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Natur+Umwelt BUNDmagazin in Bayern www.bund-naturschutz.de

Heft 2-2012 94. Jahrgang 2. Quartal

Vom Umdenken

RIO+20 zum Umlenken


Mitglieder werben Mitglieder

Damit aus Worten TATe N We rDe N! Die internationale Umweltkonferenz in Rio de Janeiro jährt sich in diesem Jahr zum 20. Mal.

Helfen Sie Helfen Siemit! mit! Erzählen Sie Ihren Bekannten und Freunden von den Aktivitäten des BN. Laden Sie sie ein, Mitglied zu werden.

Der BN, das sind mittlerweile rund 180.000 Menschen, die sich für eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft einsetzen.

Denn: eine Mitgliedschaft im BN kostet nicht viel, bringt aber viel. Ja, ich will mich für den Naturund Umweltschutz einsetzen...

...und erkläre hiermit meinen Beitritt zum Bund Naturschutz in Bayern e.V.

Gemeinsam bewegen wir etwas!

(mit Jugendlichen bis einschl. 21 Jahren)

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Bayern e.V. Bund Naturschutz in altung Zentrale Mitgliederverw ße 4 Dr.-Johann-Maier-Stra 93049 Regensburg

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(mit Jugendlichen bis einschl. 21 Jahren)

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(Selbsteinschätzung, auf Antrag)

Senioren-(Ehe-)Paare mit geringem Einkommen mind. € 30,00

Jugendliche, Studenten, Schüler, Lehrlinge, Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst und Vergleichbare (ermäßigt) mind. € 22,00 Schulen, Vereine, Firmen mind. € 70,00 Ich unterstütze den BN freiwillig zusätzlich mit einem Betrag von jährlich

(Selbsteinschätzung, auf Antrag)

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Ihre persönlichen Daten werden ausschließlich für Vereinszwecke elektronisch erfasst und – gegebenenfalls durch Beauftragte des schutz e.V. – auch zu vereinsbezogenen Informations- und Bundes Naturverarbeitet und genutzt. Eine Weitergabe an Dritte findet Werbezwecken nicht statt.

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Fotos: BN-Archiv, iStockphoto

Ohne den langen Atem von Umwelt- und Naturschutzorganisationen wie dem BN wären viele Ideen und innovative Beschlüsse niemals umgesetzt worden.

Sie jederzeit zum Ende des Beitragsjahres kündigen.

Eine Beitrittskarte finden Sie hier beigeheftet. Vielen Dank für Ihr Engagement!

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Natur + Umwelt 2-2012

Inhalt Bund Naturschutz Bayern 5 Solidarisch Seit’ an Seit’ mit ­japanischen Atomkraftgegnern forderte der BN in Fukushima den sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie. Und mehr »Intern« 6 Leserbriefe 7 Fragwürdig Ist online einkaufen wirklich umweltfreundlich? Ratgeber 8 Titelthema 20 Natur schützen 22 Vorbildlich Die Kunst der Malerin Hanne Schlüter wirkt weit über ihren Tod hinaus: Ehemann Heiner Schlüter spendete den Verkaufserlös einer Vernissage zur Hälfte dem BN. 23 Unsinnig Immer noch arbeiten schrumpfende Kommunen mit Neubaugebieten gegen den ­Bevölkerungsschwund an. Eine fruchtlose Strategie, die den ­Flächenfraß weiter anheizt. Und mehr »Aktuell« 26 Dufte Wenn das Echte Mädesüß blüht, kann man den Sommer bereits riechen. 33 Sprudelnd Nach jahrzehntelangem Einsatz des BN darf endlich wieder mehr Wasser durch die Hölle, eines der wertvollsten ­Naturschutzgebiete Bayerns, ­fließen. Und viel mehr »Regional« 36 Bildung 37 Termine, Impressum

Inhalt BUND B1 BUND-Editorial B2 Magazin Kurznachrichten B4 Aktion Kreativwettbewerb »Meine Stadtnatur« B6 Biosphärenreservate Der Pfälzerwald bildet zusammen m ­ it den französischen Nordvogesen das größte zusammenhängende Waldgebiet Westeuropas. Es hat politische Unterstützung dringend nötig. B8 Zur Zeit Bürgerbeteiligung B13 Aktiv Neues aus dem BUND

Vom Umdenken zum Umlenken

20 Jahre nach dem ersten Erdgipfel in Rio de Janeiro trifft sich die Welt im Juni erneut in Brasilien. Doch was ist aus den Hoffnungen von damals geworden? Viele gute Ansätze, ­meinen unsere Autoren. Was jetzt zählt, ist vom Reden zum Handeln zu kommen. Ab Seite 8

B15 Internationales Asien B18 Die junge Seite Auf die Straße, fertig, los: Mit einem Sofa auf dem Mittelstreifen protestierte die BUNDjugend in Bielefeld für menschenfreundlichere ­Innenstädte.

Liebe Leser

B20 Persönlich Gert Müller Jahrelang hat Sie an dieser Stelle unser leitender Redakteur und lieber Kollege Manfred Gößwald in den aktuellen Heftschwerpunkt eingeführt. Für uns noch unfassbar: Wenige Stunden vor Drucktermin dieser Zeitschrift erreichte uns die Nachricht, dass er nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist. In solchen Momenten fällt es schwer, die Arbeit fort­zusetzen. Ein Mensch wurde mitten aus dem Leben gerissen und ­hinterlässt eine große, schmerzhafte Lücke. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Familie Gößwald. In der nächsten Ausgabe werden wir unseren langjährigen Kollegen, Freund und Mitstreiter ausführlich würdigen. Den Heftschwerpunkt »Rio+20« hat die BN-Redaktion dieses Mal vom BUNDmagazin übernommen. Darüber hinaus bietet diese Ausgabe etwas weniger bayerische Themen als gewohnt. Beides ist der plötzlichen Erkrankung ­unseres leitenden Redakteurs geschuldet. Wir bitten um Ihr Verständnis. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Peter Rottner, Landesgeschäftsführer des BN

Wir kümmern uns drum!

Das Bayerische Löffelkraut wächst weltweit nur in Oberbayern und Schwaben. Erfahren Sie, wie der BN und viele Partner dem seltenen Pflänzchen eine Zukunft sichern. Seite 20

Abwählen, bitte!

Ein sofortiger Baubeginn im ­Erdinger Moos ist abgewendet. Nun gilt es, die dritte Startbahn ganz zu verhindern – mit dem Münchener Bürgerbegehren am 17. Juni und der bayernweiten BN-Onlinepetition. Seite 28

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Zwei für die ge5. Gentechnologie meinsame Sache Arbeitskreise im BN

Frau Mertens, warum liegt Ihnen ­gerade das Thema Gentechnologie am Herzen? Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) bergen vielfältige Risiken für Umwelt und Gesundheit. Sie sind, einmal freigesetzt, nicht rückholbar. Deshalb wende ich mich gegen ihren Einsatz. Wo brennt es derzeit am meisten? In Deutschland gibt es zwar derzeit keinen Anbau von GVO, aber es werden große Mengen an gentechnisch veränderten Futtermitteln eingeführt. Für viele weitere GVO laufen Zulassungsanträge, sowohl für den Import als auch den Anbau. Die Bundesregierung zählt in Brüssel zu den Unterstützern der Gentechnik und stimmt regelmäßig dem GVO-Import zu. Was ist die wichtigste Zukunfts­ aufgabe des LAK? Dafür zu sorgen, dass es in Bayern weiterhin keinen Anbau und keine Freisetzung von GVO gibt und die gentechnikfreie Fütterung Standard wird. Im konventionellen Lebensmittelsektor muss sich das »Ohne Gentechnik«-Kennzeichen durchsetzen. Was war der größte BN-Erfolg? Wir haben mit anderen Mitstreitern im Bündnis für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft erreicht, dass es in Bayern keine GVO mehr auf dem Feld gibt. Damit sind die direkten Risiken der Gentechnik auf die Umwelt vorerst gebannt. Was würden Sie als Umweltministe­ rin für einen Tag tun? Ich würde mich in Brüssel dafür einsetzen, den Anbau und Import von GVO zu verbieten. Gleichzeitig würde ich Programme zum Ausbau des biologischen Landbaus starten.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [2-12]

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aul und Margarete Riederer von der BN-Kreisgruppe Landshut sind mit der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber ausgezeichnet worden. Ende 2011 überreichte Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags, den Orden. Mit ihm werden verdiente Bürger geehrt, die sich in herausragender Weise für das Gemeinwohl engagieren und damit die Werte der baye­ rischen Verfassung vorbildlich mit Leben erfüllen. In ihrer Laudatio würdigte Barbara Stamm, dass sich Paul und Margarete Riederer als Naturschützer seit Jahrzehnten kritisch mit modernen Umweltproblemen auseinandersetzten. Immer aber suchten sie zugleich nach konstruktiven Lösungen. Insbesondere engagierten sich Paul und Margarete Riederer für die Wiederherstellung und den Erhalt naturnaher Gebiete, wie etwa die Umwandlung des Landshuter Truppenübungsplatzes in ein Naturschutzgebiet oder die Unterschutzstellung der Vogelfreistätte »Mittlere Isarstauseen«. Parallel dazu schärften sie stetig das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Bewahrung von Heimat und Schöpfung. Während Margarete Riederer mehr im Hintergrund tätig ist, wirkt Paul Riederer in der Öffentlichkeit. Er war 20 Jahre lang Vorsitzender der Kreisgruppe Landshut und ist heute in dieser Funktion stellvertretend und als Mitglied im Landesbeirat aktiv. Der BN gratuliert zu der Auszeichnung und dankt dem Ehepaar Riederer für sein herausragendes Engagement, etwa gegen Atom­ energie, neue Autobahnen oder Gentechnik. (ht)

Foto: Schmid

Foto: Englbrecht

Foto: privat

Mehr im Internet Seit Ausgabe 2-11 stellt Natur+Umwelt in jedem Heft einen Landesarbeitskreis (LAK) des BN vor. Im Interview diesmal Martha Mertens, Sprecherin des LAK Gentechnologie. Die bisherigen Inter­ views lesen Sie unter www.bund-natur­ schutz.de/magazin.

Ausgezeichnete Ideen

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er Bund Naturschutz hat Christina Wibmer die Bayerische ­Naturschutzmedaille verliehen. Er würdigt damit ihren vorbildlichen Einsatz für eine umweltfreundliche Mobilität in der National- und Naturparkregion Bayerischer Wald. Die 51-jährige Wirtschaftsgeografin entwickelt dort seit mehr als elf Jahren in der »Projektstelle Nationalparkverkehrskonzept« Angebote für den autofreien Urlaub. Ihr Engagement gehe aber weit über ihre Aufgaben hinaus, betonte der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner bei der Verleihung der Medaille im Februar. An der heutigen Vorbildfunktion der Region hätten zwar auch viele andere mitgewirkt. »Als Ideengeberin und durch ihre große Ausdauer hat Christina Wibmer daran aber einen wesentlichen Anteil.« Ein wichtiger Meilenstein in der Arbeit der Projektstelle war das ­Bayerwaldticket (www.bayerwaldticket.com). Der Verbundfahrschein gilt seit 2001 für unterschiedliche Tarifgebiete – inzwischen sogar grenzüberschreitend – und erleichtert so das Fahren mit Bus und Bahn. Bisheriges Glanzstück ist aber das »Gästeservice Umwelt Ticket – GUTi«, mit dem Touristen sogar kostenlos reisen. »Ich kenne nichts Vergleichbares«, lobt BN-Landesvorstand Winfried Berner das umweltfreundliche Verkehrskonzept der Region. »Der Bayerische Wald ist hier Innovationsführer und sollte sein Licht nicht unter den Scheffel stellen.« Die BN-Kreisgruppe Regen und der Landesvorstand hatten Christina Wibmer als Kandidatin für die Bayerische Naturschutzmedaille vorgeschlagen. (ht)


G

emeinsam gegen die Atomkraft und für eine ökologische Energiewende – dies war das Thema eines Japanbesuchs des BN-Landesvorsitzenden Hubert Weiger und des BN-Landesbeauftragten Richard Mergner. Auf Einladung der Partnerorganisation »Friends of the Earth Japan« und der Friedrich Ebert ­Stiftung machten sie sich im März ein Bild von der radioaktiven Strahlenbelastung vor Ort. Selbst in ­Fukushima, das 60 Kilometer von den havarierten Atomkraftwerken entfernt liegt, ist sie bis um das ­30-Fache erhöht. »Es ist erschütternd, wie bei einem Atomunfall das Grundrecht auf Gesundheit aus wirtschaftlichen Erwägungen außer Kraft gesetzt wird und Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden. Die Desinformation der offiziellen Stellen über die Gefahren der Radio­ aktivität und die Hilflosigkeit von ­Eltern gleicht unseren Erfahrungen nach der Tschernobyl-Katastrophe«, berichtet Weiger. Am 11. März, dem Jahrestag der Atomkatastrophe, fand mit 20 000 Teilnehmern die bisher größte Demonstration in der Region statt. Als Zeichen der Solidarität überbrachten die BN-Vertreter 10 000 von deutschen BUND- und BN-Mitgliedern gefaltete Papierkraniche (Bild). »Bei unseren Gesprächen und mit den Vorträgen zur deutschen Energiewende konnten wir wichtige Hilfen geben, denn auch in Japan sind 80 Prozent für den Ausstieg. Doch über die Frage, ob die 52 abgeschalteten Atomreaktoren endgültig vom Netz gehen, tobt ein Machtkampf zwischen Atomkonzernen, Regierung und Bevölkerung«, erklärte Mergner.

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rühlingsgefühle allerorten – nach dem eiskalten Winter ist das ­Maiengrün ein Labsal für die Seele. Sicht- und hörbare Zeichen: Vogelhochzeit und Amphibienwanderung. 6000 BN-Aktive haben bei der größten Artenschutzaktion Bayerns rund 700 000 Frösche, Kröten und Molche gerettet. Deren Lebensraum ist vielfach durch Straßen zerschnitten. Wenn wir ihnen nicht über die Straße hälfen, wären viele Populationen in ihrem Bestand bedroht. Sich in der Gruppe oder im Familienverband und ganz konkret für die Erhaltung der heimischen Artenvielfalt einzusetzen, etwas für das Gemeinwohl und gleichzeitig für die eigene Lebensqualität zu tun, ist ein wichtiger Teil unseres Lebensgefühls im BN. Doch leider werden viele Entscheidungen, die unsere Heimat betreffen, nicht mehr vor Ort gefällt. Ob wir uns an Blumenwiesen freuen können oder nur noch von »Autobahnbegleitgrün« und Maisäckern umgeben sind, entscheidet nicht nur das Engagement vor Ort, sondern ganz wesentlich unser Einfluss auf die Agrarpolitik in Brüssel, Berlin und München. Das tragische Beispiel Fukushima sollte unser Denken und Handeln lenken: Ob wir den Frühlingsspaziergang auch in Zukunft genießen können oder uns vor einem Atom­ unfall fürchten müssen, hängt davon ab, wie schlagkräftig wir im Kampf gegen die Atomkonzerne und ihre Lobby sind. Der technisch mögliche Sofortausstieg noch in dieser Legislaturperiode als Voraussetzung für eine echte Energiewende bleibt weiterhin eine Kernforderung unseres Verbandes. Denn die Situation in Japan zeigt, wie unbeherrschbar und zerstörerisch die Folgen einer Re­aktorkatastrophe sind. Der BN ist deshalb auch international aktiv: ­gemeinsam mit seinem Bundesverband BUND als Teil des weltweiten Netzwerks »Friends of the Earth« ebenso wie mit Anti-Atom-Initiativen in Tschechien oder Frankreich. Mit unseren Partnerverbänden in Korea und Japan stehen wir in

einem intensiven Austausch (siehe Bericht gleiche Seite). Auch in diesen Ländern kämpfen die Profiteure einer auf nuklearen und fossilen Ressourcen basierenden zentralistischen Energieversorgung gegen eine bürgernahe und dezentrale Energiesparstrategie auf Basis von Sonne und Wind. Während wir beim Stromsparen durchaus von gesetzlichen Regelungen in Japan lernen können, ist das deutsche ­Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weiterhin ein Schlüsselfaktor für eine echte ökologische Energie­ wende und dient vielen Ländern als Vorbild. Umso mehr kritisieren wir, dass insbesondere auf Betreiben der FDP die vorrangige Einspeisung von Solar- und Windstrom ausgehebelt werden soll. Ein Zeichen der Hoffnung ist dagegen die frühlingshafte Aufbruchsstimmung bei der – oft von tatkräftigen BN-Mitgliedern unterstützten – Gründung von Bürger-Energiegenossenschaften. Mit der evangelischen Landvolkshochschule im oberfränkischen Bad Alexandersbad bietet der BN für Initiatoren eine Ausbildungsreihe an. Damit wir die Energiewende auch von unten voranbringen, bitten wir Sie weiterhin um Ihre Unterstützung für einen unabhängigen und tatkräftigen Bund Naturschutz.

Foto: Roggenthin

Liebe Mitglieder

Foto: FoE Japan

Japanischbayerische Allianz

Frühlingserwachen: Die Natur zeigt uns den Weg

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Wasch- und Putzmittel ­ sparsam einsetzen

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, nu@bundnaturschutz.de

Zum Thema Wassersparen Vergessen wird bei Wasserspartipps, dass ein zu geringer Wasserverbrauch den Leitungen durch Ablagerungen zusetzt. Die Kanal- und Wasserreinigung ist wesentlich teurer als der Nutzen durchs Wassersparen. Sparen heißt etwas anderes: Wasser nicht unnötig zu verschmutzen! Es ist uferlos, wie viele Waschund Putzmittel sowie schwer abbaubare Medikamente im Wasser landen. Ein paar Tropfen Schmierseife und Obstessig tun es auch. Statt Sonnencreme Schatten und Hut, bis sich die Haut an die Sonne gewöhnt hat. Bettina Kohler, per E-Mail

Windräder und Landschaftsschutz

Zum Beitrag »Bayern bleibt schön« in N+U 3-11 Was war in der N+U-Zeitschrift zu lesen? Ein Beitrag mit dem Titel »Bayern bleibt schön«. Diese Überschrift konnte ich nur als blanken

Zynismus ansehen. Denn der Autor fordert allen Ernstes für Bayern statt der bestehenden 400 Windkraftanlagen sage und schreibe deren 2500! Wer einmal unter Windrädern gewandert ist (so ich kürzlich in der Fränkischen Schweiz), kann sich eines äußerst unheimlichen Gefühls nicht erwehren. Überdies wird die Silhouette ganzer Landschaften entstellt. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Naturschutz und der religiöse Dimensionen annehmende Klimaschutz zwei Paar Stiefel sind. Ich hoffe inständig, dass sich, wenn wieder in der freien Natur von der Windrad- und Klimaschutz-Lobby landschaftszerstörende Windräder aufgestellt werden sollen, die echten Naturschützer dagegen auflehnen und die gerade vom BN immer

angemahnte Bürgerbeteiligung ganz energisch praktizieren. Rominte van Thiel, per E-Mail

Verdientes Transparent

Zum Beitrag »Biotop gesichert« in N+U 1-12 Sehr gefreut habe ich mich über das Bild der Biotoppfleger der Kreisgruppe Wunsiedel. Sie halten ein großes Transparent »Bund Naturschutz«. Und weil mein Sohn jetzt 30 Jahre alt ist, weiß ich, dass das Transparent auch 30 Jahre alt ist – er saß als Baby in seiner Wippe neben der Nähmaschine. Durch viele ­Ak­tionen und Projekte haben uns sowohl das Kind/die Kinder als auch das Transparent begleitet. Ich würde es gerne wieder in der N+U sehen, wenn wir die Fichtelgebirgsautobahn endlich begraben. Nanne Wienands, Schwarzenbach/Saale

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Alles, was einen Brief ausmacht – ganz bequem im Internet. In Zukunft nutzen wir das Internet nicht nur selbstverständlich, sondern auch mit selbstverständlicher Sicherheit. Ob Abschluss einer Versicherung, Beauftragung eines Handwerkers oder Korrespondenz mit Behörden. Der E-POSTBRIEF ist so sicher und verbindlich wie ein Brief mit der Deutschen Post. Denn dank persönlicher Identifizierung wissen Sie beim E-POSTBRIEF immer, mit wem Sie kommunizieren. Und er erreicht genauso zuverlässig jeden Adressaten – auch die Empfänger ohne elektronischen Briefkasten. Besitzt der Empfänger noch keine E-POSTBRIEF Adresse, drucken wir Ihre Mitteilung aus und stellen sie wie gewohnt auf dem Postweg zu. Sichern Sie sich jetzt kostenlos Ihre persönliche E-POSTBRIEF Adresse unter www.epost.de

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Onlineshopping

Illu: Blumenschein

So weit die Dienste tragen

Im Netz shoppen ist scheinbar ein rein virtuelles Vergnügen. Doch der unsichtbare Umweltballast ist sehr real – und wohl kaum geringer als beim Einkauf im Geschäft.

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eben Sie im Ballungsraum? Nutzen Sie statt eines hitzespeienden PC ein cooles Notebook und statt Google die Suchmaschine Ecosia? Bündeln Sie Ihre Einkäufe, recyceln Sie Versandkartons und archivieren Sie Onlinerechnungen digital? Dann ist Ihre Ökobilanz beim Onlineshopping vermutlich günstig. Günstiger jedenfalls als die Ihrer Nachbarin, die regelmäßig mit dem SUV ins Einkaufszentrum donnert. Wahrscheinlich toppen Sie aber auch Ihre Bekannten auf dem Land, die kaum noch ohne Internet und Paketdienst auskommen. Ist Einkaufen via Internet eher gut oder schlecht für die Umwelt? Onlinehändler verweisen gern auf eine einsame Studie, die ihnen klare Umweltvorteile im Vergleich mit dem herkömmlichen Einkaufen bescheinigt. Kein Wunder: Fußgänger und Radler fehlen darin völlig. Doch pauschale Aussagen sind ohnehin unmöglich. Zu viele schwer fassbare Faktoren prägen den ökologischen Fußabdruck des Onlineshoppings – vom ­eigenen Mobilitäts- und Einkaufsverhalten über die Umweltambitionen von Händlern und Paketdiensten bis hin zur Einwohnerdichte und Onlinekauflaune in der Nachbarschaft. Manches aber haben Sie selbst in der Hand.

Lieferexzesse vermeiden

So sollten Sie auch Ihre Onlineeinkäufe umsichtig planen und bündeln. Wer beliebig bestellt, vervielfacht die Umweltbelastung durch viele vermeidbare Einzelbestellungen mit drastisch erhöhtem Materialverbrauch und Schadstoffausstoß für Verpackung und Lieferung. Das Gleiche gilt für fahrlässig verursachte Retouren. Rund 20 bis 30 Prozent aller Bestellungen gehen zurück! Haben Sie Zweifel an Qualität oder Passform der neuen Sonnenbrille oder Bluse, dann kaufen Sie lieber im Laden. Ebenso fragwürdig ist die Praxis, reale Läden zwecks Preisvergleich und Warentest abzuklappern, um anschließend billig im Internet zu ordern. Das schadet der Umwelt doppelt: erst durch die Leerfahrten, dann durch Verpackung und Lieferung. Unfair gegenüber den Ladenbetreibern ist es obendrein.

Selbst abholen

Deutlich aufbessern können Sie die Ökobilanz der Lieferkette durch Eigenleistung: Paketdienste bieten oft die Möglichkeit der Selbstabholung. Bei DHL melden Sie sich dazu für eine Packstation an, deren Adresse Sie fortan für Ihre Bestellungen verwenden. Bei GLS genügt ein Anruf im nächsten Paketshop. Sinn hat das natürlich nur, wenn Sie zum Abholen Rucksack, Fahrradanhänger oder ohnehin fällige Autofahrten nutzen. Keine Bedenken sollten Sie beim Onlineeinkauf von Ökoprodukten haben. Sie sind über die klassischen Vertriebswege oft nicht erhältlich. Die Umweltbelastung durch den Versand dürfte hier akzeptabel sein, weil es den Markt ansonsten nicht gäbe. Überdies bemühen sich Ökoshopbetreiber meist um möglichst umweltneutrale und effiziente Logistik.

Zehn Tipps für Einkäufe im Netz

K  aufen Sie nichts online, was Sie auch in Ihrer Nähe bekommen. B  ündeln Sie ähnliche Produkte und bestellen Sie bei möglichst wenigen verschiedenen Händlern.  Verteilen Sie Einkäufe nicht wegen minimaler ­Preisvorteile auf mehrere Anbieter. N  utzen Sie für Ökoprodukte regionale Lieferdienste wie die »Ökokiste«. K  aufen Sie Waren mit hoher Rücksendequote wie Schuhe oder Hosen nur im Laden.  Vermeiden Sie vergebliche Lieferversuche durch Terminabsprache oder Anwesenheit. U  mweltschädlich und unfair ist es, im Laden zu probieren und im Web zu ordern. A  chtung bei Onlineportalen: Sie bestellen nur scheinbar bei einem Händler. G  eben Sie Lieferdiensten mit Pfandkisten oder ­Recyclingkartons den Vorzug. B  ilden Sie Einkaufsgemeinschaften, etwa für ­Ökolebensmittel.

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Der Weg zur Nachhaltigkeit

20 Jahre nach Rio D

as Jahr 1992 stand politisch und gesellschaftlich noch unter dem Eindruck der Umwälzungen im Herbst 1989, mit dem Ende des Kalten Krieges und der neuen Freiheit in Osteuropa. Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit prägte auch die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio. Es war die Hoffnung, mit der Friedensdividende – also dem Geld, das durch den Abbau der Rüstungsetats verfügbar sein würde, und der positiven Energie nach dem Ende der Konfrontation – gemeinsam die großen Probleme der Menschheit lösen zu können, allen voran die Zerstörung von Natur und Umwelt und die weltweite Armut.

Verantwortung und Vorsorge Damals verabschiedeten 192 Staaten Konventionen zum Schutz des Klimas und der biologischen Vielfalt. Gleichzeit einigten sie sich auf eine »Agenda 21« als Programm für das 21. Jahrhundert, an dem sich alle gesellschaftlichen Gruppen und politischen Ebenen beteiligen sollten, lokal bis international.

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Natur + Umwelt[2-12] BN-Magazin [2-12] BUNDmagazin

Zudem entstand eine Deklaration mit 27 Grundsätzen für eine nachhaltige Entwicklung. Zentral war die Forderung, »den Entwicklungs- und Umweltbedürfnissen heutiger und künftiger Generationen in gerechter Weise zu entsprechen«. Umwelt und Entwicklung sind demnach zwei Seiten einer Medaille. Die Bekämpfung der Armut wurde als integrativer Bestandteil einer nachhaltigen Entwicklung erkannt. Beim Umweltschutz verständigte man sich auf das Vorsorgeprinzip: Der Umstand, dass die Wissenschaft bestimmte Kausalzusammenhänge noch nicht völlig durchdrungen hat, dürfe kein Argument dafür sein, Maßnahmen gegen drohende schwere Umweltschäden aufzuschieben. Betont wird auch die Verantwortung der reichen Länder, die die globale Umwelt besonders beanspruchen. Nachhaltigkeit wurde 1992 zu einem politischen Begriff, den noch kaum jemand kannte. Heute verwenden ihn vor allem Politiker und Unternehmen so inflationär, dass er beliebig zu werden droht.


Rio + 20

TITELTH EMA

Aufbruchstimmung und die Hoffnung, gemeinsam eine bessere Welt schaffen zu können – das kennzeichnete 1992 den Umweltgipfel in Rio. Viele Erwartungen von damals haben sich nicht erfüllt. Welche Lehren hat die Staatengemeinschaft 20 Jahre später daraus zu ziehen, bei der UN-Konferenz, die Ende Juni wieder in Rio tagt? Wir bilanzieren – und werfen einen Blick in die Zukunft.

noch als Zahl für Science-Fiction und Utopisten, so ist Und was sagt die Praxis, 20 Jahre später? Haben wir es heute Zielgröße für politische Programme. die Zielmarken von damals erreicht? Die Bilanz von • Auch wenn wir allzu häufig noch danach handeln: »Brot für die Welt« und Evangelischem Entwicklungs- Das Motto »Nach uns die Sintflut« ist gesellschaftlich dienst (eed) fällt düster aus: »Von der Überwindung nicht mehr akzeptiert. von Armut und Hunger ist die Welt noch weit entfernt, • Mehr Menschen richten ihren Lebensstil danach aus, auch wenn sich in einigen (…) Schwellenländern der die natürlichen Lebensgrundlagen zu schonen und eine oder andere Indikator verbessert haben mag. Die weltweite Solidarität zu zeigen. Davon künden viele großen Umweltprobleme wie die globale Erwärmung »bio-faire« Produkte und Projekte, die ein ressourcenund der Verlust biologischer Vielfalt sind nach wie vor armes Leben in der Gemeinschaft ausprobieren. ungelöst.« Das Ziel, den globalen • Institutionen von der Kirche bis Artenschwund bis 2010 zu stoppen zur Tagungsstätte bemühen sich Nachhaltige Entwicklung ist oder wenigstens zu begrenzen, um mehr Nachhaltigkeit, sie dowurde deutlich verfehlt. Und die kumentieren dies und lassen sich eine »Entwicklung, die die Weltklimakonferenzen erschöpfen überprüfen. Bedürfnisse der Gegenwart sich in zähen Verhandlungen und • Einst visionäre Ziele wie eine befriedigt, ohne zu riskieren, dünnen Ergebnissen, obwohl das Versorgung mit 100 % erneuerba»Vorsorgeprinzip« sofortiges Hanrer Energie sind in Deutschland dass künftige Generationen deln erfordert, speziell der Induszu einem politischen Ziel mit ihre eigenen Bedürfnisse trie- und großen Schwellenländer. breiter Zustimmung geworden. nicht befriedigen können«. Sprich: Als Weltgemeinschaft sind • Unternehmen entwickeln Stra[Brundtland-Bericht 1987] wir insgesamt nicht auf dem Weg tegien für mehr Nachhaltigkeit zu mehr Nachhaltigkeit. nicht nur als Instrumente ihres Doch könnte man auch anders Marketings, sondern um ernsthaft bilanzieren und danach fragen, was sich im Denken ver- ihre Produktion zu verändern. ändert hat, im öffentlichen Bewusstsein, in politischen Auf staatlicher Ebene haben solche Strategien bisProzessen? Da sieht man keine breiten, gut ausgezeich- lang nur begrenzten Erfolg. Das Gebot der Nachhaltigneten Wege, aber viele kleine Pfade in Richtung Nach- keit ist weder in Deutschland noch sonst wo zum roten haltigkeit. Zwar ist nicht genug und vieles nicht schnell Faden der Politik geworden. Dafür aber hat sich in viegenug passiert, doch hat sich viel entwickelt seit 1992 – len Städten und Gemeinden etwas getan, sowohl in der zum Beispiel: Kommunalpolitik wie auch auf Bürgerebene, ob tradi• das Denken in globalen Zusammenhängen; tionell mittels einer »Lokalen Agenda 21« oder in vielen • die Erkenntnis, dass die Verteilungsgerechtigkeit etwa neuen Initiativen wie »Urban Gardening« oder der Bebeim Klimaschutz bedeutet, dass jedem Menschen auf wegung der »Transition Towns«, die einmal ganz ohne der Welt die gleichen CO2-Emissionen zustehen; fossile Brennstoffe auskommen wollen. • Der Zeithorizont hat sich erweitert. Offenkundig Nun heben diese Pluspunkte die Negativpunkte der reicht das Denken in Wahlperioden nicht, um globale Bilanz zwar nicht auf, geben aber doch etwas Anlass Probleme zu bewältigen. Galt vor Rio das Jahr 2050 zur Hoffnung.

Zwiespältige Bilanz

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TITELTH EMA

Krise statt Aufbruch

Für einen Zivilisationswandel

Was ist nun von Rio 2012 zu erwarten? Anders als vor zwanzig Jahren herrscht diesmal keine Aufbruch-, sondern Krisenstimmung. Angesichts der Banken-, Staatsschulden- oder EU-Krise geraten die ökologische Krise und die Armutskrise in den Hintergrund. Der langsame stille Klimawandel vermag da kaum zu mobilisieren. Vergäben Ratingagenturen ihre Noten nach ökologischer Verschuldung, fielen alle Industriestaaten auf Ramsch-Niveau. Wachstum, Rettungsschirme, noch mehr Wachstum – im Rahmen dieser globalen Agenda wird auch die Rio-Konferenz im Juni stattfinden. Dazu passt ihr inhaltlicher Schwerpunkt der Green Economy. Ein »Green New Deal« soll die Weltwirtschaft ankurbeln und gleichzeitig die Umweltprobleme lösen. »Grüne« Investitionen (etwa in erneuerbare Energien) sollen Ressourcenverbrauch und Emissionen verringern und dazu wirtschaftliches Wachstum schaffen. Mit technischen Verbesserungen hofft man das Wirtschaftswachstum so weit von dem Ressourcenverbrauch zu entkoppeln, dass dem Wachstum keinerlei Zügel mehr angelegt werden müssen.

Eine Vorstellung, ein Design für diesen Zivilisationswandel hat der BUND mit Brot für die Welt und eed in der Studie »Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt« ausgearbeitet. In Kurzfassung heißt dies: Wir brauchen neue globale Übereinkünfte und gleichzeitig eine Renaissance der Regionen. Wir brauchen eine forcierte Effizienzstrategie für Energie und Rohstoffe und gleichzeitig einen achtsamen Lebensstil. Und die Politik muss ihre Priorität gegenüber der Wirtschaft zurückgewinnen. Apropos: Wirtschaft umfasst nicht nur die Geldökonomie, sondern auch Leistungen in Familie und Ehrenamt. Wir benötigen kürzere Arbeitszeiten und mehr Teilzeitmodelle, eine sozial ausgeglichenere, gerechtere Gesellschaft sowie wirtschaftliche und soziale Strukturen, deren Stabilität nicht vom Wachstum abhängig ist.

Abschied von einem Irrglauben Aber so bedeutsam grüne Innovationen und Effizienz sind, der Glaube an ein grenzenloses Wachstum in einer begrenzten Welt ist ein Irrglaube. 20 Jahre nach Rio müssen die Grenzen der ökologischen Belastbarkeit nicht nur verbal anerkannt, sondern eingehalten werden. Denn sie bilden die Leitplanken unseres Umweltraums, innerhalb derer sich die Wirtschaft und Gesellschaft entfalten. Tatsächlich aber dominiert heute mehr denn je die Ökonomie: Ökologische und soziale Maßnahmen stehen unter Wachstumsvorbehalt und dürfen dem Wirtschaftswachstum nicht schaden. Doch das Gebot der Nachhaltigkeit erfordert einen grundlegenden Wandel, einen Zivilisationswechsel – daran führt nichts vorbei. Die Welt muss Abschied nehmen vom verschwenderischen Konsum in den Industrieländern auf Basis eines unbegrenzten Wirtschaftswachstums. Weil Schwellen- und vor allem Entwicklungsländer wirtschaftliches Wachstum benötigen, müssen die Industrieländer ihren Verbrauch von Energie und Ressourcen drastisch senken – auch wenn dies ihre Wirtschaftsleistung verringert. Der Abschied vom Wachstumsmodell steht an – »by design or by desaster«, wie es der kanadische Ökonom Peter Victor formuliert hat.

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Handeln auf allen Ebenen Die stagnierenden internationalen Verhandlungen könnten mutlos machen, würde man allein auf diese Ebene setzen. Umso wichtiger ist das Handeln auf allen Ebenen – auch und gerade vor Ort, in den Kommunen. Hier brauchen wir eine neue Qualität des Handelns: Statt wie bisher auf Pilot- und Leuchtturmprojekte zu setzen, müssen wir die guten Beispiele vervielfältigen. Wir müssen ehrgeizigere Ziele anvisieren: So kann das Ziel, als Gemeinde energieautark zu werden, neue Energien freisetzen. Auch zwingen knappe Kassen zu Prioritäten: Wir können nicht länger zweigleisig fahren, mit herkömmlichen Investitionen (für neue Straßen oder Parkhäuser) und gleichzeitig ein paar Fördermitteln für den öffentlichen Nahverkehr und Radwege. Schließlich wird eine gute Bürgerbeteiligung immer wichtiger. Denn neben Leitbildern und einer konkreten Nachhaltigkeitsstrategie benötigen wir für einen konsequenten Kurswechsel viel Energie, Schwung und Hartnäckigkeit, und dazu technische Innovationen und alle gesellschaftlichen Kräfte. Nur dann wird uns der Zivilisationswandel gelingen. Angelika Zahrnt

… ist Ehrenvorsitzende des BUND und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.


Interview

Gemischte Erwartungen Marianne Henkel ist die Sprecherin des Arbeitskreises »Internationale Umweltpolitik« im BUND. Sie ist an der Fakultät für Landschaftsökologie der Universität Greifswald tätig. In Rio wird sie für den BUND und »Friends of the Earth« vor Ort sein. BUND-Redakteur Severin Zillich sprach mit ihr.

Frau Henkel, was erwarten Sie sich von der Jubiläumskonferenz in Rio de Janeiro? Zu viel darf man sich von diesen zweieinhalb Tagen sicher nicht versprechen, auch wenn darin über zwei Jahre Vorbereitung stecken. Der erste Entwurf des Abschlussdokuments enthält nur wenige konkrete Ziele. Ein paar Ergebnisse zeichnen sich aber ab. Und die sollten wir im Erfolgsfall nicht zu gering schätzen. Wie beurteilen Sie das Konzept der »grünen Wirtschaft«, das in Rio im Mittelpunkt stehen wird? Gemischt. Zum Einen beinhaltet es, was die Umweltverbände schon lange fordern: den Abbau schädlicher Subventionen, eine ökologische Steuerreform oder die Förderung umweltfreundlicher Technologien. Zudem räumt es dem Wert natürlicher Ressourcen – wie Wasser, Wälder, Fische etc. – einen hohen Stellenwert ein und sucht diesen besser in der Ökonomie abzubilden. Doch im Fokus der »Green Economy« stehen immer noch technischer Fortschritt und Marktinstrumente, um Probleme zu lösen, deren Ursachen tiefer liegen. Dabei müssen wir in den Industrieländern die Abhängigkeit vom Wachstum lösen: Wir verbrauchen schon heute viel mehr Ressourcen, als ökologisch tragfähig ist. Ein wichtiger Schritt ist, Wohlstand anders als über fortgesetztes Wachstum zu definieren. Nötig sind dafür neue volkswirtschaftliche Indikatoren, die den Verbrauch natürlicher Ressourcen abbilden. Dafür sollte Rio einen Impuls setzen. Wichtig ist uns zudem, Risikotechnologien vom Leitbild der grünen Wirtschaft auszuschließen. Noch zitiert der »Green Economy Report« des UN-Umweltprogramms die Atomkraft unkritisch als »klimafreundliche Technologie« und die Gentechnik als »Beitrag zur Nahrungssicherung«. Beide verletzen das Vorsorgeprinzip und sollten nicht über Entwicklungsgelder oder Hermes-Bürgschaften in Drittländern gefördert werden. Um nachhaltig zu sein, muss die Green Economy außerdem sozial sein, also auch Kleinunternehmer und -bauern fördern, gute Arbeitsbedingungen sichern und zu einem fairen Welthandelssystem beitragen. Und der andere Rio-Schwerpunkt, die Strukturreform? Neben der EU plädieren inzwischen auch viele afrikanische Staaten dafür, das Umweltprogramm in eine UN-Sonderorganisation umzuwandeln, etwa nach dem Vorbild der Weltgesundheitsorganisation WHO. Hier ist die Vorbereitung offenbar recht weit vorange-

schritten und ein Konsens absehbar. Auch wir fordern eine solche »UNEO« mit universeller Mitgliedschaft und besserer Finanzierung. Zudem fordern wir die Kommission für nachhaltige Entwicklung, die den Rio-Prozess seit 20 Jahren weiterführt, zu einem Rat analog dem Menschenrechtsrat aufzuwerten. Auch sollte das Prinzip 10 der Rio-Erklärung zur Beteiligung der Öffentlichkeit bei umweltpolitischen Entscheidungen gestärkt werden – und damit der Zugang zu Informationen, das Recht auf Beteiligung und der Zugang zu Rechtsmitteln auf nationaler wie internationaler Ebene. Werden Großkonzerne in Rio maßgeblich mitmischen? Viele Unternehmen versuchen, ihre Produktion als Beitrag zur grünen Wirtschaft zu präsentieren. Zudem treten sie als UN-Partner auf, um ihre Interessen in internationalen Prozessen zu vertreten und auf freiwillige, marktbasierte Lösungen zu drängen. Unternehmen spielen eine wichtige Rolle, aber Freiwilligkeit allein reicht nicht. Wir benötigen eine Konvention zur Unternehmensverantwortung, die neben einer Berichtspflicht über soziale und Umweltauswirkungen hinaus auch ein Klagerecht von Betroffenen gegenüber transnationalen Unternehmen etabliert. Es bedarf gleicher Wettbewerbsbedingungen, um eine nachhaltige Unternehmensführung wirtschaftlich möglich zu machen. Wird unser Netzwerk »Friends of the Earth« in Rio mit einer Stimme sprechen? In einigen zentralen Punkten sind wir uns einig, etwa, dass Rio ein Mandat für eine Konvention zu Prinzip 10 und zur Unternehmensverantwortung bringen sollte. Manche Anliegen werden nicht von allen Gruppen geteilt. So sind die Partner in Lateinamerika stark kapitalismuskritisch und wehren sich strikt dagegen, Natur ökonomisch zu bewerten und mit Marktmechanismen zu schützen. Der BUND teilt die Kritik an reinen Marktmechanismen. Wir sehen jedoch auch eine Chance darin, die Leistungen der Natur aus einer ökonomischen Perspektive heraus anzuerkennen.

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Globale Entwicklung

TITELTH EMA

Von Rio zu Rio + 20 Die Erde hat sich rapide verändert seit 1992, dem ersten Umweltgipfel in Rio. Das UN-Umweltprogramm (mit seinem deutschen Leiter Achim Steiner) hat den Wandel dokumentiert. Wir haben die wichtigsten Graphiken für Sie aufbereitet.

Mehr Menschen, mehr Nahrung Die Weltbevölkerung nahm um 1,45 Milliarden zu, ein Plus von 26%. Die Herstellung von Nahrungsmitteln stieg gar um 45%. Doch eine Milliarde Menschen leidet unter Hunger.

Gesamtbevölkerung in Milliarden Menschen

Herstellung von Nahrungsmitteln Index 1992 = 100

8

160

Global +26 % seit 1992

+67 % +21 % +28 %

6

+4 % +53 %

Vorderasien Nordamerika Lateinamerika und Karibik Europa

+45 % seit 1992

140

Afrika

Feldanbau

4

Tierhaltung

+26 %

Asien/Pazifik

+26 % seit 1992

120 Bevölkerung

2

0

100 1992

Mehr CO2, mehr Wärme 36% mehr CO2 wurde 2009 emittiert, vier Fünftel davon in nur 19 Ländern (darunter Deutschland). Durchschnittlich stiegen die Temperaturen um 0,4 Grad, am höchsten in der Arktis.

Nahrungsmittel

1997

2002

2007

CO2-Emission insgesamt in Milliarden Tonnen

2010

1992

2002

2007

2009

Durchschnittliche Temperaturabweichungen von 2000 bis 2009

Global +36 % seit 1992

30

1997

Entwickelte Länder +8 % seit 1992

20

Schwellenländer +64 % seit 1992

10

Temperaturanomalien in Grad Celsius

0 1992

1997

2002

2009

-2,5

-1,5

Verbrauch von ozonschädigenden Substanzen in Tausend Tonnen

Kunststoffproduktion in Millionen Tonnen

600

250

400

200

-0,5

0

+ 0,5 + 1,5 + 2,5

+130 % seit 1992

200

150 -93 % seit 1992

0

100 1992

1997

2002

2007 2009

Mehr Ozon Der Verbrauch ozonschädigender Substanzen sank stark, seit Annahme des Montreal-Protokolls 1987 sogar um 98%. Die Ozonschicht erholt sich dennoch nur langsam.

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1992

1997

2002

2007

2010

Mehr Plastik Die Produktion von Plastik hat sich mehr als verdoppelt. Die Hälfte des Plastiks wird nur einmal genutzt (als Verpackung etc.). Plastikmüll ist v.a. in den Ozeanen ein ernstes Problem.


Living Planet Index 1992 = 100 120

Artenschwund in den Tropen Der Riesentukan aus Südamerika leidet wie unzählige andere Tiere und Pflanzen unter der Zerstörung tropischer Wälder.

Gemäßigte Zone

100

Terrestrisch Global Süßwasser Meer

80 Tropische Zone

60 1992

1997

2002

2007

Veränderung der Waldbestände in Millionen Hektar pro Jahr Weniger biologische Vielfalt  Der »Living Planet Index« basiert auf der Entwicklung von 2 500 Tierarten aus Meer, Süßwasser und Landökosystemen. Nur in der gemäßigten Zone ist er stabil (nach jahrhundertelangen Verlusten), in den Tropen sank er um dramatische 30%.

Europa

Asien/Pazifik

Afrika

-5

300

+230 % seit 1992

-4

-3

-2

-1

Internet- und Mobiltelefonnutzer in Milliarden Menschen

0

1

2

+23 000 % seit 1992

5

Luftfracht in Tonnenkilometern

Mobiltelefonnutzer

250

4 +100 % seit 1992

200 150

3 +29 000 % seit 1992

2 Passagierbeförderung

100

1

50

0

Internetnutzer

1992

1997

2002

2007 2009

Mehr Flugverkehr Die Anzahl der Flugreisenden hat sich glatt verdoppelt (auf 2009: 2,27 Mrd. Passagiere), die Luftfracht stieg noch stärker.

1992

1997

2002

2007

2010

Mehr Kommunikation Die Zahl der Nutzer von Internet und Mobiltelefonen ist förmlich explodiert.

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3

Die vollständige Datensammlung finden Sie unter  www.unep.org/geo/pdfs/Keeping_Track.pdf Quelle der Grafiken: UNEP, Umsetzung: Marc Venner · Fotos: Archiv/Hersteller, Tukan: espana-elke/pixelio.de

Lateinamerika und Karibik

Weniger Wald  300 Mio. Hektar Wald verlor die Welt (seit 1990) in Südamerika und Afrika. Die anderen Kontinente zeigen dank der Wiederaufforstung eine positive Bilanz – obwohl auch hier viel wertvoller Primärwald zerstört wurde. Nur ein Zehntel der globalen Wälder wird derzeit (zertifiziert) nachhaltig genutzt.

Entwicklung des Luftverkehrs Index, 1992 = 100

1990 – 1999 2000 – 2005 2006 – 2010

Nordamerika


Rio + 50

TITELTH EMA

Vision einer nachhaltigen Welt Wie sieht die Welt in 30 Jahren aus? Wie viel Hoffnung dürfen wir haben, dass die Weltgemeinschaft die großen Herausforderungen unserer Zeit meistert? Uwe Schneidewind wagt einen Ausblick. Der Wirtschaftswissenschaftler ist Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des BUND.

»

G

reen Economy« ist die zentrale Formel der nahen Rio + 20-Konferenz. Hinter dieser Formel steht ein verlockendes Versprechen, besonders für die Industrienationen: Mit unserer wirtschaftlichen Entwicklung kann alles so weitergehen wie in den letzten knapp 70 Jahren. Ökonomisches Wachstum wird auch künftig Wohlstand garantieren, die sozialen Herausforderungen und Entwicklungsfragen der Welt ebenso lösen wie die ökologischen Probleme. Die einzige Voraussetzung: Es gilt die ökonomische Entwicklung ein bisschen grüner zu gestalten. Neue energieund ressourcensparende Technologien sowie regenerative Energien sind die Bausteine der »grünen Wirtschaft«.

Ein Meilenstein Dieser Optimismus überrascht. Seit Rio 1992 hat sich die globale Umweltsituation weiter drastisch verschlechtert, die CO2-Emissionen liegen heute ganz erheblich höher. Erfolge bei der relativen Entkopplung des Wohlstands (die CO2Intensität des Welt-Bruttosozialprodukts hat sich um rund 20 Prozent verbessert) wurden durch das globale Wachstum weit überkompensiert. Dennoch markiert die Formel der »grünen Ökonomie« einen Meilenstein auf dem Weg in eine nachhaltige Welt: Ihr Optimismus schafft ein umfassendes globales Bündnis. Kaum ein Land zweifelt noch an der Epochenaufgabe »Nachhaltigkeit und Klimawandel«. Sie wird in den Industrieländern genauso anerkannt wie in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Und sie wird zunehmend als Chance begriffen – nicht nur für die Politik, sondern auch die

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Wirtschaft der meisten Länder. Das schafft die Grundlage einer umfassenderen Vision für die kommenden 30 Jahre: auf dem Weg zu Rio + 50.

Wohlstand und Innovation neu verstehen In den nächsten Jahren werden die ökonomischen und sozialen Grenzen des ökonomischen Wachstumsparadigmas in der industrialisierten Welt spürbarer: Die Verheißungen materiellen Wohlstands werden fader, immer regelmäßiger platzen ökonomische Blasen. Nominelle Wachstumsraten alleine versprechen immer weniger Antworten auf den demographischen Wandel und die Anforderungen eines sozialen Ausgleichs. Dies öffnet die Türen für ein erweitertes Verständnis von Wohlstand und Innovation, wie es sich in vielen Debatten der letzten Monate schon andeutete und zur Rio + 50-Konferenz endgültig durchgesetzt haben wird. Eckpunkte dieses Verständnisses sind:

Stabile Strukturen Dezentrale Energieversorgung, die breite Entwicklung individueller Fähigkeiten und die Stärkung lokaler Identitäten und sozialer Netzwerke: All dies ersetzt nicht die Errungenschaften von 50 Jahren globalisierten und technologischen Fortschritts. Es ergänzt ihn, nimmt wieder einen breiteren Raum ein, führt zu neuen Gleichgewichten. Der Aufbau dieser Strukturen macht uns individuell wie auch als Gesellschaft unabhängiger von Wachstumszwängen. Die zarte, aber dynamisch wachsende Pflanze der »Transition Towns« – einer Bewegung von »Städten im Wandel« zu einer postfossilen, relokalisierten Wirtschaft – wird zum globalen Signum der kommenden Jahrzehnte. Die Veränderungen äußern sich in der globalen Lebenswirklichkeit des Jahres 2042: Städte werden attraktiver, weil der Fuß- und Radverkehr immer mehr Bedeutung gewinnt, weil der öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut ist, eine intelligente Stadtplanung mehr Grün und neue (alte) Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser integriert, weil die Energieversorgung dezentralisiert und Strukturen der Nahversorgung wiederbelebt wurden. Ermöglicht hat dies eine umfassende soziale Innovationsoffensive. Auf der Rio + 50-Konferenz werden die global erfolgreichsten Konzepte einer »nachhaltigen Stadt« ausgezeichnet und prämiert. Sie sind menschenwürdig und unterscheiden sich damit erfrischend von den einseitigen Technikvisionen der »Sustainable Cities« auf dem Rio + 20-Gipfel.


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Überlebensfaktor Klimaschutz: Nur wenn‘s um Geld geht eine Er folgsstory!

Überlegte Begrenzungspolitik Die Fortschrittsmodelle der Rio + 20-Konferenz waren noch durch einen sehr engen, rein konsumorientierten Freiheitsbegriff gekennzeichnet. Diese Form eines ökonomischen Liberalismus – als Paradigma in den 1980er Jahren voll entfaltet – hatte bereits an Ausstrahlung verloren. Die Freiheit zum fünften Handy und dritten iPad, zum Rauchen an jedem Ort, zum Waffenbesitz als Freiheitsrecht in den USA: All dies verliert in den gesellschaftlichen Debatten ebenso an Kraft wie die politischen Parteien, die sich auf ein solch enges materielles Freiheitsverständnis reduzieren. In den modernen Industriegesellschaften wird ein Lebensentwurf zunehmend dann als gelungen gelten, wenn er darin besteht, mit einer Vielfalt von Optionen souverän und verantwortungsvoll umzugehen – durchaus inspiriert durch Vorbilder in anderen Teilen der Welt. Die Erfahrung, dass selbst verantwortete Begrenzungen befreiend und orientierend wirken, erleichtert es auch, entsprechende Grenzlinien in der nationalen und internationalen Politik zu ziehen. Bewährte Regime wie beim Schutz der Antarktis und des Meeresbodens sind nun auf essenzielle Bereiche der Ressourcennutzung übertragen: Es gibt nationale und globale Ressourcenschutzgebiete, und der gezielte Verzicht auf Extraktionsmethoden wie Öl-Tiefseebohrungen, Fracking und Ölgewinnung aus Ölsanden trägt wesentlich dazu bei, die Erderwärmung zur Jahrhundertwende wenigstens auf drei Grad Celsius zu stabilisieren. Begleitet wird dies durch vielfältige institutionelle Neuerungen im Rahmen bi- und multilateraler Kooperationen, die helfen, Blockaden bei internationalen Klimaverhandlungen ab 2015 Stück für Stück aufzubrechen. Ein wichtiger Baustein ist, dass die Freihandelspolitik keinen Vorrang mehr gegenüber anderen Politikfeldern genießt, weder europa- noch weltweit. Unterschiedliche Formen des ökologischen Grenzausgleichs und die explizite Erlaubnis, dass fortschrittliche Nationen politisch zu Vorreitern werden, haben zu einem produktiven Wettbewerb um bessere Ökologie- und Sozialstandards geführt.

Erweiterte Bildung und Wissenschaft Flankiert wird all dies von einem veränderten Verständnis der Bildung und Wissenschaft. Die wachsende Bedeutung sozialer Innovationen schafft ein neues Gleichgewicht von Technik-, Sozial- und Kulturwissenschaften. »Eingebettete« technologische Innovationen haben sich zum zentralen Orientierungspunkt entwickelt. Die Bildungssysteme setzen auf sehr viel breitere Kompetenzkonzepte. Das ermöglicht auch ein intensiveres Lernen zwischen den Weltregionen, ein Lernen »auf Augenhöhe« innerhalb einzelner Gesellschaften, aber auch global zwischen Gesellschaften. Keine Frage: Auch im Jahr 2042 existiert eine Reihe von Problemen auf der Welt. Doch die Möglichkeiten zu ihrer Lösung haben sich erheblich erweitert, die Welt ist widerstandsfähiger geworden. Das halbe Jahrhundert 1992 – 2042 wird als eine der kulturell produktivsten Phasen in die Menschheitsgeschichte eingehen. Uwe Schneidewind

[2-12] BUNDmagazin

Andreas Wolfsteiner / Günter Wittmann NUR EGOISMUS KANN DAS KLIMA RETTEN Warum ökologisches und ökonomisches Handeln kein Widerspruch sein muss 240 Seiten / kartoniert € 19,99 (D) / € 20,60 (A) / CHF* 28,50 ISBN 978-3-579-06688-2

»Von den mannigfaltigen Facetten des Umweltproblems ist der Klimaschutz vermutlich die politisch schwierigste Aufgabe. Das vorliegende Buch diskutiert auf kompetente Weise diverse Strategien, sie zu lösen. Es verbindet eine Vision einer besseren Welt mit quantitativ präzisen Analysen und beachtlichem ökonomischem Sachverstand. Ich wünsche ihm viele Leser.« Prof. Dr. Vittorio Hösle, Philosoph

www.gtvh.de 19

[2-12] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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GÜTERSLOHER VERLAGSHAUS

*empf. Verkaufspreis


Lokale Agenda 21

TITELTH EMA

Auf ganzer Linie gescheitert? Im Rahmen des Umweltgipfels von Rio beschlossen die UN-Mitglieder 1992 ein kommunales Aktionsprogramm. Es wurde zum Vorbild für zahllose Agenda-Gruppen in ganz Deutschland. Was ist von ihnen geblieben?

Miklas Hahn

N

ach der Konferenz von Rio 1992 herrschte bei vielen Menschen Optimismus. Sie hofften auf eine nachhaltige Entwicklung mit der Aussicht, stärker nach den Grundsätzen von Fairness und Umweltschutz zu handeln. Viele inspirierte der zentrale Gedanke der »Agenda 21« als Programm für das 21. Jahrhundert. Erstmals war dort die Bedeutung des Handelns auf lokaler und regionaler Ebene überzeugend formuliert. Plötzlich war klar, dass sich nachhaltiges Handeln im eigenen Umfeld global auswirken kann. Die Agenda 21 skizzierte die Aufgabe der Kommunen deutlich (s. unten). Davon sind wir heute weiter denn je entfernt, angesichts der dramatischen Klimaerwärmung und des Verlusts der biologischen Vielfalt. Mitte und Ende der 90er Jahre trafen sich Kommunen in Göteborg und Lissabon zu internationalen Konferenzen. Auch der Deutsche Städtetag rief die Kommunen auf, nachhaltig zu handeln. Vielerorts wurden Nachhaltigkeitsberichte erarbeitet und lokale Agenden ins Leben gerufen. Einzelne Bundesländer richteten sogar Agendabüros ein, um die lokalen Gruppen zu unterstützen. Nicht zuletzt auf Basis unserer Studie »Zukunftsfähiges Deutschland« sahen viele BUND-Mitglieder in der Teilnahme an solchen Agendaprozessen die große Chance, das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung vor Ort umzusetzen.

Im Sande verlaufen Dieser Prozess trug sicher dazu bei, dass sich viele Kommunen heute als wichtiger Partner der Energiewende verstehen. So streben viele Stadtwerke nach einer Versorgung mit erneuerbaren Energien und richten Energieagenturen ein. Dieses Positivbeispiel kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass kommunale Agendaprozesse heute mehr oder weniger im Sand ver-

laufen sind. Entscheidend war (was die meisten Deklarationen und Vereinbarungen nicht berücksichtigten): In der Regel wirkten die Agendagruppen unabhängig und parallel zu den Gemeinderäten. Das führte dazu, dass ihre Ergebnisse im Gemeinderat sehr oft den Stempel »nicht umsetzbar« erhielten. Über neue Baugebiete und andere Investitionen entschieden die Kommunalpolitiker weiter losgelöst von der lokalen Agenda und dem Gebot der Nachhaltigkeit.

Neue Anknüpfungspunkte So kam die lokale Agenda in vielen Orten zum Erliegen oder erschöpfte sich darin, kleinste Projekte ohne Einfluss auf die Gesamtbilanz der Kommunen zu verfolgen. Fehl schlug auch eine Öffnung zu mehr Bürgerbeteiligung. Obwohl seit Rio 1992 im Programm, wurde diese gerade im letzten Jahrzehnt noch weiter zurückgedrängt. Viele Proteste gegen Großprojekte zeugen heute von diesem Missstand. Diese Proteste fußen oft auf dem langjährigen Engagement Einzelner im Rahmen der lokalen Agenda. Dort haben Betroffene nämlich gelernt, sich zu artikulieren, zu engagieren und Gehör zu verschaffen. Die lokalen Agenden haben durchaus Anteil daran, dass die Kommunen heute speziell im Klimaschutz sehr aktiv sind, ökologische und soziale Kriterien im Beschaffungswesen langsam selbstverständlicher werden und regionale Produkte wieder mehr geschätzt werden. Hieran lohnt es anzuknüpfen. Nur mit Druck von unten lässt sich ein Trend zu mehr Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung setzen. Brigitte Dahlbender

… ist BUND-Vorsitzende in Baden-Württemberg.

Lokale Agenda – Auszug aus dem UN-Aktionsprogramm

Zukunftsfähige Kommune: So geht’s

»Bis 1996 soll sich die Mehrzahl der kommunalen Verwaltungen der einzelnen Länder gemeinsam mit ihren Bürgern einem Konsultationsprozess unterzogen haben und einen Konsens hinsichtlich einer ‘Kommunalen Agenda 21’ für die Gemeinschaft erzielt haben.« Und weiter: »Alle Kommunen in jedem einzelnen Land sollen dazu angehalten werden, Programme durchzuführen und zu überwachen, deren Ziel die Beteiligung von Frauen und Jugendlichen an Entscheidungs- und Umsetzungsprozessen ist.«

Alle Projekte, die der BUND in dieser Broschüre vorstellt, gehen mit gutem Beispiel voran: ob das Beratungsangebot »Energiecheck« des BUND Berlin, die Kieler Aktion »Einkaufen mit dem Rad« oder das Hamburger Volksbegehren »Unser Netz« mit dem Ziel, die Versorgungsnetze für Strom und Gas wieder in öffentliche Hand zu bringen.  www.bund.net /nachhaltigkeit

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Natur + Umwelt BN-Magazin [2-12] BUNDmagazin [2-12]


Abschied vom Wachstum

Wohlstand anders messen S

eit einiger Zeit setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Bruttonationaleinkommen (BNE) nicht als Maß für Wohlfahrt gelten können. Statistiker haben immer schon betont, dass beide dafür nicht konzipiert wurden. Doch sie widersprachen nicht entschieden genug, als Politik, Medien und die Öffentlichkeit in den letzten 25 Jahren das BIP immer stärker nutzten, um Erfolg oder Misserfolg von Wirtschaft und Wirtschaftspolitik zu messen. Dabei sind die Defizite von BIP/BNE als Wohlfahrtsrechnung gravierend: Sie berücksichtigen negative Folgen der Umwelt- und Ressourcennutzung ebenso mangelhaft wie die Einkommensverteilung oder die nicht über den Markt vermittelte Wertschöpfung durch Hausarbeit und Ehrenamt. BIP/BNE bilden daher die Wohlfahrtsentwicklung eines Landes immer weniger ab, zutreffend wird weder die Lebensqualität der Menschen noch die Inanspruchnahme der Natur erfasst. So kann die Politik ein Legitimationsproblem bekommen, wenn »Erfolgsmeldungen« bei BIP/BNE nicht mehr dem entsprechen, wie Menschen ihre Lebenssituation wahrnehmen. Und es ist extrem schwierig, den langfristig unverzichtbaren ökologischen Umbau der Industriegesellschaft politisch zu vermitteln, solange BIP und BNE als Leitindikatoren begriffen werden. Es ist nämlich nicht sicher, ob sie in einer Wirtschaft, die sich am Kriterium der Nachhaltigkeit und dauerhaften Umweltgerechtigkeit orientiert, weiter wachsen oder nicht doch eher etwas sinken werden.

Anderer Maßstab Es erscheint also sinnvoll, neue Messgrößen für die Wohlfahrt zu finden. Der »Nationale Wohlfahrtsindex« wurde 2009 entwickelt. Er basiert auf dem privaten Verbrauch, in der Annahme, dass der Konsum von Gütern und Dienstleistungen durch die Haushalte positiven Nutzen stiftet und so zur Wohlfahrt beiträgt. Der Verbrauch wird mit der Einkommensverteilung gewichtet, da ein Zusatzeinkommen in armen Haushalten mehr zusätzliche Wohlfahrt stiftet als in reichen. Je ungleicher verteilt das Einkommen einer Gesellschaft, desto niedriger ist dieser Index bei sonst gleichen Bedingungen. Weiter bezieht er die nicht über den Markt bezahlte Wertschöpfung durch Hausarbeit und Ehrenamt ein. Außerdem berücksichtigt er soziale Faktoren – also die Ausgaben des Staates für Gesundheit und Bildung, die Kosten von Kriminalität oder von Verkehrsunfällen –

und ökologische Faktoren: Ausgaben zur Kompensation von Umweltschäden, Schadenskosten durch die Umweltbelastung und Ersatzkosten für den Verbrauch endlicher Ressourcen (wie Investitionen in erneuerbare Energien, wenn das Öl zur Neige geht).

Anne Jessen

Das Bruttoinlandsprodukt ist bis heute eine heilige Kuh der Ökonomie, Politiker messen ihre Erfolge an seinem Wachstum. Seit Jahren gilt es als der Indikator für Wirtschaftskraft und Wohlstand. Dabei ist es blind für vieles, was unser Leben bereichert. Gefragt sind Alternativen.

Markante Unterschiede Die unterschiedliche Entwicklung von BIP/BNE und Wohlfahrtsindex deuten darauf hin, dass erstere – und damit das Wirtschaftswachstum – die Entwicklung des Wohlstands nicht angemessen abbilden: Während das BNE bis 2008 recht stetig ansteigt, nimmt der Wohlfahrtsindex seit einem Höhepunkt um das Jahr 2000 ab. Verantwortlich dafür sind besonders die immer ungleichere Einkommensverteilung und negative Folgen für die Umwelt, speziell die Ersatzkosten für den Verbrauch endlicher Ressourcen. Positive Faktoren wie der Wert von Ehrenamt und Hausarbeit vermögen dies nicht auszugleichen. Interessant ist nun auch die Entwicklung der Jahre 2008 und 2009: Während das BIP in diesen Jahren wegen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise doch deutlich zurückgeht, ist der Wohlfahrtsindex davon weit weniger betroffen. Der markante Unterschied beider Zeitreihen deutet darauf hin, dass der Wohlstand eines Landes sich offenkundig anders entwickeln kann, als der Maßstab des BIP es nahelegt. Wir sollten also Wohlstand nicht nur als Maximierung der Produktion von Gütern und Dienstleistungen verstehen, sondern auch nach Verteilungsgerechtigkeit und ökologischer Verträglichkeit fragen. Denn dann kommt es nicht nur darauf an, möglichst viel zu produzieren, sondern auch darauf, wie produziert wird und wem die Wirtschaftsleistung eines Landes zugutekommt. Hans Diefenbacher … lehrt an der Universität Heidelberg/FEST.

Wachstum ohne Ende? Was Wirtschaftswachstum mit unserem Leben zu tun hat, warum die Wirtschaft nicht immer weiter wachsen kann und wie wir wirtschaften können, um die Erde zu schützen: In einer Broschüre suchen BUNDjugend und BUND nach Antworten. Illustrationen und Infografiken veranschaulichen komplexe Zusammenhänge. Die Broschüre im Pixiheft-Format richtet sich an junge Menschen. Sie informiert und zeigt gezielt Handlungsoptionen auf. Es gibt sie gegen eine Portopauschale unter  www.bundjugend.de/shop

[2-12] Natur + Umwelt BN-Magazin  [2-12] BUNDmagazin

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Atom aus, S ­ onne an! Auf dem Dach der Umweltbank Nürnberg: Mit Aktionen wie dieser haben BN und ­Bürgerinitiativen in den letzten 20 Jahren viel erreicht.

T I T E LT H E M A

Foto: BN-Archiv

T I T E LT H E M A

Nachhaltiges Bayern

BN fordert Taten statt Worte

Seit Rio haben unzählige BN-Aktive in den Kommunen viel für ­ ein zukunftsfähiges Bayern erreicht. Was immer noch fehlt, ist ein klares Bekenntnis der Politik. Sie muss endlich unsere Lebensgrundlagen vor alten, zerstörerischen Wirtschaftsweisen schützen.

Foto: Roggenthin

V

Der Autor Richard Mergner ist BN-Landes­ beauftragter.

or 20 Jahren verhandelten in Rio de Janeiro erstmals Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftler mit den Vereinten Nationen über die Zukunft der Erde. Den Bund Naturschutz (BN) vertraten dabei der damalige Vorsitzende Hubert Weinzierl, der BNNaturschutzexperte Prof. Gerhard Kneitz und das langjährge Beiratsmitglied Prof. Günter Witzsch. Damals wurde zum ersten Mal offiziell anerkannt, dass quan­ titatives Wirtschaftswachstum und hemmungsloser Energie- und Ressourcenverbrauch die Lebensgrundlagen und das Ökosystem Erde insgesamt gefährden. In der Abschlusserklärung verpflichtete sich die Staatengemeinschaft »die Gesundheit und die Unversehrtheit des Ökosystems der Erde […] zu schützen und wiederherzustellen«. Diese Verpflichtung zum Schutz des Klimas und der Biodiversität in völkerrechtlich verbindlichen Verträgen war der Startschuss für die folgenden Verhandlungen und internationalen Konferenzen.

Erfolge der Lokalen Agenda

Den Gemeinden wiesen die Vereinten Nationen im ­Aktionsprogramm »Agenda 21« eine besondere Rolle zu, woraufhin gerade in Bayern viele Agenda-21-Gruppen entstanden, in denen BN-Mitglieder aktiv waren. Auf der Basis der Studie »Zukunftsfähiges Deutschland«, einer Gemeinschaftsarbeit unseres Bundes­ verbandes BUND und der kirchlichen Entwicklungs­ organisation Misereor, entwickelte der BN 1997 einen Forderungskatalog für ein zukunftsfähiges Bayern, der auch heute noch brandaktuell ist. Für alle Lebensbereiche und die Wirtschaft wurden konkrete Vorschläge

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Natur + Umwelt BN-Magazin [2-12]

­ emacht – von der Einsparung von Energie, Ressourg cen und umweltschädlichem Verkehr über den naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien und den ökologischen Umbau der Wirtschaft bis hin zur Rettung bedrohter Naturräume. Das Engagement des BN und seiner aktiven Orts- und Kreisgruppen hat seither viele Erfolge gebracht:  Der Biber hat seinen Lebensraum in den bayerischen Flussauen zurückerobert.  Gemeinsam mit vielen Bürgerinitiativen haben wir Bayern zum Vorreiter bei der dezentralen Strom­ erzeugung in Bürgerhand gemacht. Für die ökologische Energiewende und den Ausstieg aus der Atomenergie fanden unzählige Veranstaltungen statt.  Auf Bayerns Äckern wachsen heute keine gentechnisch veränderten Pflanzen.  Ohne den Widerstand mutiger BN-Aktiver wären noch mehr unnötige Straßen und flächenfressende Siedlungs- und Gewerbegebiete gebaut worden. Doch trotz dieser Erfolge ist Bayern unterm Strich weit von einer nachhaltigen Entwicklung, wie sie in Rio beschlossen wurde, entfernt. Viele versuchen, den Begriff der nachhaltigen Entwicklung umzudefinieren – von der bayerischen Staatsregierung über die chemische bis hin zur Kfz- und Flugzeugindustrie. Sie alle sprechen von einer Gleichberechtigung der drei Säulen Ökologie, Wirtschaft und Soziales, obwohl in Rio dem Schutz der Lebensgrundlagen der klare Vorrang eingeräumt wurde – als Basis allen Wirtschaftens und einer sozialen Entwicklung. Auch vom neuen bayerischen Umweltminister Marcel Huber war bislang keine Kritik zu hören, wenn Ministerpräsident Horst Seehofer den Bau neuer Straßen und Autobahnen, den Ausbau von Flughäfen oder die Kanalisierung der Donau als nachhaltige Entwicklung darstellte. 20 Jahre nach Rio ist der BN damit gefordert, konkrete Taten zur Umsetzung der Rio-Beschlüsse einzufordern. Er tritt gegen den Missbrauch des Begriffs Nachhaltigkeit ein und gegen das »Grünfärben« der alten zerstörerischen Politik und Wirtschaftsweise.


Rio+20

K O M M E N TA R

Mehr als Lippenbekenntnisse? Jahre nach der wegweisenden »Konferenz zur nachhaltigen Entwicklung« von Rio de Janeiro findet Ende Juni an gleicher Stelle die Konferenz »Rio+20« statt. Als Teil der deutschen Delegation werde ich da­ran teilnehmen und – im Rahmen der sicher begrenzten Mög­lichkeiten – mit anderen NGOs versuchen, einen »Rollback« der Umwelt- und Entwicklungspolitik zu verhindern.

Wer sind die Blockierer?

Rio+20 gibt uns Gelegenheit, schonungslos zu bi­lan­ zieren und diejenigen beim Namen zu nennen, die eine nachhaltige Entwicklung bis heute blockieren. Zwei Jahrzehnte nach Rio ist dieses Leitbild häufig nur noch eine Worthülse im Zeichen eines schrankenlosen Kapitalismus’, einer Dominanz kurzfristiger Wachstums- und Wirtschaftsinteressen und einer Globali­ sierung ohne ökologisch-sozialen Rahmen. Der Verbrauch der Ressourcen wurde nicht verringert, das Wachstum der Weltbevölkerung nicht gestoppt. Den Gipfel nehmen BUND und Friends of the Earth daher zum Anlass, frühere Forderungen zu erneuern – etwa ein auf Unternehmen ausgeweitetes, einklagbares Informationsrecht und mehr demokratische Beteiligung. Der BUND begrüßt, dass sich die Konferenzteilnehmer erneut zu Nachhaltigkeit und Armutsbekämpfung bekennen wollen. Auch peilen sie wichtige Ziele an. So will man Indikatoren entwickeln, die das Bruttosozialprodukt als Messgröße für Wohlstand ergänzen – ohne Frage ein Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung. Doch bleibt die Agenda weit hinter dem zurück, was nötig ist. Eine »grüne« Wirtschaft als Motor für weiteres Wachstum verträgt sich nicht mit einer nachhaltigen Entwicklung, die die Grenzen des Planeten wahrt, wie sie 1992 in Rio postuliert wurden. Wer es ernst meint mit einer grünen, nachhaltigen Wirtschaft, muss riskan­te und schädliche Technologien ausschließen, darf nicht unter dem Credo der »Green Economy« die Atomkraft ausbauen, Flüsse zur Stromgewinnung kanalisieren, Gentechnik oder Kohle­verbrennung fördern und sozia­ le Schieflagen manifestieren, statt sie zu beseitigen. Wir brauchen strengere Regeln, um Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen und die Macht der Finanzmärkte zu brechen. Privatunternehmen lediglich aufzufordern, Aspekte der Nachhaltigkeit zu be­rück­ sichtigen, ist weit vom Notwendigen entfernt.

Die Basis unserer Existenz schützen

Die Konferenz will »einen ganzheitlichen Ansatz für nachhaltige Entwicklung [finden], der die Menschheit

dazu bringt, in Harmonie mit der Natur zu leben«. Doch die bisher geplanten Aktivitäten verengen die Sicht auf natür­ liche Ressourcen und markt­ basierte Ins­ trumente, um die Natur zu schützen. Marktinstrumente wie ökologische Steuern können unter bestimm­ten Umständen hilfreich sein. Wälder, Moore und andere Ökosysteme bilden jedoch die Basis unserer Existenz und müssen deshalb bedingungslos geschützt werden. Den Ressourcenverbrauch deutlich zu senken, muss endlich das verbindliche Ziel aller Industriestaaten werden. Die Landwirtschaft muss strenger reguliert werden, um bestehende Monopole aufzubrechen und die Spekulation auf Land und natürliche Güter zu beenden. Die nicht nachhaltige Produktion muss reformiert und der gesamte Agrarsektor auf lokale Märkte, Lebensmittelsouveränität und bäuerlichen Biolandbau umorientiert werden. Zudem muss Rio für die global zunehmend bedrohten Böden eine völkerrechtlich bindende Schutzkonvention schaffen.

Die Politik muss klare Grenzen ziehen

Das Leitbild der Nachhaltigkeit lässt sich nicht umsetzen, ohne internationale Finanzinstitutionen und die Welthandelsorganisation einzubeziehen und ihnen einen ökologisch-sozialen Rahmen und demokratische Legitimation zu geben. Der Status quo wird sich be­stimmt nicht ändern, indem man sie bittet, »ihre programmatische Strategie zu überdenken«, wie es im Beschlussentwurf heißt. Die Politik muss hier absolute Grenzen zum Schutz der Lebensgrundlagen ziehen. Ähnliche Lippenbekenntnisse kennen wir auch in anderen Vorlagen: Die Probleme werden zwar erkannt, eine Lösung aber nicht präsentiert. Das bloße Versprechen, die »Bemühungen zu verdoppeln«, muss ins Leere laufen. In Rio drohen eben die Strategien und Instrumente diskutiert zu werden, die in 20 Jahren ­ keine Besserung gebracht haben. So aber vergibt die Weltgemeinschaft eine große Chance zur Rettung unserer Lebensgrundlagen. Langfristige Ziele wie die Bekämpfung der sozialen Ungerechtigkeit und des ­ Hungers werden kurzfristigen Interessen im Hier und Jetzt geopfert – statt Demokratie und Zivilgesellschaft zu stärken.

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Foto: Julia Puder

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Der Autor Hubert Weiger ist Vorsitzender des BUND und Honorarprofessor an der Universität Kassel.


Ein echter Bayer braucht Schutz

Foto: Weber

Naturschutz im BN: Das Bayerische Löffelkraut

Das Bayerische Löffelkraut ist ein Endemit. Es wächst nirgendwo sonst auf der Welt – nur in Oberbayern und Schwaben. Mit einem neuen Biodiversitätsprojekt sorgt der BN jetzt dafür, dass es eine sichere ­Zukunft bei uns hat.

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an denkt ja immer, in Europa seien längst alle Arten erfasst, kartiert und genauestens beschrieben – keine ungehobenen Schätze mehr auf Feld und Flur. Dass dem nicht so ist, hat der Botaniker ­Robert Vogt bewiesen. 1984 entdeckte er, dass aus der Kreuzung von Pyrenäen- und Echtem Löffelkraut eine eigenständige Art entstanden ist: das Bayerische Löffelkraut. Das erste offiziell beschriebene Exemplar hat er einer Population bei Katzbrui im Unterallgäu entnommen. Heute liegt es als sogenannter Holotypus sicher verwahrt in der Botanischen Staatssammlung in München. Doch kaum entdeckt, stellten Wissenschaftler und Naturschützer fest, dass der echte Bayer Probleme

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hat: 80 Prozent seiner etwa 30 bekannten Standorte sind bedroht. Das hängt vor allem mit seinem besonderen Lebensraum zusammen. Das Bayerische Löffelkraut ist ein ausgesprochener Spezialist und wächst ausschließlich an Quellen – also dort, wo nährstoffarmes Grundwasser austritt und ganz­ jährig fließt. Teilweise siedelt es sich auch an Bachoberläufen und ­vereinzelt in Gräben sowie Quellmooren an.

Spezialist unter Druck

Was auf den ersten Blick anspruchsvoll aussieht, ist in Wirklichkeit Teil der Überlebensstrategie der schwachwüchsigen Pflanze. Sie wächst dort, wo anspruchsvollere, schnell wachsende Arten nicht überleben können: auf nährstoff­ armen Standorten, direkt auf Kalkgestein oder Torf und ständig von Wasser überrieselt. Ändern sich die Bedingungen nur geringfügig – etwa durch erhöhte Nährstoffzufuhr –, rücken die durchsetzungsfähigeren Arten nach und verdrängen das

Typisch Löffelkraut Direkt an der Quelle fühlt sich die wintergrüne Pflanze am wohlsten. Zwischen April und Mai verströmen ihre Blüten einen süßen, an Raps erinnernden Duft.

­ öffelkraut. Dann heißt es schnell L handeln, denn auf 70 bis 80 Prozent der bekannten Standorte wachsen heute weniger als 100 Individuen. »Das ist eine Art Schallgrenze. Schon bei unter 1000 Stück gilt eine Population als instabil. Unter 100 kann sie von einem Jahr zum anderen verschwinden«, sagt Peter Harsch. Er ist Betreuer der Wuchs-

Das Bayerische Löffelkraut (Cochlearia bavarica)

Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae) Gattung: Löffelkraut (Cochlearia) Lebensraum: Kalk-Quellbereiche Verbreitung: weltweit ausschließlich im bayerischen Voralpenland Vorkommen: 25 bis 30 Wuchsorte in Oberbayern (EBE, RO, M, WM) und Schwaben (UA, OAL, OA, KF) Blüte: Mai bis Juni Status: geschützt, stark gefährdet, Endemit


»Dafür sind wir zuständig!« Foto: Stephan

German Weber ist Gymnasiallehrer und ­ schon seit Jahren beim BN aktiv. Doch beim Löffelkraut hat es so richtig gefunkt.

Foto: Wolf

Kollegialer Austausch Die Projektbetreuer (v. li.) Peter Harsch, German Weber und Gabriela Schneider an einem typischen Löffelkraut­ standort im Unterallgäu.

gebiete in Schwaben und war, e­benso wie German Weber (siehe Interview), bereits am schwäbischen Vorläuferprojekt »Löffelkraut & Co« beteiligt.

Mithelfen erwünscht!

Dass der Lebensraum Quelle heute so unter Druck steht, hängt mit ­vielen Faktoren zusammen. »Die Klimaerwärmung und die dadurch veränderten Niederschläge spielen eine Rolle, aber auch die intensive Land- und Forstwirtschaft«, erläutert Gabriela Schneider. Sie ist für die Wuchsorte in Oberbayern verantwortlich und beobachtet auch, dass viele Quellen zur Trinkwassergewinnung gefasst, Bäche begradigt und Gräben ausgebaggert werden. Für die Projektmitarbeiter bedeutet das, dass die Standorte laufend ­besucht werden müssen, um Veränderungen rechtzeitig festzustellen. Oft gilt es dann, mit den Flächeneignern und –nutzern zu verhandeln oder ganz konkret Hand anzulegen, etwa um konkurrierende Pflanzen zu beseitigen. Natürlich können die Projekt­ betreuer diese Arbeit nicht alleine bewältigen. Sie arbeiten eng mit Partnern wie Naturschutzbehörden und Landschaftspflegeverbänden

zusammen, die bereits zum Schutz des Löffelkrautes aktiv sind. Außerdem bauen sie ehrenamtliche Betreuernetze auf. »Wir brauchen Leute, die so­zusagen ›das Ohr an der Fläche‹ haben. Menschen, die gerne und viel draußen sind«, erklärt Gabriela Schneider. »Sie haben die Flächen im Blick und merken sofort, wenn etwas passiert.« Interessierte ­können die Projektbetreuer über ­die Webseite www.loeffelkraut. de kontaktieren. Heidi Tiefenthaler

Das Biodiversitätsprojekt »Löffelkraut & Co« (2012 – 2015) wird vom Bundesamt ­ für Naturschutz mit Mitteln des Bundes­ ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie mit Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

N+U: Warum hat es Ihnen gerade das Löffelkraut angetan?

German Weber: Ich habe meine Diplomarbeit in ­Mexiko gemacht und dachte wie alle, die tropischen Länder müssten die Artenvielfalt retten. Doch die Ökologen dort sagten: »Ihr habt leicht reden. Ihr habt eure Artenvielfalt ja schon im Mittelalter zerstört.« Als ich Jahre später das mit dem Löffelkraut hörte, war mir klar: Das ist eine Art, für die Bayern zuständig ist. Da stecke ich meine Energie rein!

Und wie sieht Ihre Arbeit als ehrenamtlicher Projektbetreuer konkret aus?

Sehr viel Organisation und Kommunikation. Die A­rbeit im Gelände kommt da leider oft zu kurz. Aber man sucht natürlich weiter nach neuen Standorten. Und die offiziellen Kartierungsdaten sind zum Teil sehr alt. Da müssen wir überall wieder hingehen.

Welche Eigenschaften brauchen Sie als Artenschützer?

Sicher gehört viel Frustrationstoleranz dazu, weil die Einflüsse von außen immer stärker sind als wir Naturschützer. Außerdem sehr viel Geduld für die Hintergrund- und Büroarbeit. Ein Beispiel: Das aktuelle Projekt zum Laufen zu bringen, hat die BN-Artenschutzreferentin Christine Margraf und mich gut und gerne ein Dreivierteljahr gekostet.

Und was motiviert Sie für diese Arbeit?

Das frag’ ich mich auch immer wieder (lacht). Die Möglichkeit, Natur ganz nah zu erleben. Ich sehe eben Flächen, auf die ich sonst nicht kommen würde.

Gab es bereits schöne Erfolge?

Ja, wir haben es zum Beispiel geschafft, einen großen Standort in staatlichen Besitz zu überführen und damit langfristig zu sichern. Jetzt kämpfen wir dort endlich nicht mehr ums pure Überleben – das ist schon motivierend.

Welchen Traumzustand wünschen Sie sich am Ende des Projektes?

Stabile Populationen mit mehr als 1000 Individuen an allen Standorten. Dann hätten wir einen gewissen Reaktionszeitraum gewonnen und müssten nicht immer gleich alles richtig machen. Wenn wir da hinkommen und die Standorte langfristig sichern können, ist das ein sehr großer Erfolg.

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Kunstvoll verpackt Heiner Schlüter (Mitte) überreicht BN-Landesvorstand Christian Hierneis einen symbolischen Geldschein. Rechts Thomas Dengler, Bürgermeister der Gemeinde Falkenstein.

Vernissage mit Mehrwert

Kunst für die Natur

Foto: Ciecior-Bordonaro

Hanne Schlüter war Malerin und ließ sich zeitlebens vom Farb- und Formenreichtum der Natur inspirieren. Vergangenes Jahr präsentierte ihr Ehemann Heiner ihr Lebenswerk in einer Ausstellung. Den Erlös spen­ dete er zur Hälfte dem BN.

Foto: privat

V

Ausdrucksstark Künstlerin mit Freude an der Natur und Farben: Hanne Schlüter.

or fünf Jahren verstarb die Künstlerin Hanne Schlüter, Ehefrau des BN-Mitglieds Heiner Schlüter aus Falkenstein in der Oberpfalz. Sie war zeitlebens eine begeisterte Malerin und schuf im Laufe der Jahre etwa 500 Kunstwerke der verschiedensten Stilrichtungen. Zunächst nahm sie die Natur zum Vorbild und nutzte Blumen oder Landschaften als konkrete Vorlagen für ihre zum Teil impressionistischen Bilder. Später ließ sie ihrer Fantasie mehr und mehr freien Lauf und malte fantastische Vögel und Kobolde. Schließlich gelangte Hanne Schlüter zur – wie sie es nannte – »Biomorphen Abstraktion« und ließ sich von Formen und Figuren aus der Natur zu außergewöhnlichen und bunten Kreationen inspirieren – zu Bildern, die mit ihrem Farben- und Formenreichtum Kinder wie Erwachsene gleichermaßen begeistern.

weiß, dass der Verband ohne finanziellen Rückhalt viele seiner Projekte und Vorhaben nicht umsetzen könnte. In den vier Wochen der Ausstellung fanden 75 Bilder eine neue Heimstatt und zieren nun die Räumlich­ keiten von Kunstfreunden. Mitte Oktober konnten dann die Vertreter der beiden begünstigten Vereine Gutscheine über je 3210 Euro entgegennehmen. Auch diese erinnerten an Hanne Schlüter: Ihr Ehemann hatte eines ihrer Bilder zur Vorlage genommen und für die Spendenübergabe zu einem Geldschein umgestaltet. Der Bund Naturschutz dankt Heiner Schlüter ganz herzlich für seine gute Idee und den Beweis, wie nahe Kunst und Naturschutz beieinanderliegen können. Und wir danken seiner Frau Hanne, die mit ihrem Schaffen viele Kunstbegeisterte dauerhaft erfreuen wird. Ihre Bilder sind von der Schönheit der Natur inspiriert und werden nun helfen, wieder ein Stück davon zu bewahren! Christian Hierneis

Kunstwerke erfreuen neue Besitzer

Im Hause von Heiner Schlüter lagerten diese Werke in ihrer großen Bandbreite. Ihm war schnell klar, dass dies nicht ihre letzte Bestimmung sein konnte. Im September 2011 schließlich stellte er einen großen Teil der Bilder im wunderschönen Ambiente des Alten Lokschuppens in Falkenstein aus. Heiner Schlüter gab bereits im Vorfeld bekannt, dass er den gesamten ­ ­Verkaufserlös der Vernissage spenden würde. Die eine Hälfte sollte an den »Verein zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder Ostbayern e.  V.« gehen, die andere an den Bund Naturschutz. Für diese beiden Vereine hatte sich Heiner Schlüter aus zwei Gründen entschieden: Seine Frau starb an Krebs, deshalb wollte er in diesem Bereich helfen. Außerdem ist er seit vielen Jahren überzeugtes BN-Mitglied und

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Nachahmer gesucht!

Möchten auch Sie helfen – etwa mit einer Spenden­aktion zu Ihrem Geburtstag oder zu einem Jubiläum? Wir unterstützen Sie bei der Vorbereitung mit diesen Materialien:  Textbausteine für Ihr Einladungsschreiben  Spendenbox  Infoblätter für Ihre Gäste  Aufkleber für Ihre Einladungskarten Fordern Sie einfach unser Infopaket mit der Karte am Heftende an.


Neubaugebiete gegen Bevölkerungsschwund?

Falsche Rezepte für die Zukunft

Behörden und Planungsverbände sprechen sich immer öfter gegen Neubaugebiete aus. Das ficht manche Kommunen aber nicht an. Sie arbeiten bei der Raumplanung weiterhin mit Konzepten von gestern. o stellte sich auch der Stadtrat von Leutershausen im Landkreis Ansbach gegen die ablehnende Haltung der Behörden zum geplanten Neubaugebiet. Man müsse dem vorhergesagten Bevölkerungsrückgang mit günstigem Bauland entgegenwirken, erklärten die Befürworter im Januar. Dabei pfeifen es die Vögel seit Jahren von den Dächern: Die Bevölkerung Bayerns wird weiter sinken – die Boomregion um München ist da nur noch eine der wenigen Ausnahmen. Auch deshalb legen Behörden und Planungsverbände immer öfter ihr Votum gegen Neubaugebiete ein. Das bayerische Bündnis zum Flächensparen und das Referat Bodenschutz im Umweltministerium haben auf dieses Umdenken beharrlich hingearbeitet. Trotzdem hat der Freistaat den höchsten Flächenverbrauch im bundesweiten Vergleich. Unverbauter Boden geht vor allem im ländlichen Raum verloren, wo die höchsten Versiegelungsgrade pro Kopf erreicht werden. 2010 verschwanden täglich 20,8 Hektar Fläche unter Siedlungen, Gewerbegebieten und Verkehrsflächen – eine Steigerung von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Mehr Häuser – weniger Natur

Dass neue Wohngebiete am meisten Fläche fressen, weiß kaum jemand. Zusammen mit den Erschließungsstraßen sind sie für etwa 50 Prozent des Landverbrauches verantwortlich. Sichtbar wird der Flächenfraß vor allem bei geplanten Großprojekten, wie der dritten Startbahn am Flughafen München oder beim Gewerbegebiet Interfranken. Tatsächlich schwindet der meiste Boden aber fast im Stillen an vielen Orten überall in Bayern. Besonders bedenklich: die weiter abnehmende Siedlungsdichte. Selbst in Kleinstädten, wo traditionell ein kompaktes Ortsbild vorherrscht, wer-

Erfreuliche Ausstellungsbilanz

Wie wohnen – wo leben?

Laut Claus Hensold vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) war die vom BN federführend konzipierte Ausstellung zum Flächensparen »Wie wohnen – wo leben?« mit 125 Präsentationsorten eine der erfolgreichsten

Umweltschutzausstellungen Bayerns. Seit Mitte 2006 tourte sie durch alle Landkreise – engagiert betreut durch das LfU. »Wir konnten die Aus­ stellung auch bundesweit auf Kongressen und im Ausland zeigen und erhielten viel Lob für die ­allgemein verständliche Darstellung«, so Hensold weiter. Innerhalb von Bay-

Foto: Focus Finder/ fotolia.com

S

den nur noch Einfamilienhäuser errichtet. Hier muss wieder städtisch gebaut werden! Einige schrumpfende Gemeinden wie Kaufbeuren zahlen sogar Ansiedlungsprämien beim Kauf von Grundstücken. Und auch südbayerische Wachstumsregionen heizen den Flächenverbrauch mit günstigem Bauland für Einheimische an. Vorbildliche Ausnahme: ein vergleichbares Modell im Bestand, wie es die Gemeinde Mauerstetten anbietet. Solange die kommunale Planungshoheit ein Freibrief für den Verbrauch von Landschaft ist und die Landratsämter als Aufsichtsbehörden untätig bleiben, wird sich am Flächenverbrauch nichts ändern. Um landesplanerische Ziele künftig besser durchzusetzen, müssen Flächennutzungspläne von der Regierung genehmigt und besser mit der Bevölkerungsentwicklung und dem Siedlungsflächenbedarf harmonisiert werden. Tom Konopka, Thomas Frey ern hat die Präsentation fruchtbare Diskussionen über eine bessere Innenentwickung ausgelöst und etliche Bundesländer orientieren sich bei ähn­ lichen Vorhaben an der bayerischen Ausstellung. Sie war ein Gemeinschaftsprojekt des bayerischen Bündnisses zum Flächensparen. Koopera­ tionspartner waren das

Umweltministerium, die Oberste Baubehörde, die Bayerische Architektenkammer, die Vereinigung der Stadt-, Regional- und Landesplanung sowie der BN. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war auch die Unterstützung der BNGruppen. Sie halfen bei der Organisation und suchten nach neuen Ausstellungsorten.

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Jedem sein Häuschen? 50 Prozent der­ verbrauchten Fläche verschwinden in Bayern unter neuen Wohnge­ bieten.

Alles verbaut und zersiedelt? Nicht mit uns! Mit der Aktion »Bayerns Schönheit bewah­ ren« zeigt der BN, wie es besser geht: www.bund-natur­ schutz.de/projekte/ flaechenaktion infos.html


Wem gehört die Welt? Bild Mitte) berichtete vom Kampf gegen die rücksichtslosen Patent­ ansprüche der großen Agro-und Saatgutkonzerne. Der BN-Vor­ sitzende Hubert Weiger und die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (im Bild links) wiesen darauf hin, dass sich mit dem Kauf von fair gehandelten Biolebensmitteln viel be­ wirken lasse.

Foto: Konopka

Diese Frage stellten sich die Teilnehmer einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion auf der BioFach-Messe Mitte Februar in Nürnberg. Zu Gast war Vandana Shiva, indische Wissenschaftlerin, Anti-Gentechnik-Aktivistin, Trägerin des Alternativen Nobelpreises und eine der wichtigsten Prota­ gonistinnen der globalisierungs­ kritischen Bewegung. Shiva (im

Foto: Fees

Skikanonen: Petition gegen Aufrüstung am Sudelfeld Eine Allianz von sieben Naturschutzverbänden – darunter der Bund ­Naturschutz – hat sich Anfang März mit einer Petition an den Landtag gewandt, um die geplante Aufrüstung der künstlichen Beschneiung im Skigebiet Sudelfeld zu stoppen. Dort sind unter anderem der Bau eines 175 000 Kubik-

meter großen Speichersees im Bereich der ­Walleralm (Bild), die Ausweitung der Beschneiungsfläche von 20 auf 71 Hektar und insgesamt 250 Schneekanonen vorgesehen. Mit ihrer Eingabe wollen die Verbände erreichen, dass die geschützte Landschaft im Mangfallgebirge vor einer weite-

ren Technisierung bewahrt bleibt und in Zeiten des Klimawandels keine staatlichen Fördermittel für solch kurzsichtige, nicht zukunftsfähige Maßnahmen verschwendet werden.

Energieagentur Bayern behindert Erneuerbare Energien Vor einem Jahr beschloss die Bayerische Staatsregierung angesichts der Atomkatastrophe in Fukushima und der Massenproteste gegen Atomkraft ein neues Energiekonzept und richtete eine Energieagentur unter Führung von Wirtschaftsminister Martin Zeil ein. Der

Bund Naturschutz hat sich seither an mehreren Arbeitsgruppen der Agentur beteiligt. Doch »die Zwischenbilanz der Arbeit in der Energieagentur ist ­äußerst dürftig«, urteilt der BNLandesbeauftragte Richard Mergner. Statt das Energiesparen und den dezentralen Aus-

bau der Erneuerbaren Energien zum Schwerpunkt zu machen, arbeite Zeil an der Zerschlagung der Fotovoltaik-Strom­ erzeugung und lasse sich von den Vertretern der Atomkonzerne und Großkraftwerke leiten. Unterdessen hat der BN hat gemeinsam mit der Energieagen-

tur Nordbayern die Stromsparpotenziale Bayerns analysiert: Vierzig Prozent Reduktion des Stromverbrauchs sind demnach heute bereits möglich und wirtschaftlich.

»Ja, wie schaut’s denn da aus?!« Quer übereinander liegen Tausende silbergraue Fichten, in sich verkeilt – dazwischen ragen junge Bäume heraus, frisches Grün. So präsentiert sich der Nationalpark Baye­ rischer Wald, ein halbwilder Wald im Übergang. Die Antwort auf die Frage, ob dieser Wald

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schön sei, ob er ein Aushängeschild oder einen Schandfleck darstelle, fällt seit 40 Jahren unterschiedlich aus. Der ­Journalist und Fotograf Herbert Pöhnl, im Wald zu Hause und Zeitzeuge der ersten Parkstunde, berichtet in seinem neuen Buch »Der halb-

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wilde Wald« von Kämpfen und Widerständen, Erfolgen und Begeisterung für den Nationalpark. In einem Fundus an teils bislang kaum bekannten Aspekten zeichnet Pöhnl die Geschichte des Parks nach, lässt ­Gegner und Befürworter zu Wort kommen. Eine

beiliegende DVD bietet Zusatztexte, unter anderem vom BN-Vorsitzenden Hubert Weiger, und führt die werdende Wildnis in vier Filmen eindrücklich vor Augen. Herbert Pöhnl: Der halb­ wilde Wald. Oekom Ver­ lag, 269 Seiten plus DVD. 24,95 Euro.


Mahnwachen und Demos am Fukushima-Jahrestag sogar eine Laufzeitverlängerung über den rot-grünen Atomausstieg hinaus bis 2017 beziehungsweise 2021. Weitere Mahnwachen und Anti-Atom-Proteste gab es am AKW-Standort Niederaichbach bei Landshut sowie in Bamberg, Eichstätt, Fürth, Ingolstadt, Mitterteich, Schwabach und Schweinfurt.

Foto: Frey

Am 11. März 2012, dem Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima, kamen an mehreren bayerischen Orten Tausende Menschen zusammen, um der Katastrophe zu gedenken und gegen Atomkraft ­ zu demonstrieren. Allein in Gundremmingen (Bild) waren es 3000 Menschen. An dem schwäbischen AKW-Standort laufen auch heute noch zwei besonders gefährliche Siedewasserreaktoren vom »Typ Fukushima«; 2011 erhielten diese

Zeichen für frei fließende Donau »Auf ein Wort!« hieß es heuer wieder beim Umweltaschermittwoch in Plattling. Vor ­vollem Saal mahnten der BNVorsitzende Hubert Weiger, Manfred Braun vom Landes­

fischereiverband und Christian Stierstorfer für den Landesbund für Vogelschutz eine Wende in der bayerischen Umweltpolitik an. Ein Schwerpunktthema war bei allen Rednern die nieder-

bayerische Donau. »Wenn Ihr Frieden im Lande haben wollt, dann lasst endlich die Hände von der frei fließenden Donau!«, stellte der BN-Vor­ sitzende Hubert Weiger klar. Mitte März tagte in Straubing zudem der Bayerische Heimattag, ein Zusammenschluss von Bund Naturschutz, Landesverein für Heimatpflege und dem

Verband Bayerischer Geschichtsvereine. Die Initiative des Heimattags, der nieder­ bayerischen Donauregion den Titel eines UNESCO-Welterbes zu verleihen, erhielt dabei ­offizielle Unterstützung von neun Kommunen, darunter den Städten Straubing und ­Deggendorf.

Foto: BN Archiv

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Nein zum Brennerbasistunnel Der Bund Naturschutz lehnt den geplanten Brennerbasistunnel inklusive einer Schnellbahnstrecke als Zubringer ab. Wie mehrere Studien zeigen, würde der Bahnzubringer die Inntalautobahn nicht wesentlich vom Güterver-

kehr entlasten. Stattdessen würden Milliarden verschwendet, die anderswo besser eingesetzt werden könnten, zum Beispiel beim Ausbau der nördlichen Zulaufstrecken zum Gotthard-Tunnel und zur Tauern-Bahnachse.

Links rechts unten www.twitter.com/ bundnaturschutz Schneller geht’s nicht: Mit dem BN-Twitterkanal bleibt man stets auf dem Laufenden, egal ob zu Hause, im Büro oder unterwegs.

www.savemynature.com Wer sich über Umweltschutz ­austauschen und etwas anstoßen will: Eine Landkarte zeigt Akti­ vitäten, Stadtoasen, Bioläden, Umweltsünden und mehr.

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Das Echte Mädesüß

So duftet der junge Sommer! Wenn die »Wiesenkönigin« am Bachufer blüht, fängt die schönste Zeit des Jahres gerade an.

Foto: privat

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Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­Pflanzenbücher verfasst.

euchte Wiesen sowie Ufer von Gräben und Bächen sind die bevorzugten Lebensräume des Echten Mädesüß (Filipendula ulmaria). In doldenartigen Blütenständen entfaltet das bis eineinhalb Meter hohe Rosengewächs im Früh­ sommer seine cremeweißen kleinen Blüten. Ihr herbsüßer Duft wird meist als angenehm empfunden und kann so stark sein, dass ihn selbst weniger aufmerksame Spaziergänger wahrnehmen. Ihre Vielseitigkeit hat der Pflanze ganz unterschiedliche Namen eingetragen: »Mädesüß« soll von Met abgeleitet sein, den man angeblich damit aromatisierte. »Bienenkraut« hieß sie, weil die fleißigen Tierchen sie mögen und Imker damit ihre Bienenstöcke ausrieben. Der Name »Johanniswedel« erinnert daran, dass das Mädesüß einst zu Johanni (24. Juni) gesammelt und zusammen mit anderen Pflanzen zu einem magischen Kräuterbüschel zusammengebunden wurde. Und der Volksname »Wiesenkönigin« schließlich zeugt von der Beachtung, die das auffallende Kraut in alten Zeiten fand. Vermutlich ist es das von Plinius, dem römischen Feldherrn und Naturwissenschaftler, als Heilpflanze der keltogallischen Druiden beschriebene »rodarum«. In der früheren Volksmedizin wurde Mädesüß gegen unterschiedlichste Krankheiten wie Gicht, Pest, Tollwut, Frauenleiden oder Krämpfe eingesetzt. Schulmedizinisch anerkannt ist der Blütentee zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten. In der modernen Volksmedizin gilt dieser auch als hilfreich bei rheumatischen Beschwerden.

Buchtipp: Wildkräuter & Wildfrüchte

In ihrem neuen Buch zeigt unsere A ­ utorin Gertrud Scherf, was die Natur jeden Monat neu an Köstlichem zu bieten hat und wie man daraus leckere Gerichte be­reitet. BLV-Verlag, ISBN 978-3-8354-0718-3, Euro 14,95. Bestellung unter Tel. 0 91 23 - 99 95 70, info@service.bund-naturschutz.de

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Mädesüß-Gelee

Mit seinem besonderen Aroma schmeckt dieses Gelee, sparsam verwendet, nicht nur als Aufstrich, sondern auch zu Käse oder Braten. 5 – 7 Mädesüß-Blütenstände 1 Biozitrone 1/2 l Wasser 1/2 l Apfelsaft 1 kg Gelierzucker (1:1)  ­Wasser und Apfelsaft mischen und in ein Glasoder Porzellangefäß schütten.  ­Blütenstände sanft ausschütteln, kurz waschen, vorsichtig trockenschütteln und in die Flüssigkeit legen.  ­Zitrone in Scheiben schneiden und ebenfalls in die Flüssigkeit geben.  ­Gefäß zugedeckt 24 Stunden stehen lassen.  ­Flüssigkeit durch ein Haarsieb abseihen und in einem Kochtopf zusammen mit dem Gelierzucker nach Packungsanweisung bis zur Gelierprobe kochen. Zwischendurch immer wieder den Schaum abschöpfen.  ­Gelee kochend heiß in Schraubdeckelgläser füllen und diese sofort verschließen.

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Der BLV Pflanzenführer für unterwegs«, BLV Buchverlag

Wildpflanzen im Portrait

Neben ätherischem Öl und Flavonoiden enthalten die Blüten Salicylsäureverbindungen. Ehe man Salicylsäure synthetisch herstellen konnte, wurde sie aus Pflanzendrogen wie ­Weidenrinde und Mädesüßblüten extrahiert. In den Namen des Schmerz- und Fiebermittels Aspirin ist der frühere wissenschaftliche Name des Mädesüß eingegangen: Spiraea ulmaria (Spierstaude). Die jungen Blätter können Wildgemüse zugegeben werden. Insbesondere aber schätzen naturkundige Köche die jungen Blüten zur Aromatisierung von Süßspeisen, Getränken, Gelees (siehe Kasten), Marmeladen, Desserts, Essig und Öl. Aber Achtung! Bei Überempfindlichkeit gegen Salicylsäure darf Mädesüß weder arzneilich noch kulinarisch eingesetzt werden. Das Mädesüß ist eine charakteristische Pflanze der Bachuferflur, die sich am Rande kleiner Wiesenbäche und Gräben ausbildet. Durch den Einbau von Dränröhren, zu häufige und radikale Räumung, Grundwasserabsenkung und dadurch bedingtes Trockenfallen sowie übermäßigen Nährstoffeintrag sind heute auch diese vom Menschen geschaffenen nährstoffreichen Lebensräume gefährdet. Der Bund Naturschutz weist deshalb immer wieder auf ihre ökologische Bedeutung und Schutzwürdigkeit hin. So bieten sie etwa Überwinterungsmöglichkeiten für Amphibien und sind typische Standorte feuchtigkeitsliebender Pflanzenarten wie Sumpfdotterblume, Sumpfvergissmeinnicht, Sumpfstorchschnabel oder Blutweiderich.


Foto: www.delpho.de/Manfred Delpho

Der Bund Naturschutz setzt sich dafür ein, artenreiche Stadtbrachen und geeignete Nistplätze für unsere Gebäudebrüter zu erhalten – auch zum Schutz des Mauerseglers.

Aufgute Nachbar schaft


Bürgerentscheid in München

Gegen die dritte Startbahn stimmen!

Die Regierung verzichtet vorerst auf ihr Recht, sofort mit dem Flughafenausbau im Erdinger Moos zu beginnen. Damit war die erste Klage des BN bereits erfolgreich. Nun geht es darum, das unsinnige Projekt mit der Hauptklage und dem Bürgerentscheid komplett zu verhindern. Die Zeichen dafür stehen günstig!

ie hieß es 2006 in den ­Hochglanzbroschüren des Münchner Flughafenbetreibers FMG? »Eine Inbetriebnahme der dritten Startbahn ist für 2011 geplant.« Daraus ist nichts geworden. Jetzt Seit dem Beschluss des Bayerischen unterschreiben! Verwaltungsgerichtshofes vom Falls Sie nicht in 21. März 2012 ist zudem endgültig München wohnen: klar: Der Sofortvollzug des StartAn der BN-Online­ bahnbaus ist vom Tisch! Einer Emppetition gegen die fehlung des Gerichts folgend hat die dritte Startbahn kann sich jeder bay­ Staatsregierung Mitte Januar enterische Bürger be­ schieden, auf die Möglichkeit eines teiligen. Unterzeich­ sofortigen Baubeginns zu verzichnen, spenden und ten. Das Verfahren ruht, bis grundAktuelles erfahren sätzlich über den Ausbau entschieunter www.dritteden wurde. Ein Etappensieg für den startbahn-stoppen. de. Bund Naturschutz (BN), der vor dem bayerischen Verwaltungsgerichtshof sowohl gegen den Sofortvollzug als auch gegen den Bau der dritten Startbahn generell klagt Bunt und bayerisch (siehe N+U 1-12). Der Zeitplan der Protestpicknick FMG konnte also bereits um fünf im Münchner Flug­ bis sechs Jahre verzögert werden – hafen: Hingucker gut für Anwohner, Natur und Klima. waren die vielen kreativen Aktionen, mit denen beispielsweise prominente Starbahn­ befürworter auf’s Korn genommen wurden.

Flugbewegungen rückläufig

Der BN ist auch zuversichtlich, dass das Bauvorhaben komplett gestoppt werden kann. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass eine weitere Startbahn nicht nötig ist. So stagniert die Zahl der Flugbewegungen am Münchner Flughafen seit 2008 oder nimmt sogar ab. Seit Beginn der Planungen im Jahr 2005 ist die Zahl der Flugbewegungen nur um insgesamt 2,8 Prozent gewachsen, vorhergesagt waren 2,8 Prozent pro Jahr. Diese Entwicklung hängt mit den Wirtschaftskrisen und dem steigenden Ölpreis ebenso zusammen wie mit der aus Kostengründen forcierten Verwendung größerer Flugzeuge. Dass die Auslastung nicht zunimmt, weil der Flughafen eben schon dicht sei – wie die FMG gebetsmühlenartig beteuert – ist wenig glaubwürdig: 2008 gab es deutlich mehr Starts und Landungen als heute – und auch nur zwei Bahnen. Ein weiterer Zwischenerfolg: Ein engagiertes Bündnis, in dem auch der BN mitarbeitet, hat genügend Unterschriften für einen Bürger­ entscheid gegen die dritte Startbahn gesammelt. Da der Münchener Stadtrat ein Ratsbegehren für den Ausbau eingeleitet hat, wird es im Juni zu einer Entscheidung über beide Fragen kommen. Wer also in

München stimmberechtigt ist: Bitte am 17. Juni ins Wahllokal gehen und gegen die dritte Startbahn stimmen!

Aktionsbündnis immer breiter

Und nicht zuletzt: Der Widerstand gegen die dritte Startbahn wird immer stärker. Am 24. März protestierten mehrere Gruppen gegen Fluglärm und Ausbaupläne an deutschen Flughäfen. In München versammelten sich 700 Menschen zu einem Picknick im Terminal 2. Das Motto: »Wir wollen auch einmal in Ruhe Brotzeit machen!« Das Bündnis AufgeMUCkt und der BN hatten zu der Aktion aufgerufen. Entstanden ist die Idee während eines sehr inspirierenden Besuchs britischer Aktivisten in München. Sie hatten am Flughafen London Heathrow eine dritte Bahn erfolgreich verhindert. Die Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN) hatte die Briten eingeladen und sich für die Fluglärmdemo starkgemacht. Dieses Engagement ist wichtig, denn hier geht es um eine lebenswerte Zukunft für die Jugend. Und hierfür sind nicht Luxusprojekte zulasten endlicher Ressourcen, sondern wirkungsvoller Klimaschutz und der Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen nötig. Christine Margraf

Fotos: Drobny

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Kreisgruppe Nürnberg-Stadt

Lobbyarbeit für Straßenbäume

ie Projektgruppe Straßenbäume gründete sich 1992 und wälzte Pläne, analysierte Statistiken, führte Vergleiche mit anderen Städten durch und durchstreifte die Stadt. Ein objektives Bild entstand, das sich bis heute nicht wesentlich verändert hat: Im amtlichen Baumkataster sind Ende 2010 rund 26 000 Straßenbäume erfasst. Das bedeutet, dass sich in der fränkischen 500 000-Einwohner-Metropole im Schnitt 19 Einwohner einen Straßenbaum teilen müssen. An den rund 1100 Kilometern städtischer Straßen findet sich nur alle 42 Meter ein Baum. In Wohngebieten gibt es kilometerlang Straßen ohne jedes Grün. Ein Städtevergleich mit zwölf deutschen Großstädten verdeutlicht die Defizite in Nürnberg: Hier nimmt Nürnberg den wenig rühm­ lichen zwölften Platz ein. Von Größe und Einwohnerzahl vergleichbare Städte wie Bremen und Leipzig können 68 000 beziehungsweise 55 000 Straßenbäume vorweisen, was einem Baum für acht bis neun Einwohner entspricht. Auch die Pflege der Bäume und Baumscheiben in

Foto: Eigenthaler

Honig – Geschmack einer Landschaft: Mit diesem Titel und den dazu gehörenden Honigprodukten hatte sich die BN-Kreisgruppe Neustadt/Aisch – Bad Windsheim gemeinsam mit der Kreisimkerschaft beim 1. Spezialitätenwettbewerb der Metropolregion Nürn-

Nürnberg ließ in den vergangenen Jahren sehr zu wünschen übrig. Daher gibt es bis heute reichlich Arbeit für die Lobbyisten der Straßenbäume in der Kreisgruppe Nürnberg. Schwerpunkt ist eine kontinuier­ liche Öffentlichkeits­ arbeit, die darauf abzielt, die Wertschätzung für die Straßenbäume zu erhöhen und das Augenmerk von Politik und städtischer Verwaltung auf dieses Thema zu lenken. Nach zahl­ losen Aktionen der Projektgruppe zeichnen sich nun erste Erfolge der Arbeit ab: Das Thema ist im Rathaus und bei der Stadtspitze angekommen und es besteht Hoffnung, dass sich Nürnberg im Ranking der deutschen Großstädte langsam nach oben arbeitet. Mathias Schmidt (hl)

berg beworben und wurde im Herbst 2011 in die »Kulinarische Landkarte« aufgenommen. Mit ihrer Bewerbung wiesen BN und Imker auf die Bedeutung eines vielfältigen Blütenangebotes und den Erhalt von blühenden Wiesen, Hecken und Streuobstbeständen hin. Ein wichtiges Beurteilungs­ kriterium war auch die Gentechnikfreiheit des Produktes. Fotoausstellung »Reichswald in Not«: Seit zwei Jahren setzt sich die Bürgerinitiative Moosbach/ Birnthon gemeinsam mit der BNKreisgruppe Nürnberger Land dafür ein, den Nürnberger Reichswald vor einer gigantischen Lkw-

Grau und Grün In Nürnberg werden zu viele Straßenbäume gefällt und zu wenige gepflanzt. Ein trostloses Straßenbild ist die Folge. Dabei geht es auch anders, wie von BN-Baumpaten üppig bepflanzte Areale zeigen.

Rastanlage an der A6 zu bewahren. Unterstützung bekam die Initiative vom Nürnberger Fotografen Herbert Liedel mit seiner Fotoausstellung »Reichswald in Not«, die im November 2011 in der Feuchter Sankt-Jakobs-Kirche zu sehen war. Bei der Eröffnung appellierte der BN-Regionalreferent Tom Konopka an die Anwesenden, öffentlich wieder mehr Stellung zu beziehen: »Wir brauchen Künstler wie Herbert Liedel, die mit ihrer Kunst den Finger in die Wunde legen.« FOC gestoppt: Im Dezember 2011 hat das bayerische Wirtschafts­ ministerium entschieden, das geplante Factory-Outlet-Center der

Firma Carlo Colucci an der Autobahn A 6 bei Herrieden im Landkreis Ansbach nicht zu genehmigen. Der BN hatte sich mit einer fachlichen Stellungnahme und in etlichen Gesprächen gegen das FOC starkgemacht. Die Spitze des Protestes bildeten die umliegenden Städte wie Ansbach unter Oberbürgermeisterin Carda Seidel. Mit einem Brief bedankte sich der BN im Januar bei Wirtschafts­ minister Zeil.

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NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

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Fotos: Kreisgruppe

Am Anfang war es der subjektive Eindruck: In Nürnberg gibt es viel zu wenig Bäume, besonders in den dicht besiedelten Gebieten der Kernstadt. Seit nunmehr 20 Jahren setzt sich deshalb die »Projektgruppe Straßenbäume« der Kreisgruppe dafür ein, die Wertschätzung für Bäume in der Stadt zu erhöhen.


Foto: Merches

Chemieunfall tötet Fische in der Alz

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ie Alz ist einer der wenigen Kiesflüsse im Einzugsbereich des Inns und als solcher essenziell wichtig für die Reproduktion eines natürlichen Fischbestandes in Ostbayern. Ab Emmerting ist die Alz flussabwärts als Naturschutz- und FFH-Gebiet ausgewiesen. Der Chemieunfall und das eingeleitete Gift scheinen die Tierwelt des Flusses nachhaltig zerstört zu haben. Nach Angaben der Betreibergesellschaft des Industrieparks, der

Hähnchenmast: Massentierhaltung ist nicht nur Tierquälerei, sondern auch eine Belastung für die Umwelt. Die BN-Kreisgruppe Freising hatte deshalb gegen eine geplante Hühnermastfabrik in Zolling geklagt – mit Erfolg: Bei der Gerichtsverhandlung Ende März hoben die Richter den Genehmi-

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InfraServ Gendorf, gelangte in der Nacht vom 6. auf den 7. März durch ein fehlerhaft geöffnetes Ventil ein Waschmittelrohstoff über die Abluftreinigungsanlage auf das Dach der Chemiefirma Clariant und ging dort in Flammen auf. Der Brand konnte zwar schnell gelöscht werden, doch das Löschwasser, das die giftigen Stoffe aufgenommen hatte, gelangte ins Kanalsystem und unbemerkt weiter in die Alz – neun Stunden lang. Infolgedessen muss-

gungsbescheid des Landratsamts Freising für die Anlage auf. Zunächst muss es laut Gericht eine Verträglichkeitsprüfung für das nahe gelegene FFH-Gebiet Ampertal (Bild) geben, wo die Stickstoffbelastung durch den Bau der Fabrik sehr stark ansteigen würde. Der BN kämpft weiter dafür, den Bau letztlich zu verhindern.

Foto: Willner

NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

Vergiftet Mehrere Tonnen von toten Fischen sind ein schlimmer Anblick – und doch nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Der Chemieunfall vergiftete das Gewässer insgesamt. Bis es sich erholt hat, braucht es Zeit und besonderen Schutz.

Bei einem Brand am 6. März im Industriewerk ­Gendorf ist giftiges Löschwasser in die Alz gelangt. Das Wasser wurde verseucht, über sechs Tonnen ­Fische wurden g ­ etötet sowie die gesamte Fauna auf 15 Kilometern Länge geschädigt.

Keine Deponie: Die Bevölkerung von Wellheim und die Bewohner des Ortsteils Hard sind beunruhigt. Direkt neben einem Wohngebiet soll hier eine Anlage zum Quarzabbau entstehen.

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Der BN befürchtet, dass es sich um eine Deponie für Elektroofenschlacke handelt, die unter falschem Vorwand gebaut werden soll. Die Daten in den Verfahrensunterlagen deuten darauf hin, dass die abbaubaren Quarzvorräte so gering sind, dass der Bau einer solchen Anlage nur für den Quarz­ abbau nicht gerechtfertigt wäre. Deshalb hat die BN-Ortsgruppe Wellheim mit Unterstützung der Kreisgruppe Eichstätt eine Stellungnahme erarbeitet und Ende Januar den Behörden übergeben. Klimaschutz: Dass Klimaschutz Spaß macht und dass jeder etwas dafür tun kann, zeigen die Schüler

Foto: Kreisgruppe

Foto: Geobasisdaten © Bayerische Vermessungsverwaltung 2012

Kreisgruppe Altötting

ten die Feuerwehrleute 6,5 Tonnen tote Fische bergen. Die BN-Kreisgruppe Altötting fordert eine lückenlose Aufklärung des Unfalls. Verursacher, Behörden und Bevölkerung müssen offen miteinander reden, um die Unfallursachen zu klären. Ähnliche Ereignisse und die damit verbundenen Gefahren für Fauna, Grund- und Trinkwasser müssen für die Zukunft ausgeschlossen werden, zum Beispiel durch geeignete Sicherheitsmaßnahmen an den Chemieanlagen. Da die Alz für die Fischpopulation des Inn besonders bedeutsam ist, arbeitet die BN-Kreisgruppe seit Jahren daran, den Flusslauf und das Ufer zu renaturieren und das FFHGebiet vor Eingriffen zu schützen. Im Jahr 2008 gelang es, Ausbaggerungen an der Alzmündung zu verringern und den Baggerzeitpunkt vor die Laichzeit der Fische zu schieben, sodass wichtige Kiesbänke als Laichplatz erhalten blieben. Jetzt gilt es, diese Kiesplätze besonders zu schützen, damit die Fischpopulation wieder wachsen kann. Gerhard Merches (jtw)

des Ernst-Mach-Gymnasiums in Haar. Sie sind als Energiescouts aktiv, pflegen einen Schulgarten und sammeln bei der Haus- und Straßensammlung für den BN. Die Schülergruppe »Green Revolution« hatte für den 13. Januar eine ­Veranstaltung mit vielen verschiedenen Aktionen und Vorträgen ­organisiert. Neben einer Kleidertauschbörse und einem alterna­ tiven Kaufhaus sprachen sie mit den Besuchern über kleine und große Klimasünden im Alltag und erarbeiteten Lösungen.


RADULA: Über 3000 Teilnehmer bei gut 180 Veranstaltungen allein im Jahr 2011 – das ist die groß­ artige Erfolgsbilanz des Umweltbildungsprojekts RADULA, das die BNKreisgruppe Kelheim und der Landschaftspflegeverband seit sieben Jahren gemeinsam betreiben. Ein Schwerpunkt des letzten Jahres war das gemeinsame Erstellen der Wanderausstellung »ZusammenFluss« mit den Umweltbildnern entlang der Donau. Dieses Jahr will RADULA Kindern und ­Erwachsenen im Rahmen der ­Kampagne »Gscheit essen« die

Keine Gondelbahn ins Naturparadies Hochzell!

Bislang ist die Hochzell bei Bodenmais ein weitgehend ungestörtes Naturparadies. Geht es nach dem Willen einiger örtlicher Unter­ nehmer, ist es damit bald vorbei. Sie planen eine Gondelbahn auf das Hochplateau des Berges.

Gemeinderat will das enorme Defizit für den Unterhalt des Langlaufzentrums senken, indem diesen dann größtenteils die Betreiber der Seilbahn finanzieren würden. Schon kurz nachdem die Gondelbahn-Pläne Anfang Januar 2012 bekannt wurden, formierte sich die Interessengemeinschaft »Schützt das Naturparadies Hochzell«. Um sich zu informieren, lud die BN Kreisgruppe im Februar Vertreter

Foto: Linhard

schen Waldes. Kaum irgendwo sonst lassen sich Auerhähne bei der Balz oder Wanderfalken im Flug so gut beobachten wie hier. Auch Luchs und Gebirgsstelze, SchwalbenwurzEnzian und andere seltene Pflanzen der Buchenwälder leben hier. Wenn es nach einigen örtlichen Unternehmern geht, wird dieses Naturparadies bald nicht mehr ungestört sein. Sie planen den Bau einer Gondelbahn von Bodenmais auf das Plateau der Hochzell. Neben der Bergstation wollen sie dort oben außerdem das neue Funktionsgebäude für das Langlaufzentrum Bretterschachten und einen Gastronomiebetrieb ansiedeln. Noch stehen die Planungen am Anfang, aber eine Machbarkeitsstudie soll bald folgen. Die Betreiber erhoffen sich von dem Projekt, den Tourismus in Bodenmais weiter zu beleben. Der

Kreisgruppe Regen

r­ egionale und saisonale Küche ­näherbringen. Infos: www.kelheim. bund-naturschutz.de Vorzeigebetrieb: Wer mehr über die biologische Landwirtschaft erfahren will, kann sich bei einem der bundesweit 230 Demonstra­

Lasst der Hochzell ihre Ruhe Müssen denn wirklich auch die letzten relativ ungestörten Flecken Erde »erschlossen« werden? Noch findet der vom Aussterben bedrohte Auerhahn auf der Hochzell Schutz und Ruhe. Mit der geplanten Gondelbahn wär es damit vorbei.

der Bürgerinitiative zu einer öffentlichen Veranstaltung in Regen ein. Auch der neue Landrat Michael Adam, der aus Bodenmais stammt, nahm daran teil und erläuterte das Projekt aus seiner Sicht. Die Kreisgruppe blieb jedoch bei ihrer ablehnenden Position und versprach der Bürgerinitiative ihre volle Unterstützung. Horst Rösing (hl)

tionsbetriebe Ökologischer Landbau informieren. Seit Anfang März gehört auch der Stelzlhof in Passau zu diesem Netzwerk. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung wählt dafür Betriebe aus, die seit Jahren konsequent nach ökologischen Richtlinien arbeiten. Mit einem »offenen Hoftor« will das Stelzlhof-Team weiter dazu beitragen, ökologische Landwirtschaft direkt erlebbar zu machen. Infos: www.stelzlhof.de Fackelzug: Der 11. Februar war ein Härtetest für die BN-Kreisgruppe Straubing und die 45 Teilnehmer, die bei eisigen Temperaturen gegen den Ausbau der Donau zwi-

schen Straubing und Vilshofen demonstriert haben. Die Aktion »Fackeln für die Donau« fand zeitgleich auch in Metten, Niederalteich und Jochenstein statt. Unterstützt wurde sie in Straubing von einer Abordnung der Regensburger Freunde der Donau, vom LBV und Vertretern der ÖDP, den Grünen und der SPD. Nach einer Kundgebung am Stadtplatz gingen alle in einem Fackelzug zur Donau und setzen auch heuer ein Zeichen für den Erhalt der frei fließenden Donau.

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NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

Foto: Wikimedia Commons/Jussel

ie Hochzell, auf 1200 Metern Höhe zwischen den touristischen Anziehungspunkten Bodenmais und Großer Arber gelegen, gehört trotz dieser exponierten Lage zu den wenig bekannten und kaum erschlossenen Bergen des Bayeri-

Foto: Schreil

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Kreisgruppe Miltenberg

Ökologischer Hochwasserschutz für Leidersbach!

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Ausgezeichneter StaudingerProtest: Der Main-Kinzig-Kreis in Hessen hat seinen Umweltpreis am 1. März der Bürgerinitiative »Stopp Staudinger« verliehen, die sich gegen die Erweiterung des Kohlekraftwerks Staudinger einsetzt. Da der Standort nahe an der bayerisch-hessischen Grenze liegt, engagiert sich auch die BN-Kreisgruppe Aschaffenburg gegen den Bau des Kraftwerks mit einem ­Ausstoß von sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Römertor im Hohlweg: Die Stadt Marktbreit im Landkreis Kitzingen will als Touristenattraktion ein Tor des ehemaligen Römerkastells

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rekonstruieren. Der BN sieht dadurch den ökologisch wie kulturhistorisch bedeutsamen Hohlweg am Kapellenberg in Gefahr. Er hat deshalb im Januar in einem Brief und im März auf einem Presse­ termin an Bürgermeister Erich Hegwein appelliert, dieses Kleinod als »Grünes Kapital« für ein nachhaltiges Tourismuskonzept zu

Foto: Krämer

NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

tarkregen und Hochwasser­ ereignisse gab es schon immer, in­folge des Klimawandels wiederholen sie sich heutzutage aber in immer kürzeren Abständen. Zudem führen sie aufgrund gravierender Fehler bei der landwirtschaftlichen Flächennutzung und bei der Siedlungsentwicklung zu immer größeren Schäden. Ein Präzedenzfall

dafür ist ­Leidersbach: Von den Äckern und Wiesen oberhalb des Ortes schwemmt Starkregen Erde ab, die als Schlammlawine im Ort ankommt. Rinnen, Gräben und Wege wirken dabei wie Wasserautobahnen. Darüber hinaus wurden die Steilhänge neben dem Leidersbach weitgehend gehölzfrei gehalten, sodass nichts das Hochwasser bremst. Infolgedessen standen in den letzten Jahren innerhalb kürzester Zeit mehrfach ganze Ortsteile unter Wasser. Doch statt konsequente Ursachenbeseitigung zu betreiben, setzt die Gemeinde ausschließlich auf technische Lösungen. Sie favorisiert ein System von 14 Staudämmen, das massive Eingriffe in Natur und Landschaft erfordern und die Bürger mit rund sieben Millionen der insgesamt 20 Millionen Euro Baukosten belasten würde. Eine Bürgerinitiative plädiert deshalb gemeinsam mit dem BN für eine natur­ gemäße und damit auch kostengünstigere Alternativlösung. Bei

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-12]

einer öffentlichen Infoveranstaltung zeigte der stellvertretende BN-­ Vorsitzende und BUND-Wassersprecher Sebastian Schöner Anfang Januar die breite Palette wirksamer Abhilfemaßnahmen eines ökologischen Hochwasserschutzkonzepts auf: von Art und Richtung der Bodenbearbeitung, über Heckenpflanzungen bis hin zu »rauen Rampen« in Bachläufen als Abflussbremse. Das überzeugte die deutliche Mehrheit der Zuhörer, die sich für die Umsetzung der BN-Vorschläge aussprach. Der Gemeinderat will jetzt beide Konzepte in einem ­Bürgerentscheid zur Abstimmung stellen. Helmut Schultheiß (hl)

s­ ichern. Diese Alternativlösung hat auf der Bürgerversammlung Ende März eine deutliche Mehrheit befürwortet. Massentierhaltung in Dipbach: Gegen die bei Dipbach im Landkreis Würzburg geplante Anlage für 2400 Schweine und 700 Rinder protestiert die Kreisgruppe Würzburg. Eine solche Anlage ist mit ­erheblichen Umweltbelastungen und -risiken verbunden, etwa durch die Ammoniakemissionen bei der Gülleausbringung. Der BN hat deshalb im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung im ­Februar Einwände erhoben.

Foto: Kreisgruppe

Oben Wiese, unten Hochwasser Wer weitgehend gehölzfreie Steil­ lagen oberhalb von Siedlungen schafft, erntet Hochwasser weiter unten – wie hier in Leidersbach. Eine Abfluss bremsende Bewirtschaftung mit mehr ­Bewuchs ist hier unumgänglich.

Foto: BN-Archiv

Foto: Sauer

In der Spessartgemeinde Leidersbach kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Überschwemmungen. Dem will die Gemeinde mit einer rein technischen Symptombekämpfung abhelfen. Zusammen mit einer Bürgerinitiative fordert der Bund Naturschutz statt dessen ein ökologisches Hochwasserkonzept, das bei den Ursachen ansetzt.

Kompromisslösung in Ebern: Nach Jahren der Diskussionen um eine umweltverträgliche Folgenutzung des ehemaligen Standortübungsplatzes Ebern hat die BN-Kreisgruppe Haßberge mit der Firma Gehrlicher Solar im Mai 2011 einen Kompromiss ausgehandelt, dem die Stadt Ebern im November 2011 zustimmte: Der BN akzeptiert den Bau einer Fotovoltaikanlage auf einem Teil des umfangreichen FFH-Gebiets, während die Stadt auf die Motorsportnutzung verzichtet. Auch die Ausweisung eines Naturschutzgebietes soll gemeinsam vorangebracht werden.


Fotos: Streck

Erfolg für den Bund Naturschutz: Durch das Naturschutzgebiet »Hölle« soll endlich wieder mehr Wasser fließen. Das erreichte der BN im ­Januar vor Gericht. Der Fall zeigt, wie kritisch bei der Wasserkraftnutzung – gerade in Zeiten der Energiewende – abgewogen werden muss.

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ie Hölle liegt im nordöstlichen Landkreis Regensburg: ein enges Tal, angefüllt mit riesigen Granitblöcken, zwischen denen der Höllbach fließt. Die Ursprünglichkeit des Tals und die Wucht des Wildbachs waren früher so gewaltig, dass das Landschaftsspektakel den Namen »Hölle« erhielt. Heute ist von der Urtümlichkeit wenig übrig. Für die Nutzung der Wasserkraft hat das Familienunternehmen Heider dem Höllbach seit 1917 immer mehr Wasser entnommen, bis kaum mehr als ein Rinnsal übrig geblieben ist – obwohl ein Teil des Tals seit 1950 als eines der hochwertigsten

Foto: Kreisgruppe

Zehn Jahre Naturerlebnistage: Im Jahr 2002 hat die Kreisgruppe Schwandorf damit begonnen, Naturerlebnistage anzubieten – erst für Kindergärten, später auch für Grundschulen. Bei mehr als 600 Veranstaltungen konnten mittler­ weile über 12 000 begeisterte Kinder die Azurjungfern tanzen sehen, dem Gräsergeflüster und

Naturschutzgebiete Bayerns ausgewiesen ist und mittlerweile den Rang eines FFH-Schutzgebiets hat. Und obwohl die Firma Heider ihre drei Kraftwerksstufen lange Zeit ohne Erlaubnis betrieben hatte, was die Behörden duldeten und später nachträglich legalisierten. Trotz der inzwischen eingetretenen ökologischen Schäden sollten im Jahr 2000 schließlich die bereits 1990 und 1991 wieder ausgelaufenen Genehmigungen fast unverändert fortgeschrieben werden. Dagegen erhob der BN im wasserrechtlichen Verfahren Einwand und schlug Verbesserungen vor. Das Landrats­

Faltergeflatter nachspüren oder ein Frühstück mit der Kräuterhex genießen. Die überaus ­positive ­Resonanz bei Kindern, ­Eltern und Lehrern zeigt, welchen Volltreffer die BN-Kreisgruppe Schwandorf hier gelandet hat. Umweltpreis: Gleich dreimal verlieh die Stadt Amberg am 30. Ja­ nuar ihren Umweltpreis, davon ­zweimal auch an BN-Aktive: Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer zeichnete die vom BN mitgetragene Vilsallianz und den langjäh­ rigen BN-Aktiven Werner Friederichs aus. Friederichs erhielt die Ehrung als Vorsitzender der ­Bürgerinitiative Wagrain, der

Höllenqualen für den Bach Ordentlich Wasser im Höllbach – bislang gab es das ­allenfalls noch bei der Schneeschmelze (kleines Bild). ­Ansonsten war der Bach zwischen den Felsblöcken kaum mehr wahrzunehmen (großes Bild).

Foto: Kreisgruppe

Mehr Wasser für die Hölle

amt Regensburg berücksichtigte diese jedoch kaum und genehmigte 2008 den Weiterbetrieb der Kraftwerke. Auf eine anschließende Klage des BN hin hob das Verwaltungsgericht Regensburg den Bescheid 2009 auf. Gegen das Urteil gingen das Landratsamt und die Firma Heider in Berufung und man sah sich im Januar 2012 vor dem Verwaltungsgerichtshof in München wieder. Der dort erzielte Vergleich ist dank des Einsatzes des früheren Regensburger Kreisgruppenvorsitzenden Peter Streck ein Teilerfolg für den BN: Sowohl die Menge des Restwassers im Naturschutzgebiet »Hölle« als auch das Volumen für die Simulierung ­kleiner Hochwässer werden künftig nahezu verdoppelt. Helmut Schultheiß, Holger Lieber

der Schutz des Waldkomplexes ­Wagrain zu verdanken ist, und für sein großes Engagement im Amphibienschutz. Ausbau statt Neubau: Das Straßenbauamt des Landkreises ­Neustadt a. d. Waldnaab will die Staatsstraße zwischen Flossenbürg und dem Langlaufzentrum Silberhütte neu trassieren. Damit würden aber quellreiche Waldareale überbaut, der überregionale LkwVerkehr angezogen und der sanfte Tourismus gefährdet. Die BNKreisgruppe plädiert dafür, die ­bestehende Trasse stattdessen naturschonend zu optimieren.

Bayerische Naturschutzmedaille: Beim Treffen der Oberpfälzer ­BN-Kreis- und Ortsgruppen im November 2011 verlieh der BNVorsitzende Hubert Weiger dem langjährigen Chamer BN-Kreisvorsitzenden Robert Kurzmann (im Bild links) die Bayerische Naturschutzmedaille. Damit würdigte Weiger vor allem Kurzmanns unermüd­liches Engagement für den Naturschutz vor Ort und sein überzeugendes persönliches Vorbild im Alltag.

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NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

Kreisgruppe Regensburg


Foto: Bayerische Vermessungsverwaltung (Montage Hans Strodl)

Hier kreiselt der Verstand Die Dimensionen und die Kosten für den geplanten Dreifach-Kreisel in Wertingen sind erheblich – der Nutzen unbekannt. Und das sollen die Bürger bezahlen? Der BN will’s wissen und hat gegen das Projekt geklagt.

Straßenbauwut zum Schaden von Natur und Finanzen

Im Landkreis Dillingen greift die Straßenbauwut besonders um sich. Gleich mehrere unsinnige, naturzerstörende und Steuergeld verschwendende neue Straßen sind hier geplant – ausgerechnet im Wahlkreis von Georg Winter, dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses im bayerischen Landtag.

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Naturlehrgarten: Am 12. Mai weihte die BN-Ortsgruppe Mindelheim ihren neuen Naturlehrgarten ein. Rund um Projektleiter Walter Feil hatten zahlreiche Ehrenamtliche gemeinsam mit Berufsschülern fünf Jahre lang an dem Garten gearbeitet. Neben einem Biotoplehrpfad gibt es dort Hochbeete mit seltenen heimischen Pflanzen. Auf einer großen Wiese wachsen selte-

Foto: Nevecerel

NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

on Georg Winter müsste man eigentlich erwarten dürfen, dass er darauf achtet, wie Steuergeld sinnvoll eingesetzt wird. Doch in Wertingen soll für 13 Millionen Euro ein Kreisverkehr mit drei Ebenen entstehen – obwohl es vor Ort kein Verkehrsproblem und daher keinen Bedarf an dem Bauprojekt gibt. Als Grund für den Kreisel führt die Regierung eine Prognose des Straßenbauamtes Krumbach an, nach der im Jahr 2025 an der Kreuzung zu Spitzenzeiten eine Wartezeit von 22 Sekunden auftreten könnte. Für die Behörden offenbar

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Grund genug, bei den Planungen auch noch den Naturschutz zu ­ignorieren. So geht es nicht, meint der BN, weshalb er im Februar gegen das Projekt klagte. Ähnliches geschieht derzeit in Burghagel und Bachhagel. Auf der Staatsstraße durch die beiden Orte sind täglich 2800 Fahrzeuge unterwegs, was dem bayerischen Durchschnitt entspricht und auf Tausende Ortsdurchfahrten zutrifft. Doch im Landkreis Dillingen ist es Anlass für die Planung einer acht Meter breiten Umfahrung, die teils auf einem sieben Meter hohen Damm durch

ne Blumen, an einem Weiher tummeln sich Libellen. Der Naturlehrgarten ist ganzjährig geöffnet. Führungen finden von April bis August bei geeignetem Wetter jeden ersten Samstag im Monat um jeweils 15:30 Uhr statt. Infos: www.naturlehrgarten-mindel­ heim.de Neue Ortsgruppen: In drei schwäbischen BN-Kreisgruppen haben die Mitglieder in den vergangenen Monaten neue Ortsgruppen gegründet. Im Februar bildete sich die neue Ortsgruppe Monheimer Alb im Landkreis Donau-Ries. Zum Vorsitzenden wählten die Mitglieder Wolfgang Neff. Im

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-12]

die Landschaft führen soll. Die Kosten von rund 8,5 Millionen Euro will der Freistaat Bayern zu 80 Prozent übernehmen. Auch Buttenwiesen und Lauterbach sollten mit staatlicher Unterstützung eine Ortsumgehung erhalten. Die zehn Kilometer lange Straße hätte die wertvolle Landschaft im Zusamtal zerschnitten und ein Schutzgebiet beeinträchtigt. Dem aber boten die Bürger am 4. Dezember 2011 Einhalt in einem Ratsbegehren, das die BN-Ortsgruppe angeregt hatte. Angesichts der Unsinnigkeit ­der Verkehrsprojekte fragt sich, ob die Staatsregierung mit ihrem Geldsegen für den Straßenbau Wahlkampfhilfe für den Dillinger Landtags­ abgeordneten Georg Winter leisten will. Der BN fordert die Regierung auf, die Finanzmittel besser für den Ausbau von Bus-, Bahn-, Rad- und Fußverkehr einzusetzen. Thomas Frey (hl, jtw)

Landkreis Günzburg steht seit März Inge Näveke der neuen Ortsgruppe Burgau vor. Und im Landkreis Ostallgäu wurde schon 2011 die neue Ortsgruppe GennachSingold gegründet. Vorsitzender ist Hans Rothkegel. Feinstaub: Obwohl die Augsburger Innenstadt ohnehin stark von Feinstaub belastet ist, kaufte die Stadtverwaltung zu Jahresbeginn ausgerechnet alte Dieselbusse für den öffentlichen Nahverkehr ein. Die BN-Kreisgruppe schaltete sich ein und erreichte, dass zumindest ausgediente Busse durch moderne emissionsärmere Erdgasmodelle ersetzt werden. Bereits 2011 hatte

Foto: Hänsel

Kreisgruppe Dillingen

die Kreisgruppe in Presseberichten und Briefen an die Stadtratsfrak­ tionen auf die starke Feinstaub­ belastung hingewiesen. Doch die Stadtspitze sah erst einmal keinen Anlass zum Handeln. Die neuen Busse sind somit ein erster BN-­ Erfolg im Sinne der Gesundheit für die Augsburger Bevölkerung.


Kreisgruppe Hof

wollen auch nach Abschluss des Projekts am Thema dranbleiben und aktiv werden, wenn wieder ein Fall von unnötigem Flächenfraß in Hof geplant wird. Wolfgang Degelmann (hl)

Foto: Kreisgruppe

aus. Keiner hätte gedacht, dass so viel Fläche Jahr für Jahr vor ihrer Haustür verloren geht. Jeder nahm zwar die kleinen Veränderungen wahr – hier ein Bauplatz, da ein Stück Straßenausbau –, aber erst zusammengesetzt als großes Ganzes wurde ihnen die Dimension des Flächenverbrauchs wirklich bewusst. Das Schulprojekt wirkte: Die BNKreisgruppe und die Jugendlichen

Ganz schön groß 102 Hektar Land werden jedes Jahr im Landkreis Hof bebaut. Aber wie viel ist das eigentlich? Die Schüler der Hofecker Mittelschule probierten es aus und staunten: Das ist ganz schön viel Fläche!

den Bürgerentscheid initiiert hatte und dabei von einem Aktionsbündnis unterstützt wurde.

bildungsangebote für Schulklassen, Exkursionen, Workshops und Experimente.

Sandwelten auf der LaGa Bamberg: Sand ist ein prägender Bestandteil der Landschaft und der Kultur Bambergs. Der Beitrag der BNKreisgruppe zur Landesgartenschau 2012 in Bamberg steht deshalb ganz im Zeichen des Sandes. Die BN-Aktiven zeigen Schönheit und Schutzbedürftigkeit der heimischen Sandökosysteme exemplarisch an vier unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Von Ende April bis Anfang Oktober gibt es Umwelt-

Kulmbacher Umweltpreis: Am 1. März erhielt Erich Schiffelholz (im Bild Mitte) als Erster den neu geschaffenen Kulmbacher Umweltpreis. Schiffelholz organisiert seit vielen Jahren das Storchenfest und den Amphibienschutz im Landkreis. Als anerkannter Fachmann für Fledermäuse richtet er die ­European Batnight auf der Plassenburg aus. Die Laudatio hielt Roland Ramming von der BN-Kreisgruppe (rechts), den Preis überreichte der BN-Kreisvorsitzende Wolfgang Schenker (links).

Baumschutz: Anfang Februar bewahrten BN-Aktive eine Gruppe alter Linden vor dem Burgkun­ städter Freibad davor gefällt zu werden. Der Lichtenfelser BNKreisvorsitzende Anton Reinhardt erklärte: »Gerade hier sollten wir froh sein über ein paar im Sommer schattenspendende Linden, die ihren herrlichen Duft verströmen. Statt sie abzusägen, sollte man sie fachmännisch schneiden und ihre Baumscheiben vom Asphalt entsiegeln.«

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NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

Bürger gegen Einkaufsmarkt: Für klare Verhältnisse sorgten die ­Bürger von Ebermannstadt im Landkreis Forchheim bei einem Bürger­entscheid Ende Januar: Rund 63 Prozent stimmten gegen den geplanten Neubau eines Einkaufsmarktes im Landschaftsschutzgebiet am Ortsrand (Bild). Die Wahlbeteiligung lag sehr hoch, fast die Hälfte aller Stimmberechtigten nahm teil. Das ist ein großer Erfolg für die BN-Ortsgruppe, die

In Bayern verschwindet jedes Jahr eine Fläche so groß wie der ­Chiemsee unter Beton und Asphalt. Um auch junge Menschen für das Problem zu sensibilisieren, hat die BN-Kreisgruppe im Schuljahr 2011/2012 ein gemeinsames Projekt mit der Hofecker Mittelschule zum Thema Flächenfraß gestartet.

Foto: Kreisgruppe

n Bayern wurden im Jahr 2010 täglich knapp 21 Hektar Fläche für den Bau von Straßen, Häusern und Gewerbeflächen verbraucht – ein unwiederbringlicher Verlust für Natur und Landwirtschaft. Über das Jahr summierte sich das fast zur Fläche des Chiemsees. Stadt und Landkreis Hof tragen ihren Teil dazu bei: 102 Hektar Land werden jährlich geopfert. Um auch Schülern die Größe dieser Fläche und die dramatischen Auswirkungen auf Mensch und ­Umwelt zu zeigen, hat sich die BNKreisgruppe Hof mit den Klassen 7a, 7b, M8 und M9 der Hofecker Mittelschule aus Hof zusammen­ getan. Die Kreisgruppe gestaltete mehrere Unterrichtseinheiten, die in das Thema Flächenfraß einführten und es gemeinsam mit den ­Jugendlichen von allen Seiten beleuchteten. Dazu gehörte im November 2011 auch ein Unterrichtsgang zum Stadtrand von Hof. Um den Schülern eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie groß 102 Hektar sind, erhielten sie ein Flatterband, mit dem sie die entsprechende Fläche »einzäunten«. Dafür waren mehrere Kilometer Fußmarsch und 4600 Meter Flatterband nötig. Bei den Jugendlichen löste das Erstaunen und Betroffenheit

Foto: Thiem

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Flächenfraß: Schulprojekt mit Wirkung


Naturerbe Buchenwald

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itteleuropa wäre von Natur aus Waldland, Buchenwaldland. Von der einstigen Pracht alter, mächtiger Buchenwälder sind aber nur wenige Reste erhalten ­geblieben, Perlen der Natur. Eine dieser Perlen liegt im Herzen Frankens, dem Steigerwald. Doch um den Schutz alter Laubwälder ist es schlecht bestellt: Zwar hat die Bundesregierung schon 2007 beschlossen, zehn Prozent der öffentlichen Wälder in Deutschland einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Bei der Umsetzung gibt es allerdings große Defizite, vor allem im Staatswald. Gleichzeitig steigt der wirtschaftliche Druck auf die Wälder stetig an. Auf der diesjährigen BN-Fachtagung »Naturerbe Bu-

chenwälder« dreht sich daher alles um die »Schatzkiste Naturwald«, deren Schutz dort am sinnvollsten ist, wo sie noch gut gefüllt ist – zum Beispiel im Steigerwald, wo die ­Tagung stattfindet und mit einer ­Exkursion zum Naturwaldreservat »Waldhaus« in Begleitung des BNVorsitzenden Hubert Weiger beginnt. Am zweiten Tag stellen Experten aus Hochschulen und Naturschutzeinrichtungen die Artenvielfalt in Laubwäldern vor und diskutieren mit den Teilnehmern Strategien zum Schutz der natürlichen Waldentwicklung.  Ebrach, 29./30. Juni 2012 Kontakt: BN-Waldreferat, Tel. 09 11-8 18 78-21, ursula.erlweinblassl@bund-naturschutz.de

Kinder-Klima-Camp

Foto: Schreiner

Gscheit essen

Mehr gscheits Essen »Gscheit essen – mit Genuss und Ver­ antwortung« ist das Motto der drit­ ten bayernweiten Umweltbildungs­ kampagne. Infos und Termine gibt es unter www.umwelt­ bildung.bayern.de.

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ie sieht gerechte Ernährung aus? Beeinflusst unser Essen das Klima? Welche Rolle spielen ­regionale Produkte? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des dritten Klima-Camps für Kinder in Wartaweil am Ammersee. Die Teilnehmer nehmen an den Lernstationen »Pizza«, »Pasta« und »Pommes« die industrielle Nahrungsmittelproduk-

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Natur + Umwelt BN-Magazin [2-12]

tion unter die Lupe, gehen zum Einkaufen und kommen dabei auch den Werbepsychologen auf die Spur. Es gibt Workshops zu den Themen Fleischkonsum, Welternährung und Lebensmittelverschwendung. Bei einem Besuch von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft können die Kinder die gewonnenen Einsichten, Forderungen und Ideen an den Mann oder die Frau bringen. Schließlich wird die Seepromenade des Naturschutzzentrums zur langen Tafel für das selbst gekochte Menü.  Wartaweil, 18. – 21. Juni 2012 Kontakt: Naturschutzzentrum Wartaweil, Tel. 0 81 52-96 77 08, wartaweil@bund-naturschutz.de

BILDUNGSIMPULSE

Abenteuer Wiese

Die Wiese bietet mehr als Futter für die Kuh, sie ist ein arten­ reicher Lebensraum und spannender Erlebnisort. Der Praxisworkshop für Lehrer, Erzieher und Interessierte vermittelt vor allem über Spiele und Gruppenaktivitäten Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt von Wiesen.  Würzburg, 14. Juni 2012 Kontakt: BN-Ökostation Unter­ franken, Tel. 09 31-4 39 72, info@ bn-wuerzburg.de

Foto: Güthler

Foto: Stephan

Schatzkiste der Artenvielfalt

Aus der Praxis, für die Praxis

Naturerlebnis AlpSeeHaus

Mit einem groß angelegten »Outdoorday« öffnet das neue Umweltund Informationszentrum AlpSeeHaus bei Immenstadt im Allgäu seine Tore. Darin ist auch das ­BN-Naturerlebniszentrum Allgäu (NEZ) untergebracht. Den Besucher e­rwarten Naturparkexkursionen, E-Bike-Verleih, Kletterturm und spannende Naturerlebniswerk­ stätten.  Immenstadt, 17. Juni 2012 Kontakt: BN-Naturerlebniszentrum Allgäu, Tel. 0 83 23-9 98 87 60, www.nez-allgaeu.de

Neues von Luchs und Wolf

In dem Praxisseminar für Umweltpädagogen, Naturführer und Lehrer erproben die Teilnehmer neue Spiele und pfiffige Ideen, die Wolf und Luchs verschiedenen Altersund Zielgruppen näherbringen.  Regensburg, 25. Juni 2012 Kontakt: BN-Bildungswerk Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20 42, bildungswerk@bund-naturschutz. de


Für eine umweltgerechte dezentrale Energiewirtschaft braucht es ­engagierte Fachleute in der Region. Das Seminar stattet Interessenten mit den Kompetenzen aus, um ­lokale und regionale Energiegenossenschaften in der Gründungsphase und bei der Konzeptentwicklung zu unterstützen.  Bad Alexandersbad, 16. – 18. Juli

Donauschifffahrt

Bio Erleben

Das große Bio-Festival verbindet Einkauf und Genuss, Wellness und Kosmetik, Kunst und Musik, Gespräche und Kabarett, Kochshows und Kinderspaß.  Nürnberg, 20. – 22. Juli 2012 Kontakt: BN-Landwirtschaftsrefe­ rat, Tel. 09 11-8 18 78 21, ursula.erl­ wein-blassl@bund-naturschutz.de

Reichswaldfest

Unter den alten Eichen des Nürnberger Reichswaldes bietet das große und traditionsreiche BNWaldfest wieder Führungen, Baumklettern, Kinderaktionen und viele

BN-STUDIENREISEN | TEL. 09 11 -5 88 88 20

Foto: Willner

Siebenbürgen und Transsilvanien Das »Land jenseits der Wälder« wartet mit stolzen Wehrkirchen, mittelalterlichen Städten und wilden Wäldern auf.  Rumänien, 21. – 31. August 2012

Köstlichkeiten. Ihr Besuch unterstützt den BN beim Schutz des Reichswaldes.  Nürnberg, 21. – 22. Juli 2012 Kontakt: BN-Landesfachgeschäfts­ stelle, Tel. 09 11-8 18 78 10, lfg@bund-naturschutz.de Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) CvD: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Redaktion: Christoph MarklMeider (cm), Jana Tashina Wörrle ( jtw) Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-29 und -20 Titelfoto: Uli Staiger/die licht gestalten

Auf der frei fließenden Donau geht es mit dem Schiff von Deggendorf an den großen Auwäldern entlang bis nach Vilshofen und zurück. Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger erklärt die Besonderheiten der vorbeiziehenden Landschaft.  Deggendorf, 29. Juli 2012 Kontakt: BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3 25 55, bund-naturschutz@degnet.de

Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Verlag und Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bundnaturschutz.de Auflage: 107.500 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im ­Beitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807

BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00 Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die ­Meinung der ­Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redak­tion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % ­Recycling­­papier gedruckt.

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Kitzbüheler Alpen

Spektakuläre Schluchten, prächtige Bergwiesen und Gipfelglück: Auf den Wanderungen lernt man die Blumen und Kräuter der Kitzbüheler Alpen kennen.  Österreich, 5. – 11. August 2012

Slowakischer Karst

Das »Slowakische Paradies« mit ­seinen Schluchten, ausgedehnten Hochflächen und rund 200 Höhlen bildet eine der schönsten Karstlandschaften Europas.  Slowakei, 11. – 18. August 2012

Sächsische Schweiz

Wandern auf den Spuren roman­ tischer Maler durch den Nationalpark Elbsandsteingebirge mit seinen Tafelbergen und aufregenden Felsformationen.  Deutschland, 26. August – 2. September 2012

Abruzzen und Majella

Herrliche Wanderungen führen durch Wiesen, Wälder und offene Landschaften zu Gebirgsseen und den Felsen der hohen Abruzzen.  Italien, 1. – 9. September 2012

Foto: ENIT

Grenzenlose Waldwildnis erwandern: Eiszeitliche Urwälder und einsame Hochmoore prägen das Landschaftsbild in Mitteleuropas größtem geschlossenen Waldgebiet. Das Werden und Vergehen ­natürlich wachsender Wälder vermittelt einmalige Erfahrungen.  Bayern und Böhmen, 29. Juli – 4. August 2012

Foto: Gross

Bayerischer Wald und Sumava

Genußbie re Riedenburger Brauhaus Michael Krieger KG D-93339 Riedenburg, Tel. 09442-9916-0, www.riedenburger.de

[2-12] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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IMPRESSUM

Projektentwickler Energiegenossenschaft

Kontakt: Evangelisches Bildungs­ zentrum, Tel. 0 92 32-99 39 21, www.ebz-alexandersbad.de Foto: BN Archiv

Foto: fotolia.com/Armstrong

BN-VERANSTALTUNGEN UND WEITERE TERMINE


Feste feiern. Freude schenken. Ein Fest steht an? Sie feiern Geburtstag, Einweihung, Jubiläum, Ihre Pensionierung oder ein Firmenevent? Dann bitten Sie Ihre Gäste doch um ein besonderes Geschenk: Wünschen Sie sich einfach von jedem Gast eine Spende für den BN. Das ist eine außergewöhnliche Idee. Und ein großes Geschenk für die Natur. Es dient dem Erhalt ihrer Schönheit und somit uns allen – heute und morgen. Wir helfen Ihnen beim Planen. Fordern Sie unser Infopaket mit beiliegender Karte an.

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Claudia Ciecior-Bordonaro Tel. 0941/29720-34 Fax 0941/29720-31 claudia.ciecior-bordonaro@ bund-naturschutz.de Bei Fragen zur Mitgliedschaft wenden Sie sich bitte an unsere Mitgliederverwaltung: Tel. 0941/29720-18 oder -20 oder -29

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JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter; Fotos: iStock

Bund Naturschutz in Bayern e.V. Landesgeschäftsstelle Dr.-Johann-Maier-Straße 4 93049 Regensburg


Natur + Umwelt 2-2012