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Zeitschrift für Naturstein

Gestalten

Stein auf der Mailänder Möbelmesse

Chefsache

Versetzen auf dem Friedhof

Baustelle

Trittschall vermeiden

Hand-Werk

Mai 2010 www.s-stein.com


Immer die sicherste Lösung Nachrichten 6

Staatspreis für Nachwuchsdesigner Auch gestaltende Handwerker können sich um den bayerischen Preis bewerben.

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Umzug nicht vor 2012 Trotz Wachstum bleibt die Marble in Izmir vorerst am alten Standort.

Gut zu wissen

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DiProtec AB Einfach dicht!

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Vor Ort Die Messe Stonetech in Shanghai

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Vor Ort Tagung »Natursteinsanierung Stuttgart«

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Steinmensch Ein Sachverständiger aus Schweden

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Chefsache Versetzen auf dem Friedhof

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Angesprochen Die Macht des Kunden

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Sehen lernen Von Feldsteinen, Marken und Lokatoren

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Mobil Unterwegs an der Mosel

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Seitenblick Naturstein auf der Möbelmesse in Mailand: ein Rundgang.

Baustelle

Mit einzigartiger Dichtband-Technologie. Schnell: Selbstklebende Dichtbänder DiProtec® AB ermöglichen den schnellen, sicheren Anschluss von Abdichtungen an Randprofile – in nur einem Arbeitsgang.

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Keine Angst vor Wasser Bibliothek in Amsterdam: eine Flächendrainage schützt den Muschelkalk

Einfach: DiProtec® AB Dichtbänder werden direkt auf die GUTJAHR Randprofile mit ungestanztem Profilschenkel aufgeklebt – ohne vorheriges Anspachteln der Profilschenkel, ohne Trocknungs- und Wartezeiten.

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Auf leisen Sohlen Wie gedämmt werden muss, damit Trittschall nicht zum Ärgernis wird.

Sicher: Durch Selkbstklebe-Technologie – ohne mehrfachen Auftrag mineralischer Dichtschlämmen und Einbetten von Rissbrücken. Vielseitig: In verschiedenen Ausführungen erhältlich, z.B. für den Anschluss der DiProtec® SDB Schnelldichtbahn, mineralischer Dichtschlämmen oder direkt verfließbare Sockel. Callwey Verlag STEIN Streitfeldstraße 35 D-81673 München Postfach 800409 D-81604 München Fon +49 89/ 43 60 05-0 Fax +49 89/ 43 60 05-164 redaktion@s-stein.com www.s-stein.com

Tel. +49 (0) 62 57/93 06 - 0 · Fax 93 06 - 31 · www.gutjahr.com

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Inhalt

Hand-Werk 34

Mein Handwerk Eine kritische Liebeserklärung an das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk

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Vom Verlust Mitte Wie sich Handwerker heute positionieren können.

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Die Hände des Meisters Ein Industriedesigner und sein Verhältnis zum Handwerk.

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Zu Gast beim Steinmetz Ein Projekt bringt Steinmetzen und andere Berufsgruppen zusammen.

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Der Weg zur Fläche Ein Steinmetzmeister über eine Methode der Flächenanarbeitung.

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Hand anlegen Ein Steinmetzmeister über Werkzeuge seiner Lehrzeit und deren Entwicklung

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Fach-simpeln Beobachtungen am Rande einer Hausmesse

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Seitenblicke HandWERk?

Unternehmen & Produkte 66

Neues und Bewährtes aus den Bereichen Naturstein, Maschinen, Werkzeuge und mehr

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Betreff Recht Medien S Promotion Leute Vorschau/Impressum/ Fotonachweis

Der Steinmetz/Bildhauerberuf an sich ist nicht vergleichbar und die Menschen, die dieses Handwerk ausüben sind allesamt Individualisten. Eine kritische Liebeserklärung. Oder eine subjektive Bestandsaufnahme. Oder irgendetwas zwischendrin.

Industriedesigner Alexander Schönhoff ist begeistert von Naturstein. Seine Entwürfe lässt er bei heimischen Handwerksbetrieben fertigen. Von seinen Handwerkspartnern wünscht er sich vor allem eines: Liebe zu ihrem Material und Experimentierfreude.

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Es leben die Märkte! Es lebe der Unterschied. Der Luxusmarkt, der Statusmarkt, der Sinnmarkt, der Dienstleistungsmarkt, der Trashmarkt. Müll? Mit Müll war im Handwerk auch gestern kaum Geld zu verdienen. In Zukunft wird es unmöglich sein. Einblicke in die neue Welt des alten Handwerks.

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Eine Fassade aus Muschelkalk gibt der neuen Amsterdamer Bibliothek einen edlen Rahmen. Auch die Treppe und das Eingangsplateau wurden damit belegt. Eine kapillaraktive Flächendrainage sorgt dafür, dass der Stein seine Schönheit behält.

www.s-stein.com Meisterstücke aktuell Auf der STEIN-Homepage finden Sie die aktuellen Meisterstücke 2009 der diversen Meisterschulen. Viel Spaß beim Schmökern! www.s-stein.com -> Bildergalerie

Titelabbildung: Pave, das neue Sitzsystem von Kreoo, bringt durch die Kombination von Stein und Holz Spannung in der Welt aus Stein. Die Konzeption des Designers Enzo Berti präsentierte das italienische Natursteinunternehmen Decormarmi erstmalig anlässlich des Salone Internazionale del Mobile di Milano 2010.

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Natursteindatenbank mit über 16000 Einträgen In Kooperation mit dem Abraxas Verlag und dem Informationsdienst Naturstein finden Sie die größte Natursteindatenbank mit über 16000 Steinsorten und 13000 Abbildungen – ab sofort ohne Wasserzeichen – direkt auf der STEIN-Homepage. www.s-stein.com/Natursteindb.html

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Vor Ort

Warm anziehen Die Stonetech in Shanghai gehört traditionell zu Chinas ersten und wichtigsten Fachmessen im Natursteinsektor. Auch wenn die Konkurrenz durch die Xiamen Stone Fair immer stärker wird, ist die Messe ein Trendbaromter für den Natursteinmarkt Chinas. Von Ariane Suckfüll und Richard Watzke

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ie Natursteinheizung der Solnhofen Stone Group ist der heimliche Star der Stonetech in Shanghai vom 4. bis zum 9. April in China. Zumindest für Michaela Kretschmer, Exportleiterin bei SSG, die schon lange nicht mehr so gefroren hat. Tatsächlich sind die Messehallen eiskalt, der plötzliche Kälteeinbruch in Shanghai macht auch den Ausstellern drinnen zu schaffen. Für die Solnhofener ist dies die erste Messe in China, und es ist nicht nur die Kälte, mit der sie zu kämpfen haben. Denn sie wollen keine Blöcke, sondern Fertigwaren nach China exportieren. Es ist klar, dass die eigenen Fertigungskosten weit über denen chinesischer Betriebe liegen. Das liegt im Falle des Solnhofener Unternehmens nicht ausschließlich im unterschiedichen Lohnniveau begründet. Immer wieder erklärt das SSG-Team Interessenten aus China auch, dass nicht der gesamte Block in der Produktion verwendet werden kann, sondern streng nach Qualität selektiert wird. Schwer vorstellbar für chinesische Produzenten, die es gewohnt sind, einen ganzen Block zu verarbeiten. Auch aus Reststücken werden kleinteilige Fliesen oder Dekorstücke gefertigt, was daraus resultiert, dass personelle Arbeitskraft in China immer noch nicht ausschlaggebendes Kriterium für wirtschaftliches Produzieren ist. Gutes Beispiel hierfür ist der norwegische Larvikit. Das Material ist Dauerbrenner auf dem chinesischen Markt. Die Produktionsfirmen

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Standdesign auf Chinesisch. Die Zeiten der reinen Materialpräsentation sind längst vorbei. Die Stände sind geräumig und setzen den Stein in Szene.

kaufen zweite oder dritte Wahl, die Blöcke werden komplett genutzt. Norwegische Firmen wie Larvik Granite AS kommen mit der Produktion kaum nach, das Unternehmen hat auf der International Stone Fair in Xiamen praktisch sein komplettes Lager verkauft. Die Messe in Xiamen Anfang März ist starker Konkurrent zur Stonetech, viele Aussteller geben an, dort aufgrund des großen und sehr internationalen Besucheransturms die besseren Geschäfte gemacht zu haben. Trotzdem schlägt das Pendel nicht gänzlich zugunsten der Messe im Südosten Chinas aus. Es ist gerade dieser »Supermarktcharak-

ter«, der vielen Ausstellern, die sich mit einem höherwertigen Sortiment präsentieren, nicht zusagt. Sie erhoffen sich den Kontakt zu Planern und Architekten eher von Shanghai. Architektengerecht präsentiert sich beispielsweise der Stand von Tosco Marmi. Marcello Peretti setzt auf die Wirkung der Verlegemuster seines Palissandro. Er ist sich sicher, dass hochwertige Materialien nur dann wirklich überzeugen, wenn man sie in der Anwendung sehen kann. Dass Naturstein »made in Europe« sich als Marke entwickeln kann, die für Qualität und Design steht, davon ist man auch bei franchi-

umberto marmi überzeugt. Das italienische Unternehmen präsentiert seine Designobjekte, unter anderem aus Carraramarmor, ohne Angst davor, kopiert zu werden. Denn genau davor schützt ein eigenes Image, Design »made in Italy«, so meint Exportleiterin Patrizia Ricci. Aber auch die chinesischen Unternehmen überzeugen mit einem Standdesign, das längst weit über die reine Materialpräsentation hinausgeht. Die Stände setzen die Materialien in Szene – zunehmend schlicht und puristisch, einem Trend folgend, der eine Art internationale Innenarchitektur bestimmt. Gutes Beipsiel dafür ist die

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Vor Ort

Hintergrund

Expo in Shanghai Unter dem Motto »Better City, Better Life« – eine bessere Stadt, ein besseres Leben – findet die Weltausstellung Expo 2010 vom 1. Mai bis 31. Oktober in Shanghai statt. Rund 200 teilnehmende Nationen werden erwartet. Das Expogelände ist rund 5,3 Quadratkilometer groß und liegt beiderseits des Flusses Huangpu. Für den Transport der erwarteten 3,5 Millionen ausländischen Besucher wurde der öffentliche Personennahverkehr, u.a. mit mehreren neuen U-Bahn-Stationen, weiter ausgebaut. Auf dem Gelände stehende alte Industriebauten und traditionelle einfache Wohngebiete werden z.T. saniert und integriert. Die älteren Industrieanlagen, unter anderem Stahl und Schiffbau, werden an die Peripherie der Stadt verlegt. Bei

Innenraumgestaltung der unzähligen internationalen Hotels, die in den vergangenen Jahren in Shanghai eröffnet wurden. Stein ist hier bevorzugtes Material und wird in großen Mengen eingesetzt. Im Gegensatz zu traditionellen chinesischen Hotels oder Restaurants aber, bei denen Naturstein bisher sehr üppig in Bezug auf Materialvielfalt und Ornamentik eingesetzt wurde, sehr zurückhaltend und meist begrenzt auf zwei kontrastierende Natursteine. Diese Designhotels bedienen sich einer zeitlosen, kühlen Eleganz und könnten überall auf der Welt stehen. Dominierend ist der Einsatz heller Marmore und Kalksteine sowie Onyxe. Eine Nachfrage, die auch die internationalen Aussteller der Messe widerspiegeln. Die türkischen Unternehmen als Exportweltmeister von Marmor und Kalkstein sind von den irani-

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den Pavillons selbst kommt Naturstein kaum zum Einsatz, was aber vorwiegend daran liegt, dass abgesehen von einigen wenigen die Pavillons wieder abgebaut werden. Anders sieht es im Expovillage aus (siehe Bild). Hier entstehen Gästehäuser für die Teams der an der Expo beteiligten Nationen. Die Fassaden dieser Hochhäuser sind zum Teil mit Naturstein verkleidet. Nach der Expo werden sie in Eigentumswohnungen umgewandelt. Der Quadratmeterpreis entspricht mit rund 5 000 Euro den Bestlagen von Städten wie München oder Wien.

schen Unternehmen mit ihrer großen Auswahl an Travertin, Marmor und Onyx abgelöst worden. Dass zunehmend mehr Marmor in China verarbeitet wird, bestätigt man auch bei Shanghai Feizhou Machinery. Die Produkte gehen nicht wie noch vor rund zehn Jahren überwiegend in den Export, sondern bedienen den Binnenmarkt des sich immens schnell entwickelnden Landes. Das Maschinenunternehmen hat in den vergangenen Jahren seit 2000

Oben: Zahlreich vertreten auf der Stonetech waren Unternehmen aus dem Iran. Unten: Der chinesische Maschinenhersteller Feizhou zahlt eine Lizenz für das Logo des italienischen Unternehmens Barsanti Macchine.

700 Gatter im lokalen chinesischen Markt mit jeweils rund 80 bis 100 Sägeblättern in Betrieb genommen. Damit ist das Unternehmen Marktführer und nicht nur stolz auf seinen Erfolg, sondern auch auf die Qualität seiner Maschinen. Zum guten Image dürfte auch das Logo des italienischen Maschinenherstellers Barsanti Macchine beitragen, mit dem Feizhou Machinery seit 2000 eine Kooperation auf Lizensbasis hat. Das chinesische Unternehmen

darf das Logo von BM benutzen und zahlt bei jeder verkauften Maschine eine Lizenzgebühr an Barsanti Macchine. Die nächste Stonetech findet höchstwahrscheinlich wieder in Beijing statt. Dann wird sich zeigen, ob sich die Messe trotz der starken Konkurrenz zur Xiamen Stone Fair behaupten kann. Schon jetzt ist klar: Die chinesischen Unternehmen haben ein enorm hohes Niveau erreicht, was Materialpräsentation und moderne Verarbeitungstechniken angeht. Längst ist China über den Status des Billgproduzenten hinausgewachsen. Und: China wird wieder zunehmend interessant für Exporteure aus Europa. Der Baumarkt boomt nach wie vor und Stein »made in Europe« hat ein gutes Image und steht für Exklusivität. Wer dies bei der Vermarktung seiner Steine zu nutzen weiß, sollte gute Karten haben.

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Salone Internazionale del Mobile

Seitenblick Produkte und Ideen aus Naturstein dort zeigen, wo die richtigen Leute sind. Auf einer Möbelmesse zum Beispiel. Ein Rundgang durch den Salone Internazionale del Mobile; in und vor den Messehallen. Von Willy Hafner

I Recycelte Materialien

Campanas for eCosentino ECO by Cosentino® steht für die kreative Verwendung einer recycelten Oberfläche aus Engineered Stone, die zu 75 Prozent aus recyceltem Material besteht, darunter Porzellan, Glas, Spiegel und ein innovativer Öko-Harz als Bindemittel, das 22 Prozent Pflanzenöl enthält. Auf 100 Quadratmetern beweist Cosentino im Superstudio Piú (Temporary Museum of New Design) einmal mehr Innovation und technologische Fortschrittlichkeit der Marke, die unterschiedlichste Lösungen im Hinblick auf Design, Vielseitigkeit und Modernität anbieten will. Grupo Cosentino, Apartado correos 1 ES-04867 Macael www.cosentino.es oder www.silestone.com

Der vom brasilianischen Estúdio Campana entworfene Messestand schafft durch die Ansammlung von Materialien einen strukturierten Raum. Schichten wurden aufgebaut, um den Eindruck von Felssedimenten zu erwecken, die an den Natursteinursprung von Cosentino erinnern.

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n Mailand herrscht dichtes Gedränge. Trotz isländischer Aschewolken, die nicht wenige An- und Abreisen verzögerten, ist die Zahl der Besucher dieser Möbelmesse erneut gestiegen. Mit rund 330 000 Besuchern allein auf dem Messegelände außerhalb der Stadt in Rho wurde ein Anstieg um sieben Prozent verzeichnet, die Zahlen der über 400 Ausstellungen und Events im gesamten Stadtgebiet noch gar nicht mit eingerechnet. Vor allem in der Zona Tortona erinnerte das Bild angesichts der unüberschaubaren Menschenmengen, unzähligen Würstelbuden, Promotionstände und lauten DJ-Beschallung mitunter mehr an einen Rummel als an eine Möbelausstellung. Die Dichte an Ausstellungen, Cocktails oder Partys war weiterhin enorm. Doch so marktschreierisch es auf den Straßen mitunter zuging: Es ist leiser geworden um die neuen Produkte, die ebenso von ihrer Präsentation her einen spürbar bescheideneren Ton gefunden haben. Zwar sind minimalistische Entwürfe bei Weitem keine neue Erfindung. Doch

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Lithoverde

Das Steinhaus

Die Idee von Widersprüchen und Kontrasten bildet das Herzstück dieser Installation, ein Spiel mit rauen und glatten Oberflächen, Licht und Schatten, Schließen und Öffnen.

Das Steinhaus im Innenhof der Universität erscheint wie eine einfache, hausförmige Skulptur. Errichtet wurde es in der Mitte des Hofs, im Verlauf des bestehenden Wegs. Vielleicht ist es eben diese ausgeprägte Einfachheit, die ihm paradoxerweise eine geheimnisvolle Qualität verleiht: Die makellos geschnittenen dunklen Steinflächen sprechen von etwas sehr Elementarem sowie maschineller Präzision gleichermaßen. Gebaut wurde das Haus aus Lithoverde. Lithoverde besteht zu 99 Prozent aus Steinresten und nur zu einem Prozent aus einem Naturharz. Alfredo Salvatori S.r.l., Via Aurelia 395/E I-55047 Querceta (Lu) www.salvatori.it

Die Leichtigkeit des Steins

Zu Gast im Mailänder Designmuseum

Fließende Formen: Naturstein und Grafikdesign gehen eine enge Bindung ein. Transparenz: Die Massivität des Steins wird aufgelöst.

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Die von der Messe Marmomacc initiierte Ausstellung »Hybrid and Flexible« wurde vom 14. bis 19. April 2010 im Triennale Design Museum in Mailand gezeigt. Die Ausstellung wurde im Rahmen der Initiative »Marmomacc Incontra il Design«, Marmomacc trifft Design, konzipiert und zeigt exklusive Natursteinarbeiten und Objekte aus Stein internationaler Designer und Architekten. Ziel der Ausstellung ist die Zusammenführung ebendieser Architekten und Designer mit Unternehmen aus der Natursteinbranche. Im Rahmen von »Hybrid and Flexible« entstehen erstaunliche Erfahrungen für den Tastsinn und unerwartete für den Sehsinn. Die Stärke des Projekts basiert auf der Zusammenführung der ganz eigenen Ästhetik der Steine mit zeitgenössischen Natursteinfertigungsprozessen, auf dem Zusammenspiel ungewöhnlicher Formen und den aktuellen Design- und Architekturstilen.

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Hand-Werk

Mein Handwerk Der Steinmetz- und Bildhauerberuf an sich ist nicht vergleichbar und die Menschen, die dieses Handwerk ausüben, sind allesamt Individualisten. Eine selbstkritische Liebeserklärung an dieses Handwerk. Oder eine subjektive Bestandsaufnahme. Oder etwas zwischendrin. Von Michael Senn

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as macht einen Steinmetz oder Bildhauer aus? Was ist das Besondere an diesem, an unserem Handwerk? Wie sieht sich ein Beruf selbst, der so vielschichtig ist, dessen Angehörige so unterschiedlich sind? Was kann man über eine Branche schreiben, in der kein Auftrag dem anderen gleicht, die mit einem Material wie Naturstein arbeitet, das so verschieden sein kann und doch irgendwie gleich? Hinzu kommt eine dem Beruf anhaftende Zerrissenheit, die unterschwellig mitschwingt. Manchmal scheint nichts unwichtig zu sein, zu Vielem hat man eine Haltung, eine Meinung. Das daraus resultierende ist dann die Tatsache, dass das Steinmetz-/Bildhauerhandwerk irgendwie gespalten zu sein scheint. Metz ist man entweder ganz oder gar nicht. Halbe Sachen gibt es nicht. Kein leichtes Unterfangen, einen Beruf fassen zu wollen, der sich zudem

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nicht sicher zu sein scheint, wie es mit ihm weitergeht. Tradition oder Moderne? Handwerk oder Kunst? Handarbeit oder Maschineneinsatz? Anspruch oder Kommerz? Oder am Schluss alles zusammen? Wer sich eingehender mit dem Metz als solchem beschäftigt, findet viele Aspekte, die so ziemlich alles umfassen, was ein normales Menschenleben beinhaltet, und die das Dasein als Metz betreffen.

In der Schule ... ... findet das Handwerk zumindest für einen Gymnasiasten so gut wie nicht statt. Erst recht nicht vor dem unmittelbaren Schulabschluss. Dabei befasst sich der geneigte Abiturient eingehend mit dem Thema Kulturgeschichte und kann sich durchaus für einen Beruf interessieren, der maßgeblich daran beteiligt war, der Menschheit einzigartige und dauer-

hafte Kulturschätze zu erschaffen. In annähernd allen Epochen waren es die Steinmetzen und Bildhauer, ohne die Architektur oder Skulptur wie Pyramiden, Kathedralen, Tempel, Altbausubstanz nicht entstanden wären. Man lernt ausgiebig die Werke kennen, den dazugehörigen Beruf jedoch nicht, außer man will es wirklich wissen. Der Metz drängt sich halt niemandem auf. Sollte er aber, meint auch Alfred Herklotz, Lehrlingswart der Steinmetzinnung für München und Oberbayern. Er hat festgestellt, dass nur noch sehr wenige geeignete Hauptschüler oder Realschüler ihren Weg ins Handwerk finden, da sie von der Industrie weggeschnappt würden, wie er sagt. Zum Glück gibt es aber die Aktion »Young Generation«, eine Offensive von Handwerksberufen, die gezielt Absolventen der Haupt- und Realschulen für das Handwerk interessieren sollen. Erfolge haben sich be-

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Hand-Werk

reits eingestellt. Bestes Beispiel sind seine letzten zwei Lehrlinge. Dennoch schöpft das Steinmetzhandwerk aber noch lange nicht all sein Potenzial aus, was die Nachwuchsakquise angeht. Auch wenn der Abiturient im Grunde nicht dafür vorgesehen ist, ein Handwerk zu ergreifen und all die mühsam in ihn hineingepackte Bildungsenergie unakademisch auszuleben, wird hier gerne vergessen, dass der Steinmetz/Bildhauer eine Sonderrolle in der Welt des Handwerks spielt. Neben Kraft ist mehr Grips gefragt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Man muss natürlich auf keinem Gymnasium gewesen sein, um ein brillanter Metz zu werden, aber manchmal hilft es doch ungemein. Vor dem Stein sind alle gleich. Dort zählt die Begabung, der Wille und nicht der Schulabschluss.

wird immer wieder neu überrascht, wie schlecht gebildet einige seiner Lehrlingsbewerber aus der Schule entlassen wurden. Knacker ist damit leider keine Ausnahme, Viele machen solche Erfahrungen. Da scheint nur zu helfen, sich erst mal den Menschen genau anzuschauen, was in einem tiefer gehenden Praktikum vor Beginn der Lehre gut zu bewerkstelligen ist. Und eben bei Bedarf die Versäumnisse nachzuholen, auch wenn man als Steinmetz wirklich andere Dinge machen sollte. Zum Beispiel mit Stein arbeiten.

Im Ausbildungsbetrieb ... ... läuft eigentlich alles prima, wenn genau das passiert und sich der werdende Metz erst mal so lange die Finger blutig klopft, bis er die Fläche verstanden hat. Doch hier hat sich in den letzten 15 bis 20 Jahren viel getan. Die

Viele entgegnen, dass die handwerkliche Steinbearbeitung nicht mehr zeitgemäß, geschweige denn bezahlbar ist und in Zeiten von automatischen Sägen immer unwichtiger wird. Dennoch erschließt sich sehr viel über das Erlernen dieser Fähigkeit. Dreidimensionales Denken, die Eigenheiten der unterschiedlichen Gesteine, persönliche Aspekte wie das respektierende, aber bestimmte Auftreten gegenüber einem Stück Natur, das ja eigentlich gar nicht bearbeitet werden will. Wer nur an der Säge steht, lernt das alles nicht. Er fühlt nicht, was er bearbeitet. Eine gute Ausbildung kann aber nur klappen, wenn man sich Zeit für den Lehrling nimmt und den Nachwuchs nicht bei Aufgaben wie Brotzeitholen oder Mörtelmischen verheizt, gibt Alfred Herklotz zu bedenken. Woher soll der Nachwuchs denn lernen, wie

In der Berufsschule ... ... zählt der Schulabschluss dann aber auch kaum. Denn dort sitzt oft ein Spektrum an Leuten, das die komplette Bandbreite unserer Gesellschaft zeigt und in dieser Disziplin kaum zu überbieten sein dürfte. Es ist eigentlich alles vertreten: Vom desinteressierten aber tendenziell eher überforderten, minderjährigen Zwangslehring über die verträumte Waldorfschülerin und den arroganten Abischnösel bis zum umschulenden Elektroingenieur, der seine Liebe zum Handwerk erst Ende zwanzig entdeckt und mit dem Lernstoff so wenig Probleme hat, dass er deshalb gelangweilt ist. Hier den richtigen Weg der Stoffvermittlung zu finden, fällt schwer, ist aber notwendig. Und es wird immer notwendiger, wenn man beispielsweise Erzählungen von Kollegen bezüglich der Rechenfähigkeiten ihrer Lehrlinge lauscht. Einfache Flächenberechnungen, in unserem Beruf nicht ganz unwichtig, dauern auch bei manchem Realschüler mit passablen Abschlusszeugnisnoten einen halben Tag und streuen Ergebnisse zwischen mehreren Quadratkilometern und wenigen Quadratzentimetern. Dietmar Knacker aus Mindelheim hat diese Erfahrung bereits gemacht und

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Wunderbare Welt des Metz. Manchmal ganz ruhig, manchmal ganz laut. Kinder sind trotzdem immer fasziniert, wenn die Schroppen fliegen.

Gesichter der Ausbilder sprechen Bände, wenn man sie auf die Entwicklung der steinmetzmäßigen Fähigkeiten des Nachwuchses anspricht. Dazu nur so viel: Sie gehen einher mit zunehmend unterirdischen Durchschnittsleistungen bei der Fachtheorie. Alles in allem eine Sache, über die niemand an dieser Stelle so richtig sprechen will. Ich tue es trotzdem, denn das ist meiner Meinung nach eine gefährliche Entwicklung. Die Vermittlung der Fähigkeiten zur Beherrschung des Steins ist ein wesentlicher Teil der Ausbildung zum Steinmetzen, die ihn von allen anderen Gewerken unterscheidet. Natürlich werden jetzt

man einen Stein bearbeitet, wenn nicht von denen, die es noch können?

Auf der Baustelle ... ... greift schnell das Klischee des bierrülpsenden Bauprolls, der allem hinterherpfeift, was jung aussieht und einen Rock trägt. Ein selten zutreffendes Urteil, meines Erachtens zumindest für diejenigen unter uns, die nicht auf die Zeitung mit den vier großen Buchstaben und Fotos leicht bekleideter Frauen stehen. Dieses Bild des Handwerkers ist zwar eine gewerkübergreifende Einschätzung der restlichen Gesellschaft über einen Teil

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Baustelle

Auf leisen Sohlen

Lärm beeinträchtigt die Gesundheit und verursacht Stress. Eine besondere Form des Lärms ist der Trittschall. Speziell bei Sanierungs- und Renovierungsprojekten sollte verstärktes Augenmerk auf entsprechende Dämmmaßnahmen gelegt werden. Von Thomas-Ken Ziegler

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er einmal in einem Mehrfamilienhaus gewohnt hat, kennt das Problem des Trittschalls nur zu gut. Da sitzt man müde und abgeschlagen in seinem Wohnzimmer und der Nachbar ein Stockwerk höher beginnt mit der Sportstunde auf seinem Hometrainer. Oder man ist gerade eingeschlafen und das junge Pärchen aus dem Dachgeschoss kommt lärmend die Treppe hoch. Und zu guter Letzt wirft die ältere Dame von nebenan auch noch die Waschmaschine an. Diese typischen Beispiele zeigen, dass beim Trittschall nicht nur gesundheitliche Aspekte eine Rolle spielen, sondern die Lärmbelästigung auch schnell zu einem Nachbarschaftskonflikt führen kann. Entsprechend sind Bauherren, Planer und Handwerker gefordert, besonders im Rahmen von Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen angemesse-

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ne schallmindernde Maßnahmen vorzusehen. Auch wenn bei Sanierungen der Bestand berücksichtigt werden muss: Die Verringerung des Trittschalls in einem bestehenden Gebäude ist mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen möglich. Sie bedarf jedoch einer sachgerechten Vorplanung und einer sorgfältigen Ausführung.

Trittschall – was ist das? Schall kann man sich als Welle vorstellen, die sich in einem Medium wie Luft oder Beton ausbreitet. Die an sich im Gleichgewicht liegenden Teilchen dieses Mediums werden im Rahmen der Ausbreitung des Schalls in Schwingungen versetzt. Die Frequenz des hörbaren Schalls liegt zwischen 20 und 20 000 Hertz. Trittschall bewegt sich in einem Frequenzbereich von 50 bis 3 150 Hertz. Dabei umfasst der

Bei Wohnhäusern für mehrere Parteien ist auch auf den Trittschallschutz bei Treppenläufen zu achten.

Begriff des Trittschalls nicht nur die Geräusche, die entstehen, wenn Personen einen Bodenbelag begehen, sondern auch solche, die aus dem Betrieb von Haushaltsgeräten (z. B. Waschmaschinen) resultieren. Der Schall breitet sich vorwiegend über

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Baustelle

Bei Bürogebäuden sollte der Trittschall 53 dB nicht überschreiten.

Für Einfamilien- und Reihenhäuser gilt nach Norm: Trittschall darf nicht lauter als 56 dB sein.

Hintergrund

Richtlinien und Normen Anforderungen der DIN 4109 an den Trittschall bei Gebäudetrenndecken

Bauteile wie zum Beispiel Betondecken und nur geringfügig über die Luft aus.

Wie funktioniert eine Trittschalldämmung? Aufgabe einer Trittschalldämmung ist es, diese Schwingungen zu dämpfen und ihre wellenförmige Ausbreitung zu unterbrechen. Das Dämmmaterial muss hierfür über eine gute Elastizität verfügen, die Eigenschwingungen des Materials selbst verhindert. Entsprechend wird die Übertragung der Schwingungen reduziert bzw. komplett unterbrochen.

Trittschalldämmung unter Naturstein Der Wirkungsgrad einer Trittschalldämmung ist abhängig von den konstruktiven Gegebenheiten an der Baustelle. Dabei ist zu beachten, dass die Laborprüfungen der Trittschalldämmsysteme basierend auf den Vorgaben der DIN EN ISO 140-8 einen Aufbau des Systems auf einer Betonplatte von definierter Dicke (140 mm) vorsehen. Diesen Laboraufbau findet man aber

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nur in den seltensten Fällen auch auf der Baustelle vor. Hier ist es so, dass auf einem Estrich oder vergleichbaren vorhandenen Boden aufgebaut wird, der schwimmend oder zumindest auf Trennlage auf einer Beton- oder Holzbalkendecke aufliegt. Die vonseiten des Herstellers angegebenen Trittschallminderungswerte dürfen also nicht als direkt übertragbare Baustellenwerte angesehen werden. Aufgrund des unterschiedlichen Aufbaus von Baustelle und Labor sind deutliche Unterschiede nichts Ungewöhnliches. Der effektive Wirkungsgrad der Trittschalldämmung lässt sich auf der Baustelle letztlich nur durch eine Schallmessung ermitteln. In der Praxis wird manchmal versucht, Trittschallminderungsmaße verschiedener Systeme zu addieren. Das ist aufgrund der speziellen physikalischen und mathematischen Gegebenheiten bei Schall jedoch nicht möglich. Ein System mit 16 Dezibel Minderung bringt in der doppelten Verlegung keine 32 Dezibel Minderung. Es ist vielmehr so, dass eine Erhöhung des Schallpegels um etwa drei Dezibel aus rein physikalischer Sicht heraus eine Verdoppelung der Schallenergie be-

Einfamilien- und Reihenhaus Normaler Trittschallschutz: 56 dB Erhöhter Trittschallschutz: 46 dB Mehrfamilienhaus Normaler Trittschallschutz: 53 dB Erhöhter Trittschallschutz: 46 dB Treppenläufe: 58 dB Erhöhte Anforderungen Treppenläufe (wenn vereinbart): 46 dB Büro- und Verwaltungsgebäude Normaler Trittschallschutz: 53 dB Erhöhter Trittschallschutz: 46 dB Diese Trittschallwerte können unter Verwendung der Sopro-Trittschalldämmsysteme erreicht werden. Dabei muss allerdings immer die Konstruktion als Gesamtes bewertet werden.

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Stein 05 2010