TIPPS FÜR EINE ETHISCHE FREIWILLIGENARBEIT IN AFRIKA
Überzeugen Sie sich, dass Ihre ehrenamtliche Arbeit nur ethische Organisationen unterstützt. Recherchieren Sie, ob die Projekte die Sie besuchen möchten, kommerzielle Aktivitäten mit Wildtieren anbieten.
Fast jede Farm, die einen Löwenbaby-Streichelzoo anbietet, steht in irgendeiner Weise mit der Gatterjagd in Verbindung, da Streichelzoos eine profitable Nebeneinnahme für Löwenzüchter sind.
ANTELOPE PARK – EINE BESUCHERIN PACKT AUS Claudia Engelberts, Diplom-Pädagogin aus Dortmund, besuchte in 2013 den Antelope Park in Simbabwe. Damals konnte sie nicht vermuten, dass auch hier dubiose Geschäfte mit Löwenbabys betrieben werden. Auch heute noch behauptet der African Lion Environmental Research Trust (ALERT), dass sie das welterste Löwen Rehabilitations- und Auswilderungs-Programms betreiben. Leider wurde bis jetzt noch kein einziger Löwe ausgewildert und kann ALERT hierzu keine Daten vorlegen. Claudia Engelberts erzählt CACH über ihre Erfahrungen im Antelope Park.
Wenn Sie darauf bestehen, Jungtiere zu streicheln, sollten Sie sich bewusstmachen, dass praktisch jedes Löwenbaby, das Sie heute streicheln, irgendwann an einer Kugel oder einem Pfeil sterben wird. CACH DEUTSCHLAND WWW.FACEBOOK.COM/CACHDEUTSCHLAND
Wann haben Sie das ALERT-Projekt besucht? War es im Rahmen einer organisierten Reise oder haben Sie Antelope Park selbst als Reiseziel ausgewählt? Ich habe eine Rundreise gebucht. Der Veranstalter war „Shongololo Express“. Die Reise fand im November 2013 statt und der Besuch im Antelope-Park Gweru war Bestandteil des gebuchten Paketes.
Haben Sie sich vor der Abreise Informationen über Antelope Park erhalten oder eingesammelt? Ich hatte mich vorab auf der Webseite des Veranstalters informiert, und es gab eine TVReportage über Shongololo (http://swrmediathek.de/player.htm?show=5 26285d0-fa59-11e5-a0a4-0026b975f2e6 ), in der auch der Ausflug in den Antelope-Park kurz Thema war (ab Minute 19 im TV-Beitrag). Shongololo gab auf seiner damaligen Webseite glaubhaft an, sich für die Umwelt und die Menschen in Südafrika einzusetzen und seine Angebote entsprechend auszurichten. Auch in der TV-Reportage wurden keine Zweifel an der Seriosität von Shongololo oder Antelope Park geäußert.
Wie war es vor Ort? Haben Sie dort weiterführende Informationen erhalten? Vor Ort gab es viele Erklärungen dazu, wie man in vier Stufen Löwen zunächst mit der Hand aufziehen würde, um sie dann in menschlicher Begleitung ans Jagen und die Freiheit zu gewöhnen, um sie zum Schluss auszuwildern. Die Aufzucht per Hand wurde mit der höheren Sicherheit für die Menschen erklärt. Früher habe man das anders gemacht, aber der Chef des Projektes habe dann durch einen Löwen einen Arm verloren. Außerdem wurden wir in einen Raum geführt, um dort ein Video über das Projekt anzusehen, dass offenbar professionell produziert wurde.
Hatten Sie als Besucherin die Möglichkeit mit Löwenbabys zu kuscheln? Wir wurden zu Löwenbabys geführt, die etwa drei Monate alt waren. Wir durften sie streicheln.
Hatten Sie Bedenken über die Zucht und die Zukunft der Löwenbabys? Ich fand es schon seltsam, Wildtiere streicheln zu dürfen und mit zwei halbwüchsigen Löwen einen Spaziergang machen zu können, wenn die Tiere doch ausgewildert werden sollten. Aber man gab sich dort große Mühe, deutlich zu machen, dass wir dort sind, um ein wichtiges Projekt zur Erhaltung der Löwen zu unterstützen. Wir würden Gutes tun.
Wie viele Löwenbabys gab es im Projekt während Ihres Aufenthaltes? Ich habe etwa 4 oder fünf Jungtiere gesehen. Ich weiß nicht, ob es noch weitere dort gab
Waren ausländische Volontäre anwesend? Wahrscheinlich. Ein entsprechendes Programm wurde erwähnt.
Wann ist Ihnen klargeworden, dass etwas nicht gestimmt hat? War das nach der Rückreise? Ja. Mein Cousin, der die Reise organisiert hatte, er hat ein Reisebüro, berichtete mir von einem Treffen mit dem damaligen Besitzer von Shongololo Express (Shongololo gehört
nun zu Rovos Rail) auf der ITB in Berlin. Wir überlegten, ob wir eine weitere Reise mit Shongololo machen sollten. Mein Cousin erwähnte, dass Antelope Park Gweru aus dem Programm genommen worden wäre, weil es nun Zweifel darangebe, dass jemals ein Löwe ausgewildert worden sei, und womöglich würden die erwachsenen Tiere zur Gatterjagd weiterverkauft. Shongololo hat nach Bekanntwerden dieser Zweifel sofort reagiert und Antelope Park aus dem Programm gestrichen. Hier der Link zu einem Blog, der darüber berichtet hat: http://africageographic.com/blog/walkingwith-lions-good-conservation-probably-not/ • Aus welchen Gründen fallen so viele Volontäre und Touristen auch heute noch auf diese Angebote rein? Weil viel Aufwand betrieben wird, sie von der Seriosität solcher Projekte zu überzeugen. Ihnen wird vorgemacht, Gutes zu tun. • Glauben Sie, Touristen aus Deutschland sind ausreichend über „Canned Hunting“ und die Löwenzuchtindustrie aufgeklärt, oder gibt es diesbezüglich noch viel Nachholbedarf? Ich halte mich selber eigentlich schon für nicht zu leichtgläubig. Dennoch schien alles gut und in Ordnung zu sein. Ja, ich bin überzeugt, da muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.