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Natur+Umwelt www.bund-naturschutz.de Heft 3-2015  97. Jahr  3. Quartal

Lebendige Flüsse


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Sind Ihre Freunde auch Freunde der Natur?

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Foto: Fotolia

DANN SPRECHEN SIE SIE DOCH EINFACH AUF EINE MITGLIEDSCHAFT AN! Mit über 215 000 Mitgliedern und Förderern setzen wir uns mit Kopf, Herz und Hand für Ihre Heimat und für eine gesunde Zukunft unserer Kinder und Enkel ein. Je mehr Menschen sich mit uns schützend vor die Schätze und Kleinode unserer Heimat stellen, desto wirkungsvoller können wir unsere gemeinsamen Naturschutzinteressen vertreten.

Darum: Werben Sie Mitglieder für die gute Sache. Für jedes neue Mitglied sammeln Sie einen BNFreundschaftspunkt, den Sie in attraktive Prämien eintauschen können. Nähere Infos zu den Prämien bekommen Sie bei Ihrer Kreisgruppe oder im Internet. www.bund-naturschutz.de/ spenden-helfen/ mitglieder-werben

BEITRITTSFORMULAR für geworbene Mitgliede

r

Ja,

ich will mich für den Naturund Umweltschutz einsetzen erkläre hiermit meinen und Beitritt zum BUND Naturschut z in Bayern e.V.

MITGLIEDSCHAFT Einzelmitglieder ab ₠ 48,00

Vielen Dank für Ihr Engagement!

Familien (mit Jugendlichen bis einschl. 21 Jahren) ab ₠ 60,00

Ehepaare mit geringem Einkommen ab ₠ 30,00

Ich unterstütze den BN

Personen mit geringem Einkommen (Selbsteinschätzung auf Antrag) ab ₠ 22,00

Jugendliche, Studenten, Schüler, Lehrlinge, Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst und Vergleichbare (ermäßigter Beitrag) ab ₠ 22,00

zusätzlich mit einem Betrag

von jährlich

Schulen, Vereine, Firmen ab ₠ 70,00

DATEN (Bitte alle Felder ausfüllen) Herr

Frau

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Titel, Vorname, Name PLZ, Ort Straße, Nr. E-Mail Telefon Geburtsdatum

Bei Familienmitgliedschaft

bitte ausfüllen (mit Jugendliche n bis einschl. 21 Jahren)

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Natur + Umwelt 3-2015

Inhalt BUND Naturschutz Bayern 4 – 7 Intern

8 Leserbriefe

9 Raus in die Natur Einmal durch die Hölle gehen

10 Gut leben Alte Bäume schützen 11 Reise In den Urwäldern Polens 12 – 25 Titelthema

26 Pflanzenporträt Hasel

27 Fotoseite

28/29 Naturschutz Der Main kommt wieder in Fluss

30 Angebote für Schulklassen Der Natur auf der Spur

31 Aktuell

Lebendige Flüsse

32/33 Ökospot

Inhalt BUND

34/35 BN vor Ort aktiv Der BN-­ Naturlehrgarten in Mindelheim

36 – 43 Rettet die Luchse! und mehr Regionales

44 Bildung

45 Service

B1 Editorial und Inhalt

B2/B3 Magazin Kurznachrichten B4/B5 Kommentar B6 – B15 Titelthema Alles im Fluss? B18/B19 Aktion B20/B21 Natura 2000 Am Kaiserstuhl B22 – B25 Zur Zeit Kohlepolitik, 25 Jahre BUND im Osten und mehr Aktuelles B26/B27 Aktiv B28/B29 Internationales B30/B31 Junge Seite

Liebe Leser

B32 Persönlich Rolf Martens

Kurz vor Redaktionsschluss ereichte uns die erfreuliche Nachricht, dass bei Bürgerentscheiden in Feucht und in Lam zwei geplante Bauvorhaben abgelehnt wurden: In Feucht haben sich die Einwohner gegen den Bau eines Gewerbegebietes entschieden, für das 15 Hektar Wald geopfert worden wären. Im Landkreis Cham wird es kein Pumpspeicherwerk auf dem Gipfel des Osser geben. Das ist gut für die Natur und gut für die Menschen. Es zeigt, dass immer mehr Menschen Abstand nehmen von einer Philosophie des »Höher, schneller, weiter« um jeden Preis. Und es zeigt, dass immer mehr Menschen die letzten Flecken unberührter Natur ihrer Heimat als ein Stück Lebensqualität zu schätzen gelernt haben. Ihre Luise Frank, Redakteurin Natur+Umwelt

Nur 10 Prozent der bayerischen Flüsse und Bäche können frei fließen, 90 Prozent sind verbaut. Stauwehre und Betonkorsetts haben zahllose Ökosysteme zerstört. Ganz allmählich setzt ein Umdenken ein – erste Flussabschnitte werden ­renaturiert. Doch die Wiedergutmachung an Bayerns Fließgewässern ist eine Aufgabe für viele Jahrzehnte. Ab Seite B6 beleuchten die Kollegen vom BUND die Situation der Flüsse in ganz Deutschland und haben dazu auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks befragt. Seiten 12 – 25

Natur in Bayern rechtlos?

Was ist uns die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlage wert? Herzlich wenig, wenn man sich die Gerichtsurteile zu ­Fragen des Naturschutzes ansieht. Wirtschaftsbelange werden fast immer höher bewertet als die Erhaltung von Natur und Artenvielfalt. Oft wird nach dem Motto »die Behörde hat fast immer Recht« geurteilt. Seite 31

Stoppt die Wilderer!

Warum werden im Bayerischen Wald immer wieder Luchse erschossen, vergiftet, sogar verstümmelt? Kaum kehrt die schöne Katze nach Bayern zurück, sind Wilderer dabei, sie hierzulande wieder auszurotten. Das dürfen wir nicht zulassen! Unterstützen Sie unsere Aktion »Rettet den Luchs«. Seite 36

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Delegiertenversammlung 2015 in Bamberg

ls derzeit wohl größtes ungelöstes Umweltproblem sieht der Verband die ungebremste Zerstörung der Böden durch Überbauung. Bayern ist hier bundesweit der negative Spitzenreiter: Jeden Tag werden im Freistaat 18 Hektar Frei­ flächen für Straßen und Siedlungen verbaut. Das entspricht etwa 25 Fußballfeldern. Pro Jahr wird so eine Fläche in der Größe der Stadt Regensburg verbraucht. In einem einstimmig angenommenen Leitan-

trag appelliert der BUND Naturschutz an den Landtag und die Bayerische Staatsregierung, die Landesplanung zum Schutz von Heimat und Landschaft zu stärken. Eine im Rahmen der »Heimatstrategie« von Staatsminister Markus Söder geplante Aufweichung der Landesplanung lehnt der BN »in großer Sorge um die bayerische Kulturlandschaft entschieden ab«, so der Beschluss. Die »Heimatstrategie« sieht unter anderem vor, dass auch abseits bestehender Siedlungen künftig noch leichter als bisher gebaut werden darf. Auf den Tag genau 29 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl verabschiedeten die Delegierten zudem eine Resolution, die den sofortigen Atomausstieg fordert sowie ein Entsorgungskonzept für den Abriss der bayerischen Atomkraftwerke. Zudem sprach sich das BN-Parlament für die Rettung einer dezentralen Energiewende anstatt überflüssiger neuer HGÜ»Stromautobahnen« aus. »Die Energiewende ist kein Luxus, sondern eine Überlebensfrage«, betonte BNVorsitzender Hubert Weiger. »Wir dürfen nicht zulassen, dass andere unsere Verschwendung ausbaden müssen!« Die Resolution wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen. Freiwilligkeit habe fast nichts bewirkt, so Weiger. »Es müssen end-

Man wünscht sich ganz in diesem Sinne mehr Respekt vor jeg­ licher Kreatur, wenn einen eine Meldung wie diese erreicht: Im Mai wurden im Bayerischen Wald vier abgeschnittene Luchsvorderbeine entdeckt – abgelegt an einer Stelle, an der sie wahrscheinlich gefunden werden. Zwei Tiere mussten sterben, eines davon zeigte Narben eines früheren Beschusses. Schon seit Jahren werden im Bayerischen Wald immer wieder Luchse vergiftet und erschossen. Immer kamen die Täter ungeschoren davon. Schlimm genug. Doch diese Tat zeigt eine neue Dimension von Brutalität, die nur erschrecken und abstoßen kann. Jetzt ist es an der Politik, endlich klare Signale zu setzen, dass

man sich von einigen uneinsichtigen Kriminellen nicht länger auf der Nase herumtanzen lässt. Eine Sonderermittlungseinheit muss her! Deren Beamte könnten effektiv ­ermitteln, weil sie vor Ort keine sozialen Bindungen haben und keine Angst vor Ausgrenzung haben müssen. Wenn Umweltministerin Ulrike Scharf behauptet, die Polizisten in der Region könnten das besser, sollte sie einen Blick auf die bisherige Aufklärungsquote der Luchsmorde werfen: Sie liegt bei 0 Prozent. ­ Bitte unterstützen Sie unseren Aufruf an die Staatsregierung zur Bildung einer Sonderkommission und sammeln Sie Unterschriften auf der Liste, die dieser Ausgabe der Natur+Umwelt beiliegt!

Bayerns Landschaft bewahren

Fotos: Toni Mader

Klare Botschaft Die Delegierten machten sich für die Energiewende und den Atomausstieg stark.

Liebe Mitglieder

»Heimat und Landschaft bewahren, Flächen­ verbrauch stoppen« – unter diesem Motto stand die Delegiertenversammlung 2015 des BUND ­Naturschutz (BN), die im April in Bamberg statt­ fand. Die über 200 Delegierten haben als ­BN-Parlament dem Vorstand einstimmig das ­Vertrauen ausgesprochen. Sie haben einen ­Haushalt mit rund 12 Millionen Euro Einnahmen und Ausgaben beschlossen und entscheidende Beschlüsse für den Verband gefällt.

Lasst die Luchse leben!

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er Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil […] nur in Katastrophen enden kann.« Das sagt nicht etwa ein Sprecher eines Umweltschutzverbandes, sondern Papst Franziskus in seiner Enzyklika »Laudato Si«. Noch nie zuvor hat das Oberhaupt der Katholiken sich so aktiv und besorgt mit dem Thema Umweltschutz auseinandergesetzt. Der Papst ruft zur Entwicklung eines neuen Lebensstils auf, der zum Erhalt der Schöpfung beiträgt, statt die bisherige Zerstörung fortzusetzen.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-15]

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Sonstige Einnahmen

band der Fragestellung beimisst, ­ ignal, wie aktiv S in unse103die 000Jugend Euro wie wir von einer Ausbeutungsrem Verband ist«, freute sich Hubert Einnahmen der Umweltbildungseinrichtungen Weiger. »Der Beschluss zeigt auch, gesellschaft zu einer nachhaltigen 358 000 Euro welch zentraleZuschüsse Bedeutung der VerGesellschaft werden können.« (lf ) für Ankäufe, Artenschutz, Projekte 2 403 000 Euro Sonstige Einnahmen Erbschaften 1103 354000 000Euro Euro

Einnahmen Umweltbildungseinrichtungen Spenden inkl.der Hausund 358 000 Euro Straßensammlung 1 225 000 Euro Zuschüsse für Ankäufe, Artenschutz, Projekte 2 403 000 Euro Erbschaften 1 354 000 Euro

12 Mio. Euro

Beiträge von Mitgliedern und Förderern 7 019 000 Euro

Gesamteinnahmen

(inkl. Rücklagenzuführung/-entnahme)

12 Mio. Euro

Spenden inkl. Haus- und Straßensammlung 1 225 000 Euro

Beiträge von Mitgliedern und Förderern 7 019 000 Euro

Investitionen, Baumaßnahmen 106 000 Euro Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben 1 240 000 Euro

Arten- und Biotopschutz 2 019 000 Euro

Verbandsorgane, Delegiertenversammlung, Naturschutzveranstaltungen 327 000 Euro

Neuer Landesschatzmeister Der BN-Landesvorstand bekam ein neues Mitglied: Zum Nachfolger für den im vergangenen Jahr verstorbenen Landesschatzmeister Helmut Steininger wählten die Delegierten Max ­Walleitner aus der Kreisgruppe München.

Nicht nur in diesem traurigen Fall, auch in vielen anderen wünschen wir uns mehr Gestaltungs­ willen von unseren Politikerinnen und Politikern. Selbst wenn die ­Regierungschefs der reichsten Staaten der Welt zusammenkommen wie zuletzt beim G7-Gipfel in Elmau, gibt es nur schöne Worte. Wir sind gespannt, was die Ankündigung, die Erderwärmung unter 2 Grad Celsius halten zu wollen, wert ist. Maßnahmen zur Umsetzung dieser hehren Ziele sucht man bislang vergebens. Mit dieser Mutlosigkeit riskieren die G7-Staaten den Abschluss des Pariser Klima­ abkommens im November. Taten statt Worte sind das Einzige, was das Klima retten kann.

Gesamteinnahmen

(inkl. Rücklagenzuführung/-entnahme)

Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke 765 000 Euro

Unterstützung der Jugendarbeit 262 000 Euro Baumaßnahmen Investitionen, 106 000 Euro Deutschlandweiter und Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben internationaler Umweltschutz 1 240 000 Euro 807 000 Euro

Gesamtausgaben 12 Mio. Euro

Verbandsorgane, DelegiertenversammInformation, Öffentlichkeitsarbeit, lung, Naturschutzveranstaltungen Pressearbeit, Internet, Mitglieder327 Spendenwerbung 000 Euro und 2 606 000 Euro Unterstützung der Jugendarbeit 262 000 Euro Mitgliederservice, »Natur+Umwelt« 792 000 Euro Deutschlandweiter und internationaler Umweltschutz 807 000 Euro

Gesamtausgaben 12 Mio. Euro

Natur- und Umweltschutz 692 000 Euro Arten- und Biotopschutz 2 019 000 Euro Unterstützung der Kreis- und Ortsgruppen 1 844 000 Euro Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke 765 000 Euro Bildungsarbeit NaturUmweltschutz 577 000und Euro 692 000 Euro Unterstützung der

Information, Öffentlichkeitsarbeit,

Glücklicherweise zeichnet esMitgliederunmehr bedeutet als kurzfristige Ge- Kreis- und Ortsgruppen Pressearbeit, Internet, 1 844 000 Euro und Spendenwerbung sere BN-Aktiven aus, an widrigen winnmaximierung. Bitte bleiben Sie 2 606 000 Euro Rahmenbedingungen nicht zu verweiterhin aktiv und unterstützen Sie Mitgliederservice, »Natur+Umwelt« Bildungsarbeit zweifeln. Sie handeln dann vor Ort, unsere gemeinsame Arbeit auch 792 000 Euro 577 000 Euro und das durchaus mit Erfolg: Im sichtbar auf der Straße – die nächste Juni kam der gerichtliche Stopp für Möglichkeit gibt es am 10. Oktober die bisherigen Planungen zum bei der bundesweiten Anti-TTIPGroßdemo in Berlin. ­Ausbau des Frankenschnellwegs in Nürnberg. Das Aktionsbündnis gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen feierte im Juni sein zehnjähriges Bestehen. Das sind Lichtblicke, die Mut machen! Auch das Engagement gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA geht weiter. Inzwischen sind europaweit über zwei Millionen ­Unterschriften zusammengekomIhr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN men. Das lässt hoffen, dass es viele Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Menschen gibt, denen Gemeinwohl Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN Foto: Roggenthin

lich klare gesetzliche Vorgaben zum Beispiel zur Energieeffizienz und zum Flächensparen her!« In einer weiteren Resolution forderten die Delegierten des BUND Naturschutz Ministerpräsident Horst Seehofer und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt auf, sich klar für ein deutschlandweites Anbauverbot gentechnisch veränderter Pflanzen auszusprechen. Sie sollen alle Maßnahmen ergreifen, um eine dauerhaft gentechnikfreie Nahrungsmittelproduktion zu ermöglichen. Aus aktuellem Anlass verabschiedeten die Delegierten einstimmig eine ­Resolution, die die Rettung der ­Naturerbeflächen im Bamberger Hauptsmoorwald und im Raum Schweinfurt fordert. Auf Initiative der Jugendorganisation des BUND Naturschutz wurde – ebenfalls einstimmig – eine verbandsweite Auseinandersetzung mit dem Thema Postwachstumsgesellschaft eingeleitet. »Dies ist ein sehr positives

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Naturschutzmedaille für Hans Frei

Europamedaille für BN-Referent Kai Frobel

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m Mai erhielt Dr. Kai Frobel (im Bild rechts) in München aus den Händen von Europaministerin Dr. Beate Merk (links) die Europamedaille. Diese wird seit 1990 an Personen verliehen, die sich um die Förderung des Europagedankens in Bayern und um Bayern in Europa verdient gemacht haben. Der Geoökologe wurde als Initiator des ­Grünen Bandes bekannt: Unweit der damaligen innerdeutschen Grenze aufgewachsen, erkannte er den naturschutzfachlichen Wert des Grenzstreifens, in den sich viele bedrohte Arten zurückgezogen hatten.

Nach dem Mauerfall prägte er in Hof beim ersten gesamtdeutschen Treffen mit Naturschützern aus Ost und West den Begriff »Grünes Band« und die Vision eines nationalen Biotopverbundsystems. Dieses ist heute erweitert auf das »Grüne Band Europa«, welches bei über 12 500 Kilometer Länge entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs von Norwegen bis zur Türkei reicht. Der mitteleuropäische Teil wird im Nürnberger BN/BUND-Projektbüro Grünes Band unter Leitung von Dr. Liana Geidezis betreut.

m Juni wurde Prof. Dr. Hans Frei in Bobingen vom ­BN-Vorsitzenden Hubert Weiger (im Bild links) mit der Bayerischen Naturschutzmedaille des BN ausgezeichnet. Diese wird an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise um den Natur- und Umweltschutz in Bayern verdient gemacht haben. So hat sich Frei sein Leben lang für die Bewahrung des Natur- und Kultur­ erbes seiner schwäbischen Heimat eingesetzt und sich als Bezirksheimatpfleger, als Naturschutzbeirat der ­Regierung Schwabens, als Museumsdirektor oder im Landesverein für Heimatpflege engagiert. Als Mahner gegen den Zeitgeist ist und war er dabei oft unbequem: Unter anderem erhob er seine Stimme gegen überzo­ gene ­Straßenbaupläne im Allgäu, für den Schutz naturnaher Gewässer und des Donaurieds oder den Erhalt der Kulturlandschaft rund um Kloster Oberschönfeld. Dadurch hat Frei (hier mit seiner Frau Traudl) seiner Heimat, die ohne ihn viel Schutzwürdiges verloren hätte, einen wichtigen Dienst erwiesen.

Foto: BN

Foto: Bayerische Staatskanzlei

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Verdiente BN-Aktive aus Oberfranken geehrt

Foto: Toni Mader

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-15]

rei BN-Mitglieder aus dem ­Regierungsbezirk Oberfranken, die sich seit vielen Jahren in ihren Kreisgruppen engagieren, wurden im Rahmen der diesjährigen Delegiertenversammlung in Bamberg mit der Bayerischen Naturschutzmedaille ausgezeichnet. Zum einen Eleonore Krist, Gründungsmitglied, frühere Vorsitzende und seit 23 Jahren Schatzmeisterin der Kreisgruppe Kronach. Nach der Wende 1989 galt ihr besonderer Einsatz der Idee eines »Grünen Bandes« entlang der

ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und der Sicherung der wertvollen Flächen in diesem Bereich. Fred Terporten-Löhner (re.), Vorsitzender der Kreisgruppe Wunsiedel, wurde vor allem für sein Engagement gegen die »Fichtelgebirgsautobahn« gewürdigt. Heinrich Kattenbeck, langjähriger Vorsitzender der Kreisgruppe Forchheim, habe stets den naturschutzbewegten Menschen seiner Region »eine Stimme gegeben«, lobte BN-Vorsitzender Hubert Weiger in seiner Laudatio.


Neues Buch: Kampf um die Donauauen Foto: Klaus Gagel

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m Rahmen der vom BN bei ­Lichtenfels veranstalteten »Alte Bäume«-Tagung wurde der Forstmann Dietmar Gross (li.) vom ­BN-Vorsitzenden Hubert Weiger und dem BN-Waldreferenten Ralf Straußberger (re.) mit der Karl ­Geyer-Medaille geehrt. Diese verleiht der Verband seit 1977 an Menschen, die sich – wie Namensgeber Karl Geyer im 19. Jahrhundert – um die naturgemäße Waldwirtschaft verdient gemacht haben. So war

Dietmar Gross mehr als zehn Jahre Leiter des Lichtenfelser Forstamtes. Seinen Überzeugungen blieb der heute 65-Jährige dabei immer treu, auch Hubert Weiger lobte seine Standfestigkeit, die er sich trotz aller Anfeindungen von außen bewahrt habe. Doch auch in BN und BUND ist Gross sehr engagiert: Er ist Mitglied im BN-Beirat und im Arbeitskreis Wald, zudem als BUND-­ Delegierter aktiv. Vielen bekannt ist ­Dietmar Gross des Weiteren als ­Leiter der BUND-Reisen in seine jetzige ­Heimat Rumänien, wo er sich intensiv für den Schutz der ­dortigen ­Urwälder einsetzt.

BN-»Urgestein« gewürdigt

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Foto: Thomas Plettenberg

räger der Bayerischen Naturschutzmedaille ist er bereits, nun wurde der frühere langjährige Vorsitzende der Kreisgruppe Miesbach, Werner Fees, von »seiner« Kreisgruppe zum Ehrenvorsitzenden ernannt (auf dem Bild mit Landesgeschäftsführer Peter Rottner, li., und dem KG-Vorsitzenden Manfred Burger, re.). Fees war 1971 Gründungsmitglied der Kreisgruppe und von da an bis 2015 als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender aktiv. Es gibt kaum ein Ehrenamt, das er nicht übernommen hätte: So war Fees Mitglied im Landesbeirat, Delegierter und BUND-Delegierter, Mitglied im Arbeitskreis Alpen und im BUND-Arbeitskreis »Freizeit, Sport, ­Tourismus«. Zahllose Projekte, zum Beispiel die Bürgeraktion »Rettet das Rotwandgebiet« wurden von ihm ­angestoßen oder maßgeblich mitgetragen. Über 15 Jahre lang war er zudem Reiseleiter für BUND-Reisen.

Mehr Schutz für Amphibien an Bayerns Straßen

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ass der bayerische Verkehrs­ minister und der BN-Vorsitzende gemeinsam einen Pressetermin ­bestreiten und dabei einer Meinung sind, kommt wahrlich nicht alle Tage vor. Im Juni gab es jedoch einen erfreulichen Anlass dafür: Der Freistaat Bayern rüstet bis Ende 2016 die 39 bedeutendsten Amphibienquerungen an Bundes- und Staatsstraßen mit Schutzsystemen aus. Staatsminister Joachim Herrmann (re.) und Hubert Weiger (li.) stellten einen Amphibientunnel samt Leit- und Auffangeinrichtungen an der B 13 im Stadtgebiet Weißenburg vor. Für die Umsetzung des Programms investiert der Freistaat rund 11,9 Millionen Euro. An dem Programm beteiligt sind die Oberste Baubehörde im Bayerischen Innenministerium, das Umweltministe­ rium und der BUND Naturschutz.

Foto: Kai Frobel

Ehrung für einen Freund der Wälder

uf dem diesjährigen Donaufest in Niederalteich freuten sich BN-Vorsitzender Hubert ­Weiger und Claus Obermeier, ­Vorstand der im Kampf um die Donauauen beteiligten GregorLouisoder-Umweltstiftung, ein neu erschienenes Buch präsentieren zu können. In »Der Kampf um die Donauauen. Erfolge und Nieder­lagen der Naturschutzbewegung« ziehen die Umweltschützer Bilanz über den jahrzehntelangen Kampf um den »Bayerischen Amazonas«. Sie ­erläutern politische Hintergründe, die zur ­Zerstörung von über 90 Prozent der Donauauen und zu einem gewal­tigen Artenschwund geführt haben. Sie ­berichten aber auch über große Erfolge wie den Erhalt des frei f­ließenden Donauabschnitts zwischen Straubing und Vils­hofen, der 2013 mit einem Beschluss der bayerischen Politik gegen eine Kanalisierung und für einen leben­digen Fluss gesichert worden ist. Das Buch setzt den ­engagierten Naturschützern ein schönes Denkmal und hält für seine Leser zahlreiche Land­ schaftsauf­nahmen bereit. Oekom-Verlag, 19,95 Euro

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Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, oder an nu@bundnaturschutz.de Leserbriefe können gekürzt werden. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

Kann mir bitte mal jemand das Handlungs- und Wirtschaftssystem der Politik und der Gesellschaft erklären? 88 Prozent der Deutschen gaben 2012 in einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung an, dass Deutschland eine neue Wirtschaftsordnung braucht. Aber alle machen so weiter wie bisher. Wirtschaft, Po-

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Heizen mit Holz Diese Zuschrift bezieht sich auf den Leserbrief »Feinstaubbelastung« in N+U 2/2015: Als langjähriger Leser und Mitglied des BUND Naturschutz habe ich mich sehr über einen Leserbrief in der letzten Ausgabe gewundert und ehrlich gesagt sehr geärgert. Ich beziehe mich auf den Brief von Herrn Horbaschek zum Thema Feinstaub. Nicht nur ich bin zunehmend ­genervt über die ständige Krimina­ lisierung und Gängelung der Menschen, die mit Holz heizen. Diese Haltung entbehrt jeder Grundlage. Das Thema Feinstaub durch ­Holzheizungen wird doch maßlos übertrieben. Wenn es wirklich so schlimm stünde, müssten dann nicht längst alle Leute krank und gestorben sein, wenn man bedenkt, dass in den 50er- und 60er-Jahren alle Haushalte in jeder Stadt mit Holz und Kohlen heizten? Wenn im Minutentakt auf den Flughäfen die Flugzeuge mit Urlaubern in die ganze Welt fliegen, Monsterschlangen von Pkw und Lkw die Autobahnen verstopfen, wo viele Menschen nur so zum Spaß fahren, das ist kein Problem. Nein,

Foto: Fotolia/ma ho

litik und Gesellschaft. Das widersprüchliche Verhalten ist schizophren. Wir vom BUND Naturschutz sollen 90 000 Euro aufbringen, damit gegen die Interessen der Volksvertreter (allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel) das selbstzufriedene, schweigende Volk zum Thema TTIP & CETA mobilisiert werden kann. Verkehrte Welt. Was wollen wir antworten, wenn unsere Enkel uns fragen: Wenn ihr doch ­gewusst habt oder wissen konntet, wie bedroht die Heimat Erde ist, warum habt ihr dann nichts getan? Es wird gezögert, es werden Ausreden gefunden, es wird gewartet auf Andere oder man lebt sogar ganz offensiv nach dem Motto: »Nach mir die Sintflut«. Wann wird man begreifen: »Wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch gefangen, der letzte Fluss vergiftet ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann!« Friedrich Meier, Nürnberg

die Umweltfrevler sind die Holzheizer, die es wagen, rücksichtslos ihr Stübchen auf 18 Grad aufzuheizen. Wenn ich auf meinen Holzherd koche, spare ich jedes Jahr jede Menge kostbaren Strom ein. Wurden und werden wir nicht ständig ermahnt und aufgefordert, Strom zu sparen? Der Leserbriefschreiber ­berichtet außerdem, moderne Ölheizungen würden um ein Vielfaches weniger Schadstoffe erzeugen als Holzheizungen. Dies kann ich nicht beurteilen, aber wollten wir nicht weg vom Öl? Also, lieber BUND Naturschutz, bitte etwas weniger radikal und die Kirche im Dorf lassen. Achim Kronberger, Litzendorf

Trauer um Dr. Reinhold Kaub

Foto: privat

Schreiben Sie uns!

Nachhaltige Wirtschaft Zum Schwerpunktthema der N+U 2/2015 erreichten uns unter ­anderem diese Briefe: Bayerns Staatsministerin Ilse Aigner hat im Interview mit Natur+Umwelt auf die Vorbildfunktion des Staates und die Umweltrichtlinien für öffentliches Auftragswesen dazu verwiesen, damit Betriebe sich am Markt besser behaupten können. »Daher setzt die Staatsregierung mit den Richtlinien über die Berücksichtigung von Umweltgesichtspunkten bei der Vergabe öffent­ licher Aufträge allgemeine Anreize für nachhaltiges Wirtschaften in ihrem Bereich.« Schön wär’s, wenn die auch für den gesamten Bereich der Bayerischen Staatsregierung und -verwaltung vorbildhaft und umfassend umgesetzt würden. Dies sicherzustellen, hat der BN-Landesarbeitskreis Abfall/Kreislaufwirtschaft mehrere Schreiben mit einer Fülle von Anforderungen an ökologischer Nachhaltigkeit an die Staatsregierung geschickt – bisher meist unbeantwortet, auch von Aigners Ressort. Die bisher einzige Reaktion aus dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz enthält nur einen beschönigenden Status-Quo-Bericht. Dort sieht man sich selbst zwar »seit langem als Vorreiter«, sieht aber »bei der Vielzahl staatlicher und kommunaler Behörden und Dienststellen der ­öffentlichen Hand nur bei einzelnen Aspekten Potenzial, die Vorbildfunktion noch besser wahrzunehmen«. Es fehlt jegliche Zusage zur Umsetzung und Zielerreichung in allen Ressorts, auf die allesamt Aigner als Stellvertreterin des Ministerpräsidenten einwirken könnte und müsste. Johann Meindorfer, BN-Arbeitskreis Abfall, Straubing

Dr. Reinhold Kaub ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Er war nicht nur im BN aktiv, sondern setzte sich auch als langjähriger Starnberger Landtagsabgeordneter der SPD für die Natur ein. Engagiert kämpfte Reinhold Kaub für den freien Zugang aller Bürgerinnen und Bürger zu den bayerischen Seen, gegen den Ausverkauf der Seeufer, gegen deren Verbauung und gegen die zunehmende Verschmutzung der Gewässer. Das brachte ihm den Titel des »Seeuferdoktors« ein. So manches ­kleine Paradies an den südbaye­ rischen Seen würde es ohne sein rettendes Engagement heute wohl nicht mehr geben. Der BUND Naturschutz wird Reinhold Kaub stets ein ehrendes Andenken bewahren.


Gerettete Landschaften entdecken

Einmal durch die Hölle gehen Was die so genannte »kleine« Wasserkraft an­ richtet, lässt sich auf dieser Wanderung studie­ ren. Auch wenn die Kreisgruppe Regensburg unter ihrem langjährigen Vorsitzenden Dr. Peter Streck mit unzähligen Eingaben, Protesten und Prozessen das Schlimmste verhindert hat, ist das wildromantische Naturschutzgebiet Höllbachtal nur noch ein Schatten seiner selbst. ährend in einem Wanderführer aus dem Jahr 1892 von einem »sinnbetörenden Getöse« der »unterirdischen Wasserfälle« und einem »Gebrülle« die Rede war, »das bei nächtlicher Stille meilenweit zu hören ist«, kann man sich heute in der »Höll«, wie die Einheimischen die Gegend nennen, unterhalten, ohne die Stimme zu erheben. Denn den Großteil des Wassers zweigen die Höllbachkraftwerke der Familie Haider ab und führen es über Druckstollen der Stromerzeugung zu. 2800 Kilowattstunden Strom erzeugen sie dort jährlich – das klingt nach viel, aber es sind nur läppische 0,003 Prozent des in Bayern erzeugten Stroms. Auch wenn der einzigartige Sommerlinden-ErlenAuwald allmählich von Fichten und Buchen verdrängt wird und Steinkrebs, Bachneunauge und Perlmuschel verschwunden sind, ist das obere Höllbachtal immer noch eine eindrucksvolle Wanderung und ein beliebtes Ausflugsziel der Regensburger. Vor allem an Wochenenden und in den Ferien ist dort buchstäblich ein Höllenbetrieb. Und das »Restwasser«, das dem Höllbach nach einem von der Kreisgruppe Regensburg durchgefochtenen Schiedsspruch zusteht, ist mit 180 Litern pro Sekunde wieder etwas mehr als die maximal 110 Liter, die das Landratsamt ihm zugestehen wollte. Wer wenigstens einen Nachklang jenes Getöses erleben will, sollte diese Rundwanderung am Ende einer längeren Regenperiode machen. Wir gehen sie, um uns den Höhepunkt für den Schluss aufzusparen, entgegen dem Uhrzeigersinn: Vom Wanderparkplatz folgen wir einer schmalen Teerstraße Richtung Dosmühle. Auf der Höhe einiger Häuser biegen wir nach links in einen Feldweg, der gleich abfallend nach rechts schwenkt Ausgangspunkt: Postfelden (nordöstlicher Landkreis Regensburg), Wanderparkplatz am südlichen Ortsrand Länge/Gehzeit: ca. 4,5 Kilometer/80 Minuten (beliebige Verlängerung talabwärts möglich) Höhenunterschied: ca. 100 Meter Wegcharakter: Markierte, teilweise felsige Steige, Feld- und Waldwege, etwas Teerstraße Einkehr: Entlang des Weges keine (Postfelden, ­Brennberg, Aumbach)

Foto: Winfried Berner

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Rest-Schönheit Auf den ersten Blick eine Idylle, aber dies sind die letzten Reste der einst so wilden Schönheit des Höllbachtals.

und uns in ein liebliches Wiesental führt, in dem bereits einige gewaltige Felsen einen Vorgeschmack auf die »Höll« geben. Unten kommt uns schon der Höllbach entgegen, dem wir von hier etwa 10 Kilometer durch sein eng eingeschnittenes Tal bis nach Wiesent an der Donau folgen könnten. Wildes Blocksteinmeer Kurz vor der Dosmühle erreicht unser Pfad die Straße wieder, doch noch davor biegen wir nach ein paar Metern über eine Brücke nach rechts in einen Waldweg, der ein Stück den hier recht friedlichen Höllbach begleitet. Über eine langgestreckte Talwiese dringen wir weiter ins Tal vor, das allmählich wilder wird und uns schließlich in das wilde Blocksteinmeer der »Hölle« führt, durch das der Höllbach gurgeln darf. Zwischen riesigen, moosüberwachsenen Steinblöcken schlängelt sich der Weg hindurch, und das ab und zu durchschimmernde Wasser lässt leise rauschend erahnen, wie die »Hölle« auf unsere Vorfahren gewirkt haben muss. Über den Felsblöcken und dem Wasser tragen noch etliche Sommerlinden zu dem dichten Blätterdach bei, das die Hölle auch im Hochsommer zu einem angenehm kühlen Platz macht. Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner

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Die Autoren Winfried Berner, Mitglied des Landesvorstandes, hat mit seiner Frau ­Ulrike Rohm-Berner den Wanderführer »Gerettete Landschaften« verfasst. 2015 erhielt das Buch eine Auszeichnung der Touristikmesse ITB. 14,90 Euro, im Buchhandel oder bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23-9 99 57 20


Bäume schützen

Alte Bäume können trotz ­offenkundiger Schäden bei richtiger Pflege oft noch lange erhalten werden. Ortsgruppen des BUND Na­ turschutz engagieren sich vielerorts für ihren Schutz. Welche Schritte haben sich bewährt, um wertvolle Bäume davor zu schützen, vorzeitig verstümmelt oder gefällt zu werden?

S Der Autor Christian Hönig ist der Baumschutzexperte des BUND Berlin.

Mehr dazu unter www.bund.net/ baumschutz

chon früh in der Geschichte begann der Mensch, seine Siedlungen mit Bäumen zu bepflanzen. Unter ausladenden Baumkronen ist es auch im Sommer angenehm kühl. Bäume erfrischen die Luft und bieten vielen Tieren ein Zuhause und Nahrung. Alte Bäume sind charaktervolle Begleiter, die uns Menschen über viele Generationen erfreuen können. Doch gerade alte Bäume sorgen regelmäßig für Streit – wenn sie beschnitten oder gefällt werden sollen. Dass von Bäumen Gefahren ausgehen, ist nicht immer von der Hand zu weisen. In der Stadt haben es Bäume oft schwer: Sie kämpfen um Licht, um Platz für ihre Wurzeln, um genug Wasser und Nährstoffe. Straßenbäume leiden unter Abgasen. Streusalz und Hundeurin verätzen ihre Wurzeln und Rinde und stören den Nährstoffhaushalt im Boden. Wo die Rinde beschädigt wird, können sich Pilze und Fäulnis ausbreiten. Nicht gegen den Baum Bloß weil ein Baum »krank« ist, muss er aber nicht gleich gefällt werden. Vor größeren Eingriffen muss ein Gutachter die Vitalität und Stabilität des Baumes prüfen und die richtige Pflege festlegen. Heftige Rückschnitte, die nur den Stamm und ein paar Aststummel zurücklassen, schwächen die Bäume zusätzlich. Eine

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Illustration: Frauke Weinholz

Bevor die Sägen anrücken

gute Pflege arbeitet mit dem Baum, nicht gegen ihn. Bäume sind Meister darin, sich ihrem Standort anzupassen. Sie strecken ihre Äste zum Licht und verstärken Stamm und Wurzeln, um sich zu stabilisieren. Ihre Gestalt sollte bei der Pflege möglichst beibehalten werden. Auch sollten Äste nicht einfach abgesägt werden. An Stummeln bilden sich dünne Wasserreiser, die den nächsten Pflegeschnitt schon absehbar machen. Auch verbraucht ein Baum dafür unnötig Energie. Fachgerechter ist es, an tiefer liegenden Verzweigungen anzusetzen, damit ein jüngerer Ast die Funktion übernimmt. Ganz alte Bäume beherbergen oft Brutund Lebensstätten für seltene Tiere. Ist ein Baum rettungslos instabil, kann es daher sinnvoll sein, ihn so weit zu beschneiden, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht, der wertvolle Lebensraum aber noch erhalten bleibt. Kappungen dürfen aber immer nur das letzte Mittel sein. So sollte bei Parkbäumen geprüft werden, ob der Gefahrenbereich nicht abgezäunt und Wege vom Baum abgerückt werden können.

Sieben Tipps ▶ Rücken die Sägen an, ist es meist zu spät, gegen eine Fällung zu intervenieren. Wer Bäume schützen will, muss vorausschauend aktiv werden. Informieren Sie sich in ihrer Gemeinde über anstehende Baumarbeiten und eignen Sie sich das nötige Grundwissen an. ▶ Lernen Sie die Körpersprache der Bäume: Auch ohne Technik verraten uns Bäume viel über ihren Zustand. ▶ Sind Ihnen Bruthöhlen und andere Lebensstätten in Bäumen bekannt, melden Sie diese den Naturschutzbehörden oder Grünflächenämtern. ▶ Suchen Sie bei notwendigen Eingriffen gemeinsam nach Lösungen, um Baum oder Höhle zu erhalten. ▶ Bepflanzen Sie Baumscheiben. Kleine Pflanzen rund um den Stamm schützen den Boden und machen die Erde durchlässiger für Wasser und Sauerstoff. Verletzen Sie bei der Bepflanzung nicht die Wurzeln, graben Sie vorsichtig und nicht zu tief. Und sparen Sie den Stammfuß aus; er muss – gerade bei alten Bäumen – für die Baumkontrolle sichtbar bleiben. ▶ Ein kleiner Zaun kann Hunde daran hindern, direkt an den Stamm zu pinkeln. Sprechen Sie dies mit der zuständigen Stadtverwaltung ab. ▶ Wässern Sie Bäume bei langer Trockenheit – nicht oft, dafür aber mit richtig viel Wasser. Einmal in der Woche zehn volle Eimer Wasser sind ein guter Richtwert. So saugt sich der Boden schön voll, und der Baum bedient sich, wie er es braucht. Christian Hönig


Fotos: Pjotr Orzechowski

Zur Tierbeobachtung nach Polen

Im polnischen Amazonien Man möchte ein Vogel sein, über die Flüsse ­Biebrza und Narew fliegen, die sich blau durch schier endloses Schilfgrün winden. Man möchte ein Vogel sein, über spiegelnden Erlensumpf und Kronen uralter Buchen gleiten. Dann könnte man im offenen Sumpfland einen Elch im Wasser planschen sehen oder zwischen den Baumriesen des Bialowieza-Nationalparks ein zotteliges ­Wisent erspähen. Man möchte kreisen und flat­ tern mit all den Sumpf-, Wasser- und Waldvögeln, die hier leben. In dieser Welt aus Wasser und Wald, aus Seggen und Schilf, aus Weite und noch­ mals Weite, wäre es das Schönste, selbst ein Paar Flügel zu haben.

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er im Nordosten Polens auf Vogelbeobachtung geht, der versteht unter Luftraum schnell etwas anderes als den Verkehrsraum dröhnender Maschinen. Hier ist er Lebensraum und Konzertsaal tausender Vögel. Großräumige Sumpf- und Moorlandschaften sind in Mitteleuropa verschwunden, der intensiven Landwirtschaft zum Opfer gefallen. Im Nordosten Polens aber, südlich von Masuren und an der Grenze zu Weißrussland, erstrecken sich nahezu unberührte Naturräume von unvorstellbarer Vielfalt. Das Über­ schwemmungsgebiet von Biebrza und Narew mit seinen mehr als 1000 Quadratkilometern ist Rastplatz für nordische Zugvögel und Brutplatz für Schnepfen, Störche, Greifvögel. Hier leben Sumpf- und Wasservogel­ arten, die bedroht und anderswo längst verschwunden sind wie die Weißflügelseeschwalbe, der Seggenrohrsänger oder die Doppelschnepfe. Nirgendwo sonst in Europa kommen sieben Adlerarten nebeneinander in einem Gebiet vor: Fisch-, See-, Stein-, Schell-, Schrei-, Schlangen- und Zwergadler. Auf unseren Wanderungen führt uns der Ornithologe Pjotr Orzechowski, der seit 30 Jahren dieses Gebiet

durchstreift. Er weiß aus Erfahrung, dass gerade Deutsche hier eine Sehnsucht stillen: »Für viele ist dies eine Reise in die Vergangenheit oder sogar in die Kindheit. Sie finden eine Naturfülle und Landschaft ohne Strommasten und Straßen, so wie es sie in Deutschland noch vor 50, 60 Jahren gab.« Pjotr hält auf den Ausflügen keine langen Vorträge, lieber lässt er seine Gäste selbst beobachten und die Natur in sich aufnehmen. Mit ihm und einem Quäntchen Glück erhaschen wir einen Blick auch auf scheue Tiere wie den Fischotter, diesen pelzigen Schwimmer mit Knopfaugen. Polnische Küche und Lebensart Manchmal brechen wir schon vor Sonnenaufgang auf, gehen leise über die Nebelwiesen in den Wald hinein, wo wir nach Eule, Sperlingskauz und den scheuen ­Wisenten suchen. In den Urwäldern von Bialowieza leben rund 400 Exemplare dieses europäischen Bisons. Auch wenn wir keines der mächtigen Tiere in freier Wildbahn sehen – allein dieser Dschungel aus bemoosten Hainbuchen und dichtem, farnigem Unterholz flößt uns Ehrfurcht ein. So also sahen einmal in ganz Europa Wälder aus. Im Erlenbruchwald waten wir durch kniehohes Wasser. Vielleicht stoßen wir hier auf den kleinen Seggenrohrsänger? Gute Chancen haben wir, Elche und sogar Biber zu »erwischen«. Abends, wenn wir bei unseren einheimischen Gastfamilien unterkommen, lernen wir polnische Lebensart und Küche kennen. Pjotr: »Die Vogel- und Tierliebhaber sind für uns wichtige Touristen. Sie fördern bei den Einheimischen und den Behörden den Willen, diese empfindliche Gegend zu schützen.« Die Reise ist für versierte Naturbeobachter ebenso wie für Einsteiger gedacht. Gute 10 Kilometer pro Tag und auf unebenem Untergrund sollte man laufen können. Und eines sollte jeder dabei haben, wenn es schon kein Paar Flügel sein kann: ein Paar wirklich guter Gummistiefel. Lucia Vogel

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Stille Wasser sind wild Die Altarme, Buchten und Nebenflüsse der Biebrza bilden eine in Europa ­einmalige Naturlandschaft, in der auch Wisente Platz finden.

Reisetermin 27. 9. – 4. 10. 2015 Infos zu Reisepreis und Anmeldung bei BUND-Reisen, ReiseCenter am Stresemannplatz Stresemannplatz 10 90489 Nürnberg Tel. 09 11- 5 88 88-20 Fax 09 11- 5 88 88 22 www.bund-reisen.de


Lebendige Flüsse Murmelnde Quellen, majestätisch dahinströmende Flüsse oder wild zu Tal stürzende Wasserfälle – Fließgewässer sind die Lebensadern der Natur. Wie sehr sie auch die Menschen und ihr Natur­erleben prägen, zeigen die Sagen und Legenden, die sich um solche Orte ranken. Doch nach der Legendenzeit kam die Technik und mit ihr das Ende zahlloser Flusslebens­ räume. Viele Jahrzehnte lang wurde begradigt, betoniert und gestaut, was das Zeug hielt. Nur wenige Flussabschnitte können noch so frei und unverbaut fließen wie die Vils zwischen Aham und Frontenhausen auf dem Titel oder hier die Isar im Mündungsgebiet. Erst ganz allmählich setzt ein Umdenken ein: die Erkenntnis, dass man auf Dauer nicht gegen die Natur arbeiten kann, sondern nur mit ihr. Heute haben wir die historische Chance, ein Zeitalter der Wiedergutmachung an Bayerns Fließgewässern einzuläuten. Nutzen wir sie! (lf)


Foto: Wolfgang Willner


Endlich zurück zur (Fluss)-Natur Gestaut, begradigt, in ein Betonkorsett ge­ zwängt: So lässt sich der Zustand eines Großteils der bayerischen Bäche und Flüsse beschreiben. Falscher Fortschrittsglaube und Energiehunger mehrerer Jahrzehnte haben ihnen furchtbar zu­ gesetzt. Doch allmählich setzt ein Umdenken ein. Es wird Zeit für eine Wiedergutmachung an Bay­ erns B ­ ächen und Flüssen.­

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ie Geschichte des BUND Naturschutz ist eine Geschichte des Kampfes für die Fließgewässer in Bayern. Erste Flurbereinigungsmaßnahmen gab es schon nach dem Ersten Weltkrieg. Damals handelte es sich oft um die Begradigung von Bächen zur Landurbarmachung. Durch den Energiehunger der Wirtschaftswunderzeit ging es dann in den 50er-Jahren den Flüssen »an den Kragen«. Es wurden zahllose Stauwehre zur Energiegewinnung gebaut. Professor Otto Kraus, Bayerns erster hauptamtlicher Naturschützer, hatte sich vehement gegen diese Verbauung eingesetzt. Seine ­wenigen, auch mit Unterstützung des BN zäh errungenen Erfolge sind heute Juwelen des Artenreichtums in unseren Fließgewässern, zum Beispiel die Pupplinger Au der Isar, die Partnachklamm oder die Litzauer Lechschleife. Der Großteil der Flüsse wurde aber durch Stauwehre und Kanäle verbaut. So war der Kampf um Bayerns Fließgewässer geprägt von schmerzlichen Niederlagen. Bis in die 70er-Jahre wurde gestaut und begradigt, was das Zeug hielt. Man wollte Siedlungen und Ackerland vor Hochwasser schützen, indem man Wasser schnell aus der Landschaft ableitete durch Entwässerung und Begradigung. Erst später kam allmählich die Erkenntnis, dass dieses Vorgehen zu einem enormen Verlust an naturnahen Lebensräumen führt und damit einem Verlust an Artenreichtum: Viele Fisch­ arten in bayerischen Fließgewässern sind heute gefährdet, viele Muschelarten bereits ausgestorben. Gleichzeitig stieg die Hochwassergefahr. In den 70er-Jahren gab es zum Schrecken der Gewässerschützer reihenweise Pläne für große Trinkwasser-Talsperren wie im Hafenlohrtal oder Hochwasserrückhaltebecken wie im Rotmaintal. Ein Teil dieser

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Foto: Tom Konopka

Erste Lichtblicke für Bayerns Flüsse

Projekte ist realisiert worden, aber viele konnten durch den anhaltenden Widerstand der Bevölkerung verhindert werden – was heute zu den großen Erfolgen des Naturschutzes zählt. Neben der Rettung des Hafenlohrtals und des Rotmaintals zählen dazu unter anderem auch die Erhaltung des Püttlachtals in der Fränkischen Schweiz oder der Waldnaab-Aue oberhalb von Falkenberg in der Oberpfalz. Diese Erfolge hingen zusammen mit einem vom BUND Naturschutz unterstützen Prozess des Umdenkens in der Wasserwirtschaft. In den 80er-Jahren wurde zum ersten Mal auch außerhalb der Umweltschutzbewegung die Erkenntnis formuliert, dass man die Unteranlieger eines Flusses nur vor Hochwasser schützen kann, wenn man flussaufwärts das Wasser zurückhält, statt es schnellstmöglich abzuleiten. Die Folge dieser Erkenntnis: Gewässerschutz und Hochwasserschutz erfordern das Denken in Gesamtzusammenhängen – von der Quelle bis zur Mündung, vom Fließwasser im Fluss bis zum Grundwasser in der Aue. Eine der wichtigsten Aufgaben ist folglich nicht die »Wasseraustreibung« aus der Landschaft, sondern die Wasserrückhaltung. Dies wird umso wichtiger, je spürbarer die Folgen des Klimawandels auch bei uns werden: die Häufung von Trockenzeiten und heftigen Niederschlägen. Nur wenn wir das Wasser in der Landschaft zurückhalten, können wir trockene Zeiten abpuffern und Siedlungen vor Hochwasser schützen. Erfolgreiche Renaturierung Heute geht es darum, die Fehler der Vergangenheit wieder gutzumachen. Der BUND Naturschutz setzt sich für die Erhaltung naturnaher Flüsse ein, um neue Fehler zur vermeiden. Prominentestes Beispiel ist hier der Einsatz für den letzten frei fließenden Abschnitt der Donau in Niederbayern, die naturnahe Mündung der Isar in die Donau oder die Salzach. Man könnte noch viele Beispiele aufzählen: Der Einsatz gegen ein Wasserkraftwerk an der Ilz, der Einsatz für die Oberpfälzer Schwarzach, für das Sinntal – der Einsatz für die letzten Reste natur­naher Flüsse, die es in Bayern gibt. Gleichzeitig setzt dich der BN für eine naturnahe Gewässerpolitik ein, die Fluss und Aue als Einheit be-


trachtet. Die Wiedergutmachung an Bayerns Fließgewässern beginnt mit der Renaturierung von Mooren und Quellen, der Wiedergewinnung von Auen und geht weiter mit Renaturierungen an den Flüssen. Hier gibt es dank eines einsetzenden Umdenkens schon erfreuliche Erfolge vorzuweisen: die Isar, die mittlere Altmühl, die Waldnaab, die Oberpfälzer Schwarzach oder die Regentalaue. Was früher als Zeichen des Fortschritts galt – einen Fluss oder Bach zu begradigen und in eine Betonrinne zu zwingen – wird heute immer öfter rückgängig gemacht. So kann ein Gewässer wieder Dynamik entwickeln. Wenn es Platz bekommt, sich links und rechts Material zu holen, wird auch die Eintiefung beendet, die sonst eine typische Folge von Begradigung ist und von Staustufen, die für Geschiebe undurchgängig sind. Aufgabe für Jahrzehnte Was bleibt zu tun? Sehr viel. Wir stehen erst am Anfang der Wiedergutmachung und Beseitigung der Fehler der Vergangenheit. Dies ist eine gewaltige Aufgabe, die nicht in einigen Jahren und auch nicht in wenigen Jahrzehnten zu lösen sein wird, sondern vielleicht in 50 bis 100 Jahren. Einige dieser Fehler sind fast irreparabel, zum Beispiel weil es möglich geworden ist, unmittelbar neben einem Fluss zu siedeln oder weil die Flüsse für die Schifffahrt gestaut und kanalisiert wurden. Wir können also den Flüssen in Bayern nur noch auf einer begrenzten Fläche wieder mehr Platz geben. Ein Baustein im Gewässerschutz wird sein, Überzeugungsarbeit zu leisten. Dafür, dass Flüsse und Bäche

wieder mehr Platz bekommen, muss Akzeptanz geschaffen werden, was sich an den hitzigen Debatten bei geplanten Deichrückverlegungen zeigt. Für diese Überzeugungsarbeit braucht es Geld, Personal und Instrumente, um Flächen zu tauschen. Wer bisher hochwasserfreie Ackerflächen hatte, wird darauf bestehen, dass diese Flächen weiterhin hochwasserfrei sind. Das heißt, wir müssen andere F ­ lächen für diese Betriebe bereitstellen, um Überflutungen in den Talauen ohne nachfolgende Entschädigungszahlungen zu ermöglichen. Wir werden zusätzlich auch Ausgleichsre­ gelungen für landwirtschaftliche Betriebe brauchen. Ziel muss sein, dass es in Überflutungsbereichen nur Grünland, Moore und Wälder gibt. Die Ausrichtung im Hochwasserschutz muss sein: weniger Investitionen in Dämme und technischen Hochwasserschutz und mehr Investitionen in ökologischen Hochwasserschutz (siehe S. 16/17). Erste Projekte laufen. Ein schönes Beispiel dafür ist das Talauen-Projekt, das auf Initiative der ­BN-Ortsgruppe Scheinfeld zustande kam. Mehrere Kommunen haben sich darin zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Hochwasser-Rückhalte-Projekt zu verwirklichen (siehe S. 37). Lebendige Flüsse brauchen aber auch eine naturgemäße Landwirtschaft. Das bedeutet Grünland in den Auen, Extensivlandwirtschaft, kein Einsatz von wassergefährdenden Pestiziden, Gewässerrandstreifen und ein Ende der Überdüngung. Das bedeutet auch Bodenschutz. Es wird immer mehr Mais angebaut, auch an Hängen, was verstärkte Erosion zur Folge hat. So landen wertvolle Böden im nächsten Fluss. Bodenschutz heißt genauso die Verhinderung weiterer Versiegelung. Hier ist das menschliche Gedächtnis leider sehr kurz: Nach jedem Hochwasser wird lauthals verkündet, keine Bauprojekte in Überflutungsgebieten mehr zu genehmigen, doch wenige Jahre später ist davon nichts mehr zu bemerken. Hubert Weiger (lf )

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Foto. Julia Puder

Foto: Mark Robertz

Wilde Wasser statt Betonrinnsale! Links ein Negativbeispiel: Trotz anderslautender BN-Stellungnahme mit Betonwänden ausgebauter Fluß Steinach in Stadtsteinach (Landkreis Kulmbach). Rechts bahnt sich das Wasser in der Wimbachklamm (Landkreis Berchtes­ gaden) frei von jeder Verbauung seinen Weg.

Der Autor Hubert Weiger ist der Vorsitzende des BUND Naturschutz.


Foto: Christine Margraf

Gelungene Flussrenaturierung an der Mittleren Isar

Dynamische Flüsse und Auen: Reichtum der besonderen Art

Intakte Flüsse und ihre Auen sind von größter Wichtigkeit für den Artenreichtum. Gleichzeitig sind sie eines der gefährdetsten Ökosysteme ­Mitteleuropas. Auch Bayern ist durchzogen von einem Netz von fast 140 000 Gewässerläufen mit rund 100 000 Kilometer Gesamtlänge. 7  Prozent der F­ läche Bayerns sind Auen, hier kommen rund zwei Drittel aller heimischen Lebensgemein­ schaften vor.

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och dieser Reichtum ist bedroht und vielerorts verschwunden. Denn die Vielfalt der verschiedenen Lebensräume und Arten braucht Bewegung in Fluss und Aue: Zentral sind zum einen die Wasserstandsschwankungen des Flusses (Hoch- und Niedrigwasser), mit denen auch das Grundwasser in der Aue schwankt. So bildet sich eine enorme Vielfalt an Standorten aus von extrem nass bis extrem trocken. Zentral sind auch die Materialumlagerungen, so dass immer wieder frischer Rohboden entsteht und die Kiessohle des Flusses frei bleibt. Diese Dynamik haben die Wasserbauer der vergangenen 200 Jahre mit massiven technischen Mitteln zu beherrschen versucht. Flüsse wurden begradigt, gestaut, mit Querbauwerken zerstückelt

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oder ihres Wassers durch Ausleitungen beraubt, ihre Ufer verbaut, Auen ausgedeicht. In den ausgedeichten Auen hat sich die land- und forstwirtschaftliche Nutzung intensiviert, auch die Siedlungen sind an den Fluss gewachsen. Zu hohe Nährstoff- und Sedimenteinträge aus zu intensiver Landwirtschaft lassen die Kiessohle und bei Hochwasser auch die Aue verschlammen und eutrophieren. Lediglich 3 Prozent der Auen Bayerns sind nach einer Bewertung des bayerischen Auenprogrammes nur »wenig beeinträchtigt«. Ein hoher Anteil der Arten von Fluss und Aue ist selten geworden und im Bestand gefährdet. Zwei Drittel der ehemaligen Auen sind als Überschwemmungsgebiete in Deutschland verloren, weil Deiche sie vom Fluss trennen. Entsprechend hat die Hochwassergefahr zugenommen: zerstörerisches Hochwasser statt lebenswichtigem Breitwasser (siehe S. 18/19). Die Grundwasserqualität hat sich vielerorts verschlechtert und faszinierende Erholungsräume gingen verloren. Den Fluss befreien Was liegt näher, als die vielfältigen Probleme gemeinsam zu lösen und an der Wurzel zu packen? Renaturie-


rung ist angesagt und an nahezu allen Fließgewässern Bayerns dringend nötig. Ein bayernweit bedeutendes Beispiel ist die Mittlere Isar. Die Isar entspringt im Karwendelgebirge und mündet bei Deggendorf in die Donau. Sie ist ein Alpenfluss und hatte vor der Regulierung breit verzweigte Flussarme und Kiesinseln, die sich ständig umlagerten. Auch die Mittlere Isar zwischen München und Landshut wurde vor etwa 100 Jahren verbaut: Der Fluss wurde begradigt, mit Ufersteinen befestigt und mit engen Deichen von den Auen getrennt. Die Kraft der Isar konnte nicht mehr in die Breite, sondern ging nach unten: Die Isar tiefte sich ein. Etwa zwei Drittel des Isarwassers werden zudem im Isarkanal abgezweigt. Das für die Vielfalt so wichtige Geschiebe bleibt im Sylvensteinspeicher und den flussaufwärts liegenden Staustufen hängen. Doch »Die Reißende«, so die Bedeutung des Namens, hat hier noch hohen naturschutzfachlichen Wert: Sie ist begleitet vom längsten zusammenhängenden Auwald Bayerns und ein europäisch bedeutsames Biotopverbund-Band im europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Bereits 1998 kämpfte der BN für mehr Wasser, für befreite Ufer, damit die Isar ihr Bett aufweitet und Kiesbänke wieder umlagert, für den Vorrang der Natur, für einen lebendigen Fluss. Hochwasser soll mehr Platz bekommen und dazu die Deiche nach außen gelegt werden. 1999 stellte der BN zusammen mit anderen Vereinen ein Renaturierungskonzept vor. Viele Werbeaktionen, Stellungnahmen, Gespräche, Exkursionen und Konzepte folgten. Ebenfalls 1999 begann das Wasserwirtschaftsamt (WWA) München, die Isar aufzuwerten: Deiche wurden zurückverlegt, die Mindestwassermenge in der Isar wurde im Sommer erhöht und gestaffelt, Rampen wurden durchgängig umgestaltet und an vielen Abschnitten wurde die Uferversteinung entfernt, damit die Isar wieder mehr Dynamik und Vielfalt bekommt. Dahinter Bayerische Fließgewässer in Not

Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EU verpflichtet die Mitgliedsstaaten, bis 2015 einen guten ökologischen Zustand der Fließgewässer herzustellen. Nach der a ­ ktuellen Bestandserhebung nach WRRL 2014 ist der ökologische Zustand der bayerischen Fließgewässer aber nach wie vor schlecht: 16 % gut, 42 % mäßig, 31 % unbefriedigend, 11 % schlecht. 95 % weisen signifikante Belastungen auf, davon: 69 % durch Nährstoffe, 69 % durch fehlende Durchgängigkeit, 62 % durch morphologische Veränderungen, 47 % durch Rückstau. Nur 1 % gilt als unbelastet.

stehen zwei Konzepte für 65 Kilometer Isar: Das »Gewässerentwicklungskonzept Mittlere Isar« und das »Hochwasserschutzprogramm Isar 2020«. Vielfalt kehrt zurück Und die Isar ergreift ihre Chance: Seit 2005 wird sie mit jedem Hochwasser wilder und natürlicher. Stellen­ weise hat sie sich bereits um mehr als eine Flussbreite verlagert und wieder in mehrere Flussarme aufgezweigt. Prallufer werden abgegraben und der Kies, den die Isar dort freisetzt, wird an Gleitufern zu neuen Kiesinseln umgelagert. Schon wenige Jahre nach der Befreiung von den Ufersteinen gestaltet die Isar bei Hochwasser die angrenzende Aue um und bringt die natürliche Lebensraumvielfalt zwischen nass und trocken zurück. Alte große Weiden, die am Prallhang von der Isar umgestürzt werden, und das entstandene Totholz tragen erheblich zur Strukturvielfalt bei und sind Ansatzpunkte für weitere Dynamik. Kiesbrüter wie der Flussregenpfeifer finden auf den neuen Kiesinseln Lebensraum; am frischen unbewachsenen Steilufer hat der Eisvogel Brutröhren angelegt; in der nun vielfältig strukturierten Flusssohle finden Kieslaicher wie Äsche und Huchen geeignete Laichgründe. Auf den Kiesinseln wachsen junge Weiden als Vorposten eines neuen Silberweiden-Auwaldes. Auch die früher an der Isar weit verbreitete Lavendelweide ist mit zahlreichen Jungpflanzen wieder da. Für die Entwicklung der in Bayern stark gefährdeten Weiden-Gesellschaften sind besonders die Deichrückverlegungen von hoher Bedeutung: In der Rosenau ist schon wenige Jahre, nachdem der Deich zwischen Aue und Isar an den Rand der Aue verlegt wurde, eine Weiden-Vielfalt entstanden, die lange Jahre an der Mittleren Isar ­äußerst selten war. Die Isar wird breiter, vielfältiger, dynamischer – noch ist die Isar kein Wildfluss, dafür sind die Einschränkungen zu hoch. Aber wir erleben hier staunend und fasziniert und für Bayern wohl einmalig, wie Wildnis und Artenvielfalt zurückkehren. Auch flussaufwärts hat die Isar wieder mehr Raum bekommen im Rahmen des Projekts »Neues Leben für die Isar« (Isar-Plan): im Stadtgebiet München wurden auf 8 Kilometer Länge zwischen der Wehranlage Großhesselohe und dem Deutschen Museum die Isarufer naturnah gestaltet und die Durchgängigkeit verbessert. Neben den Arten profitieren davon vor allem die Erholungssuchenden und der Hochwasserschutz. Denn die Isar hat nun bei Hochwasser mehr Platz. Angesichts zahlreicher Restriktionen in einer Großstadt ist auch diese Isar-Renaturierung wegweisend für den Umgang mit einem Fluss in der Stadt. So wünschen wir es uns für alle bayerischen Gewässer: großräumige Konzepte und Umsetzungen, mutige Wege, Fixierungen entfernen und dann »den Fluss machen lassen«. Bayerns Gewässer brauchen endlich eine Schwerpunktsetzung der bayerischen Staatsregierung, damit sie wieder zu dem werden können, was sie Jahrtausende waren: Lebensadern für Mensch und Natur. Christine Margraf

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Foto: privat

Sein blaues Wunder … … kann man an der renaturierten Mittleren Isar erleben. Der Fluss schafft Lebensräume wie neue Kiesinseln oder Totholz, in die einst verschwundene Arten zurückkehren.

Die Autorin Christine Margraf ist die BN-Artenschutzreferentin für Südbayern.

Mehr Infos zu den beiden Projekten:

www.wwa-m.bayern.de/fluesse_seen/ massnahmen/mittl_ isar/index.htm www.wwa-m.bayern.de/fluesse_seen/ massnahmen/isarplan/index.htm


Natürlicher Hochwasserschutz

Den Flüssen Raum geben Ein großes Hochwasser 1999, ein verheerendes Hochwasser 2013 – die bayerische Politik hat darauf jeweils mit einem Programm reagiert: 2000 wurde das »Hochwasserschutzprogramm 2020« auf­gelegt, 2014 wurde es zum »Hoch­ wasserschutzprogramm 2020+« aktualisiert. Die beiden P ­ rogramme beruhen auf drei Säulen: Vorsorge, natürlicher Hochwasserschutz und technischer Hochwasserschutz – so weit so gut, doch wie ist die Realität der Umsetzung?

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er BUND Naturschutz fordert seit langem: Natürlicher Hochwasserschutz muss höchste Priorität haben! Er setzt an den Ursachen der Probleme an und hat die größten Synergien mit Zielen des Naturschutzes, des Gewässerschutzes, des Bodenschutzes und auch der Erholungseignung einer Landschaft. Was genau bedeutet natürlicher Hochwasserschutz? ▶ Verbesserung des Wasserrückhalts im Einzugsgebiet durch eine regenspeichernde Landbewirtschaftung, die die Porenstruktur und Versickerungsfähigkeit des Bodens erhält. Z. B. durch Sicherung von dauerhaftem Bewuchs (Untersaat), Sicherung von Wiesen (Wasserabfluss von Wiesen ist nachweislich langsamer und geringer als von Äckern), Schaffung von Strukturen, vor allem quer zum Hang, Erhaltung und Verstärkung natürlicher Mulden-Strukturen und Wälder ▶ Erhöhung der Wasserspeicherfähigkeit von entwässerten Mooren durch Renaturierung ▶ Verlangsamung des Abflusses an den zahlreichen kleinen Gewässern durch Renaturierung und Wiederherstellung ehemaliger Flussschleifen und durch Aktivitäten des Bibers ▶ Breitwasser statt Hochwasser: Wiederanbindung von Auen an den Fluss, indem Deiche vom Fluss an den Rand der Aue verlegt werden. Die Errichtung von Deichen am Fluss hat aus Breitwasser Hochwasser ­ ­gemacht und es beschleunigt zu den Unterliegern geschickt.

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▶ Reduzierung der Versiegelung von Böden durch weitere Bebauung Die Wirksamkeit all dieser Maßnahmen ist nachgewiesen. Wenn sie einzeln keinen Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser bringen, müssen sie kombiniert und in der Summe berechnet werden. Wenn die Summe der möglichen natürlichen Maßnahmen im Einzugsgebiet nicht ausreicht für den Schutz von gefährdeten Siedlungen, sind technische Maßnahmen zur Ergänzung einzusetzen. Was macht Bayern? Das »Problem« dieser Maßnahmen: Sie brauchen Fläche und Bereitschaft vieler Einzelner. Der bayerische Hochwasserschutz fängt quasi »hinten« an. Die Umsetzung des Hochwasserschutzprogrammes war auf technischen Hochwasserschutz konzentriert. Dagegen wurden von 2000 bis 2014 nur 55 Kilometer Deiche zurückverlegt und nur 25 Millionen Kubikmeter neuer Retentionsraum gewonnen. Nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums wurden bislang 924 Kilometer Gewässer in Bayern renaturiert und nur rund 1883 Hektar Auenfläche. Auch im »Hochwasserschutzprogramm 2020+« nimmt der technische Hochwasserschutz den größten Raum ein. Der Schwerpunkt der Umsetzung liegt derzeit auf dem »bayerischen Flutpolder-Konzept«, für das


Foto: Christine Margraf

Platz fürs Wasser So sollte es sein: Wo hohe Pegelstände die Auwälder überfluten dürfen, wird das Wasser zurückgehalten, statt flussabwärts Hochwasser zu verursachen. Der Lebensraum Aue ist auf wiederkehrendes Hochwasser spezialisiert.

mit einer eigenen »Dialogreihe« entlang der Donau geworben wird (siehe Kasten). Begründet wird es mit dem nötigen Hochwasserschutz von Passau – dabei haben Fachleute schon lange ausgerechnet, dass für Passau entscheidend ist, die gefährliche Überlagerung von Inn und Donau zu vermeiden. Dazu muss vor allem die durch den Flussausbau und Deichbau beschleunigte Hochwasserwelle der Donau wieder verlangsamt werden. Das wird durch Renaturierung, Deichrückverlegung und besseren natürlichen Rückhalt in der Landschaft erreicht, nicht jedoch durch Polder. Das »bayerische Flutpolder-Konzept« ist ein auf Extrem-Hoch­ wasserereignisse reduziertes technisches Konzept, das nichts an den Ursachen der Hochwasserprobleme ändern wird! Zwar werden auch die Potenziale von Auen für den Wasserrückhalt derzeit untersucht, und seit 2014 läuft zudem das Forschungsvorhaben »dezentraler natür­ licher Rückhalt in Bayern« (drei Jahre, jedoch ohne Moore), es fehlt jedoch eine Gesamtbetrachtung, wie sich eine Vielzahl von natürlichen WasserrückhalteMaßnahmen im Einzugsgebiet auf den Abfluss an größeren Flüssen auswirken kann und dort den Umfang technischer Maßnahmen (auch der Polder) reduzieren kann.

Flutpolder sind keine Lösung Ein Polder wird umgrenzt von Deichen und hat ein Einlauf- und ein Auslaufbauwerk. Wie bei einer Badewanne wird bei Hochwasser ab einem bestimmten Abfluss (geplant nur bei Extrem-Hochwasser) der Einlauf aufgemacht, das Wasser fließt ein und bleibt im Polder stehen. Wenn der Wasserabfluss auf einen bestimmten Abfluss gesunken ist, wird das Auslaufbauwerk geöffnet und das Wasser fließt langsam wieder aus dem Polder. An der Donau sind zwölf Polder mit insgesamt 135 Millionen Kubikmeter Rückhalteraum (theoretisch) und 5705 Hektar Fläche geplant, einer davon ist bereits im Bau. Alle Standorte würden in Natura 2000-Gebieten liegen. Etliche Standorte liegen an ungestauten DonauAbschnitten, an denen auch eine Deichrückverlegung möglich und aus Sicht des BN nötig wäre. Der BN lehnt dieses Konzept ab, denn die Wirksamkeit ist nur für eine Kappung der Wellenscheitel bei extremen Hochwasser-Ereignissen ausgelegt. Polder führen nicht zu einer Verlangsamung der Hochwasserwelle. Sie schaffen keine natürliche Hochwasserdynamik, haben also keine ökologische Wirksamkeit. Im Polder steht tagelang das Wasser, was zu Problemen für das Grundwasser und zu Schäden für Tier- und Pflanzenwelt führt. Die zur »Anpassung« der Natur nötigen ökologischen Flutungen können die mit der unnatürlichen Flutung verbundenen Schäden im Polder-Betrieb nicht verhindern. Die Wirksamkeit ist extrem abhängig von einer optimalen Steuerung und optimal zutreffenden Abflussvorhersagen. Die Wirkungsberechnungen, die als Begründung für die Polder herangezogen werden, beruhen auf idealen – also im Regelfall nicht realistischen – Vorhersagen und werden selbst von den Gutachtern als »akademischer Optimalfall« bezeichnet. Christine Margraf Maßnahmen des nationalen Hochwasserschutz-Programmes in Bayern

▶ Polder an der Donau zwischen Ulm und Straubing (12), am Inn (2), an der Mangfall (1) und Hochwasserrückhaltespeicher an der Günz (5) und unterhalb des S ­ ylvensteinspeichers (1): zusammen 176,5 Millionen Kubikmeter theore­tischer Rückhalt. ▶ Deichrückverlegungen für Lech (57 Flusskilometer), Donau: StraubingVilshofen (9), Mittlere Isar (11 und 5) und Gewässerbettaufweitungen an der Salzach (gesamter bayerischer Abschnitt): Fläche wiedergewonnenen Rückhaltes durch Zugewinn an Aue: 1474 Hektar (siehe auch Seite B14).

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Bedrohter Wildfluss In diesem Juwel eines Schutzgebietes, der Eisenbreche bei Bad Hindelang, soll ein Wasserkraftwerk entstehen.

Foto: BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu

angrenzenden Auen als Baugebiete oder Maisäcker missbraucht. 94 Prozent der im Kiesbett laichenden Fischarten sind mittlerweile bedroht, Wanderfisch­ arten wie Aal und Lachs drohen bereits auszusterben. Tagtäglich finden Fische in den Turbinen den Tod.

Wasserkraft: Ausbau stoppen!

Foto: Jörg Reuther

Angriff auf Bayerns Flüsse

Der Autor Sebastian Schön­ auer ist der stellvertretende Vorsitzende des BUND Naturschutz und Wasserexperte.

Eine unfassbare Zahl: Im Schnitt kommen auf einen Kilometer Fließgewässer in Bayern zwei bis drei Querbauwerke! Und es könnten noch mehr werden. Derzeit rollt eine Welle von Anträgen für neue Wasserkraftwerke – unter dem Vorwand, dies würde die Energiewende voranbringen. Dabei liegen ohnehin schon mehr als 60 Prozent aller deutschen Wasserkraftanlagen an bayeri­ schen Flüssen und Bächen – mit verheerenden Folgen für die Ökologie der Gewässer.

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trom aus Wasserkraft, das klingt in den Ohren vieler Menschen positiv. Sind aber Wasserkraftwerke tatsächlich eine ökologisch verträgliche Form der Energieerzeugung? Die Stromwerbung verspricht Natur pur und Nachhaltigkeit. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Wasserkraftwerke zerstören wertvolle und artenreiche Lebensräume. Die Ufer versteinen, das aufgestaute Fließgewässer wird seiner Dynamik beraubt, die

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Goldgräberstimmung bei Kleinwasserkraftanlagen Einen enormen Boom erleben zur Zeit Kleinwasserkraftanlagen. Rund 3600 gibt es derzeit im Freistaat, damit machen sie circa 85 Prozent aller Anlagen in ­Bayern aus, liefern aber nur 3,17 Prozent des gesamten Wasserkraftstroms, oder anders gerechnet lächerliche 0,05 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Bayern. Erst mit Einführung des Gesetzes zur Förderung Er­ neuerbarer Energien (EEG), das lukrative Einspeisever­ gütungen gewährt, entsannen sich zahlreiche Ex-Betreiber und Investoren wieder einer »lang gepflegten« Tradition. Diese Goldgräberstimmung gerät für baye­ rische Flüsse und Bäche mehr und mehr zum ökolo­ gischen Desaster. Einen geradezu gigantischen Eingriff in die Natur stellen Pumpspeicherkraftwerke (PSW) dar. Darin fließt das Wasser aus einem Stausee durch Druckrohrleitungen zu den Turbinen und dann in einen unteren Stausee. PSW liefern nur Strom für ein paar Stunden. Als Speichertechnologie für die Energiewende, wie von den Planern angepriesen, sind sie deshalb nicht ge­ eignet. Trotzdem gibt es in Bayern Pläne für drei der­ artige Monsterprojekte: Am Jochberg (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen), bei Riedl (Landkreis Passau) und am Osser (Landkreis Cham). Auch wenn Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner für Pumpspeicherkraftwerke in Bayern »kein Geschäftsmodell« sieht, hat bisher keiner der Projektträger das Aus für die natur­ zerstörerischen Pläne verkündet. Nachdem in einem Ratsbegehren Ende Juli 85 Prozent der Einwohner vom Lam das PSW am Osser ablehnten, hat die Betreiberfirma verkündet, nach alternativen Standorten zu suchen. Ein Extrembeispiel ist das geplante Wasserkraftwerk am Naturdenkmal Eisenbreche: Dort soll mitten in einem Naturschutzgebiet ein Kleinwasserkraftwerk errichtet werden. Alle Naturschutzverbände, auch der Alpenverein, bekämpfen das Projekt. Doch der Landrat persönlich hat die Genehmigung für das Projekt unterschrieben, nachdem sich die zuständigen Beamten geweigert hatten. Der BN hat Klage eingereicht. Sebastian Schönauer (lf ) www.bund-naturschutz.de/themen/wasser/ wasserkraft.html


Von der Arbeit des Bibers profitieren viele Arten

Baumeister am Wasser Jeder kennt die weich bepelzten Biber als Wasser­ tiere und Dammbauer, aber leider wissen noch viel zu wenige Menschen, dass sie auch Experten für Hochwasserschutz, Biotopgestaltung und ­Artenschutz sind. Eine Monitoringstudie in Bay­ ern belegte die positiven Effekte der »Baumeister am Wasser«.

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Ganze Arbeit! Hier im Naturschutzgebiet Schambachried war der Biber fleißig am Werk, hat Teiche und Lebensraum für viele Arten geschaffen.

Fotos: Klaus Leidorf/Ulrich Meßlinger

in sanft dahinplätscherndes Bächlein, von Bäumen gesäumt – so sieht für Viele bisher die Idealvorstellung eines naturnahen Fließgewässers aus. Deshalb kommen immer wieder entsetzte Reaktionen, wenn der Biber am Werk war: Bäume und Büsche sind angenagt, ein Damm staut den Bach auf, so dass er Seiten­ arme und Teiche bildet. Kreuz und quer liegt Totholz herum. Doch gerade die Fähigkeit des Bibers, seinen Lebensraum zu gestalten, macht ihn so wertvoll. Eine Studie des Biologen Ulrich Meßlinger in den Land­ kreisen Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen erbrachte den Nachweis: Wo der Biber seine Dämme baut, entstehen neue, natürliche Lebensräume. Viele zusätzliche Arten siedeln sich dort an. Gefährdete Arten finden R ­ efugien, in denen sie sich wieder fortpflanzen können. Das 1999 durch die Regierung von Mittelfranken begonnene und seit 2006 im Auftrag des BUND Naturschutz weitergeführte Projekt »Monitoring von Biberrevieren« hat zum Ziel, durch Biber bewirkte Landschaftsveränderungen und Effekte auf Flora und Fauna zu dokumentieren und zu analysieren. Woran liegt es, dass so viele Arten von der Tätigkeit des Bibers profitieren? Biberdämme haben zur Folge, dass Wasser neu, großflächiger und vielfältig verteilt wird. Diese Gewässervielfalt bietet Lebensraum für eine große Zahl von teils anspruchsvollen Wasservogel-, Fisch-, Amphibien-, Reptilien- und Libellenarten. In Zahlen ausgedrückt, hatten die Biber in den untersuchten Gewässern auf insgesamt 86 besonders wertvolle Arten einen positiven Effekt. Für viele davon ist Bayern europarechtliche Erhaltungsverpflichtungen eingegangen, welche die Biber nun erfolgreich, unbüro­ kratisch und kostenlos umsetzen. Was Menschen oft als erstes bemerken, wenn der Biber am Werk war, sind gefällte Bäume. Das so entstehende Angebot an Totholz, sonst absolute Mangelware in unserer Landschaft, »wirkt sich höchst positiv auf die Vogel-, Insekten- und Pilzfauna aus«, so Ulrich Meßlinger. Zum Teil lässt die Tätigkeit der Biber in wenigen

Jahren große Feuchtgebiete mit enormer Wasserrückhaltewirkung entstehen. Darüber hinaus kommt ein Typ natürlichen Lebensraumes zurück, der früher wie ein feinmaschiges Netz ganz Mitteleuropa durchzogen haben muss. Meßlingers Fazit: »In den fünf Projekt­ gebieten mit Stautätigkeit der Biber sind innerhalb weniger Jahre ausgedehnte Flachgewässer, Verlandungszonen und Sumpfgebiete entstanden, teils auch Weidengebüsche und neue Kleinbäche. Die Kombination und mosaik­artige Verzahnung dieser Elemente bedingt trotz der vergleichsweise geringen Fläche einen ausgesprochen hohen Naturschutzwert.« Selbst mit aufwändigsten Naturschutz- oder Renaturierungsmaßnahmen wäre Vergleichbares nicht zu schaffen. Zur Konfliktvermeidung mit Land- und Forstwirtschaft empfiehlt Meßlinger breite Uferstreifen und schützende Pufferflächen entlang von Fließgewässern im Besitz der öffentlichen Hand. Wenn die Natur mehr Raum bekommt, geht es den Gewässern besser und auch der Biber hat genügend Platz. Luise Frank

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BUND Naturschutz setzt sich seit Jahrzehnten gegen verfehlte Wasserpolitik ein

Wasser schützen statt Stauseen bauen

»Fernwasser« hieß früher die Devise. In zent­ ralisierten Strukturen sollte die Bevölkerung aus riesigen Trinkwasserspeichern mit dem kostbaren Nass versorgt werden. Dieser ver­ fehlten Politik wären beinahe zahlreiche unbe­ rührte Landschaften mitsamt ihren Fließge­ wässern zum Opfer gefallen.

Foto: BN-Archiv

lösen zu können, haben viele Kommunen die Verantwortung für ihr Trinkwasser und Abwasser selbst in die Hand genommen. Kleine, dezentrale Strukturen haben sich durchgesetzt. Eine Hilfe auf diesem Weg war die Europäische Wasserrahmenrichtlinie und der in den Fokus rückende Schutz des Grundwassers.

Gerettete Landschaft Beinahe wäre das wunderschöne Hafenlohrtal für einen Trinkwasserspeicher geopfert worden.

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er heute durch das idyllische Hafenlohrtal im Spessart wandert, kann sich kaum vorstellen, dass es einmal Planungen dieses Ausmaßes gab: 350 Hektar Land, das 12 Kilometer lange Kerngebiet des Hafenlohrtales, sollten nach dem Willen der Bayerischen Staatsregierung überflutet, das Wasser in einem Trog mit einem 60 Meter hohen Damm gestaut werden – als Trinkwasserreserve. 1978 gründete sich die »Aktionsgemeinschaft Hafenlohrtal«, kurz AGH, um das gigantomanische Projekt zu verhindern. Der BUND Naturschutz in Bayern stand dabei wie so oft Pate. Nach einem zähen Kampf für die Erhaltung der kommunalen Trinkwasserversorgung und gegen den Irrglauben, mit einer Fernwasserversorgung alle Wasserprobleme

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Zerstörung in großem Ausmaß Großtechnologische Vorhaben wie der Bau eines Stausees greifen zerstörerisch in eine Landschaft ein, sie verändern ihr Bild und ihren Charakter, sie vernichten den Lebensraum von Pflanzen und Tieren in großem Maßstab und rauben den Menschen ihre Heimat. Ebendiese Horrorvision hatte damals auch die Menschen rund um das Hafenlohrtal aufgeschreckt. Auch andernorts in Bayern liefen Anwohner und Naturschützer Sturm gegen ähnliche Projekte. So sollte beispielsweise in der Oberpfälzer Waldnaabaue ein riesiger Stausee entstehen. Auch hier konnte durch den anhaltenden Widerstand der Bevölkerung unter Federführung des BUND Naturschutz der Stausee verhindert werden. Auch hier dauerte es rund 30 Jahre, bis sich in Politik und Verwaltung die Erkenntnis durchsetzte, dass diese Politik nicht zukunftsfähig ist. 2008 gab die bayerische Regierung endgültig den Plan auf, das idyllische Spessarttal in einen Trinkwasserspeicher zu verwandeln. Zwei Naturschutzgebiete sind heute das Kernstück des oberen Hafenlohrtals, weitere sollen folgen. Das Hafenlohrtal ist nun eine der vielen »geretteten Landschaften« in Bayern. Über eine Länge von 25 Kilometern begleiten Buchen-, Eichenund Fichtenwälder das Flüsschen, das in Rothenbuch entspringt und sein Wasser bei Hafenlohr dem Main übergibt. Die Hafenlohr ist ein lebendiger Fluss geblieben, ebenso wie die Waldnaab im Landkreis Tirschenreuth. Der Widerstand der AGH, gemeinsam mit vielen Kommunen und Städten wie Würzburg und Aschaffenburg, war auch ein entscheidende Impuls für die Entwicklung dezentraler Konzepte der Wasserversorgung. Doch der Kampf geht weiter: Über die Hintertür geplanter Freihandelsabkommen wie TTIP, CETA und TISA droht eine Privatisierungswelle der Trinkwasserversorgung. Es gilt weiter, die Eigenständigkeit der kommunalen Trinkwasserversorgung zu sichern. Sebastian Schönauer


Engagement für Bayerns großen Strom

Foto: Wolfgang Willner

Die Donau im Auge behalten

Ursprüngliche Schönheit Zwischen Straubing und Vilshofen darf die Donau frei fließen – und das soll auch so bleiben.

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ls die Pläne für den Ausbau der Donau in Bayern bekannt wurden, erschreckte das außer erklärten Naturschützern kaum jemanden. Großinvestitionen in riesige Infrastrukturprojekte, die die Wirtschaft ankurbeln sollten, entsprachen dem Zeitgeist. Die Bagger rollten trotz aller Proteste an und die Donau wurde zwischen Kelheim und Straubing »ausgebaut«. Nun waren die Veränderungen in der Landschaft zu sehen. Experten wiesen entsetzt auf das ökologische Desaster hin, das die Verbauung des Flusses angerichtet hatte. Das fachte die Proteste gegen den geplanten Ausbau zwischen Straubing und Vilshofen an. Es entstand ein breites Bündnis aus Naturschutzverbänden, Bürgerinitia­ tiven, Kommunen, christlichen Gruppen und Vereinen. So wurde die Donau zu einem schönen Beispiel dafür, wie es gelingen kann, Mehrheiten zu kippen: Immer dann, wenn die Bevölkerung vor Ort sieht, welchen Schatz sie da vor der Haustür hat und diesen für nachfolgende Generationen bewahren möchte. Nach über 20 Jahren gab die Bayerische Staatsregierung im Jahr 2013 schließlich die Pläne für eine Verbauung mit Staustufe und Kanal auf – gegen den erbitterten WiderBesonderer Reichtum

Für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten ist der letzte frei fließende Donau-Abschnitt zwischen Straubig und Vilshofen eine letzte Zuflucht. Die Artenvielfalt ist einzigartig. Auf nur einem halben Prozent der bayerischen Landesfläche finden sich hier 46 Prozent der ­bedrohten Fischarten und 32 Prozent der bedrohten Vogelarten wie Großer Brachvogel, Eisvogel oder Pirol. Zudem gibt es Arten, die nur in der frei fließenden Donau vorkommen, wie die Donaukahnschnecke.

Seit über 20 Jahren engagieren sich Menschen für den letzten frei fließenden Abschnitt von Bayerns größtem Strom. Anfangs waren es einige wenige, doch die Donau gewann immer mehr Freundinnen und Freunde. So viele, dass sie zuletzt auch die Politik überzeugten. Doch ob­ wohl die Pläne für Staustufe und Kanal vom Tisch sind, heißt es wachsam bleiben. Die BetonLobby ist nach wie vor am Werk.

stand so mancher CSU-Abgeordneter vor allem aus Niederbayern. Die sogenannte »Variante C«, die enorme Eingriffe in den Fluss mit sich gebracht hätte, ist damit vom Tisch. Solange er im Amt sei, werde es diesen Ausbau der Donau nicht geben, hatte Ministerpräsident Horst Seehofer gesagt. Eine seltsame Formulierung. Was kommt danach? Umweltschützer wissen, dass Wachsamkeit auch nach vermeintlich sicheren Siegen oberstes Gebot ist. Deshalb werden alle Freundinnen und Freunde der Donau »ihren« Fluss auch weiterhin gut im Auge behalten, denn sie wissen: Die Beton-Lobby ist nach wie vor am Werk. Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf hatte beim diesjährigen Donaufest in Niederalteich verkündet, dass die beschlossene sanfte Ausbauvariante A zu einer möglichst naturverträglichen »Variante A+« optimiert werde. Der BN bringt dafür in die laufenden Planfeststellungsverfahren Vorschläge ein. Von Wirtschaftsvertretern kam schon erste Kritik mit den üblichen Argumenten: Das sei doch so aufwendig, so teuer und hemme die wirtschaftliche Entwicklung. Dabei liegt bereits seit 2005 ein hervorragender Vorschlag auf dem Tisch, wie die Region entlang der niederbayerischen Donau nachhaltig entwickelt werden könnte: mit der Bewerbung als UNESCO-Weltnaturund -kultur­ erbe. Der BUND leistet dafür aktive Überzeugungs­ arbeit, damit der letzte frei fließende ­Abschnitt der Donau eine Arche Noah Bayerns bleiben kann. Luise Frank

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Gutes tun für Auw Überall in Bayern setzen sich BN-Aktive für Quellen, Bäche und Flüsse ein. Aus diesem ­vielfältigen ehrenamtlichen Engagement zeigen wir hier stellvertretend einige Projekte.

Hilfe für die Flussperlmuschel Früher bedeckte sie zu Abertausenden die Bachbetten Bayerns. Heute ist die Flussperlmuschel zur Seltenheit geworden. Die BN-Kreisgruppe Hof möchte das wieder ändern. Warum die Bestände so drastisch abgenommen haben, ist nicht geklärt. Es sind wohl viele Faktoren wie Flussbegradigungen, Wasserverschmutzung und intensive Landwirtschaft. Zwar kann die ­älteste noch lebende Tierart der Welt in unseren Breitengraden 100 Jahre alt werden, aber die Jungmuscheln bleiben aus. Um einem Babyboom auf die Sprünge zu helfen, hat die Kreisgruppe Hof seit fast 30 Jahren gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt Maßnahmen ergriffen: Flächen an Bächen wurden angekauft und aus der Nutzung genommen, Schlammfangbecken installiert. Das Ergebnis: Die Wasser­ qualität hat sich verbessert. Gezüchtete Jungmuscheln weisen in Lochplatten in den Bächen eine sehr hohe Überlebensrate auf. Das lenkt jetzt den Fokus der ­Bemühungen auf eine zu hohe Menge Feinsediment im Bachbett. Dies zu verbessern, wird die künftige ­Herausforderung des Flussperlmuschelschutzes sein.

Foto: Klaus Leidorf

Foto: Gerhard Schwab

Die guten Geister des Wassers Der BN-Kreisgruppe Aschaffenburg und die Ortsgruppe Alzenau präsentierten sich bis Mitte August mit einem Ausstellungsbeitrag auf der bayerischen Gartenschau 2015 in ­Alzenau. Das Thema lautete: »Biber – die guten Geister des Wassers«. Auf den Infotafeln ging es zum Beispiel um die Aspekte: »Der Biber – ein Urbayer«, »Baumeister der Artenvielfalt«, »Bibermanagement – wozu denn das?«, »Auf zu neuen Ufern – mit dem Biber!«. Mit von der Partie war »Norbert«, ein ausgestopfter Biber. Wichtig war auch die Erkenntnis, dass es sich bei Bibern um Rückkehrer und keine Neueinwanderer handelt. Für Kinder gab es eine bekrabbelbare Biberburg. Die Außengestaltung des Areals nahm Bezug zu Fauna und Flora des renaturierten Flüsschens Kahl, an dem der Biber wieder heimisch geworden ist. Bis Ende Juli hatten bereits rund 24 000 große und kleine Gäste den Pavillon besucht. → www.aschaffenburg.bund-naturschutz.de

Im Einsatz für Bayerns Fließgewässer

Foto: Thomas Stephan

Foto: Raimund Schoberer

Fluss in der Stadt In vielen Städten entdecken die Bewohnerinnen und Bewohner die Flüsse neu: für die Naherholung und als grüne Oase im Grau der Stadt. Wenn denn noch Grün am Fluss vorhanden ist. In Regensburg hat sich die BN-Kreisgruppe im Verbund mit der Donau-Naab-Regen-Allianz (DoNaReA) des Themas angenommen. Sie setzt sich dafür ein, dass die Uferbereiche im Stadtgebiet so gestaltet werden, dass sowohl die Belange des Naturschutzes als auch die des Hochwasserschutzes und der Naherholung berücksichtigt werden. Auf einer Insel in der Donau (Foto) hat die Kreisgruppe Flächen angekauft. Hier soll eine Naherholungszone entstehen, aber auch eine Naturzone mit artenreichem Lebensraum. Zudem macht sich DoNaReA für eine ökologische Aufwertung der Donau und ihrer Auen stark. Eine hochkarätig besetzte Veranstaltung in Regensburg am 18. September soll dafür den Startschuss geben. → weitere Infos auf www.donarea.de

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Was(s)erleben im Grünen Band Im Grünen Band sind viele Fließgewässer noch naturnah und deshalb ein Refugium für seltene Arten wie die Bachmuschel oder die Grüne Keiljungfer. Im Projekt »Was(s)erleben im Biotopverbund Grünes Band« wird ermittelt, welche Gewässer im Grünen Band derzeit Lebensraumrefugien für bedrohte Arten sind, welche Gewässer unter Schutz stehen und wo Handlungsbzw. Renaturierungsbedarf besteht. Die Ergebnisse fließen in Kartenmaterial ein und werden Behörden, Landesnaturschutzstiftungen, Flächeneigentümern, Kommunen und Landkreisen auf Anfrage zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus soll auch die Bevölkerung informiert und für dieses Thema sensibilisiert werden. Geplant sind Veranstaltungen vor Ort an Gewässern im Grünen Band sowie die Bereitstellung entsprechender Informationen im Internet und als Druckmaterialien.

Licca Liber Den Lech, die große Lebensader Schwabens, hat es besonders übel erwischt: Der einst so dynamische Fluss wurde zur Energiegewinnung fast vollständig verbaut. Als dann E.on ausgerechnet im Naturschutzgebiet des Augsburger Stadtwaldes noch ein Wasserkraftwerk bauen wollte, war für viele eine rote Linie überschritten. Der BN forderte zusammen mit der Lechallianz: Renaturierung statt Wasserkraftwerksbau. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth griff die Idee einer Renaturierung auf und entwickelte das Projekt Licca Liber (freier Lech). So wurde der Lech wie die Donau zu einem schönen Beispiel dafür, wie sich Mehrheiten ändern können. Statt Pläne für ein neues Kraftwerk werden heute vor allem Pläne für die Renaturierung eines Flussabschnittes im Augsburger Stadtwald diskutiert. Doch weiteres Engagement ist geboten. Weder die Renaturierung noch das Aus für das Wasserkraftwerk sind schon in trockenen Tüchern. → Aktuelle Infos auf: www.lechallianz.de und http://flussdialog-liccaliber.de Schutz für einen echten Bayern Das Bayerische Löffelkraut ist ein echter Bayer: Es wächst außer in Oberbayern und Schwaben sonst nirgendwo auf der Welt. Derzeit sind vom Bayerischen Löffelkraut nur 22 Vorkommen bekannt. Mit einem Schutzprojekt sorgt der BN dafür, dass die Pflanze zusammen mit anderen bedrohten Arten eine Zukunft bei uns hat. Im Vordergrund stehen dabei die Lebensräume der Pflanzen wie naturnahe Kalkquellen, wenig beeinträchtigte Quellbäche und Bachoberläufe. Das Bayerische Löffelkraut ist ein ausgesprochener Spezialist und wächst ausschließlich an Quellen – also dort, wo nährstoffarmes Grundwasser austritt und ganzjährig fließt. Teilweise siedelt es sich auch an Bachoberläufen und vereinzelt in Gräben oder Quellmooren an. Viele Quellen wurden aber zur Trinkwassergewinnung gefasst, Bäche begradigt und Gräben ausgebaggert. Hier versuchen die BN-Aktiven, mit den Flächeneignern zu verhandeln und den Lebensraum des Löffelkrauts zu sichern.

Foto: Weber

Foto: Toni Mader

Eine Allianz, die Sinn macht Der 155 Quadratkilometer große Einzugsbereich der Oberen Sinn im Landkreis Bad Kissingen ist eines der längsten weitgehend noch intakten Bachökosysteme Bayerns. Über viele Jahre hatte die BN-Kreisgruppe die Flora und Fauna der Sinn erfasst. Ein Entwicklungs- und Pflegekonzept war 2002 die Grundlage zur Gründung der »Sinnallianz«: Fischer, Landwirte, Wasserwirtschaftsamt, Naturschutzbehörden sowie die Stadt Bad ­Brückenau gingen bis 2007 unter der Federführung des BN eine modellhafte Kooperation zur Renaturierung der Sinn ein. Bis heute hat der BN hier 45 Hektar Biotop- und Grünlandflächen erworben: Wiesen, die voll Wasser laufen dürfen, Flächen, die sich zum ­Auwald entwickeln, Weideflächen und 10 Hektar Wildnisflächen, die der Biber gestaltet hat. Dieser Bereich hat sich zur Oase für viele bedrohte Arten entwickelt. Im vergangenen Jahr kam sogar der damalige Umwelt­ minister Marcel Huber (im Bild vorne) nach Bad ­Brückenau, um das neue Projekt »Die Welt des Bibers beobachten und erleben« vorzustellen.

Foto: Eberhard Pfeuffer

älder, Biber und Co


Gewöhnliche Hasel Wenn im September die harten Schalen der in grüner Fruchthülle steckenden Haselnüsse braun werden, dann beginnt der Herbst. Im Vorfrühling hatte der Haselstrauch das Winterende verkündet, als sich die männlichen Blütenkätzchen streckten, die tiefroten Narben aus den kleinen weiblichen Blütenständen ragten und der Wind – zur Qual vieler Pollenallergiker – den Blütenstaub verbreitete. Erst nach der Blüte waren die eiförmigen Blätter erschienen.

Foto: privat

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Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­P flanzenbücher verfasst.

inst bildete die Hasel (Corylus avellana) in Mittel­ europa Wälder: In der sogenannten Haselzeit (ca. 8000 – 5500 v. Chr.) verdrängte sie weiträumig Birken und Kiefern, die Erstbesiedler der nacheiszeitlichen Tundra. Seit der Steinzeit haben die Menschen Haselnüsse gesammelt, und seit jeher pflanzt man den Strauch in Siedlungen und in Hofnähe. Die schmackhaften Samen sind reich an Mineralstoffen, Vitaminen, Eiweiß, enthalten 55–65 Prozent Fett sowie als gesundheitsfördernd geltende bioaktive Pflanzenstoffe wie Phytosterole. Haselnusskerne eignen sich zum Knabbern und als Zutat in süßen wie in pikanten Gerichten oder in Gebäck. Allerdings reagieren manche Menschen allergisch. Märchen und Sagen erzählen von der Hasel. Aschenputtel pflanzte auf das Grab der Mutter ein Haselreis. Das wuchs zu einem Baum, in dem die Seele der Mutter wohnte. Der Haselwurm, eine Sagengestalt vor allem der Alpenländer, ist ein Wesen halb Mensch, halb Schlange, das im Wurzelbereich der Hasel wohnt und übernatürliche Kräfte besitzt. Ignaz V. Zingerle berichtet in »Sagen aus Tirol« (1891), Paracelsus habe einen Haselwurm besessen und deshalb hätten ihm die Kräuter des Feldes ihre Heilkraft kundgetan. Einer Legende nach hat die Gottesmutter Maria auf der Flucht nach Ägypten unter der Hasel Schutz vor einem Gewitter gefunden. Oft gilt die Haselnuss als Fruchtbarkeitssymbol, etwa in »Das Mädchen und die Hasel« aus der Volksliedersammlung »Des Knaben Wunderhorn« (1806). Im ganzen deutschen Sprachgebiet war der Spruch verbreitet: »Viele Haselnüsse, viele uneheliche Kinder«. Ein unter Beschwörungsformeln zu bestimmten Zeiten wie Dreikönig, Karfreitag, Johanni oder Weih-

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»Deutsche Chocolade« Haselnusskerne Zucker Milch ▪ Nusskerne in einer Pfanne bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren und Wenden braun (nicht schwarz) rösten. Nusskerne in ein Sieb schütten und schütteln, sodass sich die Haut ablöst. Noch anhaftende Haut durch leichtes Reiben mit einem Tuch entfernen. ▪ Geröstete Nusskerne fein mahlen, mit Zucker ­vermischen. Mischung eventuell noch im Mörser zerreiben. ▪ Nuss-Zucker-Mischung mit Milch – 1 – 2 EL auf 1 Tasse Milch – in einem Topf verrühren, zum ­Kochen bringen, etwa 5 Minuten unter Rühren ­kochen lassen. »Chocolade« vor dem Genuss nach Belieben durch ein Sieb schütten. Besonders in Notzeiten suchte man in der heimischen Pflanzenwelt nach Ersatz für Luxusprodukte aus fremdländischen Pflanzen. Das Haselnussgetränk sollte die echte Schokolade aus Kakao ersetzen. ­Dieser entsteht aus fermentierten, getrockneten und gemahlenen Samen (»Kakaobohnen«) des Kakaobaums (Theobroma cacao), die nicht immer verfügbar oder zu teuer waren. Achtung! Haselnüsse können allergische Reaktionen auslösen!

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Der BLV Pflanzenführer für unterwegs«, BLV Buchverlag

Porträt

nachten geschnittener Haselzweig wird zur Wünschelrute und lässt Wasseradern, aber auch verborgene Schätze finden. Viele Tiere nährt der Haselstrauch – mit Blättern, jungen ­Trieben, Rinde und insbesondere den Samen, die Eichhörnchen, Mäuse, Bilche, Eichelhäher oder Buntspechte schätzen. Der Haselnuss­ bohrer, ein kleiner Rüsselkäfer, kommt manchmal anderen Interessenten zuvor. Das Weibchen bohrt in die noch weiche Fruchtwand ein Loch und legt ins Nuss­ innere ein Ei. Die Larve verzehrt den Samen, übrig bleibt die »taube« Nuss. Der zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae) gehörende Haselstrauch wächst in Hecken und Gebüsch. In lichten Laubmischwäldern ist er ein Gehölz der Strauchschicht. Diese reicht bis zu einer Höhe von 3–5 Metern und besteht aus Sträuchern und dem Jungwuchs der Bäume. Eine ausgeprägte Strauchschicht, wie sie sich insbesondere am Rand von naturnahen Laubwäldern zeigt, bietet Tieren Nahrung, Nistplätze, Deckung. Der BUND Naturschutz weist auf die ökologische Bedeutung solcher Wälder hin und fordert den Umbau von Nadelholzforsten in strukturreiche Laubmischwälder.


Gerettete Landschaften Foto: Josef Kolb

Tag für Tag fällt mehr Natur der Profitgier zum Opfer. Vor 30 Jahren rief der BUND Naturschutz das RhönschafProjekt ins Leben. So konnte nicht nur eine alte Nutztierrasse vor dem Aussterben b ­ ewahrt werden, sondern es wird auch schonende Landschaftspflege möglich. Die »offenen Fernen«, das Markenzeichen der Rhön, können nur durch Beweidung oder Mahd erhalten werden.


Foto: Guido Bauernschmitt

Wieder im Fluss

Gebiete wie das Obere Maintal haben Seltenheitswert: Von Burg­ kunstadt bis Bamberg passiert der Fluss dort nur wenige Staustufen. Auf einer Länge von 77 Kilometern fließt er fast ungehindert. Aller­ dings hat der Kiesabbau das Gesicht der Flusslandschaft einschnei­ dend verändert. Im Rahmen eines EU-Projektes half der BN tatkräftig mit, hier wieder eine vielfältige Naturlandschaft zu entwickeln.

I

n Auenlandschaften ist Wasser das prägende Element. Sind die Lebensräume naturnah, regiert dort eine ungeheure Dynamik und dank Hochwasser ständige Veränderung. Der Fluss formt seine Uferlinien immer wieder neu. Die Übergänge zwischen trocken, feucht oder nass sind im wahrsten Sinne des Wortes fließend und alle Tiere und Pflan-

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zen, die hier leben, sind Experten des stetigen Wandels. Zwar haben im Oberen Maintal Unternehmen jahrzehntelang intensiv Sand und Kies abgebaut. Das hat die Landschaft geprägt und viel Naturreichtum ist dadurch verlorengegangen. Aber es gibt sie eben doch noch: schier undurchdringliche Auwaldreste, artenreiche Feuchtwiesen, dunkle Altwasser und Tümpel. ­Seltene Vogelarten wie Weiß- und Schwarzstorch, Flussseeschwalbe, Flussregenpfeifer oder Fischadler finden hier Brut-, Nahrungs- und Rastplätze. Bisher mussten sie sich auf die Reste der ehemaligen Vielfalt beschränken. Mit dem Projekt »Oberes Maintal« soll sich das än-


Foto: Wolfgang Willner

Flussnatur Im Oberen Maintal bekommt der Fluss wieder mehr Raum. Das wirkt: Sogar der seltene Nachtreiher kann dort wieder beobachtet werden.

Anton Reinhardt. Der ehemalige Studiendirektor der Staatlichen Berufsschule Lichtenfels ist mittlerweile im Ruhestand und seit 20 Jahren Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lichtenfels. Er war bei fast allen Sitzungen der Projektsteuergruppe dabei und hat gemeinsam mit anderen Aktiven das Vorhaben tatkräftig durch Führungen, Exkursionen und praktische Hilfe beim Pflanzen von Schilfröhricht oder Errichten von Nistflößen oder Nistbäumen unterstützt. Nicht nur bei Landwirten, auch bei Gemeinden und staatlichen Grundbesitzern sei viel Überzeugungsarbeit geleistet worden, führt Reinhardt weiter aus. »Für die Landwirte war das natürlich auch kritisch, denn sie haben schon viel Flä-

können die neu geschaffenen Bio­ tope als Trittsteine nutzen und sich weiter ausbreiten. Freistehende Nisthilfen für Großvögel und fünf Nistflöße in den Baggerseen werden es Flussseeschwalbe und Co. erleichtern, für Nachwuchs im Projektgebiet zu sorgen. Naturschutz in dieser Größenordnung kostet Zeit und Geld: Zwischen der Regnitzmündung bei Hallstadt mainaufwärts bis Theisau bei Burgkunstadt haben die Projektpartner bisher über 30 Hektar Feuchtgebiete und zehn Hektar landwirtschaftliche Nutzflächen angekauft. »Es waren sehr geschickte Verhandlungen nötig, um die Grundstücke zu erwerben«, erzählt

che durch den Kiesabbau und durch Verkehrsgroßprojekte wie den Bau der Autobahn A73 und der ICENeubautrasse Nürnberg–Erfurt verloren.«

Gute Besucherlenkung Dass die Menschen der Umgebung die Schönheit und den Naturreichtum des Oberen Maintales besser erfahren können, ist ein zweites wichtiges Anliegen des EU-Projektes. So bauten die Naturschützer zwei Aussichtstürme, von denen aus man reizvolle Einblicke in natur­ nahe Teilbereiche des Maintales genießen kann, wie etwa in die neu geschaffene Mainschleife bei Unterbrunn nahe Ebensfeld oder bei

Dörfleins nahe Hallstadt. Kleinere Vogelbeobachtungseinrichtungen, Infopunkte und Naturerlebniswege, so etwa um den Rudufersee bei ­Michelau runden das Angebot an Informationseinrichtungen im Projektgebiet ab. Anton Reinhardt ist überzeugt: »Die Besucherlenkung ist uns sehr gut gelungen. Es gibt ­Tabubereiche, in denen zum Beispiel die Vogelwelt möglichst ungestört dem Brutgeschäft und der Nahrungssuche nachgehen kann. Die Menschen respektieren das. Andererseits haben sie in ausreichender Entfernung davon die Möglichkeit, zu baden oder auch einmal an bestimmten Feuerstellen gefahrlos zu grillen. Für die Ordnung und Sauberkeit dort sorgt dankenswerterweise die Gemeinde.« Nach nunmehr viereinhalb Jahren steht das Projekt kurz vor dem Abschluss und die ersten Erfolge werden sichtbar. So wurde in den neu geschaffenen Biotopstrukturen bereits der in Deutschland seltene Nachtreiher beobachtet. Was es jetzt noch zu tun gibt? Einerseits warten: Das Wasser und die Zeit werden das ihrige tun. Wichtig war sozusagen die »Initialzündung«. Jetzt soll die Natur im Oberen Maintal wieder in Fluss kommen, ganz so, wie es einer Auenlandschaft entspricht. Aber Anton Reinhardt denkt auch schon mal in die Zukunft: »Wir würden gerne Weidetiere – sozusagen als natürliche Landschaftspfleger – einsetzen, um bestimmte Teilbereiche auf Dauer offen zu halten. Noch sind wir nicht so weit. Aber uns schwebt genau so etwas wie in der Rhön mit dem Rhönschaf vor: naturnahe Landschaftspflege mit Schafen, Ziegen oder Rindern und eine gute Vermarktungsstrategie für das Fleisch, also Naturschutz mit Regionalentwicklung verbinden. Das ist eine gute Möglichkeit, Landwirte für den Naturschutz zu gewinnen!« Anton Reinhardt (ht)

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Foto: privat

dern: Naturschützer des BUND ­Naturschutz (BN), des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) und der Landkreise Bamberg und Lichtenfels legten mit finanzieller Unterstützung der EU, des Bayerischen Naturschutzfonds, der Oberfrankenstiftung und des Umweltministeriums in den vergangenen viereinhalb Jahren neue wertvolle Lebensräume an: 17 Hektar Flachwasserzonen, acht Hektar Altwässer und sieben Hektar wechselfeuchte Mulden bereichern nun das Obere Maintal. Wertvolle Tier- und Pflanzenarten

Aktiv für den Main Anton Reinhardt an einem der zahlreichen Feuchtgebiete am Obermainbogen.


Foto: Andreas Güthler

Mehrtägige Angebote für Schulklassen

Mit dem BN raus in die Natur

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er BUND Naturschutz bietet in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern fünftägige Klassenfahrten für Schüler der fünften bis siebten Klasse in verschiedene Regionen Bayerns an. Ziel ist es, den Kindern die Natur Bayerns durch spannende, lustige, vor allem aber abwechslungs- und lehrreiche Aktivitäten näherzubringen. Hier stellen wir einige frisch konzipierte und auch seit Jahren bewährte Programme für Schullandheimwochen des BN vor. Im Allgäu können Schulkinder die Bergwelt entdecken. Die Programme werden vom Naturerlebniszentrum Allgäu angeboten. In einer GPS-Rallye erkunden

die Kinder zum Beispiel das Trettachtal oder lauschen mit »Bat-Detektoren« den Rufen der Fledermäuse. Als Naturforscher fertigen die Teilnehmer Werkzeuge mit Mitteln aus der Natur und machen eine Fackelwanderung. Auch für den Winter gibt es ein Programm: ­Abseits des Massenskirummels erleben die Mädchen und Jungen die schneebedeckte Landschaft bei einer ­Winterolympiade und einer Schneeschuhwanderung. In Zusammenarbeit mit dem DAV hat der BN ein weiteres spannendes Programm erstellt: Die Kinder lernen, sich in der Bergwelt zu orientieren und bewältigen Teamaufgaben im Hochseilgarten. Übernachtet wird bei Anbietern in der Region: dem Mountain-Hostel bei Oberstdorf, in der DAV-Jugendbildungsstätte Bad Hindelang oder der Jugendherberge Oberstdorf. Informationen zu Leistungen, Preisen und zur Anmeldung: BN-Naturerlebniszentrum Allgäu: www.NEZ-Allgaeu.de, Info@NEZ-Allgaeu.de oder Tel. 083 23-9 98 87 60. »Alle in einem Boot« heißt es bei den Angeboten in Wartaweil am Ammersee. Bei Abenteuerspielen wie einer fiktiven Flussüberquerung, bei der Naturkunstgestaltung und Entdeckungstouren lernen die Schüler, ihre eigenen Stärken in die Klassengemeinschaft ein­ zubringen. Die Übernachtung erfolgt hier im BN-Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil. Informationen zu Leistungen, Preisen und zur Anmeldung: BN-Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil, Tel. 0 81 52-96 77 08 oder Wartaweil@BUND-Naturschutz.de

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BIO IN BAYERN FEIERT

15. BAYERISCHE ÖKOERLEBNISTAGE

5. September – 4. Oktober 2015 Veranstaltungen und Aktionen in Ihrer Nähe: Bio zum Erleben, Mitmachen, Kennenlernen mit Genuss und Spaß! Alle Veranstaltungen finden Sie unter:

www.oekoerlebnistage.de Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten


Serienweise fragwürdige Gerichtsurteile

Natur in Bayern rechtlos?

Illustration: Gorbach GmbH

Die Klage gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen – abgeschmet­ tert. Die Klage gegen den Kramertunnel bei Garmisch – abgeschmettert. Die Klage gegen die A 94 durch das Isental – abgeschmettert. Alles mit Begründungen, die auch Experten verwunder­ lich finden.

ach 41 Verhandlungstagen urteilte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof 2014: Die Klage von 16 Klägern (unter anderem der BUND Naturschutz) gegen die 3. Startbahn des Flughafens München wurde ohne Wenn und Aber abgewiesen (siehe S. 33). Selbst Verwaltungsrechtsexperten fanden diese Entscheidung recht verwunderlich. Sie beruhte auf der juristischen Rechtfertigung einer offensichtlich fal­ schen Luftverkehrsprognose. Die Genehmigungsbehörde berief sich 2011 darauf, dass die Anzahl der Starts und Landungen in München für das Jahr 2025 auf über 500 000 ansteigen werde. Tatsächlich ist die Zahl der Luftbewegungen gesunken, nämlich von rund 432 000 im Jahr 2008, über 390 000 im Jahre 2010 auf rund 377 000 im Jahre 2014. Mit dem bisherigen Flughafen und seinen zwei Startbahnen ließen sich sogar 480 000 Starts bewältigen. Die Begründung des Gerichts las sich in der Pressemitteilung dann so: »Hinsichtlich der Bedarfsprognose für eine 3. Start- und Landebahn konnten keine durchgreifenden Mängel festgestellt werden.« Das Gericht hielt also wider besseres Wissen am Ergebnis des falschen Gutachtens fest. Damit hat es das Öffentliche Wohl gegen die Natur begründet sowie Grundrechte auf Eigentum und Gesundheit beschnitten. Beliebt ist auch, der Behörde einen besonderen Sachverstand einzuräumen, der gegen fachliche Zweifel von Bürgern weitgehend immun ist, das Ganze heißt »Entscheidungsprärogative« und bedeutet für die von der Entscheidung betroffenen Kläger, dass sie der Behörde im Ergebnis schwere und keine einfachen Fehler

bei fachlichen Entscheidungen nachweisen müssen. Oder einfacher: Die Behörde hat fast immer Recht und die gegen diese Entscheidungen gerichteten Klagen gehen verloren. Hoffnung auf den Europäischen Gerichtshof Diese juristischen Kunstgriffe, von denen es leider noch mehr gibt, sind nirgends gesetzlich fixiert. Sie basieren auf reinem Richterrecht, das ohne jede Gesetzesänderung durch die Gerichte selbst aufgehoben werden könnte. Diese Aufhebung erfolgt aber leider nicht, vielleicht auch deshalb, weil die meisten Verwaltungsrichter früher selbst in der Verwaltung gearbeitet haben. Das traurige Fazit: Weder der Gesetzgeber noch die ­Gerichte sorgen für ausreichenden Schutz für die Natur unserer Heimat. Es gibt die kleine Hoffnung, dass diese fragwürdige Rechtsprechung teilweise durch den ­Europäischen Gerichtshof eines Tages korrigiert wird. Solange wollen wir nicht warten: Mehr Erfolg verspricht aber der politische Weg, der öffentliche und unermüdliche Einsatz für die Erhaltung der Natur vor Ort und der Kampf für Bürgerrechte in der Öffentlichkeit, um Eingriffe in die Natur zu verhindern. Die Inanspruchnahme gerichtlicher Hilfe kann nur das allerletzte Mittel sein, das leider nur manchmal hilft. Deshalb setzt sich der BUND Naturschutz für eine Stärkung der direkten Bürgerdemokratie durch die Einführung von Volksbefragungen ein, deren Ergebnis für die Politik bindend ist. Peter Rottner

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Foto: Anette Stefan

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Der Autor Peter Rottner ist der Landesgeschäftsführer des BUND Naturschutz und selbst Ver­ waltungsjurist mit langjähriger Gerichtserfahrung.


Signal gegen den Hunger

ie lässt sich das Menschenrecht auf Nahrung sichern? Und wie lässt sich der Schutz der biologischen Vielfalt als Basis für dieses Menschenrecht erreichen? Darüber diskutierten im Mai prominente Experten auf dem Nürnberger Konvent für das Menschenrecht auf Nahrung, der von der Stadt Nürnberg, der Mission Eine Welt, dem BUND Naturschutz und ­anderen veranstaltet wurde. Mit dabei waren die Trägerin des Alternativen Nobelpreises Vandana Shiva, die welt­bekannte Biologin Christine von Weizsäcker und Hilal Elver, die neue UN-Sonderbeauftragte für das Menschenrecht auf Nahrung. Die vier Kernforderungen des Konvents, die in der »Nürnberger Erklärung« zusammengefasst wurden, sind die freie Verfügbarkeit über Saatgut statt Patente auf Leben, die Förderung lokaler Saat­gutsysteme, keine Gentechnik in der Landwirtschaft, und die Forderung sämtliche Politikfelder in ihren Auswirkungen mit dem Recht auf Nahrung abzustimmen. Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger stellte klar, dass »Biodiversität kein Luxus, sondern eine zentrale Frage des Überlebens ist. Die europäische Kommission ist gefordert, den agrarpolitischen Rahmen so zu verändern, dass eine nachhaltige Landwirtschaft auch ökonomisch honoriert wird. Die Agrarindustrie muss endlich für die Folgekosten ihrer zerstörerischen Arbeitsweise in die Verantwortung genommen werden.« (Im Bild: stellvertretender BN-Vorsitzender Sebastian Schönauer, Christine von Weizsäcker, BN-Vorsitzender Hubert Weiger und Dr. Jürgen Bergmann beim U­nterzeichnen der Nürnberger Erklärung).

Leben mit Tschernobyl

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Foto: Carl Montgomery

ie steht es eigentlich um die Region Tschernobyl, knapp 30 Jahre nach der Atomkatastrophe? Damals waren enorme Mengen an Radioaktivität freigesetzt worden, die viele Länder Mittel- und Osteuropas kontaminierten, auch Bayern. Vor allem aber traf es die Region nordöstlich von Tschernobyl in Weißrussland. Von der politischen und sozialen Situation dort machte sich der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner Anfang des Jahres mit Vertretern von Friends of the Earth Japan vor Ort ein Bild. Bei dem GAU wurde in Weißrussland fast ein Drittel des Staatsgebiets verstrahlt, knapp 25 Prozent des Ackerlands und 20 Prozent der Waldfläche wurden verseucht. Etwa zwei Millionen der zehn Millionen Weißrussen gelten offiziell als Tschernobyl-Opfer. Nach einer Schätzung der weißrussischen Akademie der Wissenschaften aus den 90er-Jahren liegt der ­Gesamtschaden für Weißrussland bis 2015 bei 235 Milliarden US-Dollar. Das menschliche Leid ist nicht zubeziffern. Eine radioaktiv kontaminierte Sperr­ zone von 30 Kilometern rund um den Atomkomplex ist heute unbewohnbar.

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Foto: Richard Mergner

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Atomkraftwerk Grafenrheinfeld abgeschaltet

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m 27. Juni um 23:59 Uhr wurde das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld bei Schweinfurt endgültig abgeschaltet. Das ist ein großer Erfolg für den jahrzehntelangen Einsatz des BUND Naturschutz gegen die Atomkraft und ein wichtiger Schritt für die Energiewende in Bayern. »Der BN hatte schon in den 1970er-Jahren gegen den Bau des AKWs demonstriert. Über Jahrzehnte war der laufende Reaktor eine reale Bedrohung für unsere Heimat. Mit der Abschaltung des AKWs verschwindet diese Bedrohung«, freute sich Edo Günther, der Schweinfurter BN-Kreisvorsitzende und Sprecher des BUND-Arbeitskreises Atomenergie. Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger bekräftigte: »Die endgültige Abschaltung des AKW Grafenrheinfeld ist ein Erfolg, der uns Recht gibt! Wir werden auch weiterhin vehement für das sofortige Abschalten der drei noch laufenden Atomreaktoren bei Gundremmingen und Landshut kämpfen«.

Erfolg gegen gefähr­ liches Spritzmittel

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Foto: Kilian LIeb

eit Jahren setzt sich der BUND Naturschutz intensiv gegen das Spritzmittel Diflubenzuron ein. Das hat sich gelohnt: Die Genehmigung für das Biozid ist ausgelaufen, nur mehr die vorhandenen Restbestände dürfen noch für einige Monate verkauft werden. Auch die Zulassung für Dimilin, ein Pflanzenschutzmittel mit demselben Wirkstoff, läuft demnächst aus. Diflubenzuron wurde vor allem in Franken verwendet, um den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen. Doch mit dem Gifteinsatz spritzte man auch alle anderen Insekten in den Wäldern und Hecken tot. Da Diflubenzuron das Trinkwasser gefährdet, vermutlich krebserregend ist und nach Einschätzung des Umweltbundesamtes auch dem Menschen schadet, gefährdeten die Behörden mit der massiven Giftsprüherei auch die Bürger. Gut, dass das jetzt ein Ende haben soll.

Zehn Jahre Widerstand gegen dritte Startbahn

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m 20. Juni 2015 wurde gefeiert: in Attaching, wo die dritte Startbahn am Flughafen München das Leben unerträglich machen würde. Hunderte Menschen kamen und freuten sich, dass die Startbahn zehn Jahre nach Planungsbeginn noch nicht gebaut ist – ein großartiger Erfolg, der zuversichtlich nach vorne blicken lässt. Zwar wurde Mitte Juli bekannt, dass das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerden gegen die Nichtzulassung einer Revision im Prozess gegen die dritte Startbahn zurückgewiesen hat, was der BUND Naturschutz nicht nachvollziehen kann. Doch gibt es immer noch den Bürgerentscheid der Münchner gegen den Bau der dritten Startbahn. Angesichts des Gerichtsurteils fordert der BN die Politik daher umso mehr auf, das Votum der Bürger gegen die Startbahn zu beachten. Außerdem wird der BN weitere rechtliche Schritte einlegen, insbesondere eine Verfassungsbeschwerde und eine Beschwerde an die EU-Kommission wegen der Missachtung des ­europäischen Naturschutzes.

Wir brauchen Sie: Großdemo für gerechten Welthandel

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m Herbst 2015 tritt die Auseinandersetzung um die Freihandelsabkommen TTIP und CETA in die heiße Phase. Beide Abkommen drohen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit auszuhebeln. Deshalb wird es höchste Zeit, den Protest noch sichtbarer auf die Straße zu tragen: Am 10. Oktober soll eine Großdemonstration in Berlin ein Zeichen setzen! Neben dem BUND Naturschutz beteiligen sich viele weitere Organisationen aus den Bereichen Umweltund Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Kultur, Globalisierungskritik und Gewerkschaften. Die Teilnehmer der Demo treten für eine Handels- und Investitionspolitik ein, die auf hohen ökolo­ gischen und sozialen Standards beruht und die nachhaltige ­Entwicklung in allen Ländern fördert. Mehr Infos folgen unter www.bund-naturschutz.de/stoppt-ttip

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Naturlehrgang Staunen, freuen, begreifen – darum geht’s bei Walter Feils (li.) Führungen.

Ehrenamt im BUND Naturschutz

Das Blumenparadies am Himmelsteich Manche Menschen beim BN pflegen Biotope, manche pflanzen Bäume und wieder andere legen einen Garten von fast einem Hektar Größe an. So geschehen in Mindelheim. Heidi Tiefenthaler hat den dortigen Naturlehrgarten und seine »Schöpfer« besucht.

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ine gut gekleidete, schlanke Dame um die 70 wartet am Bahnsteig. Perfekt frisiert, Urlaubsbräune, dezentes Make-up. Nicht der Typ Frau, der Tag für Tag im Garten werkelt, denke ich. Dass sie meine Ansprechpartnerin vom Naturlehrgarten Mindelheim ist, merke ich erst, als sonst niemand mehr da ist. Christa Feil ist die rechte Hand ihres Mannes. Das wird klar, als wir knappe zehn Minuten später das im Wald gelegene Areal erreichen. Walter Feil repräsentiert, leitet die Führungen, wirbt mit Herzblut für sein Projekt. Doch wenn er einen Blumennamen oder eine Jahreszahl nicht weiß, den richtigen Ordner oder einen Schlüssel nicht findet, ist es seine Frau, die weiter weiß. Still und kompetent, die ideale Ergänzung zu Für den eigenen Garten ihrem Mann, der lieber macht, statt lange zu fragen. Mehr Wildblumen Den ersten Anstoß für den Naturlehrgarten jedoch im eigenen Garten? musste der Sohn der Feils geben. »Ich bin 23 Jahr’ lang (Wild-)Bienennur dem Fußball hinterherglaufn – ohne eine einzige freundliche SaatgutBlume zu kennen«, gibt Walter Feil zu. Neben dem mischungen gibt es Sport gab es für ihn lange Zeit nichts anderes. Bis der beim BUND: www. bundladen.de. Gut Sohn mit zwölf oder 13 Jahren eigenhändig einen Teich funktionieren sollen im Garten anlegte, wegen der schönen Blumen und auch sogenannte Tiere. So kam das erste Pflanzenbuch ins Haus und, Wildblumenmatten, spät aber dennoch, die Liebe zur Natur. die im NaturlehrMehr als 30 Jahre ist das jetzt her und so lange ist garten verwendet Walter Feil inzwischen auch in der BN-Ortsgruppe wurden. Bezug unter www.wildblu- Mindelheim aktiv. Ein Schaugarten schwirrte ihm von menmatte.de. Anfang an durch den Kopf. »Damit die Leut’ sehn, was

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für wunderbare Blumen mir no ham«, sagt er in seinem schönen Allgäuer Dialekt. Immer wieder hat er Anlauf bei der Stadt genommen, bis die Zuständigen ihm endlich ein geeignetes Grundstück überließen. Heute wirkt das ehemalige Brachland wie eine kleine Oase. Eingefasst mit perlenden, von Blumenwiesen gesäumten Bächen, kreuz und quer durchzogen von Kieswegen, die zur Mitte hin am »Himmelsteich« zusammenlaufen. Ein wie zufällig dort liegender Kahn wird langsam vom Schilf überwuchert. Immer etwas zum Schauen Inzwischen stehen wir vor einem Wildbienenhotel, in dem es summt und brummt wie – na ja, wie in einem Bienenstock eben. Und Feil weiß auch, warum. Weil er nicht das »Sauglump« als Nisthilfen verwendet hat, das im Handel oft angeboten wird. Mit Plastikröhrchen und dem immer gleichen Durchschnitt, der nur für ganz wenige Wildbienen passt. Da wird mir schon klar: Wenn Walter Feil etwas macht, dann richtig. Es trudeln weitere Leute für die Führung ein. Ein junges Pärchen, ein sportlicher Herr in pink-karierten Shorts, einige Frauen mittleren Alters. Feil startet beim ersten Beet und kennt die Geschichte jeder einzelnen Blume. Etwa 1000 davon hat er selbst herangezogen, den Rest zugekauft oder geschenkt bekommen. Ein Halbschattenbeet, ein vollsonniges, eines für »Hungerkünstler« – die Feils und ihre Helfer haben so viele ver-


Foto: Helmut Nevecerel

Insektenspeisung Im Naturlehrgarten Mindelheim blüht es von Frühling bis Herbst.

schiedene Wuchsbedingungen wie möglich in dem ungefähr 9000 Quadratmeter großen Schaugarten nachempfunden. Was sie hier geschaffen haben, ist kein Stück wilde Natur. Das war auch nicht das Ziel: »Wenn einer Wildnis will, Schlangen und Eidechsen, dann kann er gern in den Abenteuer- und Wildnisbereich gehn«, sagt Walter Feil und deutet auf ein wild wucherndes Areal hinter sich. Mit viel Überlegung, Mühe, Geduld und auch schwerem Gerät haben die Feils den Garten so ange-

Auf der Seite »BN aktiv« berichten wir über unsere Aktiven und ihre vielseitigen Naturschutzaktionen in ganz Bayern. legt, dass er von Frühling bis Herbst blüht. Spaziergänger und Radfahrer, die an dem stets offenen Gelände vorbeikommen, sollen immer etwas zu schauen, Schmetterlinge und Bienen immer etwas zu Naschen haben. Türkenbundlilie, akeleiblättrige Wiesenraute, Sumpfblutauge, Teufelsabbiss – die Liste der botanischen Schön- und Besonderheiten in Feils Reich ist lang. Zehn Jahre hat es insgesamt gedauert, bis aus dem brachliegenden städtischen Grundstück ein »blühendes Klassenzimmer« wurde, das inzwischen mit meh-

reren Auszeichnungen bedacht wurde. Vollzeit habe der harte Kern in den fünf Jahren Bauzeit gearbeitet, sagt Feil. Und der harte Kern, das seien eigentlich seine Frau und er. Dass sich die Arbeit gelohnt hat, daran zweifelt der ehemalige Maurerpolier nicht. Auch wenn an heißen Tagen wie heute nur zehn Interessierte zur Führung kommen, an anderen Sonntagen habe er schon 100 bis 150 Leute im Schaugarten gezählt. Klar ist, dass keiner den Garten verlässt, ohne eines gelernt zu haben: Es gibt gezüchtete Pflanzen aus dem Baumarkt, die sind oft nicht besonders nützlich für ­Insekten wie Bienen und Schmertterlinge sind. Wildblumen und -pflanzen hingegen sind für sie immens wichtig, manchmal sogar überlebenswichtig. Walter Feil erläutert gerade ein Beispiel: »Kein Wiesenknopf, kein Bläuling«, schärft er den Besuchern ein. Wie er da steht, braun gebrannt, sehnig, mit kurzer Hose, handgeschnitztem Stock und Strohhut, nimmt ihm keiner den dozierenden Ton übel. Dass es ihm um die Sache geht und nicht ums Recht haben, daran besteht kein Zweifel. »Mia brauchet unbedingt Blumen und Pflanzen im Garten, die für die Bienen tauget«, bekräftigt er. Und tatsächlich kommen die Leute nach der Führung peu à peu zu ihm, um Infos über Wildblumen und einen bienengerechten Garten zu erfragen, der gepflegte Herr vom Gartenbauverein ebenso wie der Imker, der Feil spontan eines seiner Bienenvölker verspricht.

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Weitere Infos zum Schaugarten: www.naturlehrgarten-mindelheim.de


Jetzt mitmachen und weitersagen!

Stoppt die Wilderer, rettet den Luchs! Warum wurde die Luchsin Tessa grausam vergiftet? Warum musste eine andere, trächtige Luchsin durch die Kugel eines Wilderers sterben? Wieso werden den ­Luchsen sogar die Beine abgehackt? Kaum kehrt die schöne Katze nach Bayern ­zurück, sind Wilderer dabei, sie hierzulande wieder auszurotten. Das dürfen wir nicht zulassen. Bitte helfen Sie uns!

Foto: Wolfgang Willner

einer der schwersten Fälle von ­ rtenschutzkriminalität in Bayern. A

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eit Jahren werden im Bayerischen Wald streng geschützte Luchse erschossen, vergiftet und verstümmelt. Keiner der Täter ist bis heute gefasst, die offenen Fragen sind ungeklärt, die Regierung bleibt untätig. Der BUND Naturschutz will endlich Aufklärung und einen wirksamen Schutz der wunderbaren Katzen. Deshalb haben wir eine Unterschriftensammlung für den Luchs gestartet.

Bermudadreieck für Luchse Das Gebiet um den Nationalpark Bayerischer Wald, speziell die Ar-

Bitte unterstützen Sie unseren Appell mit Ihrer Unterschrift. Eine Liste zum Sammeln von Unterschriften finden Sie in diesem Heft. Oder unterschreiben Sie jetzt online unter www.bund-naturschutz.de/rettet-den-luchs

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ber-Region, gilt als »Bermudadreieck für Luchse«. Die schönen Katzen überleben nur im Nationalpark, wandern sie ab, verschwinden sie spurlos. Manche findet man tot. Im Frühjahr 2012 vergiftete ein Unbekannter die Luchsin Tessa. Im Jahr 2013 wurde bei Bodenmais eine trächtige Luchsin erschossen, die gerade drei Junge austrug. Im Mai 2015 dann eine neue Eskalationsstufe: Bei Lam findet ein Mitarbeiter des bayerischen Luchsprojektes vier abgeschnittene Vorderbeine von Luchsen im Wald. Wie eine Untersuchung zeigte, handelte es sich um die Beine von zwei wildlebenden Luchsen. Eines der Beine wies zudem Narben eines früheren Beschusses auf. Vermutlich waren die Beine Überreste von Leo und Leonie, einem Luchspärchen, das sich erst kürzlich in dem Waldgebiet niedergelassen hatte. Die Pfoten hatte der Täter so abgelegt, dass man sie finden musste – ein makabres Zeichen gegen die Rückkehr des Luchses und alle Luchsfreunde, und

Regierung bleibt untätig Auch ohne die Leichname der Tiere zu finden, verschwinden immer wieder Luchse im Bayerischen Wald. Und zwar so viele, dass dies mit natürlicher Sterblichkeit oder Verkehrsunfällen nicht zu erklären ist. Hier sind vorsätzlich Menschen am Werk, die mit ihrer Wilderei eine ganze Tierart an den Rand des Abgrunds drängen. Dabei gibt es überhaupt nur zehn bis zwanzig Luchse in Bayern. Die scheue Katze fasst gerade erst wieder Fuß, nachdem sie im Freistaat lange Zeit ausgerottet war und der BUND Naturschutz sie nach Bayern zurückholte. Neben dem Luchs trifft es auch andere Tiere, zum Beispiel den ex­ trem seltenen Fischotter, geschützte Greifvögel und andere Arten. Von den Tätern ist bis heute keiner gefasst, die Ermittlungen bleiben seit Jahren ergebnislos. Die örtlichen Behörden haben weder die Ausrüstung noch die Kenntnisse, um solche Fälle aufzuklären. Zudem scheinen die ermittelnden Beamten oft befangen, viele sind selbst Jäger. ­Infolgedessen fühlen sich die Täter sicher und machen immer weiter. Doch die Regierung sieht bis heute keinerlei Anlass zu handeln. Bayern muss Luchsland bleiben Das muss ein Ende haben. Wir brauchen in Bayern endlich eine überörtliche Ermittlungseinheit gegen Wilderei – so wie sie es zum Beispiel in Österreich, Italien oder auch Nordrhein-Westfalen längst gibt. Nur dann wird man die Täter überführen und die Luchsmorde stoppen können. Deshalb appellieren wir an Horst Seehofer, endlich entsprechend zu handeln. Rettet den Luchs! (hl)

www.bund-naturschutz.de/rettet-den-luchs


So geht naturgemäßer Hochwasserschutz

1995 begann auf Initiative des BUND Naturschutz das Talauenprojekt im südlichen Steigerwald. Es zeigt, dass Hochwasserschutz und ­Renaturierung entlang von Gewässern hervorragend verknüpft wer­ den können. Hintergrund für das von Rudolf Kolerus, damals Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Scheinfeld, initiierte Talauenprojekt waren die starken Hochwässer 1993 und 1995, gescheiterte Renaturierungsversuche und damals nur bescheidene Ansätze in Sachen Tourismus und Regional-

und anderen Verbänden zur der Veranstaltung aufgerufen. Richard Mergner, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz und andere Sprecher forderten ein Ende der geplanten Abkommen. Naturerlebnistag: Auch dieses Jahr

lud die BN-Ortsgruppe HemhofenRöttenbach die Konfirmandengruppen der umliegenden evangelischen Gemeinden zu einem Nachmittag in die freie Natur ein. Für die »Konfis« ist der Naturerlebnistag ein fester Bestandteil ihrer Vorbereitungszeit zur Konfirmation. Er ist der praktische Teil des Foto: BN

TTIP: Mehr als 2000 Menschen protestierten am 18. April in Nürnberg gegen die Freihandels- und Investitionsschutzabkommen TTIP, CETA & Co (Foto). Das Agrarbündnis Bayern, ein Verbund kritischer Landwirtschafts-, Umwelt-, Verbraucher- und Entwicklungsorganisationen, hatte gemeinsam mit dem BUND Naturschutz, dem Deutschen Gewerkschaftsbund Mittelfranken, Attac

Kreisgruppe Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim

Naturnah gestaltet So kann eine Wasserrückhaltefläche aussehen: Talaue der Scheine mit Blick auf die Kirche von Scheinfeld.

entwicklung in der Verwaltungs­ gemeinschaft Scheinfeld. Rudolf Kolerus, Dr. Kai Frobel (tk/ht)

Themas Schöpfung. Über 30 Konfirmanden besuchten am 13. Juni in Teams verschiedene Naturerlebnisstationen. Die Jugendlichen erfuhren viel über Artenschutz, konnten sich beim Spielen austoben und ihre Geschicklichkeit beim Bau von Insektenhilfen zeigen. Zum Abschluss fand eine Andacht unter freiem Himmel statt. Bürgerbeteiligung? Eine Umgehungsstraße soll Cadolzburg im Landkreis Fürth vom Durchgangsverkehr entlasten. Um die Bürger zu beteiligen, wurde im September 2013 eine sogenannte Projektwerkstatt eingerichtet, die inzwischen elf Mal getagt hat. Gegnern des

Projekts, darunter die Kreisgruppe Fürth-Land, drängt sich aber immer mehr der Verdacht auf, dass hier die Umgehung um jeden Preis gerechtfertigt werden soll. Obwohl ein Zwischenbericht desaströse Verluste an Tier- und Pflanzenarten voraussagt, konnte nur gegen Widerstände durchgesetzt werden, dass auch alternative Maßnahmen zur Entlastung der Ortsdurchfahrt geprüft werden. Gegen das unsinnige Projekt engagiert sich die im Juli gegründete Bürgerinitiative Umgehung-umgehen. Weitere Infos: www.umgehungumgehen.de, www.projektwerkstatt-cadolzburg.bayern.de

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NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

ei einem Pressetermin Anfang Mai konnten die Beteiligten eine positive Bilanz ziehen. Der BN hatte für das Gemeinschaftsprojekt im Landkreis Neustadt/Aisch – Bad Windsheim ein Biotopverbundkonzept für die durch ihre Talauen verbundenen Projektgemeinden erarbeitet. Dann wurden die Talräume mit einem System von Grünbecken zur dezentralen Hochwasserrückhaltung naturnah gestaltet und die Fließgewässer renaturiert. Entlang der Talauen entstanden Rad- und Wanderwege sowie Be­ obachtungspunkte, Naturlehrpfade, ein Aussichtsturm, Infotafeln, ­Wasser- und Abenteuerspielplätze, Kneippbecken, Ruhezonen und Picknickplätze für einen sanften Tourismus. Außerdem schlossen sich im Projektgebiet drei regionale Weinbauvereine zur Weinbauregion »WeinWanderWelt« zusammen. Sie vermarkten ihre Weine selbst. Dadurch sind neue Weinlokale und -feste entstanden, die jetzt die regionale Wirtschaft beleben. Das Talauenprojekt wird gemeinsam von Kommunen, dem Amt für Ländliche Entwicklung Ansbach (ALE), dem Wasserwirtschaftsamt Ansbach (WWA), dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken, Landwirten und BN durchgeführt. Es ­basiert auf Freiwilligkeit. Der besondere Dank des BN gilt deshalb allen Landwirten, die das Projekt unterstützen.

Foto: Kai Frobel

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Unter diesem Motto fand am 20. Juni zum zweiten Mal eine ­Protestfahrt per Plätte und Kanu auf der Salzach statt. Die Aktion setzte, ebenso wie die anschließende Kundgebung in Burghausen, ein sichtbares Zeichen für eine naturnahe Sanierung des baye­ risch-österreichischen Grenzflusses.

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rganisiert hatte die Veranstaltung der Bayerische Kanuverband gemeinsam mit vielen weiteren Vereinen und Verbänden, darunter der BUND Naturschutz, die sich für eine frei fließende Salzach im Grenzgebiet einsetzen. Denn der Fluss ist ein Sanierungsfall. Durch viele Eingriffe im Oberlauf fehlt im Unterlauf der Schotternachschub und der Fluss tieft sich immer weiter ein. Gleichzeitig plant die Energiewirtschaft dort immer noch mehrere Kraftwerks­projekte. Dies wäre das ­sichere Aus für die letzte freie Fließstrecke. Daher setzen sich insgesamt 14 Organisationen aus Österreich und Bayern für eine naturnahe SalzachSanierung ein. Mit gutem Beispiel voran geht das Land Salzburg mit seinem Life-Projekt »Naturpark ­Salzachauen«, das den Fluss wieder an die Reste des ehemaligen Auwalds anbinden will. So soll wieder eine mehrarmige, bis zu 400 Meter breite Naturflusslandschaft entstehen. Dr. Astrid Rössler, Stellvertrete-

Überraschender Protest:

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt wurde beim traditionellen Bierfest in Rott am Inn Mitte Mai vom Bürgerprotest gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA und gegen Agrar-Gentechnik überrascht. Daran beteiligten sich auch Aktive der BN-Ortsgruppe. Vorsitzender Wolfgang Maschke übergab dem Minister die Gentechnik-Resolu­ tion der BN-Delegiertenversammlung. Foto: BN

NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

Im Einsatz für die Salzach Begleitet von vielen Kanuten brachte die überdachte Plätte die Vertreter aus Politik und Naturschutz trotz Regen und Kälte wohlbehalten zur anschließenden Kundgebung im Burghausener Bürgersaal. Gruppenbild von links: Dr. Jakob Wagner (Sprecher ALS), Peter Englmaier (BN Traunstein), Richard Mergner (BN-­ Landesverband), Prof. Dr. Roman Türk (Präsident Naturschutzbund Österreich), Beate Rutkowski (Vorsitzende BN Traunstein), Dr. Astrid Rössler (LandeshauptmannStellvertreterin, Salzburg), Gisela Sengl (MdL, Grüne), Ilse Englmaier (BN Traunstein) und Gerhard Merches (Vorsitzender BN Altötting).

Für die Erhaltung der Salzach als Naturfluss

Junge Umweltschützer: »AISBär sucht Land«, »Tiere sterben« – die Botschaften auf dem Blatt sollen wachrütteln. Urheber des Spendenaufrufs sind elf Kinder zwischen fünf und zehn Jahren aus Herrsching und Umgebung. Mit selbstgebastelten Flyern und einem improvisierten Infostand sammelten sie im März komplett in Eigenregie 123,75 Euro und übergaben die Spende dem BUND Naturschutz in Wartaweil (Foto).

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Wichtige Petition: Die Asphalt-

mischanlage Nußdorf ist ein Dauerthema für die BN-Ortsgruppe

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-15]

rin des Salzburger Landeshauptmanns, erläuterte die Pläne auf der Kundgebung in Burghausen und appellierte an Bayern, dem Vorbild Salzburgs zu folgen. Auch die weiteren Redner, darunter der BN-Landesbeauftragte ­Richard Mergner und Burghausens Bürgermeister Hans Steindl, plädierten vor den rund 100 Teilnehmern für einen frei fließenden Flussabschnitt und gegen neue Kraftwerke. Nähme der Freistaat ein solches Projekt zusammen mit ­Österreich in Angriff, würde sich die Chance bieten, die letzten 60 Kilometer der Salzach als frei fließenden Voralpenfluss für Mensch und Natur zu erhalten und gleichzeitig mehr Hochwassersicherheit zu schaffen. Kurt Schmid (as) Einen sehenswerten Kurzfilm zur Salzburger Vision »Kathedrale der Natur« gibt es auf YouTube (Such­ begriff »Naturpark Salzachauen«).

und die örtliche Bürgerinitiative. Zwar gelang es nicht, die Brennstoffumstellung auf den umweltschädlichen Braunkohlestaub (BKS) zu verhindern, doch das Landratsamt Rosenheim machte eine kontinuierliche Messung der Luftschadstoffe zur Auflage. Der Betreiber Inn-Asphalt-Mischwerke GmbH klagte dagegen, scheiterte aber vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, der die Klage Ende 2014 abwies. Das »Nußdorfer Urteil« ist bundesweit von Bedeutung: Zum ersten Mal müssen in einer von über 700 Asphaltmischanlagen in Deutschland die Kohlenstoffemissionen gemessen werden. Die Bürgerini­tiative will nun,

Foto: Bündnis 90/Die Grünen Altötting

Foto: Florian Ott

Foto: Plattform »Flüsse voller Leben«

Kreisgruppen Altötting, Traunstein, Berchtesgaden

unterstützt vom BN, mit einer ­öffentlichen Petition die verpflichtende Dauermessung in ganz Deutschland durchsetzen. Die ­Petition wird nach der Prüfphase (Stand Juni 2015) auf dem Petitionsportal des Bundestages zur Unterzeichnung veröffentlicht (https://epetitionen.bundestag. de). Mehr Infos: www.rosenheim. bund-naturschutz.de/aktuelles.


Erfolgreicher Widerstand Die Bevölkerung in Lam ­ im Bayerischen Wald hat deutlich »Nein« zum ­geplanten Pumpspeicherkraftwerk auf dem Osser gesagt.

Fotos: Fotolia/Michl, Paul Winterstetter

Kreisgruppe Cham

Der Osser bleibt, wie er ist Der Widerstand gegen das geplante Pumpspeicherkraftwerk am Osser, einem der schönsten Gipfel des Bayerischen ­Waldes, hatte Erfolg: Bei einem Ratsbegehren im Juli stimm­ ten überwältigende 85 Prozent der Lamer Bürgerinnen und Bürger dagegen. Damit dürfte das naturzerstörende Projekt vom Tisch sein.

Auszeichnung: In diesem Jahr hat die Stadt Neumarkt erstmalig einen eigenen Klimaschutzpreis verliehen, der mit insgesamt 10 000 Euro dotiert ist. Ausgezeichnet wurde unter anderem der zweite Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Neumarkt, Hubert Pfahl. Die Kommune ehrte ihn für seine ebenso erfolgreiche wie vorbild­ liche Umrüstung eines Altbaus zum Energieplushaus. Wir gratulieren und hoffen auf möglichst viele Nachahmer. Ehrung: Ehrenamtliche sind auch

nach Einschätzung von Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf das Rückgrat des Naturschutzes.

dem käme, für die Gemeinde dann aber nichts abfallen würde. Doch die Bürgerinnen und Bürger ließen sich davon nicht einlullen: Nach einer intensiven Aufklärungskampagne stimmten sie gegen ein Pumpspeicherkraftwerk auf dem Osser – und das bei einer erfreulich hohen Wahlbeteiligung von fast 80 Prozent! Inzwischen hat auch das Bistum Regensburg, dem Areale im geplanten Baubereich gehören, angekündigt, die Grundstücke dem Bürgerwillen entsprechend nicht zu verkaufen. BN-Vorsitzender Hubert Weiger forderte die Regierung der

Oberpfalz auf, das entsprechende Raumordnungs­verfahren jetzt einzustellen, um nicht noch mehr Steuergelder zu verschwenden: »Die ­Ablehnung des PSW am Osser zeigt, dass die Bürger nicht bereit sind, ihre Heimat für nicht begründete Investorenprojekte zu opfern, die mit den Argumenten der Energiewende durchgesetzt werden sollen.« Ohne das große Engagement des BN-Kreisvorsitzenden von Cham, Robert Kurzmann, und der BNOrtsgruppe mit Familie Winterstetter an der Spitze wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen, so Weiger.

Mit dem »Grünen Engel« hat sie deshalb Ende März Dr. Peter Streck, den früheren BN-Kreisvorsitzenden von Regensburg und Peter Zahn, den ersten Vorsitzenden der Kreisgruppe Amberg-Sulzbach, ausgezeichnet. Erfolgsprojekt: Vor drei Jahren hat

die BN-Kreisgruppe Regensburg auf der ­Donauinsel ­Mariaort ein umfassendes Renaturierungsprojekt gestartet. Der in diesem Frühling unübersehbare Erfolg: ein fliederfarbenes Blütenmeer aus roten Lichtnelken (Foto) und ein immenser Artenreichtum bei den gefiederten Inselbesuchern. Auf die Ergebnisse des im Herbst begin-

nenden zweiten Renaturierungsabschnittes dürfen wir schon jetzt gespannt sein. Nachruf: Mitte Juni verstarb Dr.

Eberhard Klein aus Brennberg im Landkreis Regensburg. Hoch geschätzt war er unter anderem als

Pionier des Ökolandbaus, als engagierter Kämpfer gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf und wegen seines Einsatzes für den durch Wasserkraftnutzung geschädigten Höllbach. Sein Vorbild wird auch künftig weit über den Landkreis hinaus wirken.

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NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

or dem Ratsbegehren hatte sich die Frima Vispiron nach Kräften bemüht, die Bürger der Region für das umstrittene Pumpspeicherwerk (PSW) auf dem Osser zu gewinnen (siehe N+U 3/2014). Gelockt wurde unter anderem mit Investi­ tionsmöglichkeiten, mit Gewerbesteuereinnahmen für Kommunen und sprudelndem Geld­segen für örtliche Vereine, aber auch mit Preisnachlässen für Gemeindebürger beim Bezug des erzeugten »grünen Stromes«. Es folgte die Drohung: Wer mit Nein stimme, müsse sich bewusst sein, dass das Projekt trotz-

Foto: Kreisgruppe

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Foto: Helmut Schultheiß

Geschützt? Nackte Erde und Weinstöcke in Reih und Glied – eine recht extravagante ­Interpretation eines FFH-Gebietes.

Kreisgruppe Rhön-Grabfeld

Weinberg im FFH-Gebiet Ein FFH-Gebiet ist ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet nach ­europäischem Umweltrecht. Die Abkürzung steht für Flora (Pflanzen), Fauna (Tiere) und Habitat (Lebensraumtypen), die hier geschützt ­werden sollen. Was sich vor wenigen Monaten in Strahlungen ereignet hat, lässt daran allerdings große Zweifel aufkommen.

NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

ort, in Blickweite zur Rhön, hatte man vor Jahrhunderten in Ermangelung einer besseren Alternative Wein angebaut. An diesen »Drei-Männer-Wein« kann sich heute niemand mehr erinnern und die verfallenen Reste der ehema­ ligen Weinbergsmäuerchen sind längst von dichten Schlehenhecken überwuchert. Die Natur hat sich den »Mönchsberg« und andere

Bedroht: Ein 27 Hektar großer

Streuobstwiesenkomplex am Stadtrand von Aschaffenburg soll einem riesigen Baugebiet geopfert werden. Trotz landesweiter Bedeutung dieses Areals für seltene Arten wurde die vom BN beantragte Ausweisung als Naturschutz­ gebiet ebenso wie die einstweilige Sicherstellung durch die Höhere Naturschutzbehörde abgeschmettert. Sieht so der neue »Kuschelund Wellnessnaturschutz« bayerischer Behörden aus?

­Muschelkalkhügel zurückerobert, so dass sich dort über Jahrhunderte wertvolle Halbtrockenrasen ent­ wickeln konnten – schon seit Jahren Teil eines der größten FFH-Gebiete Unterfrankens. Ausgerechnet dort will die Gemeinde vorrangig aus touristischen Gründen den Weinbau wiederbeleben. Die Kommune hat deshalb auf 3000 Quadratmetern den geschütz-

­Leidersbach und für die Natur begrüßt der BUND Naturschutz die dort im Frühjahr 2015 begonnenen Projekte zum naturnahen Hochwasserschutz. Ein technisches Ausbaukonzept war 2013 am ­Widerstand der Bevölkerung gescheitert – nicht zuletzt aufgrund verschiedener BN-Proteste und einer intensiven Aufklärungsarbeit durch den stellvertretenden BNLandesvorsitzenden Sebastian Schönauer. Doppelpack: Gleich zweifachen

Hochwasserschutz: Als großen

­ rfolg für die in den vergangenen E Jahren mehrfach hochwassergeschädigte Spessartgemeinde

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Grund zur Freude hatte die BNKreisgruppe Würzburg in diesem Frühjahr: Unter dem Vorsitz von Martin Primbs wurde die neue

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Ortsgruppe Ochsenfurter Gau gegründet. Darüber hinaus erzielten die Schüler der Leopold-Sonnemann-Realschule aus Höchberg bei der Haus- und Straßensammlung mit fast 2700 Euro das beste Sammelergebnis im Landkreis.

mann und Bürgermeister Bruno Altrichter würdigten beim Festakt das Engagement vor Ort ebenso wie die ideologiefreie Zusammenarbeit. Als besondere Erfolge hob der BN-Vorsitzende Hubert Weiger die Erhaltung der Heckenrhön und die Rettung des Rhönschafes hervor.

Jubiläum: Die Kreisgruppe Rhön-

Grabfeld hat am 20. Juni Ihr 40-jähriges Bestehen in Bad Neustadt gefeiert. Karl-Heinz Claaßen, langjähriger Geschäftsführer der Kreisgruppe Rhön-Grabfeld (Foto, v. li.), Helmut Bär (Vorsitzender), Bürgermeister Bruno Altrichter und Susanne Richter (Vorsitzende) pflanzten zu diesem Anlass eine Linde. Landrat Dr. Haber-

Foto: Hubert Kornbrust

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ten Vegetationsbestand entfernen und Wein­reben anpflanzen lassen. In einem FFH-Gebiet undenkbar – sollte man meinen. Anders in Strahlungen! Dort genügten den eigentlich für den Schutz von FFH-Gebieten zuständigen Naturschutzbehörden ­offensichtlich ein paar margi­ nale »Ausgleichsmaßnahmen«, um die strengen Anforderungen an eine Ausnahmengenehmigung zugunsten dieses Hobbyweinbergs äußerst großzügig auszulegen. So wurde quasi im Eilverfahren eine Ausnahmegenehmigung erteilt. In aller Eile ist dabei offensichtlich auch die Beteiligung des BN glatt »übersehen« worden! Skandalös für den BN ist dieser Vorgang umso mehr, als damit ein landesweiter Präzedenzfall geschaffen und der Schutzstatus der FFHGebiete weiter ausgehöhlt worden ist. Der BUND Naturschutz appelliert deshalb an die staatlichen Behörden, ihren Schutzauftrag ernster zu nehmen und nicht tatenlos zuzusehen, wenn der Naturschutz bei Eingriffsplanungen noch weiter ins Hintertreffen gerät.


Foto: Heike Beckert

Fledermausschutz: 21 Jugendliche von Mittelschulen im Landkreis Bamberg werden in den nächsten Monaten Fledermauskästen für das Projekt »Maintal Bats« herstellen. Die Suche nach geeigneten Standorten führte die Schüler sogar schon über den Main (Foto). Verantwortliche der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) bringen mit diesem Projekt in Kooperation

Kreisgruppe Coburg

Etappensieg gegen Flughafen Coburg Mit einem fulminanten Ergebnis endete der Bürgerentscheid über den geplanten Neubau des Verkehrslandeplatzes Coburg. Zwei Drittel der Bürger forderten, aus dem Bauvorhaben auszusteigen.

Foto: Henning Rosenbusch

m Juni stimmten 15 859 wahlberechtigte Bürger des Landkreises Coburg (das entspricht 68,9 Prozent) gegen einen neuen Verkehrslandeplatz in Neida-Wiesenfeld. Nur 8218 Personen (31,1 Prozent) sprachen sich für den ­Neubau aus. Mit diesem Ergebnis ist das nö­ tige Quorum übersprungen und der Entscheid bindend. Der Landkreis wird keine 1,5 Millionen Euro in den Bau investieren und muss aus der Projektgesellschaft aussteigen. Das ist ein großer Etappensieg für das Bündnis »Bürger für ihre Region, gegen den neuen Verkehrslandeplatz« und die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), die das ­Begehren mit dem Bayerischen Bauernverband auf den Weg gebracht hat. Die Betreiber der Neubauplanung wollen trotzdem an ihrem Projekt festhalten und das Planfeststellungsverfahren weiterbetreiben, allen voran Michael Stoschek, ­Milliardär, Pilot und Mitinhaber des Coburger Autozulieferers Brose und Björn Schumacher, Inhaber mehrerer Kartonagenfabriken. Der BN-Landesverband hatte ­bereits im Mai 2015 beim Luftamt Nordbayern fristgemäß seine Einwendungen gegen den Neubau ­abgegeben. Er bittet darin das zuständige Luftamt Nordbayern, den Plan nicht festzustellen. Der BN

­ ntermauerte damit seinen Willen, u die Planungen zu verhindern und notfalls gerichtlich dagegen vorzugehen. Der Verband lehnt das Vorhaben ab, weil es keinen erkenn­ baren und nachgewiesenen Bedarf für einen neuen Verkehrslandeplatz in Neida-Wiesenfeld gibt. Die Eingriffe in Schutzgüter wie Boden, Landschaft oder Grundwasser wären ungerechtfertigt, ebenso wie

mit dem BN Bamberg den Sechstund Siebtklässlern ungekannte Facetten ihrer Umwelt näher und wecken in ihnen ein Bewusstsein für die Schutzwürdigkeit der Natur. Die jungen Umweltschützer lernen zu Beginn des Projektes alles über die Lebensweisen der Fledermäuse und deren Gefährdung. Erfolg: Auf dem Delegiertentreffen im April haben 220 BN-Vertreter den Deutschen Bundestag aufgefordert, die dritte Tranche zum Nationalen Naturerbe endlich zu

die zusätzlichen Immissionen (Lärm, Schadstoffe). »Wir setzen dabei auch auf EURecht, das in solchen Verfahren schon öfter zum Stopp unnötiger Eingriffsprojekte führte«, so Richard Mergner, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz. Tom Konopka (ht)

beschließen und damit auch einen Teil des Bamberger Hauptsmoorwaldes zu retten. Mehrere Kommunen planen dort ein gemeinsames Gewerbegebiet. Anlass für die Resolution war die überraschende Absetzung des formalen Beschlusses. Diese ging unter anderem auf einen Antrag des Bundestagsab­ geordneten Andreas Schwarz (SPD) aus dem Landkreis Bamberg zurück. Dieser hat zwischenzeitlich zurückgerudert und im Juni hat der Bundestag planmäßig 31 000 Hektar ehemaliger Militärflächen – darunter auch jene im Hauptsmoorwald – dem Naturschutz gewidmet.

Höhenflug Jubel am Wahl­ abend: Die Flugplatzgegner haben sich deutlich durchgesetzt.

Ehrung: Die Kreisgruppe Kulm-

bach hat Ingrid Flieger vom Landratsamt Kulmbach den Umweltpreis 2015 verliehen. Die Laudatoren würdigten die quirlige Kämpferin, die sich seit 1990 als Abfallberaterin und später als Sprecherin des Arbeitskreises »Agenda 21 – Energie und Klimaschutz« für den Naturschutz einsetzt. Ingrid Flieger war treibende Kraft bei großen Veranstaltungen wie den Wald­ erlebnistagen oder dem nunmehr vierten autofreien Sonntag im Weißmaintal. Auch der Erfolg der Umweltschule SchlöNZ geht auf ihr unermüdliches Engagement zurück.

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NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

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Kreisgruppen Lindau und Donau-Ries

Schutzengel für die Natur

Fotos: Nina Wettengel/privat

Seit April 2015 ist Nina Wettengel als Gebietsbetreuerin für den Schutz von Wiesenbrütern im Ostteil des schwäbischen Donauriedes aktiv. Im Landkreis Lindau kümmert sich Gebietsbetreuerin Isolde ­Miller nun auch um den Schutz des Bodenseeufers und der Tobel.

Gewählt: In den Kreisgruppen Aichach-Friedberg und KemptenOberallgäu gibt es neue Vorsitzende. Ernst Haile, bisher Vorsitzender der Ortsgruppe Pöttmes, ü­bernahm das Amt des unerwartet verstorbenen Michael Bettinger ­ in der Kreisgruppe Aichach-Friedberg. Stellvertreter bleiben Doris Gerlach und Stefan Kreppold. Christine Müller-Speer wurde zur neuen Vorsitzenden der Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu gewählt, Michael Schropp zu ihrem Stellvertreter. Das bisherige Führungsduo Björn Reichelt und ­ Ralf Wiedemann gehört weiterhin dem Vorstand an.

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as Arbeitsgebiet von Nina Wett­ engel umfasst die Wiesenbrütergebiete im südlichen Landkreis Donauries und östlichen Landkreis Dillingen. Dieser Raum hat bayernweite Bedeutung für das Vorkommen von äußerst gefährdeten seltenen Arten, darunter Großer Brachvogel, Kiebitz, Wachtelkönig, Braunkehlchen, Wiesenpieper und Grauammer sowie die Stromtal-Veilchenarten Viola persicifolia und

Klage eingereicht: Anton Klotz,

Landrat des Landkreises Oberallgäu, unterschrieb Mitte Mai den Genehmigungsbescheid für das geplante Wasserkraftwerk an der Eisenbreche im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen – gegen die Bedenken praktisch aller am Verfahren beteiligten Behörden und Verbände. Der BUND Naturschutz hat daher in Kooperation mit dem Landesbund für Vogelschutz Klage gegen die Genehmigung eingereicht. Die Kreisgruppe freut sich über Spenden zur Finanzierung des aussichtsreichen Rechtsstreits. Informationen und das Spendenkonto finden Sie unter www.eisenbreche.de

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Foto: Dieter Leippert

NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

Ansprechpartner in Ries und Allgäu Das Wiesenbrütergebiet im östlichen Donauried ist das ­Arbeitsfeld der neuen Gebietsbetreuerin Nina Wettengel (kleines Bild oben). Ihre Kollegin Isolde Miller (kleines Bild unten) betreut im Westallgäu neben Moorflächen das Bodenseeufer und die Hangtäler.

Viola pumila. Die neue Gebiets­ betreuerin will die Situation dieser Arten durch konkrete Schutzmaßnahmen verbessern und durch ­Öffentlichkeitsarbeit und Beratung das Verständnis für den Artenschutz vertiefen. Isolde Miller betreute in den vergangenen Jahren bereits die Westallgäuer Moore und zeichnet unter anderem für die Renaturierung des Hagspielmoores bei Lindenberg verantwortlich. Sie kümmert sich nun auch um das Bodenseeufer und die Tobel – tief eingeschnittene Täler mit urigen Hangschluchtwäldern, die sich vom Westallgäu zum Bodensee herunterziehen. Miller wird nun Schutzkonzepte für diese ökologisch besonders wertvollen Gebiete ausarbeiten, Führungen und Exkursionen durchführen und in Zusammenarbeit mit interessierten Grundstücksbesitzern Naturschutz- und Pflegemaßnahmen anstoßen und leiten. Gebietsbetreuer sind wichtige Ansprechpartner vor Ort, die auf ­regionaler Ebene umweltrelevantes Wissen vermitteln und zur Wertschätzung ökologisch bedeutsamer Gebiete beitragen. Die Trägerschaft der beiden Stellen, die zu 85 Prozent vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert werden, liegt bei den ­ BN-Kreisgruppen Donau-Ries und Lindau. Thomas Frey (as)

Gepfuscht: Beim Umbau der umstrittenen Laugnakreuzung im Landkreis Dillingen wurden die vom Verwaltungsgericht auferlegten Ausgleichsmaßnahmen nicht ordnungsgemäß umgesetzt. Unter anderem wurde ein Schilfröhricht

nicht umgepflanzt, das als Brutgebiet für Rohrammer, Teichrohrsänger und Sumpfrohrsänger dient. Statt als Biotop präsentierte sich die Fläche als unbewachsene Wassermulde (siehe Foto), obwohl das Ursprungsbiotop bereits zerstört war. Die Kreisgruppe hat daher beim Landratsamt einen Antrag auf Durchsetzung von Sanierungspflichten wegen eines eingetretenen Umweltschadens gestellt.


Foto: Theresia Wildfeuer

Blühende Vielfalt Auf der BN-Rundfahrt unter Leitung von Karl Haberzettl (im Bild rechts) ­besichtigten die Teilnehmer unter ­anderem eine arten­ reiche Flutwiese bei ­Egglfing, die einzige Bienenweide inmitten von riesigen Maisfeldern.

Gerettete Landschaften Bei einer ganztägigen Bus-Rundfahrt am 30. Mai präsentierte die BN-Kreisgruppe sieben der 18 von ihr betreuten ökologisch wertvollen Grundstücke im Landkreis Passau. Ziele waren unter anderem die Innauen bei Ering, eine Flutwiese bei Egglfing und ein Hochmoor bei Sonnen. ausgebildet. Inzwischen sind 156 verschiedene Pflanzenarten dort heimisch, darunter viele Orchideenarten. Weitere Stationen waren das Biberrevier des BN am Hühnerbach bei Nammering und die »Wilde Au« bei Sonnen. In diesem letzten Hochmoor im Landkreis Passau finden sich noch typische Moor-Pflanzenarten wie Rauschbeere, Moosglöckchen und Legföhre. Die insgesamt 38 Teilnehmer der Fahrt, darunter auch Kreisrätin Halo Saibold, zeigten sich beeindruckt

men, um gegen die Politik der sieben wichtigsten Industrienationen zu protestieren. Die Demonstranten forderten vor allem den Stopp der beiden geplanten Handels­ abkommen zwischen Europa und den USA beziehungsweise Kanada, TTIP und CETA. Weitere Forderungen waren unter anderem konsequente Fortschritte beim Klimaschutz und mehr weltweite Anstrengungen zur Bekämpfung der Armut. An der kraftvollen, friedlichen und sehr bunten Demonstra­ tion beteiligten sich auch viele Aktive des BN aus

von der Arbeit, die der BN in Passau zum Erhalt der Artenvielfalt leistet. Dies kam am Ende der kostenlosen Busreise auch durch Spenden und gleich drei neue Mitgliedschaften zum Ausdruck. Kurt Schmid (as) BN-Kreisgruppen, die ebenfalls eine solche Rundfahrt veranstalten möchten, können sich für weitere Tipps und Informationen an Karl Haberzettl wenden: info@bn-passau.de

Niederbayern, darunter auch die Kreisgruppe Landshut, die auf einem Transparent ein Verbot von Glyphosat forderte (Foto). Wichtige Wildnis: Unter das Motto »Wildnis erleben« hat die BNKreisgruppe Kelheim den Schwerpunkt ihres Jahresprogramms 2015 gestellt. Sie will damit über die B­edeutung von Wildnisgebieten für die biologische Vielfalt informieren und dies bei Exkursionen, unter anderem zu Naturwaldreservaten im Landkreis, veranschaulichen. Der nächste Termin findet am 13. September statt, mit einem Tagesausflug in den Nationalpark Bayerischer Wald.

Ein wichtiger Baustein des Programms war auch die interaktive Ausstellung »Die großen Vier – Bär, Wolf, Luchs, Mensch«, erstellt vom bayerischen Umweltministerium unter Mitwirkung des BN. Die Schau, die von Mai bis Juli in den Kurhäusern von Bad Gögging und Bad Abbach gezeigt wurde, erhielt Anfang Juni traurige Aktualität durch die Tötung und Verstümmelung von zwei Luchsen im Bayerischen Wald (siehe auch ­Beitrag Seite 36 in dieser Ausgabe). Weitere Informationen zum ­Programm der Kreisgruppe: www.kelheim.bund-naturschutz. de

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NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

Friedlicher Protest: Im Vorfeld des Gipfeltreffens der G7-Staatschefs auf Schloss Elmau bei GarmischPartenkirchen kamen 40 000 Menschen zu einer Großdemonstration in München am 4. Juni zusam-

Kreisgruppe Passau

Foto: Heinrich Inkoferer

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er Passauer Kreisvorsitzende Karl Haberzettl leitete den Ausflug und erläuterte an den einzelnen Stationen die tägliche Arbeit des BUND Naturschutz und die Schönheiten der heimischen Natur. Erstes Ziel der Fahrt war der Inn bei Ering, wo die Kreisgruppe 2011 ein 18 Hektar großes Grundstück mit Auwaldresten erwarb. Gemeinsam mit dem Eigner des Nachbargrundstücks will der BN hier in den kommenden zwei Jahren etwa 40 Hektar Auwald renaturieren. Beim nächsten Halt in Egglfing besichtigten die Teilnehmer das Flutwiesenprojekt, das die Kreisgruppe dort seit 1983 betreut. Auf der 36 Hektar großen Wiese, die zweimal jährlich gemäht wird, hat sich im Laufe der Jahre eine artenreiche Trockenrasenvegetation her-


Vielfalt an der Donau

Was flattert denn da?

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BN auf der Mainfrankenmesse

Die BN-Kreisgruppe Würzburg stellt auf der Mainfrankenmesse 2015 vom 26. September bis 4. Oktober kulinarische Genüsse aus ökologischer Erzeugung vor. Zusammen mit dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, dem Bayerischen Bauernverband und Slow Food

präsentieren Profi-Köche in der Bio-Schauküche eine kulinarische Reise durch Europa. Und wer nicht nur Häppchen testen will, sondern sich umfassend informieren, der ist gern ge­ sehener Gast am BN-Stand »Bioregional ist erste Wahl« mit regionalen und biologisch wirtschaftenden Erzeugern und Verarbeitern. ▶ Informationen: www. wuerzburg. bund-naturschutz.de und www. mainfranken-messe.de Foto: Klaus Isberner

KUNST & KULINARISCHES

m die Vielfalt unserer tierischen und pflanzlichen Mitgeschöpfe ist es vielerorts schlecht bestellt. Aber ebenso besorgniserregend wie der Rückgang der Arten ist der Rückgang der Artenkenner. Dem möchte der BUND Naturschutz abhelfen mit der vierten Einheit der Reihe »Artenkenntnis für Einsteiger«, die sich Fledermäusen widmet. Wer sich im Umgang mit Bat­ detektor und Batcorder schulen will und im direkten Kontakt mit Abendsegler und Mausohr die faszinierenden nächtlichen Flieger kennenlernen will, wird beim Fledermaustag in Ebern fündig. Erfahrene Experten rund um Klaus Mandery zeigen den Teilnehmern eine Fledermauswochenstube und üben das Erkennen und Bestimmen der verschiedenen Arten. Unsere heimischen Fledermäuse sind eine der Artengruppen, die stark vom Artensterben betroffen sind. Aufgrund von Artenhilfsmaßnahmen haben sich aber mancherorts die Bestände wieder erholt. Mehr dazu beim Einsteigerkurs am 26. September in Ebern. ▶ Kontakt: BN Bildungswerk Regensburg, Tel. 09 41-29 72 0-42, bildungswerk@bund-naturschutz.de, www.bund-naturschutz.de/umweltbildung

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ielfalt ist Reichtum« das gilt nicht nur für die frei fließende Donau, sondern auch für die Umweltbildung der Kreisgruppe Deggendorf. »Gleich drei Formate stehen zur Auswahl«, so der KG-Vorsitzende Georg Kestel über das Bildungsangebot. Das von der JBN initiierte Umweltbildungsschiff »Takatuka« (Foto) fährt seit 1999 von Deggendorf auf die Fischerdorfer Donauinsel, um dort die Kinder zu »Donaupiraten« auszubilden. Die »Takatuka« ist sehr beliebt, aber nur von Juli bis September im Einsatz, um die Natur auf der Pirateninsel nicht zu sehr zu beeinträchtigen. Als zweites Standbein dient daher die »Schatzkiste Donau«. Zwischen April und Oktober bietet die Kreisgruppe an Traumstränden an der Donau buchbare Module rund um das Leben an und mit der Donau an. Das dritte und jüngste Angebot ist eine Ausstellung zur Donau. Die »Mach-mit-Ausstellung – Lebendige Donau in Bayern und Europa« besteht aus 15 mobilen Aufstellungstafeln und einem zweistündigen Begleitprogramm. Die faszinierende Tier- und Pflanzenwelt der Donau und ihrer Auen, die ökologische Zusammenhänge und die Geschichte des Donauausbaus vermitteln die Umweltpädagogen der Kreisgruppe jedes Jahr an Tausende von Kindern und Erwachsenen. ▶ Kontakt: BN KG Deg­ gendorf, Irene WeinbergerDalhof, Tel. 09 91-3 25 55, email: bundnaturschutz@ degnet.de, www.bn-deg­ gendorf.de Foto: KG Deggendorf

Foto: Julius Vogt

V

Kreativwerkstatt Natur

Künstlerisches, kreatives Gestalten in und mit der Natur macht Spaß und bietet enorme pädagogische Potenziale. Die Weiterbildungsreihe führt vom sinnlichen Naturerleben zum kreativ-künstlerischen Gestalten. Die erarbeitete bunte ­Palette an Methodenbausteinen zur »natürlichen WasserFarben-Kunst« können Sie in unterschiedlichsten kreativ­ pädagogischen Arbeitsfeldern einfließen lassen. ▶ Kontakt: Naturerlebniszentrum Allgäu; Info@NEZ-Allgaeu. de, Tel. 0 83 23-99 88 760 Anmeldungen bitte bis 18. September

Fortbildung Öffentlichkeitsarbeit

Wer die Aktionen des BN vor Ort gut vermarkten will, muss gute Pressearbeit machen. Aber was brauchen Redakteure, damit sie eine Meldung drucken? Wie organisiere ich eine Pressekonferenz? Wie wichtig sind Bilder? Und natürlich – wie schreibe ich einen guten Artikel? Die Teilnehmer bekommen Tipps und machen praktische Übungen. ▶ Regensburg, 16. Oktober Kontakt: BN Bildungswerk Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20-42, bildungswerk@bund-naturschutz.de


BN-Studienreisen, Tel. 09 115 88 88 20, www.bund-reisen.de

Mitgliederservice (allgemeine Fragen zur Mitgliedschaft, Adressänderung) Tel. 09 41-2 97 20-65 mitglied@bund-naturschutz.de

Wandern am Grünen Band Seit dem Mauerfall ist der Streifen der einstigen deutsch-deutschen Grenze immer noch sichtbar. Er zieht sich heute als Grünes Band von Lübeck/Travemünde bis Tschechien. Schon als die Grenze noch als Todesstreifen galt, war sie vor allem für bedrohte Arten ein wertvolles Rückzugsgebiet. Der BUND erkannte dies und setzte sich dafür ein, diesen Streifen als Biotop in seiner Gesamtheit zu erhalten. Auf dieser Reise erkunden die Teilnehmer die Region zwischen Wakenitz und Ostsee. Ausgangspunkt für alle Touren ist Lübeck. • Deutschland, 18. – 23. September 2015

Spendenbescheinigungen Tel. 09 41-2 97 20-66 spenderservice@bund-naturschutz.de Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Redaktion Natur+Umwelt Referentin: Luise Frank Tel. 09 41-2 97 20-22 natur+umwelt@bund-naturschutz.de

Foto: W. Eberhard

Ihre Ansprechpartner beim BN

Beratung zu Spenden, Anlassspenden und Vermächtnissen Claudia Ciecior-­Bordonaro Tel. 09 41-2 97 20-34 claudia.ciecior@bund-naturschutz.de

Nationalpark Elbsandsteingebirge und Sächsische Schweiz Auf dieser Reise wandern die Teilnehmer auf dem »Malerweg« in der Sächsischen Schweiz, dessen Ursprung zurück bis ins 18. Jahrhundert geht. Immer mehr Reisende zog es damals von Dresden aus in die geheimnisvolle Gegend elbaufwärts, deren Tafelberge bei klarem Wetter bis in die Sächsische Landeshauptstadt hinein zu sehen waren. Die Teilnehmer erwartet ein abwechslungsreiches Naturerlebnis. • Deutschland, 20. – 27. September 2015

Haus- und Straßensammlung Ehrenamtlich aktiv werden Christine Stefan-­Iberl Tel. 09 41-2 97 20-11 christine.stefan@bund-naturschutz.de BN-Bildungswerk Referentin: Ulli Sacher-Ley Tel. 09 41-2 97 20-42 ulrike.sacher-ley@bund-naturschutz.de

Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Im Herbst beginnt eine der schönsten Jahreszeiten im Bio­ sphärenreservat Flusslandschaft Elbe, die Zeit des Vogelzuges. Tausende Wildgänse und Kraniche rasten dann auf den weiten Überschwemmungsflächen der Elbtalaue, im Rambower Moor und am Arendsee. Diese Aktivreise bietet neben idealen ­Möglichkeiten der Vogelbeobachtung auch die Chance, sich in der Landschaftspflege zu engagieren. • Deutschland, 11. – 17. Oktober 2015

Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, natur+umwelt@ bund-naturschutz.de Redaktion: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Andrea Siebert (as) Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-65 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: Klaus Leidorf Titelgestaltung: Gorbach GmbH Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitäts­ druckerei Gießen Anzeigenverwaltung: Ruth Hansmann, Runze & Casper Werbeagentur GmbH, Tel. 0 30-2 80 18 -145, Fax -400, hansmann@runze-casper.de. Es gelten die Mediadaten Nr. 23.

Verlag: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Druckauflage 2-2015: 132.206 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im ­Beitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, IBAN DE27 7002 0500 0008 8440 00, BIC: BFSWDE33MUE Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die ­Meinung der ­Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt ­eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redak­tion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % ­Recycling­­­­papier gedruckt.

Foto: Mark Robertz

IMPRESSUM

BN-Stiftung Christian Hierneis Tel. 09 41-2 97 20-35 christian.hierneis@bund-naturschutz.de

Insel Juist – Aktivreise Nordseeluft tanken, Dünen schützen, Natur erkunden ist das Motto dieser Reise. Auf der autofreien Insel Juist erleben die Teilnehmer die Vielfalt des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Auf einer Wattwanderung und bei Inselerkundungen erfahren die Reisenden viel Wissenswertes über seine Entstehung, seine Artenvielfalt aber auch deren Bedrohung. Unter qualifizierter Anleitung werden die Teilnehmer eine Düne bepflanzen und einen Strandabschnitt von Plastikmüll befreien. Darüber hinaus kommt auch die Erholung nicht zu kurz. • Deutschland, 25. – 31. Oktober 2015

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ANLASSSPENDEN

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JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Fotos: BN-Archiv, iStock.com

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