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EINE UNVERGESSLICHE WOCHE BEI DEN GROßKATZEN

Januar 2017

Michael Vötter erzählt über seine Freiwilligenarbeit bei Panthera Africa Im November 2016 reiste Michael Vötter nach Südafrika und absolvierte dort eine Woche Freiwilligenarbeit in einer Großkatzen-Auffangstation.


EINE UNVERGESSLICHE WOCHE BEI DEN GROßKATZEN

EINE UNVERGESSLICHE WOCHE BEI DEN GROßKATZEN MICHAEL VÖTTER ERZÄH LT ÜBER SEINE FREIWILLIGENARBEIT BEI PA N T H E R A A F R I C A

Die Auswahl Seit kleines Kind bin ich ein absoluter Fan von Raubkatzen. Besonders Leoparden haben es mir angetan. Diese Leidenschaft zu den Tieren hat über all die Jahre nie abgenommen. Ich habe, wie viele andere, die Bilder von kleinen Löwen gesehen die von Menschen gefüttert oder gewaschen werden. Dies wollte ich ebenfalls einmal erleben. Es schien (!) perfekt. Zeit mit diesen Tieren zu verbringen und damit etwas Gutes zu tun. Jetzt, im nicht mehr ganz jugendlichen Alter  hatte ich eine einigermaßen schwierige Zeit hinter mir und erinnerte mich an meinen Kindheitstraum. Ich wollte diesen mit einer Rundreise durch Südafrika verbinden. Von Anfang an stand es fest, dass es sich um ein Projekt mit Raubkatzen handeln muss. Ich habe sehr lange im Web recherchiert. Viele bekannte Ziele hatten allerdings Voraussetzungen die ich nicht erfüllen konnte. Zum Beispiel muss der Aufenthalt bei vielen länger als 3 Wochen sein. Das war für mich damals einfach nicht möglich, da ich das Volunteering in meinen Südafrika Urlaub einbauen wollte. So bin ich auf Panthera Africa gestoßen. Panthera Africa versteht sich nicht nur als Auffangstation für Löwen! Neben braune Löwen gibt es auch weiße Löwen, einen schwarzen Leoparden, Karakale, Schakale, und für Afrika eher untypisch: Tiger. Mit der Mitgründerin Cathrine Nyquist von Panthera Africa habe ich im Vorfeld unzählige Mails hin und hergeschrieben und vor meiner

Buchung auch eine Art White-Paper für meine Volunteering Woche erhalten. Auf der Homepage von Panthera Africa http://pantheraafrica.co.za/ kann man sich übrigens ebenfalls einen sehr guten Überblick über das gesamte Projekt verschaffen. Auch die jeweiligen Hintergrund-, und Herkunftsgeschichten der einzelnen Tiere sind dort ausführlich beschrieben.


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Canned Hunting Vor meiner Planung und anschließenden Recherche hatte ich natürlich etwas von illegaler Jagd gehört - aber noch nie etwas von der grausamen Canned Hunting Industrie. Vor Ort kam es relativ schnell zur Sprache, dass ich ein weiteres geplantes Ziel zur Freiwilligenarbeit gecancelt hatte. Dies führte zu allerhand Gesprächsstoff. Zwei der Volontäre die längerfristig bei PA sind und zu den StaffMembern gehören waren allerdings zuvor einmal in fragwürdigen Einrichtungen und haben erst später von der traurigen Industrie erfahren. Bei den geführten Touristentouren über das Panthera Africa Gelände (welche die neuen Freiwilligen einmal mitgegangen sind) wird unter anderem zu jedem Tier die Herkunftsgeschichte erläutert. Alleine dies trägt schon zur weiteren Aufklärung bei, da alle Raubkatzen bei Panthera Africa mehr oder weniger „gerettet“ und aus ihrem traurigen Leben erlöst wurden. Auch den Film „Blood Lions“ konnte man sich abends in einer gemütlichen Gruppe nochmals ansehen.

Meine Zeit vor Ort Meist wurde sehr früh aufgestanden. Nach einem Frühstück gab es ein Morgenmeeting in der die Tagesplanung besprochen und die Helfer eingeteilt wurden. Nach dem Mittagessen hatte man wieder einige Zeit die man zur freien Verfügung hatte. Bis zum Abendessen wurde dann nochmals gearbeitet. Nach dem Essen hatte man ebenfalls Freizeit in der sich dann meist gesellige Runden ergeben haben. Einen Tag in der Woche können die Freiwilligen komplett als Freizeit verbringen und es gibt einige Angebote an Ausflügen in der Umgebung die organisiert werden. Diesen einen Tag wollte ich wegen meiner kurzen Aufenthaltszeit aber bei Panthera Africa verbringen und hatte auf Grund plötzlicher Planänderungen das Glück bei den Vorbereitungen für einen Tigertransport und bei der Betäubung dabei sein zu dürfen. Die Tigerdame Arabella ist seit Geburt an nahezu blind gewesen. Nun war das Geld für eine Augenoperation komplett und ein Arzt aus Kapstadt hatte ebenfalls Zeit. Da einige der StaffMember ebenfalls mit auf dem Ausflug waren wurde ich gefragt ob ich helfen könne. Dieser Tag war definitiv ein Highlight für mich! Die Operation am nächsten Tag ist übrigens sehr gut verlaufen und Arabella kann mittlerweile (wohl zum ersten Mal in ihrem Leben) sehen und ist wohlauf.


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Trotzdem hatte ich mir die Arbeit um einiges anstrengender vorgestellt. Vom Reinigen der Gehege, Auffüllen der Wasserstellen, regelmäßige Kontrollen der Zäune, Gartenarbeiten wie das freilegen von Feuerschneisen, das Basteln von „Spielzeug“ für die Raubkatzen bis zur Mithilfe bei der Fütterung war alles dabei. Vor kurzem habe ich von PA erfahren, dass neue Plattformen für die Tiere gebaut werden und ein größeres Gehege für Leiah und ihre kleine Schwester Elsa am Entstehen ist. Die Woche in der ich vor Ort war, wurde allerdings durch die Ereignisse rund um die Operation der Tigerin Arabella ordentlich durcheinander gewürfelt. Die Arbeit an sich war abwechslungsreich und die familiäre Stimmung sorgte für ein perfektes Gefühl. Besonders stolz bin ich dabei auf einige gute Fotos von mir, die ich Panthera Africa natürlich bereitgestellt habe. Eines der Fotos wurde in einer örtlichen Zeitung als Titelbild zu einem Beitrag über Panthera Africa und die Operation der Tigerin abgebildet.

Goodbye, Panthera Africa! Ich komme wieder! Ich war leider nur eine Woche bei PA vor Ort und das war einfach viel zu wenig. Aber selbst die eine Woche gab mir so viel Gutes. Während man sich um das Wohl der Tiere kümmert kann man vor einer traumhaften Kulisse die familiäre Atmosphäre genießen.

Dabei kann man in jedem Detail erkennen, dass bei Panthera Africa mit sehr viel Hingabe und Liebe gearbeitet wird. Panthera Africa ist die Passion von Lizaene Cornwall und Cathrine Nyquist. Wir wurden ebenfalls über die zukünftigen Pläne von Panthera Africa unterrichtet. Alleine um das zu sehen oder daran mitwirken zu können muss ich auf jeden Fall nochmals zu Panthera Africa! Auch die Tatsache, dass es sich bei Panthera Africa um eines von nur 6 weiteren „real sanctuaries“ dieser Art in Südafrika handelt ist es Wert weiter unterstützt zu werden. Meine Planung für meinen nächsten Aufenthalt sieht 4-6 Wochen vor.


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Weitere Informationen: Gatterjagd, Löwenzucht www.cannedlion.org www.facebook.com/CACHDeutschland Freiwilligenarbeit www.facebook.com/Vinab Panthera Africa www.pantheraafrica.co.za www.facebook.com/pantheraafrica/ Panthera Africa: weitere Erfahrungen blog.pantheraafrica.co.za

Aufklärungsarbeit Auch ich hatte bereits ein weiteres Volunteer Ziel gebucht und mich leider erst danach in das Thema eingelesen. Ich war erschrocken über mich selbst! Wie naiv und unwissend ich eigentlich war. Das Marketing funktioniert einfach sehr gut. Bilder mit kleinen Babys und den Versprechungen damit etwas Gutes zu tun ist für viele ein kleiner Traum. Zudem ist schwer über seinen eigenen Schatten zu springen, seine eigenen Wünsche und Träume hintenanzustellen und weiterführende Informationen einzuholen. Bevor ich meine zweite Buchung cancelte habe ich viele Mails mit dieser Organisation geschrieben und dann immer detailliertere Fragen gestellt. Ich bekam tatsächlich auf alle Fragen Antworten die für eine nicht aufgeklärte Person auf jeden Fall glaubhaft rüberkommen.

Das Internet gibt unzählige Möglichkeiten sich darüber zu informieren. Man muss einiges an Zeit investieren, aber, wenn man wirklich etwas Gutes tun will lohnt sich das in jedem Fall! Die Facebook Gruppe „Volunteers in Africa Beware“ war auch mir eine große Hilfestellung. Durch ihre stets aktualisierte „Good and Bad“ Liste bekommt man einen guten Überblick. Meiner Meinung nach ist das Thema in Deutschland auch noch nicht sehr bekannt - auch wenn sich im letzten Jahr einiges getan hat. Ich selbst habe mitbekommen das einige wenige Reportagen im free-TV gezeigt wurden. Unter anderem auch Ausschnitte aus dem Film Blood Lions. Trotzdem fehlt es hier definitiv an Aufklärung. Mir ist es auch ein Rätsel warum ein Land wie Deutschland immer noch kein Einfuhrverbot für „TierTrophäen“ verhängt hat! Es ist eben ein schwieriges und sehr komplexes Thema: schwer zu durchschauen und zu begreifen. Man sollte seinen naiven Horizont erweitern und sich selbst unangenehme Fragen stellen.

Profile for Faye Peeters

Michael Vötter - eine unvergessliche Woche bei den Großkatzen  

Michael Vötter erzählt über seine Freiwiligenarbeit bei Panthera Africa

Michael Vötter - eine unvergessliche Woche bei den Großkatzen  

Michael Vötter erzählt über seine Freiwiligenarbeit bei Panthera Africa

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