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Wirtschaft

SPEZIAL

ENTSCHEIDERINNEN

Der Runde Tisch Entscheiderinnen aus Berlin diskutieren über ihre Vorreiterrolle bei der Energiewende

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Frauen denken flexibler Weiblichen Führungskräften fällt es oft leichter, ausgetretene Pfade zu verlassen

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Agieren statt konsumieren Soll die Energiewende gelingen, kann das Stromnetz nicht mehr an der Steckdose enden – Verbraucher in der Verantwortung

Anzeigen-Sonderveröffentlichung Nr. 10 | 01. Juli 2014


Wirtschaft

Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 01. Juli 2014

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Lastmanagement

BILDER: THINKSTOCK.DE

Modell für neue Energie-Welt

AUS DEM INHALT

Damit der Verbrauch dem Angebot an Ökostrom folgen kann statt umgekehrt, ist schlaue Technik nötig.

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Abschied vom Statussymbol

Das eigene Auto spielt in den Mobilitätskonzepten für die Stadt kaum noch eine Rolle – für Frauen ist dies einfacher.

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Der Runde Tisch

Wenn die Energiewende gelingen soll, müssen Verbraucher vom Konsumenten zum verantwortlichen Akteur werden – Zeit für neues Denken und kreative Lösungen – Berlin als Vorreiter für Deutschland Entscheiderinnen aus Berlin sind bereit, Vorreiter in der praktischen Umsetzung der Energiewende zu sein.

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Fortschritt ist weiblich

Frauen sind Expertinnen darin, sich von Altem zu lösen, Neues zu denken und dies flexibel umzusetzen.

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Aktive Wirtschaftsförderung Niedersachsen

Sachsen Anhalt

Nordrhein Westfalen

Hessen

Thürigen

Sachsen

Rheinland Pfalz

Bayern

Ländervergleich zeigt: Wo die Erneuerbaren Energien ausgebaut werden, siedeln sich innovative Unternehmen an.

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Umworbene Frauen

Die Energiewende braucht viele Talente – immer noch sind Frauen in Technikberufen unterrepräsentiert.

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Mitdenkende Häuser

Energieeffizienz ist mehr als Dämmung und Dreifachverglasung: Smart Buildings verfügen über komplexe Technik.

D

ie Energiewende ist den Kinderschuhen längst entwachsen. Strom und Gas aus Wind, Sonne und Biomasse, noch vor wenigen Jahren als Öko-Spinnerei belächelt, als Landschaftsverschandelung verteufelt und als Subventionsgrab diffamiert, sind heute akzeptierte Realität. In den ersten drei Monaten dieses Jahres trugen „grüne“ Quellen 27 Prozent zur Stromversorgung in Deutschland bei. Nun ist die Energiewende jedoch an einem kritischen Punkt angelangt: Während die Erzeugung sauberen Stroms kein Problem mehr darstellt, weder technisch noch politisch, stößt ihre Integration ins Versorgungsnetz an Grenzen. Die sind einerseits technischer Natur, doch an deren Überwindung arbeiten innovative Unternehmen mit gewohnter Zielstrebigkeit. Smart Grid, das intelligente Stromnetz, und Speichertechnologien für überschüssigen Ökostrom sind zwar noch nicht Alltag, jedoch auf einem guten Weg. Viel unüberwindlicher scheinen die Grenzen des Denkens.

ALTE NETZSTRUKTUREN. Oft gehört, selten ganz verstanden: Das Argument mit der Netzlast. Kontinuierlich produzierter Strom aus fossilen Energieträgern sei unverzichtbar, um die in einem hochentwickelten Industrieland nötige Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die launischen Lieferanten Wind und Sonne seien dazu nicht in der Lage ‒ mal wird zu viel eingespeist, so dass das Netz zusammenbrechen könnte, mal steht zu wenig zur Verfügung. Das klingt logisch, wer will da widersprechen. NEUER DENKANSATZ. Doch immer häufiger wird dieses Schema hinterfragt: Muss der Strom wirklich ständig in so großer Menge geliefert werden, wie er von Industrie und Verkehr, von öffentlichen und privaten Verbrauchern abgerufen wird? Oder gibt es auch Möglichkeiten, den Verbrauch an die Verfügbarkeit anzupassen, ohne dass Wirtschaftlichkeit, Praktikabilität und Lebensstandard leiden? Wie lassen sich die Verbraucher ‒ gleich ob

privat, gewerblich oder öffentlich ‒ vom reinen Konsumenten zum verantwortlichen Akteur in einer neu gestalteten Energie-Welt machen?

mächtige Hebel, um Energie effizienter einzusetzen: Fernwärme ist zum Beispiel ein Konzept, das sich nur in dicht besiedelten Ballungsräumen lohnt. Die Vernetzung der Verkehrsträger, neue Konzepte für intelligente Mobilität, findet hier statt, wo viele Menschen sich auf engem Raum bewegen, nicht auf dem Land, wo das eigene Fahrzeug vielfach das einzig ernsthaft praktikable Fortbewegungsmittel ist.

ERFAHRUNGEN SAMMELN. Altes Denken ‒ starre Strukturen im großen Maßstab, unverrückbare Sachzwänge ‒ wird in Frage gestellt durch neue Ideen: Kleinteilige Strukturen, flexible Lösungen, individuelle Herangehensweise, kreatives Ausprobieren. Weiblichen Führungskräften INTERESSANTER MARKT. Die energetische Sanierung und Optimierung von ganwird nachgesagt, ganz besonders gut in zen Wohnquartieren und öffentlichen dieser Art von Denken und Handeln zu Gebäuden sowie der sein. Und die Berliner ‒ Neubau ganzer Stadtbeiderlei Geschlechts teile nach neuesten ‒ sind Neuem gegenenergetischen Stanüber ohnehin immer Frauen sind dards hat hier ganz aufgeschlossen. Kein besonders gut im andere Effekte als EinWunder, dass die BeÜberwinden alter zelmaßnahmen in eifürworter und Betreiner Kleinstadt ‒ so gut ber der Energiewende Denkstrukturen und lobenswert auch große Hoffnung dardiese zweifelsohne auf setzen, hier auf ofsind. Die schiere Größe fene Ohren zu stoßen. ruft ganz andere Anbieter mit umfassenGanz gleich, ob Effizienzmaßnahmen im eigenen Kleinbetrieb umgesetzt oder den, innovativen Konzepten auf den Plan: umfangreiche Projekte in großen UnterSo gibt es in Berlin viele Beispiele für das nehmen oder Verwaltungen angestoEnergiespar-Contracting. Hier übergibt ßen werden ‒ wichtig ist, dass Ideen in der Eigentümer eines Gebäudes ‒ vom die Praxis gelangen, dass Erfahrungen Wohnblock über öffentliche Einrichtundamit gesammelt und Verfahren perfekgen bis hin zum Krankenhaus ‒ alle Enertioniert werden. Nur so setzen sie sich giefragen an ein externes Unternehmen. gegen Vorurteile durch, so wie das erste Das sorgt für die energetische OptimieWindrad, die erste Solaranlage auf dem rung des Bauwerks, gleich ob Alt- oder Dach Vorreiter für heute SelbstverständNeubau, baut die geeignete Technik liches waren. ein und bezahlt sie, liefert die benötigte Energie und bewirkt einen reibungslosen DIE GROSSSTADT ALS MODELL. Berlin als größBetrieb im Alltag. Das alles für ein monatte deutsche Stadt eignet sich hervorraliches Entgelt. gend als Modell für die Energiewende. In GROSSER EFFEKT. Solche Konzepte sorgen jedem Moment nimmt die Stadt 0,8 bis in einer Stadt wie Berlin für stattliche 1,8 Gigawatt Strom ab ‒ sonntags weniErgebnisse. Beispiel: Die Energetische ger als unter der Woche, tagsüber mehr Sanierung von rund 200 öffentlichen Geals nachts und im Winter mehr als im bäuden haben in einer Partnerschaft die Sommer. Damit ist Berlin als Ganzes einer Stadt Berlin und das Unternehmen Sieder größten Verbraucher in Deutschland, mens angegangen. Schulen, Kindergärhat aber aufgrund mangelnder Fläche ten, Sporteinrichtungen, Justizgebäude wenige Möglichkeiten, selbst Energie und Universitäten wurden modernisiert, aus erneuerbaren Quellen herzustellen. 22 Millionen Euro investiert. Jährlich spart Gleichzeitig bietet die Großstadt viele

das unter dem Strich fünf Millionen Euro Energiekosten ‒ und die Umwelt freut sich über 30.000 Tonnen weniger CO₂Emissionen. Weil die Stadt lediglich monatliche Raten zu zahlen hat ‒ die sich aus den Einsparungen teils selbst finanzieren ‒ war eine solch umfassende Sanierung trotz leerer öffentlicher Kassen möglich. SUMME VON EINZELMASSNAHMEN. Und selbst kleine Details summieren sich in der Großstadt zu beeindruckenden Ergebnissen. Ein Beispiel: In Berlin sausen ungefähr 50.000 Aufzüge für Lasten und Personen auf und ab. Wären sie alle so programmiert, dass sie in Zeiten knappen Stromangebots ein wenig langsamer fahren, würden sie einen bedeutsamen Puffer für die eingangs erwähnten Angebotsschwankungen bei Windstille und bewölktem Himmel darstellen. Ohne dass der Industriestandort in Gefahr geriete oder die Berliner einen Rückfall in die Steinzeit zu befürchten hätten. MÖGLICHKEITEN ENTDECKEN. Die technischen Möglichkeiten stehen durchaus zur Verfügung, im Großen wie im Kleinen: Schlaue Stromzähler beispielsweise können den Konsumenten in Echtzeit darüber auf dem Laufenden halten, ob Strom gerade reichlich vorhanden und damit günstig ist, oder ob er knapp und gerade recht teuer ist. Der Verbraucher kann dann selbst entscheiden, ob er unbedingt zu Hochpreis-Zeiten eine Maschine Kochwäsche anstellen muss, und kann andererseits die Ladestation für sein E-Mobil gezielt in NiedrigpreisZeiten aktivieren ‒ natürlich bequem auch aus der Ferne per Smartphone-App. Und was für den Privathaushalt gilt, lässt sich erst recht in Unternehmen umsetzen. Die Möglichkeiten zu entdecken und zu nutzen, darum geht es. Die Energiewende 2.0 ist mehr als Energie erzeugen und einsparen. Mit Effizienzsteigerung und Lastmananagement macht sie sich für jeden Einzelnen bezahlt. So wird die „Strom“Wende zur echten „Energie“-Wende. Die Berliner Entscheiderinnen und EntscheiFrauke Wolf der sprühen vor Ideen.

Energiewende erfordert flexible Netzstrukturen

Impressum Berliner Verlag GmbH

Kleinanlagen

Geschäftsführer: Michael Braun, Stefan Hilscher Anzeigen: BVZ Vermarktung GmbH (Berlin Medien) Jens Kauerauf Projektverantwortung: Renate Werk Verlag: Postadresse 10178 Berlin Anzeigen: Postfach 02 12 84, 10124 Berlin Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH, Am Wasserwerk 11, 10365 Berlin Redaktion und Konzeption: mdsCreative GmbH, Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln Klaus Bartels (verantw.), Frauke Wolf Layout: Nadine Deußen, Natascha Emons

Stromerzeuger

Netzwerkbetreiber

Verbraucher


Entscheiderinnen

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LED-Technik

Ökostrom fließt manchmal zu reichlich, manchmal zu knapp. Darum brauchen wir intelligente Netze mit Stromspeichern und einem Lastmanagement – Energie wird vor allem dann verbraucht, wenn sie reichlich zur Verfügung steht.

in Ampeln spart bis zu 90 Prozent Strom im Vergleich zu herkömmlichen Glühbirnen. Auch die Wartung der Anlagen ist viel günstiger. Das schont die Umwelt und entlastet die öffentlichen Kassen.

Wissenswertes Lastmanagement

„Den Schatz Energieeffizienz heben“ Energieeffizienz ist der Schlüssel zum Gelingen einer sauberen Stromversorgung ‒ Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Möglichkeiten, intelligentes Lastmanagement zu realisieren wie in Berlin

Z UR

PERSON

M ARIA R EINISCH

Betriebswirtin Maria Reinisch ist seit der Jahrtausendwende bei Siemens. Hier war sie in unterschiedlichen Positionen in leitender Funktion im Marketing und in der Kommunikation tätig. Heute ist die Mutter zweier erwachsener Kinder Leiterin der Kommunikation von Siemens Deutschland.

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Frau Reinisch, Sie sprühen förmlich vor Energie, wenn es darum geht, Berlin zu einer energieeffizienten Stadt werden zu lassen. Worum geht’s dabei?

MARIA REINISCH: Im Prinzip um drei verschiedene Facetten: Energie so effizient wie möglich zu erzeugen, den Energieverbrauch sinnvoll zu reduzieren und – und das ist neu – die Energienutzung, dort wo es möglich ist, zeitlich zu flexibilisieren. Das heißt, in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit erneuerbarer Energie soll der Energieverbrauch gesteuert werden – darin liegt unheimlich viel Potenzial.

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Das müssen Sie bitte erklären!

REINISCH: Deutschland hat sich entschieden, seine Energieversorgung zunehmend auf erneuerbare Energiequellen umzustellen. Wie wir aber alle wissen, stehen die, im Gegensatz zu Ressourcen wie Kernkraft, Kohle oder Gas, nicht kontinuierlich zur Verfügung. Wenn also die Sonne scheint und der Wind voll weht, erzeugen wir heute zu bestimmten Zeiten schon viel mehr Strom als wir eigentlich brauchen. Es geht also darum, durch ein intelligentes Lastmanagement den Energieverbrauch an die Verfügbarkeit erzeugter Energiemengen anzupassen. Dass wir also die Energie nutzen, wenn wir viel erneuerbare Energie im Netz haben und entsprechend auch weniger, wenn das Energieangebot aus Wind und Sonne gerade geringer ist. Natürlich muss das Stromnetz beim Zuschalten von Verbrauchern ausreichend Übertragungskapazität haben.

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Das ist genau das Gegenteil von dem, wie es bislang praktiziert wird.

REINISCH: Richtig. Es erfordert einen Paradigmenwechsel von allen Beteiligten, also den Stromerzeugern, Netzbetreibern, den Verbrauchern aber auch der Politik. Es bedarf eines neuen Denkmusters in der gesamten Energienutzungskette, weil ein automatisches Lastmanagement nicht den Energieverbrauch, wie bisher, möglichst glätten soll, sondern ihn direkt an die schwankende Erneuerbare Energie anpassen und damit viel stärker flexibilisieren soll. Es bedeutet einen direkten Eingriff in den Stromverbrauchsprozess.

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Wie kann ich mir das vorstellen?

REINISCH: Nehmen Sie einen Fahrstuhl, dessen Energieverbrauch von der Fahrgeschwindigkeit, die sich heute schon sehr einfach regeln lässt, abhängt. Habe ich wenig erneuerbare Energie im Netz, könnte er langsamer fahren, weil er dann bis zu 40 Prozent weniger Energie verbraucht. Unter normalen Bedingungen dann entsprechend schneller fahren bei maximalem Energieverbrauch. In Berlin gibt es ca. 50.000 Fahrstühle. Auch wenn niemals alle gleichzeitig fahren ergibt sich dennoch gerade in einer Großstadt wie Berlin damit ein großes Potential den Energieverbrauch sinnvoll zu steuern ohne dass dabei die Lebensqualität beeinträchtigt wird.

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Also hat Sie die Anzahl der Fahrstühle auf die Idee gebracht, Berlin in Sachen Energieeffizienz eine Vorreiterrolle zukommen zu lassen?

REINISCH: Wenn Sie so wollen. Aber im Ernst: Berlin ist für viele Energieeffizienzmaßnahmen einfach prädestiniert wie keine andere Stadt in Deutschland. Und nirgendwo gibt es mit Unternehmen, dem Nahverkehrssystem, den vielen Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen oder Bürogebäuden so viele Möglichkeiten, ein intelligentes Lastmanagement zu realisieren. Zumal eine Umfrage unter unseren Kunden das überraschende Ergebnis gebracht hat, dass mehr als 30 Prozent der Unternehmen bereit sind, dass Netzbetreiber im Sinne der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende steuernd in ihre Stromverbrauchsprozesse eingreifen. Eine große Chance und ein großes Potential, das nur noch genutzt werden sollten.

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Stromspeicher wie Elektroautos und große Batterien nehmen überschüssigen Strom auf und geben ihn wieder ab, wenn die Nachfrage hoch ist. Der Siestorage von Siemens kombiniert modernste Leistungselektronik mit Hochleistungs-LithiumIonen-Batterien und gewährleistet eine stabile, zuverlässige Stromversorgung. Es integriert erneuerbare Energien und optimiert die Nutzung fossiler Stromerzeugung für ein modernes, umweltfreundliches Netz.

Was hätte Berlin – mal abgesehen davon, dass die Stadt weniger Strom verbraucht – ganz konkret von dieser Rolle als Modellstadt?

REINISCH: Berlin benötigt eine Spitzenlast zwischen 0,8 und 1,8 GW. Wenn wir davon ausgehen, dass zehn Prozent dieser Leistung und die damit verbrauchte Energie sinnvoll flexibilisiert verschoben werden kann, dann entspricht das dem Energiebedarf einer Kleinstadt über 250 Tausend Einwohnern und hätte gleichzeitig eine immense Auswirkung auf die Stabilität im Gesamtsystem. Das wäre für viele andere Großstädte beispielgebend. Außerdem gibt es hier viele Universitäten, Forschungseinrichtungen, Hightech-Firmen und Industrieunternehmen, die – wie auch Siemens– Forschung anstoßen und neue Ideen in Produkte und Lösungen umzusetzen. Berlin könnte Vorreiter für Energieeffizienz werden.

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Was muss getan werden, damit dieser Prozess ins Rollen kommt?

REINISCH: Wir haben ja schon damit begonnen: Wir setzen uns zusammen, entwickeln erste Ideen und daraus Projekte, mit denen wir hoffentlich eine Entwicklung in Gang setzen, die dazu führt, dass aus diesem neuen Denken heraus ganz viele Innovationen entstehen, zum Wohl von Berlin und von Deutschland. Die Umwelt bleibt mehr von CO2 verschont, dem Energiepreis tut es gut und die Stabilität des Gesamtsystems aus Stromerzeugung, Netz und Stromverbrauch wird gestärkt.

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Dann wäre Energieeffizienz auch ein Thema für die Politik?

REINISCH: Für die Politik genauso wie für Unternehmen, Wissenschaft und Medien. Dieses Thema ist aus meiner Sicht faszinierend, weil wir beginnen, den Sinn des Einsatzes erneuerbarer Energien für alle erlebbar zu machen. Berlin wäre Vorreiter in Sachen Energieeffizienz.

Elektrische Antriebe Der Einsatz von optimierten Antriebslösungen lässt den Energieverbrauch um bis zu 70 Prozent sinken.

Deutschland stellt seine Energieversorgung zunehmend auf Erneuerbare Energiequellen um. Das heißt, dass wir jetzt mit Energiequellen wie Wind und Sonne arbeiten, die weder rund um die Uhr, noch gleichmäßig zur Verfügung stehen. Um diese unbeständigen Quellen besser in das Gesamtsystem zu integrieren, passt das „Lastmanagement“ die Stromverbräuche an die Verfügbarkeit an. Dabei werden wesentliche Energieverbraucher zu- und abgeschaltet, je nachdem, wie viel Energie aus Wind oder Sonne gerade erzeugt werden kann. Viele technische Einrichtungen in Gebäuden, Unternehmen, Krankenhäusern, Schwimmbädern sind steuerbar. Heizung, Lüftung, Klimaanlagen, Pumpen, Kompressoren, Brenner können gezielt zeitlich gesteuert werden, je nach Verfügbarkeit von Sonne und Wind. So ein Lastmanagement trägt zur Systemstabilität bei, schont die Umwelt und senkt die Kosten.

Finanzierung Maßnahmen für Energieeffizienz erfordern Investitionen – die müssen den Haushalt von Städten und öffentlichen Einrichtungen aber trotzdem nicht belasten: Beim Energiespar-Contracting trägt Siemens die Investitionskosten. Über die eingesparten Energiekosten erfolgt die Refinanzierung der vielen Maßnahmen. Allein in Berlin hat Siemens bereits über 200 öffentliche Gebäude energetisch modernisiert. Ein Beispiel: das St. JosephsKrankenhaus. Innerhalb von 15 Jahren spart das Krankenhaus fast fünf Millionen Euro Energiekosten ein. Damit werden Mittel frei, die beispielsweise für Investitionen in Medizintechnik genutzt werden können. Genauso profitieren Museen, Hochschulen und der Berliner Senat von der Möglichkeit, ihren Energieverbrauch wirksam zu reduzieren und den CO₂ Ausstoß deutlich zu senken. Und auch hier kann sich der zweite Schritt anschließen. Nach der erfolgreichen Reduzierung des Energieverbrauchs kann – im Sinne des Lastmanagements – der Verbrauch, wo immer möglich, flexibel an die Verfügbarkeit von Wind und Sonne im Netz geknüpft werden.

Was tut Siemens selbst?

A+++

Siemens hilft nicht nur seinen Kunden, also zum Beispiel Gemeinden und Städten wie Berlin, Energie zu sparen oder effizienter einzusetzen. Das Unternehmen tut auch selbst etwas: Siemens modernisiert kontinuierlich seine Standorte, um die Energieeffizienz zu steigern: Insgesamt hat Siemens dafür in Berlin mehr als drei Millionen Euro investiert. Das spart jährlich 700.000 Euro und vermeidet den Ausstoß von mehr als 3400 Tonnen CO₂ – eine Investition, die sich für das Klima und das Unternehmen rechnet.


Wirtschaft

Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 01. Juli 2014

Smarte Messegeräte steuern privaten Energieverbrauch

Strom aus Wind und Sonne kann nicht gleichmäßig fließen – mit schlauer Technik muss er das auch nicht

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mart Grid, Smart Meter und Smart Home – das sind Begriffe, an die sich alle Stromkunden werden gewöhnen müssen. Denn da liegt die Zukunft. Vorbei die Zeiten, in denen einmal im Jahr der Zähler abgelesen wurde. „Der Trend geht hin zur Fernauslesung von Stromzählern und zur dezentralen Energieversorgung –

Frank Elstermann, Geschäftsführer der umetriq Metering Services GmbH, setzt auf Verbrauchstransparenz aufgrund der zunehmenden Anzahl von Erzeugungsanlagen müssen die aus der Ferne gemessen und gesteuert werden können“, erklärt Frank Elstermann, Geschäftsführer der umetriq Metering Services GmbH. Der studierte Energieingenieur hat seit 2008 bei umetriq Erfahrungen mit dem Smart Metering gesammelt. Damals wurde sein Unternehmen als hundertprozentige Tochter der Gasag gegründet. Das Ziel: die Umsetzung der Gasag-Strategie, in Zukunft auch intelligente Energiedienstleistungen zu vermarkten.

Netz entlasten. Mit dem Atomausstieg 2011 bekam das Thema erneuerbare Energien noch einmal einen ganz neuen Schub. Hier stellt sich die Frage, wie wir auf die „Launenhaftigkeit“ der natürlichen Energiequellen reagieren: Wenn es regnet, lässt die Sonnenenergie zu wünschen übrig, und wenn Flaute herrscht, erzeugen die Windräder keinen Strom. Auch der umgekehrte Fall ist nicht unproblematisch: Bei viel Wind und Sonne wird mehr Strom produziert, als das Netz aufnehmen kann. Denn dessen Kapazität ist begrenzt. Die Bemühungen, Energie zu speichern, stecken noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen. Deshalb gilt es, die Last auf dem Stromnetz klug zu managen, um Angebot und Verbrauch in Einklang zu bringen. Optimalen Tarif anbieten. Hier kommt das intelligente Messwesen ins Spiel. „Bei viel Wind und Sonne ist viel Strom auf dem Markt“, erläutert Elstermann. „Die Preise an der Strombörse sind niedrig, die Energieerzeuger müssen den Strom loswerden und die Netzbetreiber müssen ihr Netz entlasten.“ Da wäre es doch günstig, wenn die Versorgungsunternehmen für diese Zeiten günstige Tarife anbieten könnten und die Endverbraucher quasi in Echtzeit zum Verbrauch auffordern. Die sogenannten Smart Meter können so etwas. Die intelligenten Zähler beim Endverbraucher sind über ein Kommunikationsnetz mit dem Energieversorger verbunden. Der wiederum kann nun Energiebedarf und Gewohnheit des Verbrauchers mit den aktuellen Energieangeboten optimal abstimmen. Das funktioniert übrigens nicht nur mit Stromzählern, sondern auch bei der Messung von Gas-, Waser- und Wärmeverbrauch. Verbrauchstransparenz ist wichtig. Elstermann betont, dass umetriq nicht einfach nur Anbieter von Smart Metern ist. „Messwesen allein ist nicht spannend, da steckt nicht viel dahinter“, meint er. Es komme darauf an, was man aus der Technik macht. Deshalb hält er die Verbrauchstransparenz für entscheidend, um Einsparziele realisieren zu können. Endkunden mit intelligenten Zählern können jederzeit ihren privaten Verbrauch überprüfen und ihr Verhalten anpassen. Zusätzlicher Sparanreiz kommt hinzu, wenn der Energieversorger einen passgenauen Tarif anbieten kann. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen. Denn: Wer weniger verbraucht, schont den eigenen Geldbeutel und verringert gleichzeitig die CO₂-Emissionen. (uri)

Wie Verbraucher zum Teil des Netzes werden Lastmanagement: Intelligente Steuerung ebnet Verbrauchsspitzen ein – Autobatterie als Stromspeicher

D

ie Schlüssel zum Erfolg der Energiewende liegen in der Steigerung der Effizienz sowie in Lösungen zum Lastmanagement. Lastmanagement bedeutet, den Verbrauch von Strom aus den Spitzenzeiten mit hohem Bedarf herauszubringen und in Zeiten schwächerer Nachfrage wieder einzubringen. Unter dem Strich spart das zwar keine Energie, jedoch den Neu- und Ausbau von Stromnetzen und Kraftwerken. Denn eine solche Verbrauchssteuerung hilft dabei, mehr aus der vorhandenen Technik herauszuholen. „Die deutschen Stromverbraucher können auch dadurch von Kosten in erheblicher Größenordnung entlastet werden. Es steht nun dringend an, ein Marktmodell zu gestalten, welches die Teilnahme auch von Verbrauchern am Marktgeschehen zulässt, damit die Potenziale zur Flexibilisierung unseres Energiesystems optimal genutzt werden können“, sagt Alexandra Langenheld, Projektleiterin bei Agora Energiewende, einer gemeinsamen Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation. AMERIKANISCHE ERFAHRUNG. Hintergrund: Die schwankende Versorgung mit Wind- und Solarstrom kann ausgeglichen werden, wenn landesweit große Verbraucher in Zeiten knappen Stroms ausgeschaltet werden, und in Zeiten reichlicher Versorgung laufen. Studien zeigen, dass es problemlos möglich ist,

S MART G RID Englisch für „intelligentes Stromnetz“, der Schlüsselbegriff der Energiewende. Dahinter steckt die Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugern, Stromspeichern, Netzbetreibern und Verbrauchern. Bislang lieferten einige große Erzeuger den Strom, Netze waren auf Höchstlast ausgelegt. Heute geht der Trend zu kleineren, dezentralen Erzeugern. Ziel ist, den Durchfluss des Stroms (Last) auf dem niedrigsten möglichen Niveau zu halten und dennoch Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dazu sind Informationen über Wetter, Energieerzeugung und Verbrauch in Echtzeit nötig.

die Lüftung von Büros für eine halbe Stunde abzuschalten, ohne dass die Beschäftigten Einbußen der Luftqualität feststellen. Kühl- und Gefriertruhen für Lebensmittel im Einzel- und Großhandel können für ein bis zwei Stunden abgestellt werden, ohne dass die Ware antaut, wenn die Temperatur vorher ein paar Grad tiefer eingestellt war als unbedingt

Kühltruhen, Lüftungen und Wasserpumpen können stundenweise ausgeschaltet bleiben

nötig. Tanks für Toilettenspülungen in Großgebäuden müssen nicht permanent nachgefüllt werden ‒ auch wenn die Pumpe zwölf Stunden lang nicht läuft, ist noch genug Wasser da. Das haben Forscher der Technischen Universität München (TUM) in Kooperation mit Siemens Building Technologies herausgefunden. Zusammengenommen hat die intelligente Steuerung solcher Verbraucher einen deutlichen Effekt. Die USA haben mit solchem Last-

management Erfahrung ‒ hier allerdings, weil die Stromversorgung Spitzenbelastungen nicht gewachsen ist. Verbraucher, die sich dort bereiterklären, tageweise auf ihre Klimaanlage zu verzichten, bekommen günstigere Stromtarife. Sie werden per sms oder Telefon vorgewarnt, wann abgeschaltet wird ‒ das spart den Bau neuer Kraftwerke. KOLLEKTIVER SPEICHER. Und noch weiter gedacht, können die Endabnehmer der Energie nicht nur für den Verbrauch in die Verantwortung geholt werden, sondern darüber hinaus selbst ihren Beitrag zur Energiebevorratung leisten: Würden in Deutschland zwei Millionen Elektroautos herumfahren, könnten in ihren Batterien insgesamt 40 Gigawattstunden Strom gespeichert werden ‒ so viel, wie in allen Pumpspeicherkraftwerken des Landes zusammen. Damit sich aus Milliarden von Einzelentscheidungen ein intelligentes Muster ergibt, sind viele technische Neuerungen erforderlich, die jedoch bereits auf einen guten Weg sind.

SPAREN, SPAREN, SPAREN. Aller Fortschritt entbindet jedoch nicht vom weiteren konsequenten Energiesparen in Form größerer Effizienz. 2014 stehen die Umsetzung der EU-Effizienzrichtlinie und der im Koalitionsvertrag angekündigte Aktionsplan Energieeffizienz auf der politischen Agenda. Wie

Technische Herausforderungen S PEICHERTECHNOLOGIEN Strom aus Wind und Sonne in „guten“ Zeiten zu speichern ist ein bislang ungelöstes Problem. Pumpspeicherkraftwerke sind bewährt, aber oft nicht praktikabel, Druckluft- und Sandspeicher nicht geeignet, Energie über einen längeren Zeitraum als Stunden oder Tage aufzubewahren. Große Hoffnungen werden auf die Verwandlung von Strom in Gas per Elektrolyse gesetzt. Das Gas könnte dann im vorhandenen Gasnetz gespeichert und darüber verteilt oder rückverstromt werden. Allerdings: Zwei Drittel der ursprünglichen Energie gehen so verloren.


Kühlanlagen können ohne Qualitätsverlust zeitweise vom Netz genommen werden

eine wirkungsvolle Ausgestaltung aussehen könnte und welche Anreize erfolgversprechend sind, damit Volkswirtschaft, Unternehmen und Haushalte von mehr Effizienz profitieren, darüber gehen die Meinungen auseinander. Effizienz steigern heißt, einen erwünschten Nutzen mit möglichst wenig Energieaufwand zu erreichen ‒ auch, um die Kosten im Griff

Markt für Energieeffizienz ist noch nicht erschlossen Alexandra Langenheld, Agora Energiewende

Fisch und Gemüse – Mitten aus Berlin ohne Treibhaus und lange Transportwege

E

rdbeeren im Winter? Dass mit unserem Essen irgendetwas nicht stimmen kann, war Christian Echternacht schon lange klar. Viel zu viel CO₂-Ausstoß bei der Produktion, zu lange Transportwege und Kühlketten. Da müsste sich etwas ändern, fand der Unternehmer. „Unsere Vision war es, Zugang zu nachhaltig erzeugten Lebensmitteln zu schaffen“, sagt Echternacht. Gemeinsam mit Karoline vom Böckel und Nicolas Leschke gründete er die ECF Farmsystems GmbH. Zuerst nur aus „Spaß an der Freude“ – dann aber schon bald mit einem zukunftweisenden Geschäftsmodell.

Fische düngen das Gemüse. Die Idee ist so einfach wie genial: Das Prinzip der ECF Farm - ECF steht für Eco Friendly – kann schon auf der Grundfläche eines ausgemusterten Seecontainers funktionieren. Der Container selbst beherbergt eine Fischzucht, auf dem Dach trägt er ein Gewächshaus, in dem bis zu 400 verschiedene Gemüsesorten gezogen werden können. Tomaten, Paprika, Gurken, Kräuter – im Prototyp wuchsen schon ganze Mahlzeiten heran. Der Clou an der Sache: In der Barsch-Aufzucht werden die Ausscheidungen der Fische in Nitrat gewandelt. Das ist bester Pflanzendünger, der dem Gemüse auf dem Dach zugute kommt. Auf dem Gelände der Malzfabrik in Tempelhof kann eine solche Containerfarm besichtigt werden. Und wer schon einmal da ist, kann man sich auch gleich von Qualität und Frische der Produkte überzeu-

Oscargewinner. Inzwischen hat die ECF-Geschäftsidee Fahrt aufgenommen. Ende 2013 hat ECF im amerikanischen Silicon Valley bei den Clean Tech Open den „Global Ideas Award“ gewonnen. Aber nicht nur das. Das Unternehmen wurde gleich zweimal ausgezeichnet: Außer dem Preis in der Kategorie „Agriculture, Waste, Water“ trugen die Berliner auch noch den People’s Choice Award für die beste Idee überhaupt nach Hause. Für Start-up-Unternehmen haben diese Awards die Bedeutung eines Oscar in Hollywood. Einmal im Jahr treffen sich etwa 1.000 junge Unternehmen anlässlich der „Clean Tech Open“ in Kalifornien. Damit ist das Silicon Valley der weltweit größte Marktplatz nicht nur für Ideen, sondern vor allem für Venture-Kapital. „Das passte natürlich ganz gut, mit zwei Oscars aus dem Silicon Valley zurückzukommen, wenn man den Businessplan fertig hat und Investorengespräche aufnehmen möchte“, freut sich Echternacht. Schließlich wurde in Kalifornien nicht nur die umweltfreundliche Idee prämiert, sondern eben genau dieser Businessplan. Und der sieht so aus: ECF plant, zuerst eine eigene große Farm zu bauen und dann weitere Farmen zu verkaufen. Parallel dazu soll die Berliner Farm betrieben werden, um die Menschen mit frischem Fisch und Gemüse aus der Nachbarschaft beliefern zu können.

Wächst und gedeiht prächtig: In den ECF Farmen können bis zu 400 Sorten Gemüse angebaut werden.

Schon bald erste Erträge. Inzwischen ist die Finanzierung unter Dach und Fach. ECF kann jetzt in Berlin die größte innerstädtische Aquaponik Farm Europas bauen. Das AquaponikSystem hat das Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei IGB entwickelt. Ab 2015 rechnet Echternacht mit den ersten Erträgen: Etwa 24 Tonnen Fisch und 35 Tonnen hochwertiges Gemüse sollen in der 1.800 Quadratmeter großen Farm gedeihen. Der Vertrieb, so Echternacht, werde voraussichtlich über „Gemüsekisten“ stattfinden, also saisonal

Denn die BSR gehört allen Berlinerinnen und Berlinern.

MARKT IM AUFBAU. Erst kürzlich legten Experten in einer Studie für Agora Energiewende konkrete Ergebnisse zum Nutzen der Energieeffizienz vor und bewiesen: Wenn der Stromverbrauch in den nächsten 20 Jahren um zehn bis 35 Prozent gegenüber heute reduziert wird, senkt das Deutschlands Stromrechnung jährlich um Milliardenbeträge. 2035 wären so Einsparungen bis zu 20 Milliarden Euro möglich. Diese Summen kommen durch geringere Investitionen in sowie durch geringere Ausgaben für Brennstoffe und für den Netzausbau zustande. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie der Prognos AG und des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft (IAEW) der RWTH Aachen, die Agora Energiewende kürzlich gemeinsam mit Partnern vorgestellt hat. „Notwendig sind nun geeignete Anreizstrukturen für funktionierende Märkte“, so Langenheld.

Tanja Unger/Frauke Wolf

gen. Ohne (Transport-)Umwege geht es nämlich direkt auf den Teller.

Die BSR bin ich.

zu behalten. „Um Energiesparen und Energieeffizienz attraktiv und marktfähig zu machen, muss die Politik die entsprechenden Impulse setzen“, erklärt Alexandra Langenheld von Agora Energiewende. „Die Vorteile liegen auf der Hand, wirtschaftlich erschließbare Potenziale sind vorhanden und marktreife Technologien stehen bereit. Nichtsdestotrotz ist es noch nicht gelungen, diesen großen Markt tatsächlich breitflächig zu erschließen.“

MEHR WETTBEWERB. Kernstück der EU-Energieeffizienzrichtlinie ist die Verpflichtung von Energielieferanten- oder -verteilern, jährlich Energie in Höhe von 1,5 Prozent ihres Absatzes einzusparen. Möglich ist aber auch, dass die Einsparung auf anderen Wegen erzielt wird. „Entscheidend dabei ist, die Nachfrage klar zu organisieren und die Marktkräfte für EnergieeffizienzDienstleistungen zu aktivieren“, betont Langenheld. Es steht nun dringend an, einen Umsetzungsvorschlag auf den Tisch zu legen sowie Geschäftsmodelle für Energieeffizienzdienstleistungen zu erarbeiten. Handlungs- und Finanzierungsoptionen liegen bereits vor“, mahnt die Projektleiterin. Unternehmen und Verbände wie die DENEFF, der BUND und der VKU bieten entsprechende Mittel und Instrumente. Möglich wären nach Ansicht der Expertin auch die Einführung neuer Instrumente, wie zum Beispiel ein Effizienzfonds oder ein Ausschreibungsmodell. So könnten Versorger, Kommunen, Ingenieurbüros und andere Akteure in einen Wettbewerb treten.

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Bild: by ECF Farmsystems Berlin

Bilder: Thinkstock.de

Entscheiderinnen

www.BSR.de

gemischte Liefer-Abonnements an Privatkunden. Und der Prokurist ist zuversichtlich, dass es dafür ausreichend Nachfrage geben wird. Von den 3,5 Millionen Berlinern gelten rund 600.000 als potenzielle Biokunden. „Wenn wir 350 Abos vergeben, sind wir ausverkauft“, rechnet Echternacht vor. Den Fisch hingegen will das Unternehmen dann in erster Linie in der Gastronomie absetzen. Erste Gespräche mit Restaurantbetreibern hat ECF schon geführt. „Die haben unseren Fisch auch schon probiert und waren begeistert“, sagt Echternacht.(uri)


Wirtschaft

Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 01. Juli 2014

Ulrike Saade (Velokonzept Saade)

U

lrike Saade und die von ihr gegründete Firma velo:konzept steht exemplarisch für die Themen urbane Mobilität, lebenswerte Stadt und Energiewende – für Saade ein „Herzensthema“. Anfang der 80er-Jahre verkaufte die Lehrerin ihr Auto und stieg aus „verkehrspolitischen Gründen“ in einen alternativen Fahrradladen ein. „Wir wollten schon damals eine Alternative zum Auto bieten und den Bau einer Stadtautobahn verhindern“. Bis weit in die 1990er-Jahre hinein waren Radfahrer als Hippies oder Spinner verschrien, die sich einfach kein Auto leisten können. Heute hat das Auto als Statussymbol deutlich verloren und das Fahrrad dagegen hinzugewonnen.

Stadt und Lebensqualität. „Die Firma velo:konzept habe ich im Jahr 2000 gegründet. Als Schnittstelle zwischen Industrie und Handel, Politik und Verwaltung, Verbänden, Tourismus, Messen und schließlich den Radfahrenden plane und organisiere ich Fahrradmessen und -kongresse, setze Kampagnen für den Radverkehr in die Tat um, agiere als aktive Partnerin für viele Institutionen“, erklärt Ulrike Saade. Leuchtturmprojekt des Unternehmens ist seit vier Jahren die Fahrradmesse VELOBerlin. „Unser Ziel ist alle Neuigkeiten aus dem Fahrradbereich zu bündeln und zu präsentieren“. VELOBerlin ist bereits heute europaweit bekannt. Zukunftsthema für das Team von velo:konzept ist der Lastentransport per Fahrrad. „Damit machen wir wieder ein viel größeres Feld auf, nämlich das der urbanen Mobilität der Zukunft. Denn das Fahrrad im Allgemeinen und das Lastenrad im Speziellen wird ein immer wichtigeres Argument sein, wenn es um die Themen Mobilität sowie Stadt und Lebensqualität geht“. Mit dem Projekt „VELOTransport“ zeigt das Unternehmen die unterschiedlichsten Lösungen für Transporte mit dem Rad auf – egal, ob es um die Kinder auf dem Weg in die Kita, den täglichen Einkauf, aber auch die Fahrten von Handwerker zu Kunden, den Pizzadienst bis hin zu Logistikunternehmen wie Paketversendern geht. Unideologische Debatte. Über eine Onlineplattform sowie Produktschauen in ganz Deutschland will velo:konzept auf die vielen Möglichkeiten aufmerksam machen. „Es geht immer um die Bewahrung der Mobilität ohne eigenes Auto, Zeit- und Kosteneffizienz, Spaß und fast nebenbei auch um ressourcenschonendes Verhalten“, so Saade, die als Unternehmerin die Energiewende vor allem aus Sicht der Mobilitätsthematik betrachtet. „An dieser Stelle ist meiner Meinung nach Intermodalität das Schlagwort. Es fragt nach der intelligenten Verknüpfung und Vernetzung von Verkehrsmitteln, um den weiterhin steigenden Bedarf an Mobilität mit den Zielen der Energiewende in Einklang zu bringen.“ Es geht also nicht darum, nur noch Fahrrad zu fahren, sondern es in Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Bike- und E-Carsharing zu nutzen, um schnell ans Ziel zu kommen. Das erfordert eine gute Infrastruktur, sichere Abstellmöglichkeiten für Räder – also Schnittstellen zwischen den Verkehrsmitteln. „Schließlich geht es nicht nur um die schwindenden Vorräte fossiler Ressourcen, sondern genauso um den begrenzten Raum in der Stadt und die Frage, wie man diesen Raum nutzt“. Der Vorteil bei dieser Zukunftsstrategie ist in Saades Augen, dass diese Entwicklungen vor allem über sachliche Argumente wie Kostenersparnis, Flexibilität und zeitliche Effizienz vorangebracht werden und Ideologie und Status weniger eine Rolle spielen. „Und gerade in dieser pragmatischen Betrachtungsweise sind, so denke ich, wir Frauen ziemlich stark“.

Frauen bewegen sich rationaler vorwärts Neue Technologien verändern die Art der Fortbewegung in Großstädten – Das eigene Auto wird seltener

D

er Chef, der morgens mit seinem dicken Schlitten ins Großstadt-Büro pendeln möchte, wird es künftig schwer haben. Denn klobige Spritschleudern weichen in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren intelligenten Verkehrskonzepten ‒ mit Carsharing, Elektroautos sowie Bus und Bahn, allesamt miteinander verknüpft und perfekt aufeinander abgestimmt. Damit folgt die Mobilität in deutschen Großstädten einem Trend, der bereits heute zu erkennen ist: dem Abschied vom eigenen Auto als Statussymbol.

FRAUEN ENTSCHEIDEN RATIONALER. Das dürfte Frauen leichter fallen als Männern, denn Studien zufolge legen sie auf einen teuren fahrbaren Untersatz als Zeichen der eigenen Macht deutlich weniger Wert als Männer. Und dennoch: „Zielgruppe für die Elektro-Mobile sind ganz klar Männer im Alter von 30 bis 35, gut gebildet, Technik-affin und einigermaßen gut verdienend“, erklärt Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität. Das deckt sich auch mit seinen eigenen Erfahrungen. Denn in Berlin gibt es mehr als 80 laufende Projekte, die sich mit dem Thema E-Mobilität befassen, und Teilnehmer, Interessenten oder Besucher dieser Projekte seien eben genau jene. Dennoch rechnet Lobenberg mit einem rasanten Anstieg weiblicher Elektroauto-Besitzer: „Untersuchungen zeigen, dass Frauen ihre Kaufentscheidung beim Auto viel rationaler fällen als Männer, bei denen Emotionen eine viel größere Rolle spielen.“ Und aus Sicht der Vernunft spricht nun einmal viel für das E-Auto: Keine Abgase, kein Lärm, vergleichsweise günstiger Treibstoff. Berlin und Brandenburg nehmen hinsichtlich der batteriebetriebenen Fortbewegungsmittel eine Vorreiterrolle ein. Dort existieren mehr Projekte in Forschung, Entwicklung, Erprobung und Praxis als in jedem anderen Ballungsraum Deutschlands, vermutlich sogar Europas. Neben den genannten 80 aktuellen sind noch weitere 50 in Planung. Beteiligt sind dabei zum Beispiel Unternehmen und Institutionen aus den Bereichen Mobilitätsdienstleistung, Fahrzeugbau, Logistik, Energieversorgung, Informations- und Kommunikationstechnik

9.000 Fahrzeuge fahren in Berlin und Brandenburg bereits mit elektrischem oder Hybrid-Antrieb

zu 25 Stundenkilometer schnell fahren können, S-Pedelecs (bis 45 Stundenkilometer) und eScooter (elektrische Roller). Sogar die Berliner Polizei testet seit Anfang 2012 elf batteriebetriebene Fahrzeuge im praktischen Einsatz. So soll mittelfristig der Kohlendioxyd-Ausstoß des Fuhrparks deutlich reduziert werden.

sowie Forschungseinrichtungen mit den Schwerpunkten Nutzerverhalten, Zukunftszenarien, Infrastrukturplanung und Geschäftsmodelle. VIELE ELEKTRO-FAHRZEUGE. Elektromobilität boomt jedoch nicht nur theoretisch in der Bundeshauptstadt. Derzeit haben Berlin und Brandenburg mit mehr als 1.500 Personenwagen die höchste Elekt-

Mit der Zahl der elektrobetriebenen Fahrzeuge wächst zudem die Infrastruktur. „Für Elektrofahrzeuge muss einfach die entsprechende Anbindung da sein, da ihre Reichweite begrenzt ist“, sagt Thomas Meißner von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie. Derzeigt gibt es im Stadtgebiet etwa 100 Ladesäulen mit jeweils zwei Ladepunkten. In den kommenden Jahren sollen daraus 800 Ladepunkte werden, bis Ende 2015 ist sogar eine flächendeckende Ausweitung auf bis zu 1.700 Ladepunkte geplant.

Elektrofahrzeuge brauchen Infrastruktur – 800 Ladepunkte sind in Berlin geplant

INTELLIGENTE STEUERUNG SPART ZEIT. E-Mobilität ist jedoch nur ein Baustein eines Gesamtkonzepts, um den Verkehr in Großstädten in Zukunft energiesparend, sauber, effizient und flüssig zu gestalten. 65 Stunden verbringen Autofahrer in Deutschland

ro-Fahrzeuganzahl in einem deutschen Ballungsraum, außerdem fahren in der Hauptstadtregion rund 7.500 Pkw und Nutzfahrzeuge mit Hybridantrieb. Dazu kommen noch eine unbekannte Anzahl an Pedelecs, also Elektrofahrräder, die bis

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S MARTE V ERKEHRSLENKUNG

WIRD AUF JEDEM

Intelligente Systeme für die Steuerung des Verkehrs kommen schon heute zum Einsatz. Ein Beispiel: das Handyticket. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg ist Mitglied des überregionalen Angebotes, das Fahrplan- und Ticketauskunft einschließt und – nach Anmeldung – den Ticketkauf ermöglicht. Wer schon einmal solch ein elektronisches U-Bahn-Ticket auf sein Smartphone geladen hat, kennt das smarte Verkehrssystem. Steuerbare Verkehrsbeeinflussungsanlagen auf der Autobahn sind ein anderes Beispiel: Neun davon stehen auf Berliner Autobahnen und werden aus der Verkehrsregelungszentrale des Senats gesteuert. Sie ist eine der größten

VERFÜGBAR

und modernsten Verkehrsleit- und Informationszentralen Europas. Aus einem historischen Gebäude des Flughafens Tempelhof wird die Verkehrslage auf über 1.500 Kilometern Straße beobachtet und Ampeln an 2.000 Kreuzungen je nach Verkehrsaufkommen geschaltet, Informationen sind unter www.vmz-info.de abrufbar. In Zukunft werden Smartphone-Apps jederzeit bequem und überall verfügbar den bestmöglichen Weg zwischen A und B ermitteln. Losfahren mit dem Bus zur Carsharing-Station, weiter mit dem Auto zur S-Bahn und schließlich mit dem City-Bike in die Innenstadt: So wird das in der Praxis aussehen.

100 Ladesäulen für E-Mobile gibt es im Berliner Stadtgebiet

S MARTPHONE

65 Stunden pro Jahr verbringt ein deutscher Autofahrer im Stau


Wirtschaft

Entscheiderinnen

Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 01. Juli 2014

08 / 09

Bilder: Benjamin Protzkuleit

Bewegung muss her Die Energiewende ist eine Angelegenheit für alle: Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürger – Berliner Entscheiderinnen wünschen sich mehr Tempo

Andrea Beyerlein

Die Teilnehmerinnen des „Runden Tisches Entscheiderinnen“ zum Thema Energiewende und ihre Gastgeber vom Berliner Verlag

K

önnte Berlin zur Vorzeige-Stadt werden für nachhaltiges Wirtschaften? Wäre es denkbar, dass die Hauptstadt die ins Stocken geratene Energiewende durch beispielhafte Initiativen voran bringt? Ja. Das meinen jedenfalls neun Spitzenfrauen aus Wirtschaft und Wissenschaft, die sich auf Einladung des Berliner Verlages zum zweiten Runden Tisch der Entscheiderinnen getroffen haben. Sie alle mahnen aber konsequentere und verlässlichere Rahmenbedingungen auf allen politischen Ebenen an. Am eigenen Engagement mangelt es nicht. Dort, wo die Gesprächsteilnehmerinnen Verantwortung tragen, werden ressourcensparende Ideen so weit wie möglich unterstützt. Und für den Austausch darüber und die Suche nach Partnern lassen sie sogar einen spannenden WM-Abend sausen. Während im Biergarten des Pfefferberg im Prenzlauer Berg Tore bejubelt werden, wird in der Schankhallte im zweiten Stock diszipliniert diskutiert. Der Spielstand wird am Smartphone allenfalls unterm Tisch abgerufen. Und gelegentlich auch mitgeteilt.

INNOVATION ZAHLT SICH AUS. Früher hat Vera Gäde-Butzlaff den Trend zu Biogasanlagen „nur pflichtgemäß gelobt“, sagt sie. Und noch immer hält es die Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR) für zweifelhaft, wenn riesige landwirtschaftliche Flächen genutzt werden, um solche Anlagen mit pflanzlichen Rohstoffen zu versorgen. Über die eigene, im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Biovergärungsanlage der BSR gerät sie dagegen richtig ins Schwärmen: „Die finde ich genial. Wir machen was aus dem, was alle wegwerfen. Damit kann man einen echten Kreislauf erzeugen.“ Mit dem erzeugten Gas kann jetzt ein Großteil der Müllfahrzeug-Flotte fahren. Die neuen, umweltschonenden Erdgas-Fahrzeuge hat sich die BSR nur leisten können, weil sie die Energieausgaben senken. Schon seit elf Jahren gehört Vera GädeButzlaff, von Hause aus Verwaltungsrichterin, dem

BSR-Vorstand an. 2007 übernahm sie den Vorsitz. Und: „Ich achte auch privat sehr auf UmweltverträgUnter ihrer Ägide ist der kommunale Müllentsor- lichkeit.“ Deswegen fährt sie einen Kleinwagen, der ger zu einem auch als „vorbildlicher Arbeitgeber“ nur drei Liter verbraucht. „Das ist sicher kein typivielfach ausgezeichneten Öko-Betrieb geworden, scher Geschäftsführerwagen.“ Knauer produziert mit der 14 Mal mehr Energie erzeugt als er selbst ver- Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien, auch braucht. Mit diesen jährlich 2.800 Gigawattstunden wenn das teurer ist. Und die Reise-Richtlinie für die werden zwölf Prozent der Berliner Haushalte mit Mitarbeiter enthält keine Vorgaben, FlugverbindunStrom versorgt und sechs Prozent der Haushalte mit gen vorzuziehen, nur weil sie billiger und schneller Fernwärmeanschluss. Der eigene Energieverbrauch sind. Da ist ein mittelständischer Betrieb flexibler als soll bis 2020 noch einmal um zehn Prozent sinken. große private oder kommunale Unternehmen. Die Zuständigkeit dafür wurde an zentraler Stelle gebündelt. Aber es geht nicht nur um neue Tech- POTENZIALE NICHT AUSGESCHÖPFT. Schon jetzt ist es der BVG nologien und Niedrigenergiehäuser. „Man kann gelungen, durch energieeffiziente Maßnahmen den jährlichen Energieverbrauch nur etwas ändern, wenn alle von 500 auf 450 Gigawattmitmachen. Wenn alle 5.300 stunden zu senken, sagt Mitarbeiterinnen und MitarTülay Öger. Sie ist bei den beiter wirklich drauf achten“, Manchmal scheitern Berliner Verkehrsbetrieben sagt Vera Gäde-Butzlaff. „Das die zuständige Abteilungsfängt mit so simplen Dingen Effizienzmaßnahmen an leiterin für Fahrgasttechnik, an, dass nicht alle Computer den Investitionskosten Facility Management und auf Standby laufen müssen.“ unter anderem auch das Tülay Öger, BVG DIE EIGENE HALTUNG ZÄHLT. AleEnergiemanagement. Um xandra Knauer ist GeschäftsNachhaltigkeitskriterien zu führerin eines mittelständierfüllen und den Verbrauch schen Unternehmens mit weiter zu senken, würden 120 Mitarbeitern im Südwesten Berlins, in Zehlen- die Betriebsabläufe ständig überprüft. Sowohl in dorf. Dort werden Labormessgeräte hergestellt. den Werkstätten als auch auf der Strecke, „das ganze 1962 haben ihre Eltern die „Wissenschaftliche Ge- Programm“, sagt die 44-jährige gelernte Architektin. rätebau Dr. Ing. Herbert Knauer GmbH“ gegründet. Bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen müsse Als die heute 48-jährige Betriebswirtin vor zwei zwar auf den maximalen Komfort geachtet werden, Jahrzehnten in das Familienunternehmen einstieg, der CO₂-Ausstoß darf aber nicht steigen. Die BVG geschah das nicht ganz freiwillig. Die Firma befand betreibe auch ein Blockheizkraftwerk, und in einem sich Anfang der Neunziger Jahre in einer Krise. Die Pilotprojekt werde untersucht, wie die vorhandene ist längst überwunden. Seither ist Alexandra Knauer Wärme in den U-Bahn-Tunneln nutzbar gemacht für ihre innovative und familienfreundliche Unter- werden könne. Im Vordergrund stehe die Kostennehmensführung mit diversen Preisen ausgezeich- ersparnis: „Wir sind ein öffentliches Unternehmen net worden. „Das hilft auch, Mitarbeiter zu binden und müssen wirtschaftlich agieren. Unser Ziel ist die und neue zu finden“, sagt sie. schwarze Null.“

Als Großverbraucher lohne es sich, Energie an der Börse zu kaufen. Noch allerdings seien viele Potenziale des nachhaltigen Wirtschaftens und der Energieeinsparungen bei dem kommunalen Betrieb nicht ausgeschöpft, weil zuvor Investitionen nötig wären, sagt Tülay Öger. „Da wäre Unterstützung aus der Politik sehr gut.“ Im Bereich der hochinvestiven Energiesparmaßnahmen seien die öffentlichen Unternehmen oftmals von den Fördermaßnahmen ausgeschlossen. MEHR DRUCK IST NÖTIG. „Die Technik zu verteufeln bringt nichts“, sagt Antje Minhoff. Das muss sie auch. Die Minhoff GmbH stattet Berliner Schulen mit Smart Boards aus ‒ die ersetzen die gute, alte Tafel und die Kreide ‒ und Unternehmen mit interaktiver Konferenztechnik. „Da bin ich natürlich in einer Zwitterstellung.“ Trotzdem engagiert sich die 49-jährige Mittelständlerin, die das vor 44 Jahren gegründete Unternehmen von ihrem Vater übernommen hat, für mehr Nachhaltigkeit. „In mir schlägt ein Ökoherz“, sagt sie. Hersteller wählt sie auch nach Energieeffizienz aus. In der eigenen Firma, die rund 80 Mitarbeiter beschäftigt, hat sie dafür gesorgt, dass nicht benötigte Stromkreise zu bestimmten Zeiten unterbrochen werden, „wie in vielen Hotels, wo man die Karte rauszieht, und alle Lichter im Zimmer gehen aus.“ Antje Minhoff berichtet von einem Projekt der FH Wildau, in dem der Energieverbrauch in einer Leipziger Zwei-Raum-Wohnung analysiert wurde. Durch die Eliminierung schleichender Verbraucher wie Netzteilen oder Toastern ließen sich die Stromkosten um 300 Euro pro Jahr senken. „Das will doch eigentlich jeder. Aber oft wissen die Leute gar nicht, was alles Energie verbraucht.“ Deswegen wünscht sie sich strengere Rahmenbedingungen auch aus der Politik. Produkte, die viel Energie verbrauchen,

dürften gar nicht erst auf den Markt kommen. Auch bei den Einkäufen in Unternehmen werde noch immer zu sehr auf den Preis geschaut und nicht auf die Nachhaltigkeit. Wachsender Druck, meint Antje Minhoff, würde auch das Bewusstsein der Verbraucher schärfen. Dazu könnten auch der Mittelstand, die Innungen und die IHK beitragen.

den CO₂-Ausstoß zu senken, wurde auch der GasagFuhrpark umgerüstet. Gegen Widerstände. „Das ist gar nicht so einfach, wenn man einem Mann erklären soll, dass er nicht mehr mit 250 PS fahren kann“, sagt Katja Gieseking. Zur Zeit liege die Obergrenze für den CO₂-Ausstoß bei 150 g pro Kilometer, 130 g seien angestrebt.

ÄNDERUNG DES GESCHÄFTSMODELLS. Der Berliner Energiedienstleister Gasag reagierte sehr früh auf die Energiewende. „Auch aus Überzeugung“, sagt Vorstandsmitglied Katja Gieseking. Das bedeutete eine einschneidende Änderung des Geschäftsmodells. Jahrzehntelang habe man vom Energieverkauf gelebt, nun verfolge das Unternehmen aus nachvollziehbaren Gründen das Ziel, Energieverbräuche zu reduzieren, Energie effizienter einzusetzen und den verbleibenden Bedarf möglichst auf erneuerbare Energien umzustellen. „Und natürlich muss man auch auf die eigenen Energiekosten schauen“, sagt Katja Gieseking. Einen wesentlichen Schritt habe die Gasag gemacht, als sie 2011 in ihre neue Zentrale am Hackeschen Markt gezogen ist, die offiziell als Green Building zertifiziert wurde. Kernstücke seien ein Blockheizkraftwerk, das mit Biogas aus der Gasag-eigenen Anlage in Schwedt gespeist wird, und eine Photovoltaikanlage. Zudem wurde in Bewegungsmelder und ein Energiemonitoringsystem investiert.

SINKENDE KOSTEN TROTZ HOHEM VERBRAUCH. Andrea Grebe NEUES VERTRAUEN IN NEUES DENKEN. „Siemens ist auch fährt in der Stadt dienstlich einen Smart. Mit dem ein grünes Unternehmen.“ Maria Reinisch, die Logo von Vivantes drauf. Noch lieber hätte sie ein Kommunikationschefin für Siemens Deutschland, Elektroauto. Andrea Grebe ist die Geschäftsführerin belegt diese Aussage auch mit Zahlen. Von etwa von Vivantes, dem größten kommunalen Kranken- 80 Milliarden Euro Jahresumsatz entfielen bereits hauskonzern Deutschlands mehr als 30 Milliarden mit 15.000 Mitarbeitern, 13 auf das Umweltportfolio. Durch die weltweit exporPflegeeinrichtungen und neun Akutkrankenhäusern. tierten Produkte werde der Wenn ganze Quartiere Der jährliche Energie- und jährliche CO₂-Ausstoß um Wasserverbrauch von Vivan377 Millionen Tonnen reentworfen werden, lässt duziert. Im Stammwerk in tes entspreche dem einer sich mehr Energie sparen 14.000-Einwohner-Stadt und Moabit etwa würden die koste 27 Millionen Euro. Das effizientesten Gasturbinen Elke Pahl-Weber, Stadtplanerin entspreche 2,9 Prozent des der Welt produziert. Umsatzes, sagt die 52-jähEin weiteres Geschäftsfeld, rige Ärztin und langjährige das auf EnergieeinsparunKrankenhausmanagerin, die im Frühjahr an die Spitze des städtischen Unterneh- gen abzielt, nennt sich Energiespar-Contracting. mens aufrückte. „Wir sind ein großer Energiever- Das Unternehmen analysiere dabei die Energieeinsparpotenziale von Gebäuden ‒ die oft bei braucher. 65 Gigawattstunden pro Jahr.“ 30 Prozent und mehr lägen. Bei Bedarf würden die Aber: „Unsere Energieausgaben sind in den vergan- nötigen Investitionen vorgestreckt und über die genen fünf Jahren trotz steigender Preise rückläufig.“ erzielten Einsparungen refinanziert. „Wenn die von Sechs Blockheizkraftwerkmodule würden betrieben, uns garantierte Energieeinsparung nicht erreicht und auf der Klinik Neukölln etwa sei eine Photovol- wird , geht das auf unsere Kappe“, sagt Maria Reitaik-Anlage installiert worden. Bei Ausschreibungen nisch. Rund 200 öffentliche Gebäude in Berlin seiwerde seit 2009 auch das Thema Nachhaltigkeit en bereits so energetisch saniert worden. Dadurch berücksichtigt. Im Unternehmen gebe es Energie- würden pro Jahr Energiekosten von über fünf Millimanager. Unter den Mitarbeitern würden Ideen- onen Euro gespart und der CO₂-Ausstoß um 30.000 märkte veranstaltet. „Wir haben grünen Strom“, sagt Tonnen verringert. In den eigenen Werken in der

„Dabei geht es natürlich auch um die Vorbildrolle. Man muss selbst nachhaltig mit Energie wirtschaften, um solche Produkte und Dienstleistungen verkaufen zu können“, sagt die 47-jährige studierte Chemie-Ingenieurin, die bei den Münchner Stadtwerken bis zur Vertriebschefin aufstieg, bevor sie im vergangenen Jahr in die Chefetage der Berliner Gasag wechselte. Der größte Energieverbraucher des Unternehmens sei allerdings das Gasnetz. Um

die Vivantes-Chefin. Trotzdem gebe es noch einen enormen Bedarf, die Energieeffizienz zu steigern. Die meisten Klinik-Gebäude stammten aus den 70er und 80er Jahren. Für die energetische Sanierung fehlten aber die Investitionsmittel. „Da muss etwas passieren“, sagt Andrea Grebe. „Am liebsten würde ich alles neu bauen.“

Siemensstadt habe Siemens bisher mehr als drei Millionen Euro in Energieeffizienz investiert. Damit würden jährliche Einsparungen von 700.000 Euro erreicht und über 3.400 Tonnen CO₂ eingespart. „Dass die Energiewende gelingt, ist mir persönlich ein Herzensanliegen“, sagt die Siemens-Frau. Und dazu ist Energieeffizienz der unsichtbare Schatz, der hilft Geld zu sparen und Wind und Sonne stabil ins Netz zu integrieren. „Es ist viel mehr praktische Veränderung möglich, als bislang vorgedacht ist.“ ALLE BETEILIGTEN MÜSSEN AN EINEN TISCH. Als Stadtplanerin ist es Elke Pahl-Weber gewohnt, nicht in einzelnen Gebäuden zu denken. Seit einigen Jahren ist sie an dem Forschungsfeld zu Megacitys beteiligt. In einem Projekt dazu hat sie auch am Entwurf eines neuen, energieffizienten Stadtquartiers im Iran gearbeitet. „Das Ergebnis war: Wir können 60 Prozent des Primärenergiebedarfs einsparen, wenn man das Quartier als Ganzes plant.“ Schon ein Baum an ŸŸŸ

i D ER

RUNDE

T ISCH

Der „Runde Tisch“ des Berliner Verlags bringt Spitzenvertreter wichtiger Wirtschaftszweige aus der Region zum informellen Austausch zusammen. Am „Runden Tisch Entscheiderinnen“ im Pfefferberg nahmen neun Vertreterinnen wichtiger Unternehmen und Einrichtungen teil, um über ihre Rolle in der Energiewende zu diskutieren.

D IE T EILNEHMERINNEN DES RUNDEN T ISCHES Die schwankenden Rahmenbedingungen auf Bundes- und Europaebene sind ein Investitionshemmnis erster Güte VERA GAEDE-BUTZLAFF VORSTANDSVORSITZENDE BSR BERLINER STADTREINIGUNGSBETRIEBE

Energie sparen will eigentlich jeder. Aber oft wissen die Leute gar nicht, was alles Energie verbraucht

Unsere Energieausgaben sind in den vergangenen fünf Jahren trotz steigender Preise rückläufig

Das ist gar nicht so einfach, wenn man einem Mann erklären soll, dass er nicht mehr mit 250 PS fahren kann

Ich achte auch privat sehr auf Umweltverträglichkeit und fahre einen Polo BlueMotion

Wenn man etwas erreichen will, muss man bei den Städten ansetzen

Es ist viel mehr praktische Veränderung möglich, als bislang vorgedacht ist

Mehr Unterstützung aus der Politik wäre gut

Es hat eindeutig Fehlförderungen gegeben. Daraus muss man auch lernen

ANTJE MINHOFF GESCHÄFTSFÜHRERIN MINHOFF GMBH

ANDREA GREBE GESCHÄFTSFÜHRERIN VIVANTES NETZWERK FÜR GESUNDHEIT

KATJA GIESEKING MITGLIED DES VORSTANDES GASAG BERLINER GASWERKE AG

ALEXANDRA KNAUER GESCHÄFTSFÜHRERIN, WISSENSCHAFTLICHE GERÄTEBAU DR. ING. HERBERT KNAUER

PROF. ELKE PAHL-WEBER TU BERLIN

MARIA REINISCH LEITERIN UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION SIEMENS AG

TÜLAY ÖGER, ABTEILUNGSLEITERIN INFRASTRUKTUR UND FAHRGASTTECHNIK, BERLINER VERKEHRSBETRIEBE

BRIGITTE FEHRLE CHEFREDAKTEURIN BERLINER ZEITUNG


Wirtschaft

Entscheiderinnen

Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 01. Juli 2014

08 / 09

Bilder: Benjamin Protzkuleit

Bewegung muss her Die Energiewende ist eine Angelegenheit für alle: Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürger – Berliner Entscheiderinnen wünschen sich mehr Tempo

Andrea Beyerlein

Die Teilnehmerinnen des „Runden Tisches Entscheiderinnen“ zum Thema Energiewende und ihre Gastgeber vom Berliner Verlag

K

önnte Berlin zur Vorzeige-Stadt werden für nachhaltiges Wirtschaften? Wäre es denkbar, dass die Hauptstadt die ins Stocken geratene Energiewende durch beispielhafte Initiativen voran bringt? Ja. Das meinen jedenfalls neun Spitzenfrauen aus Wirtschaft und Wissenschaft, die sich auf Einladung des Berliner Verlages zum zweiten Runden Tisch der Entscheiderinnen getroffen haben. Sie alle mahnen aber konsequentere und verlässlichere Rahmenbedingungen auf allen politischen Ebenen an. Am eigenen Engagement mangelt es nicht. Dort, wo die Gesprächsteilnehmerinnen Verantwortung tragen, werden ressourcensparende Ideen so weit wie möglich unterstützt. Und für den Austausch darüber und die Suche nach Partnern lassen sie sogar einen spannenden WM-Abend sausen. Während im Biergarten des Pfefferberg im Prenzlauer Berg Tore bejubelt werden, wird in der Schankhallte im zweiten Stock diszipliniert diskutiert. Der Spielstand wird am Smartphone allenfalls unterm Tisch abgerufen. Und gelegentlich auch mitgeteilt.

INNOVATION ZAHLT SICH AUS. Früher hat Vera Gäde-Butzlaff den Trend zu Biogasanlagen „nur pflichtgemäß gelobt“, sagt sie. Und noch immer hält es die Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR) für zweifelhaft, wenn riesige landwirtschaftliche Flächen genutzt werden, um solche Anlagen mit pflanzlichen Rohstoffen zu versorgen. Über die eigene, im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Biovergärungsanlage der BSR gerät sie dagegen richtig ins Schwärmen: „Die finde ich genial. Wir machen was aus dem, was alle wegwerfen. Damit kann man einen echten Kreislauf erzeugen.“ Mit dem erzeugten Gas kann jetzt ein Großteil der Müllfahrzeug-Flotte fahren. Die neuen, umweltschonenden Erdgas-Fahrzeuge hat sich die BSR nur leisten können, weil sie die Energieausgaben senken. Schon seit elf Jahren gehört Vera GädeButzlaff, von Hause aus Verwaltungsrichterin, dem

BSR-Vorstand an. 2007 übernahm sie den Vorsitz. Und: „Ich achte auch privat sehr auf UmweltverträgUnter ihrer Ägide ist der kommunale Müllentsor- lichkeit.“ Deswegen fährt sie einen Kleinwagen, der ger zu einem auch als „vorbildlicher Arbeitgeber“ nur drei Liter verbraucht. „Das ist sicher kein typivielfach ausgezeichneten Öko-Betrieb geworden, scher Geschäftsführerwagen.“ Knauer produziert mit der 14 Mal mehr Energie erzeugt als er selbst ver- Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien, auch braucht. Mit diesen jährlich 2.800 Gigawattstunden wenn das teurer ist. Und die Reise-Richtlinie für die werden zwölf Prozent der Berliner Haushalte mit Mitarbeiter enthält keine Vorgaben, FlugverbindunStrom versorgt und sechs Prozent der Haushalte mit gen vorzuziehen, nur weil sie billiger und schneller Fernwärmeanschluss. Der eigene Energieverbrauch sind. Da ist ein mittelständischer Betrieb flexibler als soll bis 2020 noch einmal um zehn Prozent sinken. große private oder kommunale Unternehmen. Die Zuständigkeit dafür wurde an zentraler Stelle gebündelt. Aber es geht nicht nur um neue Tech- POTENZIALE NICHT AUSGESCHÖPFT. Schon jetzt ist es der BVG nologien und Niedrigenergiehäuser. „Man kann gelungen, durch energieeffiziente Maßnahmen den jährlichen Energieverbrauch nur etwas ändern, wenn alle von 500 auf 450 Gigawattmitmachen. Wenn alle 5.300 stunden zu senken, sagt Mitarbeiterinnen und MitarTülay Öger. Sie ist bei den beiter wirklich drauf achten“, Manchmal scheitern Berliner Verkehrsbetrieben sagt Vera Gäde-Butzlaff. „Das die zuständige Abteilungsfängt mit so simplen Dingen Effizienzmaßnahmen an leiterin für Fahrgasttechnik, an, dass nicht alle Computer den Investitionskosten Facility Management und auf Standby laufen müssen.“ unter anderem auch das Tülay Öger, BVG DIE EIGENE HALTUNG ZÄHLT. AleEnergiemanagement. Um xandra Knauer ist GeschäftsNachhaltigkeitskriterien zu führerin eines mittelständierfüllen und den Verbrauch schen Unternehmens mit weiter zu senken, würden 120 Mitarbeitern im Südwesten Berlins, in Zehlen- die Betriebsabläufe ständig überprüft. Sowohl in dorf. Dort werden Labormessgeräte hergestellt. den Werkstätten als auch auf der Strecke, „das ganze 1962 haben ihre Eltern die „Wissenschaftliche Ge- Programm“, sagt die 44-jährige gelernte Architektin. rätebau Dr. Ing. Herbert Knauer GmbH“ gegründet. Bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen müsse Als die heute 48-jährige Betriebswirtin vor zwei zwar auf den maximalen Komfort geachtet werden, Jahrzehnten in das Familienunternehmen einstieg, der CO₂-Ausstoß darf aber nicht steigen. Die BVG geschah das nicht ganz freiwillig. Die Firma befand betreibe auch ein Blockheizkraftwerk, und in einem sich Anfang der Neunziger Jahre in einer Krise. Die Pilotprojekt werde untersucht, wie die vorhandene ist längst überwunden. Seither ist Alexandra Knauer Wärme in den U-Bahn-Tunneln nutzbar gemacht für ihre innovative und familienfreundliche Unter- werden könne. Im Vordergrund stehe die Kostennehmensführung mit diversen Preisen ausgezeich- ersparnis: „Wir sind ein öffentliches Unternehmen net worden. „Das hilft auch, Mitarbeiter zu binden und müssen wirtschaftlich agieren. Unser Ziel ist die und neue zu finden“, sagt sie. schwarze Null.“

Als Großverbraucher lohne es sich, Energie an der Börse zu kaufen. Noch allerdings seien viele Potenziale des nachhaltigen Wirtschaftens und der Energieeinsparungen bei dem kommunalen Betrieb nicht ausgeschöpft, weil zuvor Investitionen nötig wären, sagt Tülay Öger. „Da wäre Unterstützung aus der Politik sehr gut.“ Im Bereich der hochinvestiven Energiesparmaßnahmen seien die öffentlichen Unternehmen oftmals von den Fördermaßnahmen ausgeschlossen. MEHR DRUCK IST NÖTIG. „Die Technik zu verteufeln bringt nichts“, sagt Antje Minhoff. Das muss sie auch. Die Minhoff GmbH stattet Berliner Schulen mit Smart Boards aus ‒ die ersetzen die gute, alte Tafel und die Kreide ‒ und Unternehmen mit interaktiver Konferenztechnik. „Da bin ich natürlich in einer Zwitterstellung.“ Trotzdem engagiert sich die 49-jährige Mittelständlerin, die das vor 44 Jahren gegründete Unternehmen von ihrem Vater übernommen hat, für mehr Nachhaltigkeit. „In mir schlägt ein Ökoherz“, sagt sie. Hersteller wählt sie auch nach Energieeffizienz aus. In der eigenen Firma, die rund 80 Mitarbeiter beschäftigt, hat sie dafür gesorgt, dass nicht benötigte Stromkreise zu bestimmten Zeiten unterbrochen werden, „wie in vielen Hotels, wo man die Karte rauszieht, und alle Lichter im Zimmer gehen aus.“ Antje Minhoff berichtet von einem Projekt der FH Wildau, in dem der Energieverbrauch in einer Leipziger Zwei-Raum-Wohnung analysiert wurde. Durch die Eliminierung schleichender Verbraucher wie Netzteilen oder Toastern ließen sich die Stromkosten um 300 Euro pro Jahr senken. „Das will doch eigentlich jeder. Aber oft wissen die Leute gar nicht, was alles Energie verbraucht.“ Deswegen wünscht sie sich strengere Rahmenbedingungen auch aus der Politik. Produkte, die viel Energie verbrauchen,

dürften gar nicht erst auf den Markt kommen. Auch bei den Einkäufen in Unternehmen werde noch immer zu sehr auf den Preis geschaut und nicht auf die Nachhaltigkeit. Wachsender Druck, meint Antje Minhoff, würde auch das Bewusstsein der Verbraucher schärfen. Dazu könnten auch der Mittelstand, die Innungen und die IHK beitragen.

den CO₂-Ausstoß zu senken, wurde auch der GasagFuhrpark umgerüstet. Gegen Widerstände. „Das ist gar nicht so einfach, wenn man einem Mann erklären soll, dass er nicht mehr mit 250 PS fahren kann“, sagt Katja Gieseking. Zur Zeit liege die Obergrenze für den CO₂-Ausstoß bei 150 g pro Kilometer, 130 g seien angestrebt.

ÄNDERUNG DES GESCHÄFTSMODELLS. Der Berliner Energiedienstleister Gasag reagierte sehr früh auf die Energiewende. „Auch aus Überzeugung“, sagt Vorstandsmitglied Katja Gieseking. Das bedeutete eine einschneidende Änderung des Geschäftsmodells. Jahrzehntelang habe man vom Energieverkauf gelebt, nun verfolge das Unternehmen aus nachvollziehbaren Gründen das Ziel, Energieverbräuche zu reduzieren, Energie effizienter einzusetzen und den verbleibenden Bedarf möglichst auf erneuerbare Energien umzustellen. „Und natürlich muss man auch auf die eigenen Energiekosten schauen“, sagt Katja Gieseking. Einen wesentlichen Schritt habe die Gasag gemacht, als sie 2011 in ihre neue Zentrale am Hackeschen Markt gezogen ist, die offiziell als Green Building zertifiziert wurde. Kernstücke seien ein Blockheizkraftwerk, das mit Biogas aus der Gasag-eigenen Anlage in Schwedt gespeist wird, und eine Photovoltaikanlage. Zudem wurde in Bewegungsmelder und ein Energiemonitoringsystem investiert.

SINKENDE KOSTEN TROTZ HOHEM VERBRAUCH. Andrea Grebe NEUES VERTRAUEN IN NEUES DENKEN. „Siemens ist auch fährt in der Stadt dienstlich einen Smart. Mit dem ein grünes Unternehmen.“ Maria Reinisch, die Logo von Vivantes drauf. Noch lieber hätte sie ein Kommunikationschefin für Siemens Deutschland, Elektroauto. Andrea Grebe ist die Geschäftsführerin belegt diese Aussage auch mit Zahlen. Von etwa von Vivantes, dem größten kommunalen Kranken- 80 Milliarden Euro Jahresumsatz entfielen bereits hauskonzern Deutschlands mehr als 30 Milliarden mit 15.000 Mitarbeitern, 13 auf das Umweltportfolio. Durch die weltweit exporPflegeeinrichtungen und neun Akutkrankenhäusern. tierten Produkte werde der Wenn ganze Quartiere Der jährliche Energie- und jährliche CO₂-Ausstoß um Wasserverbrauch von Vivan377 Millionen Tonnen reentworfen werden, lässt duziert. Im Stammwerk in tes entspreche dem einer sich mehr Energie sparen 14.000-Einwohner-Stadt und Moabit etwa würden die koste 27 Millionen Euro. Das effizientesten Gasturbinen Elke Pahl-Weber, Stadtplanerin entspreche 2,9 Prozent des der Welt produziert. Umsatzes, sagt die 52-jähEin weiteres Geschäftsfeld, rige Ärztin und langjährige das auf EnergieeinsparunKrankenhausmanagerin, die im Frühjahr an die Spitze des städtischen Unterneh- gen abzielt, nennt sich Energiespar-Contracting. mens aufrückte. „Wir sind ein großer Energiever- Das Unternehmen analysiere dabei die Energieeinsparpotenziale von Gebäuden ‒ die oft bei braucher. 65 Gigawattstunden pro Jahr.“ 30 Prozent und mehr lägen. Bei Bedarf würden die Aber: „Unsere Energieausgaben sind in den vergan- nötigen Investitionen vorgestreckt und über die genen fünf Jahren trotz steigender Preise rückläufig.“ erzielten Einsparungen refinanziert. „Wenn die von Sechs Blockheizkraftwerkmodule würden betrieben, uns garantierte Energieeinsparung nicht erreicht und auf der Klinik Neukölln etwa sei eine Photovol- wird , geht das auf unsere Kappe“, sagt Maria Reitaik-Anlage installiert worden. Bei Ausschreibungen nisch. Rund 200 öffentliche Gebäude in Berlin seiwerde seit 2009 auch das Thema Nachhaltigkeit en bereits so energetisch saniert worden. Dadurch berücksichtigt. Im Unternehmen gebe es Energie- würden pro Jahr Energiekosten von über fünf Millimanager. Unter den Mitarbeitern würden Ideen- onen Euro gespart und der CO₂-Ausstoß um 30.000 märkte veranstaltet. „Wir haben grünen Strom“, sagt Tonnen verringert. In den eigenen Werken in der

„Dabei geht es natürlich auch um die Vorbildrolle. Man muss selbst nachhaltig mit Energie wirtschaften, um solche Produkte und Dienstleistungen verkaufen zu können“, sagt die 47-jährige studierte Chemie-Ingenieurin, die bei den Münchner Stadtwerken bis zur Vertriebschefin aufstieg, bevor sie im vergangenen Jahr in die Chefetage der Berliner Gasag wechselte. Der größte Energieverbraucher des Unternehmens sei allerdings das Gasnetz. Um

die Vivantes-Chefin. Trotzdem gebe es noch einen enormen Bedarf, die Energieeffizienz zu steigern. Die meisten Klinik-Gebäude stammten aus den 70er und 80er Jahren. Für die energetische Sanierung fehlten aber die Investitionsmittel. „Da muss etwas passieren“, sagt Andrea Grebe. „Am liebsten würde ich alles neu bauen.“

Siemensstadt habe Siemens bisher mehr als drei Millionen Euro in Energieeffizienz investiert. Damit würden jährliche Einsparungen von 700.000 Euro erreicht und über 3.400 Tonnen CO₂ eingespart. „Dass die Energiewende gelingt, ist mir persönlich ein Herzensanliegen“, sagt die Siemens-Frau. Und dazu ist Energieeffizienz der unsichtbare Schatz, der hilft Geld zu sparen und Wind und Sonne stabil ins Netz zu integrieren. „Es ist viel mehr praktische Veränderung möglich, als bislang vorgedacht ist.“ ALLE BETEILIGTEN MÜSSEN AN EINEN TISCH. Als Stadtplanerin ist es Elke Pahl-Weber gewohnt, nicht in einzelnen Gebäuden zu denken. Seit einigen Jahren ist sie an dem Forschungsfeld zu Megacitys beteiligt. In einem Projekt dazu hat sie auch am Entwurf eines neuen, energieffizienten Stadtquartiers im Iran gearbeitet. „Das Ergebnis war: Wir können 60 Prozent des Primärenergiebedarfs einsparen, wenn man das Quartier als Ganzes plant.“ Schon ein Baum an ŸŸŸ

i D ER

RUNDE

T ISCH

Der „Runde Tisch“ des Berliner Verlags bringt Spitzenvertreter wichtiger Wirtschaftszweige aus der Region zum informellen Austausch zusammen. Am „Runden Tisch Entscheiderinnen“ im Pfefferberg nahmen neun Vertreterinnen wichtiger Unternehmen und Einrichtungen teil, um über ihre Rolle in der Energiewende zu diskutieren.

D IE T EILNEHMERINNEN DES RUNDEN T ISCHES Die schwankenden Rahmenbedingungen auf Bundes- und Europaebene sind ein Investitionshemmnis erster Güte VERA GAEDE-BUTZLAFF VORSTANDSVORSITZENDE BSR BERLINER STADTREINIGUNGSBETRIEBE

Energie sparen will eigentlich jeder. Aber oft wissen die Leute gar nicht, was alles Energie verbraucht

Unsere Energieausgaben sind in den vergangenen fünf Jahren trotz steigender Preise rückläufig

Das ist gar nicht so einfach, wenn man einem Mann erklären soll, dass er nicht mehr mit 250 PS fahren kann

Ich achte auch privat sehr auf Umweltverträglichkeit und fahre einen Polo BlueMotion

Wenn man etwas erreichen will, muss man bei den Städten ansetzen

Es ist viel mehr praktische Veränderung möglich, als bislang vorgedacht ist

Mehr Unterstützung aus der Politik wäre gut

Es hat eindeutig Fehlförderungen gegeben. Daraus muss man auch lernen

ANTJE MINHOFF GESCHÄFTSFÜHRERIN MINHOFF GMBH

ANDREA GREBE GESCHÄFTSFÜHRERIN VIVANTES NETZWERK FÜR GESUNDHEIT

KATJA GIESEKING MITGLIED DES VORSTANDES GASAG BERLINER GASWERKE AG

ALEXANDRA KNAUER GESCHÄFTSFÜHRERIN, WISSENSCHAFTLICHE GERÄTEBAU DR. ING. HERBERT KNAUER

PROF. ELKE PAHL-WEBER TU BERLIN

MARIA REINISCH LEITERIN UNTERNEHMENSKOMMUNIKATION SIEMENS AG

TÜLAY ÖGER, ABTEILUNGSLEITERIN INFRASTRUKTUR UND FAHRGASTTECHNIK, BERLINER VERKEHRSBETRIEBE

BRIGITTE FEHRLE CHEFREDAKTEURIN BERLINER ZEITUNG


Wirtschaft

Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 01. Juli 2014

Bilder: Benjamin Protzkuleit

Großes persönliches Engagement wurde in der Diskussion deutlich

Zwei Drittel

der Berliner würden Solar- oder Windanlagen in ihrer Nachbarschaft akzeptieren

0,8 und 1,8 Gigawatt Zwischen

Strom werden in Berlin in jedem Moment verbraucht

Zwei Megawatt

beträgt die Leistung der Berliner Windkraftanlagen ‒ aufgrund mangelnder Fläche ist das nicht viel

In Brandenburg produzieren die Windräder

5.088 Megawatt 1.156 Firmen

befassem sich in Berlin mit erneuerbaren Energien

ŸŸŸ der Hauskante senke die Innentemperatur im Sommer um drei Grad Celsius. Solche Themen auch in existierenden Städten zu diskutieren, findet die Professorin am Institut für Stadtund Regionalplanung der Technischen Universität Berlin „superspannend“. Und das tut sie auch, etwa in der Smart-City-Plattform der TU und im Netzwerk „smart cities“ bei Berlin-Partner. „Wenn Unternehmen mit Wissenschaft und Stadtverwaltung an einem Tisch sitzen und lernen, miteinander über dieses Thema zu reden, sehe ich darin eine unglaubliche Chance, dass irgendwann alle an einem Strang ziehen.“ Es werde von 28 Prozent Energieverbrauch durch private Haushalte ausgegangen und beklagt, dass das viel zu viel sei. Der CO₂-Anteil liege aber nur bei 18 Prozent. Den höchsten CO₂-Verbrauch hätten fossile Energieversorger, so die 61-jährige TUProfessorin. Und teils würden Energieeinsparungen über Dämmungen erreicht, die die Gebäude kaputt machen. Sie hält nicht viel davon, ausschließlich auf das Senken des Verbrauchs zu setzen. Erste Priorität hat für sie der Umstieg auf regenerative Energien in Verbindung mir einem guten Lastmanagement. BERLIN ALS MOTOR DER ENERGIEWENDE. Dass die deutsche Hauptstadt diese Funktion übernehmen könnte, darin sind sich alle Teilnehmerinnen der Runde sofort einig. „Berlin ist eine so attraktive Stadt und so geübt in spontaner Innovation, dass die Voraussetzungen dafür ziemlich gut sind“, glaubt die TU-Professorin Elke Pahl-Weber. „Wenn man etwas erreichen will, muss man bei den Städten ansetzen. Das sieht die EU genauso.“ Mit „Horizon 2020“ habe die Europäische Union das größte Förderprogramm aufgelegt, das es auf dem Feld Forschung und Innovation je gegeben habe. Und die Städte seien aufgefordert, Anträge zu stellen. Schon jetzt gebe es unendlich viele Ansatzpunkte, die Energiewende voran zu bringen. PEDELECS FÜR DEN SELBSTVERSUCH. Die Mittelständlerin Alexandra Knauer hat dafür ein praktisches Beispiel parat. Im Rahmen einer Studie wird den Mitarbeitern ihrer Firma angeboten, zehn Elektrofahrräder kostenlos über einen längeren Zeitraum zu nutzen. So können sie testen, ob diese neue Technologie, die energieärmer ist und weniger Platz verbraucht, für sie eine gute Alternative zum Auto oder zum Bus ist. Im Juli soll es los gehen, sagt Alexandra Knauer, „wissenschaftlich begleitet.“ TUNNELWÄRME FÜR DIE KIRCHE. Bei Tülay Öger hat es mit dem Praxistest innovativer Ideen nicht so gut geklappt. Die BVG-Frau hatte eine Anfrage von der Kirchengemeinde in der Pankstraße, die gerne die Tunnelwärme der BVG nutzen würde, um ihre Kirche zu

erwärmen. Die Verkehrsbetriebe hätten die Initiative gerne unterstützt. Das Projekt sei aber leider gescheitert, weil dafür keine Förderung zu bekommen war. DIE POLITIK MUSS MITMACHEN. Ohne Unterstützung und berechenbare Rahmenbedingungen aus der Politik wird die Energiewende kaum voran zu bringen sein, auch darin sind sich die Teilnehmerinnen des Runden Tisches einig. Das gilt vor allem für die Europa- und die Bundesebene, aber auch für die Stadt. Firmenchefin Antje Minhoff kann sich da richtig aufregen. Etwa darüber, dass Dienstfahrräder bei privater Nutzung als geldwerter Vorteil versteuert werden sollen. Oder wenn Schulen vom Bezirksamt strikte Vorgaben gemacht werden, wie viel Energie sie verbrauchen dürfen. Welche Energie durch die Nutzung von Technik in Schulen gespart wird, werde dabei überhaupt nicht berechnet oder berücksichtigt.

Berlin ist geübt in spontaner Innovation – beste Voraussetzung für eine Vorreiterrolle

KONTINUIERLICHER DIALOG FEHLT. Vera Gäde-Butzlaff ist auch Mitglied im Nachhaltigkeitsrat von Bundeskanzlerin Angela Merkel, wo das schleppende Tempo der Energiewende immer wieder thematisiert wird. „Ich glaube“, sagt die BSR-Chefin, „dass in der Politik eine Plattform fehlt, von der alle Engagierten über gesellschaftliche und Ressortgrenzen hinweg kontinuierlich zum Dialog versammelt werden.“ ES FEHLT EINE EHRLICHE BILANZ. An dem eigentlichen Ziel, den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern, seien die meisten deutschen Förderinstrumente vorbei gegangen, meint Katja Gieseking von der Gasag. Und bei einem Emissionshandel auf europäischer Ebene, bei dem eine Tonne CO₂ nur 4,50 Euro koste, lasse sich die vor der Energiewende schon tot gesagte, umweltschädliche Braunkohle noch immer „unverschämt billig“ herstellen. Das blockiere innovative und kostengünstige Technologien. Wenn Brigitte Fehrle, die Chefredakteurin der Berliner Zeitung, über Land fährt, fallen ihr all die still stehenden Windräder auf und die riesigen Solarparks. Und sie fragt sich, warum es noch immer keine Technologie gibt, um Wind- oder Sonnenenergie zu speichern. „Es hat eindeutig Fehlförderungen gegeben“, sagt Fehrle. Es sei normal,

am Anfang Fehler zu machen. „Aber man muss auch aus ihnen lernen.“ Zustimmung von allen Seiten. Die schwankenden Rahmenbedingungen auf Bundesund Europaebene seien ein „Investitionshemmnis erster Güte“, klagt auch BSR-Chefin Gäde-Butzlaff. ANPASSUNG DES STROMVERBRAUCHS. „Schon heute und erst recht in naher Zukunft können wir, wenn die Sonne scheint und der Wind weht, in Deutschland zeitweise mehr Energie erzeugen, als wir überhaupt verbrauchen können“, sagt Siemens-Frau Maria Reinisch. „Die Frage ist doch, wie schaffe ich es, mit pfiffigen Ideen den Energieverbrauch an die stark schwankende Energie aus Wind und Sonne effektiv anzupassen?“ Müssen Gebäude oder Schwimmbäder zu bestimmten Zeiten beheizt werden oder lässt sich das besser an Verfügbarkeit von Wind- und Sonnenenergie koppeln? Wie kann man das Verhalten von Verbrauchern sinnvoll und effizient verändern? Gerade in der Stadt habe man da große Hebel, meint Maria Reinisch. AUFRUF ZU EINER BEWEGUNG. „Was Berlin wirklich bräuchte, wäre so etwas wie eine Bewegung“, meint die Stadtplanerin Elke Pahl-Weber. „Wenn wir nur auf die Verwaltung setzen, wird das nicht reichen. Die Energiewende ist eine Angelegenheit für alle: Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, kommunale Politik und Verwaltung.“ Es müssten sich all die Leute zusammenschließen, die wollen, dass die Energiewende gelingt, und die Ideen haben, was sich gemeinsam erreichen lässt. Die Industrie eingeschlossen. Nötig sei eine Plattform, ein Bündnis. Das findet auch BSR-Chefin Gäde-Butzlaff richtig, denn im Moment werde die Debatte von Lobbyisten aller Couleur beherrscht. Unterdessen nehme in der Bevölkerung die Begeisterung für die Energiewende stetig ab. „Das ist fatal, aber verständlich. Die Leute hören ja nur noch, der Strom wird teurer. Dann lesen sie wieder in der Zeitung, die Stadtwerke haben Probleme, weil der Strom so billig ist. Das kann doch kein normaler Mensch mehr verstehen.“ Sie wünscht sich ein Forum wie den Runden Tisch, in dem die wirtschaftlichen Interessen Einzelner hintan stehen: „Wenn wir hier reden, geht es um die Sache.“ MEINE ENERGIE FÜR MEINE STADT. Maria Reinisch von Siemens sieht das ganz ähnlich. Deswegen möchte sie Frauen aus Politik, Wissenschaft, Unternehmen und Medien zusammen bringen, die Ideen sammeln, um Berlin zur energieeffizientesten Stadt in Deutschland zu machen. Auch Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer habe ihre Unterstützung zugesagt, sagt sie. Einen Titel für ein solches Bündnis hat sich die Kommunikationsexpertin schon ausgedacht: „Meine Energie für meine Stadt.“ Ach ja, und da sollten später alle mitmachen ‒ auch Männer.


Entscheiderinnen

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7 FRAGEN AN Cornelia Yzer, Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung des Landes Berlin Bild: SenWTF/Lopata

Die CDU-Politikerin, 1961 in Lüdenscheid geboren, ist seit knapp zwei Jahren Berliner Senatorin. Zuvor war die Juristin und Mutter einer Tochter Parlamentarische Staatssekretärin in zwei Bundesministerien, später Hauptgeschäftsfüherin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller.

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Welche Rolle kann Berlin bei der Energiewende spielen?

CORNELIA YZER: Der Forschungs- und Industriestandort Berlin nimmt bereits jetzt eine zentrale Rolle bei der Energiewende ein. Denn diese kann nur mit Innovationen und weiterem technischen Fortschritt sowie der Anwendung der technischen Neuheiten im Alltag und in den Unternehmen gelingen. Der ungebrochene Berliner Innovations- und Gründergeist trägt unmittelbar dazu bei. Berliner Unternehmen in den Technologiefeldern Solar- und Windenergie, Energieeffizienz, Speichertechnik, Kreislaufwirtschaft und Biogaserzeugung sind bereits heute ein Beispiel dafür, wie vielfältige Geschäftsmodelle für die Energieversorgung der Zukunft entwickelt und angeboten werden können.

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Was tut die Landesregierung dafür?

CORNELIA YZER: Berlin ist Referenzstadt für viele neue Technologien, die hier entwickelt und für den Weltmarkt erprobt werden. Erst kürzlich habe ich mit Berliner Unternehmen der Energie- und Umwelttechnik in Istanbul für den globalen Einsatz hiesiger Technik geworben. Im Steuerungskreis Industriepolitik bündelt der Berliner Senat seine Maßnahmen, die helfen, die Energiewende für Berlin zum Innovations-, Wachstums- und Beschäftigungsmotor zu machen. Daneben unterstützen wir den Technologietransfer zwischen Forschung und Industrie.

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Welche Standortvor- und -nachteile gibt es hier?

CORNELIA YZER: Die Hauptstadt bietet ein breites Spektrum an unternehmensnaher Forschung und Entwicklung sowie eine lebendige Start-up- und Gründerszene und eine technologieorientierte Industrie. Zudem ist Berlin eine wachsende Stadt, die offen ist für Neues. Mit unseren „Zukunftsorten“ haben wir Praxislabore, die neue Trends setzen, die im überregionalen und internationalen Maßstab bestehen können. Beispiele dafür sind der Wirtschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof, der EUREF-Campus oder der Flughafen Tegel, der zur Urban Tech Republic entwickelt werden soll.

4

Welche Rolle spielen die regionalen Hochschulen und andere wissenschaftliche Einrichtungen?

CORNELIA YZER: Wir haben mit unserer dichten Hochschul- und Forschungslandschaft einen klaren Standortvorteil gegenüber anderen europäischen Metropolen. Wenn es um die Erforschung und Entwicklung von praxisnahen Lösungen für die Energietechnik geht, ist Berlin „the place to be“. Neben den

Hochschulen spielen dabei auch die hier ansässigen Fraunhofer-Institute eine wichtige Rolle. Auch durch die Entwicklung von Smart-City-Konzepten und Anwendungen in der Elektromobilität entstehen in Berlin beispielgebende Innovationen und Lösungen im Bereich der Energiewende.

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Wie schätzen Sie Innovationskraft und -bereitschaft der hiesigen Unternehmen ein?

Die Berliner Unternehmen entwickeln innovative Zukunftslösungen und leisten einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen der Energiewende. Sie schaffen neue Produkte und investieren zugleich in Energieeffizienz – sind damit Produzent, Entwickler und Anwender neuester Engergietechniken. Beispielsweise ist in Berlin ein international führendes mittelständisches Unternehmen zuhause, das Solarprojekte plant und realisiert – das Unternehmen ib vogt GmbH. Aus Berlin kommt auch die weltweit effizienteste Gasturbine. Und dies sind nur zwei Beispiele von energieeffizienten und innovationsstarken Unternehmen. Berlin hat eine Menge zu bieten.

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Hanne May (ergo) vernetzt Frauen in der Branche

H

anne May bringt ihre Karriere auf eine einfache Formel: „20 Jahre Journalismus, zwei Jahre Kommunikationsberatung – und „Energie“ im Mittelpunkt“, so die Leiterin der Energiekommunikation bei der PR-Beratungsgesellschaft ergo. „So habe ich schon in den frühen 1990er-Jahren über Solaranlagen, erste Solarfabriken hierzulande, die Planung von Windparks oder das weltweit erste Passivhaus geschrieben. Energie ist mein Berufs- und mein Lebensthema“. Endgültig zum Mittelpunkt wurde „Energie“ dann beim Wechsel zu einem Fachmagazin für erneuerbare Energien und als

Stichwort Verkehr: Welche innovativen Projekte gibt es?

CORNELIA YZER: Ich greife das Wichtigste heraus: Berlin ist Hauptstadt der Elektromobilität. Mit rund 130 Forschungs-, Erprobungs- und Praxisprojekten steht die Hauptstadtregion in Deutschland an der Spitze. Bereits jetzt fahren etwa 1.300 ElektroPKW und -Nutzfahrzeuge auf den Straßen. Das ist deutschlandweit die höchste Fahrzeuganzahl. Bis Ende 2015 wird die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge auf bis zu 1.600 Ladesäulen erweitert. Elektromobilität ist eine der zentralen Mobilitätslösungen der Zukunft für den urbanen Raum und zudem eine Schlüsseltechnologie für ein nachhaltiges, energieschonendes Verkehrssystem. Auch für Unternehmen, z.B. beim Lieferverkehr. Gerade Berlin als wachsende Stadt sollte Vorreiter dieser Entwicklung sein.

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stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesverbands WindEnergie. „An „Energie“ fasziniert mich die große Bandbreite, die Dynamik des Wandels, die Internationalität, die Verknüpfung mit vielen anderen Themen, aber auch die gesellschaftliche Relevanz und die Alltagsnähe. Effizient mit Energie umgehen oder sie verschwenden, Strom aus sauberen Quellen beziehen – das hat jede und jeder selbst in der Hand. Und genau darauf kommt es an: Bei der Energiewende müssen alle mitmachen.“

Energiefrauen. Ursprünglich hegte sie die Hoffnung, dass bei den Erneuerbaren Energien Frauen eine stärkere Rolle spielen würden. „Leider haben sich vielerorts schnell ähnliche Strukturen gebildet wie in der klassischen – stark männlich geprägten – Energiewirtschaft“. Vor ein paar Jahren wurde ihr klar, wie wichtig es ist, dass sich Frauen in dieser Branche besser vernetzen und gegenseitig unterstützen, wenn sie vorankommen wollen. Daher gründete sie mit einigen anderen Frauen zusammen den Verein Women of Wind Energy Deutschland. „Unser Ziel ist es, den Anteil an Frauen in der deutschen Windbranche

deutlich zu erhöhen, vor allem in Führungspositionen. Dazu tauschen wir uns regelmäßig aus, treten in Dialog mit Branchenunternehmen und unterstützen Frauen beim Berufseinstieg über ein Mentoringprogramm“. Aktiv ist May auch in einem mittlerweile ziemlich großen Netzwerk in Berlin – den Energiefrauen. Hier kommen Frauen aus verschiedensten Funktionen der gesamten Energiewirtschaft zusammen. Das Netzwerk funktioniert informell, wird von zwei Frauen organisiert und durch das Engagement einiger Hundert Frauen gestützt. Im Zentrum: der fachliche Austausch, das Kennenlernen und Unterstützen im beruflichen Fortkommen. „Die Energiewende ist ein tiefgreifender Wandlungsprozess, der alle Gesellschaftsschichten betrifft. Sie kann also nur erfolgreich sein, wenn sie auf breite gesellschaftliche Akzeptanz stößt. Die entsteht, wenn alle Betroffenen angemessen beteiligt sind. Frauen müssen also auf allen Ebenen mitmischen – als professionelle Gestalter und Vordenker der Energiewende wie als Energienutzer. Oder anders formuliert: Ohne eine aktivere Rolle von Frauen wird die Energiewende nicht gelingen“.

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Grüner Strom aus Schwedt

Glauben Sie, dass Frauen beim Thema Energiewende eine besondere Flexibilität im Denken an den Tag legen?

CORNELIA YZER: Frauen wird ja oft die Befähigung zugesprochen, größere Zusammenhänge gut im Auge zu behalten und nicht immer nur auf den schnellen Erfolg zu setzen, sondern auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit. Das wäre auch hier von Vorteil. Um die Energiewende mit neuen Technologien und Innovationen zu verbinden und zum Erfolg zu führen, braucht es aber die Anstrengung aller. Ideen und Lösungen lassen sich nur gemeinschaftlich umsetzen und realisieren – und das dann natürlich am besten in einem gemischten Team! Berlin hat ausreichend Erfahrung damit, Wandel als Chance zu begreifen und neue Ideen gemeinsam anzupacken und zum Erfolg zu führen. Wichtig ist es, uns klarzumachen, welche Bedeutung und Potenziale dieses Thema für die Stadt und die Berlinnerinnen und Berliner hat.

Richtfest für die Biogasanlage der Gasag in Schwedt – hier wird demnächst aus Rüben und Silage Energie erzeugt

Die Gasag hat sich vom klassischen Versorger zum innovativen Energiemanager für Berlin und Brandenburg entwickelt ‒ Eigene Ökostrom-Produktion aus Biogas

E

ine sichere, umweltfreundliche und bezahlbare Energieversorgung ist eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Die Gasag sieht sich als Partner und Gestalter der Berliner Energiewende. Längst hat sich das Unternehmen zum regionalen ganzheitlichen Energiemanager mit hoher Innovationskraft und einem breiten Produktangebot gewandelt.

Rohstoffe aus der Region und liefert Strom dann, wenn er gebraucht wird. Das ist es, was wir noch mehr benötigen. Denn nur wenn auch der Strom aus erneuerbaren Energien kontinuierlich und bedarfsgerecht zur Verfügung steht, haben wir die Energiewende wirklich geschafft.“

Gasag-Vorstandsvorsitzender Stefan Grützmacher: So bietet die Gasag neben Erdgas, Bio-Erdgas und „Wir wollen die Energiewende in die HauptstadtregiEnergiedienstleistungen seit Ende letzten Jahres on holen, und diese muss dabei bezahlbar bleiben. auch umweltfreundlich produzierten Die Gasag will der Energiemanager in Strom an. Und bald produziert die Berlin und Brandenburg werden. Ein Gasag sogar selbst grünen Strom: wichtiger Schritt ist auch der Einstieg Wir holen die Energiewende in Auf dem Gasag-Gelände am Hafen ins Stromgeschäft. Seit Dezember die Hauptstadtregion im brandenburgischen Schwedt/ verkaufen wir 100 Prozent Ökostrom. Oder entsteht knapp zweieinhalb Die neue Biogasanlage in Schwedt Stefan Grützmacher, Jahre nach Inbetriebnahme der ersVorstandsvorsitzender der Gasag bietet uns jetzt sogar die Möglichkeit, ten Bio-Erdgas-Produktionsstätte selbst Ökostrom zu produzieren, aus eine zusätzliche Biogasanlage. Diese nachwachsenden Rohstoffen und in erzeugt Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen wie unserer Heimatregion Brandenburg.“ Zuckerrüben, Mais- und Grassilage, das anschließend mittels Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) verstromt wird. Die Biogasanlage besteht aus vier Behältern und zwei Der produzierte Ökostrom wird dann direkt in das öfBlockheizkraftwerken (BHKW). Die Anlagensteuerung fentliche Stromnetz eingespeist. Die Investitionssumermöglicht eine flexible Produktion, die sich am Bedarf me für das Projekt liegt bei knapp zehn Millionen Euro. der Strombörsen orientiert. Dabei kann eine mittlere elektrische Leistung von 2,1 Megawatt erbracht werMinisterpräsident Dietmar Woidke: „Die neue Anlage den, jährlich können 17,4 Gigawattstunden Strom ist ein schönes Beispiel dafür, wie in Brandenburg der erzeugt werden ‒ das reicht für die Versorgung von Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben 4.350 Einfamilienhäusern. Die Substrate, mit der die wird. Wir wollen, dass die Energiewende ein Erfolg Biogasanlage betrieben wird, stammen von Landwirwird. Die neue Biogasanlage in Schwedt verwendet ten aus der unmittelbaren Umgebung.

Berlin gilt als zentraler Standort bei der Energiewende

GASAG – Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft Ÿ Henriette-Herz-Platz 4 Ÿ 10178 Berlin Ÿ ) (030) 7072 0000-0 Ÿ * service@gasag.de Ÿ 8 www.gasag.de


Wirtschaft

Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 01. Juli 2014

Flexibler, fortschrittlicher, verantwortungsbewusster

Hildegard Müller (BDEW)

Die Energiewende ist weiblich – Frauen fällt es leichter, sich von Altem zu lösen und Neues umzusetzen

D

S

ie ist eines der prominentesten Gesichter der Energiewende: Hildegard Müller, seit 2008 Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) Der Verband vertritt über 1.800 Energieunternehmen in Deutschland. „Die Energiewende zu gestalten ist eines der spannendsten Projekte unserer Generation“, sagt Müller. Das sei ein Gesellschafts- und ein Wirtschaftsprojekt, das mindestens 30 Jahre dauern wird. Müller setzt sich intensiv dafür ein, dass Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mehr miteinander reden und ein besseres Verständnis füreinander entwickeln. „Das Projekt Energiewende kann nur gelingen, wenn es gelingt, die Ebenen in ein enges Gespräch miteinander zu bringen“.

Vielseitig engagiert. Müller hat einen bemerkenswerten Werdegang hinter sich, der sie bestens auf ihre jetzige Aufgabe vorbereitete. Neben einer Banklehre und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre hat sie früh angefangen, sich politisch zu engagieren. Seit dem Jahr 2002 vertrat sie ihre Heimatstadt Düsseldorf im Bundestag. 2005 wurde sie zudem zur Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin ernannt. Daneben engagiert sich Müller auch gesellschaftlich. Sie ist unter anderem Mitglied im Komitee von Unicef Deutschland und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Zudem ist sie Vorsitzende des Deutschen Freundeskreises Yad Vashem e.V., der zentralen Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust in Israel, sowie Präsidentin der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung.

von Hutten. Die Organisationsberaterin und Gründerin der Firma Huttenconsult hat in zahlreichen Führungskräfte-Feedbackverfahren in Bundes- und Landesministerien sowie Unternehmen für die Kick-Consulting GmbH die strategischen Schwer-

SCHNELL WIEDERHOLEN SICH ALTE STRUKTUREN. Tatsache ist allerdings, dass die Energiewende in der Realität männlich dominiert ist. „Ich habe mich mein ganzes Berufsleben über in Branchen bewegt, die traditionell männlich geprägt sind: Bauen, Finanzen sowie Energie“, sagt Hanne May, Kommunikationsberaterin im Bereich Energie bei der Firma ergo. „Bei den erneuerbaren Energien lagen die Dinge am Anfang anders ‒ die Branche ist schließlich vor rund 20 Jahren ganz neu entstanden. Also gute Chancen für ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen? Leider haben sich vielerorts schnell ähnliche Strukturen gebildet wie in der klassisch ‒ stark männlich geprägten ‒ Energiewirtschaft.“ In ihrer vorherigen Position als Chefredakteurin der Fachmagazine neue energie und new energy sowie stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesverbands WindEnergie (BWE) konnte May in den vergangenen Jahren die Personalentwicklung im Bereich erneuerbare Energien beobachten. Sie setzt sich aktiv dafür ein, den Frauen ein stärkeres Gewicht in der Energiewende zu verschaffen.

punkte von Frauen ausgelotet. „Frauen sind meist schon aus biologischen Gründen flexibler ‒ insbesondere berufstätige Mütter müssen eine hohe Wandlungsfähigkeit aufweisen. Sie müssen und dürfen eine breitere Klaviatur spielen“. Diese Herausforderung kommt Frauen zugute, wenn es um Neu- und Umdenken sowie um Problemlösungen geht. Daher sollten bei Projekten die schnell und mit großer Durchschlagskraft umgesetzt werden ‒ so wie eben die Energiewende ‒ diese weiblichen Eigenschaften verstärkt zum Einsatz kommen. Auch Pahl-Weber schätzt Frauen als wandlungsfähige „Expertinnen des Alltags“ ein. Die Wissenschaftlerin wünscht sich ein weibliches „crowd sourcing“, also die Identifizierung und gezielte Vernetzung weiblicher Aktivitäten im Energiebereich. „Aus Studien

HOHE WANDLUNGSFÄHIGKEIT. Da Frauen und Männer gleichermaßen Teilnehmer am Energiemarkt sind, sollten sie sich auch gleichberechtigt einbringen ‒ mit ihren Ideen, Meinungen und Kompetenzen. „Die Nachfrage und der Energiebedarf von Frauen bestimmen den Markt zu 50 Prozent. Deshalb ist es auch sinnvoll, die Ideen von Frauen zur Marktreife zu bringen“, betont Professor Elke Pahl-Weber vom Institut der Stadt- und Regionalplanung an der Technischen Universität Berlin. Die Wissenschaftlerin bewegt sich in einem traditionell männlich geprägten Umfeld ‒ und wünscht sich mehr weibliche Beteiligung an der Energiewende. „Ich halte Frauen für das flexiblere Geschlecht und dies sollte man beim Thema Energiewende nutzen“, betont auch Kristina

Mächtige Stimme der Branche. In ihrer heutigen Funktion ist Hildegard Müller eine der zentralen Schaltstellen der bundesdeutschen Energieunternehmen: „Die Branche hat mit dem BDEW ihre Kräfte gebündelt und entwickelt Konzepte und Lösungen über alle Sparten und Wertschöpfungsstufen hinweg“. Aufgrund der großen Mitgliederzahl und Mitgliedervielfalt hat die Stimme des BDEW ein entsprechend hohes Gewicht, sowohl auf regionaler als auch auf nationaler und internationaler Ebene. Bezüglich des Gelingens der Energiewende hat sie eindeutige Forderungen, die sich an die Politiker richten: „In den vergangenen Jahren haben die Unternehmen der Energiewirtschaft unter einer zu geringen Verlässlichkeit der politischen Rahmenbedingungen gelitten. Daher ist es richtig, dass die Politik mit der EEG-Reform wieder mehr Ruhe und Planbarkeit schaffen will“.

Energiebranche ist männlich geprägt – auch bei den Erneuerbaren HANNE MAY, ERGO

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„ WOMEN & ENERGY “ – N ETZWERK

FÜR

Die Netzwerkinitiative von PricewaterhouseCoopers (PwC) „women&energy“ bietet weiblichen Führungskräften aus der Energiewirtschaft ein Forum zum Austausch. Bei den regelmäßigen Treffen stehen auch Vorträge von hochkarätigen Referenten auf dem Programm. Das Frauennetzwerk hat sich seit der Gründung im Jahr 2010 zu einer festen Größe entwickelt. „Die Resonanz auf unsere Treffen ist positiv, und wir beobachten ein großes Interesse. Die Zahl der Teilnehmerinnen ist konstant gestiegen. Viele kommen immer wieder“, sagt PwC-Partnerin Nicole Elert, die das Netzwerk initiierte. Insgesamt 450 Frauen in Führungspositionen der Energiebranche haben bisher an den Veranstal-

können wir belegen, dass Frauen sich energetisch sinnvoll verhalten. Sie fahren weniger ‒ und kleinere ‒ Autos als Männer, gehen mehr zu Fuß oder fahren Rad. Dieses Verhalten sollte gebündelt werden“.

NACHHALTIGE LÖSUNGEN. Die Leiterin des Berliner Büros von enercon, einem der führenden europäischen Windunternehmen, fordert eine stärkere Gewichtung weiblicher Eigenschaften im Energiebereich: „Eine Studie zur Akzeptanz von Landschaftsveränderung hat gezeigt, dass ältere Männer Wandel aller Art ‒ also auch von Landschaftsbildern ‒ besonders stark ablehnen. Hier müssen also Frauen die Meinungsführerschaft einfordern“, erklärt Ruth Brand-Schock. Solche Erkenntnisse werden in der Realität teilweise schon umgesetzt. „Frauen sind eher prozessorientiert, betrachten Situationen oft ausführlicher und suchen Lösungsalternativen. Deshalb sind Frauen häufig nachhaltiger erfolgreich“, meint Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. Nach der Erfahrung der Spitzenmanagerin arbeiten gemischte Teams von Frauen und Männern zusammen oft erfolgreicher als Männer und Frauen getrennt. „Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien. Wir sehen auch in unserer täglichen Arbeit beim BDEW, dass unterschiedliche Blickwinkel und Herangehensweisen immer zu den besten Lösungen führen. Deshalb setzen wir ganz gezielt auf gemischte Teams. Frauen sind also (auf-)gefordert sich beim Gelingen der Energiewende einzubringen. Hier sind Engagement, Einfallsreichtum und Eigeninitiative gefragt“, so Müller. „Und ein bisschen mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit den eigenen Talenten“. Tanja Unger

E NERGIE -E NTSCHEIDERINNEN tungen teilgenommen. „Wir geben bei unseren Treffen viel Raum zum persönlichen Austausch und haben gemerkt, dass für die Teilnehmerinnen das Netzwerken im Vordergrund steht“, betont Elert. Der Großteil der Mitglieder ist auf Entscheider-Ebene angesiedelt: Geschäftsführerinnen, Führungskräfte und im Management tätige Anwärterinnen auf Führungspositionen bringen sich aktiv ein. Dabei reicht das Themenspektrum von Technik und Recht über Vertrieb bis zu Finanzthemen. PwC ist ein globaler Verbund rechtlich selbständiger und unabhängiger Unternehmen für Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmens- beziehungsweise Managementberatung.

Frauen reagieren flexbler auf die Energiewende – nicht nur bei der Autonutzung

Bild: Thinkstock.de

Vernetzt denken. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist dabei für die Expertin aber nur ein Teil der Energiewende. „Die Bundesregierung muss im zweiten Halbjahr ein umfangreiches Maßnahmenpaket schnüren. Die Energiewende wird letztlich nur erfolgreich sein, wenn die aktuellen Herausforderungen – allen voran die Förderung der Erneuerbaren Energien, eine Lösung für den konventionellen Kraftwerksmarkt und der Netzausbau – nicht länger isoliert betrachtet werden“. Die wesentliche Aufgabe der Politik sei es, die bestehenden Herausforderungen in einem intelligenten Gesamtsystem zusammenzuführen. Eine bessere Koordination der Energiewende muss dabei insbesondere auch auf einer besseren Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern fußen. „Der BDEW wird die weitere Umsetzung der Energiewende engagiert begleiten“, verspricht Müller. Sie sieht große berufliche Chancen für Frauen in der Energiewende: in den Unternehmen ebenso wie im erforderlichen sozialen und politischen Dialog. (TvU)

ie Energiewende ist weiblich ‒ zumindest in Gedanken und Wünschen. Eine forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband zum Thema „Verbraucherinteressen in der Energiewende“ zeigt, dass Frauen im Durchschnitt ein positiveres Verhältnis zur Energiewende haben. 50 Prozent von ihnen würden die Wende gerne schneller umgesetzt sehen ‒ bei den Männern waren es hingegen nur 40 Prozent. Allgemeine Zustimmung zu den Zielen der Energiewende gibt es bei 86 Prozent der Frauen, aber nur bei 77 Prozent der Männer. Sind Frauen also neuen Themen und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen gegenüber aufgeschlossener als Männer? Oder machen Frauen sich in Bezug auf die Energiewende einfach nur mehr Gedanken über die Umwelt und die Zukunft ihrer Kinder?


Entscheiderinnen

12 / 13

51 %

Felicitas von Kyaw (Vattenfall) setzt auf Veränderungsfähigkeit

11,4 %

Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung (2012)

38 %

F

31,6 %

4,9 %

21,3 %

Niedersachsen

6,6 %

2,6 %

Sachsen Anhalt

Nordrhein Westfalen

32,1 %

Hessen

Sachsen

Thürigen

Rheinland Pfalz

10,9 % 38,9 %

46,7 % 8,7 %

22,8%

31,2 %

Bayern

elicitas von Kyaw ist eine der Frauen, die sich im Energiebereich nach oben gekämpft haben. Beim Energiekonzern Vattenfall, zu 100 Prozent in schwedischem Staatsbesitz und europaweit tätig, war die examinierte Volkswirtschaftlerin gute drei Jahre Corporate Vice President Organisational Development & Change Management und insbesondere auch für Frauen in Führungspositionen verantwortlich. Inzwischen arbeitet sie als Human Resources (HR) Director der Business Unit Sales für die Regionaleinheit Kontinentaleuropa/Großbritannien von Vattenfall. Veränderung ist ihr zentrales Thema. „Wir leben in einer Zeit des Wandels. Der Energiesektor – und damit auch unser Arbeitsumfeld – waren noch nie so schnellen und weitreichenden Veränderungen unterworfen wie heute. Diese Revolution erfordert radikales Umdenken“, sagt die Wirtschaftsfachfrau.

Der Reiz des Umbruchs. Am Energiemarkt reizt die Managerin eben diese damit einhergehenden und

Sich neu erfinden. „Aus Sicht des Organisationsentwicklers und Personalers ist eine Schlüsselfrage für den Energiesektor die der notwendigen Veränderungsfähigkeit – eben sich aus eigener Kraft neu zu erfinden“. Gender Diversity beziehungsweise Vielfalt im Allgemeinen fördert neue Perspektiven – und trägt so dazu bei, Neues entstehen zu lassen. Dies ist für den Energiesektor, der vor großen Aufgaben, umfassenden Veränderungen und neuen Entwicklungen steht, wichtig. Deswegen sollten auch Frauen bei der Energiewende eine größere Rolle spielen.

vielfältigen Herausforderungen für die Energieversorger, auch bedingt durch die Energiewende. „Der Umbau der Energieversorgung in Deutschland ist eine komplexe Herausforderung, für die es keine einfachen Lösungen gibt“.

Quellen: BDEW 2013, BDEW 2014, LAK 2014, Statistische Landesämter 2013, AGEB 2013

Karriere organisieren. Für Karrierestrategien hat die Managerin den treffenden Ausdruck „Smart Working in eigener Sache“ formuliert: „Frauen sollten sich selbst einbringen und sich nicht von der Hoffnung abhängig machen, von anderen entdeckt zu werden. Entscheidend ist dabei auch die richtige Unterstützung durch Förderer, Mentoren und die richtigen Netzwerke“. Die sollten Frauen sich durchaus selbst organisieren. (TvU)

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22,8%

Gut für die Umwelt und für die Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommern knackt als erstes Bundesland die 50-Prozent-Marke – Anzahl der Branchenunternehmen wächst

M

it ehrgeizigen Ausbauzielen und guten Rahmenbedingungen haben viele Landesregierungen zum dynamischen Wachstum der regenerativen Stromerzeugung entscheidend beigetragen und damit die Energiewende vorangetrieben. Dies zahlt sich auch ökonomisch aus.

und fertigen Solarmodule oder Rotorblätter. „Die Zahlen aus den Ländern zeigen den bislang erfolgreichen Ausbau erneuerbarer Energien im Strombereich“, kommentiert Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für erneuerbare Energien. „Diese Leistungen sollten Ansporn für ambitionierte Ziele und den weiteren Abbau von Hindernissen auf dem Weg zur Energiewende sein. Denn die teilweise durchaus unterschiedliche Entwicklung zeigt, dass die Länder durch eigene Energiestrategien und Regelungen den Ausbau entscheidend beschleunigen oder bremsen können.“

LÄNDER HABEN ES IN DER HAND. In den letzten Jahren kann in Sachen Energiewende auf föderaler Ebene eine dynamische Entwicklung konstatiert werden: In fast allen Ländern wuchs der Anteil erneuerbarer Energien nicht nur am Stromverbrauch, sondern auch an der gesamten INVESTITIONEN ALS FOLGE. Die Stromerzeugung des LanZahl der in der Branche des. Mecklenburg-VorpomAktiver Wandel tätigen Unternehmen mern gelang es 2012 nach ist effektive steigt dabei im direkten jüngst veröffentlichten DaFörderung der Zusammenhang mit dem ten erstmals, mehr als die Ausbau erneuerbarer EnerHälfte der gesamten LanWirtschaft gien. Besonders erfolgdesstromerzeugung aus reich sind dabei die in der Wind, Sonne, Biomasse und Energiewende bislang sehr Co. zu gewinnen. Berlin als größter der drei Stadtstaaten lag demnach aktiven Bundesländer. So ist der Anteil der mit seinem Anteil an erneuerbaren Energien Erneuerbare-Energien-Unternehmen an der an der Strom- und Wärmeversorgung noch gesamten Wirtschaftsstruktur in den Nordim einstelligen Bereich. Der Einsatz von So- ländern Niedersachsen, Mecklenburg-Vorlarenergie nimmt aber langsam an Fahrt auf pommern und Schleswig-Holstein mit zwei ‒ auch auf den Mietshäusern der Stadt. Bran- Prozent und mehr besonders hoch. Aber denburg ist das flächenreichste unter den auch Bayern und Brandenburg können sich neuen Bundesländer, es ist zudem äußerst hier über hohe Werte freuen. Philipp Vohrer: dünn besiedelt. Kein Wunder, dass es zu den „Der Ausbau erneuerbarer Energien bringt Bundesländern mit den meisten installierten Investitionen. Aktives Vorangehen bei der Windanlagen gehört. Und in den vergange- Energiewende heißt damit auch effektive nen Jahren haben sich zahlreiche Unterneh- Wirtschaftsförderung für das Land.“ men aus der Umwelttechnik hier angesiedelt www.foederal-erneuerbar.de

In Berlin und Brandenburg arbeiten

26.500

Menschen in Jobs rund um E erneuerbare Energien

96 Prozent

Berliner befürworten den Ausbau grüner Energiequellen

der

Orange gehört zum Stadtbild

Mehr für Berlin Berliner Stadtreinigung: Einsatz für mehr Nachhaltigkeit zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger ‒ und ihrer Stadt

B

lin aber noch viel mehr. So ist die BSR mit ihren 5.300 erlin ist eine Stadt im stetigen Wandel. Eine Stadt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Bürgerinnen die sich täglich neu erfindet und für dreieinhalb und Bürgern ein verlässlicher Partner und handelt in Millionen Menschen mehr ist als ein Ort zum Leben deren Interesse. Mit der Modernisierung des Müllund Arbeiten. Eine Stadt, die weit über ihre Grenzen heizkraftwerks Ruhleben etwa wurde nicht nur deshinaus ausstrahlt und als eine der spannendsten Metropolen der Welt gilt. Das ist viel. Und doch ist Bersen Effizienz gesteigert, sondern dazu beigetragen, lin noch viel mehr: Berlin ‒ das sind zwölf Bezirke auf auch in Zukunft niedrige und stetige Müllgebühren 892 Quadratkilometern, durch die zu gewährleisten. Die BSR setzt sich sich 5.200 Kilometer Straße schlänfür die Umwelt, das Klima und mehr geln. Die Berliner StadtreinigungsNachhaltigkeit ein. Davon zeugt unDie BSR kennt alle Kieze betriebe (BSR) ist auf diesen Straßen ter anderem die neue Vergärungswie ihre Westentasche und in diesen Bezirken zuhause und anlage für Bioabfälle in Spandau. sorgt rund um die Uhr dafür, dass die Der dort produzierte Biokraftstoff Hauptstadt sich proper präsentieren kann. Gestern, vermeidet jedes Jahr die Verbrennung von 2,5 Milheute und morgen. Ob Mitte, Hohenschönhausen lionen Litern Diesel. oder Zehlendorf, Lichtenberg oder Charlottenburg ‒ das Orange der BSR ist aus dem Stadtbild Berlins Mit maßgeschneiderten Lösungen hilft die BSR auch ebenso wenig wegzudenken wie die Spree oder der ihren Kunden ‒ bei der Optimierung ihrer EntsorTiergarten. Berlins gewachsene Bezirke und Kieze gungskette ebenso wie bei der Verbesserung von kennt die BSR wie ihre Westentasche. Ihre unzähArbeitsprozessen. Davon zeugen die neuen Unterligen Geschichten schreibt das Unternehmen seit flursysteme zur Müll-entsorgung und das Angebot mehr als 130 Jahren mit. zum elektronischen Rechnungsaustausch. Zudem bereitet das Unternehmen innovativen Ideen einen Und so, wie die Stadt sich ständig wandelt, entwiNährboden und baut so das eigene Know-how ckelt sich auch die Stadtreinigung stetig weiter. Ihr stetig aus, gemeinsam mit Hochschulen, externen Kerngeschäft bleibt die flächendeckende StraßenExperten und der eigenen Belegschaft. So wird eine reinigung und die umweltfreundliche Sammlung, Kultur gefördert, die den fachlichen Austausch inVerwertung und Entsorgung von Abfällen. Dieses nerhalb des Betriebs und über die Werkstore hinaus Geschäft treibt die BSR mit viel Engagement und vorantreibt. All das hat ein Ziel: weiterhin mehr für klarer Strategie voran. Darüber hinaus bietet sie BerBerlin zu leisten ‒ wirtschaftlich, ökologisch, sozial.

Berliner Stadtreinigungsbetriebe Anstalt des öffentlichen Rechts

Ringbahnstr. 96 12103 Berlin

) +49 (0) 30 75 92 - 49 00 * service@BSR.de


Wirtschaft

Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 01. Juli 2014

7 FRAGEN AN Dr. Beatrix Natter

Die promovierte Physikerin Dr. Beatrix Natter leitet seit 2012 bei Siemens die Business Unit Transformatoren.

1

Sie sind verantwortlich für das Transformatorengeschäft bei Siemens weltweit. Welche Rolle spielen diese Anlagen?

DR. NATTER: Transformatoren werden beispielsweise gebraucht, um Energie effizient zu übertragen. Durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien gibt es neue Anforderungen. Energie wird zunehmend dezentral erzeugt, zum Beispiel durch Offshore-Windanlagen. Da ist eine verlustarme Übertragung des gewonnenen Stroms über weite Strecken wichtig. Das geschieht etwa durch HGÜ – Hochspannungsgleichstromübertragung. Dazu muss der Strom zweimal umgewandelt werden: Auf See von Wechsel- in Gleichstrom und an Land wieder zurück. Dazu braucht es leistungsfähige, umweltsichere und stark belastbare Transformatoren.

2

Sie sind also für die Energiewende unverzichtbar?

DR. NATTER: Auf jeden Fall – Transformatoren regeln die Spannung und trennen Netzebenen. Ohne Transformation kommt keine Energie aus der Steckdose. Transformatoren haben einen wesentlichen Anteil daran, dass die Energiewende gelingt – denn sie sorgen für Versorgungssicherheit in einer immer dezentraleren Welt der erneuerbaren Energien. Bisher ging der Strom in eine Richtung – vom Kraftwerk zum Verbraucher. Durch die dezentrale Aufstellung fließt der Strom in beide Richtungen – ein Verbraucher kann auch gleichzeitig Energieerzeuger sein, wenn er zum Beispiel Solarenergie einspeist. Daher müssen jetzt die Transformatoren auch in den regionalen Netzen – in beide Richtungen – steuerbar sein. Das integriert die erneuerbaren Energien ins Netz und sorgt dafür, dass es zu keinen Netzausfällen kommt. Außerdem müssen die Trafos selbst heute natürlich hohe Umweltstandards erfüllen. Dazu haben wir Flüstertrafos entwickelt mit ganz geringer Geräuschemission. Und wir haben jetzt auch Transformatoren im Einsatz, die mit reinem Bioöl als Isoliermittel arbeiten. Im Übrigen werden diese auch auf hoher See umweltfreundlich zur Übertragung der Windenergie an Land eingesetzt.

3

Hier ist Know-how aus Physik, Maschinenbau und Elektrotechnik gefragt. Wie setzt man sich da als Frau durch?

DR. NATTER: Durch Kompetenz und Zielstrebigkeit. Wichtig ist es, authentisch zu bleiben – also im Grunde genauso wie die Herren.

4

Wie sieht es denn mit dem Frauenanteil bei Siemens aus?

DR. NATTER: Bei Siemens haben sieben von zehn Arbeitsplätzen einen technischen Hintergrund. Die Absolventen auf diesem Gebiet sind in der Vergangenheit zu 88 Prozent Männer. Dennoch: In Deutschland haben wir knapp 22 Prozent weibliche Beschäftigte. Mit steigender Tendenz: 32 Prozent aller Neueinstellungen weltweit waren im Geschäftsjahr 2013 weiblich. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil von Frauen mit Projekt- und Personalverantwortung deutlich gestiegen, der Frauenanteil unserer Führungskräfte liegt in Deutschland bei zwölf Prozent. Siemens hat sich das Ziel gesetzt, diesen Anteil kontinuierlich zu erhöhen. Das zeigt: Wir wollen uns um den weiblichen Nachwuchs in technischen Berufen und im Management bemühen und ihn fördern.

5

P

Heikles Verhältnis Technische Berufe sind spannend und bieten gute Chancen – Unternehmen umwerben die Frauen Corinna Schulz

Gibt es denn genügend weiblichen Nachwuchs?

DR. NATTER: Die Zahl der Frauen in den MINT-Fächern nimmt ja zu. Aber es braucht eben seine Zeit, bis tradierte Rollenbilder überwunden sind. Wir als Unternehmen wollen aktiv dazu beitragen, dass auch Frauen diese Chancen ergreifen.

6

Wie machen Sie das?

DR. NATTER: Um nur einige Beispiele zu nennen: Im Rahmen der Global Leadership Organization of Women (GLOW), einem internationalen Netzwerk, stellen sich weibliche Führungskräfte und Top-Talente als Mentoren für jüngere Kolleginnen zur Verfügung. Mit zahlreichen Initiativen setzen wir Impulse – wir öffnen zum jährlichen Girls‘ Day unsere Tür für Tausende interessierte Mädchen, und mit unserem Mentoring-Programm „Young Ladies‘ Network of Technology“ (Yolante) begleiten wir junge Frauen schon während des Studiums, vermitteln Praktika und Werkstudententätigkeiten. Und schließlich haben wir uns mit „Vitamint“ im Berliner Ausbildungszentrum mit der Deutschen Telekom und Mercedes-Benz zusammengeschlossen, um technische Talente junger Frauen zu fördern.

7

olitik, Wirtschaftsverbände und Industrie werben seit Jahren gemeinsam dafür, mehr Frauen für Ingenieur- und naturwissenschaftliche Studiengänge zu begeistern. Zwar zeichnen sich erste Erfolge ab, aber gemessen am künftigen FachkräfteBedarf in dem Bereich, gibt es noch viel Luft nach oben. Im Jahr 2020 werden laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in den technisch-praktischen Berufen insgesamt 1,4 Millionen Facharbeiter gesucht. Bei den Akademikern hat sich die Lücke erfreulicherweise um ein Drittel auf rund 104.000 Personen verringert.

geschlechterstereotype Zuschreibungen und Kompetenzerwartungen sich verfestigt haben“, heißt es in der CEWS-Studie „Frauen in MINT-Fächern“. Aber auch im späteren Berufsleben dominieren die klassischen Rollenmuster: Mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch nach Jahrzehnten der Debatte nach wie vor ein Thema, und meist sind es Frauen, die darunter zu leiden haben.

schnupper-Angebote. Das Angebot an Programmen und Initiativen, um Frauen für Technik zu begeistern und im späteren Berufsleben nachhaltig zu fördern und zu unterstützen, ist groß. So können Mädchen beim Girls‘ Day in ganz Auf „weiche“ fächer festgelegt. Ein Großteil der Deutschland für einen Tag technische Berufe jungen Mädchen, die eine Ausbildung im beschnuppern. Mittlerweile gibt es neben dem Sozialen und ÖkologiDualen System anschen in Berlin auch streben, möchte am liebsten in den sodas Technische Jahr für Mädchen. „Enterzialen Bereich oder „Ansetzen, bevor die Technik“ nennt sich in den Einzelhandel, das Projekt, das gewie eine Umfrage Mädchen mit stereotypen des Marktforschungszielt jungen Frauen Kompetenzerwartungen einen besseren Einunternehmens Trenstieg in technische dence unter Schükonfrontiert wurden“ lern ergab. Auch in Berufe ermöglichen will. Es ist bundesweit Sachen Studium sind das erste. Innerhalb „weiche Fächer“, also von zwölf Monaten Sozial- und Geisteswissenschaften nach wie vor bei jungen Frau- lernen die Mädchen nach Mittlerer Reife oder en hoch im Kurs. Nie wollten weniger Schüler Abitur gleich mehrere technologieorientierte ein Ingenieurstudium aufnehmen als 2013. Bei Unternehmen in Berlin kennen und erleben den Jungen interessierten sich gerade einmal die dortige Arbeitswelt aus erster Hand. Die 16 Prozent für das Fach, bei den Mädchen nur jungen Frauen erhalten Einblick in Bereiche wie Medizin- und Präzisionstechnik, Mobilität magere 3,5 Prozent. und Kommunikation. Idealerweise beginnen Keineswegs nAturgegeben. Aber warum tun sich sie danach bei einem der Betriebe eine duale Mädchen und Frauen mit den MINT-Berufen Ausbildung oder ein Studium. (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) so schwer? Warum gibt es ohne Männer studieren. Zur Orientierung bietet so wenige junge Frauen in diesen Studien- die TU Berlin zudem seit einiger Zeit das Pround Ausbildungsgängen, obwohl doch dort gramm „MINTgrün“ an. Ein Jahr lang können die Einstiegschancen besser und die Gehäl- die Studierenden verschiedene naturwissenter höher sind und sich etwa im Rahmen der schaftliche Fächer kennenlernen und sich Energiewende auch völlig neue Arbeitsfelder dann im Anschluss entscheiden. Besonders für ergeben? Glaubt man zahlreichen Studien, junge Frauen bietet sich damit die Chance, erst kann es an der Natur nicht liegen. Von Geburt mal in verschiedene Bereiche reinzuhören. Die an haben Mädchen genauso viel Interesse Initiative „Komm, mach Mint“ des Bundesforan Technik wie Jungen. Später in der Schule schungsministeriums lockt Frauen mit zahlreikönnen sie auch genauso gut Mathe, Chemie chen Projekten, umfangreicher Studienberaoder Physik. Oft werden sie jedoch eher darauf tung und einem guten Netzwerk. Auch immer konditioniert, dass jegliche Form von Technik mehr rein weibliche Studiengänge werden „etwas für Jungs“ ist. „Die Geschlechterkli- angeboten, wie etwa den Frauenstudiengang schees bekommen sie nur schwer heraus aus Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschuden Köpfen“, sagt Jutta Dalhoff, Leiterin des le Wilhelmshaven. Die Studieninhalte sind die Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft gleichen wie anderswo, aber junge Frauen solund Forschung (CEWS). Wer den Frauenanteil len hier ungestört von Vorurteilen das nötige im MINT-Bereich erhöhen wolle, sollte daher Selbstbewusstsein entwickeln, um sich in die früher ansetzen, empfiehlt Dalhoff. Die Mäd- vermeintliche Männerdomäne eines Technikchen müssten angesprochen werden, „bevor studiums zu wagen. Vorbild sind die amerikani-

Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt für die Berufstätigkeit insbesondere von Frauen eine große Rolle...

DR. NATTER: Ja, richtig. Eine Familiengründung darf nicht automatisch das Karriere-Aus bedeuten. Deshalb hat Siemens die Kinderbetreuung ausgebaut, und wir bieten neben Gleitzeit auch Teilzeitmodelle und „Sabbaticals“. Diese Angebote richten sich sowohl an Frauen als auch an Männer!

In Deutschland fehlen

aktuell

36.000

Ingenieure

3,5 Prozent

Nur der jungen Frauen interessieren sich für ein technisches Studium

Immerhin

16 Prozent

der jungen Männer können sich das vorstellen


Bilder: Thinkstock.de

Entscheiderinnen

Ruth Brand-Schock (Enercon) wünscht sich Rückenwind

R

uth Brand-Schock bewegt sich seit Jahren auf verschiedenen Ebenen der Energiewende: Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Enquete-Kommission „Nachhaltige Energieversorgung unter den Bedingungen der Globalisierung und der Liberalisierung“ beim Deutschen Bundestag. Als Stipendiatin der Deutschen Bundesstiftung Umwelt an der Forschungsstelle für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin, wo sie zu dem Thema „Grüner Strom und Biokraftstoffe in Deutschland und Frankreich – Ein Vergleich der Policy-Netzwerke“ promovierte. Und seit 2006 als Leiterin des Hauptstadt-

büros der ENERCON GmbH, dem zweitgrößten Hersteller von Windenergieanlagen und Marktführer auf dem europäischen Kontinent.

Frauen akzeptieren Wandel eher. „Für die Windenergie wollte ich besonders gerne arbeiten, weil Wind an Land für eine erneuerbare Vollversorgung besonders viel und auch besonders kostengünstigen Strom liefern kann. In Politik und Öffentlichkeit – besonders in Süddeutschland – wird aber oft so getan, als ginge es auch ohne Windräder“. Doch auch andere erneuerbare Energien will Enercon für sich erobern: „Kleinere

Die Unternehmen ermutigen junge Frauen, sich für naturwissenschaftlichtechnische Ausbildungen und Studiengänge zu interessieren

BREITES TÄTIGKEITSFELD. Zunehmend sind wissensintensive Tätigkeiten gefragt. Ingenieurinnen, Juristinnen und Wirtschaftswissenschaftlerinnen sind in der Branche begehrt. Neben technischem Knowhow für Klimaschutz und erneuerbare Energien gibt es Positionen etwa in Umweltmanagement, -recht und -politik. Auch Chemikerinnen, Biologinnen oder Medizinerinnen haben mit entsprechender SpeziENERGIE-UNTERNEHMEN AKTIV. Begleitung durch das alisierung gute Karten in der Branche. Neben Studium über die Promotion bis zum Berufs- den akademischen Berufen lässt sich auch mit einstieg bietet das Hochschulkarrierezentrum einer dualen Ausbildung Karriere in der neuen Femtec. Es ist an der Technischen Universität Energiewelt machen: In den UmwelttechnikBerlin angesiedelt, verbindet aber zehn techni- Dienstleistungen sind das etwa Betrieb und sche Hochschulen und elf Unternehmen bun- Wartung, Handel, Logistik oder Entsorgung. In desweit. In Karriere- und Unternehmenstagen, der Baubranche und dem Handwerk eröffnen einer Mischung aus Persönlichkeitstraining sich für Frauen neue Möglichkeiten, schließund Praxiserfahrung, lich wird heute vor werden ausgewählte allem unter dem GeStipendiatinnen der sichtspunkt der Enerbeteiligten Hochgieeffizienz gebaut Neue Energiewelt braucht schulen vernetzt und oder renoviert. begleitet. Darüber neben technischem ARBEITSBEDINGUNGEN hinaus organisiert auch rechtliches und ANGEPASST. Der EnerFemtec auch bundesgieriese E.ON bietet weite Schülerangesoziales Knowhow Mentoring-Programbote, wie etwa „Try it“, me für weibliche viertägige TechnikFührungs- und FühWorkshops für Oberrungsnachwuchsund Mittelstufenschülerinnen. Die Unternehmen ‒ darunter die kräfte, Kitaplätze zur besseren Vereinbarkeit großen Energiekonzerne und fachlich angren- von Beruf und Familie, flexible Arbeitszeiten zende Firmen ‒ sind sehr engagiert, Frauen für und die Nutzung von Homeoffices an. Ein technische Berufe zu begeistern und im Unter- anderer wichtiger Hebel ist für das Unternehnehmen zu fördern. Besonders im Rahmen der men der Ausbau von Talent-Pools für MINTEnergiewende bieten sich Frauen zudem völlig Absolventinnen. Zudem setzt das Unterneue Chancen, denn die Nachfrage nach gut nehmen auch auf divers zusammengestellte ausgebildeten Arbeitskräften wird steigen. Der Teams. Denn die sind nach Überzeugung von Hoppenstedt Firmendatenbank zufolge lag E.ON Personalvorstand Regine Stachelhaus der Frauenanteil in der Erneuerbare-Energien- „ein absoluter Erfolgsfaktor.“ Wirtschaft zuletzt aber erst bei 20 Prozent, nur MIT DEM HERZEN DABEI. Auch RWE hat den Fokus elf Prozent im Topmanagement. verstärkt auf hochqualifizierte Frauen gelenkt. FRAUEN IDENTIFIZIEREN SICH MIT ENERGIEWENDE. „Gerade „In der aktuellen Situation der Energiewendie Energiewende und der Ausbau der rege- de suchen wir gezielt technisch orientierte nerativen Energien bringen neue Chancen Nachwuchskräfte, die sich bewusst für diesen und Felder für Frauen mit sich: Studien haben Wandel entscheiden und engagieren. Natürgezeigt, dass Frauen Arbeitgeber aus dem Be- lich freuen wir uns besonders über Bewerreich der erneuerbaren Energien favorisieren. bungen weiblicher Kandidaten“, sagt RWESie interessieren sich für das Geschäftsfeld und Sprecher Martin Pack. Bei Siemens sieht man stehen der Branche sehr aufgeschlossen ge- die Qualifizierung und Rekrutierung von Fraugenüber“, sagt Hildegard Müller vom Bundes- en als überlebenswichtig an: „Unternehmen verbandes der Energie- und Wasserwirtschaft werden sonst Schwierigkeiten bekommen, (BDEW), Berlin. Diese Tatsache sollten sich die ihre zunehmend anspruchsvollen Stellen zu Energieunternehmen nutzen, um hochmoti- besetzen. Und das wiederum bedeutet: wevierte Mitarbeiterinnen zu rekrutieren. Auch niger Innovation, weniger Diversität, weniger im Arbeitsalltag sind immer öfter Eigenschaf- Umsatz, schlechtere Wettbewerbsfähigkeit. ten gefragt, die als klassisch weiblich gelten, Deutschland kann es sich darum schlicht wie soziale Kompetenzen. „Dies wird im Zuge nicht leisten, große Teile der Bevölkerung der Energiewende, die schwierige Diskussi- vom Arbeitsleben auszuschließen ‒ das gilt onsprozesse mit sich bringt immer wichtiger.“ für Frauen wie für Männer.“ schen „Womenʻs Colleges“ ‒ Eliteuniversitäten nur für Frauen. Inzwischen bieten vier weitere Hochschulen technische Studiengänge nur für Frauen an: In Stralsund gibt es einen weiteren Bachelor-Frauenstudiengang für Wirtschaftsingenieurinnen. In Bremen, Berlin und Furtwangen können Frauen Informatik in männerfreien Hörsälen studieren.

18,7 Prozent

Bereiche sind die Herstellung von Solarwechselrichtern und Wasserkraftwerken, außerdem wird die Logistik so weiterentwickelt, dass wir den Transport von Windenergieanlagen per Schiene anbieten können“. Für ein Gelingen der Energiewende, so Brand-Schock, wird eine komplette Systemintegration der erneuerbaren Energien gebraucht, so dass die Nachfrage komplett bedient werden kann – der radikale Wandel also. Gerade beim gesellschaftlichen Wandel, der Teil der Energiewende ist, setzt sie auf die weiblichen Eigenschaften: „Frauen sind wichtige Trägerinnen der Energiewende: Sie sind etwa im Lehr- und Erzieherberuf stark repräsentiert und leisten dort bei der jungen Generation wichtige Akzeptanzarbeit. Eine Studie zur Akzeptanz von Landschaftsveränderung hat gezeigt, dass ältere Männer Wandel aller Art besonders stark ablehnen. Hier müssen also Frauen die Meinungsführerschaft einfordern, denn Solar- und Windenergieanlagen sind nun einmal sichtbar“. In den Unternehmen der Energiewirtschaft selbst bestehe noch eine Menge Nachholbedarf, denn hier sind die Frauen noch eine viel zu kleine Gruppe, meint die Managerin. (TvU)

Fördern, fordern – und ein kreidefreies Berlin W

ber hinaus. So ist sie Gründerin und Mitglied zahlenn in Berlins Schulen bald die alten Kreidetafeln reicher Wirtschafts- und Bildungsverbände, unter ausgedient haben und jeder Schüler zukünftig interaktiv und crossmedial unterrichtet wird, dann ist anderem von „Pfiffikus“, „Hochbegabtenförderung das auch der Verdienst von Antje Minhoff. Seit vielen e. V.“, dem Netzwerk für die digitale Gesellschaft „InitiJahren engagiert sich die Unternehmerin nebenbei ative D21“ und der Bildungsinitiative „Du bist smart!“. rund um die Themen Bildungspolitik, BegabtenfördeSie widmet ihr Berufsleben und ihr politisches und rung, innovatives Lernen und Potenzialentfaltung bei gesellschaftliches Wirken einem eigenständigen, efKindern und Jugendlichen aller Altersklassen. Antje fektiven und wertschätzenden Lernen und Arbeiten Minhoff ist Mutter von drei Kindern sowie der Entwicklung moderner und war Sportlehrerin, bevor sie vor Lehr-, Lern- und Bildungskonzepte. über 20 Jahren in das traditionsreiche, Ihr Motto: Ausnahmslos jeder hat Lernen und Arbeiten hat mit unerkannte Stärken, eine besonmittelständische FamilienunternehWertschätzung zu tun men eingestiegen ist. dere Begabung oder ein außergewöhnliches Talent. Ihr Know-how ist Die MINHOFF GmbH ist Deutschgefragt in zahlreichen politischen lands größter Anbieter für interaktive Lösungen für KoGremien sowie in Parteien und wirtschaftlichen Oroperation, Kollaboration und Konferenztechnik sowie ganisationen. zertifizierter und größter deutscher Handelspartner für SMART Board interaktive Whiteboards ‒ eben der Die MINHOFF GmbH betreibt das erste KompetenzTechnologie, die die bekannten Kreidetafeln ersetzen zentrum für kollaboratives Lernen und Arbeiten in und Berlins Schulen in ein neues Zeitalter führen soll. Deutschland und setzt auch international Maßstäbe Und sie ist engagiert ‒ in der Hauptstadt und darüin der Modernisierung des Lernens in der schulischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie in der Ausstattung von Konferenzräumen. Auch hier ist Antje Minhoff Vorreiterin und entwickelt Konzepte für eine moderne Lern- und Arbeitswelt. Ihre Mission besteht darin, sinnvolle Innovationen für einen leichteren Arbeitsalltag zu entwickeln und bei gewerblichen Kunden, öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen sowie öffentlichen Institutionen und Verbänden zu implementieren.

Immer wieder entwickelt sie neue Initiativen, in denen sich Kinder und Jugendliche, Arbeitnehmer und Unternehmer, Institutionen und Organisationen ausprobieren und weiterentwickeln können ‒ nicht nur technologisch oder in ihrem Know-how, sondern vor allem mit ihrem eigenen Potenzial. Bildung ist eine Herzenssache für die Powerfrau. Deswegen möchte sie andere darin unterstützen, neue Talente zu entdecken und sich ständig neu zu erfinden ‒ so, wie sie es auch permanent tut ‒ mit neuen Projekten und Ideen, die der Hauptstadt und den Menschen zugute kommen. Unternehmen ist Leidenschaft. Bildung und Persönlichkeitsentwicklung auch. Die Kombination aus beidem heißt Antje Minhoff.

45,6 Prozent aller Beschäftigen sind weiblich

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Für Antje Minhoff ist Bildung unternehmerische und politische Leidenschaft

Antje Minhoff, Chefin des Familienunternehmens

Einer DGB-Studie zufolge liegt der Frauenanteil in MINT-Jobs bei

14 / 15

MINHOFF GmbH | Ostpreussendamm 111 | 12207 Berlin ) (030) 83 00 94 0 | * info@MINHOFF.de | 8 www.MINHOFF.de


Entscheiderinnen

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Wirtschaft

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Smarte Gebäudetechnik Energieeffizienz hört nicht bei Dämmung und Dreifachverglasung auf: Der Stromverbrauch großer Gebäude kann automatisch an das Angebot angepasst werden – Neues Berufsbild

F

ür die Idee, ihren Energieverbrauch am aktuellen Stromangebot auszurichten, lassen sich viele Verbraucher sicher gern gewinnen. Doch wie soll das praktisch gehen? Weckt eine SMS in einer stürmischen Nacht, damit der Schläfer eine Ladung Buntwäsche mit Windenergie waschen kann? Geht der Fernseher mitten im WM-Spiel aus, weil sich der Himmel zuzieht? Da sieht die konkrete Planung durchaus intelligenter aus. „Smart Building“ ist das Stichwort, wenn es um energieefiziente Gebäude geht. Der Energieverbrauch von Wohn- und Geschäftshäusern liegt genauso hoch wie der des gesamten Verkehrs. Im Fokus stand lange Zeit ausschließlich das Gebäude selbst: Eine gute Dämmung von Dach, Fassade und Zwischendecken, dreifach verglaste Fenster und modernste Heizungsanlagen sparen in modernen oder sanierten Bauwerken vor allem Brennstoff für Heizung und Warmwasser ‒ sogenannte Passivhäuser kommen beinahe ohne aus.

Strom, Wärme, Kälte, Belüftung, Entfeuchtung – in großen Gebäuden steckt viel Technik, die energetisch optimiert werden kann

ser Größenordnung zentral gesteuert wird, ist es durchaus möglich hier neben den bisherigen Parametern auch Informationen über die Verfügbarkeit von Strom einzuprogrammieren. Umfragen zufolge kann sich ein beachtlicher Teil, nämlich drei von zehn Unternehmen, bereits heute vorstellen, ihren Stromanbieter auf diese Weise ‒ natürlich im vorher vereinbarten Rahmen ‒ in ihren Energieverbrauch eingreifen zu lassen. GENERALISTEN GEFRAGT. Auf die Baubranche kommt in dieser Beziehung eine große Herausforderung zu: Energieeffizientes Bauen muss künftig nicht

GROSSE ANLAGEN EFFEKTIVER STEUERN. Doch die Stromverbraucher vor allem in großen Gebäuden ‒ Wohnanlagen, Krankenhäuser, öffentliche Gebäude oder Gewerbeimmobiiien ‒ bergen ebenfalls ein großes Potenzial nicht nur für Energeieinsparungen, sondern vor allem für die Lastverschiebung, die für das Gelingen der Energiewende so wichtig ist. Ganz gleich ob es um die vielzitierten Aufzüge, um Lüftungsanlagen für Büros, um die Luftentfeuchtung im Schwimmbad oder Sterilisationsgeräte für OP-Besteck in Krankenhäusern geht: All diese Einrichtungen haben gemeinsam, dass sie über gewisse Zeiträume abgeschaltet oder gedrosselt werden können, ohne dass sich dies negativ auf das Ergebnis auswirkt. Je größer das Gebäude, desto größer der Effekt für das Stromnetz. Da die elektrische Infrastruktur in die-

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nur den optimierten Aufbau des eigentlichen Gebäudes im Blick haben, sondern darüber hinaus die gesamte Gebäudetechnik und ihre Steuerung. Ein integrativer, vernetzter Ansatz beginnt sich in Ausbildung und Praxis jedoch gerade erst zu etablieren. Um die Ergebnisse der Forschung und die Anforderungen der Energiewende, insbesondere des Lastmanagements, in die Praxis zu übertragen, braucht die Baubranche künftig mehr denn je Spezialisten mit einem generalistischen Überblick, die sämtliche Planungs- und Umsetzungsprozesse unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit optimieren. Frauke Wolf

i B ERUFSBEGLEITEND

ZUM

„S MART -B UILDING “-E XPERTEN

Als erste Hochschule hat die Fachhochschule Salzburg auf die Herausforderung reagiert: Rektorin Prof. Kerstin Fink konnte im vergangenen Herbst die ersten 44 Studierenden begrüßen, die neben dem Beruf ihren Bachelor „Smart Building“ absolvieren wollen. Unter ihnen sind zwölf Frauen – immerhin ein Anteil von 27 Prozent. „Seit 2012 setzt die Fachhochschule Salzburg Schwerpunkte auf das Thema Energie und die Auswirkungen auf Technik, Gesellschaft und das nachhaltige Wirtschaften. Der Studiengang Smart Building integriert ökologische, ökonomische und soziale Aspekte zum Thema: wie sehen intelligente Gebäude in der Zukunft aus?“, sagt Prof. Fink. Im Curriculum

sind alle Faktoren berücksichtigt: vom konstruktiven Hausbau mit Statik, Bauphysik, Planung und Management, über Gebäudetechnik mit Heizung, Klima und Installation bis zu elektronischen und informationstechnischen Kenntnissen. Angesprochen sind vor allem Angehörige entsprechender Berufe. „Wir erhalten aus der Wirtschaft sehr gute Rückmeldungen bezüglich der Berufschancen unserer Absolventen, zumal auch Vertreter der Salzburger Wirtschaft an der Entwicklung des Studiengangs beteiligt waren, in der Lehre aktiv sind und Sponsoring betreiben.“ (fwo)

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