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Zeitschrift der 端berkonfessionellen Bewegung Campus f端r Christus Schweiz

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Begegnung mit Muslimen


EDITORIAL begegnung mit muslimen | editorial

Editorial Gottes Partner werden Toleranz noch Scharfmacherei bringen uns weiter, sondern das Gebet, das Tun des ersten Schrittes und das Erwarten von Gottes Wirken in den Herzen – auch in den unseren!

• Peter Höhn

Kaum ein Tag vergeht ohne Schlagzeilen, die uns das angespannte Verhältnis zwischen westlicher und islamischer Welt vor Augen führen: Aufschrei über Papstrede in München, abgesetzte Mozartoper in Berlin, Minarettstreit in Wangen und Langenthal, Kreuzanhängerverbot und Kopftucherlaubnis beim Flugpersonal der British Airways, umstrittene Asylund Familiennachzugspraxis, Ehrenmorde. Und jede Meldung lässt Verunsicherung wachsen, schürt Ängste, erhärtet Vorurteile, polarisiert Meinungen, trennt Menschen. Wir kommen um das Thema wirklich nicht herum. Die Frage ist nur: Wie sehen konstruktive christliche Antworten auf diese Entwicklung aus? Wir haben in dieser Ausgabe versucht, solche zusammenzutragen. Sie zeigen eines: Es geht nicht ohne die schlichte, offene Begegnung von Mensch zu Mensch. Weder Rückzug noch falsche cz 4|06

Christen haben in dieser Zeit eine einmalige Chance und auch den Auftrag, Muslimen zu begegnen. Ein grosses Vorbild darin und eine riesige Hilfe im Zusammenstellen dieser Ausgabe war Dr. Andreas Maurer von der Organisation «Christen begegnen Muslimen». Er hat uns Kontakte vermittelt, sein Wissen zur Verfügung gestellt und uns an seinen

Wir hoffen, dass die eindrücklichen Lebensberichte und praktischen Anregungen in diesem Heft etwas ins Rollen bringen, auf dass unser Denken, unser Glaube und unsere Liebe zu den Menschen auf eine neue Ebene kommen. reichen Erfahrungen teilhaben lassen, die er selbst seit Jahren gesammelt hat. Entspannt, respektvoll, rückfragend, aber auch seines eigenen Glaubens sicher, sucht er den offenen Austausch mit Muslimen und leitet mit seinen Mitarbeitenden Kirchen und Gemeinden an, dasselbe zu wagen. «Muslime sind oft viel offener, über den Glauben zu reden, als viele Namenschristen», sagt Maurer und fügt an: «Der

Schlüssel zu den Herzen ist Wertschätzung, Zuhören und aufrichtiges Fragen.» Das bringe oft fast von alleine sehr viel

… dass Gott selbst Begegnungen initiiert, weil er die Korneliusse unter den Muslimen sieht und in ihrem Fragen nach der Wahrheit ernst nimmt. ins Rollen. Wir hoffen, dass die eindrücklichen Lebensberichte und praktischen Anregungen in diesem Heft auch bei unseren Leserinnen und Lesern sowie in unseren christlichen Gemeinden und Gruppen etwas ins Rollen bringen, auf dass unser Denken, unser Glaube und unsere Liebe zu den Menschen auf eine neue Ebene kommen. Es wäre wunderbar, wenn das, was schon da und dort zeichenhaft geschieht, in den nächsten Jahren massiv zunehmen würde: Dass es mit Christen und Muslimen zugeht wie damals mit Petrus und Kornelius in Apostelgeschichte 10. Dass Gott selbst Begegnungen initiiert, weil er die Korneliusse unter den Muslimen sieht und in ihrem Fragen nach der Wahrheit ernst nimmt. Damit diese Korneliusse Jesus begegnen können, braucht Gott jedoch Petrusse, menschliche Partner, die er von Vorurteilen befreien und als seine Botschafter senden kann. Geben wir ihm die Chance? Peter Höhn 3


BEGEGNUNG MIT MUSLIMEN

DER

EXPERTE

«Das Schweigen der Christen fordert Wie können Christen ihre Sprachlosigkeit gegenüber Muslimen Der Islamexperte und Buchautor Dr. theol. Andreas Maurer ruft Christen dazu auf, freundschaftliche Beziehungen zu Muslimen in ihrem Umfeld aufzubauen. Er rät, Anhänger des Islam nicht mit Argumenten zu konfrontieren und Aggressionen zu wecken, sondern sie mit Fragen dazu zu bringen, über ihr eigenes Leben und ihren Glauben nachzudenken. Im liebevollen Dialog könne eine Basis entstehen, das Evangelium zu erklären.

Manfred Kiener Christliches Zeugnis: Sie erklären Muslimen den christlichen Glauben. Wie sind Sie selber Christ geworden? Dr. Andreas Maurer: Ich war in der Lehre als Maschinenzeichner und fragte mich: «Was ist der Sinn des Lebens?» In jener Krise betete ich: «Gott, wenn du mir kein Fundament für mein Leben gibst, sehe ich keinen Sinn.» Mit siebzehn ging ich in ein CVJM-Lager auf dem Hasliberg. In diesem Lager mit Hans Bürgi hörte ich das Evangelium. Der Vers aus Johannes 14,6 hat bei mir eingeschlagen. Jesus sagt dort: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.» Ich redete mit Hans Bürgi und übergab mein Leben Jesus. Nach der Lehre und der Rekrutenschule folgte das Studium als Maschinenbau-Ingenieur in Rapperswil. Ich machte bei den Vereinigten Bibelgruppen (VBG) mit. Dort wuchs mein Glaube. Danach heiratete ich, und meine Frau und ich planten, auszuwandern. 4

sches Angebot mit einem Top-Lohn! Warum haben Sie sich für Südafrika entWenn ich es annehme, wird dies zu schieden? meiner Lebensaufgabe. Die Firma erEs war im Jahr 1975. Damals war eine wartete, dass ich mindestens zehn Auswanderung relativ einfach in die Jahre dort bleiben Länder Austrawürde. Als ich belien, Kanada Ich erkannte: Das ist ein fantete, wurde mir und Südafrika. tastisches Angebot mit einem aber klar: Gott Südafrika unTop-Lohn! Wenn ich es anmöchte, dass ich terbreitete uns nehme, wird dies zu meiner in die Mission das beste AngeLebensaufgabe. gehe. Ich teilte bot. Weil mein meinem Chef mit, ich würde kündigen Beruf als Ingenieur gefragt war, beund danach eine Bibelschule in Engzahlte uns die Regierung die halben land besuchen. Er hielt mich für verFlugkosten und eine Hotelunterkunft, rückt und meinte: «Du machst das in bis ich Arbeit hatte. deinem jugendlichen Leichtsinn. Dann geh eben! Wenn du in einem halben Weshalb sind Sie nicht auf Ihrem Beruf Jahr zurückkommen möchtest, steht und in Südafrika geblieben? das Angebot noch.» Das verblüffte Wir wollten eine Familie gründen, und mich. In Winterthur alles aufzugeben, ich wollte mich beruflich weiterbilwar ein Kampf. Damals hatten wir beden. Deshalb reisten wir zurück in die reits zwei Söhne und waren neu auf Schweiz. Ich arbeitete fünf Jahre im einen Spendenkreis angewiesen. Forschungsteam Maschinenbau bei Rieter in Winterthur. Dort gefiel es mir Wie kam es dazu, dass Sie sich für die sehr gut. Mein Chef bot mir sogar an, Begegnung zwischen Christen und mit anderen Schweizer Ingenieuren in Muslimen einsetzen? Amerika eine Tochterfirma aufzubauIm zweiten Jahr bot die Bibelschule in en. Ich erkannte: Das ist ein fantasticz 4|06


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mich heraus» überwinden? England einen Jahreskurs zum Thema Islam an. Am Schluss erwartete uns eine schwierige Cambridge-Prüfung, die von islamischen Professoren korrigiert wurde. Als ich diese bestanden hatte, meinte der Schuldirektor zu mir: «Andreas, ist das nicht ein Zeichen Gottes?» Ich verspürte tatsächlich den Ruf, unter Muslimen zu arbeiten. Missionare baten uns, nach Südafrika zurückzukehren. Wie sind Sie in Südafrika vorgegangen? In Kapstadt, wo viele Muslime leben, schlossen wir uns einem Team christlicher Missionare an. Wir motivierten Christen für die Begegnung mit Muslimen und bildeten sie aus. Ich lehrte in Kirchen und Jugendgruppen und veranstaltete zweiwöchige Kurse für junge Christen. Morgens studierten wir die Grundlagen des Islam sowie die Bibel. Nachmittags setzten wir das Gelernte praktisch um. Wir sprachen mit Muslimen auf Strassen, öffentlichen Plätzen, in Häusern und Moscheen. Die Schulungsunterlagen in englischer Sprache stellte ich mit Hilfe des Teams selber her. Christen sollten die Angstschwelle überwinden und selbstsicherer werden, um mit Muslimen reden zu können. Andererseits bauten wir persönlich ebenfalls Beziehungen zu Muslimen auf. Wir veranstalteten Diskussionstreffen zwischen cz 4|06

• Der Islamexperte und Buchautor Dr. theol. Andreas Maurer

Wer gegenüber Muslimen mit Argumenten auftritt, bewirkt oft Aggressionen. Es ist besser, Fragen zu stellen wie: «Warum sagst du das, wo steht das im Koran?» Dann muss mein Gegenüber das selber nachlesen. Das hat er oder sie vorher vielleicht noch nie getan. So setze ich einen Denkprozess in Gang, der wirkungsvoller ist, als wenn ich die Person mit Argumenten in die Ecke dränge.

Muslimen und Christen. Daneben bildete ich mich weiter, unterrichtete Islamkunde an Bibelschulen und aktualisierte laufend die Studienmaterialien für Christen.

antworten zu können. Ich dachte, ich schweige wohl besser.» Das Schweigen der Christen fordert mich heraus. Wie können Christen Basiswissen über den Islam erwerben und die Bibel besser kennen lernen, um mutig Muslimen Fragen zu stellen? Christen sollten fähig sind, Kontakte zu knüpfen und Muslimen Fragen zu stellen, gut hinzuhören und wieder Fragen zu stellen. Das ist eine einfache und erprobte Methode. So fordern sie Muslime durch Fragen heraus, über ihren Glauben nachzudenken. Natürlich müssen sich Christen im Selbststudium etwas vorbereiten. Wer gegenüber Muslimen mit Argumenten auftritt, bewirkt

Viele Christen in der Schweiz pflegen kaum Kontakte zu Muslimen und zögern, solche Beziehungen aufzubauen. Dieses Problem habe ich in der Schweiz und weltweit gesehen. Bis heute erzählen mir Christen: «Ich bin einem Muslim begegnet, und wir redeten miteinander. Aber ich wusste zu wenig über den Islam. Ich hatte keine Ahnung, was ich sagen sollte. Zudem kenne ich die Bibel zu wenig, um 5


oft Aggressionen. Es ist besser, Fragen zu stellen wie: «Warum sagst du das, wo steht das im Koran?» Dann muss mein Gegenüber das selber nachlesen. Das hat er oder sie vorher vielleicht noch nie getan. So setze ich einen Denkprozess in Gang, der wirkungsvoller ist, als wenn ich die Person mit Argumenten in die Ecke dränge. Ich will Christen dazu anregen, einfache Fragen zu stellen und eine Freundschaft aufzubauen. Danach kann ich Schritt für Schritt überlegen: Wie kann ich diesem Muslim einfach das Evangelium erklären? Sie pflegen regelmässige Beziehungen zu Muslimen und kennen viele persönlich. Wie treten Sie heute in der Schweiz in Kontakt mit Muslimen? Als ich vor sieben Jahren in die Schweiz zurückkehrte, hatte ich keine Kontakte. Ich begann, im Zürcher Oberland und in der Stadt Zürich Moscheeleiter (Imame) anzurufen und mich mit ihnen in der Moschee zu treffen. Ich schilderte vor Ort, wie ich heisse, woher ich komme, wo ich wohne und in welche Kirche ich gehe. Ich begründete meinen Besuch: «Ich möchte dazu beitragen, dass Christen und Muslime besseren Kontakt haben. Ich möchte die Zusammenarbeit fördern. Ich bin interessiert, was Sie als Muslime in der Moschee alles machen. Welche Ihrer Veranstaltungen kann ich als Christ besuchen?» Das muss man fragen, weil jede Moschee wieder anders ist. Die Imame reagierten meist positiv und sagten: 6

Die Imame reagierten meist positiv und sagten: «Das wollen wir auch. Wir wollen ebenfalls besseren Kontakt zu Schweizern.» Das ist ein Bedürfnis der Muslime. Das Problem ist, dass die Schweizer meistens Angst haben und sich distanzieren.

«Das wollen wir auch. Wir wollen ebenfalls besseren Kontakt zu Schweizern.» Das ist ein Bedürfnis der Muslime. Das Problem ist, dass die Schweizer meistens Angst haben und sich distanzieren. Ich komme als Schweizer in die Moschee, bemühe mich und sage, dass ich interessiert bin. Ich sage zum Imam: «Mich interessiert, was ihr glaubt und was ihr hier tut. Ich nehme gerne an einer Veranstaltung teil, um von euch zu lernen.» Ich lege Wert darauf, dass ein Dialog entsteht, und betone immer: «Ich bin als Christ gerne bereit, euch zu erklären, was ich unter der Wahrheit verstehe.» Sie sollen von Anfang an wissen: Wenn mich ein Muslim in der Moschee fragt, was ich mache und glaube, nehme ich klar Stellung. Das habe ich anfangs klargestellt. Nicht, dass sie mir nachher vorwerfen, ich käme in die Moschee, um zu evangelisieren. Der Imam reagierte in vielen Fällen positiv und sagte: «Schau, hier sind die Öffnungszeiten, du kannst in die Bibliothek kommen und Bücher lesen, dort beten wir usw.» So entstehen viele Kontakte. Ich gehe beispielsweise an einem Freitag in eine Moschee in Zürich, setze mich dort in die Bibliothek

und lese ein Buch. Muslime gehen ein und aus und sehen mich. Sie fragen, was ich mache, warum ich das lese, und wir kommen ins Gespräch. Bald spricht sich in der Moschee herum, wer ich bin. Muslime kommen auf mich zu und stellen Fragen über den Glauben und die Bibel, weil sie wissen, dass ich Christ bin. Im Alltagsleben hören sie Dinge über das Christentum und wissen nicht, was das ist. Sie kommen zu mir, fragen mich und laden mich zu sich nach Hause ein.

Was erleben Sie bei solchen Begegnungen? Ein Muslim kam in Zürich auf mich zu, weil er mich schon etwas kannte. Er traute sich aber in der Moschee nicht, mit mir länger zu sprechen. Er gab mir seine Visitenkarte und wünschte: «Ich möchte Sie gerne an einem neutralen Ort treffen. Von Mann zu Mann.» Ich habe ihn inzwischen dreimal getroffen. Die ersten beiden Male wollte er mich vom Islam überzeugen. Jedes Mal redete er zwei Stunden mit Begeisterung. Ich zeigte Interesse, hörte zu und stellte Fragen, einfache Fragen. Sie haben nicht zuerst Ihren Glauben verteidigt? Nein! Weil ich den Islam etwas kenne, konnte ich treffende Fragen stellen. Fragen, die ihn zum Nachdenken anregten. Bei unserem dritten Treffen cz 4|06


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• Dr. Andreas Maurer: «Gott scheint in der Schweiz vor allem durch Christen zu wirken. Durch Christen, die den Mut erhalten, mit Muslimen zu reden, für sie da zu sein, Zeit zu investieren und ihnen Literatur zu geben..»

forderte er mich auf: «Andreas, jetzt erzähle du mir mal etwas über die Bibel.» Ich fragte: «Wie lange?» – «Eine Stunde», war die Antwort. Ich schilderte ihm den Aufbau des Alten und Neuen Testaments. Ich sprach über den Inhalt der Bibel und das Opfer von Abraham. Abraham kennen die Muslime

Mein Freund fragte mich direkt: «Andreas, was denkst du über Mohammed und den Koran?» Ich dachte: «Jetzt wird es heiss.» aus dem Koran. Darauf habe ich aufgebaut und anhand der Bibel erklärt: Jesus ist das perfekte Opfer im Neuen Testament. Mein Gesprächspartner hörte aufmerksam zu und fragte mich am Schluss direkt: «Andreas, was denkst du über Mohammed und den Koran?» Ich dachte: «Jetzt wird es heiss.» Ich zögerte und fragte mich, wie ich das meinem Freund sagen sollte. Dieser bemerkte meine Unsicherheit und bat: «Bitte sag mir die Wahrheit!» In dieser Situation war es gut, dass ich als Christ Bescheid wusste über die Biographie Mohammeds und die Entstehung des Koran. So konnte ich ihm vieles sachlich und liebevoll erklären. Ich werde nie vergessen, was er am Schluss sagte: «Andreas, danke, dass du mir das gesagt hast. Ich verstehe jetzt besser, dass es im Islam auch Probleme gibt.» Ich merkte: Nun beginnt es zu arbeiten in seinem Verstand und zu wirken in seinem Herzen. cz 4|06

Diese schulen wir intensiver. Diese Gruppe beginnt zu beten und überlegt sich: Wie können wir an unserem Ort Muslime erreichen? Was ist angebracht? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich schlage vor: «Besucht doch mal die Muslime und redet mit ihnen. Fragt sie, wie ihr euch treffen könnt.» Die Gemeinde könnte die Moschee besuchen oder den islamischen Verein in die Gemeinde einladen. Man kann einen Büchertisch aufstellen oder Kalender verschenken. Jede Gemeinde soll initiativ werden. Man soll beten, aber auch aktiv werden und etwas versuchen, etwas wagen. Wenn Muslime interessiert sind und konvertieren, sorgt die Initiativgruppe für sie. Sie schaut, dass die Neubekehrten passende Bibelkurse erhalten und in die Gemeinde eingegliedert werden. Die Initiativgruppe hat jedoch auch die Aufgabe, Christen, die zum Islam konvertieren wollen, zu informieren und zu fragen: «Wollt ihr diesen Schritt wirklich tun? Wisst ihr, was der Islam ist? Oder was die Scharia ist? Lest doch mal dieses Buch. Wir beraten euch gerne.»

Muslime scheinen weitgehend unter sich zu bleiben. Was wünschen sie sich, welche Bedürfnisse haben sie? Wir haben in unserem Ort mit Treffen zwischen Christen und Muslimen angefangen. Ich schlug dem islamischen Verein solche Gespräche vor, und ein Muslim meinte darauf: «Das ist eine gute Sache; aber warum kommt ihr erst jetzt? Wir sind schon seit über zwanzig Jahren in diesem Ort, und noch nie ist ein Schweizer oder ein Christ zu uns in die Moschee gekommen.» Ich sagte, dass sie Recht hätten – und das sei wirklich traurig. Andererseits könne ich ihn fragen, warum sie nie zu uns gekommen seien und ihre Wünsche genannt hätten. Das zeigt, wie wir einfach aneinander vorbeileben. Begegnungen werden von muslimischer Seite gewünscht. Aber es gibt Angst auf beiden Seiten. Man kennt einander nicht und hat Vorurteile. Was empfehlen Sie Kirchen oder Freikirchen, die mit Muslimen in ihrem Gebiet in Kontakt treten wollen? Unsere Organisation setzt die Vision um, Initiativgruppen für die Begegnung mit Muslimen in den Gemeinden aufzubauen. Wir beginnen in der Regel mit einem eintägigen Islamseminar für die ganze Gemeinde, damit alle informiert werden und anfangen, für Muslime zu beten. Gebetsrückhalt ist sehr wichtig. Mit Personen aus der Gemeinde, die ein Herz für Muslime haben, bilden wir darauf eine Initiativgruppe von fünf bis zehn Personen.

Wie finden Muslime in der Schweiz zum christlichen Glauben? Geschieht es durch Fernsehsendungen, Bücher oder persönliche Kontakte? Gott scheint in der Schweiz vor allem durch Christen zu wirken. Durch Christen, die den Mut erhalten, mit Muslimen zu reden, für sie da zu sein, Zeit zu investieren und ihnen Literatur zu geben. 7


K O M M T «Warum kommt ihr erst jetzt?» Begegnungen zwischen Christen und Muslimen in Tann-Rüti Auf Initiative des Islamexperten Dr. theol. Andreas Maurer treffen sich in Tann-Rüti seit bald zwei Jahren Christen der Evangelischen Allianz mit Muslimen der türkisch-islamischen Gemeinschaft zu Begegnungsgesprächen. Ziel dieser Anlässe ist es, eine Plattform zu schaffen, um Beziehungen zu knüpfen und Vertrauen zu bilden.

Manfred Kiener

• Der islamische Gebetsraum in Rüti. Rund vierzig Erwachsene sowie eine Handvoll Kinder sind anwesend.

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Ich stehe an einem Freitagabend im Juni 2006 im Zentrum von Rüti im Zürcher Oberland und suche die Moschee. Schliesslich finde ich unweit von Coop und Migros an der Bandwiesstrasse 4 neben den Ex-libris-Schaufenstern ein kleines Schild: Türkisch-islamische Gemeinschaft. Mit dem Lift fahre ich ins dritte Stockwerk im Dachgeschoss. Wie ich aus dem Lift komme, blicke ich links durch eine offene Türe in einen Raum. Links neben der Türe steht ein Schuhgestell. Ich ziehe meine Schuhe aus und betrete in Socken den mit weichen Teppichen ausgelegten islamischen Gebetsraum. Erhellt wird der Raum durch das Tageslicht, das durch einige Dachlukarnen fällt, sowie durch einige Lampen. Rund vierzig Erwachsene sowie eine Handvoll Kinder sind anwesend. Links im hinteren Teil des Raumes sitzen Frauen und Kinder am Boden. Rechts von hinten bis zur Mitte sitzen und stehen Männer. Zwei von ihnen stellen sich mir als Kemal und Murat vor. Der etwa 35-jährige Murat ist Präsident des türkisch-islamischen Vereins. Er heisst mich in Schweizerdeutsch cz 4|06


begegnung mit muslimen | warum kommt ihr …

• Kemal (links), übersetzte den Imam bei der Begrüssung.

Der Ablauf dieses «Treffens für besseres Verständnis»: Der Imam wird eine halbe Stunde über Gebet und Fasten im Koran sprechen. Andreas Maurer selber wird gleich lange Gebet und Fasten anhand der Bibel beleuchten.

willkommen und stellt mir den Imam in offenem Hemd und schwarzem Kittel vor, der leider nur Türkisch verstehe. Der etwa 13-jährige Sohn des Imams übersetzt seinem Vater meine Frage, ob ich im Raum fotografieren dürfe. Der Imam nickt. Auch Andreas Maurer kommt auf mich zu und stellt mir Jörg Forrer vor, den Prediger der Chrischona-Gemeinde Rüti. Ich schaue mich im Raum unter dem Satteldach um. «Hier befand sich früher die örtliche Gemeinde für Urchristentum», berichtet Jörg Forrer. Doch die habe sich leider vor einiger Zeit aufgelöst. Kemal, ein Vertreter der türkisch-islamischen Gemeinschaft begrüsst die Gäste cz 4|06

• Kemal und Andreas Maurer im Gespräch

auf Schweizerdeutsch. Nun knien zwei Teenager, ein Junge und ein Mädchen, vorne in der Mitte auf den Teppich. Zusammen singen sie ohne Instrumente ein türkisches Lied mit zahlreichen Strophen ins Mikrofon. Die Texte werden uns nicht übersetzt, doch das Lied heisse «Dank an Gott». Andreas Maurer dankt für den warmen Willkomm. Er schildert den Ablauf dieses «Treffens für besseres Verständnis»: Der Imam werde eine halbe Stunde über Gebet und Fasten im Koran sprechen. Er selber werde gleich lange Gebet und Fasten anhand der Bibel beleuchten. Anschliessend blieben noch dreissig Minuten, um Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Von der Reformierten Kirche schallt das ZwanzigUhr-Geläut herüber. Die Zuhörenden erhalten weisse Kärtchen und einen Bleistift, um die während der Vorträge auftauchenden Fragen zu notieren. Andreas Maurer schildert in seinem Vortrag die Gebete im Alten sowie im Neuen Testament. Deutlich wird: Christen finden bei Gott zu jeder Zeit ein offenes

Ohr. Es geht letztlich um eine Beziehung zu Gott, der die Menschen liebt, um ein Gespräch mit ihm. Es kommt weder auf eine bestimmte Sprache noch auf ein bestimmtes Ritual oder auf eine gewisse Körperhaltung an. Maurer belegt seine Ausführungen mit zahlreichen Bibelversen. Der Imam schildert anschliessend die Vorschriften rund um die Gebete im Islam. Der Junge übersetzt seinen Vater. Um rein zu werden für das Gebet in Richtung Mekka, müssen sich Muslime die Hände, die Arme bis zu den Ellenbogen sowie das Gesicht waschen. Der Imam schildert weiter die Kleidervorschriften und die Körperhaltungen während der Gebete. Nach den Referaten gehen die Redner auf die schriftlich eingereichten Fragen ein. Zum gemütlichen Teil des Abends lädt die Moscheeleitung alle in den Essraum im ersten Stock des Gebäudes ein. Bei türkischen Dessertspezialitäten, starkem türkischem Kaffee sowie Mineralwasser lernen sich die Anwesenden besser kennen. Im Gespräch meint Murat zu Andreas Maurer: «Du kennst den Koran ja besser als ich.» 9


• Zum gemütlichen Teil des Abends lädt die Moscheeleitung alle in den Essraum im ersten Stock des Gebäudes ein. Bei türkischen Dessertspezialitäten, starkem türkischem Kaffee sowie Mineralwasser lernen sich die Anwesenden besser kennen.

Der Chrischona-Prediger Jörg Forrer zieht nach den bisherigen acht Treffen der letzten beiden Jahre positive Bilanz. Nach der ersten Anfrage bei den Muslimen, ob sie an solchen Treffen für besseres Verständnis interessiert seien, meinte ein Muslim: «Jetzt leben wir seit 25 Jahren in Rüti. Warum kommt ihr erst jetzt?» Diese Frage habe ihm zu denken

Vorbereitung der Treffen habe die Evangelische Allianz Tann-Rüti Interessierte zu drei Abenden mit Andreas Maurer eingeladen. «Er vermittelte uns Basiswissen über den Islam. Die Abende waren recht gut besucht.» Darauf sei eine Initiativgruppe von etwa sieben Personen entstanden, welche die Treffen vorbereitet und dafür gebetet hätten.

«Das Ziel, Muslime und Christen in Tann-Rüti zusammenzubringen, das haben wir erreicht.»

Andreas Maurer meint rückblickend zu den Treffen: «Das Ziel, Christen und Muslime in Tann-Rüti zusammenzubringen, das haben wir erreicht.» Christen hätten Muslime getroffen und die Moschee von innen gesehen, und Muslime hätten die Räume der Chrischona-Gemeinde sowie der Kirche betreten. «Insgesamt haben wir Begegnungen im Dorf gefördert. Es sind sogar neue Freundschaften entstanden.» Alle Beteiligten seien angeregt worden, über die Themen weiter nachzudenken. «Ab und zu stellt mir ein Muslim wieder eine Frage im Dorf.» Leider habe sich die Reformierte Landeskirche nach den ersten vier Treffen aufgrund eines Pfarrerwechsels aus der Initiativgruppe zurückgezogen. «Nach den ersten vier Treffen 2005 wollten wir Christen pausieren, doch Vertreter der türkisch-islami-

gegeben. An den Treffen selber tasteten sich Christen und Muslime zuerst etwas ab. Mittlerweile habe man sich kennengelernt, Beziehungen und Kontakte seien entstanden, und man grüsse sich auf der Strasse. «Um mehr über den Islam zu erfahren, lese ich jetzt selber den Koran einmal durch. So kann ich in Diskussionen kompetenter Auskunft geben.» Jugendliche aus muslimischen Familien würden ab und zu den Teenagerclub besuchen, den er leite, berichtet Jörg Forrer. «Da ist es hilfreich, wenn ich sagen kann: Ich war auch schon bei euch in der Moschee, und ich kenne deine Eltern.» Zur 10

schen Gemeinschaft wünschten weitere Begegnungen. Das freute uns!» So hätten sie sich in diesem Jahr wieder zu drei Vortrags- und Frageabenden sowie zu einem reinen Diskussionsabend getroffen. «Im November werden wir wieder mit den Muslimen sprechen und gemeinsam entscheiden, wie und ob es 2007 weitergehen wird.»

T h e m e n Themen der Begegnungsabende: 29. April 2005: Bibel/Koran – Inspiration, Ursprung, Entstehung 27. Mai 2005: Einheit/Gottesbild – in Bibel/Koran 26. August 2005: Die Beziehung des Menschen zu Gott 18. November 2005: Was ist Sünde, und wie gelangt man in den Himmel? 21. April 2006: Entstehung des Islam/ Christentum 9. Juni 2006: Gebet und Fasten in Christentum/Islam 8. September 2006: Jesus und Mohammed in Koran/Bibel cz 4|06


begegnung mit muslimen | warum kommt ihr …

praktisch umsetzen? Christlich-muslimische Begegnungsabende Um Begegnungen praktisch umzusetzen, schlägt Andreas Maurer folgendes Vorgehen vor: Ein Vertreter von «Christen begegnen Muslimen» (CM) stellt einer Kirche oder Gemeinde das Projekt vor. Anschliessend können die Verantwortlichen entscheiden, ob sie mit einem Basisseminar weiterfahren wollen. Ein Basisseminar von CM an einem Tag oder an drei Abenden vermittelt den Gemeindegliedern Fakten und Informationen. Sie können Zweck und Ziele des Projekts erkennen.

Gewinn für die Gemeinde • Die Gemeinde erhält eine ausgewogene missionarische Sicht für die Muslime. • Die ganze Gemeinde wird motiviert, für die Muslime zu beten. • Christen verlieren die Angst, Muslimen zu begegnen, und können ein wirkungsvolleres Zeugnis sein. Es entstehen vermehrt Kontakte zu Muslimen in der Nachbarschaft. • Christen lernen die Bibel besser kennen. Sie können den Glauben thematisieren und umsetzen. • Die erworbenen Grundkenntnisse über den Islam erlauben es den Christen, Aussagen der Muslime besser einzuordnen und gute Fragen zu stellen.

Aufbau einer Initiativgruppe • Eine kleinere Gruppe von Christen, die sich für diese Aufgabe berufen weiss, wird spezifisch geschult. • Themen zu Islam und Christentum werden vertieft. • Diese Gruppe wird gut ausgebildet und leitet die Begegnungen mit Muslimen am Ort fachkundig. • Die Initiativgruppe koordiniert praktische Einsätze (zum Beispiel Moscheenbesuche, Bücherstand, Kalenderaktion, Begegnungen jeder Art). • Die Gruppe informiert in der Gemeinde regelmässig und fördert das Gebet für das Projekt. • Für Muslime, die sich für das Evangelium interessieren, bietet die Initiativgruppe spezielle Bibelkurse an. • Konvertiten erhalten Betreuung durch die Initiativgruppe und werden liebevoll in die Gemeinde integriert.

Zur Person Dr. theol. Andreas Maurer, verheiratet, drei Söhne, studierte zuerst Maschinenbauingenieur. Seine theologischen Studien in England und Südafrika mit dem Schwerpunkt «Christentum und Islam» schloss er mit der Promotion an der Universität Pretoria ab. Von 1984 bis 1999 wirkte er mit der Schweizerischen Missions-Gemeinschaft (SMG) im südlichen Afrika. Er setzte sich dort für die Begegnung zwischen Christen und Muslimen ein. Seit 1999 arbeitet er als Lehrbeauftragter von «Christen begegnen Muslimen» in der Schweiz. Seit 2000 ist Maurer zudem wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Islamfragen (IfI Schweiz; Kontakt: ifi.schweiz@gmx.ch).

Kontakt und Weiterbildung • CM unterhält ein Netzwerk für ständige Information, Anleitung und Weiterbildung. • CM fördert den Austausch von Erfahrungen unter den Gemeinden. • CM fördert gemeinsame Aktionen und Einsätze.

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W I S S E N Was Christen über den Islam wissen sollten Ein Überblick Der Islam ist keine Religion im westlichen Sinne, keine rein individuelle, persönliche Weltanschauung und Kultausübung, sondern eine Religion, die über Familien, Sippen und Völkern steht und alle Lebensbereiche der Anhänger bestimmt.

Brigitte Eggmann Die folgenden Ausführungen geben einen knappen Einblick in das Leben Mohammeds sowie in die Lehre des Islam und zeigen die wichtigsten Unterschiede zum Christentum auf. Ein separater Abschnitt zeigt die Motive, warum sich jemand zum Christentum oder zum Islam bekehrt. Wer sich umfassender informieren möchte, sei auf die Quellen am Ende dieses Artikels und die Literaturliste ab Seite 66 verwiesen.

Mohammed Es gibt so gut wie keine unabhängigen zeitgenössischen Quellen zu Mohammeds Leben und Wirken. Fast alles, was über das Leben dieses Mannes berichtet wird, stammt aus Quellen, die ihn entweder als Verkünder einer göttlichen Botschaft preisen oder als Verführer ablehnen. Mohammed wird im Jahr 570 n. Chr. in Mekka geboren. Noch vor seiner Geburt stirbt sein Vater, seine Mutter verliert er, als er sechs Jahre alt ist. Ein Grossvater 12

und später ein Onkel übernehmen seine Erziehung. Er wird zuerst Schafhirte,dann Kaufmann. Mit fünfundzwanzig Jahren heiratet er eine fünfzehn Jahre ältere Witwe. Mit vierzig Jahren zieht er sich wiederholt in eine Höhle am Berg Hira bei Mekka zurück, um zu meditieren. Während solcher Meditationen soll es gewesen sein, dass Mohammed seine erste Vision und damit seine Berufung zum Propheten empfängt. Diese Visionen werden angeblich durch den Engel Gabriel, im Koran «Dschibril», übermittelt. Da die Botschaften dieses Engels nicht mit der Bibel übereinstimmen, kann es nicht derselbe Engel gewesen sein, der Maria die Geburt Jesu ankündigte. Die Visionen wiederholen sich an mehreren Orten und in verschiedenen Situationen. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratet Mohammed noch weitere Frauen, unter ihnen ein Mädchen, das erst neun Jahre alt ist, als er mit ihr die Ehe vollzieht. Die zentrale Lehre von Mohammeds Verkündigung – dass es nur einen Gott, Allah, gebe und man verpflichtet sei,

sich ihm zu unterwerfen – weckt Widerstand. Seine Reden gegen den Götzendienst gefährden den florierenden Handel mit den Götzenstatuen. Aufgrund der wachsenden Verfolgung wandert Mohammed um 622 n. Chr. mit seinen etwa achtzig Gefolgsleuten nach Medina aus. Dort ist er nicht mehr der verfolgte Prediger, sondern wird zu einem einflussreichen Führer der Stadtbevölkerung. Vorerst ist Mohammed überzeugt, dass sich sein Glaube mit den Überzeugungen der Juden und Christen decke, und sucht die Unterstützung der örtlichen jüdischen Gemeinden. Weil er ihnen keine Beweise liefern kann, ein wahrer Prophet Gottes zu sein, weigern sie sich, Mohammeds Anhänger zu werden. In der Folge grenzt Mohammed den Islam von den beiden anderen monotheistischen Religionen ab. Acht Jahre später kehrt er mit vielen muslimischen Anhängern und Kriegern nach Mekka zurück. Ohne einen Nachfolger bestimmt zu haben, stirbt Mohammed 62-jährig in Medina.

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begegnung vom glauben mit muslimen reden | | was freude christen am …über …

Jerusalem

Medina Mekka

Karte:

Lehre des Islam Die Lehrauffassungen zwischen den islamischen Gruppierungen können sehr verschieden sein. Es ist ratsam, Muslime direkt über ihre individuellen Glaubensauffassungen und Interpretation zu befragen. Diese können von den hier vorliegenden Ausführungen abweichen, die der orthodoxen sunnitischen Lehre folgen. Der Islam ist in Saudi-Arabien entstanden. In der Zeit vor Mohammed (vor 570 n. Chr.) grenzte die arabische Halbinsel an das Byzantinische und das sassanidische Reich der Perser und wurde beeinflusst und miteinbezogen in den Machtkampf beider Reiche. Auf der Karawanenstrasse entlang des Roten Meers blühte der Handel, aber es herrschten auch soziale Ungerechtigkeit und Missstände: Für einen Mann war es eine Schande, wenn er viele Töchter hatte. Deshalb wurden Mädchen nach ihrer Geburt oft lebendig begraben. Der Stärkere war im Recht, und Blutrache gehörte zum Alltag. Das gesellschaftliche Leben der Araber in dieser vorislamischen Zeit war geprägt vom Stammesdenken. cz 4|06

Animismus bestimmte das Glaubensleben, Gegenstände der Natur und des menschlichen Gebrauchs galten als beseelt bzw. göttlich. Es herrschte nur eine vage Vorstellung von einem über allem stehenden Gott. Dem Stamm der Koreischiten, dem auch Mohammed angehörte, gelang es in den Jahren von etwa 550 bis 600 n. Chr., den animistischen Kult auf Mekka zu zentralisieren. Seit der Vertreibung aus Israel durch die Römer im Jahre 135 n. Chr. lebten auch viele Juden im Westteil der arabischen Halbinsel. Sie waren im Handel tätig, betrieben Landwirtschaft und stellten Waffen her. Sie glaubten an den einen Gott und besassen ein eigenes Buch, die Thora. Das war ein Grund, warum Mohammed zur Überzeugung gelangte, dass auch sein Volk ein eigenes Buch Gottes benötige. Neben Judenchristen begegnete Mohammed vor allem Christen aus Äthiopien und Syrien. Auch die Christen hatten wie die Juden ein «Buch Gottes» als Grundlage ihrer Religion.

Das Wort «Islam» tauchte zum ersten Mal auf, als Mohammed von Mekka nach Medina auswanderte. Es gab der ganzen Bewegung ihren Namen, denn Islam heisst «Unterwerfung» oder «Ergebung». Durch Eroberungen breitete sich der Islam in den folgenden Jahrhunderten von Saudi-Arabien über Ägypten bis nach Spanien und Zentralasien aus. Die iranische Revolution im Jahr 1979/80 hat bei vielen Muslimen ein neues Selbstbewusstsein und einen neuen Eifer für die Verbreitung des Islam bewirkt. In Europa ist der Islam zur zweitgrössten Religionsgemeinschaft geworden. In Grossbritannien und Frankreich ist die Anwesenheit der islamischen Bevölkerung vor allem auf Einwanderungen aus den ehemaligen Kolonien zurückzuführen, in Deutschland auf die Arbeitsmigration aus der Türkei und in der Schweiz zur Hauptsache auf die Zuwanderung infolge der Balkankriege der neunziger Jahre. Heute leben in der Schweiz rund 350 000 Muslime.

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Zu den Schriften im Islam

Der Koran

Hadith und Sunna

Der Koran wird erst etwa zwanzig Jahre nach Mohammeds Tod schriftlich fixiert und stellt die Basis des Glaubens, Denkens und Redens sowie der Gesetzgebung dar.

Zu Mohammeds Lebzeiten wurden Lebensfragen vielfach anhand seiner Visionen gelöst. Mit seinem Tod hörten diese Visionen auf. Wie sollen sich Muslime nun in neuen Lebenssituationen «islamisch korrekt» verhalten? Für gläubige Muslime ist klar, dass nur die Lebensweise ihres Propheten und die von ihm gebilligten Handlungen seiner Zeitgenossen als Vorbild gelten dürfen.

Für Muslime ist er die «verehrte Schrift» und die letzte und endgültige Mitteilung Allahs an die Menschheit. Muslime sind überzeugt, dass der Koran alle früheren Offenbarungen und heiligen Bücher, also auch das Alte und Neue Testament, sowohl bestätigt als auch ersetzt. Er ist hauptsächlich in poetischem Stil geschrieben, nicht selten in direkter Rede verfasst und etwas kürzer als das Neue Testament. Auf eine Besonderheit im Koran sei hingewiesen: Im Widerspruch zum Selbstverständnis des Koran, dass das Wort Allahs nicht verändert werden könne, lehrt die dogmatische Theologie der Muslime, dass frühere Verse durch Offenbarung späterer in ihrer Gültigkeit aufgehoben werden. Mit diesem Prinzip der Abrogation werden sowohl Unterschiede zwischen Koran und Offenbarungen früherer Propheten als auch Widersprüche innerhalb des Koran erklärt. 14

So beginnen islamische Gelehrte nach Mohammeds Tod, überlieferte Begebenheiten und Sprüche, die nicht im Koran stehen, zu sammeln und aufzuschreiben. Die Bedeutung dieser überlieferten Erzählungen (Hadith) und Handlungen (Sunna) nimmt im Laufe der Zeit stark zu, so dass sie für viele Muslime heute den gleichen Stellenwert haben wie der Koran selbst. Zwischen verschiedenen islamischen Gruppierungen bestehen unterschiedliche Auslegungen der Hadith, was immer wieder zu Auseinandersetzungen und Spannungen zwischen den einzelnen Gruppen führt. In der praktischen Anwendung des religiösen Gesetzes, der Scharia, werden alle Verhaltensweisen des täglichen Lebens

geregelt. So zum Beispiel Heirat, Speisevorschriften, Gebetshaltung oder Strafverfahren. Die Scharia beeinflusst nicht nur die Privatsphäre der Gläubigen, sondern zielt zusätzlich darauf, dass eine ganze Gesellschaft sie anerkennt und danach lebt. cz 4|06


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Glaubensartikel und Pflichten Die islamische Theologie formuliert sehr präzis, was die Anhänger glauben und tun sollen. So beinhaltet die Lehre über den Glauben «sechs Artikel» und die Religionspraxis «fünf Pflichten».

Will ein Muslim als rechtgläubig gelten, muss er fünf Pflichten ausüben. Im Volksmund heissen sie auch «Die fünf Pfeiler» oder «Die fünf Säulen des Islam»:

Die sechs Artikel

Die fünf Pflichten

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3.

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6.

Es gibt nur einen wahren und alleinigen Gott (Allah), neben dem es keinen anderen gibt. Es gibt eine unbekannte Anzahl von Engeln mit unterschiedlichen Funktionen. Der Teufel heisst Schaitan und ist ein gefallener Engel, Dschinnen sind Wesen, die zwischen den Engeln und den Menschen stehen und entweder gut oder böse sind. Allah hat viele Offenbarungen an verschiedene Propheten geschickt. Nach muslimischer Auffassung sind Thora, Psalmen und Evangelium von Juden und Christen gefälscht. Nur der Koran ist authentisch und daher allen anderen Büchern überlegen. Laut Hadith gibt es etwa 124 000 Propheten. Der letzte und grösste aller Propheten ist Mohammed. Der Jüngste Tag ist der Tag des Gerichts und der Auferstehung, an dem aufgrund der Werke bestimmt wird, wer in das Paradies und wer in die Hölle kommt. Wer Allah und Mohammed gehorsam nachfolgte, wird in das islamische Paradies aufgenommen, ist sich dessen aber nie ganz sicher. Der Koran lehrt die allumfassende göttliche Vorherbestimmung aller Geschehnisse auf der Welt. Die Frage nach dem Mass der menschlichen Willensfreiheit oder der göttlichen Vorbestimmung wurde vor allem in den ersten drei Jahrhunderten des Islam heftig diskutiert.

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Das Glaubensbekenntnis: «Ich bezeuge, dass es keinen anderen Gott gibt ausser Allah und dass Mohammed der Gesandte Allahs ist.» Dieser Satz, mit der Absicht, sich als Muslim zu bekennen, und in der Gegenwart zweier Zeugen nachgesprochen, macht eine Person unwiderruflich zum Muslim. Das Bekenntnis wird bei den fünf täglichen rituellen Gebeten häufig wiederholt und ist der wichtigste Ritus im Islam. 2. Das Gebet: Das vorgeschriebene rituelle Gebet besteht aus Gebetsformeln und Koranzitaten. Man soll fünfmal täglich beten, dabei wird ein und derselbe Gebetszyklus insgesamt siebzehnmal wiederholt. Das persönliche, spontane Gebet hat wenig Bedeutung.

3. Die Religionssteuer: Als allgemeine Richtschnur gelten 2,5 Prozent, die Steuer kann aber in besonders begünstigten Situationen bis zu 20 Prozent des Reingewinns ausmachen. 4. Das Fasten: Das Fasten ist im Monat Ramadan Pflicht für alle Muslime, ausser für Kranke, Reisende, Schwangere, stillende Mütter und kleine Kinder. Das Fasten soll zur Selbstdisziplin, zur Hingabe an Allah und zum besseren Verständnis der Mittellosen verhelfen. 5. Die Pilgerreise: Alle Muslime, die über die finanziellen Mittel verfügen, müssen mindestens einmal in ihrem Leben eine Pilgerreise nach Mekka unternehmen. Als sechste Pflicht wurde ursprünglich der Dschihad angeführt. Der arabische Begriff bedeutet «Anstrengung auf dem Wege Allahs» oder «sich bemühen». Einige Muslime verstehen darunter das vom Koran auferlegte innere Bemühen um die persönliche Vervollkommnung. Andererseits beinhaltet das «Bemühen» auch die territoriale Ausbreitung des Islam.

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Christliche Antworten auf muslimische Einwände Die Herausforderung des Islam an die Christenheit beginnt mit Mohammed. Der Koran steht nicht in allem im Widerspruch zur Bibel, aber er beinhaltet viele Aussagen, die der christlichen Lehre widersprechen. Im Gespräch gilt es deshalb für Christen nicht nur zu erklären, was sie glauben, sondern auch, warum

sie es glauben. Dabei muss bedacht werden, dass Muslime es in der Regel nicht gewohnt sind, religiöse Dinge zu hinterfragen, sondern den Koran ohne Fragen annehmen und rezitieren. Für sie ist es eine Sünde, Mohammed oder den Koran anzuzweifeln. Darüber hinaus haben nur wenige Muslime ein klares Verständnis von der christlichen Botschaft. Der aus christlicher Sicht entscheidende Unterschied zum Gott der Bibel ist der, dass Jesus Christus im Koran nicht als Sohn Gottes gilt, der am Kreuz für die Sünden der Menschen gestorben ist.

Gottessohnschaft Der Koran lehnt die Göttlichkeit Jesu und seine Sohnschaft ab. In der Bibel offenbart Gott in Jesus Christus sein Wesen und seinen Namen in Menschengestalt. Im Islam offenbart sich Allah nicht direkt, sondern nur seinen Willen. Mohammed hat die Gottessohnschaft im körperlichen Sinn aufgefasst, so als ob Gott eine Frau gehabt und mit ihr einen Sohn gezeugt habe. Dieses Missverständnis geht aus einigen Koranversen hervor (Suren 6,100-101; 10,68; 19,88-92). Andere Stellen im Koran über Jesus sind hingegen positiv und stimmen teilweise mit der Bibel überein. Zum Beispiel trägt an mehreren Stellen nur Jesus den Titel «der Messias». Er wird auch als das «Wort Gottes» bezeichnet. Im Neuen Testament nennt Gott selbst Jesus seinen Sohn (Matthäus 3,16-17; 17,5; Lukas 9,35). Wenn Jesus sich selbst Gottes Sohn nennt, liegt darin der Anspruch absoluten Vorrangs vor allem Geschaffenen. Er ist vor allem, und alles besteht durch ihn (Kolosser 1,15-16; Johannes 1,3). «Ist für Gott etwas unmöglich?», so können wir Muslime fragen. Es ist klar, dass für Gott alles möglich ist und er tun kann, was er will. Also ist es für Gott auch möglich, in Menschengestalt auf der Erde zu erscheinen und gleichzeitig der Herr des Universums zu sein. Bemerkenswert ist 16

übrigens, dass sowohl im Neuen Testament als auch im Koran Jesus an keiner Stelle einer Sünde bezichtigt wird!

Kreuzigung Der Koran verneint den Auftrag Jesu, am Kreuz zu sterben und als das abschliessende, perfekte Opfer allen Menschen, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden und ewiges Leben zuzusprechen. So erstaunt es nicht, dass auf die Bedeutung der Kreuzigung nicht eingegangen wird. Muslimische Theologen vertreten verschiedene Ansichten: – Niemand wurde gekreuzigt. – Jesus wurde gekreuzigt, starb aber nicht. – Eine andere Person wurde anstelle von Jesus gekreuzigt. Die dritte Variante ist heute die meistverbreitete. Sie besagt, dass Allah die Menschen getäuscht habe und Jesus lebendig zum Himmel erhoben worden sei. Wer anstelle von Jesus trat, ist unklar. Trotzdem wird Jesus auch im Koran als «Messias» bezeichnet (Sure 4,171).

Dreieinigkeit Es kann angenommen werden, dass Mohammed, soweit aus den Formulierungen des Koran zu schliessen ist, nie die biblischen Schriften kennen lernte, in denen sich der eine Gott als der Dreieinige (Vater, Sohn und Heiliger Geist) offenbart. Die Bibel erwähnt an einigen Stellen die drei personalen Wesenszüge Gottes in einem Satz, zum Beispiel in Matthäus 28,19; 2. Korinther 13,13 oder Epheser 2,18. Christen haben hier die Gelegenheit, mit diesen Stellen die Dreieinigkeit angemessen zu erklären oder auch Naturphänomene zur Illustration heranzuziehen: Zum Beispiel manifestiert sich die Sonne als Materie, Licht und Wärme; oder Wasser kommt in drei Formen vor: als Flüssigkeit, Eis oder Dampf. cz 4|06


begegnung vom glauben mit muslimen reden | | was freude christen am …über …

Es leuchtete ihr nicht ein Maisoon wuchs in einer muslimischen Familie auf und war stolz darauf, Muslimin zu sein. «Mehr als eine Milliarde Menschen sind Muslime. Diese grosse Zahl hat eine Bedeutung, und es war eine Ehre für mich, dazuzugehören. Nur etwas störte mich sehr: Was ich nicht verstehen konnte, war, warum wir Frauen im Vergleich zu den Männern weniger Rechte haben. Warum wir uns so und so zu kleiden, das und das zutun haben, die Männer aber nicht. Das fiel mir schwer zu akzeptieren. Gegen Allah als Gott hatte ich gar nichts.» Im Laufe ihrer Auseinandersetzung mit dieser Frauenfrage kommt Maisoon zu einer Bibel und stösst beim Lesen des Neuen Testaments auf die Bergpre-

digt. Was Jesus Christus im Umgang mit Menschen als Standard fordert, erstaunt sie völlig. Wie kann Mohammed nur einen anderen Standard im Umgang mit Menschen fordern als dieser Jesus, obwohl er der letzte und wahre Prophet ist? Das scheint ihr nicht logisch. «Könnte es denn sein, dass ...?» Aber Jesus, wie er in der Bibel beschrieben wird, kennt Maisoon nicht. Und sie weiss nicht, ob er hält, was sie sich hier durch die Bergpredigt verspricht. Nach Monaten innerer Kämpfe wagt sie in einem Gebet einen Schritt auf diesen Gott zu und bittet ihn, sich ihr zu offenbaren. In den elf Jahren seither hat sie den Gott der Bibel als den erlebt, der nicht alle ihre Wünsche erfüllt, aber ihre Würde als Frau achtet.

Bekehrungsmotive von Christen und Muslimen Warum wechseln Menschen ihren Glauben? Dr. Andreas Maurer ist dieser Frage nachgegangen und hat zwanzig Konvertiten interviewt. Zehn, die vom Christentum zum Islam konvertierten, und zehn, die sich vom Islam zum Christentum bekehrten. Die Bekehrung vom christlichen zum islamischen wie auch vom islamischen zum christlichen Glauben kann aus unterschiedlichen Motiven geschehen und ist meist ein langer Prozess. Maurer hat in seiner Untersuchung festgestellt, dass nicht allein religiöse Motive eine Rolle spielen, sondern meist weitere, ganz unterschiedliche Beweggründe wichtig sind. • Traditionell wurde das religiöse Motiv als das einzig wahre bezeichnet. Man versteht darunter den Beweggrund einer Person, die religiös oder intellektuell motiviert auf der aktiven Suche nach Kenntnissen über Religion oder Spiritualität ist. Sei es durch Literatur, Fernsehen oder andere Medien. Für achtzehn der zwanzig interviewten Personen war die Religion das entscheidende Motiv. Die Liebe von Jesus

Christus, die sie in der Bibel beschrieben fanden, oder die Wärme unter den Christen überzeugten sie, zum Christentum überzutreten. Im Gegensatz dazu konvertierten Personen zum Islam, wenn sie das Christentum als nicht praktikabel und mit für sie irrationalen Doktrinen befrachtet empfanden wie zum Beispiel Dreieinigkeit und Menschwerdung Gottes. Für einen aufgeklärten Menschen der Moderne erschien ihnen der Islam als mit der Wissenschaft besser vereinbar und somit auch vernünftiger. • Unter dem mystischen Motiv versteht man die Erfahrung einer plötzlichen und traumatischen Einsicht in die geistige Welt, oft als Folge von Visionen, Stimmen und anderen paranormalen Erscheinungen. Sechs von zehn Konvertiten zum Christentum betonten, dass die übernatürliche Begegnung mit Gott gegen Ende des inneren Prozesses den letzten Anstoss zur Bekehrung gegeben habe. Umgekehrt spielte das mystische Motiv bei keinem der Konvertiten zum Islam eine Rolle. • Beim gefühlsbetonten Motiv spielen vor allem zwischenmenschliche Beziehungen

eine Rolle. Achtzehn der zwanzig Personen gaben an, dass dieser Faktor sie zur Konversion bewegt habe. Häufig ist eine Heirat der Grund, dass ein Partner die Religion des anderen annimmt. Dabei wird von der muslimischen Gesellschaft erwartet, dass der nichtmuslimische Partner die Religion wechselt. • Das sozio-politische Motiv lässt sich am besten an einem Beispiel erklären: Im Südafrika der Apartheid suchten viele schwarze Afrikaner eine andere Religion, weil für sie Christentum und weisse Oberschicht identisch waren («White Christian Oppressors»). So führten fünf der zehn vom Christentum zum Islam konvertierten Personen dies als Motiv ihrer Bekehrung an. Das materielle Motiv mag als unlauter erscheinen, aber viele Menschen sind zum Teil so arm, dass die Aussicht auf Nahrung, Kleidung, Geschenke, ein Heim, eine Ausbildung oder eine Arbeit ein grosser Antrieb für einen Religionswechsel darstellt. Werden ihre dringendsten materiellen Bedürfnisse gestillt, werden sie offen für die Religion, die dahintersteht.

• Maurer Andreas, In Search of a New Life: Conversion Motives of Christians and Muslims, Dissertation, eingereicht an der Universität von Südafrika 1999.

• Schirrmacher Christine, Islam in Europa – Multikulti am Ende?, «Schweizerzeit» Verlags AG 2006.

Quellen • Maurer Andreas, Basiswissen Islam und wie Christen Muslimen begegnen können, Hänssler Verlag 2005.

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Z E U G N aida I S Eine Kindheit im Land der Pharaonen Muslimen mit Liebe und Annahme ungezwungen begegnen Aida Zollinger und ihr Mann leben mit ihren beiden erwachsenen Kindern in Wädenswil. Sie sind Teil einer christlichen Gemeinde und nebenberuflich in der Lebensberatung tätig. Aida Zollinger wird immer wieder eingeladen, über ihre Erfahrungen mit dem Islam zu sprechen.

Renate Blum

darüber nachdenken. Die Lehrer versuchten, meine Fragerei abzustellen.»

Aida Zollinger ist in Alexandria geboren. Ihr ägyptischer Vater und ihre Schweizer Mutter haben sich in England kennen gelernt. Der Vater verlangt, die Kinder nach muslimischem Glauben zu erziehen. Er verbietet der Mutter ausdrücklich, ihren Kindern etwas vom christlichen Glauben weiterzugeben. Aida besucht eine deutsche Mädchenschule, die von katholischen Nonnen geführt wird. Wie die anderen ägyptischen Kinder lernt sie Arabisch und absolviert den Koranunterricht bei muslimischen Lehrern. Einmal, mit neun Jahren, kommt Aida nach Hause und erzählt ihrer Mutter, was sie in der Schule gehört hat: Abraham sollte Ismael opfern. Spontan sagt die Mutter, dass die Geschichte so nicht stimme und es um Abraham und Isaak gehe. Als der Vater davon erfährt, macht er viel Aufhebens und bestraft die Mutter. Aida erinnert sich, dass ihre Koranlehrer keine Freude an ihr hatten, weil sie gerne nach dem Warum fragte. «Im Koranunterricht mussten wir auswendig lernen und den Koran zitieren, nicht aber 18

Kein Grund zum Lachen Aidas Vater stammt aus bescheidenen Verhältnissen und arbeitete bereits als Zwölfjähriger in einer Textilfabrik. Weil er positiv auffiel, schickte ihn der ausländische Betrieb nach England zur Ausbildung zum Textilingenieur, wo er Aidas Mutter kennen lernte. «Die Beziehung meiner Eltern veränderte sich, als sie wieder in Ägypten lebten», findet Aida Zollinger. «Zusehends übernahm mein Vater ägyptische Verhaltensmuster und misstraute meiner Mutter. Er war das Familienoberhaupt, was alles rechtfertigte. Jedes Wort mussten meine Mutter und ich auf die Goldwaage legen, und wir hatten oft Angst. Als Frau ziehst du den Kürzeren. Wenn das Familienoberhaupt etwas sagt, ist das wichtiger als alles andere. Ich wurde auch für Dinge bestraft, die ich nicht getan hatte.»

Wo bist du, Gott? Aida erinnert sich, wie sie mit zwölf Jahren den Sternenhimmel über Alexandria bewunderte. «Es war wunderschön, und

in diesem Moment wusste ich genau, dass es einen Schöpfer gibt. Ich sehnte mich nach ihm, nach seiner Nähe. ‹Wo bist du?›, schrie es in mir. Ich empfand diesen Schöpfer als sehr fern.» – Ein anderes Erlebnis macht sie im Sommer am Meer: «Wir fuhren oft ans Meer und blieben den ganzen Tag über dort. Ich geriet in einen Wasserstrudel. Es war furchtbar. Plötzlich lief mein ganzes Leben wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Ich sah alles, was ich falsch gemacht hatte. Ich hatte ein schlechtes Gewissen und fühlte mich chancenlos. Jemand half mir aus dem Strudel heraus.»

In die Freiheit Als Aida Zollinger achtzehn Jahre alt ist und die Handelsschule in Alexandria abschliesst, kommt endlich der grosse Tag: Sie verlässt mit Mutter und jüngerem Bruder Ägypten. Nach langem Hin und Her ist dieser Schritt nun im Einverständnis mit dem Vater möglich. Um die Schiffskarten zu bezahlen, löst die Mutter ihre Pensionskasse bei der amerikanischen Schule auf, wo sie gearbeitet hat. Vater und Grossvater stehen am Pier und winken. «Nach allem, was passiert war, konnten wir es kaum glauben, dass wir cz 4|06


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begegnung mit muslimen | eine kindheit im ...

nun auf dem Weg in die Freiheit waren. Unterwegs sang ich das Lied ‹Here I Stand at the Crossroads of Land›.» Mit dem Schiff fahren sie nach Venedig und von dort mit dem Zug nach Zürich. Um Mitternacht kommen sie an: mit sieben Gepäckstücken, einem Hund und noch genau sieben Franken in der Tasche. «Nachdem wir in einem billigen Hotel übernachtet hatten, suchte meine Mutter eine Freundin von früher auf, die uns hundert Franken lieh. Bis meine Mutter und ich Arbeit fanden, wohnten wir zu dritt in einem Zimmer bei meiner Tante.»

Schlüsselerlebnisse Immer wieder kommt Aida mit bekennenden Christen in Kontakt. Auf der Strasse in Wetzikon lernt ihr Bruder eines Tages einen jungen Australier kennen. Der will ihm später ein Buch schenken und kommt zur Familie nach Hause. Der Bruder ist zwar nicht daheim, aber weil Mutter und Tochter in Ägypten vor allem Englisch gesprochen haben, freuen sie sich über den Austausch. Der Australier erzählt ihnen, sein bester Freund sei Jesus. «Das imponierte mir», erinnert sich Aida Zollinger. «Man spürte förmlich, dass er Gott kennt, und ich empfand cz 4|06

‹Ich konnte es fast nicht fassen, dass Gott solche Liebe ist und er mich liebt, trotz allem, was ich falsch gemacht habe. Ich betete: ‹Wenn du diese Liebe bist, dann will ich dich.›.

das, was er hatte, als sehr stark. Als er aber mit uns beten wollte, hatte ich Angst, etwas von ihm könne auf mich kommen.» Bevor der junge Mann abreist, bringt er Aida und ihre Mutter mit einem Hauskreis vor Ort in Kontakt. «An den ersten Abend im Hauskreis erinnere ich mich nicht mehr», erzählt Aida. «Die Hauskreisleute erzählten mir später, wir hätten den Anfang des Johannesevangeliums gelesen und mich habe die Behauptung, Jesus sei Gott, sehr wütend gemacht. In der Koranschule hatte ich gelernt, dass Jesus ein Mensch sei wie wir alle. Die Konfrontation mit dieser gegensätzlichen Behauptung war zu viel für mich.» Aufgrund dieser Erfahrung findet Aida Zollinger heute, dass es im Umgang mit Muslimen besser sei, mit dem Lukasevangelium zu beginnen und dazu eigene Erlebnisse zu erzählen. In der arabischen Kultur gehörten Geschichten zum täglichen Leben. Gespickt mit persönlichen Erfahrungen seien sie

wertvolle Hilfsmittel, biblische Wahrheiten zu vermitteln. Über Theorien zu debattieren, könne dagegen kontraproduktiv sein.

Der Abschnitt über die Liebe in 1. Korinther 13 wird für Aida zur entscheidenden Entdeckung. «Ich war tief beeindruckt», erinnert sie sich. «Für mich war klar, dass kein Mensch solche Liebe haben kann nur Gott allein. Ich konnte es fast nicht fassen, dass Gott solche Liebe ist und er mich liebt, trotz allem, was ich falsch gemacht habe. Ich betete: ‹Wenn du diese Liebe bist, dann will ich dich.› Ich merkte, dass mit mir etwas passierte und ich nicht mehr gleich war wie vorher. Eine extreme Freude packte mich, und ich tanzte im Zimmer herum.»

Es macht Klick Ein Lied wird für Aida Zollinger zu einem weiteren Schlüsselerlebnis: Sie sitzt in der Badewanne und hört Radio. Dudelsackpfeifen spielen «Amazing Grace». Sie summt mit. Später nimmt sie ihre Gitarre. Wie aus heiterem Himmel kommen ihr plötzlich englische Worte in den 19


Z Erfahrungen im Umgang Ein anderes Denken Aida Zollinger ist seit ihrer Kindheit mit der arabischen Kultur vertraut. Ihre Beobachtungen helfen uns, vieles besser zu verstehen. Drei Beispiele: 1. Wesentlich ist, das Gesicht nicht zu verlieren

Sinn. «Ich sang einen Text», erinnert sie sich, «der so viel bedeutete wie ‹Jesus lebt, er liebt mich, er starb am Kreuz, um uns zu retten›. Von nun an hatte ich nie mehr Mühe zu glauben, dass Jesus Gottes Sohn ist. Es machte irgendwie Klick in mir. Jetzt begann ich auch zu verstehen, was ich in der Bibel las. Ab jenem Moment erlebte ich Jesus als persönlichen Freund.» Zu Gottvater und dem Heiligen Geist findet sie erst später eine tiefere Beziehung. Sie empfindet Distanz und hat Angst. Durch ihre Kindheit ist sie stark darauf sensibilisiert, was sie falsch macht, und fühlt sich minderwertig. «Gott, der Vater, warb aber um mich und sprach immer wieder behutsam zu mir, bis ich seine Liebe zulassen konnte.» Um als Christin ein festes Fundament zu bekommen, besucht Aida das «All Nations Christian College» in England. Im zweiten Jahr lernt sie dort ihren Ehemann kennen. Nach einer sprachwissenschaftlichen Ausbildung arbeiten Zollingers acht Jahre lang bei Wycliffe in Alphabetisierungsprogrammen im Südsudan und in Kenia. Aida Zollingers Vater hat in der Zwischenzeit akzeptiert, dass sie Christin geworden ist. Er will aber nicht, dass seine Familie in Ägypten etwas davon erfährt. 20

Muslime bemühen sich, Gott zu gefallen. Sie stellen sich vor, dass ihre guten und schlechten Taten wie auf einer Waage abgewogen werden und darüber entscheiden, ob Gott sie am Ende annimmt oder nicht. Dabei ist relevant, was sichtbar ist. Das zu tun, was man muss, ist entscheidend, die Herzenshaltung ist nicht so wichtig. So geht es nicht darum, ob jemand lügt oder nicht, sondern dass er sagt, was opportun und nützlich ist. Man spricht nicht vom Gewissen. Das Ziel zählt. Der Einzelne bleibt im Ungewissen darüber, ob ihn Gott am Ende annimmt oder nicht. Deshalb leben Muslime in grosser Angst. Sie haben oft auch Angst voreinander und beobachten genau, was die anderen tun. Ein einzelnes Menschenleben ist unwichtig. In der Familie geht es um Ehre und nicht um Gerechtigkeit. Wesentlich ist, das Gesicht nicht zu verlieren.

2. Liebe, Annahme, Gastfreundschaft Das Höchste für Muslime ist Gastfreundschaft. Einen Gast grosszügig zu behandeln, ist Ehrensache. Oft haben wir falsche Hemmungen vor Menschen mit muslimischem Hintergrund. Sie sind offen für Freundschaften. Wenn sie uns vertrauen können, dann öffnen sie sich. Wir müssen uns bewusst werden, wie die Leute denken, und müssen versuchen, eine Brücke zu ihnen zu bauen. Muslimische Frauen dürfen zum Beispiel unterwegs keinen Kontakt mit Fremden aufnehmen, auch nicht mit Frauen. Deshalb wirken sie oft unnahbar. Bei ihnen oder bei uns zu Hause ist das anders. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie ein sehr negatives Bild unserer westlichen Gesellschaft haben. Wenn sie bei uns Christen andere Massstäbe sehen, imponiert das.

3. Von Erfahrungen mit Gott zu reden, ist erwünscht Über Gott zu sprechen, ist für sie weniger ein Tabu als für uns. Im Islam geht es um ein Buch voller Reglemente. Ihre Sehnsüchte werden nicht beantwortet. Es ist gut, von praktischen Erlebnissen mit unserem Glauben zu berichten. Haben wir nicht einen Gott, der Wunder tut? Wenn sie krank sind, können wir für sie beten. Oder, da sie auf Träume sensibilisiert sind, von Träumen erzählen. cz 4|06


Z E U G N I S begegnung mit muslimen wo erfüllung ist die liebe? leben mit dem heiligen geist | | die mit ...

«Wo ist die Liebe?» Eine Libanesin findet den Gott der Liebe Jesus lebt - Mohammed ist tot. So einfach beschreibt Hala den Unterschied zwischen den zwei Propheten. Aber eigentlich sei Jesus unvergleichlich, findet sie.

Monika Blatter Der Libanon gilt als ein liberales und vielfältiges Land, was sich auch in Halas Familie widerspiegelt: Die Mutter, christlicher Herkunft, heiratete einen Muslim, was beiden Familien missfiel. Am Anfang war das überhaupt kein Problem, der Ehemann tolerierte die Religion seiner Frau. Als die beiden Kinder etwa acht Jahre alt waren, besann sich Halas Mutter aber auf ihre christliche Herkunft und begann, Gottesdienste zu besuchen. Die Kinder nahm sie mit. Das gab dann schon mal einige Streitigkeiten zwischen den Ehepartnern. Die kleine Hala lernte alle christlichen Feste und das Unservater kennen. Von der Familie des Vaters lernte sie alle muslimischen Feste und ein arabisches Gebet. Das verwirrte sie schon etwas. Zur Sicherheit betete sie jeden Abend beide Gebete, um gewiss zu sein, beide Gottheiten zufriedenzustellen. Mit etwa vierzehn Jahren wurde ihr klar, dass sie sich entscheiden musste, welchem Gott sie dienen wollte. Sie wurde bewusst eine Nachfolgerin Jesu. Obwohl sich ihr Vater eigentlich als Atheisten bezeichnete, cz 4|06

der nur an die Wissenschaft glaubte und alles andere als ein praktizierender Muslim war, hatte er etwas gegen Halas Entscheid. Plötzlich wurde auch ihm seine eigene Herkunft wieder wertvoll. «Das hatte jedoch weniger mit religiöser Überzeugung zu tun als vielmehr mit dem Gesichtsverlust gegenüber seiner Herkunftsfamilie», meint Hala. Das Image war ihm wichtiger als die innere Überzeugung. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen. «Aber es war nicht so schlimm, wie ich es von einigen anderen Familien kenne, die streng muslimisch sind», berichtet Hala. «Durch den Individualismus in Europa und den losen Familienzusammenhalt hierzulande kennen wir solche Situationen gar nicht», fällt ihr auf. Die Sozialkontrolle in den arabischen Ländern sei viel stärker als im Westen, und darum gebe es auch einen grösseren Aufstand, wenn ein Familienmitglied aus der Reihe tanze. Trotz der Reibereien mit dem Vater blieb Hala bei ihrem Entschluss. Sie war überzeugt, dem richtigen Gott zu dienen. Sie wusste, wofür sie lebte, und es kamen

hala

immer mehr Wahrheit und Klarheit in ihren Glauben. Sie besuchte weiterhin regelmässig die christliche Gemeinde. Auch in der Schweiz behält sie das bei. An ihrem Gott fasziniert sie, dass er lebendig und Liebe ist. Allah empfindet sie nicht als liebevoll. «Im Islam gibt es keine Liebe», äussert sie sich. Oder dann müsse die Liebe untereinander verdient werden, durch Taten zum Beispiel. Auch Sünden müssten durch gute Taten wieder gutgemacht werden. Nur wisse man nie so genau, ob das wirklich funktioniere. An der europäischen Kultur, insbesondere an Christen, schätzt sie die Ehrlichkeit. In der arabischen Kultur nehme man es nicht immer so genau damit. Interessanterweise spüre und schätze ein Araber die Ehrlichkeit eines Menschen. So ist auch die Libanesin, die heute mit einem Schweizer verheiratet ist, in Gesprächen mit Muslimen ehrlich. Sie pflegt, so gut es ihre Zeit erlaubt, Kontakte zu Familien aus Syrien und dem Jemen. Es ist natürlich ein grosser Vorteil, dass sie Arabisch spricht. Ab und zu hilft sie auf Ämtern oder bei Vorträgen übersetzen. Ehrlich wolle sie sein, ja, aber auch weise, sagt Hala. In Diskussionen bringen Argumente oder gar Aggressionen gegen den Islam nichts. Sondern mit Freundlichkeit und aufrichtigem Interesse an der Person gewinne man die Menschen, ist Hala überzeugt. 21


Z E U G N I S «Allah, hörst du mich?» Als Yusuf von Jesus eine Antwort erhielt «Wie muss ich mir einen Menschen vorstellen, von dem ich weiss, dass er als Muslim gelebt hat und nun mit Jesus Christus als seinem Schöpfer und Erlöser unterwegs ist?» Mit solchen Gedanken erwarte ich den ehemaligen Muslim Yusuf Engin zum Gespräch.

Tom Sommer Doch Yusufs freundliche Art und seine gewinnende Ausstrahlung lassen mich meine Eingangsfrage gleich wieder vergessen. Yusuf, der mir gleich das Du anbietet, erzählt mir ausführlich von seiner türkischen Heimat und seiner Familie. Sein Schweizerdeutsch hat einen typischen Akzent, ist aber nach über 35 Jahren Übung in unserem Land fast perfekt.

«Der Imam lobte meine Stimme» 1954 in der Türkei geboren, wächst er in einem islamisch geprägten Umfeld auf und bezeichnet sich als praktizierenden Muslim, was bedeutet, dass er möglichst alle rituellen Gebete verrichtet. Yusuf: «Ich kannte mich im Koran sehr gut aus und wusste viel über den Islam. Der Religionslehrer lobte damals meine Stimme, denn sie sei gut geeignet, den Koran auswendig zu rezitieren.» Da sein Vater Arbeit in der Schweiz findet, zieht Yusuf 1969 mit den Geschwistern und der Mutter nach. Die Schweiz wird seine neue Heimat, und eine Schweizerin wird 1979 seine Frau. Eine Berufslehre wird ihm vom Vater verwehrt. Es sei ausreichend, praktisch anpacken zu können, 22

da er ja später sowieso wieder in die Türkei zurückkehren werde, war dessen Meinung. Einfach angelernt, arbeitet er so jahrelang in einer Schreinerei und im Fensterbau.

vergangenen Tage zu sehen. Für sie ein Zeichen, dass Jesus ihren Mann angerührt hat. Und tatsächlich, er ist erstaunlicherweise bereit, mit ihr zu Jesus zu beten.

«Allah, hörst du mich?»

«Die Atmosphäre von Friede und Einigkeit hat mich überzeugt»

Yusuf und seine Frau Christine haben sich darauf geeinigt, dass sie (nicht bekennende) Christin bleiben werde und er als Muslim leben wolle. Die Ehebeziehung steht aber von Anfang an unter schlechten Vorzeichen. Yusufs Familie war gegen diese Heirat, und bald kommen ernste Eheprobleme und finanzielle Schwierigkeiten dazu. Yusuf sucht mit Glücksspielen seine Finanzen wieder ins Lot zu bringen. Das Gegenteil passiert jedoch, so dass er als Ausweg nur noch den Suizid sieht. «Allah, hörst du mich? Ich weiss, Suizid ist Sünde, aber ich sehe keinen anderen Weg mehr!», ruft er kniend vor seinem Bett und schläft dann vor Erschöpfung ein. Seine Frau hat sich ihrerseits vermehrt mit dem christlichen Glauben befasst und mittlerweile ihr Leben in Gottes Hand gelegt. Christine erkennt am folgenden Morgen Erleichterung auf Yusufs Gesicht: Da ist nichts mehr von der Anspannung und Verzweiflung der

Schon ein paar Wochen später nehmen sie gemeinsam an einer christlichen Wochenendveranstaltung mit vielen internationalen Gästen teil. Yusuf ist einziger Türke, und das friedliche Miteinander in der Vielfalt der Menschen ist so überwältigend für ihn, dass er sich entscheidet, sein Leben ebenfalls Jesus Christus anzuvertrauen. Die folgenden drei Jahre sind allerdings weiterhin geprägt vom Auf und Ab in finanziellen Fragen, von Spielsucht und Nachtleben. Einen Durchbruch zum freien Leben erfährt Yusuf erst 1987. Es ist während einer Fastenwoche, als Gott ihm ins Gewissen redet und ihn an okkulte Praktiken aus seiner Kindheit in der Türkei erinnert. Yusuf bittet Jesus um Vergebung und bricht definitiv mit seinem alten Lebensstil. Er beschliesst auch – vier Jahre nach seinem erstmaligen Entscheid für den christlichen Glauben –, seiner Herkunftsfamilie von seiner Konvertierung zu erzählen. cz 4|06


begegnung mit muslimen | «allah, hörst du ...»

f u s u y d n u e n i t s i r h c «Wenn ich jetzt eine Waffe hätte ...» «... dann würde ich dir in den Kopf schiessen!» Diese Drohung bekommt Yusuf von seinem Bruder zu hören, als er davon erzählt, dass er nicht mehr an Allah, sondern an den Gott der Bibel glaube. Überhaupt stellen sich alle Mitglieder seiner Herkunftsfamilie gegen Yusufs Entscheid. Real bedroht wurde er zwar nie, aber er überwindet die Trennung von seiner Herkunftsfamilie erst nach einigen Jahren. Heute lebt nur noch sein älterer Bruder, der zunehmend offen und interessiert an den Christen ist. «Er sieht», so erzählt Yusuf begeistert, «wie Christen freudig und friedlich Feste feiern können. Letzthin konnte ich organisieren, dass er am Fest der Chrischona seinen Kebabstand aufstellen konnte. Damit war es möglich, am islamischen Brauch der Gastfreundschaft anzuknüpfen.»

Neuer Lebensstil Mit dem Entscheid, als Christ zu leben, wird für Yusuf vieles anders. «Als Muslim stellt man keine Fragen», blickt er zurück, «man tut einfach dies und jenes. Aber zurück bleiben viele Ungewissheiten, die man durch verschiedene abergläubische Praktiken zu beruhigen versucht.» Yusuf sucht seelsorgerliche Begleitung und löst sich von dunklen Ereignissen aus seiner Vergangenheit. Wenn er heute von Muslimen zum Essen eincz 4|06

geladen wird, fragt er zwar nicht nach der Art des Fleisches. Wenn die Gastgeber aber betonen, dass das Fleisch Opferfleisch sei, dann erklärt er, dass er darauf verzichte. «Oder», so Yusuf, «es gibt Geschenke, die ich einfach nicht annehmen kann, weil ich deren okkulten Hintergrund kenne. Mit meinen Erklärungen dazu kann ich dann immer wieder zum Nachdenken anregen. So habe ich im Laufe der Zeit schon viele Menschen erlebt, die sich dem christlichen Glauben zugewandt haben.»

Typischerweise höre auch er von Muslimen, die von Engelsgestalten oder gar von Jesus selbst träumten.

Die Begegnung mit Muslimen suchen

bei MEOS bewerben. «Ich möchte den Aufbau von Gemeinden für Türkisch sprechende Menschen fördern», erklärt Yusuf nüchtern. «Viele nennen sich Muslime, aber sie wissen nicht viel, und da haben wir die Chance, unsere Sicht des Glaubens einzubringen. Medien wie DVDs sind dabei sehr beliebt. Die können einfach mal konsumiert werden – das entspricht den Menschen sehr.»

Yusufs Arbeitsplatz hat sich längst gewandelt. Seine Begeisterung für den christlichen Glauben führte ihn teilzeitlich zu MEOS, der Evangelischen Mission unter Ausländern in der Schweiz, um im technischen Dienst und bei Übersetzungen zu helfen. Später kommen weitere Aufgaben im Asylbereich hinzu. Wegen gesundheitlicher Probleme muss er im Jahr 2004 seine handwerkliche Tätigkeit aufgeben. «Hier erlebte ich ein Wunder Gottes», erzählt er. Die staatliche Invalidenversicherung der Schweiz (IV) finanziert ihm eine Umschulung auf der Bibelschule St. Chrischona, da er eine Arbeitsstelle in Aussicht hat. MEOS Svizzera möchte die Arbeit unter Menschen aus der Türkei erweitern. Mit seinem neuen Rüstzeug wird sich Yusuf deshalb

Zum A und O, mit Muslimen wirklich in Kontakt zu kommen, gehöre aber nach wie vor die Zeit, betont Yusuf. Wenn er echte Anteilnahme zeige und aus seinem Leben erzähle, kämen auch Rückfragen, die schliesslich in ein Glaubensgespräch mündeten. «So konnte ich hin und wieder Muslime dazu ermutigen, das Neue Testament, das ich ihnen schenkte, durchzulesen, und ich erlebe immer wieder, dass sich Einzelne für den christlichen Glauben entscheiden», erzählt Yusuf begeistert. «Sie müssen aber die Grundlagen des Glaubens selber lesen.» Diskussionen ohne diese Grundlage seien nicht hilfreich. Typischerweise höre auch er von Muslimen, die von Engelsgestalten oder gar von Jesus selbst träumten. 23


Z E U G nadirah N I Su Den eigenen Weg finden Rolf und Nadirah im religiösen Zerriss Singapur ist so gross wie der Kanton Zürich, hat aber mit 4,5 Millionen Menschen viermal mehr Einwohner! Die Stadt ist ein multikultureller Staat. Auf Schritt und Tritt begegnet man Hindus, Buddhisten, Christen, Muslimen und Vertretern anderer Religionen. In diesem Spannungsfeld lernen sich Rolf und Nadirah kennen. Renate Blum Nadirahs Eltern haben malaysische Wurzeln und sind Muslime. Nadirah wächst mit fünf Brüdern in Singapur auf. Sie erinnert sich, wie sie zu acht in zwei Räumen lebten. Am Abend rollte jeder seine Schlafmatte aus, und am Tag war das Zimmer Wohnraum und Spielzimmer zugleich. Zu Hause lernt Nadirah Malaysisch und in der Schule Englisch. In der Koranschule kommt Arabisch hinzu. «Dabei lernte ich nicht Arabisch», berichtigt Nadirah. «Wir mussten den Koran auf Arabisch rezitieren und auswendig lernen, ohne dass wir etwas davon verstanden. Stunde um Stunde sass ich als Mädchen in meiner Uniform mit Halstuch in der Moschee und musste immer die gleichen arabischen Worte aufsagen, ohne etwas zu begreifen. Das war sehr langweilig.» In der Pubertät machen sich die Mädchen das Gesetz zunutze, dass Frauen während der Menstruation als unrein gelten und die Moschee nicht betreten dürfen, und bleiben so dem Koranunterricht öfters fern. «Als ich dreizehn Jahre alt war, akzeptierte meine Mutter, dass ich den Unterricht nicht mehr besuchen wollte.» So wie Nadirah 24

den muslimischen Glauben erlebt, hat er viel mit Aberglauben zu tun. Von Generation zu Generation sind in ihrer Familie unreflektiert Vorstellungen weitergegeben worden; man wusste gar nicht, wie und warum man etwas tat. «Schon als Kind», erzählt Nadirah, «war ich vom christlichen Glauben beeindruckt. Bei meinen christlichen Freundinnen beobachtete ich, wie sie als ganze Familie zur Kirche gingen und dort zusammenblieben. In der Moschee mussten sich Frauen und Mädchen in den hinteren Räumen aufhalten. Das störte mich.» Nadirah kommt in den Besitz einer Bibel, als sie noch zu Hause lebt, und fängt an, im Geheimen darin zu lesen. «Ich schloss sie in meiner Schublade ein, so dass keiner meiner Familie etwas merkte.»

Rolf trifft Nadirah Rolf wächst katholisch auf. Von Nachbarn und Bekannten eingeladen, besucht er als Schulbub zusammen mit seiner Mutter verschiedene evangelistische Veranstaltungen. Weil sein Vater in Singapur lebt, hält sich Rolf wiederholt in der Fernostmetropole auf und lernt eines Tages Nadirah kennen, die in einem Reisebüro arbeitet. Bei ihrem ersten Kontakt sagt Nadirah, sie

sei Christin. «Wenn man als junge Frau in Singapur einem Mann sagt, man sei Muslimin, distanziert er sich meist sogleich wieder, weil er weiss, dass er zum Islam übertreten muss, wenn er sie heiraten will», erklärt Nadirah.

Von allen Seiten bedrängt Das junge Paar lebt ein Jahr in der Schweiz und heiratet zivil, ohne Nadirahs Eltern darüber zu informieren. Zurück in Singapur, erleben sie Horrorferien. Der Druck, der auf sie ausgeübt wird, ist enorm. Nadirah hat Angst vor dem Bruch mit ihren Eltern. Rolf willigt um des lieben Friedens willen ein zu konvertieren. Er muss nur einen arabischen Spruch auswendig aufsagen, und damit hat es sich. «Mir war alles andere als wohl bei der Sache, und ich hatte ein sehr schlechtes Gefühl dabei», erinnert er sich. «In der Folge betete ich noch mehrere Vaterunser und ‹Hoffentlich vergibst du, Gott›.» Rolf und Nadirah kehren in die Schweiz zurück. Zwei Kinder kommen zur Welt, und die beiden finden, da sie nun mal in der Schweiz lebten, sei es besser, die Kinder in der katholischen Kirche taufen cz 4|06


Sund

rolf

zu lassen. Ihren Eltern in Singapur sagen sie nichts davon. Im nächsten Urlaub in Singapur werden sie aufgefordert, das kleine Mädchen beschneiden zu lassen. Nadirahs Mutter plant, das Beschneidungsfest ihrer Enkelin mit der Hochzeitsfeier eines ihrer Söhne zu verbinden. Nadirah und Rolf sind mehr als erleichtert, als Nadirahs Bruder das der Mutter ausreden kann. Nadirah und Rolf wollen Spannungen vermeiden und geben sich alle erdenkliche Mühe, als Nadirahs Vater in die Schweiz zu Besuch kommt. Allerdings unterläuft Rolf ein Fauxpas, als er in einem Restaurant Saltimbocca bestellt: Das Fleischstück ist mit einer schönen Specktranche belegt. Nadirahs Vater versteht die Welt nicht mehr und kann sich kaum beruhigen. «Auch ich war hin und her gerissen», erinnert sich Nadirah. «Ich gab mir Mühe, meinem Vater alles recht zu machen, und fand, Rolf zeige zu wenig Respekt. Auf der anderen Seite wollte ich zu meiner neuen Überzeugung stehen.»

Das Buch des Glaubens Ab und zu besuchen Nadirah und Rolf die katholische Messe. Mit den kleinen Kindern ist das jedoch schwierig, und sie finden auch keine Kontakte. Zur selben Zeit werden sie in eine Freikirche eingeladen. Dort gibt es ein Kinderprogramm, und Nadirah findet in einem englischen cz 4|06

begegnung mit muslimen | den eigenen weg …

So wie Nadirah den muslimischen Glauben erlebt, hat er viel mit Aberglauben zu tun. Von Generation zu Generation sind in ihrer Familie unreflektiert Vorstellungen weitergegeben worden; man wusste gar nicht, wie und warum man etwas tat

Bibelkreis gute Freundinnen. Nun kommt es zu Spannungen mit Rolfs Mutter. Sie sorgt sich, was die Verwandten sagen, wenn die Familie die Kommunion nicht feiert. Nadirah und Rolf lernen Andreas Maurer von der Organisation ‹Christen begegnen Muslimen› kennen. Während eines halben Jahres kommt er jede Woche bei ihnen vorbei und führt sie durch einen speziellen Glaubenskurs für Menschen mit muslimischem Hintergrund. «Die Abende mit Andreas Maurer bedeuteten uns sehr viel», sagt Nadirah. «Die fundierten Auskünfte zum Vergleich von Islam und Christentum haben mir sehr geholfen. Ich wünsche mir, dass ich diese Informationen auch meiner Familie weitergeben kann. Ich habe den Eindruck, dass Muslime zu wenig und oft falsch informiert sind.» – «Mit Andreas Maurer beteten wir und zeigten, dass es uns mit Jesus ernst war», sagt Rolf. «Äusserlich änderte sich zwar nicht viel. Für mich ist es aber ein entscheidender Schritt, auf dem ich nun aufbauen kann. Der Glaube trägt mich durch die vielen Probleme,

mit denen ich konfrontiert bin.»

Die Entrüstung in Singapur ist gross, als Nadirahs Eltern von ihrer Entscheidung für das Christentum erfahren. Eine Freundin, die in der Schweiz zu Besuch gewesen war, berichtete ihnen vom Übertritt. Sie sind wütend und fragen am Telefon: «Warum tust du uns das an?!» Eine einzige Schwägerin unterstützt Nadirahs Entschluss und meint, es sei Nadirahs persönliche Angelegenheit. «Zu Beginn war es hart», sagt Nadirah. «Uns liegt der Kontakt zu meiner Familie sehr am Herzen. Andererseits bin ich froh, dass sie es jetzt wissen. Ich bin nicht sicher, ob ich den Mut gehabt hätte, es ihnen selber zu sagen. Konvertiten sind für die muslimische Gesellschaft eine Schande. Meine muslimischen Schulkolleginnen zum Beispiel wollen nichts mehr mit mir zu tun haben.» Mit gemischten Gefühlen blicken Nadirah und Rolf ihrem nächsten Besuch in Singapur entgegen, der für die Sommerferien 2007 geplant ist. Welche Seite wird wohl in ihrem Buch des Lebens aufgeschlagen? Sie sind froh über Gebetsunterstützung und dankbar, dass sie eine Gemeinde haben, die hinter ihnen steht.

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Z E U G N I S Der Partisane Ein Herz aus Stein wird lebendig Dunkle Haare, stahlblaue, freundlich blickende Augen. Der Mann sieht nicht gerade aus, wie ich mir einen kurdischen Partisanen vorstellte. Doch nicht immer haben diese blauen Augen Liebe und eine gute Portion Schalk ausgestrahlt. Keine Träne haben sie geweint, wenn sie Menschen sterben sahen.

Monika Blatter

Das Land und der Kampf – mein Gott «Ich war wie Stein», sagt der ehemalige Kämpfer aus dem Norden des Iraks. Dilshad wurde als Sohn einer strenggläubigen kurdischen Familie geboren. Mit sechs Jahren besuchte er jeden Abend die Koranschule. Das bedeutete Ansehen für die Familie und viel Auswendiglernen für den Jungen. Schon früh stellte Dilshad intelligente Fragen, die nicht beantwortet wurden. Was ist die Seele? Wohin gehen wir, wenn wir sterben? Warum werden Frauen nicht gleich behandelt wie Männer? Statt Antworten erhielt er Schläge vom Vater und vom Imam. Aufsässig sei er, hiess es. Man frage nicht, man höre nur und akzeptiere. Nicht gerade das, was den Jungen befriedigte. Und so erstaunt es nicht, dass diese Unzufriedenheit mit dem Islam stets geblieben ist. Vierzehnjährig war er froh, die Koranschule hinter sich zu lassen und im Gymnasium Lehrer zu studieren. Hier kam er durch Kollegen in Kontakt mit der Patriotischen Union Kurdistans (PUK)1, 26

einer kurdischen Volkspartei, die sich gegen das Regime Saddam Husseins wehrte. Denn in den achtziger und neunziger Jahren liess Hussein 180 000 Kurden im Norden Iraks verschwinden und ordnete die Zwangsbesiedlung durch Südiraker an, damit der arabische Einfluss und die Regimetreuen gestärkt würden. Mit achtzehn wurden irakische Männer militärpflichtig. Wie viele andere kurdische Männer wehrte sich Dilshad, in einer Armee mitzukämpfen, die sein eigenes Volk bedrohte, und tauchte bei der kurdischen Untergrundarmee der PUK unter. Es ist die grösste Ehre für eine Familie, wenn ein Mitglied für die Befreiung des eigenen Volkes kämpft. Der junge Mann liess sich zum Offizier ausbilden und sollte fortan vierzehn Jahre lang seinem Volk in der Armee dienen. Zum Teil arbeitete er tagsüber als Lehrer und nachts als Soldat, manchmal war er vollzeitlich Soldat, eine Zeit lang leitete er eine Druckerei. Viermal wurde er verletzt, nicht aber getötet. «Der Plan Gottes», meint er. Von den einst siebenhundert Männern seiner Einheit waren nach vierzehn Jahren noch fünfzehn übrig. Auf diese setzte die Regierung Saddam Husseins ein Kopfgeld aus. Das brachte

schliesslich das Fass bei Dilshad zum Überlaufen. Desillusioniert flüchtete er ausser Landes, schliesslich in die Schweiz.

Gott ist mein Hirte Nach kurzer Zeit im Asylbewerberheim wurde er von einem Betreuer zu einem Gottesdienst eingeladen. Singen, beten, Gemeinschaft pflegen und das im Namen Gottes – etwas sehr Fremdes für den kurdischen Muslim. Der Betreuer überreichte ihm eine arabische Bibel, und noch am gleichen Abend las er darin. Er stiess auf Psalm 23, den Text, der Gott als Hirten beschreibt. Das traf seinen harten Kern zutiefst, und er wusste plötzlich: Hier würde er Antworten auf jene Fragen finden, die er schon als Junge gestellt hatte. Der Besuch der Kirche war der erste Kontakt überhaupt – abgesehen von den Betreuern –, den der Asylbewerber mit Schweizern hatte. Nun ging er regelmässig zu den Gottesdiensten, lernte Leute kennen, die ihm sprachlich und im Glaubenswachstum halfen. Oder sie besuchten ihn und halfen ihm, die schweizerische Asylbürokratie zu bewältigen. cz 4|06


S

begegnung mit muslimen | der partisane

dilshad Gott ist Liebe Eigentlich wusste Dilshad einiges über Jesus, da er auch im Koran vieles über diesen «Propheten» gelesen hatte. Die Berichte über die Wunder und Taten jedoch fehlen im Koran, und diese faszinierten ihn. Was ihn ebenfalls begeisterte, war die Liebe Gottes. Etwas, was man bei Allah vergebens sucht. Allah sei man auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, bei Gott wisse man, woran man sei. Dieser gebe die Garantie, dass Sünden vergeben werden, wenn man darum bitte, auch diejenigen des Krieges. Die Bibel versichere einen der Vaterliebe Gottes. Sie sei bedingungslos, nicht von Taten abhängig. «Im Islam muss man sich alles verdienen und hat dennoch nicht die Gewissheit, die Ewigkeit im Paradies zu verbringen», meint Dilshad. Diese Liebe und das Wissen um die Vergebung sind es, die den Kurden veränderten. Mit der Zeit bemerkte er, dass er sich wandelte. Seine Gefühlskälte wich einer Liebe zu Menschen. Er konnte sogar weinen.

Gott ist Familie Eines Tages erhielt der ehemalige Muslim ein Schreiben der irakischen Behörden, worin erklärt wurde, er sei nicht mehr Mitglied seiner Familie in Kurdistan. Seine Familie hatte von seiner Konvertierung vernommen und ihn gemäss islamischem Gesetz für inexistent erklärt. Das war ein harter Schlag. Das regelmässige Lesen von Matthäus 12,46-50 tröstete ihn immer wieder: «Er aber sprach: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und streckte seine Hand aus über cz 4|06

seine Jünger und sprach: Siehe da, meine Mutter und meine Brüder!» Dilshads Familie sind die Nachfolger Jesu, sein Vater ist Gott im Himmel. In der Gemeinde habe er sogar drei geistliche Mütter, schmunzelt er. Heute pflegt er auch wieder ein wenig Kontakt zur leiblichen Familie. Zwei, drei Telefonate mit seiner Mutter, hin und wieder E-Mails. Das Thema Religion wird gemieden. Durch sein Christsein hat er die Familienehre verletzt. Und das ist etwas vom Schlimmsten, was man seiner islamischen Familie antun kann. Ein weiterer Unterschied zur christlichen Kultur, den Dilshad feststellt: Ein Fehltritt ist in der arabischen Kultur nicht weiter schlimm, es sei denn, dieser Fauxpas oder die Sünde komme ans Licht und schädige das Image oder verletze die Ehre. Vor dieser Ächtung durch Familie und Gesellschaft habe ein Muslim mehr Angst als vor der Rechenschaft gegenüber Allah, sagt er.

Der Zufriedene Dilshad macht heute einen zufriedenen Eindruck. Er ist mit einer Schweizerin verheiratet, besucht die Kirche und engagiert sich in der Asylbewerberarbeit. Hier kann er die sechs Sprachen, die er spricht, gut anwenden. Die Frage, ob er noch immer als Soldat zu den Waffen greifen würde, verneint er. Er würde auf andere Art versuchen, für das kurdische Volk zu kämpfen, etwa mit Schreiben. In seine Heimat möchte er auch nicht mehr zurück. Er vermutet, es stiegen zu viele schlimme und schmerzhafte Erinnerungen in ihm hoch. Seine Mutter sähe er aber gerne noch einmal.

Diese Liebe und das Wissen um die Vergebung sind es, die den Kurden veränderten. Mit der Zeit bemerkte er, dass er sich wandelte. Seine Gefühlskälte wich einer Liebe zu Menschen. Er konnte sogar weinen.

Was manchen zur Verzweiflung treiben würde, nimmt er gelassen: Er ist 41 Jahre alt und kann höchstens zwei bis drei Stunden am Stück arbeiten. Durch das Leben als Soldat hat er grosse gesundheitliche Probleme, eine Rückenoperation hinter sich und trotz Medikamenten ständig Schmerzen. Trotzdem scheint ihn der Mut nicht zu verlassen. Demnächst schliesst er einen Informatiklehrgang ab, um bessere Chancen auf eine andere Arbeit zu haben. «Es gibt jedoch genügend zu tun hier im Haus oder mit Freunden», sagt er lachend. Und für eine Tasse guten «çaj» sollte die Zeit immer reichen. Durch Dilshads Gastfreundschaft bin auch ich in den Genuss des Tees und der lachenden Augen gekommen. Ich bin einem Mann begegnet, den Gott als Hirte trotz äusserlich schleppendem Gang aufrecht durch alle Täler führt. Und man wünscht sich eines der Wunder von Jesus für ihn herbei, die er so sehr liebt. 1 Die PUK ist der irakische Teil der kurdischen

Befreiungsbewegung. Im Norden Iraks gibt es noch eine zweite Befreiungspartei, die Kurdische Demokratische Partei (KDP), und in der Türkei die PKK, der türkische Teil der kurdischen Befreiungsbewegung. 27


PERSONLICH «Liebe, Tränen und völlige Hingabe» Das persönliche Wort des Missionsleiters «Ich glaube, dass Jesus auf die Erde zurückkommen wird, um die Herrschaft zu übernehmen», sagte mein Gesprächspartner überzeugt. «Aber die Christen glauben das ja nicht!» Ich meinte, ich hätte den algerischen Ladenbesitzer in einem Vorort von London missverstanden. Dem war aber nicht so.

Hanspeter Nüesch Auch der Marokkaner im Kaffee nebenan bestätigte mir seinen Glauben an Jesus, arabisch Isa. Er freute sich so über unsere Begegnung, dass er mir die Rechnung erliess. Ich habe mich daraufhin intensiver mit dem Verständnis von Jesus im Islam beschäftigt, um festzustellen, dass Jesus für die Muslime nicht nur einer von Hunderten von Propheten darstellt, sondern einen Ehrenplatz einnimmt, allerdings klar hinter Mohammed.

Jesus, ein Prophet mit Ehrenplatz Gemäss dem Koran (Suren 4 und 5) ist Jesus das Wort Gottes, der Geist Gottes,

Gemäss Sure 19 ist Jesus ein Zeichen für die Menschen, vollkommen, ohne Sünde. Die gleiche Sure spricht sich aber auch gegen Jesus als Gottes Sohn aus. der Leben schaffte, der Kranke heilte, Tote auferweckte und in den Himmel erhoben wurde. Sure 4 sagt aber auch, dass Jesus nicht gottgleich sei, sondern nur der Gesandte Gottes, und verwirft 28

damit das Konzept eines dreieinigen Gottes, wobei die Muslime bei der Dreieinigkeit Maria an die Stelle des Heiligen Geistes setzen. Gemäss Sure 19 ist Jesus ein Zeichen für die Menschen, vollkommen, ohne Sünde. Die gleiche Sure spricht sich aber auch gegen Jesus als Gottes Sohn aus. Die Idee, dass Gott mit Maria – so verstehen sie es – einen Sohn gezeugt hat, ist für die Muslime Gotteslästerung.

Darum ist es wichtig, dass unsere Liebe zu ihnen nie auf Kosten der Wahrheit geht. Gerade wenn wir die Muslime lieben, dürfen wir ihnen die Wahrheit vom Erlöser Jesus Christus, der für ihre Sünden gestorben und auferstanden ist, nicht vorenthalten. Wir dürfen auch nicht so tun, als glaubten wir an denselben Gott. Der Allah der Muslime hat wenig mit dem sich uns in Liebe zuwendenden Vater-Gott der Bibel zu tun.

Gemeinsamkeiten sehen, aber auch die Unterschiede

Vorbilder aus der Kirchengeschichte

Bei allem Stellenwert, den gläubige Muslime Jesus zubilligen, teilen sie doch die zentralen christlichen Wahrheiten nicht. Sie lehnen es ab, dass Gott in Jesus menschliche Gestalt angenommen hat und durch seinen Tod am Kreuz das Sühnopfer für die Menschen dargebracht und uns mit Gott versöhnt hat. Sie lehnen eine persönliche Beziehung zu Gott als einem Vater und Freund ab. Sie lehnen die umfassende Erneuerung durch den Heiligen Geist ab. Und sie haben letztlich trotz aller religiösen Anstrengungen keine Gewissheit, dass ihre Sünden vergeben sind. Sie besitzen deshalb auch keinen bleibenden inneren Frieden.

In der Schweiz leben etwa 340 000 Muslime, davon besitzen gut 40 000 das Schweizer Bürgerrecht. Diese Zahl wächst stark. Wie sollen wir ihnen begegnen? Franz von Assisi war einer der ersten christlichen Missionare unter Muslimen. Er versuchte sie nicht mit Worten und Argumenten vom Evangelium Jesu Christi zu überzeugen, sondern dadurch, dass er Gottes bedingungslose Liebe zu leben versuchte. Saladin, der Herrscher der Sarazenen, liess bei der Abreise Franz von Assisis durch einen Dolmetscher Folgendes sagen: «Wenn ich jemals einen zweiten Christen wie dich treffe, dann werde ich Christ.» cz 4|06


begegnung mit muslimen | persönlich

• Memmo di Filipuccio (1294-1326): Die Feuerprobe vor dem Sultan. Aus dem Freskenzyklus zum Leben des Heiligen Franziskus von Assisi

Ein anderer sehr gesegneter Muslim-Missionar war der katalanische Ritter Ramon Llull (lateinisch Raimundus Lullus). Er wollte zuerst die Muslime mit kriegerischen Mitteln bekämpfen, bis ihm 1623 der gekreuzigte Christus erschien.

• Ramon Llull

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In der Folge versuchte er sie mit Liebe zu gewinnen, indem er als «Pilger Jesu» viele Reisen in die arabische Welt unternahm und auch andere aufforderte, es ihm gleichzutun. Er richtete an vielen Universitäten Arabischlehrstühle ein, damit die Christen die Herzenssprache der Muslime kennen lernen konnten. Auf die Frage, wie man Muslime für Jesus Christus gewinnen könne, antwortete er: «Durch Liebe, durch Tränen und durch völlige Hingabe.» Ramon Llull bezahlte seine Hingabe an die Muslime mit dem Märtyrertod.

Mehr Bescheidenheit ist angebracht Die Muslime müssen Christus in uns sehen, um offen zu werden für unseren Glauben an ihn. Bis jetzt haben sie in unserer «christlichen» Gesellschaft vor allem Oberflächlichkeit, Materialismus und moralische Dekadenz gesehen. «Und ihr Christen meint, ihr hättet uns etwas zu sagen?!» Die wenigsten Muslime sprechen dies offen aus, obwohl sie die sittliche Haltlosigkeit der «Christen» verabscheuungswürdig finden. Zu Recht, meine ich. Deshalb ist im Kontakt mit Muslimen zuerst einmal Bescheidenheit angebracht. Wir können von praktizierenden Muslimen einiges lernen. Und es ist auch gut, wenn wir ihnen ab und zu sagen, dass wir beeindruckt sind von ihrer Gottesfurcht, von ihrer Gebets- und Fastendisziplin, von ihrem Bestreben, 29


Gott zu gefallen und ein sittlich reines Leben zu führen, ob das ihnen nun gelingt oder nicht. Sie haben unsere freundliche Zuwendung verdient, besonders in einer Zeit, wo sie darunter leiden, oft mit Terroristen in Verbindung gebracht zu werden, gewissermassen unter terroristischem Generalverdacht zu stehen.

ihn zu diesem Schritt bewogen habe, antwortete er: «Ich habe gleichzeitig die Bibel und den Koran gelesen. Was für eine Diskrepanz zwischen Jesus in der Bibel und Mohammed im Koran!»

Wie viel ein gewinnendes Lächeln auslösen kann! Mehr als einmal haben unsere Gesprächspartner auf Missionsreisen uns gesagt, dass sie an unseren Augen sehen könnten, dass wir «gute Menschen» seien. Muslime sind derart in ihr religiöses Gedankengebäude verstrickt, dass sie eine Christusbegegnung brauchen, um offen zu werden. Blosse Worte genügen nicht. Der Libanese Henry Aoun, Verantwortlicher von Campus für Christus International für die islamische Welt, erzählt mittlerweile von Hunderten von Muslimen, denen Jesus Christus in Träumen oder Gesichten erschienen sei, manchmal als Gekreuzigter, oft einfach als Licht. Manchmal bereitete sie diese Erscheinung auf die anschliessende Begegnung mit einem Christen vor; oft wurden sie angewiesen, die Bibel als Gottes Wort an sie zu lesen. Andere begannen das Wort Gottes zu lesen, weil sie zumindest ansatzweise Christus in den Menschen sahen, die ihnen begegneten. Hunderte von Muslimen aus allen arabischen Ländern und aus dem Iran absolvieren im Moment Bibelfernkurse.

Ich weiss nicht, wie es Vural, so hiess er, heute geht. Viele Muslime haben nach ihrer Bekehrung eine sehr schwierige Zeit, in der sie unserer besonderen Unterstützung bedürfen. Und hier versagen wir Christen oft. Ein enttäuschter, zu Christus bekehrter Ex-Muslim schrieb einmal: «Offensichtlich ist es leichter, jemanden vor seiner Bekehrung als anschliessend zu lieben.» Viele aus dem Islam konvertierte Christen nehmen grosse Opfer auf sich. Die meisten verlieren den Kontakt zu ihren Herkunftsfamilien. Opfer in irgendeiner Form haben praktisch alle vom Islam konvertierten JesusNachfolger zu bringen. Vreni und ich besuchten vor einigen Jahren in verschiedenen Städten Marokkos die einheimischen Christen, zumindest diejenigen, von denen wir Kenntnis hatten. Als wir in einer Stadt von der Grösse Basels unsere Bezugsperson, einen Lehrer, trafen, sagte er uns, er sei gerade von einer Gebetszeit auf einem Berg zurückgekehrt, bei der er seine Hingabe zu Jesus Christus erneuert habe. Konkret heisse das für ihn, dass er ledig bleiben müsse, da die einzigen christlichen Frauen, die er in seiner Gegend kenne, seine zwei Schwestern seien. An anderen Orten sah es ähnlich aus: Die kleinen christlichen Gemeinschaften bestanden praktisch ausschliesslich aus Männern, da Frauen keine Entscheidungsfreiheit besitzen. Nur wenn der Chef des Hauses sich zu Christus bekehrt, dürfen sie das auch tun.

Meine Frau und ich durften vor vielen Jahren dabei sein, wie ein türkischer Muslim Jesus Christus als Erlöser und Herr in sein Leben einlud und sich in der Folge taufen liess. Auf die Frage, was

Nochmals zurück zum Thema: Wie können wir den Muslimen das Evangelium von Jesus Christus nahebringen? Einige schlagen vor, bei den Lehren des Koran anzuknüpfen und die Gemeinsamkeiten

«Ich habe gleichzeitig die Bibel und den Koran gelesen. Was für eine Diskrepanz zwischen Jesus in der Bibel und Mohammed im Koran!»

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und Unterschiede zur Bibel aufzuzeigen. Das setzt aber eine sehr gute Kenntnis des Islam voraus. Andere betonen deshalb, es sei besser, die Einzigartigkeit Jesu Christi in Leben und Lehre darzulegen und biblische Gleichnisse mit persönlichen Lebenszeugnissen zu untermauern, da orientalische Menschen Geschichten liebten. So oder so muss die Liebe Jesu in unserem Verhalten zum Ausdruck kommen. Wir können niemanden verändern, wenn wir diese Person nicht lieben. Sehen wir in unserem Gegenüber primär eine Person mit komischen, furchteinflössenden religiösen Ansichten oder einen Menschen, der das Bedürfnis hat, geliebt und angenommen zu sein, der sich nach Frieden und einem erfüllten Leben sehnt und den ganz praktische Probleme drücken? Die Erfahrung zeigt: Wenn wir ihnen das Gebet anbieten, sei es für den kranken Sohn, für eine Arbeitsstelle, für die Magenprobleme usw., nehmen neun von zehn Muslimen dieses Angebot dankbar an. Unsere Mitarbeiterin Monika Lukas, die seit sieben Jahren in Genf die missionarischen Sommerprojekte unter Touristen aus der arabischen Halbinsel leitet, hat mir dies bestätigt. Sie erzählte mir unter anderem von einer Begegnung eines Mitarbeiters mit einem Muslim, der mit vielen Fragen auf ihn zugekommen sei. Der Mitarbeiter: «Darf ich zuerst für dich beten?» – «Ja, gerne.» Dann folgte ein ausführliches Gebet. «Jetzt kannst du deine Fragen stellen.» – «Ich habe keine mehr. Als du gebetet hast, erschien mir Jesus und hat mir alle Fragen beantwortet.» Wie gut ist es doch, dass wir bei der Verkündigung des Evangeliums gerade unter Muslimen mit dem Beistand des Heiligen Geistes rechnen können, der immer Wege findet zu den Herzen der nach Wahrheit und Frieden suchenden Menschen! cz 4|06


begegnung mit muslimen | persönlich

Abraham – der Freund Gottes Abraham erhält als einziger Prophet in der Bibel und im Koran den Titel «Freund Gottes» (2. Chronik 20,7; Jesaja 41,8; Jakobus 2,23. Im Koran Sure 4,125). Christen können nun Muslime fragen, warum nur Abraham diesen einmaligen Titel erhält. Der Koran gibt nämlich darüber keine Auskunft, nur die Bibel tut dies. Abraham wird durch sein Gottvertrauen und seinen Gehorsam wunderbar geführt: Das Opfer, das Abraham bringen soll, ist ein Vorbild dafür, was Gott einmal durch seinen eigenen Sohn Jesus tun wird. Das heisst, Abraham erfährt durch dieses Erlebnis das Evangelium. Aus dieser Erfahrung konnte Abraham die ganze Botschaft Gottes erkennen (Isaak war ein Bild für Jesus, vgl. Johannes 8,56; 1. Mose 22,8): • Es ereignete sich durch den Sohn, den er liebte. • Der Sohn kam durch eine ungewöhnliche Geburt auf die Welt. • Das Opfer war ein Sündopfer. • Die Verheissung des Segens kam durch den Sohn. Jesus trug das Holzkreuz, so wie Isaak das Holz auf den Berg trug. Jesus wurde gefesselt wie auch Isaak. Schliesslich wurde Isaak nicht geopfert (Gott schickte ein Lamm, 1. Mose 22,11-13), er diente aber Abraham als eine Lektion für das, was Gott in der Zukunft durch seinen Sohn tun wird. Gott erinnerte Abraham an den Segen (1. Mose 22,16-18). Abraham erkannte, dass seine wahren Nachfolger nicht durch das Fleisch (leibliche Abstammung, Anm. d. Red.), sondern durch den Glauben kamen (Hebräer 9,8).

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Alle Menschen, die diese Tatsachen und damit den Glauben Abrahams annehmen, werden Kinder Abrahams und damit auch Kinder Gottes durch die Realität dieses Glaubens! Bestätigt wurde dies ebenfalls durch die Propheten (Jesaja 53,10) und Johannes den Täufer (Johannes 1,29). Das ist die Erklärung, weshalb Abraham der Freund Gottes genannt wird. Abraham vertraute Gott, dass sein Sohn leben wird, auch wenn er ihn opfern sollte! Zum gleichen Thema passen auch folgende Aussagen in der Bibel und im Koran:1 Aussagen

Koran

Abraham als der Vater und das Vorbild aller wahren Gläubigen

Vorbild: Sure 2,124. Juden: Lukas 3,8; Hanif: Suren 16,120; 3,67. Johannes 8,33+39. Christen: Römer 4,16

Gott lobt Abraham wegen seines Glaubensgehorsams

Sure 2,130; 2,135; 3,95; 6,161; 22,78

Galater 3,6-9

Verheissung eines Sohnes2

Sure 11,71; 37,112

1. Mose 17,15-16; Römer 4,18

Befehl, den Sohn zu opfern

Sure 37,102

1. Mose 22,1-13

Die folgenden Fragen können an Muslime gestellt werden: • Warum war Abraham der Vater aller wahren Gläubigen? • Worin bestand Abrahams Glaube?

Bibel

• Warum bekam Abraham den Befehl, seinen Sohn zu opfern? Die Bibel gibt Antworten darauf und erklärt die Zusammenhänge.

• (Quelle: Maurer, Andreas: Basiswissen Islam, Seite 114) 1

Es sind hier nur die wichtigsten Referenzen zu den entsprechenden Themen aufgeführt.

2 Muslime behaupten, dass Ismael und nicht Isaak der Sohn gewesen sei, der geopfert werden

sollte. Im Koran wird nicht explizit erwähnt, wie der Sohn hiess, den Abraham opfern sollte (vgl. Sure 37,100-113). Auch sind Muslime der Ansicht, dass das Opfer in Mina, in der Nähe von Mekka, stattgefunden habe.

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OPEN DOORS «Stärkt den Rest, der noch Leben hat...» Vom eisernen Vorhang zur islamischen Welt

Seit über fünfzig Jahren setzt sich «Open Doors» ein, verfolgte und benachteiligte Christen in ihrem Glauben zu stärken, sei es in Lateinamerika, Asien oder Afrika. Jonas Bärtschi, Mitarbeiter von «idea Schweiz», hat anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens der Organisation den Gründer und ehemaligen Leiter Bruder Andrew interviewt, der als «Schmuggler Gottes» bekannt wurde. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von «idea Schweiz»

Jonas Bärtschi idea Schweiz: Bruder Andrew, was ist die Mission von «Open Doors»? Bruder Andrew: «Open Doors» basiert auf dem Gedanken, dass es keine geschlossenen Türen gibt. Die Arbeit begann vor fünfzig Jahren in den Ländern des Kommunismus. Es gab damals keinerlei missionarische Tätigkeiten hinter dem Eisernen Vorhang, weil eben «die Türen verschlossen» waren. Gott gab mir den Eindruck, dass es möglich war, in diese Länder zu gehen. Einmal drinnen, merkte ich, dass die Türen überhaupt nicht zu waren und alle über Gott reden wollten – sogar die Soldaten der Roten Armee! Heute denken die Leute, du kannst nicht zu den Muslimen gehen, zu den Fundamentalisten, Terroristen und Rebellen. Aber auch dort ist die Tür weit offen. Alles, was wir tun müssen, ist zu gehen. Sie wurden bekannt als «Schmuggler Gottes». Wie sieht es denn heute mit dem Bibelschmuggel aus? 32

Bei meiner ersten Reise ging ich nur als Evangelist. Doch dann sah ich Gemeinden, in denen nicht einmal der Pastor eine Bibel hatte. Ich fand das ungerecht: Weshalb sollte ich zwei Bibeln besitzen, wenn sie keine haben? Ich versprach ihnen,bei meinem nächsten Besuch eine

‹Jesus sagte ‹Geh!›, und noch heute gibt es keine alternative zum Missionsbefehl in Matthäus 28.›

Bibel mitzubringen. Daraus entwickelten sich die grossen Schmuggelaktionen, und sie sind noch lange nicht zu Ende. Heute geht es um Millionen von Bibeln pro Jahr – vor allem für China und Nordkorea, aber auch für die Rebellen in Kolumbien. Gerade jetzt geht eine grosse Anzahl Schriften nach Afghanistan. «Stärke das andere, das sterben will» (Offenbarung 3,2). Dieser Vers hat Ihre Arbeit geprägt. Wo ist die christliche Gemeinde heute am lebendigsten, wo «will sie sterben»?

Ich glaube, dass die Gemeinde in der sogenannten «Dritten Welt» am lebendigsten ist – weniger materialistisch gesinnt und mehr auf Jesus ausgerichtet. Am härtesten ist es mit Sicherheit in den Ländern des Islam, wo die Verfolgung stark zugenommen hat, meiner Meinung nach gefördert durch die aggressive militärisch-politische Einstellung des Westens im Zusammenhang mit dem sogenannten «Krieg gegen den Terror». Wo liegt der Unterschied zwischen Christen in Europa und der verfolgten Gemeinde anderswo? Als Christen müssen wir echt sein. Wir sollten ohne Furcht jede Person ansprechen und an jeden Ort gehen, um Gottes Liebe mit den Menschen zu teilen. Wir im Westen haben aber eine verteidigende Position eingenommen. Wir versuchen, unseren Glauben zu beschützen, weil wir Angst haben, ihn zu verlieren. Wir nehmen für Jesus keine Risiken auf uns. Deshalb arbeiten wir auch nicht in der islamischen Welt. Ich habe die genauen Zahlen cz 4|06


begegnung mit muslimen | sac-evangelisation ...

• Legendär ist die Geschichte, wie Bruder Andrew mit seinem VW-Käfer Bibeln hinter den eisernen Vorhang schmuggelte. Bei jeder Reise lud er den Wagen voll Bibeln, um sie – oft unter grosser Gefahr – den Christen zu bringen, die keine besassen oder keine besitzen durften.

nicht präsent, aber ich glaube, dass es nie mehr als zwei Prozent aller Missionare weltweit waren, die unter Muslimen arbeiteten. Was ist der Grund dafür? Furcht! Wir fürchten uns, den Muslimen zu nahe zu kommen. Wenn du als Missionar gehst, musst du an-

‹Sie wissen nicht, dass Gott sie liebt, sie wissen nichts von Gott als Vater, von Jesus, vom Kreuz und der Vergebung.›

fangen, die Menschen zu lieben, sonst kannst du kein Missionar sein. Heute sehen wir uns aber mit einer Gehirnwäsche konfrontiert, die uns lehren will, Muslime zu hassen. Wir sind misstrauisch geworden und haben Angst. Wenn du in unserer Zeit – und ich spreche aus Erfahrung – zugibst, dass du eine Liebe für Muslime hast, erntest du schiefe Blicke. Schon seit Jahren plädiere ich dafür, dass wir cz 4|06

«Islam» buchstabieren müssen als «I sincerely love all Muslims» («Ich liebe alle Muslime aufrichtig»)! Nur so kannst du zu ihnen gehen – und das müssen wir, denn sie haben das Evangelium dringend nötig! Sie wissen nicht, dass Gott sie liebt, sie wissen nichts von Gott als Vater, von Jesus, vom Kreuz und der Vergebung. Welche Botschaft müssen wir denn vermitteln, um gehört zu werden? Ich glaube nicht, dass wir eine Botschaft vermitteln müssen, wir haben eine Botschaft zu bringen! Wir haben sie schon zur Genüge mit Radio und Fernsehen bombardiert. Ich sage nicht, dass das nicht nötig ist, aber solange wir nicht selber hingehen und Risiken auf uns nehmen, leben wir in einem Zustand der Realitätsflucht. Jesus sagte «Geh!», und noch heute gibt es keine Alternative zum Missionsbefehl in Matthäus 28. Zu gehen heisst, ihnen in die Augen sehen zu können, so dass sie meine Leidenschaft fühlen und sehen, dass ich es ehrlich mit ihnen meine.

• Bruder Andrew im Jahr 2006: Noch bis auf diesen Tag unterwegs, um die zu besuchen, denen er sein ganzes Leben gewidmet hat. Führte ihn Mitte der fünfziger Jahre sein Weg durch kommunistische Länder, reist er heute viele tausend Flugmeilen im Jahr in muslimische Länder.

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F A S S B A R

Naechst Wenn Nächstenliebe für Muslime fassbar wird Christen packen an: mit Herz und Hand Sie helfen beim Deutschlernen, geben Fahrstunden, besuchen sie im Asylbewerberheim, tauschen im kleinen Kreis über Glaubensfragen aus, geniessen ihre Gastfreundschaft und Herzlichkeit, nehmen Anteil an ihren Fragen, Unsicherheiten und Ängsten. Es ist faszinierend, ihnen zuzuhören, diesen vier gewöhnlichen Menschen, die Gottes Berufung folgen und ihr Herz an Menschen mit islamischem Hintergrund verschenken.

des Vereins «Christen begegnen Muslimen» motiviert er Gemeinden und Jugendgruppen, sich mit dem Islam und den Muslimen zu beschäftigen. Dabei würden ihm oft Christen begegnen, die unsicher seien und Angst hätten, auf Muslime zuzugehen.

Begegnungen: kritisch, aber liebevoll

«Ich werde im eigenen Glauben gestärkt»

Tom Sommer

Roland Weber, Sachbearbeiter in der Bundesverwaltung, lernt bei einem evangelistischen Einsatz mit «Operation Mobilisation» arabische Christen kennen und ist fasziniert. Er lernt Arabisch, reist wiederholt in den Nahen Osten und beschäftigt sich eingehend mit dem Islam. 34

«Je mehr ich über den Islam und seine Kultur weiss, desto besser kann ich Fragen stellen und in einen echten Dialog mit Muslimen treten.» Ein Leitsatz von Roland Weber, der betont, dass er durch die vergleichende Auseinandersetzung mit Bibel und Koran in seinem christlichen Glauben selbst immer wieder gestärkt werde. Als freiwilliger Mitarbeiter

Weber will aber auch Muslime herausfordern, Dinge einmal andersherum zu denken, als sie es gewohnt sind. «Das Beherrschen der arabischen Sprache ist ein grosser Tür- und Herzensöffner», betont Roland Weber, der dadurch in vielen Begegnungen auch schon sehr privaten Einblick in Familien erhalten hat. So könne er in Gesprächen auch darauf pochen, dass es Grenzen zu respektieren gelte, dass man mit unsorgfältiger Wortwahl einander verletzen könne. «Habt ihr diese Aussage wirklich geprüft, ist sie korrekt, oder plappert ihr einfach etwas nach?», sagt er zum Beispiel. Roland Weber: «Ich selbst muss immer wieder klar cz 4|06


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tenliebe signalisieren, dass ich meinen eigenen Glauben habe und mein Gegenüber kein Recht hat, mir diesen einfach zu zertrampeln.» Damit wolle er seine muslimischen Gesprächspartner zu einer kritischen Selbstreflexion herausfordern und zeigen, dass vieles, was sie behaupteten, gar nicht im Koran stehe.

ckende Korsett des allumfassenden Gesetzeswerkes der Scharia.» Es sei wirklich ein langwieriger Prozess in diesen Gesprächen. Ohne das Wirken des Heiligen Geistes sei kein Durchbruch der Erkenntnis zu erwarten, denn der christliche und der islamische Glaube seien einander völlig entgegengesetzt.

Ohne Furcht Fragen stellen

«Anonyme Ohren» sind gefragt

Solche Begegnungen seien für Muslime eine einzigartige Chance, denn sie könnten endlich einmal einem Gegenüber ungeniert und ohne Furcht Fragen stellen. Den Islam zu hinterfragen sei ihnen eigentlich verboten, damit gälten sie bereits schon als Abtrünnige. Von ihm, so betont Roland Weber, hätten sie jedoch nichts zu befürchten.

Der Muslim könne sich Gott nicht nähern, sondern nur hoffen, dass sich

Die Suche nach Gott und nach Wahrheit sei für Muslime immer aktuell. «Eine Chance für Christen, gut vorbereitet und mit viel Liebe da zu sein, für getäuschte oder enttäuschte Muslime.»

Recht und Leben im Islam In islamischen Staaten würden immer wieder Wettbewerbe durchgeführt, wer wie früh den Koran auf Arabisch auswendig von A bis Z rezitieren könne. Zum eigentlichen Studium der Schriften würden die Menschen jedoch nicht angehalten. Sehr strikt, so erklärt Roland Weber, gelte es einfach zu befolgen, was in den islamischen Schriften geregelt sei. «Das betrifft das ganze Leben: Die Beziehung des Menschen zu Allah, aber auch die Beziehungen der Menschen untereinander – sowohl im privatrechtlichen als auch im öffentlich-rechtlichen Bereich.» Roland Weber spricht über die unsichere Seite dieser Menschen, das Dilemma, in dem sie sich befinden: «Die Terroranschläge haben sie verunsichert. Andere sind enttäuscht durch das enge, bedrücz 4|06

dieser ihm gegenüber gnädig verhalte. Wie unter einem Damoklesschwert lebe er ständig in der Angst, dass ihm die «gespeicherten» Fehler vorgehalten würden. Die Sündenvergebung sei im Islam ein heikler Punkt. Ein sie liebender Gott sei den Muslimen fremd. Roland Weber hakt hier in seinen Gesprächen gerne nach und fragt die Menschen, «wie sie sich denn dabei fühlen». Für Roland Weber ist klar: Muslime brauchen «anonyme Ohren» und Beziehungen, um immer wieder Fragen stellen zu können. Die Suche nach Gott und nach Wahrheit sei für Muslime immer aktuell. «Eine Chance für Christen, gut vorbereitet und mit viel Liebe da zu sein, für getäuschte oder enttäuschte Muslime.»

«Christen haben viel zu viel Angst» «Ich bin überhaupt nicht der Typ für Pionieraufgaben – dachte ich zumindest!» Hedi Buchs, früher Entwicklungshelferin auf einer Missionsstation in Papua-Neuguinea, arbeitet im Auftrag einer Brüdergemeinde vollzeitlich in der Betreuung von Asylsuchenden in der Region Bern. Tom Sommer Eine Gebetskarte hat Hedi Buchs damals im Ausland die Augen dafür geöffnet, wie gross und stark wachsend der Anteil von Muslimen in der Welt ist. Wieder zurück in der Schweiz, lässt sie der 35


Naechst Gedanke nicht los, den Muslimen hier das Evangelium nahezubringen. In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen besucht sie, ganz offiziell als christliche Sozialarbeiterin, Asylzentren, pflegt intensive Kontakte zu den ausländischen

Hedi Buchs. Ihr Leben sei zutiefst von Pflichten und Regeln bestimmt und sie müssten nun als Interessierte am christlichen Glauben ein total neues Verständnis einer Gottesbeziehung entwickeln. Auch wenn Muslime beeindruckt seien vom freundschaftlichen und offenen Umgang der Christen miteinander, stünden ihnen von klein auf gelernte Einwände im Weg: Die Bibel sei verfälscht, Gott habe keinen Sohn und gekreuzigt worden sei dieser Jesus auch nicht. Für Hedi Buchs ist klar: Muslime lernen das Christentum nur kennen, wenn sie selbst die Bibel lesen. Gerade für muslimische Frauen tue sich hier ein Problem auf:

Die Bibel sei verfälscht, Gott habe keinen Sohn und gekreuzigt worden sei dieser Jesus auch nicht. Menschen und lädt sie zu christlichen Festen ein. Effekt: Man ruft geradezu nach ihr, sie solle sich noch mehr Zeit für persönliche Besuche nehmen.

«... damit sie Gott neu sehen» Hedi Buchs hilft mit, Deutschkurse für Ausländerinnen und Ausländer durchzuführen, unterstützt sie beim Gang zu Behörden und stellt Zeit für Autofahrstunden zur Verfügung. Durch ihre Kenntnisse in Arabisch, Persisch und Kurdisch gewinnt sie Vertrauen und bekommt auch Kontakte zu ausländischen Menschen, die schon länger in der Schweiz sind – Menschen, mit denen sie auch Gespräche über den christlichen Glauben führen will. «Mittlerweile haben wir eine kleine persische Gemeinde: Sechs bis acht Leute treffen sich alle zwei Wochen, um das Jüngersein in der Gefolgschaft Jesu zu lernen.» Der freiwillige und regelmässige Besuch einer solchen Versammlung sei Muslimen völlig fremd, betont 36

Christen sollten unbedingt auch eine Ahnung der Grundlagen des islamischen Glaubens und der zentralen Aussagen des Koran haben. Aufgrund ihrer Stellung als Frau und ihrer geringeren Bildung hätten sie oft nicht die Fähigkeit entwickelt, sich gedanklich gründlich mit etwas auseinanderzusetzen. «So kann die Antwort auf die Frage nach dem Ramadan lauten: ‹Wir tun dies, weil wir Muslime sind. Punkt.›» Hier brauche es ganz einfach praktische Liebe und Begleitung im Gebet. Allerdings, bestätigt Hedi Buchs, offenbare sich Gott den Muslimen sehr häufig durch übernatürliche Träume,

die in ihnen ein Suchen und Fragen nach der Wahrheit auslösten.

Sie sehnen sich nach Liebe und Annahme «Christen haben viel zu viel Angst vor Muslimen», betont Hedi Buchs, «statt sie als Menschen zu sehen wie wir, die sich nach Annahme und Liebe sehnen.» Christen sollten unbedingt auch eine Ahnung der Grundlagen des islamischen Glaubens und der zentralen Aussagen des Koran haben. «Auch wenn es nur wenig ist; aber man kann dann ehrlich antworten und zeigen, dass man an ihrem Glauben und Leben interessiert ist. Das öffnet ihr Herz!» Auch das Äussere sei für Muslime von entscheidender Bedeutung. Eine Frau im Minirock, erklärt Hedi Buchs, sei keine richtige Gesprächspartnerin in Glaubensfragen. Das wirke für die meisten islamischen Kulturen zu provokativ. Aufgrund ihrer Kleidung hat sie selbst schon das Kompliment bekommen: «Ich sehe, du bist eine gute Frau.» Gerade auch beim öffentlichen Auftritt mit einem Stand in der Stadt Bern sei dieses «ganzheitliche Zeugnis» sehr entscheidend. So könne das Team pro Mal rund vier bis sechs Neue Testamente weitergeben. Hedi Buchs will mit Schulungs- und Motivationsarbeit vermehrt die christlichen Gemeinden sowie ihre Leiterinnen und Leiter für die wachsende Volksgruppe der Muslime gewinnen.

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tenliebe «Gespräche mit Muslimen sind einfacher als mit Namenschristen» Renato spricht Arabisch, spielt ausgezeichnet Gitarre, ist in der Welt herumgekommen, hat eine Vorliebe für islamische Länder und Völker, war Musiklehrer und Kindergärtner. Monika Blatter Warum er diese Vorliebe habe, könne er nicht sagen. Renato besuchte für zwei Jahre eine Sprachschule in Jordanien. Heute beherrscht er die arabische Sprache so gut, dass er sich öfters mal in ein Gespräch einmischt, wenn er Arabisch hört. «Die Leute sind immer verblüfft und hocherfreut», erzählt er. Ob er wirklich ein Schweizer sei? – So schnell sei ein Kontakt entstanden! Renato fällt auf, dass Muslime in Europa viel freier seien von religiösem Druck und dem sozialen Umfeld und deshalb offener, über das Christentum zu reden. Muslime hätten, geprägt von ihrer Religion, erstens keine Zweifel, dass Gott existiere, und zweitens allgemein mehr Gottesfurcht. «Das Thema Religion ist präsenter als bei Namenschristen», meint er, «daher sind Gespräche darüber viel einfacher.» Auch wenn er oft wenig Ehrlichkeit von arabischer Seite her spürt, findet Renato cz 4|06

diesen Wert wichtig und will Offenheit, Wahrheit und Authentizität in Beziehungen leben, sich aber auch für die Leute Zeit nehmen, weil das in der arabischen Kultur viel bedeutet. Eine wichtige Lektion dazu hat er in Pakistan gelernt: Einmal habe ihn ein Mann auf der Strasse zu sich nach Hause eingeladen. Schliesslich sei Renato drei Tage dort geblieben, einfach so. Er habe den Mann auf seinem Rundgang von einem Besuch zum anderen begleitet, man sei zu Bekannten gegangen, zwanzig oder dreissig Minuten auf eine Tasse Tee geblieben, habe nach dem Befinden gefragt und sei weitergezogen. Diese Gastfreundschaft habe ihn beeindruckt und die Art dieser spontanen Besuche bei Bekannten wolle er selbst leben. Etwas, was Renatos libanesische Frau hier in der Schweiz etwas vermisst. Sie findet, hier seien selbst Beziehungen geplant und sehr «gründlich».

her sehr einfach.» Der Iraker begleitete ihn in die Gemeinde und erhielt dort in einer Zweierbeziehung Unterweisung. Das sei schon eher die Ausnahme, meint Renato. Erstens sei es nicht selbstverständlich, dass ein Muslim konvertiere, und zweitens sei der regelmässige Gemeindebesuch ein Problem: Immer bestehe die Angst vor der Kontrolle durch die Landsleute, auch wenn Muslime hier im Westen mehr religiöse und soziale Freiheiten geniessen würden als im eigenen Land. Man kenne sich, wisse voneinander. Der Kollege sage es einem Verwandten. Der Verwandte gebe es an die Familie im Heimatland weiter. Und das Risiko steige, geächtet oder bedroht zu werden. Vor allem wenn man wieder ins eigene Land zurückkehren müsse. Asylsuchende aus islamischen Ländern hätten viel mehr Angst vor dem «Verrat» durch eigene Landsleute als vor Schweizern oder vor der Gefahr, in eine Sekte zu geraten.

Angst vor Kontrolle und «Verrat» durch Landsleute

Für Frauen sei eine Hinwendung zum Christentum noch schwieriger. Sie müssten ihren Glauben oft im Geheimen ausleben, wenn er vom Ehemann nicht toleriert werde. Da seien Kirchenbesuche fast unmöglich. «Das bringt uns zurück zur Gastfreundschaft», erklärt Renato, «denn Einladungen ins eigene Haus sind willkommen.» Auf diese Weise könne man Essen, Freundschaft und Glaubensthemen auf den Tisch und auf den Punkt bringen. Genau so, wie es Renato und seine Frau ausleben.

Seit kurzem arbeitet Renato in der Stiftung «Wendepunkt», die sich für die Einarbeitung und Eingliederung von Arbeitslosen einsetzt. Hier kann er seine reiche Erfahrung mit Asylsuchenden einbringen. Als er einmal mit einem jungen muslimischen Mann heimfuhr, sprachen sie über das beim Treff Gehörte und den Glauben. Noch am selben Abend entschloss sich der Iraker, ein Jünger Jesu zu werden. «Es war von Gott in die Wege geleitet und da-

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Naechst «Ich liebe ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft» «Zeigt auch ihr den Ausländern eure Liebe!», heisst es in 5. Mose 10,19. Fredi 1 nimmt sich das zu Herzen und lernt Sprachen. Seine ganze Person strahlt Freundlichkeit aus. Er setzt einen guten Teil seiner Zeit für die Betreuung von Fremden ein. Monika Blatter Einst hatte Fredi als Programmierer mit Computern zu tun gehabt, doch seine Berufung führte ihn auf einen anderen Weg. Menschen mit einer tiefen Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott beschäftigen ihn. Nach dem Besuch einer Bibelschule widmet er heute einen Teil seiner vollzeitlichen Gemeindearbeit den «Fremdlingen». Schon früh hat er begonnen, Italienisch und Spanisch zu lernen, da er spürt, dass seine Berufung im Umgang mit ausländischen Menschen liegt. So konzentriert er sich vorerst auf Italienisch und Spanisch sprechende Menschen. Bis ihn eines Tages ein jüdischer Freund in ein grosses Asylbewerberzentrum mitnimmt. Fredi ist fasziniert von der Vielfältigkeit der Kulturen. Am ersten Abend lernt er junge Kurden aus dem Irak kennen, die ihm gleich die ersten kurdischen Worte beibringen. 1 Name von der Redaktion geändert.

Fredis jüdischer Freund engagiert sich bei einem regelmässigen Asylbewerbertreff und lädt auch ihn ein. Bei seinem ersten Besuch kann es Fredi kaum fassen: Eine kleine Gruppe engagierter Christen hat Menschen verschiedenster Herkunft zusammengebracht. Um die Tische sitzen Türken, Kurdinnen, Araber, Iranerinnen, Afghanen, Pakistanerinnen, alle nach Sprachgruppe geordnet. Nach einigen Liedern hören sie eine Botschaft auf Deutsch, die in die jeweilige Sprache übersetzt wird. In einer Ecke sitzen die Kinder und malen.

Gnade, Versöhnung, Freiheit Fredi denkt an das Pfingstfest in Apostelgeschichte 2: «Damals hörten Menschen vieler Nationen in ihrer eigenen Sprache die grossen Taten Gottes. Heute treffen wir Menschen aus den gleichen Volksgruppen hier in der Schweiz an.» Diese Menschen lassen sich zu den monatlichen Treffen einladen und kommen, um von der Liebe Gottes zu hören. Sie schätzen die Gelegenheit, mit Schweizerinnen und Schweizern sowie anderen Asylsuchenden Beziehungen zu pflegen. Die meisten stammen aus islamischen Ländern, wo sie kaum Christen kennen und für das Evangelium nicht erreichbar sind. Hier bietet sich die Gelegenheit, ihnen die Gute Nachricht weiterzugeben. Da will er mithelfen.

«Bei einem Treffen erzählte ich die Geschichte vom Passahlamm und dem Würgeengel, von Israels Auszug und Errettung und dem Tod aller Erstgeburt bei den Ägyptern – und durch das Thema ‹Tod und Errettung› wird eine junge Frau berührt.» Im persönlichen Gespräch erzählt sie von ihren Angstträumen und Suizidgedanken. Sie nimmt Jesus als Retter in ihr Leben auf. Nach Seelsorge und Gebet kommen Licht, Freude und Liebe in ihr angsterfülltes, traumatisiertes Leben hinein. Aber wie wird ihre Familie reagieren? «Ich riet ihr, zur Vorsicht noch nichts von ihrer Umkehr zu erzählen. Bald legte auch ihre Mutter die anfängliche Ablehnung ab, fasste Vertrauen und besucht nun ebenfalls unsere Treffen.»

Geschichten erzählen

Ein Muslim zolle Allah sehr grossen Respekt. «Vermischt mit Angst», meint

Die islamische Herkunft der Menschen 38

fordert ihn heraus, sich mit dieser Kultur auseinanderzusetzen. Er lerne viel von und mit ihnen, sagt er, und liebe die Herzlichkeit, Offenheit und Gastfreundschaft dieser Menschen. Er bewundert auch ihren Respekt gegenüber Gott, seinen Büchern und dem Gebet, und er weiss um die arabische Tradition des bildreichen Geschichtenerzählens. So erzählt er selbst in Form von Geschichten von der Liebe Gottes und sucht Anknüpfungspunkte bei Geschichten, die Muslimen bekannt sind.

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tenliebe Fredi. «Die Gewissheit von Vergebung und Errettung gibt es in dieser Religion nicht.» So betont Fredi immer wieder die Gnade und Freiheit, die die Auferstehung von Jesus Christus bewirken. Er spricht auch viel von der Versöhnung untereinander und mit Gott – ein zentraler christlicher Aspekt, der seiner Meinung nach im Islam zu wenig betont wird. Einzelne hören gerne zu und sind grundsätzlich gegenüber biblischen Botschaften offen. Innerhalb bestimmter Volksgruppen erlebe er jedoch häufig Misstrauen, Neid und Gerede, wenn jemand zu eng mit Schweizerinnen oder Schweizern, insbesondere mit Christen, Kontakt habe. Die Angst, Ansehen untereinander zu verlieren, sei immer präsent. Das Pflichtgefühl gegenüber der Religion, der Gesellschaft und vor allem der Familie sei gross. So entdeckte einmal ein Bekannter eines Asylbewerbers, dass dieser in der christlichen Versammlung gewesen war, und rief den Onkel des Betreffenden an. Dieser stand bei der Heimkehr des Asylbewerbers vor dessen Türe und forderte Rechenschaft: «Was habe ich gehört? Du bist in der Kirche gewesen?!» Der Gefragte wiederum musste sich rechtfertigen, er sei ein erwachsener Mann, der eigene Entscheidungen treffe, und er als Onkel müsse sich nicht für ihn verantwortlich fühlen. cz 4|06

Taten und klarer Dialog Asylsuchende haben viele Bedürfnisse. Sie sind einsam, stecken im Umfeld des Asylbewerberheims fest, müssen sich im schweizerischen Gesetzesdschungel zurechtfinden und dürfen nicht arbeiten. Fredi besucht sie in den Heimen und hilft manchmal, wenn es um Behörden, Arbeit, Familie oder die Wohnungssuche geht. Diese praktische Hilfe fördert die Beziehung und das Vertrauen. Fredis Ehefrau und ihre Kinder sind ebenfalls offen und unkompliziert im Kontakt mit Asylsuchenden. Alle schätzen sie den Kontakt zu ausländischen Menschen, erhalten oft Besuch. Auf einem öffentlichen Spielplatz hält seine Frau Kinderstunden, die auch von muslimischen Kindern gerne besucht werden. Für die andersgläubigen Eltern ist es wichtig, dass diese Geschichtenrunden im öffentlichen Raum stattfinden. Es kommt, wenn auch eher selten, vor, dass Eltern den Kindern die Teilnahme verbieten. Fredi sucht das Gespräch mit Muslimen, will ihnen klar begegnen und Christus bekennen. Manchmal müsse er diplomatisch sein und eine Konfrontation vermeiden. «Ich zeige Gemeinsamkeiten auf, will mich aber auch nicht anbiedern und nenne klar die Unterschiede», erzählt er. Er habe ein-, zweimal Drohungen erhalten, weil er immer wieder vom Glauben gesprochen habe. Für einige

Muslime, die Christen geworden seien, sei dieses Problem allerdings relevanter als für ihn: «Zum Teil haben sie grosse Angst vor den Reaktionen ihrer Landsleute oder einer allfälligen Rückkehr in ihr Heimatland.» Der Dialog mit Muslimen braucht viel Zeit, weil er über Beziehung und (Gast-) Freundschaft läuft. Beides hat man manchmal nicht, weil Asylsuchende nach einer gewissen Zeit wieder fortge-

Die Angst, Ansehen untereinander zu verlieren, sei immer präsent. Das Pflichtgefühl gegenüber der Religion, der Gesellschaft und vor allem der Familie sei gross. hen. So gestalten sich langfristige Beziehungen, eine dauerhafte Freundschaft und die Integration in eine Gemeinde recht schwierig. Mühe macht Fredi, wenn er merkt, dass der Kontakt zu ihm nur aus egoistischen oder materialistischen Gründen gepflegt wird. Fredi scheint Geduld gelernt zu haben. Er nimmt sich Zeit. Liess er sich vom gemächlicheren Lebensrhythmus orientalischer Menschen anstecken? «Auf jeden Fall», findet er, «können beide Seiten viel voneinander profitieren und lernen.»

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Naechst 10 Ratschläge zur Begegnung mit Muslimen Dr. Andreas Maurer, Februar 2006 1. Sieh in jedem Muslim zuerst den Menschen • Die wenigsten sind Fanatiker oder Fundamentalisten. • Die meisten sind hier, weil sie ein besseres Leben haben möchten. • Die meisten Muslime sind einfache Menschen, die Gott dienen wollen. • Sie haben Wünsche, Hoffnungen, Freude und Schmerz – wie wir auch!

• Grosser Unterschied zum Westen besteht in der Begegnung der Geschlechter. • Als Christen müssen wir in diesem Punkt feinfühlig sein. • Christen sollen ihre Kultur und Denkweise kennen lernen und respektieren.

2. Sieh die Muslime in ihrer Unterschiedlichkeit • Klischees und Vorurteile taugen nichts. • Zeige Interesse und versuche, die Person kennen zu lernen. • Jeder Muslim ist eine individuelle Person; wie wir alle auch! • Ihr islamischer Glaube ist sehr unterschiedlich (Volksislam, Gruppierungen) 3. Verstehe ihre innere Spannungen • Viele Muslime sind zwischen ihrer Heimat und der westlichen Kultur hin und her gerissen. • Kinder leben zwischen patriarchalischem Elternhaus und demokratisch liberaler Umwelt. • Geistliche Spannung: Was ist der Islam und wie sollen sie ihn praktizieren? 4. Beachte die andersartige Kultur • In ihrem Herkunftsland ist vieles anders; es gelten Regeln und Tabus.

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5. Habe keine Angst vor dem Islam • Muslime erscheinen äusserlich oft selbstsicher, sind aber oft unsicher und leben in Angst. • Der Islam ist keine Bedrohung, sondern eine Herausforderung. Jesus hat ja gesiegt! • Christen kennen die Wahrheit! Die gute Botschaft soll verständlich erzählt werden. 6. Gehe auf Muslime zu, ergreife Initiative • Ergreife die Initiative und gehe auf Muslime zu: Wir sind oft zu Begegnungsscheu. • Viele Muslime leider darunter, dass sie abgegrenzt werden: Überwinde diese Barrieren. • Entwickle neue Ideen und Möglichkeiten der Begegnung. 7. Gib Gottes Liebe an die Muslime weiter • Muslime sind auch Gottes Geschöpfe: Gott liebt sie! So sollen auch wir sie lieben!

• Muslime kennen Gottes Liebe nicht! Christen sollen die Liebe Gottes weitergeben. • Gib vorerst die Liebe ganz praktisch weiter; nachher kann die Liebe Gottes erklärt werden. 8. Rede zu ihren Herzen, vermeide Streitgespräche • Man kann über einfache alltägliche Dinge reden – Dinge die sie beschäftigen. • Erkenne ihre Not, Angst und Zweifel der Muslime. • Bete für die Muslime – und wenn es möglich ist, auch direkt mit dem Menschen. 9. Rede bekennend • Sprich natürlich und überzeugend von deinem Glauben an Gott und die Auswirkungen. • Zur gegebener Zeit kann das persönliche Bekehrungserlebnis erzählt werden. 10. Erkläre die Bedeutung von Jesus • Bitte nicht den Islam schlecht machen; Polemik vermeiden. • In erster Linie soll Jesus gross gemacht werden; Jesus ist mehr als ein Prophet! • Die Einmaligkeit und Mission von Jesus soll erklärt werden

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K U LT U R E N Wenn Kulturen aufeinandertreffen Integration fremdländischer Menschen in der Schweiz «Es ist sicher nicht nötig, dass alle Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz jassen, schwingen und jodeln lernen», meint Urs Winkler, der ehemalige Vizedirektor und Chef der Abteilung Asylverfahren des Bundesamtes für Migration (BFM). Im Gespräch über Integration erzählt er von seinen Erfahrungen und antwortet auf verbreitete Fragen, Ängste und Vorurteile. Heute ist Urs Winkler als CEO von «World Vision Schweiz» tätig.

• Rund ein Fünftel der schweizerischen Wohnbevölkerung ist ausländischen Ursprungs. Darin spiegelt sich die Tradition unseres Landes, Menschen zumindest auf Zeit einen sicheren Hort oder gar eine neue Heimat zu bieten. 42

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Tom Sommer Christliches Zeugnis: Was bedeutet für Sie Integration von ausländischen Menschen in der Schweiz? Urs Winkler: Es gibt verschiedene Grade der Integration. Wichtig sind das Beherrschen der jeweiligen Wohnortssprache, das Akzeptieren der hier geltenden verfassungsmässigen Grundrechte, eine gesunde Durchmischung mit der schweizerischen Bevölkerung in den sozialen Kontakten, ein gewisses Wohlfühlen in der Schweiz sowie ein grundsätzliches Interesse an den Vorgängen in unserem Land. Dass gleichzeitig noch verschiedene Verbindungen mit Bräuchen aus dem Herkunftsland weiter bestehen, empfinde ich als Bereicherung. Wie konkret hatten Sie direkt mit asylsuchenden Menschen zu tun? Ich besuchte regelmässig die vier Empfangsstellen des Bundes wie auch Zentren von Kantonen und Gemeinden und bin dort immer sehr direkt mit den Asylsuchenden in Kontakt gekommen. Hie und da war ich als aufmerksamer Zuhörer an einer Anhörung der Asylentscheiderinnen und -entscheider dabei. Schliesslich gab es auch immer wieder Gespräche zu schwierigen Einzelfällen. In der Regel beschäftigte ich mich aber mit Grundsatzfragen und mit der allgemeinen Asylpraxis. Welche Erwartungen oder gar Ansprüche kamen Ihnen bei der Begegnung mit Asylsuchenden entgegen? Asylsuchende haben primär die Hoffnung auf ein besseres Leben. Not, Armut, Arbeitslosigkeit, Verfolgung, Korruption, Diskriminierung und «Perspektivlosigkeit» sind die Hauptgründe, warum die Menschen ihr Heimatland verlassen. Sie wollen hier cz 4|06

in Sicherheit leben und arbeiten, damit sie sich und ihren Angehörigen helfen können. Einige haben klare politische Haltungen. Diese beziehen sich aber fast immer auf die Herkunftsregion und ganz selten auf die Schweiz. Fühlten Sie sich von Asylsuchenden je hintergangen oder hatten das Gefühl, getäuscht zu werden? Asyl und Migration hängen stark zusammen. Weil für Migrantinnen und Migranten aller Länder (ausser EU/

Vorstellungen über Grundrechte und Grundwerte total auseinanderdriften, besteht tatsächlich ein so genannter «Clash of Civilisations» (Kulturkonflikt), und ein friedliches Zusammenleben wird in der Tat ganz schwierig bzw. unmöglich.

EFTA) der legale Eintritt zum Arbeitserwerb in der Schweiz ganz schwierig ist, tarnt man sich manchmal als Asylsuchende bzw. Asylsuchender. Oder man sucht sich einen Ehepartner in der Schweiz. Bei diesen Bemühungen wird man erfinderisch und nimmt es mit der Wahrheit nicht immer so genau. Da sehr viele Asylsuchende aber wirklich aus ganz schwierigen Verhältnissen kommen, habe ich dafür ein gewisses Verständnis. Richtiggehend getäuscht kam ich mir nie vor.

Muslime haben vom Koran her kein Demokratieverständnis, wie westliche Kulturen das kennen. Hatten Sie schon Zweifel an der Gutmütigkeit von entsprechenden Asylsuchenden, Angst vor Unterwanderung? Ich bin nicht so sicher, ob sich der Islam und die Demokratie wirklich ausschliessen. Ein grosses Problem ist aber die Intoleranz des Koran bzw. der entsprechenden Lehren. Es ist eine Tatsache, dass die Muslime einen grossen Teil der Einwanderer in der Schweiz ausmachen und sie auch mehr Kinder haben. Der allergrösste Teil dieser Menschen ist sehr friedlich. Gefährlich sind jedoch die islamistischen Scharfmacher. Diese müssten wir unverzüglich wegweisen können. Als Christen haben wir den Auftrag, den Muslimen in der Schweiz etwas von der freimachenden Botschaft Jesu Christi weiterzugeben. Hierzu braucht es vor allem Liebe für unsere Mitmenschen und nicht Angst.

Oft geht es ja darum, Menschen mit einem ganz anderen Welt- und Menschenbild aufzunehmen. Fürchten Sie sich vor terroristischen Attacken in unserem Land? Als Christ, der weiss, dass sein Leben in Gottes Hand liegt, habe ich davor zwar keine Angst, aber grossen Respekt. In jedem Asylverfahren wird bei entsprechenden Verdachtsmomenten die Asylunwürdigkeit gut geprüft. Alle Personen, die die Befragungen jeweils vornehmen, sind genau für diesen Sachverhalt geschult und besonders sensibilisiert. Wenn die

Wie weit soll die Sicherung der religiösen Neutralitätspflicht gehen (Stichworte: Kopftuch, Kreuz usw.)? Oder anders: Wie weit müssen eventuell eigene Grundwerte verleugnet werden, um dem Toleranzgedanken wirklich Raum zu geben? Da besteht in der westlichen Welt ein gewisses Spannungsfeld. Einerseits stehen wir ein für Religionsfreiheit, die für alle gilt. Andererseits zählen wir uns zum christlichen Abendland und stehen ein für die christlichen Werte. Für mich hört die Toleranz dort auf, wo die Grundrechte unserer

Als Christen haben wir den Auftrag, den Muslimen in der Schweiz etwas von der freimachenden Botschaft Jesu Christi weiterzugeben.

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Die Muslime in der Schweiz sollen die überzeugende Kraft des Evangeliums im Alltag spüren können. Da ist ein glaubwürdiges Christsein gefragt.

Verfassung wie zum Beispiel die Gleichstellung von Mann und Frau oder die persönliche Freiheit der eigenen Partnerwahl tangiert werden. Diese Rechte sind ohne Wenn und Aber im Alltag umzusetzen. Manchmal braucht es auch eine Güterabwägung. Dort steht dann für mich das christliche Abendland mit seinen Werten klar im Vordergrund. Ich vermute, dass wir bei gewissen Gerichtsurteilen nicht konsequent genug waren. Ist ein verschärftes Asylgesetz gerechtfertigt, oder gefährdet es unsere humanitäre Tradition? Es ist ja nicht ganz unumstritten, ob die Schweiz wirklich eine derartige humanitäre Tradition hat. Die Asylgesetzrevision will primär den Vollzug der negativen Asylentscheide verbessern.

Einerseits durch eine Verschärfung (allgemeiner Fürsorgestopp bei negativen Entscheiden), damit weniger Asylsuchende kommen, und anderseits durch einen Ausbau der Zwangsmassnahmen im Vollzug (unter anderem neu: Durchsetzungshaft). Mir gefällt der allgemeine Geist einer gewissen Fremden- und Ausländerfeindlichkeit vieler Befürworterinnen und Befürworter dieser Asylgesetzrevision nicht. Wie stellt sich das Problem von Mischehen zwischen Muslimen und (christlichen) Schweizerinnen bzw. Schweizern? Inwieweit ist das ein Problem, vor allem auch im Hinblick auf Scheinehen? Mischehen zwischen Muslimen und (christlichen) Schweizerinnen sind oftmals problematisch. Die Männer kennen von ihrer Religion und von ihrer Kultur her keine partnerschaftliche Rollenverteilung in der Ehe. Da sagt klar der Mann, wo es langgeht. Auch nach einer allfälligen Scheidung kann es grosse Schwierigkeiten geben, weil die bei uns verbreitete Zuteilung des Kindersorgerechts an die Mutter

schlecht akzeptiert wird. Die geschiedenen Mütter müssen dann mit sehr negativen Reaktionen der Väter rechnen. Scheinehen sind kein spezielles Problem des Islam. Diese gibt es überall, weil mit der Heirat automatisch eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz «erkauft» werden kann. Bezüglich der Anzahl von Scheinehen gibt es eine grosse Dunkelziffer, weil diese nur schwer nachzuweisen sind. Was raten Sie den Christen in der Schweiz in diesem Spannungsfeld? Als Christen sollen wir in unseren muslimischen Nachbarn primär von Gott geliebte Menschen sehen. Auch sie bedürfen der Erlösung, die letztlich nur durch Jesus Christus möglich ist. Diese «Retterliebe» müssen wir uns immer wieder schenken lassen. Dabei ist es ganz wichtig, dass wir die muslimische Welt im Gebet nicht vergessen. Die Muslime in der Schweiz sollen die überzeugende Kraft des Evangeliums im Alltag spüren können. Da ist ein glaubwürdiges Christsein gefragt.

Über Urs Winkler Urs Winkler studierte Rechtswissenschaften, ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Von 1987 bis 1990 war er in Thun Gerichtspräsident und von 1990 bis 2002 vollamtlicher Gemeindepräsident in Spiez. Als Vizedirektor des Bundesamtes für Migration war er von 2002 bis 2005 verantwortlich für die Abteilung Asylverfahren. Seit Juli 2005 setzt er sich als CEO des christlichen Hilfswerks «World Vision Schweiz» für die nachhaltige Bekämpfung der Armut und deren Ursachen in den Ländern des Südens und Ostens ein. In vielen regionalen Entwicklungsprojekten engagiert sich «World Vision» in den Bereichen Landwirtschaft/Ernährung, 44

Bildung, Gesundheit/Hygiene und wirtschaftliche Entwicklung. Es wird jeweils ein Prozess angestrebt, welcher von der einheimischen Bevölkerung getragen wird und immer die Hilfe zur Selbsthilfe zum Ziel hat. Immer geht es ganzheitlich um die Menschen, das heisst nicht nur materielle Nöte, sondern auch die inneren und religiösen Bedürfnisse werden ernst genommen. Die Patenschaften dienen dabei als Brücke zwischen Menschen hier und dort. Sie sind wie ein Fenster für das konkrete Entwicklungsprojekt. Zur Spezialität von «World Vision» gehört ebenso, schnell auf Not- und Krisensituationen reagieren zu können.

• Urs Winkler war im Bundesamt für Migration für alle in der Schweiz gefällten Asylentscheide verantwortlich. «Dafür brauchte es gute Kenntnisse der Situation in den Herkunftsländern. Ich kannte somit die Sorgen und Nöte der dortigen Menschen recht gut. Etwas, was mir heute bei ‹World Vision› in der Entwicklungszusammenarbeit dieser Länder sehr nützlich ist.» cz 4|06


begegnung mit muslimen | wenn kulturen ...

Christlich-islamische Ehen Sollen Christen und Muslime religionsübergreifend heiraten? Was meint ein Islamexperte und Christ dazu? «Eine gläubige Christin soll darum keinen Muslim heiraten und ein gläubiger Christ keine Muslima. Glauben, Frömmigkeitspraxis und Eheverständnis sind im Christentum und Islam zu unterschiedlich. Eine christliche Trauung für ein christlichmuslimisches Paar sollte nicht durchgeführt werden, da das Treueversprechen die biblische Bundestreue Gottes widerspiegelt und der Islam die Ehe grundsätzlich nicht als lebenslanges Treueverhältnis versteht. Eine gottesdienstliche Segnung ist problematisch, da sie leicht als Trauung verstanden wird. Auf keinen Fall sollten Muslime daran mitwirken. Christen, die in einer christlich-islamischen Ehe leben, sollten Mitglied einer christlichen Gemeinde oder Kirche bleiben können. Die Kirchgemeinde hat sich seelsorgerlich um das Paar zu kümmern.

Der christliche Partner sollte sich um eine christliche Erziehung der Kinder bemühen. Nach islamischer Auffassung ist die Ehe grundsätzlich kein Versprechen zu lebenslanger Gemeinschaft mit nur einem Partner. Die Gleichberechtigung der Frau gegenüber dem Mann ist nicht gegeben. Eine muslimische Frau darf nach islamischem Recht keinen christlichen Mann heiraten, da der Mann das Erziehungs- und Verfügungsrecht hat und die Kinder Muslime werden müssen. In Ehen, wo nicht nur die Religion, sondern auch die Kultur der Ehepartner grundverschieden sind, sind also Probleme vorprogrammiert.

Ehen zwischen schweizerischen und muslimischen Partnern. Zu bestellen bei Schweiz. Institut für Rechtsvergleichung, Dorigny, CH-1015 Lausanne. Darin sind auch ein «Muster-Ehevertrag» und Adressen von Beratungsstellen enthalten.» Aus: Maurer, Andreas: Basiswissen Islam, und wie Christen Muslimen begegnen können (siehe Seite 64)

Weiterführende Literatur zum Thema: • Muslime in der Schweiz, Orientierung und Entscheidungshilfe für Christen, Stellungnahme Schweizer Evangelische Allianz, www.each.ch/sea/stellungnahmen/

Ratsam ist es, entsprechendes Informationsmaterial bezüglich Rechten und Pflichten in einer interkulturellen Ehe zu Rate zu ziehen und eventuell öffentliche Beratungsstellen aufzusuchen, die ganz praktisch weiterhelfen können.

• Radio DRS Doppelpunkt Feuerprobe für

Es gibt verschiedene aufklärende Schriften. Zum Beispiel von Dr. Sami Aldeeb:

• Christliches Zeugnis 3003/1 Schweizer in der

die Liebe. Es diskutieren Karin Fei mit dem Buchautor Amor Ben Hamida, mit M. Ehrenmann, deren bikulturelle Ehe auseinandergebrochen ist und mit Konrad Meier, Berater für binationale Paare. www.drs.ch

Welt, Ausländerehen – Kann das gut gehen?

Zahlen zu Ausländerbestand und Asylsuchenden in der Schweiz Ständig in der Schweiz (a) 1 541 912 wohnhafte Ausländer: aus Ex-Jugoslawien: 341 794 aus islamischen Ländern etwa: 100 000 Ausländer im Asylverfahren: (b) 45 585 aus islamischen Ländern etwa: 28 000 davon aus Ex-Jugoslawien etwa: 13 000 aus Somalia: 3611 aus Irak: 3464 aus Afghanistan: 1341 aus Iran: 1161 aus Algerien: 759

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Ein Grossteil der Asylsuchenden kommt aus islamischen oder sogenannt «geschlossenen Ländern». Das heisst aus Ländern, in denen Christen unerwünscht sind. Es ist eine Chance, diesen Menschen hier, in einem für sie und für uns freien Umfeld, von Jesus Christus zu erzählen. (a) Bundesamt für Statistik, Dezember 2005 (b) Bundesamt für Migration, Asylstatistik, Juli 2006

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EVANGELIST Der grösste Evangelist in der islamischen Welt ... ... ist Jesus selbst! Wie eine Stadt im Mittelalter steht die islamisch geprägte Welt vor den Christen. Faszinierend, geheimnisvoll, umgeben von unüberwindlichen Mauern und Zinnen, für alles Fremde verschlossen. Doch die Bibel sagt, dass es nicht so bleiben wird.

Andrea-Giorgio Xandry

Jesajas prophetische Schau

Seit 1975 arbeite ich als Evangelist, Missionar, Lehrer, Sozialhelfer und Mentor in der islamischen Welt. Tunesien, Jordanien und der Libanon waren meine Arbeitsfelder, bevor ich in Ägypten meine Hauptaufgabe fand. Ich habe mit vielen Menschen auf dem dortigen Missionsfeld zusammengearbeitet, ausländischen und einheimischen. Und viele ermutigende Erfahrungen mit dem Wirken des Heiligen Geistes gemacht.

«Und der HERR wird sich den Ägyptern zu erkennen geben, und die Ägypter werden den HERRN erkennen; sie werden Schlachtopfer und Speisopfer darbringen, sie werden dem HERRN Gelübde tun und sie auch bezahlen. Also wird der HERR Ägypten schlagen und heilen, und sie werden sich zum HERRN wenden, und er wird sich von ihnen erflehen lassen und sie heilen. Alsdann wird von Ägypten eine gebahnte Strasse nach Assyrien

Aber – nun die kalte Dusche – ich denke, dass alle missionarischen Früchte, die wir in der islamischen Welt gerne sähen,

Volk, und du Assur, meiner Hände Werk, und du, Israel, mein Erbteil!»

Millionen zukünftige Evangelisten?

«Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk, und du Assur, meiner Hände Werk, und du, Israel, mein Erbteil!» einstweilen noch hinter unseren Anstrengungen zurückbleiben werden. So lange, bis sich Gott selbst durch welterschütternde Ereignisse offenbaren wird. Eines dieser Ereignisse ist jenes, das der Prophet Jesaja im 19. Kapitel, Vers 25, beschreibt. Dort gipfelt seine Offenbarung in: «Gesegnet bist du, Ägypten, mein 46

Jesaja beschreibt im gesamten Kapitel 19, wie sich Ägypten durch grosse Not zum Herrn bekehren wird. Er sieht zum Beispiel, wie der Nil, das Lebenswasser der Nation, versiegt. Um zu überleben, muss das ganze Volk auswandern. Heute gibt es ungefähr siebzig Millionen Ägypterinnen und Ägypter. Wie viele werden es wohl in der Zukunft sein, die Jesaja im Geist sieht? Dieses Millionenvolk wird in jener Zeit – meinem Verständnis nach –

gehen; der Assyrer wird nach Ägypten und der Ägypter nach Assyrien kommen, und die Ägypter werden mit den Assyrern dienen. Zu jener Zeit wird sich Israel als Drittes zu Ägypten und Assur gesellen und inmitten der Länder ein Segen sein, wozu der HERR der Heerscharen es setzt, indem er sagen wird: Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk, und du, Assur, meiner Hände Werk, und du, Israel, mein Erbteil» (Jesaja 19,21-25) den Namen des Herrn in die umliegenden Arabisch sprechenden Nationen tragen – ein umwerfender Gedanke (siehe auch Jeremia 46,19 und Ezechiel 29,9-12)! Inzwischen wirken Jesu Zeugen mit allen Mitteln: Ich denke an das persönliche Zeugnis in Alltag und Beruf («Zeltmacher-Missionare»). Ich denke an die millionenfach verteilte christliche Literatur sowie an die Radio- und TV-Sendungen, die Tag und Nacht in der gesamten islamischen Welt einen guten Samen säen.

Göttliches Licht für alle Um die Herzen der Ägypter heute schon aufzuweichen, lässt sich Gott Wunderbacz 4|06


begegnung mit muslimen | der grösste evangelist …

res und Wundersames einfallen: In Asiut, Zwei Kinder überlebten wocheneiner Millionenstadt in Südägypten, gab lang im Grab der Eltern es zwei «Lichtwunder»: Das erste im Jahr Eine andere Geschichte, die die Nation 2000, das mehrere Monate lang Nacht bewegte, strahlte das ägyptische Fernsefür Nacht mit gleissender Helligkeit aufhen im Jahr 2004 aus. Die Tage und Woleuchtete. Das zweite erschien erst vor chen nach der Sendung lösten besonders kurzem, am 29. März 2006, und dauerunter der muslimischen Bevölkerung ein te ungefähr zehn Tage lang. Das erste, grosses Fragen nach Jesus Christus aus. dessen Zeuge auch Die Eltern zweier meine Frau Eva und «Jeden Abend kam ein freundKinder (ein vierjähich wurden, zeigriger Knabe und licher Mann in einem weissen te sich als aufflam- Gewand zu uns. Er gab mir zu sein Schwestermende Lichterchen, ein Säugling) essen und zu trinken.» scheinungen über kamen bei einem der Sankt-Markus-Kirche. Autounfall ums Leben. Darauf nahm

schrecklichsten Verbrechen in unserem Land» – schlug wie eine Bombe ein. Das Interesse, mehr über Isa zu erfahren, diesen Jesus der christlichen Minderheit im Lande, nahm derart zu, dass nicht lange nach dieser Sendung die Moderatorin die ganze Geschichte vor laufender Kamera dementieren musste. «Alles erfunden!», sagte sie. Aber viele Zuschauer bemerkten, dass ihr Gesichtsausdruck dabei das Gegenteil sagte! Offenbar hatte die religiöse Oberinstanz des Landes ein Machtwort gesprochen.

ein Onkel sie zu sich. Die Kinder konnten sich aber nicht an das neue Zuhause gewöhnen und schrieen Tag und Nacht nach ihren Eltern. Da diese ein ziemlich grosses Vermögen hinterlassen hatten und der Onkel an das Geld herankommen wollte, fasste er einen schrecklichen Entschluss. Er sagte zu den Kindern: «Schon gut, ihr müsst nicht mehr weinen, ich bringe euch zu Mami und Papi.» Der Onkel brachte sie tatsächlich zu ihnen: nämlich ins Grab. Dort öffnete er die Gruft – ein Mausoleum mit einer Art Krypta – und brachte die Kinder hinunter. Er schloss sie bei ihren toten Eltern ein und verliess den Friedhof. Nach einigen Wochen hörten Menschen Geräusche aus jenem Grab kommen. «Gespenster!», war ihr erster Gedanke. Doch dann wurde natürlich nachgeschaut und – man fand den Knaben und das Mädchen lebendig vor. In der TV-Sendung erzählte der Knabe: «Jeden Abend kam ein freundlicher Mann in einem weissen Gewand zu uns. Er spielte mit uns. Er gab mir zu essen und zu trinken. Meine Mami weckte er auf. Sie gab meinem Schwesterchen die Brust. Der Mann hatte an seinen Händen und Füssen Wunden, die aber nicht mehr bluteten.» Da unterbrach die Moderatorin den Bub und rief laut: «Wer anderes konnte dies sein als Isa, der Prophet!» Die Sendung – unter dem Titel «Die

Fazit: Jesus Christus selbst wirkt durch Wunder aller Art, um die von ihm geliebten Menschen in der islamischen Welt zu erreichen. Es ist eine ganz andere Welt als unsere. Aber es ist eben doch keine «unzugängliche Stadt». Keine noch so hohe Mauer kann auf Dauer Jesus aussperren. Das erlebte ich immer wieder. Dieses Erlebte und das prophetische Wort von Jesaja, Jeremia, Ezechiel und anderen biblischen Propheten geben mir weiterhin die Zuversicht, dass selbst unsere bescheiden ausfallenden evangelistischen Bemühungen jetzt schon ein Teil der grossen Ernte sind!

Hunderttausende Menschen pilgerten zu diesem Licht, Christen und Muslime. Alle wurden damit auf den hingewiesen, der von sich sagte: «Ich bin das Licht der Welt.» Und Hunderte, wenn nicht Tausende, müssen auch körperlich berührt worden sein, denn Apotheker bezeugten mir zum Beispiel, dass der Verkauf von Medikamenten in Asiut in dieser Zeit merklich zurückgegangen sei! Natürlich berichtete auch die islamisch geprägte Presse von diesem Lichtwunder. Es wurde bekannt, dass die Behörden zugeben mussten, dass kein Betrug möglich war (mehr zu diesen Lichtwundern siehe unter www.xandry.ch).

• Die seltsamen Lichterscheinungen über den christlichen Kirchen in Asiut (Ägypten) ballten sich wie Kugelblitze und nahmen unter anderem Taubengestalt an.

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Die grosse Ernte kommt noch

• Trinitarische Palme bei Asiut

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M O S C H E E «Christen sollten Moscheen und Koranschulen besuchen ... ... und Imamen Bibeln, Jesus-Filme und christliche Bücher zur Verfügung stellen.» «Viele muslimische Lehrer reisen nach Europa, um als Imame ihre Landsleute zu lehren. Sie haben wenige Möglichkeiten, Christen und den christlichen Glauben kennen zu lernen. Sie benötigen dringend christliche Ressourcen», fordert Henri Aoun.

Manfred Kiener «Viele Muslime, die nach Europa reisen, wollen die Inhalte des christlichen Glaubens kennen lernen», betonte Henri Aoun im Gespräch an der internationalen Campus-Leitungskonferenz vom letzten Juni in Emmetten. Christen erhielten dadurch die Chance, ihnen in der eigenen Stadt oder im eigenen Dorf die wahre Liebe Christi aktiv zu zeigen. «Kontaktiert die Muslime in eurer Gegend! Dient ihnen, ladet sie doch einmal zu euch nach Hause ein zum Kaffeetrinken oder zum Essen!» Gruppen von Christen sollten jede Moschee und jede Koranschule besuchen und dem Imam Material über den christlichen Glauben schenken.»

Offene Türen in verschlossenen Ländern An der europäischen Mitarbeiterkonferenz von «Agape Europa» im vergangenen August in Nottingham berichtete Henri Aoun, wie der Missionsauftrag in den schwierigsten Gebieten der Erde 48

erfüllt wird: in Nordafrika, dem Mittleren Osten sowie in Zentralasien. Diese Länder werden mehrheitlich islamisch regiert und sind offiziell gegenüber jeglicher Art von Mission verschlossen. Gerade in diesen Regionen erlebe er mit seinen Mitarbeitenden, wie Gott in seiner Allmacht Türen weit öffne und Menschen helfe, ihn kennen zu lernen. In islamischen Ländern würden die meisten Muslime aktuell hauptsächlich über zwei Kanäle zum christlichen Glauben finden: Einerseits begegne ihnen Jesus Christus selber in Träumen und Visionen. Andererseits entständen viele Kontakte über die christlichen Fernsehprogramme, die über Satellit ausgestrahlt würden. Vor zehn Jahren begann Henri Aoun mit seinem Team während täglich zwei Stunden arabische Satelliten-TV-Programme in die arabische Welt auszustrahlen. Inzwischen können interessierte Menschen täglich während 24 Stunden Programme in Arabisch, Farsi und Türkisch empfangen, und zwar unter anderem über den Satellitensender Sat7 (www.sat7.org).

Syrische Campus-Mitarbeitende erzählten Henri Aoun bei einem Treffen in Damaskus von einem Muslim, der sie kürzlich angerufen habe: «Ich muss euch sehen. Ich habe gerade eure Nummer auf dem Bildschirm des Satellitenfernsehens gesehen, auf dem Programm, das ihr sponsert.» Sie hätten ihm die Adresse gegeben, der Mann sei ins Büro gekommen und habe erzählt: «Meine Frau war sehr krank. Wegen Rückenproblemen konnte sie nur noch liegen. Ins Bad musste sie kriechen. Die Chirurgen haben sie aufgegeben. Ich fühlte mich hilflos angesichts meiner kranken Frau und der zwei kleinen Kinder. Ich hatte weder Arbeit noch Geld. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte.» Da habe er eines Nachts jemanden rufen hören: «Steh auf und mache das Zeichen des Kreuzes an deiner Frau!» Er habe geantwortet: «Wer bist du? Ich bin ein Muslim. Wie könnte ich jemals das Zeichen des Kreuzes machen?» Die Stimme sagte: «Ich bin Jesus. Steh auf!» Er sei aufgestanden und habe das Zeichen des Kreuzes über seiner Frau cz 4|06


begegnung mit muslimen | christen sollten ...

gemacht, die im Bett gelegen sei. Sie sei aufgewacht und habe ihn gefragt: «Was machst du?» – «Mir ist gesagt worden, ich solle das Zeichen des Kreuzes auf deinen Körper machen. Jesus selber hat es mir aufgetragen.» Fünf Minuten später sei seine Frau aufgestanden und gesund umhergegangen. «Wir wollten mehr von Jesus wissen, kannten aber keine Christen. Am nächsten Tag fanden wir eine Bibel sowie den Jesus-Film in unserem Briefkasten. Wir wussten nicht, von wem wir das Material erhalten hatten.» Der Mann hatte Angst davor, eine Kirche zu besuchen. «Einmal stand ich dreissig Minuten lang vor einer Kirche, traute mich nicht hinein und ging wieder nach Hause. Das ist etwa vor einem Jahr geschehen. Erst heute habe ich eure Nummer im Satellitenfernsehen gesehen. Danke, dass ihr mich empfangen habt. Ich bin euer Bruder in Christus!»

Gott wirkt während Konflikten «Das Elend der Welt ist Gottes Gelegenheit», meinte Henri Aoun in Nottingham und schilderte, was der Leiter von Campus für Christus Libanon während des Libanonkriegs vergangenen Sommer berichtet hatte: «Gott hat es im Griff. Alle Muslime aus dem Westen von Beirut cz 4|06

und aus dem Süden, die wir nicht erreichen konnten, leben nun als Flüchtlinge in unseren Kirchgemeinden und Schulen. Sie warten darauf, dass wir als Christen ihnen helfen und ihnen die Frohe Botschaft bringen.» Gott habe die Muslime auf die christliche Seite Beiruts und des Libanons gebracht. Als weiteres Beispiel nannte Aoun die Ereignisse rund um den Irak. Nach Ausbruch des ersten Golfkriegs habe er einen irakischen Mitarbeiter gefragt: «Wie können wir den Christen im Irak helfen?» Sie hätten geantwortet: «Wir brauchen Bibeln, bring uns Bibeln!» Er habe darauf 50 000 Bibeln drucken und nach Amman schiffen lassen – und gewartet. Schliesslich sei der irakische Mitarbeiter mit einer Genehmigung für 10 000 Bibeln zurückgekommen. In zwei Transporten brachte er schliesslich 40 000 Bibeln in den Irak, die restlichen 10 000 verteilten die Christen an die irakischen Flüchtlinge in Jordanien. In den vergangenen fünfzehn Jahren liessen Campus-Mitarbeitende inner- und ausserhalb des Landes 1,2 Millionen Bibeln für den Irak drucken.

internationalen Studentenarbeit. Ruthi und ich sind ebenfalls Resultate der Studentenarbeit von Campus für Christus», berichtete Henri Aoun. Allein in Paris studierten gegenwärtig rund 500 000 Menschen, davon stammten 100 000 aus dem Ausland. Ein Campus-Mitarbeiter habe ihn vor über zwanzig Jahren aufgefordert, nach Paris zu gehen und dort unter den internationalen Studentinnen und Studenten zu evangelisieren. Seither hätten in Paris jährlich Studierende aus 80 Ländern das Evangelium gehört und angenommen, darunter zahlreiche Muslime.

• Zusammen mit seiner Frau Ruthi wirkt Henri als Campus-Mitarbeiter seit 1976 in verschiedenen Ländern und ist heute Director of Affairs für dreissig Länder mit

Gott wirkt unter Studierenden

500 Millionen Menschen in Nordafrika,

«Gottes Allmacht zeigt sich auch in der Diaspora wie zum Beispiel in der

dem Mittleren Osten sowie in Zentralasien.

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• Foto links: Probearbeiten zu «Die Vögel». Crescendo jenseits klassischer Musik: Der ungarische Regisseur Andras Dér brachte mit Schauspielstudierenden die Komödie zur Aufführung.

«Internationales Crescendo Sommerinstitut der Künste» Wo Kunstschaffende ermutigt werden Was geschehen kann, wenn sich 50 Dozierende für die geistliche und fachliche Weiterbildung von 150 jungen Musikern, Schauspielerinnen und bildenden Künstlern engagieren.

Beat Rink In Ostungarn, wenige Kilometer von der slowenischen und ukrainischen Grenze entfernt, liegt Sárospatak. Der bahnbrechende Pädagoge und Theologe Comenius (1592-1670) wirkte hier, und nicht zuletzt deshalb gilt die Stadt mit ihrer berühmten reformierten Fakultät, der reichen Bibliothek und ihrem geschichts-trächtigen Schloss als Kulturstadt und sogar als «Cambridge Ungarns». Ein idealer Ort sowohl für das renommierte ungarische Zempléni-Klassikfestival als auch für das «Internationale Crescendo Sommerinstitut der Künste»!

Doppeltes Ziel Im vergangenen Sommer fand das «Crescendo Institut» zum dritten Mal statt. Das Ziel ist ein doppeltes: Junge Musiker, Schauspielerinnen und bildende Künstler sollen in der Ferienzeit die Gelegenheit bekommen, sich in einer ermutigenden (und das heisst leider in einer für viele ungewohnten!) Atmosphäre weiterzubilden und öffentlich aufzutreten. «Ich habe schon am ersten Tag so viel Liebe gespürt wie selten zuvor», sagte letztes 58

Jahr die Pianistin Roxana aus der rumänischen Stadt Jassy. «Und dann habe ich hier auch gelernt, was beten und überhaupt, was glauben heisst.» Dies ist das zweite Ziel des Instituts: Den Glauben vermitteln, zum Glauben einladen. Deshalb beginnt jeder noch so arbeitsintensive Tag mit einem 45-minütigen Gottesdienst und schliesst mit einer Kleingruppenzeit, wo über wichtige Lebens- und Glaubensfragen diskutiert wird. «Nicht alle Studierenden kommen von Anfang an zu den Gottesdiensten und den Kleingruppen», meint der berühmte ungarische Fagottist György Lakatos. «Aber manche wagen dann doch den Schritt und sind begeistert. Das Institut ist ideal für erste Schritte im Glauben, und das sind bekanntlich oft die schwierigsten.» Von Jahr zu Jahr ist die Zahl der Teilnehmenden gestiegen: Im Sommer 2006 waren es gegen 150 Studierende aus 14 Ländern, die bei rund 50 Dozierenden Unterricht nahmen. Die Dozierenden, alle entweder Hochschullehrpersonen oder sonst ausgezeichnete Musiker, setzten sich auch in

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Theater

diesem Jahr engagiert ein. Eindrücklich, wie sie sich schon früh morgens zum Gebet für die Studierenden versammelten.

Wer kann am Sommerinstitut teilnehmen? Bei den oben genannten Zielsetzungen liegt es auf der Hand, dass – im Unterschied zu den Dozierenden – keineswegs nur christliche Studentinnen und Studenten willkommen sind. Das Auswahlverfahren erfolgt allein nach fachlichen Kriterien. Diese wiederum sind nötig, um ein bestimmtes künstlerisches Niveau zu gewährleisten. Denn neben den Stunden im Einzelunterricht gibt es Kammermusikkurse, ein Opernstudio und ein Orchesterprojekt – und sogar einen Wettbewerb, zu dessen Hauptgewinn ein vom ungarischen Radio ausgestrahltes Konzert gehört. Und ebenso wie die Musikerinnen und Musiker bestreiten auch die Schauspielerinnen und Schauspieler öffentliche Aufführungen in der Stadt. Im nächsten Jahr werden vermutlich auch Tanz und bildende Kunst eine grosse Aufführung von Händels «Messias» bereichern. Die bereits fruchtbare Zusammenarbeit mit dem ungarischen cz 4|06


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kunst | «internationales sommerinstitut ...»

Unterstützen? Möchten Sie mehr über das «Crescendo Sommerinstitut der Künste» wissen? Möchten Sie unterstützend dahinterstehen oder selber dabei sein?

Konzerte

Wir werden für die zweite Augustwoche 2007 ein spezielles Gästeprogramm anbieten. Dazu gehören Konzert- und Theaterbesuche, wahlweise Teilnahme am geistlichen Programm, Einblick in die internationale Künstlergemeinschaft und spezielle Kursangebote, die ohne Vorkenntnisse besucht werden können: Malworkshop, Schreibwerkstatt (deutsche Texte) usw.

• Im «Crescendo Sommerinstitut der Künste» fand ein Orchesterprojekt unter der Leitung von Christoph Adt, Professor an der Musikhochschule München, statt. Das Abschlusskonzert wurde mit der Rezitation passender Bibeltexte eingeleitet.

Zempléni-Festival wird dann wohl um eine weitere Aufführung geistlicher Musik ergänzt werden.

Crescendo Ein besonderer Vorteil des «Sommerinstituts der Künste» ist seine Einbettung in die internationale Crescendo-Arbeit. Die Teilnehmenden, kehren sie an ihren Studienplatz zurück, können sich den lokalen Crescendo-Musikerkreisen anschliessen, oder sie sind herzlich eingeladen, solche zu gründen. Dies gilt auch für die Lehrpersonen. So hat ein Musikerehepaar (sie Professorin in Gent, er Mitglied des Königlichen Orchesters Antwerpen) in Sárospatak beschlossen, mit Crescendo Belgien zu beginnen. Eine Studentin will mit einem Musikergebetskreis in Barcelona starten, ein junger Sänger will sich in Estland einsetzen ...

Obwohl Zahlen nicht darüber Auskunft geben, was Gott in den Herzen alles tut, ist es doch ermutigend, dass in diesem Jahr insgesamt dreizehn Studierende ihre Hinwendung zu Jesus Christus bekundet haben. Ermutigend vor allem für die ungarischen Crescendo-Mitarbeitenden, die bereits jetzt wieder dabei sind, mit unserem internationalen Team zusammen das nächste «Crescendo Sommerinstitut der Künste» zu planen. Es soll in den ersten beiden Augustwochen 2007 stattfinden.

Weitere Infos Weitere Informationen bei: Crescendo, Postfach 219, CH-4003 Basel Telefon +41 (0)61 923 06 84 E-Mail info@crescendo.org www.crescendo.org

Der Osten Europas Unser besonderes Augenmerk gilt vor allem den minderbemittelten, oft hochbegabten jungen Kunstschaffenden aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Moldawien usw. Um sie am Institut teilhaben zu lassen, braucht es allerdings besondere finanzielle Mittel. Doch wir sind davon überzeugt: Die Länder im Osten Europas mit ihrer kunstbewussten Kultur brauchen jetzt unser christliches Zeugnis! cz 4|06

Geistliche Musik • Die Teilnehmenden des «Crescendo Sommerinstituts» traten schon mehrfach am ungarischen Zempléni-Festival auf, das am gleichen Ort stattfindet.

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C F C – N A Agape Europa und Alphalive wollen stärker zusammenarbeiten Nicky Gumbel, Leiter von Alpha International, traf Campus-Leiter Auf Anregung von Martin und Rachel Stoessel, dem Leiterehepaar von Alphalive Schweiz, lud Campus für Christus Nicky Gumbel an die europäische Agape-Mitarbeitendenkonferenz nach Nottingham ein. Nicky Gumbel ist Pfarrer der Alphalive-Mutterkirche Holy Trinity Brompton Church in London und Leiter von Alpha International.

Manfred Kiener Eigentlich war die europäische Mitarbeiterkonferenz EASC 2006 von Campus für Christus bzw. Agape Europa als rein interner Anlass geplant gewesen. Doch die Schweizer Alphalive-Koordinatoren Martin und Rachel Stoessel regten an, wenn die Campus-Familie schon in England tage, könne sie doch Nicky Gumbel aus London einladen, den Leiter des international bekanntesten Glaubenskurses. Konferenz-Programmleiter Andy Fürbringer unterstützte die Idee ebenso wie der Schweizer Campus-Leiter Hanspeter Nüesch. Eine erste Anfrage für ein Referat von Nicky Gumbel beantwortete das Alphalive-Sekretariat in London abschlägig mit Hinweis auf Gumbels Ferienzeit. Rachel Stoessel liess jedoch nicht locker und fragte schriftlich

direkt bei Nicky Gumbel nach. Er antwortete, für ein Treffen mit den Leiterinnen und Leitern sowie Mitarbeitenden von Agape Europa sei er sogar bereit, seine Ferien später anzutreten. Sein Auftritt an der EASC 2006 in Nottingham ermutigte die Campus-Familie. Hanspeter Nüesch hatte ein gemeinsames Mittagessen der europäischen Campus- bzw. Agape-Leitung mit Nicky Gumbel sowie Martin und Rachel Stoessel angeregt. An diesem Treffen beschloss Agape Europa unter der neuen Leitung des Spaniers Javier Garcia, künftig mit Alpha International zusammenzuarbeiten. Darüber zeigte sich Nicky Gumbel sehr erfreut. Die Initiative zu dieser Partnerschaft kam von Javier Garcia. Er äusserte sich am Treffen in England beeindruckt über die Alphalive-Initiative sowie

die bereits gute Zusammenarbeit von Alphalive und Campus für Christus in der Schweiz. Diese modellhafte Partnerschaft sei eine gute Sache, betonte Garcia in Nottingham. Sie könne nun in anderen europäischen Ländern ähnlich aufgebaut werden. Agape Europa plant ein weiteres Treffen mit Alpha International im Januar 2007.

Start in Griechenland Als Verbindungsmann und Koordinator zwischen Agape Europa und Alpha International setzte Javier Garcia den Schweizer Martin Stoessel ein und sprach ihm damit grosses Vertrauen aus. So packt Stoessel neben der Leitung von Alphalive Schweiz eine neue Aufgabe an. Konkret umgesetzt werden soll diese Partnerschaft zuerst in Griechenland sowie später in

• Foto rechts: Nicky Gumbel referierte vor den Campus-Mitarbeitenden in Nottingham. Er ist Pfarrer der Holy Trinity Brompton Church in London und Leiter von Alpha International.

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A T I O N A L cfc schweiz

• Fotos oben: Martin Stoessel (Mitte) und die aktuellen Plakate zum schweizweiten Alphalive–Znacht vom September 2006

Spanien. Martin Stoessel von Alphalive Schweiz traf sich inzwischen bereits mit Vertretern von Agape Griechenland. Campus für Christus Schweiz pflegte bereits zuvor gute Beziehungen zu diesem Land und finanzierte die Übersetzung der Leiter- und Teilnehmerhefte für die griechischen Alphalive-Kurse. Martin Stoessel erklärte: «In Griechenland besteht eine grosse Offenheit für Alphalive-Kurse.»

Erste Kurse im Gefängnis Im Rückblick auf die Alphalive-Initiative 2006 in der Schweiz zogen Martin und Rachel Stoessel gegenüber dem Christlichen Zeugnis positive

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Bilanz: «Erstmals erhielten Gefangene in der Schweiz die Gelegenheit, zwei Alphalive-Kurse zu besuchen.» In der Bevölkerung sowie den Medien sei der Bekanntheitsgrad des Glaubenskurses innerhalb eines Jahres eindeutig gestiegen. Der Kurs habe an Vertrauen gewonnen. «In diesem Jahr haben sich direkt nach dem Znacht mehr Leute als 2005 für den Alphalive-Kurs angemeldet.» Nach der ersten nationalen Alphalive-Initiative im vergangenen Jahr sei die diesjährige Aktion rund um den AlphaliveZnacht selbstverständlicher und unspektakulärer verlaufen.

Wieder 700 Veranstalter Im Jahr 2005 Jahr beteiligten sich

469 Kirchen und Gemeinden an der Initiative und luden zum Alphalive-Znacht ein. In diesem Jahr waren es zwar «nur» rund 300 Gemeinden und Kirchen, die sichoffiziell an der Initiative beteiligten und am 8. September 2006 Interessierte zum Schnupperabend mit Berichten, Musik und Abendessen einluden. «Trotzdem führen 2006 insgesamt 700 Veranstalter Alphalive-Kurse durch. Viele Kurse wurden voll, ohne dass man Werbung am Informationsabend gemacht hatte», hält Martin Stoessel fest. «Der Alphalive-Kurs ist eben weniger ein einmaliger Event als vielmehr ein Prozess. Dieser Prozess führt zu einem stetigen, oft auch unspektakulären Wachstum.»

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FUR SIE NOTIERT Bücher zum Thema

BASISWISSEN ISLAM und wie Christen Muslimen begegnen können. Maurer Andreas, Hänssler Verlag, ISBN 3-7751-3840-4, 140 Seiten, CHF 14.60 Kompakt und leicht verständlich bietet der Theologe und Islamexperte Dr. Andreas Maurer eine kurze, übersichtliche Islamkunde und Basiswissen über die religiösen Hintergründe des Islam sowie der verschiedenen Gruppierungen. Die Lesenden erhalten biblische Antworten auf muslimische Einwände und gewinnen praktische Ratschläge für die Begegnung zwischen Christen und Muslimen.

DER ISLAM – EINE EINFÜHRUNG. Schirrmacher Christine, Johannis Verlag 2005, ISBN 3-501-05253-7, CHF 12.60 Spätestens seit den islamistisch motivierten Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist der Islam nicht mehr nur ein Thema für Spezialistinnen oder Märchenfreunde von Tausendundeiner Nacht. Eine fundierte Meinungsbildung jenseits von MultikultiSchwärmerei auf der einen Seite und Islamangst auf der anderen Seite setzt jedoch Informationen voraus. Das vorliegende Buch der Islamexpertin Dr. Christine Schirrmacher bietet dies in Form einer kurz gefassten Einführung in Geschichte, Lehre und das aktuelle Erscheinungsbild des Islam. Darüber hinaus wird sachlich-kritisch auf die Unterschiede zur biblisch-christlichen Position hingewiesen. 64

DER ISLAM – EINE HEILSAME HERAUSFORDERUNG für Christen, für Israel, für die Welt. Moser Tilbert, Schirrmacher Christine, Rebiai Marcel, Obrist Hanspeter, Geistliche Gemeindeerneuerung (GGE) 2006, ISBN 3-9808340-7-7, CHF 12.90 «Wir müssen den Islam als Herausforderung an unseren Glauben und unsere Liebe erkennen und annehmen», schreibt Friedrich Aschoff in seinem Vorwort. «Nur dann können wir den gesunden Mittelweg zwischen naiver Verharmlosung und ängstlicher Verteufelung finden.» Die kompakte, informative Schrift der vier sachkundigen Autorinnen und Autoren gibt einen exzellenten Überblick, um den Islam sowie die Ereignisse im Nahen Osten und in Israel geistlich und weltgeschichtlich besser deuten und verstehen zu lernen.

Darstellung des Islam aus theologischer, politischer und gesellschaftlicher Sicht. Die Islamwissenschaftlerin Dr. Christine Schirrmacher stellt diese der westlichen Welt fremde Religion dar. Zudem vergleicht die Autorin den Islam mit den Grundlagen des christlichen Glaubens.

HERAUSFORDERUNG ISLAM. Der Islam zwischen Krieg und Frieden. Schirrmacher Christine, Hänssler Verlag, ISBN 3-7751-3859-5, 160 Seiten Welche Richtungen gibt es im Islam? Wie sehen Muslime eigentlich die westliche Gesellschaft, und worin unterscheidet sich ihr Denken von unserem? Diesen Fragen geht das Buch «Herausforderung Islam» auf die Spur.

KLEINES LEXIKON ZUR ISLAMISCHEN FAMILIE. DER ISLAM, Band 1 und 2. Geschichte – Lehre – Unterschiede zum Christentum. Schirrmacher Christine, Hänssler Verlag 2003, ISBN 3-7751-4092-1, CHF 78.40 (beide zusammen) Der Islam – ein Thema, an dem keiner mehr vorbeikommt. In der westlichen Welt geschehen Terroranschläge, der «Heilige Krieg» gegen die «Ungläubigen» wird ausgerufen und das im Namen Gottes. Was ist der Islam? Wie hat er sich über die Jahrhunderte entwickelt, und wie wirkt sich der Islam heute in Politik und Kultur der islamisch regierten Länder aus?

Schirrmacher Christine, Hänssler Verlag, ISBN 3-7751-3860-9, 176 Seiten, CHF 4.90 In kurzen Artikeln liefert die Autorin leicht verständlich Wissenswertes zur islamischen Familie. Längst nicht alle Unterschiede sind religiös bedingt. Viele Unterschiede entstammen der orientalischen Kultur, einem anderen Verständnis von Scham und Schuld. Das Buch hilft Nichtmuslimen zu unterscheiden, wo grundlegende Werte im Spiel sind und wo einfach abweichende kulturelle Abmachungen das Verhalten bestimmen.

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ZUM THEMA ! ! für sie notiert

ISLAM IN EUROPA – MULTIKULTI AM ENDE? Schirrmacher Christine, «Schweizerzeit»-Schriftenreihe Nr. 47, «Schweizerzeit» Verlags AG 2006, 28 Seiten, ISBN 3-907983-47-5 Am 7. März 2006 hat die Schweizerische AsylrekursKommission (ARK) ein letztinstanzliches Urteil gefällt und im Rekursfall eines Ägypters islamisches Schariarecht dem Schweizerrecht als ebenbürtig anerkannt. Die Konsequenzen sind noch nicht absehbar. Dr. Christine Schirrmacher als Kennerin der Scharia stellt aufgrund der jüdisch-christlichen Grundlage der europäischen Kultur und Zivilisation, Gewaltenteilung und Gleichheit vor dem Gesetz, Gewaltmonopol und Vergeltung, Würde und Freiheit aller Menschen nach westlichen und islamischen Gesichtspunkten einander gegenüber. Sie rät, den Islam in seiner Gesamtheit wahrzunehmen sowie den Mut zu haben, sich in die Wertediskussion einzuschalten, zu der uns das Aufkommen des Islam in Europa zwingt.

JESUS UND MOHAMMED – erstaunliche Unterschiede und überraschende Ähnlichkeiten. Gabriel Mark A., Resch Verlag 2006, ISBN 3-935197-52-7 Der Autor ist Christ und ehemaliger Professor für Islam-geschichte der Al-Azhar-Universität in Kairo und war Imam an der Moschee von Gizeh. Er kennt sowohl den Islam als auch das Christentum. Anhand der Biografien vergleicht der Autor das Leben und die cz 4|06

Lehre Jesu mit jener Mohammeds. Er beschreibt, wie diese beiden sich selbst gesehen haben, wie sie auf die Herausforderungen durch Juden reagierten, wie und ob sie Wunder vollbrachten, wie sie zu beten und den Feinden zu begegnen lehrten und was sie über Frauen dachten. In dieser Analyse und jener der islamischen heiligen Schriften zeigt sich für Gabriel schon die prinzipielle Weichenstellung des Islam zu einer vielfach gewaltorientierten Religion und zu einer Quelle des modernen islamistischen Terrorismus. Westliches Wunschdenken, so der Autor, will dieses fundamentale Problem nicht wahrhaben und setzt alle Religionen leichtfertig gleich, obwohl Jesus zur Gewalt offensichtlich ein völlig anderes Verhältnis hatte als Mohammed. Das Buch geht tiefer ins Detail und kann als weiterführende Information, aufbauend auf dem Buch von Dr. theol. Andreas Maurer «Basiswissen Islam», verstanden werden.

DAS ISLAM-HANDBUCH. Antworten auf die wichtigsten Fragen aus christlicher Sicht. Fethi Emir und Mehmet Caner Ergün, R. Brockhaus Verlag, ISBN 3-417-24874-4, CHF 30.40 Ist Allah ein persönlicher Gott? Glauben Muslime an die Jungfrauengeburt? Lehrt die Bibel Religionsfreiheit? Kann jemand gleichzeitig Muslim und Christ sein? Warum gibt es so viele Bibelübersetzungen? Fragen über Fragen. Aber eine der interessantesten lautet: Welche Rolle spielt Jesus im Islam? Für die Muslime ist Jesus ein Prophet - nicht weniger, aber auch nicht mehr. Für die Christen ist er Gottes Sohn und der Erlöser der Welt. Emir Fethi und Ergün Mehmet Caner, die be-

reits das Buch «Islam ohne Schleier» verfasst haben, sind Theologieprofessoren und ehemalige Muslime und somit Fachleute sowohl für den Islam als auch für das Christentum. In diesem Buch beantworten sie fast 150 Fragen aus dem muslimisch-christlichen Dialog.

Zwischen Bomben und Paradies – Muslime verstehen und lieben lernen. Beutler Kurt, Verlag Urs-Heinz Naegeli, ISBN 3-907104-17-X, CHF 27.80 «Je mehr Erfahrungen ich mit Muslimen sammelte, desto mehr fragte ich mich, weshalb gerade von diesen Menschen Kriege und Gewalt ausgehen sollten ...» Als mögliche Lösung oder Antwort stellt Kurt Beutler zwei verschiedene Richtungen im Islam dem Verhalten von Jesus Christus gegenüber. Denn in Mekka lebte Mohammed unter jüdischchristlichem Einfluss, in Medina wieder unter heidnisch-arabischem, und so weist der Mohammed von Mekka überraschenderweise mit Jesus viele Ähnlichkeiten auf. Ist Jesus Christus demzufolge ein vorbildlicher «Muslim»? Mit diesem gewagten Ansatz leistet Kurt Beutler einen konstruktiven Beitrag für Muslime wie für Christen, damit wir uns von den, wie er es nennt, «ehrlich-unehrlichen eindeutigen Zweideutigkeiten» der muslimischen Kultur nicht abhalten lassen, Muslime zu verstehen und zu lieben. Ohne schliesslich an der biblischen Botschaft Abstriche zu machen. Kurt Beutler ist mit einer Ägypterin verheiratet und lebte mehrer Jahre in verschiedenen islamischen Staaten.

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FUR SIE NOTIERT Bücher zum Thema

Islam ohne Schleier. Ich war Muslim - was ich glaubte. Mehmet Caner Ergün, ISBN 3-7655-1320-2, CHF 27.30 Als ehemaliger Muslim kann der Autor ein unverzerrtes Bild der Lehre des Propheten Mohammed und des muslimischen Alltags vermitteln. In sechzehn Kapiteln kommen die muslimischen Eigenheiten zur Sprache: Wer ist eigentlich Allah? Was bedeutet Jesus für Muslime? Welche Stellung haben muslimische Frauen? Wie sieht der Islam Ehe und Besitz? Ist er eine «kriegerische» Religion? Der Autor bringt sich persönlich ein und beschreibt auch seinen Weg zum Glauben an Jesus Christus. Ausgezeichnet mit «The Gold Medallion Book Award 2003».

Islam, Israel und die Gemeinde. Der Kampf und die Erwählung. Rebiai Marcel, Schleife Verlag, ISBN 3-90782742-2, CHF 18.50 Im Konflikt zwischen Muslimen, Juden und Christen geht es nach Ansicht des Autors vor allem um eins: Um die göttliche Erwählung und um den Anspruch der beteiligten Volksgruppen auf diese Erwählung. Rebiai analysiert die Berufung Israels und die des arabischen Volkes gründlich. Das Buch vermittelt darüber hinaus aktuelle Einblicke in die Welt des Islam und enthält eine geistliche Vision für den gesamten Nahen Osten.

Der Islam - Gottes Ruf zur Umkehr? Eine vernachlässigte Deutung aus christlicher Sicht. Baumann Andreas, Brunnen Verlag 2003, ISBN 3-7655-3759-4, CHF 14.95 66

Krise am Golf – Terroranschläge rund um den Globus – Kampf ums Heilige Land: Zunehmend werden wir konfrontiert mit dem Phänomen Islam. Und immer deutlicher wird: Wir können den Islam nicht mehr länger ignorieren. Fast zwangsläufig müssen wir uns seiner Herausforderung stellen. Wie aber können Christen reagieren? Der Autor erinnert an die geistliche Bedeutung, die Christen früherer Zeiten dem Islam beigemessen haben. Die Reformatoren Luther, Calvin und Melanchthon etwa sahen im Islam ein Gericht Gottes, das die Christenheit zur Umkehr rufen sollte. Viele verstanden ihn auch als einen geistlichen Weckruf. Aber sind solche Sichtweisen heute noch vertretbar? Dieses Buch bietet Einblicke in die Geschichte der Beziehung zwischen Christen und Muslimen. Gleichzeitig ringt es um gangbare Wege für Gegenwart und Zukunft der Gemeinde Jesu.

Der Nahost-Konflikt. Seine Hintergründe im Licht biblischer Prophetie und unsere christliche Antwort. Moser Tilbert, Geistliche Gemeinde Erneuerung (GGE) 2004, ISBN 3-9808340-3-4, CHF 9.80 Pfarrer Friedrich Aschoff schreibt zu diesem Buch: «Wir werden selten eine so ausgewogene, faire und vom Heiligen Geist erleuchtete Beurteilung finden, in denen sowohl Juden – eingeschlossen die messianischen Juden! – als auch die muslimischen und christlichen Araber bzw. Palästinenser zu Wort kommen. In allem aber kommt die Liebe Gottes zum Ausdruck, der sein ersterwähltes Volk zu seiner messianischen Berufung zurückführen möchte. Das Buch ist eine

Fundgrube von Aussagen, Zitaten und Erkenntnissen, die man in dieser Konzentrierung nur selten findet! Tilbert Moser ist durchdrungen von der Erkenntnis, dass nur der Friedefürst von Jesaja 9,5 die Konfliktknoten lösen und Frieden ins Heilige Land bringen kann.»

Weiterführende Websites www.cbmint.ch Die Homepage von «Christen begegnen Muslimen» mit Angeboten zu Seminaren, Workshops, Kursen, Literatur und Downloads.

www.orientdienst.de Der christliche Orientdienst bietet seit vierzig Jahren Orientierung zum Thema Islam. Website mit einem Minikurs Islam, gleichnishaften Geschichten und anderen Materialien zum Herunterladen.

www.meos.ch Christliche Literatur und Medien in 170 Sprachen, Katalog zum Herunterladen, Bibelgesprächskreise, fremdsprachige Gemeinden, Besuchsdienste, biblische Lebensberatung, Hilfe im Kontakt mit Behörden, Gefangenenbesuche, Arbeit unter Flüchtlingen, Asylbewerbenden und Sans-Papiers. Telefon 044 320 00 46

www.frontiers.ch «Frontiers» ist als internationaler Verein konstituiert. Er bietet christliche Literatur zum Thema Islam an, veranstaltet Seminare und Konferenzen und informiert Christen und Muslime. Telefon 071 858 57 57 cz 4|06


LB e g e gIn u n gE m i t BL i e b eE, Respekt und Offenheit

R E S P E K T

Man geht heute davon aus, dass mehr als zehn Millionen Muslime in Europa wohnen. Noch stammen die meisten aus islamischen Ländern, aber eine neue Generation junger Männer und Frauen wächst heran, die als Muslime in europäischen Ländern geboren wurden. Ein kleiner Knigge, wie die christlichmuslimische Begegnung besser gelingt.

ausgezogen werden. Christen dürfen aber auch Grenzen setzen und zum Beispiel am islamischen Gebet nicht teilnehmen.

• Missverständnisse: Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen verstehen oft unter dem gleichen Begriff etwas anderes. So ist es meist besser, zuerst die Begriffe zu klären, wenn ein Muslim eine Frage stellt. Das kann mit der Gegenfrage «Was meinen Sie damit?» geschehen.

• Einstellung: Wichtig sind vorurteilslose Liebe, Offenheit und Respekt, ein offenes Ohr und, wenn es Zeit ist, auch das schlichte, überzeugte Erzählen vom eigenen Glauben.

• Einladungen: Gastfreundschaft wird gross geschrieben. Einladungen darf man aussprechen und dankbar annehmen, aber man sollte darauf achten, dass längerfristige Begegnungen nur mit dem gleichen Geschlecht stattfinden.

• Körpersprache: Es ist ratsam, bei Unsicherheiten unsererseits nach dem richtigen Verhalten zu fragen und sich korrigieren zu lassen.

• Respekt: Für die Bibel und den Koran sollte man Respekt zeigen, also: Beide weder auf den Boden legen noch etwas daraufstellen.

• Nachfragen: Machen Muslime religiöse Aussagen, dürfen Christen ruhig nachfragen: «Ah, das wusste ich nicht. Können Sie mir bitte zeigen, wo das im Koran steht?» Man sollte sich dann die Zeit nehmen, diese Dinge selbst nachzulesen und zu studieren.

• Christliche Inhalte: Im Glaubensgespräch sollten sich Christen bemühen, biblische Wahrheiten durch Bilder und Gleichnisse zu veranschaulichen. Als Quelle soll vorwiegend die Bibel dienen. Wenn Muslime den Koran nicht erwähnen, besteht kein Grund, dass ein Christ es tun soll.

• Kinder- und Jugendarbeit: Christen, die mit muslimischen Kindern und Jugendlichen arbeiten, wird empfohlen, sich ausreichend durch Fachliteratur und Seminare zu informieren und schulen zu lassen.

• Moscheenbesuch: Hier sollen die Verhaltensregeln geklärt und respektiert werden. Zum Beispiel verlangen Muslime, dass die Schuhe

Andreas Maurer/Brigitte Eggmann

OFFENHEIT


06_4_Begegnung_mit_Muslimen  

4|06 Zeitschrift der überkonfessionellen Bewegung Campus für Christus Schweiz

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