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KLOSTER LOCCUM PORTA PATET, COR MAGIS

FOTOGR AFIERT VON YA M A N YA S I N E L

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Š 2014 by Yaman Yasinel

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KONVENT Seit 1163 gehört das Kloster Loccum zum Mönchsorden der Zisterzienser. Auch mit der Reformation am Ende des 16. Jahrhunderts riss diese Tradition nicht ab: Die Loccumer Zisterziensermönche übernahmen das evangelische Bekenntnis, blieben aber als Konvent zusammen. Der heutige Konvent des Klosters Loccum steht in dieser Tradition. Ihm gehören Pastoren der Landeskirche an, ferner der Landesbischof aufgrund seines Amtes, ein Jurist als rechtskundiger Konventual sowie für die Dauer seiner Amtszeit der jeweilige Konventual-Studiendirektor (Leiter des Predigerseminars). Der Konvent kommt mindestens zweimal im Jahr im Kloster zusammen und ist das Leitungsorgan des Klosters Loccum.

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Das Kloster Loccum bietet das Bild eines mittelalterlichen Zisterzienserklosters, wie es sich sonst nördlich der Alpen nur noch im Kloster Maulbronn in Württemberg findet. Die heute noch sichtbaren Klostergebäude sind nach 1200 gebaut worden. Die ältesten Gebäude sind die Stiftskirche, der Kreuzgang, das Slaphus und das Laienrefektorium. Das Refektorium wurde 1599 fertiggestellt, das Konventshaus um 1750 errichtet. Die Zisterzienser sind ein 1098 in Citeaux/Frankreich entstandener Reformorden, der die ursprüngliche Klosterordnung Benedikts von Nursia (528) wieder zum Leuchten brachte. Der Stiftskirche aus dem 13. Jahrhundert ist die Strenge und Schlichtheit der Zisterzienser deutlich abzulesen. Die Mönche wollten – auch als Protest gegen eine sich zu prachtvoll darstellende Kirche – in Askese und Bescheidenheit außerhalb der Zentren leben und so die Nachfolge Christi in neuer Weise verwirklichen. Ihre Kirche sollte keine Kathedrale sein, sie errichteten sich ein schlichteres Bauwerk, ein Oratorium, ein Bethaus.

Im Zentrum des Klosters steht die Stiftskirche. Sie gehört in die älteste Bauperiode des Klosters und ist in ihrer ursprünglichen Gestalt durch die Jahrhunderte unverändert geblieben. Der Dachreiter der Zisterzienserkirchen soll kein hoch aufragender Turm, sondern ein Zeichen der Bescheidenheit sein. Den Grundriss bildet ein Kreuz. Das auf einem schmalen Balken über dem Chorraum stehende Tafelkreuz von 1240 – ursprünglich stand es, beidseitig bemalt, auf dem Lettner - weist auf die Mitte des christlichen Glaubens hin. STAT CRUX DUM VOLVITUR ORBIS (das Kreuz steht, selbst wenn der Erdkreis durchdreht) lautet einer der Leitsprüche im Kapitelsaal. Reste des Chorgestühls finden sich noch im Chorraum. Im Osten ist der Altarraum flach geschlossen. Ein großes Maßwerkfenster (neuere Darstellung der Taufe Jesu durch Johannes) gliedert die westliche Mittelschiffwand.

Südlich gliedert sich das Geviert des Kreuzgangs an die Kirche an. Der Kreuzgang ist der innerste Bereich des Klosters, abgeschlossen von der Welt. Über den Kreuzgang konnten die Mönche alle für sie Gegründet wurde das Kloster wichtigen Orte erreichen (Kiram 21. März 1163, dem Toche, Schlafsaal, Speisesaal, destag Benedikts von Nursia, Kapitelsaal, das Brunnenhaus an dem Graf Wulbrand von Halim Innenhof, das im 19. JahrhunEine noch lermund das Gebiet um die alte dert wegen Baufälligkeit abgerisfast mittelalterliche sen wurde). In der Mitte liegt der Burg Lucca mit den umliegenden Dorfschaften für ein Kloster der quadratische stille Innenhof, geKlosteranlage Zisterzienser stiftete. Drei Monagenüber der Tür zum Innenhof der te später trafen 12 junge Mönche alte Kapitelsaal. Hier versammelten mit ihrem Abt Ekkehard, ausgesandt sich die betenden Mönche, um anstevom Zisterzienserkloster Volkenroda hende Fragen zu erörtern. Es folgen die in Thüringen, im Stiftungsgebiet ein. Das Räumlichkeiten der Bibliothek sowie das ReKloster nahm seinen Anfang und fand aufgrund fektorium, das 1599 als neuer Speiseraum fertider Ernsthaftigkeit des geistlichen Lebens schnell gestellt wurde. Hier fanden die Gespräche zwischen Anerkennung. Die Klosterkirche konnte in den Jah- den Konfessionen um 1700 statt. Seit 1952 wird das ren 1220 bis 1277 erbaut werden. Anfang des 14. Refektorium für Empfänge der Landeskirche und des Jahrhunderts erlangte das Kloster seine größte wirt- Klosters genutzt, bei denen Ministerpräsident und schaftliche Kraft, 1320 wurde der Loccumer Hof in Landesbischof das Wort ergreifen. 1955 wurde hier Hannover als wichtigste Niederlassung erbaut. Auf der Loccumer Vertrag zwischen Landesregierung und Betreiben der welfischen Landesherren nahmen Landeskirche unterzeichnet. Abt, Prior und Konvent 1593 das lutherische Augsburgische Bekenntnis an und wurden ein evange- Im Erdgeschoss des Konventshauses findet sich ein lisch-lutherisches, ehemaliges Zisterzienserkloster. Teil des ursprünglichen Laienrefektoriums. Hier war im 19. Jahrhundert der Kollegraum des PredigerWeil in ein evangelisches Kloster keine Mönche mehr seminars. Er verlegte die biblischen Szenen in die eintreten konnten, wurden künftige Pastoren, die auf ihre Landschaft um Loccum und brachte darin viele PorPfarrstelle warteten, als Mönche auf Zeit aufgenommen. traits von Loccumer Bürgern unter.

Geschichte des Klosters Loccum

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MARIENALTAR (um 1500) In der Auseinandersetzung um die Einf端hrung der Reformation ging die originale Marienfigur verloren und wurde im 19. Jahrhundert durch eine Nachbildung ersetzt. Der Lesung der Nonne lauschen die Vertreter der beiden Gewalten des Mittelalters: links die Geistlichkeit mit Papst und Kardinal, rechts Kaiser und Kurf端rst mit weiteren Vertretern des weltlichen Standes.

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DIE SEIFERT-ORGEL, errichtet 2012 bis 2013 Im Jahr 2010 beschließt der Konvent des Klosters nach intensiver Beratung mit Sachverständigen und Orgelbauern, die erneuerungsbedürftige Ott-Orgel in der Stiftskirche durch einen Orgel­ neubau zu ersetzen. Die Ott-Orgel wird nach Frankreich verkauft und in der Kirche Saint Etienne in Nizza wiederaufgebaut. So bleibt sie erhalten. Der vom Konvent eingesetzte Orgelausschuss unternimmt unter der Leitung von Abt Horst Hirschler neben seinen Beratungen gezielte Orgelreisen. Eine Arbeitsgruppe verschafft sich so unter anderem unmittelbare Ein­drücke von der neuen Orgel der Magdalenenkirche in Hildesheim wie der Chororgel im Kaiserdom zu Speyer, beide von der Firma Seifert gebaut. Dann fällt die Entscheidung: Die neue Orgel für die Stiftskirche in Loccum wird von der Orgelbauwerkstatt Romanus Seifert & Sohn in Kevelaer (Niederrhein) erbaut. Am 1. Advent 2012 wird sie ihrer Bestimmung übergeben und so rechtzeitig zur 850-Jahr-Feier des Klosters aufgestellt. Seit dem Sonntag Laetare (10. März 2013) ist sie nach dem Einbau sämtlicher Register und nach abgeschlossener Intonation in voller Klangschönheit zu hören. Die neue Orgel umfasst 37 Register mit 2.414 Pfeifen und ist auf drei Manualen bespielbar. Sie ist nicht auf ein bestimmtes Klangideal festgelegt. Die Disposition wurde „spätbarock-frühromantisch“ gestaltet. Auf ihr sollen vor allem Werke von Bach bis Mendelssohn, aber auch moderne Komponisten besonders gut klingen.Außerdem hat die Orgel noch ein eigenständiges, mitteltönig gestimmtes „spanisches“ Werk mit sieben Registern. Diese „Orgel in der Orgel“ lässt alte Musik aus der Renaissancezeit in besonderer Reinheit erklingen. Der Einbau dieser mitteltönig gestimmten Register ist auch eine Erinnerung an die große Loccumer Tradition, die sich in der Orgel Andreas de Mares aus dem 16. Jahrhundert verkörperte. Das äußere Bild der Orgel, die Gestaltung des Gehäuses, hat ganz wesentlich der Lüneburger Architekt Carl-Peter von Mansberg bestimmt. Lange wurde über den Standort der neuen Orgel diskutiert. Sie ist jetzt ebenerdig errichtet und steht im nördlichen Querschiff frei im Raum, ohne eine Wand zu berühren. Der Standort der Orgel erlaubt einen guten Blickkontakt zwischen Organist und Liturgen und ermöglicht einen direkten Klang in das Hauptschiff der Kirche hinein. Ein gemeinsames Musizieren der Orgel mit Chor und Instrumenten ist jetzt viel einfacher als früher. Mit dem Abbau der Ott-Orgel wurde auch die Empore aus den 1950er Jahren abgetragen. Dadurch ist die Sichtachse im Querschiff geöffnet und der Blick auf die Totenpforte frei. Hinter der Orgel entstand so ein schöner, kapellenartiger Raum.Das alte Fenster neben der Totenpforte ist von Johannes Schreiter als Auferstehungsfenster gestaltet worden. Links an der Westwand des nördlichen Querschiffs ist jetzt eine bronzene Skulptur aufgestellt, eine eindrucksvolle ökumenische Plastik des Künstlers Werner Franzen, die besonders gut zur Geschichte des alten Zisterzienserklosters passt: Christus neigt sich vom Kreuz herab und umarmt Bernhard von Clairvaux – und Martin Luther. Rechts hinter der Orgel hat man Zugang zur alten Mandelsloh-Kapelle, die zu einem Museum umgestaltet wurde. 19


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RELIQUIENSCHREIN (um 1250) Der spätromanische Reliquienschrein befand sich seit Erbauung der Kirche als Altaraufsatz im Hohen Chor. In den Arkaden wurden die Reliquien aufbewahrt. Der Schrein ist das älteste erhaltene Schnitzwerk dieser Art; Türmchen, Bemalung und Vergoldung wurden später hinzugefügt. Darunter: Kreuzteppich der „Prinzessin von Ahlden“ (Kurprinzessin Sophie Dorothea von Braunschweig).

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Yaman Yasinel wurde 1956 in Istanbul geboren. Nach dem Gymnasium folgte ein GrafikDesign Studium an der Hochschule für Kunst und Musik Bremen mit Schwerpunkt Fotografie bei Prof. Fritz Dressler. 1988 – 2009 arbeitete er als selbständiger Grafik- und Foto-Designer in Rotenburg (Wümme) seit 2009 lebt er in Kirchlinteln (Landkreis Verden)

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KLOSTER LOCCUM

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Kloster Loccum  

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