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STADTKONZEPTE 2030

DE Z EM BER 2016

MAGAZIN FÜR LANDSCHAFT SARCHITEKTU R

GARTEN +

LANDSCHAFT

2030

GARTEN + LANDSCHAFT

D E Z E M B E R 2 016

VISIONEN FÜR DIE GRÜNE STADT VON MORGEN

plus

OneNYC: New York hat einen (neuen) Plan Urban Catalyst Studio im Porträt Wie geht gute Mediation?


12 deutsche Städte und

30

arbeiten deshalb an

Der Anstoß und die

Ein grünes Image wünschen sich viele

Finanzierung für das

zukunftsfähigen

Stadtentwicklungskonzept

Konzepten.

in Köln kam nicht von der Stadt selbst, sondern einem Wirtschaftsverein.

20 Dichtere Stadt, dichterer Freiraum: In München sucht man nach dem richtigen Konzept für die Zukunft.

36 Ihr frischer visueller Stil ist eines der Markenzeichen von Urban Catalyst Studio aus Berlin. Wir stellen das Team vor.

50 Outdoor-Sportarten erobern Parks mit eigenen Anlagen.

Foto: xxxxx

Calisthenics und andere


INHALT

ARENA 06 11

SNAPSHOTS MOMENTAUFNAHME Leichtfüßig durch die Stadt

T I TE L 2030: Visionen für die grüne Stadt von morgen 12

BEFREIUNG VOM GRAU Sören Schöbel konstatiert: Stadtentwicklung braucht den konstruktiven Streit um die wirklich wichtigen Themen

19

WARUM STÄDTE GRÜNKONZEPTE BRAUCHEN Ein Kommentar von Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur

20

DIE STADT ATMEN LASSEN Das Konzept „Freiraum München 2030“

28

„GRÜN GIBT ES NICHT ZUM NULLTARIF“

30

ENTWICKLUNGSHILFE AM RHEIN Kölns Unternehmer und ihre Vision von einer lebenswerten Stadt

36

KLASSE STATT MASSE Urban Catalyst Studio im Porträt

40

BEWEGLICH BLEIBEN Neuer Plan für New York City: OneNYC

Carlo W. Becker über bgmr und seine Stadt-Ideen

STUDIO 46

FRAGE Braucht man einen Vermittler? Wann Mediatoren im Planungsprozess helfen können

50

PRAXIS Spielplatz für Erwachsene: Über die wachsende Bedeutung von OutdoorBewegungsparks

52

LÖSUNGEN Stadtmobiliar + Editor’s Pick

58

REFERENZ Kulthalle in neuem Gewand

RUBRIKEN 60

Stellenmarkt

62

Lieferquellen

63

Impressum

64

DGGL

66

Sichtachse

66

Vorschau

Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. (DGGL) Wartburgstraße 42 10823 Berlin www.dggl.org

5 GARTEN+ L ANDSCHAFT


20 GARTEN+ L ANDSCHAFT


STADTKONZEPTE 2030 FREIRAUM 2030, MÜNCHEN

Der Schein trügt: Trotz Englischem Garten und Olympiapark bietet München seinen Bewohnern im Vergleich deutscher Großstädte die kleinste Freiraumfläche.

DIE STADT ATMEN LASSEN München macht Platz: Um der Frage nachzugehen, wie man den wachsenden Bedarf der Menschen nach Freiraum befriedigen kann, hat die Stadt ein Konzeptgutachten in Auftrag gegeben. Entschleunigung, Verdichtung, Umwandlung: Das sind die Leitbegriffe, die „Freiraum 2030“ für die kommenden Jahre vorgibt.

Foto: Jörg Koopmann

GESA LOSCHWITZ-HIMMEL

München ist voll. Jetzt schon. Und immer mehr Menschen zieht es in die bayerische Landeshauptstadt. 2015 knackte die Stadt die 1,5 Millionen-Marke, weitere 200 000 Zuzügler werden in den kommenden 15 Jahren erwartet. Sie brauchen einerseits bezahlbaren Wohnraum. Andererseits wollen sie in ihrer Freizeit raus aus eben diesen Wohnungen. Zwei immense Herausforderungen, vor denen die Stadt München steht. Die Immobilienpreise haben geradezu absurde Ausmaße

angenommen. Und an Wochenenden, an denen der weiß-blaue Himmel nur noch von seinem eigenen Klischee übertrumpft wird, wälzt sich eine Blechlawine die A8 hinunter in Richtung Alpen. Es geht darum, zum Wohnraum auch ausreichend öffentlich zugänglichen Freiraum in der Stadt zur Verfügung zu stellen. Für Susanne Hutter-von Knorring, Leiterin der Grünplanung beim Referat für Stadtplanung und Bauordnung, ist klar: „Wir müssen es schaffen, dass die Menschen sich in der Stadt erholen.“ München hat zwar große und 21 GARTEN+ L ANDSCHAFT


STADTKONZEPTE 2030 MASTERENTWICKLUNGSPLAN, KÖLN

Im Kölner Masterplan arbeitet man die funktionalen und gestalterischen Qualitäten der Innenstadt heraus, die Maßnahmen werden sieben Interventionsräumen zugeordnet.

ENTWICKLUNGSHILFE AM RHEIN Seit einigen Jahren hat Köln einen Masterplan für die Innenstadt. Das Besondere: Beauftragt und finanziert wurde er vom Verein „Unternehmer für die Region“. Die Wirtschaft hat damit eine der ureigenen Aufgaben der Kommune übernommen. Die braucht jetzt einen langen Atem, um die Ideen auch umzusetzen.

Plan: AS+P Albert Speer + Partner GmbH

ANETTE KOLKAU

„Masterplan, Masterplan an der Wand: Wie wird sie noch schöner, die Schönste im ganzen Land? Was der Stadtplaner ausruft, ist eine Revolution“, titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 2. Dezember 2008 in Reaktion auf die Vorstellung des Kölner Masterplans. Treffender kann man es gar nicht sagen: Es geht um eine alte, große, bedeutsame Stadt, eine, die sich gern selbst betrachtet und feiert und ein wenig selbstverliebt daherkommt. Und vielleicht deswegen den perspektivischen Umgang mit ihrer Gestaltung vernachlässigt hat. Was ist also passiert in der Stadt, die 31 GARTEN+ L ANDSCHAFT


36

GARTEN+ L ANDSCHAFT

Illustration: Urban Catalyst Studio


STADTKONZEPTE 2030 URBAN CATALYST STUDIO

KLASSE STATT MASSE Urban Catalyst Studio nimmt sich selbst nicht so wichtig. Die Berliner sehen sich nur als ein Expertenteam unter vielen. Dennoch heben sie sich deutlich vom Mainstream ab, und das nicht nur mit den für ihre Arbeit charakteristischen Piktogrammen. Stadtentwicklung bedeutet für sie in allererster Linie: Kommunikation.

SUSANNE-ISABEL YACOUB

Das Urban-Catalyst-Studio-Team aus Berlin vertritt die Meinung, dass Räume durch Veränderung leben. Daher entwickeln sie Räume in Transformation.

In den meisten Internetauftritten von Landschaftsarchitekten tummeln sich Parks, Spielplätze oder Schulhöfe neben Flussufern und Plätzen. Auf begrünte Quartiere folgen Stadtentwicklungsszenarien oder transformierte Industrieareale. Allesamt erkennbar gestaltete Orte. Bei Urban Catalyst Studio huscht ein zauberhafter Fotoreigen über den Bildschirm. Er zeigt zumeist Menschen in Aktion, einzeln oder Gruppen. Sie tragen ein selbstgebautes kleines Gewächshaus durch einen Garten, diskutieren in einem leergelassenen Swimmingpool oder erkunden einen Tagebau. Sie errichten fragile Holzobjekte zwischen verlassenen Häusern und legen bunte Icons als Riesenpuzzle auf dem Boden aus. Alle Beteiligten wirken ganz bei sich, das ist das Schöne an diesen Fotostories. Hinter den Geschichten tun sich Fragen auf, nach der Zukunft des Wohnens, wem die Stadt gehört oder wie Stillstand sich verändern lässt. Postfossile Verkehrswende, Stadt ohne Auto, Stadt von unten, Stadt als Reallabor, Kreative als Wirtschaftsfaktor, weltweite Migration oder die Folgen aussterbender

Dörfer in Deutschland, selbst die jüngste UN-Habitat Umwelt-Konferenz – kaum einer der Trends, die derzeit unsere Gesellschaft umtreiben – scheint als Thema zu fehlen. Urban Catalyst Studio untersucht Orte für Bundesministerien, forscht in Verbundprojekten oder arbeitet als Prozesssteuerer, überall dort, wo Städte oder Dörfer etwas ändern wollen. Landschaftsarchitektin Siri Frech, langjährige Mitarbeiterin, erzählt, sie sei vor zehn Jahren dazugestoßen, weil es in den Projekten um Werte ginge. „Aus dem Berliner Zwischennutzungs-Eldorado wuchs die Erkenntnis, wie viel Kraft die Menschen haben, ihre Stadt selber zu gestalten. Wie können wir eben diese Kraft in Planungsprozesse integrieren? Raumgestaltung macht für mich nur Sinn als Gesellschaftstransformator, weil Menschen eben im Raum zusammenkommen.“ Früher wurde Urban Catalyst Studio gern angefragt, um kritische Positionen einzusammeln, dann aber doch eher nicht beauftragt. Ist das heute noch dasselbe Büro? In Berlin zumindest ist die legendäre Zwischennutzung des Palastes der Republik mit Tanz, Musik und Kunst in Erinnerung 37 GARTEN+ L ANDSCHAFT

Garten + Landschaft 12/2016  

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