen Gründen nicht trauen, nach Hilfe zu fragen. Genau hier soll die Aktion einen Stein ins Rollen bringen, der laut Boppi durchaus «nationales Ausmass haben darf oder sogar über die Grenzen hinausrollen soll». Wenn das passiert, dann hat die Aktion Gratishilfe ihr Ziel erreicht, nämlich «das Bewusstsein zu fördern, dass Mitmenschen einander gegenseitig sehr viel zu bieten haben. Auch über den Zeitraum der Aktion hinaus.» Hört man sich bei verschiedenen Helferinnen und Helfern um, geschieht genau das: Zwei Frauen erzählen, wie aus einer Hilfeleistung vor einem Jahr eine nette Bekanntschaft entstanden sei. Und ein junger Typ, der einer älteren Frau eine Wand gestrichen hat, schwärmt: «Nach etwa sechs Kaffeepausen und vielen guten Gesprächen

weiss ich: Ab heute hab ich eine zweite Grossmutter!»

Ein Geschenk des Himmels Boppi ist berührt, wenn er an die Leute denkt, die sich teilweise unter Tränen für die Hilfe bedankten und die Aktion als «Geschenk des Himmels» bezeichneten. Und er lächelt, wenn er an die Helfer und Helferinnen denkt, deren Christsein praktisch geworden ist, indem sie helfen konnten. Auf die Frage, was er sich für die Zukunft wünscht, sinniert er: «In fünf Jahren werden sich die Leute in der Schweiz Geschichten von dieser tollen Sache erzählen, bei der wunderbare Menschen kommen und gratis helfen. Sie werden von Verwandten erzählen, denen geholfen wurde, und davon, wie bewegend es sei, selber zu helfen, seit sie auch Teil dieser Aktion sind.»

Ansteckendes Phänomen Die Helfer und Helferinnen rund um Chur machen weiter mit der Aktion Gratishilfe. Wann lassen Sie sich vom Phänomen Gratishilfe anstecken? Sind Sie bereit, Ihre Gartenschuhe umzuschnallen und die Herzen Ihrer Nachbarn mit der Liebe Gottes zu erreichen?

Die Aktion Gratishilfe in Chur Getragen von den Allianzgemeinden wurde die Aktion Gratishilfe bereits zweimal in Chur und Umgebung durchgeführt. Die Aktion fand jeweils im September statt und dauerte zwei Wochen. 2010 standen 114 Helfer und Helferinnen im Einsatz, die zusammen rund 500 reine Arbeitsstunden leisteten. Das Spektrum der Aufträge reichte von Aufräumarbeiten, Einkaufs- und Transportdiensten über Handwerks-, Garten- und Haushaltsarbeiten bis hin zu Spaziergängen sowie Beratungen, beispielsweise in Finanz- oder Computerfragen. Weitere Informationen zur Aktion in Chur unter

www.gratishilfe.info.

Wie starten Sie eine Aktion? 1. Informieren Sie sich auf der Webpage

www.gratis-hilfe.ch. 2. Klären Sie ab, welche weiteren Personen, Kirchenvertreter und Kirchen Ihrer Stadt/Region eine Aktion Gratishilfe mittragen würden. 3. Kontaktieren Sie das Team von Aktion Gratishilfe Schweiz via «Kontakt» auf der Website, wenn Sie eine Aktion durchführen wollen oder spezifische Informationen brauchen. 4. Aktion Gratishilfe Schweiz nimmt mit Ihnen Kontakt auf, um das Vorgehen zu besprechen. Falls die Aktion konkret angepackt wird, findet zusammen mit den Initianten sowie den Vertretern der beteiligten Kirchen ein Kick-off-Meeting statt, damit die Aktion geplant und lanciert werden kann.

• Helferinnen und Helfer der Aktion Gratishilfe 2010 in Chur.

Eine zweite Grossmutter Der Erfolg vom Vorjahr spricht sich herum, weshalb 2010 noch mehr Hilfscz 4|10

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gastfreundschaft | ein leuchtturm sein …

Ein Leuchtturm sein in der Nachbarschaft Wie Gott einen Traum wahrgemacht hat André und Esther Isenschmid aus Bern sind stolze Mitbesitzer eines Mehrfamilienhauses. Sie haben ein offenes Haus für Gäste und bieten zusammen mit einem anderen Ehepaar Plätze für betreutes Wohnen an. Für die Menschen in ihrer Nachbarschaft möchten sie ein Leuchtturm Jesu sein.

Christian Bachmann Der Frühstückstisch in der grosszügigen Wohnung von André und Esther Isenschmid ist bereits gedeckt. Es sieht gemütlich aus. Zu den Köstlichkeiten aus der grossen, offenen Wohnküche zählen Gipfeli, frisches Brot und Birchermüesli. Nach und nach setzen sich die Kinder an den Tisch. Auch eine ältere, psychisch kranke Frau isst zusammen mit der Familie. «Sie braucht einen festen Rahmen und kann nicht mehr selbst für sich sorgen», erklärt mir Esther Isenschmid später, begeisterte Mutter von fünf Kindern im Alter von neun bis siebzehn Jahren.

Ein offenes Haus für Gäste Familie Isenschmid hat ein offenes Haus und liebt es, Gäste einzuladen. Sie pflegt aktiv den Kontakt mit den Mitbewohnern in ihrem Mehrfamilienhaus. André und Esther organisieren regelmässig Jassabende, an denen sich Spielfreudige aus der Nachbarschaft treffen. «Für viele Menschen bedeutet es ein Stück Geborgenheit, sich in ei­ nem vertrauten Umfeld zu begegnen», 34

ist André überzeugt. «Und Gastfreundschaft sollte von Herzen kommen und Freude bereiten», erklärt mir Esther. «Eine Berufung im eigentlichen Sinne gibt es aber nicht dafür.» Man spürt, dass die ausgebildete Pflegefachfrau gerne mit Menschen zusammen ist. Selbst in einer Grossfamilie mit sechs Kindern aufgewachsen, findet sie sehr schnell Zugang zu Menschen. André wuchs allmählich in die Aufgabe als Gastgeber hinein. Er arbeitet mit einem Pensum von 80 Prozent als Wirtschaftsinformatiker bei der Post. Für Isenschmids ist es wichtig, die Privatsphäre zu wahren und sich als Familie auch abzugrenzen. «Unsere Kinder haben für uns die erste Priorität. Sie sind unsere ersten ‹Jünger›, die wir in der Nachfolge von Jesus anleiten wollen! Wir sind ganz normale Menschen und erleben selber immer wieder, dass wir um Entscheidungen ringen und an unsere Grenzen stossen», versichert Esther, und André ergänzt: «Wenn wir etwas Abstand brauchen, fahren wir nach Möglichkeit mit den Kindern in die Berge,

• Die beiden Familien auf dem Balkon mit Blick ins Grüne (von links nach rechts): Etienne Isenschmid (14), Esther Isenschmid, David Isenschmid (hinten, 17), Timothée Isenschmid (vorne, 9), André Isenschmid, Luc Isenschmid (16), Ruth Stalder, Anne Isenschmid (12), Tochter Corinne Stalder, Franz Stalder

wo wir als Familie alleine sind und unseren geschäftigen, teilweise sehr anspruchsvollen Alltag zurücklassen können.»

Eine gemeinsame Vision Das vierstöckige Haus, das Isenschmids an der Schosshaldenstrasse in Bern bewohnen, ist kein gewöhnliches Mehrfamilienhaus – es ist vielmehr Teil ihrer Vision und ein Zeichen von Gottes Führung. Die Wohnungssuche der zweisprachigen Familie, die ursprünglich aus dem Welschland kommt, begann im Frühling 2002. Zur gleichen Zeit waren Franz und Ruth Stalder, die die gleiche Freikirche wie Isenschmids besuchten, auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Stalders hatten in den 1970erJahren eine Wohngemeinschaft zur Rehabilitation von Drogenabhängigen gegründet und sich dort bis zu ihrer Pensionierung investiert. Die Idee, ein gemeinsames Haus zu suchen und dort Raum für Menschen mit psychischen Problemen zu schaffen, liess die beiden Ehepaare nicht mehr los. Im November 2002 brachte Esther in einem Gedicht ihre Vision zu Papier: cz 4|10

Herr, baue du das Haus, wo Jung und Alt zusammenleben, wo Freiheit und Rücksicht den Alltag prägen, wo Trauer und Freude geteilt werden, wo Zusammenleben Bereicherung bedeutet. …

• Isenschmids Mehrfamilienhaus an der Schosshaldenstrasse: «Eigentlich hatten wir etwas Kleineres gesucht, aber Gott hatte offenbar mehr im Sinn.»

«cuisine» gebetet. Auf eine wunderbare Weise erhörte Gott dieses und dazu noch viele andere Gebete. André erzählt: «Wir sahen uns viele Häuser an, doch das passende war einfach nicht dabei. Entweder war der Preis zu hoch, oder wir fanden keinen inneren Frieden darüber. Es war eine lange Gedulds- und Vertrauensprobe!» Doch dann griff Gott ein: An der Schosshaldenstrasse fanden sie, was sie so lange gesucht hatten. Anfang Dezember 2004 zogen die Stalders in ihre frisch renovierte Wohnung ein. Nun stand der gemeinsamen Vision nichts mehr im Wege – es war genug Raum für Menschen da, die einen geschützten Rahmen brauchten.

Die Bibel im Alltag

• Die Vision als Gebet aufgeschrieben.

Wohnungssuche mit Gott In den folgenden Wochen und Monaten erlebten die beiden Familien, wie Gott ihre Vision bestätigte. Anne Isenschmid, heute zwölfjährig, hatte jahrelang für ein grosses Haus mit grosser cz 4|10

«Unsere Vision ist, ein Leuchtturm Jesu zu sein für die Menschen um uns herum», erklärt Esther. «Jemand aus der Nachbarschaft bat uns kürzlich um Gebet und erlebte, wie Gott ganz konkret eingriff und die Situation veränderte. Solche göttlichen Geschenke ermutigen uns!» Isenschmids und Stalders übernehmen eine Art Coaching für die psychisch

kranken Menschen, die sie betreuen. Sie unterstützen diese bei der Tagesplanung, setzen Grenzen und sind bei Fragen und Krisen für sie da. Der Glaube spielt eine zentrale Rolle in ihrem Leben und ganz besonders auch in den Kontakten im Haus und in der Nachbarschaft. Oftmals staunen sie darüber, wie die Bibel, Gottes Wort, ganz konkret in ihren Alltag spricht und sie leitet.

Verbindlichkeit und Freiraum André und Esther träumen von noch mehr solchen Häusern, in denen Menschen näher zusammenrücken, Leben teilen, einander ergänzen, unterstützen und ermutigen. In ihrem Mehrfamilienhaus leben vier Generationen. «Wir sind überzeugt, dass diese Form des Zusammenlebens einem Bedürfnis entspricht – ohne gemeinsame Küche wie in einer typischen Wohngemeinschaft, aber mit Familienanschluss», meint André. «Alleine kann man nie so viel bewirken! Viele, auch gerade alleinstehende Menschen wünschen sich verbindliche Gemeinschaft, einen Ort der Geborgenheit, an dem sie willkommen sind, möchten sich aber doch einen gewissen Freiraum wahren.» 35


gastfreundschaft | die seelsorgerliche bedeutung …

Die seelsorgerliche Bedeutung des Hauses Das Vorbild von Johann Christoph Blumhardt Geistliches Leben ist nicht auf die kirchliche Umgebung beschränkt. Mitten im privaten, häuslichen Rahmen manifestiert sich Gottes Reich. In Bad Boll haben Johann Christoph Blumhardt und seine Familie in diesem Geist zusammengelebt und dabei die Türe weit geöffnet. Ihr Heim wurde so zu einem Ort der Heilung, der Hoffnung und des Lebens für viele.

Sabine Fürbringer Das Haus ist in erster Linie Obdach für seine Bewohner. Es ist der Rahmen, von dem aus sie ihr Leben gestalten können. Es ist Heimat und Ort des Rückzugs, schafft Privatsphäre, bietet Schutz, ermöglicht Grundversorgung und Erholung. All diese Aspekte haben etwas Intimes. Woher kommt nur die Idee, das Haus zu öffnen und fremden Menschen Zugang zu dieser behüteten Welt zu geben?

Jesus hat das Reich Gottes in den Alltag gebracht Jesus selbst hat diesen persönlichen Rahmen des Hauses immer wieder gesucht, wenn er Menschen nahekommen, wenn er ihr Herz berühren, wenn er seine Heilung und Liebe verschenken wollte. Mit ihm kam die himmlische Realität direkt in den irdischen Alltag hinein, in den ganz privaten, echten, bodenständigen Rahmen. So will Jesus bis heute mit uns Menschen in Gemeinschaft leben, in unseren Herzen und Häusern. Da ist der Schritt nicht weit, dass er uns ermutigt, das eigene 36

irdische Haus zu öffnen, damit Suchende Gott darin begegnen. Ein historisches Vorbild in dieser Disziplin des offenen Hauses ist der Pfarrer Johann Christoph Blumhardt. Er hat im Kern das vorgelebt, was Christen bis heute in unterschiedlichen Lebensformen anstreben.

Vom Pfarrhaus ins Bad Wir schreiben das Jahr 1852. Blumhardt zieht mit seiner Familie von Möttlingen, wo er als evangelischer Theologe in der baden-württembergischen Erweckungsbewegung gewirkt hat, nach Bad Boll. Es ist ein grosses Anwesen und soll in den kommenden Jahrzehn­ ten zu einem Zentrum geistlichen Lebens, der Heilung, Seelsorge und Wiederherstellung von Menschen werden. «Jesus ist der Siegesheld», dieses Kirchenlied aus der Feder Blumhardts trägt etwas von der geistlichen Kraft, die von Bad Boll ausging, hinüber in unsere Tage. Schon im Pfarramt in Möttlingen war Blumhardt mit der Auferstehungskraft Jesu in Berührung gekommen, die sich konkret im Leben von Leidenden manifestiert. Die spektakuläre Hei-

• Johann Christoph Blumhardt, 1805-1880

lungsgeschichte der Gottliebin Dittus1, einer jungen Frau aus seiner Gemeinde, war der Anfangspunkt einer Erweckung, in deren Verlauf die Gemeinde immer mehr Zulauf bekam und noch viele andere Menschen ihr Heil und ihre Heilung in Christus fanden. Als Blumhardt nach Bad Boll übersiedelte, sollte sein Leben noch stärker dem seelsorgerlichen Dienst gewidmet sein. Fortan suchten Gäste aus ganz Europa und aus allen sozialen Schichten Gottes Nähe und Wiederherstellung in diesem Haus. Sein Pfarrhaus wäre diesem Andrang nicht gewachsen gewesen. «Damit, dass er von Möttlingen nach Bad Boll zog und aus dem Pfarrer ein Hausvater und Badbesitzer wurde, zog das Reich Gottes mit ihm aus der Kirche in die Welt hinein»2, so umschreibt sein Sohn Sinn und Auswirkung dieses Umzugs.

Offene Privatsphäre Die Gäste des Hauses, manchmal sind es bis zu siebzig am Esstisch, sind cz 4|10

ganz einbezogen in die familiäre At­ mosphäre. Nicht nur sind Blumhardts Frau und Kinder ständig zugegen, auch das Zusammenleben hat einen sehr privaten, unkomplizierten und natürlichen Charakter. Das gemeinsame Essen und Trinken, das Singen, die Gespräche bei Tisch und das Diskutieren geistlicher Fragen tragen wesentlich zum Heilungsprozess der Gäste bei. Blumhardt kann dabei mit seiner kleinen Tochter unbekümmert spielen, im nächsten Moment aus der Bibel vorlesen – und bewegt sich in einer grossen Freiheit dabei. Blumhardt steht nicht allein in dieser Aufgabe, sondern zuallererst sind es seine Frau und seine Kinder und Enkel, die die Aufgabe mittragen und später auch fortführen. Dazu kommen Mitarbeiter, die selbst durch einen seelsorgerlichen Prozess hindurch heil geworden sind und sich gemäss ihren Gaben ebenfalls in die Arbeit stellen. Auch sie fühlen sich der Familie zugehörig und nicht als Bedienstete. Es sind diese Menschen, die dem Haus seine Prägung geben.

nungslosen, das entweder verschlossen ist oder in dem vor lauter Geschäftigkeit ein Durcheinander herrscht, steht dieses Haus den Menschen offen. Die Bewohner machen den Unterschied: Sie haben sich Christus geöffnet und warten und hoffen auf ihn. Der gute Geist im Haus, den Besucher sofort wahrnehmen und in den sie eintauchen, hat nichts mit dem Gebäude an sich, sondern mit der Herzenshaltung der Bewohner zu tun.

guten Geist? - Wo haben Aussenstehende Zugang zu meiner Privatsphäre? Erkennen sie dort die Gegenwart von Christus? In der Beantwortung solcher Fragen liegt ein Schlüssel, der Türen öffnet und Menschen ermöglicht, durch mein Haus hindurch den Eingang in Gottes Reich zu finden.

Erkämpfte Atmosphäre Blumhardt war in den Pfarrjahren in Möttlingen durch eine heftige Zeit des geistlichen Kampfes hindurchgegangen. Diese Erfahrung hat ihn geläutert und in die klare Ausrichtung auf Christus und seine Allmacht gebracht. Die geistige Atmosphäre um ihn herum war gereinigt, wobei es ein immer wieder aufflackernder Kampf war, sie zu erhalten. Bad Boll war insofern auch ein Haus des Gebets. Blumhardt nahm die Nöte seiner Gäste auf sich und ging ins Gebet, wo er mit Gott rang.

Was heisst das heute? Ein Haus der Hoffnung Die Gäste, die gerne kommen, wissen nicht so recht, was es denn wirklich ist, was sie anzieht. Vielleicht die gute Luft oder das Essen, die gemütlichen Stuben oder das Zusammenleben? All diese Dinge bilden letztlich den Rahmen dafür, dass hier Christus erlebbar wird. Es ist ein Haus der Hoffnung, ein Vorort des Reiches Gottes, an dem die Ewigkeit anbricht. Selbst die Gastfreundschaft ist ein Akt der Hoffnung. Die Bewohner lassen sich in ihrem Privatleben stören, nehmen Hilfsbedürftige auf und geben ihnen die Möglichkeit, an ihrem Leben und ihrer Hoffnung teilzuhaben. Der häusliche Rahmen ist nicht etwa der Ausdruck einer Weltflucht oder ein Rückzug aus Resignation. Vielmehr bildet das Leben in diesem Haus ab, was Gottes Absicht für die ganze Welt ist. Im Gegensatz zum Haus des Hoffcz 4|10

Historische Vorbilder wie Blumhardt sind eine grossartige Inspirationsquelle, aber nicht reproduzierbar. Nur schon die räumlichen Voraussetzungen sehen für die meisten von uns ganz anders aus, geschweige denn was familiäre, berufliche, begabungsmässige oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen anbelangt. Folgende Fragen, die Blumhardts Leben aufwirft, können uns aber dennoch in unserer ganz individuellen Lebenssituation einen Schritt weiterführen: - Wie erlebe ich das Ineinandergreifen von geistlichem Leben und alltäglichen Verrichtungen? Kann ich etwas dazu beitragen, dass die zwei Dimensionen einander näherkommen? - Bildet mein Zuhause die Hoffnung auf die Ewigkeit ab? - Welche Atmosphäre herrscht in meinem Daheim? Was fördert einen

• Möttlingen: Pfarrhaus und Kirche. • Das Kurhaus in Bad Boll erwarb Johann Christoph Blumhardt 1852 vom württembergischen König.

• Quelle: OJC-Freundesbrief, Nr. 148, Januar-Februar 1/94 © Offensive Junger Christen e.V., Postfach 1220, DE-64382 Reichelsheim • Weiterführende Literatur: Ising, Dieter: Johann Christoph Blumhardt. Leben und Werk. Vandenhoeck & Ruprecht 2002, im 2009 auch auf englisch erschienen.

1 Siehe Artikel «Jesus ist Sieger», erschienen im Christlichen Zeugnis 1996/3; Download unter www.cfc.ch/christlicheszeugnis.html, Archivsuche 1996. 2 Zitat aus Zuendel, Friedrich: J. Chr. Blumhardt, ein Lebensbild. 1922, S. 274. 37


«Ein Werkzeug in Gottes Hand» Zum hundertsten Todestag von Henry Dunant

• Henry Dunant, 8. Mai 1852 bis 30. Oktober 1910

Henry Dunant hat nicht nur das Rote Kreuz, sondern auch zahlreiche weitere Werke zum Wohl der Menschen gegründet. Er war ein Mensch, der in all seinem Handeln von einem tiefen Christusglauben bewegt war. Hanspeter Nüesch traf ihn 2010 zu einem fiktiven Interview.1

Henry Dunant, dieses Jahr feiern wir Ihren hundertsten Todestag. Wie möchten Sie der Nachwelt in Erinnerung bleiben? Als Jünger Jesu wie im ersten Jahrhundert und sonst nichts. Ich bin mir bewusst, dass ich nur ein Werkzeug in der Hand Gottes gewesen bin. Was hat Sie bewogen, das Rote Kreuz zu gründen? Auf einer Reise nach Italien erlebte ich die furchtbaren Folgen der Schlacht bei Solferino. Überall lagen Verwundete und Sterbende. Ich schloss mich einigen italienischen Frauen an, um den Verwundeten unabhängig von deren Nationalität so gut wie möglich beizustehen. «Tutti fratelli», «Alle sind unsere Brüder», riefen die italienschen Frauen. Ich fragte mich, ob es nicht möglich wäre, freiwillige Hilfsgesellschaften zu gründen, deren Zweck es ist, die Verwundeten in Kriegszeiten durch aufopfernde Freiwillige pflegen zu lassen. Daraufhin haben Sie das Büchlein «Eine Erinnerung an Solferino» geschrieben mit dem Appell, solche Hilfsorganisationen für Kriegsverletzte zu gründen. 38

Ich war wie entrückt, von einer höheren Macht beherrscht und vom Geist Gottes erfüllt. Mich erfüllte das unbestimmte Gefühl, meine Arbeit sei ein Werkzeug seines Willens, um die Vollendung eines heiligen Werkes zu erreichen, das zukünftig für die Menschheit von ungeahnter Bedeutung werden könnte. Das war dann auch der Fall. Kurz nach Erscheinen Ihres Buches wurde 1864 in der sogenannten Genfer Konvention im Beisein vieler Staaten entschieden, neutrale Hilfsgesellschaften zu gründen. Diese sollten in Kriegszeiten die Verwundeten unabhängig von deren Nationalität pflegen. Bald wurde daraus eine internationale Bewegung, der sich immer mehr Länder anschlossen. Kam das alles für Sie überraschend? Liess etwas in Ihrer Jugend darauf schliessen, dass Sie einmal ein weltumspannendes humanitäres Werk gründen würden? Schon früh nahm mich meine Mutter in die Armenviertel von Genf mit. Auf diese Weise lernte ich das Unglück und Elend kennen, das in den dunklen Gassen und Wohnungen herrschte, die eher wie Ställe anmuteten. Damals begriff ich zum ersten Mal, dass ein

Einzelner angesichts von so viel Elend machtlos ist und dass es alle zusammen braucht, um diese furchtbare Not zu beseitigen. Noch vor dem Roten Kreuz hatten Sie 1852 in Genf einen «Christlichen Verein junger Männer» gegründet. Sie waren 1855 im Gründungskomitee des Weltbundes des CVJM in Paris dabei. Sie halfen mit, die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) ins Leben zu rufen und waren 1852 bis 1859 deren erster Sekretär. Auch initiierten Sie in jenen Jahren eine Gesellschaft zur Evangelisierung des Tessins. Woher nahmen Sie die Kraft? Mein Herz glüht, und ich danke Gott für all das, was er in diese Jahren getan hat.

Ich hatte keine Ahnung von Geschäften. Es war ein grosser Fehler, mich damit zu beschäftigen. Ich bekenne es tausendmal und bitte Gott und die Menschen voller Reue und Demut dafür um Verzeihung.

Hatten Sie nie Angst, dass ein Werk nicht gelingen würde? Ich sagte mir immer: Christus wird es in mir wirken und möglich machen, dass es gelingt.

Sie wurden denn auch aufs Härteste geprüft. Niemand wollte mehr mit Ihnen zu tun haben, obwohl Sie doch das Rote Kreuz gegründet hatten. Man ächtete Sie und liess Sie in Ihrer Not allein. Wie ging es Ihnen dabei? Ich hatte grausam zu leiden unter den Folgen meiner Einfalt und meiner Unfähigkeit; umso mehr, als durch mein eigenes Unglück auch andere Personen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ich war plötzlich völlig mittellos und riskierte, dem Hunger zu erliegen. Oft war das Morgenessen meine einzige Mahlzeit. Das Grausamste ist, wenn man als einfacher, aber mit Würde ausgestatteter Mann mitansehen muss, wie die eigene Kleidung in Fetzen geht, ohne sie erneuern lassen zu können.

Allerdings war eine Ihrer geschäftlichen Unternehmungen, das Windmühlenprojekt in Algerien, ein Fiasko und endete im Konkurs. Was war der Grund dafür?

Was hat Ihnen in dieser schweren Zeit geholfen? Ich sagte immer: Gott wird dir das geben, was du benötigst, um deine Pflicht auf Erden zu erfüllen – egal,

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• Oben: Um die Schweiz als Ursprungsland der Idee von neutralen Hilfsgesellschaften für die Pflege von Kriegsverwundeten zu würdigen, wurde als Erkennungszeichen die Schweizer Fahne in umgekehrten Farben ausgewählt. «Das Rote Kreuz» wurde zur offiziellen Bezeichnung der neu gegründeten Organisation. • Die Vision Henry Dunants überwindet weltanschauliche Grenzen: Das Rote Kreuz mit ihrem Schweizer Gründer wird gefeiert in den USA wie in Vietnam, in Indien wie Pakistan, in Süd- wie Nordkorea, ja selbst auf den Salomon-Inseln und in Papua-Neuguinea. Briefmarken aus aller Welt bezeugen die globale Ausbreitung der im Christuskreuz wurzelnden Nächstenliebe.

wo ich mich gerade befinde. Er muss nur an erster Stelle in deinem Herzen sein, denn er ist seinem Versprechen treu. Nein, ich will mich nicht beklagen. Ich will im Gegenteil Gott danken, denn durch diese Trübsal ist mir mein Heiland köstlicher, teurer und gegenwärtiger geworden. Mein einziger Wunsch ist, ihn zu verherrlichen und für ihn leben und sterben zu dürfen. Sie wurden, als Sie die Glaubensgeschwister am meisten gebraucht hätten, von vielen enttäuscht. Wie erklären Sie sich das? Daran ist vor allem der Klerus schuld, der zulässt, dass das Heilige Buch2 mit Staub bedeckt wird. So verwechselt das Volk das Evangelium mit der Kirche und lehnt das eine und das andere ab. Dabei reicht es, lediglich wie ein kleines Kind an das Wort Gottes zu glauben. Der Glaube muss dann aber seine Wirksamkeit in der Liebe beweisen. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.3 Ihre letzten Jahre von 1892 bis 1910 verbrachten Sie im Bezirkskrankenhaus in Heiden im Kanton Appenzell.

Erst durch einen Zeitungsartikel eines Journalisten wurde der Öffentlichkeit bewusst, dass der Gründer des Roten Kreuzes noch lebte. 1901 erhielten sie den ersten Friedensnobelpreis. Sie hatten wirklich ein bewegtes Leben mit vielen Hochs, aber auch einigen Tiefs. Was geben Sie uns als Christen des 21. Jahrhunderts mit auf den Weg? Das Wichtigste ist, dass man in guten wie schlechten Tagen im Glauben und Herzen immer derselbe bleibt. Nur das zählt. Deshalb wacht aus eurer Trägheit auf, aus eurer schuldhaften Gleichgültigkeit, aus euren nichtigen, provinziellen Streitereien, die häufig absolut spitzfindig sind. Es gibt erhebende Stunden auf dem Zifferblatt der Geschichte. Verpasst nicht die Gunst des Augenblicks und dieses günstige Jahr …! Denkt daran: Die Utopie von heute wird häufig schon morgen zur Realität. Wir danken Ihnen, Herr Dunant, für das Interview und speziell auch für Ihre klaren Worte am Schluss, die wir beherzigen wollen.

1 Zusammengestellt von Hanspeter Nüesch aus Originalzitaten Dunants. 2 Gemeint ist die Bibel. 3 Epheser 2,10. 39


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CfC national

Das Alphalive-Kernteam von Wil SG, das die übergemeindliche Zusammenarbeit von über 14 Orten in Wil und Umgebung koordiniert.

Gott erleben

Athletes in Action in Südafrika

Alphalive «plakativ» in Szene setzen | Tom S0mmer

Schweizer Beteiligung am holländischen Projekt «Road2Africa»|

Seit 2004 führt Alphalive Schweiz jährlich im Herbst eine Plakataktion durch. Überall im Land wird an öffentlichen Stellen grossflächig für den AlphaliveKurs geworben. Damit wird der Bekanntheitsgrad der Kurse gesteigert, was die persönlichen Einladungen zum Glaubenskurs unterstützt.

Tom Sommer Zwölf Fussballer, zwei Begleiter und Primo Cirrincione als Schweizer AiA-Leiter nahmen als eines von über zwanzig Einsatzteams zunächst an der Vorbereitungskonferenz in Holland und dann am eigentlichen Einsatz auf der Südhalbkugel teil. Ausgedehnte Worship- und Stillezeiten dienten der inneren Vorbereitung, um so authentisch wie möglich den Menschen in Südafrika begegnen zu können. Geübt wurde besonders das persönliche Glaubenszeugnis – ehrlich und prägnant sollte es erzählt werden können. So hiess es dann vor der langen Reise: «Afrika, wir freuen uns, wir kommen!»

«Für am Glauben interessierte Menschen wird sichtbar, dass hier eine schweizweit grössere Bewegung dahintersteht», sagt Rachel Stoessel, Leiterin des schweizerischen Alphalive-Büros. Mit Erfolg – das Marktforschungsinstitut GfK bestätigt in seiner differenzierten Untersuchung, dass Alphalive als Anbieter eines christlichen Glaubenskurses in den letzten Jahren im Bekanntheitsgrad insgesamt 6 Prozent zugelegt hat (Wiedererkennung Alphalive-Sujet 2007: 7 Prozent, 2009: 10 Prozent, 2010: 13 Prozent).

Ab 2010 ist das Konzept nun erweitert worden. Neu können Kursveranstalter Plakate für die entsprechende Region ganzjährig buchen. Entsprechend ist es möglich, ganzjährig PR zu betreiben, um für die Infoabende und für die Kurse einzuladen. Was vor Jahren also mit der Alphalive-Initiative an jeweils einem bestimmten Herbsttag begann, ist heute ein Jahresanliegen geworden. Dies hat auch dazu geführt, dass sich in einzelnen Regionen mehr und mehr Kirchen und Gemeinden zusammengeschlossen haben, um gemeinsam für den Alphalive-Glaubenkurs zu werben und zusammenzuarbeiten. «Das macht Freude, die auch die Gäste spüren», so Rachel Stoessel, «es schafft Synergien, senkt die Kosten und macht die Christen glaubwürdiger – denn sie setzen sich sichtbar gemeinsam ein.»

Freundschaftlicher Wettkampf zwischen der einheimischen Jugend und den Gästen aus Europa.

Mit dem ganzen Einsatz, der vom 19. Juli bis 18. August dauerte, wollte man vor allem die südafrikanische Arbeit von «Athletes in Action» unterstützen. Die Fussballweltmeisterschaft bot AiA die Gelegenheit, künftig nicht nur Rugbybegeisterte, sondern auch Fussballfreunde zu erreichen. Und das gelang. Natürlich ging es in all den Freundschaftsspielen um Sieg und Niederlage. Aber genauso wichtig waren die persönlichen Zeugnisse und Einladungen im Anschluss an die Einsätze. Unzählige südafrikanische Jugendliche wurden ermutigt, in einer Bibelgruppe mitzumachen und eine persönliche Beziehung mit Gott zu wagen. Viele packten diese Chance und haben heute noch via Facebook Kontakt mit ihren neuen europäischen Freunden.

«Festival della Vita» Evangelistische Umsegelung Siziliens | Tom S0mmer

Mini Schuel – mini Verantwortig

1500 Kilometer weit weg liegt sie, die berühmte Mittelmeerinsel Sizilien. Salvatore Farinato, selbst gebürtiger Sizilianer, hat sich mit Campus per Cristo dafür engagiert, dass sie der Schweiz näher gerückt ist.

«Ergreife das Leben!» | Tom S0mmer In gewohnt poppiger, lustiger und doch tiefsinniger Art präsentiert Art Director und Moderator Mike Zurbrügg «seine» Boys und Girls im zehnminütigen Videoclip. Sie erzählen locker und glaubwürdig von ihrem Engagement in ihren Schülertreffs.

Der Film «Mini Schuel – mini Verantwortig»:

Passender könnte man Schüler von heute nicht abholen und motivieren, in ihrem Schulumfeld den christlichen Glauben zu leben und andere dazu einzuladen. Das klingt zum Beispiel so: «Wir wollen ins Gespräch kommen mit andern Schülern, die Gott noch nicht kennen.» | «Ich will, dass Gott reinkommt in die Schule, wo doch auch viel Trauriges passiert.» | «Was wir schon alles erlebt haben! Wir haben einen extreeeem grossen Schülertreff ...» | «Ich glaube, dass Gott uns hilft und uns Mut gibt, andere für unsere Treffen einzuladen.»

ein Muss für unsere Schülergeneration.

«Schülertreff», in der Schweiz im Jahr 2000 entstanden, ist zurzeit an 68 Schulen in der Schweiz vertreten. Eine Bewegung, die sich inzwischen in vielen Ländern auf der ganzen Welt verbreitet hat, mit Namen wie «Youth Adventure», «EverySchool» oder «Jesus Revolution». Dabei geht es nicht um die Schule an sich, sondern um die jungen Menschen dort, die in Kontakt mit Gott gebracht werden sollen. Der Film hat das Potenzial, Leben zu verändern – an Schulen oder in Teenieclubs, bei jungen Christen oder bei solchen, die mit Gott noch nichts am Hut haben.

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Im Hinblick auf die evangelistische Umsegelung Siziliens im vergangenen August wurde Campus per Cristo von Jugend mit einer Mission gebeten, als Partner in strategischen Fragen und im Knüpfen von Beziehungen auf der ganzen Insel mitzuhelfen. Salvatore Farinato fühlt sich dem «Festival della Vita» sehr verbunden, ging es doch darum, das Evangelium in eine Region zu bringen, in der sowohl die Einwohner als auch die lokalen Gemeinden vor Salvatore Farinato im Hafen von Palermo: grossen Herausforderungen stehen: «Sizilien hat Italiens höchste Jugend«Jeder sizilianische Hafen, der angelaufen wurde, hat etwas geschmeckt von der Botschaft Christi.» selbstmordrate – kein Wunder, sogar für Leute mit einem Hochschulabschluss sind die wirtschaftlichen Aussichten düster.» «Hotel Mama» habe hier Hochkonjunktur, und junge Leute würden so kaum ermutigt, eigene Familien zu gründen. Im Rückblick auf die Kampagne hat sich für Salvatore Farinato der Einsatz gelohnt: «Es ist begeisternd, wenn sich vierzig junge Menschen aus sechzehn Nationen auf eine solche Reise begeben, um rund um die Insel zwölf Städte zu besuchen und den Sizilianerinnen und Sizilianern Gottes Botschaft zu bringen.» Die Seminare und Coachings seien für alle Beteiligten ein Segen gewesen. Nun hoffen die Verantwortlichen, dass die Saat der verteilten Bibeln und Gespräche über Glaubensfragen mit «hungrigen» Menschen gute Frucht bringt. Im Rahmen des «Festivals della Vita» konnte Campus per Cristo den italienischen Projektpartnerinnen und Pastoren zusätzlich wichtige Nachfolgeangebote vorstellen, so zum Beispiel conosceredio.com, Bibeln, DVDs und Glaubenskurse.

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gastfreundschaft | kolumnen

CfC international

FvonRWegen! EDY STAUB Mein Traum von der Geburtsstube

unterwegs – mit dem Ziel, aus eigener Erfahrung die Pilger besser zu verstehen, wenn die Blasen die Füsse plagen oder die Knie nicht mehr mitmachen. Karin hat es den sprichwörtlichen Ärmel ganz reingenommen. «Ich habe Lust bekommen, den ganzen Camino von der Schweiz aus zu laufen.» Es herrsche eine ganz spezielle Atmosphäre. Man habe Zeit, man könne sich vor den eigenen Emotionen und Gefühlen nicht verstecken und müsse sie aushalten. «Zum Beispiel dann, wenn man drei Tage lang nicht duschen konnte und falls doch, dann nur mit kaltem Wasser.»

Das Gefühl, Teil eines grösseren Ganzen zu sein Kerstin Schaupp (28) ist Diplompsychologin aus Nürnberg und seit April 2010 in Deutschland als Volontärin in der Studentenarbeit von Campus für Christus angestellt. Wie Karin hat auch sie an dem für neue Mitarbeitende konzipierten Training teilgenommen und meint: «Es war einfach toll, zu sehen, wie eine saubere Toilette oder ein kostenloser Kaffee die Leute zum Lächeln gebracht hat. Mir hat aber auch die Gemeinschaft mit den anderen Kerstin Schaupp Trainingsteilnehmenden gefallen. Der Austausch mit ihnen brachte mir viel, und ich erfuhr, wie die Studentenbewegung in anderen Ländern funktioniert. Ich bekam das Gefühl, Teil eines grösseren Ganzen zu sein – es gibt nicht nur mich und meine Stadt, meine Uni oder meine ‹Studis›.» Kerstin bekam durch dieses praktische Dienen eine ganz neue Sicht der Evangelisation. Dieser ganzheitliche Ansatz, der den Menschen nicht nur als Objekt sieht, «der Jesus braucht und möglichst schnell gerettet werden sollte», sondern als Menschen, um ihm in erster Linie etwas Gutes zu tun, war für sie eine ganz neue Erfahrung.

Zahlen zur Herberge Die Herberge wird von Agape Spanien und Freiwilligen aus anderen Kirchen, Praktikanten bei Campus für Christus aus verschiedenen Ländern und Schlüsselstudierenden betrieben und ist von Mai bis Ende September offen. Total können pro Nacht 20 Pilger übernachten. Seit 1999:

9387 Übernachtungen 251 800 verteilte Broschüren mit Pilgerpsalmen, Videos, Audios, dazu unzählige Kaffees, Wasser, Lächeln ... 1151 Freiwillige, die den Pilgern dienten

Fructu und Ibana Muñoz träumen davon, eine weitere Herberge, am liebsten am Beginn des Caminos, zu eröffnen. Sie brauchen aber dazu und auch generell unserer Gebete, freiwillig Mitarbeitende sowie die finanziellen Mittel.

Nachdem wir mehr und mehr erlebt haben, wie schwierig es ist, im gleichen Beziehungsnetz permanent neue Menschen mit Christus vertraut zu machen und zu einem Engagement in der Kirchgemeinde zu motivieren, haben meine Frau und ich entschieden, frisch von vorne zu beginnen: Menschen mit ganz anderer Auffassung, als wir sie haben, an unseren Esstisch einzuladen. Mit ihnen trinken, essen, lachen und auch weinen, vor allem aber uns über die starke Bedeutung der einzigartigen Person von Jesus Christus unterhalten und uns gemeinsam öffnen, um ihn zu erleben – dies sind unvergessliche Momente an unserem Stubentisch. Als ich eines Morgens aus dem Schlaf erwachte, erzählte ich meiner Frau freudig von meinem Traum: Der Pfarrerssohn und abtretende SP-Bundesrat Moritz Leuenberger sass an unserem Esstisch. Mit ihm führten wir ein äusserst eindruckvolles Gespräch über die Bedeutung von Jesus Christus in unserem Land und in der heutigen Zeit – und

• Pfarrer Fredy Staub erzählt in seiner Kolumne «von Wegen!» aus seinem Erleben mit Menschen.

für uns ganz persönlich. So gross die Freude über diesen Traum auch war, die Ernüchterung meldete sich bald. Es war «nur» ein Nachttraum. Aber seither träume ich weiter – vor allem Tagträume – rund um die Bedeutung unseres Stubentisches. Es ist mein Traum, dass diese vier Beine mit der tragenden Platte obenauf noch mehr als Geburtstisch dienen. Ja, mögen Frauen und Männer in den nächsten Wochen und Monaten an unserem Stubentisch von neuem geboren werden! Dafür stehen wir. Dafür setzen wir uns ein. Dazu laden wir alle möglichen und unmöglichen Leute an unseren Stubentisch ein.

Weitere Informationen:

www.lafuentedelperegrino.com Das Jahr 2010 ist für Spanien ein heiliges Jahr, da der Festtag des Heiligen Jakobus vom 25. Juli auf einen Sonntag fällt. Während eines heiligen Jahres sind sehr viel mehr Pilger auf dem Camino unterwegs. Bis im August wurden schon über 180 0001 Pilger gezählt. 1 Datenquelle: Erzbistum von Santiago de Compostela. Bearbeitung und Interpretation: Josef Schönauer auf www.pilgern.ch/jakobsweg

Die Trainingsteilnehmenden erhalten an den Vormittagen nicht nur verschiedene Inputs über Jüngerschaft und Gastlichkeit, sondern schlafen auch – im Gegensatz zu den Pilgern – in Campingzelten.

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Kaum etwas schätze ich mehr als unseren Stubentisch. Nicht, weil er besonders altehrwürdig wäre. Vielmehr, weil immer wieder hochinteressante Leute daran Platz nehmen. Ein Schreiner. Eine Reinigungsfachfrau. Ein Politiker. Eine Versicherungsexpertin. Ein Industrieller. Eine Geschäftsleiterin. Ein Handwerker. Und viele mehr. Besonders schätze ich es, wenn auf unserem Stubentisch die wunderbarsten Menüs meiner Frau zu stehen kommen. Eindrucksvolle Momente an diesem Tisch trage ich jeweils in mein Tagebuch ein. Dann nämlich, wenn Menschen, die uns besuchen, die geistliche Speise zu entdecken beginnen. Wie oft haben wir an unserem Stubentisch mit Trauernden geweint. Tief betroffen. Unvergesslich. Und was haben wir da mit Christen, Atheisten, Esoterikern oder Muslimen schon geplaudert, ausgiebig diskutiert und gelacht, bis uns die Tränen über die Wangen kullerten und wir uns vor lauter Lachen den Bauch halten mussten.

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Medien M ARKUS BAUMGARTNER Wenn Christen und Muslime Freunde werden «Wir möchten, dass Flüchtlingsfragen wieder sachlich und ohne giftige Polemik oder Projektionen diskutiert werden», erklärte Julia Morais, Integrationsbeauftragte des Kantons Zürich zum Flüchtlingstag dieses Jahr. Wichtig seien für Flüchtlinge in jedem Fall ein guter Start und eine optimale Nutzung der Chancen. Wenn Muslime in die Schweiz kommen, erleben sie das christliche Abendland gleichbedeutend mit Pornografie, wirtschaftlichem Egoismus, Drogenkultur und Hedonismus. Im Kontrast dazu wissen wir als Nachfolger von Jesus, woher wir kommen, warum wir da sind und wohin wir gehen. So können wir als christliche Religion ideal einer anderen Religion gegenübertreten. Und wir verfügen über die Tradition der Gastfreundschaft. Wenn wir unsere Spirituali-

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tät in dieser säkularen Welt ganzheitlich leben, wird das Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben. Die anhaltende Migration von Menschen aus fremden Ländern kann zu einer grossen Chance werden, weil die Behörden mit dem Thema überfordert sind. Wie früher als Erfinder von Altersheimen oder Kindergärten könnten sich Christen heute als soziale Brückenbauer und Kompetenzzentren für Inte­ gration diakonisch profilieren. Vorbildlich lebt das Pastor Christoph Candrian: Seit 2008 steht das neue Gemeindezentrum der Chrischona Winterthur am Rand des Industriegebietes gleich neben der Moschee des albanischen Vereins. Es ist eines der vier Gebäude in der Schweiz mit einem Minarett. Nach dem Bezug des Neubaus hat Candrian

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• Markus Baumgartner, PR-Profi und Präsident von www.cnm.ch.

eine interkulturelle Kontaktgruppe aufgebaut. Das Team plant Begegnungen und bietet Kurse über den Islam an. Es wurde der Kontakt zur Leitung der Moschee gesucht, die sofort zu gutnachbarlichem Kontakt bereit war. Daraus sind unkomplizierte Freundschaften entstanden. Auf andere zugehen heisst nicht, den eigenen Standpunkt aufgeben. Im Gegenteil: Nur wer sich auf andere einlässt, wird zum Gesprächspartner, der ernst genommen wird.


inserate | impressum

INSERATE

INSERATE

Medien | Weekend

Weekends | Seminare Herausgeber Campus für Christus Josefstrasse 206, 8005 Zürich Tel. 044 274 84 84, www.cfc.ch Campus für Christus ist eine überkonfessionelle Organisation mit rund zwanzig in der Erwachsenenbildung, Diakonie und Mission tätigen Dienstzweigen. Darunter fallen u. a. Beratung und Schulung in lokalen Landes- und Freikirchen, Studentenarbeit/Dozentenforum, Agape-Mission/ Entwicklungshilfe, Athletes in Action, Crescendo-Berufsmusiker, Christen im Dienst an Kranken, FamilyLife, campus generation und EXPLO-Schulungskonferenzen. Verlag Christliches Zeugnis Josefstrasse 206, 8005 Zürich Tel. 044 274 84 34, Fax. 044 274 84 83 E-Mail: christlicheszeugnis@cfc.ch www.christlicheszeugnis.ch ISBN 978-3-905789-21-8 ISSN 1662-243X Auflage 5467, WEMF-bestätigt Redaktion Verantwortlicher Redaktor: Peter Höhn (ph); Brigitte Eggmann (be); Sabine Fürbringer (sb); Tom Sommer (ts) Mitarbeiter an dieser Nummer: Christian Bachmann (cb), Renate Blum (rb), Jonathan Schmidt (js) Copyright Wiedergabe von Artikeln und Bildern nur mit schriftlicher Genehmgung der Redaktion.

Der

Grafik und Satz (DTP) atk.ch, Thayngen

Überlebens-

Ein brisantes Buch für Menschen wie du und ich.

Druck und Versand Jordi AG, Belp Klimaneutral gedruckt

künstler

Erscheinungsweise Vierteljährlich

Verlust, Sorgen und schmerzhafte Enttäuschungen sollen uns nicht davon abhalten, unser Leben erst recht zu entfalten.

Abonnement Schweiz: SFr. 28.– Ausland:SFr. 36.–/€ 22.– inkl. Versandkosten

Fredy Staub weiss, wovon er spricht: Notfallstation. Reanimationsraum. Den Beginn einer Operation ohne Betäubung. Jede Menge atemberaubender Erfahrungen aus erster Hand. Tiefgründige Denkanstösse öffnen Türen für eine sinnvolle Zukunft. Ein Buch zum Weinen – und zum Lachen. Typisch Fredy Staub.

Bildnachweis Titelseite: istockphoto.com; S. 3, 5, 21 oben, 29 Mitte, S. 41 unten, 47 oben links, 48 oben Mitte, 49 oben links Campus für Christus; S. 6, 8, 11, 13, 14–17, 18–20, 21 unten, 22, 23, 25, 31, 33, 35 oben, 43 Mitte rechts, 44 Mitte links, 45 privat; S. 24, 32 istockphoto. com; S. 26–29 HeilBAR; S. 35 unten links Familie Isenschmid privat; S. 36, 37 oben Landesbibliothek (WLB) Stuttgart Kapsel Bilder J. Chr. Blumhardt; S. 37 unten Landeskirchliches Archiv Stuttgart, D 34, 255/41; S. 38, 39 Originalbriefmarken; S. 39 oben links internet; S. 39 rechts Verlag G. Jaeger, Genf; S. 40 oben Alphalive Wil; S. 40 unten Schülertreff; S. 41 oben Athletes in Action Schweiz; S. 42, 43, 44 unten Agape Spanien; S. 46–49 Agape international Hans-Günther Ulmer

Kündigungsbedingungen Im September auf Ende Jahr telefonisch/schriftlich

Das neue Taschenbuch mit über 130 Seiten ist jetzt erhältlich für nur CHF 9.90 bei Pfarrer Fredy Staub, Merkurstrasse 3, 8820 Wädenswil, Telefon 044 780 20 25,

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Zeitschrift der überkonfessionellen Bewegung Campus für Christus Schweiz

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Themen, die weiterhelfen Christliches Zeugnis zum Sammeln und Weitergeben Bestellen Sie unsere bisherigen Ausgaben zum Sonderpreis von 4 Franken pro Heft (inklusive Porto und Versand), ab 10 Exemplaren erhalten Sie 20 Prozent Mengenrabatt. Ausnahmen: Esoterik I, Esoterik II und die Ausgaben 2010 kosten je 8 Franken.

Ex. Trauern und Trösten Francine Smalley und andere über hilfreiche Trauerarbeit und Trauerprozesse. Jens Kaldewey: Trauern in der Bibel. Jörg Weisshaupt: Tabuthema Suizid. Praxis: Pfarrerin Monika Riwar über Begleitung von Schwerkranken und Sterbenden.

Ex. Grosszügigkeit lernen Horst Reiser über Schritte zur finanziellen Freiheit. Zwölf Interviews und Berichte, wie Einzelne und Gemeinden Verwalterschaft im biblischen Sinn leben. Jens Kaldewey über sorgenfreies Leben. Johannes Calvins Erbe und die weltweite Ausstrahlung seines Werks.

Ex. Versöhnt leben Andrea Xandry über vier Arten des Vergebens. Unfallstelle Ehe: Wenn alles zerbricht. Scheidung aufarbeiten: Interview mit Georges Morand. Stefan und Monica über ihre zweite Heirat. Rolf, Susanne und andere über ihre Stationen auf dem Weg aus ihrer traumatisierten Vergangenheit.

Ex. Begegnung mit Muslimen Islamexperte Dr. Andreas Maurer: Was Christen über den Islam wissen müssen. Lebensberichte: Wie Aida, Hala, Yusuf, Nadirah und Dilshad zu Jesus fanden. Porträts: Christen, die Muslimen begegnen. Reportage: Afghanistan. Praxis: Tipps zur Begegnung mit Muslimen.

Ex. Vom Glauben reden Manfred Engeli: Wie wird unser Zeugnis entlastend? Praxis: Die eigene Lebensbotschaft entdecken. Geschichten, Tipps und Erfahrungen von Urs Wolf, Marianne Hirzel, Jrene Kramer, Cornelia Lustenberger.

Ex. Leben mit dem Heiligen Geist Jens Kaldewey: Wie werde ich mit dem Heiligen Geist erfüllt? Peter Höhn: Meine Biografie mit dem Heiligen Geist entdecken. Interview mit Urs Schmid. Gerhard Tersteegen über den Umgang mit ausserordentlichen Erfahrungen. Lebensbericht: René und Brigitta Bregenzer.

Ex. Gott – Warum? Bibelstudium: Warum Menschen leiden müssen. Peter Höhn: Gesundes Gottesbild – geheiltes Selbstbild. Erlebt: Vreni Engelhard, Marlies Zindel, Familie Schwaninger, Stefan Meier, Familie Ringli. Alexander Nikendei über Notfallseelsorge, Hans-Ulrich Oggenfuss über Traumabehandlung.

Ex. Konzentration auf das Wesentliche Andreas Fürbringer: Was ist dein Wesentliches? Peter Höhn: Wurzelbehandlung des Herzens. Andrea Xandry: Der schmale Weg. Porträts: Bill Bright, Gründer von Campus für Christus, Musiktherapeut Daniel Dettwiler, Liederdichter Matthias Claudius. Praxis: Zwanzig Wege zur Stille, drei Säulen der Gesundheit.

Ex. Kunst und Kreativität Beat Rink: Kunst vom christlichen Glauben her verstehen lernen. Überblick: Kirchen- und Kunstgeschichte. Lebensporträts: Komponist Paul Burkhard, Maler Janeric Johansson und François Bosshard, Sopranistin Rosemary Hardy. Praxis: Kunst in die christliche Gemeinde einbringen.

Ex. Das Böse überwinden Andrea Xandry: Woher kommt das Böse? Lebensberichte: Hanna, Kind einer Satanistin. Als Pastor von dunklen Mächten befreit. Hintergrund: Hans Keller über okkulte Verwirrung an der Schule. Pfarrer Thomas Widmer über das Gebet um Befreiung im Rahmen der Seelsorge.

Ex. Abenteuer Erlebnispädagoge Marcel Bäni: Berufung des Menschen zum Abenteuer. Apolloastronaut Charles Duke, Boxweltmeister Georges Foreman, Strassenkinder-Eltern Erwin und Irene Gröbli, Peter Höhn über biblischen Abenteuergeist. Nordkurve, Free at Heart und andere Männerinitiativen.

Ex. Tod und Jenseits Dante als Dichter und Visionär des Jenseits. Oberlins Studien zur unsichtbaren Welt. Jens Kaldewey über Himmel, Hölle und «Zwischenräume». Lieselotte Müller und andere Menschen über ihre Nahtoderfahrungen. Praxis: Peter Höhn über unsere Rechenschaft vor Gott.

Notieren Sie zu jedem Hefttitel Ihre gewünschte Anzahl Hefte und senden oder faxen sie an: Christliches Zeugnis, Josefstrasse 206, CH-8005 Zürich, Fax: +41 44 274 84 83 Sie können die Hefte auch per E-Mail bestellen (bitte Hefttitel und jeweilige Anzahl Hefte angeben): christlicheszeugnis@cfc.ch

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