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Zeitschrift der 端berkonfessionellen Bewegung Campus f端r Christus Schweiz

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Grossz端gigkeit lernen


grosszügigkeit lernen | inhalt

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Editorial

Inhalt

Gott lädt uns zur Grosszügigkeit ein ZUM THEMA

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Grenzen ermöglichen Überfluss Ein Interview mit Horst Reiser, Gründer und Leiter CROWN Life Schweiz

Schritte zur finanziellen Freiheit Ein Budget machen

«Grosszügig und freisetzend» Das Wort des Missionsleiters

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Johannes Calvin Die weltweite Ausstrahlung seines Werks

Wie viel ist genug?

AUSLAND

Fünf persönliche Berichte

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Wie Christen im Berufs- und Privatleben Verwalterschaft umsetzen

Kolumne «Farbe bekennen»

Dagegen hatte ich mich immer gesträubt: Ein Budget machen, fand ich, sei ein Zeichen der Schwäche. Das ersticke jede Spontaneität. Und Buchhaltung sei eh nicht mein Ding …

wofür wir wie viel Geld ausgeben wollen. Dagegen hatte ich mich immer gesträubt: Ein Budget machen, fand ich, sei ein Zeichen der Schwäche. Das ersticke jede Spontaneität. Und Buchhaltung sei eh nicht mein Ding.

Ein Zuhause für verstossene Kinder Das Kidshouse im nordindischen Kaschmir

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Kolumne «Unterwegs erlebt» Roland Kurth über Annahme

René Bregenzer über Schulden und Überfluss

«Wir sollen treue Verwalter sein»

HINWEISE

Interview mit Attilio Cibien, Leiter Finanzen Pilgermission St. Chrischona

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Kolumnen «New Generation» und «von Wegen!» Wie setzen Gemeinden Verwalterschaft um? Eine Umfrage

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CFC National Leiterwechsel, Eishockey-WM 2009 und Ehekurs-Trainingstag

CFC International Estland Agape Estland

Kolumnen «Filmtipp» und «Medien» Andy Schindler-Walch und Markus Baumgartner

Schulden, Streit und Sorgen Ein Ehepaar findet aus einem Teufelskreis heraus

Schuldenfrei geworden

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CFC International Deutschland Der Gottkennen-Bus und die atheistische Kampagne

In eigener Sache – Leserreaktion Inserate, Impressum

Zwei Erlebnisberichte

ZUM SCHLUSS

«Seid nicht besorgt!» Gedanken von Jens Kaldewey zur Bergpredigt

Kolumne «beziehungsweise» Sabine Fürbringer zur alltäglichen und besonderen Grosszügigkeit

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Themen, die weiterhelfen Aktion: Christliches Zeugnis zum Sammeln und Weitergeben

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Wer hat wen im Griff? Sie Ihre Finanzen oder Ihre Finanzen Sie? Bei mir war es so, dass wir uns lange gegenseitig im Griff hatten. Zwar schaffte ich es immer, mich im Rahmen dessen zu bewegen, was uns zum Leben zur Verfügung stand. Mein Controlling bestand jedoch vor allem darin, meiner Frau Barbara beim Geldausgeben auf die Finger zu schauen. Auch wenn ich ihren Sinn für das Schöne und für schmucke Einrichtungen schätze, bremste ich sie immer wieder, damit sie ja nicht zu viel Geld für Dinge ausgäbe, die in meinen Augen unwichtig waren. Wenn sie mich dann ihrerseits ertappte, wie ich wieder einmal grosszügig Bücher, CDs oder neue Geräte kaufte, wurde die Luft dick. Zusehends merkten wir: Wir sind nicht frei. Unsere gegenseitigen Bremsmanöver lähmen uns. Das Problem ist nicht, wer von uns verschwenderischer mit dem Geld umgeht, sondern dass wir uns nie hingesetzt und abgesprochen haben,

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Durch Freunde angeregt, die mit ei­ nem Budget gute Erfahrungen machten, beschloss ich, meine Vor­urteile zu begraben. Vor einigen Jahren nahmen wir uns in den Sommerferien Zeit und erstellten unseren Haushaltsplan, so wie es Horst Reiser in diesem Heft empfiehlt. Gleichzeitig verpflichteten wir uns nochmals, Gott in allen unse­ren Bedürfnissen zu vertrauen: dass er unser Arbeitgeber, unser Versorger und die Quelle unseres Lebens ist. Heute kann ich sagen: Ich bin begeis­tert. Barbara und ich müssen einander nicht mehr argwöhnisch kontrollieren. Im Gegenteil: Weil die Budgetposten geklärt sind, können wir nicht nur weiterhin fröhlich Gottes Reich fördern – wir können auch unsere Extras wie Ferien, Hobbys und Zeit zu zweit geniessen, und wir erleben, wie Gott uns sogar weit über unsere eigenen Möglichkeiten hinaus beschenkt.

Wir können nur bestätigen, was die Menschen in diesem Heft bezeugen: Wo Finanzen in (Gottes) Ordnung kommen, da entsteht Freiheit, da leben Beziehungen auf, da können wir aus dem Vollen schöpfen, da können wir uns selbst verschenken, da regiert nicht mehr das Geld, sondern der Geist Gottes. Er allein kann uns aus unseren Sackgassen der Sorgen, des Sicherheitsdenkens, der Habsucht und des Geizes hinausführen. Gott lädt uns ein, ihn als grosszügigen Gott zu erleben, der uns alles gibt, was wir für unsere Berufung brauchen. Gott lädt uns ein, dass wir durch unser Leben zum Ausdruck bringen: Wir haben einen grosszügigen Gott. Je mehr wir das begreifen, umso mehr können wir, wie Jens Kaldewey schreibt, auch in einer wirtschaftlich unsicheren Zeit «sorgenfrei leben». Umso mehr sind wir frei, wie Horst Reiser im Interview betont, «zu danken und zu dienen». Umso mehr können wir, wie Johannes Calvin es tat, ganz Gottes Ruf folgen, um die geistliche und wirtschaftliche Not unserer Zeit zu lindern. Peter Höhn

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Grenzen ermöglichen Überfluss

und daraus wächst eine erneuerte Art von Tun und Haben.

Interview mit Horst Reiser Auf seine Initiative hin haben sich in den letzten sieben Jahren mehr als 40 000 Menschen in biblischer Verwalterschaft schulen lassen. Im Interview erzählt Horst Reiser (49), weshalb ihm das Thema «Finanzielle Freiheit und Grosszügigkeit» seit über fünfzehn Jahren unter den Nägeln brennt.

Interview Peter Höhn CZ: Horst, warum sind so viele Leute verschuldet? Horst Reiser: Weil sie ihren Selbstwert, ihren sozialen Status oder ihr Glücksgefühl über ihren Lebensstil definieren. Früher waren die Menschen verschuldet, weil sie arm waren. Heute, wo die meisten von uns viel reicher sind als vor fünfzig Jahren, sehen wir nur noch, was wir im Werbeprospekt und im Vergleich zu Freunden, Kollegen und Bekannten (noch) nicht haben, was uns, wenn wir‘s hätten, noch glücklicher machen würde. Die Menschen leben über ihre Ver­ hältnisse, weil sie sich mit anderen vergleichen? Wenn du dein Glück und deine Sicherheit vom Konsum abhängig machst, dann sagt dir der Konsumgott auch, was du brauchst. Du vergleichst dich mit anderen, verlierst die Realität aus den Augen, lebst über deine Verhältnisse und verschuldest dich. Untersuchungen zeigen, dass Konsumenten im Durchschnitt das Gefühl haben, sie könnten zehn Prozent mehr ausgeben, als sie effektiv haben. Wer mit Kreditkarten bezahlt, ist bereit, bis zu dreissig Prozent teurer einzukaufen, als wenn er bar bezahlen würde. 4

Über Geld redet man nicht – warum tust du es trotzdem? Die Bibel redet sehr wohl über Geld. Mir lag es schon immer am Herzen, dass Christen mehr darüber wissen und verstehen, was das Buch der Bücher zu Eigentum, Besitz, Zehntem, Verwalterschaft, Geben und Grosszügigkeit sagt. In meinem Wesen bin ich ein Verwalter. Ich wollte und will beitragen, dass das Evangelium ganzheitlich verstanden wird und alle nach ihrem Vermögen mithelfen, dass der Missionsauftrag von Jesus Christus, Gottes Liebe in die Welt zu tragen, zumindest finanziell überhaupt ermöglicht wird. Theoretisch verstehen das viele ... Auch bei mir war das Thema einige Jahre nur im Kopf, obwohl ich schon lange Mitarbeiter bei Campus für Christus war. Aber vor ein paar Jahren sahen Marianne und ich einen Film über die Geschichte eines traumatisierten Mannes. Plötzlich und unvorbereitet blendete der Film zurück auf jenes Ereignis von damals: Seine Frau war mit ihren Kindern allein in einem Blockhaus und wurde von Einbrechern misshandelt – dann zwei Schüsse, abgefeuert vom ältesten Sohn, und die Gefahr war urplötzlich und genauso gewaltsam gebannt. Wir waren völlig schockiert. Ich weinte mehr als zwei

Stunden lang und begann mir den ganzen Schmerz über unsere Welt vom Leib zu schreiben. In mir brannte ein solches Anliegen, die Welt zu retten und mitzuhelfen, diese unsägliche Not zu lindern, die mehrheitlich Frauen und Kindern angetan wird – aus Gier und Geldgründen. Ich wusste: Ich bin nicht dafür geschaffen, selbst in die Slums zu gehen und vor Ort zu helfen. Aber soweit es am Geld liegt, will ich alles dafür tun, dass die notwendigen Ressourcen freigesetzt werden. Was hat dir auf deinem weiteren Weg geholfen, deine eigene Verantwortung klarer zu erkennen? Da ist Earl Pitts mit seiner zentralen Botschaft «Wie viel ist genug?», die ich sicher schon fünfzigmal gehört habe. Hanspeter Nüesch mit seiner Vision von Segensströmen, die aus unserer materiell so gesegneten Schweiz in alle Welt fliessen sollten. Larry O‘Nan mit seinem Anliegen, mich selbst ganz zu geben. Randy Alcorn, der mir aus der Bergpredigt glaubwürdig vermittelte, wie wir mit den drei Wegen – Fasten, Teilen und Gebet – Gott näherkommen: Fasten als Weg, die eigenen Sättigungsversuche loszulassen, um sich von Gott sättigen zu lassen. Teilen als Weg, Besitz loszulassen, um nach Gottes wahren Reichtümern zu trachten. cz 3|09

• Horst Reiser: Grosszügige Menschen sind «Hundert-Prozent-Menschen», die sich dadurch auszeichnen, dass sie sowohl im Geben als auch im Empfangen zu hundert Prozent frei sind.

Gebet als Weg, die eigenen Machtmittel loszulassen, um die richtige Vollmacht von Gott zu erhalten. Kannst du das näher erläutern? Von welchem Gottes- und Menschenbild gehst du aus? Es ist das Gottesbild, dass Gott Schöpfer und Eigentümer von allem ist. Er ist die Quelle allen Seins und aller Gaben. Demnach bin auch ich als Mensch Gottes Eigentum. Ich gehöre nicht mir selbst. Ich bin mir selbst nur geschenkt, und ich bin als von Gott Beschenkter zur temporären Verwaltung meines eigenen Lebens eingesetzt. Und nun bin ich angehalten, im Sinn und Geist meines Eigentümers zu denken und zu handeln, so wie ich es als Verwalter oder Mitar­beiter einer Firma dem Eigentümer gegen­ über tun soll. cz 3|09

Wie unterscheidet sich das vom gängigen Menschenbild? Das humanistische Verständnis sagt uns, dass ich als Mensch mir selbst gehöre und von keiner höheren Macht abhängig bin. Wenn sich der Mensch aber selbst ins Zentrum stellt, ist er niemandem Rechenschaft schuldig, auch nicht der nachfolgenden Generation, und er muss für sich selbst sorgen, denn sonst tut dies niemand. Es ist die menschliche Seele (hebräisch Näphäsch = Kehle), die von Natur aus alles, was sie bekommen kann, gierig in sich aufnehmen möchte. Unsere «Seele-Kehle» will zuerst haben, daraus raus etwas machen und meint, dadurch etwas zu sein. Wenn wir aber unser Leben aus Gott empfangen, dreht sich die Reihenfolge um: Er lässt uns zuerst unsere Identität erkennen, zeigt uns, wer wir sind – seine geliebten Kinder –

Welche Folgen hat dieses Gottes- und Menschenbild für dich konkret? Die Tatsache, dass ich von A bis Z ein Beschenkter bin und dass ich in der Beziehung zu Christus auch am Himmel und an der ganzen Fülle Gottes Anteil habe, macht mich dankbar und bewegt mich, Gott und den Menschen aus Dankbarkeit zu dienen. Danken und Dienen – das ist für mich die Zusammenfassung des ganzen Themas. Hier sprechen die Verse aus 5. Mose 28,47-48 eine deutliche Sprache: «Weil du dem Herrn, deinem Gott, nicht gedient hast aus Freude und Dankbarkeit dafür, dass alles in Fülle da war, musst du deinen Feinden dienen ..., Hunger und Durst wirst du leiden, nackt sein und nichts mehr haben.» Diese Worte bilden das Scharnier zwischen Segen und Fluch. Gott schenkt mir alles in Fülle! Zwei Reaktionen meinerseits wären lebenspendend: Dankbar erkenne ich das unverdiente Beschenktsein und frage Gott, wie ich ihm und den Mitmenschen damit dienen kann. Wer dem Geber aller Gaben nicht dankt und ihm nicht dient, dient lebensfeindlichen Mächten und wird ernten, was er sät. Wo hast du das persönlich erlebt? Vor Jahren kaufte ich auf Empfehlung eines Bekannten ein Aktienpaket von 8000 Franken. Innert sechs Wochen stieg der Wert auf 18 000 Franken. Ich geriet völlig unter Strom, bekam förmlich den Krampf und war total in Beschlag genommen: «Was könnte ich jetzt noch alles kaufen für mich, für mich, für mich?» Ich merkte plötzlich: Die Gier nach mehr wohnt auch in mir! Nach einem weiteren Monat der heilsame Schock: Mein Aktienpaket sank 5


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Wo und wie kommt da die Freiheit des Evangeliums hinein? Früher sah ich das alles ziemlich eng. Ich konzentrierte mich auf den Zehnten und dachte, damit alles erkannt und erfüllt zu haben. Je länger, je mehr erweiterte sich meine Sicht: Es geht um viel mehr, es geht um hundert Prozent. Ich darf hundert Prozent von Gott empfangen und alles zu hundert Prozent als Gabe Gottes geniessen. Ich gehöre aber auch Gott zu hundert Prozent mit allem, was ich bin und habe, und er hat eine Meinung darüber, wie ich denn leben soll.

auf 4000 Franken. Ich habe mich damals nochmals neu entschieden, mich nicht vom Mammon, sondern von Gott abhängig zu machen, und verkaufte mein Aktienpaket – mit Verlust, aber um eine wichtige Erkenntnis reicher. Wo es um Geld, Geben und Zehnten geht, wird es auch in christlichen Kreisen vielen sehr schnell sehr eng.

Zur Person

Freiheit im Umgang mit Finanzen ist das eine. Dir geht es aber auch um Grosszügigkeit. Woran erkennst du einen grosszügigen Menschen? Grosszügige Menschen sind eben solche Hundert-Prozent-Menschen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie sowohl im Geben als auch im Empfangen zu hundert Prozent frei sind: Dass sie sich verschenken, aber auch beschenken lassen. Dass sie anderen helfen, aber auch um Hilfe bitten und Hilfe annehmen können. In Bezug auf das Hilfe-annehmen-Können bin ich selbst noch am Üben. Grosszügige Menschen sind in beide Richtungen «durchlässig»; wer Grosszügigkeit leben will, funktioniert wie ein Wasserkanal: Wer oben nicht annehmen kann, trocknet aus, wer unten nicht freilässt, ertrinkt.

• Marianne und Horst Reiser

Horst Reiser ist seit 25 Jahren mit Marianne verheiratet. Zusammen haben sie vier studierende Kinder. Als ökumenisches Ehepaar – er reformiert, sie katholisch – engagieren sich beide aktiv in den entsprechenden Kirchgemeinden in Zürich-Seebach, wobei es im Rahmen von Jesus-Film-Verteilaktionen und Alphalive-Kursen schon zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit kam. Horst Reiser ist gelernter Kaufmann, war ein Jahr persönlicher Assistent von Pfarrer Stückelberger bei Christian Solidarity International (CSI), dann fünf Jahre zuständig für Einkauf, Logistik und Verkaufsadministration bei Control Data Corporation (CDC). Seit 1986 arbeitet er bei Campus für Christus, lei­tete die Administration und war massgeblich am Aufbau der Geschäftsleutearbeit History’s Handful Europe beteiligt. Seit 2005 ist er Leiter Finanzen & Entwicklung von Agape Europe, seit 2008 arbeitet er verstärkt in der Lancierung von CROWN Life zur Förderung finanzieller Verwalterschaft mit. In der Freizeit liebt er die praktische Arbeit in Haus und Garten sowie das Segeln auf dem Greifensee.

Wie können wir auf dem Weg zur Grosszügigkeit Fortschritte machen? Es geht nur, wenn wir im Gespräch mit Gott und unserem Partner definieren: Wie viel ist für mich genug? Das ist in diesem Zusammenhang die wohl wichtigste Frage überhaupt! Grosszügigkeit entsteht aus Beschränkung. Überfluss kann nur entstehen, wo eine Grenze überschritten wird, wo ein Gefäss voll geworden ist, sodass es überfliesst. Ohne definierte Genügsamkeit wird unsere «Seele-Kehle» immer Wege und Rechtfertigungen finden, alles 6

selbst aufzufressen. Genügen lassen kann ich mir nur aus dieser vertrauens­ vollen Lebensverbindung mit Gott, nämlich wenn ich meine Bedürfnisse offen und ehrlich mit Jesus bespreche und wenn ich vertraue, dass Jesus – und letztlich nur er – mir alles gibt, was für mich genug ist, was mir Genüge verschafft und meine Seele sättigt. Ein paradoxer Weg! Grosszügigkeit durch Grenzensetzen? Ja, das erleben wir auch in der Erziehung unserer Kinder: Wenn wir Grenzen setzen und vereinbaren, um welche Zeit sie nach dem Ausgang nach Hause kommen, und sie sich daran halten, wird das bei uns Eltern «Grosszügigkeit» bewirken. Wir werden ihnen mehr Vertrauen schenken und den Zeitrahmen schrittweise und altersgerecht ausdehnen. Genauso verhält es sich im materiellen Bereich: Wenn wir mit Gott zusammen abmachen, wie viel genug ist, wird das bei Gott «Grosszügigkeit» auslösen, und wir werden ihn entsprechend gross­ zügig erfahren. Deine Vision für die Zukunft? Dass Gott immer mehr Menschen findet, denen er mehr anvertrauen kann, weil er weiss, dass sie es «durchfliessen» lassen und nicht einfach für sich selbst aufbrauchen. Dass Gott Menschen findet, die sich von der Grösse der Not ansprechen lassen und bereit sind, sich zu hundert Prozent von Gott an seinem Dienst beteiligen zu lassen. Dass Gott Menschen findet, denen er sich als verschwenderisch gross­ zügig erweisen kann, weil sie der Grösse seiner Verheissung vertrauen: «In seiner Macht kann Gott alle Gaben über euch ausschütten, sodass euch allezeit in allem alles Nötige ausreichend zur Verfügung steht und ihr noch genug habt, um allen Gutes zu tun» (2. Korinther 9,8).

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Schritte

Hingabegebet

… zur finanziellen Freiheit

«Was ich bin und habe, gehört dir!»

1. Anerkenne Gott als alleinige Quelle deiner Versorgung und deines Glücks (siehe Hingabegebet); dein Arbeitgeber ist nur Delegierter, dein Besitz ist dir nur zur Verwaltung anvertraut.

«Himmlischer Vater, ich will, dass ich selbst und all mein Hab und Gut zu hundert Prozent von dir ergriffen sind.

2. Verpflichte dich Gott gegenüber, die treue Verwaltung von hundert Prozent der Mittel zu übernehmen, die er dir zur Verfügung stellt. 3. Werde dir bewusst, wie man in deiner Herkunftsfamilie mit Geld und Besitz umging (Geiz, Habsucht, Rappenspalten, Kaufsucht, ständiger Mangel usw.). Entstopfe deine Generationenkanäle: Löse dich von falschen Mustern und geh mit Gott frische Wege. Falls du Schulden hast, such Hilfe und mach einen Sanierungsplan.

Ich akzeptiere dich als meinen einzigen und bleibenden Versorger für alles, was ich je benötigen werde, heute und an jedem weiteren Tag. Ich erkläre mich bereit, mich und mein Hab und Gut in deiner Gesinnung der Liebe einzusetzen, wie du es mir in Jesus vorgelebt hast und wie du mich heute durch deinen Heiligen Geist leitest.»

Datum:

Unterschrift:

• Anmerkung: Männer machen eher einen solchen Vertrag, Frauen einen Tagebucheintrag. Man kann auch einen Gegenstand aufhängen oder einfach nur beten. Egal, welche Methode, wichtig ist, diese Entscheidung festzumachen.

4. Schliess deinen Bedarfskreis und mach ein Budget, indem du festlegst: - Wie viel ist genug für mich, um meine Berufung, die ich von Gott empfangen habe, zu leben? - Welches sind meine Verpflichtun ­gen, Bedürfnisse und Wünsche? - Ist (mein Partner und) Gott ein verstanden damit? 5. Halte dich bei den Ausgaben an die richtige Prioritätenreihenfolge. Nicht mehr: 1. Leben, 2. Sparen, 3. Teilen. Sondern: 1. Teilen, 2. Sparen, 3. Leben. 6. Fang an, regelmässig zu geben. Der Zehnte ist eine gute Orientierungshilfe. Wichtig ist, dass du dich im Vertrauen auf Gott auf einen Weg begibst und schrittweise darin «wächst». 7. Werde ein grosszügiger Geber. Gib, wie Gott dich führt – als Dank und freiwillig, fröhlich, freigiebig. Wisse und vertraue: Gott ist grosszügig, er will deine Freude und lässt dich niemals los. cz 3|09

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Budget Wie viel ist genug? Um die Frage «Wie viel ist genug für mich?» beantworten zu können, müssen wir wissen, was unsere Verpflichtungen (Miete, Steuern, Krankenkasse usw.), unsere Bedürfnisse (Essen, Kleidung usw.) und unsere Wünsche, die wir mit Gott und dem Partner besprochen haben (Ferien, Anschaffungen usw.), momentan und voraussichtlich in etwa einem Jahr sein werden.

Es nützt nichts, nur ein Budget zu haben und es im Ordner abzulegen. Ein Haushaltsplan aber ist die Grundlage dafür, die Ausgaben in den Griff zu bekommen. Wenn wir unsere Einnahmen und Ausgaben permanent mit dem Budget vergleichen, dient das Geld uns und nicht wir durch unser unkontrolliertes Konsumverhalten dem Mammon. Egal, ob in einem Heft oder per Computer, es empfiehlt sich Finanzaufzeichnungen mindestens wöchentlich zu machen. Dazu sollte man für alle Barauslagen Quittungen sammeln. Die folgenden Ausgabenarten sollten erfasst werden:

Autostellplatz, alle Nebenkosten, auch Energie (Strom, Öl, Gas, Heizungsservice), Gebühren für Wasser, Abwasser usw.,Hausrat-, Haftpflicht- und allenfalls obligatorische Gebäudeversicherung.

B. Bedürfnisse 5. Haushalt Alle Lebensmittel und Getränke, beruflich bedingtes auswärtiges Essen inklusive, sowie Reinigungsmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs, jedoch ohne Anschaffungen. Genussmittel wie Alkohol, Tabak und andere können separat erfasst werden.

6. Gesundheit

A. Verpflichtungen 1. Grosszügigkeit Hierzu gehören der Zehnte, Spenden und Beiträge an die Gemeinde, Missionswerke, Hilfswerke sowie an andere Organisationen und weitere Zuwendungen, Geschenke an Nichtfamilienmitglieder und Hilfestellungen für Menschen in Not.

2. Steuern Gemeinde-, Staats- und Bundessteuer. Steuernachforderungen oder -rückvergütung.

3. Schulden Monatliche Autoleasing-, Rückzahlungs- und Zinsraten für Kredite, ohne Hypothek. Allenfalls Lohnzession (Pfändung).

4. Wohnen Miete oder die laufenden Kosten einer eigenen Wohnung oder eines Hauses,

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Krankenkasse, Arzt, Apotheke, Therapie, Optiker, Zahnarzt usw. Ermittle die längerfristigen Kosten, die auch Eigenanteile (Selbstbehalte, Franchise) und private Leistungen beinhalten, abzüglich Rückerstattungen und all­fälliger Prämienverbilligungen, und rechne den Monatsdurchschnitt aus.

7. Verkehrsmittel Öffentliche Verkehrsmittel, Zweiräder, Auto. Billette und Abonnemente des öffentlichen Verkehrs, Anschaffungen und Reparaturen von Velos, Mofas oder Rollern sowie dazugehörige Haftpflichtversicherungen. Leasing- oder Autokreditraten, Treibstoff, Betriebsstoffe und Kleinmaterial, Haftpflicht- und eventuell Kaskoversicherung, Fahrzeugsteuer, Un­terhalt und Reparaturen, Gebühren, Clubbeitrag. Hierher gehören auch Rück­lagen für den Wertverlust (Abschreibung), damit du dich nicht verschulden musst, wenn du ein neues Auto brauchst.

8. Kleidung Ermittle für alle Erwachsenen und Kinder die jährlichen Ausgaben für Kleider, Schuhe sowie Kleiderreinigung bzw. -reparatur. Bedenke dabei, dass zweimal jährlich Saisonkleider nötig sind und man den Bedarf leicht unterschätzt, gerade für Kinder. Teile den Jahresbetrag durch zwölf.

9. Bildung Umschulung, Erwachsenenbildung, Spielgruppe, Schule, Nachhilfe, Unterrichtsmaterial, Lager, Musikunterricht, Haustiere. Bücher, Zeitschriften und Zeitungen, die zu unserer Bildung beitragen, nehmen wir hier auf, ansonsten gehören sie zum Taschengeld.

10. Kommunikation Festnetz- und Mobiltelefon, Internet, Post, Radio, TV, Computer und Zubehör, Heimbüro.

C. Wünsche 11. Freizeit Ferien, Ausflüge, Taschengeld, Kino, Konzert, Restaurant, Musik, Video, Vereinsbeiträge, Hobbys, Sport. Dazu nehmen wir Coiffeur, Kosmetik und allfällige Kinderbetreuung.

12. Anschaffungen Liste alles auf, was du in den nächsten zwölf Monaten anschaffen möchtest. Falls du verheiratet bist, macht der Partner seine eigene Liste. Jeder schätzt den Betrag der Anschaffungen und überlegt sich seine Prioritätenreihenfolge. Danach werden die Listen der Partner zusammengefügt: Zuerst cz 3|09

Priorität 1 der Frau und Priorität 1 des Mannes, dann Priorität 2 usw. Wenn alles geordnet ist, bete darüber und frage Gott, ob die Prioritäten korrekt sind oder was erst später wieder auf die Wunschliste gehört. Teile die Summe der bereinigten Liste in Monatsraten auf. Dieses Geld musst du zurücklegen, bevor du die jeweils wichtigste Anschaffung tätigen kannst. Ist das Geld zurückgestellt, sprich noch einmal mit Gott, ob die Zeit zum Kauf reif sei oder ob noch gewartet werden soll. Vielleicht will er es dir ja auf andere Art und Weise zukommen lassen.

13. Sparen Nimm dir vor, einen bestimmten Betrag zu sparen. Lieber monatlich 20 Franken sparen als gar nichts. Nachdem du damit während einiger Zeit eine allfällige falsche Haltung «Es liegt ohnehin nicht drin» durchbrochen hast, kannst du den Sparbetrag erhöhen. Spar aber nicht ohne Zweck. Setz dir konkrete Ziele, wofür du sparen willst, zum Beispiel 10 000 für einen Notfall und 2000 als Startkapital für jedes Kind. Auch Kapitalanlagen inklusive Versicherungssparen, Rückzahlung (Amortisation) von Hypotheken sowie wertvermehrende Investitionen in Immobilien gehören in diese Rubrik. Ein Sparkonto ist ein wichtiges Element einer klugen Planung.

Der Zehnte

Training

Gnade, Gesetz und der Zehnte

Grosszügigkeits-Training – sieben Tipps

Die stärksten Argumente gegen den Zehnten werden unter dem Motto «Gnade statt Gesetz» ins Feld geführt. Heisst aber unter der Gnade zu leben, mit allem aufzuhören, was das Gesetz sagt?

1. Denke an Menschen, die deines Wissens treu für das Reich Gottes geben. Frage sie, welche ermutigenden Erfahrungen sie durch ihr Geben gemacht haben. 2. Lerne 1. Thessalonicher 5,18 auswendig und denke darüber nach, so oft du Undankbarkeit empfindest.

In Bezug auf das Alte Testament müssen wir aufpassen, dass wir nicht das Kind (allgemeingültiges Prinzip) mit dem Bad (detaillierte Regeln) ausschütten. Unter der Gnade zu leben heisst nicht, dass wir einen tieferen Standard setzen dürfen als den im Gesetz vorgegebenen. Im Gegenteil: Wenn Jesus Christus in der Bergpredigt über Dinge wie Mord, Ehebruch und Eid sprach, machte er deutlich, dass für seine Nachfolger eine «Gerechtigkeit gilt, die viel höher sein soll als die der Pharisäer» (Matth. 5,17-48).

3. Denke an eine Situation aus deinem eigenen Leben, in der du erfahren hast, dass Geben glücklicher macht als Nehmen (Apostelgeschichte 20,35). 4. Lerne Philipper 4,19 auswendig und denke immer wieder an diesen Vers, wenn dein Glaube auf die Bereitschaft zu geben geprüft wird. 5. Bitte darum, dass dich der Heilige Geist bei deinen finanziellen Prioritäten und bei deinem Geben für die Mission leitet. Halte die Prioritäten schriftlich fest und überdenke sie von Zeit zu Zeit, wenn du deine Ausgaben tätigst oder Rechnungen bezahlst.

Oder wie Irenäus sagte: «Die Juden hatten Gott ihre Zehnten geweiht. Die Christen aber, welche die Freiheit erlangt, bestimmen alle das Ihre freudig und frei zum Dienste des Herrn.»

6. In welchen Bereichen deines Lebens spürst du am ehesten eine materialistische Einstellung? Gibt es einen Teilbereich deines Vermögens, den du Gott nicht wirklich bereitwillig überlässt? Wenn ja warum, und was wirst du tun, damit dies anders wird?

Randy Alcorn

14. Diverses Alle Ausgaben, die in den anderen Rubriken nicht erfasst wurden, wie etwa Bankspesen und Geschenke innerhalb der Familie. Ein Betrag für Unvorhergesehenes und Kassafehlbeträge (für Auslagen, deren Zweck du nicht mehr eruieren kannst) ist nützlich. cz 3|09

7. Überlege dir Möglichkeiten, wie du auch deine Zeit und Begabungen zu einem Zehntel Gott und Menschen schenken kannst und wie das in deiner Jahres-, Wochen- und Tagesplanung Berücksich­ tigung findet.

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grosszügigkeit lernen | wir sollen treue verwalter sein

«Wir sollen treue Verwalter sein» Interview mit Attilio Cibien Attilio Cibien hat am Männertag im Jahr 2000 Earl Pitts getroffen und so die biblischen Finanzprinzipien sowie die Verwalterschaft kennengelernt. Er setzt sie seither bei der Pilgermission St. Chrischona um. Neben seiner Aufgabe als Finanzchef ermutigt er andere christliche Verbände, Freikirchen und Gemeindeleiter, biblische Finanzprinzipien anzuwenden.

Interview Manfred Kiener CZ: Welche Bedeutung hat Geld für Sie heute? Attilio Cibien: Geld ist nicht mehr mein ein und alles, sondern ein Mittel, um mein Leben zu bezahlen. Das Geld soll mir dienen, ich dagegen will Gott und nicht dem Geld dienen. Im Vertrauen auf Gottes Versorgung machte ich einen ersten Schritt, als ich meine Stelle bei Migros 1991 verliess und auf 55 Prozent meines Lohnes verzichtete. Weshalb nimmt die Bibel mit rund 2000 Versen über Geld das Thema so ernst? In Haggai, Kapitel 1, Vers 5 steht: «Ihr habt viel Saat ausgesät, aber wenig geerntet. Ihr esst und werdet nicht satt, ihr trinkt und bleibt durstig. Was ihr anzieht, wärmt euch nicht, und das sauer verdiente Geld rinnt euch nur so durch die Finger.» Die Bibel weiss um den Geist des Mammons, um die Macht, die hinter dem Geld steckt, und warnt davor. Rockefeller antwortete einst auf die Frage, wie viel genug sei: «Immer noch etwas mehr ...» Diese Macht hinter dem Geld will unser Ersatzgott sein. Davor warnte Jesus. Wir können nicht Gott und dem Mammon dienen. 16

Welches ist Ihre schönste Erfahrung mit Geld? Es war für mich ein Wunder Gottes, als er mir 2001 die Idee gab, die Pilger­ mission in sieben Jahren von den Schuldzinsen zu befreien. Es ging um eine Umschuldung von den Banken zu den Christen. So sparten wir Zinskosten und zahlten Schulden zurück. Bis heute sparen wir jährlich eine halbe Mil­lion Franken Zinskosten. So bleibt mehr Geld für den Bau des Reiches Gottes und konkret für die Rückzahlung von Schulden übrig. Weshalb sind Schulungen zu bibli­ schen Finanzprinzipien und Verwal­ terschaft für die Freikirchen und Gemeinden so wichtig? Es geht um folgende Chancen und Verbesserungen: 1. Gemeindeleitungen und Mitglieder sollen lernen, mit Geld umzugehen. Ich höre viele Christen Ende Monat sagen: «Ich weiss nicht, wo mein Geld geblieben ist!» Der treue Haushalter beobachtet, was mit dem Anvertrau­ ten geschieht. Wir wollen unseren Mitgliedern helfen, treue Haushalter zu sein.

2. Menschen, die in der Schuldenfalle stecken, sollen frei werden vom Druck, dem Geld dienen zu müssen. Deshalb werden wir am 7. November 2009 Budget- und Schuldenberater ausbilden, die fähig sind, anderen zu helfen. 3. Nachdem Christen in den Gemeinden neue Freiheit in finanziellen Dingen erlebt haben, hoffe ich, dass biblische Finanzprinzipien auf Menschen ausserhalb der Kirchen überschwappen. Ihnen wollen wir ebenfalls helfen. 4. Weitere Verbände sollen beginnen, ihre Gemeinden zu entschulden, wie uns das bei der Pilgermission St. Chrischona gelungen ist. So wer­den durch Zinsen gebundene Gelder für den Bau des Reiches Gottes frei. Was soll sich unter Christen bezüglich Umgang mit Geld ändern? Gott verlangt von uns als Quintessenz aus den rund 2000 Versen über Geld vor allem treue Haushalterschaft, treue Verwalterschaft. Wir erhalten das Geld von Gott anvertraut und sollen ihm gegenüber für hundert Prozent Rechenschaft ablegen. So werden wir frei. Dieses Bewusstsein wird dem Reich Gottes Gelder zur Verfügung cz 3|09

• v.l.n.r.: Ehepaar Pitts und Ehepaar Cibien. Attilio Cibien ist Finanzchef der Pilgermission St. Chrischona und Vorstandsmitglied von Campus für Christus.

stellen. Damit können wir seinen Auftrag in dieser Welt umsetzen und auch Armen besser helfen. Wo orten Sie die grössten Widerstän­ de, um im biblischen Sinn mit Geld umzugehen? Das Wirtschaftssystem der Welt manipuliert uns durch Werbung, und wir denken: Ich habe nie genug Geld und Güter. Diese Werbung lullt auch Christen ein. Unseren Wohlstand wollen wir um keinen Preis abgeben oder teilen. Verlustängste hindern uns daran, Gott als unserem Versorger zu vertrauen und zufrieden zu sein mit dem, was wir haben. Gottes Versorgung ist ein geistliches Geheimnis, das anders funktioniert als das Weltsystem. Gott weiss jedoch, was uns dient und was für den Einzelnen gut ist. Doch wir müssen zuerst auf das Wasser des Vertrauens hinaustreten. cz 3|09

Gemeinsam mit Ihrer Frau Elisabeth unterrichten Sie Studierende auf St. Chrischona mit dem CROWN-Klein­ gruppenkurs in biblischen Finanzprin­ zipien. Was haben Sie dabei erlebt? Die schönste Geschichte handelt von einer Studentin, die zu mir sagte: «Du kannst gut reden als Finanzchef! Ich habe Schulden und weiss nicht, wie ich damit umgehen soll!» Ich sagte ihr: «Solange du deine Schulden nicht akzeptierst und sie abzuzahlen be­ ginnst, wird sich nichts ändern. Du darfst Schulden nicht stehen lassen, sonst bist du letztlich vor Gott nicht ehrlich.» Sie begann, die Schuld ratenweise zurückzuzahlen – und innerhalb von zwei Monaten war sie schuldenfrei. Gott hat ihr Türen geöffnet, und sie erhielt Unterstützung für ihre Ausbildung. Einen Monat später stieg ihr Laptop aus. Sie fragte mich: «Was soll ich nun tun? Soll ich einen Laptop auf

Kredit kaufen und Schulden machen?» Ich sagte: «Nein, jetzt musst du dafür beten, und erst, wenn du das Geld beisammen hast, kaufst du einen neuen Laptop.» Eine Woche später erhielt sie einen Laptop geschenkt. Gott hat Mittel, um Schulden zu tilgen. Doch unsere Einstellung gegenüber unseren Schulden ist wichtig. Kursabsolventen sagten: Meine neue Einstellung gegenüber Geld hat meine Beziehung zu Jesus verändert. Werden biblische Finanzprinzipien zu einem Bestandteil der theologischen Ausbildung auf St. Chrischona? Ja, biblische Finanzprinzipien sollen zu einem Lehrinhalt am Seminar auf St. Chrischona werden. Die Entscheidungsgremien bestätigten meine Berufung für dieses Thema und haben mich bereits 2008 zu 40 Prozent freigestellt, um über das Thema 17


grosszügigkeit lernen | treue verwalter | kolumnen

ANDREAS BOPPART

New Generation Sei ein Egoist und gib!

Verwalterschaft auch in Gemeinden und anderen Verbänden zu sprechen. Was haben diese Besuche bei Verbänden ausgelöst? Die Vereinigung Freier Missionsgemeinden Schweiz (VFMG) lud zu ihrer letzten Delegiertenversammlung die Kassiere des Verbandes ein. Ich sprach an jenem Anlass über biblische Finanzprinzipien und Verwalterschaft. Die VFMG will nun das Entschuldungsprinzip verfolgen, das heisst, die Mitglieder geben zinslose Darlehen, und Verband und Gemeinden lösen damit Bankhypotheken ab. Ich ermutige Verbände und Gemeinden, sich finanziell für Krisen zu wappnen und Verwalterschaft umzusetzen. Wenn man weiss, der Regen kommt, ist es besser, einen Schirm dabeizuhaben.

«Unseren Wohlstand wollen wir um keinen Preis abgeben oder teilen. Verlustängste hindern uns daran Gott als unseren Versorger zu vertrauen und zufrieden zu sein, mit dem was wir haben.»

Zur Person

Seminar

Attilio Cibien, 61, wohnt mit seiner Frau Elisabeth in Schaffhausen. Sie haben eine erwachsene Tochter. Attilio kommt aus der Wirtschaft, wo er die letzten Jahre als Mitglied der Informatikleitung im Migros-Genossenschaftsbund tätig war. Seit 2001 wirkt er als Leiter Finanzen (CFO) bei der Pilgermission St. Chrischona. 18

Von Natur aus bin ich nicht wirklich mit Grosszügigkeit gesegnet. Ich würde meinen letzten Energydrink im Kühlschrank eher noch schnell im Gemüsefach unter den Karotten verstecken, als ihn einem danach lechzenden Gast anzubieten. Nur macht man das ja nicht, als netter Christ. Ich schon. Nur gelingt es meist nicht. Das liegt daran, dass da oft gar keine Karotten als Versteck existieren, weil bei meinen Einkäufen der gesunde Part nicht selten vergessen geht. Ginge es jedoch darum, meinem Gast die letzte Karotte anzubie­ten, dann hätte ich mit Grosszügigkeit überhaupt kein Problem. Ich würde gleich auch noch den Broccoli und die halbe Schrumpelgurke obendrauf legen. Gross­ zügigkeit hat somit nicht nur etwas mit Veranlagung zu tun, sondern auch, woran mein Herz hängt. «Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein» (Lukas 12,34).

Besitz klammert, wird gesegnet, sondern es läuft laut Lukas 6,38 genau umgekehrt: «Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfliessendes Mass wird man in euren Schoss geben; denn eben mit dem Mass, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.» Ich erlebe genau das. Nicht immer, aber immer öfter. Vielleicht kommt sein Segen in einer unerwarteten Währung zurück, aber Gottes Segen ist immer gut, ich möchte ihn nicht mehr missen. In diesem Sinne kann ich von ganzem Herzen Egoist sein – und geben!

• Andreas Boppart ist Eventprediger und Autor und arbeitet im Arbeitszweig campus generation.

Fv o Rn WEe gDe nY! S T A U B

Budget- und Schuldenberater für Gemeinden ausbilden

Taler, Taler, du musst wandern ...

Menschen, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, wissen oft nicht, an wen sie sich in ihrer Freikirche oder Gemeinde wenden sollen. Angeregt von Attilio Cibien will der Freikirchenverband (VFG) deshalb Budgetberater ausbilden. Am besten wäre es, jede Gemeindeleitung würde eine oder zwei Personen an dieses Seminar senden.

Es gibt so etwas wie ein Programm in mir, das von Geiz geprägt ist. Die gute Seite davon ist, dass ich – gerne und gut – sparsam lebe. Die unschöne Seite: Ich gebe nur zögernd grosszügig weg, was mir gehört. Was bin ich doch für ein Sammler! So vieles – auch mein Geld – bleibt sozusagen an meinen Fingern kleben. So beurteile ich wenigstens mein altes Ich. Aber Gott sei Dank durfte ich eine überaus kraftvolle Erlösung erfahren, die meinen Geiz stetig durchkreuzt.

Attilio Cibien bietet am Samstag, 7. November 2009, ab 9 Uhr die eintägige Budgetberaterschulung auf St. Chrischona in Bettingen bei Basel an. Er sagt

Ich geb‘s zu: Gäbe es «Die Schweiz sucht den Superchrist», kassierte ich wohl ein Erstrunden-Out mit dreifachem «Leider nein». Wenn da nicht der Faktor Gott wäre. Er hat mein Herz doch schon ziemlich verändert und mich so weit gebracht, dass es mir nicht selten richtig Spass macht, Menschen zu beschenken. So versuche ich nun mit Tamara, meiner Frau, einen Lebensstil des Gebens zu leben. Und das nicht nur beim Gemüse, sondern auch dort, wo es um Geld oder Zeit geht. Ermutigend sind dabei die Begegnungen, die Auswirkungen – und meinen Egoismus kann ich dabei auch noch herrlich ausleben. Gott lädt uns in Maleachi 3,10 auch deutlich dazu ein: «Bringt den zehnten Teil eurer Ernte in vollem Umfang in den Tempel ...! Stellt mich auf die Probe ...! Denn ich verspreche euch, dass ich dann die Schleusen des Himmels öffne und euch mit allem überreich beschenke.» Das ist göttliches Prinzip. Nicht, wer sich panisch an sein Geld, seine Konten und seinen

dazu: «Die vierzehn Mitgliederverbände des VFG mit ihren sechshundert Gemeinden in der Schweiz unternehmen etwas in der Krise. Statt zu verurteilen, bieten sie im Finanz­bereich christliche Werte an. Ich will ein flächendeckendes Netz von Menschen knüpfen, die anderen helfen, im Umgang mit Geld biblische Finanzprinzipien anzuwenden.» Im Frühjahr 2010 soll eine Ausbildung für Schuldenberater folgen, die auf dem Budgetberaterseminar aufbaut. www.freikirchen.ch

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Kurz nachdem ich mich Jesus anvertraut hatte, war mir sonnenklar, dass ich nun das meiste verschenken wollte. Dies tat ich mit grosser Freude. Etwas später, nachdem ich geheiratet hatte und zweimal Vater gewor-

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den war, gab es eine Zeit, in der ich den Eindruck bekam, zu wenig Geld zu haben. Meine Frau und ich konsultierten eine Budgetberatung. Der erste Punkt der Beraterin: «Ihr Budgetposten Spenden ist viel zu hoch!» Spontan und aus tiefster Überzeugung waren meine Frau und ich sofort der Meinung, dass wir verschiedene Budgetposten kürzen könnten, aber diesen unter keinen Umständen. Und siehe da, wir kamen wunderbar über die Runden. Heute verwalte ich mein privates Geld nach dem Motto «Beim Geben soll deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut» (Matthäus 6,3). Wenn mein Geiz wie Katz und Maus hin und wieder gegen meine gottgewirkte Grosszügigkeit zu kämpfen versucht, denke ich an Jesus und an meine Zukunft. Dann erfüllt mich der Gedanke ans

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Geben mit grosser Dankbarkeit. Denn ich bin überzeugt, dass sich demnächst wieder wunderbare Möglichkeiten ergeben, um Wertvolles zu erleben: die Freude des Weitergebens. Manchmal greife ich mir an den Kopf und sage: «Ach ja, das habe ich schon als Kind gelernt! Geld ist zum Geben da. Haben wir doch aus voller Kehle gesungen: ‹Taler, Taler, du musst wandern ...›» Viel Spass beim Weiterreichen!

• Pfarrer Fredy Staub erzählt in seiner Kolumne «von Wegen!» wahre Geschichten aus seinem Erleben mit Menschen.


grosszügigkeit lernen | umfrage

Wie setzen Gemeinden Ver walterschaf t um? Eine Umfrage Manfred Kiener, Esther Albisser, Johanna Vollenweider

Erwin Weibel, Evangelische Täufergemeinde Diessbach: «Das können wir uns (nicht) leisten!»

Ivan Brunner, FEG Murten: «Unsere Projektgruppe Finanzen fördert Verwalterschaft»

«In der FEG Murten waren wir auf den Zehnten fixiert. Wir wussten wenig über die Verwalterschaft von hundert Prozent des Geldes», blickt Ivan Brunner zurück. Er ist heute in der Gemeindeleitung für die Finanzen zuständig.

Das Motto der Täufergemeinde in Diessbach lautet: «Lebe das Evangelium voll und ganz. Wir wollen für die Hoffnung von Jesus Christus im Seeland voll und ganz einstehen.» Ob die Gemeinde bereit wäre, den Preis dafür zu zahlen?

mk. Wie Pastor Erwin Weibel erzählt, fragten sich die Leiter während einer Retraite: Wo liegen die Wachstumshemmer unserer Gemeinde? Sie erkannten, dass jeweils ein Teil der Jugendlichen die Gemeinde verlässt, und entschlossen sich deshalb, für die Jugendarbeit mehr Ressourcen zu schaffen. Da zudem ein Renovations- und Bauprojekt bevorstand, war der Druck erheblich, nun getreu dem Motto «Voll und ganz für das Evangelium» auch in finanzieller Hinsicht Klartext zu reden. Die Leitung sah darin eine von Gott geschenkte Herausforderung, um die «gute Nachricht vom Umgang mit Geld für Christen» zu lehren und selbst zu lernen. 20

Zumuten, was die Bibel über Geld sagt Die Leiter lasen das Buch «Mäuse, Motten & Mercedes» und hörten sich die Audiobeiträge «Geld, die ständige Herausforderung» von Willow Creek an. Sie predigten 2008 in der Gemeinde mit rund hundertfünfzig Erwachsenen über biblische Finanzprinzipien. «Wir haben ihnen das zugemutet, was die Bibel über Geld sagt.» Rund achtzig Personen besuchten ein Wochenende zum Thema Geld mit Horst Reiser und Werner Grylka.

Vorbereitung auf Krise «Dieses Thema zu behandeln, hat uns gutgetan», blickt Erwin Weibel zurück. «Viele erkannten: Zu spenden ist eine

gute Nachricht. Jesus will uns nichts wegnehmen, er will uns vielmehr beschenken.» Das Klima, um über Geld zu sprechen, sei offener geworden. «Die Predigten und Vorträge über biblische Finanzprinzipien bereiteten uns auf die Finanzkrise vor», betont Weibel.

Aus dem Gehetze aussteigen «Es ist eine gute Nachricht, aus dem Gehetze, mehr haben zu müssen, auszusteigen. Wir können Sorgen um die Finanzen und Neid abgeben im Vertrauen auf Gottes Versorgung», freut sich Erwin Weibel. Inzwischen habe die Gemeinde beschlossen, die Stellenprozente ihrer beiden Pastoren um fünfzig Prozent zu erhöhen. cz 3|09

mk. In der FEG Murten betreuen drei Pastoren gegen dreihundert Gottesdienstbesucher. Vor fünf Jahren gehör­ ten Finanzen zum Ressort des damaligen Pastors Erwin Imfeld. 2005 lud er Werner Grylka ein, über Verwalterschaft zu predigen. Als Sommerlektüre empfahl die Leitung den Besuchern das Buch «Mäuse, Motten & Mercedes».

Freiheit als Ziel Im September 2005 lehrten Werner Grylka und Marc Richard achtzig Gemeindeglieder. Werner Grylka bildete zudem acht Leiter für den CROWNKurs aus. Im selben Jahr absolvierten zwanzig Personen in drei Kleingruppen diesen Kurs. «Wir wollten damit nicht cz 3|09

unsere Kasse füllen; vielmehr sollten Christen Freiheit und Zufriedenheit erleben und Verwalterschaft umsetzen», betont Ivan Brunner.

Hypothek umschulden Eine Projektgruppe Finanzen entstand, welche die Leitung in Finanzfragen be­rät. Gleichzeitig hält diese Gruppe das Thema Verwalterschaft durch Artikel in der Gemeindezeitung «Organ» am Leben. Angeregt durch die Erfahrungen, die die Pilgermission St. Chrischona bei ihrer Umschuldung gemacht hat­te, stiess die Projektgruppe ebenfalls eine Umschuldung an – weg von den Banken, hin zu den Mitgliedern. So reduzierte die FEG ihre Hypothek bei der Bank von 55 Prozent im Jahr 2005

auf 35 Prozent 2007. Mit ersten Unterlagen des Moneymaker-Kurses lud die Projektgruppe im Herbst 2007 zu fünf Abenden ein. Für den Herbst 2009 ist das DVD-Seminar «Freiheit und Grosszügigkeit leben» geplant.

Himmelskonto Bei Brunners hat sich auch privat einiges geändert: «Es war für uns als Ehepaar eine Herausforderung, offen über Geldfragen zu sprechen. Inzwischen stellen wir Anfang Jahr jeweils ein Budget auf. Ausgaben tragen wir ein, und Kassenzettel kleben wir auf, damit wir sehen, wo das Geld hinfliesst. Für spontane Spenden äufnen wir neben dem Zehnten ein ‹Himmelskonto›.» 21


grosszügigkeit lernen | umfrage

Harbhajan und Silvia Mangat: «Geld war ein häufiger Streitfaktor»

Markus Wüthrich, FEG Hochdorf: Verwalter-Game im Gottesdienst

Andrea Schmid, Vineyard Luzern: «Was unsere Abrechnung über unser Leben sagt»

Andrea Schmid leitet mit einem vierköpfigen Team die Vineyard Gemeinde in Luzern. Im Interview mit Esther Albisser berichtet sie von ihren Erfahrungen mit den CROWN-Kleingruppenkursen, die sie in ihrer Gemeinde durchgeführt hat.

Als Kind erlebte Silvia Geld als Konfliktpunkt zwischen ihren Eltern. Deshalb dachte sie als junge Frau, diesen Streitfaktor künftig besser zu umgehen. «Das Thema Geld war mir unangenehm», erzählt Silvia.

«Ich umschiffte das Thema Geld lange in der Gemeinde», erzählt Markus Wüthrich, seit acht Jahren Pastor der FEG Hochdorf. «Aber seit Kurzem hat sich das zum Guten verändert.»

mk. Später als Familienfrau in einem Haushalt mit drei Kindern fand sie, das Geld reiche nie. Silvia wollte mehr ausgeben als ihr Ehemann Harbhajan. Obwohl sie dies vermeiden wollte, erlebte Silvia erneut Konflikte ums Geld.

mk. Die 2001 gegründete Gemeinde im Seetal zählt 32 Mitglieder und gegen 70 Besucher inklusive Kinder. Schliesslich begannen biblische Finanzprinzipien Markus Wüthrich stärker zu beschäftigen, und er predigte 2008 darüber.

eine Herausforderung dar. «Wir fanden ihn schwierig», bilanziert Silvia. Trotzdem lernten beide den Unterschied zwischen dem Weltsystem und Gott als Versorger kennen.

Andere lehren Anmeldung ging unter 2006 besuchten Mangats ein Seminar mit Earl Pitts in Schaffhausen. Was sie dort hörten, wirkte befreiend. Sie schöpften Hoffnung und meldeten sich für den zwölfteiligen CROWNKurs an. Doch ihre Anmeldung ging verloren, oder die Organisatoren vergassen, sie einzuladen. Als sie nachfragten, lief der Kurs bereits.

Kurs zu schwierig? Einen Lichtblick stellte wenig später eine neue Stelle für Silvia dar. Das half, Schulden abzubauen. Letztes Jahr wies sie ein Mitarbeiter von Horst Reiser auf einen CROWN-Kurs in Rüschlikon hin. «Dieser Anruf war für uns wie ein Zeichen des Himmels, und wir meldeten uns an.» Jener CROWN-Kurs stellte für beide

«Wir entschieden uns dazu, umzudenken, unseren Lebensstil zu überprüfen und künftig als Verwalter in Gottes Auftrag zu leben», betont Silvia. Ihre finanzielle Situation habe sich verbessert, und sie seien zufriedener geworden. «Nach dem Kurs sagten wir zueinander: Diese biblischen Finanzprinzipien sollte jeder kennen!» Mangats erwarben das DVDSeminar von CROWN Life und luden zu einem Kurs von Januar bis April 2009 in die Räume ihrer Gemeinde ein. Zehn Perso­ nen meldeten sich an. Seit Ende April bis Anfang Juli 2009 leiten sie den zweiten Finanzkurs. Da erste Schulden oft in jungen Jahren entstehen, stellten Mangats dem Teenagerleiter ihrer Gemeinde den MoneymakerKurs vor. Er will ihn nun nutzen. 22

Umgang mit Ressourcen Wie gerufen kam für ihn die Verwalterschaftskonferenz mit Attilio Cibien und Earl Pitts letztes Jahr auf St. Chri­ schona. «Ich nahm die Inputs der Konferenz auf und hielt innerhalb von drei Monaten fünf Predigten zum Thema. Ich sprach über Geld und über Haushalterschaft, den Zehnten und über biblische Finanzprinzipien. Ich beleuchtete aber auch unseren Umgang mit nichtmateriellen Ressourcen.» Die Echos aus der Gemeinde waren positiv, und viele Rückmeldungen ermutigten den Pastor. «Einige begannen trotz schmaler Budgets, den Zehnten zu geben. Sie erkannten: Es geht uns besser als vorher.»

Verantwortung tragen Die Inlandmission der FEG Schweiz «Vision Schweiz» unterstützt die junge Gemeinde jedes Jahr finanziell etwas weniger. Die FEG Hochdorf übernimmt damit mehr Eigenverantwortung. «Die Spenden reichten bisher; die Einnahmen liegen über dem Budget», freut sich Markus Wüthrich. Zusammen mit seiner Frau entwickelte er ein «VerwalterGame», damit Erwachsene und Kinder unterhaltsam und fröhlich Neues über den Umgang mit Geld lernen. «Wir spielten es in einem Familiengottesdienst und wiederholten es letzten März.» Zudem setzten Markus und Andrea Wüthrich das DVDSeminar «Freiheit und Grosszügigkeit leben» in ihrem Hauskreis ein und empfahlen es anderen Hauskreisen. «Andrea und ich sind keine Zahlenmenschen. Trotzdem begannen wir, für unseren privaten Haushalt ein Budget zu machen», erzählt Markus Wüthrich. «Das hilft uns als sparsame Persönlichkeiten. Wir spenden nun ohne Angst, das Geld reiche nicht.» cz 3|09

CZ: Was würdest du einem Gemeindeleiter zum Thema Geld raten? Es ist entscheidend, den Kurs nicht mit dem Ziel durchzuführen, die Gemeindefinanzen zu sanieren oder auf ein höheres Niveau zu bringen. Im Zentrum steht das Anliegen, den Menschen zu helfen, ihre privaten Finanzen auf eine solide Basis zu stellen. Das erfordert eine Haltung der Grosszügigkeit. Was motivierte euch, den CROWN-Kleingruppenkurs durchzuführen? Wir wollten das Thema Geld ganzheitlich behandeln, eine Sicht für Grosszügigkeit gewinnen und das Wechselspiel zwischen Gottes übernatürlicher Versorgung und unserer eige­ nen Verantwortung verstehen und umsetzen. Da wir wissen, wie stark der Umgang mit Geld das Leben beeinflusst und – richtig gehandhabt – ein grosser Segen sein kann, wollten wir auch im Alltag lernen, gezielter mit Geld umzugehen, das Gott uns als Verwaltern anvertraut hat. Es geht euch also um mehr als um den Zehnten? Ja, es geht um uns selbst! Die Art, wie wir unser Geld verwalcz 3|09

ten, sagt sehr viel über uns aus. In einer Predigt stellte ich einmal die These auf, dass ich aus der Abrechnung einer Person sehen kann, wer sie ist. Ob sie Tiere mag, Kinder hat, grosszügig ist oder mit einem engen Budget auskommen muss – das alles sagt mehr über uns aus, als uns oft lieb ist. Was haben die CROWN-Kleingruppenkurse ausgelöst? Uns ist aufgefallen, dass viele Menschen blinde Flecken haben. Der Kurs zeigt ihnen, wo sie selber stehen, wo es Verletzungen gibt, wo das Vertrauen in Gott erschüttert ist oder eben auch nicht. Es ist ermutigend zu sehen, dass auch Menschen mit einem knappen Budget plötzlich Gottes Grosszügigkeit in ihrem Alltag erfahren. Was habt ihr als Gemeinde­ leiter gelernt? Dass es wichtig ist, sich erst persönlich mit biblischen Finanzprinzipien auseinanderzusetzen, weil diese auch für die Gemeinde gelten. Wie kann man etwas Grösseres managen, wenn man den eigenen Haushalt nicht gut verwaltet? Wer von Spenden lebt, trägt dabei eine noch grössere Verantwortung. Im Weiteren beginnen

• «Der Umgang mit Geld beeinflusst das Leben stark und kann – richtig gehandhabt – ein grosser Segen sein.»

wir langsam zu verstehen, welche Verantwortung wir gegenüber Armen haben. Auch ist uns klar geworden, dass der CROWN-Kleingruppenkurs ein gutes Werkzeug ist, um neue Leiter zu trainieren. Der Kurs dient als Übungsfeld, weil er gut strukturiert und vieles vorgegeben ist. Wo liegen die Schwierigkeiten beim Thema Finanzen in der Gemeinde? 23

Es ist eine Gratwanderung, in der Gemeinde über Geld zu sprechen. Die gleiche Botschaft kann bei den einen massiven Druck auslösen und bei anderen zum Segen werden. Man muss versuchen, die Reaktionen der Menschen vorauszuahnen. Heikel wird es bei Personen, die in ihrem Leben sonst schon massiv unter Druck stehen. Dort sind wir als Gemeinde auf der Suche nach einer Variante, die sich entlastend auswirkt.


grosszügigkeit lernen | kolumnen

Hans-Peter Gamma, Chrischona-Gemeinde Romanshorn:

ANDY SCHINDLER-WALCH

Filmtipp

«Wir wollen die Budgetberatung in die Gemeinden bringen»

Das Geld anderer Leute – Grosszügigkeit gegen Gewinn Hans-Peter Gamma hat als diplomierter Wirtschaftsprüfer schon einige Firmensanierungen hinter sich. Im April 2009 gründete er zusammen mit drei weiteren Personen den Verein Profi+Finance. Ziel: Ein Netzwerk von Budgetberatern in Gemeinden.

jv. Die Idee des Budgetberater-Netzwerks entstand während seiner Weiterbildung an der Schule für biblische Geschäftsprinzipien am IBR in Biel. Ein Teil der Abschlussarbeit bestand darin, ein Dienstprojekt zu erarbeiten, das im Kern zur Ausbildung passte. Obschon bereits die Ausarbeitung der Idee genügt hätte, will die Gruppe das Projekt nun auch in der Praxis umsetzen. «Schuldensanierung war ein Thema, das wir in der Ausbildung nur kurz streiften», erinnert sich HansPeter Gamma, «doch es lag für uns alle schnell auf der Hand, dass wir ein Projekt zum Thema Budgetberatung machen wollten.» In Zusammenarbeit mit Horst Reiser von CROWN Life schreitet die Planung des gemeinsamen Budgetberater-Netzwerks inzwischen weiter voran. Unter anderem sollen ein geeignetes Schulungsraster sowie ein Reglement helfen, die Berater zu qualifizieren und das Netzwerk sinnvoll aufzubauen. Für Hans-Peter Gamma müssen heute viele Menschen die einfachsten Grundregeln buchstabieren: «Keine Schulden ohne Gegenwert und keine Konsumschulden (Auto, Möbel, Kleider, Ferien). Viele kommen heute bereits mit den einfachen Grundregeln des Haushaltens nicht mehr zurecht. Schon die Jüngsten lassen sich von Wünschen 24

und der Werbung leiten und geben ihr Geld völlig planlos aus.» Ein Eigenheim oder die Gründung einer Firma brauche zwar meist einen Kredit, doch auch hier sei eine vorsichtige Finanzierung gefragt. «Die Person muss mit der Schuld umgehen können und darf nicht erdrückt werden», erklärt Hans-Peter Gamma. In allem gehe es um den Gedanken, sich als Verwalter zu sehen und zu lernen, mit dem Anvertrauten kreativ und verantwortungsbewusst umzugehen. Die Ziele des Vereins lauten daher auch, in diesen Bereichen Hilfe zu geben, damit der Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gelernt werden kann. Dies einerseits für Menschen, die mit diesen Problemen bereits zu kämpfen haben, und andererseits für Jugendliche, welche diesen Themenkreis heute im Elternhaus meist nicht mehr lernen können.

Andrew Jorgenson (Gregory Peck) ist ein grosszügiger Unternehmer alter Schule, der seine Mitarbeiter gut behandelt. Doch er hat mit seiner amerikanischen Drahtfirma «New England Cable & Wire» den Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung verpasst. Das weckt die Begierde des quirligen und gerissenen Börsenspekulanten Lawrence Garfield (Danny DeVito) von der New Yorker Wall Street. Sein Ziel ist es, finanzschwache Unternehmen aufzukaufen, diese auszunehmen und die lukrativsten Teile gewinnbringend weiterzuverkaufen. Nicht umsonst nennt man ihn «Larry, der Liquidator». So bereitet sich Garfield vor, die Gesellschafter der alteingeses-

senen Firma von Jorgenson zu einem Verkauf zu bewegen. Doch Jorgenson wehrt sich dagegen und bittet die junge Anwältin Kate Sullivan (Penelope Ann Miller) um Hilfe. Diese setzt alle ihre juristischen Mittel ein und verhandelt geschickt mit Garfield. Dieser ist beeindruckt von der jungen Frau und verliebt sich sogar in sie. Und auch Kate empfindet gewisse Sympathien für Lawrence. Beim Treffen der Gesellschafter kommt es zum verbalen Show-down zwischen Jorgenson und Garfield. Kann Kate Sullivan die Firma noch retten? «Das Geld anderer Leute» ist nicht einfach nur ein Film über einen grosszü-

• Andy Schindler-Walch, Filmspezialist und Redaktor bei www.fernsehen.ch.

gigen Unternehmer und einen geld­ gierigen Spekulanten, denn sowohl Jorgenson als auch Garfield haben einleuchtende Argumente für den Erhalt bzw. den Verkauf der Firma. Es ist ebenso ein Film über Werte, über falsche Sicherheit und die Frage nach der notwendigen Anpassung an die globalisierte Welt. «Das Geld anderer Leute» (USA/1991, 99 Min.) ist überall als DVD erhältlich.

Medien M ARKUS BAUMGARTNER Nur die Ruhe kann es bringen

• Das Ziel des Budgetberater-Netzwerks ist es, Hilfe zu geben, damit der Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gelernt werden kann.»

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Die Sehnsucht nach dem Mehr im Leben drückt sich auch oft in unserer Rastlosigkeit und Hektik aus. Wir hasten von einem Ort zum andern und klagen immer mehr über Stress. Wir nehmen uns nicht mehr den Raum, etwas richtig und sauber auszuführen. Interessant ist, dass kürzlich in London ein Festival stattfand, das den Müssiggang in den Vordergrund stellte. Ausgerechnet in jener Stadt, die als Zentrum der Habgier und des schnellen Geldes gilt. «Slow down London» hiess der elftägige Event, der mit einem Schneckengang über die Waterloo Bridge begann und den Londonern die Lust an der Langsamkeit nahebringen wollte – unter anderem mit Workshops, Konzerten, Briefwerkstätten, Vorträgen und cz 3|09

Flanerie. Wenn wir hören, dass Walter Benjamin in Paris um 1840 Schildkröten in den Passagen spazieren führte und das sogar als chic galt, können wir uns das heute nicht mehr vorstellen. Eine Untersuchung der Universität von Hertfordshire in 32 Grossstädten ergab, dass die Fussgänger heute zehn Prozent schneller gehen als 1994. Raum haben und zur Ruhe kommen ist eigentlich eine Kernkompetenz der Kirchen. Da fragt sich, wieso wir dann am Sonntag oft laute Partys veranstalten. «Stille ist etwas Gutes. Aber wir kommen so selten dazu», so lautet das Motto für das Jahr der Stille 2010, das verschiedene christli­che Organisatio­nen auf die Beine stellen (www.jahrderstille.de). Statt den Verzicht zu betonen, soll das Jahr der Stille den wohltuenden Reichtum der

• Markus Baumgartner, PR-Profi und Präsident von www.cnm.ch.

christlichen Tradition neu entdecken: Es geht nicht um ein Jahr «ohne», sondern um ein Leben «mit» Stille. Arbeit und Stille gehören zusammen. Aber oft regieren nur Stress und Hektik. Aus der Stille kann die Kraft zum Handeln fliessen. Wir werden achtsam auf Gottes Führung, und das Leben erhält Tiefenwirkung. Wenn wir Gottes Lebensrhythmus entdecken, werden wir auch von der Sucht nach dem Mehr im Leben befreit. 25


grosszügigkeit lernen | seid nicht besorgt

«Seid nicht besorgt!» Gedanken zu einer zentralen Botschaft der Bergpredigt Als Nachfolger Jesu sind wir berufen, sorgenfrei zu leben. In unserer Zeit der wirtschaftlichen Krise und Unsicherheit nicht ganz einfach. Jesus gibt uns sieben Massnahmen, um den Riesen «Sorge» zu besiegen und Raum zum Leben zu gewinnen.

Jens Kaldewey «Ich habe meine Stelle verloren. Wie soll ich mit der Arbeitslosenentschädigung auskommen? Wie soll ich nun meine Fortbildung finanzieren? Ich brauche sie, sonst habe ich noch weniger Chancen. Ich ende noch als Sozialfall!» «Wir können uns diese Miete nicht mehr leisten. Wir schaffen es nicht mehr. Wo kriegen wir eine neue Wohnung her?» «Nächsten Monat wird meine Tochter 18. Dann fällt meine Witwenrente weg. Die Krankenkasse erhöht sich um 200 Franken. Auf einen Schlag habe ich dann 1800 Franken im Monat weniger. Ich weiss nicht, wie das gehen soll!» Das Herz beginnt zu klopfen. Der Schlaf wird unruhig. Der Zweifel an Gottes Fürsorge nagt. Die Gedanken kreisen. Jesus weiss um unsere Sorgen. Er spricht sie an und lässt uns darin nicht allein. Aber er fordert uns auch heraus: In Matthäus 6,24-34 zeigt er konkrete Schritte auf, die uns im zähen Kampf gegen den immer wieder anstürmenden Feind der Sorge unterstützen und ermutigen. 28

Massnahme 1: Seid euch bewusst, dass Sorge euch von Gott wegzieht. «Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt.» Sorge ist ein harmlos und gerechtfertigt erscheinender Ausdruck des Dienstes am Mammon! Aber: Sorge ist Götzendienst! Wer sorgt, dient nicht Gott. «... und die Sorgen der Zeit ... ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht» (Markus 4,19). Sorge ist mordsgefährlich wie ein Schlangenbiss!

Massnahme 2: Bedenkt, dass ihr einen fürsorglichen Schöpfer und Vater habt. «Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie weder säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel wertvoller als sie? Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr auch bei euch tun, ihr Kleingläubigen?» Das heisst: Wenn Gott uns das Leben geschenkt hat, sorgt er doch auch

für die Speise, um dieses Leben zu erhalten. Wenn Gott unseren Leib gemacht hat, sorgt er doch auch für die nötige Umhüllung dieses Leibes. Der selbstverständliche Wille Gottes ist es, seine Geschöpfe zu sättigen. Es gilt nun, angesichts der frischen Verletzung durch den «Schlangenbiss» der Sorge, sich diese Wahrheit diszipliniert und bewusst ins Gedächtnis zu rufen und mindestens innerlich klar und laut auszusprechen: «Wir haben einen Vater, der für uns sorgt!» Paul Gerhardt, der den Dreissigjährigen Krieg mit seinem ungeheuren wirtschaftlichen Elend in ganz Europa erlebt hat, bringt diese Wahrheit in den bis heute gesungenen Worten zum Klingen: «Er weiss viel tausend Weisen zu retten aus dem Tod, Er nährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl, und die da sind gefangen, die reisst er aus der Qual.» (Lied: «Sollt ich meinem Gott nicht singen»)

Massnahme 3: Konzentriert euch auf die Gegenwart. «So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag! Denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.» cz 3|09

• Wir können die Sorge mit einem zähen, ausdauernden Boxkämpfer vergleichen, der nicht so leicht aufgibt. Er tritt in den Ring unseres Lebens, und wir leisten Widerstand.

Gott sorgt heute und morgen, und zwar morgen wieder ganz neu. Gott sorgt heute nicht für morgen, sondern heute für heute und morgen für morgen und übermorgen für übermorgen. Er sendet uns nicht heute Hilfe für morgen (Pension). Pensionen sind eine erleichternde Erfindung, aber Gott ist nicht abhängig vom Zustand unserer Pensionskasse. Die grosse Krise der Kassen bringt Gott in keine Krise. Bei ihm gibt es keine Unterdeckung. «Unser tägliches Brot, das, was wir benötigen, gib uns heute.» cz 3|09

Massnahme 4: Macht euch klar, dass ihr mit Sorgen gar nichts erreicht. «Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen?» Weder Länge noch Fülle des Lebens, das Gott uns gibt, kann durch Sorge vergrössert werden. Sorge dich – es nützt nichts! Sorge dich noch mehr! Es nützt immer noch nichts. Sorge dich extrem! Es ist umsonst. Würden wir 100 000 sauer verdiente Franken in eine Firma investieren, von der wir wissen, dass sie völlig unproduktiv arbei-

tet, die Geschäftsleitung völlig korrupt ist und bisher keiner der Investoren auch nur einen Rappen seines Geldes wiedergesehen hat? Aber warum tun wir es dann? Warum investieren wir in die Firma «Sorge & Partner»?

Massnahme 5: Unterscheidet das Nötige vom Unnötigen. «Das Leben ist mehr als die Speise, der Leib ist mehr als die Kleidung.» Haltet nicht die Speise für wichtiger als das Leben und die Kleidung für 29


grosszügigkeit lernen | kolumne

SABINE

beziehungsweise wichtiger als den Körper! Es kommt also vor allem darauf an, dass wir am Leben bleiben. Doch sind wir fixiert auf mehr: Das Leben an sich ist nichts Besonderes, wichtig sind die Extras. Wir wollen die Luxusausrüstung, die Sonderpakete. Jesus ruft uns zu: «Lasst das Unnötige los! Macht euch nicht abhängig von all den Extras, von all dem Luxus, von all dem Konsum. Weg mit den überhöhten Ansprüchen!» Das Lebensunnötige sind die Extras, der Luxus, die 22-Grad-Wohnung, die Ferien am Meer, die hochkarätige Ausbildung, das ständige Fleisch, der regelmässige Wein, die zwanzig, fünfzig, hundert oder hundertfünfzig gestapelten CDs und DVDs, die drei Zimmer für zwei Personen (ein unglaublicher Luxus in vielen Ländern dieser Erde!) und ... und ... Die Sorge wird deutlich kleiner werden, wenn wir die Grundentscheidung treffen, das Unnötige zu haben, «als hätten wir es nicht» (1. Kor. 7,28-32).

Massnahme 6: Kümmert euch zuallererst um euer und anderer geistliches Wohl. «Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere hinzugefügt werden.» Eine eindrückliche alttestamentliche Illustration dieser Zusage finden wir in 1. Könige 17,8-16. Elija erhielt die göttliche Anweisung, sich von einer (extrem armen) Witwe versorgen zu lassen, die ihm dann sagte: «Ich lese gerade ein paar Holzstücke auf und will mir und meinem Sohn die letzte Mahlzeit bereiten. Dann müssen wir sterben.» Elija erwiderte: «Geh heim und tu, was du vorhast. Aber backe zuerst für mich ein kleines Fladenbrot und bring es zu mir heraus. Den Rest kannst du dann für dich und deinen Sohn zubereiten. Hab keine Angst, denn der Herr, der Gott Israels, hat versprochen: ‹Der Mehltopf wird nicht leer, und das Öl im Krug versiegt nicht, bis ich es wieder regnen 30

FÜRB R I N G E R

Alltägliche und besondere Grosszügigkeit

lasse.›» Die Frau ging und tat, was Elija ihr aufgetragen hatte. Und wirklich hatten die drei jeden Tag zu essen. Der Mehltopf wurde nicht leer, und das Öl im Krug versiegte nicht, wie der Herr es durch Elija versprochen hatte. Diese Story signalisiert doch klar: «Wenn ihr in finanzieller Not seid, hört nicht auf, Gott zu dienen, auch wenn alles in euch schreit: ‹Das kannst du dir jetzt nicht leisten!›» Ich erinnere mich an die Schilderung eines Kubakenners, der erzählte, wie die unbedingte Zehntendisziplin der so armen Christen in Kuba beträchtlich zum rasanten Gemeindewachstum beigetragen habe.

Der Boxkämpfer

Massnahme 7: Lasst die Sorge verhungern.

Wir können die Sorge mit einem zähen, ausdauernden Boxkämpfer vergleichen, der nicht so leicht aufgibt. Er tritt in den Ring unseres Lebens, und wir leisten Widerstand. Wir stossen mit einem Wort Gottes zu, oder wir beten. Der Kerl wird ein wenig langsamer in seinen Bewegungen. Doch plötzlich erholt er sich und schlägt wieder zu. Wir wehren uns und geben nicht auf. Da landet er einen Kinnhaken. Wir gehen zu Boden. Doch Jesus steht am Ring und sagt: Nicht aufgeben! Wir rappeln uns auf und machen weiter. Unser Gegner verliert an Kampfkraft. Und, oh Wunder – schliesslich haben wir gewonnen!

Diese Massnahme steht so nicht im Text, sie kommt aus folgenden Stellen: «Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten – denn treu ist er, der die Verheissung gegeben hat. – Werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine grosse Belohnung hat. Denn Ausharren habt ihr nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheissung davontragt. – Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut widerstanden» (Hebräer 10,23.35-37;12,4).

Diese sieben Massnahmen sind sieben verschiedene «heilige Boxschläge»: Linke Gerade, rechte Gerade, linker Haken, rechter Haken, Kinnhaken usw. Schliesslich wird die Sorge zu Boden gehen oder aufgeben. Treten wir doch ein in diesen harten, aber gesegneten Boxkampf. Es stimmt, es ist ein bulliger Typ, der da zu uns in den Ring des Lebens gestiegen ist, aber nichts wie ran – und wir gewinnen Raum zum Leben!

Dieser Artikel ist eine stark gekürzte Fassung einer längeren Predigt, die man auf der Website von Jens Kaldewey herunterladen kann: www.jenskaldewey.ch, unter der Kategorie Bergpredigt.

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In meinem Kleiderschrank gibt es zwei Kategorien von Kleidern: die grosse Beige A wie «Alltag» und die merklich kleinere Beige B wie «Besonderes». Eigentlich sähe ich es gerne, wenn auch Beige B etwas höher wäre, doch angesichts des spitz berechneten Familien­ budgets bleiben einige Stücke länger als erwünscht auf Beige B, weil das Geld in Winterschuhe für die Kinder oder eine Veloreparatur fliesst – Ausgaben, die eben dringender sind. Als fromme Frau habe ich mich darum auf die Pflege der inneren Schönheit konzentriert und versuche wettzumachen, was sich nicht durch äusseren Schmuck dekorieren lässt. Ich bin versöhnt mit dieser Realität. Fast. Wäre da nicht jene Weihnachtsfeier gewesen, die mich ins Rotieren brachte. Wie jedes Jahr trafen wir uns als Sippe im elterlichen Haus zum vorweihnachtlichen Beisammensein. Schön dekorierter Tisch, brennende Kerzen, feines Essen, fröhliche Gesichter und natürlich herausgeputzte Leute. Inmitten meiner Herkunftsfamilie fiel mir auf, wie gut gekleidet, vom Schuh bis zum Ohrring, alle waren. Da wurde so manches neue Teil zum ersten Mal getragen. Ich selbst trug auch eine Kombination der B-Beige, eine, die allerdings durchaus schon den Weg Richtung A hätte antreten dürfen. Nun, es war Weihnachten, frohe Zeit, wacker

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lächelnd schluckte ich das mulmige Gefühl herunter und hielt durch. Auf dem Nachhauseweg platzte dann aber der Frust aus mir heraus: «Ich fühle mich wie das hässliche Entlein!» Das war kein Vorwurf, sondern etwas Trauriges in mir, das ich aber sofort als Luxusproblem wegzustecken versuchte.

habe ich in Kleider umgesetzt, konnte es aber nicht lassen, den Rest mit der Familie zu teilen.

Zu Hause angekommen, warfen wir, obschon Sonntag, den obligaten Blick in den Briefkasten. Dort lag ein Umschlag, und darin fanden wir einen grösseren Geldbetrag, zusammen mit einem lieben Brief von Freunden, die uns frohe Weihnachten wünschten und explizit erklärten, dass wir uns mit dem Geld etwas Schönes ermöglichen sollten. Es dauerte keine drei Sekunden, und mein Mann vertraute den Betrag mir an, mit dem Auftrag, ihn in Kleider umzusetzen.

Gott ist grosszügig, kein Zweifel. Sein Reichtum fliesst durch unsere Hände – und da liegt viel Störpotenzial. Kleinglauben, Ängste, Neid, fehlende Visio­ nen, Misstrauen und am Ende sogar Minderwert können Gottes Segensfluss behindern. Gottes Plan A wie «alltäglich» ist aber an uns Menschen gebunden, er will mit uns kooperieren und seine Grosszügigkeit in unserem Charakter einpflanzen. Wenn sich aber alles sträubt, hat Gott manchmal auch einen Plan B. In «besonderen» Situa­ tionen schickt er Raben zur Versorgung aus, wie bei Elija. Oder das Manna liegt jeden Morgen bereit. So ist er eben, liebevoll, vertrauenswürdig und grosszügig.

Ich war überwältigt von der Grosszügigkeit, die mir da entgegenkam. Am Anfang der Kette stand Gott, der in mein Herz sah, der mich grenzenlos liebt und der einen Weg gesucht hat, mir diese Liebe zu zeigen. Seine Grosszügigkeit floss durch die Hände von Menschen, die ein verwandeltes Herz haben und ihm darin immer ähnlicher werden. Und nun war es an mir, mit mir selbst grosszügig zu sein und das Geschenk anzunehmen. Ich habe es fast geschafft; einen Teil des Geldes

• Sabine Fürbringer ist Psychologin sowie Familienfrau und arbeitet bei Campus für Christus als Referentin, Autorin und Beraterin.

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grosszügigkeit lernen | das wort des missionsleiters

«Grosszügig und freisetzend» Das Wort des Missionsleiters

Leitungspersönlichkeiten entwickeln heisst, ihnen zu helfen, die Person zu werden, die Gott aus ihnen machen will. Deshalb müssen wir lernen, die Menschen mit Gottes grosszügigen Augen zu sehen und sie entsprechend zu fördern.

Hanspeter Nüesch Als ich nach sieben Jahren Mitarbeit die Leitung von Campus für Christus in der Schweiz übertragen bekam, entdeckte ich bei den Personalakten auch mein Dossier mit der Auswertung des ersten Bewerbungsgesprächs. Nur in einem Bereich hatte ich eine Bestnote: «Er ist kräftig und von guter Gesundheit.» Die Auswertung selbst schloss ab mit der Feststellung: «Eher nicht für einen hauptamtlichen Dienst geeignet.» Da wurde mir bewusst, wie dankbar ich sein konnte, dass sich der damalige Leiter des Schweizer Zweiges, Ben Jakob, nicht an die internationale Empfehlung gehalten, sondern mir Vertrauen geschenkt hatte. Er hatte keine Angst, dass ich Fehler machen 32

könnte – er hatte Angst davor, dass wir nicht alles unternehmen würden, um die Schweiz mit dem Evangelium von Jesus Christus zu erreichen. Ich frage mich, ob wir den heutigen Jungen das gleiche Vertrauen entgegenbringen. Neben Ben Jakob waren es vor allem zwei Menschen, die einen grossen positiven Einfluss auf meinen Dienst ausüb(t)en: meine Frau Vreni und Bill Bright. Warum? Beide, obwohl sie meine schwachen Seiten wahrnahmen, ermutigten mich zeitlebens, nach vorne zu blicken und mich auf meine Stärken und die Gnade Gottes zu konzentrieren. «Du kannst Gott nur erleben, wenn du Dinge wagst, die du mit deinen eigenen Möglichkeiten nie schaffen würdest», bestärkte mich Bill

Bright und fuhr fort: «Ich freue mich über deinen wachsenden Glauben und die Glaubensschritte, die du tust. Nimm die Erfüllung und Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist täglich in Anspruch, und du wirst noch gewaltige Dinge mit Gott erleben.» In der Zwischenzeit habe ich unzählige Male erlebt, wie recht Bill Bright hatte. Gott lässt uns tatsächlich nicht im Stich, wenn wir im Vertrauen auf ihn Schritte unternehmen, gegenüber dem Missionsauftrag Christi gehorsam zu sein. Doch oft bin ich enttäuscht über mich und die mangelnde Effektivität unseres Dienstes im Prägen unserer Gesellschaft. Dann ermutigt mich Vreni – mit Worten oder einfach, indem sie zuhört und mit mir betet –, cz 3|09

Gottes Gnade zu ergreifen und auf Gottes Möglichkeiten als die menschlichen Unmöglichkeiten zu schauen. Weil ich bei Bill Bright und Vreni echte Grosszügigkeit erlebte und – was Vreni betrifft – noch immer erlebe, möchte ich auch meinen Kindern und Mitmen­ schen mit der gleichen Grosszügigkeit begegnen. Es ist mein Bestreben, mehr das zu sehen, was gut ist, als das, was noch «verbesserungsfähig» wäre. An negativer Kritik möchte ich mich nicht beteiligen. Der Feind Gottes kritisiert uns Christen schon genug, um uns unten zu halten. Im Gegenteil: Nichts setzt Menschen mehr frei, als wenn wir laut über ihnen aussprechen, was Gott in sie hineingelegt hat; wo sie von Gott begabt sind und von ihm schon zum Segen gebraucht wurden. Für mich ist dabei ein Wort des britischen Premierministers Benjamin Disraeli (1804-1881) wegleitend geworden: «Das Beste, was wir für andere tun können, besteht nicht darin, unseren Reichtum mit ihnen zu teilen, sondern ihnen ihren eigenen Reichtum aufzuzeigen.» Die wichtigste Aufgabe einer Leitungsperson ist es denn auch, andere Leitungspersonen zu entwickeln. Deshalb sollte er oder sie mindestens so viel Zeit in die Entwicklung von Menschen wie in die eigenen Aufgaben investieren. Nachfolgend zehn praktische Wege, die sich in meinen Augen bewährt haben, damit uns anvertraute Menschen mehr und mehr ihr volles göttliches Potenzial entfalten können. 1. Bete regelmässig mit ihnen, um ihnen die Kraft einer intimen Beziehung mit Gott zu zeigen. Leitungspersonen werden auf den Knien geboren. cz 3|09

2. Halte sie von Gott abhängig, indem du ihnen ein Glaubensziel vorhältst, das weit über dem liegt, was sie bisher erreicht haben. Mehre ihren Glauben in die unbegrenzte Kraft des Heiligen Geistes, der Menschen und Situatio­ nen verändern kann. 3. Übertrage ihnen herausfordernde Aufgaben und Verantwortungen, die sie nur mit Gottes Hilfe bewältigen können. Gewähre ihnen grosse Freiheit, die Arbeit auf ihre Weise zu tun. Lass sie Fehler machen, damit sie aus diesen lernen. Ermutige sie, wenn sie versagt haben. 4. Bestätige dein Vertrauen in sie immer wieder, auch wenn du manchmal ein Auge zudrücken musst. Nicht nur bei der Kindererziehung, sondern auch bei der Leiterentwicklung machen Lieben und Loben neunzig Prozent des Erfolgs aus. 5. Setze sie Leitern und Diensten aus, die in gewissen Bereichen vorbildlich sind. 6. Lass dich nie auf Streit und Auseinandersetzungen mit deinen Mitarbeitern ein. Du läufst sonst Gefahr, Diskussionen zu gewinnen, aber gleichzeitig Menschen zu verlieren.

neugefundene Begeisterung in gesunde Bahnen zu lenken. 9. Sei wie ein Vater, der sich mehr um das persönliche Wohlbefinden seiner Kinder sorgt als darum, was sie für die Organisation bringen können. Sei gnädig-grosszügig mit ihnen, wie dein Vater im Himmel gnädig-grosszügig mit dir ist. 10. Sorge für eine positive, ermutigende und freudvolle Atmosphäre, da die Freude im Herrn der Schlüssel für geistliche Effizienz und Multiplikation ist. Zusammenfassend ein Zitat aus dem säkularen Bestseller von Tom Peters*: «Leiterschaft ist keine Magie: Effektive Leiter sind Menschen, welche Champions finden und fördern, Firmenziele dramatisieren, Fähigkeiten und Teams entwickeln, unwiderstehliche Begeisterung verbreiten ... Sie ermutigen, regen an, instruieren, hören zu und helfen wo nötig. Sie sagen, ihre Mitarbeiter seien speziell, und sie behandeln sie auch so – immer.» * Peters, Tom, Austin, Nancy: A Passion for Excellence – The Leadership Difference. New York: Random House Inc 1985, ISBN 9-780-3945-44847.

7. Erinnere sie an die Tatsache, dass «geistliche Schwergewichte» nicht als solche geboren werden, sondern über längere Zeit beharrlich ihrem Glaubensziel nachjagten. 8. Gönne ihnen von Zeit zu Zeit eine Pause. Alle zehn Jahre sollten sie ein ausgedehntes Sabbatical haben dürfen, während dem sie ihre Batterien wieder aufladen können und eine neue erweiterte Vision gewinnen. Habe keine Angst, wenn sie mit ungewohnten Ideen zurückkehren, hilf ihnen, die

• Bill Bright, rechts, Gründer von Campus für Christus international, zusammen mit Hanspeter Nüesch. 33


grosszügigkeit lernen | johannes calvin

Johannes Calvin Die weltweite Ausstrahlung seines Werks verlassen und das unstete Leben eines Flüchtlings führen. In Genf war und blieb er immer ein Fremder. Gerade deshalb hatte er mit allem, was er dachte und tat, nicht nur die Stadt Genf, sondern alle evangelischen Gemeinden weitherum im Blick. Schon in Strassburg war Calvin Seelsorger und Lehrer von Glaubensflüchtlingen gewesen. Und das blieb er mit innerem Engagement sein Leben lang. • Das Internationale Reformationsdenkmal in Genf (von links: Guillaume Farel, Johannes Calvin, Theodor Beza, John Knox).

Es mag anmassend erscheinen, nach dem Einfluss Johannes Calvins, des Genfer Reformators aus dem 16. Jahrhundert, im China des 21. Jahrhunderts zu fragen. Doch die chinesischen Intellektuellen interessieren sich für die Gestalt Calvins.

Georg Waldburger «Calvin mit seinen Vorstellungen, seinem Kirchenverständnis, seinen Aussagen zum Verhältnis von Kirche und Staat, seiner Auffassung von Diakonie, seiner Volksbildung und Wirtschafts­ ethik ist für die chinesische protestantische Kirche das, was Konfuzius für die ganze Nation ist: eine Bezugsbasis, ein ‹Vater›.»1 Diese Aussage des chinesischen Theologen Aiming Wang zum CalvinJubiläumsjahr mag stellvertretend für andere Beiträge aus allen Weltteilen stehen. Es ist offensichtlich, dass Johannes Calvin von allen Reformatoren des 16. Jahrhunderts die grösste Ausstrahlung weltweit hatte und zum Teil bis heute behalten hat. Von Genf sind 34

direkte und indirekte Impulse in die meisten europäischen Länder ausgegangen, später hinüber in die Neue Welt und bis nach China. Zwar ist der Name Martin Luthers meist bekannter, aber seine Reformation blieb weitgehend auf die deutschen und skandinavischen Länder beschränkt. Was war bei Calvin anders? Warum hat sich gerade sein Denken und Tun so geschichtsmächtig ausgewirkt? Verschiedene Umstände und Gründe sind miteinander zu verbinden und zu bedenken.

1. Calvins Persönlichkeit und Lebensschicksal Calvin gehörte zur zweiten Generation der Reformatoren, gut 25 Jahre jünger als Luther und Zwingli. Geboren und ausgebildet in Frankreich, musste er schon als junger Mann seine Heimat

Anders als Luther, dem Calvin viel zu verdanken hatte und den er stets hoch schätzte, anders als Zwingli in Zürich und Bucer in Strassburg ging es Calvin immer um eine gesamteuropäische Reformation. Deshalb bemühte er sich um «evangelische Einheit», besonders um ein gemeinsames Verständnis des Abendmahls. Dass Luther von solchen Bestrebungen nichts wissen wollte, enttäuschte ihn sehr. Umso mehr suchte Calvin durch persönliche und briefliche Kontakte weit über Genf hinaus seine Sicht der Dinge darzulegen. Als es ihm gelang, mit Heinrich Bullinger in Zürich eine Übereinkunft betreffend das Abendmahl zu schliessen, prägte dieser «Consensus» die reformierten Gemeinden in Ost und West.

2. Calvins Kirchenverständnis und die Ämter Zwar formulierte Calvin seine Kirchenordnung speziell für die Genfer Kirche. Aber seine Ämterlehre (Pastoren, Lehrer, Älteste oder Presbyter und Diakone) wurde schon bald von reformierten Gemeinden europaweit übernommen. Bis heute sind christliche Gemeinden – nicht nur reformierte – cz 3|09

Calvin über das Wort Gottes «Wenn wir uns nicht täglich in der Heiligen Schrift stärken, so bröckelt die Wahrheitserkenntnis, die wir hatten, Stück um Stück ab.» «Wie Gott selbst in seinem Wort der einzige vollgültige Zeuge von sich selbst ist, so wird auch dies Wort nicht eher im Menschenherzen Glauben finden, als bis es vom inneren Zeugnis des Heiligen Geistes versiegelt worden ist.» «Der wandelt recht im Worte Gottes, der nicht aufhört zu staunen. Töricht handelt aber, wer dem Ungläubigen beweisen will, die Schrift sei Gottes Wort. Denn es kann ohne Glauben nicht erkannt werden.»

von diesem Modell bewusst oder weniger bewusst geprägt. Weiter hat sich die umstrittene «Gemeindezucht», das heisst Ausschluss vom Abendmahl bei sittlichen Verfehlungen, als ein Modell erwiesen, das gerade verfolgten und unterdrückten Gemeinden ein hohes Mass an Selbstbestimmung ermöglichte. Calvin hat in Genf mit aller Kraft dafür gekämpft, dass «Gemeindezucht» allein in die Zuständigkeit der Kirche gehöre und nicht den staatlichen Behörden zukomme. Calvinische Gemeinden erwiesen sich als stark und lebensfähig auch in Opposition gegen staatliche Bevormundung und sogar im «Untergrund». Das ist mit ein Argument, weshalb Calvin als Förderer demokratischer Strukturen gesehen wird, auch wenn er selber durchaus aristokratisch dachte.

3. Calvins internationale Briefkontakte Erstaunlich ist, wie Calvin Zugang zu hohen Herrscherpersönlichkeiten seiner Zeit gefunden hat. Schon als cz 3|09

Student kam er durch humanistische Freunde in Kontakt mit Margarete von Navarra, der Schwester des französischen Königs. 1536 reiste er nach Italien, wo er am Hofe der Renée de France, der Herzogin von Ferrara, den evangelischen Glauben darlegen konnte. Mit dieser Fürstin blieb er zeitlebens in brieflichem Kontakt. Die Unterstützung aus adeligen Kreisen führte dazu, dass Calvin in Genf viele Glaubensflüchtlinge aus Frank­ reich und Italien aufnehmen konnte. Je mehr Flüchtlinge Zuflucht und Hilfe suchten, umso bekannter wurde Calvins Wirken. Wie sein Vorbild, der Apostel Paulus, blieb Calvin mit den verfolgten Gläubigen und Gemeinden in Verbindung. Er schrieb ermutigen­ de Worte an junge und alte Christen, zum Beispiel an die Gefangenen von Lyon, die in den Kerkern auf ihre «Ketzerurteile» warteten oder schon zum Scheiterhaufen verurteilt waren. Mutig und mit klaren Sätzen ermahnte er Herrscher und Könige, sich für die

• Johannes Calvin, skizziert von einem seiner Schüler.

Freiheit des Wortes Gottes einzusetzen. So haben wir Briefe Calvins an Edward Seymour, den Herzog von Somerset und Lordprotektor Englands, an König Edward VI. von England, an den königlichen Grosskanzler Fürst Radziwill in Krakau und an König Sigismund August von Polen. Er korrespondierte mit Thomas Cranmer, dem Erzbischof von Canterbury, mit dem er Pläne für ein evangelisches Konzil erörterte. Er schrieb an hohe französische und deutsche Adlige, aber auch an einfache Christen in Leid und Anfechtung. Calvins Rat und seelsorgerliche Ermahnung wurden geschätzt und meist auch angenommen.

4. Die Genfer Akademie als «Kaderschmiede» der reformierten Kirche Besondere Ausstrahlung erlangte Genf nach 1559, als die Akademie eröffnet werden konnte. Hervorragende Lehrer, die bisher in Lausanne unterrichtet hatten und dem politischen Druck der Berner Regierung weichen 35


grosszügigkeit lernen | johannes calvin

«Was die Kraft dieses Ketzers ausmacht, ist, dass das Geld nie etwas für ihn war.» Papst Pius IV. (1499-1565)

«Calvin und nicht Luther hat die Reformation welt- und geschichtsfähig gemacht, indem er den Glauben Luthers hartgehämmert hat zum Gehorsam.» Karl Barth (1886-1968)

«Johannes Calvin hat mir die Augen geöffnet für eine schriftgebundene Theologie, die zur Ehre Gottes führt und die Welt durch die Kraft des Evangeliums nachhaltig verändert.» Hans Ulrich Reifler, Dozent auf St. Chrischona und Autor von «Johannes Calvin – Nichts tröstet mächtiger»

mussten, kamen nach Genf. So Theo­ dor von Beza und Pierre Viret. Sofort strömten lernwillige Studenten von überall her in die Westschweizer Stadt. Als gründlich ausgebildete Pfarrer kehrten sie in ihre Heimatländer zurück. Oft im klaren Bewusstsein, dass daheim Entbehrung, Verfolgung und manchmal sogar der Tod auf sie wartete. In Genf ausgebildete Leute fand man in Frankreich, den spanisch beherrschten Niederlanden, bei den Waldensern in Italien, in England und Schottland, in Polen und anderen Ländern. Genf galt als das «reformierte Rom», das heisst als Zentrum evangelischer Bildung. Vor allem der Schotte John Knox wurde zum Herold calvinischen Gedankengutes in Schottland.

5. Ausbreitung von Calvins Lehre nach seinem Tod Im 17. Jahrhundert verstärkte sich der Einfluss der Genfer Theologie in Europa und weit darüber hinaus. In Frankreich gab das Edikt von Nantes (1598) den Hu­genotten eine gewisse Duldung. Die reformierten Gemeinden konnten relativ frei wachsen. Im angelsächsischen Raum bildeten die presbyterialen und unabhängigen Gemeinden eine stete Herausforderung für die katholische Partei und auch für die englische Staatskirche. Als dann Anfang des 17. Jahrhunderts viele aktive Evangeli­ sche aus England emigrierten und übers Meer nach Amerika fuhren, brach­ten diese Pioniere ihren reformierten Glauben hinüber in die Neue Welt.

6. Der wirtschaftliche Auf schwung von Genf und die cal vinistische Wirtschaftsethik Genf, am Rande des Deutschen Reiches gelegen, Französisch sprechend und an Frankreich, Savoyen und Italien angrenzend, konnte sich aus vielen Wirren, etwa dem Dreissigjährigen Krieg, heraushalten. Als Zufluchtsort für immer mehr Flüchtlinge verdankte Genf gerade diesen Fremden einen wachsenden wirtschaftlichen Aufschwung. Handel und Gewerbe, die anderswo in Europa am Boden lagen oder durch obrigkeitliche Bestimmungen gehemmt waren, konnten sich hier frei entfalten. Geldverleihen und Kreditnehmen gegen Zins hatte schon Calvin befürwortet. Er stellte sich dabei klar gegen die offizielle «christliche» Doppelmoral, die einerseits die Zinswirtschaft scharf ablehnte und verbot und andererseits doch hintenherum Kredite gegen ho­he Zinsen aufnahm. Im Gegensatz zu verschiedenen Päpsten, aber auch anderen Autoritäten setzte Calvin klare Grenzen: fünf Prozent Zinsen, später sieben Prozent sollten die oberste Grenze sein. Sonst bestand die Gefahr, dass die Kreditnehmer ihre Zinsen nicht mehr bezahlen konnten (die sieben Regeln Calvins zu einem fairen Zins siehe Seite 37).

• Von links: Melchior Volmar ermöglichte Calvin den Zugang zur evangelischen Theologie und Frömmigkeit, in Thomas Platters Druckerei in Basel wurde Calvins «Institutio» erstmals veröffentlicht, der römische Kardinal von Carpentras, Jakob Sadolet und Prinzessin Renata von Ferrara, die Calvin und anderen Verfolgten der Reformation zeitweise Unterschlupf bot. 36

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Da die zum Teil sehr reichen Flüchtlinge brachliegendes Geld bei sich hatten, wurden mit diesem Kapital Arbeitsplätze für die Armen geschaffen. So war beiden Seiten geholfen: Die Kapitalgeber konnten durch die Zinseinnahmen ihren Lebensunterhalt bestreiten, und die anderen hatten eine sinnvolle Beschäftigung und Erwerbseinkommen. Genfs Wirtschaftsförderung, von Calvin noch selber angeregt, war buchstäblich sozial und gemeinnützig: Wollspinnereien und -färbereien, Gewerbebetriebe usw. gaben den Flüchtlingen Arbeit und eine sinnvolle Lebensstruktur. Jeder konnte durch seiner Hände Arbeit die Familie erhalten. Diese bewährte Wirtschaftsethik der Calvinisten wurde mit den Pionieren und Siedlern weit über Europa hinaus zum Segen.

7. Kolonien und weltweite Handelsbeziehungen Das beginnende Zeitalter der Kolonia­ lisierung führte indirekt ebenfalls zu einer Ausdehnung calvinistischen Gedankengutes: Die Kolonisten auf dem nordamerikanischen Kontinent waren mehrheitlich vom reformierten Glauben geprägt. An der Südspitze Afrikas siedelten die niederländischen Buren. Die Holländer fassten zudem Fuss in

Indonesien und Fernost, die Engländer in Indien und zum Teil in China. Eine puritanische Lebens- und Arbeitseinstellung führte dazu, dass sich in der Folge ein wachsender Wohlstand ausbreiten konnte. Im 19. Jahrhundert begannen zudem englische und amerikanische Missionsbewegungen ihre Evangelisationstätigkeit in fast allen Ländern der Erde. Die meisten von ihnen waren calvinistisch beeinflusst.

Sieben Regeln zum Zins von Calvin be. Bis zur Reformation galt grundsätzlich ein Zinsverbot, das durch viele Ausnahmen völlig durchlöchert war. Seit der Reformation gilt: Zins ja, aber mit Einschränkungen. Nachfolgend Calvins sieben Zinsregeln, kurz zusammengefasst von Christoph Stückelberger: 1. Von Armen soll kein Zins verlangt, aber Armen sollen zinslose Darlehen gewährt werden.

8. Indirekte weltweite Einflüsse calvinischen Glaubens und Denkens

2. Geld darf mit Gewinn angelegt, Geld soll aber auch als Spende geteilt werden.

Die reformierte Ethik hat in Genf Generationen von Bürgern geprägt. Noch im 19. Jahrhundert war das spürbar. Als Beispiel kann Henri Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, genannt werden: Sein soziales Engagement entsprang einem tiefen evangelischen Glauben. Sein Lebenswerk, das Rote Kreuz, kann deshalb mit Fug und Recht als eine späte Frucht von Calvins Theologie und Ethik bezeichnet werden. Dass dann in der Folge Institutio­ nen wie der Völkerbund, die UNO, der ökumenische Rat der Kirchen und andere in Genf ihren Sitz nahmen, ist – so merkwürdig das auch klingen mag – ebenfalls eine indirekte «Spätfrucht» von Calvins Wirken.

3. Die Goldene Regel der Gegenseitigkeit ist zu beachten. 4. Der Schuldner soll mindestens wie der Gläubiger profitieren. 5. Nicht der Markt, sondern die christliche Ethik ist der Gerechtigkeitsmassstab. 6. Das Kreditwesen muss dem Gemeinwohl dienen. 7. Eine Gewinnbegrenzung kann nötig sein, zum Beispiel mit einer Kapitalgewinnsteuer.

aus: Stückelberger, Christoph: Ethischer Welthandel © Bern: Haupt 2001, ISBN 3-258-06362-1.

• Von links: Guillaume Farel, Pierre Viret und Theodor Beza, Freunde und Weggefährten Calvins und im Falle Bezas auch Leiter der Akademie.

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reportage | ein zuhause für verstossene kinder

Ein Zuhause für verstossene Kinder Das Kidshouse im nordindischen Kaschmir Im Kidshouse in Kaschmir haben sieben verstossene Babys eine Familie gefunden. Simon und Simone Allenbach kehrten 2007 in die Schweiz zurück und betreuen nun von hier aus das einheimische Ehepaar Mani* und Gita* in seiner vielfältigen Aufgabe als Eltern einer Grossfamilie.

Johanna Vollenweider In Kaschmirs Waisenhäusern gibt es viele Halbwaisen. Meist ist der Vater durch einen Terroranschlag umgekommen. Eine jung verwitwete oder gar le-

dige Mutter findet nur einen Mann und Versorger, wenn sie ihr Kind irgendwo abschiebt – denn die Blutlinie ist so wichtig, dass ein Kaschmiri das Kind eines anderen Mannes nicht akzeptiert. Kinderprogramm im Waisenhaus Simone kommt aus Deutschland und ist Hebamme, Simon ist Maler und Skilehrer und stammt aus Adelboden. «Wir besuchten beide die Mitarbeiterschule der FCJG in Lüdenscheid, Deutschland, und machten im Rahmen der Schule 1997 einen Pioniereinsatz in Nordindien», erzählt Simon. Dort hatten die beiden unabhängig voneinander den Eindruck, dass sie nach Srinagar (Sommerhauptstadt des indischen Teils von Kaschmir) zurückkehren sollten, um unter Waisenkindern zu arbeiten. Sie heirateten 1999 und reisten 2002 mit ihrer damals acht Monate alten Tochter Pia und einer weiteren Schülerin aus Lüdenscheid nach Nordindien aus. Nach einer sechsmonatigen Sprachschule zogen sie nach Kaschmir und begannen in Srinagar mit einem Kinderprogramm in zwei staatlichen Waisenhäusern.

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Um die Waisen kümmerte sich niemand so richtig, deshalb standen dem kleinen Team – das auch vom «Westlerbonus» profitierte – Tür und Tor offen. Sie erzählten den Kindern biblische Geschichten, spielten mit ihnen, brachten ihnen das Zähneputzen bei und nahmen sie mit zum Arzt. Die Kinder hatten im Winter ein von der Kälte aufgesprungenes Gesicht und Frostbeulen an den Füssen. Während zwei Jahren konnte das Team ziemlich ungestört arbeiten – dann plötzlich wurden Termine immer wieder verschoben bzw. nicht eingehalten. «So merkten wir, dass wir nicht mehr willkommen waren», erinnern sich die beiden. «Man erhält keine näheren Erklärungen und wird immer wieder auf typisch asiatische Art vertröstet.» So wuchs ihr Wunsch, selbst ein Haus für verstossene Kinder zu gründen, in dem man das Leben der Kinder auch längerfristig besser prägen kann. Suche nach einheimischen Eltern «Wir wussten von Anfang an, dass wir das als Westler nie alleine meistern konnten», erzählen sie. Kaschmiris sind sehr misstrauisch gegenüber vielem, was von aussen kommt, und auch rechtlich wäre es ihnen nicht möglich gewesen, Kinder bei sich aufzunehmen. Doch wie sollten sie ein

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geeignetes Elternpaar für die Kleinen finden? «Wenn du als Westler nach Kaschmir kommst, kannst du sofort zehn Helfer finden, die sich anbieten, weil sie vermuten, dass Geld fliessen wird», erläutert Simon. Doch Gott hatte schon längst vor­ gesorgt: Bereits während der Zeit auf der Sprachschule hatten sie 2002 Mani und Gita, ein junges gläubiges Ehepaar, kennengelernt. Er ist Kaschmiri und sie Südinderin. «Sie haben ein Herz für Kinder und sehen diese Aufgabe als ihre Berufung», erzählt Simon, «bei diesem Ehepaar spürten wir, dass sie diesen Dienst von ganzem Herzen tun würden – und nicht wegen des Geldes.» So mieteten sie 2005 ein geeignetes Haus, gründeten gemeinsam einen lokalen Verein, und Simon machte sich zusammen mit Mani auf den Weg in verschiedene Dörfer, um Waisenkinder zu suchen, die sie aufnehmen könnten. Sobald die Menschen jedoch herausfanden, dass sie Christen waren, wollten sie vom Angebot nichts mehr wissen. «Wir suchten nach etwa dreijährigen Kindern, den vielen Waisenkindern aus dem Kaschmirkonflikt, und bekamen einfach keine ins Haus, weil immer irgendein naher oder ferner Verwandter dies kurz vorher wieder verhinderte», sagt Simone, «damals beteten wir oft: ‹Herr, wir wollen jene, die wirklich in Not sind. Jene, die niemanden haben!›» Direkt aus dem Müll Am Neujahrsmorgen 2006 rief eine befreundete Ärztin die Familie Allenbach

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an und fragte, ob sie auch ein Baby aufnehmen würde. Simon und Simone wie auch Mani und Gita sagten sofort zu. Mussa wog nur zwei Kilogramm und war das erste Kind der KidshouseFamilie. Wenige Tage später rief die Ärztin erneut an und erkundigte sich, ob das Kidshouse nochmals ein Baby aufnehmen könnte. So ging es los. Diese Kinder wurden von ihren Müttern im Spital oder beim Kinderarzt zurückgelassen, weil die ledige Mutter ungewollt schwanger geworden oder ein weiteres Baby in der bereits kinderreichen Familie nicht mehr erwünscht war. Die Not war gross, die Aufnahmegesuche nahmen zu – und man kann nur ahnen, was mit den Kindern geschieht, die weder von einem kinderlosen Ehepaar noch vom Kidshouse aufgenommen werden. Mariam, heute fast eineinhalbjährig und bildhübsch, lag bereits im Müll, bevor sie als sechstes Baby zur Kidshouse-Familie stiess. «Das sagte uns natürlich niemand», erinnert sich Simone, «aber der Schmutz in ihrem Mund und die Wunden an ihrem kleinen Körper sprachen eine deutliche Sprache.»

• Papa Mani mit Mariam.

• Mama Gita mit ihrer Tochter Ruth (oben). • Simone mit Ruth, Sarah und Yaqoub im Park (unten).

Mani und Gita haben neben ihren beiden leiblichen Söhnen Nehemiah (6) und Yousuf (3) bis heute sieben Babys adoptiert. Sie wünschen sich, einmal zwölf Kinder zu haben. Doch fürs Erste haben sie mit ihren neun Sprösslingen zwischen einem und sechs Jahren

* Namen von der Redaktion geändert.

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reportage | ein zuhause für verstossene kinder

mehr als genug zu tun. Malati*, eine ledige junge Frau aus Südindien, unterstützt das Ehepaar seit zwei Jahren tatkräftig, und auch Manis jüngere Schwester hilft immer mal wieder für ein paar Wochen im Haushalt mit.

• Mussa, Yaqoub und ihr grosser Bruder Nehemiah zeigen stolz ihre Schuluniform.

• Ruth spielt mit der neuen Duploeisenbahn.

• Papa Mani, umgeben von seinen Kindern, beim Mittagessen (oben). • Mussa mit Simon im Park (unten).

Ein schönes, warmes Heim Das Haus, in dem die Kidshouse-Familie lebt, liegt rund zehn Kilometer ausserhalb von Srinagar. Es ist alt, hat jedoch viel Potenzial. «Erst nach dem Einzug fanden wir heraus, dass es über einen Raum verfügt, dessen Boden man mit Holz beheizen kann», bemerkt Simon. Im Winter sei Srinagar aufgrund des Schneefalls öfter von der Aussenwelt abgeschnitten und die Versorgung eingeschränkt. Es fehle dann an Gas fürs Heizen und Kochen. Ein ungeheizter Raum in Kaschmir sei im Winter sieben oder acht Grad kalt. «Es ist super, so einen warmen Raum zu haben», erklärt Simone, «wir waren sehr dankbar dafür, besonders als die ersten Babys mitten im Winter zu uns kamen.» 2007 kehrten Allenbachs mit ihrer sechsjährigen Tochter in die Schweiz zurück. Einmal pro Jahr reisen sie als Familie nach Kaschmir, und ein oder zwei weitere Male reist Simon oder Simone alleine dorthin. Das kleine Team vor Ort wächst sehr gut in die vielfältigen Aufgaben hinein – eine wirklich tolle und aussergewöhnliche Familie! Die Kinder entwickeln sich prächtig. Nur die kleine Jemima hat manchmal etwas Mühe, Nahrung bei sich zu behalten. Ansonsten ist auch sie ein aufgewecktes Mädchen und strahlt die Menschen um sich herum an. Die beiden ältesten Jungen sind mit drei Jahren soeben eingeschult worden. Was bringt die Zukunft? Die politische Situation in Kaschmir ist seit Jahren instabil, und es gibt seit vergangenem Sommer wieder fast * Name von der Redaktion geändert.

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jeden Freitag Streiks. «Die Atmosphäre ist dann leider oft sehr unangenehm und auch belastend», schildert Simone, «mit den Bussen voller Menschen, die wütende Slogans rufen, mit Streiks und Ausgangssperren, mit gewalttätigen Übergriffen ...» Inmitten all dieser Unruhen haben die Kinder im Kidshouse aber doch gute Voraussetzungen und bekommen durch die christliche Erziehung von Mani und Gita eine Lebensperspektive, auf die sie auch in schwierigen Zeiten zurückgreifen können. Unterstützung aus Deutschland und der Schweiz Seit Februar 2008 ist das Kidshouse Kaschmir ein Partnerschaftsprojekt von Agape international. Finanziell wird es ausschliesslich von Spenden getragen. Der grösste Teil der monatlich benötigten Gelder kommt durch Spenden von Missionspartnern aus Deutschland und der Schweiz zustande. «Nicht jeden Monat fliesst gleich viel Geld auf das Kidshouse-Konto, doch bis heute hat es immer gereicht, wofür wir sehr dankbar sind. Wir vertrauen darauf, dass Gott unser treuer Versorger ist und sich auch in Zukunft um alles Nötige kümmern wird», sagt Simone. Im vergangenen Frühling sammelte die Familie Duplosteine, die sie im Mai nach Kaschmir mitnehmen wollte. Lange bewegte sich nicht viel, doch in der letzten Woche vor der Abreise brachten die Leute Schachtel um Schachtel vorbei, gefüllt mit den grossen Legosteinen. Die Allenbachs konnten gar nicht alle auf einmal nach Kaschmir mitnehmen. Das Projekt von der Schweiz aus weiterhin zu betreuen ist für Allenbachs selbstverständlich: «Wir sehen das als unseren Auftrag von Gott und möchten dem auch weiterhin treu sein.» Es ist ein langjähriges Projekt, das sich lohnt, weil es eine kostbare Investition in Menschenleben ist.

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• Eine Wasserpfütze zieht Kinder auch in Kaschmir magisch an.

RUnterwegs OLAN D KURTH erlebt

• Roland Kurth ist Leiter von Agape international, das sich in rund sechzig einzelnen Entwicklungs- und Hilfsprojekten vor allem in Asien, Südamerika und Afrika engagiert.

Annahme In den unterschiedlichsten Kulturen werde ich immer wieder auf meine Grosszügigkeit angesprochen. Dabei meinen die Leute nicht nur die materiel­le Grosszügigkeit, sondern viel mehr auch die spirituelle und wesensmässige Grosszügigkeit. Ich selber empfinde mich überhaupt nicht als grosszügig, denn was man selber hat, empfindet man oft als «normal». Wirkliche Grosszügigkeit ist für mich eines der wesentlichen Merkmale Gottes. Wo immer ich hinschaue: in die Natur, zu den verschiedenen Völkern und bis hin zu den unterschiedlichsten Menschen – überall begegnet mir eine Vielfalt, eine Grosszügigkeit, die all mein Denken und Vermögen übersteigt. Dass Gott

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seinen unschuldigen Sohn für meine Sünden hingegeben hat, das ist für mich wahrhaftige Grosszügigkeit! Die Grundlage aller Grosszügigkeit ist für mich die Annahme. Ich kann nichts weitergeben, was ich nicht vorher angenommen habe. Jesus hat sich zunächst fünf Brote und zwei Fische geben lassen; dann schenkte er sie der Menge zurück, und mit einem Mal war für alle Nahrung in Hülle und Fülle da. Er verschenkte, was er zuvor angenommen hatte. Weil er die Hungrigen zunächst angenommen hatte, konnte er ihnen Nahrung geben; weil er mit den Leidenden mitgelitten hatte, konnte er sie heilen; weil er für die

Kranken da gewesen war, konnte er sie heilen. Wer den Nächsten nicht annimmt, sondern ihm einfach etwas Gutes tun will, wird nie grosszügig sein können. Grosszügigkeit ist eine Verbindung, die vom Herzen zu den Gedanken und Händen führt. Schau dich in deinem Leben um, erkenne, was dir alles gegeben ist, und nimm es dankbar an – dadurch, und nur dadurch, wirst du in die göttliche Grosszügigkeit hineingenommen werden! Eine Grosszügigkeit, die dich und dann auch andere erfüllt und glücklich macht!

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CfC-national Neue Leiterin der Studentengemeinde in Zürich

Ein toller Service: der Ehekurs-Trainingstag

Urs Wolf über Caroline | Im Juli sind es genau zehn Jahre her, dass Caroline vollzeitlich

In einem Tag fit für die Kursdurchführung | Iwan und Catrina Wüst besuchten vor einem Jahr den Ehekurs-Trainingstag von FamilyLife. Im Interview mit Christian Zumbrunnen, Mitarbeiter von FamilyLife, berichten sie begeistert von ihrem Engage­ment und ihren Erfahrungen mit dem Ehekurs.

bei Campus für Christus eingestiegen ist. Schon als Studentin hat sie sich mit grossem Einsatz engagiert. Eine ihrer Qualitäten, die ich schon früh feststellte, ist ihr feines Gespür dafür, was bei Menschen abläuft. Deshalb ist Caroline ein hervorragender Coach. Eine zweite, extrem starke Seite sind ihr Mut und Pioniergeist. Nach dem Motto «Vielleicht hilft uns Gott, vielleicht tut Gott etwas Grosses» (1. Samuel 14) hat sie Dienste in Ostasien begonnen, die heute noch weitergehen. Caroline nimmt gerne Herausforderungen an. Aussergewöhnliche Aufgaben und riesige Probleme, auch wenn sie im ersten Moment stressen, bringen sie so richtig in Fahrt. Geschätzt habe ich die Loyalität und Unterstützung, die ich all die Jahre von Caroline erhalten habe, sowie ihre Ergänzung im strategischen Planen. Caroline hat eine prophetische Begabung, eine grosse Liebe für die Menschen und eine Leidenschaft für Gottes Reich. Gott hat sie immer wieder in neue Verantwortung und Vollmacht geführt. So freue ich mich sehr, dass ich Caroline die Leitungsaufgabe für die Studentengemeinde in Zürich übertragen durfte. Die ersten Monate haben bereits gezeigt, wie gut sie sich in diese neue Verantwortung einbringen kann. Für die nächsten zehn Jahre wünsche ich ihr Gottes Segen.

Interview | Christian Zumbrunnen

• Iwan Wüst: «Wir haben den Ehekurs-Trainingstag als besonders wertvoll in Erinnerung, weil wir den Tag gemeinsam erleben konnten.»

Was habt ihr aus dem Trainingstag mitgenommen? Iwan: Der Trainingstag vermittelte uns einen Überblick über Ansprüche und Abläufe. Wir hatten bis zu jenem Zeitpunkt den Ehekurs noch nicht selbst mitgemacht. Gute Unterlagen gaben uns jedoch die Gewissheit, dass alles vorgespurt war und schon gut gehen würde. Auch die Zeitungsartikel und Deko-Ideen, die uns auf der Homepage gratis zur Verfügung stehen, sind ein toller Service! Catrina: Am Trainingstag wurden viele Fragen rund um die Referate angesprochen, die wir uns schon im Vorfeld notiert hatten. Gerade die Frage «Was darf ein Ehekurs kosten?» forderte uns heraus. Wir hatten nämlich vor, im Dorfrestaurant zu essen. Wir wagten es dann, die Kosten entsprechend anzusetzen, und erlebten auch, dass sich dieser Schritt gelohnte hatte.

AiA: Gute Gespräche an der Eishockey-WM 2009 Volunteerbetreuung in Bern und Kloten | Johanna Vollenweider Vierzehn Sports Chaplains betreuten unter der Leitung von Athletes in Action (AiA) die freiwilligen Helfer der Eishockey-Weltmeisterschaft vom 24. April bis 10. Mai 2009. Lynn McAdam, Regula C. Maag (AiA) und Simon Holdener (von links) als Volunteerbetreuer in Bern. AiA bietet den seelsorgerlichen Dienst bei nationalen und internationalen Grossanlässen wie der EishockeyWeltmeisterschaft 2009, der Euro 2008 und allen Winter- und Sommerolympiaden seit 1992 an.

Welche Erfahrungen habt ihr am Ehekurs gemacht, auf die ihr nicht vorbereitet wart? Catrina: Am zweiten Kursabend nahmen wir kleine Anpassungen vor: Wir liessen die Teilnehmer auch während der Referate an ihren Zweiertischen sitzen, und die Bezahlung im Restaurant am Ende des Abends bekamen wir mit einem Böxlisystem schneller hin als am Vortag.

«Im Vorfeld der Eishockey-Weltmeisterschaft schlossen sich viele Türen. Obwohl die Vorzeichen eine Zusage erhoffen liessen, erhielten wir von der International Ice Hockey Federation keine Bewilligung für die Betreuung der Spieler. Schade, dass die Spieler diese Dienstleistung nicht erleben und wir kein Team stellen konnten», meint Regula C. Maag von AiA, «doch vom ersten Tag an erlebten wir viel Gunst und erhielten vom Gesamtorganisationskomitee ein sehr gutes Feedback. Die Volunteers waren während ihrer stundenlangen Präsenzzeit froh um einen Gesprächspartner und interessierten sich für die Arbeit von AiA.»

Wann werdet ihr einen weiteren Ehekurs anbieten? Iwan: Offiziell im Frühjahr 2010. Falls sich genügend Paare auf die Werbung der Teilnehmenden hin anmelden, machen wir sofort wieder einen Kurs! Die Feedbacks der Teilnehmenden haben uns sehr ermutigt. Catrina: Wir sind total begeistert vom Ehekurs! Alle Paare haben bestätigt, dass sie vom Kurs profitierten. Der Aufwand lohnt sich im Hinblick auf den «Ertrag» auf jeden Fall! Jeder kann diesen Kurs anbieten, denn das ganze Konzept steht, die Referate sind kurzweilig und spritzig, und es ist alles vorhanden - man muss es nur nutzen!

Seit Stunden sitzt sie hinter dem Eishockey-Stadion in Kloten im Regen. Für ihren Einsatz als Volunteer an der Eishockey-Weltmeisterschaft 2009 in der Schweiz ist sie extra aus Ungarn angereist und trotz der langen Präsenzzeiten noch immer guter Dinge. Im Gespräch mit Manuel Rohner zeigt sie grosses Interesse an der Schweiz und an Manuel Rohners Arbeit bei Athletes in Action. Der Umstand, dass er arbeiten will, aber keine Chance mehr erhält, macht dem IV-Bezüger aus Basel zu schaffen. Um trotzdem in der Arbeitswelt aktiv zu bleiben, hat er sich als Volunteer für die Eishockey-Weltmeisterschaft gemeldet. Zudem engagiert er sich ehrenamtlich in verschiedenen Organisationen und Bereichen. «Ich habe ihm aktiv zugehört», erzählt Manuel Rohner, «und versucht, ihm Wertschätzung, Interesse und Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Er konnte mir sein Herz ausschütten – und das hat ihm gutgetan.»

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CZ: Was hat euch bewogen, einen Ehekurs anzubieten? Iwan: In unserem Umfeld erleben wir immer wieder, wie Ehen zerbrechen und Familien auseinandergerissen werden. Die Not ist gross! Catrina: Befreundete Ehepaare haben an verschiedenen Orten den Kurs besucht und waren begeistert.

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Im Kursverzeichnis von FamilyLife sind für den Zeitraum von August bis Dezember 2009 rund 20 Ehekurs-Angebote an verschiedensten Orten der Schweiz zu finden. Der nächste Ehekurs-Trainingstag findet am 19. September 2009 in Affoltern am Albis statt. • Das Abendessen bei Kerzenlicht und mit schöner Deko wurde auch von den Männern sehr geschätzt.

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Weitere Informationen und Anmeldung: Tel. 044 274 84 65, info@ehekurs.ch

www.familylife.ch

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IN EIGENER SACHE – LESERREAKTION

Deutschland: Der Gottkennen-Bus begleitete die atheistische Kampagne Wo auch immer die beiden Busse hinkamen, haben sie Staub aufgewirbelt: Der eine, ein roter Doppeldecker, fuhr unter dem Motto «Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott». Der andere, ein weisser Reisebus, trug die Aufschrift «Und wenn es ihn doch gibt ... Gottkennen.de».

• Abschluss der Bustour am 18. Juni in Berlin: die christliche Antwort auf die atheistische These.

Ingmar Bartsch | Die Idee, den Gottkennen-Bus für drei Wochen zu mieten und zu beschriften, konnte dank der Unterstützung eines Unternehmens innert weniger Tage umgesetzt werden. An Bord des Busses waren Uwe Marquard vom Gideonbund, Thomas Schneider von idea und mehrere Mitarbeitende von Campus für Christus Deutschland. Diese «christliche Fahrgemeinschaft», wie die Süddeutsche Zeitung am 12. Juni titelte, begleitete den sogenannten «Atheistenbus» vom 30. Mai bis zum 18. Juni durch 27 Städte wie Berlin, Hamburg, Giessen, Frankfurt, Stuttgart, München und Dresden. Als Philipp Möller, der Pressesprecherder Atheistenbuskampagne, den Gottkennen-Bus das erste Mal sah, stellte er fest: «Ich sag euch mal, was passiert, wenn es doch einen Gott gibt: Dann haben wir alle ein ziemlich grosses Problem am Lebensende.»

Zur Ausgabe 2/09 «Versöhnt leben» Auf den Lebensbericht unserer letzten Ausgabe 2/09 «Versöhnt leben» haben Angehörige von Susanne Bogenmann reagiert, weil aus ihrer Sicht wesentliche Sachverhalte unwahr bzw. nicht korrekt dargestellt wurden. Als Redaktionsteam ist uns aufgrund dieser Reaktion in besonderer Weise unser Dilemma bewusst geworden, in dem wir oft stehen: Einerseits möchten wir Menschen mit ihren (auch noch unverarbeiteten) Lebensprozessen anhand zeugnishafter Berichte transparent abbilden – und dadurch auch der persönlichen Erfahrung und Sichtweise des einzelnen «Zeugen» Raum geben. Das bedingt, dass wir nicht alles, was jemand erlebt und erzählt, überprüfen können und auch nicht wollen. Andererseits sind wir dort, wo noch andere Menschen involviert sind, verpflichtet, den Schutz der Persönlichkeit aller (auch nicht namentlich Erwähnter) zu gewährleisten, indem wir Lebensberichte anonymisieren. Hier waren wir in unserer letzten Ausgabe bezüglich indirekt erwähnter Drittpersonen zu wenig sensibel, was uns leidtut und wofür wir uns bei den Betroffenen auch entschuldigt haben. Wir möchten in Zukunft als Redaktion im Abwägen von Transparenz und Persönlichkeitsschutz unsere Verantwortung sorgfältiger wahrnehmen und Lebensberichte dieser Art anonymisieren, selbst wenn die porträtierten Zeugen keine Probleme mit der Namensangabe hätten. Wir hoffen, dass trotz unserer Fehler umso mehr Gottes versöhnende Kraft wirksam wird, wie es ja der Absicht dieses Heftes entsprochen hat. Peter Höhn

Impressum Herausgeber Campus für Christus Josefstrasse 206, 8005 Zürich Tel. 044 274 84 84 Homepage: www.cfc.ch Campus für Christus ist eine überkonfessionelle Organisation mit rund zwanzig in der Erwachsenenbildung, Diakonie und Mission tätigen Dienstzweigen. Darunter fallen u. a. Beratung und Schulung in lokalen Landesund Freikirchen, Studentenarbeit/Dozentenforum, Agape-Mission/Entwicklungshilfe, Athletes in Action, Crescendo-Berufsmusiker, Christen im Dienst an Kranken, FamilyLife, campus generation und EXPLO-Schulungskonferenzen.

Verlag Christliches Zeugnis Josefstrasse 206, 8005 Zürich Tel. 044 274 84 34, Fax. 044 274 84 83 christlicheszeugnis@cfc.ch www.christlicheszeugnis.ch ISBN 978-3-905789-12-6 ISSN 1662-243X Auflage 6417, WEMF-bestätigt Redaktion Peter Höhn (ph), verantwortlicher Redaktor; Brigitte Eggmann (be); Johanna Vollenweider (jv); Mitarbeiter an dieser Nummer: Esther Albisser (ea), Renate Blum (rb), Jens Kaldewey, Manfred Kiener (mk)

Copyright Wiedergabe von Artikeln und Bildern nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion. Grafik und Satz (DTP) atk.ch, Thayngen Korrektorat futur2, Roger Koch Druck und Versand Jordi AG, Belp Erscheinungsweise Vierteljährlich

INSERATE • Ankunft in der Universitätsstadt Tübingen.

In Kühlungsborn rief ein Kind beim Anblick des Gottkennen-Busses: «Mutti, schau mal, Gott gibt‘s doch!» Oft blieben die Passanten einfach stehen und schauten staunend und manchmal etwas verwirrt. Und immer wieder ergaben sich Gespräche mit den Leuten der Buskampagne. Kristin Tupaika aus München sagt nach einer längeren Diskussion mit einem Atheisten: «Ich habe mit Argumenten kämpfen müssen, die sehr wissenschaftlich aufgehängt waren. Im Endeffekt hatte ich aber das Gefühl, dass er sehr stark auf der Suche ist.» Während der Tour hat sich die Zahl der Zugriffe auf die evangelistische Internetseite nahezu verdoppelt: Über 1000 Hits am Tag waren keine Seltenheit.

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• Links: Ingmar Bartsch im Gespräch mit Passanten. Rechts: In allen Städten machten Christen auf Gottkennen.de aufmerksam.

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2009_4_Grosszuegigkeit