Issuu on Google+

Natur+Umwelt www.bund-naturschutz.de Heft 2-2016  98. Jahr  2. Quartal

Fledermaus

flieg!


MITGL IE DE R WE RBE N M ITG LIED ER

Sind Ihre Freunde auch Freunde der Natur?

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Fotos: fotolia.de

DANN SPRECHEN SIE SIE DOCH EINFACH AUF EINE MITGLIEDSCHAFT AN! Mit über 220 000 Mitgliedern und Förderern setzen wir uns mit Kopf, Herz und Hand für Ihre Heimat und für eine gesunde Zukunft unserer Kinder und Enkel ein. Je mehr Menschen sich mit uns schützend vor die Schätze und Kleinode unserer Heimat stellen, desto wirkungsvoller können wir unsere gemeinsamen Naturschutzinteressen vertreten.

Darum: Werben Sie Mitglieder für die gute Sache. Für jedes neue Mitglied sammeln Sie einen BNFreundschaftspunkt, den Sie in attraktive Prämien eintauschen können. Nähere Infos zu den Prämien bekommen Sie bei Ihrer Kreisgruppe oder im Internet. www.bund-naturschutz.de/ spenden-helfen/mitglieder-werben Vielen Dank für Ihr Engagement!

www.bund-naturschutz.de

Facebook


Natur + Umwelt 2-2016

Inhalt BUND Naturschutz Bayern 4 – 7 Intern

8 Leserbriefe

9 Raus in die Natur  Der ehe­ malige Truppenübungsplatz Ebern

10 Ratgeber

11 Reise  Zwischen Orient und Okzident

12 – 21 Titelthema

22 Pflanzenporträt Arnika

23 Fotoseite

Fledermäuse

24/25 BN vor Ort aktiv

26 Aktuell  Mehr Natur in ­Bayerns Wäldern!

27 Aktuell  BN stellt alternatives Verkehrskonzept vor

28/29 Naturschutz Feuersalamander

30 Aktuell  Atomkraft: Die ­Gefahr ist nicht vorbei

31 Neue Bücher

34 – 41 Regionales

42 Bildung

43 Service

Inhalt BUND

B1 Editorial und Inhalt

B2 Magazin Kurznach­ richten

B4/B5 Kommentar Energie­ wende – rasch, aber richtig

B6 Aktion  GEO-Tag der Artenvielfalt

B7 – B11 Zur Zeit  Glyphosat, Land­ wirtschaft und Klima­ schutz, Ölpreis, Handels­ abkommen

Foto: Fotolia/Holger Schulz

32/33 Ökospot

Fledermäuse sind ihr zwielichtiges Image los. Viele Menschen engagieren sich heute begeistert für ihren Schutz. Wie und wo leben ­unsere heimi­ schen Fledermaus­ arten? Und wie können wir ihnen helfen? Seiten 12 – 21

B14/B15 Natura 2000 Sylter Außenriff B16 – B19 Aktiv  Neues aus dem BUND und Internatio­ nales B20/B21 Junge Seite

Liebe Leser

B22 Persönlich  Ingo Valentin

Die Atomkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl jährten sich kürzlich zum fünften und dreißigsten Mal. Ich staune immer wieder darüber, dass bei der ganzen Debatte um die Gefahren der Atomkraft ein Thema oft vergessen wird: Atomkraft ist keine erneuerbare Energie. Natürlich gibt es noch Uran, das aber nur mit hohen Umweltschäden abgebaut werden kann. Letztlich handelt es sich um eine Art der Energiegewinnung, die auf einem endlichen Rohstoff basiert – und dieser Rohstoff wird eines Tages aufgebraucht sein. Warum also sollten wir weiter eine tödlich gefährliche Technologie betreiben, wenn jetzt schon klar ist, dass sie irgendwann obsolet sein wird? Ihre Luise Frank, Redakteurin Natur+Umwelt

Die Gefahr ist nicht vorbei

Bis 2022 werden die deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet. Aber es gibt keinen sicheren Ort für den radioaktiven Müll – und kein Konzept für einen sicheren Abriss der Gebäude. Seite 30

Kauft die Regale leer!

Die bayerischen Öko-Modellregionen bringen ihre Produkte auf den Markt. Jetzt können die Verbraucherinnen und Ver­ braucher zeigen, dass sie Biolebensmittel aus ihrer Region in den Läden wollen. Seite 34

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

3


BUND Naturschutz verlieh Bayerischen Naturschutzpreis 2016

Mutiger Einsatz für die Schöpfung

Fotos: Toni Mader

Für sein Engagement für die Schöpfung und sein kirchliches und politisches ­Wirken zum Schutz des Regenwaldes ­erhielt Bischof Erwin Kräutler den ­Bayerischen Naturschutzpreis. Der BUND Naturschutz Bayern verlieh die Ehrung im Februar in Nürnberg. Es ist die höchste Auszeichnung des Verbandes.

D

Liebe Mitglieder

er Schutz der natürlichen Le­ bensgrundlagen war das verbin­ dende Element bei der Ehrung des als »Amazonasbischof« bekannten Erwin Kräutler. BN-Aktive, die sich für den Schutz des tropischen Re­ genwaldes als grüne Lunge des Pla­ neten starkmachen,  hatten die Idee einer Auszeichnung Kräutlers ein­ gebracht. Der inzwischen in den Ruhestand gegangene Bischof hatte jahrelang gegen den Bau des gigan­ tischen Staudamms Belo Monte in

Dank an Lebensretter

R

und 650 000 Frösche, Kröten und andere Amphibien leben noch – dank der Hilfe der BN-Akti­ ven. Rund 6000 Ehrenamtliche sind Jahr für Jahr – oft in Kälte, Regen und Dunkelheit – unterwegs, um die Tiere bei ihrer Wanderung zu den Laichgewässern sicher über die Straßen zu bringen. Es ist die größte Mitmachaktion des Umweltschutzes in Bayern. Für diesen Klassiker des ehrenamtlichen Engagements ist der BUND Naturschutz bekannt. Für viele im BN ist die Amphibien­ rettung schon so selbstverständlich, dass wir oft gar nicht mehr viel dar­ über reden. Dabei lohnt es sich sehr wohl, deutlich zu machen, welche riesige Aktion der Verband da Jahr

4 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Brasilien gekämpft, durch den zig­ tausende Hektar Regenwald zerstört wurden. Doch Erwin Kräutler habe sich nicht nur für den Schutz von Flüs­ sen eingesetzt, sondern für die ­Bewahrung der natürlichen Lebens­ grundlagen, betonte der BN-Vorsit­ zende Hubert Weiger in seiner ­Laudatio.  Dafür gebühre ihm umso größerer Respekt, weil er wegen die­ ses Engagements auch angefeindet und bedroht worden sei.

»Sie haben sich eingesetzt für die Rechte der Ausgebeuteten«, so Weiger. Erwin Kräutler, gebürtiger Vorarlberger, sei 1965 als junger Priester nach Brasilien gegangen und dort 1981 Bischof der Prälatur Xingu am Amazonas geworden – eine Diözese mit einer Fläche grö­ ßer als die der Bundesrepublik Deutschland und 700 000 Ein­ wohnern. Sein mutiger Einsatz für die Bewahrung der Lebenswelt der indigenen Völker sei Groß­

für Jahr stemmt! Wer weiß, wie die Bestände an Kröten, Fröschen und Molchen in Bayern heute aussähen, wenn die Lebensretter nicht alljähr­ lich unterwegs wären. Die Amphi­ bienrettung zeigt auch, dass Natur­ schutz alle begeistern kann, denn vom Kind bis zum Senior sind bay­ ernweit Jung und Alt dafür aktiv. Ihnen allen gebührt unser ganz be­ sonderer Dank! Nötig wird der riesige Aufwand der Amphibienrettungsaktion, weil heute zahllose Straßen Bayerns Natur zerschneiden. Und es werden ständig mehr. Bundesverkehrs­ minister Alexander Dobrindt hat eine historische Chance für eine Verkehrswende verschenkt. Der neue Bundesverkehrswegeplan aus seinem Ministerium setzt weiter

einseitig auf Straßenbau. Wie Deutschland mit dieser politischen Ausrichtung seine Klimaziele errei­ chen soll oder nennenswert zu einer Begrenzung der Erderwärmung ­beitragen kann, war im Verkehrs­ ministerium offenbar kein Thema – genauso wenig wie die drängende Frage nach einer Eindämmung des Flächenverbrauchs. Eine große Ent­ täuschung! Der BUND Naturschutz rief zusammen mit anderen Ver­ bänden Dobrindt zu deutlichen Korrekturen auf. Auch die Energiewende ist ein Baustein zum Klimaschutz. Dafür muss das Erneuerbare-EnergienGesetz endlich so gestaltet werden, dass es den Ausbau der Erneuerba­ ren Energien in Bürgerhand fördert statt abwürgt. Die Jahrestage der


stammte Lebensweise verloren.  Man könne nur noch staunen, so Kräutler, »wie Menschen andere Menschen ihren wirtschaftlichen Vorstellungen unterwerfen«. Er verwies auf die Verankerung der Rechte der indigenen Völker in der brasilianischen Verfassung, für die er sich eingesetzt hatte. Aber der »Salto vom Papier in die Wirklich­ keit« sei nach wie vor schwierig. Die Gäste würdigten Erwin Kräutlers Engagement mit standing ovations. In der großen Familie des BUND Naturschutz hieß der stellvertreten­ de BN-Vorsitzende Sebastian Schö­ nauer den Geehrten willkommen, denn die Auszeichnung ist verbun­ den mit einer Ehrenmitgliedschaft

Atomkatastrophen von Fukushima (fünf Jahre) und Tschernobyl (30 Jahre) haben uns wieder lebhaft in Erinnerung gerufen, welch unfass­ bares Ausmaß die Folgen eines ­Atomunfalls haben. Mit einer Reise nach Japan haben Hubert Weiger und der BN-Landesbeauftragte ­Richard Mergner ihre Solidarität mit den Opfern von Fukushima bekun­ det. Auch in Bayern haben BN-­ Aktive mit einer ganzen Reihe von Aktionen und Demos lautstark ihre Forderung bekräftigt: »Abschalten vor dem GAU!« Auf der Delegiertenversammlung in Deggendorf (über die im nächs­ ten Heft ausführlicher berichtet wird), stand auch die Neuwahl des Vorstands auf der Tagesordnung. Mit Kathy Mühlebach-Sturm, Beate

Rutkowski und Karl Haberzettl sind drei kompetente, sehr engagierte Kreisvorsitzende in den Vorstand gewählt ­worden. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit! Hubert ­Weiger als Vorsitzender und seine Stellvertreter Doris Tropper und Sebas­tian Schönauer wurden im Amt bestätigt. Für dieses Vertrauen möchten wir uns ganz herzlich be­ danken! Ihr Vertrauen, liebe Mit­ glieder, wird uns in den kommen­ den Jahren stets ein Auftrag sein, den BUND Naturschutz als Verband weiterzuent­wickeln und zu aktuel­ len Themen zu positionieren: Dazu gehören eine ökologisch-bäuerliche Landwirtschaft ebenso wie der ­Umgang mit dem Thema Flucht und Migration. Gleichzeitig wollen wir mit Ihrer Hilfe den BN als basis­

auf Lebenszeit. »Ein Engagement wie Ihres kann nur gelingen, wenn man überzeugt ist von seiner Bot­ schaft«, sagte Schönauer, »und das erfordert Mut und Gottvertrauen.« Doris Tropper, stellvertretende BNVorsitzende, blickte in die Zukunft: »Es wird uns eine stete Verpflich­ tung sein«, versprach sie Bischof Kräutler, »in Ihrem Sinne weiterzu­ arbeiten.« (lf ) Umweltschutz – auch für die Kirchen ein großes Thema Bei der Ehrung: (vo. li.) Domdekan Lorenz Wolf, Dompropst Klaus Schimmöller, stv. BN-Vorsitzende Doris Tropper, Bischof Erwin Kräutler, BN-Vorsitzender Hubert Weiger, Mattias ­Kiefer (Umweltbeauftragter des Erzbistums München-Freising, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten deutscher Bistümer), Kirchenrat Wolfgang Schürger (Umweltbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern), stv. BN-Vorsitzender Sebastian Schönauer

demokratischen, unabhängigen und kämpferischen Fürsprecher für eine nachhaltige Entwicklung Bayerns bewahren.

Foto: Roggenthin

grundbesitzern und Holzhändlern in die Quere gekommen: »Es gab mehrere Anschläge auf Ihr eigenes Leben und auf die, die mit Ihnen zusammenarbeiten.« Hubert Weiger erinnerte auch an den maßgeblichen Beitrag des Ge­ ehrten zur Umweltenzyklika »Lau­ dato’ si« von Papst Franziskus.  Er griff den Ausdruck des Kirchenober­ haupts von der Sorge um das ge­ meinsame Haus der Schöpfung auf und stellte das Wirken Kräutlers in einen größeren Zusammenhang: »Der tropische Regenwald hat mit uns allen zu tun. Wir müssen in allen Regionen dieser Welt Natur er­ halten; nur dann kann es uns gelin­ gen, unsere gemeinsamen Lebens­ grundlagen zu retten«, so Weiger. Er bedankte sich bei Erwin Kräutler für sein »Engagement für die Schöp­ fung, die in der Regel am Verhand­ lungstisch nicht vertreten ist«. Bischof Kräutler betonte, er nehme die Auszeichnung entgegen »im Namen so vieler Menschen, die sich am Xingu mit mir für die gute Sache einsetzen«.  In bewegenden Worten schilderte er die Zerstörung und das Chaos, das der Bau des Staudamms Belo Monte angerichtet habe. Zehntausende Menschen seien aus ihrer Heimat zwangsum­ gesiedelt worden und hätten ihre seit unzähligen Generationen ange­

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

5


Dieter Scherf wurde 75

D

bis 2016 war er als Beisitzer im Lan­ desvorstand des BN aktiv und enga­ giert sich besonders für das Natur­ bewusstsein der Bayern und den Schutz der Donau, gegen deren Ausbau er erfolgreich mitgekämpft hat. Auch in der Politik war Scherf zwei Jahre lang als Bundesschatz­ meister der ödp tätig. In diesem Jahr stellte sich Dieter Scherf nicht mehr für den Landesvorstand zur Wahl. Er will sich darauf konzentrieren, der niederbayerischen Donauregion zum UNESCO-Welterbestatus zu verhelfen. Viel ­Erfolg dabei und alles Gute zum ­Geburtstag!

as langjährige Vorstandsmit­ glied Dieter Scherf kann bereits auf ein vielfältiges Engagement für die Natur zurückblicken. Früh ent­ deckte er seine Liebe zu ihr und er­ kundete als Kind die Gegend um seine Heimat Berchtesgaden. So kam es dann auch, dass er 1960 in den damals noch kleinen BUND Naturschutz eintrat und damit seit stolzen 56 Jahren Mitglied im Ver­ band ist. Nach seiner Versetzung in den Vorruhestand trat der Natur­ schutz für ihn immer mehr in den Vordergrund, da er nun »was Gscheites« machen wollte. Seit 2004

Trickkiste Natur

S Neue Arbeitskreis-Sprecher

G

ünter Krell ist seit 23. Januar Sprecher des Arbeits­ kreises Wasser. Die frühere AK-Sprecherin Renate Schwäricke konnte sich auf der Delegiertenkonferenz 2015 mit dem ­Antrag des AK Wasser für eine Refe­ renten-Stelle zum Sachgebiet Wasser nicht durchset­ zen und trat daraufhin zurück. Krells Stellvertreter sind Gerhard Nagl und Tatjana Bodmer. Günter Krells bisheriges Amt als Sprecher des AK Umweltbildung hat Dr. Gerhard Brunner aus Schwabach übernom­ men. Er war bis dahin stellvertretender Sprecher des AK und leitet das Projekt »Sehnsucht Wildnis« in ­Mittelfranken.

chon mal einen Schneckenfuß ­massiert und dann die Hände mit Kastanien gewaschen? Unterm Gespens­ terbaum eine Grille geangelt? Eine ­Berberitze gekitzelt, bis der Hahn quietscht? Nein? Dann wird es höchste Zeit: Das neue Büchlein »Trickkiste Natur«, das der BUND Naturschutz im oekom-­Verlag herausgebracht hat, bietet 40 kleine Experimente, die sich ­direkt vor der Haustür im Wald oder auf der Wiese entdecken und ausprobieren lassen. 9,95 Euro; im Buchhandel oder bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23 - 99 95 70

KLEINER BN-TASCHENFÜHRER

TRICKKISTE

NATUR= 40 Naturwunder vor deiner Haustür: entdecken – staunen – ausprobieren

Ein Ausflugsbegleiter für Groß und Klein

Vorstand bei Umweltministerin Ulrike Scharf

E Foto: STMUV

nde Januar fand im Prinzregen­ theater in München der Neujahrs­ empfang des bayerischen Umwelt­ minister­iums statt. Mit dabei: Mitglie­ der des ­BN-Landesvorstands. Sie ­nutzten die Gelegenheit, die Anliegen von Natur- und Umweltschutz bei ­Ministerin ­Ulrike Scharf (zweite von rechts) zu Gehör zu bringen.

6 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]


Etwas, das bleibt Den Stifterinnen Berta Habersack und Karla Bauer verdankt der BN viel: Berta Habersack vermachte dem ­Verband das Haus am Ammersee; dank Karla Bauers Stiftung konnten und können verschiedene Projekte dort unterstützt werden, zum Beispiel im Jahr 2008 die »Wasserbaustelle« (Karla Bauer ganz rechts).

Jugend- und Umweltbildungsarbeit des BUND Naturschutz

Das Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil am schönen ­Ammersee ist die zentrale Bildungseinrichtung des BUND Naturschutz. Zu verdanken hat der BN diese Institution und ihren Fortbestand zwei bedeutenden Spenderinnen: Bereits im Jahre 1947 bot die Stifterin Berta Habersack dem BN das Anwesen für Lehr- und Forschungszwecke an. 1957 schenkte sie Haus und Grundstück dem Verband. Seit dieser Zeit diente Wartaweil als Tagungs- und Bildungsort für Besucher aller Altersstufen.

F

ür eine andere Freundin des BN, Karla Bauer, war dies eine große Inspiration. Sie fand die Einrichtung und das Konzept von Wartaweil so gut und wichtig, dass sie 2004 die Karla-Bauer-Stiftung gründete. Als ehemalige Lehrerin hatte sie täglich die Erfahrung gemacht, dass junge Menschen viel bewegen können, wenn sie entsprechend motiviert werden. Ziel der Stiftung ist die För­ derung der Jugendarbeit und Um­ weltbildung im Naturschutz- und Jugendzentrum in Wartaweil. So konnten mehrere Projekte ­finanziert werden. Dabei waren zum Beispiel die erste Anschaffung eines großen Flachbildschirmes in 2004 mit dem Videodaten des Pro­ jektes »Wasserwelt Wartaweil« mit 34-facher Vergrößerung übertragen werden konnten oder 2008 die An­ lage einer »Wasserbaustelle«, einer Anlage aus kleinen Plattformen, einer langen Holzrinne entlang eines Baches auf dem Gelände und einem Strömungstisch unten am Seeweg, wo sich die Kinder mit den

vielfältigen Eigenschaften des Ele­ mentes Wasser beschäf­tigen kön­ nen und es bis zum heutigen Tage mit großer Begeisterung tun. Für die Erwachsenen wurde 2012 vor dem Gästehaus ein Laubengang mit ­Sitzgelegenheiten als Ort des Ver­ weilens angelegt. 2013 bekam das Team Wartaweil ein Dienstrad mit Elektroantrieb und Anhänger, das mit einer mobilen Photovoltaik­ anlage aufgeladen wird und mit

dem seitdem alle Dienstfahrten unter 20 km getätigt werden. Ein Ort, der Wandel gestaltet, verändert sich auch selbst: 2018 soll das Verwaltungsgebäude des Natur­ schutz- und Jugendzentrums ener­ getisch saniert werden. Eine Betei­ ligung der Aktiven in der Region und eine baubiologische Begleitung der erforderlichen Maßnahmen ist dabei für einen basisdemokrati­ schen Umweltverband wie den BUND Naturschutz selbstverständ­ lich. Damit einhergehend ist die Umgestaltung des Geländes zur weiteren Öffnung und Organisation für den Aufenthalt von Tagesgästen. Beides wird finanziert aus einem Nachlass einer Münchner Witwe, der Stifterin Liselotte Sepp. Axel Schreiner (lf )

Trauer um Karla Bauer

Sie hatte noch Pläne und wollte ein Buch über alte Bäume in Murnau schreiben, doch im Februar 2016 ist Karla Bauer im Alter von 89 Jahren gestorben. Aus dem Vogtland kam sie nach dem Krieg zunächst nach Mainz und dann nach Bayern. Sie lernte in Murnau Dr. Ingeborg Haeckel kennen, die prägend für ihre Natur- und Umweltschutztätigkeit wurde. Gemeinsam mit einer Reihe von Mitstreitern konnte sie in den 8 ­ 0er-Jahren die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage verhindern. Von 1988 bis 1996 leitete sie die BN-Ortsgruppe Murnau. 2004 gründete sie die Karla-Bauer-Stiftung mit dem Ziel, die Jugendarbeit und Umweltbildung im BN-Naturschutz- und Jugend­ zentrum Wartaweil zu fördern. Der BUND Naturschutz verliert mit Karla Bauer eine unermüdliche Aktive und wird ihr stets ein ehrendes Andenken bewahren.

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

7

Foto: privat

Fotos: BN

Geschenke ehrwürdiger Damen

Der Autor Axel Schreiner ist der Geschäfts­ führer des BN-­ Umwelt- und ­Jugendzentrums in Wartaweil.


Schreiben Sie uns!

Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, oder an nu@bundnaturschutz.de Leserbriefe können gekürzt werden. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

musste ja auch eine amerikanische Umweltbehörde seine Arbeit ma­ chen und den Abgas-Skandal auf­ decken. Aber deswegen muss er nicht auch noch für neue, privat ­finanzierte Autobahnen sein, die bei einem Straßennetz mit 710 000 km Länge gar nichts mehr nützen, son­ dern nur Großkonzernen Gewinne zuschanzen. Unverständlich ist, warum Bür­ germeister und Landräte seine fal­ sche Verkehrspolitik durch braves Nicken und Schielen auf Zuschüsse stützen. Sie haben doch Verantwor­ tung für die Lebensqualität ihrer Bürger vor Ort. Warum treten viele immer noch für altmodischen und dazu sinnlosen Fernstraßenbau und für Umfahrungen ein und zitieren sogar unhaltbare Prognosen, die ein stetiges Anwachsen des Verkehrs vorhersagen? Fernstraßen und Um­ gehungen nützen lokal und regional nichts mehr. Das ist bekannt und ­erlebbar. Im Gegenteil, sie belasten unsere Wohnqualität in den Orten, machen durch Lärm und Abgase krank, zerstören Natur und Heimat. Alternativen zum täglichen Pkwund Lkw-Wahnsinn und zum um­ weltzerstörenden Straßenbau sind auch bekannt. Man kann einige davon im Heft 1/2016 von Natur +

8 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Umwelt nachlesen: Ausbau des ­öffentlichen Verkehrs, Verkehrsver­ bünde, Förderung von Rad- und Fußverkehr, Güter auf die Schiene verlagern usw. Liebe Politiker, Ihr werdet gewählt, um Probleme zu lösen, nicht um neue zu schaffen! Gernot Hartwig (Sprecher des BN-Arbeitskreises Verkehr), Buttenwiesen

haben. Bei Windstille, die leider bei uns im Herbst und Winter häufig vorkommt, hat sich die Rauchbelas­ tung durch diese Anlagen deutlich erhöht. Der Schornsteinfeger meint, dass besonders beim Anheizen viel Feinstaub in die Luft geblasen werde, und dass sich diese Situation durch eingebaute Staubfilter ver­ bessern ließe, diese jedoch nicht Vorschrift seien. In einer Patienten­ zeitschrift der Uniklinik ist ein Arti­ kel über die gesundheitliche Schäd­ lichkeit des Feinstaubs aus Heizung und Verkehr zu lesen und die Auf­ forderung an die Politik, endlich etwas dagegen zu tun. Bei den Kfz regen wir uns trotz Rußfiltertechnik zu Recht über die Schadstoffe und den Feinstaub auf. Bei den Heizungen scheint mir das Umwelt- und Gesundheits­ bewusstsein großer Teile der Bevöl­ kerung leider noch nicht fortge­ schritten. Ich meine, dass sich der BN und jeder von uns mehr für eine gesündere Luft einsetzen sollte – auch wenn manche Maßnahme (zum Beispiel Feinstaubfilter) eige­ nes Geld und Aufwand kosten wird. Erich Helfrich, Volkach am Main

Unsere Zeitschrift beschäftigt sich in Ihrer neuen Ausgabe mit dem Thema Verkehr. Dabei wird eupho­ risch das Elektroauto gelobt. Nur: Solange der Großteil unseres Stroms noch aus Kohle- oder Atomkraft­ werken stammt, sind Elektroautos keine Alternative, sondern nur eine Problemverlagerung. Angesagt wäre meines Erachtens derzeit die Pro­ pagierung des Erdgasantriebs. Ich frage mich, warum die Autoindust­ rie und die Energiekonzerne diese ausgereifte Technologie nicht her­ vorheben, ebensowenig wie die ­Politik und nunmehr auch der BN! Erdgasmotoren haben im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen ca. 25 Prozent geringeren Kohlendio­ xidausstoß, 95 Prozent weniger ­Stickoxide und 99 Prozent weniger Rußpartikel! Sie sind nicht vom na­ türlichen Erdgas abhängig, sondern verbrennen ebenso biogen erzeug­ tes oder noch besser mit Hilfe von Windstrom gewonnenes Methan. Bezogen auf den Energiegehalt sin­ ken die Betriebskosten gegenüber Superbenzin um etwa 50 Prozent, gegenüber Diesel um etwa 40 Pro­ zent. Es treten keine neuen Umwelt­ belastungen in anderen Regionen auf. Karl Bröckl

Heizen mit Holz Die Diskussion zum Thema Heizen mit Holz hält an: Das von Ihnen konzipierte BN-Ma­ gazin lese ich gerne, weil es sehr in­ formativ und lehrreich ist und zum Nachdenken anregt. Häufig kann ich mich mit den Artikeln identifzie­ ren. So spricht mir der Beitrag »Die­ sel und andere Luftverpester« in der N+U 4/2015 aus dem Herzen. Ich bin mittlerweile von Nachbarn ­umgeben, die sich Hackschnitzelund Pelletsheizungen angeschafft

Karpfen pur natur Ein Lob gab es für einen Beitrag in N+U 4/2015: Die Reportage »Karpfen pur Natur« von Heidi Tiefenthaler zu lesen war ein besonderes Vergnügen! Eine sehr gelungene Schilderung und gleichzeitig viel Information! Marita Dotzer-Schmidt, Neustadt/ Aisch-Bad Windsheim

Foto: Petra Weller

Auto. Mobil? Diese Zuschirften ereichten uns zum Titelthema von N+U 1/2016: Verkehrsminister Dobrindt versteht die Zeichen der Zeit wirklich nicht. Trotz der Unsummen, die er für immer neue Straßen ausgibt, stehen wir zunehmend im Stau. (2014 lt. ADAC: 475 000 Staus, Gesamtlänge 960 000 km!) Sicher ist es für ihn schwierig, sich gegen Konzerne und Lobbyisten durchzusetzen. Darum


Fotos: Klaus Mandery

Gerettete Landschaften entdecken

Nur leicht getrübte Freude Wo das Knabenkraut blüht und die Essigrosen-Dickfühlerweichwanze lebt: Der ehemalige Standortübungsplatz Ebern am Rande der Haßberge konnte größtenteils als Naturschutz-Juwel erhalten werden.

W

eil man einen gewaltigen Waldbrand nördlich von Bamberg vermutete, stiegen in Nürnberg Löschflugzeuge auf. Aber es war »nur« die Staubfahne, die eine Offroad-Veranstaltung auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Ebern aufgewirbelt hatte – Luftli­ nie 80 Kilometer. Die Anwohner waren entsetzt: Der Staub, der Lärm, der Verkehr – das konnte doch nicht die Zukunft ihres beschaulichen Städtchens am Rande der Haßberge sein! Auch die Eberner Naturschützer waren entsetzt. Denn sie wussten, zu welchem Juwel des Artenschutzes sich das Militärgelände in den 40 Jahren entwickelt hatte, während es für die Öffentlich­ keit gesperrt war. Andere setzten große Hoffnungen auf die Motorsportler und ihre Fangemeinde, aber auch auf ein Fahrsicherheitszentrum, und träumten von einem Wirtschaftsaufschwung nach dem Abzug der Bundeswehr.

Ein Zuhause für 6700 Arten Zwölf Jahre ist das jetzt her, doch der Streit war heftig. Die BN-Kreisgruppe Haßberge und eine örtliche Bür­ gerinitiative wehrten sich gegen das Ansinnen, der Stadtrat stimmte mit überwältigender Mehrheit dafür. Der BN klagte. In der zweiten Instanz vor dem Bayeri­ schen Verwaltungsgerichtshof wurde schließlich im Oktober 2011 im Mediationsverfahren ein Kompromiss gefunden, mit dem der BN mit Bauchschmerzen leben kann: Am südöstlichen Rand des ehemaligen Standort­ übungsplatzes wurde eine große Freiflächen-Fotovol­ taikanlage errichtet, der größere Rest hat weiterhin den FFH-Status. Für die Artenschützer ist das über die Grenzen Un­ terfrankens hinaus ein Grund zu einer nur leicht ge­ trübten Freude. Unter den Solar-Panels weidet heute im Auftrag der Kreisgruppe eine Herde ShropshireSchafe, die übrigen Flächen sind trotz gelegentlicher

Neues Zuhause Statt eines Offroad-Zentrums ist der ehe­malige Standortübungsplatz Ebern heute ein Schutzgebiet, das viele seltene Arten wie das Knabenkraut beherbergt.

Eingriffe der Forstwirtschaft in relativer Sicherheit. Das rund 270 Hektar große Areal ist heute für Spaziergän­ ger, Radfahrer und Mountainbiker frei zugänglich, und die örtlichen Naturschützer sind auch ziemlich ent­ spannt, was das Verlassen der festen Wege betrifft. Bis zum Sommer sollen dort auch Wegetafeln aufgestellt werden. Was dieses Gelände an Schätzen birgt, erschließt sich dem normalen Spaziergänger nur unvollkommen, auch wenn er im Frühsommer in einem Blütenmeer des Purpurknabenkrauts – einer Orchideenart – steht. »Wir konnten mittlerweile etwa 6700 verschiedene Arten nachweisen«, berichtet Dr. Klaus Mandery, der Vorsitzende der Kreisgruppe Haßberge und ein nam­ hafter Artenschutzexperte, »darunter eine ganze Reihe von Arten, von denen es nur ganz wenige Nachweise gibt oder die als ausgestorben galten.« Wie etwa die vermeintlich ausgestorbene Essigrosen-Dickfühler­ weichwanze, die Mandery dort wiederentdeckt hat. Wer einen Einblick in diese Vielfalt und die besonderen Raritäten des ehemaligen Eberner Übungsplatzes be­ kommen will, tut gut daran, sich einer Führung der Kreisgruppe anzuschließen. Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner Ausgangspunkt: Ebern, ehemalige Kaserne, BalthasarNeumann-Straße (Parkplatz am Eingang zum ehemaligen Übungsplatz) Gehzeit: nach Belieben – zum Beispiel Rundweg im Uhrzeigersinn (Karte im Gelände und auf der Website der Kreisgruppe) Höhenunterschied: gering Wegcharakter: geschotterte Fahrwege, Waldwege Einkehr: Ebern Führungen: Termine auf www.hassberge.bund-naturschutz.de; Gruppen nach Vereinbarung

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

9

Die Autoren Winfried Berner, Mitglied des Landesvorstandes, hat mit seiner Frau ­Ulrike Rohm-Berner den Wanderführer »Gerettete Landschaften« ­verfasst. 14,90 Euro, im Buchhandel oder bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23- 9 99 57 20


wichtprozent auf Kassenbons, Parktickets, Fahrkarten, Kofferetiketten oder Kontoauszügen. Nicht zuletzt dank Recherchen des BUND sind zu­ mindest BPA-haltige Schnuller praktisch vom Markt verschwunden. Babyfläschchen aus Polycarbonat sind seit 2011 EU-weit verboten.

Illustration: Valentin Hoff

Wie gefährlich ist BPA? BPA kann wie das Hormon Östrogen wirken und den Austausch von Botenstoffen im Körper stören. Beson­ ders anfällig sind Föten und Kleinkinder. BPA ist allge­ genwärtig und im Blut und Urin von über 90 Prozent aller Menschen nachweisbar. Belegt sind negative Fol­ gen schon bei geringer Dosis. Hormonelle Schadstoffe wie BPA werden in Verbindung mit Diabetes Typ 2, Übergewicht, Lern- und Verhaltensstörungen bei Kin­ dern, Unfruchtbarkeit bei Männern sowie Prostataund Brustkrebs gebracht: allesamt Erkrankungen, die besorgniserregend zugenommen haben. Die europäische Lebensmittelbehörde fährt bei BPA einen Schlingerkurs: 2007 erhöhte sie die tolerierbare tägliche Dosis von 10 auf 50 Mikrogramm, um sie 2015 »vorsorglich« auf 4 Mikrogramm zu senken. Während Frankreich BPA in Materialien verbot, die mit Lebens­ mitteln in Kontakt kommen, erkennt das deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung (wie die EU) »keine Gefahr für den Verbraucher«.

Bisphenol A

Tückischer Dauerbrenner

Die umstrittene Chemikalie Bisphenol A (BPA) umgibt uns in unzähligen Alltagsprodukten. Sie kann unser Hormonsystem stören und krankhafte Fehlentwicklungen auslösen. Wie kann man ihr aus dem Weg gehen?

A

n die vier Millionen Tonnen BPA werden jedes Jahr weltweit hergestellt, Deutschland ist europäischer Marktführer. BPA dient vor allem als Grundstoff für die Herstellung von Polycarbonat und Epoxidharzen. Gebunden im Hartplastik Polycarbonat findet sich der Stoff in Tupperware, Plastikschüsseln, Handys, CDs und Spielzeug wieder, in Zahlfüllungen, Brillen, Kühl­ schrankfächern, Motorradhelmen oder Dialysegerä­ Der Autor ten. In Epoxidharzen kommt er zum Einsatz bei der In­ Manuel Fernandez nenbeschichtung von Konserven- und Getränkedosen, ist Mitarbeiter in Flaschendeckeln, industriellen Getränke- und Nah­ des BUND-Chemierungsmittelbehältern sowie bei der Sanierung maroder teams. Wasserleitungen. Bei Thermopapier dient BPA als Ent­ wickler und landet ungebunden mit bis zu drei Ge­

10 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Wie BPA vermeiden? Wie können Sie Ihre BPA-Belastung minimieren? ▶V  ermeiden Sie Kunststoffprodukte mit dem Kürzel PC (für Polycarbonat) und dem Recyclingcode 7. ▶W  eich-PVC mit dem Recyclingcode 3 kann geringe Dosen BPA enthalten, dazu hohe Konzentrationen an Weichmachern (ebenfalls hormonschädlich). ▶E  rhitzen Sie Lebensmittel oder Flüssigkeiten nie in Kunststoffbehältern, vor allem keine Babynahrung. ▶ I nnen beschichtete Konservendosen können BPA enthalten. Vor allem für Säuglinge und Kinder gilt also: nichts aus Konserven! ▶B  enutzen Sie nur Babyflaschen und -tassen, die als BPA-frei gekennzeichnet sind. Vorsicht: Als BPAfrei vermarktete Dosen können ähnlich gefährliche Bisphenole enthalten (wie BPS)! ▶L  assen Sie Kinder nicht mit Kassenbons, Fahrkarten, Parktickets und Ähnlichem spielen. ▶W  erfen Sie Kassenbons und andere Thermopapiere nicht in die Recyclingtonne. ▶L  agern Sie Lebensmittel in Glas-, Keramik- oder Edelstahlbehältern. ▶F  alls es Kunststoff sein muss: Weichen Sie auf relativ sicheres Polyethylen (PE, Recyclingcode 2 und 4) oder Polypropylen aus (PP, Recyclingcode 5). ▶F  ragen Sie Ihren Zahnarzt, ob Kunststofffüllungen BPA enthalten. Es gibt Alternativen! → www.bund.net/bisphenol-a


Auf gewaltigen Bergmassiven und uralten Handelsrouten

Zwischen Orient und Okzident

Eine einzigartige Wander- und Kulturreise führt nach Georgien, ins grüne Herz des Kaukasus.

Hohe Berge, tiefer Glaube Die Gergetier Dreifaltigkeitskirche vor grandioser Kulisse ist nur eines der unzähligen Gotteshäuser, die von der festverwurzelten ­Religiosität der Georgier zeugen.

D

ie alte Heerstraße legt sich mächtig in die Kurven, und unser Gefährt arbeitet sich im HaarnadelZickzack in die Höhe. Um uns steigen die tief gefältel­ ten Hänge des Kaukasus an, weiter unten wie mit grü­ nem Samt überzogen, oben schroff und felsig. Endlich erklimmen wir den Kreuzpass auf 2379 Metern, wo wir den Gebirgshauptkamm überwinden. Einst verband der historische Karawanenweg Georgien mit Russland und ist heute noch eine wichtige Verkehrsachse. Unter uns liegen die Häuser von Stepanzminda – St. Stephan – in einen von Flüssen durchzogenen Talkessel geku­ schelt. Darüber erhebt sich ein Koloss: der Kasbeg, 5047 Meter hoch, mit seinem vergletscherten Gipfel­ rund. Wir wandern zur Gergetier Dreifaltigkeitskirche, die auf einem Vorsprung thront und beliebt ist wegen ihres grandiosen Panoramas. Spröde und fruchtbar, von Menschen bewohnt, aber doch ungezähmt – so bietet sich unseren Augen die Berglandschaft dieses kleinen Landes dar, das genau an der Nahtstelle zwi­ schen Europa und Asien liegt. Vor einer Woche sind wir via Odessa, das wir per Bahn erreicht hatten, übers Schwarze Meer auf dem Schiff im Hafen von Batumi angekommen. Einen Tag und eine Nacht auf See – Zeit, um Geist und Seele auf

Harte Arbeit, süße Früchte Georgien blickt auf eine Jahrtausende alte Weinkultur zurück.

ein Land einstellen, in dem westlich Vertrautes und östliche Exotik aufeinanderstoßen und in dem es von Kulturdenkmälern wimmelt. Ein Land, gerade mal so groß wie Bayern, das neben der Schwarzmeerküste auch fünf Fünftausender vorzuweisen hat, dazu viele ursprüngliche Täler wie das Alasani-Tal mit seinem frei mäanderndem Fluss. Mehrere Klimazonen hat hier die Natur in Etagen übereinander geschichtet und unter­ schiedliche Biotope entstehen lassen. Darunter monta­ ne Eichen-, Buchenwälder und die kolchischen Wälder der Tiefebenen. Auf unseren Touren überrascht uns immer wieder Blumenpracht vor grandioser Felskulis­ se. Auf einer Wanderung unterhalb des TschauchebiMassivs kommen wir über Wildblumenwiesen, vorbei an Rhododendrenfeldern und alpinen Rasen, bis wir unterhalb von Basaltfelsen Rast machen. Besuch im UNESCO-Weltkulturerbe Wir besuchen neben der heutigen Hauptstadt auch die historische Kapitale Mzcheta, am Zusammenfluss von Kura und Aragwi. Fast 1000 Jahre lang war es die Haupt­ stadt Georgiens. Wichtige Handelswege, auf denen Gold und Edelsteine, Gewürze und Seide transportiert wurden, machten sie reich. Ihren Titel als UNESCOWeltkulturerbe verdankt sie den vielen frühchristlichen Klöstern und Kirchen. Georgien – das bedeutet auch heimatverbundene Bewohner und herzliche Gast­ freundschaft. Wir besuchen eine Familie, probieren lo­ kale Speisen und natürlich Wein, schließlich gibt es hier eine 8000 Jahre alte Weinanbaukultur und das ge­ orgische Klima ähnelt dem der Toskana. Natürlich ma­ chen wir auch einen Sprung ins Schwarze Meer, am Ende dieser erlebnisreichen Rundreise, bevor wir wie­ der das Schiff nach Odessa besteigen. Ein Rundgang durch Kiew, dessen jüngste Geschichte uns alle bewegt hat, schließt unsere Reise in den Kaukasus ab. Lucia Vogel

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

11

Reisetermin 4. – 22. August 2016 Wichtiger Hinweis: Der Reiseverlauf 2016 richtet sich nach dem Schiffsfahrplan Odessa – Batumi, welcher Ende Mai 2016 vorliegen wird. Der hier vorgestellte Reiseverlauf nimmt den Fahrplan von 2015 zur Grundlage. Bitte beachten Sie, dass sich der Abreisetag noch bis zu drei Tage verschieben kann. Zeitenänderungen vorbehalten.

Infos zu Reisepreis und Anmeldung bei BUND-Reisen ReiseCenter am Stresemannplatz Stresemannplatz 10 90489 Nürnberg Tel. 09 11- 5 88 88-20 Fax 09 11- 5 88 88 22 www.bund-reisen.de


Foto: iStock.com/Barry Sutton

Fledermäuse beflügeln ­unsere Fantasie. Als Nachtgeschöpfe waren sie früher eher schlecht angesehen. Heute ist das zum Glück anders: Viele Menschen – auch und gerade im BUND Naturschutz – tun etwas für ihren Schutz. Der Imagewandel hat mit dazu beigetragen, dass sich einige bei uns lebende Arten deutlich erholen konnten. Viele andere gelten aber weiter als gefährdet. Wie und wo leben unsere Fledermäuse? Und womit können wir ihnen helfen? Lesen Sie unser Titelthema!

Fledermaus

flieg!


Foto: Andreas Zahn

WG-Bewohner Mausohren bilden große Kolonien auf Dachböden. Sie sind damit stark auf unser Wohlwollen angewiesen.

Die Welt der Fledermäuse

Nachtschwärmer

Fledermäuse haben sich vor Jahrmillionen auf die nächtliche Insektenjagd spezialisiert. So konnten sie weltweit die unterschiedlichsten ­Lebensräume erobern. Auch in Deutschland sind sie verbreitet und leben nicht selten mit uns unter einem Dach.

E

in dunkles Etwas flattert im Dämmerlicht. Kurz taucht es in den Schein einer Laterne. Und ist dann rasch und lautlos wieder unseren Blicken ent­ zogen. Flüchtige Eindrücke – mehr dürften die meisten Menschen kaum je erfahren von der Welt der Fledermäuse. Nach der nächtlichen Jagd verschwin­ den sie in ihren Verstecken – und sind gänzlich unsichtbar geworden. Sie leben im Verborgenen. Ihre Rufe sind für uns zumeist unhörbar. Und im Flug sind sie kaum einer bestimmten Art zuzuordnen. All dies macht die Fle­ dermäuse zu großen Unbekannten unserer Tierwelt. In Bäumen und Gebäuden Dabei leben nicht wenige Fledermäuse ganz in unserer Nähe. Von den 25 hei­ mischen Arten gilt fast die Hälfte als Kulturfolger. Unsere Häuser dienen ihnen als Quartier, dauerhaft oder zu bestimmten Jahreszeiten. Sie kriechen unter Verschalungen, hinter Fensterläden, in Mauerfugen. Oder sie ziehen in Dach­ stühlen ihre Jungen groß. Zu den häufigen Arten in unserer Nachbarschaft zählen Zwerg- und Breitflügelfledermaus, Große und Kleine Bartfledermaus. Noch mehr heimische Arten leben im Wald. Abendsegler und Braunes Langohr, Bechstein-, Fransen- oder Rauhautfledermaus sind auf alte Bäume angewiesen. In ihren Höhlen und Spalten finden sie Schutz. Was sind das für Tiere, mit denen wir nicht selten unter einem Dach leben? In vieler Hinsicht ungewöhnliche Tiere, so viel steht fest. Tiere der Superlative Fledermäuse bevölkern schon seit über 50 Millionen Jahren unsere Erde. Als sehr alte und hoch spezialisierte Tiergruppe halten sie eine ganze Reihe von Rekorden. So sind Fledermäuse die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen ­können. Ihre Flughaut spannt sich von den Hand- zu den Fußgelenken und den Schultern, zwischen den stark verlängerten Fingern und zwischen den Beinen. Zudem wissen sie sich bei völliger Dunkelheit zu orientieren, durch ein akustisches Radar mit Ultraschalllauten. Nicht nur Hindernisse, auch kleinste

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

13


Foto: Andreas Zahn

Im Ausguck Ein Abendsegler in seinem Tagesversteck. Diese Art ist auf die Höhlen und Spalten in alten Bäumen angewiesen.

Der Autor Severin Zillich ist Biologe und ­Redakteur des BUNDmagazins.

Sozial und nachtaktiv Alle bei uns vorkommenden Arten sind nachtaktiv. Und sie ernähren sich ausschließlich von Insekten und

Foto: Thomas Stephan

Hilfe für Batmans Freunde Ein Großes Mausohr wird untersucht. Ist der Flügel noch heil?

Beutetiere reflektieren die Schallwellen und werden so im Jagdflug aufgespürt. Fledermäuse sind meist klein und leicht. Die thai­ ländische Schweinenasen-Fledermaus gilt mit ihren zwei Gramm gar als leichtestes Säugetier der Welt. Noch immer kaum schwerer als ein Stück Würfelzucker ist die heimische Zwergfledermaus. Ihr Mindestge­ wicht: 3,5 Gramm. Trotzdem sind Fledermäuse relativ lang­lebig, manche Arten werden bis zu 30 Jahre alt. Dank ihrer vielfältigen Spezialisierung sind Fleder­ mäuse fast weltweit verbreitet. Mit Ausnahme der Ant­ arktis konnten sie alle Kontinente erobern. Auf zahl­ losen Inseln – zum Beispiel Neuseeland – waren sie ur­ sprünglich die einzigen Säugetiere. Fledermäuse bilden auch die weitaus größten An­ sammlungen von Säugetieren. So schätzt man die Zahl der Tiere, die allabendlich aus einer einzigen Höhle in Texas schwärmen, auf 20 Millionen.

14 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Spinnen. Als hochsoziale Tiere leben die meisten Fle­ dermäuse in Gruppen zusammen. Zur Fortpflanzung in ihren Wochenstuben wie auch im Winterquartier halten die Tiere oft engen Körperkontakt. Dabei kön­ nen mehrere Arten gemeinsam auftreten. Ihre hohe Lebenserwartung ist schon deshalb nötig, weil Fledermäuse jedes Jahr nur ein bis (seltener) zwei Junge gebären. Die niedrige Fortpflanzungsrate führt dazu, dass Fledermäuse rasch seltener werden, wenn negative Umwelteinflüsse – wie Pestizide oder falsch geplante Windräder – ihre Sterblichkeit erhöhen. Wird im Spätsommer die Nahrung knapp, suchen sich unsere heimischen Fledermäuse ein passendes Winterquartier. Arten wie der Abendsegler können sich dafür weit über tausend Kilometer von ihrem Sommer­ lebensraum entfernen. In feucht-kühlen Höhlen, Stol­ len oder unterirdischen Gewölben suchen sie Schutz vor Feinden, um bei stark reduzierter Körpertempera­ tur in Winterschlaf zu fallen. Wo zu sehen? Fledermäuse sind ganz überwiegend in den Tropen verbreitet. Die meisten der weltweit knapp tausend Arten kommen rund um den Äquator vor. Nach Norden hin wird ihre Artenzahl immer geringer. Auch in Deutschland ist der Süden generell artenreicher als der Norden. Arten wie die Wimperfledermaus sind nur südlich der Mainlinie zu finden. Abgesehen davon: Wo lassen sich bei uns besonders gut Fledermäuse beobachten? Vor allem dort, wo sie viel Nahrung finden. Insektenreiche Orte sind Gewäs­ ser in Waldnähe, vielgestaltige Waldränder und He­ cken, auch Parks und Viehweiden. Im Lichtkegel der Straßenlaternen machen Fleder­ mäuse ebenfalls leichte Beute. Wer allerdings mehr er­ kennen will als einen flüchtigen Schatten, muss sich Experten anschließen. Der BUND Naturschutz bietet vielerorts Fledermausführungen an. Dort erfahren Sie mehr über die Arten in Ihrer Nachbarschaft – wie sie leben, was sie gefährdet und was wir für ihren Schutz tun können.


Agrarlandschaft und Wälder werden immer stärker genutzt, mehr und mehr Gebäude saniert und Windräder errichtet: Was heißt das für unsere Fledermäuse? Derzeit sehe ich für die heimischen Fledermäuse gar nicht so schwarz – zumindest legen unsere Zahlen das nicht nahe. Die meisten Arten, deren Entwicklung wir in Bayern überprüfen können, halten seit etwa 25 Jah­ ren ihr Niveau oder haben zugenommen. Und die zwei Hufeisennasen-Arten, deren Zahl besonders drama­ tisch gesunken war, vermehren sich sogar deutlich. Woran liegt das? Positiv wirkt sich heute die deutlich niedrigere Giftbe­ lastung aus. In den 60er- und 70er-Jahren hatten Agrarund Holzschutzpestizide viele Arten stark dezimiert. Was seither zum Schutz der Fledermäuse getan wurde, scheint tatsächlich zu fruchten. So hat sich dank inten­ siver Öffentlichkeitsarbeit das Bild der Fledermäuse geändert. Arten an Gebäuden werden nicht mehr auto­ matisch vertrieben, Hausbesitzer freuen sich über die harmlosen Untermieter und holen sich Rat, was sie zu beachten haben. Beim Umbau öffentlicher Gebäu­de und Kirchen werden meist Experten hinzugezogen. Unter den heimischen Arten haben wir ja ein paar aus­ gesprochene Kulturfolger, die wirklich auf unser Wohl­ wollen und dauernde Betreuung angewiesen sind. Gezielter Schutz ist also weiterhin nötig? Auf jeden Fall, zumal bestimmte Faktoren für manche Arten rasch wieder kritisch werden können. Etwa, wie Sie richtig gesagt haben, die intensivere Nutzung der Wälder, seitdem Brennholz wieder etwas wert ist. Oder die Tatsache, dass unsere Agrarlandschaft immer in­ sektenärmer wird und Arten wie die Zwergfledermaus seltener werden, offenbar weil es ihr an Nahrung fehlt. Nicht zu vergessen der Ausbau der Windkraft. Was können wir tun, damit alle heimischen Fledermausarten eine Zukunft bei uns haben? Zum einen brauchen wir in unseren Wäldern mehr In­ seln mit ungenutztem Altholz, damit Fledermäuse genug natürliche Quartiere finden und nicht am Tropf der Nistkästen hängen. Nur mit dem Schutz einzelner Höhlenbäume ist es nicht getan. Dann benötigen wir wieder mehr extensiv genutzte Wiesen und Weiden, auch im Ökolandbau. Und größere Flächen für die Natur, wo sich zum Beispiel der Biber austoben darf – da entstehen ganz tolle Lebensräume. Aufmerksam müssen wir bei der Gebäudedämmung bleiben, ihr f­allen weiter Quartiere zum Opfer. Handwerker und Ar­ chitekten müssen gut geschult werden, um die recht­ lichen Vorgaben umsetzen zu können. Um die Verluste von Fledermäusen an Wind­rädern erträglich zu halten,

Interview

Es kann rasch wieder kritisch werden … Andreas Zahn koordiniert den Schutz der Fledermäuse in Südbayern. Er zählt und erforscht sie, bildet ehrenamtliche Artenschützer aus, berät Bürger und Behörden und ent­ wickelt Programme für besonders gefährdete Arten. Zudem ist er in der BN-Kreisgruppe Mühldorf am Inn aktiv.

brauchen wir ein bundesweites Konzept. Bedroht scheinen vor allem Arten, die sich nicht gut zählen las­ sen, da wissen wir noch zu wenig. Letztlich müssen wir akzeptieren und durchsetzen, dass Windräder häufiger abgeschaltet werden, wenn viele Fledermäuse unter­ wegs sind. Die Betreiber wehren sich da oft noch vehe­ ment, was auf berechtigte Kritik aus Naturschutzkrei­ sen stößt. Der Energiewende leisten sie damit einen Bärendienst. Können wir selbst auch den Fledermäusen helfen? Sicherlich. Als Hausbesitzer können wir Quartiere von Fledermäusen erhalten oder neu schaffen. Unsere ­Gärten sollten wir möglichst naturnah und giftfrei ge­ stalten. Mehr noch können wir beim Einkauf tun: ­Lebensmittel aus ökologischem Landbau kaufen und – im Kontakt mit Direktvermarktern – durchaus einmal nachfragen, was die für den Naturschutz tun. Neue ­Hecken, Obstwiesen, Weiher oder Brachen entstehen ja nicht allein dadurch, dass man auf Gift verzichtet. Und natürlich kann sich jeder ehrenamtlich am Schutz von Fledermäusen beteiligen. Und uns im BUND Naturschutz darin unterstützen, politischen Druck auszuüben, etwa für mehr Vielfalt und alte Bäume im Wald. Interview: Severin Zillich

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

15

Aktiv bei Tag und Nacht Andreas Zahn in Aktion: bei einer Fledermausführung (oben) und auf der »Jagd« (links).


Foto: Thomas Stephan

Foto: Andreas Zahn

Selten geworden Zu den Raritäten unserer Tierwelt zählen (von links): Kleine Hufeisen­ nase, Mops- und Nymphenfledermaus.

Fledermäuse in Gefahr

Den Fledermäusen ging es in Deutschland schon einmal schlechter. Und doch bleiben sie anfällig, viele Arten sind weiterhin bedroht. Was bringt sie in Bedrängnis?

N

Foto: Andreas Zahn

Schutzbedürftig

ur fünf der 26 heimischen Fledermausarten gelten vorläufig als ungefährdet. Über fünf weitere Arten wissen wir noch zu wenig, um einschätzen zu können, ob und wie stark sie bedroht sind. Die restlichen 16 Arten verteilen sich auf alle Gefährdungsklassen: von der Vorwarnliste (wie Großes Mausohr, Abendsegler) bis zu »Vom Aussterben bedroht« (Nymphenfleder­ maus, beide Hufeisennasen). Als verschollen gilt bei uns die Langflügelfledermaus. Wie viele Fledermäuse einst in Sommernächten durch die Lüfte jagten, ist heute kaum mehr vorstellbar. Verlässliche Angaben zu ihrer Häufigkeit in vorindust­ rieller Zeit gibt es nicht. Wer sich aber erinnert, wie viel mehr Insekten früher an Kühlergrills und Windschutz­ scheiben klebten, mag eine Ahnung davon bekommen, wie ungleich reicher einmal unsere gesamte Tierwelt gewesen sein muss.

16 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Historisches Tief Schon der Raubbau an den Wäldern muss den Fleder­ mäusen einst stark zugesetzt haben. So war um das Jahr 1800 nur noch ein Viertel Deutschlands von Wald be­ deckt – heute sind es wieder ein Drittel. Die halboffene, mosaikartig und extensiv genutzte Kulturlandschaft aber bot den Insektenjägern sicher noch reichlich Nah­ rung. Einen historischen Tiefpunkt erreichte die Zahl der Fledermäuse wohl erst in den 1960er- und 70er-Jahren. Giftige Holzschutzmittel sorgten damals bei allen gebäudebewohnenden Arten für immense Verluste. Zudem wurden Insektengifte wie das heute verbotene DDT in großem Stil über die Felder verteilt. Auch hat­ ten die Fledermäuse keinen guten Ruf; viele ihrer Quar­ tiere wurden daher illegal »wegsaniert«.


Erst in den 80er- und 90er-Jahren scheinen sich die meisten Arten etwas zu erholen. Weil nun gezielt etwas für ihren Schutz getan wird und bestimmte Pestizide verboten sind. Und weil sich die Öffentlichkeit bewuss­ ter wird, wie schlecht es um die Zukunft der Fledertiere steht. Seitdem ist die Mehrzahl der Arten offenbar sta­ bil geblieben (siehe Interview auf Seite 15), wenngleich auf niedrigem Niveau. Weiterhin gefährdet Für eine Entwarnung ist es jedenfalls zu früh. Unverän­ dert sind Fledermäuse vielen Gefahren ausgesetzt. Was macht ihnen heute das Leben schwer? → Verlust natürlicher Lebensräume Je einförmiger und intensiver wir Wald und Flur nutzen, desto seltener finden Fledermäuse dort Nahrung. Noch immer werden Wiesen in Äcker umgebrochen, breiten sich Mais und Raps aus, verarmt die Rest­ natur außerhalb der Schutzgebiete im Sprühnebel von Pestiziden und Gülle. Noch immer werden Hecken und Streuobstwiesen gerodet und zu wenige alte Bäume im Wald ge­duldet. Noch immer verschwinden in Deutsch­ land 70 Hektar pro Tag (!) unter Beton und Asphalt. Auf großer Fläche ist die biologische Vielfalt auf dem Rück­ zug, und mit ihr insektenreiche Jagdgründe für unsere Fledermäuse. → Insektengifte Im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft werden immer mehr Insektizide und Pflanzengifte ver­ sprüht – übrigens auch in den Gär­ ten. Die Nahrung der Fledermäuse wird damit vielerorts knapp. Zudem kann sich die Agrochemie in den langlebigen Tieren anreichern, ihr Kommunikations- und Lernvermögen stören, ihr Immunsystem schwächen und zu weniger Nachwuchs führen. Indirekt ermöglichen Pestizide erst Agrarwüsten wie den intensiven Maisanbau – ein für Fledermäuse völlig wertloser Lebensraum. → Windkraft Mit dem Ausbau der Windkraft steigt die Gefahr, dass Fledermäuse an Rotorblättern verunglücken. Am häufigsten scheinen Abendsegler, Rauhaut-, Zweifarb- und Zwergfle­ dermaus betroffen. Auch seltenere Arten wie Kleinabendsegler oder Nordfledermaus wer­ den regelmäßig getötet. Am konfliktträchtigsten sind Ge­biete in Küstennähe, bewaldete Hügel und Höhen­ züge. Doch auch in der Agrarsteppe kann es ein Kolli­ sionsrisiko geben, zum Beispiel entlang von Zugrouten.

Die höchsten Verluste werden in milden und trockenen Spätsommernächten registriert und nach Auflösung der Wochenstuben. Eben in diesen oft windarmen Pha­ sen kann es enorm helfen, die Windkraftanlagen pro­ grammiert zu bestimmten Zeiten abzuschalten. → Quartierverlust Die Forstwirtschaft gesteht unseren Bäumen nur ganz ausnahmsweise ein Alter zu, in dem sie Höhlen und damit Quartiere für Fledermäuse ausbilden. Und viele dieser Quar­ tierbäume fallen jedes Jahr der Säge zum Opfer: aus Unkenntnis, Gedankenlosigkeit und Profitstreben – oder zur »Verkehrssicherung« am Stra­ ßenrand. Auch jede Altbausanierung kann zum Verlust von Tagesverstecken, Wochenstuben und Winterquartieren führen, desgleichen der Verschluss von Höhlen und Stollen, die Sprengung alter Bunker oder die Wiederin­ betriebnahme alter Eisenbahntunnel. Aller gesetzliche Schutz bleibt unwirksam, wenn die dort lebenden Tiere nicht rechtzeitig entdeckt werden. Fleder­mauskästen an Bäumen oder Gebäuden sind kein echter Ersatz. → Straßenverkehr Die meisten Insekten fliegen nied­rig. Entsprechend jagen viele Fleder­ mausarten in Bodennähe. Wo Stra­ ßen durch nahrungsreiche Feucht­ gebiete und Wälder führen oder ihre traditionellen Flugschneisen kreu­ zen, kann ihnen das zum Verhängnis werden. Autos mit hohem Tempo werden von Fledermäusen meist nicht rechtzeitig wahrgenommen. So verunglücken jedes Jahr viele Tausend Tiere an Landstraßen. → Störungen Auch wenn die meisten Störungen (etwa durch das boomende Geo­ caching) heute unabsichtlich erfol­ gen, bleiben sie ein Risiko. Vor allem während des Winterschlafs reagie­ ren Fledermäuse darauf sehr emp­ findlich. Um Herztätigkeit, Stoffwechsel und Atmung wieder in Schwung zu bringen, benötigen die Tiere viel Energie – so viel wie für 20 Tage Tiefschlaf. Wiederholte Störungen können die Reserven der Tiere vorzeitig er­ schöpfen, sie verhungern dann. Auch für ihre Wochenstuben sind Fledermäuse auf störungsfreie Quartiere angewiesen. Weibchen und ihre Jungtiere sollten ganz in Ruhe gelassen werden.

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

17


Wo der BUND Fledermäuse schützt Sie leben im Verborgenen und sind für Laien nicht leicht zu bestimmen – doch für den Schutz der Fledermäuse engagieren sich etliche regionale Gruppen des BUND und BN. Diese Karte zeigt eine Auswahl ihrer Aktivitäten. Der Einsatz der Gruppen zeigt übrigens Wirkung. Vom Schutz ihrer Quartiere oder beispielsweise der Rettung ­geschwächter Tiere profitieren die gefährdeten Säuger ganz unmittelbar.

e

HANNOVER

Fotos: R. Keil

Beinahe täglich bekommt das Fledermauszentrum Hannover neue Patienten. Über einen Notruf sind Renate Keil und andere Expertinnen und Experten Tag und Nacht erreichbar. Sie bergen Tiere, die sich in Wohn­räume verirrt haben, verlassene Jungtiere und verletzte Fledermäuse. Im Zentrum werden sie medizinisch überprüft, bei Bedarf gesund gepflegt und wieder ausge­wildert. Über 250 Tiere gelangten so 2015 zurück in die Freiheit. Und das BUND-Zentrum leistet noch mehr. Es beantwortet Anfragen aller Art, informiert über heimische Arten und bietet eine persönliche ­Bürgerberatung. Die Umweltbildung ist ein Schwerpunkt: Regelmäßig wird zu Vorträgen, Seminaren und Führungen eingeladen. Interessierte Schulklassen erhalten einen Themenkoffer, ein Kinderaktionsteam entwickelt Angebote für die Jüngsten. Im Spätsommer findet ein großes Fledermausfest statt. Nicht zu vergessen die Geländearbeit – der Schutz von Höhlenbäumen, die Suche nach Opfern von Windrädern etc. – und eine vielseitige politische Lobbyarbeit in der Region. Ein eigener Online­shop bietet diverse Artikel an. Hinter all dem steht die AG Fledermäuse mit rund 60 Aktiven. → www.bund-fledermauszentrumhannover.de

t

Ham

Bremen

a

Osnabrück

e

Münster

Dortmund Düsseldorf Köln Aachen

d

Bonn

Koblenz

f Frankfurt/Main Mainz

Trier

HEIDELBERG

1994 startete der BUND Heidelberg sein Projekt »Fledermäuse suchen Freunde«. Es sollte dazu dienen, die in Heidelberg noch vorkommenden Fledermäuse samt ihrer Lebensräume besser zu schützen. Seitdem hat sich viel getan. So ist das Umweltzentrum der Kreisgruppe unter ­Geschäftsführerin Brigitte Heinz (Foto) zur wichtigs­ten regionalen Anlaufstelle geworden – für alle Fragen rund um die Fledermäuse. Der BUND berät Haus- und Gartenbesitzer, bietet kostenlose Hilfe vor Ort an und wirbt für den Schutz der Tiere. Außerdem kontrolliert und reinigt er Sommer- und Winterquartiere und betreut 250 Fledermauskästen im Stadtwald. Verletzte und geschwächte Tiere werden wieder aufgepäppelt. Auch sammelt der BUND alle Fledermausmeldungen und analysiert selbst den Bestand. Das Quartierangebot wird stetig erhöht und die Lebensräume der Fledermäuse ­werden aufgewertet – im Dialog mit der Stadt, die den BUND dabei finanziell unterstützt. Die vielen Menschen, die sich von der Begeisterung für die Fledermäuse a­nstecken lassen, zeigen der Kreisgruppe, dass sie mit ihrer Arbeit auf dem richtigen Weg ist. → www.bund-heidelberg.de/fledermaeuse

Hannover

Saarbrücken

Würzb

t Karlsruhe Stuttgart

Freiburg

g


p Rostock

mburg

i

Berlin

WEITERE SCHUTZPROJEKTE

Magdeburg

r

i Neubrandenburg: Erfassung und Betreuung von Quartieren, o

Halle

Leipzig

p a s

o Erfurt

Dresden

d f

burg

u

g

Nürnberg

u

München

Karte: ubahnverleih/fotolia

s

Augsburg

Umweltbildung, Exkursionen → www.bund-neubrandenburg.de Hohe Schrecke: Schutz alter Laubwälder mit vielen Höhlen­ bäumen, Erfassung der Fledermäuse → www.bund.net/hohe_schrecke Ostholstein, Axel Kramer: Führungen, Bau von Nistkästen, ­Beratung von Hausbesitzern etc. → www.bund-ostholstein.de Bremen: Quartierberatungen, Umweltbildung, Exkursionen → www.bund-bremen.net/fledermaeuse Waldkraiburg, Mühldorf, Wasserburg: Erfassung von Abendseglern mit Monitoringprogramm → www.muehldorf.bund-naturschutz.de Rhein-Sieg-Kreis: Anlage von Quartieren, Exkursionen, Betreuung der größten Mausohr-Wochenstube in NRW etc. → www.bund-rsk.de Bad Kissingen: Umweltbildung, Pflege verletzter Tiere, ­Quartierschutz, Erfassung → www.bad-kissingen.bund-naturschutz.de Gottmadingen: Naturschutzzentrum, Spezialversand, Verleih Ausstellung, bundesweiter Terminkalender → www.all-about-bats.net

FORCHHEIM

Seit 2009 beteiligt sich die BUND-Kreisgruppe Forchheim (Oberfranken) an einem großen Gemeinschaftsprojekt zur ­Erforschung der Fledermausfauna im Landkreis. Hierbei kommen »Batcorder« zum Einsatz, deren Prototyp der BUND-­ Aktive Friedrich Oehme (Foto) mit entwickelt hat. Der frühere Professor für Elektronik leitet das Projekt mit zehn Partner­ organisationen, darunter Staatsforsten, Jägerschaft und Bauernverband. In keinem deutschen Landkreis weiß man nun wohl genauer Bescheid, wo sich welche Fledermausarten wann aufhalten. 18 Arten konnte die Kreisgruppe bisher akustisch nachweisen, darunter Raritäten wie Nymphen- und Wimper­fledermaus oder Kleine Hufeisennase. Ständig liefert das Projekt neue Erkenntnisse – etwa zur Unterscheidung nah verwandter Arten und zu den Lebensgewohnheiten der Tiere. Oder zu bislang unbekannten Sommer- und Winterquartieren, die dann gezielt geschützt werden können. Der lokale Arbeitskreis des BUND ist darüber hinaus vielfältig aktiv. → www.forchheim.bund-naturschutz.de/ak-fledermaus/fmm Foto: Johannes Mohr

Kiel

FRANKFURT (ODER)

Vor gut 30 Jahren entdeckten Frankfurter Naturschützer eines der größten deutschen Winterquartiere. In der Ruine einer Brauerei fanden sie Hunderte Fledermäuse: Großes Mausohr (Foto), Wasserund Fransenfledermaus sowie weitere geschützte Arten. Die unterirdischen Gewölbe mit ihren unzähligen Rissen und Spalten hatten die Tiere angelockt. Mithilfe der Behörden gelang es, den drohenden Abriss zu verhindern. Doch diente die Ruine als Abenteuerspielplatz und Lager für Zigarettenschmuggler, wildernde Katzen lauerten den Fledermäusen auf. Norbert Bartel und seine Mitstreiter vom örtlichen BUND sorgten für die Sicherung der Ruine. Fenster wurden vergittert und Zäune gesetzt, die Katzen wanderten ins Tierheim. Damit zog Ruhe ein. Gut für die 1500 bis 2400 Fledermäuse von 13 Arten, die hier im Winter bislang erfasst wurden. Die BUND-Aktiven helfen bei der weiter nötigen Sicherung der Ruine, sie kontrollieren das Quartier laufend und zählen die Überwinterer. Das Brauereigelände steht heute unter nationalem und europäischem Naturschutz. → www.bund.net/Ostquellbrauerei

Foto: Bernd Heuer

r


Refugium Viele Bunkerruinen hat der BUND bereits für Fledermäuse gesichert. Lochsteine (Bild unten) bieten zusätzliche Nischen.

Biotopverbund

Wahlheimat Westwall Foto: Markus Thies

Seit den 70er-Jahren bemüht sich der BUND darum, den »Grünen Wall im Westen« zu erhalten – als Refugium für selten gewordene Tiere und Pflanzen. Besonders Fledermäuse wissen die Vielzahl alter Bunker zu schätzen.

Z

wei ehrenamtliche Naturschützer steigen in einen versteckt liegenden Stollen am ehemaligen West­ wall. Das Licht ihrer Taschenlampen flackert an den Wänden entlang, von oben tropft es. Plötzlich fliegen den beiden gleich mehrere Fledermäuse dicht um die Ohren. Da hilft nur eins: ducken. Doch nun sind sie ­sicher: Sie sind auf ein Quartier gestoßen! In den letzten Jahrzehnten ist entlang des einstigen Westwalls ein wichtiger Biotopverbund entstanden. Die militärische Anlage wurde von 1938 bis 1940 von den Nationalsozialisten an der Westgrenze des damali­ gen Reiches errichtet. Sie ist über 600 Kilometer lang und bestand aus über 18 000 Bunkern, Stollen sowie zahllosen Gräben und Panzersperren. Der Westwall verlief von Kleve an der niederländischen Grenze bis nach Grenzach-Wyhlen an der Schweizer Grenze.

20 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Heute bietet die ehemalige Angriffs- und Verteidi­ gungslinie der Nazis vor allem Fledermäusen, aber auch vielen anderen Arten einen attraktiven Lebens­ raum. In den etwa 15 000 übriggebliebenen Stollen und Bunkerruinen finden Fledermäuse häufig ideale Bedingungen vor: Im Inneren beträgt die Temperatur zwei bis neun Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit 70 bis 98 Prozent. Mindestens zehn Fledermausarten konnten bisher nachgewiesen werden. Zum Schutz von Großem Maus- und Braunem Langohr, Fransen- und Zwergfledermaus ist besondere Rücksicht geboten. Denkmal- und Naturschutz Die größte Gefahr droht den Zufluchtsorten durch die »Verkehrssicherung«. Einen Abriss versucht der BUND möglichst immer zu verhindern. Etwa durch Gitter und


Foto: StMUV

Zäune, die uns Menschen vor Unfällen schützen, tieri­ sche Bewohner aber nicht ausschließen. Das Ausmau­ ern zerstörter Außenwände kann ebenfalls hilfreich sein, weil so frostfreie Innenräume entstehen, für über­ winternde Fledermäuse und andere Tierarten. An der Decke befestigte Lochsteine sorgen für zu­ sätzlichen Unterschlupf, zumal sich die Tiere bei Kont­ rollen hier viel einfacher entdecken lassen als in den tiefen Mauerrissen, die bei der Sprengung der Bunker entstanden sind. Der BUND hat in Rheinland-Pfalz verschiedenste Maßnahmen zur Sicherung der Ruinen erprobt. Hier wie in Baden-Württemberg steht der Grüne Wall flä­ chendeckend unter Denkmalschutz. Anders im Saar­ land: Dort kämpft der BUND weiter dafür, alle Ruinen als Denkmale auszuweisen. Auch in Nordrhein-West­ falen gilt das noch nicht lückenlos. Langfristig strebt der BUND einen Naturschutz-Status für die ehemalige Militäranlage an, zum Beispiel als »Nationales Natur­ monument«.

Auszeichnung für BN-Fledermausschützer

Für »die vorbildlichen Leistungen beim Schutz bedroh-

ter Tierarten durch die Schaffung und Pflege von Fledermausquartieren« wurde der BUND Naturschutz kürzlich von Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (links) geehrt. Anlass war ein Jubiläum: Seit 30 Jahren gibt es in Bayern zwei Koordinationsstellen für Fledermausschutz. In diesen drei Jahrzehnten seien die 24 in Bayern ­heimischen Fledermausarten »in die Köpfe und Herzen der Menschen geflogen«, sagte die Ministerin bei der Ehrung. Zu verdanken sei dies neben den Koordina­ tionsstellen vor allem der »tatkräftigen Mitwirkung ehrenamtlicher Helfer«, so Scharf. »Ihnen gebührt mein herzlicher Dank.« BN-Artenschutzexpertin Dr. Christine Margraf nahm die Urkunde stellvertretend für die vielen im Fledermausschutz e ­ ngagierten Ehrenamtlichen des BN entgegen.

Viele Mitbewohner Die Relikte des Westwalls bieten übrigens nicht nur Flugsäugern ein Obdach. Regelmäßig besuchen auch Füchse, Dachse, Wildkatzen, Marder und Mäuse die Ruinen. In ihrem Schutz ziehen viele Arten ihre Jungen groß. Rund ums Jahr ist also mit tierischen Bewohnern zu rechnen. Das Projektbüro des BUND in Trier sam­ melt alle ­ Beobachtungen seltener und geschützter Arten, egal ob Fledermaus, Wildkatze oder Orchidee. den. Speziell während der Fledermaus-Schutzzeit von Es bittet um Mithilfe: Wer einen Ausflug an den West­ Oktober bis März ist das Betreten der Ruinen nicht er­ wall macht und etwas Besonderes beobachtet, kann laubt. Auch außerhalb dieser Zeit sollte es unterblei­ ANZan Fledermäuse_188,5 x 72_Layout 1 22.04.16 10:11 Seite 1ben, um die dort lebenden Tiere nicht zu stören. sich Eva-Maria Altena im Trierer Projektbüro wen­

Eva-Maria Altena leitet das Projektbüro in Trier: Tel. 06 51-4 84 55, eva-maria.altena @bund-rlp.de, gwiw.bund-rlp.de

Der BUND bietet unter www.bundladen.de/fledermaeuse Kostenlos an: Broschüre 28 Seiten Nr.: 22 146 35,95 €

Bechsteinfledermaus retten …

Nr.: 66003 65,90 €

en

rt POStka

Pestizide

Eine Bedrohung für unsere Fledermäuse www.bund.net

Graues Langohr retten …

Faltblatt Fledermäuse retten

Hier bestellen

bestellung@bundladen.de www.bundladen.de

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

21


Arnika Gelb leuchtende Arnika-Wiesen – ein bezaubernder, heute selten gewordener Anblick. Wiesen, Moorgebiete, lichte Wälder, insbesondere im Bergland bis in Höhen über 2000 Meter, das ist der Lebensraum der Arnika (Arnica montana).

D

ie Pflanze braucht nährstoffund kalkarme Standorte. Diese schwinden immer mehr durch Intensivnutzung, Nut­ zungsaufgabe oder Aufforstun­ gen. Auch massive Wildsammlung für arzneiliche Zwecke hat die Bestände reduziert. In Deutschland steht Arnika als »gefährdet« (Stufe 3) auf der Roten Liste. Sie ist nach der BundesartenschutzVerordnung »besonders geschützt« und darf – außer mit streng überwachten Ausnahmegenehmigungen – nicht gesammelt werden. Zwischen Juni und August erscheinen die großen orange- bis dottergelben Blütenköpfe. Der Stängel trägt ein bis drei gegenständige Blattpaare und ist am Grund von einer Blattrosette umgeben. Die Pflanze verströmt einen angenehmen, aromatisch-herben Duft. Vermutlich kannten bereits Kelten und Germanen Arnika als Heilpflanze, aber man findet sie weder bei den antiken Autoren noch in den Kräuterbüchern der frühen Neuzeit. Möglicherweise ist die von Hildegard von Bingen (1098 – 1179) als Liebeszaubermittel ge­ nannte »Wolfesgelegena« die Arnika. Der Ethnobotani­

Arnika in der modernen Phytotherapie ▪  P flanzenteile: getrocknete ganze oder in ­Einzelblüten zerfallene Blütenköpfe ▪  Zubereitungen: Aufguss, Tinktur, Salbe ▪ Inhaltsstoffe: Sesquiterpenlactone, ätherisches Öl, Flavonoide, Phenolcarbonsäuren

Foto: privat

Buchtipp: Zauberpflanzen Hexenkräuter

Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­P flanzenbücher verfasst.

Von Alraune und Königskerze bis ­Eisenhut und Tollkirsche: In diesem Buch stellt unsere Autorin Gertrud Scherf die Geheimnisse magischer Pflanzen vor – eine spannende Symbiose aus alten Überlieferungen und modernem Pflanzenwissen. Zu jeder Pflanze gibt es einen botanischen Steckbrief, ­Mythos, Magie, Geschichte, Brauchtum, Nutzung und Heilwirkung. BLV-Verlag, ISBN-Nr. 978-3-8354-1240-8, 24,99 Euro, ­erhältlich im Buchhandel oder im Internet

22 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Wirkung: entzündungshemmend, durchblutungs▪  fördernd, keimhemmed ▪  Anwendung: nur äußerlich bei Blutergüssen, ­Prellungen, Verstauchungen, Quetschungen, rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden, Schleimhautentzündungen von Mund und Rachen ▪ Achtung! Vor einer Anwendung fachlichen Rat ­einholen. Überempfindlichkeitsreaktionen sind, ins­besondere bei Korbblütler-Allergie, möglich. ­Arnika-Zubereitungen nicht auf offenen Wunden, ­Tinktur nur verdünnt anwenden. Wegen der Gefahr schwerer Nebenwirkungen kein innerlicher Gebrauch.

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Der BLV Pflanzenführer für unterwegs«, BLV Buchverlag

Porträt

ker Heinrich Marzell (1885 – 1970) gibt an, dass sie in den althochdeutschen Glossen als »wolfeszeisala« erscheine und sie auch in »Wolferlei« sowie in nie­ derdeutschen Namen wie »Wulfsblom« mit dem Wolf verbunden sei. Ihr Name »Wohlverleih« ist volksetymologisch aus solchen Wolfsnamen hervorge­ gangen, passt er doch gut zu einer Heilpflanze. Erst ab dem 17. Jahrhundert fand Arnika Anerkennung in der Medizin. Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897) lobte ihre große Heilkraft. Heute verwendet man sie in Volks­ medizin und wissenschaftlich orientierter Pflanzen­ heilkunde nur äußerlich (siehe Kasten). Die Zauberpflanze Arnika galt als Unheil abweh­ rend. In Böhmen, Thüringen und Oberfranken war sie »Johannisblume«, die man am 24. Juni sammelte, um Schutz vor Krankheit, Blitz und allem Übel zu erlangen. In diesen Gegenden, mancherorts auch in Niederbayern und der Oberpfalz, hat man an Johanni zur Abwehr des Bilwis die Felder mit Arni­ ka umsteckt. Dieser schädigende Korndämon – so einst der Volksglaube mancher Gegenden – reitet um die Zeit der Sommersonnenwende durch die Felder und legt oder schneidet mit Sicheln an seinen Füßen die Getreidehalme um. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts gehen die Arni­ ka-Bestände zurück. In Mitteleuropa konzentrieren sie sich auf die Mittelgebirgsregionen und die Alpen, sind aber auch dort vielerorts im Schwinden. Deutschland liegt im Zentrum des europäischen Verbreitungsge­ biets. Deshalb wurde im Rahmen des Bundesprogram­ mes Biologische Vielfalt Arnika zur »Verantwortungs­ art« erklärt, deren Erhalt durch Projekte gefördert wird. Der BUND Naturschutz weist auf die Bedeutung na­ turnaher Wiesen und insbesondere auch der Mager­ wiesen hin. Bei der gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Landwirtschaft alljährlich ausgerichte­ ten Wiesenmeisterschaft werden standorttypische, ar­ tenreiche Wirtschaftswiesen ausgezeichnet.


Foto: Otmar Fuhrmann

Gerettete Landschaften Seit 1989 setzt sich der BUND für das Grüne Band ein. Aus dem Todesstreifen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze hat sich eine Achse des Lebens für viele seltene Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Die neueste erfreuliche Entwicklung: das Naturschutzgroßprojekt »Grünes Band Rodachtal – Lange Berge – Steinachtal« an der thüringisch-bayerischen Grenze im Landkreis Coburg, mit einem Kerngebiet von 8206 Hektar. Ein 127 Kilometer langer Abschnitt des ­Grünen Bandes konnte so bewahrt werden.


Fotos: Alfred Dill

Zu guter Letzt 75 Menschen scharten sich schließlich um das Mahnfeuer.

Ehrenamt im BUND Naturschutz

Trasse in Flammen Seit fast 40 Jahren kämpfen Menschen im Landkreis Main-Spessart gegen die geplante Westumgehung Würzburg (B 26n). Mit vier Spuren würde sie auf 54 Kilometern Länge etwa 9000 Hektar Landschaft mit Teer überziehen. Und das völlig unnötig, wie die Straßengegner finden. Mitte Februar haben sie in 14 Gemeinden Mahnfeuer entzündet, um ihrem Widerstand Nachdruck zu verleihen. Heidi Tiefenthaler war in Karlstadt dabei.

S

chlimmer hätte es nicht kommen können: Als wir am Treffpunkt ankommen, nimmt der Regen Fahrt auf. Der Boden verwandelt sich in Schmierseife und obwohl es erst vier Uhr ist, dämmert es bereits. Tem­ peratur: nasskalte fünf Grad. Erwin Scheiner, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Main-Spessart, bleibt entspannt. Seit 2003 kämpft er schon gegen die B 26n, da ist man Rückschläge ge­ wöhnt. Im Nieselregen wartet eine Handvoll Aktiver, Regen rinnt von den Hutkrempen: Armin Beck, Spre­ cher der örtlichen Bürgerinitiative, BN-Mitglied und Fotograf Alfred Dill sowie das Ehepaar Hofmann, ebenfalls vom BN. Während wir uns im Regen zusam­ menrotten, baut Scheiners Sohn Benedikt den ersten Pavillon auf, »damit ihr ein Dach überm Kopf habt«. Er weiß, wie wichtig der Termin heute ist. Die Menge der Demonstranten werden die Politiker mit der

24 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Stärke des Widerstands gleichsetzen, ganz egal, wie das ­Wetter ist. Keine unnötige Straße mehr akzeptieren Unter dem durchhängenden Stoffdach beugen sich die Widerständler über riesige Karten und versuchen, mir den möglichen Verlauf der Straße, Alternativrouten und frühere Planungen nahezubringen. Ich verstehe wenig. Nur eines wird mir ziemlich schnell klar: Die Menschen hier haben sich in den letzten Jahren zu Verkehrsexperten entwickelt. Das Planungs-Chine­ sisch geht ihnen leicht über die Lippen und kein Büro­ krat wird sie argumentativ so leicht in die Knie zwin­ gen. Ob sie berufliche Vorbildung in dieser Richtung haben? Ein Controller, ein Lehrer, ein Rechtsanwalt und eine Architektin schütteln den Kopf. Die Liebe zur Landschaft, der unbedingte Wille, keine weitere, un­


Unverzagt Trotz Regen: Benedikt Scheiner (li.) und Günter Hofmann halten die »Fahne« des Widerstands hoch.

nötige Straße mehr zu akzeptieren und viele, viele Stunden ehrenamtlicher Fleißarbeit haben sie zu ­Planungsspezialisten gemacht. Nur massiver Widerstand hilft Langsam kriecht die Kälte über die Zehen in die Füße und weiter bis zu den Knien. Ein Lastwagen hat Palet­ ten abgeladen, für Brennstoff ist also gesorgt. Der Leh­ rer entpuppt sich als Mann der Tat und schichtet ein riesiges Lagerfeuer auf. Zwei Jagdhunde jagen um die Feuerstelle, dass das Wasser nur so spritzt. Wenigstens die haben ihren Spaß, denke ich. Dass die schlimms­ ten Befürchtungen der Organisatoren eingetroffen sind, verhagelt mir die Laune. Zwar kenne ich die ­Aktiven gerade mal eineinhalb Stunden. Dass sie eine bessere Ausgangslage für ihre Aktion verdient hätten, steht trotzdem außer Frage. Denn gegen Straßenbau hilft nur massiver Widerstand oder ein sehr langer Atem und ausreichend Geld, das wissen die Organisa­ toren hier. Schon ein einfaches Gegengutachten ver­ schlingt 20 000 bis 30 000 Euro. Der Lehrer weiß, was er tut. Innerhalb weniger ­Minuten brennt das Feuer und verbreitet wenigstens einen Hauch Gemütlichkeit. Etwa zehn Menschen ver­ lieren sich jetzt auf dem Platz. Benedikt hat mit Freun­ den einen Grill- und Glühweinstand aufgebaut, Erwin Scheiners Frau Monika, Vorsitzende der BN-Orts­ gruppe Karlstadt, bringt die Semmeln. »Günder, mach langsam, ’s Feuer muss bis achte reichen,« ruft einer dem fleißigen Feuerwächter zu. Dann kommt »die Presse«, der Reporter der örtlichen Tageszeitung. Er ist wohl eher für die Straße und kann sich eine hämische Bemerkung über die »zahlreichen Besucher« nicht ver­ kneifen. Die Aktiven nehmen’s gelassen hin. Dass die Straße einen Graben quer durch die Gemeinden zieht, ja teilweise mitten durch die Familien, ist nichts Neues für sie. Woher man eigentlich den Willen, die Kraft und die Zeit für so einen Widerstand nimmt, frage ich Erwin Scheiner. Und was, wenn doch alles nichts hilft? Wenn nach Jahren der Arbeit, nach viel Hoffen und Bangen doch die Bagger anrollen? Scheiner lacht kurz: »Ja,

manchmal fragst dich schon«, sagt er. Zwei bis drei Stunden pro Tag investiert er für den BN. »Ich hoffe einfach, dass mir das erspart bleibt und denk’ nicht weiter drüber nach«, das ist seine Devise. »Aber, dass es so hart wird, hätte ich nicht gedacht«, fügt er hinzu. Es ist es dunkel geworden und ich freue mich, als eine ganze Familie mit Fahrrädern auftaucht. Dann ein Pärchen, dann noch eine Familie. Ohne dass wir es so richtig registriert hätten, hat sich der Regen davon­ gemacht. Und es trudeln immer mehr Leute ein, lang­ sam, aber stetig. Jetzt kommen die Paletten aufs Feuer und die Flammen schlagen einige Meter hoch. Am Ende sind es um doch um die 75 Menschen geworden, die rund ums Feuer stehen und nach der Rede ge­

Auf der Seite »BN aktiv« berichten wir über unsere Aktiven und ihre vielseitigen Naturschutzaktionen in ganz Bayern.

meinsam mit dem Sänger Johannes Wohlfahrt »Kein schöner Land« anstimmen, die inoffizielle Hymne der Karlstadter Autobahngegner. Sie allesamt haben an einem nasskalten Samstagabend ihre Couch verlassen, um hier draußen für das einzustehen, was ihnen wich­ tig ist. Ich kann nicht anders, das nötigt mir Respekt ab und die Menschheit bekommt ein paar riesige Plus­ punkte von mir. Für die unverbaute Natur Inzwischen hat Minister Alexander Dobrindt den lange erwarteten Bundesverkehrswegeplan 2030 vor­ gestellt. Aus der vierspurig geplanten Autobahn ist eine zweispurige Bundesstraße geworden. Die etwa 1000 Menschen, die sich im Februar an den 14 Mahn­ feuern entlang der Trasse eingefunden haben, wird dieses Zugeständnis nicht zufriedenstellen. Eine ­unnötige Straße ist eine unnötige Straße, auch wenn sie jetzt schmäler sein soll. Er geht also weiter, der Kampf um ein Stück unverbaute Heimat.

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

25

Wetterfest Armin Beck (links) und Erwin Scheiner engagieren sich schon lange gegen die B 26neu.


Foto: Axel Doering

Seltener Anblick In Bayern gibt es viel Wald, aber nur wenige Natur­ wälder wie hier im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Das soll sich ändern.

BN und Greenpeace schlagen Naturwaldverbundsystem vor

Mehr Naturwälder für Bayern Bayern ist ein Waldland, und dennoch herrscht großer Mangel an Naturwäldern und alten Bäumen. Der BUND Naturschutz und Greenpeace legten Ende Februar 2016 eine Studie für ein Naturwaldverbundsystem in Bayern vor. Darin stellen sie Möglichkeiten vor, diesen Mangel zu beheben und die biologische Vielfalt in den Wäldern besser zu bewahren. Als zentrale Bausteine eines Naturwaldverbundes schlagen die Experten neue Großschutzgebiete über 2000 Hektar im Spessart, Nordsteigerwald, Gramschatzer Wald, Hienheimer Forst und Ammergebirge vor.

Z

Foto:Toni Mader

ur Vernetzung werden mittelgroße Gebiete in weite­ ren 27 Waldgebieten Bayerns und viele kleine Wald­ gebiete vorgeschlagen, insgesamt 88 000 Hektar. Der BN appelliert an die Bayerische Staatsregierung, einen Dialogprozess zu starten, bei dem geeignete Flächen für ein Naturwaldverbundsystem diskutiert und ausge­ wählt werden. Die vorgelegte Studie stellt dazu eine ge­ eignete Diskussionsgrundlage dar. Mehr Naturwälder sind nicht nur für den Natur- und Klimaschutz in Bay­ ern notwendig, sondern auch eine internationale und nationale Verpflichtung, bei deren Umsetzung Bayern peinlich hinterherhinkt. Von mehr Naturwäldern profi­ tieren auch die Regionen und die Menschen. Die vor­ geschlagenen Waldgebiete liegen ausschließlich im ­öffentlichen Wald, vor allem im Staatswald, und nicht im Privatwald.

Der Autor Ralf Straußberger ist der Waldreferent des BUND ­Naturschutz.

Waldland Bayern ist arm an Naturwäldern Bayern ist sehr arm an alten Bäumen und an Naturwäl­ dern, die sich frei und ohne Holznutzung entwickeln dürfen. Aktuell sind dies in Bayern nur 33 000 Hektar

26 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

bei 2,5 Millionen Hektar Waldfläche, und diese sind auch sehr ungleich in den Regionen verteilt. Viele Waldarten, die in diesen Wäldern ursprünglich vorhan­ den waren, sind in Bayern ausgestorben oder hoch be­ droht. Um diese Defizite zu beheben, hat die Bundesre­ gierung mit der Nationalen Biodiversitätsstrategie 2007 beschlossen, dass deutschlandweit zehn Prozent der öffentlichen Wälder bis 2020 der natürlichen Entwick­ lung überlassen werden sollen. Im Gegensatz zu fast allen anderen Bundesländern lehnt es Bayern bislang ab, diese Ziele umzusetzen. Bunter Mix aus großen und kleinen Naturwäldern Nur in ausreichend großen Gebieten können sich Wäl­ der in den verschiedenen Ausprägungen ohne Rand­ einflüsse natürlich entwickeln und erneuern. Nur dort können Populationen anspruchsvoller Waldarten lang­ fristig überleben, was ja das Ziel sein muss. Als Ergeb­ nis der Studie lassen sich nur noch in fünf der 15 Wuchs­ gebiete Bayerns geeignete Großschutzgebiete mit über 2000 Hektar finden. Wegen dieser Defizite war es umso wichtiger, Potenzialgebiete für mittelgroße Naturwäl­ der in einer Größe von 500 bis 2000 Hektar zu identifi­ zieren. Hier schlägt die Studie 27 Waldgebiete in neun von 15 Wuchsgebieten vor. Als kleine Naturwaldgebiete eignen sich Auwaldregionen in Südbayern, erweiterte und neue Naturwaldreservate sowie dauerhaft holz­ nutzungsfreie, kleinere Altholzinseln. Ralf Straußberger Die Studie »Mehr Naturwälder für Bayern« gibt es zum Download unter: www.bund-naturschutz.de/naturwaldverbund


Schluss mit der Straßenbauorgie!

BUND Naturschutz stellt alternatives Verkehrskonzept für Bayern vor Eine komplette Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans verkündete vor einigen Wochen ein Umweltnewsletter: Nur noch die Hälfte der Gelder würde für den Straßenbau ausgegeben, und der Luftverkehr werde gar nicht mehr benötigt. Mehrere Milliarden Euro sollten so eingespart werden, hieß es. Leider handelte es sich nur um einen gut gemachten Aprilscherz. 

Kreativer Protest Bei der Vorstellung des alternativen Verkehrskonzeptes in München forderte der BN eine ­Neuausrichtung der Verkehrspolitik.

Der ­Anstieg des Straßenverkehrs kein unausweichli­ ches Schicksal, sondern die Folge politischer Weichen­ stellungen. Dies wird im neuen BN-Verkehrskonzept deutlich. Es zeigt auf, wie sich Personen- und Güterver­ kehr bis 2050 ändern können, wenn die Rahmenbedin­ gungen verändert werden. Dazu gehören die Anpas­ sung von Fördermaßnahmen, die Planung der Infra­ struktur und die Neuausrichtung der Siedlungsent­ wicklung im Sinne einer »Kommune der kurzen Wege«. Dass man überall mit dem Auto hinkommt und überall parken kann, kann nicht mehr die Zielsetzung moder­ ner Verkehrspolitik sein. Stattdessen muss der öffent­ liche Verkehr durch Verbundbildung leistungsfähiger, zuverlässiger und günstiger werden. Rad- und Fußwe­ ge müssen für kurze Strecken mehr in den Fokus rü­ cken. Das Anbindegebot bei Siedlungs- und Gewerbe­ flächen ist einzuhalten. Straßen in unseren Städten und Dörfern müssen wieder zum Lebensraum für die Bevölkerung werden. Richard Mergner, Gernot Hartwig, Erwin Scheiner (lf )   Das BN-Verkehrskonzeptes und eine Kurzversion unter: www.bund-naturschutz.de/verkehr/postfossilemobilitaet.html Der BN macht mobil gegen Naturzerstörungen durch Straßenplanungen. Nähere Infos auf www.bund.net/ themen_und_projekte/mobilitaet/infrastruktur/ fernstrassenplanung/buergerbeteiligung/

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

27

Foto: privat

Verkehrssektor gefährdet Klimaziele Eine solche Wende muss kein Gedankenspiel bleiben. Der BN-Landesarbeitskreis Verkehr unter der Leitung von Gernot Hartwig und Erwin Scheiner hat dazu das Konzept »Bessere Mobilität« entworfen, das auf Ver­ kehrsverlagerung und Verkehrsvermeidung statt Ver­ kehrswachstum setzt. Im April wurde es der Öffentlich­ keit vorgestellt, pünktlich zur Öffentlichkeitsbeteili­ gung am BVWP. Der BUND Naturschutz fordert darin die Bundesregierung sowie die Bayerische Staatsregie­ rung auf, sich vom Dogma des Verkehrswachstums zu verabschieden und endlich eine Verkehrswende einzu­ leiten. Gute Gründe dafür gibt es genug: Bayern gehört schon jetzt zu den am besten durch Straßen erschlosse­ nen Gebieten der Welt. Heute sind bei uns nicht mehr die Straßen das knappe Gut, sondern naturnahe, lär­ marme und unzerschnittene Landschaften. Und mit jeder Ortsumgehung werden es weniger. Zudem kön­ nen die Klimaziele, die Deutschland und die ­EU sich gesteckt haben, nur erreicht werden, wenn auch beim Thema Verkehr angesetzt wird. Der Straßenverkehr ist einer der größten Produzenten klimaschädlicher Gase. Während in vielen Sektoren in Deutschland der Klima­ gasausstoß zurückgeht, steigen die Klimalasten des Verkehrs weiter an. Grund dafür: die verfehlte Ver­ kehrspolitik im Bund und in Bayern: Statt auf weiteres Verkehrswachstum zu setzen, müssen Bahn und Schiff gestärkt werden, Straßenerhalt muss vor Straßenneu­ bau gehen und überflüssige Ortsumfahrungen müssen gestrichen werden.

Foto: BN

er neue Bundesverkehrswegeplan (BVWP) ist lei­ der das genaue Gegenteil: Er setzt einseitig auf Stra­ ßenbau. Mehr Straßen führen zu mehr Verkehr, mehr Verkehr wird mit mehr Straßenbau beantwortet: Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden! Bei der ge­ planten Straßenbauorgie aus dem Bundesverkehrs­ wegeplan sind über 300 Autobahn- und Bundesstra­ ßenbauprojekte bis 2030 allein für Bayern vorgesehen. Dabei sind Klimaschutz und Flächenschutz nur mit einer umfassenden Verkehrswende zu erreichen.

Foto: Toni Mader

D

Autoren Richard Mergner ist der Landes­ beauftragte und kommissarischer Verkehrsreferent des BN, Gernot Hartwig ist Sprecher des AK Verkehr, Erwin Scheiner sein Stellvertreter.


Der Feuersalamander – Amphibie des Jahres 2016

Foto: Thomas Stephan

Salamander, lebe hoch!

Wer kennt ihn nicht, den schwarz-gelben, schlauen Gesellen mit dem glänzenden Paar Schuhe, der immer für alles eine Lösung hatte? Lurchi war der Held vieler Kinder. Der Feuersalamander profitiert ­sicher heute noch von diesem »Sympathievorschuss«. 2016 hat die Fachszene das Tier zur Amphibie des Jahres erklärt. Gut so, denn Lurchi kann unsere Hilfe heute durchaus brauchen.

F

euersalamander lieben »unauf­ geräumte«, feuchte Laub- und Mischwälder im Hügel- und Berg­ land. Dicht bewachsene Schluch­ ten, mit moosigen Steinen durch­ setzte Hänge und von morschem Holz übersäte Waldböden – hier fühlen sich die urtümlich anmuten­ den Tiere wohl. Außerdem unent­ behrlich: saubere, kühle und sauer­ stoffreiche Gewässer – am besten fischfreie Bäche oder Tümpel, die direkt aus einer Quelle gespeist wer­ den. Hier bringen sie ihre Jungen

28 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

zur Welt. Anders als alle anderen heimischen Amphibien legen Sala­ mander keine Eier, sondern bringen im Wasser bis zu 70 lebende Larven zur Welt. Diese sehen zu Beginn ähnlich wie Molchlarven oder lange, dünne Kaulquappen mit vier Beinen aus, haben aber an den Beinansätzen gelbe Punkte. Und damit hat die Lurchmutter ihre Schuldigkeit auch schon getan. Fortan entwickelt sich der Nach­ wuchs selbstständig. Die Larven su­ chen stille und deckungsreiche Ge­ wässerbereiche auf, wo sie nach Bachflohkrebsen oder Wasserflöhen jagen und gleichzeitig vor Fressfein­ den wie Fischen sicher sind. Wenn einige Monate vergangen sind, folgt die für Amphibien typi­ sche Metamorphose: Die Larven verwandeln sich in einer etwa zwei Wochen dauernden Ruhephase von einem Wasser- in ein Landtier. Im Sommer verlassen die fertig ent­ wickelten Jungsalamander dann ihr Geburtsgewässer und leben von

Urtümlicher Geselle Die gelb-schwarze Warntracht macht den Feuersalamander unverwechselbar.

nun an unabhängig von Bach und Tümpel – zumindest, bis die Weib­ chen erstmals selbst Junge gebären.

Sekret schützt vor Fressfeinden Ausgewachsene Feuersalamander werden 15 bis 20 Zentimeter lang und durchschnittlich 20 Gramm schwer. Ihre charakteristisch gelbschwarz glänzende Haut ist emp­ findlich gegenüber Trockenheit. Deshalb werden sie vor allem nach Regenfällen oder an feuchten Tagen aktiv und sind überwiegend im Dunkeln unterwegs. Dann jagen sie kleine Tiere wie Schnecken, Spin­ nen oder Regenwürmer, die sie an­ hand ihres Geruches aufstöbern. Wenn es Tag wird, kehren sie in ihre Verstecke unter Totholz oder Stei­ nen zurück.


Schutz für »Lurchi« Feuersalamander zählen zu unseren »Verantwortungsarten«. Das heißt, Deutschland hat eine besondere Verpflichtung gegenüber diesen Tie­ ren, weil ein großer Teil der Welt­ population hier lebt. Um eine Art zu Feuersalamander (Salamandra salamandra) Ordnung: Lurche (Amphibia) Überfamilie: Schwanzlurche (Caudata) Familie: Echte Salamander (Salamandridae) Gattung: Eigentliche Salamander (Salamandra) Gefährdung: in Bayern gefährdet Schutzstatus: besonders geschützt gemäß Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung

schützen, muss man aber möglichst viel über sie und ihre Lebensräume wissen. Daran hapert es beim Feu­ ersalamander vielerorts. Ein Manko, dem die Aktiven des BUND Natur­ schutz seit Jahren entgegenwirken. Das jüngste Beispiel: Landkreis ­Kronach. Dort lagen laut Arten­ schutzkartierung nur zwölf Fund­ orte von Feuersalamandern vor und die jüngsten Nachweise stammten von 1990. 2015 sammelte das Natur­ schutzzentrum Wasserschloss Mit­ witz deshalb mit Unterstützung von BN-Aktiven aktuelle Beobachtungen und konnte 141 neue Fundorte auf­ nehmen. Auch in der Hersbrucker Alb – einer der quellenreichsten Regio­ nen Bayerns – wollte der BN wissen, wie es um den Feuersalamander ­bestellt ist. Zwischen 2003 und 2008 haben Experten deshalb erstmals den Zustand aller 474 Waldquellen eines 400 Quadratkilometer großen Gebietes erfasst. In fast 100 davon kam erfreulicherweise der Feuer­ salamander vor. Kartierungen wie diese sind eine wichtige Grundlage, um einer Ver­ schlechterung von Lebensräumen vorzubeugen. Denn überall dort, wo Quellen gefasst, Bäche verrohrt und naturnahe Wälder von (Forst-)Stra­ ßen durchschnitten werden, setzt das dem Feuersalamander arg zu. Auch in Oberbayern, im Landkreis Mühldorf, und in der Oberpfalz machten sich in den vergangenen Jahren deshalb BN-Artenschützer auf, um die Lebensräume des Sala­ manders zu erkunden. Wichtig ist, dass auch die Bürger für die Belange des Artenschutzes sensibilisiert werden. 2009 startete das BN-Naturschutzzentrum Weng­ leinpark in der Hersbrucker Alb das Projekt Albsalamander. Ganz bewusst wurden bei der Kartierung von Feuersalamander-Lebensräu­ men und -Laichgewässern die ­Menschen vor Ort miteinbezogen, um Sympathie und Interesse für das Tier zu wecken. Mit Erfolg, wie unser Interview zeigt (siehe Kasten). Und so möge es nicht nur in diesem Jahr heißen: »Und lange schallt’s im Walde noch: Salamander, lebe hoch!«

Foto: Thomas Stephan

Vor Fressfeinden müssen sich ­erwachsene Feuersalamander ­eigentlich nicht fürchten: Ihre gelbschwarze Tracht wirkt nachts als Tarnfarbe. Sie signalisiert aber auch Gefahr: In den Ohr- und Rumpf­ drüsen produzieren die Tiere ein Sekret, das äußerst übel schmeckt. Jedenfalls ist es unangenehm genug, dass Feuersalamander weitgehend unbehelligt ihrer Wege gehen kön­ nen. Für Menschen ist das Sekret übrigens ungefährlich und brennt schlimmstenfalls leicht auf sehr empfindlicher Haut. Trotz dieser wirksamen Abschre­ ckung hat der Feuersalamander derzeit ein großes Problem: Er ist durch eine Pilzerkrankung, den ­sogenannten »Salamanderfresser«, bedroht. Unter guten Bedingungen kön­ nen Feuersalamander im Freiland bis zu 20, in Gefangenschaft angeb­ lich sogar bis zu 50 Jahre alt werden. Die Zeichnung jedes Feuersalaman­ ders ist einzigartig – kein Tier gleicht dem anderen. In Deutschland ­kommen zwei Unterarten vor. In Süd- und Mitteldeutschland lebt die gefleckte Rasse Salamandra s­ alamandra salamandra, im eher westlichen Teil des Landes die ge­ bänderte Unterart Salamandra salamandra terrestris. In Bayern kann man beide Unterarten entdecken.

Nachtaktive Artenschützer Heide Frobel ist Vorsitzende der Kreisgruppe Nürnberger Land und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Feuersalamander. 2009 hat sie angefangen mit ihren Aktiven Verbreitungsdaten zu sammeln. Ein kleiner Erfahrungsbericht. N+U: Frau Frobel, wie kartiert man eigentlich Tiere, die sich tagsüber am liebsten unter Steinen verstecken? Na ja, es ist viel wahrscheinlicher, die Larven als die erwachsenen Tiere zu finden. Insofern ist es sinnvoll, sich die Gewässer anzuschauen. Tagsüber ist aber auch das schwierig, weil die Larven nachtaktiv sind. 2010 hat eine amerikanische Studentin für uns Quell­ bäche abgesucht. Allerdings tagsüber, weil sie nicht mit dem Gelände vertraut war. Nachdem sie morgens einen 50 Meter langen Bachabschnitt abgesucht hatte, ohne eine einzige Larve zu finden, bin ich abends um zehn Uhr noch einmal mit ihr das Gewäs­ ser abgegangen. Das war ein Gewimmel! Wir haben zu zweit gezählt und eine Strichliste gemacht. Bei 447 Larven haben wir dann einen Schlussstrich gezogen. Das hat mir gezeigt, wie sinnvoll es ist, solche Kartie­ rungsarbeiten in der Abenddämmerung zu machen. Sie haben auch Larven an ungewöhnlichen Orten entdeckt … Ja, wir haben hier eine Quelle, die gefasst wurde und jetzt in einen Brunnen fließt. Jedes Jahr bringen Feu­ ersalamander ihre Larven in diesem Brunnen zur Welt. Die Salamander können Wände senkrecht rauf und runter laufen, wenn diese rauh oder bemoost sind. Und die jungen, fünf bis sechs Zentimeter gro­ ßen Feuersalamander schaffen es dann auch wieder, hinauszukrabbeln. Ist der Feuersalamander eigentlich beliebt, oder ekeln sich die Menschen davor? Wir erleben durchwegs positive Reaktionen. Die ­Bevölkerung ist mittlerweile sogar sehr aufmerksam. An einer Stelle wurde von Bürgern zum Beispiel ein Schutzzaun extra für Feuersalamander aufgestellt, weil dort früher viele überfahren worden sind. An einer anderen haben sie ein großes, selbst gemaltes Schild aufgestellt: »Achtung Feuersalamander!«. Das zeigt, wie positiv das Tier besetzt ist. Text und Interview: Heidi Tiefenthaler

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

29


Foto: Kilian Lieb

… und jetzt? Die Freude über das Abschalten des bayerischen AKW Grafenrheinfeld im Juni 2015 war groß. Doch wie weiter verfahren mit dem Gelände und den Anlagen mit ihrem radioaktiven Inhalt?

Der BN fordert: Atomkraft muss Geschichte werden!

Die Gefahr ist nicht vorbei Die Atomkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima jähren sich 2016 zum dreißigsten und zum fünften Mal. Auch wenn das Abschalten der Atomkraftwerke in Deutschland bis 2022 beschlossene Sache ist: Die Gefahr ist nicht vorbei! In Bayern laufen noch drei AKW, und es gibt ­keinen sicheren Ort für den radioaktiven Müll.

Foto: Toni Mader

M Der Autor Herbert Barthel ist der BN-Referent für Energie und Klimaschutz.

an will es sich gar nicht vorstellen: Was wäre, wenn der Großraum Tokyo mit rund 50 Millionen Menschen evakuiert werden müsste? »Das wäre wie Krieg«, sagt Naoto Kan, zur Zeit der Atomkatastrophe von Fukushima Premierminister Japans. Kans Experten planten eine solche Evakuierung 2011 bereits. Der Su­ per-GAU im Hochtechnologieland Japan schockte die Welt. Hunderttausende Menschen mussten evakuiert werden, nach Schätzungen von Friends of the Earth Japan starben bis zu 2000 Menschen an den Folgen. Im Mai 2011 beschloss der Bundestag den Ausstieg aus der Atomenergie. In Bayern ist das AKW Isar 1 seit März 2011 im dauer­ haften Nichtleistungsbetrieb, AKW Grafenrheinfeld wurde im Juni 2015 abgeschaltet, Gundremmingen B soll 2017, Gundremmingen C 2021 und Isar 2 bis Ende 2022 vom Netz gehen. Lokale Zwischenlager neu überprüfen! Das Abschalten der Reaktoren ist ein wichtiger Erfolg. Jetzt gilt es, die Risiken der laufenden Reaktoren zu mi­ nimieren und sie schnellstmöglich abzuschalten, damit kein neuer Atommüll mehr entsteht. Der Müll der ato­ maren Stromerzeugung, hochradioaktive abgebrannte Brennelemente, kommt in sogenannte Nasslager, dann in Castoren in Zwischenlagern bei den AKWs. 2015 be­ nannte die »Atommüll-Kommission« den Zeitraum für die Räumung der lokalen Zwischenlager: etwa 2080 bis 2120! Eine sehr lange Zeit, in der Schreckliches passie­ ren kann, denn in Bayern sind die Zwischenlager weder gegen Flugzeugabstürze noch gegen Terrorattacken

30 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

aus­reichend abgesichert. Der BN fordert eine öffent­ liche Neuprüfung der Sicherheit. Wenn die stillgelegten Atomkraftwerke abgerissen werden wie von den Betrei­ bern gewünscht, fehlen an den Zwischenlagern abgesi­ cherte Räume, um die Castoren notfalls öffnen und umpacken zu können. Bisher war das innerhalb des baulich gesicherten AKW möglich. Mit dem Abschalten sind die Gefahren der Atom­ kraft keineswegs vorbei. Für alle drei bayerischen AKW haben die Betreiber Anträge auf Abriss gestellt. Die zu­ ständige Aufsichtsbehörde ist das bayerische Umwelt­ ministerium. Die Anträge ähneln sich. Die Betreiber begründen diese mit wirtschaftlichen Erwägungen. Der BUND Naturschutz fordert höchste Priorität für Umweltschutz und den Schutz der Bevölkerung vor Ra­ dioaktivität! Dazu muss es eine öffentliche Alternati­ venprüfung geben: Abriss oder sicherer Einschluss oder vielleicht eine ganz andere Vorgehensweise? Nach dem Räumen des Atommülls verbleiben Kühl­ türme, Parkplatz und weitere Anlagenteile, die nicht unter Atomrecht gebaut wurden. Bei Abriss unter übli­ chem Baurecht würde ein Großteil dieser 500 000 Ton­ nen im Lande verteilt! Und es verbleiben rund 25 000 bis 30 000 Tonnen Anlagenteile, die radioaktiv konta­ miniert sein können, wie Rohre und Behälter. Die Strahlenschutzverordnung gestattet, diese Teile zu »rei­ nigen«, dann »freizumessen«, dann aus dem »Atom­ recht zu entlassen« – was nichts anderes heißt, als sie als Abfall zu verteilen, wie Straßenschotter oder Stahl für Gebrauchsgegenstände. Der BN wendet sich vehe­ ment gegen ein solches Vorgehen und fordert, dass die Anforderung der Stoffstromkontrolle nicht aufgehoben werden darf. AKW-Abrissmaterial darf nicht ohne Kon­ trolle verteilt werden! Herbert Barthel Studie 2016 des BUND: www.bund.net/pdf/ risikostudie_akws Aktion: https://www.bund.net/aktiv_werden/ aktionen/atomkraft_muss_geschichte_werden/


Es geht auch ohne Ganz ohne Plastik leben – geht das über­ haupt? Diese Frage haben sich Anneliese Burkert und Nadine Schubert vor zwei Jah­ ren auch gestellt. Heute leben sie praktisch kunststofffrei. In ihrem Buch geben sie jede Menge praktische Tipps, wie man im Alltag Plastik vermeiden kann, ergänzt durch viele Hintergrundinfos zur Allge­ genwart der Plastikwelt. Die Tipps und Tricks reichen von Rezepten für Kosmetik und Reinigungsmittel oder für Snacks, die man »plastikfrei« in keinem Supermarkt ­bekommt, bis hin zu Haushaltstipps für ein Leben ohne – oder zumindest mit weniger – Plastik. Übrigens: konsequenterweise wird das Buch nicht in Folie verschweißt. Anneliese Bunkert, Nadine Schubert: Besser leben ohne Plastik. 12,95 Euro, oekom-Verlag Fleischfrei Ein Culture Clash der besonderen Art: Im Mittelpunkt von Richard Ulrichs Roman steht die Lehrerin Lisa, die von einem Aus­ landsaufenthalt in Brasilien nach Bayern zurückkehrt. In Südamerika hat sie selbst gesehen, wie der Fleischhunger der west­ lichen Welt die Abholzung des Regenwaldes vorantreibt. Zurück in Bayern, will sie etwas ändern, lebt vegetarisch und gründet einen Initiativkreis für nachhaltige Lebensweise, der jedoch einigen einflussreichen Persönlichkeiten ein Dorn im Auge ist. Und dann verliebt sie sich ausgerechnet in den Schnitzelesser, Vielflieger und SUV-Fahrer Max … Richard Ulrich: Die Vegetarierinnen. 10,90 Euro, Books on Demand Vielfalt auf dem Rückzug In weiten Teilen unserer Agrarlandschaft singt heute keine Feldlerche oder Gold­ ammer mehr, sind Rebhuhn, Kiebitz und Braunkehlchen längst verschwunden. Und der Negativtrend hält an: Jede zweite unserer Agrarvogelarten ist seltener ge­ worden. Dies dokumentiert der aktuelle Statusbericht »Vögel in Deutschland«. Der neue Bericht spiegelt die Lage des Arten- und Naturschutzes in Deutschland und Europa. Und er liefert gute Argumente für den Naturschutz vor Ort. Warum können die 742 Europäischen Vogelschutzgebiete bislang kaum die Erwartungen erfüllen? Wie wirkt sich der Kli­ mawandel auf unsere Brutvögel aus? Warum gelten auch über­ winternde Wasservögel derzeit als besonders gefährdet? »Vögel in Deutschland« liefert wie jedes Jahr überzeugende Antworten. Vögel in Deutschland 2014. Download gratis: www.dda-web.de; Bezug der Druckausgabe (9,80 Euro plus Versandkosten) über den DDA-Schriftenversand, Tel. 02 51 - 2 10 14 00, schriftenversand@ dda-web.de

Saubere Energie Jetzt wechseln und 25 €-Strombzw. Gasgutschrift erhalten: www.naturstrom.de/energie16

• Strom aus Wasser- und Windkraft • Biogas aus Rest- und Abfallstoffen • Anbieter unabhängig von Kohleund Atomindustrie • Bau und Förderung neuer Öko-Kraftwerke • fairer Preis, keine Mindestvertragslaufzeit, einfacher Wechsel

Öko-Stromtarif naturstrom

sehr gut Spezial Energie 2015

NATURSTROM AG Parsevalstraße 11 • 40468 Düsseldorf • Tel 0211 77 900 - 300


Neues Positionspapier zum Thema Migration

W Foto: Wolfgang Willner

ie steht der BN zum Thema Migrati­ on? Und wie bewertet der Verband die Auswirkungen auf den Natur- und Um­ weltschutz? Ein neues Po­sitionspapier, das Landesvorstand und Landesbeirat einstim­ mig beschlossen haben, fasst die Antwort zusammen. So lehnt der BN jeden Versuch ab, das Grundrecht auf Asyl und das Recht auf Menschenwürde der Geflüchteten mit dem Hinweis auf den Natur- und Umwelt­ schutz einzuschränken. Um seinen Beitrag zur Integration der Migranten zu leisten, entwickelt der Verband seine Mitmach­ möglichkeiten für Asylbewerber im Bereich der Umweltbildung und der Biotoppflege weiter. Die Aktivitäten des BN für einen ge­ rechteren Welthandel, eine andere Agrar­ politik und den Klimaschutz sind Beispiele für den Einsatz zur Bekämpfung von Fluchtursachen. Zum Nachlesen online unter: www.bund-naturschutz.de/publikationen

Endspurt: Stoppt die Wilderer, rettet den Luchs!

S

Helfen Sie uns, 30 000 Unterschriften zu erreichen! Unterschreiben auch Sie für den Luchs in Bayern. Eine Liste zum Sammeln von Unterschriften finden Sie in diesem Heft. Oder unterschreiben Sie online unter www.bund-naturschutz.de/rettet-den-luchs

32 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Stadt-Umland-Bahn: Bürger­entscheid gewonnen!

D

ie Planung der Stadt-Umland-Bahn (StUB) zwischen Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach kann wei­ tergehen. Im März sprachen sich in einem Bürgerent­ scheid über 60 Prozent der Erlanger Bürger für den Beitritt der Stadt zur Projektgesellschaft aus. Damit kann das von der BN-Kreisgruppe Erlangen bereits Anfang der 90er-Jah­ re unter der langjährigen Vorsitzenden Doris Tropper ge­ forderte Projekt zur umweltfreundlichen Mobilität voran­ kommen. Der BN hatte sich zusammen mit der »Allianz pro StUB« aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, DGB, Verkehrsclub Deutschland und weiteren Initiativen vor dem Bürgerentscheid dafür stark gemacht. Sie wurden dabei von namhaften Firmen der Region wie Siemens un­ terstützt. Selbst Innenminister Joachim Herrmann und Heimatminister Markus Söder stellten sich gegen ihre Er­ langer Parteifreunde aus der CSU, die die StUB verhindern wollten. (Bild: Mit einer Aktion machten Vorstandsmitglieder der Kreisgruppe Erlangen auf die Klimafreundlichkeit der Tram aufmerksam.)

Foto: Ursula Grasse

chon 24 000 Menschen haben seit dem Start der BN-Aktion für den Luchs in Bayerns Wäldern unterschrieben. Ein großartiger erster Erfolg, der Wirkung zeigt: Die Polizei vor Ort engagiert sich jetzt bei der Aufklärung der Luchswilderei stärker als früher. Das be­ grüßen wir ausdrücklich, doch die Aufklärungsquote beträgt weiter­ hin null Prozent. Keiner der Täter ist bis heute gefasst, die offenen Fragen sind ungeklärt, die Regierung bleibt untätig. Ziel der Aktion bleibt deshalb eine überregionale Sondereinheit, wie es sie in Öster­ reich, Italien oder auch Nordrhein-Westfalen längst erfolgreich gibt. Denn Artenschutzdelikte erfordern spezielle Kenntnisse und Metho­ den, über die nur Spezialisten verfügen. Zudem scheinen die örtli­ chen Beamten bei ihren Ermittlungen oft befangen – viele von ihnen sind selbst Jäger. Doch nur wenn die Luchsmorde endlich aufgeklärt und die Täter gefasst werden, hat der Luchs in Bayern eine Chance. Das zeigt auch der jüngste Fall: Ein im Dezember im Landkreis Freyung-Grafenau tot aufgefundener Luchs wurde offenbar gewalt­ sam erdrosselt. Die Täter fühlen sich sicher und machen immer wei­ ter. Schon seit Jahren erschießen, vergiften und verstümmeln sie im Bayerischen Wald die streng geschützten Katzen. Die Wilderei droht den ohnehin vom Aussterben bedrohten Luchs in Bayern erneut auszurotten. Das dürfen wir nicht zulassen. Die Regierung muss endlich handeln. Im Sommer wollen wir ihr die Unterschriften über­ geben – je mehr, desto besser, denn umso größer wird der Druck zu handeln.


Offener Brief: Keine Wiederzulassung für Glyphosat!

M

Foto: Toni Mader

it einem offenen Brief hat der BN-Vorsitzende Hubert Weiger den bayerischen Landwirtschafts­ minister Helmut Brunner aufgefordert, sich bei der im April stattfindenden Agrarministerkonferenz dafür einzusetzen, dass sich Deutschland gegen die auf ­ EU-Ebene beantragte Wiederzulassung des Pestizids Glyphosat ausspricht. Brunner soll seinen Einfluss bei Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt gel­ tend machen, um diesen dazu zu bewegen, in Brüssel gegen eine Wiederzulassung des Pflanzengifts zu stim­ men. Glyphosat ist das meistgespritzte Unkrautver­ nichtungsmittel weltweit, auch in Deutschland. Be­ kannt ist es vor allem unter dem Handelsnamen »Roundup«. Es schadet der Artenvielfalt massiv und steht im Verdacht, Krebs auszulösen. Das Ergebnis der für Mitte Mai angekündigten Entscheidung auf EUEbene lag zu Redaktionsschluss noch nicht vor.

Wildkatze pirscht sich weiter nach Südbayern vor

Foto: Wolfgang Doetsch

ie Wildkatze breitet sich von Nordbayern kommend all­ mählich auch in Südbayern aus, insbesondere in Schwa­ ben. Das weiß man dank des beispiellosen Engagements von inzwischen rund 700 ehrenamtlichen »Wildkatzendetekti­ ven«, die seit 2012 in Bayern nach der scheuen Waldbewohne­ rin suchen. Im Februar stellten der BUND Naturschutz, das Landwirtschaftsministerium und die Bayerischen Staatsfors­ ten die Ergebnisse der Suchaktion des Jahres 2015 vor 130 Teil­ nehmern in Freising vor (im Bild von links: Hubert Bittlmayer, Amtschef im Landwirtschaftsministerium, der BN-Vorsitzende Hubert Weiger, BN-Projektkoordinatorin Ulrike Geise, Markus Kölbl von den Staatsforsten und BN- Artenschutzreferent Kai Frobel). So gelangen Nachweise der scheuen Waldbewohne­ rin in den Landkreisen Donau-Ries, Dillingen, NeuburgSchrobenhausen, Eichstätt, Kelheim, Augsburg, Unterallgäu und Freyung-Grafenau. Das ist ein schöner Erfolg des Wie­ dereinbürgerungsprojekts, bei dem der BN seit 1984 vor allem im Spessart über 600 Wildkatzen ausgewildert hat. Von dort breitet sich die Art über die Rhön und die Haßberge seit etwa zehn Jahren über den Jurabogen in Richtung Südbayern aus.

Foto: Kara/fotolia.com

D

SandAchse Franken gedeiht weiter

M

eterhohe Dünen und Strände aus feinem gelben Sand – das ist die Sandachse im Herzen Frankens. Der BUND Naturschutz und viele Mitstreiter setzen sich seit dem Jahr 2000 mit dem Projekt SandAchse Franken dafür ein, die sehr seltenen Lebensräume dieser Landschaft zu erhalten. Ein im März 2016 vorgelegter Bericht über die Aktivitäten zeigt ­Erfreuliches: Im Zeitraum von 2000 bis 2007 konnten die ­Projektpartner dank der Fördermittel des Bayerischen Naturschutzfonds 400 Hektar Sandlebensräume sichern, neu schaffen oder optimieren. Nach dem Auslaufen der Förde­ rung im Jahr 2007 kamen bis 2014 weitere elf Hektar dazu, auf über 114 Hektar wurden neue Sandmagerrasen angelegt. Auch in der Öffentlichkeit ist das Projekt sehr präsent: Dafür sorg­ ten seit 2007 185 Presseartikel, zwölf Fernsehbeiträge, 54 Info­ tafeln, eine Wanderausstellung und 656 Führungen mit rund 10 000 Teilnehmern. Fazit: Die SandAchse Franken gedeiht weiter und ist zu einem Markenzeichen der Metropolregion Nürnberg geworden. Weil aber dennoch immer wieder Sand­ lebensräume zerstört werden, braucht es eine Koordinations­ stelle, die 2016 entstehen soll.

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

33


Ökoregionen als Keimzellen für regionales Bio

Bio aus Bayern kommt voran

Foto: Annette Stefan

Regionale Lebensmittel liegen im Trend. Immer wieder ist zu hören, regional sei das neue bio. Stimmt natürlich nicht: Regional und bio ist die Ideallösung! Die bayerischen Ökoregionen machen vor, wie das funktioniert.

Foto: Toni Mader

Gesund und lecker Gut für die Verbraucher und die Natur: Biolebensmittel aus der ­Region.

Die Autorin Marion Ruppaner ist die Agrarreferentin des BUND Naturschutz.

E

in Beispiel: Als neues Bioregio­ nalprodukt mit Preisgarantien für die Erzeuger kommt im Mai das »Barnhouse Granola« in den Natur­ kostfachhandel, eine Getreidezu­ bereitung zwischen Müsli und Crunchy mit regionalem Biohafer aus Oberbayern. »Kauft die Regale leer!«, fordert Hubert Weiger, der BN-Landesvorsitzende, die Verbrau­ cher auf, »damit Bioregio und nicht Billigbio das Rennen macht«. »Regionales Bio funktioniert nur, wenn es einen Mehrwert für alle Be­ teiligten gibt«, betont Dr. Michael Rittershofer, Bioregionalmanager aus dem Isental im Landkreis Mühl­ dorf und langjähriger Geschäftsfüh­ rer bei Tagwerk. Gemeinsam mit der Ökoregion Waging im benachbarten Landkreis Traunstein haben die bei­ den Regionen sich mit einem »Glo­ bal Player« im Biotrockensortiment, Barnhouse, zusammengesetzt, und in längeren Verhandlungsrunden schließlich ein Ergebnis erzielt, das sich sehen lassen kann: Die Biobau­ ern erhalten fünfjährige Abnehmer­ verträge für ihren Hafer mit konti­ nuierlich steigendem Mehrpreis.

34 

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Barnhouse hat für dieses Produkt einen Imagegewinn und eine viel höhere Produkt- und Rohstoff­ sicherheit, die mit Handelswegen von Osteuropa oder Asien nicht ver­ gleichbar ist.

Mohnöl aus dem Steinwald In zwölf bayerischen Ökoregionen kümmern sich inzwischen Regio­ nalmanager und Arbeitskreise um den Aufbau regionaler Wertschöp­ fungsketten für Bioerzeugnisse. Es geht darum, Keimzellen zu schaffen, in denen mehr Bauern auf Ökoland­ bau umstellen und dann ihre Öko­ lebensmittel gemeinsam in den Handel bringen (siehe Karte). Im Steinwald wurden jetzt getrocknete Heidelbeeren und Mohnöl auf den Markt gebracht, im Landkreis Neu­ markt sollen Lager- und Aufberei­ tungsmöglichkeiten für Getreide ­geschaffen werden. Damit Verbrau­ cher gezielter regionales Bio ein­ kaufen können, hat das Bayerische Landwirtschaftsministerium ein bayerisches Bioregionalsiegel ge­ schaffen, das bereits über 30 Zei­ chennutzer hat.

e Isental r Neumarkt i. d. Oberpfalz t Steinwald Allianz u Nürnberg, Nürnberger Land, Roth i Waginger See – Rupertiwinkel o Amberg-Sulzbach p Ilzer Land a Miesbacher Oberland s Oberallgäu und Kempten d Allianz Oberes Werntal f Rhön-Grabfeld Allianz Waldsassengau g

Die Umstellung auf Bio in Bay­ ern, die Bayerns Landwirtschafts­ minister Helmut Brunner seit 2013 mit einem Maßnahmenpaket be­ sonders fördert, kommt voran. 2015 haben 700 Betriebe in Bayern neu umgestellt, 2016 könnten es noch­ mal so viele werden. Dazu beige­ tragen hat auch der BN mit vielen Veranstaltungen zu den Vorzügen des Ökolandbaus und ökologischer Lebensmittel, Herausgabe von re­ gionalen Bio-Einkaufsführern oder die Veranstaltung von Ökomärkten wie dem Ökohoffest der BN-Kreis­ gruppe München mit dem Öko­ betrieb der Stadt München in Riem. Ein wichtiges Vorzeigeprojekt des BN ist die verbandseigenen Jugendund Bildungsstätte für Naturschutz in Wartaweil, bei der schon seit ­Jahren Kinder und Jugendliche mit Bio verpflegt werden und auch ­selber mitkochen können. Marion Ruppaner


Foto: Kreisgruppe

Foto: Archiv Kreisgruppe

Kreisgruppe Wunsiedel

Ein großer Freudentag Was lange währt, wird endlich gut. Mit großer Freude hat die Kreisgruppe Wunsiedel den Tag der feierlichen Wiedereröffnung der Bahnstrecke Selb-Asch am 13. Dezember 2015 miterlebt.

Orts-, Kreis- und Landesebene für diese Bahnstrecke starkgemacht«, erinnerte Karl Paulus, der langjähri­ ge Kreisgeschäftsführer des BN. »Bahn statt Stau« sei das Motto der ersten öffentlichkeitswirksamen ­Aktionen ab 1995 gewesen. Zuerst habe die Kreisgruppe – vor dem Hintergrund der nervenaufreiben­ den Staus an den Grenzübergängen Schirnding und Wildenau – gegen die Schließung der grenzüberschrei­ tenden Bahnlinie demonstriert. Jahre später dann, nachdem der Be­ trieb eingestellt worden war, habe sich der BN gemeinsam mit der Ver­

Erschütternd: Hubert Weiger und

Paradebeispiel: Bei einem Besuch

die Mitglieder des BN-Landesvor­ standes haben im März 2016 den Bauplatz für den neuen Flughafen Coburg besucht. Sie zeigten sich erschüttert, dass in Coburg die ­Privatinteressen einiger Firmen­ bosse so offensichtlich zur Stadt­ politik werden können. Sie forder­ ten die Staatsregierung auf, das Planfeststellungsverfahren zu ­beenden und den bestehenden Coburger Flugplatz Branden­ steins­ebene weiter zu nutzen. Ein von Flughafengegnern angestreb­ tes Bürgerbegehren hat die Stadt Ende Oktober 2015 für unzulässig erklärt. Dagegen klagen nun die Initiatoren.

der geplanten Neubautrasse der Staatsstraße 2187 zwischen Prächting und Ebensfeld hat der Landesvorsitzende Hubert Weiger die Ablehnung des unsinnigen Projektes durch den BN bekräftigt. Auf der bestehenden Staatsstraße

einigung »Aktive Bürger Selb«, dem Fichtelgebirgsverein und allen Ei­ senbahnfreunden der Region für die Reaktivierung der völkerverbinden­ den Bahnstrecke eingesetzt. Hubert Weiger, der Landesvorsitzende des BUND Naturschutz, war Hauptred­ ner einer Kundgebung am Bahnhof Selb-Plößberg am 20. Oktober 2002. Das Aktionsbündnis mit seinem Sprecher Klaus von Stetten hatte schließlich Erfolg. Nach jahrelan­ gem Ringen wurden endlich die Weichen für das grenzüberschrei­ tende Projekt gestellt. Karl Paulus (ht)

fahren unter 2000 Fahrzeuge pro Tag. Nur ein kleiner Teil von ihnen würde die neue Trasse nutzen, weshalb der BN eine flächenspa­ rende Verbindung neben der ­Autobahn zur Anschlussstelle bei Kutzenberg fordert. Seit 2008 liegt die Maßnahme auf Betreiben des BN vor Gericht – und ruht dort. Wegen eines er­ gänzenden Plan­ feststellungsver­ fahrens besteht nun aber die ­Gefahr, dass die Trasse doch durchgesetzt wer­ den könnte. Mit

einer Fotoaktion machte der BN deutlich, welches Gebiet von dem Straßenneubau betroffen wäre (s. Foto). Rotmain-Safari: Die Kreisgruppe

Bayreuth wird während der Lan­ desgartenschau (bis 9. Oktober) eine »Rotmain-Safari« vor allem für Schulklassen anbieten. Dabei werden Kleinlebewesen wie Bach­ flohkrebse oder Köcherfliegenlar­ ven vorgestellt, die viel über den Lebensraum Flussaue sowie über die Wasserqualität verraten. Anmeldungen zur Rotmain-Safari unter bayreuth@bund-naturschutz.de oder Tel. 01 60 - 6 21 62 02.

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

35

NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

er BUND Naturschutz mit dem Kreisvorsitzenden Fred Terpor­ ten-Löhner und seiner Stellvertrete­ rin Inge Heinrich war natürlich »live dabei« am Bahnhof Selb-Plößberg. Die Naturschützer aus dem Fichtel­ gebirge präsentierten stolz Plakat­ tafeln der verschiedenen Aktionen pro Bahn und ihr grünes BN-Ban­ ner. Geplant war ursprünglich eine gemeinsame Bahnfahrt über die Grenze hinweg nach Asch, die aller­ dings infolge völlig überfüllter Züge am Eröffnungstag scheiterte. »Seit mehr als zwei Jahrzehnten hat sich der BUND Naturschutz auf

Foto: Tom Konopka

D

Damals und heute 2001: BN-Mitglieder demonstrieren für die Reaktivierung der Bahn­ strecke Selb-Asch. 2015: Endlich ist es so weit, die deutsch-tschechische Bahnlinie wird wieder eröffnet.


Kreisgruppe Rhön-Grabfeld

Die Wildkatze ist wieder da In den südöstlichen Haßbergen hat sich die Wildkatze bereits gut v­ erbreitet und so vermuteten die BN-Aktiven, dass die Wildkatze auch schon im ­Nordwesten, im Bereich des Sambachswaldes und im Bundorfer Forst anzutreffen sei. Jetzt liegt der Beweis vor: Die Wildkatze ist zurück!

Foto: Regina Vossenkaul

Auf Spurensuche Hubert Kornbrust (re.) und Jürgen Thein haben den Lockstock nach Haaren abgesucht, ihn abgeflämmt und bringen nun neue Baldriantinktur auf.

E

Jubilar: Ulf Zeidler (siehe Foto) von

der BN-Kreisgruppe Bad Kissingen hat im März seinen 80. Geburtstag gefeiert. Sein Name steht für prak­ tischen Arten- und Umweltschutz vor Ort. 2012 hat der Mitbegründer der Kreisgruppe den Vorsitz nach 30 Jahren an Franz Zang abgege­ ben. In seinem jahrzehntelangen Wirken hat er Hunderte von Laich­ möglichkeiten für Amphibien und

36 

suchungsgebiet des Staatswaldes Bundorfer Forst übernahm der ehe­ malige Revierförster Klaus Töpfer. Katzen und Kater lieben Baldrian und reiben sich deshalb gerne an den Lockstöcken. Dabei hinterlas­ sen sie Haare, die eingesammelt und per Genanalyse bestimmt wur­ den. Der Kreisverband hat sich auch finanziell an den Kosten beteiligt, eine Analyse kostet 100 Euro, mit Geschlechtsbestimmung 200 Euro.

Futterstellen für Schwarzstörche geschaffen. Blei­ bende Spuren seiner Arbeit sind außerdem die vielen Men­ schen, die er für die Natur begeistern konnte. So war er einer der Pioniere des ­Naturschutzes auf Truppen­ übungsplätzen und organisierte Weiterbildungen für Artenkenner. Er half nach Öffnung der deutschdeutschen Grenze mit, im Osten BUND-Ortsgruppen aufzubauen und war einer der Initiatoren der Rettung des Rhönschafs. Außer­ dem baute er mit Aktiven die Bio­ Foto: Elisabeth Assmann

NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

ine Lockstockaktion, die im März 2015 begann, hat den Beweis er­ bracht. Hubert Kornbrust, BN-Kreis­ vorstandsmitglied und ehemaliger Biologielehrer, hat mit Baldrian ­beköderte Lockstöcke im Bereich des Stadtwaldes Bad Königshofen aufgestellt und betreut. Das Unter­

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Groß war die Freude, als an drei Lockstöcken im Gebiet des Stadt­ waldes fünf Haarproben positiv waren. Im Bereich Bundorfer Forst sind ebenfalls fünf Nachweise ­gelungen. »Ich hatte schon vorher ­positive Erwartungen und habe mich sehr gefreut. Die Wildkatzen erobern sich das Gebiet von Süden her«, kommentierte Kornbrust. Er hat sechs Wochen lang einmal wö­ chentlich die zehn Stöcke kontrol­ liert und dabei rund 200 Kilometer hauptsächlich zu Fuß zurückgelegt. Vielleicht wären noch mehr positive Proben möglich gewesen, aber der Waldumbau, der in den entspre­ chenden Waldabteilungen stattfand, hat die scheuen Tiere gestört. Die Nachweisaktion ist damit abge­ schlossen, die Katze soll sich nun in Ruhe vermehren und ihren Platz in den Wäldern wieder einnehmen. Hubert Kornbrust (ht)

toppflege auf über 100 Hektar aus. Für sein Engagement im Umwelt­ schutz wurde Ulf Zeidler mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Baye­ rischen Umweltschutzpreis und 2014 mit der Bayerischen Natur­ schutzmedaille ausgezeichnet. Erfolg: Amphibienschutzanlagen mit großen Durchlässen fungieren als regelrechte Kleintierschutz­ anlagen. Das haben die Untersu­ chungen der BN-Ortsgruppe Volkach gezeigt. 2013 hat die Oberste Baubehörde an der Staats­ straße zwischen Volkach und Eich­ feld eine Amphibienschutzanlage gebaut. Fast 30 Jahre hatte die Ortsgruppe Volkach darum ge­

kämpft, denn neben mehreren Hundert Erdkröten und Grasfrös­ chen wandern hier auch regelmä­ ßig Laubfrösche, Kammmolche und Knoblauchkröten. 2015 zeig­ ten die Beobachtungen, dass es zwei deutlich zu unterscheidende Wanderungen der Erdkröten zu den Teichen beidseits der Straße gab. Sie wanderten an den Rand­ bereichen der Schutzanlage, Grünfrösche und Molche dagegen im Zentrum. Auch im Sommer nutzen Amphibien die Schutzan­ lage immer wieder. Seit 2016 wan­ dert auch ein Biber regelmäßig hindurch, um auf die andere Stra­ ßenseite zu wechseln.


Kreisgruppe Landshut

Turbomast schadet Tier, Mensch und Umwelt

usgehend vom Widerstand gegen die Schlachthoferweite­ rung, rief die BN-Kreisgruppe An­ fang 2015 zusammen mit Bürger­ initiativen, kirchlichen Bildungsein­ richtungen, Parteien, Erzeugerver­ bänden und Verbrauchern das »Schutzbündnis Tier und Umwelt Landshut« ins Leben. Die Initiative bringt Betriebe mit artgemäßer Tier­ haltung und Konsumenten zusam­ men und zeigt die negativen Aus­ wirkungen der industriellen Tier­ mast und Schlachtung auf. Dazu gehört auch die Wasser­ qualität im Landkreis: Laut aktueller Information des Forschungsprojekts Einsatz für den Biber: Um den lau­

ter werdenden Forderungen nach einem Abschuss von Bibern zu ­begegnen, startete die BN-Kreis­ gruppe Rottal-Inn mit einer Wan­ derausstellung ins neue Jahr. Die achtwöchige BN-Schau »Biber – die guten Geister des Wassers« in mehreren Städten und Gemein­ den stieß auf überragendes öffent­ liches Interesse seitens der kom­ munalen Politik, der Landwirt­ schaft, der Behörden und der Schulen. Bei der Eröffnung im Ja­ nuar in Eggenfelden konnte Kreis­ vorsitzender Matthias Schmöller unter anderem die örtliche Land­ tagsabgeordnete Reserl Sem, die dritte Bürgermeisterin Johanna

»Landwirtschaft und Grundwasser­ schutz in den Gebieten Hohen­ thann, Pfeffenhausen und Rotten­ burg a. d. Laaber« nahm der Nitrat­ gehalt im Trinkwasser zwischen 2002 und 2011 von 25 auf 38 Milli­ gramm pro Liter zu. Außerdem wie­ sen 40 Prozent der Messstellen im oberflächennahen Grundwasser ­Nitratwerte von über 50 Milligramm pro Liter auf. Um den Blick beim Einkauf für Produkte aus tiergerechter Erzeu­ gung zu schärfen, organisiert das Bündnis Infostände und Vorträge. Mit Demonstrationen, Einwänden bei Verfahren für weitere Tiermast­

Leipold sowie den BN-Bibermana­ ger Gerhard Schwab und den stell­ vertretenden Landrat Helmut Lu­ geder begrüßen. Schmöller beton­ te in seiner Rede den Wert einver­ nehmlicher Lösungen: Nur durch Information der Öffentlichkeit und das Gespräch mit allen Beteiligten ließen sich die Konflikte zwischen Biberschutz und Landwirtschaft nachhaltig auflösen. Negativbeispiel: Die Gemeinde

I­ ggensbach plant die Ausweisung eines etwa neun Hektar großen Gewerbegebiets in der freien Landschaft südlich der Autobahn A 3 (Standort siehe Foto) und hat dazu die Herausnahme der Fläche

plätze und Teilnahme an Erörte­ rungsterminen macht das Bündnis auf die Problematik der Konzentra­ tion großer Tiermastbetriebe auf­ merksam. In Gesprächen mit Land­ wirtschaftsamt, Politikern und Bau­ ern setzt sich das Bündnis für eine artgemäße, natur- und umweltscho­ nende Landwirtschaft ein. Auf die­ sem Weg wollen die Aktiven auch in diesem Jahr weitergehen. Kurt Schmid (as) www.schutzbuendnis.de

aus dem Landschaftsschutzgebiet Bayerischer Wald beantragt. Damit nimmt die Gemeinde die von Hei­ matminister Markus Söder geplan­ te und höchst umstrittene Aufhe­ bung des sogenannten »Anbinde­ gebots« für Gewerbegebiete vor­ weg und leistet der Zersiedelung

Foto: Georg Kestel

A

Plädoyer für artgemäße Tierhaltung Beim sogenannten »Veredelungstag« des Deutschen Bauernverbands im September 2015 in Essenbach prangerten die Aktiven des Schutzbündnisses Massentierhaltung und Turbomast an. Auch Kathy MühlebachSturm, die Vorsitzende der BNKreisgruppe (Bildmitte), war mit vollem Engagement dabei.

am Autobahnanschluss Vorschub. Und das, obwohl noch gar nicht feststeht, ob es überhaupt zu einer entsprechenden Änderung des Landesentwicklungsprogramms kommen wird. Die BN-Kreisgrup­ pe Deggendorf hat sich schon An­ fang des Jahres vehement gegen dieses Vorha­ ben ausge­ sprochen und dabei auch generell den enormen Flächenver­ brauch in der Region ange­ prangert.

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

37

NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

Foto: KG Landshut

Insbesondere im nördlichen Landkreis Landshut ist die Zahl der Schweinemastplätze deutlich gestiegen. Dazu passend baut die VION-Gruppe, die den Landshuter Schlachthof betreibt, dessen Kapazität gerade von 12 000 auf 21 000 Schlachtungen pro Woche aus. Gegen die industrielle Tiermast ist ein auf Initiative des BUND Naturschutz gegründetes Bündnis aktiv.


Kreisgruppe Neumarkt i. d. Oberpfalz

Ortsumfahrung Seubersdorf gestoppt

Foto: Helmut Schultheiß

Zusammen mit der örtlichen Bürgerinitiative freut sich der BUND N ­ aturschutz darüber, dass die für Seubersdorf im Landkreis Neumarkt geplante und bereits genehmigte Ortsumfahrung auf dem Klageweg gestoppt werden konnte.

N

och vor der Festlegung eines mündlichen Verhandlungster­ mins hatte der Bayerische Verwal­ tungsgerichtshof der Regierung Oberpfalz nahegelegt, ihren Plan­ feststellungsbeschluss wieder auf­ zuheben. Ausschlaggebend für diese keineswegs übliche Vorge­ hensweise war für die Richter nicht nur die fehlende sachliche Rechtfer­ tigung für eine Ortsumfahrung. ­Offensichtlich hat auch ein Vorstoß des CSU-Bundestagsabgeordneten Alois Karl dazu beigetragen, der ­eigentlich das Gegenteil bewirken sollte. Er hatte versucht, über Bundesverkehrs­minister Alexander Dobrindt die bereits für Ende 2015

Trauer: Anfang März ist Hermann Lobinger von der Kreisgruppe Schwandorf verstorben. Der Ein­ satz für die Naturschönheiten sei­ ner Oberpfälzer Heimat war ihm über viele Jahre hinweg ein Her­ zensanliegen. Sein besonderes En­ gagement galt deshalb dem Wider­ stand gegen das Zerstörungswerk der Autobahn A 6. Der BUND ­Naturschutz ist Hermann Lobinger zu großem Dank verpflichtet. Elektrifizierung: Der BUND Natur­ schutz begrüßt die Absicht der Bundesregierung, die Bahnstrecke Hof–Marktredwitz–Regensburg zu elektrifizieren. Das Vorhaben wurde im Entwurf des neuen Bun­

38 

beschlossene Abstufung der B 8 bis zur Fertigstellung der Ortsumfah­ rung aussetzen zu lassen. Dann hätte die 3,5 Millionen teure Straße aus Bundesmitteln finanziert wer­ den müssen und gleichzeitig die ­ohnehin überfällige Verbesserung des Trinkwasserschutzes quasi ne­ benbei miterledigt werden können. Dabei war dieses Vorhaben bei einem Bürgerentscheid von den Be­ wohnern der beiden betroffenen Ortschaften abgelehnt worden. Trotz des vergleichsweise geringen Verkehrsaufkommens, des hohen Anteils an Ziel- und Quellverkehr und der schon heute für Lkw nutz­ baren Umfahrung über die benach­

desverkehrswegeplans als »vor­ dringlicher Bedarf« eingestuft. Das Bundesverkehrsministerium hat dafür 790,2 Millionen Euro veran­ schlagt. Bereits seit Jahren fordert der BN eine bessere Bahnpolitik im Ost-West-Verkehr. Schon 2005 mahnte der BN-Landesvorsitzen­ de Hubert Weiger an: »Kein Bahn­ verkehr von und zu den neuen EUPartnern im Osten hat sich so ka­ tastrophal negativ entwickelt wie der zwischen Bayern und Tsche­ chien.« Während die Bahn auf der wichtigsten Linie von Nürnberg nach Prag in vielen Teilen Bayerns noch eingleisig und nicht elektrifi­ ziert auf alten Gleisen dahinrump­ le, boome der Straßenbau.

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Klimaschutz: Die BN-Kreisgruppe

Amberg hat mit Unterstützung der Stadtwerke ein »Energiespardorf« aufgebaut. Mit dem von Peter Satzger (im Bild links) vom BN Landsberg entwickelten Modell können Schüler selbstständig er­ forschen und planen, wie Energie eingespart und die künftige Ener­

Foto: KG Amberg-Sulzbach

NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

Gerettet Dieser Waldrand nördlich der Ortschaft wäre der Umgehung zum Opfer gefallen.

barte Autobahn hätten diesem poli­ tischen Prestigeprojekt für den Trinkwasserschutz unersetz­liche Waldbestände ebenso wie ­attraktive Naherholungsflächen geopfert wer­ den sollen. Für den BN und die Bür­ gerinitiative »Interessengemein­ schaft lebendiges Seubersdorf« wäre dies ein eklatanter Verstoß gegen die verfassungsrechtliche Verpflich­ tung zum Arten-, Biotop- und Land­ schaftsschutz gewesen. Sie haben deshalb keinerlei Ver­ ständnis dafür, dass sich CSUStaatssekretär Albert Füracker nach der Abstufung der B 8 zur Staats­ straße für die Durchführung eines neuen Planfeststellungsverfahrens einsetzen will. Andernorts bereits vielfach erprobte Maßnahmen zur gezielten innerörtlichen Verkehrs­ entlastung wären nicht nur wirksa­ mer und kostengünstiger, auf ihre Realisierung müssten die Anwohner der Ortsdurchfahrt auch nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten. Helmut Schultheiß (ht) gieversorgung klimafreundlich ge­ staltet werden kann. »Durch Ver­ suche wird den Kursteilnehmern anschaulich demonstriert, welche Zusammenhänge zwischen Ener­ gieerzeugung und Energiesparen bestehen«, so der Vorsitzende der Kreisgruppe, Peter Zahn (rechts). ­Lobende Worte kamen auch von Kreisgruppenvorstand Beate May (Mitte) und CSU-Landrat Richard Rei­ singer: »Das Energiespar­ dorf ist ein zukunftsweisen­ des Projekt, mit dem es ge­ lingt, Kinder spielerisch zu motivieren, sich am Ener­ giesparen und Klimaschutz zu beteiligen«, meinte er.


I

Kreisgruppe Nürnberg-Stadt

Leitsystem statt Transitautobahn Um seine Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen, setzt Nürnberg seit Jahrzehnten auf Straßenausbau. Das kommt die Steuerzahler teuer zu stehen. Der Stau geht trotzdem weiter. Die Stadt muss endlich stärker auf alternative L­ ösungsmöglichkeiten setzen.

Einladung: Im Juli lädt der BUND

Naturschutz wieder zum traditio­ nellen Reichswaldfest ein. Schon seit den 1970er-Jahren bewahrt der BN den Nürnberger Reichswald

Verkehrsleitsystem durch die Stadt umgesetzt werden kann und damit erreicht werden kann, dass es keine Verkehrszunahme auf einem aus­ gebauten FSW geben wird. Vor allem soll verhindert werden, dass der Frankenschnellweg zu einer Transitautobahn wird. Peter Rottner, Tom Konopka (ht)

vor zerstörerischen Großprojek­ ten. Mit ihrem Kommen zeigen die Besucher ihre Verbundenheit mit dem Wald. Unter den alten Eichen des Nürnberger Reichswaldes gibt es auch dieses Jahr Führungen und viele Köstlichkeiten aus öko­ logischem Anbau. Für gute Laune sorgt am Samstag die Jean-Baptis­ te-Jugband mit Songs von NewOrleans-Jazz bis Swing. Am Sonn­ tag gibt es ein kabaret­ tistisches Weißwurst­ frühstück mit Bernd Regenauer. Anschlie­ ßend spielt Wolfgang Bodenschatz. Die Fest­ reden des Landesvor­ sitzenden Hubert Wei­

ger und des Vorstandsvorsitzen­ den der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer, finden am Samstag um 15 Uhr statt. Für Kin­ der und Jugendliche gestaltet die Jugendorganisation des BUND ­Naturschutz ein Programm mit Märchenzelt und Wildkatze. Auch Baumklettern und Turmbestei­ gung sind im Angebot. Befreunde­ te Organisationen und Behörden informieren an zahlreichen Stän­ den über ihre Arbeit und den fas­ zinierenden Lebensraum Wald. Das Reichswaldfest findet am 16. und 17. Juli am Schmausenbuckturm oberhalb des Nürnberger Tiergartens statt. Programm unter www.bund-naturschutz.de

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

39

NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

gänglichen Sanierung der Hafen­ brücken ab 2019 könnte ein Ver­ kehrsleitsystem helfen, die ungelös­ ten Verkehrsprobleme zu lindern. Derzeit verhandeln Peter Rottner und Richard Mergner für den BN mit Bürgermeister Christian Vogel von der Stadt Nürnberg unter ande­ rem darüber, ob das vorgeschlagene

prüft. Weil der Bau der Straße zu einer Kannibalisierung der um­ weltfreundlichen Stadt-UmlandBahn führen würde, ist er auch aus finanziellen Gründen abzulehnen.

Foto: Toni Mader

Straßenbauorgie? Im laufenden Raumord­ nungsverfahren lehnt der BN Höchstadt-Herzogenaurach die Ortsumfahrung von Niedern­ dorf-Neuses ab, weil der Bedarf nicht nachgewiesen werden kann. Außerdem basieren die prognosti­ zierten Verkehrssteigerungen auf nicht belastbaren Daten. Der Bau würde zu massiven Eingriffen in Natur und Umwelt im Aurachtal führen. Dort leben geschützte Arten wie Laubfrosch, Kamm­ molch, Grüne Keiljungfer und Pirol. Weder wurde die geplante Stadt-Umland-Bahn berücksich­ tigt noch die sich aufdrängenden Alternativen und Varianten ge­

Eindrücklich Mit diesem Motiv wirbt das Bündnis gegen den Ausbau des Frankenschnellweges für sein Alternativ­ konzept.

Foto: Bündnis FSW

m Juni 2015 hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof dem BUND Naturschutz als Kläger einen Zwischenerfolg gegen den Ausbau des Frankenschnellweges (FSW) be­ schert (siehe N+U 1-2016). Anfang Februar hat ein Bündnis aus BN, zehn Verkehrsverbänden, Umwelt­ schutzvereinen, Bürgervereinen und oppositionellen Parteien des Stadtrates als Alternative ein Kon­ zept für ein dynamisches Verkehrs­ leitsystem vorgestellt. Es beinhaltet eine veränderte Beschilderung, ­dynamische Hinweise auf Staus, eine angepasste Tempo­regulierung und zeitweise Durchfahrtsverbote für Lkw. Der geplante FSW-Ausbau als kreuzungsfreier Lückenschluss würde dort nachweislich zu mehr Autoverkehr führen, weil Fahrgäste von der U- und S-Bahn wieder auf das Auto umsteigen würden. »Damit würde gerade das Gegenteil von dem erreicht, was notwendig ist«, so Markus Ganserer, Sprecher des Bündnisses gegen den kreu­ zungsfreien Ausbau des Franken­ schnellweges. Das Alternativkon­ zept brächte eine spürbare Entlas­ tung auf dem FSW. Es wäre schritt­ weise realisierbar und würde nur einen Bruchteil der veranschlagten 500 Millionen Euro Kosten des ge­ planten kreuzungsfreien Ausbaus verursachen. Bereits bei der unum­


Fotos: Sam Wellnhofer, Michael Würflein

Problematische Nachbarschaft In den Ingolstädter Donauauen soll auf dem stillgelegten BayernoilGelände mit dem ­»IN-Campus« ein Industrie- und ­Gewerbegebiet entstehen. Direkt daneben liegt das Schutzgebiet ­Kälberschütt, das seltene Arten wie das Knabenkraut beherbergt.

Kreisgruppe Ingolstadt

Ausverkauf in den Donauauen Die Kälberschütt, das einzige Naturschutzgebiet der Stadt Ingolstadt, grenzt an deren größte Industriebrache, das Gelände der ehemaligen Bayernoil-Raffinerie. Dort ist jetzt eine gemischte Industrie- und ­Gewerbeansiedlung geplant, die das Naturschutzgebiet stark beeinträchtigen dürfte.

V

Nachruf auf Wolfgang Braun: Am 3. Januar 2016 verstarb der Grün­ dungsvorstand der Kreisgruppe Dachau und Ortsgruppe Karlsfeld, Dr. Wolfgang Braun. Von Jugend an im BUND Naturschutz aktiv, wurde er 2015 vom BN-Vorsitzen­ den Hubert Weiger für sein Le­ benswerk im Dienste der Natur ausgezeichnet. Von 1965 bis zu ­seinem Ruhestand war Braun als Referent für angewandte Vegeta­ tionskunde und Naturschutz an der Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau in München tätig. Im BN engagierte er sich als Fachbeirat auf Landes­ ebene und als Mitglied der Natur­ schutzbeiräte an der Regierung

40 

Seit Stilllegung der Raffinerie im Jahr 2008 setzen sich die BN-Kreis­ gruppe Ingolstadt und andere Um­ weltverbände dafür ein, dass das 105 Hektar große Areal wieder der Natur zugeführt wird. Doch schon 2009 wurde der Audi-Sportpark im süd­ lichen Teil des Geländes errichtet. Wo bisher die Nachtigall sang, sind heute die Gesänge der Sportfans zu hören, klagt Klaus Schmöller,

von Oberbayern und am Landratsamt Dachau. Sein Wissen teilte er gerne in seinen naturkundlichen Führungen und Vorträgen im Rah­

men des BN-Bildungswerks. Mit Wolfgang Braun tritt ein leiden­ schaftlicher Botaniker von der ­Naturschutzbühne ab, den die Kreisgruppe vermissen wird. Teilentwarnung: Das Planfeststel­

Foto: KG Dachau

NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

or über 50 Jahren ging die Raffi­ nerie östlich von Ingolstadt, mitten in den Donauauen, in Be­ trieb. Eine völlig fehlplatzierte In­ dustrieansiedlung, die heute nicht mehr genehmigungsfähig wäre. ­Immerhin wurde dem besonderen Wert der Landschaft 1992 mit der Ausweisung der benachbarten Käl­ berschütt zum Naturschutzgebiet (NSG) Rechnung getragen.

­ rtenschutzexperte der Ingolstädter A Kreisgruppe. Die Idee der Stadt, das restliche Gelände als Wohngebiet zu nutzen, verflog angesichts dessen starker Verseuchung. Im vergangenen Jahr ging die Fläche unter der Bedin­ gung, die Altlastensanierung zu übernehmen, an die Audi AG, zum symbolischen Preis von einem Euro. Der BN befürchtet, dass sich der Deal als planerischer Freibrief ent­ puppt: So besteht der von Audi ge­ plante »Innovationscampus« aus einer Mischung aus Gewerbe- und Industrieflächen. Besonders kritisch sieht der BN die dort zulässigen ­Lärmemissionen und die mit nur 15 Hektar viel zu kleine Pufferzone zum Naturschutzgebiet. Angesichts der fortgeschrittenen Planungen fordert der BN zumindest die dafür ursprünglich vorgesehene Fläche von 35 Hektar – als Bekenntnis der Stadt zum Erhalt des Naturschutz­ gebietes Kälberschütt. Lena Maly-Wischhof (as)

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

lungsverfahren für eine Rampe in der Salzach bei Saaldorf-Surheim (Flusskilometer 55,4) im Freilas­ singer Becken wurde Anfang März eingestellt. Damit dürfte auch das geplante Wasserkraftwerk vom Tisch sein. »Hoffentlich ist es dies­ mal endgültig«, so Erich Prechtl von der BN-Kreisgruppe Berchtes­ gadener Land, der seit Jahren für den Erhalt der Flusslandschaft kämpft. Für die Sanierung der

­ alzach soll nun die »Naturfluss­ S variante« verfolgt werden, die auch vom BN mitinitiiert wurde. Nun fordern der BN und seine Partner in der Aktionsgemein­ schaft »Lebensraum Salzach«, auch die Planungen für ein Was­ serkraftwerk im Tittmoninger Be­ cken zu beenden. Am 11. Juni 2016 veranstaltet die Initiative aus die­ sem Anlass und schon zum dritten Mal die Kundgebung »Für die ­Salzach als Naturfluss«. Beginn ist um 14 Uhr am Stadtplatz in Burg­ hausen. Weitere Infos: www.freie-salzach.de


Kreisgruppe Lindau

Keine Gewerbegebiete auf der grünen Wiese!

I

m Argental im Westallgäu wollen die Gemeinden Gestratz, Grünen­ bach, Röthenbach und Maierhöfen auf über sieben Hektar Fläche ein Gewerbegebiet ohne Anschluss an bestehende Siedlungen ausweisen. Dies wiederspricht nach heutigem Recht dem Anbindegebot im Lan­ desentwicklungsprogramm, wie das bayerische Innenministerium in seiner Antwort auf eine Petition der BN-Kreisgruppe bestätigte. Obwohl es bereits heute Ausnahmeregelun­ gen gibt, will Minister Söder das ­Anbindegebot weiter aushöhlen und plant dazu eine Änderung des

Landesentwicklungsprogramms, gegen die Meinung so gut wie aller Fachverbände. Auch deshalb führen die Argen­ tal-Gemeinden ihre Planung für das Gewerbegebiet »Auf der Au« unge­ bremst weiter. Die Kreisgruppe Lindau hat sich intensiv mit dem Vorhaben befasst und zu den einzel­ nen Planungsabschnitten ausführ­ lich Stellung genommen. Die Natur­ schützer sehen in einer bedarfs­ orientierten Gewerbeansiedlung in­

Foto: Bernd Kurus-Nägele

Renaturierung des Grenzflusses (siehe neue Kiesbänke im Foto), tatkräftig unterstützt von der BN-Kreisgruppe Neu Ulm. Doch nun drohen neue Nutzungspläne den Erfolg der Maßnahme zu tor­ pedieren: Ein Münchner Unter­ nehmer will gleich acht Wasser­ kraftwerke im Mutterbett der Iller errichten. Dies würde eine Sanie­ rung des gesamten Flusslaufs auf Jahrzehnte verhindern. Der BN spricht sich strikt gegen das Vor­ haben aus und prüft rechtliche Schritte.

Iller wieder bedroht: Der größte

Teil des Wassers der unteren Iller wird zur Wasserkraftnutzung in einen Kanal abgezweigt, nur noch zehn Prozent des Wassers fließen im Mutterbett. Im Rahmen einer großangelegten Sanierung began­ nen die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg in den letzten Jahren mit einer abschnittsweisen

nerorts und am Rande bestehender Siedlungen eine gangbare Alterna­ tive. Dies würde gewachsene Ortsund Landschaftsbilder bewahren, kurze Wege sichern, die Natur schützen und einen Ausverkauf frei­ er Flächen verhindern. Der BUND Naturschutz fordert Heimatminister Söder auf, das An­ bindegebot zu erhalten und im Lan­ desentwicklungsprogramm das Ziel einer nachhaltigen Siedlungsstruk­ tur zu ergänzen, welche der Innen­ entwicklung von Siedlungsgebieten Vorrang gegenüber weiterer Zer­ siedelung einräumt. Thomas Frey (as)

Pro Wildkatze: 150 Ehrenamtliche aus allen schwäbischen Landkrei­ sen beteiligten sich 2015 an der Lockstock-Aktion, mit der die Ver­ breitung der Wildkatze untersucht wurde. Das erfreuliche Ergebnis: Von Nordbayern ausgehend haben sich die Tiere besonders in Schwa­ ben wieder ausgebreitet, bis in den Raum Memmingen. In den Wäl­ dern Nord- und Mittelschwabens fühlen sich Wildkatzen heute wie­ der wohl; nur bis ins Alpenvorland sind sie noch nicht wieder vorge­ drungen. Für Interessierte bietet der BN am 28./29. Mai in Altenmünster bei Augsburg das Seminar »Wer­ den Sie Wildkatzenbotschafter«

Bedrohte Natur Mitglieder des BNLandesvorstands besichtigen gemeinsam mit der Kreisgruppe Lindau die Fläche, die zu einem Gewerbegebiet umgewandelt werden soll.

an. Infos bei der BN-Wildkatzen­ beauftragten Sabine Janschke: 0 15 20 - 8 41 34 01; sjantschke@ gmail.com Contra Gewerbegebiet: Ein Bünd­

nis aus der BN-Ortsgruppe Stadt­ bergen und verschiedenen Partei­ en und Organisationen will ein 20 Hektar großes Gewerbegebiet verhindern, das in einem Nah­ erholungsgebiet entstehen soll. Ein Bürgerbegehren soll nun den Grünzug am Ortsrand erhalten; dafür hat die Initiative bis Ende März genügend Unterschriften ­gesammelt.

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

41

NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

Foto: Thomas Frey

Künftig könnten auch in Bayern Gewerbegebiete und ­Tourismusprojekte auf der grünen Wiese entstehen. Dafür will Heimat­ minister Markus Söder das Anbinde­gebot kippen, nach dem neue G ­ ewerbegebiete bislang an bestehende Siedlungen angeschlossen werden müssen. Die BN-Kreisgruppe Lindau kämpft seit über zwei Jahren gegen einen Präzedenzfall.


W

uns unhörbaren Frequenzen – so laut wie eine Motorsäge rufen? Anschließend erwarten die Forscher Feuer-Popcorn, Stockbrot und spannende Geschichten am Lagerfeuer. ▶ Immenstadt, 23. Juli 2016, 20.30 – 23.00, Kontakt: Bund Naturschutz Naturerlebniszentrum Allgäu, Tel. 0 83 23 - 9 98 87 60, info@nez-allgaeu.de Foto: NEZ

NATUR ERLEBEN

ie viele verschiedene Bienenarten sind in Deutschland beheimatet? Wie sehen Sandbie­ nen, Mörtelbienen oder Mauerbienen aus? Düsterbie­ nen, Glanzbienen, Blutbienen und Keulhornbienen – gibt es die tatsächlich? Wer diese Fragen interessant finden, ist genau richtig bei den BN-Fortbildungen in Sachen Artenkenntnis. Zusammen mit dem Institut für Biodiversitätsfor­ schung in Ebern setzen wir die Reihe »Artenkenntnis für Einsteiger« fort. Heuer stehen außer den Bienen auch die Käfer, Heuschrecken, Fledermäuse und Libel­ len auf dem Programm. Als Übungsgelände steht Ihnen der ehemalige Standort­ übungsplatz Ebern im Landkreis Haßberge zur Verfügung und mit Klaus Mandery ein begeisterter Pädagoge mit einem um­ fangreichen Wissen. Die Einführungskurse dauern jeweils einen Tag und kön­ nen einzeln gebucht wer­ den. Auch die Kreisgruppe Fürstenfeldbruck hat sich heuer dem Thema Arten­ kenntnis verschrieben – und geht dieses Thema le­ bensraumspezifisch an. Wer also wissen möchte, was auf einer artenreichen Wiese so alles summt und brummt, ist in Fürstenfeldbruck herzlich willkommen. Auch hier entführen Sie Artenkenner und Umweltpäd­ agogen mit umfangreichem Wissen und spannenden Geschichten in die Welt der Insekten. Alle Termine fin­ den von Mai bis Mitte August statt. ▶ Informationen: www.bund-naturschutz.de/ umweltbildung und www.fuerstenfeldbruck. bund-naturschutz.de

Naturerlebnisnacht

Die Natur bei Nacht erleben: In der Dämmerung beobachten die Teilnehmer Fledermäuse und machen ihre Rufe mit speziellen Bat-Detektoren hörbar. Wie können Fledermäuse mit den Ohren sehen, mit den Händen fliegen und – in für

42 

Radtour zum Thema Wald

Auf der viertägigen Radtour durch das Allgäu steht die ­Besichtigung von Naturwald­ reservaten, Schutzwaldflächen

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-16]

Fotos: Sabine Lessing

Eintauchen in die Vielfalt

Familientag im Oberpfälzer Freilandmuseum

K

ann man Zahnpasta selber machen? Gärtnern mit Recyclingmaterial oder Musikinstrumente selber bauen? Am ersten Sonntag im Juni erleben Familien ein buntes Feuerwerk an Ideen. Unter dem Motto »Nachhaltig in die Zukunft« freuen sich die 13 Oberpfäl­ zer Einrichtungen von Umweltbildung.­Bayern auf viele Besucher. Sie laden ein zur Stempel-Rallye. Wer sich alle Stempel abholt, nimmt an der großen Verlosung teil. Zu gewinnen gibt es unter anderem zwei Fairpho­ nes, eine Holzskulptur und Buchpreise. Vor zehn Jahren sind das Bayerische Umweltminis­ terium, die bayerische Forstverwaltung, die Arbeits­ gemeinschaft Natur- und Umweltbildung, der BUND Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz ge­ meinsam angetreten, um die Ziele einer Bildung für nachhaltige Entwicklung in Bayern umzusetzen, den Austausch der außerschulischen Bildungsträger zu för­ dern, die Bildungsträger zu qualifizieren und zu vernet­ zen. Entstanden ist das Qualitätssiegel Umweltbildung. Bayern. Unter diesem Dach sind inzwischen über 130 Einrichtungen versammelt, darunter auch 18 Einrich­ tungen des BUND Naturschutz und das FÖJ-Referat der JBN. Anlässlich des Jubiläums findet in jedem bayeri­ schen Regierungsbezirk eine Veranstaltung statt. Herzlich willkommen zum Familientag Umweltbil­ dung im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Per­ schen am Sonntag, 5. Juni von 10 bis 17 Uhr! ▶ Kontakt: Ulli Sacher-Ley, Bildungswerk Regensburg, bildungswerk@bund-naturschutz.de

im Gebirge und Waldschutz­ gebieten auf dem Programm. Auch wer sich über das Allgäuer Holz, seine Verwertung und Vermarktung kundig machen will, ist hier richtig. Teilnehmen können man auch tageweise. Die Übernachtungen können vorab gebucht werden. ▶ Allgäu, 4. bis 7. August 2016, Anmeldung erforderlich bis 1. Juli, Kontakt: Bund Naturschutz Naturerlebniszentrum Allgäu, Tel. 0 83 23 - 9 98 87 60, info@nez-allgaeu.de

Angebote für Familien

Beim Familientag forschen Groß und Klein zum Thema ­Asseln, zum Beispiel, wo sie

sich verstecken oder dass sie mit Kiemen atmen. ▶ Würzburg, 29. Mai 2016, Anmeldung erforderlich bis 26. Mai Nicht alle Lebewesen schlafen nachts. Vor allem im Wald kriecht und flattert es auch nachts. Wollt ihr mal erforschen, was in der Nacht im Wald so alles los ist? Dann kommt mit auf eine kleine ­Entdeckungstour. Ein Angebot für Familien mit Kindern ab sechs Jahren. ▶ Würzburg, 15. Juli 2016, ­Anmeldung erforderlich bis 14. Juli, Kontakt: Kreisgruppe Würzburg, Tel. 09 31 - 4 39 72, info@bn-wuerzburg.de


Ihre Ansprechpartner beim BN

BN-Studienreisen, Tel. 09 115 88 88 20, www.bund-reisen.de

Mitgliederservice (allgemeine Fragen zur Mitgliedschaft, Adressänderung) Tel. 09 41-2 97 20-65 mitglied@bund-naturschutz.de

Ammergauer Alpen Unterwegs in Mooren, Wildnis und Berglandschaften! Die Teil­ nehmer dieser Reise lernen unter fachkundiger Führung die Be­ sonderheiten der Wunsch-Nationalparkregion kennen. Ebenso auf dem Programm: das Murnauer Moos – das größte intakte Moor des nördlichen Alpenrandes. • Deutschland, 19. – 24. Juni 2016

Spendenbescheinigungen Tel. 09 41-2 97 20-66 spenderservice@bund-naturschutz.de

Haus- und Straßensammlung Ehrenamtlich aktiv werden Christine Stefan-­Iberl Tel. 09 41-2 97 20-11 christine.stefan@bund-naturschutz.de BN-Bildungswerk Referentin: Ulli Sacher-Ley Tel. 09 41-2 97 20-42 ulrike.sacher-ley@bund-naturschutz.de

IMPRESSUM

BN-Stiftung Christian Hierneis Tel. 09 41-2 97 20-35 christian.hierneis@bund-naturschutz.de

Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, natur+umwelt@ bund-naturschutz.de Redaktion: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Andrea Siebert (as) Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-65 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: iStock.com/Barry Sutton Titelgestaltung: Gorbach GmbH Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitäts­ druckerei Gießen Anzeigenverwaltung: Ruth Hansmann, Runze & Casper Werbeagentur GmbH, Tel. 0 30-2 80 18 -145, Fax -400, hansmann@runze-casper.de. Es gelten die Mediadaten Nr. 24.

Verlag: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Druckauflage 1-2016: 134.597 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im ­Beitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, IBAN DE27 7002 0500 0008 8440 00, BIC: BFSWDE33MUE Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die ­Meinung der ­Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt ­eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redak­tion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % ­Recycling­­­­papier gedruckt.

Raue Schönheit Südschwedens Wilde Landschaften, steile Klippen und schroffe Felsen – dies sind nur einige markante Merkmale der südlichen Westküste Schwedens. Die Teilnehmer erkunden vielfältige und wunderba­ re Naturlandschaften. Sie wohnen im Hotel Hovs Hallar, inmitten des gleichnamigen Naturschutzgebietes. • Schweden, 30. Juli – 6. August 2016 Familienerlebnis Langeoog Die Teilnehmer dieser bewährten Familien-Erlebnisreise ins UNESCO-Weltnaturerbe »Niedersächsisches Wattenmeer« kön­ nen sich auf tolle Naturerlebnisse freuen: endlose Sandstrände, weite Dünentäler, rauschende Wellen und rund 1500 Sonnen­ stunden im Jahr – das ist Langeoog. Ohne ­Autolärm und Abgase, im Einklang mit der Natur. • Deutschland, 30. Juli – 6. August 2016 Faszinierende Vielfalt der Slowakei Diese Reise führt in vielfältige Naturregionen der Mittelslowakei sowie in das Grenzgebirge zu Polen, den Pieniny-Nationalpark. Neben faszinierenden Landschaften erwartet die Teilnehmer auch eine ­Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Außerdem besu­ chen sie historische Altstädte, eine Holzkirche sowie eine wun­ derschöne Eishöhle im Nationalpark Slowakisches Paradies. • Slowakei, 31. Juli – 7. August 2016 Nationalparke Estlands und Finnlands Machen Sie sich auf und entdecken Sie eini­ ge der schönsten Nationalparke im Balti­ kum und Südfinnlands. Außerdem besu­ chen Sie drei Hauptstädte im Ostseeraum – eine spannende Kombination aus Naturund Kulturerlebnis. Die Reise findet unter der ­Leitung des BN-Landesgeschäftsführers Peter Rottner statt. • Estland/Finnland, 22. August – 1. September 2016 Foto: Marco Kullapere

Beratung zu Spenden, Anlassspenden und Vermächtnissen Claudia Ciecior-­Bordonaro Tel. 09 41-2 97 20-34 claudia.ciecior@bund-naturschutz.de

Foto: Johan Hammar

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Redaktion Natur+Umwelt Referentin: Luise Frank Tel. 09 41-2 97 20-22 natur+umwelt@bund-naturschutz.de

[2-16] Natur + Umwelt BN-Magazin 

43


ANLASSSPENDEN

Jubiläum? Taufe? Silberne Hochzeit? Geburtstag? Wünschen Sie sich doch zu Ihrem Fest eine Spende für die Natur. Jeder Euro, der gespendet wird, bringt die gute Sache voran.

RUFEN SIE IHRE EIGENE SPENDENAKTION INS LEBEN! Schon mit wenigen Klicks entsteht Ihre eigene individuelle Spendenaktion. Setzten Sie sich für Ihr BUND Naturschutz-Lieblingsprojekt ein, indem Sie den Spendenzweck bestimmen. Sie können aber auch die gesamte Arbeit des BUND Naturschutz fördern.

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Fotos: BN-Archiv, iStock.com

Probieren Sie es einfach aus: www.bund-naturschutz.de/ meine-spendenaktion

Ihre Ansprechpartnerin für individuelle Spendenaktionen ist Claudia Ciecior-Bordonaro Tel. 0941/297 20-34 claudia.ciecior-bordonaro@ bund-naturschutz.de

Fragen zu Ihrer Mitgliedschaft beantwortet Ihnen gerne unsere Mitgliederverwaltung. Tel. 0941/297 20-65


Natur+Umwelt 2-2016