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68 Etwa ab 1900 war hier für Jahrzehnte eine Jugendherberge, im Keller arbeitete zur gleichen Zeit eine Großküche, bei der sich die Bewohner der Stadt im Falle von Krankheit oder einer Geburt ein warmes Essen abholen konnten. Heute beinhaltet das Witwenhaus Mietwohnungen. 4. Das Schwesternhaus mit dem Touristenbüro und dem Museum

Die drei Hauptflügel des Schwesternhauses sind in fünf Abschnitten in der Zeit von 1776 - 1800 erbaut worden und konnten damals bis zu 250 unverheirateten Schwestern ein Heim bieten. Die meisten Schwestern schliefen in dem Schlafsaal im Dachgeschoss. Die Schwestern erhielten eine Ausbildung, u.a. in Sprache, Musik und sogenannten »weiblichen Tätigkeiten«, sodass sie in der Lage waren, selbst für Kost und Logis zu sorgen. So unterhielten sie eine Weberei, Spinnerei, Strickerei und Wäscherei. Außerdem haben sie Handschuhe für die Handschuhfabrik Randers genäht und waren in der hiesigen Tabak-und Zigarrenfabrik tätig. Weiterhin verkauften sie ihre Handarbeiten in der Butike, die im Erdgeschoss lag, die Butike heißt nun »Karibu«, was auf Suaheli so viel wie »Willkommen« bedeutet. Hier werden heute u.a. die Herrnhuter-Sterne verkauft, deren Geschichte bis in die 1700er-Jahre zurückreichen und die nur in Herrnhut produziert werden. Ein Besuch im Museum des Schwesternhauses bietet die Möglichkeit, einen Blick in das Innere des schönen Gebäudes zu werfen, auf seine langen Mittelgänge, den hellen Lichteinfall durch die hohen Fenster, die elegante Rokokotreppe und in den schmucken Chorsaal (Kirchsaal), in dem die Schwestern ihre Andachten abhielten. Die Orgel von

Stadtwanderung durch Christiansfeld 1770 wird auch heute noch benutzt. Das Museum wird zur Zeit umgestaltet, danach werden stets inhaltlich wechselnde Ausstellungen stattfinden. Welche Ausstellungen jeweils aktuell auf dem Programm stehen kann man im Christiansfeld Center im Erdgeschoss in Erfahrung bringen, hier können auch die Eintrittskarten dazu erworben werden.

- Lindegade 17, das erste Haus von Christiansfeld, diente zunächst als Kirchsaal für die Gemeine, bis der Bau der großen Kirche fertiggestellt war. Danach beherbergte das Haus von 17761784 die Mädchenschule, war Wohnraum für Familien und in den Jahren 1966-2002 dann der Kindergarten der Brüdergemeine. Die Brüdergemeine führte bereits 1868 eine Schule für Kleinkinder ein, also eine Art Kindergarten.

Eine gründliche Renovierung wurde 2014 abgeschlossen, das Gebäude ist heute das Kulturhaus der Stadt. An der Fassade des Südflügels, am westlichen Ende, wurde die offizielle UNESCO-Platte angebracht.

Lindegade 26 wurde als Wohnsitz für den ersten Vorsteher Jonathan Briant erbaut, der einer der zwei Stadtgründer gewesen war. Heute dient das Gebäude als Pfarrhaus. Lindegade 28 wurde als Ein-Etagenhaus für den ersten Prediger der Stadt, Johannes Prætorius, erbaut, der der zweite Stadtgründer gewesen war. Heute beherbergt das Gebäude Mietwohnungen. Der vierte gelegte Grundstein war der für das Hotel der Brüdergemeine.

5. Die Internatschule für Mädchen (erbaut 1784) Die Schulpädagogik der Brüdergemeine folgte den progressiven pädagogischen Gedanken von Johann Amos Comenius aus den 1600er-Jahren; ihre Schulen nahmen sowohl Schüler aus der Stadt, als auch Internatsschüler aus Skandinavien, Schleswig-Holstein und überseeischen Ländern (z. B. die Kinder von Missionaren) auf. Die Schulen dienten der religiösen Erziehung und der Wissensvermittlung. Das fachliche Niveau war hoch und viele prominente Persönlichkeiten schickten ihre Kinder in die Internate, die schnell einen guten Ruf erlangten. Die Internate wurden bereits 1775 eingerichtet und man konnte bereits an ihrem 50-Jährigen Jubiläum feststellen, dass in der vergangenen Periode 988 Schüler die Schulen besucht hatten, von denen ca. 80% auswärtige Kinder gewesen waren. 6. Lindegade Nr. 17, 26 & 28 Am 1. April 1773 wurde der erste Grundstein in der Stadt gelegt:

7. Die erste Internatschule für Knaben, Lindegade 19 (erbaut 1781) Die allererste Knaben-Internatschule des Jahres 1775 war im Brüderhaus untergebracht, dann von 1781-1788 hier in der Lindegade Nr. 19 und nach 1788 in der Lindegade Nr. 15. Man beachte den mit Holz verkleideten Giebel, dies geht auf eine Tradition aus Sachsen zurück. Die Holzverkleidung ist aus Tujaholz und stellt einen guten Schutz gegen Regen und strengen Westwind dar. Heute befindet sich hier eine Mietwohnung. 8. Die Apotheke, Lindegade 21 (erbaut 1783) Das Gebäude wurde zunächst als Zweifamilienhaus errichtet, erst später zog die Apotheke der Brüdergemeine hier ein. Die

Apotheke erhielt 1805 ihr »Königliches Privilegium« (die königliche Zulassung) und hatte damit die gleichen Handelsrechte wie die übrigen Apotheken des Landes. Die Brüdergemeine unterhielt die Apotheke bis 1937, dann wurde das Privilegium an den dänischen Staat verkauft. Bis 2010 wurde die Apotheke hier aber noch weiterhin betrieben. 9. Das Brüderhaus, Lindegade 34 (erbaut in div. Perioden von 1774-1817) Eingang zum Hinterhof über die Kongensgade Hier haben zeitweise bis zu 140 ledige Brüder gewohnt - in der Stadt haben immer mehr Frauen als Männer gelebt. Die Jüngsten konnten einen Beruf erlernen und erhielten gleichzeitig eine allgemeine Schulausbildung mit dem Schwerpunkt auf Sprache, Musik und Christentum. Die Brüdergemeine setzte schnell nach der Gründung verschiedene Gewerbe in Gang; z. B. hatten schon in 1779 21 Werkstätten und Fabriken ihren Betrieb aufgenommen, ein Handelshaus und einige Läden eröffnet. Im Hinterhof des Brüderhauses sind noch die niedrigen Gebäude der Werkstätten und ein Brunnen mit Pumpe zu sehen. Die Brüder waren tüchtige Handwerker; ihr guter Ruf außerhalb von Christiansfeld konnte nicht größer werden, als es damals in den Worten zum Ausdruck kam: »Das ist so gut gemacht, als wäre es in Christiansfeld hergestellt worden«. Die Brüder hatten hier ihre eigene Küche und Bäckerei, Stall, Schlachterei und große Zier-und Nutzgärten. Sie hatten auch ihren eigenen Chorsaal (Kirchsaal), doch nach dem Brand des Brüderhauses 1986 gab die Kulturerbe-Verwaltung die Zulassung dazu, vier Wohneinheiten in Kastenform so in den Chorsaal einzubauen, dass weiterhin die Möglichkeit bestehen blieb,- im Bedarfsfall- , diese Wohnungseinbauten wieder zu entfernen und den früheren alten Zustand des Chorsaales erneut herzustellen. Das Brüderhaus beinhaltet heute nur Mietwohnungen. 10. Die Kreuzung Kongensgade und Lindegade Das Handelshaus Spielwerg & Co. (erbaut in Perioden von 1778-94 mit späteren Um-und Anbauten) Das Handelshaus liegt an der Ecke Lindegade-Kongensgade und hatte eine dazugehörende Tabaks-und Zigarrenfabrik an der Ecke Kongensgade-Nørregade (nun Blumenhandel). Gehandelt wurde hier mit lokal hergestellten und importierten Waren. Letztere konnten Gewürze, Kaffee und Tee, Glas-

artikel, Seide und Baumwolle für Webereien sein. Der Name Spielwerg weist auf den tüchtigen Kaufmann Carl L. E. Spielwerg hin, der von hier aus den Handel von 1778 an und weiterhin betrieb. Das Hotel der Brüdergemeine (erbaut in Perioden 17731793) Das Haus wurde als Gästehaus für auswärtige Handwerker und Gäste der Brüdergemeine erbaut und wird auch heute noch geschäftlich betrieben. Das erste Gästehaus von 1773 bestand aus nur einer Etage mit 7 Fächern (Fenster/Türen-Bauabschnitte). Der Kellerraum diente in den Anfangsjahren als Handelshaus. Im Hotel stehen 11 der alten Christiansfelder Kachelöfen; alle frisch renoviert und brauchbar. Die Kongensgade ist neueren Datums und ist die einzige Änderung an dem ursprünglichen Stadtplan. Im Jahr 1853 wurde der alte Kongevej, östlich der Stadt gelegen, hierher verlegt und erst später im Jahr 1938 erweitert, um den Verkehr von der Hauptstraße A 10 herkommend, aufnehmen zu können. Bei der Gelegenheit musste das Hotel um 2 ½ m verkürzt werden. An dem schrägen Giebel zur Kreuzung hin, sieht man eine Marmortafel, auf der die wichtigsten historischen Begebenheiten beschrieben sind. Viele Königliche haben diese christliche Idealstadt besucht und viele wichtige Begegnungen haben hier in Verbindung mit den Kriegen in den 1800 Jahren stattgefunden. Die Honigkuchenbäckerei der Brüdergemeine, Lindegade 36 (erbaut 1783) Seit Anfang der 1780-Jahre wurden in Christiansfeld Honigkuchen gebacken, aber der Bäcker, der dann den Honigkuchen wirklich zu einem Erfolgsprodukt machte, war Immanuel Martin Achtnich. Er kam 1785 in die Stadt als Perückenmacher aus der Brüdergemeinestadt Neudietendorf in Deutschland. Perücken waren aber zwischenzeitlich aus der Mode gekommen und er musste seinen Beruf wechseln. Er hatte zuvor die Backkunst bei seinem Onkel kennengelernt, als er dann ein Fräulein Brodersen aus Humstrup südlich von Tønder heiratete, die ebenfalls Kenntnisse im Backen von Honigkuchen hatte, schufen die gemeinsamen Erfahrungen die Grundlage für den Erfolg der Honigkuchen. In den alten Tagen, bevor die jungen Leute selbst ihren Ehepartner wählen konnten, die Moral hohes Ansehen genoss, wurde das Honigkuchenherz benutzt, um eine Verlobung zu verkünden, wobei der Prediger ein Herz nahm, es in zwei Teile brach und diese dem junge Paar reichte, unter seiner Aufsicht und mit seinem Segen

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Christiansfeld Turistavis 2017  

Christiansfeld er et unikt sted at besøge, hvor du kan opleve den stringente og retvinklede byplan. De tyske gule mursten og højtryggede rød...

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