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Zeitschrift der 체berkonfessionellen Bewegung Campus f체r Christus Schweiz

2|07

geistes

gegenw채rtig leben


I N H A L T geistesgegenwärtig leben | inhalt

Inhalt ZUM THEMA

REPORTAGE

04

42

Geistesgegenwart im Alltag

Sherpa Sangy gründet Gemeinden in Nepal

Eine Umfrage unter engagierten Christen

12

Vom Lamapriester zum Himalaja-Missionar

Das Echte vom Müll unterscheiden Interview mit dem Autor Adrian Plass

14

«Wittern, was der Wille Gottes ist» Forum Evangelisation in Oberägeri

17

«Jeder Christ kann Gottes Stimme hören»

HINWEISE

Interview mit dem Pastor Peter Wenz

20

Konsequent auf Gott ausgerichtet leben

48

Kurznachrichten von Campus für Christus Schweiz

Hanspeter Nüesch über geistliche Vorbilder

24

Heilung umfasst mehr Heiler auf dem Weg zu ganzheitlichem Verständnis

32

Ich will ein Repräsentant des Heiligen Geistes sein

CFC National

52 54 59

Agenda Inserate Impressum

Erfahrungen des Notfallseelsorgers Peter Schulthess

36

«Wir machen Erfahrungen, aber reflektieren sie nicht» Psychohygiene als geistliche Aufgabe

40

Jazz und Soul zum 400. Geburtstag Sarah Kaiser und ihre Liebe zu Paul-Gerhardt-Texten



cz 2|07


I N H A L TE D I T O R I A L geistesgegenwärtig leben | inhalt

geistesgegenwärtig leben | editorial

Inhalt

Editorial Wenn unser Leben zum Geschenk wird

ZUM THEMA

REPORTAGE

04

42

Geistesgegenwart im Alltag

Vom Lamapriester zum Himalaja-Missionar Sherpa Sangy gründet Gemeinden in Nepal

Eine Umfrage unter engagierten Christen

12

Ein wohltuendes Merkmal geistesgegenwärtigen Lebens und Handelns ist, dass es spontan, ungezwungen und befreiend daherkommt.

Das Echte vom Müll unterscheiden Interview mit dem Autor Adrian Plass

14

• Peter Höhn

«Wittern, was der Wille Gottes ist»

Letzte Woche erzählte mir ein Topmanager, er sei viel wacher geworden für das, was in der Welt ablaufe, seit er kaum mehr fernsehe und umso häufiger in der Bibel lese. Mehr als früher werde er gefragt, woher er diese oder jene Einsicht gewonnen habe. Und schon sei man mitten im Gespräch.

Forum Evangelisation in Oberägeri

17

«Jeder Christ kann Gottes Stimme hören»

HINWEISE

Interview mit dem Pastor Peter Wenz

20

Konsequent auf Gott ausgerichtet leben

48

Kurznachrichten von Campus für Christus Schweiz

Hanspeter Nüesch über geistliche Vorbilder

24

Heilung umfasst mehr Pioniere auf dem Weg zu ganzheitlichem Verständnis

32

«Ich will ein Repräsentant des Heiligen Geistes sein»

CFC National

52 54 59

Agenda «Ich kenne nur wenige», so der Religionsphilosoph Jörg Splett, «die die Menschen zu wenig lieben, weil sie Gott lieben. Die realere Gefahr ist, über den Menschen Gott zu vergessen.»

Inserate Impressum

Erfahrungen des Notfallseelsorgers Peter Schulthess

36

«Wir machen Erfahrungen, aber reflektieren sie nicht»

Ebenfalls letzte Woche stiess ich zufällig auf ein Interview mit dem deutschen Religionsphilosophen Jörg Splett. Er sagte, die Kirche habe um der gesellschaftlichen Akzeptanz willen die Nächstenliebe auf Kosten der Gottesliebe an die erste Stelle gesetzt. Dem Menschen sei jedoch nicht geholfen, wenn sich alles nur noch um ihn drehe. Mutter Teresa habe darauf bestanden, dass ihre Schwestern jeden

Psychohygiene als geistliche Aufgabe

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Jazz und Soul zum 400. Geburtstag Sarah Kaiser und ihre Liebe zu Paul-Gerhardt-Texten

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Morgen eine Stunde Gott anbeteten, bevor sie sich um die Sterbenden kümmerten. Diese vertikale Seite komme heute in der Selbstdarstellung der Kirche zu kurz. «Ich kenne nur wenige», so Splett, «die die Menschen zu wenig lieben, weil sie Gott lieben. Die realere Gefahr ist, über den Menschen Gott zu vergessen.» Zwei Stimmen, die in dieselbe Richtung weisen wie die Beiträge in unserer Ausgabe: Geistesgegenwart gedeiht bei Menschen, die zuerst die Gegenwart des Geistes Gottes suchen, bevor sie geistesgegenwärtig in der Welt handeln. Die betenden Hände, die den Schaufelstiel halten, symbolisieren diese Haltung. Ein wohltuendes Merkmal geistesgegenwärtigen Lebens und Handelns ist, dass es spontan, ungezwungen und befreiend daherkommt. Wenn Gottes Geist im Spiel ist, wird das Leben plötzlich für alle Beteiligten zum Geschenk: Sei es in der kurzen Begegnung, im ermutigenden Wort, in der zündenden Idee, im Weinen mit den Weinenden, im Sichfreuen mit den sich Freuenden, im gemeinsamen Erfahren von Gottes heil- und heilungsbringender Gegenwart.

Gerade beim letztgenannten Aspekt wird vielen Christen oft genug schmerzlich bewusst, wie nicht machbar dieses Erfahren und Erfahrbarmachen von Gottes Wirken und Heilen ist. Trotzdem haben sich in den letzten Jahren an vielen Orten unabhängig voneinander Christen genau dafür auf den Weg gemacht, haben Heilungsräume eingerichtet oder bieten Gebet auf der Strasse an, um anderen Men-

Geistesgegenwart gedeiht bei Menschen, die zuerst die Gegenwart des Geistes Gottes suchen, bevor sie geistesgegenwärtig in der Welt handeln. schen Gottes heilende Geistesgegenwart zugänglich zu machen. Unsere Umfrage zeigt, dass es hier noch viel zu lernen und zu entdecken gilt, dass sich aber Gott immer wieder bezeugt und seine Kinder ermutigt, an seinen Verheissungen dranzubleiben wie der bittende Freund im Gleichnis. Mein Wunsch ist, dass Sie als Leserin und Leser Mut bekommen, alles zu tun, um Ihre Beziehung zum dreieinigen Gott zu vertiefen. Setzen Sie neu die Gottesliebe an die erste Stelle, damit Ihre Nächstenliebe umso geistesgegenwärtiger wird und Ihr Leben zum täglich überraschenden Geschenk!

Peter Höhn 3


GEISTESGEGENWART

U M F R A G E

geistesgegenwärtig leben | … im alltag

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Geistesgegenwart im Alltag

Mark Reif:

Eine Umfrage

«Zeit für spontane Begegnungen»

Elf engagierte Christen im Alter von 16 bis 74 Jahren erzählen, was es für sie bedeutet, geistesgegenwärtig zu leben, und was ihnen dabei hilft, sich in möglichst jeder Situation von Gottes Geist leiten zu lassen.

Es gibt sie noch: Menschen, die man mittags anrufen kann, um sich abends mit ihnen zu verabreden. In der heutigen terminverseuchten Zeit eine «species rara», eine vom Aussterben bedrohte Gattung. Mark Reif, ledig, leidenschaftlicher Amateurmusiker und Fachmann für elektronischen Zahlungsverkehr, ist einer von ihnen.

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zeugnis Mario Mosimann: «Charakter und Inspiration wirken zusammen» «Uns fehlte eine Rezeptionistin. In der Mitarbeiterandacht beteten wir bewusst um eine Rezeptionistin für unser Partnerhotel und nicht für die eigene Not. Nach der Andacht fand ich eine Bewerbung in der Mailbox. Geistesgegenwärtiges Handeln folgt aus disziplinierten Gewohnheiten (Charakter) sowie der Inspiration von oben. Ich suche abenteuerliche Situationen, in denen ich geistesgegenwärtig reagieren muss. So folgte ich bei einem Unfall einem Impuls, hielt an, überwand meine Angst durch Sprachengebet, stieg aus dem Auto und über die Polizeiabsperrung und betete laut für die Person am Boden, deren Herz seit zwanzig Minuten stillstand. Nach intensiven Massagen des Sanitäters begann das Herz wieder zu schlagen. Ich übe täglich, im Gespräch mit dem

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Heiligen Geist zu bleiben. Hilfsmittel wie mein Gebetsspazierstock, ein JesusAutokleber, der Ehering und eine offene Bibel auf meinem Bürotisch beeinflussen mein geistesgegenwärtiges Handeln positiv. Falsche oder richtige Entscheide spüre ich in meinem Gewissen. Beim täglichen Spaziergang um das 85 000 Quadratmeter grosse Hotelareal bete ich, dass Gott meiner Familie, meinen Mitarbeitenden und den Gästen begegnet. Das führt zu interessanten Kontakten. So haben sich Gäste für ein Leben mit Jesus Christus entschieden, wundersame Heilung von Krankheiten erlebt und sich bei uns im Paladina wunderbar erholt.»

• Mario Mosimann, 39-jährig, ist Direktor

Manchmal kommen Begegnungen einfach auch wie zufällig zustande. Mark Reif trifft jemanden, den er von der Gassenarbeit her kennt, nach der Arbeit in der Stadt. Oder er spaziert an einem Sonntag ziellos umher und trifft auf eine bekannte Person, woraus sich ein tiefes Gespräch entwickelt. Im Nachhinein stellt sich oft heraus, wie wichtig das Gespräch für die betreffende Person jeweils war. Häufig sind es Menschen, die an den Rand der Gesellschaft oder Kirche gedrängt sind. Der 45-Jährige kennt eine Unmenge von Leuten – auf seinem Handy sind 300 Nummern gespeichert. Wenn er Leute bewusst trifft und seelsorgerlich begleitet, dann umfasst das einige Treffen, vielleicht ein halbes Jahr lang, aber dann schliesst er solche Prozesse bewusst wieder ab. Somit ist er frei für einen anderen seiner 300 Kontakte. Für Mark Reif sind diese Begegnungen keineswegs zufällig, sondern von Gott eingefädelt, ihm «zugefallen». Schliesslich betet er jeden Tag darum, dass Gottes Geist ihn leite. Wäre jedoch sein Terminkalender zugepflastert, könnte er unmöglich all die spontanen Kontakte derart geistesgegenwärtig nutzen und so für viele zu einem von Gott geschickten Engel werden.

des Hotels Paladina im Tessin.

(www.paladina.ch)

Der kann‘s mit jedem!

Manfred Kiener

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Sein Arbeitgeber habe ihn eher aufgrund seiner hohen Sozialkompetenz eingestellt als wegen seiner technischen Fähigkeiten, meint Mark Reif trocken. Und tatsächlich: Seine Vorgesetzten bestätigen, wie zufrieden die Kunden seien, die

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von Reif betreut werden. Das kommt nicht von ungefähr: Auch im Geschäftsalltag rechnet Mark Reif mit Gottes Eingebungen und kann darum geistesgegenwärtig auf etwas reagieren. Oft ist ihm so schon eingefallen, wie ein kniffliges technisches Problem zu lösen ist.

Morgendliche Zurüstung Jeden Morgen bittet er Gott darum, ihn mit seinem Geist zu füllen. Er liest in der Bibel, was für ihn Bedingung ist, um geistesgegenwärtig reagieren zu können. Oft hört er im Auto auf seinem langen Arbeitsweg Bibel-CDs und Lobpreislieder. Aber was ist für ihn der Unterschied zwischen geisterfüllt und geistesgegenwärtig? «Geisterfüllt zu sein, sehe ich als die Bereitschaft, die Gaben Gottes anzunehmen, sich ihrer bewusst zu werden und darin zu wachsen. Geistesgegenwart hat dann mehr mit dem praktischen Einsatz dieser Fähigkeiten zu tun.» Gelingt es ihm immer, geisterfüllt und geistesgegenwärtig zu leben? Nein, wenn im Geschäft alles drunter und drüber gehe, sei es manchmal auch bei ihm vorbei mit dem geistesgegenwärtigen Agieren. Statt sich Zeit zu nehmen und Prioritäten zu setzen, reagiere er nur noch. Wenn er eine gute Occasions-Gitarre entdecke, müsse er zuschlagen, obwohl kein dringender Bedarf bestehe; dann komme der «alte Mark» zum Vorschein. Jene Person, die er vor seinem Entscheid für den Glauben gewesen sei. Woran merkt Mark Reif, ob er geistesgegenwärtig reagiert hat? «Ich kann es an den Früchten prüfen», meint er. Sind die denn voraussehbar? «Nicht immer», erwidert er, «aber ich überlege mir, was in der Bibel steht und wem meine Ideen und Gedankengänge schliesslich dienen. Dienen sie zu meiner Befriedigung, anderen Menschen oder Gott?» Monika Blatter

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geistesgegenwärtig leben | … im alltag

Lilian Studer:

Jozzy:

«Der Jugend eine politische Stimme geben»

«Angenommen sein» Jozzy, Giuseppina Vittoria Walther, ist sechzehn Jahre alt und setzt alles auf eine Karte: mit Singen und Tanzen.

«Geistesgegenwärtig leben heisst für mich, in der Gesellschaft Fuss zu fassen», sagt Lilian Studer. «Um als Politikerin tätig zu sein, will ich mich dem Puls des Lebens aussetzen.» Nur so nehme sie die Bedürfnisse der Menschen richtig wahr, ist die 29-jährige Aargauer Grossrätin überzeugt. Lilian Studer unterrichtet darum noch einige Lektionen als Lehrerin für Textiles Werken. So wisse sie, was sowohl in der Schule wie auch in den Jugendlichen selbst vorgehe. Zudem engagiert sie sich als Regionalleiterin im «roundabout», einem Angebot für Mädchen des Kinder- und Jugendwerks des Blauen Kreuz. Streetdance (auch Hip-Hop genannt) ermöglicht den Mädchen Bewegung und gibt ihnen Gelegenheit zur Gemeinschaft. Die Kirchgemeinde, die Lilian Studer besucht, besteht vorwiegend aus Jugendlichen. Ihr Anliegen ist es, all diesen jungen Menschen zu dienen, sei es politisch oder persönlich. Darum will sie für Begegnungen und Taten offen sein.

Die Unterbrechungen des Geistes Von Natur aus kontaktfreudig und dienstbereit, fällt ihr das Dienen leicht. Dennoch müsse auch sie vorbereitet sein, gottgegebene Gelegenheiten wahrzunehmen. Jeden Morgen bittet sie Gott um Möglichkeiten, in seinem Sinne zu handeln, und versucht, den ganzen Tag «online» zu sein. So sah Lilian Studer eines Morgens eine ihrer ehemaligen Schülerinnen auf dem Bahnsteig. Eigentlich wollte sie die Zeitung lesen, die Teil ihrer Informationsquellen für ihre politische Arbeit ist. Hin- und hergerissen zwischen der Stimme, mit dem Mädchen zu sprechen, und der Zeitung, entschied sie sich für die Zeitung. Am nächsten Tag nun, als sie die junge Frau erneut erblickte, kam diese auf sie zu. Sie sei in einer verzweifelten Lage und wäre froh, darüber reden zu können. Diesmal bot Lilian Studer ihre Hilfe für die kommende Zeit an. Manchmal gebe es aber Situationen, in denen sie sich abgrenzen müsse. Auch das gehöre zum Thema «geistesgegenwärtig leben».

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Für weitere Informationen: www.rab-network.ch, www.gleamjoel.com («Talent School»)

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Weil das ihre einzigen Interessen sind, konnte sich Jozzy bisher für keine Lehre entscheiden, dafür trainiert sie mindestens dreimal wöchentlich im Tanzstudio. Hinzu kommt Gesangsunterricht, und zu Hause spielt sie Klavier. Bald wird sie mit einer Hip-Hop-Amateurgruppe an den Schweizermeisterschaften teilnehmen.

Singen: ein Ausdruck des Geistes und der Seele • Lilian Studer: «Man muss nur ein offenes Ohr nach oben haben und die Bedürfnisse der Menschen kennen.»

Geistesgegenwärtiges Reagieren bereitet Freude Gewöhnlich schöpft Lilian Studer gerade aus einem solchen Engagement Kraft. «Es ist eine Freude, wenn ich erlebe, dass Gott mich braucht.» Ihr Einsatz für Menschen beeinflusst ihre Politik. Als Vertreterin und Präsidentin der Jungen EVP Schweiz will sie im Grossrat ein Sprachrohr für jene Menschen sein, die es nicht selber können. Wenn ihr als junge Politikerin das nötige Fachwissen zu gewissen Themen fehle, fühle sie sich verzagt statt selbstbewusst und geistgeleitet. Grundsätzlich staunt sie jedoch immer wieder über die Führung und Gunst, die Gott ihr zukommen lässt. Einmal während einer Kommissionssitzung zum Thema Ladenöffnungszeiten wusste sie genau, dass sie mit ihrer Meinung alleine sein würde. Ihr war, als sage Jesus zu ihr: «Ich bin immer neben dir.» Am Sitzungstisch blieb genau neben ihr ein Stuhl frei. Das fasste sie als wohlwollendes, augenzwinkerndes Zeichen «von oben» auf. Obwohl die Volksabstimmung nicht wunschgemäss ausfiel, gab es einen erstaunlich hohen Prozentsatz an Stimmen, die ihre Auffassung teilten.

Jozzy, in einem christlichen Umfeld aufgewachsen, langweilte sich bald in der traditionellen Gemeinde. Sie empfand, dass der Glaube an Gott so sehr nur aus Regeln bestehe, dass sie ihn fast verlor. Es gab keinen Freiraum, ihre Gaben, das Singen und Tanzen, einzubringen. «Dabei ist beides doch das grösste Geschenk, das Gott mir gegeben hat», sagt sie. Beides will sie nutzen: «Ich singe fast ununterbrochen; es ist meine Art zu kommunizieren, meine Freude und meine Trauer auszudrücken, und Tanzen ist heilsam für meine eigene Seele.»

Akzeptanz, wo der Geist Gottes ist Mit zwölf fand sie Zugang zu einer Hip-Hop-Tanzgruppe der Mädchenarbeit «roundabout» des Blauen Kreuzes. Hier kann sie ihre Bewegungsfreude ausleben. Seit sie vierzehn ist, besucht sie eine professionelle Tanzschule in Thun. Zudem ist sie heute in der Band einer Badener Gemeinde aktiv. Sie lernte Gleam Joel, den Leiter, an einem Workshop mit Patrick Nuo kennen. Gleam lud sie in seine «Talent School» und in die Gemeinde ein. Endlich fühlt sich Jozzy zu Hause, sie wird akzeptiert, wie sie ist. Und das bedeutet für sie, im Geist Gottes zu sein. Gott zu loben, gehöre bestimmt auch zum geistesgegenwärtigen Leben. Aber wie spürt sie den Heiligen Geist oder «hört» sie die Stimme Gottes? Sie fühle es eben einfach, innen drin. «Ich weiss, wenn etwas nicht gut ist», ist ihr schlichtes und bestimmtes Statement.

• Jozzy: «Tanzen ist die Sprache meiner Seele.»

Es bekümmert sie, dass viele Jugendliche, auch aus ihrem Kollegenkreis, ihr Leben an Rauchen, Drogen und Alkohol vergeuden. Darum ist es ihr Anliegen, einen Kontrapunkt zu setzen. Es fällt ihr leicht, auch wenn sie damit im Ausgang völlig exotisch erscheint. Aber gerade ihr Verhalten dem Konsum von Alkohol gegenüber ist für sie gottgefälliges Leben. Wenn man sie singen hört und sieht, spürt man die Leidenschaft. Bestimmt können die Engel und Gott mit ihr viel anfangen, wenn sie im Glauben und Können weiterwächst.

Monika Blatter

Monika Blatter

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geistesgegenwärtig leben | … im alltag

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zeugnis

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Benji Morf:

Franco Weyland:

«Tun, wozu Gott mich berufen hat»

«Gottes Geist als Quelle von Geduld und Barmherzigkeit»

«Mein fast tägliches Gebet ist: ‹Herr, ich möchte in deinen vorbereiteten Werken wandeln.› Ich will das tun, wozu Gott mich berufen hat. Gerade in der Hektik des Alltags möchte ich bewusst auf Gottes Führung achten und nicht nur den Arbeitsberg bewältigen. Mir ist es wichtig, dass ich während des Tages immer wieder Zeiten finde, um mit Gott zu reden.»

Ohne Einfluss von Gottes Geist würde er als Arzt verzweifeln. Wie hält ein Mensch sonst die vielen schwierigen (Krankheits-) Geschichten aus, die er tagtäglich von Patientinnen und Patienten zu hören bekommt?

«Vergangene Woche bereitete ich ein Skilager und einen zweiwöchigen Indien-Einsatz vor. An einem Tag erlebte ich drei massive Wunder. Gott half mir so gewaltig, dass ich sehr viel Zeit einsparen konnte. Seit mehreren Jahren beschäftigt mich das Thema Heilung, und je weiter ich mich damit aus dem Fenster lehne, umso mehr erlebe ich Gottes Kraft. So sprach Gott an der Jugendleiterausbildung der SPM im Oktober sehr deutlich zu mir: ‹Jetzt ist Heilung dran. Geh nach vorne und sprich darüber.› Keine Minute nach dem Aufruf wurde der Erste von seinen Schmerzen nach einer doppelten Knieoperation völlig geheilt, und so ging es weiter. Eineinhalb Stunden lang. Das ermutigte mich, auf Gott zu schauen und diesen Weg weiterzugehen. Übernatürliche Heilungen sind in unserem Land keine

• Benji Morf, 31-jährig, Jugendpastor der Pfingstgemeinde Uster, verheiratet mit Daniela.

Selbstverständlichkeit. Wir müssen neu lernen, die Verheissungen Gottes in Anspruch zu nehmen. Wir haben den Auftrag, in der Welt das Evangelium zu verkünden und in seiner Gegenwart übernatürlich einzugreifen. So will ich leben.» Johanna Vollenweider

zeugnis

6 Vera Diaz-Köhli: «Eine tägliche Lebenshaltung»

• Vera Diaz-Köhli, 40-jährig, Geografin verheiratet mit Ruben.

«Für mich ist Geistesgegenwart eine Lebenshaltung, nämlich mir in allem der Gegenwart des Heiligen Geistes bewusst zu sein. Geistesgegenwärtige Reaktionen können dann auch klein und banal sein. Zum Beispiel wenn ich jemandem auf der Strasse zulächle. Lebe ich nicht in diesem Bewusstsein, wirkt sich das auf mein ganzes Sein aus: Ich bin dann niedergeschlagen, zweifle und fühle mich überfordert. Ich fühle mich Gott in der Natur am nächsten und bin dort auch am ‹hellhörigsten›. Sehr gerne gehe ich auch in ein Stillewochenende. Damit der Tag gut 8

läuft, ist es wichtig für mich, am Morgen in der Bibel zu lesen, zu beten und die Beziehung mit dem Heiligen Geist zu pflegen. Kürzlich hat Gottes Geist in einer seit längerem festgefahrenen Beziehung gewirkt. Mir ist bewusst geworden, dass ich mit meinem bisherigen Verhalten zu diesem Zustand beigetragen habe. Indem ich jetzt anders reagiere, stifte ich zwar auch Unfrieden, trage aber letztlich zum Durchbruch bei.» Brigitte Eggmann cz 2|07

Der Patient sucht seinen Arzt nur mit einem Ziel auf: Er will geheilt werden. Ein rein zweckorientierter Besuch also. Nur chronischkranke Menschen sind sich ihrer Beziehung zum Arzt bewusster. Der gelegentlichen Grippe- oder Check-upBesucherin ist die Begegnung eher unangenehm oder unwichtig.

Beziehungsorientierte «Doktorarbeit» Franco Weyland, seit neunzehn Jahren in einer Praxis in einem kleinen Thurgauer Dorf tätig, will seine Arbeit beziehungsorientiert ausführen. «Gott ist ein Vater, ein Freund, Berater und Tröster, da klingt mit, wie wichtig die Beziehung ist», betont der Arzt. Heilung und Erleichterung schaffen sei oberstes Gebot. Aber es gebe viele Krankheiten, wie Diabetes oder Krebs, die nicht wirklich zu heilen seien, sodass die Beziehung zwischen Arzt und Patient eine wichtige Rolle spiele. «Wir müssen ihn für etwas gewinnen können, sei es für eine medizinische Massnahme, für sein Vertrauen oder seinen Willen, die Hoffnung nicht aufzugeben.»

Der temperamentvolle Italiener So sitzt wieder einmal ein übergewichtiger Diabetiker vor ihm. Alle besprochenen Ratschläge bezüglich Essensgewohnheiten wurden zum x-ten Mal in den Wind geschlagen. Von Natur aus könnte cz 2|07

der Halbitaliener Franco Weyland vor Wut platzen und aufbrausen und den Patienten sonst wohin wünschen. Geistesgegenwart in solchen Situationen bedeutet für ihn, Barmherzigkeit walten zu lassen. In Situationen, in denen Ungerechtigkeit eine Rolle spielt, kommt Weyland die Galle hoch. Als ein Spital einmal die Aufnahme eines seiner Patienten verweigerte, setzte sich der Arzt wutentbrannt, aber erfolgreich für dessen Aufnahme ein. Das sei eine Situation gewesen, in der er alles andere als geistesgegenwärtig gehandelt habe, denn «es gibt kein Motiv, das edel genug wäre, um zornig zu werden», findet er.

Geistesblitz «Einmal», erzählt der Mediziner, «ist eine Frau zu mir gekommen. Sie roch Dinge, die niemand sonst riechen konnte.» Weyland stellte eine Geruchshalluzination fest. Der Gedanke, dass ein Gehirntumor die Ursache sein könnte, wurde durch die Untersuchung im Spital bestätigt. Obwohl der Einfall eine unlogische Schlussfolgerung gewesen sei, war er von der Eingebung Gottes überzeugt. Doch kurze Zeit später starb die Frau – trotz der richtigen Diagnose. Sie glaubte an ein Leben nach dem Tod, und noch nie habe er eine solch «friedvolle» Leidenszeit erlebt. Weyland kann sich nicht vorstellen, wie er permanent die Kraft für seine Arbeit haben könnte, ohne von Gottes Geist erfüllt zu sein. Als er sich in den Assistenzjahren bis zur Erschöpfung abrackerte und keine persönliche Beziehung zu Gott hatte, bedeutete geistesgegenwärtiges Leben für ihn, im Kopf ständig präsent

• Franco Weyland: «Als Arzt stehe ich in Wirklichkeit auf der Verliererseite. Echte Heilung bringen wir nur selten.»

zu sein. Heute heisst es, im Bewusstsein zu leben, dass Gottes Geist in ihm wirkt. Franco Weyland hofft, dass ihm das im Alltag immer mehr zur Selbstverständlichkeit wird. Da brauche es keine Kraftorte, aber die Erfahrung und das Wissen, dass Gott in ihm lebe. Auftanken und Kraft schöpfen kann Weyland auch im Gespräch mit seiner Frau, mit Freunden oder auf Spaziergängen mit dem Hund. Doch viel Zeit dafür bleibt nicht. Von morgens um sieben bis abends um acht ist der Arzt in seiner Praxis und begegnet zwischen zwanzig bis vierzig Personen. Dazu kommen Hausbesuche und ab und zu Notfälle. Seit die Kinder erwachsen sind, arbeitet seine Frau, ebenfalls Ärztin, in der Praxis mit. Das empfindet er als grossen Segen. Franco Weyland will ein «begeisterter» Arzt bleiben. «Ich möchte ein Mensch sein, der auch ohne Worte Hoffnung ausstrahlt», wünscht er sich, und seinen Patienten und Patientinnen vermittelt er: «Ich komme mit dir auf deinen Leidensweg.» Monika Blatter 9


geistesgegenwärtig leben | … im alltag

8 zeugnis Stefan Peyer: «Geschenkte Momente und schwierige Lebensphasen»

• Stefan Peyer, 24-jährig, ist Lehrer einer 4. Primarklasse im Zürcher Unterland.

«Spontan kommen mir die vergangenen Neujahrsferien in den Sinn. In meiner Schulklasse hatte sich der Vater eines Jungen das Leben genommen, und die Kommunikation mit der Familie war noch schwieriger als sonst schon aufgrund der Fremdsprachigkeit. Dabei wollte und sollte ich den Jungen ermutigen, in den Ferien Mathematik nachzuarbeiten. An einem Ferientag begegnete ich Mutter und Sohn zufällig im Zug, und ich konnte alles Nötige sagen – dank der spontanen Übersetzung durch den Jungen war auch die Mutter erleichtert. Für mich ein geschenkter Moment Gottes mit der nötigen Portion Wachheit und Spontaneität. Gerade solch ungeplante und gelungene Momente, völlig unvorbereitet, geben

zeugnis Andi Gassmann:

• Andi Gassmann, 30-jährig, ist Geschäftsleiter der Stiftung Acts von ICF Zürich.

«Geistesgegenwart erlebte ich kürzlich: Ich war mit einer Person im Auto unterwegs, die mir eine schwierige Frage stellte. Ich gab keine Antwort, sondern begann zu beten. Plötzlich erlebte die Person eine starke Offenbarung des Heiligen Geistes. Der Geist kam buchstäblich über sie, und 10

mir die Gewissheit, dass Gott im Spiel ist – umso mehr, als ich morgens oft bete, der Herr möge mich leiten und wach halten, die kleinen Zeichen nicht zu übersehen. Früher, als Jugendleiter, fühlte ich mich fulltime auf Gottes Frequenz eingestellt. Durch die vielen Treffen und Sitzungen war ich fast täglich mit dem Glauben in Berührung. Auch das WWJD-Bändeli um den Arm erinnerte mich daran, wo meine ‹Bodenhaftung› ist. Heute ist das Bändeli weg, aber ich erlebe deutlich den Unterschied, ob ich gezielt den Tag mit Gott beginne oder nicht. Wenn ich einfach so hineinstolpere, dann fehlt mir quasi der Boden zur Geistesgegenwart; meine Erwartung und Sensibilität sind von Anfang an heruntergeschraubt. Es hilft mir, Gott richtiggehend

einzuladen, damit ich geistesgegenwärtig im Beruf oder auf einer Party eine von Gott vorbereitete Situation erfassen kann. Das bleibt eine ständige Herausforderung. In meiner Jugend musste ich eine schwere Krankheitszeit durchmachen. Da fühlte ich zum Erstaunen aller die Gegenwart Gottes sehr stark, sodass ich andere trösten konnte. Mein Glaube an Gott wurde als sehr glaubwürdig empfunden. Diese Zeit des persönlichen gesundheitlichen Tiefpunktes wurde somit bislang zu einem geistlichen Höhepunkt. Da auch später in Jugendlagern die Teens stark von meinen schwierigen Erlebnissen berührt wurden, würde ich also auch diese Momente als geistesgegenwärtig bezeichnen.» Tom Sommer

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zeugnis Trudi Germann: «Mit den Zusagen Gottes rechnen» «Als mein Mann und ich uns vor achtzehn Jahren taufen liessen, lasen wir am Abend in der Bibel einen Vers, der uns bis heute begleitet. Im Lukasevangelium heisst es im Kapitel 19, Vers 19: ‹Heute ist diesem Hause Heil widerfahren.› Daran halten wir fest auch im Hinblick auf unsere Familie, die mit dem Glauben noch nicht so viel anfangen kann. Unser fünfjähriger Enkel Sven, der uns ab und zu besucht, wollte beim Beten oder Singen vor dem Essen nie mitmachen. Vor kurzem haben wir gebetet, dass er sich weniger dagegen sperrt. Tags darauf kam er wieder und sagte: ‹Opi und Omi, ich habe für euch gebetet!›

von mir sein kann. Rückblickend sage ich oft einfach nur ‹Wow› über das, was er durch mich getan hat. Manchmal spüre ich die Gegenwart des Heiligen Geistes körperlich und erkenne: Das ist Gott. Er ist hier. Das erlebe ich in schwierigen Situationen, in denen mich Gott offenbar ermutigen und bestätigen will. Manchmal muss ich plötzlich weinen über eine Sache, wenn mir Gott eine Last für Menschen oder Situationen aufs Herz legt oder wenn ich Liebe spüre für Menschen in Not.» Manfred Kiener cz 2|07

• Anne Siegenthaler, 41-jährig, dipl. Pflege-

Kranken) sowie bei der Spitex.

«Geistesgegenwärtig leben? Da möchte ich zuallererst den inneren Frieden nennen und die Zufriedenheit im Gespräch mit Menschen. Gerade wenn ich etwas Besonderes cz 2|07

drei Urenkel.

11 «Mut, Dinge anzusprechen»

ansprechen muss – was mir nicht gerade leichtfällt – und dann feststellen darf, dass es doch ganz gut gelaufen ist, ist das für mich ein solch geistesgegenwärtiger Moment. Das ist ein unscheinbares Beispiel, aber ich denke, viele Christen leben viel geistesgegenwärtiger, als sie meinen! Der Heilige Geist lebt ja in uns, und so brauchen wir ihm doch nur den notwendigen Raum zu geben. Ihn zum Beispiel konkret in den neuen Tag einladen.

fachfrau, wohnt im Emmental. Sie ist Mitarbeiterin bei CDK (Christen im Dienst am

• Trudi Germann, 74-jährig, seit 50 Jahren mit Kurt verheiratet, hat sieben Enkel und

Johanna Vollenweider

zeugnis Anne Siegenthaler:

«Gottes Geist gibt mir Unbeschwertheit» sie erhielt die Antwort direkt von Gott. In einer Art und Weise, wie ich es selber nie so kraftvoll hätte ausdrücken können. Das Wichtigste ist: Ich muss mir bewusst sein, dass Gottes Geist in mir lebt und durch mich handeln will. Ich danke ihm oft, dass er in mir wohnt, gegenwärtig ist, mich führt und leitet. Jesus ist durch den Heiligen Geist bei mir bis ans Ende der Welt. Wir haben die Verheissung, dass Gottes Geist uns die richtigen Worte geben wird. Mit diesem Wissen lebe ich unbeschwert. Im Gespräch mit Menschen spüre ich oft: Jetzt löst der Heilige Geist in meinem Gegenüber etwas aus, das nicht

Eine Quelle von Gottes Kraft im Alltag sind für mich Freude und Dankbarkeit. Ich freue mich oft von ganzem Herzen an kleinen Dingen, an der Schöpfung, zum Beispiel an den Schlüsselblumen, die ich mitten im Februar gesehen habe. Ich bin dankbar, wenn ich mit einem vollen Einkaufskorb nach Hause kommen kann und wieder zwei Flaschen Öl im Keller oder gefrorene Beeren im Eisschrank habe. Das macht mich sehr glücklich! Ich liebe es ausserdem, Gott zu loben und anzubeten, und kann manchmal fast nicht mehr aufhören. Ich bete von A: Allmächtiger und allgegenwärtiger Gott, über B: Barmherzig bist du, bis hin zu Z: Meine Zuflucht und meine Zuversicht.»

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Praktisch habe ich es aber nicht ‹einfach in der Tasche›. Da war zum Beispiel unser Hausumbau, bei dem ich mich stark überfordert fühlte, vor allem im Zusammenhang mit den Bankgesprächen. Da hab ich ganz bewusst Jesus eingeladen und gesagt, wenn er die Türen öffne, sei es okay, an-

sonsten gehe die Sache eben nicht weiter. Ich empfand, dass meine Hilflosigkeit die Kanäle zu geistesgegenwärtigem Diskutieren öffnete. Am Schluss hat‘s geklappt! Ein anderes Beispiel ist mein Arbeitsumfeld bei der Spitex. Hier geht es darum, nicht nur mit Spritze und Verband dazustehen, sondern zwischen den Zeilen bei den Patientinnen und Patienten herauszuhören, welche Sorgen sie zutiefst plagen, um auch dafür noch etwas Zeit zu finden. Von verschiedenen Seiten habe ich signalisiert bekommen, dass mein Gespür für die Begleitung Todkranker und Sterbender geschätzt wird. Dadurch habe ich gelernt, mich selbst nicht mehr minderwertig und ängstlich zu fühlen, sondern als Kind und Persönlichkeit im Licht Gottes zu sehen. Das ermutigt mich, noch mehr zu beten: ‹Herr, du darfst mich leiten!›»

Tom Sommer 11


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Interview mit Adrian Plass Anfang Februar trafen wir Adrian Plass anlässlich seiner Schweizer Tournee in Winterthur. Das Christliche Zeugnis sprach mit dem englischen Autor über Reife, Gehorsam und seine Beziehung zu Gott.

CZ: Adrian Plass, ist Ihr Humor über die Jahre eher feiner geworden? Adrian Plass: Der «Fromme Chaot» ist bestimmt das Skurrilste, was ich geschrieben habe. Denn das kam aus einem solchen Ärger und Unbehagen heraus und war letztlich die Folge meines Zusammenbruchs vor zwanzig Jahren. Ich werde vermutlich nie mehr so unglücklich sein, um so komisch zu schreiben. Wie sind Sie als Christ glücklicher geworden? Es ist der Weg vom Kind zum Erwachsenen. Als ich zu Jesus fand, verstand ich das Christentum als Zauberkasten. Später merkte ich, dass es nicht um Tricks geht. Es geht um Jesus, der sich in der realen Welt bewegt, Situationen verändert und Menschen hilft. Wie nah wir ihm kommen, hängt von unserem Appetit ab. Wenn wir nur hungrig sind nach geistlichen Feuerwerken, werden 12

wir frustriert bleiben. Aber wenn wir uns sehnen, Jesus da draussen im wirklichen Leben zu treffen und ihm in allem, was er tut, zu dienen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Ein Weg, auf dem es jedoch keine Abkürzung gibt. Wie haben Sie in Ihrem Leben gelernt, Gottes Stimme von all den gesetzlichreligiösen Stimmen zu unterscheiden? Meine Eltern hatten viele Konflikte, und ich war schon als Kind sehr wachsam und versuchte, die Wahrheit herauszufinden. Ich hatte schon immer den Wunsch, den Müll vom Echten zu trennen. Es liegt in unserer Verantwortung als Christen, unsere Gewohnheiten zu untersuchen und uns zu fragen: «Woher habe ich das? Und warum denke ich, dass es falsch ist? Weil es Gott in seinem Wort gesagt hat oder weil mich das jemand glauben machte?» Was hat Ihnen besonders geholfen, diese Eigenverantwortung für Ihren Glauben zu übernehmen?

Adrian Plass Beispiel war ständig im Gebet und brauchte danach seinen Verstand, um Entscheidungen zu treffen. Manchmal sprach Gott auch zu ihm und sagte: «Es wäre besser, du würdest nicht das tun, sondern etwas anderes.» Wenn wir die Absicht haben, unser Bestes zu geben, werden wir normalerweise gute Entscheidungen treffen. Im Allgemeinen wissen wir intuitiv, was das Richtige ist, und halten uns selbst zum Narren, wenn wir das Gegenteil behaupten.

«Ich wollte schon immer das Echte vom Müll unterscheiden»

Peter Höhn

geistesgegenwärtig vom glauben reden leben || freude ich wollte am schon … …

Im Wesentlichen ist es, was Jesus seinen Nachfolgern in Johannes 8,32 versprochen hat: «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.» Im Evangelium, der Frohen Botschaft, geht es darum, frei zu werden. Wer sicher ist in Gott, ist frei, alles zu tun – oder sagen wir mal, vieles zu tun, ich meine natürlich nicht Dinge wie Ehebruch. Menschen, die sagen: «Du solltest dies und das nicht tun», verdrehen die Gute Nachricht in eine schlechte. Jesus hat aber das Negative weggefegt und gesagt: «Das ganze Gesetz besteht aus zwei positiven Punkten: Liebe den Herrn, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, deinem ganzen Verstand und deiner ganzen Kraft; und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.» Statt mir zu überlegen, was ich nicht tun sollte, konzentriere ich mich auf das, was ich hier tun kann. Wie erleben Sie dabei Gottes Führung? Am wichtigsten ist es, in der Nähe Gottes zu bleiben. Paulus zum cz 2|07

Gott gehorsam zu sein wäre somit ganz einfach? Natürlich müssen wir wissen, dass wir von Gott geliebt sind, dann ist es viel einfacher, gehorsam zu sein. Jemand hat mir mal gesagt: «Mit Gott zusammen zu sein, ist ganz einfach. Du findest heraus, was er gerade tut, und machst mit bei dem, was du ihn tun siehst.» So hat das auch Jesus getan. Manchmal ist es jedoch schwierig, gehorsam zu sein, weil wir Dinge tun müssen, die schmerzen und enorme Anstrengungen fordern. Wo hat Ihnen Gehorsam wehgetan? Ich hatte früher grosse Probleme mit meinem Sohn. Einmal provozierte er mich derart, dass ich drauf und dran war, völlig auszurasten. Aber in einem kurzen Moment war es, als sagte Gott in mir drin: «Gib mir dein Recht auf deine Wut ab!» Ich fand das sooo ungerecht, aber die innere Stimme meinte: «Das mag zwar sein, dass du so empfindest, aber wenn du diese Situation verbessern willst, musst du opferbereit sein und dieses Recht abgeben.» In diesem Fall war das die richtige Entscheidung. Sie führte in der Beziehung zu meinem Sohn zu einem Durchbruch. In einer anderen Situation muss aber jemand seine Wut endlich cz 2|07

ausdrücken, weil er bislang zu nachsichtig war. Vielleicht sagt Gott dann: «Heute muss du einmal sehr heftig mit dieser Person reden.» Weil es das Richtige ist. Es gibt keine Regeln, es geht nur um Gehorsam in der gegebenen Situation. Was hat Ihren Gehorsam gegenüber Gott am meisten behindert? Es ist der normale menschliche Appetit auf eine bestimmte Sache. Auf Klatsch zum Beispiel. Der Drang, die Lust, etwas Unerfreuliches über andere Leute weiterzusagen, ist manchmal sehr gross. Auch Angst kann eine Blockade sein, Gott nicht zu hören. Und wie durchbrechen Sie solche Angstblockaden? Indem ich überall versuche, nahe bei Jesus zu bleiben. Gebet bedeutet für mich, mit Jesus zusammen zu sein. Ins stille Kämmerlein zu gehen, um ihn zu hören, wie er sagt: «Ich weiss um deine Bedürfnisse, rede einfach mit mir, und ich werde den Rest in Ordnung bringen.» Das heisst aber nicht, dass Gott nur in der Stille da ist. Stille und Alleinsein helfen mir einfach, mich besser zu konzentrieren. Der Ort, wo ich die Gegenwart Gottes besonders gut spüre, sind Einkaufszentren, bevölkerte Strassen, Cafés, Orte, wo jedermann ist. Wir müssen lernen, Gott überall zu finden. Dann verlieren wir auch die Angst. Manchmal rate ich den Leuten: Statt Gott nur in der Stille zu suchen, könntest du auch mal Folgendes tun: Setz dich im Einkaufszentrum ins Café und schau einfach den Leuten zu. Bitte Gott, dass er dich aufmerksam macht auf einzelne Menschen, die dort sind, und dass er dir zeigt, wie sie sich fühlen und was sie denken – und was das alles mit dir zu tun hat.

Zur Person Adrian Plass (geboren 1948) wuchs in Tunbridge Wells in Südengland auf. Nach einer abgebrochenen Schauspielausbildung arbeitete Plass in einem Haus für sozial geschädigte Kinder, bis er nach einem Zusammenbruch mit Schreiben anfing. Im deutschen Sprachraum wurde er in den Neunzigerjahren mit dem «Tagebuch eines frommen Chaoten» schlagartig bekannt, mit einem Buch, das ironisch-kritisch das Leben in einer evangelikalen Gemeinde schildert. In den Folgejahren wurde er mit seinen Büchern – die von weiteren chaotischen Tagebüchern über Kurzgeschichten und Essays bis zu Andachtsbüchern und besinnlichen Romanen reichen – zum wahrscheinlich beliebtesten und meistgelesenen christlichen Autor aus England seit C. S. Lewis. Im Frühjahr 2006 wurde sein Erstlingswerk, die Novelle «Der Besuch», von Zeljka Morawek an Schauplätzen in Stuttgart verfilmt. In «Der Besuch» geht es darum, dass «Der Gründer der Kirche» seinen Besuch in einer kleinen Kirchgemeinde ankündigt. Peter soll alles für die Ankunft vorbereiten. Am ersten Advent ist der Gründer pünktlich da, doch wie schon vor 2000 Jahren hält er sich nicht an die Spielregeln und wirft alle geplanten Programme über den Haufen. Mehr und mehr wird dabei auch Peters geordnetes Leben auf den Kopf gestellt ... Adrian Plass ist verheiratet mit Bridget, hat drei erwachsene Söhne und eine Tochter. Er lebt und arbeitet als Schriftsteller in Sussex, England, und reist als gefragter Referent rund um die Welt.

Weitere Informationen: www.adrianplass.com www.adrianplass.de www.derbesuch-film.de

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• von links nach rechts: Beat Baumann von livenet.ch, Jugendevangelist Andreas «Boppi» Boppart, Allianzsekretär Hansjörg Leutwyler

• Podiumsgespräch über Prophetie: Felix Aeschlimann, Lotti Schum, Georgia Bühlmann, Andreas Boppart, Max Schläpfer

«Wittern, was der Wille Gottes ist» Forum Evangelisation im Ländli, Oberägeri Rund zweihundert Teilnehmende nutzten Ende Januar 2007 das Forum Evangelisation im Zentrum Ländli in Oberägeri, um sich ermutigen und inspirieren zu lassen, um Neues über evangelistische Projekte zu erfahren und aus Biografien geistlicher Mütter und Väter des Glaubens zu lernen.

Interview mit Adrian Plass

Manfred Kiener

Geistlicher Spürhund sein Peter Wenz, Pastor der Biblischen Glaubensgemeinde BGG in Stuttgart mit wöchentlich 4000 Besuchenden, ermutigte die Zuhörerinnen und Zuhörer in Oberägeri, sie sollten gemäss Römer 15,18 «ein Diener Christi, ein Priester, ein Leiturgos sein für die Nationen». Doch niemand könne in menschlicher Kraft etwas tun, das vor Gott angenehm sei. «Es gefällt dem Heiligen Geist, wenn er kommen kann, um auf seine Art und Weise etwas in Bewegung zu bringen.» Der Apostel Paulus sei darauf fixiert gewesen, zu erkennen, was der Wille Gottes sei. «Wir müssen wie ein spiritueller Lassie sein, wie ein geistlicher Spürhund, der wittert, was der Wille Gottes ist. Wir müssen sensibel wahrnehmen, was Gott will, was er für uns vorbereitet hat.» Es gehe darum, im Herzen weich und offen zu bleiben für das Sprechen des Heiligen Geistes. Dazu gab Peter Wenz vier Tipps anhand der Texte des Apostels Paulus: 1. Wir sollen etwas für uns selber tun: «Sprecht zu euch selber in Psalmen, Liedern und Bibelversen.» Wenz betonte, 14

dass uns nicht alle Nachrichten der Medien aufbauten. Doch wir könnten positiv zu uns selber sprechen mit Psalmen wie: «Der Herr ist mein Hirte. Der Herr ist mein Licht und mein Heil.» Wir sollten zu uns selber das sprechen, was uns inspiriere und aufbaue. 2. Wir sollen etwas tun, das einen Bezug zu Jesus Christus schafft: Wir sollen dem Herrn mit unserem ganzen Herzen singen und spielen. Wir sollen Jesus Christus eine Melodie spielen. Mit Inbrunst, mit Hingabe Musik machen für Gott, in der Anbetung und im Lobpreis. 3. Wir sollen etwas tun, das einen Bezug zum Vater im Himmel schafft: Wir sollen allezeit und für alles im Namen Jesus Christi, unseres Herrn, danken. Gott dafür danken, dass wir leben. Danken für das Seminar, für das Essen. Danken für unsere Freunde, für die Kirche, für die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Jede gute Gabe kommt von Gott, dem Vater des Lichts, bei dem es keine Verwechslung von Finsternis und Licht gibt. 4. Wir sollen etwas untereinander tun: «Werdet voll Geistes, indem ihr euch einander unterordnet in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus!», ermutigte Wenz. Wir sollten die Kirche achten

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Christen sollten aufhören mit Stolz, Arroganz und Überheblichkeit.

in der Kirchgemeinde Zürich-Altstetten dienen konnte. Martin Schneider, Pastor von BewegungPlus in Sissach, erzählte, ihre Kirchenräume würden tagsüber zum Betrieb einer Kinderkrippe gemietet. Die beiden Betreuerinnen hätten am Alphalive-Kurs von BewegungPlus teilgenommen, dort zum Glauben gefunden und die Kirche am Elternabend der Kinderkrippe vorgestellt. Michelle und Daniel Wobmann aus Lu-

zern erzählten, wie sie die Jüngerschaftsschule ISTL zum evangelistischen Lebensstil ermutigt habe. Sie berichteten über Strassenevangelisation, über eine Aktion am Heiligen Abend 2006 in der Langstrasse in Zürich sowie über ihre Arbeit als Leitungsverantwortliche des Jugendtreffs in Rotkreuz. Im Rahmen eines «Marktplatzes» konnten die Besucher an Ständen und mittels Kurzpräsentationen weitere evangelisti-

sche Projekte und Ideen kennenlernen. Nach Jahren grosser strategischer Überlegungen zur Erreichung der Schweiz setzen die Veranstalter des Forums Evangelisation heute vermehrt auf geistlichen Aufbau und Ermutigung des einzelnen Christen, wie er auf seine originale, kreative Weise Zeuge Jesu sein kann. Die wachsende Zahl von Dauerteilnehmenden (der Autor erwischte buchstäblich noch das letzte Bett) scheint den Veranstaltern recht zu geben.

und ehren, in die uns Gott gestellt hat. Wir sollten Menschen achten und ehren, die Gott uns über den Weg schickt. «Das macht uns voll Heiligen Geistes! Ich habe unserer Gemeinde immer wieder gesagt: ‹Wir wollen eine Gemeinde der Liebe sein!› Das geht nur, wenn wir uns einander unterordnen. Indem wir Demut lernen.» Christen sollten aufhören mit Stolz, Arroganz und Überheblichkeit. «Es gibt nur einen, der der Beste ist, der Grösste, der Wunderbarste – sein Name ist Jesus Christus, sein Name ist der Vater im Himmel, sein Name ist der Heilige Geist!» Während wir einander wertschätzen, entsteht eine Atmosphäre der Liebe und der Demut, in welcher der Heilige Geist uns füllt. Teilnehmende erzählten im Forum, wie sie Gott erlebten: Rachel Stoessel, Koordinatorin von Alphalive Schweiz, berichtete, wie sie trotz Erkrankung und Schwäche drei Frauen im Alphalive-Kurs cz 2|07

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Pfarrerin Tabea Hintze-Stalder aus Rain AG stellte Leben und Werk der französischen Sozialarbeiterin, Politikerin und «Mystikerin der Strasse» Madeleine Delbrêl (1904-1964) vor.

Die Wahrheit aus Gottes Wort vergegenwärtigen

GOTT � � GOTT � GOTT

Gegen Ende ihres Lebens habe die gebildete und engagierte Madeleine Delbrêl nur noch in einem Buch gelesen: in der Bibel. Tabea Hintze-Stalder fragte:

Peter Wenz: «Jeder Christ kann Gottes Stimme hören»

«Von welchem guten Wort von Gott lebe ich?»

GOTT � � GOTT � GOTT

Madeleine Delbrêl prägte folgendes Bild: Christen müssen eigentlich den Handstand machen wie eine Fledermaus: Sie sollten mit ihren Füssen im Himmel verwurzelt sein und ihre Hände den Menschen entgegenstrecken. Hintze-Stalder:

«Haben wir uns auch zweimal bekehrt? Einmal zu Gott und das zweite Mal zu den Menschen?» Wir haben Peter Wenz, Pastor im Gospel Forum der Biblischen Glaubens-Gemeinde (BGG) Stuttgart, über seinen geistlichen Werdegang befragt und ihn gebeten zu erzählen, wie er sich im Alltag von Gottes Geist führen lässt und in all seinen Verantwortungen geistlich fit bleibt.

Madeleine Delbrêl engagierte sich in der katholischen Kirche. Trotz ihrer Mühe mit Befehlen aus Rom litt sie unter Formfragen, die Christen trennen. Dabei sollten doch die Menschen die Christen an ihrer Liebe untereinander erkennen. Hintze-Stalder:

Manfred Kiener

«Was trage ich aktiv zur Einheit der Kirche bei?»

Christliches Zeugnis: Wie hast du selber den Glauben entdeckt? Peter Wenz: Ich fand erst mit zwanzig Jahren zum lebendigen Glauben. Mit GOTT � GOTT � meinen Eltern hatte ich die katho� GOTT lische Kirche besucht, aber eine persönliche Glaubensbeziehung zu Jesus Christus kannte ich nicht. Den Anstoss zum Glauben gab der Film «Das Kreuz und die Messerhelden» von David Wilkerson. Ich sprach daraufhin mit gläubigen Freunden, und diese ermutigten mich, mein Leben für Jesus Christus zu öffnen. Das tat ich. Ich habe alle Sünden vor Gott bekannt und Jesus Christus eingeladen, in mein Leben zu kommen. Daraufhin habe ich seine Liebe und seine Kraft so übernatürlich stark erlebt, dass man es mit Worten nicht beschreiben kann.

GOTT � � GOTT � GOTT

Madeleine Delbrêl versuchte mit allem, was sie war und hatte, auf Gott ausgerichtet zu sein, im Schweigen wie im Gehorsam. Hintze-Stalder:

«Wie höre und gehorche ich?»

Madeleine Delbrêl feierte und tanzte gerne und liebte die Lieder von Edith Piaf. Tabea Hintze-Stalder:

«Wann habe ich das letzte Mal über meinen Alltag gelacht und Lebensfreude gespürt?» 16

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So ähnlich muss Saulus vor Damaskus die Begegnung mit Gott erlebt haben: «Mensch, ich bin ein Sünder und brauche Gottes Gnade.» Genauso war es auch bei mir. Ich habe seine Liebe auf eine Art und Weise gespürt, wie ich es mir nie hätte träumen lassen. Diese Entscheidung hat mein Leben radikal verändert – es gab eine Wende um 180 Grad. Es war immer mein Wunsch gewesen, einmal Menschen zu dienen. Aber jetzt wollte ich in erster Linie Gott dienen und danach den Menschen. Und so besuchte ich, auf Anraten meines damaligen Pastors, ein dreijähriges theologisches Seminar. Wie hast du in Stuttgart begonnen? Nach dem Seminar kam ich als 25-jähriger Vikar nach Stuttgart in eine kleine Pfingstgemeinde, die im Sterben lag. Die Gemeinde zählte 11 Mitglieder sowie rund 80 Gottesdienstbesu-

cherinnen und -besucher. Das Alter der Personen im Ältestenrat lag zwischen 60 und 70 Jahren. Nach drei Monaten überraschte uns der Pastor mit der Nachricht, er werde die Gemeinde verlassen. Er meinte, ich könne die Gemeindeleitung übernehmen. Ich fragte Gott und hörte: «Sag Ja, aber stelle zwei Bedingungen: Der Vorstand muss ausgewechselt werden, und die engagierten Mitarbeiter sollen in der Gemeindeleitung mitbestimmen können.» Die Vorstandsmitglieder ärgerten sich zwar darüber, wählten mich aber 1984 trotzdem zum neuen Pastor, bevor sie alle zurücktraten. Wie ging es weiter? Eine zweijährige Durststrecke folgte. Wir beteten viel. Ein Teil der Gemeindemitglieder rottete sich gegen uns zusammen. Im Gebet ermutigte mich Gott: «Ich habe dich gesetzt. 17


vom glauben reden am … … geistesgegenwärtig leben| |freude die wahrheit

aufgehört zu wachsen. Heute besuchen rund 4000 Personen pro Wochenende unser Gospel Forum in Stuttgart.

Du wirst bleiben. Predige mein Wort.» Die Hälfte der Besucher verliess die Gemeinde, und wir wurden angegriffen und verleumdet. 1985 kollidierte ein betrunkener Porschefahrer frontal mit unserem Wagen. Mein engster Freund und Co-Pastor brannte mit einer anderen Frau durch usw. Doch gerade in jenen Monaten begann Gott, Menschen zur Gemeinde zu führen, von denen wir nicht wussten, woher sie kamen. Was hat dir in jenen Zeiten der Einsamkeit und der Kämpfe geholfen? Es hat mir immer wieder geholfen, mich daran zu erinnern, dass Gott mich hierher berufen hatte – und nicht ich selbst. Ich konnte erkennen, dass schwierige Situationen nicht von Gott kommen, um uns auszuquetschen und zu sehen, ob wir treu sind. Gott versucht uns nicht auf diese Weise. Vielmehr kommen solche Situationen fast zwangsweise, weil wir Jesus nachfolgen. Menschen und der Teufel versuchen, uns zu schwächen und uns kaputt zu machen. Aber Gott steht auf meiner Seite und kämpft für mich. Diese Erkenntnis sowie die Liebe des himmlischen Vaters haben mir immer wieder durchgeholfen. Einmal sagte Jesus zu Petrus im Blick auf schwierige Situationen: «Ich habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhöre.» Es kam mir oft vor, als würde Jesus sagen: «Peter, ich habe für dich gebetet, dass du nicht schlappmachst.» Das gilt für uns alle. Der innere Mensch wird von Gott täglich erneuert. Wenn wir das im Glauben erkennen und annehmen, spüren und erleben wir das auch. Wie hast du es geschafft, geistlich frisch und munter zu bleiben und nicht bitter zu werden oder gar die Aufgabe zu verlassen? Man muss lernen, den Menschen zu vergeben, die einem Unrecht getan haben. Man muss die Vergebung aus Gnade, die man selber erlebt hat, 18

weitergeben und ausleben. Das hält einen davon ab, bitter zu werden. Die tägliche Frische und Freude muss man sich bei Gott holen. Wir müssen uns Wahrheiten aus dem Wort Gottes vergegenwärtigen und sagen: «Das, was in der Bibel steht, ist für mich persönlich. Gott ist mit mir. Er verlässt mich nicht und lässt mich nie im Stich.» Wenn man Tag und Nacht darüber nachdenkt, wie es schon Josua tun sollte, wird das Wort Gottes zu einem Teil deines Lebens. Jesus Christus ist das Wort Gottes, also gewinnt Jesus Christus immer mehr Substanz in deinem Herzen. Wann wendete Gott das Blatt in der BGG Stuttgart? Im Frühjahr 1986 sprach Reinhard Bonnke in unserer Gemeinde. Er teilte ein Bild mit uns: Er sah zwei grosse Hände vom Himmel herunterkommen. Diese Hände drückten die Mauern unserer Kirche auseinander. Bonnke prophezeite, die Gemeinde werde auf über 2000 Personen wachsen. Er lud mich daraufhin zu einem Besuch nach Afrika ein und bezahlte mir den Flug. Wir lebten zu jener Zeit von 400 Mark pro Monat. Wieder zurück in Stuttgart, betete ich an Himmelfahrt 1986 für zwei kranke Frauen. Sie fielen um, standen wieder auf – und begannen zu tanzen. Gott hatte sie von ihrem Rückenleiden geheilt. Bis im Herbst 1986 verdoppelte sich die Zahl der Gemeindeglieder. Seither hat die Gemeinde nicht mehr

Wie hast du begonnen, Gottes Stimme zu hören und geistesgegenwärtig zu leben? Ich hatte lange Jahre Schwierigkeiten, Gottes Stimme zu hören. Schliesslich bemerkte ich, dass es daran lag, dass ich gar nicht daran geglaubt hatte, Gottes Stimme hören zu können. Ich dachte: Alle hören die Stimme Gottes, nur ich nicht. Was mein Leben stark verändert hat, war das zunehmende Bewusstsein aus der Bibel, dass jeder Christ Gottes Stimme hören kann. Wobei Gott auf unterschiedliche Art und Weise zu uns redet. Durch Umstände, durch das Wetter, durch die Stimme des Heiligen Geistes im Herzen, durch das Gewissen, durch das Wort Gottes, durch Predigten, durch Begegnungen mit Menschen, durch den Ehepartner usw. Gott kann mir selbst durch die Kinder etwas sagen. Es gibt ein unendlich weites Spektrum des Redens Gottes, das ich mir ein Stück weit durch das Wort Gottes erarbeitet habe. Diese Erkenntnis, dass Gott auf viele Arten zu uns spricht, hat mich geöffnet und mich auch sensibler werden lassen für die Formen, wie Gott zu mir persönlich redet. Wie weiss ich, dass Gott jetzt gesprochen hat? Wie weit kann ich das, was ich gehört habe, einfach mal ausprobieren? Es ist so wie in jedem Lernprozess. Nehmen wir als Beispiel den kleinen Samuel im Tempel: Er hörte Gott dreimal rufen: «Samuel!» Der Junge dachte zuerst, es sei der Hohepriester Eli. Es ist also sogar für einen Propheten wichtig zu lernen, Gottes Stimme zu hören, zu unterscheiden, ob es Gott ist oder ob er eine andere Stimme vernimmt. Ich würde jedem raten, das auszuprobieren. Gehen die Dinge, die ich höre, in Erfüllung? Was empfinde ich, wenn cz 2|07

ich darauf eingehe? Spüre ich den Segen Gottes auf der Sache? Zudem rate ich, Menschen aufzusuchen, die offensichtlich Gottes Stimme gut hören können, und sich mit ihnen auszutauschen. Es geht darum, von erfahrenen Menschen zu lernen. Ich empfehle, selber im Wort Gottes zu studieren, wie Gott redet, wie Jesus redet. Ich höre oder spüre, dass etwas von Gott ist, wenn es übereinstimmt mit dem Wort Gottes, mit der Bibel. Gott redet nie gegen sein Wort. Also gibt es viele kleinere und grössere Dinge, an denen wir prüfen und erkennen können, ob das jetzt Gottes Stimme gewesen ist oder meine eigene. Viele haben hier Angst vor Fehlern. Doch habe ich aus eigener Erfahrung gelernt, dass das Fehlermachen überhaupt kein Problem ist. Gott vergibt uns, und wir können es das nächste Mal besser machen. Was sagst du jemandem, der den Eindruck hat: Ich mache keine Fortschritte, ich komme schlecht voran oder stecke fest? Eine solche Person benötigt eine gute Begleitung. Wenn jemand alleine nicht weiterkommt, hat Gott – das sehen wir im Neuen Testament – schon jemanden bereit, der ihm helfen kann. Ein Glied soll dem anderen helfen. Wenn jemand leidet, sollen die anderen ihm helfen. Sei es durch eine prophetische Gabe, sei es durch die Unterscheidung der Geister, durch ein Wort der Ermutigung oder einen kleinen Tipp, etwas anders zu machen, zum Beispiel sich nicht so zu verkrampfen. Ich war selber zu Beginn viel zu verkrampft. Christsein hat viel mehr mit Entspannung zu tun. Wenn ich im Glauben entspannt bin, kann ich Gottes Stimme viel besser hören. Je verspannter, angespannter ich bin, desto unsensibler bin ich oft für die leise, zarte Stimme Gottes. Es kann sein, dass jemand im Beruf gerade in einer stressvollen Situation ist. Das cz 2|07

… mein Leben hat sich dahingehend verändert, dass es von einem statischen, fest fixierten Leben mit Gott zu einem viel dynamischeren, flexibleren, viel mehr in den Alltag einwirkenden Umgang mit dem Heiligen Geist gekommen ist.

kann ich gut nachvollziehen. Dann kann man Gottes Stimme weniger gut hören. Dieser Person müsste man vielleicht raten, mehr in die Ruhe hineinzukommen und etwas kürzerzutreten. Dann ergeben sich manche Dinge von selbst.

suche, ihn unter der Dusche anzubeten, oder ich schaue in die herrliche Landschaft, wie hier in der Schweiz, und bete Gott an. Die Berge preisen den Herrn, zum Beispiel die Berge der Schweiz, also preise ich mit usw. Solche Dinge helfen mir persönlich dabei.

Du bist vielseitig engagiert. Wie hast du gelernt, dich zu entspannen, ruhig zu werden? Wo hast du für dich Freiräume gefunden, um Gottes Stimme zu hören? Ich bin selbst noch auf dem Weg. Doch kann ich berichten, wie es gegenwärtig aussieht: Ich versuche, feste Zeiten mit Gott zu haben. Das heisst, ich reserviere mir die Zeiten im Kalender, wie zum Beispiel die Morgengebetszeiten. Zudem pflegen wir feste Gebetszeiten mit unseren Pastoren und Ältesten der Gemeinde, wo wir uns viel Zeit nehmen, um auf Gott zu hören. Daneben gibt es persönliche Gebetszeiten und Gewohnheiten. Ich beginne zum Beispiel morgens, wenn ich noch im Bett liege, mit Gott zu reden. Nachts, wenn ich aufwache, suche ich seine Gemeinschaft, rede mit ihm, preise ihn und bete ihn an. Wenn ich in einer Sache nicht weiterkomme, bete ich Gott einfach nur an. Ich ver-

Wie hat diese Haltung deinen Alltag verändert? Ich versuche, immer spontaner und offener zu werden. Ich will bewusst bei einer Autofahrt oder im Gespräch mit einem Menschen auf Gott hören und ihm die Ehre geben. Das heisst, mein Leben hat sich dahingehend verändert, dass es von einem statischen, fest fixierten Leben mit Gott zu einem viel dynamischeren, flexibleren, viel mehr in den Alltag einwirkenden Umgang mit dem Heiligen Geist gekommen ist. Ich ahne, dass es in dieser Richtung noch weitergeht. Es gibt bei mir also unter der Woche feste Zeiten wie Gottesdienste und Gebetszeiten, daneben komme ich aber immer mehr in eine natürliche Beziehung zu meinem himmlischen Vater und zu Jesus hinein. Ich vereinbare weniger feste Termine, sondern komme einfach zu ihm und sage: «Daddy, ich bin da.» 19


PERSONLICH Menschenmassen und waren begabte Kommunikatoren, die eine grosse Gefolgschaft aus allen Gesellschaftsschichten beidseits des Atlantiks hatten. Beide glaubten und predigten das biblische Evangelium. Beide waren Männer von Integrität, deren authentisches Leben hell leuchtete. Beide kämpften um die Einheit unter den Christen auf der Basis des Evangeliums. Beide waren aufrichtig, demütig, liebenswürdig und grosszügig. Und mehr als das alles: Die Hand des Herrn lag auf ihnen.»

Konsequent auf Gott ausgerichtet leben Das persönliche Wort des Missionsleiters Es war im Vorfeld des Forums Evangelisation zum Thema «Geistesgegenwärtig leben». Als ich Gott fragte, was ihm für mein Referat dort wichtig sei, stiess ich auf die Lebensbilder zweier weltberühmter Evangelisten sowie auf meinen Grossvater – und bekam überdies von Gott einen persönlichen «Anstoss» zum Thema, im wahrsten Sinn des Wortes.

Hanspeter Nüesch Eine Woche vor dem Forum brachten wir unseren Sohn Daniel zum Flughafen, um ihn für ein Jahr Weiterbildung nach Australien zu verabschieden. Als wir von Boppelsen her kommend in Richtung Regensberg fuhren, war die Strasse plötzlich spiegelglatt. «Betet!», rief ich.

Manchmal gehören Schrammen dazu Betend fuhr ich im Schritttempo weiter, immer darauf bedacht, auf der schmalen Strasse zu bleiben, denn rechts ging es den Abhang hinunter. Da sah ich im Dunkeln ein Auto in normalem Tempo auf uns zukommen. Prompt erwischte der Fahrer die Kurve nicht und rammte uns voll. Sein Auto erlitt Totalschaden, er selbst kam dank Airbag mit kleinen Schrammen davon. Unser alter Toyota mit seinen über 200 000 Kilometern hatte vorne links zwar einiges abbekommen, und auch die Autotüre liess sich nicht mehr öffnen, wir selber aber waren unversehrt. «Wir haben doch gebetet, 20

und ich habe alles getan, um einen Unfall zu vermeiden. Und jetzt das!», dachte ich. Bis ich realisierte: Wir waren ja genau im richtigen Sekundenbruchteil am richtigen Ort gewesen! Ohne unser Auto als elastischen Prellbock wäre das uns entgegenkommende Auto den Abhang hinuntergestürzt. Ein anderes Auto brachte unseren Daniel noch rechtzeitig zum Flughafen. Dem jungen Unfallfahrer überreichte ich eine Fitnessbibel. Und so hoffe und bete ich, dass unser Zusammenstoss für ihn in jeder Hinsicht heilsam wird. Ich selbst erhielt eine Lektion, was geistesgegenwärtig leben auch noch bedeuten kann: Dass man selber eine Schramme abbekommt, damit andere vor weit Schlimmerem bewahrt werden.

Vorbilder von Demut und Integrität Wenige Menschen haben eine ähnlich starke geistliche Wirkung in der Welt gehabt wie Dwight L. Moody im 19. Jahrhundert und Billy Graham im 20. Jahrhundert. Dwight L. Moody (1837-1899) und Billy Graham (geboren 1918) waren

geistesgegenwärtig leben | persönlich …

Leer sein, damit Gott uns füllen kann Der bekannte Bibellehrer R. A. Torrey, der Moody wie kaum ein anderer kannte, versucht in seiner Schrift «Warum

Gott Moody brauchte» aufzuzeigen, warum Gottes Geist in Moodys Leben und Dienst so gegenwärtig war; warum Moody immer wieder auf die Impulse des Heiligen Geistes hin das Richtige tat, obwohl es für andere oft nicht nachvollziehbar war. Ein paar Beispiele geistesgegenwärtigen Handelns: Einmal rannte Moody einer jungen Frau über mehrere Strassenzüge nach, bis er ihr das Evangelium erzählen konnte und diese zum Glauben führte und mit ihr die ganze Verwandtschaft. Einmal mietete

er bei einer Beerdigung einer berühmten Person die Halle gegenüber des Abdankungsplatzes, um den Trauergästen das Evangelium der Freude nicht vorzuenthalten. Einmal kam Moody beim Coiffeur neben den amerikanischen Präsidenten Wilson zu sitzen. Kurzerhand erklärte er dem Coiffeur das Evangelium, und das so laut, dass auch der amerikanische Präsident im Nachbarsessel es mitanhören musste, was bei diesem wiederum einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen haben soll.

«Einen starken Willen und Mut brauchen wir nicht für das Schlachtfeld, sondern im täglichen Kampf gegen unsere Trägheit, Faulheit und Gleichgültigkeit.» Dwight L. Moody

• Dwight L. Moody (1837 - 1899) unterwegs zur nächsten Evangelisation: «Wir können Beschwernisse besser ertragen als Wohlstand, denn im Wohlstand vergessen wir Gott.»

nicht nur die bekanntesten Evangelisten ihrer Zeit, sondern trugen auch auf mancherlei andere Weise zur Erfüllung des Missionsauftrages Jesu bei. John Stott schreibt in «People, my Teachers»: «Was Billy Graham für das 20. Jahrhundert, war Dwight L. Moody für das 19. Jahrhundert. Es gibt erstaunliche Parallelen zwischen ihnen: Beide predigten zu cz 2|07

• Cliff Barrows und Billy Graham in jungen Jahren beim Gebet

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Arbeit bleiben, die Gott uns aufgetragen hat, und ihm die Sorge für alle Schwierigkeiten wie auch die Antwort auf alle Kritik überlassen.» In seinem Buch «Your Victory in Jesus» schreibt Moody selbst über den zentralen Wert der Demut: «Wenn du willst, dass Gott dir hilft, dann nimm eine nied• Billy Graham, einmal nicht als Evangelist, sondern als Pastor rige Position ein der Pastoren. ... Meine Freunde, wenn wir beim Gott des Himmels Eindruck machen wollen, dann müssen Moody begann jeden Tag, indem er sich wir uns demütigen, und wenn wir uns ausführlich Zeit nahm, auf den Knien demütigen, dann werden wir nicht entdie Bibel zu lesen. Er war nicht ein Mann täuscht werden.» Moody wollte am Beivieler Bücher, sondern des einen Buches, spiel Jesu lernen, von Tag zu Tag sanftder Bibel. Bei der Verkündigung des Wormütiger und demütiger zu werden tes Gottes stützte er sich ganz auf die (vgl. Matthäus 11,29). In seinem Gedicht überführende und Jesus verherrlichende kommt seine Herzenshaltung gut zum Kraft des Heiligen Geistes. Für Moody Ausdruck und fasst das Geheimnis hinwar die Erfüllung und Bevollmächtigung ter Gottes mächtiger Gegenwart in Moodurch den Heiligen Geist Voraussetzung dys Leben und Dienst zusammen: «Ich jeden geistlichen Lebens und Dienstes. möchte nichts sein, nichts. Nur zu seiMoody an der Studentenkonferenz 1894 nen Füssen liegen, ein zerbrochenes und in Northfield: «Ich sehe keinen Grund, leeres Gefäss, zur Verfügung für den Gewarum wir nicht gerade hier auf die Knie brauch des Meisters. Ich möchte leer sein, gehen und darum bitten sollten, dass damit er mich füllen kann. Wenn ich der Heilige Geist ebenso bestimmt auf mich aufmache zu seinem Dienst, dann uns fallen möge, wie er an Pfingsten auf möchte ich zerbrochen sein, damit sein die Apostel fiel. Lasst uns beten.» Leben ungehindert durch mich hindurchfliessen kann.» Torrey sagt aus eigener Beobachtung, dass Moody noch ein grösserer Beter als Prediger war. Und er war ein von Herzen demütiger Mann. Moody: «Nehmen wir unseren Platz im Staube ein und geben wir Gott die Ehre! ... Wir wollen den andern Leuten das Schwatzen und Kritisieren überlassen und stattdessen an der 22

Totale Ausrichtung auf Gott und sein Wort Mit Billy Graham hatte ich nur drei kurze Begegnungen. Mehr als einmal betete ich um die Gelegenheit, das Ehepaar Graham persönlich näher kennenzulernen,

um ein wenig hinter die Kulissen ihres aussergewöhnlichen Lebens schauen zu können. Gott erhörte mein Gebet besser, als ich es mir hätte vorstellen können: Es war im Vorfeld der zweiten Evangelistenkonferenz 1986 in Amsterdam. Da kamen Billy und Ruth Graham in einem chinesischen Restaurant direkt an meinen Nebentisch zu sitzen, sodass ich das Gespräch trotz des Lärms in den grossen Linien mitverfolgen konnte. Ein kurzer Dialog blieb mir in besonderer Erinnerung: Billy zu Ruth: «Ich habe gerade Evangelisten aus der Dritten Welt getroffen, die am ganzen Körper Narben tragen, weil sie zu Jesus gestanden sind. Ich fühle mich sehr unwürdig ihnen gegenüber. Wer bin ich, dass ich ihnen etwas beibringen könnte?» Ruth zu Billy, indem sie ihre Hand auf die linke Schulter von Billy legte: «Du musst nur das geben, was du geben kannst. Den Rest darfst du getrost unserem Herrn überlassen.» Billy Graham bezeichnete es als prägende Erfahrung, dass er nach seiner so erfolgreichen Evangelisation 1949 in Los Angeles, die ihn im ganzen Land bekannt gemacht hatte, die Wichtigkeit gelebter Demut vorgeführt bekam. In «The Greatest Lesson» beschreibt er, wie er zum Abschluss der auf Los Angeles folgenden, ebenfalls sehr gesegneten Evangelisation in Boston den weitherum geachteten Verantwortlichen der Evangelisation, Dr. Harold John Ockenga, in dessen Büro aufsuchte. Er erwartete, dass Dr. Ockenga grosse persönliche Befriedigung und berechtigten Stolz empfinden würde, weil er es ja war, der mit seinem Einfluss die ganze Sache erst ins Rollen gebracht hatte. Stattdessen sah er zuerst niemanden im Büro. Doch da war Dr. Ockenga, ausgestreckt auf dem Boden liegend, der Gebetsseufzer zu Gott ausstiess. Kaum je habe er einen Mensch inniger beten gehört. In Demut habe Dr. Ockenga seine Unwürdigkeit vor Gott und cz 2|07

seine totale Abhängigkeit vom Heiligen Geist bekannt. Dabei habe er Gott geradezu bestürmt, er möge seinen Segen auf die Gegend von New England legen. Billy Grahams Folgerung aus dieser Erfahrung: «Wenn Dr. Ockenga mit all seiner Bildung, mit all seinem Prestige und seinem Erfolg es nötig hatte, sich vor Gott zu demütigen, wie viel mehr habe ich es. Gott hat mich über die Jahre viele wertvolle Lektionen gelehrt, aber eine der grössten ist, dass die Schrift uns lehrt, uns zu demütigen. Nur dann kann Gott uns so brauchen, wie er will. Immer wenn ich wieder einmal versucht war, die Lorbeeren für etwas, was Gott vollbracht hatte, für mich selber zu beanspruchen, musste ich mich demütigen, indem ich mich neu Gott zuwandte und meine totale Abhängigkeit von ihm bekannte.» Es ist bezeichnend, dass Billy Graham an den Anfang seiner Autobiografie «Just as I am» eine für ihn sehr peinliche Erfahrung stellt: Nach der Visite beim damaligen amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman stellte sich Billy Graham mit seinem Team vor dem Weissen Haus vor den Fotografen auf, kniete nieder und betete demonstrativ. Zugleich erzählte er den Journalisten, wie die Zeit beim Präsidenten verlaufen war und was dieser ihnen im persönlichen Gespräch gesagt hatte. Präsident Truman liess daraufhin ausrichten, er wolle diesen Mann, der sich selbst derart in Szene setze, nie mehr sehen. Billy Graham war in jungen Jahren oft Gast im Retraitenzentrum «Forest Home Resort» der Bibellehrerin Henrietta Mears. An einer solchen Retraite kurz vor seiner Durchbruchsevangelisation in Los Angeles entschied Billy Graham, trotz Angriffen von liberaler Seite dem Wort Gottes vollumfänglich Vertrauen zu schenken. Fortan wurde «Die Bibel sagt ... » zu seinem bekanntesten, seinen Dienst kennzeichnenden Satz. Künftig war es sein cz 2|07

• Hans Nüesch, Grossvater des Autors, von Beruf Stickereifabrikant, hatte ein grosses Herz für seine Mitmenschen und die Weltmission.

Anliegen, Botschafter Gottes zu sein und seine Botschaft möglichst verständlich weiterzugeben. Billy Grahams Botschaft war immer dieselbe, ob in einem Stadion, vor einfachen Leuten oder Staatspräsidenten. Weil er dabei seine Person in den Hintergrund rückte, konnte Gott ihm so viel anvertrauen. Die Basis für seinen integren Charakter legte er während seiner Bibelschulzeit in Florida, wo er sich jeden Mittwochnachmittag ausgiebig Zeit für das Gespräch mit Gott nahm, vor ihm all seine Lebensbereiche prüfte und wo nötig Korrekturen vornahm. Billy Graham zeigt, dass stetige Lern- und Korrekturbereitschaft vielleicht zu den wichtigsten Voraussetzungen geistesgegenwärtigen Lebens gehören.

«Es könnte ja von Gott sein» Um Gottes Stimme zu hören, müssen unsere Antennen auf Gott ausgerichtet sein. Interferenzen müssen erkannt und ausgeblendet werden, damit unsere Frequenz auf Gottes Frequenz ausgerichtet bleibt. Nur Gott hat die Übersicht,

was zu einer gegebenen Zeit an einem gegebenen Ort dran ist. Ausrichtung auf Gott ist eine Herzenshaltung. Sie setzt voraus, dass wir offen sind für Gottes leise Stimme in unserem Leben; dass wir mit allen Fasern unseres Seins Gott gefallen und seinen Willen tun wollen. Wenn das der Fall ist, kann sich Gott schon verständlich machen, denn die Schafe verstehen die Stimme des Hirten. Gott lehrte mich diese Lektion durch meinen Grossvater.

Mein Grossvater war ein bodenständiger Geschäftsmann und Unternehmer, heute würde man sagen: ein typischer Macher. Um mich auf die Prüfungen an der HSG vorzubereiten, verbrachte ich einmal sieben Wochen in seinem Haus. Dabei bekam ich Einblick in Briefe, die Persönlichkeiten, mit denen Opa verkehrte, ihm geschrieben hatten, darunter der ehemalige Nationalbankdirektor Alfred Hirs oder der Jugendevangelist Pfarrer Wilhelm Busch. Bei der Lektüre erstaunte mich, dass ich immer wieder Ähnliches las: «Hans, wie konntest du wissen, dass die Kartoffeln ausgegangen waren? Wie konntest du wissen, dass wir im Moment nirgendwo in Deutschland einen Strumpfhalter kaufen können? Du hast wieder genau im richtigen Moment das Richtige geschickt.» Da fragte ich meinen Grossvater, was ihn jeweils veranlasst habe, dieses oder jenes zu schicken. Seine Antwort wird mir unvergessen bleiben: «Wenn mir der Gedanke kommt, ich könnte irgendjemandem etwas Gutes tun, dann tue ich es. Es könnte ja von Gott sein.» 23


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H E I L U N G

geistesgegenwärtig leben | heilung umfasst mehr

Kernaussagen Kernaussagen aus den Gesprächen 2 • Gottes Handeln zeigt sich auch darin, dass die positive Veränderung nach jedem Gebet immer länger andauert. • Immer wieder entpuppen sich die Gebete als prophetisch. • In der Anfangszeit standen wir in der Gefahr, zu viel Lehre zu vermitteln. • Was wir selbst erlebt haben, schafft eine gute Voraussetzung, barmherzig zur Seite stehen zu können. • Viele Krankheiten entstehen aus Liebesmangel. Da müssen wir den Vater bitten: «Schenk uns diese Liebe!» • Wenn wir aufgrund des Stolzes krank sind, müssen wir von Stolz geheilt werden.

Heilung umfasst mehr Pioniere auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Verständnis von Gottes Auftrag «Richtig», wird man sagen, «es ist doch selbstverständlich, dass Heilung nicht isoliert von anderen Aspekten unseres christlichen Lebens betrachtet werden darf.» Wer gesund ist, mag dem leicht zustimmen! Wer jedoch von Krankheit und Schmerz gequält wird, sucht gerne einen Ort auf, an dem für die körperliche Not gebetet wird. Eine Umfrage unter Verantwortlichen solcher Heilungsräume macht klar: Gott heilt tatsächlich, aber sein Anliegen geht noch tiefer.

Tom Sommer, Johanna Vollenweider

«Mein Arm schmerzt nun nicht mehr», meinte eine glaubensskeptische Frau rund eine Stunde später, nachdem für sie gebetet worden war. Oder eine andere Person: «Wenn ich zu Ihren Treffen komme, spüre ich, wie meine Bedrücktheit weicht. Ich fühle mich irgendwie geborgen, ihr strahlt eine Wärme aus, die mich fragen lässt, wer dieser Jesus tatsächlich ist.» Solche Rückmeldungen von Aussenstehenden, die an einem christlichen Heilungsgebet teilgenommen haben, sind

gemäss unserer Umfrage noch nicht an der Tagesordnung. Bislang verzeichnen unsere Gesprächspartner der verschiedenen christlichen Heilungsinitiativen noch nicht viele solcher Besuche. Etwas scheint jedoch da und dort neu zu erwachen: die Überzeugung, dass wir Christen nicht nur auf Besucherinnen und Besucher warten, sondern auf Menschen zugehen sollten in der Erwartung, dass Gottes Geist konkret führt. So berichtet die Schweizerin Natalie Schildknecht von einem evangelistischen Einsatz im Rahmen einer Heilungsschule in Kalifornien, die sie zurzeit besucht: «Je mehr ich hier lerne, mit Gott zu sprechen und ihm zuzuhören, desto ver-

trauter wird mir seine Stimme. Kürzlich betete ich für eine Frau auf der Strasse, nachdem wir miteinander gesprochen hatten. Da hatte ich die Eingebung, ich solle auch für ihren Hund beten, da er krank sei. So fragte ich sie, ob sie überhaupt einen Hund habe, und sie bestätigte, sie habe sogar zwei. Ob es denen denn gut gehe, wollte ich wissen, und sie bejahte dies. ‹Wirklich?›, hakte ich nach, und so erfuhr ich, dass einer der beiden Hunde halb blind war. Da erzählte ich ihr, dass mir Gott den Hinweis gegeben habe, für ihren Hund zu beten. Es berührte sie sehr, dass sich unser Gott sogar um das Wohlergehen ihres Hundes kümmerte.»

Kernaussagen Kernaussagen aus den Gesprächen 1 • Wir stellen uns Gott zur Verfügung, um ihm Freiraum für Heilungen zu geben. • Heilungen im Bereich der Seele sind nach bisheriger Erfahrung meist ein längerer Prozess. • Schuld, die aus vorhergehenden Generationen mitgeschleppt wird, kann unseren Willen lähmen. • Etwas passiert immer, und wenn es «nur» der Friede Gottes ist, der vermittelt wird.

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Heilungsinitiativen entstehen Heilung und Freisetzung von Menschen gehören für die Stiftung Schleife in Winterthur schon lange zu ihren Gottesdiensten und Seminaren dazu. «Es ist ein Lebensstil, der bei der Wahrnehmung des Einzelnen für seine Mitmenschen beginnt», sagt Rolf Germann, Verantwortlicher für die zweimal monatlich stattfindenden Heilungsgottesdienste. Es gehe, wie bei anderen Heilungsinitiativen auch, darum, Gott zu begegnen, einem Gott, der Not lindere, heile und befreie.

In Rotkreuz war es das pensionierte Ehepaar Max und Ruth von Rotz, das die Vision eines Heilungsraumes – geleitet von sogenannten Laien – rund ein Jahr lang vor Gott bewegte. Nun treffen sich jeden Mittwochmorgen zehn bis zwanzig Leute zu Lobpreis, Bibelstudium, zeugnishaftem Austausch und Gebet. Ergebnis: Aussergewöhnlich viele Gebetswünsche werden erhört, speziell jene der Krebspatienten und jene von Menschen mit depressiven Verstimmungen.

Neben diesem bereits langjährigen Angebot sind in den letzten Jahren auf verschiedenen Wegen Initiativen entstanden, um Menschen die heilende Berührung Gottes zu ermöglichen. Die Oikos International Church in Basel organisierte im Jahr 2004 eine Heilungsschulung mit einem Propheten aus Indien, woraus sich ein monatlicher Heilungsgottesdienst mit fünfzig bis achtzig Personen entwickelte.

Pfarrer Andreas Röthlisberger von der Evangelisch-methodistischen Kirche in Luzern leitet seit drei Jahren in Zusammenarbeit mit verschiedenen Freikirchen den Heilungsraum Luzern – entstanden aus seinem neugierigen Nachfragen, für welche Schulungen denn Pfarrer Daniel Hari seine Räumlichkeiten mieten wolle. Dabei war ein Funke Begeisterung und Vision übergesprungen ...

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Von der Zentralschweiz ins Berner Oberland: Pfarrer Michael Herrmann hatte zwölf Jahre lang ein Pfarramt inne. Vor allem in der seelsorgerlichen Tätigkeit erlebte er, dass Gott sowohl besonderes Verständnis für die Abläufe im seelischpsychischen Bereich als auch für die Heilung innerer Verletzungen hatte. Diese Erkenntnis bestärkte seine von Gott empfundene Führung, ein Seelsorgewerk (J-Point) ins Leben zu rufen. Die innere Heilung des Menschen, so Michael Herrmann, sei zunehmend auch von körperlichen Heilungen begleitet. In der gleichen Region leitet Walter Bernhard von der Organisation «Frisches Wasser» die Schule für Heilung. Diese ist 2001 aus der Überzeugung entstanden, dass punktuelle Heilungsangebote für die Leute nicht nachhaltig genug sind. Es brauche ein längerfristiges Engagement, um mit den gleichen Leuten in einem Prozess der Heilung dranzubleiben, so der ehemalige Prediger des Evangelischen Gemeinschaftswerkes des Kantons Bern (EGW).

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geistesgegenwärtig leben | heilung umfasst mehr

Vielfältige Erwartungen «Gott hat meinen Wunsch gesehen!», so könnte eine Frau ihr Glücksgefühl in einem Gottesdienst beschrieben haben, die mit dem Rauchen sehr zu kämpfen hatte. Der Prediger hatte den Eindruck, dass eine entsprechende Person im Raum sei – und er sah diese Frau plötzlich über das ganze Gesicht strahlen. Dieses Beispiel lässt tief blicken: Jemand will eine körperliche und seelische Not loswerden. Aber gleichzeitig ist da Ungewissheit und gar Angst, was wohl sonst noch aus dem Innenleben zum Vorschein kommen könnte oder ob Heilung überhaupt möglich sei. Eine Ambivalenz, die in Gesprächen unter Mitchristen immer wieder mal auftaucht. Der Wunsch, Gott möge einfach einmal ein körperliches Leiden beenden, so wie es ist, ohne hinter die Kulissen zu schauen, wird auch durch Jesus selbst bestärkt. Wir sollen kommen, wenn wir mühselig und beladen sind, sagte er. Markus beschreibt in seinem Evangelium, dass die Menschen auf die Marktplätze kamen und nur schon durch die Berührung von Jesu Kleid gesund wurden. Taube konnten wieder hören, Stumme wieder sprechen, Lahme wieder gehen. Und so haben auch die Heilungsgottesdienste heute regen Zulauf an allen Orten, wo sie angeboten werden. «Wissen Sie, Herr Doktor, das liegt am Herrgott, dass ich noch lebe», berichtete eine Frau als Zeugnis. Schon längere Zeit empfängt sie Gebet für ihre Lunge, die nur noch zu fünfzehn Prozent funktionsfähig ist, und deshalb lebt sie mit jeder Erkältung auf Messers Schneide. «Gott hat eindeutig eingegriffen, wenn auch nicht hundertprozentig. Aber sie ist ein grosses Zeugnis in dem, wie sie

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lebt und dranbleibt», betont Rolf Germann von der Stiftung Schleife. Andere Notleidende gehen da sicher erleichterter wieder nach Hause, wenn sie wie aus einem Guss Heilung erfahren haben. Zum Beispiel die schwerhörige Frau, die ihre beiden Hörgeräte wegwerfen konnte und als Erstes bemerkte: «Es ist so laut, es verschlägt mir fast das Gehör, aber ich freue mich!» Jemand, der nach vierzig Jahren des Stotterns auf einmal flüssig reden kann. Oder die jahrelangen Schmerzen eines Schleudertraumas, die auf einmal verschwunden sind, der Arm, der am Tag nach dem Heilungsgebet wieder normal bewegt werden kann. Und so geht es weiter. An allen Orten, an denen Heilungsgebete angeboten werden, kennt man ähnliche Erfahrungen. Vielleicht macht es die Atmosphäre an jenen Orten aus, dass die Personen, die bisher noch keine konkrete Heilung erfahren haben, wiederkommen. Hoffnung und Glaube tragen sie durch und bringen sie dazu, immer und immer wieder bei Gott anzuklopfen und um Heilung zu bitten. Und persönliche Beziehungen an diesen Orten tragen das ihre dazu bei, dass trotz körperlicher und seelischer Not wieder Lebensqualität spürbar wird. Max von Rotz, Heilungsraum Rotkreuz: «Als Pensionierte haben wir Zeit und bieten manchmal nachmittags nach dem morgendlichen Heilungsgebet an, die Freizeit miteinander zu verbringen oder in der Bibel zu lesen. Auch so erleben wir, dass Aussenstehende schliesslich einen Glaubenskurs besuchen und zu Gemeindegliedern werden.» Die Leute scheinen intuitiv zu wissen, so die Meinung unserer Gesprächspartner aus den Heilungsinitiativen, dass die körperliche Heilung allein nicht die ganze Wahrheit ist. Viele suchen wirklich die Gottesbegegnung, das liebende Angesprochenwerden auch im Geist und in der Seele.

Kernaussagen • • • •

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Manchmal ist es nötig, den Schmerz noch einmal zuzulassen. Annahme und Wertschätzung sind oft Voraussetzung dafür, dass jemand sein Herz öffnen kann. Wenn mitten in der Resignation wieder Hoffnung aufkeimt – schon das ist eine Gottesbegegnung. Lassen wir uns doch den Horizont unseres Glaubens erweitern!

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Kernaussagen • Jesus sagte nicht: «Betet für die Kranken!», sondern «Heilt die Kranken!» • Ist der Jüngerschaftsauftrag nur für Spezialisten gedacht?

Ein Heilungsgottesdienst Welche Elemente weisen die Heilungsanlässe auf, die Gott eine Plattform bieten sollen, um Menschen heilend anzurühren? «Findet hier ein Fest statt?», fragten wir uns spontan bei einem Anlass, den wir besuchten. Woanders rätselten wir, ob wir wohl am richtigen Ort seien – an jenem Tag fanden wir ein paar ältere Leute um den Tisch sitzend, Bibel und Liederbücher aufgeschlagen. Völlig verschiedenes «Ambiente» und doch wird an beiden Orten klar: Hier ist Jesus Christus der Herr, der die Menschen einlädt, mit ihren Anliegen zu ihm zu kommen. Unsere Gesprächspartner berichten einhellig, dass Menschen oft nicht erst bei einem spezifischen Gebet berührt werden, sondern schon beim Hereinkommen, während des Lobpreises, bei der Wortverkündigung – oder eben erst nach der Veranstaltung. Lobpreis und Lehre sind überall die tragenden Elemente. Welcher Art die Lieder sind und wie professionell die Band spielt – wenn es denn eine hat –, ist Nebensache. In der Predigt geht es sehr 28

oft um die Themen Heilung, Gottesbegegnung und Jesu Opfertod am Kreuz. Je nach Grösse und Organisation sind weitere Elemente von Bedeutung, die dem ganzen Anlass auch einen je eigenen Charakter verleihen. Am erwähnten Tisch mit den Liederbüchern gehört vor dem persönlichen Heilungsgebet eine Austauschrunde dazu, in der erzählt wird, was alles seit dem letzten Treffen geschehen ist. In der Schule für Heilung sind laut Auskunft von Walter Bernhard eine Fusswaschung und ein Verweilen vor einem grösseren Kreuz wichtige Aspekte. Auch das Abendmahl wird hier und dort genannt, um unsere Ent-Lastung durch Jesus Christus zu unterstreichen. Für Michael Herrmann von J-Point ist zentral, bei jedem Anlass auch spontan auf die Führung des Heiligen Geistes zu reagieren.

Heilung nach Gottes Vorstellung Auch wenn offensichtliche körperliche Heilungen oder aussergewöhnlich beschleunigte Heilungsprozesse noch nicht selbstverständlich von Ärzten bestätigt

werden, betonen diese doch, dass eine körperliche Beschwerde ihre Ursache oftmals im Innern des Menschen, in seiner Seele, habe. Vielleicht auch ein eingekapselter Schmerz? Hier müsse man ansetzen! Pfarrer Andreas Röthlisberger, Heilungsraum Luzern: «Es kommt immer wieder vor, dass innere Dinge einen Druck auf den körperlichen Zustand eines Menschen ausüben und dieser dann eben mit verschiedenen Symptomen reagiert. Ob die Leute nun mit psychischen oder finanziellen Problemen kommen, um für sich beten zu lassen, ob es sich um Schwierigkeiten in Beziehungen, allgemeine Sorgen oder unvergebene Schuld handelt – das Ziel ist, frei zu werden von den Lasten, die wir mit uns herumtragen.» Innere Heilung, und je nach dem auch Befreiung, ist das Stichwort, damit Menschen wieder aufatmen und aufrecht gehen können – im wahrsten Sinne des Wortes. So berichtet eine Person nach einem Anlass bei J-Point: «Plötzlich realisierte ich, dass sich mein Oberkörper im Bereich der Schulter ganz aufgerichtet hatte, war ich doch sonst immer leicht vorgebeugt. Dieses Zeichen machte mir vollends bewusst, dass Gott mich beim Gebet über Generationenschuld berührt hatte. Da hatte mich etwas sicht- und spürbar niedergedrückt. Nun spürte ich, dass Jesus mich auch innerlich wiederherstellen wollte. Ich sollte es zulassen, dass er meine Wunden berührt.» Damit ist definitiv der Bereich der Seelsorge betreten. Bei den meisten Anlässen, die explizit als Heilungsgebet angepriesen werden, gibt es keine Seelsorgegespräche. Diese werden jedoch empfohlen, wenn entsprechende Fragen aufkommen und Lasten bewusst werden. Die Stiftung Schleife betont, dass das Angebot des Heilungsgebets einfach ein Barmherzigkeitsdienst sei: «Jedes Gebet ist wie ein Stein im Mosaik. Wir gehen mit dir da durch und beten mit dir, ohne zu fragen, cz 2|07

was jetzt passiert ist, ob etwas durchgebrochen ist oder warum du immer noch kommst.» Man will sich gemeinsam mit dem Ratsuchenden vor diesen Gott stellen aufgrund seiner Verheissung, einzugreifen, zu heilen und zu verändern – und sei es nur, um Angst verschwinden zu lassen und Ruhe und Frieden über seiner Situation finden. Auch beim x-ten Besuch eines Heilungsanlasses gibt es keine Garantie für einen Durchbruch. «Jetzt fange ich an zu leben», ist die Rückmeldung eines Seminarteilnehmers im Bereich Seelsorge. Diese Aussage fasst die von allen bestätigte Erfahrung zusammen, dass es oft tief im Innern des Menschen verschüttete oder verdrängte Ereignisse gibt, die wie eine Verstopfung auf die Lebensentfaltung wirken oder eben sogar körperliche Auswirkungen zeigen. Deshalb befürworten all unsere Gesprächsteilnehmenden, der Sorge um unsere Seele, um unser Innenleben und der Vergangenheit genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Walter Bernhard, Schule für Heilung: «Wir wollen dazubeitragen, dass das Lebensfundament der Leute neu wird, damit sie aus der Durchschnittlichkeit herauskommen und wirklich in ihre Berufung finden können.

Unsere Schulungsblöcke sind oft wie Zeitfenster in frühere Lebensphasen hinein, wo Lebenslügen und Lebenswunden entdeckt werden.» Hier ist das Team gefragt: Es soll geistesgegenwärtig, präsent sein, tröstenden Zuspruch geben, umarmen, festhalten.

Gottes Massstab ist anders Euphorische Stimmen waren in keiner Begegnung mit den Heilungspionieren zu vernehmen. Kein «Triumphalismus», der den Eindruck erwecken könnte, sie hätten es «in der Tasche». Im Gegenteil: Gerade seelische Verletzungen bedingen oft ein längerfristiges Engagement. Wiederholt müssen Menschen mit der neuen Identität, die Jesus anbietet, vertraut werden und sich aus einer neuen Stärke heraus schwierigen Situationen stellen. Individuelle seelsorgerliche Betreuung sei, so Michael Herrmann, in vielen Fällen notwendig. «Aber dann ist es eine Freude, zu sehen, wie Menschen aufstehen – oft mit geradem Rücken und erhobenem Haupt – und sich persönlich abgrenzen können. Das ist immer ein Wunder, zum Beispiel nach Missbrauchserfahrungen».

Aber was passiert, wenn dieses Wunder – körperlich oder seelisch – nicht geschieht? Wie ein Schatten scheint diese Frage über dem Thema «Gebet für Heilung» zu liegen. Schnell kommen Fragen auf, ob Gott uns doch nicht liebe, ob man nicht genügend geleistet oder geglaubt oder etwas falsch gemacht habe. Diese Fragen können jemanden, so die einstimmige Meinung, in eine regelrechte Krise stürzen, mit der Konsequenz, dass das Thema Heilung vom Tisch sei. Hier müssen wir festhalten: Wenn Menschen sofort geheilt werden, ist das ein Wunder. Und wenn es schrittweise geschieht, ebenso. Und wenn man Rückfälle erleidet? Unsere Umfrage zeigt: Es ist für die Verantwortlichen der verschiedenen Heilungsinitiativen schwierig, zu bestimmen, wer dauerhaft geheilt ist und wo das Leiden von Neuem begonnen hat. Vor allem dann, wenn Besucher eines Heilungsgebets nur einmal kommen. Bei allen Befragten hat sich etwas herauskristallisiert, das hilfreich, ja notwendig ist, um auf dem Weg der Heilung fortzuschreiten. Stellvertretend lassen wir Max von Rotz, Heilungsraum Rotkreuz, zusammenfassen: «Es ist wichtig, nicht alleine zu bleiben,

aus den Gesprächen5 Kernaussagen Kernaussagen • Wir wollen uns nicht darauf fixieren, gegen eine Krankheit zu beten, sondern erkennen, welche geistlichen und seelischen Dimensionen die Angelegenheit hat. • Zeichen und Wunder sind gute Türöffner für Evangelisation. Wir müssen uns aber die Frage stellen, wie Menschen nachhaltig begleitet werden können. • Verbindlich miteinander eine Wegstrecke gehen und Zeit haben – schon allein das wirkt heilend. • Selbstständigkeit und Mündigkeit wachsen aus Verinnerlichung des Wortes Gottes. • Oft muss man zuerst innerlich aufstehen, bevor etwas passieren kann. • Es ist spannend, so mit Gott unterwegs zu sein, um Natürliches und Übernatürliches mit ihm zu erleben. • Wir rufen auf, nach Hause zu kommen und Gott Gelegenheit zu geben, wirklich Vater sein zu dürfen. • Es tut immer wieder gut, das Thema Heilung aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. • Manchmal scheint es, als ob Gott sich besonders an denen verherrlichen möchte, die ihn noch nicht kennen, um ihnen zu zeigen, dass er tatsächlich lebt. • Jesus hat die Menschen auch gefragt: «Was willst du, dass ich für dich tue?» • Auch als Team sind wir bedürftig. cz 2|07

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Kernaussagen Kernaussagen

relevant leben leben | dranbleiben sichmehr geistesgegenwärtig | heilunglohnt umfasst

aus den Gesprächen

Informationen zu den Heilungsinitiativen

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• Wir wissen nie wirklich, wie man «es» machen muss. So ist Gebet immer wieder eine Beziehungsfrage zu Jesus.

(Ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

n sondern gezielt Gemeinschaft zu pflegen. Es braucht eine neue Gesinnung, dem Wort Gottes und seinem Zuspruch für uns zu vertrauen, alte Muster verlassen zu wollen, und die Bereitschaft, neue Denk- und Gehwege einzuüben. Letztlich ist auch Eigendisziplin gefragt!»

Heilung und Jüngerschaft Wir haben gesehen: Rein körperliche Heilungswunder geschehen tatsächlich. Wahr ist allerdings auch, dass Wiederherstellung und Heilung am inneren Menschen eine Voraussetzung sein können, damit äussere Heilung geschieht. Um innere oder äussere Heilung zu behalten, wurde überall Disziplin und Dranbleiben genannt. Dies wiederum hat mit unserem Lebensstil zu tun – kurz: Leben als Jünger Jesu. Natalie Schildknecht aus der Heilungsschule in Kalifornien: «Wir lernen hier, uns in unserer neuen Identität als Töchter und Söhne Gottes zu ermutigen: ‹Das hast du gut gemacht.› Oder: ‹Du siehst heute gut aus.› Wir sind herausgefordert, das Gute, das Gold in den Menschen zu entdecken. Die Leute sehnen sich nach Ermutigung,

da doch so oft negativ geredet wird. Wie strahlte doch letzthin eine Frau, als ich sie auf der Strasse umarmte und für sie betete! Wurde sie jemals von jemandem Prinzessin genannt?» Dies ist ein weiterer Aspekt, der aus unserer Umfrage heraussticht: Man muss, auch wenn wir noch wenig spektakuläre Heilungen sehen, klar und beständig an Gottes Verheissungen für unsere Wiederherstellung festhalten. Hans Keller aus Windisch ist Mitarbeiter von Campus für Christus und engagiert sich im Bereich ganzheitlicher Heilung: «Wir müssen davon wegkommen, uns auf unsere Erfahrungen abzustützen. Viel bedeutsamer ist, dass wir uns prophetisch durch den Heiligen Geist leiten lassen, gegründet auf dem Wort Gottes. Dann ist es nicht mehr wichtig, ob wir von einem Wunder oder von einem Prozess reden, ob die innere oder äussere Heilung zuerst kommt.» Wichtig sei die Überzeugung, dass es Gottes Wille ist, uns wiederherzustellen. «Wo», so Hans Keller, «haben wir die Tendenz, uns eine Hin-

tertür offenzulassen?» Jesu Auftrag an die Apostel in Matthäus 10 sei uns heute vielleicht etwas zu radikal: «Geht, sprecht, tut!» Wir müssten uns neu und mutig von dieser Radikalität anstecken lassen. Wir müssten uns täglich neu vergegenwärtigen und das Wort Gottes verinnerlichen, dass sein Geist in uns lebt und wir gesalbt und gesandt sind, Jesu Botschaft zu verkünden und zu leben (Lukas 4,18-21). Hans Keller: «Lädt ein Mensch Jesus Christus in sein Leben ein, hat er eine neue Ewigkeitsperspektive: Er ist errettet! Das von Paulus in Römer 10 verwendete Wort errettet ist das gleiche Wort (griechisch ‹sozo›), das Markus verwendete, um zu beschreiben, was mit denen passierte, die Jesus berührten: Sie wurden gesund (Markus 6,56). Diese Erkenntnis hat meinen Glauben sehr gestärkt und meine Grundhaltung verändert. So wollen wir in der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der wir das Evangelium predigen zur Errettung von Menschen, annehmen und aussprechen, dass all unsere Nöte durch das Kreuz erledigt sind. Das ist eine totale innere Kurskorrektur.»

Persönlich herausgefordert

«Wir bleiben dran»

Die Geschichte der beiden Blinden in Matthäus 9 soll uns eine Ermutigung sein: Wir wissen nicht, wie lange die beiden Jesus nachgelaufen sind. Schliesslich entgegnete ihnen Jesus, dass ihnen nach ihrem Glauben geschehen solle – und ihre Augen wurden geöffnet. Beschreibt zudem nicht Markus im 8. Kapitel seines Evangeliums, wie Jesus dem Blinden zweimal die Hände aufgelegt hat, bis er wieder klar sehen konnte? So nüchtern es heute klingt: Wir haben keine andere Möglichkeit, als an Gottes grundsätzlicher Verheissung festzuhalten und sie immer wieder über der notvollen Situation auszusprechen. Der Prophet Jeremia geht uns voran: «Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm» (Jeremia 17,14).

Die Gruppen, die sich speziell für das Gebet um Heilung treffen, vermehren sich und werden grösser. Gleichzeitig wächst der Wunsch in vielen, das Bewusstsein für die Gegenwart des Geistes Gottes und seiner Liebe zu schärfen, damit seine Segensströme sichtbar werden. Alle Befragten sagen übereinstimmend: «Wir können nichts produzieren, wir haben keine Garantien.» Aber: «Wir haben noch nicht alles ausgelotet, was uns im Wort Gottes dargelegt ist. Wir bleiben dran!»

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J-Point

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Seminar-Zentrum Hartlisberg, Panoramaweg 28, CH-3612 Steffisburg Telefon: +41 (0)33 438 70 51, E-Mail: jpoint@bluewin.ch, www.j-point.ch

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Ab April 2007 regelmässige Heilungs- und Lobpreisabende und monatlich Seminare zu verschiedenen Themen (Informationen auf entsprechender Webseite).

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J-Point fördert Menschen durch gezielte Seelsorge in Einzel- und Gruppenberatungen, Mentoring, sowie Supervision und engagiert sich für die Ausbildung von Leiterinnen und Seelsorgern.

Heilungsraum im Begegnungszentrum Rotkreuz

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Freie Christliche Gemeinde, Lettenstrasse 7, CH-6343 Rotkreuz Telefon: +41 (0)41 798 15 20, E-Mail: info@fcgrotkreuz.ch, www.fcgrotkreuz.ch, www.bzrotkreuz.ch Jeden Mittwoch von 10.00 bis 12.00 Uhr. Im Heilungsraum Rotkreuz werden Menschen persönlich und kostenlos beraten. Es wird ein persönliches Gebet angeboten.

Ganzheitliches Gesundheitszentrum Gwatt

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Chalet, Gwattzentrum 2295, CH-3645 Gwatt Telefon: +41 (0)33 335 83 05, E-Mail: info@ggzg.ch, www.ggzg.ch

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Schule für Heilung Jeden Monat Heilungsgottesdienste

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Aus dem Leitbild: «In unserer Arbeit wollen wir uns von den anspruchsvollen Zusammenhängen von Leib, Seele und Geist des Menschen herausfordern lassen und gemeinsam als Team lösungsorientierte Angebote bereitstellen.»

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Heilungsraum EMK Luzern

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Zähringerstrasse 7, CH-6003 Luzern Telefon: +41 (0)41 240 62 36, E-Mail: emk.luzern@umc-europe.org

y Gebet jeden Donnerstag von 17.00 bis 19.00 Uhr g Eine Initiative verschiedener Freikirchen. Die persönliche Begegnung mit Gott steht im Zentrum. Oikos International Church und stiftung b/e/t/e Reinacherstrasse 3, CH-4142 Münchenstein j Telefon: +41 (0)61 332 15 40, E-Mail: info@oikos-church.ch und info@bete.net, www.oikos-church.ch, www.bete.net

y Anbetungs- und Heilungsgottesdienst: einmal monatlich am Sonntag 19.00 bis 22.00 Uhr. g

«Unser tiefes Verlangen ist es, das Reich Gottes zu verkündigen und zu demonstrieren. Dazu gehört der Dienst der Heilung und Befreiung, denn das Reich Gottes besteht nicht nur im Wort, sondern auch in der Kraft. Nach der Botschaft betet das Team für die Kranken.»

Stiftung Schleife

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Pflanzschulstrasse 17, Postfach 75, CH-8411 Winterthur Telefon: +41 (0)52 233 60 80, E-Mail: office@schleife.ch, www.schleife.ch

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Zweimal monatlich jeweils am Mittwoch von 16.00 bis 18.00 Uhr

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An diesen Nachmittagen betet ein Team für kranke Menschen. Jeder darf so oft kommen, wie er es braucht. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht Gottes Gegenwart. Er lindert Not, heilt und befreit. Nach einer Anbetungszeit und einem biblischen Impuls folgt das persönliche Gebet für Kranke. 31

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ZUWENDUNG

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«Ich will im Chaos ein Repräsentant des Heiligen Geistes sein» Erfahrungen eines Notfallseelsorgers Peter Schulthess ist Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde in Pfäffikon ZH. Seit bald zwölf Jahren unterstützt er als Notfallseelsorger die Ortsfeuerwehr und die Kantonspolizei bei ihren Einsätzen – auch nach dem Attentat auf das Zuger Kantonsparlament 2001.

Manfred Kiener und Johanna Vollenweider

Christliches Zeugnis: Sie haben das Buch «Hiobsbotschaft – Erfahrungen aus der Notfallseelsorge» geschrieben. Wie ist es zu diesem Buch gekommen? Peter Schulthess: Das Buch zu schreiben, war für mich eine Art Psychohygiene. Für meinen Studienurlaub, der mir im vergangenen Jahr zugesprochen wurde, plante ich, alle Unfallprotokolle nochmals zu lesen und Erfahrungen daraus zu notieren. Ich wollte mich damit von diesen Ereignissen entlasten. Nach drei Wochen hatte ich dreissig Seiten geschrieben. Ich fragte mich: Was mache ich nun mit all diesen Erkenntnissen? Da entstand die Idee, diese Erfahrungen anderen Menschen zur Verfügung zu stellen. Der Blaukreuzverlag gab 1989 ein Buch heraus über eine Mutter, die ihre Tochter verloren hatte. Deshalb rief ich den Blaukreuzverlag an. Die Verantwortlichen wollten mein Manuskript bis Ostern haben. Also musste ich meinen Studienurlaub umkrempeln. 32

Ich schrieb den ganzen Monat März 2006 durch. Viele Notfallerlebnisse kamen mir dabei wieder in den Sinn. Indem ich sie zu Papier brachte, löste ich mich von ihnen. An Ostern 2006 war das Manuskript fertig. Es war wie eine Auferstehung. Wie handeln Sie in Notfällen? Bei Notfällen werde ich alarmiert. In der Regel stehen bereits Leute der Feuerwehr, ein Notarzt, die Polizei oder die Rettungssanitäter vor mir im Einsatz. Sie weisen mir meine Aufgabe zu. Vielleicht benötigt die Frau eines tödlich Verunglückten Betreuung. Viele erleben im Notfall ein Chaos. Sie sind verwirrt, entsetzt, und es ist für manche, als wäre die ganze Welt zusammengebrochen. Von einem solchen Chaoserlebnis wird auch am Anfang der Bibel berichtet. In jenem Bericht heisst es aber auch: Der Geist Gottes schwebte über dem Chaos. Ich will ein Repräsentant dieses Heiligen Geistes sein, der aus dem Chaotischen etwas Gutes machen kann. Oft genügt meine ruhige Anwesenheit. Manchmal

braucht es keine Worte, kein lautes Gebet, keine frommen Gesten. Es hilft, wenn sich jemand einer traumatisierten oder verletzten Person zuwendet und Hoffnung vermittelt. Ich vertraue, dass Gott durch mich gegenwärtig ist, auch wenn ich einfach ruhig bin. Ich komme hilflos wie alle anderen auf einen Unfallplatz und habe von mir her nichts zu bieten. Aber Gott, sein Geist und seine Engel sind präsent. Haben Sie Tipps, wie wir im Notfall geistesgegenwärtig handeln können? Wichtig ist, natürlich und vernunftgemäss zu reagieren. Was braucht diese Person jetzt? Sie hat vielleicht länger nichts mehr gegessen oder getrunken, darum habe ich Süssigkeiten und Getränke bei mir. Der Körper braucht Kraft, und ich versuche, Betroffene mit einfachen Mitteln zu stärken. Kann ich Leute motivieren, selber wieder Dinge anzupacken? Es hilft ihnen, wenn sie aktiv werden können. Geschah das Ereignis zu Hause, sage ich vielleicht: «Es wäre gut, jetzt etwas zu trinken.» Anwesende, die den Betrofcz 2|07

fenen helfen wollen, sagen dann oft: «Bleib nur sitzen, ich hole dir etwas.» Das sollte man nicht tun. Alles, was die Menschen in einer Notsituation selbst tun können, stärkt ihr Selbstvertrauen und gibt ihnen wieder ein Stück Boden unter den Füssen. So sollten Betroffene zum Beispiel auch ihre Angehörigen selber anrufen, selbst wenn es schwierig ist. Jede eigene Handlung befreit Betroffene ein Stück weit von ihrer Hilflosigkeit und zeigt ihnen: Ich kann noch etwas tun, ich bin noch jemand. Wie können wir unsere Sprachlosigkeit in Notfällen überwinden? Es hilft oft, jemandem eine Hand auf die Schulter zu legen. Durch unsere Präsenz vermitteln wir Sicherheit und geben Menschen Wärme. Das spüren die Leute, das ist stark. Einmal kam eine Frau mit einer warmen Jacke auf den Platz, legte sie einem Betroffenen um die Schultern und sagte: «Nehmen Sie die Jacke, Sie können sie behalten.» Das ist Evangelium. Kleine Handreichungen, Gesten haben oft cz 2|07

Peter Schulthess: «Es braucht nicht nonstop Geistesgegenwart. Oft ist einfach meine Präsenz, manchmal auch die fachliche Routine gefragt, wo ich weiss: Mein regelmässiger Auftritt ist sinnvoll.»

grosse Wirkung. Was den Menschen hilft, ist diese ganz praktische, natürliche Nächstenliebe. «Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, habt ihr mir getan.» Was hilft Ihnen, handlungsfähig zu bleiben und Hoffnung zu vermitteln? Gibt es Rituale? Einerseits pflege ich psychisch-mentale Vorbereitungen. In einem Notfall bin ich weder Feuerwehrmann noch Rettungssanitäter. Ich muss nicht mit Blaulicht und Sirene losrasen. Kommt ein Aufgebot, werde ich zunächst ruhig und überlege, ob ich Termine verschieben muss und wen ich informieren sollte. Darauf bete ich, ergreife meinen Notfallkoffer, halte inne und schaue, ob meine Füsse fest auf dem Boden stehen. Darauf gehe ich bewusst sicheren Schrittes zum Auto

und fahre sorgfältig an den Ort des Geschehens. Vor allem nachts fahre ich achtsam, weil ich trotz allem angespannt bin. Am Unfallort melde ich mich bei der Einsatzleitung und ordne mich ihr unter. Betroffenen stelle ich mich vor und sage, dass ich für sie da bin. Ich versuche zu erfassen, in welchem Zustand die Menschen sind und welche Bedürfnisse sie haben. Gehen Ihnen die Ereignisse nahe? Der Selbstschutz ist auch bei einem Notfall das Wichtigste. Ich versuche, eine gewisse Distanz zu bewahren. Oft bin ich dankbar, jemandem helfen zu können. Dankbarkeit ist auch Psychohygiene. Während einer Beerdigung oder auf einer Unfallstelle will ich mich kontrollieren. Ich muss den Boden unter den Füssen behalten, wenn andere ihn verloren haben. 33


geistesgegenwärtig leben | ich will …

Wenn Menschen durch eine Eisfläche gebrochen sind, dürfen Sie als Betreuer nicht ebenfalls sinken, sonst können sie nicht mehr helfen. Für Kinder ist es oft schlimm, wenn ihre Eltern weinen, weil Eltern in der Not für Kinder eine Sicherheit darstellen. Vor allem wenn Kinder betroffen sind, überwältigen mich die Gefühle oft trotzdem. Einmal musste ich einer Familie die Hiobsbotschaft bringen, der Ehemann und Vater sei tödlich verunglückt. Die Kinder weinten herzzerreissend. Das ging mir durch Mark und Bein. Ich weinte auf dem ganzen Heimweg. Was tun Sie nach der Rückkehr von einem Notfalleinsatz? Eine Zeit lang stellte ich mir das Kreuz von Christus wie eine Garderobe mit Haken vor. Meine Erlebnisse packte ich in kleine Säcke und hängte sie an diese Haken. So versuchte ich, die Erfahrungen Jesus zu übergeben und sie loszulassen. Es ist mir auch eine grosse Hilfe, dass meine Familie Anteil nimmt. Ich kann vom Amtsgeheimnis her nicht alles erzählen, aber meine Familie hilft mir bei der Psychohygiene. Weiter hilft es mir, um Hoffnung für Betroffene zu beten, damit aus dem Chaos Gutes entsteht. Was hilft Ihnen, wach und offen zu bleiben? Ich bin von Natur aus ein Optimist, vergesse Ereignisse bald und stelle mich auf Neues ein. Ich versuche, in der Gegenwart Gottes zu leben, und weiss: Jesus ist da. Wenn es geht, meditiere ich am Morgen über einem Bibeltext und bete. Ich pflege stille Momente, in denen ich gut atme und Strophen aus Kirchenliedern, Psalmen oder andere Bibelworte zitiere. Manchmal halte ich im Tagesablauf inne und schaue, dass ich gut stehe und innerlich ruhig bin. Ruhig zu werden, musste ich lernen, weil ich 34

ein Aktivist bin. Manchmal werde ich trotzdem nervös. Der Heilige Geist wirkt in der Entspanntheit am besten. Regelmässig treibe ich zwei- bis dreimal wöchentlich Sport. Morgens um sechs Uhr laufe ich eine Stunde. Zwischendurch bete ich in der Natur, ohne zu rennen. Wann haben Sie das letzte Mal geistesgegenwärtig reagiert? Meine Mutter verunfallte im Februar 2007 und kam auf die Intensivstation. Nach einem Besuch bei ihr lief ich zurück zum Auto. Da sah ich eine junge Frau an einer Mauer lehnen und weinen. Ich ging zu ihr: «Geht es Ihnen nicht gut?» Ich hielt das Kirchengesangbuch in den Händen und erklärte: «Schauen Sie, ich bin Pfarrer.» Die Frau fasste Vertrauen. Wir kamen ins Gespräch. Ich meldete mich von einer Sitzung in Pfäffikon ab und setzte mich mit der Frau in die Spitalcafeteria. Dort erzählte sie mir viel aus ihrem Leben, und vor allem sprach sie über das Elend, das gerade über sie hereingebrochen war. Als ich wieder nach Pfäffikon gelangte, war die Sitzung im Kirchgemeindehaus gerade zu Ende. Wie geht die Kirchgemeinde mit Ihrer Tätigkeit als Notfallseelsorger um? Ich leiste lediglich zwanzig bis fünfundzwanzig Einsätze pro Jahr, davon einige nachts. Es gibt schon Situationen, in denen ich aus einer Sitzung rauslaufe. Im Notfall wäge ich ab, wo ich eher gebraucht werde. Trotz aller Not darf ich meinen Beruf und mein Amt nicht vergessen. Nach dem Attentat vom September 2001 im Zuger Kantonsrat begleitete ich den Polizeikommandanten, als er den Angehörigen mitteilen musste, welche Politiker umgekommen sind und welche sich verletzt in Spitälern befanden. Es war meine Aufgabe, dafür zu sorgen,

dass alle eine seelsorgerliche oder psychologische Unterstützung erhielten. Zehn Minuten nach meiner Rückkehr aus Zug begann in Pfäffikon der Konfunterricht. Notfälle dürfen nicht wichtiger werden als normale kirchliche Anlässe. Einmal musste ich einer Familie mitteilen, dass jemand tödlich verunglückt ist, und eine Stunde später eine Trauung halten. Ich sagte mir: «Dieses Paar hat eine schöne Trauung verdient.» Ich liess mir nichts anmerken. Professionalität hat mit Geistesgegenwart zu tun. Nach der Trauung kehrte ich zur Trauerfamilie zurück. Als Pfarrer erlebe ich Glück, Höhepunkte und Feste, teile aber auch schwierige Situationen mit den Menschen. Wie wirkt Gott in schwierigen Situationen? Gott nutzt oft Komplikationen für eine Begegnung. Vor einer Woche hatte ich einen Termin beim Zahnarzt. Weil ich wusste, dass im Spital jemand im Sterben liegt, nahm ich meine Unterlagen mit. In der Praxis rügte mich die Assistentin, ich sei zu spät dran. Der Zahnarzt werde mich deshalb heute nicht mehr behandeln können. Ich entschied mich, die schwerkranke Person zu besuchen. Im Spital traf ich eine schwierige Situation an. Der Schmerz war gross, und die Angehörigen hielten die Spannung fast nicht mehr aus. So schlug ich einen Spaziergang an der frischen Luft vor. Eine halbe Stunde nach unserer Rückkehr ins Krankenzimmer starb der Patient. Gott wirkt im Natürlichen, im Ärger, in verpassten Terminen und im Alltag. Das erfüllt mich mit Freude und tiefem Vertrauen gegenüber Jesus, dem Heiligen Geist und den Engeln. Ergeben sich Synergien aus Ihren Tätigkeiten als Notfallseelsorger und als Pfarrer? Trauvorbereitungen mit Paaren zum Beispiel werden manchmal zu Mocz 2|07

menten, in denen traumatische Erlebnisse verarbeitet werden. Wer sich von mir trauen lassen will, erhält zwei Blätter voller Fragen, damit ich die Feier persönlich gestalten kann. Dadurch werden manchmal Schicksalsschläge zum Thema. Ich frage auch im Konfunterricht, ob jemand schon einmal an einem Grab gestanden habe. Dann weiss ich, wo ich Rücksicht nehmen muss oder ob ich etwas ansprechen soll. So nutze ich als Pfarrer Erfahrungen aus der Notfallseelsorge. Gleichzeitig ergeben sich als Notfallseelsorger Kontakte zu Feuerwehr, Polizei oder Rettungssanitätern. Ich werde als Kamerad und als Pfarrer akzeptiert. Hin und wieder werde ich von Personen aus diesen Kreisen angerufen, um persönliche Schwierigkeiten zu besprechen. Wie geht es nach einem Notfall weiter? Der Einsatz in einer Notsituation ist gut, aber oft ist er danach noch nötiger. Vielfach sind die drei Jahre nach einem Schicksalsschlag besonders schlimm. Da braucht es Begleitpersonen mit langem Atem. Es stimmt zwar, Gott wird unsere Tränen abwischen, und wir erhalten neue Kraft und fahren auf mit Flügeln wie ein Adler. Doch wer meint, damit werde das Leiden abgekürzt, der täuscht sich. Man könnte sagen: Leiden hat meist mit Reifen zu tun. 1. Mir hilft dabei die Vorstellung vom Samenkorn. Leiden ist, wie wenn ich einen Samen in die Erde pflanze. Ob der Same Christ ist oder nicht, der Keim braucht gleich lange, bis er ans Sonnenlicht kommt. Leiden ist auch für Christen Leiden und äusserst schmerzvoll. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, wäre es unnatürlich, nach wenigen Monaten zu sagen: «Halleluja, Jesus, halleluja!» Man fällt immer wieder in ein tiefes Loch. cz 2|07

2. Die Trauer kommt in Wellen. Ich erlebe das jetzt selber nach dem Unglück meiner Mutter. Manchmal hast du alles im Griff. Danach bist du wieder das heulende Elend. Ich weiss von Eltern, deren Kind im Spital im Sterben lag. Die Frau ging mit ihrem anderen Kind auf den Jahrmarkt. Leute fragten sie vorwurfsvoll, warum sie mit dem einen Kind den Jahrmarkt besuche, während das andere schwer verletzt im Spital liege. Es kann sein, dass man sogar in einer Notfallsituation lacht, weil etwas lustig ist. Aber danach kommt das Elend zurück. Männer und Frauen trauern unterschiedlich. Bei Kindern ist es wieder anders.

schen, die ihre Nächsten durch einen Schicksalsschlag verloren haben, ein Geländer geben, an dem sie sich festhalten können. Es soll einen Rhythmus geben. Auch wenn allenfalls Suizidgefahr besteht. Ich habe gewisse Leute über Monate zu fixen Terminen angerufen. Wenn sie wissen, ich rufe wieder an, wirkt das wie ein Rettungsring.

3. Der Glaube darf in die Krise kommen. Meistens erschüttert ein Unfall das Bild des LebensversicherungsGottes. Sobald Menschen wieder vertrauen, erhalten viele ein neues Gottesbild, in dem das Elend einen Platz hat. Ich habe Menschen erlebt, die durch Not eine Tiefe gewonnen haben, die überrascht. Krisen sind oft Chancen. Das darf man in der Notsituation nicht sagen, denn Not ist Not. Gute Sprüche vergrössern das Elend nur, oder Betroffene erhalten das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. 4. Wichtig ist, sich Zeit zu lassen. Nach dem Tod ihres Sohnes erhielt ein Elternpaar Hunderte von Briefen. Zwei Jahre später lag am Todestag kein einziger schriftlicher Gruss im Briefkasten. Wenn eine Kirchgemeinde an solche Daten denkt und einen Besuch vereinbart, ist das aufmerksam. Ich trage Todestage in der Agenda ein, bei Menschen aus meinem Dorf. Wichtig ist es, nicht zu sagen: «Ruf mich an, wenn es schlimm wird.» Die Schweizer tun das nicht. Besser fragen: «Ist es dir recht, wenn ich in zwei Wochen wieder anrufe?» So kann man Men-

• Als Notfallseelsorger leitet Pfarrer Peter Schulthess das CareTeam des Spitals Uster und ist Mitglied im DebriefingTeam der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich. Peter Schulthess ist verheiratet mit Doris und hat vier Kinder zwischen fünfzehn und zweiundzwanzig Jahren.

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G E O R D N E T «Wir machen Erfahrungen, aber reflektieren sie nicht!» Psychohygiene als geistliche Aufgabe Ruth Maria Michel aus Zürich wirkt als Exerzitien- und als geistliche Begleiterin. Sie hilft Menschen, ihren Weg – gebunden an Gott – in Freiheit und Eigenverantwortung zu gehen. Geistesgegenwart im Alltag, sagt sie, sei das Ergebnis eines geordneten Innenlebens.

Peter Höhn CZ: Ruth Maria Michel, was heisst für Sie geistesgegenwärtig leben? Ruth Maria Michel: Es heisst leben im Bewusstsein und Vertrauen, dass ich von Gottes Geist geleitet bin. Seit meiner Bekehrung und Wiedergeburt wohnt Jesus Christus in mir. Sein Geist prägt mein Denken und Fühlen, ja mich als ganzen Menschen.

schmerzhafte Depressionszeit, sie dauerte über viereinhalb Jahre. Gott schien abwesend zu sein. Im Nachhinein kann ich sagen: Mein Glaube wuchs in die Tiefe. Das Wirken des Heiligen Geistes erfahre ich seither weniger spektakulär, dafür alltäglicher und selbstverständlicher.

und das ist ein Grund zum Danken. In gleicher Weise nehme ich den unguten Nachgeschmack wahr: Wo belastet mich noch etwas, weil jemand an mir schuldig geworden ist oder umgekehrt? Ich spreche Vergebung zu und bitte um Vergebung oder um Heilung für mich oder andere.

War dieses Vertrauen, von Gottes Geist geleitet zu sein, für Sie immer klar und präsent? Nein, mein Verständnis von Geistesleitung und die Ausdrucksform meines Glaubens haben sich gewandelt. Als ich vor 27 Jahren bewusst anfing, mit Jesus Christus zu leben, war die VBG mitten in einer «charismatischen Hochwelle». Ich habe damals viele aussergewöhnliche Erfahrungen mit dem Heiligen Geist gemacht. Ich schmuggelte Bibeln in den Osten und sah innere Bilder, welche Strasse man fahren musste und wo man die Bibeln übergeben konnte. Dann kam eine

Gibt es noch andere Beispiele eines unguKönnen Sie das näher erklären? ten Nachgeschmacks? Um vom Geist geleitet zu leben, will Manchmal ist es Ärger, oft verbunden ich lernen, immer achtsamer das Wirmit meinem Idealismus. Wenn ich mir ken und die Frucht des Geistes im Alltag zu erkennen. Mir hilft eine Übung, die ich oft Anstelle von Sorgen, Ohnmachtsgefühlen und am Abend mache. dem Druck, jetzt etwas tun zu müssen, wächst Ich schaue meiin mir die hoffnungsvolle Gelassenheit, dass nen Tag an und fraGott die Menschen in der Hand hat, auch wenn ge mich: Wo haich im Moment wirklich keine Lösung sehe. be ich heute einen guten Nachwieder zu viel vorgenommen habe für geschmack? Wo haben sich Glaube, den Tag und meine eigenen Vorgaben Hoffnung, Liebe, Friede, Freude und nicht erfüllen konnte. Da werde ich innere Freiheit gezeigt? Zum Beispiel in schon wegen Kleinigkeiten ärgerlich. einem Gespräch, wenn ein Mensch mit So bete ich zu Gott am Abend: «Danke, mehr Hoffnung geht, als er gekommen dass du dich über mich und meinen ist. Da hat der Geist Gottes gewirkt,

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geistesgegenwärtig leben | wir machen …

Idealismus erbarmst. Danke, dass du mich annimmst, auch wenn ich nicht ideal bin.» Oder es kommen, wie kürzlich am Valentinstag, Gefühle der Einsamkeit auf. Im Grossen und Ganzen bin ich eine zufriedene Singlefrau, und doch kommt es trotz eines wirklich erfüllten Lebens vor, dass ich den Mangel des fehlenden Partners und der Zugehörigkeit zu einem Menschen spüre. Ich betete am Abend: «Jesus, mach du diesen Mangel und diesen Schmerz fruchtbar für dein Reich!» Manchmal sind es Ohnmachtserfahrungen. Menschen, die in die Seelsorge kommen und bei denen ich innerlich denke: «Ich sehe nicht, woher und wie Hilfe werden könnte.» Dann geht es darum, diese Ohnmacht auszuhalten und mir von Gott stellvertretend eine Hoffnung schenken zu lassen und den schlechten Nachgeschmack in dem Sinne zu verwandeln, dass ich bekenne: «Jesus war am Kreuz auch ohnmächtig. Aber sein ohnmächtiges Leiden hat uns Erlösung geschaffen.» Was passiert als Nächstes? Werden Sie hoffnungsvoller? Was verändert sich? Manchmal passiert etwas über Nacht. Zum Beispiel bei einem Ehepaar, das für sich kaum mehr Zukunftsperspektiven sah. Da sind mir konkrete Übungsideen «zugefallen». Ich liess sie auf ein Blatt je drei Vorschläge zu folgender Frage schreiben: «Was wäre ich bereit bis Ostern zu tun, um unserer Ehe nochmals ein Chance zu geben?» Das zweite waren drei Vorschläge zu: «Was würde ich mir von meinem Partner bis zu Ostern wünschen?» Jeder Partner durfte dann von dem, was der andere aufgeschrieben hatte, etwas auswählen. Das war für mich eine klassische Eingebung in einerziemlich «hoffnungslosen» Situation. Ich denke, es hat mit dem Morgengebet zu tun und mit dem abendlichen Nachbereiten meines Tages, cz 2|07

Die Geschichte vom Mönch und vom Brunnen

Zu einem einsamen Mönch kamen eines Tages Menschen. Sie fragten ihn: «Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben der Stille und Meditation?» Der Mönch war eben beschäftigt mit dem Schöpfen von Wasser aus einem tiefen Brunnen. Er sprach zu seinen Besuchern: «Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?» Die Leute blickten in den tiefen Brunnen. «Wir sehen nichts!» Nach einer kurzen Weile forderte der Einsiedler die Leute wieder auf: «Schaut in den Brunnen! Was seht ihr?» Die Leute blickten wieder hinunter. «Ja, jetzt sehen wir uns selber!» Der Mönch sprach: «Schaut, als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation: Man sieht sich selber! – Und nun, wartet noch eine Weile.» Nach einer Weile sagte der Mönch erneut: «Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?» Die Menschen schauten hinunter: «Nun sehen wir die Steine auf dem Grund des Brunnens.» Da erklärte der Mönch: «Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation: Wenn man lange genug wartet, sieht man den Grund aller Dinge.»

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geistesgegenwärtig leben | wir machen …

dass ich ihnen einen solchen Vorschlag machen konnte. Die Geistesgegenwart kommt somit manchmal erst verzögert ... Nein, Gottes Geist ist natürlich immer da. Und er wirkt an mir. Anstelle von Sorgen, Ohnmachtsgefühlen und dem Druck, jetzt etwas tun zu müssen, wächst in mir die hoffnungsvolle Gelassenheit, dass Gott die Menschen in der Hand hat, auch wenn ich im Moment wirklich keine Lösung sehe. Kann dieser bewusste Umgang mit unserem Innenleben nicht auch zu einer selbstzentrierten Verkrampfung führen? Ich habe das Gegenteil erfahren. Gerade weil ich mit Trauer, Schmerz und Ohnmacht so bewusst umgehe, wenn

Früher habe ich mich oft von Angst leiten lassen und versuchte meine Gedanken ständig zu unterscheiden: Was ist jetzt von Gott und was von mir? Das führte zu innerem Stress und Druck. sie sich melden, bin ich trotz meiner eher depressiven Grundstruktur grundsätzlich ein fröhlicher Mensch geworden. Ein Fehler, den viele machen, besteht darin, dass sie ihre Erfahrungen nicht reflektieren und sich nicht vor Gott fragen: Was habe ich eigentlich erlebt? Wo sehe ich die Spuren Gottes, den guten und den schlechten Nachgeschmack? Für mich ist es wichtig, aus solch betendem Reflektieren Schlüsse zu ziehen und mich danach für den nächsten machbaren Schritt zu entscheiden. Vieles scheitert meiner Meinung nach gerade an diesem Punkt: dass bei Christen der Erkenntnis nicht praktische Umsetzungsschritte folgen. 38

Wie steht es mitten in der Hektik des Alltags: Wie unterscheiden Sie dort, was jetzt im Sinne Gottes zu tun ist? Früher habe ich mich oft von Angst leiten lassen und versuchte meine Gedanken ständig zu unterscheiden: Was ist jetzt von Gott und was von mir? Das führte zu innerem Stress und Druck. Ich habe mich stattdessen zu drei Dingen entschieden, weil ich davon ausgehe, dass Jesus in mir lebt: Erstens einfach mal vertrauensvoll draufloszuleben. Zweitens meinem Fühlen und Denken nicht grundsätzlich zu misstrauen, weil ich morgens ja nach Römer 12,2 bete, dass Gott mein Denken und Fühlen prägen möge. Drittens bitte ich bewusst um Eingebung und vertraue, dass mich der Heilige Geist rechtzeitig aufmerksam macht, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Und dann? Und dann geht es einfach darum, innerlich achtsam zu sein und auf das zu reagieren, was kommt. Ich erlebe oft, dass im Zug spontan gute Gespräche entstehen. Ich darf die Zugfahrt also nicht zu sehr mit Arbeit verplanen. Vielleicht steht das auch im Zusammenhang mit meiner evangelistischen Begabung: es wäre schade, wenn ich ihr aus Zeitmangel keinen Raum gäbe. Heisst das, wir dürfen Geistesgegenwart besonders im Bereich unserer Begabungen erwarten? Ja, sicher. Jeder Mensch darf von Gott Antworten auf die Frage erbitten: Wofür bin ich eigentlich da? Wie möchtest du durch mich Gestalt annehmen in dieser Welt? Das hat zu tun mit unseren Begabungen und unserer Berufung. Dann geht es darum,

Gott da draussen in der Welt zu finden, zu entdecken, wo er im Armen, im Schwachen, im Gefangenen gegenwärtig ist und uns begegnen will. Und die Frage lautet: Was mache ich jetzt mit dem? Und wenn ich mich überfordert fühle? Da helfen mir eben wieder ganz einfache Worte. Worte, die mir mein geistlicher Begleiter auf den Weg gab: «Anblicken, aufblicken, durchblicken». Ich schaue hin, blicke an – und bevor ich handle (denn das wäre meine natürliche Reaktion), kommt das Aufblicken: «Herr, erbarm dich.» Oder: «Was meinst jetzt du, Gott?» So bringe ich das Erlebte mit Gott in Verbindung und vertraue darauf, dass der Heilige Geist jetzt wirkt und mir den Durchblick gibt. Dazu kommt die häufige Bitte im Sinne von Epheser 2,10: «Lass mich jetzt sehen, welches die guten Werke sind, die du im Voraus für mich vorbereitet hast, damit ich in ihnen wandle.» Und wie finden Sie den Durchblick? Es sind wiederum drei Worte, die ich im Verlauf meines christlichen Lebens in besonderer Weise von Gott «gehört» und verinnerlicht habe und auf die ich achte: Das erste ist Barmherzigkeit; ich möchte, dass Menschen bei mir im Gespräch, in der Begegnung etwas von der Barmherzigkeit Gottes erfahren können. Das zweite lautet: «Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.» Menschen sollen etwas davon erfahren können, dass Gott in die Freiheit führen will und nicht unter frommen Zwang. Das dritte ist: Klarheit schaffen – kurz: Was wäre in dieser Situation klar, wahr und barmherzig? Und dann tue ich einfach das Nächstliegende. Um es dann abends wieder aufgrund des guten oder schlechten Nachgeschmackes cz 2|07

zu Gott zu bringen? Und vielleicht zu sagen: «Die Art, wie ich meinte, mit dieser Situation umgehen zu müssen, hinterlässt bei mir eigentlich nur einen bitteren Nachgeschmack.» Ja, ich vertraue darauf, dass Gott ein Interesse daran hat, mir zu zeigen, wenn ich in falscher Weise «barmherzig» war oder auch wo ich unbarmherzig reagierte. Mir hilft, dass ich dieses Reflektieren regelmässig alle ein bis zwei Monate zusammen mit einem geistlichen Begleiter übe. Man muss einen geistlichen Begleiter haben? Man muss nicht, aber es ist eine grosse Hilfe, und zwar nicht nur bei Problemen, dann geht man eher in die Seelsorge. Geistliche Begleitung heisst für mich: Ich lege jemandem über mein Leben und Glauben Rechenschaft ab, jemandem, der zurückfragen darf, aber auch bestärkt und bestätigt. Mir hat das mehr als vieles andere geholfen, die Spuren von Gottes Geist im Alltag zu entdecken. Herzlichen Dank für das Gespräch!

Fünf Schritte des Gebets der liebenden Aufmerksamkeit 1. Ich finde mich ein in Gottes Gegenwart: • Gott danken für Leib und Leben, für die Gaben der Schöpfung und die Erlösung. • Gott danken für das Gute, das ich erfahren habe, und das Gute, das von mir ausging.

2. Ich bitte, die eigene Wirklichkeit vorurteilsfrei anschauen zu können: • Gott bitten, den Tag oder Tagesabschnitt in seinem Licht sehen zu dürfen.

3. Ich verweile, indem ich auf mein Leben, meinen Tag blicke: • Was bewegt und berührt mich jetzt? • Was habe ich erlebt – wie ging es mir mit meinen Empfindungen, Gedanken? • Wie habe ich meine Beziehungen gelebt – zu mir selbst, zu den andern, zur Schöpfung, zu Gott? • Gottes Geist wahrzunehmen versuchen in den eigenen Bewegungen von Glauben, Hoffen und Lieben. Was fördert Glaube, Hoffnung, Liebe? • Den «Aber-Geist» von Misstrauen, Entmutigung, Egoismus aufspüren: Wo habe ich einen «schlechten Nachgeschmack»? Was hindert Glaube, Hoffnung, Liebe, Freude, Friede, Freiheit ...?

4. Ich schaue auf Gottes Zuwendung und sein Erbarmen und bringe alles vor ihn, was ich wahrgenommen habe: • Mit der Wahrheit, die Gott mir gezeigt hat, vor ihn treten und a. ihm danken, b. um Verzeihung bitten, wo ich schuldig wurde, c. vergeben, wo andere mich verletzten, d. um Versöhnung und Heilung bitten (für mich, für Mitmenschen).

5. Ich schaue auf den kommenden Tagesabschnitt und versuche im Blick auf Gottes Verheissungen für mein Leben, ihm neu zu vertrauen: • Um Kraft und Entschlossenheit und die «Antenne für den Heiligen Geist» bitten. Es ist eine hilfreiche Übung: Täglich, wöchentlich, monatlich, jedes halbe Jahr sein Leben so in den Blick zu nehmen, zum Beispiel im Rahmen eines kurzen Tagesabschlusses, eines Tages der Stille, von Exerzitien usw.

• Ruth Maria Michel ist theologische Mitarbeiterin und geistliche Begleiterin bei den Vereinigten Bibelgruppen (VBG) in Zürich.

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Anleitung in Anlehnung an die Ausgabe der Gemeinschaften Christlichen Lebens (GCL), Augsburg.

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JAZZ&SOUL

geistesgegenwärtig leben | jazz und...

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Jazz und Soul zum 400. Geburtstag Sarah Kaiser und ihre Liebe zu Paul-Gerhardt-Texten Paul-Gerhardt-Lieder im jazzigen Kleid waren an den Richterswiler Jazztagen Ende Oktober 2006 angesagt. Thema der Lieder: Wir sind Gast auf Erden. Welch tiefe Wahrheit für einen jazzigen Sonntagmorgen! Sound und Licht waren für das Kirchgemeindehaus ungewöhnlich. Nachahmenswert!

Paul Gerhardt (1607-1676)

waise. Immerhin reichte das elterliche Vermögen aus, damit er eine angeshene Fürstenschule besuchen und anschliessend Theologie studieren konnte. Noch bevor Paul Gerhardt eine Stelle als Pfarrer annahm, kam sein dichterisches Talent zum Tragen: Der führende Kirchenmusiker der Stadt Berlin lernte seine Verse kennen, war begeistert und veröffentlichte bis 1661 fast einhundert von Gerhardts Liedern, die rasch über die Grezen der Stadt hinaus bekannt wurden. Paul Gerhardt ist vor allem dafür bekannt, wie er persönliches Leid thematisiert und verarbeitet. Spät, mit 48 Jahren, heiratete er. Seine Ehefrau Anna brachte fünf Kinder zur Welt. Nur ein Sohn jedoch blieb am Leben, die anderen starben alle sehr früh. Auch seine Frau Anna starb nach dreizehn Jahren Ehe. Sie wurde nur 45 Jahre alt.

Der Liederdichter Paul Gerhardt gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des Protestantismus überhaupt. Er steht, was seine Wirkungsgeschichte anbelangt, in einer Linie mit Martin Luther und Johann Sebastian Bach. In der Nähe von Wittenberg geboren, wurde Paul Gerhardt schon mit vierzehn Jahren Voll-

1657 wurde Paul Gerhardt leitender Pfarrer an der Berliner Hauptkirche St. Nikolai. Der Karrieresprung führte ihn direkt ins Zentrum politisch-religiöser Auseinandersetzungen um den richtigen reformatorischen Glauben. Elf Jahre später wurde er seines Amtes enthoben, da ihm

Tom Sommer

Der Auftritt von Sarah Kaiser wirkte authentisch, leidenschaftlich und mit klarer eigener Note. Ihre Texte jenseits von Klischees – wie könnten sie auch – stammen allesamt aus der Feder von jahrhundertealten Dichtern. Ihr gemeinsam mit der Band produzierter Sound umfasst Pop, Jazz, Funk und Soul. Was für eine Kombination! Zu Sarah Kaisers Lieblingstextern gehört Paul Gerhardt, dessen 400. Geburtstag im März 2007 gefeiert wurde. Generell bezeichnet die Berliner Sängerin Kirchenlieder aus den vergangenen Jahrhunderten als richtige Schätze, die es zu heben und für die heutige Zeit nutzbar zu machen gelte.

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• Kirchgemeindehaus Rosengarten in Jazzbeleuchtung.

die vom damaligen Kurfürsten geforderte Toleranz zu weit ging. Er fühlte sich seiner Identität beraubt. So wirkte Paul Gerhardt die letzten acht Jahre seines Lebens noch in einer anderen Stadt, wo das Toleranzedikt nicht galt. Dichterisch war er hier allerdings nicht mehr aktiv. Paul Gerhardts Lieder haben sich über die ganze Welt verbreitet und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Als Grund wird einstimmig die Verarbeitung elementarer Erfahrungen des menschlichen Lebens angegeben.

«Geistesgegenwart» – neue CD mit Kirchenliedern im Jazzgewand Nach der CD «Gast auf Erden» blickt Sarah Kaiser auf ihrer neuen Scheibe sowohl zurück – auf die textlichen Schätze älterer und jüngerer Dichter – als auch himmelwärts, um das Tröstende aus der Ewigkeit zu empfangen und mitten ins moderne Leben von heute sprechen zu lassen. Viele der Lieder haben Christen seit Jahrhunderten durch den Jahreskreis begleitet, sei es im Gottesdienst oder in der privaten Andacht. Doch so manche Wendung ist uns heute nicht mehr vertraut und könnte, wie Johann Philipp cz 2|07

Spittas Verse über geistliche Kämpfe in «O komm, du Geist der Wahrheit» (Lied Nummer 5), falsch verstanden werden. Auch der Eröffnungssong «Zieh ein zu deinen Toren» hält als Anrufung des Heiligen Geistes allerlei Erkenntnis bereit, die es heute neu zu erfassen gilt. Und gerade dazu laden Sarah Kaiser und ihre Band ein. Man hält inne, stutzt, weil da Vertrautes ungewohnt und Neues irgendwie vertraut klingt – und hört genauer hin. Und plötzlich klingen die Verse nicht mehr wie Formeln aus verstaubter Zeit, sondern kommen der Sängerin scheinbar spontan, eben «gegenwärtig», über die Lippen. Geistesgegenwart, Präsenz, die Fähigkeit, in unvorhergesehenen Situationen schnell zu reagieren und das Richtige zu tun, das passt gut zu Stil und Botschaft des Albums.

Radio- und Fernsehmoderator Andreas Malessa. Er rezitierte längst vergessene Verse, wortwitzige Texte, erzählte bewegende Anekdoten und spannende Geschichten zu Paul Gerhardt und brachte die Relevanz seiner Worte für unseren Alltag auf den Punkt: Gerhardts ungebrochene Zuversicht und Hoffnung wie auch sein Humor inmitten persönlicher Schicksalsschläge und bedrückender Verhältnisse sind auch für postmoderne Menschen ein zeitloses Vorbild.

Sarah Kaiser

Konzerttournee mit Musik, Gesang und Text Passend zum Paul-Gerhardt-Jahr 2007 ging im März die Sängerin Sarah Kaiser mit ihrer Band in Deutschland auf Tournee, um die Choräle von damals den Menschen von heute nahezubringen. Begleitet wurde sie vom bekannten cz 2|07

• Das Cover der CD «Geistesgegenwart».

Quellen und Konzerthinweise

www.profile-productions.ch www.paul-gerhardt-jahr.de www.sarahkaiser.de www.gerth.de

Für die Berliner Sängerin sind Gospel, Soul und Jazz wichtige musikalische Elemente. Schon in ihrer Kindheit verbrachte sie viele Stunden damit, Gospel-, Soul- und Jazzplatten zu hören. Dadurch wurden die Fundamente für eine authentische Vermittlung dieser Musik gelegt. An verschiedenen Hochschulen studierte sie Jazzgesang und «English writing and music». Sie ist eine gefragte Studiosängerin, hat Auftritte in Radio und Fernsehen und unterrichtet Gesang wie auch Improvisation. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Solokonzerte.

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C F C – N A T I O N A L cfc schweiz

Christen im Dienst an Kranken (CDK)

Athletes in Action (AiA)

Leiterwechsel bei Athletes in Action (AiA)

Wechsel in der Leitung von Christen im Dienst an Kranken (CDK)

Anlässlich des jährlichen AiA-Weekends vom 23. bis 25. März 2007 übergab Thomas Zindel den Stab seinem langjährigen Mitarbeiter Primo Cirrincione und dessen Frau Heike, nachdem er die Bewegung sechzehn Jahre lang zusammen mit seiner Frau Marlies geleitet hatte. Thomas Zindel: «Es war ein grosses Vorrecht, mitzuerleben, wie mehr und mehr ehrenamtliche Mitarbeitende in diesen Jahren die Bewegung mitgeprägt und zusammen mit den aktiven Sportlerinnen und Sportlern Jesus Christus in der Schweizer Sportwelt repräsentiert haben. Primo hat bereits in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt dank seiner theologischen Ausbildung, der Bewegung wichtige Impulse und frischen Wind verliehen. Seine ausgeprägte Gabe, Mitarbeitende freizusetzen und ihre Gaben zu fördern, wird in Zukunft sehr wichtig sein.» In der Sportszene steht der Name «Athletes in Action» mittlerweile für klaren geistlichen Inhalt und relevante Dienstleistungen für aktive Sportlerinnen und Sportler sowie deren Betreuende. Neben einem breiten Campangebot für Jugendliche und Erwachsene sind die regionalen Sportbibelschulen und das seelsorgerliche Angebot an nationalen und internationalen Sportanlässen sowie über Internet Schwerpunkte der Bewegung geworden. Thomas Zindel wird der Bewegung von Athletes in Action erhalten bleiben. Er

• Primo Cirrincione (links) und Thomas Zindel bei der Stabübergabe.

wird in Zukunft europaweit als Coach und Mentor nationale Leitungspersonen begleiten und so seine grosse Erfahrung in der Sportseelsorge international multiplizieren. Gleichzeitig werden Thomas und Marlies Zindel, wie sie das bisher getan haben, weiterhin Personen ausserhalb der eigentlichen Sportszene betreuen und im Glauben stärken; insbesondere Personen der Öffentlichkeit, die in der Gesellschaft eine Stimme haben. Hanspeter Nüesch, Leiter von Campus für Christus, der Thomas und Marlies Zindel 1986 in die Sportarbeit berufen hat: «Thomas und Marlies haben mich immer wieder neu überrascht. Gott hat sie in den vergangenen gut zwanzig Jahren nicht nur gebraucht, um bisher verschlossene Türen für den christlichen Glauben in die Welt des Sports hinein zu öffnen, sondern

liess sie auch in andere Gesellschaftsbereiche hineinwirken. Sie sind zu Botschaftern Jesu Christi geworden, insbesondere bei Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, und haben viel Goodwill bei einflussreichen Personen und Institutionen erworben. Das hat mit ihrer transparenten Christusnachfolge zu tun, die gepaart ist mit Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit. Gott hat sie deshalb so gebraucht, weil sie nie viel Aufhebens darum gemacht haben, wen sie zu ihren Freunden zählen. Ich bin dankbar, dass die Gaben von Thomas als Vernetzer und Inspirator in Zukunft einem erweiterten Kreise zugutekommen werden. Primo und Heike Cirrincione sind würdige Nachfolger der Zindels. Sie haben zusammen mit dem Team, das sie unterstützt, unser volles Vertrauen und unsere Unterstützung verdient.»

Am 1. Januar 2007 übergab Kurt Osswald die Verantwortung des Schweizer Zweiges von CDK in jüngere Hände. Seit 1997 ist CDK ein selbstständiger Arbeitszweig von Campus für Christus und arbeitet mit verschiedenen im Gesundheitswesen tätigen christlichen Organisationen wie AGEAS, VBG, MedIchthys und dem Evangeliumsrundfunk (ERF) zusammen. «Schon lange ist es mein Herzenswunsch, die Arbeit von CDK spätestens mit dem Erreichen meines 63. Lebensjahres in jüngere Hände zu legen», sagt Kurt Osswald. «Und ein Wunder geschah! Genau an meinem 63. Geburtstag konnte ich die Arbeit an Karin Briggen übergeben.» Kurt Osswald wurde vor fünfzehn Jahren in die CDK-Arbeit berufen, die seither ein erfreuliches Wachstum

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tet, ermutigt, gefördert und unterstützt werden, um ihr Christsein im Alltag zu leben.» Kurt und Evy Osswald werden sich neben ihrem Engagement in Spitex und Pro Senectute weiterhin – wo immer sie gebraucht werden – in der CDK-Arbeit engagieren und noch bis Ende 2008 das CDK-Bulletin herausgeben.

• Karin Briggen und Kurt Osswald

Campus per Cristo nel Ticino Neue Wege zur Sonnenstube der Schweiz

Seit einem Jahr ist unser italienischsprachiger Mitarbeiter Salvatore Farinato in Zürich daran, für den Kanton Tessin neue Evangelisationshilfsmittel zu entwickeln. Im Gespräch mit Lokalpastoren, Kirchen und Gemeinden versuchen wir laufend, die Bedürfnisse, Wünsche und Visionen in Erfahrung zu bringen und zu verarbeiten. Im Jahr 2006 konnten bereits verschiedene Ziele erreicht werden, so zum Beispiel: • Der Ehe-Vorbereitungskurs («Corso di preparazione al matrimonio») auf DVD ist jetzt auch in Italienisch erhältlich.

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erlebt, nicht zuletzt durch die Ausbildung CgH (Christlich-ganzheitliche Heilverfahren) unter der Leitung von Rolf Nussbaumer sowie durch die Gebetsarbeit. Neben seiner Leitungsaufgabe führte Kurt Osswald nebenberuflich seine frühere Tätigkeit als Unternehmensberater für Spitäler und Heime weiter. Karin Briggen, von Beruf Gärtnerin, Langlauflehrerin und Physiotherapeutin, baut seit zehn Jahren die CDK-Gebets- und Regionalarbeit auf, leitete viele Seminare, Skiund Wanderlager und hat ein grosses Herz und Engagement fürs Gebet. Die leidenschaftliche Joggerin und Alphornbläserin: «Mein Herzensanliegen ist es, dass viele Menschen Jesus Christus im und durch das Gesundheitswesen besser kennenlernen und im Glauben ausgerüs-

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• Die für die Fussball-Weltmeisterschaft 2006 produzierte evangelistische Broschüre stiess auf grosses Echo. Mitglieder von Gemeinden und Kirchen verteilten während der WM insgesamt 17 500 Broschüren. 57 Gratisbibeln wurden bestellt, die durch die Lokalgemeinden und Kirchen überreicht wurden. Sogar acht Monate nach WM-Schluss trafen noch Bestellungen ein. • Eine weitere Aktion haben wir mit dem Neuen Testament für Sportler «Diretto alla meta» durchgeführt. Auch hier wurden 115 Neue Testamente bestellt.

• Zudem konnten wir den Internetauftritt von Campus für Christus (www.campus-per-cristo.ch) und Alphalive (www.alphalive.ch) ins Italienische übersetzen und damit online gehen. Weitere Informationen unter 044 274 84 56.

• Salvatore Farinato

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C F C – N A T I O N A L cfc schweiz

FamilyLife

Ehekurs-Konferenz in Bern vom 23./24. März 2007

«Der Kurs, der in der Schweiz für Aufsehen sorgt!» Dieser Satz aus dem Mund von Romaine Jean, Télévision Suisse Romande, ist für den Ehekurs zumindest in der Deutschschweiz noch prophetisch. Doch nicht mehr lange. Bereits sind innerhalb von zwei Jahren über siebzig lokale Kurse angelaufen, und die dreihundert Personen (Bild unten), die sich Ende März in Bern an der eigens dazu einberufenen Konferenz mit dem Autoren-Ehepaar Nicky und Sila Lee (Bild rechts) getroffen haben, werden zum grossen Teil bald selber mit einem Kurs starten. Der Erfolg dieser Beziehungsinitiative lässt sich damit erklären, dass auch Laien mit dem sorgfältig gestalteten Material lebensverändernde Impulse an andere Paare weitergeben können. Nicky und Sila Lee, die über dreissig Jahre verheiratet sind und zum Mitarbeitendenteam der Holy Trinity Brompton Church (Ursprungskirche des Alphalive-Kurses) in London gehören, waren in weniger als drei Jahren zum dritten Mal in der Schweiz

(Lausanne, Winterthur, Bern) und reagierten mit sichtlicher Begeisterung auf die wachsende Bewegung in der Schweiz. Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten davon, wie vor allem die in Bern so fassbare Vernetzung zwischen Menschen unterschiedlicher Kirchen, Landesteile usw. sehr ermutigend war. Fast die Hälfte der Teilnehmenden liess sich am Schluss der Konferenz unter Segensgebet mobilisieren, der eigenen Ehe und den Beziehungen in ihrem Umfeld eine neue Priorität zu geben. An der Konferenz ist auch der neu auf Deutsch erhältliche Ehevorbereitungskurs vorgestellt worden, mit dem FamilyLife bereits im Januar an der Hochzeitsmesse «Trau Dich» in Zürich an die Öffentlichkeit getreten ist. Paare reagieren verwundert, aber auch sehr gespannt auf die Beziehungshilfe, die ihrer Sehnsucht nach ewiger Liebe nicht nur Flügel verleihen, sondern auch Boden unter den Füssen geben kann. Dem Ehevorbereitungskurs wird auch in unserem Land eine grosse Zukunft

vorausgesagt, da er konfessionsneutral gestaltet ist und christliche Werte so anspricht, dass sie von nichtkirchlichen Menschen verstanden werden. Ein Ehekursabend beginnt jeweils mit einem Abendessen, gefolgt vom Referat zum Thema. Dazwischen hat jedes teilnehmende Paar die Gelegenheit, unter vier Augen über das Gehörte auszutauschen. Es gibt keine Gruppengespräche. Niemand braucht etwas Persönliches anderen Paaren zu erzählen. Die Intimsphäre wird gewahrt. Auch beim Ehevorbereitungskurs führt idealerweise ein Ehepaar den Kurs mit mehreren verlobten Paaren gleichzeitig durch.

Erfahrungen mit dem Ehekurs Brigitta Bregenzer Im Jahr 2006 besuchten René und ich die Ehekurs-Konferenz und lernten dort die Initianten des Kurses, das Ehepaar Lee, kennen. Wir beschlossen daraufhin, selber den Ehekurs in Rüti im Zürcher Oberland durchzuführen. Wir wollten heausfinden, welche Leute sich ansprechen liessen, wie viele Personen auf eine Einladung reagierten und wie der Kurs ab DVD ankommen würde. Als Kurslokal wählten wir das Bistro unserer Kirche. Wir stellten runde Bistrotische mit je zwei Stühlen auf und schmückten sie mit Servietten und Kerzen. Wir machten die Kaffeemaschine betriebsbereit, füllten den Kühlschrank mit Getränken und stellten süsse bzw. salzige Snacks auf. Nun fehlten nur noch Beamer und Leinwand sowie Musik für die Zeit zu zweit. Und dann kamen sie alle. Um 20 Uhr waren die Stühle besetzt (Bild oben). Im Vorfeld hatten wir in unserer Kirche auf den Kurs aufmerksam gemacht und über ein «Eingesandt» in der Lokalzeitung öffentlich eingeladen.

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«Eine glückliche Ehe – fürs ganze Leben» hiess die Artikelüberschrift. Wir schrieben, der Ehekurs habe bereits zahlreiche Ehepaare in ihrer Beziehung gestärkt. Im Kurs gebe es Gelegenheit, als Paar miteinander ins Gespräch zu kommen, und wir erwähnten einige Kursthemen. Weiter stand, dass der Kurs sieben Abende von 20 bis 22 Uhr dauere und kostenlos sei. Wir gaben die Daten und den Ort sowie unsere Namen und die Telefonnummer für die Anmeldung bekannt. Ich war erstaunt, als mich aufgrund des Zeitungsartikels fünfzehn Interessierte anriefen. Sechs von ihnen erschienen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin am ersten Kursabend. Hinzu kamen vier Ehepaare aus der Kirche. Obwohl alle zuerst eine Aufwärmzeit brauchten, fühlten sich die Teilnehmenden schnell wohl. Sie schätzten den ungezwungene Ablauf und konnten sich gut mit den Filmen ab DVD anfreunden. Die Abende gefielen der Gruppe von Mal zu Mal besser. Niemand wollte einen Beitrag verpassen. Alle gaben in der Rückmel-

dung an, viel profitiert zu haben. Eine Mutter hatte einem Paar den Kurs empfohlen und angeboten, das Kind zu hüten. Dieses junge Paar sass am ersten Abend kritisch im Raum mit der Absicht, Argumente zu sammeln, um nicht mehr kommen zu müssen. Sie fehlten dann keinen Abend und waren hell begeistert von der guten, lebensnahen und leicht umsetzbaren Lehre. Die Erfahrung mit unserer «LightVersion» (Ehekurs ohne Nachtessen) hat uns beflügelt, im Frühjahr 2007 einen weiteren Kurs anzubieten. Der Aufwand ist klein, da es ausser einem gastfreundlichen Ehepaar, das bereit ist, den Raum etwas herzurichten und die DVD auf die Leinwand zu projizieren, keine Vorbereitung braucht. Uns begeistert weiter, wie das Ehepaar Lee die christlichen Grundlagen einer Ehe so einfliessen lässt, dass niemand daran Anstoss nimmt. Einige haben sogar das erste Mal in ihrem Leben miteinander gebetet und dies als ganz natürlich empfunden.

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FUR SIE NOTIERT ! Medien zum Inhalt Der Ehe-Kurs

Der Ehe-Vorbereitungskurs

Der siebenteilige Ehe-Kurs bietet Ehepaaren die Möglichkeit, in den wichtigsten Bereichen ihrer Partnerschaft neuen Boden unter die Füsse zu bekommen. Dabei kommen nicht nur Ehe-Neulinge auf ihre Rechnung. Die Themen des Kurses sind praktisch ausgerichtet, so dass Ehepaare in den unterschiedlichsten Phasen ihrer Beziehung Antworten auf die brennenden Fragen ihres gemeinsamen Alltags finden. Glückliche und gesunde Ehen, die ein Leben lang halten, sollen nicht mehr länger eine Ausnahme bilden.

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Der Ehe-Kurs (Teilnehmerheft) Fr. 11.50 Das Leiterheft zum Ehe-Kurs Fr. 9.90 DVD Set zum Ehe-Kurs Fr. 198.– CD-Rom für Leiter mit Unterlagen für Referate Fr. 25.–

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neue Medien

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Das Schülertreff-Handbuch zeigt, wie wir Jesus in unsere Schulen bringen können. Es ist auf die Schüler der Oberstufe ausgerichtet, damit der christliche Glaube positive Kreise ziehen kann und an jeder Schule der Oberstufe eine Gruppe von christlichen Schülern Verantwortung übernimmt. Die Schüler beten für ihre Schule und machen mutig Jesus bekannt.

Auftakt zu einer Liebesbeziehung, die ein Leben lang hält Dieser kompakte Kurs macht die Vorbereitung auf die Ehe zu einem abwechslungsreichen und spannenden Prozess. Die fünf Themen regen an zum Nachdenken und Lachen: 1. Miteinander reden 2. Verbindlichkeit 3. Konflikte lösen 4. Wachsende Liebe 5. Gemeinsame Ziele und Werte - Teilnehmerheft zum Ehe-Vorbereitungskurs Fr. 7.70 - Leiterheft zum Ehe-Vorbereitungskurs Fr. 9.70 - DVD Set zum Ehe-Vorbereitungskurs (deutsch, englisch, französisch, italienisch) Fr. 160.– - Zusatzmaterial für Leiter Fr. 25.–

• Tragfähige Fundamente bauen • Die Kunst zu kommunizieren • Konfliktbewältigung • Die Kraft der Vergebung • Eltern und Schwiegereltern • Ein erfülltes Liebesleben – guter Sex • Liebe in Aktion

Hiobsbotschaft – Erfahrungen aus der Notfallseelsorge

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Peter Schulthess Blaukreuz-Verlag Bern, 2006 ISBN-10:3-85580-447-8 ISBN-13:978-3-85580-447-4 169 S., CHF 19.80 Täglich werden Menschen völlig unerwartet mit dem Tod konfrontiert. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Notfallseelsorger zeigt der Pfarrer Peter Schulthess, wie Frauen und Männer, Kinder und Teenager auf solch schreckliche Ereignisse reagieren und was sie in den Stunden, Tagen, Wochen und Monaten danach durchmachen. Er erzählt vom Umgang mit Trauernden, von Abschiedsritualen am Sarg und am Ort des Todes, wobei er auch auf Jugendliche und ihre Bedürfnisse zu reden kommt. Offen gibt er Einblick in persönliche Erfahrungen mit dem Gebet und schildert, wie der Glaube in Extremsituationen einerseits Halt geben, andererseits aber auch in die Krise kommen kann. Das Buch enthält viele praktische Hinweise, wie man Menschen, die von einem Schicksalsschlag getroffen wurden, im Moment des Chaos aber auch in den Wochen, Monaten und Jahren nach dem Ereignis auf ihrem schweren Trauerweg helfen kann.

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Impressum Herausgeber Campus für Christus, Josefstrasse 206, 8005 Zürich, Telefon 044 274 84 84, Homepage: www.cfc.ch Campus für Christus ist eine überkonfessionelle Organisation mit rund zwanzig in der Erwachsenenbildung, Diakonie und Mission tätigen Dienstzweigen. Darunter fallen u. a. Beratung und Schulung in lokalen Landes- und Freikirchen, Studentenarbeit/Dozentenforum, Agape-Mission/Entwicklungshilfe, Athletes in Action, Crescendo-Berufsmusiker, Christen im Dienst an Kranken und EXPLO-Schulungskonferenzen. Verlag Christliches Zeugnis, Josefstrasse 206, 8005 Zürich, Telefon 044 274 84 34, Telefax 044 274 84 83 E-Mail christlicheszeugnis@cfc.ch, www.christlicheszeugnis.ch ISBN 978-3-905263-92-3

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Auflage 7300, WEMF-beglaubigt

Erscheinungsweise Vierteljährlich

Redaktion Hanspeter Nüesch, Herausgeber; Peter Höhn, verantwortlicher Redaktor; Brigitte Eggmann; Manfred Kiener; Tom Sommer; Johanna Vollenweider

Jahresabonnement Schweiz SFr. 24.— Ausland SFr. 32.— / € 22.—

Copyright Wiedergabe von Artikeln und Bildern nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion Grafik und Satz (DTP) atk.ch, Thayngen Korrektorat futur2, Roger Koch, Buchs Druck und Versand Jordi AG, Belp

Kündigungsbedingungen Im September auf Ende Jahr telefonisch/schriftlich Bildnachweis Titelseite: peterschaeublin.com S. 4: Hotel Paladina / S. 5-11: privat / S. 12: Peter Höhn / S. 14-15: Manfred Kiener / S. 16 Illustration: Regula Lustenberger, atk.ch / S. 17-19: Manfred Kiener / S. 20-23: Campus-Archiv, Hanspeter Nüesch / S. 27-28: privat / S. 33-35: Manfred Kiener / S. 36-37: fotolia.de / S. 39: Peter Höhn / S. 40-41: Tom Sommer / S. 42-47: agape.ch; Regula Lustenberger / S. 48: Karl Dittli / S. 49: CDK; privat /S. 50: familylife / S. 51: R. u. B. Bregenzer / S. 60: Archiv

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«Mahlzeiten verpasse ich ja auch nicht»

«Viele Evangelikale sehen Sie als Verkörperung von ...» Billy Graham hob seine Hand missbilligend: «Sie sollten mich nicht als Verkörperung von irgendwas sehen.» - «Aber viele tun es eben doch», sagte ich. «Einige betrachten Sie als den protestantischen Papst und ...» – «Wissen Sie», sagte Billy Graham, «manchmal fühle ich mich so niedrig», hier lehnte er sich aus dem Stuhl und legte seine Handfläche flach auf den Boden, «wenn ich an die vielen Male denke, wo ich den Herrn enttäuschte; Menschen sollten wirklich nicht zu mir als Vorbild aufschauen.» Endlich hoffte ich eine Frage zu stellen, die er positiv beantworten würde: «Wie halten Sie Ihre geistliche Disziplin aufrecht?» – «Es gibt dazu kein Geheimnis», sagte Billy Graham. «Gott macht dies in der Bibel klar und einfach. Wir sollten ohne Unterbruch beten und die Bibel erforschen.» – «Sie beten ununterbrochen?», fragte ich, denn ich hatte immer gehofft, dass man die Ermahnung des Apostels Paulus nicht so wörtlich nehmen müsse. «Ich tue es», sagte Billy Graham. «Und ich habe beinahe ohne Ausnahme diese Gewohnheit aufrechterhalten, seit ich den Herrn als Teenager in mein Leben einlud. Ich bete gerade jetzt, dass unser Gespräch Gott Ehre bringt und dass dieses Buchprojekt den grossen Aufwand wert ist.» Ich war überwältigt. «Und auf welche Art studieren Sie die Bibel?» «Wo immer ich mich auf der Welt befinde», sagte er, «ob hier oder daheim oder in einem Hotel oder bei jemandem zu Hause, ich platziere meine offene Bibel an einem Ort, wo ich sie oft sehe. Wann immer ich sie dann bemerke, stoppe ich und lese einen Vers oder zwei oder ein Kapitel oder zwei oder sogar eine Stunde lang oder zwei. Das mache ich nicht als Vorbereitung für meine Predigt oder für mein Studium. Ich mache das ausschliesslich für meine geistliche Ernährung: die Bibel ist meine tägliche Nahrung.» Ich lehnte mich zurück und bemerkte hinter ihm seine geöffnete Bibel in einer Ecke seines Schreibtisches. Trotzdem war ich immer noch besorgt darüber, nicht alles erfasst zu haben, was für den «Durchschnittsgläubigen», der sich in seinem Alltag danach sehnt, kontinuierlich im Glauben dranzubleiben, umsetzbar ist. «Was tun Sie, wenn Sie einen oder zwei Tage verpassen?», fragte ich. Billy Graham neigte seinen Kopf und presste seine Lippen zusammen. «Oh, ich denke nicht, dass mir das jemals passiert ist», sagte er. «Ich sagte Ihnen bereits, dass dies meine geistliche Nahrung ist. Und Mahlzeiten verpasse ich ja auch nicht.» Jerry B. Jenkins in «Billy Graham - A Tribute from Friends»

• Billy Graham mit Globus. Globus und offene Bibel als Symbole des weltumspannenden Verkündigungsdienstes von Billy Graham.


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