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Natur+Umwelt Bund Naturschutz Magazin www.bund-naturschutz.de

Heft 3-2007 89. Jahrgang 3. Quartal

Endlich: Wachstum Es geht wieder bergab Diesmal mit elf Seiten Wirtschaftsteil


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„Wenn der Bund Naturschutz gegen die Gentechnik protestiert, dann sind wir natürlich dabei. Wir wollen kein Genfood und brauchen keine Anti-Matsch-Tomaten. Biss haben wir selber.“ Die Wellküren

Bittee mitt Biss Mit den Wellküren gibt es immer was zu lachen. Aber beim Thema Gentechnik hört für sie die Gaudi auf. Deshalb unterstützen sie den BN und sind zum Beispiel bei der großen Anti-GenDemo in Ingolstadt aufgetreten. Bitte helfen Sie auf Ihre Weise. Sprechen Sie Ihre Freunde, Bekannten, Nachbarn darauf an, Mitglied beim BN zu werden. Gemeinsam können wir Vieles erreichen. Eine Beitrittskarte finden Sie hier beigeheftet. Vielen Dank. zahlt Entgelt ger Empfän

Ja, ich will mich für den Naturund Umweltschutz einsetzen... ...und erkläre hiermit meinen Beitritt zum Bund Naturschutz in Bayern e. V.

n? GeworbeName

Ja, von:

Straße, Haus-Nr.

e.V. Bei Familienmitgliedschaft bittenausfüllen: in Bayer einschl. 18 Jahren) (mit Jugendlichen turschbisutz altung Bund Na tgliederverw Mi 4Geburtsdatum Name des Ehepartners Zentrale -Maier-Straße nn ha Kindes Geburtsdatum Dr.-JoName des 1.gen sburg 9 Re 9304 Name des 2. Kindes Geburtsdatum

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Datum

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Erziehungsberechtigten) (bei Minderjährigen die Werbung -CD für dieSchulen, lstimmen Vereine, Firmen € 70,00 Voge Prämie€ 40,00 n. -Fernglas Ich unterstütze nschte Taschen endeden BN freiwillig € 52,00 GewüFamilien utz verw (mit Jugendlichen Naturschzusätzlich mit einem Betrag von jährlich ildkatze bis einschl. 18 Jahren)

Jahresbeitrag

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Einzelmitgliedschaft

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€ 20,00

(Selbsteinschätzung, auf Antrag)

Jugendliche, Studenten, Schüler, Lehrlinge, Behinderte, Wehr- und Zivildienstleistende € 20,00

15,-

50,-

30,-

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Ihre persönlichen Daten werden ausschließlich für Vereinszwecke elektronisch erfasst und – gegebenenfalls durch Beauftragte des Bundes Naturschutz e.V. – auch zu vereinsbezogenen Informations- und Werbezwecken verarbeitet und genutzt. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt.

Name des 3. Kindes

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Hiermit ermächtige/n ich/wir Sie widerruflich, die zu entrichtenden Beitragszahlungen bei Fälligkeit zu Lasten meines/unseres Girokontos mittels Lastschriftverfahrens einzuziehen.

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Foto: Roggenthin

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Gerechte Verteilung statt Wachstum für wenige In beispielloser Weise haben in den letzten Wochen die deutschen Autohersteller, aber auch die vier großen Energiekonzerne versucht, die Politik massiv unter Druck zu setzen. Wenn es zu Gesetzen für weniger Spritverbrauch oder mehr Energieeffizienz komme, werde man Arbeitsplätze abbauen und Investitionen nicht mehr in Deutschland, sondern im Ausland tätigen. Auch Bayer, BASF und Monsanto haben direkten Zugang zum Bundeskanzleramt und versuchen dort, der Genmanipulation in der Landwirtschaft den Weg zu ebnen. Denn ihre Gewinne würden steigen, während die bäuerlichen Betriebe nur noch abhängige Rohstofflieferanten für die Industrie wären. Doch das bisherige, auf Natur zerstörendem Wachstum basierende Wirtschaftssystem mit seiner Umverteilung von unten nach oben und weltweit von Süden nach Norden hat keine Zukunft. In einer begrenzten Welt kann es kein unendliches Wachstum geben. Der Bericht des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen Nicholas Stern veranschlagt die möglichen Kosten des Klimawandels weltweit auf bis zu 5,48 Billionen Euro – das sind weit größere wirtschaftliche Schäden, als beide Weltkriege zusammen verursacht haben. Was aber passiert konkret? Sollte E.ON, wie an der bayerisch-hessischen Grenze in Großkrotzenburg geplant, ein Kohlekraftwerk bauen, würden für die Nutzung der Atmosphäre als CO2-Müllkippe 30 Milliarden Euro Schäden entstehen, bei einer Bausumme von einer Milliarde Euro. Auch die dritte Startbahn am Flughafen München oder der Autobahnneu- und -ausbau in Bayern würde den Klimawandel verschärfen. Unser Verband engagiert sich gerade auch vor Ort erfolgreich für Alternativen zu diesen Fehlentwicklungen. Unsere Wirtschaft benötigt gerade in Zeiten der Globalisierung einen ökologisch-sozialen Rahmen und einen Staat, der mit Gesetzen dafür sorgt, dass Gewinne zu Lasten der Umwelt und kommender Generationen nicht mehr möglich sind. Dafür setzt sich der Bund Naturschutz mit Ihrer Unterstützung in Bayern und als Teil des Netzwerkes »friends of the earth« auch weltweit ein. Bitte fördern Sie weiterhin das Wachstum dieser Ideen für eine gerechtere Welt und eine gesündere Umwelt.

Wachstum ist endlich

Foto: fotolia

EDITOR IAL

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Inhalt

Endlich Wachstum? Wer den vermeintlichen Wohlstandsgaranten Wirtschaftswachstum bejubelt, denkt zu kurz. Denn jedes Prozent mehr Wachstum kommt die Umwelt und die Natur teuer zu stehen, ohne dass auch nur eines unserer sozialen Probleme gelöst würde. Viel lernen könnten wir von der Natur. Ab Seite 12

Rote Karte Als wichtigstes Organ des Bundes Naturschutz sagt die BN-Delegiertenversammlung in Landshut nein zu »ÖkoSponsoring«. Eine Vergabe des BN-Logos an Unternehmen oder Produkte wird es nicht geben. Seite 4

Grüner Start Am ersten Schultag kommt ökologisch denkenden Eltern nichts Umweltschädliches in die Tüte. Das schärft auch das Bewusstsein der Kinder. Seite 10

Blaue Donau Ob die niederbayerische Donau ein freier Fluss bleiben darf, entscheidet sich auch in Brüssel. Unterstützen Sie unsere Unterschriftenaktion, damit die EU ein starkes Signal erhält. Seite 27

Weiße Flagge BMW gibt auf. Das geplante Offroad-Trainingszentrum im Naturpark Vorderer Bayerischer Wald wird nicht gebaut. Ein großer Erfolg für den Bund Naturschutz. Seite 30

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Intern 4 Delegiertenversammlung 6 BN im WWW 8 Leserbriefe Portrait 9 Renate Schwäricke Ratgeber 10 Zum Schulstart Titelthema 12 Wachstum ist endlich 14 Wohlstand ohne Wachstum 16 Lebensqualität gemindert 18 Demografischer Wandel 20 Öko-Geldanlage 22 Interview Meinhard Miegel Intern 23 BN-Klimaservice Kids+Tricks 24 Nachhaltigkeit Aktuell 26 Biberhatz 27 Für die Donau 28 Kurznachrichten 30 Rettenbach gerettet 31 Risiko WLAN Intern 32 Nachrufe Fotoseite 33 Heimat Regional 34 Ein AugenMensch 35 Oberfranken 36 Mittelfranken 37 Schwaben 38 Niederbayern 39 Oberbayern 40 Unterfranken 41 Oberpfalz Bildung 42 Tag der Regionen


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Delegierte treffen Grundsatzentscheidungen

BN stärkt seine Unabhängigkeit Wesentliche Weichenstellungen für die Arbeit des Bundes Naturschutz traf die diesjährige Landesdelegiertenversammlung. Eine davon lautet: Der BN lehnt, zur Wahrung seiner Eigenständigkeit, »Öko-Sponsoring« weiterhin ab.

Sonstige Einnahmen 61.000 Euro Einnahmen der Umweltbildungs-Einrichtungen 324.800 Euro Zuschüsse für Ankäufe, Artenschutz, Projekte 1.414.000 Euro Erbschaften 532.000 Euro

Gesamt-Einnahmen (abzügl. Rücklagezuführung)

Spenden inkl. Haus- und Straßensammlung 1.268.000 Euro

8,9 Mio. Euro

Beiträge von Mitgliedern und Förderern 5.347.000 Euro

Mehr Mittel für Facharbeit Dank der hervorragenden Unterstützung durch seine Mitglieder und Förderer kann der BN im Haushalt 2007 die Ansätze für Einnahmen aus Mitglieds- und Förderbeiträgen weiter steigern. Dadurch kann der Verband im Vergleich zu 2006 seine fachliche Arbeit im Bereich Arten- und Biotopschutz sowie im Kampf gegen Klimaerwärmung und Gentechnik noch ausbauen.

Investitionen, Baumaßnahmen 42.000 Euro Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben 1.157.700 Euro

Arten- und Biotopschutz 1.327.550 Euro

Verbandsorgane, Delegiertenversammlung, Naturschutzveranstaltungen 302.000 Euro

Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke 336.500 Euro

Unterstützung der Jugendarbeit 235.000 Euro

Natur- und Umweltschutz, ohne Arten- und Biotopschutz 663.900 Euro

Gesamt-Ausgaben 8,9 Mio. Euro

Information, Öffentlichkeitsarbeit, Pressearbeit, Internet, Mitglieder- und Spendenwerbung 1.265.900 Euro Mitgliederservice, »Natur+Umwelt« 535.900 Euro

Foto: Roggenthin

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Der Autor Richard Mergner ist Landesbeauftragter des BN.

osenden Beifall gab es nach den Schlussworten von Hubert Weiger am Ende der BN-Delegiertenversammlung, die heuer am 5. und 6. Mai in Landshut stattfand. Der Landesvorsitzende hatte den Delegierten für ihre weitsichtigen Beschlüsse zur Ablehnung von Wirtschaftssponsoring und zur Stärkung der Umweltbildung im Bund Naturschutz ebenso gedankt wie dem Kreisvorsitzenden Paul Riederer und seinem Team für ihre herausragende Gastfreundschaft. Unter der bewährten Moderation des Tagungspräsidenten Prof. Günter Witzsch hatte die Delegiertenversammlung nach durchaus kontroversen Diskussionen mit großen Mehrheiten grundlegende Entscheidungen getroffen. So bekräftigten die 185 Delegierten nahezu

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Unterstützung der Kreis- und Ortsgruppen 1.834.100 Euro Bildungsarbeit 625.200 Euro Rücklagenzuführung 85.600 Euro

einstimmig das Markenzeichen des BN, die Überparteilichkeit und Unabhängigkeit von Geldern aus Staat und Wirtschaft. Nur seinen Mitgliedern und Förderern verpflichtet, bleibt für den BN Wirtschaftssponsoring weiterhin tabu. Auch angesichts der negativen Erfahrungen mit Glaubwürdigkeitsverlusten anderer Naturschutzund Umweltverbände sowie der zunehmenden Käuflichkeit selbst von Einrichtungen der öffentlichen Hand – siehe den »Aldi«-Hörsaal an der FH Würzburg – Foto: Stefan

Deutschlandweiter und internationaler Umweltschutz 564.000 Euro

lehnt der BN Öko-Sponsoring ab; die Vergabe des BN-Logos an Unternehmen oder Produkte ist nicht möglich. Ebenso beschloss die Delegiertenversammlung, die Aktivitäten des BN zum Thema »Risiken durch Mobilfunk« zu verstärken. Dem Antrag von Delegierten der Kreisgruppe Neuburg-Schrobenhausen folgend, plant der BN eine landesweite Fachtagung und richtet eine ständige Arbeitsgruppe im Arbeitskreis Energie ein. Einstimmig befürworteten die Delegierten auch die Forderung nach einem ersten fränkischen Buchenwald-Nationalpark im Steigerwald. Eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz bewertet den Steigerwald als ökologisch wertvollstes Laubwaldgebiet Bayerns. Ein Nationalpark Steigerwald wäre eine großartige Chance für den Naturschutz in Deutschland und ein wichtiges Signal Bayerns für


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die internationale Biodiversitätskonferenz im Mai 2008.

Umweltbildung stärker fördern Einstimmig verabschiedete die Delegiertenversammlung eine Resolution »Umweltbildung sichert Lebensgrundlagen«. Gerade auch angesichts des Klimawandels ist es dringend erforderlich, das Wissen über ökologische Zusammenhänge und die Abhängigkeit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise von intakten Naturkreisläufen in der gesamten Bevölkerung zu verbreiten. Daher forderte die Delegiertenversammlung den bayerischen Landtag, die Staatsregierung und die kommunalen Gebietskörperschaften auf, die Investitionen in die »grüne Umweltbildungs-Infrastruktur« massiv zu erhöhen und die Förderung der privaten und ehrenamtlichen Initiativen der Umweltbildung auszubauen. »Bildung für nachhaltige Entwicklung zur Sicherung unserer Lebensgrundlagen muss endlich in Bayern den gleichen Stellenwert bekommen wie der Schutz vor Feuer und Bränden«, heißt es in der Resolution. Ebenso einstimmig beschlossen die Delegierten eine Neukonzeption der landesweiten Umweltbildungsarbeit (s. N+U 2-07). Ein Umweltbildungsreferat wird ab 2008 die vielfältigen Aktivitäten der Kreisund Ortsgruppen vernetzen und getrennt von der Betreuung der BN-Ökostation in Wiesenfelden die Umweltbildung stärken. Auch der bis zuletzt umstrittene Umzug dieses Referates aus Wiesenfelden in die BN-Landesgeschäftsstelle Regensburg wurde mit großer Mehrheit (bei 35 Gegenstimmen) beschlossen. Richard Mergner Ausgezeichnete Leistungen Ein Höhepunkt jeder Delegiertenversammlung ist die Auszeichnung hochverdienter BN-Aktiver mit der Bayerischen Naturschutzmedaille. In Landshut ehrte der BN Dr. Renate Poeschel, langjährige Vorsitzende der Kreisgruppe Erding (links), Prof. Dr. Herbert Jans, Energie-Fachmann der Kreisgrupe Landshut (2. von links) und Karl Haberzettl, Vorsitzender der Kreisgruppe Passau (2. von rechts).

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Hubert Weiger zum »Sechzigsten«

Herzlichen Glückwunsch! Ad multos annos!

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ubert Weiger feierte in diesem Frühjahr seinen 60. Geburtstag. Der Bund Naturschutz hat seinem Landesvorsitzenden im Rahmen der Landesdelegiertenversammlung in Landshut gratuliert, weil er, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, keinen eigenen Empfang wollte. Bei einer Abendveranstaltung wurde Hubert Weiger, verbunden mit einer Laudatio, das BN-Geschenk überreicht: eine Originalausgabe von Heinrich Barths »Reisen und Entdeckungen in Afrika« von 1857. Den unterhaltsamen Rahmen mit Musik und Sketchen gestaltete die Kreisgruppe Landshut unter Leitung ihres Vorsitzenden Paul Riederer, eines langjährigen Weggefährten. Mit außergewöhnlichem Engagement und Ideenreichtum, Klarheit in den Positionen und zukunftsweisenden Visionen prägt Hubert Weiger den Bund Naturschutz seit 1971 entscheidend mit, zuerst als Beauftragter für Nordbayern, später als Landesbeauftragter und seit 2002 als Landesvorsitzender. Aufgrund seiner fundierten Fachkenntnisse hat er einen erheblichen Anteil an dem hohen Renommee des BN, das weit über Bayern hinaus reicht. Als Forstwirt arbeitet er in der Tradition des BN-Gründers, Prof. Freiherr von Tubeuf, und des langjährigen Vorsitzenden Hubert Weinzierl. Er setzt damit eine Idee fort, die 1913 ihren Ursprung hat und heute von mehr als 170 000 Menschen in Bayern unterstützt wird. Mit Hubert Weiger gratuliert der BN einer herausragenden Persönlichkeit. Denn er hat den Naturund Umweltschutz in Bayern und in Deutschland fortentwickelt zu einer Bewegung mit ganzheitlichem Ansatz. Besondere Verdienste hat er sich erworben bei der Rettung des Nürnberger Reichswaldes, beim Erhalt der frei fließenden Donau, bei der Verhinderung der WAA in Wackersdorf und der Durchsetzung

des ökologischen Landbaus sowie der naturgemäßen Waldwirtschaft. Mit seiner persönlich gewinnenden Alles Gute Am 5. Mai eröffnete Prof. Dr. Hubert Weiger die Delegiertenversammlung 2007 des Bundes Naturschutz in Bayern e. V. (Bild). Einige Tage zuvor 60 Jahre geworden, konnte er sich im Rahmen der Landestagung über viele herzliche Glückwünsche aus den Reihen des BN freuen. Foto: Stefan

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und motivierenden Art hat er viel bewegt in unserem Land, immer agierend nach seinem Leitspruch »Fortiter in re, suaviter in modo« (stark in der Tat, milde in der Art). Wir bedanken uns bei Hubert Weiger für alles, was er für den BN getan hat und bei seiner Frau dafür, dass sie es immer mitgetragen hat. Wir wünschen viel Spaß mit der »antiken Afrikareise«. Ad multos annos! Für den Landesverband und den Landesvorstand Doris Tropper, stellvertretende Landesvorsitzende

Foto: Roggenthin

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Nachlesen im Web Die Rede von Hubert Weiger, den Vorstandsbericht von Doris Tropper und die Resolution »Umweltbildung sichert Lebensgrundlagen« finden Sie auf der BN-Website unter www. bund-naturschutz.de/ magazin.


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www.bund-naturschutz.de BN-Internetpräsenz

WWW: Wenn’s gleich sein soll Wo gibt es Tipps zum Geld Sparen, die neuesten Meldungen aus dem Umweltschutz, alles zu brisanten Brennpunkten und zig Service-Angebote? Und zwar sofort und rund um die Uhr? Natürlich im Internet, auf der BN-Website.

www.bund-naturschutz.de

Zugleich bietet die BN-Website ihren Besuchern schnellen Service und Mitmachaktionen:  BN vor Ort: Adressen aller Kreis- und Ortsgruppen  Kontakt + Service: Bildungsangebote, Veranstaltungstipps, Ansprechpartner  Ökotipps: zum Geld Sparen, Essen und Trinken, zu Wohnen, Tieren, Freizeit  Spenden + Helfen: bequem online spenden und beitreten  Presse + Medien: Materialien für Journalisten  Newsletter, RSS-Feeds, Unterschriftenaktionen, Protestmails und vieles mehr

Voller Einsatz

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und zwei Drittel aller Deutschen über 14 Jahre nutzen es bereits, nächstes Jahr folgen weitere vier Millionen Bürger nach. Das Internet mit Websites und E-Mail nimmt heute den Rang des wichtigsten Informations- und Kontaktmediums ein. Klarer Fall, auch der Bund Naturschutz ist im WWW präsent, mit Bayerns Naturschutzportal Nummer eins: www.bund-naturschutz.de. Das ebenso umfangreiche wie schnell nutzbare Angebot umfasst unter den Rubriken  Startseite: topaktuelle Meldungen aus dem Natur- und Umweltschutz in Bayern  Brennpunkte: alles zu den derzeit heißesten umweltpolitischen Eisen  Projekte + Aktionen: wie und wo der BN konkret Natur und Lebensqualität schützt  Fakten + Hintergründe: Interessantes zu allen Themen rund um Natur und Umwelt

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Foto: Rathgeber

Aktuell und übersichtlich Die Startseite der BN-Webpräsenz www.bundnaturschutz.de informiert zu aktuellen Umweltthemen und weist den Weg zu vielfältigen Angeboten rund um Bayerns Natur.

Das Angebot der BN-Internetseiten erfreut sich großen Zuspruchs, auch viele Neubeitritte erreichen den BN inzwischen online. Seit 2004 betreut Holger Lieber das Sachgebiet Internet im Referat für Öffentlichkeitsarbeit. Im Interesse der Nutzer optimierte er Übersichtlichkeit und Navigation, erweiterte die Website um Angebote wie Newsletter und RSS-Feeds, setzte verstärkt auf Interaktionsmöglichkeiten und sorgt seither für hohe Aktualität, zum Beispiel bei den Top-Themen und Brennpunkten. Zudem organisierte der studierte Kommunikationsfachmann Innovationen wie das neue Redaktionssystem, mit dem der Internetauftritt erstellt und

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gepflegt wird und das zu mehr Funktionalität auf der Website führt. Den Kreisgruppen erleichtert seit eineinhalb Jahren ein interner Webbereich mit praktischen Tipps und Materialien, an dessen Aufbau BNKommunikationsfachfrau Christine Stefan maßgeblich mitwirkte, die Arbeit vor Ort. Im Jahr 2004 konzipierte und betreute Holger Lieber zudem maßgeblich den Internetauftritt des Volksbegehrens »Aus Liebe zum Wald«, der sich mit zum wichtigsten Informationskanal der Kampagne entwickelte.

Regionale Präsenz Neben der Internetpräsenz des BNLandesverbandes ist auch ein Großteil der BN-Kreisgruppen mit eigenen Sites online – speziell mit den Themen, die die Menschen vor Ort bewegen. Damit deckt der BN regionale Brennpunkte gezielt ab. Die Pflege der Sites leisten Aktive der Kreisgruppen; Technik, Beratung und Schulungen übernimmt das Sachgebiet Internet. Die tägliche Arbeit von Holger Lieber bewegt sich entsprechend zwischen der organisatorischen Betreuung der Kreisgruppen-Websites, dem Koordinieren von Arbeiten an der Landessite, der Pflege von zentralen Online-Angeboten und der ständigen Weiterentwicklung der BN-Internetpräsenz. Immer mit dem Ziel, den Rang der BN-Website als Bayerns Naturschutz-Nummer eins im Internet weiter auszubauen.

Web, Wald, Wasser Holger Lieber leitet das Sachgebiet Internet. Zum Bund Naturschutz kam er im Jahr 2000 aufgrund der Liebe zur Natur seiner Heimat Niederbayern. Die frei fließende Donau und der Bayerische Wald sind seine »Seelenlandschaften«, die er auf langen Streifzügen immer wieder neu entdeckt.


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Foto: Frey

Foto: BN Service GmbH

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Foto: Wehnert

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Helden der HuS Großer Applaus für die Akteure der Haus- und Straßensammlung (HuS) des BN: Dieses Jahr konnten sie das beste Sammelergebnis aller Zeiten erreichen. Gut 670 000 Euro kamen für Bayerns Natur zusammen. Möglich ist das nur, weil sich im ganzen Land Tausende von Aktiven für die gute Sache einsetzen. Da sind zum Beispiel Waldtraud Tüpprath aus Zangberg und Josef Baumgartner aus Kiefersfelden, die mit jeweils über 3000 Euro die höchsten Beträge als Einzelsammler verbuchen konnten. Oder Yannik Haas (Foto) aus Dietmannsried, Landkreis Kempten / Oberallgäu: Der Schüler sammelte für Bayerns Natur allein über 400 Euro. Beste Schule war die Realschule Waldkraiburg mit 7900 Euro, dicht gefolgt vom Gymnasium Donauwörth mit mehr als 7700 Euro. Herzlichen Dank für dieses großartige Engagement! Damit die HuS reibungslos funktioniert, ist viel organisatorische Arbeit der Kreisgruppen und der beteiligten Lehrkräfte nötig. Schüler und erwachsene Sammler müssen motiviert, Prämien bestellt und verteilt, Hunderte von Sammelbüchsen ausgezählt werden. Warum sich die Mühe lohnt, weiß zum Beispiel Martin Hänsel von der Kreisgruppe München: »Mit der HuS finanzieren wir nicht nur Naturschutzprojekte. Wir sehen die Sammlung auch als Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass jeder etwas für unsere Umwelt tun kann.« Dass manch einer dabei richtiger Naturfan wird, freut ihn und das gesamte Team natürlich besonders.

Vorstand besucht Niederbayern

BN präsent im Nationalpark

»Die Erweiterung des National-

Der Bund Naturschutz engagiert sich seit Jahrzehnten für Nationalparke in Bayern. Ohne die BN-Aktivitäten für mehr Wildnis wären die Nationalparke Berchtesgaden / Königssee und Bayerischer Wald kaum international so anerkannt und so beliebt bei den Besuchern. Um auch vor Ort präsent zu sein, begleitet der BN zahlreiche Gäste unter fachkundiger Führung in die Wildnis des Bayerischen Waldes. Die »BN-Reisen« bieten im Rahmen der Kampagne »Fahrziel Natur« Wanderungen und naturkundliche Exkursionen an. Zudem betreibt die BN Service GmbH erfolgreich den Nationalpark-Laden im »HansEisenmann-Haus« in Neuschönau. Die beliebten Angebote – Geschenkartikel, Bücher, Infobroschüren, Wanderkarten, regionale Spezialitäten und vieles mehr – finden die Besucher seit gut einem Jahr auch im neuen »Haus zur Wildnis« in Ludwigsthal, das über eine eigene Waldbahn-Station bestens zu erreichen ist. Die Produkte entsprechen grundsätzlich dem »ökologischen Beschaffungswesen« des BN. Das heißt, sie stammen zu mindestens 80 Prozent aus der Region. Dies garantiert eine hohe Wertschöpfung vor Ort, sorgt für kurze Transportwege und Klimaschutz – und sichert Arbeitsplätze in der Region. Alle Produkte und kostenlosen Infomaterialien der NationalparkLäden können Sie übrigens auch im Internet unter www.nationalparkladen.de anschauen und bestellen. Wir liefern Bücher frei Haus. Gerne beantworten wir Ihre Fragen unter 0 91 23-9 99 57-20.

parks Bayerischer Wald ist überfällig; wer sie blockiert, schadet der Natur und schwächt die regionalen Wirtschaftskreisläufe.« Dieses Fazit zog der BN-Landesvorstand nach einer Exkursion im Nationalpark und einer Diskussion mit dem Bürgermeister von Bayerisch Eisenstein, Thomas Müller. Auf dem Programm der Vorstandsbereisung durch Niederbayern im April standen politische Gespräche ebenso wie die Besichtigung des neuen Umweltbildungszentrums »Stelzlhof« in Passau. Die BN-Kreisgruppe hat hier zusammen mit dem Ökolandbauverband Biokreis ein landwirtschaftliches Gut zu einem in Niederbayern einzigartigen Erlebnisort für Naturerfahrung, Kultur und Ökolandwirtschaft entwickelt. An Verkehrsminister Erwin Huber und die Kommunalpolitik vor Ort appellierte der BN-Landesvorstand, sich für die Reaktivierung der Ilztalbahn einzusetzen. Diese Bahnlinie führt direkt am Stelzlhof vorbei und könnte, mit einer Haltestelle versehen, dessen Attraktivität noch steigern. Als »Edelstein« unter den Schutzgrundstücken des BN bezeichnete Landesvorsitzender Hubert Weiger das Hochmoor »Roßdümpfln« bei Freyung. Es wird seit Jahren von der Kreisgruppe und ihrem Naturschutzreferenten Karel Kleijn betreut. Freuen konnte sich der Landesvorstand auch über den Erfolg der Kreisgruppe Deggendorf bei der Verkleinerung eines Flächen verschwendenden Baugebiets, welchen Kreisvorsitzender und Landesvorstandsmitglied Dieter Scherf präsentieren konnte.

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Neues Faltblatt Fordern Sie auch gleich das neue kostenlose BNFaltblatt »Wildnis für uns« über den Nationalpark Bayerischer Wald an.


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ser Hinweise noch aus Kunststoffgefäßen trinkt, muss ein großer Selbstverleugner sein. Alfred Mayer, München

Foto: Mirwald

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20 22, Fax 2 97 20 31, nu@bundnaturschutz.de

Ihr Manfred Gößwald, leitender Redakteur

Steuerbefreiung für Klimaschutz Zum Titelthema »Klimakiller – Klimaretter« in N+U 2-07 Viele Maßnahmen zum Klimaschutz, insbesondere Dämmungsarbeiten an privaten Häusern, scheitern an den hohen Kosten. Gleichzeitig verteuern wir diese Maßnahmen aber durch die Mehrwertsteuer künstlich um rund ein Fünftel. Die Mehrwertsteuer dient dazu, unsere heutigen öffentlichen Haushalte zu finanzieren, schädigt in diesem speziellen Fall aber kommende Generationen. Was spräche dagegen, genau definierte, klimaschützende Maßnahmen sofort von der Mehrwertsteuer zu befreien? Wolfgang Heindl, Unterhaching (Anmerkung der Redaktion: Wärmedämmung ist bereits heute sehr rentabel, der Erlass der Mehrwertsteuer wäre dennoch sinnvoll, um Investitionskosten zu verringern.)

Klimatipps von Lesern für Leser

Die Redaktion weist auf das neue Buch von Prof. Elling (s. Leserbrief rechts) hin, das sich auf der Grundlage der Ergebnisse der Forschung aus den letzten 25 Jahren um eine objektive Darstellung zum Thema Waldsterben bemüht: Wolfram Elling, Ulrich Heber, Andrea Polle, Friedrich Beese: Schädigung von Waldökosystemen. 2007, 59,50 Euro, ISBN 978-3-8274-1765-7.

Zum Titelthema »Klimakiller – Klimaretter« in N+U 2-07 Die Orientierung an der EU-Energieeffizienzklasse ist bei den meisten Gerätetypen nicht mehr zielführend. Das EU-Label mit seiner A-G-Skala ist total veraltet. Wer zum Beispiel nur »irgendeinen« 12erGeschirrspüler der Klasse A kauft, kann ein Gerät mit einem Stromverbrauch pro Spülgang von 0,6 kWh oder auch von 1,5 kWh – also mit dem 2,5-fachen Stromverbrauch gegenüber dem sparsamen Vergleichsgerät – kaufen. Deshalb hilft der Tipp, auf die Energieeffizienzklasse zu achten, dem Geldbeutel und dem Klimaschutz wenig. Der Tipp muss richtigerweise lauten: Vergleichen sie die genauen Verbrauchswerte! Lediglich bei Kühlund Gefriergeräten kann – noch – pauschal eine Klasse empfohlen werden: Einzig A++ ist empfehlens-

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Ihr Beitrag über den Vergleich von herkömmlichen Glühlampen und Sparlampen ist leider nicht komplett. Natürlich ist es sinnvoll, auf Sparlampen umzusteigen. Ganz außer Acht gelassen werden aber die LED-Lampen. Diese sind nochmal sparsamer als die Sparlampen. Bernhard Seidl, Weiler-Simmerberg

Waldschäden: Probleme nicht gelöst

Ich vermisse bei der Diskussion um das Sparpotenzial gegenüber Glühbirnen die Berücksichtigung des höheren Energieaufwands bei der Herstellung von Energiesparlampen. Sie bestehen aus Glas, Kunststoff und jeder Menge Elektronik. Deshalb muss eine solche Lampe erst einige Zeit laufen, bis sie den Energiemehraufwand wieder eingespart hat. Darum rentieren sie sich weder finanziell noch ökologisch in Räumen, die nur relativ selten betreten werden, wie zum Beispiel Kellerräumen. Verschiedenen kürzlichen Warentests war zu entnehmen, dass insbesondere billige NoName-Produkte die vollmundigen Versprechungen bezüglich Wirkungsgrad und Lebensdauer nicht erfüllen. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass Energiesparlampen als Sondermüll (Quecksilber!) entsorgt werden müssen. G. Fuchshuber, per E-Mail

Glasflaschen auch gesünder Zum Ratgeber »Kampf dem inneren Klimaschwein!« in N+U 2-07 In Ihrer letzten Ausgabe schlagen Sie vor, Glas-Mehrwegflaschen zu bevorzugen. Ergänzend wäre anzumerken, dass die Weichmacher in Kunststoffflaschen zu schweren Gesundheitsschäden führen können (www. arbeitsmedizin.unierlangen.de/Phthalate_Pressespiegel.html). Wer nach dem Lesen die-

Foto: fotolia

Foto: Lieber

wert, und nicht unbedingt teurer als ein A-Gerät. Bernd Schott, Stuttgart

Zum Beitrag »Die Tanne lebt« in N+U 1-07 Die Kommunikation zwischen der Wissenschaft und den Medien zum Thema »Waldschäden« ist in meinen Augen von Anfang an und bis heute misslungen. Hatte man zu Beginn der 1980er Jahre ein rasches Absterben von Wäldern auf großen Flächen befürchtet, so heißt es heute in vielen Zeitungsberichten, der Wald wachse schneller als früher (was stimmt!). Daraus wird dann häufig der Schluss gezogen, es gebe überhaupt keine Waldschäden – womöglich war alles nur eine Zeitungsente. Das ist jedoch weit von der Wahrheit entfernt und darf so nicht stehen bleiben. Speziell am Beispiel der Baumart Weißtanne wird deutlich, dass sich die intensiven Bemühungen der Umweltverbände um die Entschwefelung der Großfeuerungsanlagen (Verordnung von 1983) gelohnt haben. Stand die Weißtanne um 1980 in weiten Teilen Mitteleuropas vor dem Aus, so können wir nun seit etwa zwei Jahrzehnten eine langsame Erholung und eine deutliche Steigerung der Zuwächse feststellen. Wenn man das allerdings veröffentlicht, ohne die vorausgehende Zuwachsdepression zu erwähnen – wie es häufig geschieht – dann ist das eine Fehlinformation. Im Gegensatz zu dieser Erfolgsgeschichte gibt es aber weiterhin zahlreiche Probleme durch die Einwirkung des Menschen auf Wälder. Das gilt in Mitteleuropa besonders für die Veränderung von Waldböden durch den Eintrag von Stoffen (vor allem Stickstoffverbindungen) und für die steigende Belastung durch Ozon. So wichtig die jetzt in Gang gekommene Diskussion über die laufende Klimaänderung ist, so dürfen darüber diese nach wie vor ungelösten Probleme nicht vergessen werden. Prof. i. R. Dr. Wolfram Elling, Fachhochschule Weihenstephan


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Renate Schwäricke

Foto: Markl-Meider

Frauenpower für die Fluss-Aue Naturschutz lebt vom Gleichgewicht der Kräfte – auch der Geschlechter. Renate Schwäricke konnte mithilfe des Bundes Naturschutz ihre Ansprüche bezüglich intaktem Familienleben und wissenschaftlicher Selbstverwirklichung unter einen Hut bringen. Heute ist die Ingenieurin und Mutter aus Schrobenhausen eine bundesweit geschätzte Gewässerexpertin. Von Christoph Markl-Meider

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is zu einem gewissen Punkt spiegelt das, was Renate Schwäricke, 43, über ihre Biografie berichtet, den typischen Verlauf einer modernen Akademikerinnen-Karriere wider: Sie studiert Landschaftsplanung in Berlin und bringt gegen Ende ihrer Ausbildung das erste Kind zur Welt. Das Studium schließt sie kurz darauf noch erfolgreich ab, das zweite Kind kommt bald und die ganze Familie folgt einem aussichtsreichen Jobangebot an den Familienvater, ebenfalls Ingenieur. Renate Schwäricke landet im oberbayerischen Schrobenhausen. Dort gebe es rundherum zwar »eine paradiesische Landschaft«, wie die von der Großstadt nicht verwöhnte Naturliebhaberin erkennen muss, aber wenig berufliche Aussichten für eine frischgebackene Landschaftsplanerin samt Anhang.

Lebenslanges Lernen »Ich hatte Angst, dass mein Kopf verstaubt«, beschreibt sie ihre anfänglichen Sorgen in der neuen Heimat. Doch statt sich dem ländlichen Schicksal einer auch beruflichen Abgeschiedenheit zu ergeben, nimmt sie – im Einklang mit ihrer Überzeugung vom lebenslangen Lernen – ein Fernstudium der Umweltwissenschaften an der Universität Rostock auf. Bei der Suche nach einem Thema für ihre Diplomarbeit landet sie schließlich beim Bund Naturschutz. Sie greift einen Brennpunkt im lokalen Umweltschutz auf: Es geht um das »Goachat«, eine ökologisch wertvolle Landschaft an der Paar. Die für den Hochwasserschutz bedeutende Fluss-Aue soll von der Südwesttangente, einer Straßentrasse, durchschnitten werden. Schwäricke zeigt an diesem Beispiel den Widerspruch zwischen übergeordneten Zielen der Landespolitik und der kommunalen Planungshoheit auf – und ist ab sofort eine gefragte Expertin in Sachen vorbeugendem Hochwasserschutz. Doch nicht nur das fachliche, auch das soziale Feedback bestärkt die versierte Wissenschaftlerin in ihrem

Engagement im BN, das von ihrem Ehemann wo immer möglich unterstützt wird. Gemeinsam mit drei weiteren Ingenieurinnen organisiert sie in der benachbarten BN-Kreisgruppe Pfaffenhofen das Grüne Klassenzimmer, ein breit gefächertes Angebot praktischer Umweltpädagogik für Schulen und Kindergärten. In Schrobenhausen betreut sie eine BN-Kindergruppe und startet eine Reihe weiterer Projekte für Kinder und Jugendliche – zuletzt im Rahmen der überregionalen Aktion »3 Tage Zeit für Helden«. Statt eines abgeschirmten Biotops plant Schwäricke dabei zusammen mit einer BN-Kollegin am Rande eines Neubaugebiets einen Spielplatz der Natur, das »Spielotop«, das von den Jugendlichen selbst realisiert wird.

Will nicht nur »nörgeln und nölen« »Ich möchte aus meiner Ausbildung etwas machen – und das kann ich im Bund Naturschutz«, sagt die Landschaftsplanerin und Umweltwissenschaftlerin Renate Schwäricke aus der Ortsgruppe Schrobenhausen.

Im Grünen Klassenzimmer Entscheidend ist für sie, dass der BN nicht immer nur in der Rolle des Kritikers wahrgenommen wird. Denn unbeliebt, so weiß sie aus eigener Erfahrung, mache man sich in den Fachfragen schon oft genug. Zum Beispiel, als sie im Frühling dieses Jahres nach einer brutalen Baumfäll-Aktion Alarm schlägt. »Wo früher ein Urwald die Paar-Idylle prägte«, schreibt die Schrobenhausener Zeitung, »springt dem Betrachter jetzt eine kahle Rodungsfläche ins Auge.« 170 Bäume fallen der »Uferpflege« des Wasserwirtschaftsamtes zum Opfer – noch dazu auf geschützten FFH-Flächen. Schwäricke lässt sich in ihrer Kritik nicht beirren, doch »erst nachdem mich das ZDF interviewt und das Bayerische Fernsehen über den Fall berichtet hat, werde ich in den Ämtern ernst genommen«, erzählt die Umweltwissenschaftlerin. Ganz anders im Bund Naturschutz: Dort beruft man sie schon bald in den bayernweit aktiven Arbeitskreis Wasser, sie wird Landes- und später Bundesdelegierte. »Für mich«, bilanziert Renate Schwäricke zufrieden, »bietet die Naturschutzarbeit die Chance, meinen Traum von einer grünen Existenz und einer Existenz im Grünen zu verwirklichen.« »Mein Aha-Erlebnis«, ergänzt sie, »war eine Bootsfahrt auf der Paar: Endlich konnte ich all die Tiere und Pflanzen, die ich in meinen fachlichen Stellungnahmen immer brav aufgezählt hatte, leibhaftig erleben.«

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Kontakt Renate Schwäricke, BN-Ortsgruppe Schrobenhausen, 86561 AresingRettenbach, Beinberger Str. 2a


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Umweltfreundlicher Schulbeginn

Wenn sich ABC-Schützen und Schüler rüsten, muss es keine Materialschlacht geben. Bewusster Einkauf entlastet die Umwelt – und schafft frühes Öko-Bewusstsein.

Ökologie im Ranzen Umweltfreundliches Schulmaterial erkennen Sie leicht am Blauen Engel. Grundsätzlich gilt: Möglichst keine Kunststoffe und Lacke. Oft enthalten sie gesundheits- und umweltschädliche Stoffe. Das gilt für Schultasche, Federmäppchen und Schnellhefter, Lineal, Spitzer und Brotzeitbox, besonders aber für Füller, Stifte und Pinsel. Denn auf ihnen kauen Kinder gerne herum. Der Füller sollte nachfüllbar sein. Patronenfüller lassen sich mit einem Konverter nachrüsten. Filzstifte und Tintenkiller sind zwar oft besser als ihr Ruf, doch sie verwandeln sich schnell in Plastikmüll. Schulhefte sollten grundsätzlich aus 100-Prozent-Altpapier bestehen.

Die gute alte Tüte Zu einem gelungenen Start ins Schülerdasein gehört die Schultüte. Außer ein paar Lieblingsleckereien sollte sie vor allem Schönes, Nützliches und Lustiges für den Schulalltag enthalten. Zum Beispiel Mal- und Bastelsachen, eine lustige Brotzeitbox und Trinkflasche. Auch ein Hörbuch oder Gutscheine für Kino oder Zirkus können den Schulbeginn deutlich »versüßen«, ohne gleich den Öko-Schuh zu drücken.

Rat holen, nachlesen  Die vielfältigen umweltfreundlichen Schulmaterialien der BN Service GmbH finden Sie unter: www.service.bundnaturschutz.de, einige Beispiele gleich auf diesen Seiten.  Umfangreiche Broschüre zum Download bei www.stiftung-naturschutz.de, Tel. 0 30 -2 63 94- 0

BN Service GmbH Gut informiert sein, besser reisen – am besten mit der BN Service GmbH: Diesmal schöne Angebote für alle, die es auch in Schule und Büro gern individuell und umweltgerecht haben. Holzetui mit Holzkugelschreiber

Notizblock mit Astholzbleistift

Das Etui besteht aus unbehandeltem Buchenholz. Der Kugelschreiber ist ebenfalls aus Buche natur und schutzlackiert. Das Holz ist FSC-zertifiziert, das heißt, es wird mit Rücksicht auf Natur und Menschen und ohne Raubbau gewonnen. 5,70 Euro

Der DIN-A5-Block besteht aus 50 Blatt 100-Prozent-Recyclingpapier, dezent bedruckt mit zweifarbigem BN-Motiv und Logo. Dazu gibt es einen wunderschönen Astholzbleistift mit BN-Logo. 3,50 Euro

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 Umwelttipps des BUND in Kooperation mit Karstadt und dem Umweltbundesamt bei www.clemens-clever.de  Initiative 2000plus fördert Recyclingpapier in Schulen: c/o Pro Regenwald, Frohschammerstr. 14, 80807 München, Tel. 0 89-3 59 86 50, papier@wald.org  Online-Einkaufshelfer Recyclinghefte: wald.org/aktiv/ini2000p/such_ini.php

Paper-Pen Die Alternative zum Wegwerf-Kuli! Kugelschreiber-Hülle aus farbiger Recycling-Pappe, verklebt mit Milchsäure-Kasein – ganz ohne Kunststoff! Steckmine austauschbar! Wetten, Pappe ist robuster, als Sie denken?! 0,30 Euro

Trockentextmarker und Rundholzbleistifte Das Holz der gelben Marker und der Bleistifte stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, die Stifte werden in europäischer Markenproduktion gefertigt. Die Produkte bleiben ganz bewusst naturbelassen, unlackiert. Marker 1,35 Euro, Bleistifte 0,33 Euro

Illustrationen: Wesner

Grün, grün, grün sind alle meine Schreiber


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Apfelbrot statt Abfallbrot Pausebrote landen viel zu oft im Kühlschrank oder Müll. Das bekommt weder der Entwicklung des Kindes noch der Umwelt. Das beste Rezept dagegen: Nie zu viel mitgeben und immer eine leckere Überraschung! Schon aus Ernährungssicht ist Abwechslung nötig: Apfel- oder Karottenscheiben aufs Brot, eine Handvoll Studentenfutter, ein paar Cocktailtomaten, Weintrauben oder Paprikastücke machen aus ewigem Einerlei eine bunte und gesunde Leckerei. Dazu gibt es am besten Tee, Wasser, Apfelschorle oder nicht zu saure Säfte in der eigenen Flasche. Wenn das Ganze aus ökologischem Landbau stammt, schmeckt’s noch mal so gut.

Lohnende Schulaufgaben Zehn Tipps für den umweltfreundlichen Alltag:  Ist schneeweißes Papier doch mal nötig: nur chlorfrei gebleichtes kaufen.  Füllertinte nur in Schwarz oder Blau. Andere Farben können problematische Stoffe enthalten.  Malstifte ohne Schwermetalle erfüllen die Norm DIN EN 71.  Eingetrocknete Filzstifte nicht wegwerfen, sondern mit Essig auffrischen.  Oder gleich nachfüllbare Filzstifte auf Wasserbasis verwenden.  Bei Malkästen mit austauschbaren Näpfen können Sie die Farben einzeln nachkaufen.  Klebstoffe auf Wasserbasis oder Klebestifte genügen.  Mäppchen, Taschen und Behälter müssen robust genug für den Schulalltag sein.  Brotzeitbox und Flasche möglichst aus Edelstahl und mit Namen beschriftet.  Stabile PET-Pfandflaschen können Sie gut wieder befüllen.

Holzspitzer

Der Königsweg: gemeinsame Sachen Gehen Sie mit Ihrem Kind einkaufen. Sie können dabei am besten erklären, warum und wo es umweltfreundliche Schulsachen gibt. In höheren Klassen lässt sich daraus ein Umweltprojekt basteln: Die Schülerinnen und Schüler müssen selbst herausfinden, wo es die besten und günstigsten Öko-Produkte gibt. Dann erstellen sie einen Einkaufsführer, der auf die Homepage der Schule gestellt oder in den Klassen verteilt wird. Solche Projekte wirken sich spürbar auf das Sortiment der Schreibwarenhändler aus! Gibt es vor Ort keine ÖkoWare, können Sie sich mit den anderen Eltern zusammentun und Sammelbestellungen über Versandhandel oder Internet organisieren.

Hausaufgabenheft

Aus naturbelassenem Buchenholz. Mit zwei »Einschüben« für Stifte bis 7 mm und für Stifte mit 10 mm Durchmesser. 1,75 Euro

64 Seiten DIN-A5, 100-ProzentRecyclingpapier 1,85 Euro

Holzlineal mit Radiergummi

Schulhefte

Lineal aus unbehandeltem Holz mit gerundeter Kante und Metalleinlage, Maßeinteilung und Bohrung, Länge: 30 cm. Der Radierer wird aus PVC- und Phthalat-freiem Synthetik-Kautschuk hergestellt. 1,65 Euro

Aus tintenfest geleimtem Recyclingpapier, mit eingelegtem Löschblatt. DIN-A4, 16 Blatt. Kariert mit weißem Rand oder liniert mit weißem Rand. 0,60 Euro

Dies ist nur ein kleiner Auszug aus unserem Angebot an Schulmaterial. Weitere Artikel finden Sie in unserem Webshop unter www.service.bund-naturschutz.de

Bestellen Sie hier! BN Service GmbH, Bahnhof Lauf (links Pegnitz), Eckertstr. 2, 91207 Lauf a. d. Pegnitz, Tel. 0 91 239 99 57-20, Fax 0 91 23 -9 99 5799, info@ service.bundnaturschutz.de

www.service.bund-naturschutz.de


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Wachs t

Fotos: Thomas Stephan

S T A R T- U P - U N T E R N E H M E N

PRODUKTION


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K R E I S L AU F W I RTS C H A F T

s tum ist endlich KONSUM

Unendliches Wachsen gibt es nicht. Nicht in der Natur, nicht auf der Erde, nicht in der Wirtschaft, der nun mal irdische Grenzen gesetzt sind. Wo man diese Grenzen missachtet, aus Kreisläufen ausbricht, mehr Ressourcen verbraucht als sich erneuern, da leiden Umwelt und Mensch. Der Klimawandel zeigt’s. Kaum eine allseits bekannte Wahrheit aber wird so fröhlich ignoriert wie die Grenzen des Wachstums. Medien bejubeln unkritisch das neue »deutsche Wachstumswunder«. Und, zugegeben, auch wir sind oft versucht, angesichts endlich sinkender Arbeitslosigkeit auf weiterhin positive Konjunkturprognosen zu hoffen. Und dabei das blaue Wunder zu verdrängen, das die Umwelt erlebt. Aber warum braucht unsere Wirtschaft eigentlich Wachstum? Welche Wege aus der Wachstumsfalle zeigt uns die Natur? Welche Rolle spielt das Geld, wie können unsere Ersparnisse in Richtung Nachhaltigkeit wirken? Und schließlich: Wenn mal was nicht wächst – wie die deutsche Bevölkerung – müssen wir dann wirklich gegensteuern? Fragen von wachsender Bedeutung, unsere Autoren geben Antworten. (göß)

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VON DER SONNE LEBEN

IN LEBENSZYKLEN DENKEN

Die Natur weist den Weg zu vertretbarem Wirtschaften

Wohlstand schaffen ohne Wachstum Wirtschaftswachstum gehört zu den zentralen Glaubenssätzen moderner Marktwirtschaften. Doch als Oberziel der Wirtschaftspolitik greift der Begriff viel zu kurz. Hier müssen endlich Prinzipien der Natur und ökol0gisch-soziale Standards berücksichtigt werden.

Foto: Roggenthin

W Der Autor Hubert Weiger, 60, ist Landesvorsitzender des Bundes Naturschutz. Bereits 1975 schrieb er im N+U-Vorläufermagazin »Blätter für Naturschutz« einen wegweisenden Beitrag zu den Grenzen des Wachstums.

irtschaftswachstum wird von fast allen Politikern als Schlüssel zu weiterem Fortschritt und zur Lösung dringender Probleme, allen voran der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Armut, gepriesen. Allerdings wird Wirtschaftswachstum spätestens seit der Diskussion des Club of Rome in den 70er Jahren um die »Grenzen des Wachstums« (siehe Kasten und S. 16) immer mehr als Ursache gravierender Umweltund Gerechtigkeitsprobleme erkannt. Wenn gemeinhin von Wirtschaftswachstum gesprochen wird, ist damit der jährliche Anstieg des realen, das heißt inflationsbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Prozentpunkten gemeint. Konstante prozentuale Wachstumsraten, beispielsweise ein zweiprozentiger Anstieg des BIP pro Kopf und Jahr, bedeuten, dass der Anstieg in absoluten Zahlen immer größer wird. Bei zweiprozentiger Wachstumsrate würde sich das Volumen der Wirtschaft in 35 Jahren verdoppeln. Auch wenn das BIP pro Kopf als Durchschnittsgröße noch nichts über die Verteilung des in Geldeinheiten gemessenen Wohlstandes aussagt, so ist es weithin als Näherungswert für den Wohlstand einer Gesellschaft anerkannt. Gedacht wird in der Formel: individueller materieller Konsum = individuelles Glück. Die moderne Glücksforschung belegt jedoch, dass materieller Wohlstand als Maß dafür, wie zufrieden ein Mensch ist, viel zu kurz greift, wenn ein gewisses Existenzminimum gesichert ist. Wohlstandssteigerung für alle, nicht Wachstum, sollte das Oberziel einer ethisch vertretbaren Politik sein. Neben materieller Wohlfahrt sind gerade auch immaterielle Werte wie zum Beispiel die Schönheit einer Landschaft, das Baden in sauberen Flüssen und Bächen oder ein Zur-Ruhe-Kommen in unberührter Natur nicht in Euro aufzuwiegen.

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Von der Natur lernen Das Festhalten am Ziel des Wirtschaftswachstums hat fast vollständig vergessen lassen, dass Wachstum per se kein Selbstzweck ist, dass gut leben mehr ist als viel haben. Es gilt daher, hierüber eine Debatte zu führen und zu verdeutlichen, dass Umwelt, Ökologie und Soziales kein Luxus sondern Überlebensnotwendigkeit sind, dass wir endlich Maß nehmen müssen in unserem Wirtschaften, uns am Vorbild des Wirtschaftens der Natur orientieren müssen. Was können wir von ökologischen Systemen lernen, wo müssen wir umdenken?  Von der Sonne leben: Wirtschaften in der Natur heißt Sonnenenergienutzung über grüne Pflanzen als »Produzenten« und Weiternutzung über die »Konsumenten«. Alles was stirbt wird genutzt, es wird zersetzt über die »Destruenten« und steht dem Kreislauf wieder zu Verfügung. Die derzeitige Nutzung fossiler Ressourcen wie Kohle, Öl und Gas, aber auch die Atomenergie sind durch eine solare Kreislaufwirtschaft zu ersetzen.  In Lebenszyklen denken: Bereits bei Produktionsbeginn muss an die Wiedernutzung eines Produktes gedacht werden. Die Reparatur kostet heute im Regelfall mehr als die Neubeschaffung. Die Wegwerfgesellschaft ist wegen ihrer Ressourcenvernichtung und Energieverschwendung nicht zukunftsfähig.  Das Prinzip Vielfalt beachten: Die Natur kennt nur auf wenigen Sonderstandorten Monokulturen, ansonsten herrscht das Prinzip der Vielfalt. Viele Unternehmungen sind die Garanten eines sicheren Systems, nicht einige wenige monopolistisch organisierte Großstrukturen.  Auf Kooperation setzen: Ein Prinzip der Natur heißt zwar auch Konkurrenz. Aber dieses Prinzip ist gekoppelt mit dem Prinzip der Kooperation. Wir sind deshalb


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Die Grenzen des Wachstums Unter diesem Titel veröffentlichte der US-amerikanische Ökonom Dennis L. Meadows 1972 eine vom »Club of Rome« beauftragte Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft. Meadows ermittelte, erstmals per wissenschaftlicher Systemanalyse und Computersimulation, das Systemverhalten der Erde als Wirtschaftsraum bis zum Jahr 2100. Die Analyse ergab, dass ohne drastische Maßnahmen der Gegensteuerung Bevölkerungsund Produktionswachstum durch Rohstoffverknappung und Umweltzerstörung ein Wachstum zum Tode bedeuten würden. Bis heute sind von diesem Buch über 30 Millionen Exemplare verkauft worden (siehe »Literatur«, Seite 22). 1975 ehrte der Bund Naturschutz Meadows mit dem Bayerischen Naturschutzpreis und würdigte damit seine bahnbrechende Leistung für das Erkennen globaler Umweltprobleme.

D A S P R I N Z I P V I E L F A LT B E A C H T E N

Große Potenziale Allein durch den Einsatz von Effizienz-Techniken können wir zum Beispiel ohne Verzicht auf Komfort bei gleichem Wohlstand und bei wesentlich mehr Arbeitsplätzen den Energieverbrauch um die Hälfte reduzieren. Wir können sehr wohl die Schaffung von Arbeitsplätzen mit einer Umweltentlastung verknüpfen. Dies wäre echter Fortschritt, wenn wir nur endlich die entsprechenden Rahmenbedingungen richtig setzen. Dies heißt, dass sich die Umweltverbände auf deutscher, auf europäischer und auf globaler Ebene für das Prinzip der ökologisch-sozialen Marktwirtschaft einsetzen müssen. Eine der wichtigsten Initiativen zum Thema ökologisch-soziale Marktwirtschaft haben der frühere österreichische Vizepräsident Franz Riegler und der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler gemeinsam mit dem deutschen Wirtschaftswissenschaftler Franz Josef Radermacher ergriffen, nämlich die »Global Marshal Plan Initiative«. Deren Ziel ist es letztendlich, durch Umschichtung entsprechender Fördergelder den Ärmsten der Welt zu helfen und gleichzeitig weltweite Rahmensetzungen für ein gerechteres Wirtschaften durchzusetzen (siehe »Literatur«, Seite 22, Infos im Web unter www.globalmarshallplan.org).

Öko-soziale Schlüsselprojekte Die Globalisierung der Märkte und die daraus resultierende Zunahme der Umweltzerstörung erfordert eine europäische und weltweite Durchsetzung sozialer und ökologischer Mindeststandards. Das WTO-Handelsabkommen muss dringend um entsprechende Kriterien erweitert werden. Als Antwort auf die zunehmende Globalisierung und die damit einhergehende weltweite Kapitalverflechtung und Aushebelung nationaler Entscheidungskompetenzen ist die Idee des Regionalismus fortzuentwickeln. Dieser sichert überschaubare Strukturen, erhält regionale Wertschöpfung und sichert damit Arbeitsplätze gerade auch in ländlichen Regionen. Schlüsselprojekte zur Erreichung einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft sind damit unter anderem:  der Abbau offener und verdeckter Subventionen  die Fortführung einer ökologischen Steuerreform  die Etablierung von strengeren Haftungsregelungen  die Umorientierung der Wettbewerbspolitik auf Ziele der Ökologie und der Ressourceneffizienz Der Bund Naturschutz Landesvorstand will mit diesem Schwerpunktheft der Natur+Umwelt eine Grundsatzdiskussion über Grenzen des Wachstums im Ressourcen- und Energieverbrauch, beim Flächenverbrauch wie bei der Weltbevölkerung anstoßen. Wir freuen uns auf Leserbeiträge, die konkrete Wege aus der Wachstumsfalle aufzeigen. Prof. Dr. Hubert Weiger

Vielen Dank Zur Illustration unseres Titelthemas stellten uns drei der bekanntesten Karikaturisten Deutschlands ihre Werke zur Verfügung. Horst Haitzinger, Dirk Meissner und Freimut Woessner. Die Redaktion sagt danke!

Illustration: Meissner

gut beraten, das Prinzip der Konkurrenz nicht zum allein selig machenden Prinzip zu erklären. Weil es dann nämlich ein zerstörerisches Prinzip ist. Denn gerade hochkomplexe symbiotische kooperative Systeme der Natur sind am stabilsten. Was heißt das für uns ganz konkret? Es bedeutet, dass wir in einer Zeit von über vier Millionen Arbeitslosen gefordert sind, endlich Systeme zu entwickeln, durch welche die Umwelt entlastet wird und gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen werden. Als hoch entwickeltes Land haben wir dabei größte Potenziale, Stichwort Energiepolitik. Wenn die politischen Rahmenbedingungen so verändert werden, dass sich Energieverschwendung nicht mehr rentiert, werden zahlreiche dezentrale, das heißt häufig auch handwerklich organisierte Sektoren der Wirtschaft wachsen, wenige zentrale Sektoren mit erheblich weniger Arbeitsplätzen dagegen empfindliche Einbußen hinnehmen müssen.

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Flächenverbrauch, Ausverkauf der Heimat

Wachstum mindert Lebensqualität Nach dem Krieg brachte Wirtschaftswachstum Wohlstand. Die Zeiten sind vorbei. Längst müssten wir umsteuern auf eine Wirtschaft ohne Wachstum, doch hohe Ansprüche auf Kapitalrendite verhindern das.

E

s ist unbestritten, dass der wirtschaftliche Aufschwung in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Lebensverhältnisse der Menschen in Europa erheblich verbessert hat. Das gilt in besonderem Maße für das »Wirtschaftswunderland« Westdeutschland, in dem dank starker und engagierter Gewerkschaften nahezu alle am Aufschwung teilhaben konnten. Aber auch im Osten Europas, wo die Wirtschaft staatlich gelenkt wurde, verbesserten Entwicklung und Wachstum die Lebensbedingungen der Menschen deutlich. In der Bundesrepublik war Wirtschaftswachstum die Zauberformel für eine glückliche Zukunft, auf die man sich verlassen konnte. Es wurden Anschaffungen gemacht, die man sich eigentlich noch gar nicht leisten konnte, auf Pump, im Vertrauen auf stabiles und stetig steigendes Einkommen.

Gesetz fordert Dauerwachstum

Düstere Prognosen Angesichts dieser Probleme setzten sich verantwortlich denkende Wissenschaftler, Politiker und Wirtschaftsführer, die sich 1968 zum »Club of Rome« zusammengeschlossen hatten, zum Ziel, die wirtschaftliche, politische, ökologische, soziale und demografische Situation der Menschheit zu erforschen. Ihr erster Bericht erschien 1972 unter dem Titel »Die Grenzen des Wachstums« (Seite 15). Er stellte der Menschheit düstere Prognosen aus, konnte aber weder aufrütteln noch eine Änderung einleiten. Sicher hat der technische Umweltschutz in den seither vergangenen über 30 Jahren dazu beigetragen, dass in einigen Gegenden die Luft wieder reiner, die Flüsse und Seen wieder sauberer wurden. Technischer Umweltschutz wurde zum viel gelobten Beitrag zum Wirtschaftswachstum in unserem Land, ebenso wie neue

Illustration: Woessner

Der »Kaufrausch« der Bundesbürger brachte die Konjunktur in Schwung, so sehr, dass sich nach erheblichen Preissteigerungen in den Jahren 1965 und 1966 die Bundesregierung zum Eingreifen genötigt sah. So entstand 1967 das »Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft«. Dort heißt es in § 1: Bund und Länder haben bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten. Die Maßnahmen sind so zu treffen, dass sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht

bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen. Der Staat muss nach diesem Gesetz bremsen, wenn die Konjunktur zu heiß wird, er muss aber auch mit geeigneten Maßnahmen dafür sorgen, dass die Wirtschaft stetig wächst. Zur gleichen Zeit, als dieses Gesetz erlassen wurde, konnten aber auch die Probleme des Wirtschaftswachstums nicht mehr übersehen werden. Dicke Luft, stinkende Flüsse und Seen, Müllberge waren die für jedermann erkennbaren üblen Auswirkungen der Konjunktureuphorie. Etwas stiller, aber umso dramatischer setzte der Artenschwund ein, das Aussterben von Tieren und Pflanzen, in einem Ausmaß, das es zuvor nur durch externe Katastrophen gegeben hatte.

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Wirtschaftswachstum und Arbeitnehmereinkommen Deutschland 1991 bis 2004

Zahl landwirtschaftlicher Betriebe in Bayern, 1970 bis 2005

Flugreisende in Deutschland, 1995 bis 2005 Millionen

Index 300.000

150

120

146 Mio. 115

250.000 Bruttoinlandsprodukt real (preisbereinigt)

reale Nettolöhne je Arbeitnehmer (preisbereinigt)

90 0 1993

1995

1997

1999

2001

2003

2005

92 Mio.

150.000

50

0

und verbesserte Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien und zur effizienteren Energienutzung. Die grundsätzlichen Probleme der wachsenden Wirtschaft sind aber in keiner Weise gelöst, die Globalisierung der Wirtschaft hat auch die Probleme globalisiert. Der Klimabericht der Vereinten Nationen zeigt, wie groß die Probleme, die unsere wachsende Wirtschaft verursacht, schon sind.

Überholtes Dogma Dennoch ist Wachstum nach wie vor das unangefochtene Dogma der Wirtschaft. Auch in unserem Land tun Regierung und Politik alles, um getreu dem Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft für »angemessenes« Wirtschaftswachstum zu sorgen und verweisen stolz auf Wachstumserfolge. Und das, obwohl die Probleme bekannt sind oder bekannt sein müssten:  Weiteres Wirtschaftswachstum trägt, nachdem wir einen hohen Standard erreicht haben, nicht mehr zur Verbesserung unserer Lebensverhältnisse bei. Im Gegenteil: Wachsende Belastungen durch Flächenverbrauch, Verkehr und Massengesellschaft, damit schwindende Rückzugs- und Erholungsräume, mindern die Lebensqualität in unserem unmittelbaren Lebensumfeld.  Wirtschaftswachstum trägt nicht mehr zur sozialen Sicherheit und zum sozialen Frieden bei. Im Gegenteil: Bei stetig wachsender Wirtschaft sind Millionen Arbeitsplätze verlorengegangen, die Schere zwischen Arm und Reich hat sich immer weiter geöffnet. Dass im Moment bei gesteigerter Konjunktur wieder etwas mehr Menschen bezahlte Arbeit finden, ändert am Grundproblem nichts.  Nach wie vor zerstört die Art der Weltwirtschaft mit ihrem Drang zum Wachstum die Lebensgrundlagen in unserem Land und weltweit. Technischer Umweltschutz konnte auch dort, wo er wirksam wurde, den Artenschwund nicht bremsen. Effizienzsteigerung kann den Ausverkauf der Ressourcen und die zerstörerische Belastung der Umwelt nicht verhindern, bestenfalls verzögern.

1995

2000

2005

Quelle: www.destatis.de

95

Quelle: Statistisches Bundesamt

100

1991

200.000

100

105

100.000 50.000 0 1970

1980

1990

ren? Das Maß für die Wirtschaftsleistung in einem Land ist das Bruttoinlandsprodukt BIP, der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres produziert und geleistet werden. Die Wirtschaft wächst, wenn jedes Jahr mehr produziert und geleistet wird. Die Produktionsfaktoren sind im Wesentlichen Rohstoffe, Kapital und Arbeit. Dabei hat das Gewicht des Kapitals in den letzten Jahren erheblich zugenommen, ein immer größerer Teil des erwirtschafteten Inlandsprodukts muss für Kapitalkosten aufgewendet werden. Das äußert sich darin, dass die Summe der Kapitaleinkommen in unserem Land weit über der Summe aller Arbeitseinkommen liegt. Vermögen wachsen durch Zinsen und Renditen exponentiell, damit steigen die Kapitalansprüche von Jahr zu Jahr, mittlerweile schneller als die Wirtschaftsleistung. Um Kapitalansprüche auf Dauer befriedigen zu können, muss die Wirtschaft auf Dauer wachsen – nicht mehr wachsende Wirtschaft wäre das Ende der Kapitalrendite. Nur quantitatives Wachstum sichert die weitere Kapitalrendite. So lange Kapitalansprüche in der heutigen Form befriedigt werden müssen, ist die Vorstellung eines Umsteuerns vom quantitativen auf ein qualitatives Wachstum Illusion. Alle Appelle, zu einem Lebensstil zu finden, der unsere Erde auch künftigen Generationen lebenswert erhält, bleiben in den Wind gesprochen, so lange das Weltwirtschaftssystem zu ständigem Wirtschaftswachstum zwingt. Alle gut gemeinten Vorschläge, was man tun könne und was man lassen solle, helfen wenig, so lange man versucht, die heilige Kuh »Wachstum« mit Attributen wie »qualifiziert« oder »nachhaltig« zu besänftigen, so lange man sich nicht mit den Grundsätzen und den Triebfedern unseres Wirtschaftssystems auseinandersetzt und hier nach Lösungen sucht, die ohne allzu große wirtschaftliche, soziale und internationale Verwerfungen aus der Wachstumsfalle führen. Das Ziel muss sein, der Menschheit eine weiterführende Entwicklung ohne Wachstum des Gesamtwirtschaftsvolumens zu ermöglichen. Dieter Scherf

Kapitales Problem Warum aber muss die Wirtschaft wachsen? Warum kann nur kräftiges Wirtschaftswachstum verhindern, dass immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlie-

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1999

2005

Foto: Roggenthin

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123 Mio.

Der Autor Dieter Scherf, 66, ist Mitglied des BN-Landesvorstandes und Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Deggendorf.

Quelle: Bayer. Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten

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Moderater Bevölkerungsrückgang entlastet die Umwelt

Der demografische Wandel – eine Chance! In der Debatte um Deutschlands demografischen Wandel kommt die Ökologie nicht vor. In der Ökologiedebatte ist die Bevölkerungsentwicklung kaum ein Thema. Ein persönlicher Diskussionsbeitrag zu einer fehlenden Diskussion.

Foto: privat

A

Der Autor Ernst Böckler, 62, ist Mitglied des BN-Landesbeirats und Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Rosenheim.

lle Welt beschäftigt sich mit dem demografischen Wandel. Den einen sind es zu viel Alte, den anderen zu wenig Junge, für die einen sterben die Deutschen aus, für die anderen gibt es zu wenig Zuwanderer. Und während seit Jahren von verschiedensten Seiten das Thema der Bevölkerungsentwicklung und die damit zusammenhängenden Probleme für Wirtschaft und Soziales verkürzt präsentiert werden, spielt die ökologische Betrachtung in dieser öffentlichen Debatte so gut wie keine Rolle. Dabei gibt es doch ein inzwischen weit verbreitetes Bewusstsein für die uns zur Verfügung stehenden Lebensgrundlagen, für die ökologischen Zusammenhänge zwischen Populationen und ihren Lebensräumen und für die von der menschlichen Gesellschaft verursachten Natur- und Umweltzerstörungen. Aus der Diskussion um die Themen Klimawandel, Energieversorgung, Lebensstandard und Lebensqualität, Regionalwirtschaft, ökologische Land- und Forstwirtschaft, Minimierung der energieintensiven Transportwirtschaft und nicht zuletzt Artenschutz und Biodiversität wird die Frage der Bevölkerung geradezu ausgeklammert zugunsten einer Debatte allein um Lebensstandard und technische Innovation. Die Bevölkerungsfrage mag als globales Problem gerade noch wahrgenommen werden, wenn es aber in die Betrachtung der Länder, gar der Regionen dieser Erde und erst recht der Staaten der »ersten Welt«, also der industriell entwickelten Staaten geht, herrscht Schweigen!

Bevölkerungswachstum weltweit 1950 bis 2050

Angst vor Veränderung In all diesen Ländern aber schrumpfen – mehr oder weniger – die im Zuge der Industrialisierung seit circa 150 Jahren explodierten Bevölkerungen. Der Alterungs- und Schrumpfungsprozess wird genährt durch hohen Lebensstandard mit hoher wirtschaftlicher Produktivität und erfolgreichen Gesundheitssystemen, wobei gleichzeitig aus vielerlei Gründen, zum Beispiel wegen der Berufstätigkeit der Frauen, die Geburtenraten zurückgehen. Diese Staaten treibt die Angst vor Veränderung um und lässt sie um ihre wirtschaftliche Macht und um die Funktion ihrer herkömmlichen Sozialsysteme fürchten. Anders ist die Furcht nicht erklärbar, die in Medien und Politik fast täglich angesichts des demografischen Wandels geschürt wird. Die Länder der »ersten Welt« sind weiter von einer hohen Besiedelungsdichte auf der jeweils überhaupt besiedelbaren Fläche gekennzeichnet. Statt aber die Vorteile einer moderat sich vollziehenden Verringerung der Besiedelungsdichte zu erkennen, die jetzt für mannigfaltige Umweltbelastungen verantwortlich ist, wird mit Geburtenförderungs- und teilweise mit Zuwanderungspolitik gegen eine solche allmähliche, friedliche, weder durch Kriege noch durch Epidemien ausgelöste Verringerung der Bevölkerung zu Felde gezogen.

Auf großem Fuße Dabei gilt es darüber intensiv nachzudenken, wie die ökologische Belastung der Erde gerade durch Beiträge der Länder mit dem größten »ökologischen Fußabdruck« reduziert werden kann. Eine Verringerung der Bevölkerungsdichte gerade in den hochentwickelten Staaten kann damit einen höheren Gesamtentlastungseffekt erzielen. Das heißt, die Bevölkerungsdiskussion richtet sich nicht nur an die Adresse der Ent-

Bevölkerungsdichte ausgewählter Staaten, in Einwohner pro Quadratkilometer

Bevölkerung in Mrd. 10

Flächennutzungsentwicklung Bayern 1980 bis 2005 Index 1980 = 100 140

Bangladesch 1025

hohe Wachstumsprognose

Siedlungs- und Verkehrsfläche

Japan 337

8

130

mittlere Wachstumsprognose Deutschland 231

120

China 136 Frankreich 112

4

110

0 1950

1970

1990

2010

18

2030

2050

Russland 8 Erde 48 (Landflächen ohne Grönland und ohne Antarktis)

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400

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Quelle: Wikipedia

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Quelle: UN/DESA

USA 31 100

Landwirtschaftsfläche

90 1980

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Quelle: Bayer. Umweltministerium

niedrige Wachstumsprognose

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wicklungsländer mit ihren steigenden Bevölkerungszahlen, sondern gerade auch an die Adresse der Länder der »ersten Welt«! Die Vorstellung, eine Reduzierung unseres Lebensstandards – durchaus nicht dasselbe wie Lebensqualität –, eine Umstellung auf eine ökologisch nachhaltige Energieversorgung und sonstiges »Wohlverhalten« unsererseits gegenüber der uns umgebenden und tragenden Natur reiche zur Sicherung von Biodiversität und menschlichem Leben auf der Erde aus, ist naiv. Die Besiedelungsdichte sowohl global wie jeweils regional muss der ökologischen Tragfähigkeit entsprechen. Dies ist gewiss eine schwierige Abwägung, die vor allem davon abhängig ist, wie hoch und auf welchem technischen Niveau der jeweils bezügliche Lebensstandard ist. Es lässt sich sicherlich nur sehr schwer und überhaupt nur in einer mehr oder weniger großen »Bandbreite« sagen, wie viel Menschen ökologisch verträglich, das heißt nachhaltig in einem bestimmten Lebensraum – maximal global – leben können. Nichtsdestoweniger ist dies langfristig die wichtigste Frage, die die Menschheit zu lösen hat.

Dabei müssen mitbetrachtet werden so schwer fassbare Aspekte wie zum Beispiel »Wie viel Freiheit braucht der Mensch?« und andererseits Aspekte der Sicherheit des Systems, ähnlich einem technischen System, das zur zuverlässigen Funktion unabdingbar Sicherheitszuschläge nötig hat, soll es nicht bei der geringsten Überbelastung zusammenbrechen. Es müsste möglich sein, mit unserem heutigen Wissen diese Lebensumstände zu beschreiben. Im Hinblick auf die lebensbedrohliche ökologische Erdsituation ist zumindest ein sich abzeichnender Rückgang der die Erde besonders belastenden Bevölkerungen der »ersten Welt« unseres Planeten ein begrüßenswerter Vorgang und das Gegenteil einer Katastrophe! Diese meines Erachtens positive Entwicklung gehört zweifellos wirtschafts- und sozialpolitisch entsprechend begleitet, doch dies müsste in den reichsten Ländern unserer Erde bei zugegeben großen Anstrengungen möglich sein, eher jedenfalls, als eine so große Bevölkerung wie derzeit ökologisch nachhaltig vor dem Hintergrund einer weltweiten Völkergerechtigkeit zu versorgen!

Sozialpolitisch begleiten Es wäre besser, das Angebot des demografischen Wandels positiv zu sehen, es anzunehmen und human zu gestalten, als die Veränderung der Bevölkerungszahl und -struktur zu bekämpfen. Eine Sozial- und Familienpolitik, die sozial Schwache unterstützt, soziale Härten ausgleicht und Personen mit Kindern das Leben erleichtert, ist unabdingbar notwendig. Auf eine Sozial- und Familienpolitik aber, deren Ziel die Steigerung der Geburtenrate ist, kann gut verzichtet werden! Worin soll denn der Vorteil einer möglichst großen Bevölkerung liegen, dass er alle damit einhergehenden

Illustration: Haitzinger

Keine Katastrophe

Nachteile aufwiegt? Ist eine kinderfreundliche Gesellschaft eine, die viele Kinder hat, oder eine, die ihre Kinder in eine gute Umgebung stellt? Die angestellten Überlegungen sind langfristig zu sehen, sie können den kurz- und mittelfristig auftretenden Problemen der deutlich werdenden Binnenwanderung, etwa von Ostdeutschland in die Ballungsräume Westdeutschlands, oder von Oberfranken nach Nürnberg und München nicht per se gerecht werden. Diese Probleme fallen unter das Thema »den demografischen Wandel gestalten«. Das ist nicht einfach, zugegeben, und es folgt daraus nicht gleich und sofort eine ökologische Entlastung in den betroffenen Abwanderungsräumen, aber dies sollte nicht den Blick auf die Gesamtsituation verstellen. Der Bund Naturschutz hat in seiner »Siedlungsposition« von 2003 ansatzweise richtige Ziele vorsichtig wie folgt formuliert:  »Der prognostizierte Bevölkerungsrückgang ist grundsätzlich eher als Chance denn als Gefahr zu bewerten.«  »Langfristig soll die Bevölkerungsentwicklung an der ökologischen Tragfähigkeit orientiert werden.« Damit sehe ich den BN auf dem richtigen Weg. Ernst Böckler

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Ökologische Geldanlagen boomen

Rendite mit gutem Gewissen Geld regiert die Welt. Auch unser Erspartes regiert ein bisschen mit. Richtig angelegt, kann es der Wirtschaft ökologische Impulse verleihen. Und dabei noch gute Rendite bringen. Triebfeder für den Wachstumsprozess. Geld ist folglich nicht neutral. Entscheidend ist, was man mit Geld macht. Finanzinstitute sind nicht lediglich Erfüllungsgehilfen der Pläne ihrer Kunden, sondern sie nehmen aktiv Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen. Sie beeinflussen Entscheidungen über Geldanlagen, Investitionen, Geschäftsentwicklung, Risiken und Chancen im Markt. Finanzinstitute tragen nicht nur betriebswirtschaftliche, sondern darüber hinaus auch volkswirtschaftliche Verantwortung. Und sie sind in den Prozess der Gestaltung der Umwelteinflüsse des Wirtschaftens entscheidend eingebunden. Für eine Ökologisierung der Wirtschaft ist eine aktive Rolle der Akteure im Geld- und Kapitalmarkt unabdingbar.

Illustration: Woessner

Anspruchsvolle Anlage

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ei der Betrachtung der Funktionen des Geldes als Tauschmittel, als Wertaufbewahrungsmittel und als Recheneinheit erscheint das Geld als neutrale Größe im Wirtschaftsprozess. Doch Geld ist in der zugrunde liegenden Wirtschaftsweise der Motor der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Und die Dynamik der Geldwirtschaft ist eine zentrale

Natur-Aktien-Index und ÖkoDAX Der Natur-Aktien-Index (NAI) umfasst 30 internationale Unternehmen. Die Titel wählt ein fünfköpfiger NAI-Ausschuss aus, in dem Vertreter von Umweltverbänden beteiligt sind. Der Index dient zur Orientierung für nachhaltige Geldanlagen und zählt zu den erfolgreichsten Indizes: Seit der Auflage im Jahr 1997 wurde ein Plus von 306 Prozent erwirtschaftet. Ein Fonds bezieht sich auf den Natur-Aktien-Index und zwar der Fonds Green Effects, den Sercurvita anbietet. Im neuen Index der Deutschen Börse, dem im Juni 2007 publizierten ÖkoDAX, sind die zehn größten Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien gelistet. Die Deutsche Bank bietet ein Index-Zertifikat an, das sich auf den ÖkoDAX bezieht. Nähere Informationen unter http://nai-index.de und www.securvita.de

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Lange Zeit haben Finanzinstitute das Umweltbewusstsein in der Gesellschaft ignoriert beziehungsweise die Auffassung vertreten, dass für den Schutz von Natur und Umwelt Politik, Umweltverbände und Industrie verantwortlich seien, nicht aber der Finanzmarkt. Außerdem wurde oftmals die These vertreten, private Investoren seien lediglich an der Rendite einer Geldanlage interessiert. Diese Sichtweise hat sich inzwischen etwas verändert. Private Geldanleger stellen ihrem Anlageberater immer häufiger die Frage: Was geschieht mit meinem Geld? Wird das Geld zur Finanzierung verantwortungsbewusster Investitionen eingesetzt? Eine ökologische Geldanlage ist ein erklärungsbedürftiges Produkt. Denn mit einem umweltverantwortlichen Investment sind mehr Anforderungen verbunden als mit konventionellen Anlageformen. Es geht hierbei zum einen um die Einschätzung der bekannten Risiken für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft und zum anderen um die Beurteilung der Chancen, die sich für eine umweltverantwortliche Wirtschaftsweise bieten. Im Rahmen einer Chancen-Risiken-Analyse werden nicht nur finanzielle Daten erhoben, sondern auch Informationen zu normativen und strategischen Zielsetzungen der Unternehmen in Erfahrung gebracht, die sich auf ökologische und soziale Aspekte beziehen. Um transparente Entscheidungen zu treffen, analysieren unabhängige Rating-Agenturen (wie zum Beispiel oekom research) oder eigene Analysten der Finanzinstitute die infrage kommenden Unternehmen in mehrdimensionaler Hinsicht: Rendite, Risiko, Liquidität und ökologisch-ethische Werte.


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Öko zahlt sich aus Mit einer ökologischen Geldanlage wird die Erwartung verbunden, dass sich umweltverantwortliche Unternehmen langfristig beständig und wirtschaftlich erfolgreich im Wettbewerb behaupten. Diese Erwartung steht allem Anschein nach im Widerspruch zu einem weit verbreiteten Vorurteil, dass ökologisch und sozial verantwortlich handelnde Unternehmen weniger Rendite als die Wettbewerber erwirtschaften, die nicht auf Umweltschutz achten. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist. Mit ökologischen Geldanlagen lassen sich gute, teilweise überdurchschnittliche Renditen erzielen. Dies hängt im Wesentlichen mit dem Wachstum der Umwelttechnologie und hier vor allem mit den Investitionen im Bereich erneuerbarer Energien zusammen. Hinzu kommt ein geringeres Risiko, das mit dieser Anlageform verbunden wird. Ein entscheidender Grund hierfür ist, dass Manager der Kapitalgesellschaften durch die Integration von ökologischen und sozialen Gesichtspunkten in der Führung des Unternehmens vorausdenken. Sie handeln proaktiv, indem sie mit der Umwelt schonender umgehen und soziale Konflikte zu vermeiden suchen.

Die Nische verlassen

CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe, 1826 bis 2004 Mio. Tonnen 8.000 7.000 6.000 5.000 4.000 3.000 2.000 1.000 0 1826

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2001

Quelle: Carbon Dioxide Information Analysis Center, Oak Ridge National Laboratory, U.S. Department of Energy

So wächst der Markt für nachhaltige Publikumsfonds im deutschsprachigen Raum nach Erhebungen des Sustainable Business Institute weiter sehr dynamisch. 143 Fonds mit einem Gesamtwert von 22,2 Milliarden Euro waren im deutschsprachigen Markt zum 31. März 2007 zum Vertrieb zugelassen. Das sind über 20 Prozent mehr Fondsangebote als im letzten Quartal des Jahres 2006 (siehe: www.nachhaltiges-investment.de). Trotz des stark gestiegenen Interesses an ethischökologischen Geldanlagen bleibt festzuhalten, dass deren Anteil am gesamten Anlagevolumen in Deutschland noch verhältnismäßig gering ist. Allerdings kann angesichts der Dynamik und des großen Marktpotenzials nicht mehr von einer Nische im Finanzmarkt gesprochen werden. Vielfältige Angebote ökologischer Geldanlagen sind inzwischen im Markt vertreten. Banken wie die GLSBank und die UmweltBank bieten neben Direktbeteiligungen an Umweltprojekten auch Umweltfonds an.

Tipps zur ökologischen Geldanlage Möchten Sie zu einer Bank wechseln, die sich ganz auf ökologische Geldanlagen spezialisiert hat?  www.umweltbank.de, Tel. 09 11-53 08-1 23  www.gemeinschaftsbank.de, Tel. 02 34-57 97-1 11 Suchen Sie eine große Auswahl an Anbietern von Investmentfonds mit ökologisch-ethischem Anspruch?  www.sevurvita.de  www.nachhaltiges-investment.de  www.ecoreporter.de Lassen Sie sich kein X für ein U(mwelt) vormachen!  Bestehen Sie bei Ihrem Berater auf ökologischer Anlage und gutem Zins oder Rendite, beides schließt sich keineswegs aus.  Werden Sie sich klar über Ihre Kriterien – etwa Investition in Solarenergie, Ausschluss von Kernkraft, Gentechnik, Tierversuchen, Rüstung – und lassen Sie sich deren Einhaltung zusichern.  Bevorzugen Sie zur Sicherheit Fonds mit höherem Volumen, zum Beispiel ab 30 Millionen Euro.  Prüfen Sie jedes Angebot sorgfältig.

Und Finanzdienstleister wie Sercurvita legen eigene Fonds auf. Diese Institute versuchen, das Vertrauen der privaten Investoren durch einen unabhängigen Anlageausschuss zu gewinnen. Der Anlageausschuss überprüft die Politik und Strategie der Institute und sorgt auf diese Weise für Transparenz und Glaubwürdigkeit. Und unabhängige Organisationen wie www.ecoreporter.de bieten aufschlussreiche Informationen rund um die Chancen und Risiken nachhaltiger Geldanlagen. Neben den Pionieren sind inzwischen auch die großen Institute im Marktsegment nachhaltiger Geldanlagen aktiv. So bieten nicht nur die Universalbanken Anlageprodukte mit dem Etikett »ökologisch« an, sondern auch die Sparkassen haben inzwischen das Marktpotenzial erkannt. Allerdings muss oftmals der private Investor, also der Kunde, im Gespräch mit dem Anlageberater des Finanzinstituts sein Interesse an einer ökologisch verantwortlichen Geldanlage äußern – getreu dem Motto »Gute Renditen mit gutem Gewissen«. Prof. Dr. Werner Wild

Erderwärmung weltweit, 1900 bis 2005

Großer Brachvogel Numenius arquata, Bestandsentwicklung in Bayern, 1980 bis 2006

Differenz zwischen globaler erdnaher Temperatur und der Durchschnittstemperatur in °C + 0,5 + 0,4 + 0,3 + 0,2 + 0,1 0

Durchschnittstemperatur der Jahre 1961 bis 1990 (14 °C)

– 0,1 – 0,2 – 0,3 – 0,4 – 0,5 1900

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Der Autor Prof. Dr. Werner Wild, 59, lehrt Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Umweltmanagement und Rechnungswesen an der Georg-SimonOhm-Fachhochschule Nürnberg. Er engagiert sich seit 1986 ehrenamtlich im BUNDArbeitskreis »Wirtschaft und Finanzen« und im Bund Naturschutz.

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Quelle: Wiesenbrüterkartierung Bayern, Bay. Landesamt für Umwelt

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Foto: privat

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Quelle: Climatic Research Unit (CRU): www.cru.uea.ac.uk

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Wirtschaftsexperte fordert Umdenken des Westens

Foto: IWG

Verschiebung zu immateriellen Werten! Im N+U-Interview setzt Prof. Dr. Meinhard Miegel auf die Vernunft des Menschen, der ansonsten auf eine düstere Zukunft zusteuert. Gefragter Experte Prof. Dr. Meinhard Miegel, geboren 1939, ist einer der profiliertesten Sozialforscher Deutschlands. Er leitet das renommierte »Institut für Wirtschaft und Gesellschaft« (IWG) in Bonn und wirkt als Berater in Wirtschaft und Politik.

Herr Professor Miegel, Umweltschützern kommt oft das Grausen, wenn sie an die Zukunft denken – etwa an die rücksichtslose Ausbeutung der Umwelt im Zuge der Globalisierung. Demografen warnen vor einem Kollaps unserer Sozialsysteme, Ökonomen befürchten eine drohende Weltwirtschaftskrise. In Ihrem Buch »Epochenwende« führen Sie all diese Aspekte zusammen und blicken dennoch unerwartet hoffnungsvoll in die Zukunft. Auch wenn mich mitunter Zweifel beschleichen, glaube ich immer noch daran, dass Menschen vernunftbegabte Wesen sind, die die Grundlage ihrer Existenz nicht absichtsvoll zerstören. Im Übrigen finden die Warner heute ungleich mehr Gehör als noch vor wenigen Jahrzehnten. Umwelt und Bevölkerungsentwicklung werden als Themen mittlerweile sehr ernst genommen. Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass der Patient Erde bei der Operation stirbt, weil der Kampf um die globale Vorherrschaft erst einmal zu einem noch erbarmungsloseren Umgang mit Menschen und Umwelt führt? Der Mensch ist viel zu unbedeutend, als dass er das Ende der Erde herbeiführen könnte. Allerdings vermag er seine Lebensbedingungen drastisch zu verschlechtern. Daran arbeitet er gerade. Aber wie gesagt: Ich glaube und hoffe, dass schlussendlich doch seine Vernunft obsiegt. Sicher kann man sich da jedoch nicht sein. Vordenker des Naturschutzes fordern seit vielen Jahren, wir müssten einen neuen Lebensstil entwickeln und lernen, mit weniger Konsum besser zu leben – mit bescheidenem Erfolg. Werden ökonomische Zwänge bewirken, was die Einsicht nicht zu bewirken vermochte?

Literatur zum Thema Wachstum  Meinhard Miegel: Epochenwende. Gewinnt der Westen die Zukunft? Berlin, 2007. ISBN 978-3-548-60705-4. 8,95 R  Athanasios Karathanassis: Naturzerstörung und kapitalistisches Wachstum. Hamburg, 2003. ISBN 3-89-965018-2. 8,80 R  Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum. Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung. Frankfurt, 2005. ISBN 3-89950-076-8. 24,00 R

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Davon gehe ich aus. Schon seit geraumer Zeit gibt es in Ländern wie Deutschland, aber auch in vielen anderen, keine spürbare Wohlstandsmehrung mehr. Das Wachstum der Wirtschaft dient vornehmlich dazu, von Menschen verursachte Schäden zu beseitigen oder zu kaschieren. Wohlstandsmehrung ist das nicht. Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Bevölkerung das erkennt. Selbst wenn der Westen seinen Konsum gezwungenermaßen reduziert, was hilft das, wenn die neuen Herren der Welt(wirtschaft) ihren neuen Wohlstand ähnlich gierig in Konsum umsetzen wie derzeit die osteuropäischen Neureichen? Da sprechen Sie einen ganz heiklen Punkt an. Denn wir Völker des Westens können den anderen kaum Mäßigung predigen, solange wir selbst in materiellem Überfluss schwelgen. Gerade deshalb müssen wir aber vor unserer eigenen Tür kehren. Nur dann gibt es eine Chance, dass auch die aufstrebenden Völker einsichtig handeln. Mal angenommen, die Menschheit kriegt noch rechtzeitig die Kurve: Wie sieht nach Ihrer Vision das Leben unserer Kinder und Enkel in 50 Jahren aus? Das hängt entscheidend davon ab, ob der Menschheit schon bald fundamentale Durchbrüche bei der Nutzung der Sonnenenergie gelingen. Energie bedeutet nämlich Wasser und Wasser bedeutet Nahrung. Aber auch dann wird es nicht ohne eine Verschiebung materieller zugunsten immaterieller Werte gehen. Ohne eine solche Verschiebung dürfte es in 50 Jahren ziemlich düster aussehen. Das Interview führte Winfried Berner, Mitglied des BN-Landesvorstands und Unternehmensberater.

 Donella Meadows, Dennis L. Meadows, Jorgen Randers: Die Grenzen des Wachstums. München, 1972. ISBN 3-42-102633-5  Donella Meadows, Dennis L. Meadows, Jorgen Randers: Grenzen des Wachstums – Das 30-Jahre-Update. Stuttgart, 2006. ISBN 3-7776-1384-3. 29,00 R  Franz Josef Radermacher: Globalisierung gestalten. Terra Media-Verlag, Berlin, 2006. 7,00 R  Franz Josef Radermacher: Global Marshall Plan. Wien, 2004. ISBN 3-9501869-2-1. 5,50 R  Franz Josef Radermacher, Bert Beyers: Welt mit Zukunft – Überleben im 21. Jahrhundert. Murmann-Verlag, Hamburg, 2007. 16,00 R

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 BUND, Miseror: Wegweiser für ein zukunftsfähiges Deutschland. München, 2002. ISBN 3-570-50033-0. 7,00 R  Ernst Kistler: Die Methusalem Lüge. München, 2006. ISBN 3-446-40699-9. 19,80 R  Freimut Woessner: Alles okö. Frankfurt am Main, 2007. ISBN 078-3-938304-75-4. 15,90 R  Zeitschrift »Forum Nachhaltig Wirtschaften«. ALTOP, München. www.eco-world.de. ISBN 978-3-925646-36-2  Zeitschrift »Ökologisches Wirtschaften«. Oekom, München. www.oekom.de. ISSN 1430-8800  Zeitschrift »Politische Ökologie«, Heft 1042007, »Demografischer Wandel«. Heft 662000, »Jenseits des Wachstums«. Oekom, München. www.oekom.de. ISSN 0947-5028


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Neues Service-Angebot des BN

Klimaschutz mit Rat und Tat Immer mehr Menschen möchten angesichts des Klimawandels Energie sparen oder selbst solar erzeugen. Wer dabei im Bund Naturschutz einen vertauenswürdigen Partner sucht, findet jetzt bei der BN Service GmbH Unterstützung.

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Heiz- und Stromkosten? Der BN bietet auch hier Schritt für Schritt Abhilfe an, von der Analyse über die Beratung und Planung bis zur Ausführung und Überwachung (siehe Kasten »Contracting«).

Erfahrung nutzbar machen Dass ein Reise- und Bücheranbieter auch Solaranlagen und Energieberatung in sein Angebot aufnimmt, scheint ungewöhnlich. Bei der BN Service GmbH war dieser Schritt aber naheliegend. Denn wo hätte sich über Jahre mehr Know-how in Energiefragen angesammelt als beim Solar-Vorreiter Bund Naturschutz. Diese Erfahrung für BN-Mitglieder und Kunden nutzbar zu machen, lag für Benedikt Bisping, Geschäftsführer der BN Service GmbH und selbst seit WAA-Zeiten Verfechter der Sonnenenergie, auf der Hand. So war es beim Umzug in die neuen Geschäftsräume im Bahnhofsgebäude von Lauf an der Pegnitz eine Selbstverständlichkeit,

Foto: Fischer, Pegnitz-Zeitung

N-Mitglieder kennen die Service GmbH vor allem als Anbieter umweltgerechter Reisen, interessanter Publikationen und schöner Geschenkartikel. Nun bietet die BNTochter auch Solaranlagen und Energieberatung an. Bei vielen Vorhaben des konkreten Klimaschutzes ist sie der richtige Ansprechpartner für BN-Mitglieder und andere Interessenten:  Sie liebäugeln schon länger mit einer Fotovoltaik-Anlage auf Ihrem eigenen Dach? Der BN berät sie gerne und übernimmt die komplette Abwicklung. Natürlich gilt dieses Angebot auch für Schulen, Firmen oder andere, die ihre Dächer für solare Stromgewinnung nutzen möchten.  Sie haben selbst zwar keine geeignete Dachfläche, möchten aber zusammen mit Gleichgesinnten eine größere Solaranlage auf den Weg bringen? Der BN bietet Ihnen auch dazu kompetente Beratung und je nach Wunsch die Realisierung, einschließlich Geschäftsführung samt Buchhaltung. Dank moderner EDV können die Solarkraftwerke rund um die Uhr fernüberwacht werden (siehe Kasten »Bürgersolaranlage«).  Ein öffentliches Gebäude braucht dringend einen Energie-Check? Die Schule, der Kindergarten, die Behörde, die Firma oder auch das Feuerwehrhaus verschlingen zu viel

dass im Zuge der Sanierung auch die erste Solaranlage installiert wurde, alles unter strenger Beachtung des Denkmalschutzes. Schnell kamen dann Fotovoltaik-Anlagen auf dem Laufer Rathausdach und auf der Halle eines Industriebetriebes dazu. Alle von der BN Service GmbH projektierten Bürgersolaranlagen laufen zuverlässig und haben lange Garantielaufzeiten. Erfolgreich brachte sich die BN GmbH beratend für eine klimafreundliche Holz-Pelletsheizungsanlage für den Neubau der öffentlichen Bücherei und Volkshochschule in Lauf a. d. Pegnitz ein. »Wir werden beim Klimaschutz als vertrauenswürdiger Partner wahrgenommen«, erläutert Benedikt Bisping das große Plus des BN als Anbieter von Solaranlagen und Energieberatung. Seine Service GmbH arbeitet dabei mit erfahrenen Installationsbetrieben und unabhängigen Energieberatern in Bayern zusammen und nutzt vielfältige Kontakte sowie Erfahrungen innerhalb der Branche. Weitere Vorteile neben der qualifizierten Beratung sind Komplettangebote aus einer Hand, Zusammenarbeit mit namhaften Herstellern, grundsätzlich »Made in Germany«, sowie günstige Angebote durch Sammeleinkäufe. (göß)

Bürgersolaranlage: Bürger bringen gemeinsam das Kapital für eine Fotovoltaik-Anlage auf. Sie schließen sich dazu für die Dauer der Laufzeit der Anlage zu einer »Gesellschaft des bürgerlichen Rechts ohne persönliche Gesellschafterhaftung« zusammen.

Kompetenz durch Erfahrung Die Bürgersolaranlage auf dem Rathaus in Lauf a. d. Pegnitz (links) und die Bürgersolaranlage auf dem Laufer BNBahnhof (rechts): zwei Beispiele für die erfolgreiche Arbeit der BN Service GmbH.

Foto: Bornemann

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Fotos: Moritz, Pegnitz-Zeitung, Bisping

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Kontakt Ihr Partner rund um Solaranlagen und Energieeinsparung: Benedikt Bisping, Geschäftsführer der BN Service GmbH, Bahnhof Lauf (links Pegnitz), Eckertstr. 2, 91207 Lauf a. d. Pegnitz, Tel. 0 91 23 - 999 57 - 20, www.service.bundnaturschutz.de

Contracting, genauer Energie-EinsparContracting: Für öffentliche Gebäude plant der Contractor – nach einer Analyse – Maßnahmen der energetischen Optimierung, führt diese aus und übernimmt auf Wunsch auch die Überwachung. Er finanziert sich rein über die Einsparungen des Auftraggebers, der selbst also keinerlei Risiko trägt.

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Saison-Thema

Nachhaltige Energie

achhaltigkeit, das hört man in letzter Zeit immer öfter. Was aber meint das? Nachhaltig bedeutet im Grunde dauerhaft. Etwas hält für sehr, sehr lange Zeit. Oder man meint damit, dass es sich nicht verbraucht und immer wieder erneuert. Betrachten wir Nachhaltigkeit einmal am Beispiel der Energie: Steinkohle, Erdöl und auch Atomkraftwerke sind nicht nachhaltig, weil sich ihre Rohstoffe ganz verbrauchen. Aber Holz aus dem Wald ist nachhaltig, weil es immer wieder neu nachwächst. Auch Windstrom und Sonnenstrom sind nachhaltig, weil die Sonne immer scheint und diese Energie nachliefert. Nachhaltigkeit bedeutet also, dass etwas sich selbst erneuert. Das ist sehr wichtig für unsere Welt: Nur nachhaltiges Wirtschaften, also Wirtschaften mit sich selbst erneuernden Gütern, hat Zukunft.

Nachhaltigkeit ist spannend

Zu Fuß gehen ist nachhaltig

Öfters mal ohne Auto

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anchmal sind wir ziemlich bequem. Das aber braucht Energie. Wir setzen uns ins Auto und fahren zum Bahnhof, obwohl das auch mit dem Fahrrad gegangen wäre. Oft werden selbst kleinste Wege zu Fuß vermieden. Und bei großen Wegen benutzen viele das Flugzeug statt der Bahn. Auch im Haushalt werdet Ihr viele Sachen finden, wie man unötigen Energieverbrauch vermeiden kann. Schaltet zum Beispiel Elektrogeräte nur dann an, wenn Ihr sie braucht. Genauso geht es mit dem Licht. Wäsche trocknet an der Luft duftiger als im Trockner. Radio und Fernsehen müssen nicht den ganzen Nachmittag nebenbei laufen. Draußen spielen ist nachhaltiger, als vor dem Strom fressenden Computer zu hocken. Wenn man kocht, sollte der Topfdeckel drauf bleiben und so weiter. Ihr werdet bestimmt beim Gang durch die Wohnung etliche Beispiele finden, wir Ihr Energie sparen und nachhaltiger leben könnt.

Hallo, hier bin ich wieder: Bibo, der neugierige Biber. Ich bin überall dort, wo uns die Natur mit spannenden Merkwürdigkeiten überrascht. Heute geht es um Nachhaltigkeit. Es geht darum, wie wir leben. Wieviel wir verbrauchen, wieviel wieder nachwächst, wieviel ganz verschwindet. Viel Spaß beim Nach-Denken wünscht Euch Reinhard Witt.

Illustrationen: Schellmoser

Fotos: Witt

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Baumriesen

Da ist der Bär los!

Nachhaltige Forstwirtschaft

Erlebniswochenende rund um den Braunbär  14. bis 16. September 2007 im Bayerischen Wald In der Nähe des Freilandgeheges erfährst Du von den Rangern des Nationalparks und von den Experten der JBN viel Spannendes über die Bären. Anmelden bis 10. 9. 07, Preis 70 Euro (40 Euro für JBN-Mitglieder)

S

elten sieht man solche Rieseneichen mit mehr als 40 oder gar 50 Meter Höhe. Kein Wunder, denn die Forstwirtschaft ist meistens eine »Fort-Wirtschaft«: Sie schafft die Bäume schon fort, wenn sie noch viel jünger sind. Auch pflanzen viele immer noch artenarme Bestände: nur Kiefern, nur Fichten … Nachhaltig ist das nicht, denn nur artenreiche, gut durchmischte Wälder sind stabil und dauerhaft. Und dazu gehören nun mal eben auch alte Bäume und sogar totes Holz. Dann erst geht es allen gut: Tieren, Bäumen und Menschen.

Much and More

Wachstum

Wildpflanzen sind dauerhaft

I

n unseren Gärten stehen oft Pflanzen aus Asien und Nordamerika. Sie sind nicht nachhaltig, weil nicht dauerhaft. Mit der Zeit würden sie verschwinden. Besser geht das mit heimischen Arten, mit unseren Blumen, Sträuchern und Bäumen. Sie wachsen von Natur aus bei uns und kommen mit Wetter, Boden und Standort automatisch klar. Zieht doch mal selber heimische Blumen aus Samen groß, und pflanzt sie in den Garten. Zum Beispiel: rosa Moschusmalven, gelbe Färberkamillen oder blauen Wiesensalbei. Es gibt sogar extra Wildblumen für Schmetterlinge, Hummeln oder Bienen. Die Samen könnt Ihr beispielsweise unter www.syringa-samen.de bestellen.

Sherlock Holmes auf heißer Spur Rätsel lösen und gewinnen

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in Rätselbild. Man sieht ein Blatt der Heckenkirsche, ein schöner, dichter Wildstrauch, der gut auch in Gärten passt. Und darin so ein weißer Streifen. Eine Art Spur. Am Ende der Spur ein kleiner gelbgrüner Buckel. Um dem Rätsel näher zu kommen, sollte man wissen, dass Blätter viele Schichten haben. Und dieses seltsame, gesuchte Wesen (die Spur stammt wirklich vom kleinen grünen Buckel) bahnt sich zwischen den Schichten unaufhaltsam seinen Weg. Und frisst dabei das Blattgrün auf, verpuppt sich und schlüpft als: ??? Das gesuchte Tierlein wird nur ein paar Millimeter groß und hat zwei Flügel. Die braucht es auch, denn bald saust es durch die Gegend, um neue Eier auf Heckenkirschenblätter zu legen. Kleiner Tipp: Der Vorname des Tieres hat etwas mit Minen tun, das sind Bergwerksgänge, um Kohle, Silber oder Gold zu suchen. Und der Nachname ist der eines Insektes, das uns häufig im Sommer auf dem Marmeladenbrot in der Küche besucht. Habt Ihr’s? P.S.: Hier die Auflösung vom letzten Rätselbild: Gezeigt wurde ein Eikokon der Wespenspinne. Allen Einsendern vielen Dank für’s Mitmachen. Gewonnen haben diesmal Sophie Wiendl, elf Jahre, Johannes Holzapfel, neun Jahre und Sophia Mößle, acht Jahre – viel Spaß mit Eurem neuen Taschenfernglas!

Das Mooooorwochenende  26. bis 28. Oktober 2007 am Oberjoch Wir wollen an diesem Wochenende ein alpines Hochmoor renaturieren. Anmelden bis 5. 10. 07, Preis 35 Euro (15 Euro für JBN-Mitglieder)

JBN sorgt für Schlagzeilen Professionelle Pressearbeit  2. bis 4. November 2007, Nürnberg Hier lernst Du das Handwerkszeug der Journalisten und PR-Profis. Anmelden bis 15. 10. 07, Preis 100 Euro (50 Euro für JBN-Mitglieder)

Herbst-JVV Das große Treffen aller JBN-Aktiver  23. bis 25. November 2007 in Bayreuth Auf der Jugendvollversammlung (JVV) treffen sich Aktive der JBN und Interessierte aus ganz Bayern. Anmelden bis 19. 11. 07, Preis 30 Euro (15 Euro für JBN-Mitglieder)

Kundgeben, Argumentieren, Überzeugen Rhetorik-Kurs  14. bis 16. Dezember 2007 in Würzburg Nach dem Seminar gehört Lampenfieber bei Referaten für Dich zur Vergangenheit. Anmelden bis 9.11.07, Preis 90 Euro (65 Euro für JBN-Mitglieder)

Alle, die uns die richtige Lösung schicken, haben diesmal die Chance, eines von drei Samensets »Wildblumen für Hummeln« zu gewinnen. Schreibt bitte an »Natur+Umwelt«, Stichwort Rätselbild, Dr.-Johann-Maier-Straße 4, 93049 Regensburg, Fax 09 41- 2 97 20 31, nu@bund-naturschutz.de. Bitte vergesst nicht Eure Adresse und Euer Alter.

Infos und Anmeldung Wo nicht anders angegeben: JBN, Trivastraße 13, 80637 München, Tel. 0 89-15 98 96-30, Fax 089-15 98 96-33, info@jbn.de, www.jbn.de

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DI E I N FOEC KE DER J BN | WWW. J BN.DE

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Politiker wollen Schutz der »Öko-Baumeister« lockern

Biberhatz in Bayern

Foto: Schlüter

Foto: Schwab

Der Biber ist heute wieder ein fester Bestandteil der bayerischen Kulturlandschaft. Doch seit die Landkreise per Landtagsbeschluss vom letzten Jahr für Ausnahmegenehmigungen zum Fangen und Töten der Tiere zuständig sind, läuft in Bayern ein regelrechter Großangriff auf den größten heimischen Nager.

Umkreis von 200 Metern um den Großteil der bayerischen Still- und Fließgewässer. Jährlich werden so bis zu 7400 Kormorane getötet. Soll dies allen Ernstes »Vorbild« sein, drohen pauschale Bibertötungen in großem Stil – obgleich es in zwei Dritteln der etwa 2500 bayerischen Biberreviere gar keine Konflikte mit der menschlichen Landnutzung gibt! Der Bund Naturschutz forderte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf, diese katastrophale Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes, die in Bayern auch über 300 andere streng geschützte Arten beträfe, zu verhindern. Stufe 3: Mehreren CSU-Abgeordneten, darunter MdB Ernst Hinsken, geht all dies noch nicht weit genug: Sie fordern, den europäischen Schutzstatus des Bibers für Bayern aufzuheben und die Tiere wie in den baltischen Staaten zu bejagen. In Estland, Lettland und Litauen leben jedoch 185 000 Biber gegenüber 9500 in Bayern, umgerechnet auf die Landesfläche ist der Bestand dort zehnmal höher als hier. Ziel der Abgeordneten: Der Biber soll aus der Agrarlandschaft verschwinden – was

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tufe 1: Bibergegner insbesondere in der CSU-Landtagsfraktion setzen im September 2006 die neue Zuständigkeitsregelung durch (N+U 4-06). Noch liegen die Fang- und Tötungszahlen nicht landesweit vor, aber allein im Landkreis Cham wurden auf Basis der neuen Regelung in wenigen Monaten 70 Biber erschossen und »beseitigt«. Enorm gewachsen ist der bürokratische und finanzielle Aufwand: Was vorher sieben Höhere Naturschutzbehörden kompetent und rasch erledigten, muss nun mit zehnfachem Personalaufwand von oft unvorbereiteten Landratsämtern abgedeckt werden. Stufe 2: Von der eigenen »Reform« enttäuschte CSUAbgeordnete, vor allem aus Westmittelfranken und Niederbayern, fordern »biberfreie Zonen« und rütteln am nationalen Schutzstatus des Bibers. Die Bayerische Staatsregierung startet dazu 2007 an den Naturschutzverbänden vorbei eine Initiative, die für geplante Tötungen streng geschützter Arten statt wie bisher eine Einzelfallgenehmigung künftig eine pauschale landesweite Verordnung vorsieht und nun in die laufende Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes Eingang zu finden droht. Im Mai kündigt Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf bis Jahresende eine bayerische »Biberverordnung« nach dem Vorbild der Kormoranverordnung von 1996 an. Diese erlaubt über sieben Monate im Jahr die unbeschränkte Tötung der Vögel im

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Hetzkampagne fordert Opfer In Teisnach, Landkreis Regen, zündeten Unbekannte im Mai eine Biberburg an. Der Anschlag kostete die noch nicht schwimmfähigen Biberbabys das Leben, die erwachsenen Tiere sind seither verschwunden. Der Bau befand sich auf einer Ausgleichsfläche, die die Gemeinde eigens für den Naturschutz angekauft hatte. Ein wirtschaftlicher Schaden ging von den Tieren nicht aus. Der BN fordert ein Ende der Hetzkampagne gegen den Biber sowie einen staatlichen Härtefall-Fonds, um die Konflikte zwischen Mensch und Biber abzumildern.

bedeutet, dass der Bestand auf vielleicht zehn Prozent des heutigen »heruntergeschossen« würde! In der Konsequenz führen diese politischen Schritte zur gezielten Ausrottung des Bibers zugunsten intensiver Landnutzung. Sie treffen eine Tierart, die für mehr Biodiversität, die Renaturierung von Auen, den Hochwasserschutz und die Wasserrückhaltung in der Landschaft ökologisch unverzichtbar ist (N+U 2-05). Der BN wird bis hin zur europäischen Ebene alles tun, damit der Biber in Bayern bleiben darf! Dr. Kai Frobel, BN-Referent für Arten- und Biotopschutz (asw)


Fotos: Kremer

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ieses Frühjahr startete die bayerische StaustufenLobby – allen voran der CSU-Mann Manfred Weber – einen neuen Versuch, mit falschen Argumenten die Bevölkerung zu verunsichern, um doch noch einen Staustufen-Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen zu erreichen. Nur für Staustufen, so der Europaabgeordnete, gebe es Geld aus Brüssel. Deshalb müsse der Bundestagsbeschluss von 2002 gegen Staustufen gekippt werden, und zwar schnell. Mit den Fakten nimmt es die Kanallobby dabei, wie so oft, nicht ganz so genau. Denn es ist keinesfalls »Brüssel«, das eine Vertiefung der Donau-Fahrrinne fordert, die nur mit Staustufen erreicht werden könne. Diese Vorgaben beruhen nicht auf Beschlüssen des Europäischen Parlaments, sie haben keinerlei demokratische Absicherung durch die Abgeordneten. Es handelt sich lediglich um Verwaltungsvorgaben, also rein bürokratische Vorstellungen von kanalverliebten Beamten, die sich mit Sicherheit von der Großschifffahrtslobby zum Teil in die Feder haben diktieren lassen.

Zwei Weltanschauungen Die Generaldirektion Verkehr kann außerdem in der EU nicht allein über Fragen der Fluss-Ausbauten entscheiden, sondern muss sich mit der Generaldirektion Umwelt einigen. Diese wiederum besteht darauf, dass es keinen Eingriff in die Donau geben werde, der den strengen Umweltrichtlinien widersprechen würde. Hier stehen sich also zwei Verwaltungen gegenüber, aber nicht nur die. Dahinter stehen zwei Weltanschauungen, zwei gegensätzliche Arten, mit den letzten Juwelen unserer Heimat, wie eben der niederbayerischen Donau, umzugehen. Auf der einen Seite stehen Wasserstraßenbau-Verwaltungen, die sich selbst erhalten wollen, auch mit sinnlosen und naturzerstörenden Projekten. Große

Jetzt unterschreiben Bitte helfen Sie der Donau. Füllen Sie die Liste, die Sie diesem Heft beigelegt finden, mit möglichst vielen Unterschriften, und schicken Sie sie an unsere Landesfachgeschäftsstelle. Weitere Informationen zur Donau finden Sie auf der Rückseite der Liste und im Internet unter www.bund-naturschutz.de/brennpunkte/donau. Dort können Sie auch unseren Donau-Newsletter bestellen.

Kreativer Protest Eindeutig fiel der Protest der Naturfreunde auf dem diesjährigen Donaufest aus, Tenor: Mit uns wird es eine Donaukanalisierung nie geben!

Bund Naturschutz und Partner starten Unterschriftenaktion

Hunderttausende für die Donau Die frei fließende Donau ist noch nicht gerettet. Jetzt versuchen die Baulobby und ihre Unterstützer in der CSU via Europäische Union die Staustufen-Kanalisierung voranzutreiben. Dagegen setzen Umweltschützer die Macht der Masse. Baufirmen, die sich teure Lobbyarbeit in München und Brüssel leisten können, aber keinerlei Rücksicht auf die verletzliche Natur kennen. Politiker, die aus veralteten Wachstums- und Großprojekts-Phantasien immer noch nicht herausgefunden haben. Und auf der anderen Seite stehen Menschen, für die ihre Heimat mehr Wert besitzt, als man in Euro messen kann. Naturliebhaber, die nicht zuschauen wollen, wie das Blaukehlchen seinen größten Lebensraum in ganz Mitteleuropa verliert. Künstler wie Hans-Jürgen Buchner und Hubert von Goisern, die auf ihren Konzerten für die freie Donau eintreten.

Aktiv werden! In der Auseinandersetzung dieser beiden Richtungen muss der Heimat- und Naturschutz die Oberhand behalten, gerade auf EUEbene, wo derzeit wesentliche Weichen gestellt werden. Deshalb haben Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und WWF jetzt erstmals eine internationale Unterschriftenaktion gestartet. »Wir wollen erreichen, dass die Europäische Union und die nationalen Regierungen und Parlamente die Kanalisierungspläne endlich aufgeben und die Schifffahrt dem Fluss anpassen, nicht umgekehrt«, fasst BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger das Ziel der Kampagne zusammen. Liebe Mitglieder und Freunde des BN, wir wissen, dass Sie auf der richtigen Seite stehen, auf der Seite des Lebens. Bitte werden Sie jetzt aktiv für die Donau. Lassen Sie auf der Liste, die wir dieser Natur+Umwelt beigelegt haben, möglichst viele Freunde, Bekannte, Kollegen unterschreiben. Jeder Name zählt, wir zählen auf Sie. Herzlichen Dank. Doris Tropper

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Die Autorin Doris Tropper ist stellvertretende Landesvorsitzende des BN (hier als Hauptrednerin des diesjährigen Donaufestes).


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Erstaunliches geschah Ende Juni am Bahnhof Bayerisch Eisenstein im Landkreis Regen: Quer über die deutsch-tschechische Grenze stand eine prächtig gedeckte Tafel, an der rund 30 junge Frauen und Männer aus Bayern und Böhmen gemeinsam stilvoll speisten. Sie ließen sich regionale Spezialitäten wie Gulasch mit Nudeln, Sterz mit Kraut und ZwetschgenBuchterln schmecken, die sie zuvor mit Eisensteins Bürgermeister Thomas Müller zubereitet hatten. Die grenzüberschreitende Tafel war Teil der bayernweiten »Essthetik«-Kampagne der Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN). Dabei wirbt die JBN mit schön gedeckten Tafeln für umweltbewusste Ernährung und Esskultur. Daniela Schmid, JBN (hl)

Foto: Schlenz / PNP

Grenzenloser Genuss

Neubau des Flughafens Hof-Plauen gestoppt

Foto: Konopka

Im Juni gab das Luftamt Nordbayern bekannt, dass es den geplanten Neubau des Flughafens Hof-Plauen wegen fehlenden Bedarfs und nicht gesicherter Finanzierung ablehnt. Mit diesem Erfolg für den Klimaschutz geht eine jahrelange Auseinandersetzung erfolgreich zu Ende, die die finanziell angeschlagenen Gebietskörperschaften in den Ruin zu treiben drohte. Die BN-Kreisgruppe Hof, die sich über elf Jahre mit dem Bauvorhaben befasst

und sowohl den Bedarf als auch die Finanzierung bezweifelt hatte, begrüßte mit dem BNLandesverband die Entscheidung des Luftamtes. Dank gilt den Aktiven vor Ort, die mit ihrem Einsatz dazu beitrugen, 80 bis 100 Hektar Fläche zu retten. Die Flughafengesellschaft Hof-Plauen will den Bescheid des Amtes vor Gericht anfechten. Der Klage wird jedoch wenig Aussicht auf Erfolg eingeräumt. Tom Konopka, BN-Regionalreferent (hl)

Keine Gentechnik in Landwirtschaft und Essen! Dafür setzte sich der BN-Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger im Juni bei einem Gespräch mit Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer ein. Begleitet wurde Weiger zu dem Treffen bei einer Tagung des deutschen Landschaftspflegeverbandes in Neumarkt vom Präsidenten des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Hartmut Vogt-

Foto: Zwick

Spitzentreffen mann, und dem Vorsitzenden des Landesbundes für Vogelschutz, Ludwig Sothmann. Neben dem Thema Gentechnik ging es auch um eine notwendige Änderung der Förderung für den ländlichen Raum. Nach Ansicht des BN müssten die Gelder für Landwirtschaft, Regionalentwicklung und Naturschutzprojekte gerechter verteilt werden. Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter (hl)

Bei einer Aktionstour durch Bayern stellte der Bund Naturschutz im Juni einigen Abgeordneten auf Großplakaten die Frage, ob diese bei einer Aufweichung des Gentechnikgesetzes mitmachen werden: »Gentechnik per Gesetz – machen Sie da mit?« Die Initiatoren der Aktion, die Organisation Campact sowie mehrere Umwelt- und Ökolandbauverbände, starteten die Tour im Vorfeld einer Sitzung des Bundeskabinetts im Juli, bei der die Novellierung des Gesetzes behandelt werden sollte. Mit der Aktion protestierten die Verbände gegen die von der CDU / CSU und der SPD geplante Lockerung des Gesetzes. Einzig der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium Dr. Gerd Müller war bereit, sich in Kempten einer öffentlichen Diskussion zu stellen (im Bild links, mit Biolandwirt Hubert Krimbacher und BN-Landwirtschaftsreferentin Marion Ruppaner). Marion Ruppaner, BN-Referentin für Landwirtschaft und Ernährung (hl)

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Foto: Krieg

Herr Abgeordneter, machen Sie da mit?


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Der Bund Naturschutz (BN) und die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Bayern (ANW) ehrten Fritz Wimmer, den langjährigen Leiter des Stadtwaldes München, Anfang Juli mit der Karl-Gayer-Medaille. Während seiner fast drei Jahrzehnte dauernden Tätigkeit sicherte Wimmer den Münchnern unter anderem die sehr gute Qualität ihres Trinkwassers, das zu großen Teilen aus dem

Stadtwald kommt. Ob bei der Jagd, dem Waldumbau oder bei der umweltschonenden Holzernte – Wimmer setzte Maßstäbe, wie Hans Kornprobst, ehemaliger Leiter des Forstamts Schliersee, in seiner Laudatio hervorhob. Mit der Karl-Gayer-Medaille ehren BN und ANW seit 1977 Personen, die sich in außergewöhnlicher Weise um die naturgemäße Waldwirtschaft verdient gemacht haben. (Im Bild von links: Hans

Foto: Straußberger

Fritz Wimmer mit Karl-Gayer-Medaille geehrt

Kornprobst, BN-Vorsitzender Prof. Dr. Hubert Weiger, Fritz Wimmer, ANW-Landesvorsitzender Friedrich Sinner, stellv. BN-Vorsitzender Sebastian Schönauer) Dr. Ralf Straußberger, BN-Waldreferent (hl)

Baumschutz bleibt Bayerische Kommunen können auch weiterhin Baumschutzverordnungen erlassen. Das teilte die bayerische Staatsregierung Ende Mai im Landtag auf eine Anfrage der Grünen mit. »Ein toller Erfolg für die Menschen in den Groß- und Mittelstädten, die in den zu erwartenden Hitzesommern jeden Schattenspender und Luftkühler brauchen«, freute sich BN-Landesbeauftragter Richard Mergner. 2006 hatte die Staatsregierung im Rahmen ihrer »Dere-

gulierungsoffensive« beschlossen, dass Kommunen keine Baumschutzverordnungen mehr erlassen könnten. Bund Naturschutz, Bayerischer Städtetag und Kommunen hatten gegen diesen Beschluss protestiert, weil sie um ihren Baumbestand fürchteten. Die Verordnungen schützen innerstädtische Bäume ab einer bestimmten Größe vor dem Fällen oder Zurückschneiden. Tom Konopka, BN-Regionalreferent (hl)

Schleiereulen-Krimi und per Videokamera beobachtet wird. Dieses Frühjahr umsorgte ein Schleiereulen-Paar ihre sieben Jungvögel, bis das Eulen-Männchen vermutlich tödlich verunglückt ausblieb. An dessen Stelle trat nach kurzer Zeit ein anderes Männchen, Foto: Willner

Von Löwen ist bekannt, dass Männchen die Jungen einer Löwin töten, wenn das Männchen den Platz des verstorbenen Vorgängers und Vaters der Jungen einnimmt. Bei Eulen wusste man davon nichts – bis vor kurzem, als sich in Hammelburg ein regelrechter Eulenkrimi zutrug. An der dortigen Grund- und Hauptschule gibt es seit vielen Jahren einen Nistkasten für Schleiereulen, der von den Vögeln bestens angenommen

das trotz der Gegenwehr des Weibchens fünf der Jungen tötete; die beiden verbliebenen Eulenkinder wurden dem Kasten entnommen und zu einer gleichaltrigen Brut gegeben. Drei Tage später begannen die beiden erwachsenen Eulen zu balzen, Ende Juni versorgten sie ein neues Gelege mit zehn Eiern. Ulf Zeidler, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Bad Kissingen (hl)

Neuer Radweg der SandAchse Franken Zwischen Bamberg und Weißenburg können Radler entlang von Regnitz, Rednitz und Pegnitz jetzt Frankens sandige Seite entdecken. Der neue SandAchseRadweg führt auf 180 Kilometern familienfreundlich durch Dünengebiete, lichte Wälder und blütenreiche

Wiesen. Längs des Radwegs liegen Sandsteinbauwerke wie der Bamberger Dom oder die Nürnberger Kaiserburg. Bei Spezialitäten wie Spargel oder Meerrettich lässt es sich in urigen Wirtshäusern gut rasten, an Baggerseen, der Regnitz oder dem fränki-

Links rechts unten www.zusatzstoffe-online.de In der EU sind 315 Zusatzstoffe zugelassen. Wer hier durchblicken will, erfährt auf der Website, was hinter den Bezeichnungen steckt und wie es um die Unbedenklichkeit der Stoffe steht.

www.janun.de/umweltinfo Die Site listet alle elektronischen Umweltinformationsdienste sowie alle Umweltsendungen in Radio und Fernsehen auf.

schen Seenland locken Sandstrände und kühles Nass. Der BN ist einer der Träger des Projekts »SandAchse Franken«. Nähere

Infos gibt es unter www. sandachse-radweg.de, wo auch eine Broschüre erhältlich ist. Tom Konopka, BN-Regionalreferent (hl)


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Gewonnen Nach dem BN-Erfolg gegen das Offroad-Zentrum bei Rettenbach gibt es viele Sieger: die schöne Landschaft, die Erholungssuchenden wie die Einheimischen, den hier lebenden Auerhahn – und auch den Tourismus, der jetzt nach naturverträglichen, nachhaltigen Konzepten entwickelt werden kann.

Foto: Berner

Großer Erfolg: BN verhindert BMW-Offroad-Zentrum im Naturpark

Rettenbach gerettet Anwohner, Urlauber und Naturschützer können aufatmen: Das geplante BMW-Offroad-Trainingszentrum im Naturpark Vorderer Bayerischer Wald ist gestorben. Einen sonderlich souveränen Abgang hat der Automobilkonzern allerdings nicht genommen.

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rst auf insistierende Nachfragen von BN-Vertretern auf der BMW-Hauptversammlung am 15. Mai 2007 rang sich der Vorstandsvorsitzende Dr. Norbert Reithofer den dünnlippigen Satz ab: »Wir sehen zurzeit keine Notwendigkeit, das Angebot des lokalen Unternehmers aufzunehmen.« Damit bestätigte er eine Meldung des Straubinger Tagblatts vom selben Tag, die sich auf nicht näher benannte »BMW-Kreise« berief. Kleinherzig ließ der Großkonzern so die Chance verstreichen, die überfällige Entscheidung in einen Image-Gewinn umzumünzen. Hätte er den Mut besesDie Autoren sen, öffentlich zu erklären, dass angesichts der ungeWinfried Berner, 53, störten Naturlandschaft und des kürzlich in der Nähe ist Mitglied des von Rettenbach entdeckten Auerhahn-Vorkommens BN-Landesvorfür BMW in diesem Fall die Natur Vorrang hätte, so stands. Als BMWhätte er damit nicht nur Umweltschützern Respekt Aktionär konfrontierte er den Konabgenötigt, sondern auch dem hohen Umweltanzernvorstand auf spruch von BMW Glaubwürdigkeit verschafft.

Blamierte Politiker Stattdessen düpierte der Konzern seine Verbündeten im Gemeinderat von St. Englmar sowie im Kreistag von Straubing-Bogen; der hatte das fragliche Areal willfährig aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen. Gegenüber dem Straubinger Tagblatt erklärten jene anonymen BMW-Kreise, »dass der Standort Rettenbach niemals ›ernsthaft‹ in Erwägung gezogen worden sei«. CSU-Landrat Alfred Reisinger und CSU-MdB Ernst Hinsken, der sich als »TourismusBeauftragter des Deutschen Bundestags« vehement für das aberwitzige Projekt eingesetzt hatte, stehen nun wie Foto: Roggenthin

Foto: privat

zwei Jahreshauptversammlungen mit dem ImageVerlust, der BMW durch das geplante Offroad-Zentrum in Rettenbach drohte. Karin Meindorfer, 43, erarbeitete für die BN-Kreisgruppe Straubing alle Fachgutachten zum RettenbachProjekt, leistete engagierte Pressearbeit – und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verhinderung des Vorhabens.

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Dienstboten da, die der Automobilkonzern nur so zum Spaß ein paar nutzlose Arbeiten erledigen ließ. Spötter könnten anmerken, dass BMW damit in außergewöhnlich offener Weise die wahren Kräfteverhältnisse in unserem Land vorgeführt habe. Den Auerhähnen, Schwarzstörchen und Sperlingskäuzen, die in der Region angesiedelt sind, können diese politischen Ränkespiele egal sein. Für sie zählt, dass ihr Lebensraum noch einmal davongekommen ist. Möglich wurde das, weil sich sehr rasch nach Bekanntwerden des rücksichtslosen Vorhabens Anwohner und Naturschützer zusammenfanden. Nicht nur die »üblichen Verdächtigen« von Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz machten mobil, auch so friedfertige Verbände wie der Bayerische Waldverein, die Naturfreunde und der Deutsche Alpenverein wandten sich gegen das heimatzerstörende Projekt.

Sanfte Alternativen Zweimal brachten Anwohner und BN-Aktive ihren Protest auch auf der Hauptversammlung des BMW-Konzerns zum Ausdruck. »Die Aktiven vor Ort haben sich in die Höhle des Löwen gewagt und die Aktionäre vor einem gewaltigen Image-Schaden durch dieses naturzerstörerische Vorhaben gewarnt«, resümierte der BNVorsitzende Hubert Weiger. »Dieses Image-Risiko war BMW das Projekt nicht wert.« Offenbar könne der BN auf Wirtschaftsunternehmen mit mutigen Aktionen zuweilen mehr Einfluss ausüben als auf die in ihren Schützengräben erstarrte Politik, so Weiger: »Wir lernen daraus für die Zukunft.« Für die Zukunft ist auch wichtig, für die noch weitgehend intakte Mittelgebirgslandschaft des Vorderen Bayerischen Waldes neue Ideen für einen sanften Tourismus zu entwickeln. »Die Leute dort müssen ja von etwas leben«, stellt der Straubinger BN-Kreisvorsitzende Andreas Molz fest. Der BN wird den örtlichen Hoteliers und Gastronomen daher anbieten, den Kontakt zu erfolgreichen Modellprojekten für sanften Tourismus herzustellen. Winfried Berner, Karin Meindorfer


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ereits im Vorfeld des bundesweiten Aktionstags »Risiko Mobilfunk« Ende Juni hatte der BN den Kreisgruppen einen Musterbrief zur Nachfrage bei den Gemeinden zur Verfügung gestellt. Mit einem ähnlichen Schreiben tritt der Verband jetzt an die Schulen heran (s. u.). Hintergrund ist eine Empfehlung des Bildungsausschusses des Bayerischen Landtags: Bei einer Mobilfunk-Anhörung im Dezember 2006 hatte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Reduzierung der Strahlenbelastung in den Klassenräumen zur Priorität erklärt. Ende März empfahl daraufhin der Bildungsausschuss, an Schulen auf funkgestützte Datenübertragung zu verzichten und besser kabelgebundene Netzwerke einzurichten.

BN warnt vor drahtlosen PC-Netzwerken an Schulen

Gesundheitsrisiko WLAN Drahtlose Computernetzwerke, bekannt als »Wireless Local Area Network« (WLAN), erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Doch die gesundheitlichen Risiken ihrer Strahlung sind ungeklärt. Der Bund Naturschutz ruft dazu auf, an Schulen auf die funkgestützte Datenübertragung zu verzichten, um Kinder und Jugendliche zu schützen.

Schulen ans Netz – aber bitte per Kabel! Allerdings konnte man sich nicht zu einer Anordnung durchringen, bei der der Freistaat die Kosten einer Verkabelung übernehmen müsste. Bei der WLAN-Verzichtsempfehlung dagegen müssen die Kommunen als »Sachaufwandsträger« zahlen. Der BN wertet die Empfehlung dennoch als deutliches Zeichen, dass auch die Politiker den Beteuerungen der Industrie, Mobilfunkstrahlung sei völlig unschädlich, keinen Glauben mehr schenken. »Schüler und Lehrer werden durch Funkvernetzung Strahlendosen ausgesetzt, die deutlich über den Vorsorgeempfehlungen aktueller internationaler Studien liegen«, so Dr. Klaus Trost, Elektrosmogexperte des Wissenschaftsladens Bonn. Feldstudien der Univer-

Leserinnen und Leser können die Aktion mit Schreiben an den Schulträger unterstützen (Musterbrief und Informationen unter: www.bund-naturschutz.de/ fakten/energie/mobilfunk) und sich mit Fragen an die Mobilfunkbeauftragte wenden: helga.krause@bundnaturschutz.de. Und wer bei der neuen Arbeitsgruppe Mobilfunk mitmachen möchte, die der BN am 14. September in Nürnberg ins Leben rufen wird, wendet sich bitte ebenfalls gleich an Helga Krause.

sität Wien zufolge kann die gepulste WLAN-Strahlung bereits weit unterhalb von 1 Milliwatt pro Quadratmeter (mW/m2) Herz-Kreislauf-Probleme und Gedächtnisleistungsstörungen verursachen. Die wissenschaftliche Kommission des Europaparlaments empfiehlt trotzdem immer noch einen »Vorsorgewert« von 1 mW/m2. Als unschädlich gelten nach heutigem Stand lediglich Dosen von weniger als einem Hunderstel dieses Werts (»Salzburger Vorsorgewert« von 0,01 mW/m2). Der in Deutschland geltende Mobilfunkgrenzwert liegt dagegen bei 10 000 mW/m2.

Hohe Strahlenbelastung durch WLAN Funknetzwerkkarten in Computern bringen es in einem Meter Entfernung noch auf das Zehn- bis Zwanzigfache des hohen EU-Vorsorgewerts; WLAN-Router und »Wireless Access Points«, die Zugang zum Internet

Foto: Krause

Machen Sie mit

beziehungsweise ins lokale Netz gewähren, strahlen bei diesem Abstand gar permanent mit 100 mW/m2. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Nervosität und Konzentrationsprobleme können die Folge sein; die langfristigen Auswirkungen von WLAN-Strahlung auf die Gesundheit sind ungeklärt. In Großbritannien, wo bereits 80 Prozent der weiterführenden Schulen und die Hälfte der Grundschulen drahtlos vernetzt sind und sich die Beschwerden von Schülern und Lehrern häufen, forderte die »Professional Association of Teachers« (PAT) schon im April 2006 vom britischen Bildungsministerium eine wissenschaftliche Untersuchung über mögliche Langzeitwirkungen. Funknetzwerke könnten zum »Asbest des 21. Jahrhunderts« werden, sorgt sich der Lehrerverband. Der BN will jetzt herausfinden, wie es an bayerischen Schulen um die Vernetzung bestellt ist, und setzt sich für Kabel-Netzwerke als unschädlichere WLANAlternative ein, die zudem höhere Übertragungsraten und mehr Datensicherheit bietet. Helga Krause, BN-Mobilfunkbeauftragte (asw)

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Unsichtbare Gefahr Im Interesse ihrer Gesundheit sollten Kinder nicht der Strahlung von drahtlosen Netzwerkkarten und WLAN-Routern ausgesetzt werden. Das gilt für zu Hause natürlich ebenso wie für die Schule.


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Mutiger Kämpfer für die Umwelt

Foto: privat

Abschied

Bund Naturschutz trauert um Eduard Bernhard

Eduard Bernhard †

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m Juni 2006 hatte Eduard Bernhard, langjähriger Vorsitzender der Kreisgruppe Aschaffenburg, noch zusammen mit seinen engen Wegbegleitern im BN seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert. Nun mussten wir erfahren, dass der Umwelt-Aktivist par excellence am 26. April dieses Jahres verstorben ist – dem Jahrestag der TschernobylKatastrophe, die auch sein Engagement stark mitprägte. Über 40 Jahre lang hatte der gelernte Logistik-Kaufmann seine Stimme für die Umwelt erhoben. Kaum ein Umweltthema, in das er sich nicht innerhalb kürzester Zeit einarbeitete, das er nicht mediengerecht transportierte. Sein Erfolgsrezept war die Beharrlichkeit, das Dranbleiben, Nachbohren, Anmahnen – für die betroffenen Behörden und Politiker oft reichlich unbequem und gerade deshalb so effektiv.

Wie bei vielen Umwelt-Engagierten, hatte auch bei Bernhard persönliche Betroffenheit – der geplante Bau der A 45 unmittelbar vor seiner Haustüre – seinen Einsatz für die Natur ausgelöst. Später half der Träger des Bundesverdienstkreuzes, die Wiederaufbereitungsanlage in Frankenberg und den Block C in Biblis zu verhindern, ebenso wie die Giftmülldeponie in Mainhausen. Bundesweit bekannt gemacht hat ihn sein hartnäckiger und erfolgreicher Kampf gegen die Hanauer Atom- und Plutoniumfabriken. Gerade am Untermain, wo sich im Dunstkreis der Metropole Frankfurt die Umweltprobleme häufen, trug sein Engagement dazu bei, weitere Gefahren wie den Atomreaktor Karlstein abzuwenden. Genauso engagiert wie im Kampf gegen Atomfabriken und Giftmüllverbrennungsanlagen setzte sich Bernhard für den Aufbau von Naturschutzverbänden ein. Bereits 1972 initiierte er die Gründung der BN-Kreisgruppe Aschaffenburg. Er war Kreisvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, initiierte die Aktionsgemeinschaft Umweltschutz-Untermain und auch den BUND Landesverband Hessen. Eduard Bernhard war somit ein Pionier der ersten Stunde des BUND. Dabei drängte er sich nie in

der Vordergrund. In der BN-Kreisgruppe arbeitete er jahrzehntelang als stellvertretender Vorsitzender. Erst als sich 1995 niemand bereit erklärte, den Kreisgruppenvorsitz zu übernehmen, sprang Bernhard ein – und leitete die Kreisgruppe bis ein Jahr vor seinem Tod. Da zu sein, wenn er gebraucht wurde, war ebenso ein Charakterzug Bernhards wie seine Bescheidenheit, seine Unbeugsamkeit und sein Mut. Diesen bewies er zum Beispiel immer wieder auf Aktionärsversammlungen von Großkonzernen. Er selbst hatte die Strategie entwickelt, dort durch den Erwerb einer Aktie Rederecht zu erhalten, um die »Umweltsauereien« der einzelnen Unternehmen in der Höhle des Löwen anzuprangern. Bei Eduard Bernhard muss ein Nachruf eigentlich ein Aufruf sein – ein Aufruf, seine Arbeit fortzuführen, gegen Atomenergie und Kohlekraftwerke, gegen Flughafenausbau, für eine lebenswerte Umwelt, für saubere Luft, Erde, Flüsse und für wunderschöne Wälder. Der Bund Naturschutz hat Eduard Bernhard viel zu verdanken und wird sich stets in Dankbarkeit an ihn erinnern. Prof. Dr. Hubert Weiger und Sebastian Schönauer, für den BN-Landesvorstand

Servus Helga

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Danke

m 10. Mai dieses Jahres ist Helga Wessely nach schwerer Krankheit gestorben. Die trotz der Erkrankung überraschende Nachricht über ihren Tod hat uns alle im BN, die wir sie als lebenslustigen und immer optimistischen Menschen voll Tatendrang kannten, tief bestürzt. Helga Wessely war nicht nur acht Jahre Sekretärin in der Fachabteilung München, sondern sie hat sich besonders für ihre geliebten Berge herausragend eingesetzt und die Arbeit des BN-Landes-

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verbandes und des BN-Arbeitskreises Alpen im Schutz des Hochgebirges stark unterstützt. Auch die Landtagsfraktion der Grünen hat mit ihr im Alpenschutz hervorragend zusammengearbeitet. Und in der Kreisgruppe München war sie zudem ehrenamtlich aktiv. Wir alle werden sie als Kollegin und als besonderen Menschen in lieber Erinnerung behalten und vermissen. Christine Margraf, Leiterin der BN-Fachabteilung München

Foto: privat

Alpenschützerin verstarb viel zu früh

Helga Wessely †


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Heimat Heimisch, meint Peter Fischer, Teilnehmer unseres gleichnamigen Fotowettbewerbs, fühlt sich jeder woanders. Aber immer hat »Heimat« etwas mit Geborgenheit zu tun.


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Rekordhalter im Kollegenkreis »Kreisgruppenvorsitzender des BN ist ein schönes Amt.« Dr. Klaus Arbter (3. v. l.) wurde im März von Landesvorsitzendem Hubert Weiger (2. v. l.) und den Nachbar-Kreisvorsitzenden Fred Terporten-Löhner (Wunsiedel, links), Peter Zahn (Amberg-Sulzbach, 4. v. l.), Klaus Pöhler (Schwandorf, 2. v. r.) und Helmut Korn (Bayreuth, rechts) verabschiedet.

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Foto: Wildner

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Dr. Klaus Arbter war 34 Jahre Kreisvorsitzender

Rückblick eines Augen-Menschen Niemand hat je eine Kreisgruppe des Bundes Naturschutz so lange geleitet wie Dr. Klaus Arbter, fast dreieinhalb Jahrzehnte. Bei der Stange gehalten hat ihn vor allem: sein Sinn für Ästhetik und Harmonie.

Foto: privat

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Andere Zeiten Klaus Arbter 1977, als er noch gegen den gigantischen »Gumpen-Stausee« kämpfte.

Bilder meiner Landschaft Unter diesem Titel hat Arbter seine einfühlsamen Landschaftsfotos aus der nördlichen Oberpfalz in einem Bildband veröffentlicht.

s ist Klaus Arbter selbst, der sich im N+U-Gespräch als »AugenMensch« bezeichnet – und dies gleich unterstreicht, als er schwer zu erklärende Begriffe einfach mit dem Zeichenstift darstellt. Der pensionierte Gymnasiallehrer hat immer schon einen besonderen Blick für die Harmonie in Bildern gehabt, in Landschaftsbildern ebenso wie in Ortsbildern. Für dieses »Geschenk vom Herrgott« ist der gläubige Mensch dankbar, auch wenn er dadurch Schmerzen kennen gelernt hat, die vielen fremd sind. Es hat ihm immer richtig »wehgetan, wenn eine Landschaft oder ein Ortsbild kaputt gemacht wird«. So möchte Arbter auch gar nichts Besonderes darin erkennen, dass er sein halbes Leben die Kreisgruppe Tirschenreuth des BN geleitet hat. Gab ihm dieses Amt doch die Gelegenheit, sich gegen die ihn so verletzenden Störungen seiner vertrauten Heimat-Bilder zur Wehr zu setzen. Angefangen hat alles mit dem »Gumpen-Stausee«, einem Projekt der 70er-Jahre, so gigantisch in seinem Zerstörungspotenzial, dass man es sich heute kaum vorstellen mag. 460 Hektar einmalige Biotopvielfalt inmitten von 100 Quadrat-

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kilometer völlig unberührter Landschaft sollten dem Kunstgewässer bei Maximal-Stau zum Opfer fallen (Minimal-Stau nur 19 Hektar!), eine Fläche größer als der Schliersee. Ein Pech für die Planer und ein Glück für die Natur, dass sich in genau jenem Gebiet Klaus Arbter »zu Hause« fühlte, dort zum Beispiel Pflanzen für seinen Bio-Unterricht holte. Und dieses Bild von einer Landschaft sollte zerstört werden? Dagegen musste er einfach vorgehen, zunächst mit einer Handvoll Gleichgesinnter, mit Protestschreiben an die Politik – und mit anfangs mäßigem Erfolg.

Skandalplanung abgeschmettert Bis er sich 1973 den BN zum Verbündeten holte, der damals im Landkreis noch gar nicht organisiert war, als Landesverband aber bereits sehr schlagkräftig. Es kamen der Landesvorsitzende Hubert Weinzierl und Hubert Weiger, seinerzeit Beauftragter für Nordbayern, und es kamen zur ersten Pressefahrt gleich 30 Journalisten, die die Skandalplanung in die Öffentlichkeit trugen. Der Kampf für die »Gumpen« sollte dennoch lange dauern. Was 1978 nach insgesamt sieben Jahren blieb, war ein grandioser Erfolg –

das zuständige Gericht folgte komplett der BN-Argumentation und schmetterte die Planung ab –, war eine gerettete Landschaft, Heimat für allein 200 Vogelarten, und war eine stark gewordene BN-Kreisgruppe mit ihrem Gründungsvorsitzenden Dr. Klaus Arbter. Der sollte noch dreißig weitere Jahre ein empfindsames Auge auf die Tirschenreuther Heimat haben und mit seiner Kreisgruppe viele Erfolge für Natur und Umwelt feiern. Ein Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Mitterteich konnte zwar nicht verhindert, dafür aber die Menschen im Landkreis gegenüber den Gefahren der Radioaktivität sensibilisiert werden. Dies stellte sich Jahre später bei der erfolgreichen Mobilisierung gegen die WAA als entscheidend heraus. Mancher Bach, mancher Obstbaum fiel nicht der Flurbereinigung zum Opfer. Straßen wurden wenigstens auf verträglicheren Trassen gebaut. Unzählige Menschen konnten an die Schönheit ihrer heimischen Natur herangeführt werden. Und Vieles, Vieles mehr. Wer so lange und so erfolgreich eine BN-Kreisgruppe leitet, der ist natürlich als Ratgeber gefragt. Bei aller Bescheidenheit und obwohl jede Kreisgruppe andere Aufgaben habe, fällt Klaus Arbter doch Einiges ein, was zu beachten wert wäre. Vor allem habe der BN eine sinnvolle, lohnende und immer wichtigere Aufgabe darin, den Menschen die Schönheit einfacher Dinge zu zeigen. Sich in der Natur gemütlich zusammenzusetzen, Rad zu fahren, zu wandern, sich Zeit für sinnvolle, schöpferische Tätigkeit zu nehmen – dafür ließen sich die Leute gerne begeistern. Je mehr Menschen der BN die Schönheit der Heimat nahebringe, desto leichter werde es, deren Zerstörung entgegenzuwirken. Klaus Arbter weiß, wovon er redet. »Kaum jemand hat so vielen Menschen die Augen geöffnet wie er und sie über die Schönheit der Natur an deren Schutz herangeführt«, wie Hubert Weiger in seiner Verabschiedungsrede für Arbter dankbar feststellte. Manfred Gößwald, leitender Redakteur


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Foto: Konopka

Abgehoben: Für ihre Geschäftsreisen möchte die Autozulieferfirma Brose aus Coburg seit Mitte 2005 möglichst nah vor der eigenen Haustür einen Flugplatz gebaut haben. Aufgrund massiver Proteste von vier Bürgerinitiativen und dem BN lehnte der Coburger Kreistag das Ansinnen eines Flugplatz-Neubaus im Mai 2007 jedoch einstimmig ab. Zuvor hatte Dagmar Escher, Sprecherin des Bündnisses gegen den Flughafen, dem oberfränkischen Regierungspräsidenten über 7400 Einwendungen

Kreisgruppe Wunsiedel

Widerstand gegen Fichtelgebirgsautobahn wächst Anfang April stellte das Staatliche Bauamt Bayreuth vier mögliche Korridore für die geplante und heftig umstrittene Fichtelgebirgsautobahn vor. Kurz darauf demonstrierten rund 2000 Bürger gegen das Bauvorhaben. Denk mal Mit dem Bau der Fichtelgebirgsautobahn wollen sie sich möglicherweise ein Denkmal setzen: Joachim Hunger (IHK Oberfranken), Günter Verheugen (EUKommissar), Peter Seißer (Landrat Wunsiedel), Klaus Günter Dietel (Landrat Bayreuth). Ein Großteil der Bürger will aber lieber sein intaktes Mittelgebirge behalten.

Foto: Konopka

n einer sogenannten Raumempfindlichkeitsstudie, welche die Trassenfindung für die Autobahn fördern soll, fasst das Bauamt für den Verlauf der bis zu 51 Kilometer langen und bis 450 Millionen Euro teuren Autobahn vier Varianten ins Auge. Im Westen von der A9 ausgehend beginnen alle Korridore im Gebiet etwa zwischen Bad Berneck und Groß Losnitz / Zell, im Osten endend liegen sie zwischen Marktredwitz und Höchstädt. Die südlichste Variante umgeht Wunsiedel knapp im Süden, die nördlichste Trasse führt südlich an Marktleuthen vorbei. Nach den Vorstellungen von Innenminister Günter Beckstein soll hier in einigen Jahren der Ost-West-Verkehr rollen. »Nichts wirklich Neues«, meint dazu der Geschäftsführer der BNKreisgruppe Wunsiedel, Karl Paulus. »Die wollen mit aller Gewalt eine Trasse durch das Fichtelgebirge schlagen, und dazu müsste das kleine Mittelgebirge überall zurechtgestanzt werden. Dass man jetzt Korridore gefunden haben will, in denen sich das Asphaltband umweltverträglich bauen ließe, können auch nur die notorischen Autobahnbefürworter glauben.« Währenddessen war der Andrang am Waldstein bei der diesjährigen Kundgebung gegen die Fichtelge-

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birgsautobahn im Mai so groß wie nie. Die fast 2000 Demonstranten wollen zusammenhalten und die Fichtelgebirgsautobahn gemeinsam mit den über 30 000 Unterstützern der vom Bund Naturschutz mitgetragenen Bürgerinitiative verhindern. Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger erinnerte die bayerische Politik bei der Demonstration an ihre Hausaufgaben im Klimaschutz,

gegen das Projekt übergeben (siehe Foto). Jetzt sind die zwei Standorte Rattelsdorf und Kaltenbrunn bei Bamberg im Gespräch. Auch dort sind der BN und zwei Bürgerinitiativen inzwischen aktiv. Kostenfrage: Weil der Landkreis Wunsiedel als einziger in Oberfranken noch nicht Mitglied der unabhängigen Energieagentur Oberfranken ist, wandte sich die Kreisgruppe Wunsiedel im März an den Kreistag mit der Bitte um Beitritt. Landrat Dr. Peter Seißer (SPD) ließ den BN jedoch abblitzen. Eine Mitgliedschaft bei der Energieagentur, die etwa 2600 Euro pro Jahr kostet, sei finanziell

mit denen sich ein solches Autobahnprojekt nicht vereinbaren lasse. Der Widerstand gegen das Dinosaurierprojekt wächst weiter. Angesichts »geschwundener politischer Unterstützung« für die Autobahn titelte der Nordbayerische Kurier aus Bayreuth Ende April: »Ein zweites Wackersdorf?« Tom Konopka (hl)

nicht drin. Indes belastet Seißer den Haushalt des Kreises mit jährlich circa 75 000 Euro für den defizitären Flughafen Hof-Plauen und verplant 450 Millionen Euro Steuergelder für die unnötige Fichtelgebirgsautobahn. Ebenfalls aus Kostengründen will der Landkreis nach der Klima-Initiative der Kreisgruppe übrigens auch seine 77 Euro pro Jahr kostende Mitgliedschaft beim BN kündigen. Kompromiss: Die Straßenbauverwaltung plant im Landkreis Lichtenfels nach wie vor eine Flächen verschwendende Neubautrasse der Staatsstraße 2187 zwischen Prächting und Ebensfeld mit

Direktanbindung an die B 173. Zwar erkennt der BN die Notwendigkeit dieses Straßenbaus angesichts von weit unter 2000 Kfz pro Tag weiterhin nicht. Weil beim Erörterungstermin im Oktober 2006 aber deutlich wurde, dass die Verwaltung an einer »großen Lösung« festhält, schlug die Kreisgruppe Ende 2006 eine Alternativtrasse östlich des B 173-Damms im Kelbachgrund vor. Diese Variante würde weniger Landschaft zerstören.

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Kundgebung auf die geplanten Baumaßnahmen der US-Armee aufmerksam gemacht hat. Bereits im Dezember des letzten Jahres forderDie US-Armee möchte auf ihrem Ansbacher Übungsgelände, dem Urlas, te der BN-Landesvorsitzende eine Wohnsiedlung mit 500 Häusern errichten. Wegen des hohen Hubert Weiger in einem Schreiben ökologischen Werts setzen sich die Kreisgruppe und eine Bürgerinitiaan das Hauptquartier der US-Armee tive für den Erhalt der Freifläche ein. in Heidelberg, die Planung zu überprüfen und dabei die deutschen Gesetze zu beachten, da die artenreichen Magerrasen des Urlas unter Schutz stehen. Bisher liegt dem BN keine Reaktion der Amerikaner vor. Die Befürworter von Wohnbauten und Umgehungsstraße, darunter sowohl die CSU als auch die SPD, setzen auf wirtschaftliche Vorteile für die Stadt und unterstützen die Bauvorhaben deshalb. Im Südteil des Urlas, einem wertvollen Biotopbereich von 40 bis 50 Hektar, konnte sich die Natur in den letzten 50 Jahren ungestört entwickeln. Dort wachsen Flockenblume, Echtes Labkraut, Wilde Möhre und teilweise sogar Thymian. Hinzu kommen temporär Wasser führende as Staatliche Bauamt erarbeitet eichenbach und Katterbach in Mulden – für Amphibien ein kleines derzeit eine Entwurfsplanung unmittelbarer Nähe. Der Bund Paradies. Seltene Vögel wie Rebfür 138 erste Häuser, die auf dem Naturschutz will die US-amerikanihuhn, Wiesenpieper, Wachtel, Kierund 100 Hektar großen Urlas entsche Splittersiedlung jenseits bestebitz und Haubenlerche brüten hier. stehen sollen. Außerdem bereits in hender Siedlungsstrukturen verhinWohnsiedlung und Umfahrung der Planung befindet sich eine dern und plädiert dafür, das Gebiet würden aber nicht nur Natur zerknapp drei Kilometer lange Umfahder Natur zu überlassen. stören, sondern darüber hinaus rungsstraße für die Orte OberIm März schloss sich die Kreisgroßflächig den Boden versiegeln gruppe der neu gegründeten und die Belastung durch Lärm und Bürgerinitiative »Etz langts« an, die Abgase des Individualverkehrs seither mit vielen Aktionen wie steigern. einem Ostermarsch, GottesdienBernd Horbaschek, sten, Pressegesprächen und einer Tom Konopka (hl)

Kreisgruppe Ansbach

Wer den Frieden liebt, … … muss »Nein« zu den Ausbauplänen sagen. Das stark gefährdete Rebhuhn fühlt sich seit 50 Jahren im Urlas zu Hause.

Foto: Kreisgruppe

Foto: Willner

Urlas: BN gegen US-Armee

Hubert-WeigerLinde: »Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst …«. Sichtlich amüsiert lauschte der BNVorsitzende Hubert Weiger dem Geburtstagsständchen, das ihm Christiane Matern, die Vorsitzende der Kreisgruppe Nürnberg Land, und einige ihrer Mitstreiter zum 60. Geburtstag darboten. Im Rahmen eines gemeinsamen Sommerfests pflanzte die Kreisgruppe Weiger zu Ehren außerdem eine Linde. »Immer wenn es brenzlig Foto: Kreisgruppe

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wurde, konnten wir mit Deiner Hilfe rechnen«, dankte Matern Weiger und unterstrich, dass die Aktiven der Kreisgruppe Weiger als Freund und Naturschützer bewunderten und ihm jederzeit vertrauten. Noch mehr Verkehr: Zwischen den Anschlussstellen Tennenlohe und Nürnberg-Nord soll eine direkte Verbindung von der A3 zum Nürnberger Flughafen gebaut werden. Die Trasse würde den bisher weit-

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gehend unberührten Nürnberger Reichswald auf einer Länge von 1,5 Kilometern durchqueren. Ziel des Unterfangens: Die Fahrtzeit von der Autobahn zum Flughafen soll sich um fünf bis zwölf Minuten verringern. Der Preis: 50 Millionen Euro Steuergelder, Entwertung des wichtigsten Naherholungsgebiets im Nürnberger Norden, existenzielle Bedrohung seltener Tiere und Pflanzen, noch mehr Abgase und Lärm für die Anwohner. So nicht, meint der BN. Schöpfung bewahren: Im Juni boten die Kreisgruppe HöchstadtHerzogenaurach und die Ortsgruppe Hemhofen-Röttenbach

wieder 50 Firmlingen und Konfirmanden einen Naturerlebnistag unter dem Motto »Schöpfung bewahren« an. Dazu gestaltete der BN einen Nachmittag im Wald, wo die Jugendlichen Nisthilfen bauten, Astbilder erschufen und an Exkursionen in den Wald und an einen Weiher teilnahmen. »Das Tolle an diesem Projekt ist die Zusammenarbeit verschiedener Organisationen. So übernimmt ein Jugendpfleger den Beginn des Nachmittags, der BN gestaltet die Stationen draußen in der Natur, und anschließend bereiten die Firmlinge eine Andacht vor«, freut sich so Roman Zunker, der Kreisgruppen-Vorsitzende.


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Kreisgruppe Aichach-Friedberg

Bürger wehren sich erfolgreich gegen Kiesabbau So klappt es: Um den drohenden Abbau eines Kieshügels zu verhindern, halfen Anwohner und Landwirte der kleinen Gemeinde Taiting-Bitzenhofen zusammen. Sogar eine neue Bund NaturschutzOrtsgruppe gründeten sie. Jetzt sind die Abbaupläne vom Tisch, die Heimatlandschaft ist gerettet.

Mit allen Mitteln: Die Gemeinde Burtenbach im Landkreis Günzburg plant eine Umgehungsstraße. Damit sie an derzeit nicht gewährte Fördergelder gelangt, will die Gemeinde die Straße erst einmal mit eigenen Mitteln bauen, um sie danach als Staatsstraße einstufen zu lassen und nachträglich zu kassieren. Wegen des Widerstands gegen das Vorhaben konnte die Gemeinde aber bislang nur wenige Grundstücke auf der geplanten Trasse durchs Osterbachtal erwerben. Deshalb möchte sie jetzt eine Unternehmensflurbereinigung durchsetzen, um die Grundstücke quasi »enteignen« zu können. Naturverträglichere Alternativen

des Waldes auf dem Hügel hätte außerdem den Wasserhaushalt eines angrenzenden Tals mit Feuchtwiesen gestört. Barbara Zach (hl)

wurden nicht geprüft. An wichtige Infos kamen die Betroffenen erst durch die Mithilfe des BN. Rita Jubt: Im März verabschiedete die Kreisgruppe Günzburg ihre bisherige Vorsitzende Rita Jubt. Nachfolger ist Jubts Vorgänger Karsten Schultz-Ninow, der die Kreisgruppe bereits von 1977 bis 1998 führte. Jubt war Vorsitzende seit 2003, zuvor engagierte sie sich als stellvertretende Vorsitzende und Geschäftsführerin der Kreisgruppe. Bis zum Jahr 2000 brachte sie als Mitglied des Landesvorstands ihre steuerrechtlichen Fachkenntnisse in die Arbeit des BN ein. Über die Landkreisgrenze

hinaus bekannt ist Jubts Engagement für eine Waldschaf-Herde, die sie 1993 übernahm und die seither im Donauried für die Landschaftspflege genutzt wird. Im Widerstand gegen das Kernkraftwerk und das Zwischenlager Gundremmingen kämpfte sie an vorderster Front, ebenso wie gegen das Legoland.

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24 Hektar umfasst, die in 30 Jahren abgebaut werden sollte, so dass der Hügel verschwunden wäre. Für viele Bewohner der umgebenden Orte hätte das zum Verlust ihres Heimatgefühls geführt. Zudem hätte der Schwerlastverkehr des Kiestransports die ruhige ländliche Umgebung stark beeinträchtigt. Die für den Abbau notwenige Rodung

Foto: Hofmann

Klasse Idee: Das von der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu und der Alpenschutzkommission CIPRA entwickelte Konzept für ein Naturerlebniszentrum Allgäuer Alpen erhielt beim Wettbewerb »Neue Ideen fürs Allgäu« Ende Mai den ersten Preis. In seiner Laudatio betonte Bürgermeister Kammel die Bedeutung der Naturerlebniseinrichtung als regionales Kompetenzzentrum für Umweltbildung und sanften Naturtourismus. Insgesamt 251 Ideen zur zukünftigen Gestaltung der Region waren beim Wettbewerb der Allgäu-Initiative und der Allgäuer Aktionsgruppen des EU-Programms LEADER+ eingereicht worden.

Identität Man stelle sich die Landschaft ohne Wald und Hügel vor. Würde man sie wiedererkennen? Nein. Für die Bewohner der Gemeinde TaitingBitzenhofen war der erfolgreiche Kampf um den Erhalt des Hügels deshalb eine Identitätsfrage.

Foto: BN

nde Januar 2007 lehnte das Landratsamt Aichach-Friedberg den Antrag des Freiherrn von Gravenreuth, auf seinem Grund einen Kieshügel abzutragen, ab. Der Unternehmer zog den Antrag daraufhin zurück. Als Begründung für seine Entscheidung gab das Landratsamt an, der Abtransport des Kieses sei mangels geeigneter Wege nicht gesichert. Von den beiden für den Kiestransport infrage kommenden Feldwegen wurde der eine von Behördenseite als ungeeignet abgewiesen. Den anderen hatte ein engagierter Bauer der Gemeinde kurzerhand abgekauft, so dass der nunmehr in Privatbesitz befindliche Weg für die Kieslaster nicht mehr zur Verfügung stand. Zuvor waren der Arbeitskreis für den Erhalt des Tertiären Hügellandes (ARGETH) und der Bund Naturschutz mit zahlreichen Aktionen für den Erhalt des Kieshügels aktiv: So setzten sie ein Feldkreuz, um die kleinen Feldwege vor Ausbau und Schwerlastverkehr zu schützen, und luden zu einem Fest mit Kundgebung, zu dem Mitte September 2006 rund 150 Menschen kamen. Um dem Widerstand gegen den Kiesabbau noch mehr Rückenstärkung zu verleihen, gründeten die Aktiven im Februar 2007 bei einer sehr gut besuchten Versammlung die BNOrtsgruppe Bitzenhofen mit Bernhard Kreutmayr als Vorsitzendem. Der Abbauplan für den Kieshügel hatte insgesamt eine Fläche von


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Kreisgruppe Straubing-Bogen

Foto: Okapia (Wiesenweihe), Molz (Haindling)

Dritte Straße von Geiselhöring nach Straubing?

optimieren. Dazu müsste die Labertal-Bahnstrecke saniert, beschleunigt und ihre Zugfrequenz erhöht werden. Währenddessen erweist sich die Verkehrssituation in den Ortschaften Hainsbach, an der Kreisstraße Straubing – Geiselhöring gelegen, und Hirschling, durch das die Staatsstraße verläuft, auch aus BN-Sicht als unzumutbar. Der dringend notwendige Bau einer ortsnahen Umgehung des Dorfes Hainsbach und ein Ausbau der Kreisstraße werden aber von der CSU-Mehrheit im Kreistag blockiert, weil dadurch die neue Straße auf der dritten Trasse unnötig würde. Der BN hat sich daher im Juni an die Regierung von Niederbayern gewandt und ein Raumordnungsverfahren beantragt, bei dem auch die vorgeschlagenen Alternativen zur Neubaustrecke zu prüfen sind. Falls dies nicht geschehen sollte, wird der BN eine entsprechende Petition an den Landtag richten. Gleichzeitig soll die Kreisstraße zur Staatsstraße erklärt werden, weil sich dann mit Mitteln des Freistaates umweltschonend und flächensparend eine Umgehung für Hainsbach bauen ließe. Tatkräftig unterstützt wird die Kreisgruppe von Helmut Steininger als Beauftragtem des Landesvorstands für Ostbayern. Andreas Molz (hl)

Das Staatliche Bauamt Passau und der Kreistag Straubing-Bogen wollen eine dritte Straße von Geiselhöring nach Straubing bauen. Insgesamt würde das circa 30 Hektar überwiegend beste Ackerböden beanspruchen, 15 Millionen Euro kosten und Brutplätze der streng geschützten Wiesenweihe bedrohen.

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as wollen die BN-Kreisgruppe Straubing-Bogen, eine Bürgerinitiative und der Stadtrat von Geiselhöring gemeinsam verhindern. Wegen der fehlenden Zustimmung der Stadt Geiselhöring liegt die Straßenplanung momentan auf Eis. Die dritte Straße soll zusätzlich zur Staatsstraße 2142 und einer Kreisstraße, die beide von Geiselhöring nach Straubing führen, entstehen.

Bundesliga: Wettbewerb belebt das Geschäft. Das gilt auch für die Solarbundesliga, eine Initiative des Bundes-Umweltministeriums und der Deutschen Umwelthilfe: Hier stellen sich Kommunen dem Solar-Wettstreit. An die Spitze kommt, wer möglichst viel Solarstrom und Solarwärme installiert. Seitdem die Gemeinde Peffenhausen im Landkreis Landshut auf Initiative der BN-Ortsgruppe in der Solarbundesliga mitspielt, ist das Thema in aller Munde – der Ort belegt bundesweit sogar Platz 21. Die Ortsgruppe leistete ihren Anteil mit der Initiative zur Teilnahme, einer Ausstellung zur Solarenergie und Infos für die

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Die Trasse würde zwei bis drei Kilometer östlich der Staatsstraße liegen und bei Perkam wieder in diese einmünden. Als Argument für den Neubau führen Kreistag und Bauamt an, Geiselhöring vom Verkehr entlasten zu wollen. Das ginge aber anders besser. Statt durch eine neue Straße noch mehr Verkehr anzuziehen, will der Bund Naturschutz den Nahverkehr

Bevölkerung. Mehr Info unter www.solarbundesliga.de Wölfe in Bayern: Immer wieder gab es in den letzten Jahren Meldungen über Wölfe in Bayern. Vor allem in den Bayerischen Wald kamen die Wölfe. Das war Anlass für die Kreisgruppe Freyung-Grafenau, die Informationsbroschüre »Wölfe in Bayern« zu erstellen. Unter der Federführung des Kreisgruppenvorsitzenden Michael Haug und in Zusammenarbeit mit der Gesell-

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schaft zum Schutz der Wölfe entstand so im Frühjahr 2007 eine Broschüre über die Kulturgeschichte, Biologie und Lebensmöglichkeiten des Wolfes in Bayern. Bezugsadresse: Kreisgruppe Freyung-Grafenau, Tel. 0 85 54 9 42 98 88, freyung-grafenau@ bund-naturschutz.de Vogel des Jahres: Seit circa vier Jahren brüten Turmfalken in einem von der BN-Kreisgruppe Passau aufgehängten Nistkasten. Heuer haben die beiden Elterntiere sieben Jungtiere zu versorgen. Der Kreisgruppenvorsitzende Karl Haberzettl und der Grundstücksbesitzer Josef Zechmann sind stolz

Foto: Tuschl

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Ruhe für Haindling Die geplante Trasse würde im Bildvordergrund an dem beschaulichen Wallfahrtsort Haindling vorbeiführen. Damit verbunden wäre ein Verlust an landschaftlicher Identität, Ruhe und Rückzugsgebieten der stark gefährdeten Wiesenweihe.

auf die gelungene Artenschutzmaßnahme – auch, weil es sich beim Turmfalken um den Vogel des Jahres 2007 handelt.


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Rappin: rapid, reißend Die Rappinalm hat ihren Namen vom keltischen Wort »Rappin«, das »die Reißende« bedeutet und sich auf den Bach Rappin-Laine bezieht. Heute könnte man den Namen als Warnung vor der Erosion deuten, welche die labilen Böden nach dem Bau der Straße vermehrt wegreißen würde.

Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen

Petition für Rappinalm

ie 153 Hektar große Rappinalm zählt zu den nur noch acht Prozent von Bayerns Almen, die nicht für Kfz erschlossen sind. Hier leben Pflanzenarten der Roten Liste wie Mehlprimel, Alpen-Fettkraut oder Bunter Schachtelhalm und vom Aussterben bedrohte Birk- und Haselhühner. Mit einem Erschließungsweg würden die scheuen Vögel stark gestört, die Standorte der Pflanzen sowie das Landschaftsbild zerstört, der Erosion Tür und Tor geöffnet. Zudem wären nicht nur die Alm selbst, sondern auch die Bereiche, die der 1,7 Kilometer lange geplante Weg durchqueren würde, betroffen. Wegen des Untergrunds wären immense Stützmaßnahmen für den Weg notwendig – und das in geschützten Land-

Foto: Drobny

Gesichtsverlust: Aufgrund des überdurchschnittlich hohen Flächenverbrauchs droht der Chiemgau sein natürliches Gesicht zu verlieren. Anlässlich der Veranstaltung »Wege zur intelligenten Flächennutzung« des Regierungsbezirks Oberbayern im Mai forderte der Bund Naturschutz die Kommunalpolitiker auf, freie Flächen zu schützen. Konkret geht es unter anderen um einen Gewerbepark bei Bad Feilnbach und die Verkleinerung des Schutzgebiets Inntal im Landkreis Rosenheim, mehrere Verkehrsprojekte im Landkreis Traunstein und ein Factory Outlet Center bei Berchtesgaden.

schaftsbestandteilen wie BlaugrasBuchenwäldern und Quellmooren. Gegen den Wegebau haben sich neben dem BN deshalb auch der LBV, der DAV, die Bergwacht und der Naturschutzbeirat des Landkreises (siehe N+U 1-2006) ausgesprochen. Der Landwirt aus Jachenau, der die Alm als Viehweide nutzt, und der Bad Tölzer Landrat Nagler halten jedoch an dem Vorhaben fest. Als Begründung führen sie an, man brauche einen für Autos befahrbaren Weg, um Geräte und Werkzeug, Material für die Hütte und eventuell kranke Tiere zu transportieren. Der BN erkennt an, dass das Fehlen einer Straße dem Bauern die Arbeit erschwert. Andererseits muss auch der Naturschutz beachtet werden.

18 000 protestierten: Im Mai stellten rund 18 000 Menschen mit einer eindrucksvollen Demonstration in München klar: Wir wollen keine dritte Startbahn am Flughafen München. Damit richteten die Bürger eine klare Botschaft an die Adresse der Politik für den Erhalt ihrer Heimat. Zu der Demonstration hatten der BN, über 20 weitere Verbände und Initiativen sowie die Landräte von Freising und Erding aufgerufen.

Daher plädiert die Kreisgruppe dafür, die Fördermittel für nicht erschlossene Almen zu erhöhen. Als Alternative zur Straße ließen sich Materialseilbahnen oder Spezialfahrzeuge nutzen. Ende Juli beriet der Oberste Naturschutzbeirat auf Antrag des BN über den Wegebau. Die Entscheidung des Umweltausschusses im Landtag ist im September zu erwarten. Carola Belloni, Holger Lieber

Nachmachen: Die Alpenorganisation CIPRA präsentiert auf ihrer Website jetzt das gesammelte Wissen zu sechs Themenbereichen rund um den Schutz der Alpen. Damit will sie Ideen und Projekte für eine umweltverträgliche Entwicklung, die in der Praxis bereits sehr gut funktionieren, allgemein bekannt machen. Zum Infoangebot gehören unter anderem Berichte und 160 Best-PractiseBeispiele. Mehr Infos: www.cipra.org/zukunft Umwelttaler: Im März hat die BN-Kreisgruppe Mühldorf zum 15. Mal ihren Umwelttaler verliehen. Der diesjährige Preisträger ist

der Öko-Bauer Hubert Roßkothen. Er tritt aus Überzeugung für die sanfte, regionale Erzeugung von Lebensmitteln, auch als wichtigen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz, ein. Außerdem ist er einer der Gründer der Arbeitsgruppe »Zivilcourage«, deren Ziel es ist, über die Gefahren des Gentechnik-Einsatzes in der Landwirtschaft aufzuklären. Natur+Umwelt gratuliert.

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Foto: Kreisgruppe

Foto: Kreisgruppe

Mit einer Petition appellierte der Bund Naturschutz Ende Mai an den Landtag, den geplanten Bau eines für Kfz befahrbaren Weges zur Rappinalm abzulehnen. Die Kreisgruppe möchte damit ein landschaftliches Kleinod und den Rückzugsraum gefährdeter Tiere und Pflanzen bewahren.


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Wiege des Nationalparks Der BN-eigene, seit etwa 30 Jahren unbewirtschaftete Urwald Spitalgrund bei Prüßberg im Landkreis Schweinfurt könnte zusammen mit anderen Naturwaldreservaten die Keimzelle des künftigen Nationalparks bilden.

Foto: Sperber

ren in dem Gebiet bereits eine ganze Reihe von Schutzgebieten und Naturwaldreservaten. Damit ist der nördliche Steigerwald als ökologisch wertvollstes größeres Laubwaldgebiet Bayerns für die Ausweisung eines Nationalparks geradezu prädestiniert. Der strukturschwachen Region würde ein solcher Park zudem große Chancen im Tourismus eröffnen. Kreisgruppen Bamberg, Haßberge, Schweinfurt Die Initiative für die Gründung eines Nationalparks geht auf Lokalpolitiker, insbesondere den Bamberger Landrat Denzler, zurück, der Auf die Initiative des Bundes Naturschutz (BN) ging bereits die Grünsich für die Idee eines Weltnaturdung der Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgaden zurück. erbes Nördlicher Steigerwald einJetzt unterstützt der BN die Schaffung eines Nationalparks Steigersetzte. Die Chancen für eine Realiwald. Wegen seiner uralten Buchenwälder ist der nördliche Steigerwald sierung des Projekts stehen gut, für die Einrichtung von Frankens erstem Nationalpark prädestiniert. zumal sich fast alle Waldflächen in Staatsbesitz befinden. Zwar stehen uf über 11 000 Hektar wachsen lands, wo alle heimischen Waldviele betroffene Gemeinden dem hier ökologisch besonders fledermausarten vorkommen. Hier Vorhaben noch skeptisch gegenwertvolle Buchenwälder, darunter leben außerdem Wildkatzen, Uhu, über. Andererseits war dies bei allen echte Urwälder, wie sie von Natur Schwarzstörche und über 300 vorhergehenden Nationalparkgrünaus für Bayern typisch und heute in Käferarten, darunter der imposante dungen so; die Landräte der LandDeutschland einmalig sind. »Wir Hirschkäfer. kreise Haßberge und Bamberg unterstützen deshalb die Initiativen Die hervorragende Naturaussowie einige Gemeinden haben sich aus der Region zur Gründung eines stattung hat auch das Bundesamt zudem bereits für den Park ausgeNationalparks«, erklärt der BN-Vorfür Naturschutz mit einer Anfang sprochen. sitzende Hubert Weiger. Das Gebiet 2007 veröffentlichten Studie ausHelmut Schultheiß, ist die einzige Region Süddeutschdrücklich bestätigt. Zudem existieRalf Straußberger (hl)

Steigerwald soll Nationalpark werden

Alt und Jung: »Mit Senioren die Natur erkunden« lautet ein neuer, vom BN gestalteter Baustein des Projekts »Begegnung der Generationen« am Gymnasium Erlenbach

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tiative mehrerer Miltenberger Sozialverbände zurück.

im Landkreis Miltenberg. An der ersten Waldführung mit Jens Graner im März 2007 nahmen 20 Personen im Alter zwischen zwölf und 80 Jahren teil. Der BN will Senioren trotz gesundheitlicher oder finanzieller Einschränkungen Erlebnisse in der Natur ermöglichen und die Begegnung zwischen den Generationen fördern. Das Generationen-Projekt geht auf die Ini-

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Nein danke: Immer mehr Organisationen, Verbände, Gemeinden und Landwirte unterstützen den Widerstand gegen den im Landkreis Kitzingen geplanten kommerziellen Genmaisanbau. Gemeinsam protestierten sie auf einem »Grünen Ostermarsch« in Biebelried-Westheim; zu einer von der Kreisgruppe Kitzingen organisierten Sternfahrt mit fast 50 Traktoren kamen in Kitzingen 500 Bürger. Sie forderten eine Landwirtschaft ohne die unkalkulierbaren Risiken der sogenannten Grünen Gentechnik.

Foto: Kreisgruppe

Doppelrekord: Gleich zweimal Grund zur Freude gab es bei der Haus- und Straßensammlung im Landkreis Miltenberg. Mit 8100 Euro konnte die BN-Kreisgruppe ein Rekordergebnis erzielen. Entscheidenden Anteil daran hatte die Realschule Obernberg, die mit 3500 Euro ebenfalls ein Spitzenergebnis geschafft hat. Honoriert wurde dies mit einem BNZuschuss für einen Tagesausflug ins Schullandheim Hobbach.

Foto: Kreisgruppe

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Wahlen: Bei den Vorstandswahlen der Kreisgruppe Bad Kissingen im April wurden Ulf Zeidler als erster Vorsitzender, Franz Zang als zweiter Vorsitzender und Erika Nitsche als Schatzmeisterin einstimmig wiedergewählt. Neu im Vorstand sind Theo Hein als Schriftführer und Oswald Türbl als Delegierter. Natur+Umwelt gratuliert und wünscht viel Erfolg!


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Das Tal der oberpfälzischen Schwarzach im Landkreis Cham zählt zu den letzten naturnahen Flusstälern in Bayern. Ausgerechnet hier ist für die Ortschaft Schönthal eine Ortsumfahrung geplant. Zwei Brücken und meterhohe Dämme würden das Schwarzachtal queren.

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Kreisgruppe Cham

Hände weg vom Schwarzachtal

Luftgüteampel: Mit einem Projekt an der Wirtschaftsschule Waldmünchen hat die Kreisgruppe Cham im vergangenen Winter verdeutlicht, wie sich in den Klassen-

Selten schön Naturnahe Bachtäler wie das der Schwarzach gibt es in Bayern fast nicht mehr. Gerade deshalb besitzen sie überragende Bedeutung: für den Menschen als herrliches Erholungsgebiet, für seltene Tiere wie die Sumpfschrecke als Rückzugsraum.

frosch und Sumpfschrecke. Wegen seiner landschaftsoptischen Attraktivität besitzt das Schwarzachtal darüber hinaus große Bedeutung für Naherholung und Tourismus. Helmut Schultheiß (hl)

zimmern gute Luftqualität ohne unnötige Energievergeudung erreichen lässt. Fünf Luftgüteampeln zeigen an, wann Lüften sinnvoll und wann unnötig ist. Mit optischen und akustischen Signalen warnen die Ampeln, wenn die CO2-Kozentration zu hoch liegt. Das kommt nicht nur der Luftqua-

Neuer Vorstand: Seit Ende März hat die Kreisgruppe Tirschenreuth einen neuen Vorstand: Erster Vorsitzender ist Josef Siller aus Mitterteich, zweiter Vorsitzender Werner Schubert aus Kemnath. Dr. Klaus Arbter wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt (S. 34). Natur+Umwelt gratuliert und wünscht dem neuen Vorstand viel Erfolg! Mosaik: Bei einem Workshop im BN-Bildungswerk Wiesenfelden lernten Kindergruppenleiter aus Stadt und Landkreis Regensburg, wie man farbenprächtige Schmet-

Foto: Dorner

lität, sondern auch der Leistungsfähigkeit der Schüler zugute.

Foto: Dittrich

Trauer: Die Kreisgruppe Schwandorf trauert um Helmut Bauer, der im Februar im Alter von 51 Jahren verstarb. Bauer war langjähriger Vorsitzender der Ortsgruppe Oberviechtach und Umgebung. Sein besonderes Engagement galt dem Amphibienschutz und der Betreuung der Amphibienzäune. Aber auch sonst stand er immer als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung, wenn es um Schutz und Hilfe für die Natur ging.

den Schwerlastverkehr freigegeben, was die Kreisgruppe als durchsichtigen Versuch wertet, den Druck der Anwohner zugunsten einer Ortsumfahrung zu erhöhen. Aus Sicht des BN wäre der Verlauf der Straße durch das Schwarzachtal zudem nicht vereinbar mit dem europäischen Naturschutzrecht: Der überregional bedeutsame Gewässer- und Feuchtlebensraum der Schwarzachaue bei Schönthal ist nicht nur Teil eines FFH-Gebiets – dort leben auch zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten, unter anderem Braunkehlchen, Moor-

terlingsmosaike anfertigt. Da sich für die Mosaike gebrauchte Fliesen, Spiegel und Geschirrscherben verwenden lassen, die eigene Kreativität gefordert wird und sich Kinder aller Altersstufen begeistern können, ist diese uralte Technik für die Umweltbildungsarbeit geradezu prädestiniert.

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NATU R NOTIZEN AUS DER OBER PFALZ

erzeit läuft das Planfeststellungsverfahren für den Straßenbau. Die Kreisgruppe hat sich dabei gegen das Projekt ausgesprochen, auf die Gefährdung des Schwarzachtals öffentlich hingewiesen und zum Widerstand motiviert. Engagierte Bürger reichten daraufhin im April 2007 eine Petition gegen die Straße im bayerischen Landtag ein, das Ergebnis lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor. Zu rechtfertigen sind die mit der Umgehung verbundenen massiven Eingriffe im Schwarzachtal nicht, weil die Straße Schönthal – Waldmünchen nur eine untergeordnete Verkehrsfunktion besitzt. Zudem würde die Ortsumfahrung nur für einen Teil des Durchgangsverkehrs Vorteile bringen. Die innerörtliche Verkehrssituation Schönthals ließe sich durch eine Erneuerung des Straßenbelags, eine Geschwindigkeitsbegrenzung, Verkehrsberuhigung und die Sperrung für den Schwerlastverkehr verbessern. Genau das Gegenteil ist jetzt der Fall: Die Strecke wurde kürzlich für

Fotos: Kaiser

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Naturschutzzentrum Wengleinpark

Foto: Wölfel

Tag der Regionen in der Hersbrucker Alb

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organisiert den diesjährigen Tag der Regionen die BN-Ökostation Wengleinpark in Henfenfeld auf der Hersbrucker Alb. Unter dem Motto »Regional denken – Zukunft sichern« gibt es neben kulinarischen Köstlichkeiten aus der Region für die ganze Familie viel zu erleben und zu entdecken: Im Ortskern und rund ums Schloss lassen Ausstellungen, Mitmachaktionen, Führungen und Gewinnspiele den Besucher die Bedeutung des regionalen Wirtschaftens hautnah erleben. Die Themenpalette reicht vom Verbraucherschutz über regionale Erzeugnisse der Landwirtschaft, Handwerk, Nahversorgung, Lebensqualität bis zu sanftem Tourismus. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgen die Henfenfelder Musik- und Trachtengruppen. Weitere Infos gibt es bei der BN-Ökostation Naturschutzzentrum Wengleinpark, Tel. 0 91 51-7 02 00, info@naturschutzzentrumwengleinpark.de, www.naturschutzzentrum-wengleinpark.de  Henfenfeld, 30. September 2007

Wildsein erlaubt Mangelnde Bewegung macht unzufrieden. Darunter leiden bereits Kinder, die durch das Sitzen vor dem Fernseher, dem Computer und auf der Schulbank körperliche und seelische Schäden davontragen. Mit Bewegungsspielen kann man Abhilfe schaffen. Die Fortbildung wendet sich an Kindergruppenleiter, die in ihr umweltpädagogisches Angebot Abwechslung und Bewegung bringen wollen. Kontakt: Umweltzentrum Schloss Wiesenfelden, Tel. 0 99 66 -12 70, bw@bund-naturschutz.de  Wiesenfelden, 23. Oktober 2007

Ökohaus Würzburg

Genuss statt Genmanipulation

Mit Heizen Geld sparen

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as Seminar richtet sich an alle Verbraucher und Landwirte, die mehr wissen möchten über die Risiken der Agro-Gentechnik und was der Gesetzgeber erlaubt beziehungsweise untersagt. Ziel der Veranstaltung ist es, die Strategien der Gentechnik-Industrie aufzudecken und den Teilnehmern zu zeigen, wie man sich dagegen wehrt und welche Argumente helfen. Ethische Aspekte und Erfahrungsberichte von erfolgreichen Initiativen für gentechnikfreie Regionen ergänzen das Programm. Für Fragen und Diskussion bleibt ausreichend Zeit.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-07]

Kontakt: Ökohaus Würzburg, Tel. 09 31- 4 39 72, bn-wuerzburg@ t-online.de.  Würzburg, 24. November 2007

Fest der Kulturen

Der Respekt vor dem Fremden und die geistigen Schätze anderer Kulturen können ökologisches Denken bereichern und neue Horizonte eröffnen. Das Fest der Kulturen mit Migranten aus verschiedenen Ländern soll die Zusammenhänge von biologischer und kultureller Vielfalt aufzeigen. Die Besucher erwarten Informationen, Musikalisches und Kulinarisches aus anderen Ländern. Kontakt: Umweltzentrum Schloss Wiesenfelden, Tel. 0 99 66 -12 70, bw@bund-naturschutz.de  Wiesenfelden, 7. Oktober 2007

Foto: MEV / Wahl

Neue Bildungsseite Ab sofort stellt der BN auf dieser Seite Veranstaltungen aller seiner Ökostationen vor: Umweltzentrum Schloss Wiesenfelden, Naturschutzund Jugendzentrum Wartaweil, Naturschutzzentrum Wengleinpark, Ökohaus Würzburg, Ökologische Bildungsstätte Burg Hohenberg und Ökologische Bildungsstätte Schloss Mitwitz. Die Kontaktadressen finden Sie bei den einzelnen Artikeln oder unter www.bundnaturschutz.de/ kontakt/bildungsstaetten

as kann sich sehen lassen: Mit über 80 Ausstellungsständen und rund 10 000 Besuchern zählt der Tag der Regionen im Nürnberger Land traditionell zu den größten Veranstaltungen des bundesweiten Aktionstages. Jedes Jahr präsentieren die Regionen am Erntedanksonntag ihre Besonderheiten und ihre Individualität, um in einer globalisierten Welt bestehen zu können. Für das Nürnberger Land

Denkanstöße

Man muss nicht gleich eine neue Heizung installieren, um Kosten zu sparen. Schon durch die richtige Regelung, einen Timer oder die Ermittlung des tatsächlichen Wärmebedarfs kann man kräftig Energiekosten sparen. Die Referenten des Vortrags zeigen Hausbesitzern, Hausmeistern und Heizungsfachleuten, wo Sparpotenziale liegen und was sie kosten. Kontakt: Ökologische Bildungsstätte Schloss Mitwitz, Tel. 0 92 66 82 52, naturschutzzentrum. mitwitz@t-online.de  Mitwitz, 9. Oktober 2007

Foto: Seitz-Weinzierl

30.08.2007

WISSEN FÜR DIE PRAXIS

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BN-BILDUNGSWERK | TEL. 0 99 66 - 12 70 Erneuerbare Energien im Tourismus

Praxistipps für die Arbeit vor Ort Augsburg, 21. September 2007

Wasserschloss Mitwitz, 18./19. Oktober 2007

Fantastische Skulpturen aus Holz Foto: Seitz-Weinzierl

Kreativwerkstatt Wiesenfelden, 21. – 23. September 2007

Foto: Michl

Natur und Landschaft in der Bauleitplanung

Umwelt macht Schule

Siedlungs- und Verkehrsentwicklung In den Alpen in Zeiten des Klimawandels Rosenheim, 27. Oktober 2007

Forum für gelungene Schulprojekte

Wenn der wilde Herbstwind weht zu Themen wie Energie, Wasser, Wir bauen einen Drachen Wiesenfelden, 30. September 2007

Naturschutz und Ernährung Würzburg, 20. Oktober 2007

Vom wilden weißen Hund Natur in Märchen und Tänzen Wiesenfelden, 2. – 4. November 2007

Pflanzenkunst – Papier schöpfen, färben, gestalten Kreativwerkstatt Wiesenfelden, 12./13. Oktober 2007

BN-VERANSTALTUNGEN UND WEITERE TERMINE Ökoerlebnistage Mit BN-Infozelt zur Gentechnik München, 15. / 16. September 2007 Kontakt: BN-Fachabteilung, Tel. 0 89-54 82 98 63, kurt.schmid@bund-naturschutz.de

Unser halbwilder Wald Multimediale Reportage durch die Chronik des Nationalparks Wiesenfelden, 15. September 2007 Kontakt: poehnl@t-online.de

SinnAllianz Abschlussveranstaltung Zum Abschluss des Projekts SinnAllianz würdigt die Veranstaltung die erfolgreiche Umsetzung der Projektziele. Unterfranken, 30. September 2007 Kontakt: BN-Kreisgruppe Bad Kissingen, Tel. 0 97 32-41 48, bn-badkissingen@gmx.de

Chamer Umwelttage

Consumenta

Zweisprachige Umweltmesse mit rund 40 Ausstellern aus Bayern und Tschechien: Öko-Produkte, grüne Technologien, Wellness, sanfter Tourismus, Handwerk Cham, 10. / 11. November 2007 Kontakt: BN-Kreisgruppe Cham, Tel. 0 96 74-9 24 02 72, cham@ bund-naturschutz.de

Die große Verbrauchermesse mit BN-Infostand und Bio-Kochwettbewerb Nürnberg, 27. November – 4. Dezember 2007 Kontakt: BN-Landwirtschaftsreferat, Tel. 09 11-8 18 78 21, marion.ruppaner@bundnaturschutz.de

BN-STUDIENREISEN | TEL. 0 91 23 - 9 99 57 10

Maremma Toskana erleben: Florenz, Siena und urige Bergdörfer abseits der üblichen Reiserouten. Herrliche Wanderungen durch dichte

Rügen – Insel der Vielfalt Buchenwälder und den Parco della Maremma an der Meeresküste. Italien, 22. – 29. September 2007

Ligurien und Cinque Terre Felsige Küstengebirge, malerische Dörfer, romantische Burgen – das

Zu Fuß und per Rad geht es zu naturbelassenen Stränden, über Berge, Klippen, durch wilde Wälder und wunderschöne Alleen. Deutschland, 29. September – 7. Oktober 2007

TIPPS FÜR RADIO UND FERNSEHEN ZDF Umwelt

Heimatspiegel

Zweites Deutsches Fernsehen Jeden Sonntag, 13 : 30 Uhr

Bayern 2 Montag bis Freitag, 5 : 04 bis 7 : 00 Uhr, Samstag 6 : 05 bis 7: 30 Uhr, Sonntag 6 : 05 bis 7 : 00 Uhr

Unkraut Bayerisches Fernsehen Jeden zweiten Montag, 21: 20 bis 21: 45 Uhr

Unser Land Bayerisches Fernsehen Jeden Freitag, 19 : 00 bis 19 : 45 Uhr

Fotos: BN Service GmbH

ist Ligurien. Hier gedeihen Feigen, Palmen, Oliven und Wein. Die Wanderungen erschließen Italien für die Sinne. Italien, 24. September – 1. Oktober 2007

Von Graubünden geht es mit einem der faszinierendsten Züge der Welt über hohe Alpenpässe und reißende Gebirgsbäche, vorbei an blühenden Bergwiesen bis an den Fuß des Matterhorns. Schweiz, 16. – 22. September 2007

Aus Landwirtschaft und Umwelt Bayern 5 Jeden Sonntag, 7: 05 bis 7: 30 Uhr und 22 : 35 bis 23 : 00 Uhr

Notizbuch Bayern 2 Montag bis Freitag, 10 : 05 bis 12 : 00 Uhr, jeden Donnerstag Schwerpunkt Landwirtschaft und Umwelt

Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landesgeschäftsführer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) Redaktion: Holger Lieber (hl), Christoph MarklMeider (cm), Tel. 09 41 -2 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Mitglieder-Service: Tel. 09 41 -2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titel-Illustration: Hans Rubin Litho: PHG GmbH, Augsburg Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30 -27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 239 99 57- 30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Auflage: 99 000 Bezugspreis: Für Mitglieder im Beitrag enthalten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00 Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % Recyclingpapier gedruckt.

IMPR ESSUM

Glacier-Express


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30.08.2007

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Natur Erlebnisse „Seit unserer Jugend gehen wir gerne wandern. Besonders faszinieren uns die Berge, die unberührten Gipfel und Wasserfälle, die Pflanzen und überraschenden Begegnungen mit inzwischen seltenen Tieren.”

Erlebnissen. Möchten Sie ihr in Dankbarkeit etwas zurückgeben? Dann machen Sie der Natur ein Geschenk: Die Natur als Erbe! Wie Sie Ihr ganz persönliches Vermächtnis an die Natur gestalten können, erfahren Sie in unserer kostenlosen Broschüre „Ein Geschenk für die Natur”, die Sie unverbindlich in der Landesgeschäftsstelle anfordern können: Bund Naturschutz in Bayern e.V., Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg. Oder rufen Sie uns einfach an: Peter Rottner, Tel. 0941/2 97 20-34.

Die Natur als Erbe

Design: www.b-pdesign.de

Die Natur beschenkt uns reich mit Farben, Düften, Eindrücken und


Natur+Umwelt 3-2007