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Natur+Umwelt www.bund-naturschutz.de Heft 3-2016  98. Jahr  3. Quartal

Mehr Stadtnatur!

Warum unsere Städte grüner werden müssen


M ITGL IE DE R WE RBE N MITG LIED ER

Sind Ihre Freunde auch Freunde der Natur?

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Fotos: fotolia.de

DANN SPRECHEN SIE SIE DOCH EINFACH AUF EINE MITGLIEDSCHAFT AN! Mit über 220 000 Mitgliedern und Förderern setzen wir uns mit Kopf, Herz und Hand für Ihre Heimat und für eine gesunde Zukunft unserer Kinder und Enkel ein. Je mehr Menschen sich mit uns schützend vor die Schätze und Kleinode unserer Heimat stellen, desto wirkungsvoller können wir unsere gemeinsamen Naturschutzinteressen vertreten.

Darum: Werben Sie Mitglieder für die gute Sache. Für jedes neue Mitglied sammeln Sie einen BNFreundschaftspunkt, den Sie in attraktive Prämien eintauschen können. Nähere Infos zu den Prämien bekommen Sie bei Ihrer Kreisgruppe oder im Internet. www.bund-naturschutz.de/ spenden-helfen/mitglieder-werben Vielen Dank für Ihr Engagement!

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Natur + Umwelt 3-2016

Inhalt BUND Naturschutz Bayern 4 – 6 Intern

7 Leserbriefe

8 Ratgeber

9 Reise  Winter in Sibirien

10 – 21 Titelthema 22 Pflanzenporträt  Weiße Seerose 23 Fotoseite Foto: plainpicture/Sibylle Pietrek

24/25 BN vor Ort aktiv 26/27 Gute Neuigkeiten von der Wildkatze

28 Buchtipps

29 Aktuell  Volksbegehren zu CETA

30/31 Naturschutz   Goldener ­Scheckenfalter

32 Aktuell  Was tut sich an der Donau?

33 Raus in die Natur   Riedberger Horn

Inhalt BUND

B1 Editorial und Inhalt

B2 Magazin Kurznach­ richten

36 – 43 Regionales

44 Bildung

45 Service

B4/B5 Kommentar  Veto für die Umwelt

B6 Aktion  Demos gegen TTIP und CETA

B7 – B11 Zur Zeit Auenzentrum, Glyphosat, Suche nach Endlager für Atommüll, Tag der Artenvielfalt B14 – B17 Aktiv  Neues aus dem BUND und Internatio­ nales B18/B19 Junge Seite

Liebe Leser

Urbanes Grün ist wertvoll und manchmal der letzte ­Rückzugsraum für selten gewordene Arten. Doch der Druck zur Verdichtung wird immer höher. Was können wir tun, um unsere Städte grüner statt grauer werden zu lassen? Seiten 10 – 21

B22 Persönlich  Mareike Herrmann

Ferienzeit, Reisezeit: Immer wieder war in den ver­ gangenen Wochen die Meldung zu lesen, dass Urlaub in Deutschland neuerdings sehr beliebt ist. Für ­Umweltschützer ist das eine gute Nachricht. Der ökologische Fußabdruck eines Sommerurlaubs auf Amrum oder in Mittenwald ist deutlich geringer als der Fußabdruck des Flugurlaubs im Süden. Bleibt zu h ­ offen, dass es vielen Urlaubern auf Amrum oder in Mittenwald (oder den vielen anderen schönen Ecken Deutschlands) so gut gefällt, dass sie wiederkommen. Ihre Luise Frank, Redakteurin Natur+Umwelt

Kein roter Teppich für Konzerne!

In einem breiten Aktionsbündnis setzt sich der BN dafür ein, dass es in Bayern ein Volksbegehren zu CETA gibt. So könnte die Bayerische Staatsregierung gezwungen werden, das ­geplante Freihandelsabkommen im Bundesrat abzulehnen. Seite 30

Foto: Fotolia/elitravo

34/35 Ökospot

Mehr Stadtnatur

Der Luchs braucht Hilfe

Über 30 000 Menschen haben bei der Aktion »Stoppt die ­Wilderer, rettet den Luchs!« unterschrieben. Im Juli wurden die Unterschriften an Umweltministerin Ulrike Scharf ­übergeben. Zudem schlägt der BN vor, den Luchs aktiv ­wieder anzusiedeln. Seite 36

[3-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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Fotos: Toni Mader

Delegiertenversammlung 2016

Bäuerliche Landwirtschaft retten!

»Bäuerliche Landwirtschaft retten, Ökolandbau stärken« – unter diesem Motto stand die Delegiertenversammlung in Deggendorf. In diesem Jahr standen turnusgemäß auch die Vorstandswahlen auf der Tagesordnung. BN-Vorsitzender Hubert Weiger wurde mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt, ebenso seine Stellvertreter Doris Tropper und Sebastian Schönauer. Zu Gast beim BN war Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.

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Liebe Mitglieder

er BN-Landesvorsitzende ­Hubert Weiger und seine bei­ den Stellvertreter Doris Tropper und ­Sebastian Schönauer stellten sich zur Wiederwahl und wurden

Protest wirkt

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ie Europäische Union ist nach dem Brexit-Votum in der wohl tiefsten Krise seit ihrer Gründung. Dabei sollte man nicht vergessen, dass die EU eines der größten und erfolgreichsten Völkerverständi­ gungsprojekte der Menschheit ist. Die Menschen in der Europäischen Union leben seit über 70 Jahren in Frieden. Nicht zuletzt die Natur hat von der EU profitiert, denn es sind heute Gesetze aus Brüssel wie Natu­ ra 2000, die den effektivsten Schutz auch für Bayerns Natur bieten. Wenn allerdings Kommissionspräsi­ dent Jean-Claude Juncker ankün­ digt, Natura 2000 auf den Prüfstand stellen zu wollen, müssen bei allen Naturschützern vom Polarkreis bis

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-16]

fast einstimmig für weitere vier Jahre in ihren Ämtern bestätigt. Von den fünf Beisitzern im Landesvor­ stand sind drei neu im Amt: Kathy Mühlebach-Sturm (Vorsitzende der Kreisgruppe Landshut), Beate ­Rutkowski (Vorsitzende der Kreis­ gruppe Traunstein) sowie Karl ­Haberzettl (Vorsitzender der Kreis­ gruppe ­Passau). Christian Hierneis und Winfried Berner wurden als Beisitzer bestätigt. Im Fokus stand bei der diesjäh­ rigen Delegiertenversammlung das Thema Landwirtschaft. In ihrem Leitantrag fordern die Naturschüt­ zer die bayerischen Parlamentarier auf EU-, Bundes- und Landesebene auf, eine klare Richtungsänderung für eine Agrarwende einzuläuten. In Bayern, so die Aussage des Antrags, sei es bisher nicht gelungen, das Höfesterben zu stoppen oder die negativen Auswirkungen von indus­ trieller Landbewirtschaftung und

Tierhaltung zu verringern. Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (Foto unten) sprach als ­Ehrengast mit den Delegierten über die Frage, wie bäuer­liche Landwirt­ schaft und Ökolandbau in Bayern gestärkt werden können. Einig war er sich mit dem BN-Vorsitzenden darüber, dass bei Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Bewusst­ sein für die Qualität und die Pro­ duktionsbedingungen von Lebens­ mitteln geschaffen werden muss. »Beim Motoröl wird nicht gespart, aber beim Salatöl«, so Hubert Wei­

Sizilien die Alarmglocken schrillen. Mit den Plänen der EU-Kommission stehen die europaweiten Natur­ schutzerfolge der vergangenen 20 Jahre auf dem Spiel! Bedrohte Arten wie Luchs, Wildkatze und Biber wären schutzlos und über 27 000 Schutzgebiete gefährdet. Deshalb setzt sich der BN gemeinsam mit seinem Bundesverband BUND und dem WWF dafür ein, dass ­Europas Natur geschützt bleibt. Über 60 000 Menschen haben sich an einer On­ line-Aktion für Europas Natur stark gemacht. Der Druck zeigte bereits Wirkung: Die EU-Kommission hat im Juli den Abschlussbericht zum »Fitness-Check« der EU-Natur­ schutzrichtlinien veröffentlicht. Er­ gebnis: Die Natura 2000-Richtlinien sind ein effektives Instrument zum

Schutz bedrohter Arten und Le­ bensräume. Juncker und Co. müs­ sen nun dafür sorgen, dass die Richtlinien erhalten und umgesetzt werden, nicht geschwächt. Dass massiver Bürgerprotest wirkt, hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt. Ob Glyphosat oder CETA: Was ursprünglich un­ auffällig »durchgewinkt« werden sollte, ist dank des Widerstands der Bevölkerung ganz anders gekom­ men: Das Totalherbizid Glyphosat wurde statt der geplanten 15 Jahre nur für weitere 18 Monate zugelas­ sen, und über das geplante Freihan­ delsabkommen CETA werden die Parlamente der Mitgliedsstaaten ab­ stimmen. In einem breiten Bündnis setzt sich der BN für ein bayerisches Volksbegehren zu CETA ein.


2 446 000 Euro

Gesamteinnahmen Erbschaften (inkl. Rücklagenzuführung/-entnahme) 1Sonstige 137 000 Einnahmen Euro 78 000 Euro 12,5 Mio. Euro Spenden inkl. Haus- und Straßensammlung Einnahmen der Umweltbildungseinrichtungen 1344 418000 000Euro Euro

Beiträge von Mitgliedern und Förderern 7 452 000 Euro

Zuschüsse für Ankäufe, Artenschutz, Projekte 2 446 000 Euro

Gesamteinnahmen

Erbschaften 1 137 000 Euro

(inkl. Rücklagenzuführung/-entnahme)

12,5 Mio. Euro

Spenden inkl. Haus- und Straßensammlung 1 418 000 Euro

Ehrung für langjähriges Engagement Dieter Scherf, Helgard Gillitzer und Hubert Stelzl erhielten die Bayerische Natutschutzmedaille.

Beiträge von Mitgliedern und Förderern 7 452 000 Euro

Investitionen, Baumaßnahmen 109 000 Euro Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben 1 230 000 Euro

Arten- und Biotopschutz 2 017 000 Euro

Verbandsorgane, Delegiertenversammlung, Naturschutzveranstaltungen 331 000 Euro

ger. Landwirtschaftsminister Brun­ ner bekannte sich erneut zu seinem Ziel, die Produktion von Bio­lebens­ mitteln in Bayern bis 2020 zu ver­ doppeln. Er verwies auf das neue Siegel »Bio aus Bayern« und die zwölf Öko-Modellregionen, die Bio­ lebensmittel aus der Region ver­ markten. In der Diskussion wiesen die BN-Delegierten unter anderem auf die Probleme der Massentier­ haltung hin und forderten entspre­ chende Änderungen der Politik auf Bundesebene. Drei BN-Mitglieder aus dem ­Regierungsbezirk Niederbayern, die sich seit vielen Jahren in ihren Kreisgruppen engagieren, wurden im Rahmen der Delegiertenver­ sammlung mit der Bayerischen Na­ turschutzmedaille ausgezeichnet:

Helgard Gillitzer, Vorsitzende der In einer Resolution machten sich Unterstützung der Information, Öffentlichkeitsarbeit, und Ortsgruppen Ortsgruppe Vilshofen, HubertInternet, Stelzl,Mitgliederdie Delegierten des BUND Natur­ KreisPressearbeit, 1 988 000 Euro und Spendenwerbung langjährig aktiv im Widerstand schutz für eine »gute Zukunft der 2 660 000 Euro gegen den Donauausbau, sowie Donaulandschaft« stark. Darin for­ Mitgliederservice, »Natur+Umwelt« Dieter Scherf, bis 2008 dern sie, dass beim Donauausbau Bildungsarbeit 820Vorsitzender 000 Euro 599 000 Euro der Kreisgruppe Deggendorf und alle Möglichkeiten zur ökologischen von 2004 bis 2016 Beisitzer im Lan­ Optimierung ausgeschöpft werden desvorstand. In diesem Jahr stellte und dass der ökologische Hochwas­ er sich nicht mehr zur Wahl. serschutz vorangetrieben wird. (lf )

Die Energiewende, so hoff­ nungsvoll begonnen, kommt in Deutschland nicht mehr voran. Schuld daran sind Gesetze wie die Überarbeitung des ErneuerbareEnergien-Gesetzes oder die unseli­ ge 10H-Regelung in Bayern, die den Ausbau der Windkraft zum Erliegen gebracht hat. Der BUND Natur­ schutz wird sich weiter stark ma­ chen für den Ausstieg aus Öl, Atom und Kohle, denn mit einem »Weiter wie bisher« hat Deutschland keine Chance, die Klimaziele, die in Paris festgelegt wurden, zu erreichen. Immer mehr Menschen fragen sich, unter welchen Umständen die Lebensmittel auf ihrem Teller pro­ duziert wurden. Schreckliche Bilder aus der Massentierhaltung haben viele Verbraucherinnen und Ver­

braucher aufgerüttelt. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir ein neues Verständnis von Tier­ haltung brauchen. Unsere Bauern brauchen faire Preise, die artgerech­ te Tierhaltung überhaupt erst mög­ lich machen. Die aktuelle Landwirt­ schaftspolitik zielt in die entgegen­ gesetzte Richtung: Immer größer, immer industrieller soll produziert werden – mit immer härterem ­Preiskampf. Gerade die Milchbau­ ern leiden seit der Abschaffung der Quotenregelung massiv unter dem Preisverfall. Viele Betriebe können nicht mehr preisdeckend arbeiten. Der BUND Naturschutz hat betont, dass die Milchbauern unsere Soli­ darität brauchen. Ein »Weiter wie bisher« würde zu einem massiven Höfesterben und einer weiteren

Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke 950 000 Euro

Unterstützung der Jugendarbeit 270 000 Euro Investitionen, Baumaßnahmen Deutschlandweiter und 109 000 Euro internationaler Umweltschutz Verwaltung, 833 000 Euro Miete und sonstige Ausgaben 1 230 000 Euro Information, Öffentlichkeitsarbeit, Verbandsorgane, DelegiertenversammPressearbeit, Internet, Mitgliederlung, Naturschutzveranstaltungen und Spendenwerbung 2331 660000 000Euro Euro

Gesamtausgaben 12,5 Mio. Euro

Natur- und Umweltschutz 701 000 Euro Arten- und Biotopschutz Unterstützung der 2 017 und 000 Euro KreisOrtsgruppen 1 988 000 Euro Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke Bildungsarbeit 950 000 Euro 599 000 Euro Natur- und Umweltschutz 701 000 Euro

Unterstützung der»Natur+Umwelt« Jugendarbeit Mitgliederservice, 270000 000Euro Euro 820 Deutschlandweiter und internationaler Umweltschutz 833 000 Euro

Gesamtausgaben 12,5 Mio. Euro

Foto: Roggenthin

I­ ndustrialisierung führen. Was wir brauchen, ist das Gegenteil: eine bäuerliche, naturgemäße Landwirt­ schaft und ein neuer Umgang mit unseren Nutztieren. Sie sind keine Produktionsfaktoren, sondern Lebe­ wesen.

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Karl-Geyer-Medaille für drei Privatwaldförster

D

er BUND Naturschutz verlieh in Holzkirchen die Karl-Geyer-­ Medaille an die drei Privatwaldförs­ ter Robert Wiechmann, Peter Lech­ ner und Gerhard Waas aus dem Landkreis Miesbach. Mit dieser Aus­ zeichnung ehrt der BN seit 1977 Per­ sonen, die sich wie Namensgeber Karl Geyer um die naturgemäße Waldwirtschaft verdient gemacht haben. Wie BN-Vorsitzender Hubert Weiger in seiner Laudatio hervor­ hob, haben die drei bei der Privat­ waldberatung »leidenschaftlich und überzeugend« für den ökologisch

wie ökonomisch sinnvollen natur­ nahen Waldbau geworben. Dabei hätten sie den Grundsatz »Wald vor Wild« an erste Stelle gestellt, teils gegen den Widerstand von Vorge­ setzten. Dies seien wich­tige Beiträge dazu, dass es im Landkreis nach Phasen großen Wildverbisses heute wieder sehr sehenswerte Waldbilder gebe. Weiger bat die anwesenden Politiker um weitere Unterstützung für die Arbeit der Förster und mehr naturschützerischen Einsatz auch in anderen Wäldern.

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m April trafen sich in Bregenz mit Vertretern von BN, Naturschutzbund und Pro Natura drei große Umweltschutzverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, um eine engere Zusammenarbeit über die Ländergrenzen hinweg zu beschließen. Vor allem ging es um die »Plattform lebendiger Alpen­ rhein«, die den Fluss zwischen Feldkirch und dem Bodensee renaturieren will, um den Hochwasser­ schutz der Anwohner zu verbessern und für Mensch und Natur wieder einen ansprechenden Lebensraum zu schaffen. Doch auch auf anderen Gebieten wur­ den gemeinsame Aktivitäten geplant: So gilt es, die Pressearbeit zum Thema »Beutegreifer im Alpen­ raum« zu intensivieren und auf Punkte wie Stickstoff­ belastung aus der Luft oder alpine Raumordnung hinzuweisen. Es gibt also viel zu tun, die Vorausset­ zungen für eine schlagkräftige länderübergreifende Naturschutzallianz sind nun geschaffen.

Foto: Bianca Burtscher

Foto: Ralf Straußberger

Grenzübergreifende Zusammenarbeit

Reinhard Scheuerlein neuer Regionalreferent Oberpfalz eit Mai 2016 ist Reinhard Scheuerlein der neue BNRegionalreferent für die Ober­ pfalz. Damit übernimmt der 54-Jährige eine zweite Tätigkeit im BUND Naturschutz, denn seit 2009 ist er bereits Ge­ schäftsführer der Kreisgruppe Erlangen. Vielen im BN ist Reinhard Scheuerlein seit Lan­ gem als Vorsitzender der Kreisgruppe Fürth-Stadt bekannt. Dass er die ­ehrenamtliche Arbeit aus eige­ ner Erfahrung kennt, ist ein großer ­Vorteil für seine Aufgabe, denn als Regionalreferent arbeitet er viel mit Ehrenamtlichen zusammen. Reinhard Scheuer­ lein hat an der FH in Freising-Weihenstephan stu­ diert und war viele Jahre als Landschaftsarchitekt tätig. Diese fachlichen Kenntnisse kommen ihm in der ­Arbeit für den BN sehr zugute. Dass er sich jetzt beruflich für Natur- und Umweltschutz einsetzen kann, bedeutet für ihn, wie er selbst sagt, »dass ich mein Engagement zur Berufstätigkeit machen konn­ te«. Seine Freizeit verbringt er gerne in seinem ­Garten, den er naturnah gestaltet und pflegt. Kon­ takt: reinhard.scheuerlein@bund-naturschutz.de

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Ehrung eines Widerstandskämpfers

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ei einer Andacht nahe Wackers­ dorf wurde dem ehemaligen Schwandorfer Landrat Hans Schuie­ rer für seine Verdienste im Wider­ stand gegen die dort geplante ato­ mare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) die Goldene Ehrennadel des BN verliehen. Die Jahre zwischen den ersten Beschlüssen 1979 und dem Baustopp 1989 waren geprägt von Pro­ testen und heftigen Auseinandersetzungen, vor dem Bauzaun wie vor Gericht. Auch gegen Landrat Schuierer leite­ te die Bayerische Staats­ regierung mehrere Dis­ ziplinarverfahren ein. Eine am Tag der Ehrung enthüllte Gedenktafel soll jetzt an das »damals umstrittenste Baupro­ Foto: KG Schwandorf

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jekt in der Bundesrepublik« erin­ nern. Doch wie der Geehrte betonte: »Die Sache ist noch nicht vorbei«. 30 Jahre nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl und fünf nach dem in Fukushima gibt es noch immer viele Reaktoren, die laut BN-Vorsitzendem ­Hubert Weiger »eine Kriegserklärung an Leben und Schöpfung« sind.


Pro und contra Erdgasantrieb Zum Leserbrief von Karl Bröckl in N+U 2/2016 erreichte uns diese Zuschrift: Herr Bröckl empfiehlt Erdgasautos, welche ja auch mit Biogas gefahren werden können. Wenn ich aber mit dem Rad durch unseren schönen Kahlgrund fahre, egal ob an der Kahl entlang oder rechts und links auf den Höhen, und vor lauter Mais­ wänden die ansonsten herrliche Aussicht nicht mehr zu genießen ist, vergeht mir die Lust auf Biogas. ­Monotone Landwirtschaft hat auch vielfältige Nachteile. Marianne Ortner, Krombach

Fledermäuse Zum Titelthema in N+U 2/2016: Windkraft tötet Fledermäuse. Doch sie kann verhindern, dass fossile Energien Tiere jeder Art töten – und ungezählte Menschen. Ist die Wahl des kleineren Übels so schwer? Der Mensch verursacht beide. Soll darum an Flatterwesen die Welt ­genesen? Wer wird Natur- und ­Umweltschützer ernst nehmen, die das vertreten? Dieter Kuhn, Hersbruck

Anmerkung der Redaktion: Der BN tritt in den Diskussionen um einen Nationalpark Steigerwald dafür ein, dass die Frage der Brenn­ holzversorgung der Bevölkerung – mit Fakten hinterlegt – intensiv dis­ kutiert wird. Der BN ist der Meinung, dass sich diese Fragen lösen lassen. Auch weil nicht der ganze Naturpark Steigerwald, sondern nur ein Teil des Staatswaldes im Norden des Natur­ parks davon berührt wären. Der BN setzt sich dafür ein, dass es auf einem kleinem Teil der Staatswaldfläche mehr Naturwälder geben soll, wäh­ rend er für den allergrößten Teil der restlichen Waldfläche eine natur­ nahe Waldwirtschaft akzeptiert und unterstützt. Die von Herrn Rößner und der Forstseite angeführte Kaska­ dennutzung, bei der Holz nicht so­ fort, sondern erst in einer nachgela­ gerten Bearbeitungsstufe verbrannt wird, spielt leider in der Realität nur eine untergeordnete Rolle. Wir müssen erkennen, dass die heimische Ressource Holz begrenzt ist. Den ganzen Leserbrief von Willi Rößner finden Sie unter www.bundnaturschutz.de/magazin

Foto: Thomas Stephan

Frankenschnellweg Ein Diskussionsbeitrag zu unserer Berichterstattung über den Frankenschnellweg: Meiner Meinung nach ist ein Enga­ gement des BUND zu diesem Thema fehl am Platze. An der frag­ lichen Stelle innerhalb der bebauten Stadtfläche Nürnbergs ist seitens der Natur nichts mehr zu schützen. Aus diesem Grund hat meines Er­ achtens der BUND dort auch keinen Auftrag, anders als bei der immer noch diskutierten Anbindung des Nürnberger Flughafens an die A 3, bei der unbebaute Naturfläche und Lebensraum zerstört würde. Damit möchte ich auch ausdrücken, dass ich finanzielle Mittel aus allgemei­ nen Spenden an den BUND für das Thema »Ausbau-Fankenschnell­ weg« für nicht gerechtfertigt halte. Bitte solche Mittel für den Erhalt der Natur nördlich des Flughafens ver­ wenden. Stefan Zeitler, Ingolstadt (ehemals Nürnberg)

Nationalpark Steigerwald Zu unserer Berichterstattung über das Thema Nationalpark S ­ teigerwald: Nach dem Motto »Global denken und lokal handeln«, muss auch die lokale klimaneutrale Brennstoff­ versorgung im Steigerwald gelöst werden. Durch eine intelligente Waldbewirtschaftung lässt sich, wie im Naturpark Steigerwald bewiesen, ein hervorragender ökologischer Waldzustand mit einer nachhaltigen Holzgewinnung kombinieren. Mit dem ökologisch begrenzten Brenn­ holzanfall kann der Bayerische Staatsforst ca. 3000 Familien mit Wärme versorgen. Das funktioniert mit 80 Prozent der nachwachsen­ den Holzmenge. Die »Steigerwäl­ der« holzen also den Wald nicht ab; man muss ihn deshalb auch nicht »retten«. Mit einer kaskadischen Holznutzung lassen sich aus dem

Naturpark heraus, theoretisch bis zu 5000 Fami­lien, praktisch vielleicht bis zu 4000 Familien klimaneutral versorgen. Diese Zeilen fokussieren sich auf die »CO2-Belastung«, dem Thema der jüngsten Klimagipfel­ konferenz. In der komplexen Dis­ kussion um einen Nationalpark wird dieser ­Aspekt leider etwas unter­ drückt. Willi Rößner, Stadtbergen

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Schreiben Sie uns!

Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, oder an nu@bundnaturschutz.de Leserbriefe können gekürzt werden. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.


Regionale Lebensmittel

Essen nach Saison

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as und wie wir essen, betrifft nicht nur unsere Gesundheit. Wir beeinflussen damit auch unser Klima, den Umgang mit Nutztieren und vieles mehr. Essen einkaufen ist ein politischer Akt. Doch wer weiß heute noch, woher seine Nahrungsmittel stammen? Ein Großteil wird auf dem Weltmarkt gehandelt, die Versorgungsketten sind lang und unübersichtlich. Wie weit wurde ein Produkt transportiert, wie lange und mit welchem Energieaufwand gelagert? Die industrielle Produktion der Nahrungsmittel hat zu Monopolen im Agrarsektor und in der Ernährungs­ wirtschaft geführt. Wenige Unternehmen kontrollieren das Angebot an Saatgut und Agrochemikalien, die Ver­ arbeitung, die Logistik und sogar die Produktion der Nahrungsmittel. Schon 2011 handelten in Deutschland nur vier Konzerne 85 Prozent der Lebensmittel. Diese Machtkonzentration fördert unfaire Handelspraktiken Die Autorin und bedroht die Zukunft zahlloser bäuerlicher Betriebe Katrin Wenz ist und Verarbeiter von Lebensmitteln (wie Bäckereien, Mitarbeiterin des BUND-Referats Metzgereien etc.). für Agrarpolitik. Verpackungen im Supermarkt klären selten über die Herkunft auf, Abbildungen führen bewusst in die Irre (grasende Kühe auf der Milch eines industriellen Rin­ derhalters). Ferner werden Produkte über riesige Stre­ cken transportiert. So kann ein Joghurt (inklusive Ver­ packung) über 8000 Kilometer hinter sich haben … Vielfach sinnvoll Nicht nur werden wir künftig mehr Menschen ökolo­ gisch sinnvoll ernähren müssen. Mit einer regionaleren Produktion der Lebensmittel können wir auch dafür sorgen, natürliche Ressourcen zu schonen und die lo­ kale Wirtschaft zu stärken – wenn sie gerade Saison haben, also nicht energieaufwendig gelagert wurden. Der Kauf regionaler Produkte kann zudem bäuerli­ che Betriebe in Konkurrenz zur Agrarindustrie stärken. Allerdings kommt nicht jeder an frische Lebensmittel der Region. Oft ist der nächste Direktvermarkter weit entfernt nur per Auto erreichbar.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-16]

Illustration: Valentin Hoff

Lebensmittel aus der Region kaufen? Die meisten Deutschen würden dies laut Umfragen gerne viel häufiger tun. Was spricht dafür? Und wie kommt man ran?

Saisonal und regional: sieben Tipps ▶V  erschaffen Sie sich zunächst einen Überblick, wel­ che Lebensmittel wann Saison haben. ▶V  ermeiden Sie lange Transportwege. Kaufen Sie regi­ onale Produkte am besten auf dem nächsten Bauern­ markt. Verbinden Sie den Einkauf mit etwas Sport und fahren Sie mit dem Rad. ▶M  it einer Abo-Gemüsekiste erhalten Sie Lebensmit­ tel direkt vom Erzeuger. Viele Produkte stammen in der Saison direkt vom Hof. Bauern und Händler geben Auskunft, was wie angebaut wurde (im Frei­ land oder Treibhaus?). Achten Sie auch hier auf Sai­ sonales, manche Produkte werden im Großhandel zugekauft. ▶O  der finanzieren Sie mit anderen Privathaushalten einen Bauernhof – indem Sie einen Anteil seiner Ernte kaufen. Beide Seiten profitieren so von einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirt­ schaft. → www.solidarische-landwirtschaft.org ▶R  egionalität ist als Begriff nicht geschützt. Kaufen Sie nur glaubwürdige regionale Produkte! Initiativen für Regionalvermarktung gibt es in Deutschland fast überall: → www.regionalbewegung.de/netzwerk. In einigen Bundesländern sind Apps für Smartphones hilfreich: → www.regioapp.org (zu Folgen und Risi­ ken mobiler Kommunikationstechnologien: www. bund.net/emf ) ▶K  aufen Sie Fleisch aus Ihrer Region und achten Sie darauf, dass auch das Futter der Tiere aus der Region stammt und nicht importiert wurde. Höfe oder Metz­ ger in Ihrer Region können Auskunft geben. ▶F  ördern Sie regionale Molkereien und kaufen Sie Milch von nahen Biohöfen, um weite Transporte zu vermeiden und dem Höfesterben etwas entgegenzu­ setzen. Katrin Wenz


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er russische Winter lässt Eisblumen an den Zug­ fenstern wachsen. In unseren Abteilen hingegen ist es kuschelig warm. »Das ist typisch für eine Winterreise mit der Transsib«, lacht Natascha Odobescu, unsere Reiseleiterin. »Draußen hat es minus 20 Grad, und drinnen sitzen die Leute mit kurzen Ärmeln.« Natascha hat schon viele Male die 5200 Kilometer Schiene zwi­ schen Moskau und Irkutsk zurückgelegt, und immer wieder verzaubert sie die Fahrt durch dieses »AllesWeiß«, wie sie es nennt. »Im Sommer verstellt das Grün der Birken den Blick. Aber im Winter öffnet sich die Landschaft.« Draußen fliegt Bilderbuch-Russland vor­ bei: verschneite Taiga und kleine Ortschaften aus Holzhäusern. Halte an Minibahnhöfen, Mütterchen ­

Winterreise mit der Transsibirischen Eisenbahn

Weite aus Schnee und Eis Einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn bis an den Baikalsee zu reisen, das ist für viele Menschen ein Lebenstraum. Wer diese Reise im Winter unternimmt, erlebt ein verzaubertes Land.

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und Väterchen in Fellschuhen und Pelzkappen warten auf uns Reisende. Wir klettern gerne aus dem Zug, ­freuen uns an den Leckereien, die die Dorfbewohner verkaufen: selbstgebackene Piroggen, gefüllte Pfann­ kuchen, getrocknete Früchte. Russische Teestunde und Busfahrt auf dem Eis Wir erleben, was alle Transsib-Reisenden erzählen: Im Zug vergeht die Zeit anders. »Sie scheint zu rasen u ­ nd gleichzeitig stehenzubleiben«, sagt Natascha. »Und plötzlich ist man in Irkutsk.« Eine kleine Tour durch die Stadt bringt uns der Perle Sibiriens, dem Paris des Os­ tens näher, das hierher verbannte Intellektuelle im 19. Jahrhundert zu einem kulturellen Zentrum machten. Aber dann zieht es uns in die Natur. Ein Bus bringt uns an den Baikalsee. Endlich sehen wir es, das größte Süßwasserreservoir der Welt, jetzt eine erstarrte Weite aus Schnee und Eis. Zwei Tage bleiben wir in dem klei­ nen Ort Listwjanka. Eine Familie lädt uns zur traditio­ nellen russischen Teestunde ein, stilecht mit Samowar und Piragi, salzigem und süßem Gebäck. Was uns überall auffällt, ist die Herzlichkeit der Menschen, denen wir begegnen. Wie bei der Sommerreise besu­ chen wir die Insel Olchon. Hier leben die Burjaten, die

Kontraste Sibiriens: die Kälte des zugefrorenen Baikalsees und die Wärme und Herzlichkeit der Menschen

den See das Heilige Meer nennen. Im Winter geht keine Fähre, aber es führt eine Straße übers Eis bis zur Insel. Uns klopft ein bisschen das Herz, als der Bus auf den See rollt. Sogar Straßenschilder sind aufgestellt, die die Autos leiten. Auf der Insel warten gemüt­liche Holzhäu­ ser auf uns. Wer will, kann abends in die Banja gehen, die russische Sauna. Am nächsten Tag bringt uns unser Fahrer nochmal über die Eisstraße bis ans Kap Choboi. Dort wandern wir unter mächtigen Felsen, bestaunen bizarre Eisformationen. Frische Luft macht Hunger. Unsere Reiseleitung hat vorgesorgt: Aus ihrem Ruck­ sack zaubert sie ein Picknick. »Im Februar ist es nicht mehr so kalt – minus 15 oder 25 Grad, ganz angenehm«, findet Natascha. Auf der Rückfahrt im Zug sind die meisten von uns still, ein wenig wehmütig. Natascha kennt das schon. »Sie verarbeiten die Kontraste Sibiriens, die sie am ei­ genen Leib erfahren haben – die Kälte des Baikals und die Wärme seiner Menschen.«  Lucia Vogel

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Reisetermin Drei Wochen ab/bis Berlin, Ende Februar, Anfang März 2017, genauer Termin wird noch festgelegt Infos zu Reisepreis und Anmeldung bei BUND-Reisen ReiseCenter am Stresemannplatz Stresemannplatz 10 90489 Nürnberg Tel. 09 11- 5 88 88-20 Fax 09 11- 5 88 88 22 www.bund-reisen.de


Begrünt die Städte!

Immer mehr Menschen leben in Städten. Städte haben Konjunktur, vor allem grüne Städte. Urbanes Grün ist wertvoll und schutzwürdig – wer weiß das besser als die vielen BUND-Gruppen, die seit Jahrzehnten für »ihre« Städte aktiv sind. Gleich mehrere Städte beanspruchen, Deutschlands grünste Metropole zu sein. Doch der Zuzug in die Städte, hohe Grundstückspreise und rege Bautätigkeit setzen die verbliebenen Frei­ flächen unter Druck, »bauliche Verdichtung« ist angesagt. Lesen Sie, warum unsere Städte g ­ rüner statt grauer werden müssen. Und was Kommunen tun können, um ihre Grünflächen aufzuwerten und zu vermehren.

München Die renaturierte Isar zeigt, welches Poten­ zial für mehr Grün und Naherholung selbst im Zentrum ­unserer Großstädte steckt.


Grüne Städte

Gesund, gerecht, vielfältig Städte mit einem hohen Anteil von Grünflächen bieten ihren Bewohnerinnen und Bewohnern mehr Lebensqualität – in vielerlei Hinsicht. Der BUND engagiert sich deshalb in allen deutschen Ballungsräumen für mehr urbanes Grün.

Ü

Foto: Michael Nagy/LH München

ber 80 Prozent der Deutschen leben in Städten. Als Wähler und mehr noch durch ihre Konsumgewohnheiten und ihren Lebens­ stil entscheiden sie ganz wesentlich darüber, wie sich unsere Natur und Umwelt entwickeln – in den Städten, aber auch auf dem Land. Der Anteil der Stadtbevölkerung wird auch in Zu­ kunft steigen. Die Ballungsräume werden sich damit weiter verdichten, deutschland- und weltweit. So nimmt auch der Druck auf städti­ sche Grün- und Freiflächen beständig zu.

Der Autor Herbert Lohner ist haupt- und ehrenamtlich für den Schutz der Stadtnatur aktiv: als ­Referent beim BUND Berlin und Experte des Bundesarbeitskreises Naturschutz.

Vorrang für Stadtgrün Keine Frage: Kompakte Städte mit ihren kurzen Wegen haben viele Vorteile. Je weniger Fami­ lien in einen flächenfressenden Neubau am Stadtrand ziehen, dort auf ein Auto angewie­ sen sind und damit jahrzehntelang Verkehr verursachen, desto besser. Doch so sinnvoll es sein mag, Innenstädte behutsam zu verdichten – der Schutz grüner Freiflächen sollte im Zweifelsfall Vorrang haben. Denn Stadtgrün ist das wichtigste Instrument der Städte, um sich an steigende Tem­ peraturen anzupassen. Grün kühlt. Zudem brauchen die Bewohner der Innenstadt Grün­ flächen nahe ihrem Wohnort. Grüne Oasen, die für alte Menschen erreichbar sind. Und die es Kindern erlauben, einen, wenn auch klei­ nen, Ausschnitt von Natur vor ihrer Haustür kennenzulernen. Gerade arme, wenig mobile Menschen sind auf Freiflächen im Zentrum an­ gewiesen. Eine naturnahe Stadt ist auch eine Stadt, die all ihren Bewohnern gerechten Zu­ gang zu grünen Oasen bietet, und damit Erho­ lung und frische Luft. Stadtgrün ist elementar, damit sich die An­ wohner seelisch und körperlich erholen kön­ nen. Grüne Städte bieten auch mehr Pflanzen und Tieren Lebensraum. Mauersegler sirren nur dort durch die Straßenschluchten, wo sie genug Insekten finden. In vielen deutschen Städten sind heute kaum mehr Spatzen zu hören, weil es an Körnern und Samen und an Nistplätzen fehlt. Grün und blau Bundespolitisch engagiert sich der BUND für eine umwelt- und menschengerechte Stadt­ entwicklung. Vor Ort sind die BUND-Gruppen

Berlin Der BUND hat daran mitgewirkt, dass der einstige Flughafen Tempelhof frei von Bebauung bleibt. Per Volksentscheid haben die Hauptstädter die Chance genutzt, eine riesige innerstädtische Grünfläche für die Erholung und den Naturschutz zu sichern.

aktiv, wann immer es darum geht, Freiflächen zu erhalten, städtisches Grün zu schützen oder unnötige Baumfällungen zu verhindern. BUND-Aktive kümmern sich um eine natur­ schonende Pflege von Parks, betreuen Ge­ meinschaftsgärten oder bringen Kindern die verborgene Vielfalt der Stadtnatur näher. Und genauso, wie der BUND für die »grüne Infrastruktur« der Städte aktiv ist, kämpft er auch für die »blaue Infrastruktur«, sprich: für naturnah gestaltete Stadtgewässer. Zum Bei­ spiel in München: Am Großprojekt der IsarRenaturierung war die Kreisgruppe München ebenso beteiligt wie aktuell an der Renaturie­ rung der Würm im Stadtbezirk Allach. So wenig sich unsere Städte vergleichen las­ sen, was ihre Größe, ihre Geschichte, ihre Bau­ substanz oder ihr Umland betrifft: Mehr Grün in der Stadt heißt in allen Fällen – mehr Le­ bensqualität für Mensch und Natur. Herbert Lohner Mehr zum Thema unter → www.bund.net/ stadtnatur; Was Natur in der Stadt leistet, dokumentiert eine neue Studie der TU Berlin: → www.naturkapitalteeb.de/presse

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Foto: David Williams/birdimagency

Von Habicht und Haussperling Für viele Tiere und Pflanzen sind Städte ein attraktiver ­Lebensraum. Im Vergleich zur Agrarwüste des Umlands wirken sie geradezu vielfältig – zumindest mitsamt all den einge­führten Arten, die hier früher nicht heimisch waren. In einer Großstadt wie Berlin finden auch Spezialisten ihre Nische.

H Der Autor Severin Zillich ist Biologe und ­Redakteur des BUNDmagazins.

ier hätte wohl kaum einer seltene Vögel erwartet. Eine große Stadtbrache in Pankow-Heinersdorf, in der Einflugschneise des Flughafens Tegels im Norden Berlins. Umgeben von einem Schrotthandel und ande­ rem Gewerbe, vermüllten Grundstücken und Schre­ bergärten verläuft über eine Freifläche der Schmöck­ pfuhlgraben. Er wurde in den vergangenen Jahren re­ naturiert, dazu ein breiter Weg für die Anwohner ange­ legt. An Mauerstücken dürfen sich die Sprayer austo­ ben, Hunde stromern herum, die meisten unangeleint. Ansonsten viel brüchiger Asphalt, dazu Bauschutt und Scherben. Aus dem schütteren Grün ragen vereinzelt ein paar Büsche, eine Eidechse huscht davon. Auf dieser Freifläche nisten seit Jahren Brachpieper und Steinschmätzer. Vogelarten, die bundesweit vom

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Foto: Bernd Machatzi

Foto: blickwinkel/McPHOTO/M. Schaef

Natur in der Stadt

Gefährdete Stadtbewohner Der seltene Steinschmätzer (ganz oben) besiedelt große Brachen. Der Haussperling (oben), früher überall häufig, ist heute vielerorts auf dem Rückzug. Der ­Braunstielige Streifenfarn (links), ein Felsenbewohner, hat an wenigen Mauerabschnitten des Berliner Spreeufers einen Ersatz­lebensraum gefunden.

Aussterben bedroht sind. Auch der Flussregenpfeifer hat hier gebrütet, desgleichen Schwarz- und Braun­ kehlchen oder der Bluthänfling – Vögel, die in der aus­ geräumten Agrarlandschaft immer seltener werden. Auf der unansehnlichen Brache am Stadtrand haben sie ein Refugium gefunden. Kein Zuckerschlecken Es ist paradox: Einerseits zählt die Urbanisierung welt­ weit zu den größten Gefahren der biologischen Vielfalt. Unter dem ausufernden Siedlungsbrei der Vorstädte und Speckgürtel verschwindet die ursprüngliche Natur fast völlig, das Artenspektrum ändert sich oft komplett. Andererseits bieten strukturreiche Städte durch ihre kleinteilige Nutzung ein Mosaik von Biotopen, das viele


Jagdfrei und nahrungsreich Und damit zu den Vorteilen des Stadtlebens. Warum konnte der einst so seltene Wanderfalke viele deutsche Städte erobern? Weil dem Felsbrüter hohe Gebäude als Ersatzstandort für seine Horste dienen. Und weil er hier ziemlich sicher vor Verfolgung ist. Gleiches gilt für den Habicht, der in Berlin viele Friedhöfe und Parks besie­ delt hat. Ihm wird in der jagdfreien Stadt weit weniger nachgestellt als in manch ländlichen Regionen. Nah­ rung hat er dank der Stadttauben im Überfluss – und dazu genügend alte Horstbäume. Dies ist ein weiteres Charakteristikum von Stadtna­ tur: Die Bäume in Stadtwäldern, Parks oder Friedhöfen dienen vorrangig der Erholung, nicht der Holzproduk­ tion. Der Anteil alter Bäume und modernden Holzes ist deutlich höher als im normalen Wirtschaftswald. Davon profitieren viele Kleintiere. Wer erinnert sich nicht an den Wirbel, den der streng geschützte Juchten­ käfer auslöste, weil er im Stuttgarter Schlossgarten dem Umbau des Hauptbahnhofs im Wege war? Auch in Ber­ liner Parks leben Juchtenkäfer, Heldbock und andere gefährdete Insekten. Einige wärmeliebende Arten sind darunter – Städte sind »Wärmeinseln«. Übrigens kom­ men in Berlins Innenstadt in Pflasterfugen und an Weg­ rändern auch seltene und gefährdete Pflanzenarten vor (neben vielen eingeführten Exoten), etwa Sand-Stroh­ blume und Acker-Filzkraut.

Foto: Klaus Roggel

Tiere und Pflanzen anzieht. Doch ein Zuckerschlecken ist das Stadtleben nicht. Wer hier überleben will, hat mit Widrigkeiten zu kämpfen. Dazu gehören die dichte Bebauung, die vielen Straßen, der starke Verkehr. Ein Großteil des Stadtgrüns besteht aus Privatgärten und Parks, naturfern gestaltet und intensiv gepflegt. In den Innenstädten dominieren konkurrenzstarke Exoten wie Essigbaum, Franzosenkraut oder Kanadische Gold­ rute die Vegetation. In den Parkanlagen werden Tiere zudem ständig ge­ stört – durch Menschen und Hunde. Schließlich ster­ ben an den Lichtquellen der Stadt in jeder Sommer­ nacht ­unzählige Insekten, und an Glasfassaden allein in Deutschland täglich Tausende von Vögeln. Nach all­ dem mutet es wie ein Wunder an, dass Städte dennoch vergleichsweise artenreich sind.

Hannover Oft werden Nistplätze von Mauerseglern und an­deren ­Gebäudebrütern bei der Sanierung zerstört. Der BUND Niedersachsen informiert Behörden und Wohnungs­ genossenschaften, Architekten, Handwerker und Energieberater über den Artenschutz bei Gebäudesanierungen. → www.artenschutz-am-bau.de

rückte nicht ohne Grund auf die Vorwarnliste der ge­ fährdeten Vögel. Je weniger Wildwuchs eine Stadtverwaltung duldet, in Pflasterritzen und auf Baumscheiben, in Parks und auf Brachen, desto seltener wird das Tschilpen der Spatzen zu hören sein. Nicht nur für Generalisten wie den Haussperling sollten unsere Städte attraktive Lebensräume bleiben. Auch Spezialisten wie Stein­ ­ schmätzer, Streifenfarn und Zaun­eidechse müssen hier überleben können. Schon damit naturbegeisterte Städ­ ter hin und wieder noch echte Entdeckungen machen können.  Severin Zillich Radolfzell Dieser Sperber starb an einer gläsernen Haltestelle. Karla DrechslerSchubkegel (hier mit Ehrenamtskoordinator Thomas Giesinger) ist gegen Vogelschlag aktiv, zum Beispiel im Gespräch mit Behörden und Bau­ trägern. → www.vogelglas. info

Hauptstadt der Spatzen Ein Eldorado aber sind Städte vor allem für Tiere, die an Gebäuden leben: Arten wie Haussperling und Hausrot­ schwanz, Mauersegler und Turmfalke oder auch die Zwergfledermaus. Entscheidend für ihre Zukunft in der Stadt ist: Finden sie im Mauerwerk und unter den ­Dächern der Altbauten genügend Nischen und Ritzen, um sich fortzupflanzen? Finden sie genug Nahrung wie Sämereien, Insekten, Mäuse? Das große Berlin scheint beides – Nischen und Nah­ rung – ausreichend zu bieten. Es verfügt noch über zahllose unsanierte Altbauten und viele unaufgeräum­ te Ecken. Tierliebe Städter tun das ihre dazu. So gilt Berlin bis heute als Hauptstadt der Spatzen und Fleder­ mäuse. Doch der einst allgegenwärtige Haussperling

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Stadtnatur aufwerten

Tomaten für den Bürgersinn

Foto: Stadtverwaltung Andernach

Gemeinschaftliches Gärtnern hat eine Vielzahl positiver Neben­effekte, gerade dort, wo Grün­ flächen rar sind und die Natur fern ist. Kommunen wie Andernach zeigen, wie sich dieser Trend nutzen lässt, um die Lebensqualität in der Stadt zu ­erhöhen.

Andernach Vom Beet direkt auf den Teller – ­öffentliches Grün an der Stadtmauer

Die Autorin Jenny Blekker betreut die BUNDNachhaltigkeitskommunikation.

J

eder hat genug damit zu tun, seinen eigenen Garten zu jäten«, besagt ein flämisches Sprichwort. Doch die Zeiten des Rückzugs sind vorbei: Heute wühlen immer mehr Menschen gemeinsam in der Erde. Sie bauen Kisten für Hochbeete, gewinnen eigenes Saat­ gut, halten Bienen auf Hochhäusern, experimentieren mit Formen der Kompostierung und üben sich darin, das geerntete Gemüse haltbar zu machen. In Schulgär­ ten, interkulturellen Gärten und Nachbarschaftsgärten teilen Menschen ihre Erfahrungen – und die Ernte. »Urban Gardening« heißt der Trend, weil sich gerade in den Städten immer mehr Leute engagieren.

Neue Perspektiven Über 500 Gemeinschaftsgärten gibt es in Deutschland bereits. Im Vordergrund steht bei allen der Spaß, zu­ sammen zu gärtnern. Daneben öffnen die urbanen Gärten neue Perspektiven: Wo früher Ödnis war, findet plötzlich Leben statt. Es entstehen neue Räume für ­Begegnungen und ein soziales Miteinander. Zugleich schaffen die Gärten einen Lernraum: Kinder können hier die Natur erfahren und praktisch erleben, woher unsere Lebensmittel kommen. Die Begrünung wertet innerstädtische Flächen auf und kann sie damit vor der Versiegelung schützen. Hat sich ein Gemeinschaftsgarten erst einmal etabliert, wird es schwer, ihn ohne viel Protest wieder zu räumen, zu versiegeln und zu bebauen. Die soziale Bereiche­ rung, für die er sorgt, liegt genauso auf der Hand wie sein ökologischer Nutzen. Etliche BUND-Gruppen

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haben das erkannt und betreuen Gemeinschaftsgärten: zum Beispiel in Mainz, Leipzig, Konstanz und Saar­ brücken. Oder sie initiieren Gartenprojekte mit jungen Geflüchteten wie die BUNDjugend Berlin. Frei von Kommerz und Konsum Vor zwei Jahren entstand das »Urban Gardening-Mani­ fest«; über 130 Initiativen haben es inzwischen unter­ zeichnet. Es zeigt eindrucksvoll, wie sich mit dem Phä­ nomen des gemeinschaftlichen Gärtnerns eine neue kollektive Bewegung formiert. Sie erobert den öffent­ lichen Raum zurück und schafft einen Ort der Mitbe­ stimmung, frei von Kommerz und Konsum. Damit setzt sie dem ohnmächtigen Gefühl der Entfremdung etwas entgegen – in Städten, die immer dichter bebaut und gründlich kommerzialisiert werden. Je entfremdeter, voller, lauter und anonymer unsere Städte werden, desto größer wird das Bedürfnis, gemeinsam zu teilen, zu gestalten und Natur zu erfahren. Andernach am Mittelrhein ist ein Städtchen mit 30 000 Einwohnern. Hier war es die Stadtverwaltung selbst, die sich wünschte, Bürgerinnen und Bürger würden das öffentliche Grün stärker als ihren Raum wahrnehmen. Andernach erfand sich kurzerhand neu: als »essbare Stadt«. An der Stadtmauer wachsen heute Tomaten und in vielen Parks Obst und Gemüse, das ­jedermann ernten darf. Gepflegt werden die Beete von der örtlichen »Beschäftigungs- und Qualifizierungsge­ sellschaft für Langzeitarbeitslose«. Auch viele Ander­ nacher haben Verantwortung für »ihre« städtischen


Bundesweites Vorbild Dieses von oben erdachte Modell, städtisches Grün aufzuwerten, haben die Andernacher gut angenom­ men. So gut, dass es bundesweit Furore machte. Über 400 Kommunen – von kleinen Gemeinden bis zu Groß­ städten wie Berlin, München und Wien – haben sich in den vergangenen sechs Jahren bei Lutz Kosack gemel­ det, um von seinen Erfahrungen zu profitieren. Weltweit gibt es heute über 800 vergleichbare Pro­ jekte. Die Webseite der »essbaren Stadt« Minden listet etwa 70 deutsche Partner auf. Gemeinsam mit den ur­ banen Gärten ist ihnen, dass sie ein neues soziales Mo­ dell der Stadt darstellen. Hier ist Veränderung sinnlich erfahrbar, bestenfalls sogar essbar. Gutes Essen ist etwas, das alle Menschen verbindet. Und wer gemeinsam Gemüse zieht und erntet, wird sich eher auch einmal mit der industriellen Landwirt­ schaft und ihren Folgen auseinandersetzen. Oder damit, wie wir grundsätzlich mit unseren begrenzten Ressourcen umgehen. Langfristig bieten essbare Städte wie Andernach und Minden die Chance, regionale Kreisläufe zu stärken und der wachsenden Entfremdung zu begegnen. Was macht Städte lebenswerter? Urbanes Gärtnern und essbare Städte sind zwei Mög­ lichkeiten, uns die Stadt wieder als Lebensraum näher­ zubringen, der sich gestalten lässt. Im Sinne der Nach­ haltigkeit sollten Kommunen jede Bewegung fördern, die zu mehr Verantwortung und Miteinander führt. Gute Beispiele, wie Städte lebenswerter werden, gibt es in Fülle: von der oft zitierten Fahrradstadt Kopenhagen bis hin zur »werbefreien« Stadt Grenoble. Die hat etwas für ihre Lebensqualität getan, indem sie auf die omni­

präsente Reklame des »Immer-mehr-haben-müssens« verzichtet und so Platz für neues Grün und nachbar­ schaftliche Begegnungen geschaffen hat. Jenny Blekker

Diskutieren Sie mit uns diese und andere Beispiele guten Lebens im Blog → www.bund. net/stadtlandglück

Foto: Clipdealer/Signout

Gärten übernommen. Da klingelt bei Lutz Kosack in der Stadtverwaltung schon mal das Telefon: »Warum sind die Hühner noch nicht draußen?«

Pestizidfrei: Auch so lässt sich Stadtgrün aufwerten

Der BUND testete im Juni 22 konventionelle Honige aus dem Supermarkt. Das Ergebnis war erschreckend: In 13 fand sich das für Bienen gefährliche Thiacloprid – darunter in allen sechs deutschen Proben. Der BUND fordert schon lange ein EU-weites Verbot aller Neo­ nikotinoide (zu dieser Stoffgruppe zählt Thiacloprid), in der Landwirtschaft wie in Privatgärten. Bayer darf seine hochkonzentrierten ThiaclopridProdukte seit Februar nicht mehr an Hobbygärtner verkaufen. Viele Gartenmärkte bieten kein Glyphosat mehr an. Parallel beginnen die ersten Kommunen umzudenken. So haben sich Städte wie Münster, Leipzig oder Bielefeld zu »pestizidfreien Kommunen« erklärt. Auf öffentlichem Grund bringen sie kein Gift mehr aus, zum Schutz der Bienen und der biologischen Vielfalt. Gut möglich, dass der unbedenklichste Honig künftig von deren Stadtimkern kommt … → www.bund.net/pestizidfreie-kommune

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Natur erfahren

Wilde Ecken schaffen Stadtbrachen und verwildertes Grün gibt es in den Innenstädten immer weniger. Dabei bieten sie vielen Menschen – und speziell Kindern – die einzige Möglichkeit, im Alltag Natur und biologische Vielfalt zu erleben. Der BUND fordert mehr ­urbane »Naturerfahrungsräume« zu schaffen.

Foto: privat

Z Der Autor Axel Schreiner ist Sprecher des ­Arbeitskreises »Umweltbildung« und Leiter des ­B N-Naturschutzund Jugendzentrums Wartaweil am Ammersee.

wei Drittel aller deutschen Kinder wohnen in der Stadt. Hinaus in die Natur zu gehen, ist für viele Stadtkinder schwierig. Oft genug sind sie umgeben von tristen Wohnsilos und sterilen Neubausiedlungen samt eintönigen Spielplätzen. Mehr als die Hälfte der Stadt­ kinder spielt fast ausschließlich in geschlossenen Räu­ men – daheim in der Wohnung oder in Schulhort und Kindergarten. Kein Platz zum Spielen Untersuchungen zeigen: Lässt man ihnen die Möglich­ keit, bevorzugen Kinder draußen vor allem die Flächen, die von den Stadtplanern vergessen wurden – Brachen und Hinterhöfe. Die scheinen weitaus attraktiver zu sein als normierte Spielplätze oder gepflegte Stadt­ parks. Kein Wunder! Können die Kinder ihre Spiele hier doch frei gestalten und ihre Umgebung für das Spiel verändern. Leider gibt es solch »wilde« Ecken in der Nachbarschaft immer seltener.

Husum Der Garten des BUND beinhaltet einen naturnahen Nutzgarten und eine Obstbaumwiese. Neben eigenen Kindergruppen sind hier häufig auch Schulklassen und Kindergärten zu Besuch.

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Besonders Kleinkinder sind oft auf einen engen ­ adius beschränkt. Statt im gepflegten Vorgarten oder R Innenhof würden sie viel lieber Gebüsche und Wiesen, Pfützen oder Sandhaufen erkunden. Lila Kühe Wen wundert es also, dass viele Kinder keine Bezie­ hung zur Natur aufbauen? Die Geschichte der lila Kühe ist heute ja aktueller denn je: 1995 verteilten bayerische Kindergärten Tierbilder ­– ein Drittel der Kinder malte die Kühe lila aus. Diese Meldung rief bundesweit amü­ sierte bis erschreckte Reaktionen hervor. Warf sie doch ein bezeichnendes Licht darauf, wie sehr manche Kin­ der dem Landleben entwurzelt waren. Alltägliche Naturerscheinungen (Was fliegt da für ein Vogel?) und einfache ökologische Zusammenhänge (Blüten müssen bestäubt werden, damit sich Früchte bilden) verschwinden aus dem Alltag der Kinder. Leh­


rerinnen und Lehrer müssen solche Grundkenntnisse dann im Projektunterricht neben den Pflichtfächern erarbeiten.

täglich viele Stunden vorm Fernseher oder online. Weil virtuelle Welten einfach attraktiver sind? Oder weil sie als Ersatz für nicht mehr vorhandene »Spielräume« in der Natur dienen? Die Erfahrung der Umweltpädago­ ginnen und -pädagogen im BUND ist: Bei mehrtägigen Natur erfahren Doch auch der beste Unterricht kann die sinnliche Aufenthalten in der Natur spielen Medien schnell keine ­Erfahrung von Natur nicht ersetzen. Der BUND fordert Rolle mehr. daher, in den Städten mehr Raum für das NaturerlebFür Heranwachsende sind Erfahrungen mit elektro­ nis zu erhalten und neu zu schaffen: verwildertes­ nischen Medien fraglos notwendig. Doch oft füllen sie Grün und unbebaute Brachen, die für Kinder frei zu­ schlicht ein Vakuum, weil spannendere Alternativen – gänglich sind. Mit praktischen Beispielen und viel wie Erlebnisräume in der Natur – fehlen. Öffentlichkeits­ arbeit wollen wir diesem Ziel näher­ kommen. Innerstädtische Naturerfahrungsräume ver­ Angebote nutzen dienen es, als neue Kategorie von Grünflächen in der Schließlich müssen sich Eltern und Pädagogen fragen, kommunalen Bauleitplanung verankert zu werden. ob nicht auch sie Opfer der wachsenden Naturentfrem­ Für wichtig halten wir das auch aus einem anderen dung sind. In einer Gesellschaft, die sich dem perma­ Grund: Die Sensibilität für Umweltprobleme wächst nenten Zeitnotstand verschrieben hat, ist es nicht ein­ wesentlich dadurch, dass wir Natur als etwas Alltägli­ fach, im Augenblick zu leben und konzentriert wahrzu­ ches wahrnehmen. Als etwas, das zu unserem Leben nehmen, was einen umgibt. Mehr noch als viele Kinder gehört. müssen wir Erwachsenen oft erst wieder lernen, uns auf die Natur einzulassen. Vormarsch des Virtuellen Einen guten Anlass dazu liefert die urbane Bildungs­ Unkontrolliertes Spielen im Freien ist für viele Kinder arbeit von BUND und BUNDjugend. Sie richtet sich an heute ein Luxusgut. Stadtkinder dürfen draußen meist Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Vom Öko-Camp nur unter Aufsicht spielen, und das auch nur auf Spiel­ bis zum grünen Stadtrundgang: Die Vielfalt der Ange­ plätzen. Andererseits sind sie exzessivem Medienkon­ bote ist groß. Interessierte wenden sich am besten an sum ausgesetzt. Kinder und Jugendliche verbringen ihre Kreisgruppe.  Axel Schreiner

Hamburg Nach einem Brand wurde das »Haus der BUNDten Natur« im ­Kellinghusenpark wieder aufgebaut. Seit Mai genügt es nun ­modernsten Ansprüchen an die umweltpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die treffen sich fast täglich in »ihrem« Haus, arbeiten im Garten oder erforschen den nahen Park.

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Bremen Ein Kind der BUNDGruppe »Kiebitz & Co.« befestigt in luftiger Höhe einen Nistkasten. Die kleinen Naturhelden leisten praktische Naturschutzarbeit im Gelände und lernen so die Tiere und Pflanzen ihrer Stadt kennen.


München Manfred Siering, Leiter des BUND-Arbeitskreises Baumschutz und Vorsitzender der BN-Ortsgruppe GrünwaldStraßlach, pflanzt mit der Direktorin des Botanischen Gartens einen jungen Feldahorn.

Städte entsiegeln

Keine Frage: Alle deutschen Städte stehen vor der Herausforderung, den Anteil ihrer Grünflächen perspektivisch zu erhöhen. Erste Städte zeigen, wie es gehen kann.

N Der Autor Jens Hilgenberg ist Mitarbeiter des BUNDVerkehrs­referats.

och immer dominiert Grau unsere Städte. Straßen, Plätze oder Schulhöfe sind oft bis in den letzten Winkel versiegelt, bedeckt mit Asphalt und Beton. Ein bisschen Wildwuchs gedeiht allenfalls in kleinen Rit­ zen. Und wird selbst dort ausgerissen, abgebrannt oder vergiftet. Dabei sind große versiegelte Flächen weder schön noch ökologisch. Und sie kommen die Städte langfristig teurer zu stehen als unversiegelte. Noch nicht jede Kommune hat das verstanden. Betrachtet man nur die Kosten für den Unterhalt, so ist es tatsächlich billiger, versiegelte Flächen zu reini­ gen als Grünflächen zu pflegen. Doch selbst unschein­ bares innerstädtisches Grün trägt dazu bei, das Stadt­ klima zu verbessern. Eine Leistung, die von Jahr zu Jahr wertvoller wird (siehe Nebenseite). Dass Verkehrsinseln grün sein können, ohne großer Pflege zu bedürfen, zeigt seit einigen Jahren die Stadt Kassel: Sie gestaltet diese als Wildblumenwiesen. Auch in Lüneburg blüht es vermehrt, seit der BUND-Regionalverband ElbeHeide gemeinsam mit der Stadt artenarme Rasen auf öffentlichem Grund in bunte Wiesen verwandelt. Parkraum verkleinern Nicht selten laufen Anwohner Sturm, wenn sie für neue Grünflächen ihre Parkplätze opfern sollen. Öffentli­ chen Raum also, der ihnen bislang gratis oder mit stark vergünstigten Parkausweisen zu Verfügung stand. Si­ cher muss es Parkplätze für Anwohner geben. Doch auch Anwohner ohne Auto müssen an der Nutzung des öffentlichen Raums angemessen beteiligt werden. Ein Hoffnungsschimmer für die Innenstädte ist da der Trend zur Reurbanisierung: Junge Familien blei­ ben, statt in die Peripherie zu ziehen, häufiger in der Stadt. Das auch, um weiter ohne (eigenes) Auto mobil

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Foto: KG München

Grau zu Grün

zu sein. Weniger Autos brauchen weniger Parkraum. Der frei werdende Platz kann neu genutzt und zum Bei­ spiel auch entsiegelt werden. Erste Schritte in die richtige Richtung haben einige Städte schon getan. So hob Hamburg 2013 die »Stell­ platzpflicht« auf: Wer dort neu baute, musste vorher rund 0,7 Pkw-Stellplätze pro Haus oder Wohnung er­ richten. München denkt darüber nach, zumindest bei seinen Wohnungsbaugesellschaften deutlich weniger Stellplätze zu fordern. Mithilfe neuer Mobilitätskon­ zepte will die Stadt nur noch 0,3 Pkw-Stellplätze pro Wohneinheit vorschreiben. Stuttgart geht noch einen Schritt weiter. Dort ist für 35 Quadratmeter neuer Wohnraum ein wettergeschützter Abstellplatz fürs Fahrrad nachzuweisen. Dieser kann mit der nötigen Pkw-Stellfläche verrechnet werden. Grüne Dächer und Fassaden Potenzial für mehr Stadtgrün gibt es auch in der Höhe. Begrünte Dächer und Fassaden strahlen positiv auf die Umgebung aus. Sie verhindern, dass sich Ge­bäude auf­ heizen und schaffen vielfältige Lebensräume. Zuweilen lohnt es auch, über eine Aufstockung von Altbauten nachzudenken: um ohne Bodenversiegelung neuen Wohnraum ­und moderne Dachflächen zu schaffen, die man begrünen oder auch für die Photovoltaik nutzen kann. Jens Hilgenberg Für grüne Dächer hat die Kreisgruppe Region Hannover mit der Landeshauptstadt ein vorbildliches Förderprogramm aufgelegt: → www.bund.net/dachbegruenung


Fotos: Thomas Hapke CC By 4.0

Natur im obersten Stock Begrünte Dächer sind in unseren Städten noch die Ausnahme. Dabei sorgen sie für ­Vielfalt und ein gutes Mikroklima.

Steigende Temperaturen

Grüne Klimaanlagen Städte wird der Klimawandel besonders treffen – sie neigen zu Über­wärmung und Smog. Der wirksamste Schutz dagegen: mehr urbanes Grün!

O

b sich die globale Erwärmung auf zwei Grad be­ schränken lässt, ist fraglich. Sicher ist jedoch: In urbanen Brennpunkten wird sich der globale Klima­ wandel deutlich stärker bemerkbar machen. Ein be­ sonderes Augenmerk verdient deshalb das städtische Mikroklima. Speziell in Ballungsräumen werden die Menschen in Zukunft gesundheitliche Probleme be­ kommen. Hitzewellen dürften häufiger werden, und sie werden länger andauern. Hohe Temperaturen belasten Herz und Kreislauf. Und sie fördern austauscharme Wetterlagen und damit die Luftverschmutzung.

Stadtgrün wirkt Grünflächen können hier für einen Ausgleich sorgen, ihre Bedeutung für ein gesundes Stadtklima wächst. Doch viele Städte opfern ihre grünen Inseln (wie Bra­ chen oder Kleingärten) eher der baulichen Verdich­ tung, als neues Grün zu schaffen. Wo Grünflächen ­fehlen, leiden die Stadtbewohner bei längeren Hitze­ perioden von Tag zu Tag mehr. Immer mehr Wärme speichern die Siedlungskerne dann, die nirgends mehr eine Abkühlung erfährt. Wie sich dagegen wappnen? Vor allem Parks und Straßenbäume können für Lin­ derung sorgen: Ihr Schatten senkt die gefühlte Tempe­ ratur erheblich. Gleichzeitig binden Pflanzen Staub und speichern Wasser. Höchst wirksam sind begrünte Fassaden, die tagsüber Kühlung bringen und nachts die Wärmestrahlung reduzieren. Diesen Effekt zeigen Grünflächen jeder Größe. Wichtig ist es daher, Städte ausreichend zu durch­ grünen und in der Innenstadt auf Schneisen für Frisch­ luft zu achten. Straßenbäume sollten Trockenheit tole­

rieren und bei Hitze nicht so viel Isopren freisetzen (was zu hohen Ozonwerten führt). Geeignet sind zum Beispiel Feldahorn oder Vogelkirsche. Unterschätzt wird oft die Bedeutung der »Spontanvegetation« – also der Pflanzen, die in Pflasterritzen, auf Baumscheiben oder Brachen gedeihen. Kleinräumig tragen sie eben­ falls zur Verdunstung und nächtlichen Abkühlung bei. Als Folgen des Klimawandels werden meist Hitze und extreme Unwetter diskutiert. Zu selten bedacht wird, dass steigende Temperaturen urbane Inversions­ lagen fördern: In der Stadtluft konzentrieren sich dann Stickstoffdioxide und Feinstaub – deren Grenzwerte schon heute oft überschritten werden. Jetzt handeln Höchste Zeit also, unsere Städte an den Klimawandel anzupassen! Städtische Grünflächen tun gut: dem Klima, indem sie weniger Wärme speichern, Frischluft produzieren und ein positives Mikroklima schaffen. Und somit auch unserem Wohlempfinden, der Naherholung und dem Schutz der biologischen Vielfalt. Der BUND fordert die Städte und Kommunen auf, für eine klimagerechte Entwicklung zu sorgen – was vor allem bedeutet, gezielt für mehr Grünflächen zu sorgen – nicht zuletzt an Fassaden und auf Hausdächern. Lutz Katzschner

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Der Autor Lutz Katzschner beschäftigt sich am Institut für ­urbane Entwicklungen der Uni Kassel unter anderem mit den Folgen des Klimawandels und ist Sprecher des Fachrats im BUND Hessen.


Gemeinsam für die Stadtnatur Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf und BN-Vorsitzender Hubert Weiger bei der Auftaktveranstaltung der Kampagne »StadtNatur«.

Foto: Umweltministerium

Baumbestand zu erhalten oder durch Neupflanzungen zumindest zahlenmäßig zu ersetzen. Kaum zu glauben, aber leider wahr: In der Stadt München hat sich der Baumbestand zwischen 2005 und 2010 um insgesamt 13 000 Exemplare verringert, vor allem durch Fällungen auf Privatgrund. Werbung für »Freund Baum« Der Landesvorstand des BN hat deshalb beschlossen, sich mit einem eigenen Projekt an der landesweiten Kampagne »StadtNatur« des bayerischen Umweltmi­ nisteriums zu beteiligen. Schwerpunkt dieses neuen BN-Projektes soll eine fantasievolle Sympathiewerbung mit vielfältigen Aktionen für »Freund Baum« bei politi­ schen Entscheidungsträgern ebenso wie bei Stadtbe­ wohnern sein. Der BN will sich aber auch dafür einset­ zen, dass die noch immer als Hitzeinseln wirkenden Parkplatzflächen in den Städten besser und dichter als bisher mit Bäumen bepflanzt werden. Der BN setzt sich dafür ein, dass die ökologische Qualität der Städte erhalten bleibt, damit sie auch ein qualitativ hochwertiger Lebensraum für Menschen bleiben. Zum anderen können Stadtnaturflächen heute auch Rückzugsräume für viele Tier- und Pflanzenarten sein. Alle Bürgerinnen und Bürger können etwas für die Natur in ihrer Stadt zu tun, zum Beispiel, indem sie eine Baumpatenschaft übernehmen. Der BUND Natur­ schutz wird in den nächsten Monaten eine ganze Pa­ lette Veranstaltungen und Aktionen in diesem Bereich durchführen und steht gerne als Ansprechpartner für Fragen rund um die Themen »Naturschutz in der Stadt« und »Bäume in der Stadt« zur Verfügung. Hubert Weiger

BN beteiligt sich an Kampagne des Umweltministeriums

Mehr Grün für Bayerns Städte!

Ein eigenes Häuschen im Grünen – das war über viele Jahrzehnte der Wunschtraum vieler Menschen. Dieser Trend hat sich längst umgekehrt – auch in Bayern lebt heute ein Drittel der Bevölkerung in Städten. Doch auch Stadtbewohner möchten kein Dasein in einer grauen Betonwüste fristen. ie jüngste Studie des Bundesumweltministeriums zum Naturbewusstsein (2015) hat gezeigt, welch hohen Stellenwert Parks und Straßenbäume für Stadt­ bewohner haben: 91 Prozent sind der Meinung, dass Natur für die Klimaanpassung in den Städten eine sehr wichtige oder wichtige Rolle spielt. Diese hohe Wert­ schätzung ist sicher auch das Ergebnis der vielen posi­ tiven Wirkungen von Bäumen in der Stadt. Dabei gilt: Der Autor Je größer und älter der Baum, umso größer seine Wir­ Professor Hubert kung. Bäume in Städten wirken als Lärmschlucker und Weiger ist der VorBodenschützer, als Wohlfühl-Oasen für Menschen, zu­ sitzende des BUND gleich als Arche Noah für Tiere und Pflanzen. Kindern Naturschutz. bieten sie vor der Haustüre Möglichkeiten zum Spielen und zur unmittelbaren Naturerfahrung, können sich aber auch sehr positiv auf die Gesundheit ihrer Anwoh­ ner auswirken. Aus Sicht des BN besonders bedeutsam aufgrund des Klimawandels ist ihre Wirkung als natürliche Kli­ maanlage durch Wasserverdunstung ebenso wie durch den Kühl- und Beschattungseffekt. Dabei spielen vor allem großkronige Laubbäume eine Rolle. Und dennoch: Stadtbäume haben es in der Stadt immer schwerer, denn: Immer mehr (Groß-)Städ­ ten gelingt es wegen des Bebauungsdrucks und einer nur an maximalen Gewinninteressen orientierten In­ nenverdichtung nicht mehr, den vorhandenen (Alt-)

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Wie heiße ich?

Foto: Fotolia/mzphoto11

Foto: Julia Puder

D

Nachdem das Eichhörnchen in der Stadt bevorzugt auf großen Laubbäumen lebt, hat der BN den niedlichen Nager zum Symboltier für das Thema Bäume in der Stadt gewählt. Jetzt brauchen wir die kreative Mithilfe aller großen und kleinen Eichhörnchenfreunde in Bayern! Wie soll der putzige Botschafter für mehr Naturschutz in der Stadt heißen? Wer eine Idee hat, schickt eine Mail mit dem Namensvorschlag an helmut.schultheiss@bund-naturschutz. de. Als Gewinn für die schönsten Vorschläge winken Bücher, Tassen und T-Shirts mit Eichhörnchenmotiv. Einsendeschluss ist der 16. September.


Von Baumpatenschaften bis Urban Gardening

Im Einsatz für die Stadtnatur Foto: KG Nürnberg

Viele Aktive des BUND Naturschutz machen sich für die Bewahrung und Pflege der Natur in ihrer Stadt stark. Wir zeigen stellvertretend für das breite Engagement zwei Beispiele.

Die Kreisgruppe Nürnberg-Stadt engagiert sich auf vielfältige Weise dafür, dass neben den circa 500 000 Einwohnern auch die Natur in der fränkischen Metro­ pole genügend Platz zum Leben hat. Mit vielen inno­ vativen Ideen will sie dabei bei den Nürnbergern ein Bewusstsein für die Natur ihrer Heimat schaffen. So besitzt sie mit dem Heilkräutergarten am Hallertor und dem Sebalder Hofgärtchen mehrere Gärten im Stadt­ bereich. Auch ein Urban Gardening-Projekt erfreut sich großer Beliebtheit: Interessierte können Beet-Paten­ schaften übernehmen und diese nach ihren Vorstellun­ gen bepflanzen und gestalten. Das macht Spaß und die Natur profitiert von einer Vielzahl kleinster Lebensräu­ me, die neben Insekten auch Vögel wie den Stieglitz anzieht. Daneben engagieren sich die Nürnberger für den ­Erhalt von innerstädtischen Biotopen. Bemerkenswert ist hier das Projekt »Grünzug Eibach«, bei dem bereits vorhandene wertvolle Bioptopflächen verbunden wer­ den. Ziel ist es, eine Art »Grünes Band von Nürnberg« zu schaffen, das Tieren einen Lebensraum bieten und großen Besucherzahlen als Erholungsgebiet dienen ­ kann. Auch Bäume kommen in der Kreisgruppe nicht zu kurz: So hat sie einen eigenen, sehr aktiven Arbeits­ kreis, der sich um deren Schutz kümmert. Man kann Baumpatenschaften übernehmen und es wurde sogar eine Stiftung für Bäume im Stadtgebiet gegründet. Die Weichen für eine grüne Zukunft der Metropole sind gestellt. → www.nuernberg-stadt.bund-naturschutz.de

Natur in München Nirgendwo in Bayern ist der Bebauungsdruck auf Frei­ flächen so enorm wie in der Landeshauptstadt. Im ­boomenden München Grün in der Stadt zu erhalten, ist eine wahre Herkulesaufgabe. Bis 2030 sollen in Mün­ chen weitere 150 000 Menschen eine Wohnung finden. Derzeit plant die Stadt zum Beispiel im Nord­osten einen neuen Stadtteil. Der BUND Naturschutz bringt in den Planungsprozess seine Vorstellungen einer nach­

Foto: Martin Hänsel

Natur in Nürnberg

haltigen Siedlungsentwicklung ein. Stadtplaner wollen dort deutlich mehr Menschen ansiedeln und entspre­ chend viel Natur zerstören. Darüber hinaus kämpft die Kreisgruppe für die Ausweisung von Schutzgebieten auch und gerade im Ballungsraum. Für den Erhalt alter Bäume im Stadtgebiet setzt sich der Arbeitskreis Baumschutz ein. Als einzige Kreis­ gruppe des BN bietet München in Zusammenarbeit mit der Stadt eine Baumschutzsprechstunde an und be­ schäftigt eigens dafür eine Teilzeitkraft. Für den Erhalt der bestehenden Biotope und Grün­ flächen legen sich die Münchner BN-Aktiven mächtig ins Zeug, sind diese Flächen doch oft genug die letzten Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen. So kümmert sich die Kreisgruppe zum Beispiel um den Erhalt eines Biotops mit dem einzigen noch bestehenden Kamm­ molchvorkommen im Stadtgebiet. Ein Dauerbrenner ist nicht nur München, aber gerade dort die Frage, wie Grünflächen vor Schaden durch Übernutzung bewahrt werden können. Hier hat die Kreisgruppe erst vor kur­ zem unter dem Motto »Wir lieben die Isar zu Tode« Alarm geschlagen. → www.bn-muenchen.de

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In Aktion In Nürnberg setzt sich die Kreisgruppe für den Erhalt von Bäumen in der Stadt ein, wie hier am Henkersteg (oben). Der Arbeitskreis Artenschutz in München kümmert sich hier gerade um das einzige Kammmolchbiotop im Stadtgebiet.


Weiße Seerose Im flirrenden Hochsommerlicht erscheinen ufernahe Wasserflächen mancher Weiher, Teiche, Altwässer oder stiller Seebuchten geradezu märchenhaft unwirklich: Die weiße Seerose (Nymphaea alba) hat sie überwachsen – mit großen, dunkelgrünen Blättern und weißgelb leuchtenden Blüten, die zu den größten der heimischen Pflanzenwelt gehören.

Foto: privat

W

Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­P flanzenbücher verfasst.

undersame Geschichten sind seit alter Zeit über die auch Nixblume, Wasserlilie oder Wasserrose genannte Pflanze entstanden. Plinius (23 – 79 n. Chr.) erzählt in seiner »Naturgeschichte«: Eine Nymphe habe sich einst in den Zeussohn und Helden Herkules ver­ liebt, dieser sie aber verschmäht. Aus Mitleid hätten sie die Götter in die schöne Blume verwandelt. Anton von Perger schreibt in »Deutsche Pflanzensagen« (1864), die Seerose sei eine verzauberte Seejungfrau, die um Mitternacht in Elfengestalt auf dem Wasser tanze. Auf den Blättern würden kleine Wassergeister bei Mond­ schein über die Fluten gleiten, unter ihnen sich der lau­ ernde Nix verstecken. In der Novelle »Immensee« von Theodor Storm (1817 – 1888) erscheint eine nächtlich mit weißer Blüte lockende Wasserlilie als Sinnbild von Liebe, Sehnsucht und Verzicht. Im Frühjahr entspringen dem am Gewässerboden kriechenden Wurzelstock die bis drei Meter langen, von Luftkanälen durchzogenen Blatt- und Blütenstiele. Die auf der Oberseite mit einer Wachsschicht bedeck­ ten Blätter sowie die Blüten liegen dem Wasser auf, ebenso wie die Blätter anderer Schwimmblattpflanzen, beispielsweise Gelbe Teichrose, Wasserknöterich oder Schwimmendes Laichkraut. Die weiße Seerose wächst in stehenden bis langsam fließenden, nährstoffreichen Gewässern mit humosem Schlammboden und Wasser­ tiefen von 0,8 bis zwei Metern – Bedingungen, die in

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Buchtipp: Zauberpflanzen Hexenkräuter

Von Alraune und Königskerze bis ­Eisenhut und Tollkirsche: In diesem Buch stellt unsere Autorin Gertrud Scherf die Geheimnisse magischer Pflanzen vor – eine spannende Symbiose aus alten Überlieferungen und modernem Pflanzenwissen. Zu jeder Pflanze gibt es einen botanischen Steckbrief, ­Mythos, Magie, Geschichte, Brauchtum, Nutzung und Heilwirkung. BLV-Verlag, ISBN-Nr. 978-3-8354-1240-8, 24,99 Euro, ­erhältlich im Buchhandel oder im Internet

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Der BLV Pflanzenführer für unterwegs«, BLV Buchverlag

Porträt

vielen Kleingewässern und der Schwimmblatt­ zone von Seen gegeben sind. Diese erstreckt sich zwischen dem landwärts liegenden Schilfgürtel und der seewärts an sie gren­ zenden Tauchblattzone. Die Blüten sind nachts geschlossen und tagsüber im Son­ nenlicht geöffnet. Mit großzügigem Pol­ lenangebot locken sie Fliegen und Käfer zur Bestäubung an. Gern sitzt der Teichfrosch auf den ledrig-festen Blättern und hält nach Beute Ausschau. Bereits in der Antike galt die Pflanze als Mittel zur Dämpfung des Geschlechtstriebs. Auch Leonhart Fuchs schreibt in seinem »Kräuterbuch« (1543) über die anaphrodisierende Wirkung von »Seeblumen«: »Die wurtzel gesotten vnd getruncken / macht keüscheyt«. Vermutlich aber nicht aus diesem Grund fanden die Seerosen-Blätter Eingang in die Klosterwappen von ­Tegernsee und Frauenchiemsee und von dort später in die Landkreiswappen von Miesbach und Rosenheim. Aus dem Wurzelstock der giftigen Pflanze wurden früher, nach entgiftender Vorbehandlung, Stärke und Mehlersatz gewonnen. Auch zum Gerben hat man ihn verwendet sowie zum Braunfärben von Wolle und Baumwolle. Nach der Bundesartenschutzverordnung sind die Weiße Seerose und die drei anderen heimischen Seero­ sen-Verwandten (Glänzende Seerose, Gelbe Teichrose, Kleine Teichrose) »besonders geschützt«. Die Weiße Seerose ist in Deutschland nicht gefähr­ det, sie erscheint aber in den Roten Listen einiger Bun­ desländer – in Bayern unter Kategorie 3 (»gefährdet«). Der BUND Naturschutz weist auf die Bedeutung ste­ hender Kleingewässer wie Weiher, naturnahe Teiche oder Altwässer für die Artenvielfalt hin, benennt Ge­ fährdungsursachen (insbesondere Verfüllung, Über­ düngung, Pestizideinsatz, Belastung oder Zerstörung der Uferbereiche durch Erholungsbetrieb) und ruft zum verstärkten Schutz dieser sensiblen, ökologisch bedeutsamen Lebensräume auf.


Gerettete Landschaften

Foto: Andreas Kelm

Weltkulturerbe statt Mülldeponie: Die für ihre Fossilienfunde berühmte Grube Messel bei Darmstadt sollte in den 1980er-Jahren mit Müll verfüllt werden. Der BUND konnte dies gemeinsam mit vielen Verbündeten verhindern – und damit auch die reiche Tier- und Pflanzenwelt des einstigen Schiefertagebaus erhalten.


Foto: Helmut Brand

Metamorphose Am Ufer noch artige Landratten, verwandeln sich die Stephansposchinger Kinder in Piraten, kaum dass sie auf der Donauinsel gelandet sind.

Ehrenamt im BUND Naturschutz

Donaupirat auf Lebenszeit Mit der Takatuka, dem bunten BN-Schiff, erkunden jährlich um die 1000 Kinder die artenreiche Auenwelt der Donau und erleben, was frei fließende Flüsse so wertvoll macht. Heidi Tiefenthaler ist mit den Donaupiraten in See gestochen.

N

ein, wie Piraten sehen die Drittklässler aus ­Stephansposching im Landkreis Deggendorf nicht aus: rosafarbene, hellblaue und neongelbe ­Kappen oder Hüte auf dem Kopf, adrette Shorts und Rüschenröckchen, Turnschuhe oder Gummisandalen. Keine Spur von Holzbeinen, Augenklappen oder ver­ filzten Haaren. Das ist auch gut so, denn gleich beim ersten Spiel am Donauufer können die Kinder gesun­ de Beine und Augen brauchen. Nach der Busfahrt zum Ruderhaus in Deggendorf sorgen die Donaukapitäne

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Norbert und Hanna erst einmal dafür, dass die Kids rennen und ein bisschen Dampf ablassen. Und so geht die anschließende »Verladung« ins BN-Schiff halbwegs ­zivilisiert vonstatten. Die Takatuka schaukelt himmel­ blau und wolkenweiß, mit Totenkopf-Flagge und »Kriegsbemalung« am nahen Ufer. Es ist ihr allererster Einsatz in diesem Jahr – generalüberholt mit frischem Anstrich und neuen Teppichen. Von der Decke bau­ melt ein Fischernetz.


Bairisch als Piratensprache Aus der ehemaligen DDR stammt das über 35 Jahre alte Schiff. Seit 17 Jahren ist es den BN-Kapitänen treu zu Diensten. »Teilweise kommen die Besucher schon in der zweiten Generation zu uns«, sagt Irene Wein­ berger-Dalhof, die seit 14 Jahren die Geschicke des ­Takatuka-Projektes leitet. Sie sorgt dafür, dass die Aus­ fahrten glatt laufen. Gewitterstürme, Hochwasser – das alles hat es während der Saison schon gegeben. Weniger kann die angehenden Piraten auch nicht ­erschüttern. »Mit Wind und Regen kommen wir in der Regel gut zurecht. Deswegen wird keine Tour abge­ sagt«, meint Irene. Einige nesteln noch an ihren Schwimmwesten herum: Wo der lange Gurt hin muss? Zwischen die Beine. »Aha, a Sackerlhoiter«, tönts da aus der letzten Reihe. Bairisch ist bei den angehenden Seeräubern ­offenbar noch anerkannte Landessprache. Hanna holt die Landungsbrücke ein und steuert uns umsichtig ­hinüber zur Fischerdorfer Donauinsel. Der BN hat drei Kapitäne, was bei durchschnittlich 1000 Piratenlehr­ lingen pro Jahr nur gut ist. Wie Norbert, der schon seit zehn Jahren der erste Mann an Bord ist, hat Hanna studiert und langjährige Erfahrung in der Umwelt­ pädagogik. Das Wetter ist schwül, dicke graue Wolken wechseln sich mit gleißendem Sonnenschein ab. Das Schiff wird mit dem Tau an einem Baumstamm festgemacht und wie die Hühner laufen die Kleinen einer nach dem anderen den schmalen Landungssteg hinunter. Die Donauinsel ist auf den ersten Blick kein Naturidyll. Mächtige Steinquader und -platten künden von einer Zeit, in der nichts am Fluss dem Zufall überlassen wurde. Die Kinder sind trotzdem aufgeregt. Und als Käpt’n Norbert uns tiefer ins Inselinnere hineinführt, schließen sich Riesenpappeln, Erlen und Weiden­ gebüsch um uns und die nahe Stadt scheint in weite Ferne zu rücken. Zeit, aus den braven Schulkindern echte Piraten zu machen. Jeder bekommt ein orange­ farbenes Tuch auf den Kopf und dicke Filzstifte in die Hand. Im Nu zieren Augenklappen, Bärte, Narben und gruselige Tätowierungen die zarte Kinderhaut. Was ist eigentlich eine Aue? Norbert will nun endlich mit der Piratenausbildung anfangen. Seeräuber müssen nicht nur körperlich fit sein, sagt er, sondern auch Grips im Kopf haben. Frage 1: Was steht auf der Takatuka-Flagge? Was Komisches, denken die Kinder wahrscheinlich. »Aue ade? Ne!« – das geht einem bayerischen Kind eher schwer über die Lippen. Macht aber nix und ist vom Ansatz her ja trotzdem richtig. Und wer noch nicht weiß, was eine Aue ist, der lernt es während Norberts folgender ­Vorführung. Die Feuerstelle wird zum Schwarzwald, da kommt die Donau her. Norbert schüttet eine erste Gießkanne aus und die Donau fließt durch Max’ Beine aus dem Schwarzwald hinaus. Erst noch schmal und klein, doch schon mit der zweiten Gießkanne wird der Fluss immer mächtiger und breitet sich nach den ­Seiten hin aus. Die kleinen Plastiktiere, die Norbert

überall platziert hat, stehen mal im Wasser, mal im Trockenen, je nachdem, wie viel Wasser er gerade nachgießt. So ist also das Leben für Tiere und Pflanzen im Auwald. Da heißt es, sich so gut wie möglich anpas­ sen. Das haben die Kinder jetzt verstanden. Und im Tiere Erkennen, sind sie ohnehin ganz groß: Aal, Wal­ ler, Grünspecht, Biber und Graureiher – irgendjemand aus der Klasse hat immer die richtige Antwort parat. Da macht sich die donaunahe Kindheit bemerkbar. Anspruchsvolle Ausbildung Jetzt geht es an die praktischen Einheiten. Ein richtiger Pirat muss mit dem Fernrohr – in unserem Fall sind es Ferngläser – umgehen können. Klar, im Ausguck ist das wichtig. 2. Wer andere Schiffe entern will, muss an einem Tau hochklettern und sich dort gut festhalten können. Norbert macht die elegante Fußwickeltechnik vor und der kleine Fabi schafft’s fast bis nach oben. Weiter geht’s, vorbei an der Biberburg, einer Biber­ rutsche und hinauf auf den umgestürzten Riesen­ stamm: Balancieren, schleichen, im Dunkeln orientie­ ren, einen Brennessel-Dschungel durchqueren, das Gewicht eines Bibers erraten – das Ausbildungspro­ gramm ist vielfältig und anspruchsvoll. Norbert ist ein routinierter Piratenausbilder. Er hat eine gute Art mit Kindern, ernsthaft, ohne lehrmeisternd zu sein. Bis zu

Auf der Seite »BN aktiv« berichten wir über unsere Aktiven und ihre vielseitigen Naturschutzaktionen in ganz Bayern. 30 Halbtags- und 15 Ganztagstermine stemmt er pro Saison. Und das in relativ kurzer Zeit, denn die ­Fischerdorfer Donauinsel steht seit 2004 als Land­ schaftsbestandteil unter Schutz und darf nur zwischen 16. Juli und 15. Oktober betreten werden. 250 Euro kos­ tet den BN ein halber Tag auf dem Takatuka-Schiff. Die Schulklassen spenden für die Veranstaltung, was sie für richtig finden. Den Rest finanziert der Verband. Wer seine Mückenstiche kühlen will, kann am Ende der Ausbildung noch im Fluss baden. Im Unterschied zu echten Piraten können unsere nämlich schwim­ men. Dann ist es schon wieder Zeit, aufs Schiff zu gehen und der Kapitän muss nachdrücklich werden, um die Land- und Wasserratten wieder an Bord zu bringen. Doch als es losgehen soll, bewegt sich die ­Takatuka nicht so recht von der Stelle. Der Kiel sitzt auf. »Die Dicken müssen nach vorne«, heißt es. Und die Dicken, das sind in diesem Fall wir Erwachsenen, die Lehrerinnen, der Fotograf, Irene und ich. Es funk­ tioniert und kurz darauf sind wir wieder auf hoher See. Na ja, eigentlich dauert die Überfahrt nur um die zehn Minuten. Gerade lange genug also, um die Ur­ kunden entgegenzunehmen. Wir sind jetzt alle Donau­ piraten auf Lebenszeit, gezeichnet und bestätigt von Käpt’n Norbert Bieber. Und er heißt wirklich so – kein Witz. Heidi Tiefenthaler

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Großes »Citizen Science«-Projekt zeigt:

Gute Nachrichten: Die einst ausgestor­ bene Wildkatze ist nach Bayern zurück­gekehrt. Allmählich erobert sich die scheue Jägerin neue Reviere auch in S ­ üdbayern. Diese Erkenntnisse verdankt die Forschung einem einzigartigen­ ­»Citizen Science«-Projekt, an dem auch 2015 wieder Hunderte Freiwillige mitarbeiten.

Foto: Thomas Stephan

Wildkatze wandert weiter nach Süden

dank einer Förderung aus Mitteln der Jagdabgabe – mit über 1100 Lockstöcken neue Wildkatzenvorkommen im Steigerwald, im Nürnberger Reichswald und im Jura­ n Bayern war die Wildkatze ausgestorben. 1984 star­ bogen bis nördlich der Donau belegen. Die Lockstocktete der BN eine Wiedereinbürgerungsaktion und Methode macht sich die Vorliebe der Katzen für Baldri­ setzte bis 2009 vor allem im Spessart über 600 Wild­ an zunutze: An geeigneten Standorten werden Stöcke katzen aus. Dort entwickelte sich das erste bayerische aus aufgerautem Holz in den Boden gesteckt und mit Wildkatzenvorkommen. Der Spessart und danach die Baldrian besprüht. Wenn die Katzen sich daran reiben, Rhön und die Haßberge galten in den vergangenen Jah­ bleiben Haare hängen. Diese Haare werden eingesam­ ren als die einzigen sicheren Wildkatzenvorkommen­ melt und genetisch untersucht. So kann einwandfrei in Bayern. 200 ehrenamtliche BN-Aktive, Jäger und nachgewiesen werden, dass eine Wildkatze unterwegs Förster konnten in den Wintern 2013 und 2014 – auch war und keine Hauskatze.

I

Erfolgreiche Rückkehr Die roten Punkte stehen für sichere Wildkatzennachweise. Sie zeigen auf den Karten von 2002 (links) und 2015 (rechts), wie erfreulich sich die Wildkatze bereits in ­Bayern wieder ausgebreitet hat.

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Erste Nachweise südlich der Donau im Raum Augs­ burg und ein Fund im Landkreis Unterallgäu waren der Anlass, um in einer konzertierten Aktion auch Südbay­ ern genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Vorhaben ist ein bundesweit einzigartiges »Citizen Science«-For­ schungsprojekt zum Schutz der Biologischen Vielfalt mit Beteiligung hunderter Freiwilliger, darunter auch viele Jäger, Förster und Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten. Wildkatze braucht wilde Wälder 2015 konnten die Funde im Unterallgäu durch mehrere weitere Funde bestätigt werden. Neu waren die vermu­ teten Nachweise im Nationalpark Bayerischer Wald und in den Wäldern Schwabens. Die Untersuchungs­ ergebnisse aus Südbayern zeigen, dass die Rückkehr einer ausgerotteten Art Geduld braucht: Trotz des Ein­ satzes von rund 1100 Lockstöcken durch 300 ehrenamt­ liche BN-Mitarbeiter und die Mitarbeiter der Bayeri­ schen Staatsforsten 2015 wurden in Südbayern nur an 17 Lockstöcken Wildkatzenhaare nachgewiesen. Die ersten Wildkatzen wurden nachgewiesen in den Land­

www.bund-naturschutz.de/projekte/wildkatze www.bund.net/wildkatzensprung

Foto: privat

kreisen Donau-Ries, Dillingen, Neuburg-Schroben­ hausen, Eichstätt, Kelheim, Augsburg, Unterallgäu und Freyung-Grafenau. Trotz großem Aufwand gelangen keine Nachweise in den waldarmen Bereichen im Süd­ osten und Osten von Bayern, auch die Alpen wurden von der Art bislang nicht erreicht. Die Untersuchung des vergangenen Jahres zeigt: Für einen stabilen Wildkatzenbestand sind große, natur­ nahe und wenig zerschnittene Waldflächen nötig. Ein optimaler Lebensraum sind »wilde« Wälder mit alten Bäumen, großem Nahrungsangebot und vielen Baum­ höhlen als Versteckmöglichkeiten. Wildkatzen sind ter­ ritorial: Die Reviere sind bei den Männchen bis über 20 Quadrat­kilometer, bei den Weibchen bis sechs Quad­ ratkilometer groß. In Baum- oder Felshöhlen ziehen die Wildkatzenweibchen zwischen zwei und vier Jung­ tiere alleine groß. Wenn sie herangewachsen sind, müssen sich die jungen Katzen ein eigenes Revier su­ chen. Waldkorridore erleichtern es den Tieren, auf der Suche nach einer neuen Heimat durchs Land zu wan­ dern, ohne Straßen oder Siedlungen durchqueren zu müssen. Mit dem Projekt »Wildkatzensprung« hat der BUND in ganz Deutschland grüne Korridore gepflanzt, um der Wildkatze die Wanderung zu erleichtern. Kai Frobel, Ulrike Geise (lf )

Foto: Markl-Meider

Ausruhen von der Wanderschaft Ein Nickerchen muss auch mal sein! Allmählich erobern sich Wildkatzen neue Reviere, zunehmend auch im Süden Bayerns.

Die Autoren Kai Frobel ist der Naturschutz­ referent des BN, Ulrike Geise ko­ ordiniert die BNAktivitäten rund um die Wildkatze.


Wildbienen Vieles ist über Wildbienen bekannt, aber dieses Wissen ist über eine kaum zu überschauende Fülle an Publikationen verstreut. Daher ­erstellte der renommierte Wildbie­ nen-Experte Erwin Scheuchl aus dem Landkreis Landshut ein Ta­ schenlexikon, das der bekannte Moosburger Naturfotograf Wolfgang Willner – beide langjährige BN-­ Mitglieder – bebilderte. Das Werk listet alle jemals für Deutschland, Österreich und die Schweiz gemel­ deten Wildbienenarten und Infor­ mationen zu deren Biologie und Verbreitung auf. Ein Nachschlage­ werk für alle, die mehr über die ­faszinierende Welt dieser hochinter­ essanten und leider sehr gefährde­ ten Insekten erfahren wollen. Erwin Scheuchl / Wolfgang Willner: Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas, Quelle und Meyer Verlag, 29,50 Euro

Kritisch ­hinterfragt Der kritische Ag­ rarbericht bringt jedes Jahr Hin­ tergrundberich­ te und Positio­ nen zur Agrar­ debatte. In die­ sem Jahr steht das Thema Wachs­ tum im Fokus. Dazu gehören Beiträ­ ge zur Milchkrise und zu TTIP, aber auch die Frage nach Wachstum im Ökolandbau und die Diskussion von ländlichen Räumen im Wandel. Auch Dauerbrenner wie Gentechnik und Tierhaltung sind mit lesenswer­ ten Beiträgen vertreten. Vom BNVorsitzenden Hubert Weiger und BN-Waldreferent Ralf Straußberger stammt ein Text zum Thema »Baye­ rische Staatsregierung verhindert Waldschutz im Steigerwald«. Agrarbündnis e. V. (Hsg.): Der kritische Agrarbericht 2016, Down­ load unter: www.agrarbuendnis.de (Printausgabe bereits vergriffen)

Schöpfung bewahren Die Enzyklika »Laudato si’« von Papst Franziskus sorgte im vergan­ genen Jahr für viel Aufsehen, denn zum ersten Mal benannte ein Kirchenober­ haupt so klar den Umweltschutz als notwendig und als gemeinsame Aufgabe der Menschheit. Man kommt aus dem Staunen nicht her­ aus, denn weite Teile der Enzyklika könnten aus Positionspapieren ­großer Umweltverbände stammen, zum Beispiel die Aussagen zu den Themen Klimawandel oder Verlust der Artenvielfalt. Der Papst betont vor allem die Verantwortung der rei­ chen Länder in Bezug auf gerechte Verteilung von Gütern und Zugang zu Ressourcen. Lesenswert! Papst Franziskus: Laudato si’, Verlag Katholisches Bibelwerk, 12,95 Euro

Bio.Logisch!

Aus der Region.

DE

Herbert Krückel mit seinen Bio-Legehennen in Schleerieth

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So erkennen Sie hochwertige regionale Bio-Produkte DE

EU BA

DE

N - W Ü RT T E M B E R

Baden-Württemberg

G

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www.biosiegel.bayern

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten


Fotos: Matthias Rueby

Auftakt Ein breites Bündnis macht mobil gegen CETA – hier die Auftaktveranstaltung zum Volksbegehren, die im Juli auf dem Münchner

Über 50 000 Unterschriften gesammelt

Volksbegehren gegen CETA gestartet »Bei Deutschland denke ich an gute Autos, bei Amerika an gutes Fleisch.« Das sagte, so zitiert es Petra Pinzler in ihrem Buch »Der ­Unfreihandel«, Terry Vinton, ein Rinderzüchter aus den USA auf einer Veranstaltung in Berlin. Dieser »Kuhhandel« zwischen europäischer Automobil- und US-amerikanischer Agrarindustrie scheint den Unterhändlern auf beiden Seiten des Atlantiks vorzuschweben.

D

ie beiden geplanten Freihandelsabkommen TTIP (EU-USA) und CETA (EU-Kanada) würden nicht nur tiefgreifende Veränderungen in der Landwirtschaft, sondern auch in der Kulturlandschaft mit sich bringen. Doch nirgends ist der Widerstand dagegen so stark wie in Bayern. Binnen eines Jahres wurden in Bayern 400 000 Unterschriften für die selbstorganisierte Bür­ gerinitiative Stop TTIP und CETA gesammelt. Dass der zivilgesellschaftliche Druck aus einem bisher nie dage­ wesenem breiten Bündnis Wirkung zeigt, lässt der ak­ tuelle Schlingerkurs der EU-Kommission vermuten: Im ersten Anlauf verkündete Kommissionspräsident JeanClaude Juncker, dass CETA ausschließlich in der Kom­ petenz der EU liegt (EU-Only-Abkommen). Mittler­ weile hat die EU-Kommission angekündigt, das CETAAbkommen durch die Mitgliedsstaaten ratifizieren zu lassen (gemischtes Abkommen). Die Gefahr besteht in der vorläufigen Anwendung des Abkommens, da der Ratifizierungsprozess Jahre in Anspruch nehmen wird. Somit könnte der Großteil des Abkommens vorläufig in Kraft gesetzt werden und stellenweise nicht mehr rück­ gängig zu machen sein. CETA als Türöffner für TTIP Die Mehrheit der US-amerikanischen Unternehmen (etwa 81 Prozent) haben einen Sitz in Kanada und wären im Fall einer Anwendung des CETA-Abkommens klageberechtigt. Im Bereich der Gentechnik öffnet CETA die Türen, denn Kanada ist neben den USA eines der wichtigsten Anbauländer gentechnisch veränder­ ter Pflanzen. Deshalb soll ein Volksbegehren CETA

stoppen. Die Initiatoren des Volksbegehrens sind der BUND Naturschutz, Campact, Mehr Demokratie, die Katholische Arbeitnehmerbewegung und das Umwelt­ institut München. Mittlerweile haben sich über 50 Un­ terstützerorganisationen und Parteien angeschlossen. Am 16. Juli ist in Bayern mit dem dezentralen Sam­ meltag das Volksbegehren gestartet worden – mit einem tollen Erfolg: Am ersten Wochenende wurden statt der benötigten 25 000 Unterschriften über 50 000 gesam­ melt! Das Volksbegehren hat zum Ziel, die Bayerische Staatsregierung per Volksentscheid zur Ablehnung des Kanadischen Freihandelsabkommen im Bundesrat zu verpflichten. Dies setzt voraus, dass die EU-Kommis­ sion bei einem gemischten Abkommen bleibt. Wie geht es weiter? Im Herbst diesen Jahres soll der EU-Handelsminister­ rat in Bratislava über den Vorschlag der EU-Kommissi­ on entscheiden, daher ruft ein breites zivilgesellschaft­ liches Bündnis am Samstag, 17. September 2016 in sie­ ben deutschen Städten gleichzeitig zu Großdemonstra­ tionen auf. In München beginnt die Demonstration um 12 Uhr auf dem Odeonsplatz. Im Herbst sollen die über 50 000 Unterschriften an das Bayerische Innenministerium übergeben werden. Wann es zu einer zweiten Stufe des Volksbegehrens kommt, kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Sicher ist nur, dass Terry Vinton, der US-amerikanische Rinderzüchter wohl noch einige Male nach Berlin kommen muss, um für seine Steaks zu werben.  Martin Geilhufe

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Marienplatz stattfand. Vom BN waren auch (vo. re.) Martin Geilhufe, Landesbeauftragter Richard Mergner und Luisa Deubzer von der BN-Fachabteilung mit dabei.

Der Autor Martin Geilhufe ist der BN-Referent für politische Kommunikation.


Goldener Scheckenfalter

Der Schmetterling mit dem heiklen Nachwuchs Der Goldene Scheckenfalter ist in den vergangenen 20 Jahren in Bayern zur Rarität geworden. Nur noch im Allgäu und am Grünen Band gibt es größere Vorkommen. Experten des BUND Naturschutz sorgen jetzt dafür, dass der schöne Schmetterling in eine bessere Zukunft fliegt.

E

ine Reihe schwarzer Punkte ­ auf orangem Grund, das ist das unverkennbare Merkmal des Golde­ nen Scheckenfalters. Der fünf bis sechs Zentimeter große Schmetter­ ling schlüpft in den ersten warmen Frühsommertagen Ende Mai aus der Puppe und kann, je nach Witte­ rung, bis Anfang Juli auf blütenrei­ chen Feuchtwiesen beobachtet wer­ den. In diesem Zeitraum paart er sich und legt seine Eier ab. Er bevor­ zugt Wiesen, die gut besonnt und durch einzelne Gehölze windge­ schützt sind. Voraussetzung: Die

Goldener Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) Klasse: Insekten (Insecta) Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera) Familie: Edelfalter (Nymphalidae) Status: deutschlandweit stark ­gefährdet Schutz: europaweit nach FFHRichtlinie und in Deutschland nach Bundesartenschutzverordnung streng geschützt

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-16]

Flächen dürfen nicht zu früh ge­ mäht werden, damit möglichst viele verschiedene Blumen dort wachsen. Von ihrem Nektar ernährt sich der Goldene Scheckenfalter.

Ein Lebenszyklus beginnt Ein Scheckenfalter-Weibchen kann einige Hundert Eier legen, die es oft auf mehrere Einzelgelege verteilt. Doch trotz Massenproduktion legt der Schmetterling seine Eier nicht einfach irgendwo ab. Nein, im nord­ bayerischen Projektgebiet heftet er sie ausschließlich an die Unterseite der Rosettenblätter einer speziellen Wildblume, dem Teufelsabbiss (Suc­ cisa pratensis). Nach etwa fünf Wo­ chen schlüpfen daraus die nur we­ nige Millimeter großen Jungraupen und schließen sich zu einer Art Ko­ lonie – einem Raupengespinst – zu­ sammen. Das feingesponnene Ge­ webe bietet mehreren Hundert Be­ wohnern Schutz vor Fressfeinden. Bis zum Winter haben die Rau­ pen ein schönes Leben: Sie fressen und wachsen. Das ist alles, was sie

Schwarz auf Orange Die Punktereihe ist das Erkennungsmerkmal des Goldenen Scheckenfalters.

zu tun haben. Wenn es kalt wird, ziehen sie sich in deutlich kleinere, bodennahe Überwinterungsge­ spinste zurück und ruhen bis zu den ersten warmen Frühlingstagen. Dann lösen sie ihre kleine Überle­ bensgemeinschaft auf, vereinzeln sich und fressen an verschiedenen Pflanzen, bis sie etwa drei bis vier Zentimeter groß sind. Zur Verpup­ pung heften sich die eher unschein­ baren Tierchen dann an die Stängel oder Blätter unterschiedlicher Pflanzen. Nach einigen Wochen schlüpft der erwachsene Schmetter­ ling in seinem orange-schwarzen »Festtagsstaat« und der Lebens­ zyklus beginnt von neuem.

Schwindende Lebensräume Das ist alles sehr fein geregelt. Warum also ist der schöne Falter vom Aussterben bedroht? Das liegt an seinen speziellen Ansprüchen: Im Projektraum sind die Jungrau­ pen in ihrer ersten Lebensphase auf den Teufelsabbiss angewiesen. Sie können sich in dieser Zeit von kei­ ner anderen Pflanze ernähren. Die­ ser wiederum bevorzugt ungedüng­ te, feuchte Standorte wie magere


Vorkommen neu vernetzen Der BUND Naturschutz hat dieser Ten­ denz den Kampf angesagt. In den ober­ fränkischen Landkreisen Hof und Wun­ siedel, dem sächsischen Vogtlandkreis sowie im tschechischen Grenzgebiet wer­ den deutsche und tschechische Arten­ schutzexperten sechs Jahre lang in einem rund 500 Quadratkilometer großen Pro­ jektgebiet die Vorkommen des Goldenen Scheckenfalters kartieren, sichern und vernetzen. Die Populationen sind teilwei­ se jedoch so klein, dass ihnen ohne Hilfe das Aus­sterben droht. Wanderkorridore und neu geschaffene »Futterplätze« sol­ len dafür sorgen, dass die Populationen sich wieder vernetzen und neue Vorkom­ men entstehen. Pflege, Pacht und Kauf von Flächen müssen dafür organisiert und die Öffentlichkeit informiert werden. Dieser Einsatz kommt aber nicht nur dem Falter zugute, sondern auch anderen selten gewordenen Feuchtwiesenbe­ wohnern, etwa dem Breitblättrigen Kna­ benkraut, dem Mohrenfalter oder dem Braunkehlchen. Auch Arnika, Kreuz­ blümchen und Flussperlmuschel profi­ tieren direkt oder indirekt von dem ­Artenschutzprojekt. Mehr Infos unter www.scheckenfalter.de

Foto: BN

Fotos: Wolfgang Willner, Nora Sichardt

Wolfgang Feuchtwiesen, Niedermoore und Heide­ Degelmann landschaften. Freie Bodenstellen und und Nora eine lockere Vegetation sind für seine Sichardt Keimung unerlässlich. Solche Lebensräu­ begutachten me waren früher häufig. Heute hingegen die Blüte eines verschwindet mageres Feuchtgrünland Teufelsabbiss’ zusehends – entweder, weil die Landwirt­ in einem typischen schaft intensiviert oder aber ganz aufge­ geben wird. Die Vorkommen des Golde­ ScheckenfalterLebensraum. nen Scheckenfalters gehen deshalb euro­ paweit stark zurück und in weiten Teilen ist der Falter bereits ausgestorben.

»Spezialisten brauchen besonderen Schutz« Wolfgang Degelmann, Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe Hof, leitet zusammen mit der Biogeowissenschaftlerin Nora Sichardt das Scheckenfalterprojekt am Grünen Band. Welche Zukunft sieht er für den Falter?

Kinderstube Mehrere Hundert Raupen wachsen im Gespinst des Goldenen ­Scheckenfalters geschützt vor Fressfeinden heran.

N+U: Herr Degelmann, das Gespinst des Goldenen Scheckenfalters erinnert etwas an problematische Arten wie den Eichenprozessionsspinner. Wird das dem Falter manchmal zum Verhängnis? Nein, es ist ja nicht so, dass die Wiesen von Gespinsten überzogen wären, das sind nur einzelne. In der Summe gibt es vielleicht 100 bis 150 Gespinste im gesamten Pro­ jektgebiet. Von daher ist das über­ haupt kein Problem. Alle Arten, die auf eine extensive Landwirtschaft angewiesen sind, haben es heutzutage schwer. Sehen Sie eine bessere Zukunft für diese Spezialisten? Oder müssen wir langfristig schon zufrieden sein, wenn wir einzelne Vorkommen retten? Das ist eine zentrale Frage im ­Naturschutz: Schaffen wir eine friedliche Koexistenz mit einer nicht mehr ganz so intensiven Landwirtschaft in weiten Teilen Deutschlands? Oder läuft es darauf hinaus, dass wir etwa zehn Prozent unserer Landesfläche unter Schutz stellen und uns auf den restlichen 90 Prozent weiter austoben wie bisher? Ich persönlich glaube, selbst wenn wir überall extensive Land­

wirtschaft hätten, wären Arten wie der Scheckenfalter immer noch nicht vor dem Aussterben gerettet. Solche Spezialisten brauchen ein­ fach noch mehr. Welchen Weg sehen Sie also im günstigsten Fall für den Goldenen Scheckenfalter? Er wird weiterhin auf Gebiete wie das Grüne Band angewiesen sein, wo es keine Erwerbslandwirtschaft, sondern bezahlte Landschaftsoder Biotoppflege gibt. Bauern, die ihre Wiesen erst Ende Juni schnei­ den und dann beispielsweise als Pferdeheu verkaufen. Wir brau­ chen solche Schutzgebiete – und wir brauchen mehr davon als wir derzeit haben. Haben Sie ein ganz konkretes Ziel vor Augen, das Ende 2021 erreicht sein soll? Alles, was wir uns wünschen, steht im Projekttitel: Erhalt, Pflege, ­Sicherung und Erweiterung der ­Lebensräume des Goldenen ­Scheckenfalters am Grünen Band. Wir wollen nach sechs Jahren sagen können, die Bestände haben sich nicht nur stabilisiert, sondern auch stärker miteinander vernetzt. Darum geht es uns vor allem. Interview: Heidi Tiefenthaler

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BN bleibt dran am Thema Donauausbau

Donau soll dynamisch bleiben

Foto: Wolfgang Willner

Die heftige Auseinandersetzung um den Bau einer weiteren Staustufe an der Donau zwischen Straubing und Vilshofen ist ­ seit 2012 ausgestanden. Nach wie vor aber engagiert sich der BUND Naturschutz zusammen mit vielen Verbündeten intensiv für die frei fließende Donau. Ziel ist die weitere ökologische Optimierung der geplanten Flussregulierungsbauwerke zu der sogenannten »Variante A+«.

betont haben, dass auch die Bayerische Staatsregie­ rung die Variante A+ verwirklicht sehen will.« Das war auch die Kernaussage von Florian Pronold (SPD). Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltmi­ nisterium sprach sich auf dem diesjährigen Donaufest ebenfalls für ein ökologisch optimiertes Vorgehen aus.

Foto: Tobias Erras

Einsatz für lebendigen Fluss Beim Donaufest 2016 hat sich der Parlamentarische Staatssekretär Florian Pronold für einen ökologisch optimierten Donauausbau stark gemacht. Auch sensible Bereiche, wie hier die Mündung der Isar in die Donau, sollen lebendig und dynamisch bleiben.

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azu bringt sich der BN intensiv in die laufenden Planfeststellungsverfahren ein. Für den ersten Ab­ schnitt zwischen Straubing und Deggendorf läuft seit 2014 ein Verfahren, von April bis Mai fanden die Erörte­ rungstermine statt. 2017 sollen knapp 40 weitere Pla­ nungsordner für den zweiten Streckenabschnitt auf den Tisch kommen. Der BUND Naturschutz hat zu den bisherigen Verfahren detaillierte Stellungnahmen ab­ gegeben. »Außerdem konnten wir in mehreren Runden Tischen bei der Regierung von Niederbayern unsere Ideen vorstellen«, erklärt Georg Kestel, Vorsitzender der Kreisgruppe Deggendorf. »Wir haben fest­gestellt, dass sich das Gesprächsklima verbessert hat und auch die Planung durchaus Schritte in die richtige Richtung macht. Es wurde registriert, dass der frühere Umwelt­ minister Dr. Marcel Huber g­ enauso wie die jetzige Mi­ nisterin Ulrike Scharf beim Donaufest in Niederalteich

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Im Fokus: Naturnaher Hochwasserschutz Größter Fortschritt ist die Vermeidung eines großen Teiles der geplanten Kolkverfüllungen. Kolke sind tiefe Flussstellen, die sich in Kurven oder an Flussbauwer­ ken bilden. Sie haben eine elementare Bedeutung als Lebensraum für die Fischfauna. »Im Flussbau möchten wir Bauwerke aus Granit-Wasserbausteinen vermeiden und durch naturnahe, künstliche Donauinseln aus Kies und Grobkies erstzen. Das stößt zwar auf Bedenken der Wasser- und Schifffahrts­verwaltung, aber es ist immer­ hin das Bemühen von Planern und Verwaltung erkenn­ bar, die »harten« Bauwerke aus Wasserbausteinen na­ turnäher zu gestalten«, erklärt Kestel. Im zweiten Teil­ abschnitt sollen im Sinne der Optimierung vor allem die Bereiche Isarmündung und Ausgang der Mühlha­ mer Schleife noch einmal auf den Prüfstand, auch in Sachen naturnaher Hochwasserschutz. »Hier soll mit Professor Stephan Theobald von der Universität Kassel ein externer Wasserbauexperte hinzugezogen werden«, erklärt der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. »Wir haben das Wort von Ministerialrat Klingen im Bundesver­ kehrsministerium, dass der Prozess der ökologischen Optimierung auch nach der Planfeststellung weiterge­ führt wird.« Das ist auch deshalb wichtig, weil zuguns­ ten der Verbesserung des Hochwasserschutzes alle Be­ teiligten die Verfahren zügig vorantreiben wollen. Der Fluss wird auf die neuen Leitwerke und die Bag­ gerungen intensiv reagieren. »Wir plädieren daher in unserer letzten Stellungnahme zum Monitoringkon­ zept dafür, notfalls etwas mehr Aufwand zum Beispiel für Kiesbaggerungen einzuplanen. Denn nur ein dyna­ mischer Fluss ist ein lebendiger Fluss«, erklärte Georg Kestel.


Foto: Winfried Berner

Traumhaftes Panorama Vom Riedberger Horn bietet sich ein traumhafter Blick auf benachbarte Gipfel. Doch die Idylle ist in Gefahr.

Bayerns Natur entdecken

Abschied vom Riedberger Horn? Mit gemischten Gefühlen sind wir an einem heißen Sommertag über den anstrengenden, aber attraktiven Weg von Balderschwang auf das Riedberger Horn gestiegen. Je näher man dem Gipfel kommt, desto weiter wird der Blick, aber desto bedrückender wird auch die Vorstellung, dass dieser schöne, ruhige, noch nicht vom Massentourismus überschwemmte Berg demnächst in eine Groß­ baustelle verwandelt werden soll.

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ls »Zone C« ist das Riedberger Horn im Bayerischen Alpenplan eingestuft: der höchste Schutzstatus. In den intensiv genutzten Allgäuer Alpen ist es einer der Rückzugsräume für Rote-Liste-Arten wie das Birkhuhn, aber auch für Wanderer, die nicht den Rummel, son­ dern die Ruhe suchen und daher abseits der Hauptstra­ ßen des Tourismus auf eigenen Füßen unterwegs sind, statt sich von Seilbahnen zum Gipfelglück tragen zu lassen. Die ortsansässigen Liftbetreiber träumen von einer – mit Mitteln des Bayerischen Wirtschaftsministeri­ ums geförderten – Skischaukel, die die Skigebiete von Balderschwang und Grasgehren verbinden und auch im Sommerbetrieb laufen soll. Und sie hätten keine Skrupel, zu diesem Zweck dieses einzigartige Mosaik verschiedenster trockener und feuchter Biotoptypen zu durchschneiden. Das bayerische Kabinett hat im Juli beschlossen, dem Riedberger Horn im Allgäu bei einem entspre­ chenden Bürgervotum vor Ort seinen Schutzstatus zu entziehen und damit den Bau einer Skischaukel zu er­ möglichen. Damit werden alle Grundsätze zum Schutz der bayerischen Alpen über Bord geworfen. War es doch genau Sinn und Zweck des Alpenplans und seiner Ruhezonen, attraktive Wanderberge loklawirtschaft­ lichen Verwertungsinteressen zu entziehen. Deshalb sind heute noch Berge wie der Watzmann, der Hoch­

gern oder die Rotwand nicht erschlossen. Auch ein Bürgerbegehren ändert nichts an der Tatsache, dass das Bauvorhaben nicht nur gegen die Alpenschutz­ konvention, sondern gegen so ziemlich jede einschlä­ gige Rechtsvorschrift verstößt. Zwölf schwerwiegende Rechtsverstöße weist die Stellungnahme des BN aus. Sollte die Skischaukel genehmigt werden und in Pla­ nung gehen, wird der BUND Naturschutz sich mit allen legalen Mitteln gegen diese umweltpolitische Geister­ fahrt wehren. Massenbetrieb statt Gipfelruhe droht Nach dem schweißtreibenden Schlussanstieg auf dem Gipfel angelangt, haben wir einen grandiosen Rund­ umblick nach allen Seiten. Dem Ortsunkundigen wird ganz schwindelig von den vielen bekannten Berg­ namen. Und im Westen schimmert, von Gipfeln teil­ weise verdeckt, der Bodensee durch. Fast alle Wande­ rer, die wir hier oben antreffen, sind den kürzeren, teil­ weise geteerten Weg von Grasgehren heraufgekom­ men: Ein Vorgeschmack auf den Rummel, der sich hier abspielen würde, wenn dieser großartige Aussichtsberg ohne eigene Anstrengung per Lift zu »erklimmen« wäre. Nach Norden liegt unter uns der GrasgehrenKessel, ebenfalls ein Birkhuhn-Refugium. Im unteren Teil des Kessels verlaufen die Lifte, von denen einer in Richtung Gipfel ausgebaut werden soll. Beim Abstieg nach Grasgehren spüren wir mit jedem Schritt, wie sich Gipfelruhe in Massenbetrieb verwandelt. Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner Ausgangspunkt / Ziel: Balderschwang, Ortsteil Schwabenhof (mit dem Bus von Grasgehren oder Oberstdorf) / Grasgehren Gehzeit: circa drei Stunden (Alpenvereinskarte Allgäuer Voralpen – West) Höhenunterschied: circa 700 Meter Wegcharakter: Bergwege und -steige Einkehr: unterwegs keine – Proviant und Wasser mitnehmen

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Die Autoren Winfried Berner, Mitglied des Landesvorstandes, hat mit seiner Frau ­Ulrike Rohm-Berner den Wanderführer »Gerettete Landschaften« ­verfasst. 14,90 Euro, im Buchhandel oder bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23- 9 99 57 20


Regionaler Dialog zum Steigerwald gestartet

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m 20. Juni 2016 fand in Gerolzhofen der erste Runde Tisch des re­ gionalen Dialogprozesses zum Steigerwald mit Vertretern der Landkreise, Gemeinden, Nutzer und Naturschutzverbände statt. Nach teils kontroversen Diskussionen erarbeiteten die Teilnehmer in konstruktiver Atmosphäre gemeinsam getragene Ergebnisse: So soll eine zuverlässige Datenbasis als Grundlage für Entscheidungen zur Ent­ wicklung des Steigerwaldes bilden; der Runde Tisch fordert dafür eine

Neue Filme über Risiken des Mobilfunks

Foto: Thomas Stephan

E sozioökonomische Analyse sowie eine Potenzialanalyse. Dabei sollen ergebnisoffen sechs Entwicklungsszenarien, darunter auch ein Natio­ nalpark, begutachtet werden. Diese sind auf ihre Chancen und Risi­ ken für den Schutz der Wälder und der Biodiversität sowie für die ver­ schiedenen Nutzungsansprüche systematisch zu prüfen. Ziel ist ein Konzept, das die unterschiedlichen Schutz- und Nutzungsinteressen berücksichtigt und dem Steigerwald möglichst breite Perspektiven er­ öffnet. Für die Erstellung einer derartigen Analyse erhofft sich der Runde Tisch eine Unterstützung der Landesregierung. In der zweiten Septemberhälfte wird der Dialog fortgesetzt.

Politischer Kampf gegen 10H-Regel geht weiter

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tomausstieg und Klimaschutz benöti­ gen Windenergie, auch in Bayern. Mit der sogenannten 10H-Regelung, der zufol­ ge der Abstand eines Windrads zur nächs­ ten Siedlung mindestens das Zehnfache der Bauhöhe betragen muss, hat die Bayeri­ sche Staatsregierung den Ausbau der Wind­ kraft im Freistaat jedoch praktisch unmög­ lich gemacht. Zudem stellt die Regelung einen Angriff auf die Natur dar, weil die we­ nigen noch zugelassenen Standorte oft in ökologisch besonders wertvollen Gebieten lägen. Auch dem Prinzip der dezentralen Energiewende, Strom dort zu produzieren, wo dieser verbraucht wird, widerspricht die willkürliche Abstandsregel. Der BUND Na­

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turschutz hatte deshalb gegen die Regelung mit politischen Aktionen gekämpft und sie mit Stellungnahmen zum Gesetz sowie im Umweltausschuss des Bundestages und im Energieausschuss des Bayerischen Land­ tages fachlich abgelehnt. Darüber hinaus hatte eine Gruppe von Klägern gegen die 10H-Regel geklagt – leider ohne Erfolg. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof wies die Klage im Mai zurück, da die Regelung nicht gegen die bayerische Verfassung ver­ stoße. Für den BN bedeutet das, seinen Ein­ satz gegen das Windkraft-Verhinderungs­ gesetz umso mehr auf politischer Ebene fortzusetzen.

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s ist vielseitig verwendbar, fast über­ all einsetzbar, macht Spaß und fast jeder hat eines: ein Smartphone. So fällt es leicht, die Kehrseite dieser faszi­ nierenden Technik zu ignorieren: die zunehmende Sucht, die Preisgabe vie­ ler persönlicher Daten und die Strah­ lung. Doch nur wer Bescheid weiß, kann sein Verhalten entsprechend än­ dern. Zwei Filme wollen dafür die Augen öffnen: Die als DVD erhältliche Dokumentation »Das Strahlungskar­ tell« verfolgt den Weg eines Arztes und zweifachen Familienvaters auf seiner Suche nach der Wahrheit über die Risi­ ken des M ­ obilfunks. Der Film »Thank you for calling« läuft seit Februar in ös­ terreichischen Kinos. Er fragt, warum ernsthafte Hinweise auf mög­liche Ge­ sundheitsrisiken kaum in der Öffent­ lichkeit bekannt werden. Anhand von Fakten und spannenden Interviews mit Insidern deckt »Thank you for cal­ ling« die Verschleierungstaktik der ­Mobilfunkindustrie auf. Wer dem Film auch hierzulande zu Aufmerksamkeit verhelfen möchte, kann mithelfen und die Kinos vor Ort darum bitten, den Film ins Programm aufzunehmen Mehr Infos: www.bund-naturschutz. de/mobilfunk


Frankenschnellweg: Gespräche zwischen Stadt und BN

Der Wolf kommt

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n Bayern sind in den vergangenen Jahren immer wie­ der einzelne durchziehende Wölfe nachgewiesen wor­ den. Allein im ersten Halbjahr 2016 wurden drei Wölfe gesichtet: Im März fotografierte eine Wildtierkamera im Landkreis Starnberg einen Wolf. Im April meldete das Landesamt für Umwelt eine Sichtung in der Hers­ brucker Alb. Ein weiterer Wolf hielt sich im Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald auf. Im Vorjahr hatte Bayern fünfmal Wolfsbesuch und im Jahr 2010 blieb ein Tier sogar ein ganzes Jahr in Bayern. Dauerhaft nieder­ gelassen hat sich im Freistaat bisher zwar wohl noch kein Wolf, doch das ist nur eine Frage der Zeit. Denn in anderen Bundesländern leben bereits seit 1998 wieder Wölfe und sowohl aus Süden als auch aus Osten kom­ men immer wieder einzelne Tiere zu uns. Höchste Zeit, dass der Freistaat auf die Rückkehr des Wolfes reagiert. Hier ist gerade auch die Regierung gefragt, den »Ma­ nagementplan Wolf« endlich in der Praxis umzusetzen. Noch fehlt es an ausreichenden Mitteln für konkrete Präventionsmaßnahmen, vor allem beim Herden­ schutz, etwa dem Einsatz von Herdenschutzhunden. Zudem ist ein »Wildbiologisches Kompetenzzentrum Bayern« überfällig. Ob der Wolf in Bayern eine Chance hat, hängt von der Bereitschaft des Menschen ab, sich wieder auf ein Leben mit dem schönen Tier einzulas­ sen. Geben wir dem Wolf eine Chance!

800 000 Unterschriften gegen Patente auf Leben

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ir wollen keine Patente auf Pflanzen und Tiere! Das haben über 800 000 Menschen mit ihrer Unterschrift klargestellt. Die Unterzeichner stammen unter anderem aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Schweden, Spanien und Frankreich. Gesammelt hatte die Unterschriften ein breites Bündnis von Nichtregierungsorga­ nisationen. Ende Juni übergaben die Organisationen die Un­ terschriften in München an Jesper Kongstad und Sean Denn­ ehey vom Europäischen Patentamt (EPA). Dabei forderten die Organisationen eine Änderung der Regeln für die Patent­ erteilung am EPA. Denn die europäischen Patentgesetze ver­ bieten zwar Patente auf Pflanzensorten und Tierarten sowie auf die konventionelle Züchtung von Pflanzen und Tieren. Das EPA unterläuft diese Verbote und erteilt immer mehr Pa­ tente insbesondere auf Pflanzen einschließlich Saatgut und Lebensmittel aus konventioneller Züchtung. Auch die Politik ist hier gefordert: »Ministerpräsident See­hofer und Kanzlerin Merkel müssen sich endlich gegen den laufenden Miss­ brauch des Patentrechtsabkommens einsetzen«, betonte der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner bei der Unterschrif­ tenübergabe.

Foto: Möthrath/fotolia.com

ei der Suche nach einer Einigung im Streit um den Ausbau des Frankenschnellwegs zwischen der Stadt Nürnberg und dem BUND Naturschutz dauern die Verhandlungen an. In einem neuerlichen Sondierungsgespräch zwischen Bürger­ meister Christian Vogel und BN-Landesgeschäftsführer Peter Rottner unter der Anwesenheit von Vertretern des Bündnisses gegen den Frankenschnellweg war man sich jedoch darin einig, die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs abzuwarten. Diese Entscheidung könnte dazu führen, dass der bayerische Gesetzgeber für viele Straßenprojekte eine Umweltverträglich­ keitsprüfung vorschreiben müsste, was der BN immer wieder eingefordert hat. Auch sollen die Ergebnisse der vom BN gefor­ derten und schließlich von der Stadt Nürnberg beauftragten Umweltverträglichkeitsstudie abgewartet werden. Diese Daten werden benötigt, um die Voraussetzungen für eine rechtssiche­ re Geschwindigkeitsbeschränkung im Stadtgebiet und ein Durchfahrverbot für Lkw zu schaffen. Ohne diese Vorausset­ zungen ist seitens des BN ein Kompromiss über die Beendigung des Klageverfahrens nicht möglich. Peter Rottner betonte: »Wir bemühen uns, eine konstruktive Lösung zu finden, um die Be­ lange des Umweltschutzes und die Pläne der Stadt Nürnberg miteinander abzustimmen.« Otto Heimbucher, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Nürnberg-Stadt, plädiert dafür, den Frei­ staat Bayern als Beklagten künftig in die Vergleichsverhandlun­ gen mit einzubeziehen. Hintergrundinfos: www.bund-natur­ schutz.de/verkehr/strasse/frankenschnellweg

Foto: BN

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Stoppt die Wilderer, rettet den Luchs!

Foto: BN

Über 30 000 Unterschriften für den Luchs in Bayern

Wir wollen den Luchs in Bayern! Das stellten über 30 000 Unterzeichner der Aktion klar. Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger übergab Umweltministerin Ulrike Scharf (beide Bildmitte) acht Kartons mit den gesammelten Unterschriften.

Mehr Infos: www.bund-naturschutz.de/luchs

Starkes Signal für einen besseren Schutz des Luchses in Bayern: ­ Über 30 000 Menschen haben bei der Aktion »Stoppt die Wilderer, ­rettet den Luchs« unterschrieben. Herzlicher Dank an alle Unter­ stützer! Im Juli hat der BUND Naturschutz die Unterschriften an die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf übergeben. Zudem schlägt der Verband die aktive Wiederansiedlung von Luchsen vor.

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llein im Jahr 2015 wurden drei Luchse illegal getötet – bei einer Gesamtpopulation von nur 20 bis 30 Tieren ein herber Verlust. Die ­Wilderei droht den ohnehin vom Aussterben bedrohten Luchs in Bay­ ern damit erneut auszurotten. Der BN hatte deshalb im Juni 2015 die Aktion »Stoppt die Wilderer, rettet den Luchs« gestartet, mit dem Ziel einer überregionalen Sondereinheit der Polizei für Artenschutz- und Umweltkriminalität.

Politik bleibt weiter gefordert Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger bekräftigte bei der Unterschriften­ übergabe: »Die Unterzeichner und der BUND Naturschutz erwarten jetzt ein klares politisches Signal der Staatsregierung. Die bayerische Po­ lizei braucht dringend mehr eigene Kompetenz und erstklassige Spezia­ listen.« Zudem forderte Weiger eine drastische Erhöhung der Geld- und Haftstrafen für das Wildern streng geschützter Arten. Bei der Aktion hätten sich auch Gäste aus ­anderen Bundesländern beteiligt, die ihren

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Urlaub im Bayerischen Wald wegen der dortigen Luchstötungen abge­ sagt hätten, erklärten das für große Beutegreifer zuständige BN-Vor­ standsmitglied Christian Hierneis und der BN-Artenschutzreferent Kai Frobel. Die Wilderei schädige damit den Ruf Bayerns als naturbewusstes Tourismusland. Umweltministerin Scharf, die die Unterschriften auf Bitte von Minis­ terpräsident Seehofer entgegen­ nahm, bezeichnete die Luchsmorde als abscheuliche und kriminelle Taten, gegenüber denen man klare Kante zeigen müsse. Zwar konnte sie momentan keine Zusage für die geforderte Polizei-Einheit für Arten­ schutz- und Umweltdelikte geben. Dennoch brachte die Aktion einiges in Bewegung: Die Luchsmorde haben bundesweite Aufmerksam­ keit erlangt, die Regierung steht unter Druck und die Polizeipräsi­ dien Niederbayern und Oberpfalz engagieren sich jetzt bei der Auf­ klärung der Luchsmorde stärker als bisher.

Für den Luchs geht’s ­ ums Überleben Der Luchs in Bayern hat aber nur eine Chance, wenn die Täter gefasst werden. Auch andere geschützte Tierarten wie Fischotter und Greif­ vögel werden in Bayern gewildert und brauchen Hilfe. In Österreich, Italien oder auch Nordrhein-West­ falen gibt es längst sehr erfolgreich spezialisierte Ermittler, denn Arten­ schutzdelikte erfordern besondere Kenntnisse und Methoden, über die nur Spezialisten verfügen. Der BUND Naturschutz wird deshalb weiter Druck machen, bis die Regie­ rung endlich effektive Schritte zum Schutz bedrohter Tierarten einleitet. Um den Luchs vor dem Aussterben in Bayern zu bewahren, ist es aus Sicht des BN zudem dringend Zeit, ihm bei seiner Rückkehr in den Freistaat aktiv mit einer Stützung des Bestands durch gezieltes Frei­ setzen von Luchsen zu helfen. Plädoyer für aktive ­Wiederansiedlung Der Verband stellte deshalb Ende Juli in München das von dem re­ nommierten Wildbiologen Ulrich Wotschikowsky im Auftrag des BN erstellte Memorandum »Der Luchs soll wiederkommen« vor. Um den viel zu schwachen Bestand der ver­ bliebenen Luchse zu stützen und das Überleben der schönen Katze im Freistaat zu sichern, schlägt der BN darin vor, Luchse in geeigneten bayerischen Mittelgebirgen und im Alpenraum gezielt freizusetzen. Dieser Ansatz ist seit vielen Jahr­ zehnten bewährt: In Mitteleuropa stammen alle heutigen Luchsvor­ kommen aus wieder angesiedelten Tieren. Die bayerische Initiative will diese verstreuten Populationen grenzüberschreitend mit anderen Bundesländern sowie mit Öster­ reich, der Schweiz und Tschechien vernetzen. Das entspricht dem übergeordneten europaweiten Ziel der Erhaltung von Populationen nach der FFH-Richtlinie. Der Luchs gehört zu Bayern und war bereits einmal ausgerottet. Ein zweites Mal darf es nicht geben. Bayern muss Luchsland bleiben. Wir bleiben dran – mit aller Kraft! (hl)


len keine Ortsumfahrung (siehe N+U 3/2015 und 1/2016). Mitte April lehnten bei einem Bürger­ entscheid 69,6 Prozent die Umge­ hung ab. Die Wahlbeteiligung lag bei fast 70 Prozent. »Wir sind über­ glücklich, dass das Ergebnis so eindeutig ausgefallen ist«, so Sabi­

Blühwunder Landwirt Roland März und seine Siegerwiese in Diederstetten

Sieger der Wiesenmeisterschaft gekürt Mit einer Rekordbeteiligung von 124 artenreichen Bauernwiesen begeisterte das westliche Mittelfranken die Organisatoren der diesjährigen Wiesenmeisterschaft, den BUND Naturschutz (BN) und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

halt in einem Biohotel im Wert von 400 Euro. Die Wiesenmeisterschaft findet jährlich in einer anderen Region Bayerns statt, mittlerweile zum ach­ ten Mal. Bewertet werden nicht nur

ne Lindner, Vorsitzende der Kreis­ gruppe Fürth-Land. Insbesondere die vom BN unterstützte Bürger­ initiative »Umgehung umgehen« unter der Führung von Andrea Holzammer hatte massiv mobili­ siert und mit fantasievollen Aktio­ nen für den Schutz der Landschaft geworben (siehe Foto). Foto: Bürgerinitiative »Umgehung umgehen«

Gewonnen: Die Cadolzburger wol­

Kreisgruppen Ansbach, Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, Weißenburg-Gunzenhausen

Kundgebung: 160

Teilnehmer kamen am 18. Juni zur BNKundgebung gegen die geplante Orts­ umfahrung des Herzogenauracher Ortsteils Niedern­ dorf und des Erlan­

die Artenvielfalt an Blumen und Kräutern, sondern auch der Futter­ ertrag und die wirtschaftliche ­Verwertung des Aufwuchses. Marion Ruppaner (ht)

ger Ortsteils Neuses. Erst vor eini­ gen Jahren hat Herzogenaurach eine Art Stadtautobahn gebaut, um diese Ortsteile zu entlasten. Das hat – wie der BN damals pro­ phezeite – nicht gewirkt. Nun soll also eine Südumfahrung Abhilfe schaffen. In seiner Rede sprach der BN-Regionalreferent Tom Ko­ nopka die drohende Kannibalisie­ rung der geplanten Stadt-UmlandBahn Erlangen-Herzogenaurach an. »Wer den ÖPNV stärken will, darf nicht parallel dem Straßen­ verkehr den Teppich ausrollen.« Tongrube: Die Ortsgruppe He­

roldsberg hat Strafanzeige gegen die Firma Gumbmann erstattet.

Mehr Infos und Fotos unter www. bund-naturschutz. de/landwirtschaft/ wiesenmeisterschaft

Im April hatte das Unternehmen das Wasser aus der ehemaligen Tongrube zwischen Kalchreuth und Heroldsberg abpumpen las­ sen. Damit gefährdet der Eigen­ tümer der Grube den Lebensraum von Flussregenpfeifer, Kamm­ molch & Co. Bergamt und Land­ ratsamt waren trotz Auffor­derung untätig geblieben. In den ver­ gangenen Jahren konnte der BN gemeinsam mit einer Bürgerini­ tiative bereits mehrere natur­ zerstörende Planungen rund um die Tongrube verhindern. Erst letztes Jahr war eine bereits geneh­ migte Deponie verhindert und ein Plan für ein »Naturlabor Alte ­Tongrube« beschlossen worden.

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NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

m westlichen Mittelfranken domi­ nierten schon früher die Neben­ erwerbsbetriebe. Charakteristische Nutzungsformen wie Schafbewei­ dung und späte Wiesennutzung für Pferdeheu waren stärker vertreten als die traditionelle Milchvieh­ haltung. Die Flusstäler von Altmühl und Wörnitz beherbergen regel­ rechte Schätze an Feuchtwiesen, die neben der Pflanzenvielfalt auch dem Brutvogelschutz besonders ­gefährdeter Vogelarten, wie Brach­ vogel oder Uferschnepfe dienen. Sieger in der Kategorie Feucht­ wiese wurden Gerhard und Dieter Strauß aus Schilllingsfürst mit ­ ihrer Streuwiese am Ölmühlgraben, die der Nebenerwerbsbetrieb für Heu und Einstreu nutzt. Dort wach­ sen unter anderem noch größere ­Bestände von Trollblume, Sumpf­ dotterblume und Teufelskralle. Der Sieger in der Kategorie ­trockene Wiesenstandorte, Roland Merz, bewirtschaftet bei Mönchs­ roth im Landkreis Ansbach einen Betrieb mit Pensionspferden und Merino-Landschafen im Neben­ erwerb. Die sehr artenreiche ­Blumenwiese überzeugte mit vielen typischen Arten extensiver Grün­ landbestände wie Flockenblume, Wiesen-Glockenblume, Margerite, Knöllchen-Steinbrech, Kuckucks­ lichtnelke und verschiedenen ­Kleearten, die auch Lebensraum für zahlreiche Schmetterlinge sind. Beide Siegerbetriebe freuten sich über Gutscheine für einen Aufent­

Fotos: Inge Steidl

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Kreisgruppe Würzburg

Umweltskandal aufgedeckt

Foto: Kreisgruppe

Die BN-Kreisgruppe Würzburg hat Anfang des Jahres den möglicherweise größten Umweltskandal in der Region ans Tageslicht gebracht. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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emäß den Aussagen eines e­hemaligen Mitarbeiters sollen über viele Jahre hinweg in einem Schotterwerk bei Aub (Landkreis Würzburg) Altreifen, Werkstattab­ fälle und nicht recycelter Bauschutt illegal entsorgt worden sein. Rund 20 000 Tonnen Asphalt lägen im ­Gelände vergraben, ebenso ein alter Heizöltank. Auch sei Schmutzwas­ ser ohne Genehmigung in ein Fließ­ gewässer abgeleitet worden. Zudem soll in einer Brechanlage des Werkes

Neuwahl und Ehrung: Die Kreis­

gruppe Aschaffenburg hat Anfang April auf einer vorgezogenen ­Mitgliederversammlung ihre Vor­ standschaft neu gewählt. Dabei ist Dagmar Förster als erste Vorsit­ zende im Amt bestätigt worden. Nur wenige Tage zuvor konnte sich Vorstandsmitglied Rudolph ­Kreuzer auf der Jahrestagung der ­bayerischen Fledermausschützer über eine Auszeichnung für seinen 30-jährigen Einsatz freuen. Netzwerk: Erstmals haben sich

in einem bayerischen Landkreis die Kreisverbände des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), der Imker, des BN und eine Energie-

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die Staubabsauganlage häufig abge­ schaltet worden sein – eine durch­ aus schlüssige Erklärung für die von vielen Anwohnern beklagte hohe Staubbelastung. Schließlich war sogar ein Ölabscheider im Bereich einer Waschanlage zubetoniert und somit nicht funktionstüchtig. Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat im März dieses Jahres ihre Er­

Initiative zu einem Netzwerk zu­ sammengeschlossen, um sich ­gemeinsam für Erneuerbare Ener­ gien einzusetzen. So konnten für den neuen Film »Power to chance« unter anderem ermäßigte Kino­ karten verkauft, ein Infotisch be­ treut und damit über 100 Besucher nicht nur für das Thema interes­ siert, sondern teilweise auch zum Mitmachen motiviert werden. Vorstandswechsel: Bei der Jahres­

hauptversammlung der Kreisgrup­ pe Miltenberg im Juni hat Steffen Scharrer (im Bild: erste Reihe Mitte) aus Klingenberg den lang­ jährigen Vorsitzenden Hans Jürgen Fahn (links davon) abgelöst. Als

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Foto: Ruth Weitz

NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

Aufgedeckt In diesem Steinbruch wurden große Mengen ­unsortierter Bauschutt illegal ­entsorgt.

mittlungen begonnen und bereits bestätigt, dass unerlaubt unsortier­ ter Bauschutt in großen Mengen verfüllt worden und der Boden in der Nähe eines Gewässers mit Mi­ neralölkohlenwasserstoffen belastet sei. Es müsse von einer aktuell nicht mehr nachweisbaren Gewässerver­ unreinigung ausgegangen werden. Die Untersuchungsergebnisse zur Belastung des Altasphalts mit Schadstoffen wie polyzyklischen Kohlenwasserstoffen (PAK) stehen noch aus. Zwischenzeitlich be­ schäftigte sich auch der Bayerische Landtag mit dem Thema. Für den BN stellt sich die Frage, warum die Vorgänge von den Kontrollbehörden über Jahre hinweg nicht bemerkt worden waren. Wir fordern nun von den zuständigen Behörden eine rasche Aufklärung und die fachgerechte Entsorgung des unerlaubt eingebrachten ­Materials. Weitere Untersuchungen im Werk sind auch in den nächsten Monaten sicher noch nötig. Steffen Jodl (ht)

zweiter Vorsitzender wird dieser weiterhin aktiv in der FührungsCrew mit­arbeiten. Der Landesbe­ auftragte des BN, Richard Mergner (rechts im Bild) würdigte den ­bisherigen Kreisvorsitzenden als vorbildlichen Kämpfer für den Natur- und Umweltschutz. Orchideenwiese ade: Bauleitpla­

nung im »Wild-West-Stil« betrieb ein Landwirt in Goßmannsdorf (Landkreis Würzburg). Er pflügte

kurzerhand eine Orchideenwiese auf einer Fläche um, die zu ­Baugebiet er­ klärt werden soll – einen Tag vor der arten­ schutzrechtlichen Prüfung. Der BN hat diesen Vorgang in der ­Öffentlichkeit deutlich kritisiert und zahl­reiche Gespräche mit dem Amt für Landwirtschaft und der Unteren Naturschutzbehörde geführt. Diese prüft nun, ob ein Verstoß gegen das Natur- und ­Artenschutzrecht vorliegt. Das Amt für Landwirtschaft sieht kei­ nen Verstoß, da die »gute fachliche Praxis« eingehalten worden sei.


Foto: Eberhard Pfeuffer

Kreisgruppen Augsburg und Aichach-Friedberg

»Licca liber«: klotzen statt kleckern

ereits 1998 hatte der BN sein ­Programm »Lebensader Lech« vorgelegt. 2009 ging das Wasserwirt­ schaftsamt mit einem Entwurf für ein Renaturierungskonzept namens »Licca liber«, lateinisch für »freier Lech«, an die Öffentlichkeit. Die Pläne des Stromversorgers E.on für neue Wasserkraftwerke am Lech machten die Debatte wieder brand­

Bessere Planung: Der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans sieht für die Bundesstraße B 16 im ­Donauried eine komplette Neu­ baustrecke im Bereich Höchstädt – Schwenningen – Tapfheim vor. Die Trasse hätte einen enormen Flä­ chenverbrauch, würde ein Über­ schwemmungsgebiet kreuzen, ein Vogelschutzgebiet tangieren und zu einer deutlichen Beeinträchti­ gung von geschützten Vögeln und Fledermäusen entlang der Trasse führen. Die BN-Kreisgruppen Dil­ lingen und Donau-Ries haben als Alternative dazu umweltschonen­ de, innerörtliche Trassenvarianten vorgeschlagen. Dieter Leippert, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe

Dillingen, ist überzeugt, dass die­ sen Alternativen bei einer neutra­ len Abwägung der Vorzug ein­ geräumt werden müsste. Der BN bekommt für seine Position auch Unterstützung vom Umweltbun­ desamt. Dieses stellt fest, dass die Neubaustrecke der B 16 aus dem Bundesverkehrswegeplan gestri­ chen werden müsste, wenn die von der Bundesregierung aufge­ stellten Natur- und Umweltschutz­ ziele erreicht werden sollen. Muschelsucher: Auf Anregung von

BN-Mitgliedern der Ortsgruppe Seeg hat sich die Kreisgruppe ­Ostallgäu-Kaufbeuren der Bach­ muscheln in der Lobach ange­

schnell in die Donau. Mit der Anla­ ge naturnaher Auen ließen sich ­solche Hochwasserspitzen kappen, und neue wertvolle Lebensräume würden entstehen. Dafür wäre aller­ dings eine großflächigere Rückver­ legung der Deiche nötig als es die bisherige Planung vorsieht. Zudem sollte der Zeitplan gestrafft werden. Nachdem das Projekt »Licca liber« in das nationale Hochwasserschutz­ programm des Bundes aufgenom­ men wurde, appelliert der BN an das Wasserwirtschaftsamt, alle diese Optionen zeitnah zu nutzen. Thomas Frey (as) Weitere Informationen zur Lech-Renaturierung und die Reso­ lution der Lech-Allianz unter www.bund-naturschutz.de/wasser/ fluesse/lech.html

nommen. Ein von der »Glücks­ spirale« finanziertes Projekt soll klären, wie sich der Bestand dieser vom Aussterben bedrohten Art entwickelt hat. Dafür suchen die Naturschützer unter Anleitung des

Foto: Michael Schneider

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aktuell. Eine Bürgerbeteiligung im Rahmen des Planungsverfahrens stellte schließlich klar: Die Bürger in den Anliegergemeinden wollen keine Kraftwerke, sondern wün­ schen sich eine umfassende Rena­ turierung des Flusses und mehr Hochwasserschutz. Nun wird um die Detailplanung gerungen. Parteiübergreifend unter­ stützt von Landtagsabgeordneten von CSU, SPD, Grünen und Freien Wählern fordern die der BN und weiteren in der Lech-Allianz zusam­ mengeschlossenen Verbände in ­ der Lechresolution das Wasserwirt­ schaftsamt zu mehr Mut bei der Umsetzung des Konzepts auf, vor allem, was den Hochwasserschutz angeht. Weil der Lech nur mehr 10 Prozent seiner ehemaligen Auen besitzt, fließt er bei Hochwasser zu

Experten Michael Schneider eh­ renamtlich den Bach bei Seeg auf Vorkommen der Bachmuschel ab (siehe Bild). Im Rahmen des Pro­ jektes sollen weiter Maßnahmen zur Verbesserung des Lebens­ raums für Unio cras­ sus und ihre Wirts­ fische entwickelt werden. »Wir hoffen, dass wir noch nicht zu spät dran sind und noch lebende Muscheln vorfin­ den«, beschreibt Hans Hack, stellver­ tretender Vorsitzen­ der der BN-Kreis­ gruppe, die Situation.

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NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

Ein Jahrhundertprojekt nimmt Gestalt an: die vom BUND Naturschutz lange geforderte Re­ naturierung des Lechs südlich von Augsburg wird der Fluss nun ­renaturiert. Auf einem Symposium Anfang Juni in Augsburg ­prä­sentierten die Verbände ihre Vorstellungen für die Renatu­ rierung des Flusses.

Wild und frei Der Lech hat seine Schuldigkeit für die Stromerzeugung getan und darf bald – zumindest in einigen Abschnitten – wieder frei fließen.


Foto: Susanne Kimmerl

WAAhnsinn! So titelten vor 30 Jahren die WAAGegner. Im April feierten sie gemeinsam, dass die Wiederaufbereitungsanlage nie gebaut wurde.

Kreisgruppe Schwandorf

Gedenktafel erinnert an WAA-Widerstand Den 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl nahm der BUND Naturschutz zum Anlass, auf die Auseinandersetzung um den Bau der WAA bei Wackersdorf zurückzublicken.

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SteinbruchStopp: Auf

einer Fläche von zwölf Hekt­ ar möchte ein Abbauunternehmen inmitten des Forstmühler Forsts bei Wiesent im Landkreis Regens­ burg Granit fördern. Dieser soll vorwiegend im Straßenbau Ver­ wendung finden. Der BUND Na­ turschutz hat diese Pläne im lau­ fenden Raumordnungsverfahren abgelehnt. So käme dieser Stein­ bruch zu den Abbauflächen hinzu, die im gültigen Regionalplan oh­ nehin schon festgelegt sind. Wald­ verlust und Lärm würden nicht nur Erholungssuchende, sondern auch störungsempfindliche Tier­

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Mit ihrem klaren Nein zur WAA stellten sich der BUND Naturschutz, die Schwandorfer Bürger­initiative und viele andere in den 1980er-­ Jahren gegen diese Pläne. Die Atom­ fabrik hätte nicht nur Umwelt und Gesundheit der Menschen ge­ fährdet, sie bedrohte auch die ­Demokratie. Nach der Reaktorkatas­ trophe von Tschernobyl erreichten

arten wie etwa Haselhuhn, Kolkra­ be und Schwarzstorch vertreiben. Goiß’n-Fest: Auch im kommenden

Herbst laden die Kreisgruppe Schwandorf und die Ortsgruppe Pfreimd wieder zu ihrem Goiß’nFest ein. Dabei präsentiert der BN sein erfolgreiches Ziegenbewei­

Foto: Ludwig Rauch

NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

cht Jahre stand der Ort Wa­ ckersdorf im Brennpunkt, nachdem Regierung und Energie­ konzerne ihn als Standort für die atomare Wiederaufarbeitungs­ anlage (WAA) bestimmt hatten. Im Taxöldener Forst, wenige Kilometer außerhalb, sollte aus verbrauchten Kernbrennstäben Uran und Pluto­ nium gewonnen werden.

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-16]

die Proteste 1986 einen Höhepunkt. Im Jahr 1989 gaben die Betreiber das Projekt auf. Bei der Gedenkveranstaltung Ende April 2016 enthüllten der BNLandesvorsitzende Hubert Weiger und Vertreter des Landkreises Schwandorf eine Gedenktafel am Franziskus-Marterl, nahe des dama­ ligen Bauplatzes. Hubert Weiger und der stellvertretende Kreisgrup­ penvorsitzende Arnold Kimmerl überreichten die goldene Ehrenna­ del des Verbands an den damaligen Landrat Hans Schuierer (SPD). Auch gegen ihn hatte die Bayerische Staatsregierung mehrere Diszipli­ narverfahren eingeleitet, nachdem er sich geweigert hatte, die Bau­ pläne zu genehmigen. Noch heute besucht der 85-Jährige regelmäßig Schulen, um jungen Menschen von den damaligen Geschehnissen zu erzählen. Rückblickend hob der BN-Vor­ sitzende Hubert Weiger hervor, dass »uns nur die Demokratie vor dem Wahnsinn dieses Projekts gerettet hat«. Er bezeichnete die noch lau­ fenden Atomkraftwerke mit ihrer Produktion weiteren hochgiftigen Atommülls als »eine permanente Kriegserklärung an das Leben« und forderte deren sofortige Abschal­ tung. Reinhard Scheuerlein (ht)

dungsprojekt im Pfreimdtal (siehe Bild). Neben dem Goiß’n-Umzug mit Musik gibt es ein Kinderpro­ gramm mit Goldwaschen und re­ gionale Spezialitäten im Angebot. Bei einer Führung durch das Bio­ top der Trockensteilhänge zeigt der Verband, wie erfolgreich die fleißigen Ziegen als Landschafts­ pfleger tätig sind. Das Goiß’n-Fest findet am Sonntag, 9. Oktober 2016, ab 13.30 Uhr beim Strieglwirt in Stein bei Pfreimd statt. Gegen Mega-Hähnchenmast: Fast doppelt so viele

Unterschriften wie nötig hat ein Bündnis, dem auch

der BN angehört, für ein Bürger­ begehren gegen eine geplante Mastanlage am Rand von Schwan­ dorf gesammelt. Dort sollen 200 Meter lange Hallen für die Mast von 300 000 Hähnchen errichtet werden. Zusammen mit Bündnis­ partnern übergab der Schwandor­ fer BN-Vorsitzende Klaus Pöhler 3664 Unterschriften, die die Initia­ toren in nur vier Wochen erhalten haben, an Oberbürgermeister ­Andreas Feller (CSU). Der BUND Naturschutz kritisiert die Pläne als Einstieg in eine industrialisierte Landwirtschaft mit hohen Emis­ sionen, Antibiotika-Einsatz und nicht artgerechter Tierhaltung.


Kreisgruppe Passau

Nein zur Nordtangente

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nter dem Namen »B 388 N-OU Passau« wurde das umstrittene Vorhaben mit vordringlichem ­Bedarf in den Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans (BVWP) aufgenommen und dadurch trick­ reich versucht, die Ablehnung der Stadt Passau sowie der Gemeinden Tiefenbach und Salzweg auszuhe­ beln. Dabei ist längst erwiesen: Die

netet Riederer mit der Goldenen Ehrennadel des BN aus und dank­ te ihm in seiner Laudatio mit sehr persönlichen Worten. Durch ­Riederer sei der BN 1979 auf Dis­ tanz zur Atomenergie gegangen. Seither sei er der führende Kopf im Einsatz gegen die beiden Atom­

Foto: Rita Neumaier

Ehrung I: Paul Riederer, Landshuts bekanntester und angesehenster Naturschützer, wurde auf der ­Jahresversammlung der BN-Kreis­ gruppe im Mai zum Ehrenvorsit­ zenden gewählt. Riederer (Foto, ­ 2. vo. li.) setzt sich seit über 40 Jah­ ren mit außergewöhnlichem Enga­ gement für den Natur- und Um­ weltschutz ein und war 20 Jahre lang Vorsitzender der Kreisgruppe. Jetzt übergab er das Amt des stell­ vertretenden Vorsitzenden, in die Hände von Johannes Selmanns­ berger. Kathy ­Mühlebach-Sturm und Dr. Ulrich Kaltenegger wur­ den erneut zur Vorsitzenden bzw. zum stellver­tretenden Vorsitzen­ den gewählt. Hubert Weiger zeich­

Trasse bringt keine Entlastung, ­zerstört wertvolle Natur und Nah­ erholungsräume und basiert auf ­falschem Zahlenmaterial, denn der Durchgangsverkehr, der von einer Umfahrung profitieren würde, macht nur 10 Prozent des Passauer Verkehrsaufkommens aus. Trotz­ dem werden die Befürworter nicht müde, ein märchenhaftes Nutzen-

Kosten-Verhältnis für die Nordtan­ gente anzupreisen. Dabei bedienen sie sich unhaltbarer Zahlen, frag­ licher Kennziffern und unrealisti­ scher Kostenschätzungen aus dem Hause von Verkehrsminister Alex­ ander Dobrindt. Doch der Widerstand wächst: Die Bürgerinitiative »Natur ja – Nordtangente nein!«, die mit der BN-Kreisgruppe seit über 25 Jahren gegen die Nordtangente kämpft, hatte im April zur Demo in Passau aufgerufen. Mehr als 1000 Men­ schen aus den Landkreisgemeinden und der Stadt kamen und erteilten der »Mordtangente« eine klare Ab­ sage. Bei der Kundgebung sprachen sich neben Martin Ziegler von der BI auch Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper und Salzwegs Bür­ germeister Josef Putz gegen das Vor­ haben aus. Jetzt gilt es, die Mandats­ träger im Verkehrsausschuss und im Bundestag zu überzeugen, damit der Spuk endlich ein Ende nimmt und die Nordtangente aus dem Ver­ kehrswegeplan verschwindet. Kurt Schmid (as)

kraftwerke im Landkreis Landshut ­gewesen. Als Ehrenvorsitzender wird Paul Riederer der Kreisgrup­ pe im Einsatz gegen die B 15 neu zur Seite stehen. Ehrung II: Auf der Jahresversamm­

lung der BN-Kreisgruppe FreyungGrafenau im Mai in der neuen Ge­ schäftsstelle in der Bauhütte der Marktge­ meinde Perles­ reut zeichnete Landesvorsit­ zender Hubert Weiger zwei

Bedrohlicher Bau Die Nordtangente würde das Gaißatal mit einer 580 Meter langen ­P feilerbrücke durchqueren (Fotomontage). Doch der Widerstand gegen das Bauprojekt wächst.

engagierte Mitglieder aus. Die Gol­ dene Ehrennadel erhielt Michael Held, mittlerweile Vorstandsmit­ glied der Kreisgruppe Passau. Als Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten hatte er sich aktiv für Biotopverbesserung und Arten­ schutz im Staatsforst eingesetzt. Heike Dülfer, Ansprechpartnerin für BN-Aktivitäten im Bayerischen Wald, wurde mit der Silbernen ­Ehrennadel für ihren langjährigen Einsatz und ihr herausragendes Engagement für den Natur- und Umweltschutz im Landkreis sowie ihre Verdienste als Leiterin der ­Geschäftsstelle und Mitglied des Kreisvorstands ausgezeichnet.

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NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

Foto: KG Passau (Fotomontage)

Seit Jahrzehnten verfolgen einige Politiker und Funktionäre im Raum Passau den Plan einer Nordumgehung, die das Ilzund das Gaißatal mit Brücken durchschneiden würde. Was bisher nicht gelang, soll nun durch die Aufnahme des Projekts in den Bundesverkehrswegeplan erreicht werden.


Kreisgruppe Kronach

BN klagt gegen Lerchenhoftrasse Der BUND Naturschutz hat beschlossen, gegen den Bau der B 303, der sogenannten Lerchenhoftrasse, zwischen Schmölz und KüpsJonhannistal Klage einzureichen. Örtliche Bürgerinitiative und verschiedene Privatpersonen werden ihn dabei finanziell unterstützen.

Foto: Elisabeth Hoffmann

Eisvogel ade! Das Tal des Rosenaugrabens würde beim Bau der ­Lerchenhoftrasse zerstört. Und der dort lebende Eis­vogel auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

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Finger weg! Mit der Aktion »mai

baam« machte die BN-Kreisgrup­ pe Bamberg Anfang Mai gegen die Pläne der Stadt mobil, große Flä­ chen im Hauptsmoorwald abzu­ holzen, um ein Industriegebiet zu ermöglichen. Etwa 85 Hektar Wald sollen gerodet werden und für den

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hatte auch einen Zwischenerfolg ­erreicht: 1985 war die Alternative zur Lerchenhoftrasse – der Ausbau der bestehenden Staatsstraße mit Lärm­ schutz für Theisenort – als die ein­ zige landesplanerisch mögliche ­Variante festgestellt worden. Diese Bewertung kippte die Regierung

Naturschutz wertvolle Flächen (ehemaliger Schießplatz, Teile der Muna) unter Beton und Asphalt ver­ schwinden. Die Bevöl­ kerung nahm dankbar die Möglichkeit wahr, sich an einem Stand über die Planungen zu informieren und an­ schließend einen Baum symbo­ lisch unter Schutz zu stellen (siehe Bild). Und es gibt Hoffnung: Fast 1000 Unterschriften konnte die Kreis­ gruppe bereits gegen die maßlo­ sen Planungen sammeln. Zudem unterstützt ein breites Bündnis aus Foto: Gerhard Spörlein

NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

m Mai dieses Jahres hat die Regie­ rung von Oberfranken das Vorha­ ben völlig überraschend gemeinsam mit dem vierspurigen Neubau der B 173 bei Johannisthal genehmigt. Die BN-Kreisgruppe Kronach kämpft bereits seit den 1980er-Jah­ ren gegen die Lerchenhoftrasse und

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-16]

2005 jedoch in einer Nacht- und ­Nebelaktion und ohne öffentliche Anhörung und legte sich auf eine dreispurige Trasse über den Ler­ chenhof mit maximalem Flächen­ verbrauch fest. Und das, obwohl der Verkehr auf der B 173 seit Jahren ­abnimmt – auch aufgrund des ra­ santen Bevölkerungsrückganges im Raum Kronach. Trotzdem hält vor allem die oberfränkische CSU stramm am Straßenbaukurs fest. Ihr Druck auf die Behörden hat nun den völlig unnötigen Planfeststel­ lungsbeschluss erbracht. Die Lerchenhoftrasse soll im Hochwasserraum der Rodach mit einem gigantischen Knoten an die B 173 angebunden werden. Der Bau würde massiv in die Rodachaue ­eingreifen und der Markt Küps sowie dessen Ortsteile Au und ­Johannisthal wären noch stärker durch Hochwasser bedroht, als dies jetzt schon der Fall ist. Der Flächen­ verbrauch würde maximiert und das Seitental am Lerchenhof, ein Lebensraum des Weißstorchs, ent­ wertet. Tom Konopka (ht)

Initiativen, Vereinen und anderen Organisationen den BN. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Protest wirkt oder ob wei­ tergehende Schritte notwendig sind. Auch ein Bürgerbegehren wäre aufgrund der breiten Unter­ stützung durch die Bevölkerung möglich. Ureinwohner: »Sie zählen in

­ anchen Gotteshäusern zu den m treuesten Kirchenbesuchern: die Fledermäuse«, erläuterte Hofs Dekan Günter Saalfrank bei einer Andacht an ungewöhnlichem Ort – auf dem Dachboden der St. Michaeliskirche. Im Rahmen der Artenschutzkampagne »Bayerns

UrEinwohner« und dem dazuge­ hörigen Projekt »Natur in Hof« haben der Landschaftspflegever­ band Hof und der BN außerdem auf dem Hofer Umwelttag 100 Fle­ dermausnistkästen verteilt und zu mehreren Wanderungen mit dem Fledermaus-Detektor eingeladen. Mit dem Projekt sollen innerstäd­ tische Grünflächen aufgewertet werden, um die Lebensräume für Insekten und Fledermäuse im Stadtgebiet zu vermehren. Dazu haben Kirchengemeinden und das Stadtgartenamt zahlreiche Blüh­ wiesen angelegt, Blühsträucher gepflanzt sowie Nistkästen gebas­ telt und aufgehängt.


Kreisgruppe Rosenheim

Foto: Horst Eixenberger

Mit Musik für Bayerns Moore Ganz im Zeichen des Naturschutzes stand der ­diesjährige Benefiz-Hoagascht Anfang Mai im ­Kurhaus von Bad Aibling. Alle Einnahmen der ­Volksmusikveranstaltung kommen Moor-Projekten des BUND Naturschutz zugute.

Mal in Folge trafen sich im Juni 2016 Naturschützer zur Bootsfahrt, um damit ein Zeichen für den Er­ halt der frei fließenden Salzach zu setzen. Über 100 Bootsfahrer fuh­ ren ab Tittmoning flussabwärts zur Kundgebung in Burghausen (siehe Bild). Die Salzach ist der letzte Fluss im Alpenvorland, der noch

das Anliegen der Veranstaltung: Moore sind wichtiger Lebensraum für teils sehr seltene Pflanzen und Tiere und effiziente Hochwassersowie Kohlendioxid-Speicher. Doch 95 Prozent der bayerischen Moore sind heute trockengelegt. So verlie­ ren sie nicht nur diese Funktionen, sondern geben ihre gespeicherten Treibhausgase an die Umwelt ab. Die Kreisgruppe Rosenheim setzt sich mit etlichen Projekten für die Re­naturierung von Moorflächen ein. ­Finanziert durch zahlreiche

auf 60 Kilometer Länge frei fließen kann. Im Tittmoninger Becken gibt es jedoch weiter Überlegun­ gen für den Bau von drei Wasser­ kraftwerken. Der BN und weitere Umweltverbände fordern dagegen die »Naturflussvariante«: Eine Auf­ weitung des Flussbetts und eine Vernetzung von Fluss und Aue sind nach ihrer Ansicht der beste Schutz gegen Hoch­ wasser. Auch Hans Steindl, der 1. Bürger­ meister der Stadt Burghausen und Schirmherr der Ver­ anstaltung, sprach sich klar gegen eine Verbauung der Salz­

Spenden und mit Mitteln aus dem bayerischen »Klimaprogramm 2020«, gelang es, am Bärnsee bei Aschau im Chiemgau 4,8 Hektar Nieder- und Hochmoorflächen zu kaufen. Ziel ist es, die dortige Arten­ vielfalt zu er­halten und langfristig die Böden im Einklang mit der Landwirtschaft wieder zu vernäs­ sen. Zudem erhält und schützt die Kreisgruppe seit 43 Jahren ein Hangquellmoor am Samerberg. Die gespendeten Einnahmen kommen dem Projekt Bärnsee und weiteren BN-Projekten zur Moor­ renaturierung zugute. Einen herz­ lichen Dank an alle beteiligten Volksmusikfreunde! Kurt Schmid (as)

ach aus. Gerade angesichts der Schäden, die im nahen Simbach kürzlich durch Hochwasser ent­ standen sind, plädierte er für eine Aufweitung des Salzach-Bettes, wo irgend möglich. Keine Mastanlage: Gegen die

­Erweiterung der Hähnchenmast­ anlage im Wolnzacher Ortsteil Eschelbach setzt sich ein breites Aktionsbündnis ein, an dem auch die BN-Kreisgruppe Pfaffenhofen intensiv beteiligt ist. Nachdem die Ausbaupläne 2012 zunächst ge­ stoppt werden konnten, kam An­ fang 2016 eine neue Planung auf den Tisch. Der bestehende MastBetrieb soll von 50 000 auf rund

145 000 Tiere erweitert werden. Das Vorhaben stößt auf breiten Widerstand in der Region. Der BUND Naturschutz reichte im April eine umfangreiche Einwen­ dung im Rahmen des laufenden immissionsschutzrechtlichen ­Verfahrens ein. Auch die Markt­ gemeinde Wolnzach lehnt die ­Planungen ab. Inwieweit den Ein­ wendungen Rechnung getragen wird, muss letztlich das Landrats­ amt in Pfaffenhofen entscheiden. Der BN und das Aktionsbündnis machen weiter mobil gegen die Anlage. Weitere Informationen: www.pfaffenhofen.bund-natur­ schutz.de/­aktuelles/

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NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

Naturfluss Salzach: Zum vierten

Tanz in den Mai Florian Asang und Eva Eixenberger (Bildmitte) begrüßten das Bad Aiblinger Publikum zum »BenefizMaiansingen« mit anschließendem Tanz.

Foto: Karin Fraundorfer

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ie jungen Organisatoren Eva ­Eixenberger, Maria Fichtner, ­Michael Heinzinger und Florian Asang verbindet ihre Leidenschaft für Volksmusik und soziales Enga­ gement. Ein »Hoagascht« ist ein nichtkommerzielles Musikanten­ treffen mit verschiedenen Inter­ preten traditioneller Volksmusik. Moderiert von Heine Albrecht, spielten an diesem Abend Gruppen wie der »Seeleitn Dreig’sang«, die »Familienmusik Auer«, das »Buach­ eckerl Gitarrentrio«, die »Blech­ scheidl Musi« und die »Schladl­ musi« unentgeltlich für den Erhalt der bayerischen Moore. Ursula Fees, Umweltbildungsre­ ferentin der BN-Kreisgruppe Rosen­ heim, vermittelte dem Publikum


Foto: Uwe Schlick/pixelio.de

Nachhaltigkeitsreporter werden oderne Medien sind ein unentbehrliches Infor­ mations- und Kommunikationsmittel – das gilt insbesondere für Jugendliche. In der öffentlichen Dis­ kussion werden das Handy, der Computer und die Play Station zu dem zentralen Hinderungsgrund, Natur hautnah zu erleben. Dieser Workshop dreht den Spieß um und nutzt die Kommunikationsmöglichkeiten, um Natur mit neuen Mitteln attraktiv zu machen. Das Pro­ jekt »Nachhaltigkeitsreporter« macht Jugendliche zu Forschern und Reportern, macht sie fit im Umgang mit Handy und Laptop und sensibilisiert für die Ziele der Nachhaltigkeit. Sie werden mit einem Arbeitsauftrag auf eine kurze Reise durch ihre nächste Umgebung geschickt, zum Beispiel: »Schau, wo es in der Stadt Insekten gibt!« Alle Informationen, Meinun­ gen, Aspekte werden in Kleingrup­ pen gesammelt und in Form von Bil­ dern, Texten, Filmen, Tonaufnah­ men dokumentiert. Die Ergebnisse stellen die Schülerinnen und Schüler dann bei einer Abschlussbespre­ chung vor. Ganz nebenbei beschäfti­ gen sich die Teilnehmer auch mit der Frage, was ein »guter« Umgang mit modernen Medien ist – wie man sich und seine Informationen schützen und was man in die Welt hinaus geben kann. Das Angebot können Schulklassen oder Gruppen buchen. ▶ Kontakt: Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil, wartaweil@bund-naturschutz.de Tel. 0 81 52-96 77-08

Summ, summ, summ – Blüh-Botschaften im Allgäu Mit einem Bildungsprogramm ist das Naturerlebniszentrum Allgäu (NEZ) als Partner des INTERREG-Projektes »Blühende Landschaften« in den Sommer gestartet. Summ-SummBlüherlebnisführungen zu Blumen, Wildbienen & Co können

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von Schulen und ­Kindergärten ebenso gebucht werden wie Werkstatt-Tage zum Bau von Insektenhotels. ▶ Naturerlebniszentrum Allgäu (NEZ), Julia Wehnert, Tel. 0 83 23-9 98 87 40, Julia. Wehnert@nez-allgaeu. de und www.nezallgaeu.de

Streuobstwiese

Bei der Führung durch die früchtetragenden, arten- und sortenreichen Margetshöchheimer Streuobstbestände gibt es Tipps rund um Apfel, Birne, Zwetschge und Quitte, inklusive einer Verkostung frischer

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-16]

Landschaft prägt

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rbanisierung, Verkehr, Leitungstrassen und die moderne Landwirtschaft prägen und verändern unseren Lebensraum in einem noch nie dagewesenen Tempo. Die Flächenversiegelung schreitet ungebremst voran, arten- und strukturarme Landschaften bestim­ men landwirtschaftlich genutzte Flächen. Windräder, Solarfelder und neue Hochspannungsleitungen sind sichtbare Strukturen der Energiewende in Deutsch­ land. Die Bewertung, ob eine Landschaft nun als schön, anziehend, abstoßend, störend oder gar verstörend wahrgenommen wird, unterliegt vielen Faktoren und ist ein ganz individuelles Empfinden – mit dem Prob­ lem dass bei »Nichtgefallen« der Einzelne, ganz im Ge­ gensatz zur eigenen Wohnung, das Landschaftsbild nicht »abhängen« kann. Die Ausstellung »Landschaft prägt« erkundet die Veränderungen unserer Heimat und schärft den Blick fürs Schöne aber auch für Fehler in der Landschaftsent­ wicklung. Sind für Kinder dieselben Dinge »sehens­ wert« wie für uns Erwachsene? Was macht eine Land­ schaft ökologisch wertvoll und wer bestimmt das? Wie prägen wir die Landschaft und wie prägt die Landschaft uns? ▶ Immenstadt, 8. Oktober 2016, Anmeldung erforder­ lich, Kontakt: Lioba Degenfelder (JBN-Bildungsreferen­ tin), Tel. 0 89 -15 98 96 36, degenfelder@jbn.de

Früchte. Durch naturnahe ­ flege werden diese StreuobstP bestände erhalten; durch ­traditionelle Verarbeitung und Verwertung lang vergessene Aromen wiederentdeckt.

Foto: Wolfgang Väth

Foto: Christine Hanser

SÜSSER HONIG, SÜSSE FRÜCHTE

Foto: Yvonne Struck

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▶ Sa, 10. September 2016, Margetshöchheim, Anmeldung bis 8. September erforderlich, Kontakt: Kreisgruppe Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72, info@bn-wuerzburg.de

Ran an den Speck!

Wieviel Fleisch wir essen und was wir damit verursachen, darüber informiert die Ausstellung »Ran an den Speck« vom 17. Oktober bis 11. November in Regensburg. Welche Alternativen gibt es zu Schnitzel und Braten und warum fällt es manchmal so schwer neue ­Alltagsgewohnheiten zu entwickeln, wird im Rahmen dieser Ausstellung diskutiert. ▶ 17. Oktober – 11. November, Evangelisches Bildungswerk, Regensburg Gesandtenstraße Kontakt: Ulli Sacher-Ley; Bildungswerk@bund-naturschutz.de, Tel. 09 41 -2 97 20 42


Ihre Ansprechpartner beim BN

BN-Studienreisen, Tel. 09 115 88 88 20, www.bund-reisen.de

Mitgliederservice (allgemeine Fragen zur Mitgliedschaft, Adressänderung) Tel. 09 41-2 97 20-65 mitglied@bund-naturschutz.de

Nationalparke Velebit und Plitvicer Seen Diese Reise führt die Teilnehmer von den immergrünen mediterranen Laub­ wäldern der Küste bis hin zu den einzig­ artigen Karstflüssen, Bergmischwäldern und Orchideenwiesen in den Hochlagen des Velebit-Gebirges. Auf dem Pro­ gramm steht auch ein Besuch im grandi­ osen Nationalpark Plitvicer Seen. • Kroatien, 3. – 11. September 2016

Spendenbescheinigungen Tel. 09 41-2 97 20-66 spenderservice@bund-naturschutz.de Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Redaktion Natur+Umwelt Referentin: Luise Frank Tel. 09 41-2 97 20-22 natur+umwelt@bund-naturschutz.de Beratung zu Spenden, Anlassspenden und Vermächtnissen Claudia Ciecior-­Bordonaro Tel. 09 41-2 97 20-34 claudia.ciecior@bund-naturschutz.de Haus- und Straßensammlung Ehrenamtlich aktiv werden Christine Stefan-­Iberl Tel. 09 41-2 97 20-11 christine.stefan@bund-naturschutz.de BN-Bildungswerk Referentin: Ulli Sacher-Ley Tel. 09 41-2 97 20-42 ulrike.sacher-ley@bund-naturschutz.de

Lago di Ledro Nur einen Katzensprung vom Gardasee entfernt liegt der sma­ ragdfarbene Lago di Ledro auf einer Höhe von 650 Meter über dem Meer am Ende des Ledrotales. Auf wunderschönen Wande­ rungen lernen die Reisenden die Region kennen und erfahren viel über Natur und Kultur. • Italien, 18. – 24. September 2016 Unterwegs zum Nationalpark Steigerwald Die vierte Reise in Kooperation mit dem Freundeskreis National­ park Steigerwald. Sie erhalten tiefe Einblicke in den Lebensraum der Buchenwälder sowie über die aktuelle politische Situation. Im Herbst verleiht das bunte Laub dem Steigerwald eine beson­ dere Stimmung und Sie sehen zahlreiche Pilze und Käfer. • Deutschland, 24. – 29. September 2016

IMPRESSUM

BN-Stiftung Christian Hierneis Tel. 09 41-2 97 20-35 christian.hierneis@bund-naturschutz.de

Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, natur+umwelt@ bund-naturschutz.de Redaktion: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Andrea Siebert (as) Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-65 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: plainpicture/Sibylle Pietrek Titelgestaltung: Gorbach GmbH Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitäts­ druckerei Gießen Anzeigenverwaltung: Ruth Hansmann, Runze & Casper Werbeagentur GmbH, Tel. 0 30-2 80 18 -145, Fax -400, hansmann@runze-casper.de. Es gelten die Mediadaten Nr. 24.

Verlag: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Druckauflage 2-2016: 133.386 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im ­Beitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, IBAN DE27 7002 0500 0008 8440 00, BIC: BFSWDE33MUE Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die ­Meinung der ­Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt ­eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redak­tion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % ­Recycling­­­­papier gedruckt.

Wilde Donaukarpaten Auf dieser Natur- und Wanderreise führt Dietmar Gross die ­Teilnehmer nach Rumänien, an den Südrand der europäischen Karpatenkette. In dieser dünn besiedelten, waldreichen Region befindet sich der überwiegende Teil der rumänischen Urwälder – eines der letzten Wildnis-Gebiete Europas. • Rumänien, 5. – 15. Oktober 2016 Maremma – wilder Süden der Toskana Natur und Kultur in einer Reise: Die Teilnehmer wandern durch den »Regionalpark Maremma«, unternehmen einen Ausflug auf die Insel Giglio und erkunden auf den Spuren der alten Etrusker das Landesinnere. Weitere Höhepunkte sind der Besuch der »Sterbenden Stadt« Bagnoregio sowie der beeindruckende TarotGarten der Künstlerin Niki de Saint-Phalle. • Italien, 6. – 15. Oktober 2016

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BUND Naturschutz in Bayern e.V. Landesgeschäftsstelle Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, info@bund-naturschutz.de

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Natur+Umwelt 3-2016