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MUSEUMSAUSSTATTUNG

„Ein Audio- oder Multimedia-Guide ist immer mehr als das bloße Wiedergeben von Texten“

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1 Der Audioguide als unverzichtbares Element, um neue Dimensionen zu eröffnen wie hier in der Ausstellung „Opera: Passion, Power and Politics“ im Victoria & Albert-Museum in London (2017). Empfangen wurde der Besucher dort mit Musik aus der gleichen Epoche, aus der die Exponate stammen 2 Ursula Mayer, After Bauhaus Archive: Unknown Student in Marcel Breuer Chair, 2006, Siebdruck auf Goldpapier, 86 x 60 cm (Triptychon), Dom Museum Wien, Otto Mauer Contemporary; Bauhaus Archiv, Weimar

ABSTRACT "An audio or multimedia guide is always more than just reproducing text." Which objects are highlighted by the audiovisual- or multimediaGuide? What information does a visitor need in the room? The artistic director of tonwelt, Klaus Kowatsch, explains his approach to the development of content

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Wer den Pariser Louvre besucht und sich für einen Audioguide entscheidet, wird künftig von einer in Deutschland konzipierten und produzierten Führung durch die Säle geleitet: Nach einer europaweiten Ausschreibung war es die Berliner Firma tonwelt, die sowohl bei der Dauer- wie auch bei den Sonderausstellungen Bestplatzierungen erzielte. „Was bei der Vergabe eine große Rolle spielte, war die Qualität der Konzeption“, erläutert der künstlerische Leiter von tonwelt, Klaus Kowatsch. „Deshalb sind wir auch ganz besonders stolz, den Zuschlag bekommen zu haben.“ Vollkommen überraschend ist die Entscheidung nicht: Bei tonwelt kommt eine inzwischen fünfzehnjährige Expertise zum Tragen: Seit 2004 spezialisierte sich die Firma, die als Tonstudio begann, auf die Erarbeitung von audiovisuellen Guides für Museen und andere Sehenswürdigkeiten (vgl. Beitrag in der RESTAURO 7/2019). Und auf das Knowhow des in seiner Branche längst globalen Players aus Berlin setzen so unterschiedliche Institutionen wie Schloss Schönbrunn und die Albertina in Wien, die Weinstadt Bordeaux, das Formel Eins-Museum Checco Costa in Imola oder die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Auch für den Louvre ist tonwelt keineswegs das erste Mal tätig: Seit 2012 erarbeitet der Führungs-Spezialist bereits Audio-Guides für die Projekte der Louvre-Zweigstelle in Lens bei Calais. Auch die noch bis Ende Februar gezeigte, spektakuläre Leonardo-Ausstellung unter der Pariser Louvre-Pyramide, lädt bereits jetzt Besucher aus aller Welt ein, sie mit einer tonwelt-Audioführung am

Ohr zu erkunden. „Für uns ist ein Audiovisuellenoder Multimedia-Guide immer mehr als das bloße Wiedergeben von Texten, die an der Wand oder im Katalog stehen“, erörtert Kowatsch. „Vielmehr soll unser Guide die bereits vorhandenen Medien abrunden und ergänzen – mit Informationen, Stimmungen und Details, die nur akustisch oder audiovisuell transportierbar sind.“ Solche Führungen entstehen nicht auf die Schnelle: „Wir arbeiten grundsätzlich sehr, sehr eng mit dem Auftraggeber zusammen“, skizziert Kowatsch das Vorgehen, „und reisen auch immer zu einer Begehung vor Ort, an der sowohl Kuratoren wie auch Vertreter der Museumspädagogik teilnehmen.“ Gemeinsam wird abgestimmt: Welche Objekte werden durch den Audiovisuellen- oder Multimedia-Guide hervorgehoben? Welche Informationen benötigt ein Besucher im Raum? „Wenn es um einen Guide für eine Dauerausstellung geht, gestalten wir diesen grundsätzlich aus der Perspektive des Erstbesuchers: Kommt dieser in einen Raum, muss man ihn beim Betreten eines Raumes abholen und von dort zu den wichtigsten Highlights hinführen.“ Um auch bei Sonderausstellungen so präzise wie möglich arbeiten zu können, spricht das tonweltTeam hier mit den zuständigen Gremien des Museums detailliert Hängungspläne und Raumabläufe durch, damit sich die Führung später hautnah an das tatsächliche Besuchererlebnis anschließt. Je eher die Guide-Profis bei der Ausstellungsplanung mit ins Boot geholt werden, desto besser. Ideale Verhältnisse habe sein Team beispielsweise bei „Original Bauhaus“ – einer Ausstellung des Bauhaus-Archiv – Museum für Gestaltung in der Berlinischen Galerie gehabt, die noch bis 27. Januar 2020 zu sehen ist, berichtet Kowatsch. „Wir waren bereits ein Jahr vor Ausstellungs-Eröffnung mit in die Planungen eingebunden und haben ein inhaltliches Konzept erarbeitet, für das wir sowohl mit historischen Archivaufnahmen gearbeitet haben wie auch mit Interviews, die wir extra für den Audioguide geführt haben. So haben wir sowohl Originaltöne von Walter Gropius eingesetzt, wie auch Zitate aus unseren eigenen Gesprächen mit der Keramikerin Uli Aigner, die auf Grundlage von Bauhaus-Modellen eigene, aktuelle Serien erarbeitet hat, oder mit einer Genderforscherin der Humboldt-Universität, die den Blick auf die Künstlerinnen am Bauhaus mit ihren Ausführungen zur sich wandelnden Rolle der Frau in den Zwanziger Jahren abrundet.“ 1/2020

Fotos: Lena Deinhardstein © Ursula Mayer; Victoria & Albert Museum, London / tonwelt

Welche Objekte werden durch den Audiovisuellen- oder Multimedia-Guide hervorgehoben? Welche Informationen benötigt ein Besucher im Raum? Der künstlerische Leiter von tonwelt, Klaus Kowatsch, erklärt seine Herangehensweise bei der Erarbeitung von Inhalten

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RESTAURO 1/2020  

Wissensvermittlung - Mit digitalen Technologien in die Welt der Museen eintauchen

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