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Luzern

Nr. 1 / 2019

Nachbarn

Krankheitmachtarm– Armutmachtkrank MachtderKörperoderderGeistnicht mehrmitdrohtselbstinderSchweiz einLebeninArmutKrankheitistein Armutsrisiko–undArmutistein GesundheitsrisikoEinTeufelskreis


Inhalt

Inhalt Editorial

3 von Thomas Thali

Geschäftsleiter Caritas Luzern Kurz & bßndig

4 News aus dem Caritas-Netz AnneeHesselbarthgerietvorJahrenuntereine DachlawineausEisundSchneeDasändertealles DiepassionierteHebammevoneinstlebtheute schmerzgeplagtundvonSozialhilfe

Schwerpunkt

6 ÂŤSchmerzen sind wie ein grosses MonsterÂť Schwerpunkt

Schwerpunkt

Krankheit macht arm – Armut macht krank Krankheit kann arm machen. Und es kann jede und jeden treffen. Annette Hesselbarth muss dies am eigenen Leib erfahren. Mitten im Leben wird sie vor 19 Jahren unter einer tonnenschweren Dachlawine begraben. An den gesundheitlichen Folgen trägt sie bis heute schwer. KÜrperliche Leiden ziehen bei Betroffenen oft psychische Probleme nach sich und – wie wenn dem nicht genug wäre – oftmals Sorgen um die materielle Existenz. In der Schweiz werden zudem ausgerechnet die Beiträge zur Versicherung der Gesundheitskosten, die Krankenkassenprämien, immer mehr zu einem Armutsrisiko. Und wer einmal in der Armut gelandet ist, trägt ein erhÜhtes Risiko, krank zu werden. Armut und Krankheit gehen leider oft Hand in Hand. Caritas macht auf Schicksale Betroffener aufmerksam, arbeitet politisch am Gesunden des Systems und lindert NÜte mit praktischen Angeboten im Alltag.

10 Ungesunde Wechselwirkung ­zwischen Armut und Krankheit PersÜnlich

12 Was bedeutet fĂźr dich Gesundheit?  echs Antworten von Passantinnen und S Passanten  Caritas Luzern

14 Sie lernen kochen – und mehr Einblick ins Restaurant A15, in dem Stellensuchende auf den ­Arbeitsmarkt vorbereitet werden.

19 Krankenkassenprämien als ­Armutsfalle 20 Kultur ist fßr mich Seelennahrung 10 Jahre KulturLegi Zentralschweiz Ich will helfen

22 ÂŤIch bin offen fĂźr allesÂť Kolumne

23 Ein Tief auf die Franchise

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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser Unfälle können in Sekundenschnelle das ganze Leben auf den Kopf stellen. Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. Lesen Sie in diesem Heft, was es bedeutet, wenn sich nach einem Unfall zu den körperlichen Schmerzen wirtschaftliche Existenzängste und ein zermürbender Spiessrutenlauf zwischen Versicherungen, Gesundheits- und Sozialsystem gesellen. Nicht nur Unfälle können zur Armutsfalle werden. Auch die ständig steigenden Krankenkassenprämien werden für einkommensschwache Haushalte in der Schweiz immer mehr zur Belastung. Sie sind heute einer der Hauptgründe dafür, dass armutsgefährdete Personen in finanzielle Engpässe geraten. Erfahren Sie auf Seite 19, wie Prämienverbilligungen und weitere Massnahmen zur Armutsprävention beitragen. Um Kultur-, Bildungs- und Sportangebote für Menschen an der Armutsgrenze erschwinglich zu machen, gibt es die KulturLegi. Dieses Jahr feiert die KulturLegi Zentralschweiz ihr 10-jähriges Bestehen. Das ist für die Leiterin Ursula Meyer noch lange kein Grund, sich auszuruhen, wie sie uns auf Seite 20 erzählt. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und danken Ihnen, dass Sie uns bei unserem Engagement unterstützen.

Thomas Thali Geschäftsleiter Caritas Luzern

«Nachbarn», das Magazin der regionalen Caritas-Organisationen, erscheint zweimal jährlich: im April und im Oktober. Gesamtauflage: 33 300 Ex. Auflage LU: 9000 Ex. Redaktion: Urs Odermatt und Claudia Blaser (Caritas Luzern) Roland Schuler (national) Gestaltung, Produktion und Druck: Stämpfli AG, Bern

Thomas Thali

Caritas Luzern Brünigstrasse 25, Postfach 6002 Luzern Tel.: 041 368 51 00 www.caritas-luzern.ch PC 60–4141-0 IBAN CH84 0900 0000 6000 4141 0

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Kurz&bündig

Restaurant Brünig in Luzern

Soziale Gastronomie Sozialpolitik

Ergänzungsleistungen für Familien! Familienergänzungsleistungen sind ein zentraler Schlüssel zur Reduktion von Kinderarmut. Sie sind in verschiedenen Kantonen erfolgreich erprobt worden. Andere Kantone ziehen hoffentlich nach.

Sinnvoller Genuss, hohe Qualität und eine besondere Atmosphäre: Diese verlockende Kombination bietet das neu eröffnete Restaurant Brünig der Caritas Luzern. Seit Oktober 2018 ist das Restaurant Brünig in Luzern in Betrieb. Es ist neben dem «Grossmatte» und dem «A15» das dritte Restaurant der Caritas Luzern und das erste, das von früh morgens bis spät abends geöffnet ist. Es wird von einem multinationalen Team aus Fachkräften der Gastronomie, Auszubildenden und Teilnehmenden der Programme der beruflichen Integration der Caritas Luzern betrieben. Das soziale Gastronomieprojekt bietet Jugendlichen und Stellensuchenden Jobperspektiven.

108 000 Kinder leben hierzulande in Armut. Weitere 154 000 leben in prekären Verhältnissen knapp oberhalb der Armutsgrenze. Diesen Kindern soll geholfen werden. Familienergänzungsleistungen stocken das Einkommen armutsbetroffener Familien auf das Existenzminimum auf. Sie sind damit ein wirksames Instrument gegen Kinderarmut. Dies bestätigen Erfahrungen aus den Kantonen, die diese sozialen Leistungen kennen (TI, SO, VD, GE). In jüngster Zeit wurden deshalb politische Vorstösse zur Einführung von Familienergänzungsleistungen in weiteren Kantonen lanciert: Basel-Landschaft, Bern und Zürich. Entscheide sind noch keine gefallen. Im Kanton Jura hingegen hat das Volk eine Einführung von Familienergänzungsleistungen im Juni 2018 abgelehnt. Im Kanton Basel-Landschaft lehnte der Regierungsrat Ende 2018 eine entsprechende Volksinitiative unter Hinweis auf andere Projekte im Bereich sozialer Leistungen ab. Caritas weist seit Jahren auf die steigende Kinderarmut hin und fordert Taten gegen die Kinderarmut in der Schweiz. Familienergänzungsleistungen müssen schweizweit eingeführt werden.

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Das «Brünig» ist nicht nur eine Quartierbeiz, sondern auch ein Schmelztiegel unterschiedlichster Einflüsse, kulinarisch, kulturell und sozial. Dank Vergünstigungen wie Bon Lieu und der KulturLegi können sich auch Menschen mit wenig Geld einen Besuch im «Brünig» leisten. Dort ist die Welt zu Gast: Die unterschiedlichen Herkunftsländer inspirieren die saisonale Speisekarte. Sie bietet neben Internationalem insbesondere Spezialitäten aus der Region, eine Salatbar, Frühstücksgebäck und leckeren Kaffee. Alles ist auch zum Mitnehmen erhältlich. wwwrestaurantbruenigch

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Kurz&bĂźndig

Caritas-Märkte

Ein Caritas-Markt fßr Biel Caritas Bern erÜffnet 2019 einen CaritasMarkt in Biel. Damit erhält auch die Stadt mit der hÜchsten Sozialhilfequote der Schweiz ihren Supermarkt fßr Armutsbetroffene. In jeder grÜsseren Schweizer Stadt existiert heute ein Caritas-Markt, nur in der Stadt Biel nicht. Dies, obwohl Biel seit Jahren die Stadt mit der hÜchsten Sozialhilfequote der Schweiz ist. Sie betrug gemäss dem letzten Kennzahlenbericht der Städteinitiative Sozialpolitik im Jahr 2017 11,5 Prozent. 33 Prozent der Sozialhilfebezßgerinnen und -bezßger waren Kinder, auch dies ist schweizweit die hÜchste Zahl. Es ist deshalb eigentlich erstaunlich, dass in Biel kein Caritas-Markt existiert. Diese Lßcke soll nun geschlossen werden. Nach Finanzierungszusagen verschiedener Institutionen plant Caritas Bern, im Sommer 2019 einen Caritas-Markt in Biel zu erÜffnen. Aktuell sind die Verantwortlichen dabei, einen entsprechenden Standort zu suchen und weitere Finanzierungsquellen zu erschliessen. Mit einer Caritas-Einkaufskarte oder der KulturLegi kÜnnen Menschen mit wenig Geld vergßnstigte Lebensmittel und weitere Produkte in Topqualität einkaufen. Caritas-Märkte dienen zudem als soziale Treffpunkte und der Arbeitsintegration von sozial benachteiligten Menschen. wwwcaritas-bernch

NEWS AktionswocheAsyl Rund um den Weltflßchtlingstag findet in Luzern vom  bis JunidieAktionswocheAsylstaSiesolldie BevÜlkerung anregen sich vertie mit den Themen Flucht und Asyl auseinanderzusetzen Unter dem Titel Das neue Asylverfahren kurz erklärt lädt die Caritas Luzern Freiwillige und weitere Interessierte am Junivonbis UhrzueinerInputveranstaltungein wwwcaritas-luzernch/aktionswoche-asyl

ArmutspolitischerDialoginSolothurn Seit   findet in Solothurn der armutspolitische Dialog sta Caritas Solothurn tri  Vertreterinnen und Vertreter der kantonalen Politik zum gegenseitigenAustauschCaritasundihreSozialarbeitendengebenEinblickindieBedĂźrfnisseanderBasisVonseiten derPolitikwerdendieaktuellensozialpolitischenThemen eingebracht KĂźnig soll der Dialog zweimal im Jahrstafinden wwwcaritas-solothurnch

FreiwilligenpreisanCaritasbeiderBasel Caritas beider Basel gewinnt mit dem Patenschasprojekt ÂŤmit mirÂť den Freiwilligenpreis  desKantonsBasel-LandschaMitdiesemPreisehrt derKantonjedesJahreinProjektdasinderFreiwilligenarbeit als besonders lobenswert gilt Dotiert ist derPreismitFrankenZieldesPreisesistes den Scheinwerfer auf jene Menschen zu richten die inallerBescheidenheitundmitgrossemEngagement fĂźranderedasind wwwcaritas-beider-baselch

BrßckenbauenMenschenverbinden NACHFRAGEINCARITAS-MÄRKTENSTEIGT DerUmsatzimJahristindenLädenum Prozentgestiegenundliegtnunbei MillionenFranken Der Caritas-Markt ist damit ein zentrales Element zur BekämpfungvonArmutinderSchweizBesondersbeliebtsindgesundeNahrungsmielverkaueder Caritas-Markt TonnenFrßchteundGemßsewas einer Steigerung um   Prozent gegenßber dem Vorjahr entspricht Dazu zählen   Tonnen Tomaten und  TonnenÄpfel

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SieinformierenĂźbersetzenundvernetzenMenschen DieSchlĂźsselpersonendesProgrammsÂŤMigrationund AlterÂťvonCaritasBernleistenalsBindegliedzuihren inderSchweizlebendenLandsleuteneinensehrwichtigenBeitragfĂźrunsereGesellschaIhrEngagement wirdaktuellineinerWanderausstellungzumAusdruck gebracht Infos zur Ausstellung finden Sie auf der Website wwwcaritas-bernch/portraetserie

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Rubrik

EskannjedentreffenbetontAnneeHesselbarth DeshalbwillsieihreGeschichteerzählenEine EinLebeninArmutbringtElternandenRandderVerzweiflung GeschichtediedenWegvongesundheitlichen undlässtKinderträumeplatzen ProblemenineinLebeninArmutbeispielha aufzeigt 6

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Schwerpunkt

«Schmerzensind wieeingrosses Monster» Willensstark und lebensfroh war die Hebamme Annette Hesselbarth, bis sie von einer tonnenschweren Dachlawine aus ihrem gewohnten Leben gerissen wird. Aus dem Schleudertrauma wurde ein traumatischer Gang durch das Leben – an der Schwelle zur Armut. TextThisRutishauserBilderConradinFrei

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chthundertzwei Franken Grundbedarf. Diesen Betrag erhielt Annette Hesselbarth 2018 pro Monat nach Abzug von Mehrmiete und Kosten der Krankenzusatzversicherung vom Sozialdienst ausbezahlt. «Jetzt sind es sogar nur noch 800.30!» Auf der ersten Abrechnung des neuen Jahres schlägt erneut eine teurere Prämie zu Buche. «Meine Zusatzversicherung liess ich mir nicht auch noch nehmen. Diese Unterstützung brauche ich dringend!» Wie so viele andere musste auch sie diesen Franken zweimal in der Hand umdrehen. Am Fuss des Stockhorns, wo sich im Sommer besonders viele Gewitter entladen und im Winter im Schatten der Berge die Sonnenstunden eher rar sind, ist Annette Hesselbarth heute zu Hause. Die Ruhe des «Outbacks» passe zu ihr. In ihrer Wohnung mit niedrigen Decken lässt die Hebamme ihr bisheriges Leben Revue passieren. Sie habe unzählige Kinder ins Leben begleiten dürfen. Leben und Tod seien da immer nahe beieinandergelegen. «Ich vertraue auf die Kraft der Natur. Zeit geben und Zeit lassen», sagt die 55-Jährige. Mit ihr meinte es die Natur jedoch in den vergangenen

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19 Jahren nicht nur gut. Wie nahe Wohlergehen und Schmerz beieinanderliegen, muss die einst starke Frau täglich am eigenen Leib erfahren.

Dachlawine und Schleudertrauma Annette Hesselbarth steckt in einem Körper voller Schmerzen. Und diese erinnern sie an den Tag im Winter 2000, als sich ihr Leben in weniger als einer Sekunde komplett auf den Kopf stellte: Am 25. Februar 2000 donnerte eine Dachlawine aus Eis auf sie nieder. Die ehemalige Spitzenschwimmerin und passionierte, vielbegabte Sportlerin wollte nur ihre Ski wie vorgeschrieben im Nebengebäude einer kleinen Pension abstellen. Die damals 36-Jährige konnte sich aus eigener Kraft befreien, schaffte es bis zur Rezeption und schleppte sich weiter ins Thermalbad. Dort war Annette Hesselbarth mit ihrem Begleiter am Nachmittag verabredet. Stunden später erwachte sie aus tiefem Schlaf und liess es sich nicht nehmen, ihr Auto selbst nach Hause zu steuern. Am folgenden Morgen trat sie die geplante

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Schwerpunkt

Schicht im Gebärsaal des Spitals an. Ich hatte alleine Dienst und musste hingehen, erinnert sich Annette Hesselbarth. Nach weiteren vier Tagen folgte der Zusammenbruch, sie blieb zu Hause liegen. Sie schlief fßr mehrere Tage.

Von Schmerzen und Existenzangst geplagt Seither dreht sich die Spirale abwärts. Annette Hesselbarth hat viele Spitäler und Arztpraxen von innen gesehen. Heute lebt und leidet sie unter Dauerstress, Dauerschmerzen und ständiger Schlaflosigkeit. Die Schmerzen sind wie ein grosses Monster, sagt sie. Schleudertrauma, Bandscheibenprobleme in der Hals- und Lendenwirbelsäule, Polyneuropathie in den Beinen, Migräne, Nierenkoliken mehrmals pro Woche. Zusätzlich drängen ihr die HashimotoErkrankung, eine Schilddrßsenunterfunktion, und Unterzuckerungsgefahr als Folge einer Diabeteserkrankung, einen Lebens- und Essensrhythmus auf.

Eine tiefgreifende ErschÜpfung ist die Folge. Aussen und innen, Sprechen und Denken, Gegenwart und Vergangenheit passen nicht mehr zusammen. KÜrperempfindungen sind durcheinandergeraten wie das ganze Leben. Reicht die Kraft nicht mehr aus, fällt ihr Lebenskartenhaus in sich zusammen. Es kann Tage dauern, bis sie wieder mit Menschen sprechen kann. Die Schmerzen machen das Leben unberechenbar und zur Qual. Als wäre das nicht genug: Zum kÜrperlichen und psychischen Kampf gesellen sich wirtschaftliche Existenzängste und ein zermßrbender Spiessrutenlauf zwischen Versicherungen, Gesundheits- und Sozialsystem. Ihr Problem sei, dass sie nicht krank genug aussehe. Gutachter schenkten ihr oft keinen Glauben, und die Invalidenversicherung habe bereits zwei Anträge abgelehnt, weil Unfall und Schmerzen nicht genßgend kausal verknßpft werden kÜnnten und die anderen

VorErschÜpfungscha AnneeHesselbarthalltäglicheVerrichtungenonurmitMßhe–undeinergrossenPortionTapferkeit ExistenzängstebelastendenAlltagzusätzlich

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Schwerpunkt

Krankheiten nur unsicher zu diagnostizieren seien. Doch wer sitzt schon 19 Jahre freiwillig und tagelang zu Hause und will seine geliebte Arbeit aufgeben?, gibt Annette Hesselbarth zu bedenken. Der letzten IV-Revision fiel ihre Viertelsrente zum Opfer. Seither ist die komplette Abhängigkeit von der Sozialhilfe die Realität. Wenn es darum gehe, Kßrzungen an ihrem Bedarf vorzunehmen, gingen die Arbeiten der Versicherungen und Sozialdienste schnell voran. Beantrage sie hingegen eine Leistung, mßsse sie oft Monate warten. Ich fßhle mich als ‚Bauernopfer› der Gesellschaft, sagt die Schmerzgeplagte. Lebensmittel erhält Annette Hesselbarth von der Aktion Tischlein deck dich. Oft fehlt ihr jedoch Grundlegendes wie ein Brot. Bis vor einiger Zeit profitierte sie im Caritas-Markt von vergßnstigten Lebensmitteln und anderen Produkten. Heute schafft sie das kräftemässig nicht mehr. Der Weg ist zu weit. Frßher nutzte sie auch die KulturLegi der Caritas fßr die Teilnahme am sozialen Leben. Doch auch dafßr fehlt heute die Energie. Freude macht ihr das Essen von ihren Frauenfreundinnen, die ab und zu etwas mehr kochen und Pasta mit Sauce oder ein Stßck Fleisch mitbringen. Rßckblickend hätte Annette Hesselbarth sicher das eine oder andere anders machen kÜnnen: Sie hätte Arzt und Polizei gleich nach dem Unfall rufen und Anzeige erstatten, aufmerġsamer auf den Rat der Schleudertraumaspezialisten in der Reha-Klinik hÜren und gleich einen Antrag auf Invaliditätsrente stellen sollen. Doch der eigene starke Wille war stärker: Heute kann ich mir nicht mehr selbst weiterhelfen. Ich musste lernen, mir helfen zu lassen. Es kann jeden treffen, betont Annette Hesselbarth. Deshalb will sie ihre Geschichte erzählen. In den vergangenen Jahren habe sie viele Menschen mit ähnlichem Schicksal getroffen, sagt sie – aber nie auf den ersten Blick. Die Schicksale seien leise, mßssten aber ins Licht gerßckt werden trotz drohender Stigmatisierung und mÜglichen Beschimpfungen als vermeintliche Sozialschmarotzer. Solche Pauschalisierungen bereiten ihr grosse Mßhe. Doch Annette Hesselbarth ergänzt hoffnungsvoll: Jede persÜnliche Begegnung auf AugenhÜhe lindert meine Schmerzen und relativiert meine Armut.

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SOZIALEERRUNGENSCHAFTEN SCHĂœTZEN YvonneFeri Yvonne Feri ist SP-Nationalrätin das Kantons Aargau undMitgliedderKommission fĂźr soziale Sicherheit und GesundheitSGK

MussmaninderSchweizbefßrchtenarmzu werdenwennmanernsthafterkrankt? Ja es kommt vor dass jemand in einem Krankheitsfall neben der sozialen auch in die finanzielle Armut abrutschtZumBeispielweiljemandkeinKrankentaggeld erhälthoheSelbstbehaltebezahltoderkeineErsparnissemehrhatWennwirßberPflegeleistungenredenda reichenRenteundErspartesbeidenmeistenMenschen sowiesonichtmehrAlsospringenimbestenFallunsere Sozialsystemeein WiekanndiePolitikMenschenvorArmutbewahren dieausgesundheitlichenGrßndennichtmehr arbeitenkÜnnen? DieheutewirksamensozialenErrungenschaenmßssen geschßtztwerdenWenndieIVnichthilmßssenanderesozialeSystemedaseindiedieKostenfßreinmenschenwßrdiges Leben ßbernehmen Das ist schwierig weilzurzeitdiepolitischeTendenzbestehtdieSozialhilfe – ja generell soziale Unterstßtzungen – zu kßrzen Deshalb engagiere ich mich in einer Gegenbewegung zudiesemTrend  FßrvieleMenschenwerdendiesteigendenGesundheitskostenimmermehrzueinerfinanziellen BelastungWiekanndiePolitikdaGegensteuer geben? Kurzfristig hil eine wirksame Prämienverbilligung LangfristigmussdieKostenexplosiongestopptwerden dennaufgrundderdemografischenEntwicklungwerden dieKostensowiesoweitersteigenAllenfallsmussßber einkommensabhängige Prämien diskutiert werden AuchdiePatientinnenundPatientenmßssenihrVerhaltenhinterfragen

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Schwerpunkt

UngesundeWechselwirkung zwischenArmutundKrankheit Menschen mit gesundheitlichen Problemen haben in der Schweiz ein höheres Risiko, arm zu sein. Zugleich wirkt sich Armut oft negativ auf die Gesundheit aus. Es droht eine gefährliche Abwärtsspirale. TextMartinJuckerMitarbeiterGrundlagenCaritasIllustrationAnjaDenz

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n der Schweiz leben 615 000 Menschen in Armut. Sie haben nicht genügend Geld, um ihren Grundbedarf zu decken, und grosse Mühe, ihre Rechnungen zu bezahlen. Die steigenden Krankenkassenprämien zehren einen immer grösseren Anteil ihres Einkommens auf. Bei Krankheit und Unfall müssen sie noch zusätzliche Kosten übernehmen. So stehen sie rasch vor einer schwierigen Entscheidung: Sie können den Arzt aufsuchen und sich dabei verschulden, oder

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sie verzichten auf den Arztbesuch und riskieren damit gesundheitliche Folgen.

Gesundheitskosten sprengen das Budget Patientinnen und Patienten müssen trotz obligatorischer Grundversicherung bei einem Unfall oder einer Krankheit einen beträchtlichen Teil der Gesundheitskosten selbst bezahlen: bis zu 2500 Franken Franchise und weitere 700 Franken Selbstbehalt. Das kann das

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Schwerpunkt

Budget von Haushalten mit tiefen Einkommen rasch sprengen. Den Betroffenen drohen finanzielle Schwierigkeiten. Untersuchungen der Berner Fachhochschule belegen, dass Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen langfristig ausserdem stärker gefährdet sind, arm zu sein. Sie arbeiten aufgrund ihres Leidens häufiger Teilzeit und verdienen weniger als der Durchschnitt. Durch Ausfälle entstehen Lßcken im Lebenslauf und erhÜhen das Risiko, später keine Stelle zu finden. Immer häufiger landen Betroffene in der Sozialhilfe. Dies liegt auch an der zunehmend restriktiven Vergabe von IV-Leistungen. So wurden 2017 nur noch halb so viele IV-Renten vergeben wie noch 2002.

Verzicht auf medizinische Behandlungen Krankheit ist ein Armutsrisiko. Armut kann sich aber auch negativ auf die Gesundheit auswirken. So haben Menschen mit tiefen Einkommen ein sechsmal hÜheres Risiko beispielsweise an Lungenkrebs zu erkranken als solche mit hohen Einkommen. Sozialhilfebezßger sind siebenmal häufiger in psychologischer Behandlung als der Durchschnitt. Die Grßnde dafßr sind vielfältig. So sind Armutsbetroffene häufiger in prekären Arbeitsverhältnissen, sie sind temporär oder auf Abruf beschäftigt und arbeiten in kÜrperlich und psychisch belastenden Berufen. Menschen mit tiefen Einkommen leben oft an schlechten Wohnlagen, an Strassen mit viel Durchgangsverkehr und mit wenigen Grßnflächen. Ausserdem verzichten viele Menschen nahe der Armutsgrenze aus Kostengrßnden auf notwendige medizinische Behandlungen. Besonders Zahnarztbehandlungen kÜnnen sich viele Armutsbetroffene nicht leisten. Jeder und jede Sechste in der Schweiz verzichtet aus finanziellen Grßnden auf notwendige Zahnbehandlungen. Es droht eine Abwärtsspirale Wer von Armut betroffen ist, kann sich den Besuch beim Arzt oft nicht leisten. Medizinische Kosten sind daher der häufigste Grund fßr materielle Unterstßtzung durch die Caritas-Sozialberatungen. Fehlt Hilfe von aussen, droht ein gefährlicher Teufelskreis. Ungesunde Ernährung und erhÜhter Stress aufgrund von Geldsorgen verschlechtern die Gesundheit. Damit sinken auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, wodurch sich die prekäre Situation weiter verschärft. Krankheit und Armut gehen zu oft Hand in Hand. KRANKENKASSENPRÄMIENVERSTÄRKENARMUT Die steigenden Krankenkassenprämien bringen immer mehr HaushalteinfinanzielleSchwierigkeitenDieszeigteineAnalysederCaritasSchweizSogebenineinigenKantonenFamilienmittiefenEinkommenbiszueinemViertelihresBudgetsfßrdiePrämienausDie Krankenkassenprämien werden zunehmend zum Armutsrisiko Die PrämienverbilligungentlastetnurnochungenßgendVieleKantone engagieren sich zu wenig oder haben im Zuge von Sparmassnahmen sogar gekßrzt Der Effekt Armutsgefährdete Menschen geratenweiterunterDruck wwwcaritasch/krankenkasse

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Kommentar

Maximal einen Monatslohn fßr die Krankenkasse Rund 600 000 Menschen in der Schweiz leben nur knapp ßber der Armutsgrenze. Fßr sie sind die stetig steigenden Krankenkassenprämien nicht mehr bezahlbar. Immer Üfter rutschen sie deshalb in die Armut ab. Die Situation ist sozialpolitisch unhaltbar und fßr die Betroffenen ßberaus belastend. Caritas fordert Bund und Kantone auf, die jährliche Belastung eines Haushalts durch die Krankenkassenprämien auf maximal einen Monatslohn zu beschränken. Die individuelle Prämienverbilligung muss ihre Aufgabe wieder wahrnehmen. Sie wurde in den 1990erJahren mit dem Krankenversicherungsgesetz eingefßhrt, um einkommensschwache Haushalte zu entlasten. Die notwendigen Entlastungsregeln sind verbindlich im Gesetz festzuschreiben. Krankenkassenkosten dßrfen nicht zu Armut fßhren. Ansonsten verschlechtert sich die ohnehin schon prekäre Situation der Betroffenen. Oft sparen Armutsbetroffene bei der eigenen Gesundheit und gehen dabei an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Nicht selten hat dies langfristige Beeinträchtigungen zur Folge. Fßr Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden ist der Weg aus der Armut häufig versperrt. Sind Kinder betroffen, tragen sie die Spuren der Armut oft ein Leben lang. Diesen Teufelskreis gilt es zu stoppen. Bezahlbare Krankenkassenkosten sind eine Voraussetzung dafßr. BeinaFredrich LeiterinFachstelleSozialpolitik CaritasSchweiz

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PersĂśnlich

Liora1â „2JahregehtindenKindergartenundwohnt inBernGesundheitbedeutetfĂźrsieeinZuhause zuhabenimGartenspielenzudĂźrfenundglĂźcklich zusein 12

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Persönlich

«Was bedeutet für dich Gesundheit?» Über Gesundheit wird häufig gesprochen. Für jede und jeden hat sie ein anderes Gesicht. Wer um jeden Franken kämpfen muss, dem schlägt das oft auf die Gesundheit. Mit beeinträchtigter Gesundheit wird das Kämpfen wiederum noch anstrengender. Doch was bedeutet «Gesundheit» eigentlich? Wir fragten Passantinnen und Passanten in der Deutschschweiz.

Idris Aziz Informatiker, Bern Gesundheit bedeutet für mich, nicht nur gut versichert zu sein oder selten zum Arzt gehen zu müssen. Es geht um viel mehr, zum Beispiel, dass ich jeden Tag lachen, Freunde treffen und meine Arbeit gerne und gut ausführen kann. Meine Mutter sagt mir immer: Solange wir gesund sind, geht es uns gut. Auch beim Sport erlebe ich, wie wertvoll meine Gesundheit ist. Ich spiele Handball beim BSV Bern Muri.

Julian Koch Schüler, Basel Gesundheit ist schon etwas Zentrales! Mein Körper macht im Moment alles mit. Es kommt vor, dass ich ihn schonen muss. Voraussetzungen sind eine gute Ernährung, sauberes Trinkwasser und im kritischen Fall eine gute Medizin. Nicht alle Menschen haben diese guten Voraussetzungen. Könnte ich mich nicht politisch für diese Menschen engagieren, würde ich vermutlich seelisch krank. Privilegien verpflichten.

Jeanne Reinhart Schülerin, Zürich Für mich bedeutet Gesundheit nicht einfach nur, nicht krank zu sein. Sehr wichtig ist für mich auch, an einem Ort zu leben, an dem mir wohl ist und an dem ich mich geborgen und sicher fühle. Und dass ich meine Freunde und meine Familie um mich habe.

Anina Kesselring KV-Praktikantin, Brugg Gesundheit bedeutet für mich, mein Leben so gestalten zu können, wie ich möchte; mich frei bewegen und Pläne schmieden zu können. Zum Beispiel eine Reise um die Welt machen zu können – oder einfach einen Spaziergang im Wald mit meinem Hund.

Johann Wyss Pensionär, Chur Für mich bedeutet Gesundheit, dass man sich wohl fühlt und in seinem Umfeld gut aufgehoben ist. Jeder kann plötzlich von Gesundheitsproblemen betroffen sein. Daher ist es wichtig, dass man zufrieden ist und das Leben auch geniesst. In der Schweiz kann man sich glücklicherweise auf eine gute medizinische Versorgung verlassen.

Ruth Ghezu Interkulturelle Dolmetscherin, Luzern Gesundheit bedeutet für mich ganz einfach Lebensqualität – und diese Lebensqualität möchte ich mir lange erhalten. In den letzten Jahren habe ich gelernt, wie wichtig es ist, dass ich mich gut um mich selbst kümmere, um mich gesund zu halten. Dazu gehört für mich, dass ich mich gesund ernähre, viel Wasser trinke, genug schlafe und darauf achte, dass ich immer in Bewegung bleibe.

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Caritas Sektion

Der Stellensuchende Rbieh Kader schätzt es, in den Restaurants der Caritas wertvolle Erfahrungen zu sammeln und Neues zu lernen, gerade für eine gesunde Ernährung. 14

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Caritas Luzern

Sie lernen kochen – und mehr Im Restaurant A15 erhalten Stellensuchende eine Perspektive, um später im ­Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Nebst dem Handwerk in der Küche werden die Mitar­ beitenden von Arbeitsagogin Carla Erculiani für das Thema «Gesunde Ernährung» sensibilisiert. Text: Daniel Schriber Bilder: Boris Bürgisser

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in Donnerstagmorgen im Februar. Während draussen die Frühjahrssonne die ersten Blumen spriessen lässt, herrscht in der Küche des Restaurants A15 der Caritas Luzern emsiges Treiben. Es ist kurz nach 10 Uhr und damit knapp 90 Minuten vor dem Besucheransturm. Gut ein halbes Dutzend Frauen und Männer aus der ganzen Welt sind gerade daran, das Mittagessen für die späteren Gäste vorzubereiten. Der Lernende Tenzin Dokhang aus dem Tibet rührt ein Tomatensugo in einem grossen Topf, Edwin Dalrene aus Sri Lanka ist gerade mit dem Zubereiten von Häppchen für ein Catering beschäftigt. Wie am Donnerstag im A15 üblich, gibt es zusätzlich zum Vegi- und Fleischangebot auch ein veganes Menü. Auf dem Tagesplan stehen Maisomeletten gefüllt mit

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Gemüse, serviert auf Wirsing-Tomaten-Gemüse – als Alternative steht ein Lauch-Teigwaren-Auflauf mit Nusskruste zur Auswahl. Mit letzterem beschäftigt sich gerade Rbieh Kader. Der 34-Jährige, der zu Beginn des Jahrhunderts aus dem Nord-Irak nach Europa flüchtete, befindet sich aktuell auf Stellensuche. Der Arbeitseinsatz im Caritas-Restaurant ist für ihn eine Übergangslösung, die er gerne nutzt. «Ich sammle wertvolle Erfahrungen und lerne täglich Neues dazu.» Damit meint er nicht nur die praktische Arbeit in der Grossküche, «sondern auch Interessantes zum Thema ‹Gesunde Ernährung›.» Das Bewusstsein dafür war bei dem jungen Mann längst nicht immer vorhanden. «Im Irak findet man leider nur selten Gemüse auf dem Teller», erzählt Kader. «Die Leute zu Hause essen häufig zu viel Zucker und Salz.»

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Caritas Luzern

Die Arbeitsagogin Carla Erculiani bespricht mit Rbieh Kader die Produktion des Lauch-Teigwaren-Auflaufs.

Chefin mit internationaler Erfahrung Andere Länder, andere Ernährungsgewohnheiten. Während mancherorts vielfach nur Fleisch und Brot auf den Teller kommen, ernähren sich andere Kulturen – etwa die fernöstlichen – schon per se leichter und «grüner». Carla Erculiani kennt die kulturbedingten Unterschiede in den Küchen dieser Welt bestens. Nebst Engagements in verschiedenen Qualitätsbetrieben in der Schweiz stand sie auch in Russland, Amerika, Australien und England als Köchin im Einsatz. Nach einer Weiterbildung zur Arbeitsagogin entschied sich die Luzernerin vor vier Jahren, bei der Caritas eine neue Herausforderung anzunehmen. Den Kochlöffel schwingt die charismatische Chefin seither nur noch selten. «Heute lasse ich kochen», sagt Erculiani und lacht. Gemeinsam mit den Teilnehmenden des Caritas-Programms verwöhnt Erculiani im Restau-

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rant A15 täglich Gäste aus der ganzen Schweiz mit frischen Mahlzeiten. Etwa 80 bis 100 Teller gehen hier täglich über die Theke. Zudem realisiert sie Caterings für bis zu 300 Personen. Damit die Aufträge stets nach Wunsch der Kundschaft erfüllt werden, muss die Chefin auch mal streng sein. Ein anderer Punkt sei jedoch noch wichtiger: «Ich befähige meine Leute.» Wer bei Erculiani arbeitet, darf und soll auch Fehler machen dürfen. «Wichtig ist, dass die Teilnehmenden daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen.»

Frisch ist nicht gleich teuer Als Arbeitsagogin geht Carla Erculianis Auftrag weit über die Zubereitung von schmackhaften Menüs hinaus. Jeden Morgen, noch bevor die Küchenmannschaft mit dem Mis en Place beginnt, trifft sich Erculiani mit ihrem Team zur Besprechung. Dabei lässt sie den Tag

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Caritas Luzern

davor Revue passieren und informiert über die Ziele des bevorstehenden Einsatzes. Zudem sensibilisiert sie ihre Leute regelmässig für das Thema «Gesunde Ernährung». Das Gemüse spiele in der Menüplanung eine wichtige Rolle, betont sie. Ein weiterer Punkt: «Ich versuche den Leuten klarzumachen, dass man auch mit wenig Geld gut und gesund essen kann.» Denn natürlich kennt auch Erculiani das Dilemma: Häufig scheinen hochwertige Produkte im Supermarkt teurer zu sein als ungesunde Fertigprodukte. Darunter leiden vor allem Menschen mit tieferen Einkommen. «Doch das täuscht», sagt Erculiani. «Wenn man die frischen und guten Produkte richtig zubereitet, hat man letztlich viel mehr davon.»

Einsatzplätze für Jugendliche und Stellensuchende Die Caritas betreibt in Luzern drei Gastrobetriebe: das Restaurant Grossmatte in Luzern-Littau, das im Herbst 2018 eröffnete Restaurant Brünig an der Industriestrasse sowie das Restaurant A15 im Haus der Caritas Schweiz an der Adligenswilerstrasse. Die Betriebe bieten Stellensuchenden sowie Jugendlichen mit wenig Aussichten auf eine Lehrstelle eine Perspektive, um im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Dank Vergünstigungen können sich zudem auch Menschen mit kleinem Budget einen Besuch in den Caritas-Restaurants leisten. www.caritas-luzern.ch/gastronomie

Davon ist auch Rbieh Kader überzeugt. Der Iraker investiert sein Geld gerne in gutes Essen. «Das ist es mir wert», sagt der junge Mann, der davon träumt, irgendwann sein eigenes Restaurant «mit irakischen und Schweizer Spezialitäten» zu eröffnen. Wenn es so weit ist, will auch Kader vor allem auf frische und gesun-

de Produkte setzen. Lachend ergänzt er: «Das heisst ja nicht, dass deswegen der Genuss zu kurz kommen soll – ganz im Gegenteil!»

Am Morgen herrscht Grossbetrieb in der Küche des A15. Es gilt, die Mittagsmenüs für rund hundert Personen zuzubereiten.

«Ich befähige gerne Leute.» Carla Erculiani schätzt es, mit ­Menschen aus aller Welt zusammen zu kochen.

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Online-Shop

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Caritas Luzern

Krankenkassenprämien als ­Armutsfalle Die stetig steigenden Krankenkassenprämien und Arztrechnungen werden für ­einkommensschwache Haushalte immer mehr zur Belastung. Sie sind heute einer der Hauptgründe dafür, dass armutsgefährdete Personen in finanzielle Engpässe geraten. Diese Situation ist für die Caritas unhaltbar. Text: Urs Odermatt Bild: Kellenberger und Kaminski

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ie Erfahrungen der Sozialberatung der Caritas zeigen, dass alljährlich Tausende von Haushalten in der Schweiz wegen der hohen Krankenkassenprämien in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Viele Betroffene ersuchen bei der Caritas um Überbrückungshilfe, da ihnen aufgrund der hohen Kosten Schulden und ein Leben in Armut drohen. Ein wichtiger Schritt in der Sozialberatung ist es deshalb, für die Klientinnen und Klienten den Anspruch auf Prämienverbilligung abzuklären und diese einzufordern. Denn der Zugang zur Prämienverbilligung wird oft durch administrative Hürden erschwert. Sie ist jedoch zentral für eine nachhaltige Existenzsicherung. Häufig kann so verhindert werden, dass die Betroffenen in Zahlungsrückstand geraten.

Prämienverbilligung als ­Armutsprävention «Die Krankenversicherungen erheben ihre Prämien ohne Rücksicht auf das Einkommen und das Vermögen. Dies kann zu einer grossen finanziellen Belastung führen. Hier können Prämienverbilligungen helfen.» So steht es auf der Website der Ausgleichskasse Luzern. Ab wann die Prämien zur Belastung werden, ist jedoch politisch umstritten. So senkte der Kanton Luzern 2017 als Sparmassnahme das anspruchsberechtigte Einkommen zur Ver-

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Aufgrund der steigenden Krankenkassenprämien ersuchen immer mehr junge Familien bei der Sozialberatung der Caritas um Überbrückungshilfe.

billigung der Krankenkassenprämien von Familien von 75 000 auf 54 000 Franken. Dies führte viele Familien mit kleinem und mittlerem Einkommen im Kanton Luzern in Bedrängnis. Nun hiess das Bundesgericht Anfang 2019 die Beschwerde gegen diese neue, reduzierte Einkommensgrenze gut. Sie sei zu tief angesetzt, was dem Sinn und Geist des Bundesrechts widerspreche und dazu führe, dass nur ein zu kleiner Teil der Bevölkerung in den Genuss der Prämienverbilligung komme. Das Bundesgericht stellt so klar, dass auch einkommensschwache Haushalte ein Anrecht auf Prämienverbilligungen haben und nicht nur, wer bereits unter der Armutsgrenze lebt. Dies ist ein wichtiges Zeichen für die Prämienverbilligung als Mittel zur Armutsprävention.

Von medizinischer Versorgung ausgeschlossen Leider ist Luzern auch einer von vier Kantonen, der eine schwarze Liste führt. Darauf werden Personen registriert, die Zahlungsrückstände bei einer Krankenkasse haben. Eine Studie aus dem Jahr 2015 stellte fest, dass kein signifikanter Zusammenhang zwischen der schwarzen Liste und der Höhe der Prämienausstände besteht. Trotzdem liess der Regierungsrat des Kantons Luzern Ende 2018 verlauten, dass er bezüglich der schwarzen Liste keinen unmittelbaren Handlungsbedarf sehe. Damit werden weiterhin anspruchsberechtigte Personen von der medizinischen Grundversorgung ausgeschlossen. Die schwarze Liste schafft somit neue Probleme, ohne das Grundproblem zu lösen.

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Caritas Luzern

«Kultur ist für mich Seelennahrung» – 10 Jahre KulturLegi Zentralschweiz Die KulturLegi der Caritas macht Kultur-, Bildungs- und Sportangebote für Menschen an der Armutsgrenze erschwinglich und fördert so die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dieses Jahr feiert die KulturLegi Zentralschweiz ihr 10-jähriges Bestehen. ­ Für die Leiterin Ursula Meyer ist dies noch lange kein Grund sich auszuruhen. Text: Claudia Blaser Bilder: Conradin Frei

Dank der KulturLegi zahlen Familien mit kleinem Budget weniger für den Eintritt ins Museum, zur Theateraufführung oder zum ­Konzertbesuch.

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enn ein kurzfristiges Angebot ins Haus flattert, lässt Ursula Meyer, Leiterin der KulturLegi Zentralschweiz, schon einmal alles andere stehen und liegen, um die Nutzenden der KulturLegi so schnell wie möglich darüber zu informieren. Denn diese Angebote sind Lichtblicke im oft schwierigen Alltag von Menschen mit kleinem Budget. Vor allem Alleinerziehenden und Familien mit Kindern fehlt oft das Geld, um am gesellschaftlichen Leben und an kulturellen Anlässen teilzunehmen. Für sie kann Alltägliches unerschwinglich sein. Die Vision der Caritas ist eine Schweiz, in der alle Menschen am sozialen, kulturellen und sportlichen Leben teilhaben können. Die KulturLegi Zentralschweiz leistet dazu seit zehn Jahren einen wichtigen Beitrag. Schweizweit nutzen zurzeit rund 96 000 Menschen die KulturLegi. Allein in der Zentralschweiz sind es über

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7500 Nutzende, denen 375 verschiedene Angebote zur Verfügung stehen. Mit der roten Karte können Menschen, die am oder unter dem Existenzminimum leben, wie Sozialhilfebezüger/innen, Rentner/innen oder Studierende mit Stipendien, vergünstigt ins Museum, in einen Tanzkurs oder eine Weiterbildung besuchen. Die breite Angebots­palette reicht von Konzerten und Theateraufführungen über Fitnessabos, Yogakurse und Sportlager bis hin zu Sprachkursen, Musikunterricht und Gutscheinen für einen Restaurantbesuch. Die Freude der Nutzenden, die Ursula Meyer immer wieder spürt, bedeutet für sie eine grosse Motivation. Oft erhält sie persönliche Briefe, in denen Menschen ihr dafür danken, dass sie durch die KulturLegi eine höhere Lebensqualität geschenkt bekommen haben.

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Caritas Luzern

der ganzen Schweiz haltmacht. Für den Direktor Adrian Steiner ist es wichtig, dass auch Menschen mit kleinem Budget in den Genuss der Veranstaltungen kommen: «Wir möchten den Besuchern Glücksmomente schenken und ihren Alltag für ein paar Stunden in den Hintergrund rücken. Gemeinsam mit der Caritas machen wir dies auch für Menschen möglich, die sich normalerweise solche Momente nicht leisten können.»

Ursula Meyer, Leiterin der KulturLegi Zentralschweiz

Eine Nutzerin formuliert es so: «Wenn ich Kultur ganz aus meinem Budget streichen müsste, würde ich verkümmern. Kultur ist für mich Seelennahrung.» Eine andere Nutzerin erzählt, dass sie früher mit ihren Kindern oft betrübt an Museen oder Zirkuszelten vorbeigegangen sei. Dass ihre Kinder nun dank der KulturLegi Zugang zur Kultur erhalten, findet sie besonders wichtig: «Sie sollen nicht das Gefühl haben, ausgeschlossen zu sein, nur weil wir weniger Geld haben.» Viele Angebotspartner hat Ursula Meyer, die die KulturLegi Zentralschweiz seit fünf Jahren mit viel Herzblut leitet, selbst akquiriert. Ausruhen möchte sie sich aber noch lange nicht. «Es gibt noch unzählige Angebote und potenzielle Partner, die ich ins Boot holen und von der KulturLegi überzeugen möchte», erzählt die 54-jährige Luzernerin voller Enthusiasmus. Die quirlige Powerfrau kümmert sich nicht nur um neue und bestehende Angebotspartner, sondern auch um einen Teil der Mittelbeschaffung und um die sozialen Fachstellen, die ein wichtiger Multiplikator sind. Zudem betreut sie den Newsletter und die Website, wo laufend aktuelle Angebote publiziert werden. Bei ihrer Tätigkeit hat sie mit den unterschiedlichsten Leuten zu tun. Erste Priorität haben bei ihr jedoch immer die Nutzenden der KulturLegi. «Es sind so tolle Angebote dabei. Ich möchte, dass diese von den Betroffenen voll ausgeschöpft werden können.» Eines ihrer aktuellen Highlights, das auch die Nutzenden begeistert, ist das 21st Century Orchestra im KKL, das populäre Kinofilme wie Star Wars oder Harry Potter live mit klassischer Filmmusik untermalt. «Da wir bisher fast keine Kinos als Angebotspartner gewinnen konnten, sind diese Anlässe bei den Nutzenden besonders beliebt», erzählt Ursula Meyer lebhaft. Einer der langjährigen Angebotspartner der KulturLegi ist «Das Zelt», eine mobile Kulturplattform, die in

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Im Rahmen des 10-Jahr-Jubiläums der KulturLegi Zentralschweiz arbeitet Ursula Meyer mit den anderen regionalen Caritas-Organisationen daran, die Bekanntheit der KulturLegi zu steigern und grosse nationale Partner wie die SBB zu gewinnen. «Die Mobilität innerhalb der Gesellschaft ist sehr wichtig für die Integration in den Arbeitsmarkt und den Zugang zu Bildungs- und Freizeiteinrichtungen», erklärt Ursula Meyer. «Es gibt noch viel zu tun. Wir bleiben auf jeden Fall dran.» So wirkt die KulturLegi Die KulturLegi fördert Teilhabe: Die Nutzenden nehmen dank der KulturLegi an kulturellen und sportlichen Aktivitäten teil, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Die KulturLegi erweitert den Horizont: Die Nutzenden vertiefen durch Kurse und Weiterbildungen ihr Wissen und steigern dadurch ihre beruflichen Chancen. Die KulturLegi verbindet: Gemeinsame Erlebnisse fördern den Zusammenhalt untereinander und ermöglichen es den Nutzenden, neue Kontakte zu knüpfen.

Die KulturLegi ist gelebte Solidarität. Wenn das Budget keinen Sportkurs, keine Ausstellungs- und Konzert­ besuche und schon gar keine Weiterbildung zulässt, macht es die KulturLegi möglich. Weitere Informationen sowie die ganze Angebotspalette finden Sie unter www.kulturlegi.ch.

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Ichwillhelfen

Ichbinoffenfßralles Claudia ist 2019 bereits zum zweiten Mal freiwillige Patin im Projekt mit mir. So kann die 45-Jährige ihre Lebenserfahrung teilen und Kinder begleiten, die es nÜtig haben. TextThisRutishauserBildRolandSchuler

STECKBRIEF AufgewachsenalsältestevonvierGeschwisternimZßrcherOberlandarbeitetClaudiaBrandenbergheutebei derPolizeiDie-Jährigeistweitgereistundfasziniert von fremden Kulturen In der Freizeit ist sie aktiv in der Natur unterwegs oder liest zwischendurch auch einfach einenspannendenKrimi

will mich vorbehaltlos darauf einlassen. Im KĂścher habe ich einige Ideen und Angebote. Doch wĂźnschen kĂśnnen die Kinder.

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Es braucht wenig, um ein Kind glßcklich zu machen. Damals, vor rund zehn Jahren, habe ich mich zum ersten Mal beim Caritas-Patenschaftsprojekt ‚mit mir› engagiert und mit einem kleinen Jungen auf der Josefwiese regelmässig Fussball gespielt. Ein paar andere Kinder kamen jeweils dazu. Fßr mich war der freiwillige Einsatz nicht mit Schweisstreiben und viel Drumherum verbunden. Fßr den kleinen Buben jedoch war das gemeinsame Spielen und Draussensein etwas Grosses. Ich denke heute noch gerne an diese Nachmittage zurßck und an die kleinen Einblicke in seine fremdländische Familie. Mir gefällt es, nach einem Nachmittag als ‚Gotte› mit ein paar neuen WÜrtern in einer fremden Sprache oder einem exotischen Kochrezept nach Hause zu gehen. Bald werde ich Patin eines neuen ‚mit mir›-Kindes. Auf die kommende Zeit und die neue Begegnung mit ihm bin ich schon sehr gespannt. Ich bin offen fßr alles. Weder weiss ich, ob ich ein Mädchen oder einen Buben begleiten werde, noch kenne ich dessen Kulturkreis. Ich weiss nur, dass ich keine Erwartungen habe. Ich

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Sicherheit gibt mir im Hintergrund die Caritas: Mir entspricht die professionelle Unterstßtzung. Ich bin eng und gut begleitet und kann meine Kraft fßr das einsetzen, was ich kann. Neben ‚mit mir› habe ich noch andere Einsätze geleistet. Letztes Jahr half ich im Rahmen des Caritas-Zßrich-Angebots ‚incluso› einer Jugendlichen bei der Lehrstellensuche. Und vor zwanzig Jahren war ich in einem Bergeinsatz – und lernte eine neue Freundin kennen, mit der ich noch heute Kontakt habe. wwwcaritasch/mitmir

WIRSAGENDANKE! AufdieserSeiteporträtierenwirMenschendiesichbei Caritas in unterschiedlicher Form fßr armutsbetroffene MenscheneinsetzenIhrvielfältigesEngagementwollen wirsichtbarmachenundunsdafßrbedankenOhnederenunermßdlichenEinsatzundderengrosszßgigeUnterstßtzung wäre die Arbeit der Caritas fßr Menschen mit wenigGeldschlichtnichtzubewerkstelligen WollenSiesichauchfreiwilligengagieren? AlsFreiwilligeoderFreiwilligerlernenSieMenschenmit anderen Perspektiven kennen Sie helfen im Alltag und machenIntegrationmÜglichSiekÜnnenIhrWissenweitergebenundNeuesdazulernenMehrInformationenzu den Einsätzen finden Sie auf der Webseite der CaritasOrganisationinIhrerRegion

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Kolumne

EinTiefaufdie Franchise IllustrationAnjaDenz

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phten – diese weissen, schmerzenden Punkte im Mund – machen mir oft das Leben zur Qual. Beim Sprechen, Kauen, Zähneputzen. Der Hausarzt meinte, da kÜnne man nichts machen. Doch sag mal den Bakterien, sie sollen eine Pause machen. Ich fragte mich: Muen ich mir uf d’Zäh biisse, solang ich no Zäh han? Und vor allem: Bin ich selbst Schuld, wenn ich LÜcher habe? Da vergeht mir das Lachen automatisch, wenn ich mir den Zahnarzt nicht mehr leisten kann. Noch kann ich ihn mir leisten. Und mein Problem bleibt eine Kleinigkeit. Fßr andere ist das einzige Hoch im Monat die Franchise. Man spart sich den Gang zum Arzt aus Angst, es kÜnnte einem was fehlen. Arm sein bedeutet, sich das Kranksein nicht leisten zu kÜnnen. Die Abstriche machen keine Ärzte, sondern man selbst – bei der eigenen Gesundheit. Um jemandem beim Reden zuzuhÜren, zahlt man bereits Billag. Man geht nur noch homÜopathisch zum Arzt: Also man läuft an der Praxis vorbei und hofft, dass sich der KÜrper erinnert, dass er schon mal dort war.

Am Ende läuft man unter Notstrom und riskiert chronische Krankheiten oder Folgeerscheinungen. Denn in der Schweiz spielen viele notgedrungen Poker und setzen ihre Gesundheit aufs Spiel. Doch es gibt Länder, die bereits ßber ein faireres Gesundheitswesen verfßgen und Krankheiten wie die Wahl der optimalen Krankenkasse ausgerottet haben. England und Schweden zum Beispiel finanzieren die Gesundheit ihrer BevÜlkerung durch Steuern. Dafßr kann man jederzeit zum Arzt. Nie mehr lästige Werbeanrufe wie: Sind Sie mit dä Wahl vo Ihrer krankä Kassä zfriede? Dänemark investiert zudem in Prävention bei Risikogruppen und berßcksichtigt auch die Zähne. Damit einem auch Kleinigkeiten wie Aphten keine LÜcher im Kontostand verursachen. Wollen wir also als Gesellschaft langfristig Geld sparen und gleichzeitig eine gesunde BevÜlkerung, ist eine gewährleistete Grundversorgung fßr alle hilfreich. Also noch nicht mal aus Mitgefßhl – reiner Egoismus wßrde reichen um zu helfen. Denn Gesunde verursachen weniger Kosten.

Martina HĂźgi * ist Slampoetin und lebt in Winterthur Trotz ihrem Thurgauer HintergrundfĂźhltsiesichimKantonZĂźrich gutintegriert wwwmartinahuegich

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Dabei sein, auch mit wenig Geld.

* Schmales Budget, volles Programm: Mit der KulturLegi erhalten Menschen mit schmalem Budget 30–70% Rabatt auf Angebote aus Kultur, Sport, Bildung und Freizeit.

www.kulturlegi.ch

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