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Natur+Umwelt www.bund-naturschutz.de Heft 1-2014  96. Jahr  1. Quartal

Hier passiert’s! Natur- und Umweltschutz entscheiden sich vor Ort


MI T GL IE DE R WE RBE N MITG LIED ER

Sind Ihre Freunde auch Freunde der Natur?

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Foto: fotolia.de, BN-Archiv

Dann sprechen Sie sie doch einfach auf eine Mitgliedschaft an! Haben auch Sie Freunde und Bekannte, die dazu beitragen möchten, Bayern lebenswert zu erhalten? Die sich für die Pflanzen, Tiere, Lebensräume und Landschaften unserer Heimat stark machen möchten? Dann erzählen Sie Ihnen doch mal vom BUND Naturschutz und seinen Tätigkeiten und sprechen Sie sie auf eine Mitgliedschaft an. Denn je mehr Menschen uns unterstützen, desto mehr können wir für Bayerns Natur erreichen. Eine Beitrittskarte finden Sie im Heft. Vielen Dank für Ihr Engagement!

Übrigens: Ein weiterer, guter Grund sich für eine Mitgliedschaft beim BN zu entscheiden ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest. Der BUND wurde als eine der beiden effizientesten und transparentesten Organisationen im Bereich Naturund Tierschutz bewertet.

EFFIZIENT UND TRANSPARENT

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Natur + Umwelt 1-2014

Inhalt BUND Naturschutz Bayern 4/5 Geehrt  Professor Gerhard Kneitz mit dem bayerischen Naturschutzpreis ausge­ zeichnet

6 Leserbriefe

7 Porträt Hans-Jürgen ­Buchner alias Haindling

8 Ratgeber  Wie schafft man es, den Fleischkonsum zu ­reduzieren?

9 Urlaubsspaß für alle Neues Angebot: Familienreisen

10 Raus in die Natur

11 Aktiv für den ­Amphibienschutz

12 Titelthema

22 Pflanzenporträt

23 Fotoseite Gerettete ­Landschaften

Raus in die Natur Inhalt BUND

B1 Editorial und Inhalt

24/25 Natur schützen

B2/B3 Magazin Kurznachrichten

26/27 Aktuelle Kurzmeldungen

B4 Kommentar

28 Neue Bücher

29 Aktuell   Prozess gegen die dritte Startbahn am Münch­ ner Flughafen abgeschlossen

B6 Titelthema Deutschland: ein Umweltcheck

34 Was hat’s gebracht? Zehn Jahre Bündnis zum Flächen­ sparen und mehr Regionales

B20/21 Biosphärenreservat ­Vesserthal-Thüringer Wald

38 Bildung

39 Termine

Die neue Rubrik bringt Wanderungen zu geretteten ­Landschaften. Zum ­Auftakt: Vorfrühling in den Donauauen. Seite 10

B18 Aktion Energiewende verteidigen

B22/23 Zur Zeit Garzweiler: Bürgerrechte erkämpft; Schmetterling des Jahres B24/25 Aktiv B27/27 Internationales B28/29 Junge Seite  Urban Garde­ ning-Projekt der BUND-­ Jugend

Liebe Leser

B30 Gerhard Kneitz im Gespräch

Ganz besonders möchte ich Sie diesmal auf unsere neue Rubrik »Raus in die Natur – gerettete Landschaften« aufmerksam machen. Sie zeigt, was den BUND ­Naturschutz ausmacht: das ehrenamtliche Engagement und der unermüdliche Einsatz vieler Menschen für die Natur in ganz Bayern. Das Ehepaar Ulrike Rohm-Berner und Winfried Berner hat als Chronisten viele der vom BN geretteten Landschaften erwandert und daraus ­ehrenamtlich einen lesenswerten Wanderführer gemacht: Dieser dokumentiert den Einsatz von fünf Generationen von Naturschützern und zeigt, dass sich Ihr Einsatz lohnt. Ihr Peter Rottner, BN-Landesgeschäftsführer

Hier passiert’s!

In Bayerns Städten und Gemeinden fallen wichtige ­Entscheidungen für den Umweltschutz – oder dagegen! ab Seite 12

Ein Bild sagt mehr …

… als 1000 Worte. Wie Fotograf Klaus Leidorf mit ­seinen Luftaufnahmen den Naturschutz unterstützt. Seite 24/25

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Verleihung des Bayerischen Naturschutzpreises 2013

Professor Gerhard Kneitz geehrt

Fotos: Eva Rieger

Als letzte große Festlichkeit im Jubiläumsjahr hat der BUND Naturschutz am 17. November in Regensburg den Bayerischen Naturschutzpreis verliehen. Es ist die Würdigung eines Lebenswerkes im Dienste des Natur- und Umweltschutzes.

Ehrung BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger (links) und der stellvertretende Vorsitzende Sebastian Schönauer (rechts) überreichten die Auszeichnung an Gerhard Kneitz, hier mit seiner Frau Inge.

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er Elfenbeinturm der Wissen­ schaft war ihm von Anfang an zu eng und seine wissenschaftli­ chen Erkenntnisse hatten nicht nur Veröffentlichungen, sondern auch Taten zur Folge. Professor Dr. ­Gerhard Kneitz, Jahrgang 1934, ist nicht nur angesehener Zoologe, sondern auch engagierter Umwelt­ schützer: Er begründete die Kreis­ gruppe Würzburg des BN und war

Gipfeltreffen des Naturschutzes

Urgesteine Zwei Urgesteine des Naturschutzes in Deutschland bei der Feierlichkeit: Gerhard Kneitz (Mitte) und der langjährige BN-Vorsitzende Hubert Weinzierl mit seiner Frau Beate Seitz-Weinzierl

viele Jahre deren Vorsitzender, 1975 war er Mitbegründer des deutschen Dachverbandes Bund für Umweltund Naturschutz Deutschland (BUND). Mit der Verleihung des ­Naturschutzpreises, der höchsten Auszeichnung des Verbandes, wür­ digt der BUND Naturschutz Kneitz’ herausragende Lebensleistung als Wissenschaftler, Naturschützer und Künstler, seinen Einsatz für die ­wissenschaftliche Erforschung der Ökologie von Kulturlandschaften, für die Rettung der Hochrhön und der alten Haustierrasse Rhönschaf sowie für vier Jahrzehnte ehren­

Anlässlich der Verleihung des Bayerischen Naturschutzpreises kam es in ­Regensburg zu einem Gipfeltreffen des Umweltschutzes zwischen Professor Dr. Hubert Weiger (BN-Landesvorsitzender), Dr. Roman Türk (Präsident des Österreichischen Naturschutzbundes) und Silva Semadeni (Präsidentin von Pro Natura Schweiz). Vor dem Festakt trafen sich die drei Vorsitzenden zu Gesprächen, in denen sie eine engere Zusammenarbeit vereinbarten. Vor allem beim Schutz der Alpen wollen die Verbände in Zukunft ihre Aktionen und Forderungen engmaschiger vernetzen.

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amtliches Engagement im BN und BUND. »Der Naturschutz profitiert noch heute von seinen Forschungen«, hob der BN-Landesvorsitzende ­Hubert Weiger in seiner Laudatio hervor. Die Themen des Biologen seien der Rückgang der Artenvielfalt und die Erforschung von Eingriffen in den Naturhaushalt gewesen. »Ihm ist schon als junger Mensch klar geworden, dass man sich nicht in den Elfenbeinturm zurückziehen darf, sondern aktiv werden muss«, so Weiger. Er erinnerte an Pionierta­ ten von Kneitz wie die Eröffnung


des ersten Ökoladens in Würzburg oder die Organisation des ersten deutschen Naturschutztages 1986, im Jahr der Atomkatastrophe in Tschernobyl. Ein »sehr, sehr dankbarer« Ge­ ehrter erinnerte in seiner Rede an die furchtbare Umweltverschmut­ zung der 70er- und 80er-Jahre: Fisch­sterben, offene Mülldeponien, großflächiges Waldsterben. Kneitz, der 1992 mit der BUND-Delegation an der UN-Klima-Konferenz in Rio teilnahm, hob das Leitbild der Nachhaltigkeit hervor, das damals festgelegt wurde, aber bis heute nur schwer umzusetzen sei. (lf)

E

in ganz besonderes Jahr ist vor­ über: Von Lindau bis Hof, von Berchtesgaden bis Aschaffenburg hat der BUND Naturschutz 2013 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Bei vielen fröhlichen Feiern – auch zahl­ reichen 40-Jahre-Jubiläen von Kreis­ gruppen – konnte man den BN in seiner ganzen Kraft und Vielfalt ­erleben. Nehmen wir doch diese Freude und diesen Schwung mit in das nächste Jahrhundert. Grund zur Freude gibt es auch im 101. Jahr genug: Wir sind so viele wie nie zu­ vor! Im Jubiläumsjahr durfte der BN das 200 000ste Mitglied begrüßen, eine junge Familie aus Oberbayern. Wie sie haben sich im vergangenen Jahr Tausende von Menschen ent­ schieden, den BUND Naturschutz als Mitglieder oder Förderer zu ­unterstützen. Ein solch erfreulicher Zuwachs ist nur möglich, weil der ­Verband durch zahllose Aktivitäten der Ehrenamtlichen vor Ort bekannt und anerkannt ist. Grund zur Freude gibt es auch, weil wir im vergangenen Jahr bei einer ganzen Reihe von Bürgerent­ scheiden erfolgreich waren. Als pro­ minentestes Beispiel sei der Erfolg von Nolympia genannt: Die Bürger­ innen und Bürger in München sowie den Landkreisen Traunstein, Gar­ misch-Partenkirchen und Berchtes­ gadener Land stimmten mehrheit­ lich gegen olympische Winterspiele 2022. Es war ein Kampf David gegen Goliath: Auf der einen Seite standen ein paar unverdrossene, bienenflei­ ßige Ehrenamtliche, auf der anderen Seite eine millionenschwere PRKampagne. Nicht einmal vor der Zwangsbeschallung von S-BahnFahrgästen schreckten die vermeint­ lichen Sportfreunde zurück. Der Er­ folg von Nolympia ist ein echter Mut­ macher, denn er zeigt, dass immer mehr Menschen nicht mehr an das Motto »höher, schneller, weiter« als Lösung aller Probleme glauben. Aber trotz aller Freude müssen wir auch sehen, dass das Jahr 2014 große Herausforderungen mit sich bringt. Da ist zum einen TTIP, das ­geplante Freihandelsabkommen zwi­ schen den USA und der EU. Hinter verschlossenen Türen, vorbei an

allen Möglichkeiten demokratischer Teilhabe, handeln Vertreter beider Seiten ein Abkommen aus, das sich als Büchse der Pandora erweisen könnte. Hormonbelastetes Fleisch, genmanipulierte Pflanzen, die ­Privatisierung der Trinkwasserver­ sorgung – solche und andere höchst unerfreuliche Themen könnten durch diese Hintertür plötzlich wie­ der aktuell werden. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sind zahlreiche Hebel versteckt, die dazu angesetzt werden können, die Energiewende auszubremsen. Und bäuerliche ­Betriebe in Bayern sind weiterhin durch die Agrarreform bedroht. So­ wohl das EU-Parlament als auch die Bundes- und die bayerische Staats­ regierung haben die Chance nur sehr zaghaft genutzt, umzusteuern in Richtung einer grüneren, gerech­ teren Agrarförderung. Deshalb möchten wir Sie bitten: Halten Sie dem BUND Naturschutz auch weiterhin die Treue. Zeigen Sie Flagge sowohl für die Bewahrung unserer Heimat als auch für eine ge­ rechtere Welt. Gehen Sie auf die Stra­ ße, nehmen Sie an Demonstrationen teil. Sprechen Sie Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunal­ wahl im März auf Umweltschutz­ themen an. Und ganz wichtig: Bitte gehen Sie zur Wahl! Geben Sie Ihre Stimme denjenigen Politikerinnen und Politikern, die sich für die Be­ wahrung von Natur und Lebensqua­ lität einsetzen. Gerade im kommu­ nalen Bereich entscheidet darüber oft eher die Persönlichkeit als das Parteibuch.

Foto: Roggenthin

Liebe Mitglieder Emotionen Berührte die Zuhörer mit seiner Donauhymne: Hans-Jürgen Buchner alias Haindling.

Nehmen wir den Schwung mit!

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Foto: Fotolia/fotobi

Energiewende

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, nu@bundnaturschutz.de Leserbriefe können gekürzt werden.

Zum Thema Energiewende und zum Leserbrief von Dr. Pillhatsch in der N+U 3/2013 erreichte uns diese Zuschrift: In einem Leserbrief meint Dr. Klaus Pillhatsch aus Regensburg, die Energiewende bedeute eine gigan­ tische Zerstörung unserer Umwelt. Sie habe nur negative Auswirkun­ gen. Dem widerspreche ich ener­ gisch: Die bisherige Energiewirt­ schaft zerstört mit Atomgefahren, Verwüstungen durch Uran- wie Kohleabbau und dem schleichen­ den Klimawandel die Lebensgrund­ lagen unserer Nachkommen. Viele dieser durch unseren Stromver­ brauch entstehenden Schäden fal­ len außerhalb Bayerns an. Das wird uns hoffentlich nicht beruhigen. Unser BUND Naturschutz will den Sofortausstieg aus der Atomkraft und will den klimaschädlichen Koh­ lestrom zurückdrängen. Mit Ein­

BN trauert um verdiente Mitglieder

Foto: privat

Der BUND Naturschutz trauert um Hildegard Madlener. Sie starb im Oktober im Alter von 93 Jahren in München. Hildegard Madlener war über viele Jahre hinweg eine der prägenden Persönlichkeiten im BN. Bereits seit den 1960er-Jahren war sie im BN aktiv. Seit Ende der 60er-Jahre leitete sie gemeinsam mit Professor Fritz Lense viele Jahrzehnte die Kreisgruppe München. In den 70er-Jahren war sie im Landesvorstand des BN sowie im Landesbeirat, dort als ­stellvertretende Sprecherin aktiv. Ein großes Anliegen war ihr die Verhin­ derung des Münchner Autobahnsüdrings. Ein Thema, das Generationen von Umweltschützern begleitet hat und immer noch ­begleitet. Dass die Planungen zum Südring heute endgültig beendet scheinen, hat der

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sparen, Effizienzsteigerun­ gen und Erneuerbaren Energien können wir das schaffen. Und über die ­vielen möglichen Wege können wir diskutieren. Windkraftanlagen sind beispielsweise meistens naturverträg­licher als neue Wasserkraftwerke oder noch mehr Maisanbau. Fundamentalkritik an der Energie­ wende jedoch fördert die Atomund K­limagefahren. Raimund Kamm, Energiebeauftragter Kreisgruppe Augsburg Zu einem Leserbrief aus der N+U 2/2012 zum Beitrag »Bayern bleibt schön« Als neues Mitglied beim BN bekam ich diese Zeitschrift und las mit Ent­ setzen den Leserbrief zum Thema »Bayern bleibt schön« von Frau v. Thiel, in dem sie sich über den ­Anblick der Windräder in der Natur beschwert. Für Frau T. und andere Windkraftgegner hätte ich einige wunderbare alternative Wander­ wege parat. Da wäre zum einen ein sehr idyllischer Weg direkt am Kern­ kraftwerk Grafenrheinfeld vorbei. Die lieblichen Kühltürme dieser malerischen Landschaft vermitteln einem ein wonniges Gefühl. Oder der Weg vorbei am Müllheizkraft­

Verband auch Hildegard Madlener zu verdanken. In vielen großen Studienreisen vom Neusiedler See bis in den Bayerischen Wald hat sie ihr Wissen weitergegeben. Ihre ­Reisen waren auch deswegen etwas Besonderes, da sie sowohl die Natur als auch die Kultur der jeweiligen Reiseziele vermittelte. Legendär sind ihre »Kripperlfahrten«. Ein weiterer ihrer Schwerpunkte war Wartaweil am Ammersee. Hildegard Madlener hat sich stets für Wartaweil eingesetzt und ist somit eine der Wegbereiterinnen für den hervorragenden Ruf, den Wartaweil heute in der Kinder- und Jugend-Umweltbildung hat. Auch das war ihr wichtig: die Jugendarbeit, um Kinder und Jugendliche an die Natur ­heranzuführen. Mit Hildegard Madlener verliert der BN eine höchst engagierte, zielstrebige Persönlichkeit. Der Verband wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Christian Hierneis und Hubert Weiger für den Landesvorstand

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werk in Burgkirchen ist unbe­ schreiblich schön. Auch die Wege rund um diverse Kohlekraftwerke sollen im wahrsten Sinne des ­Wortes atemberaubend sein! Julia Riedmann, Würzburg

N+U verteilt

Eine positive Rückmeldung zum Schwerpunktthema Landtagswahl in der N+U 3/2013: Über Ihren Artikel im Magazin 3/13, »Nachgefragt«, habe ich mich besonders gefreut. Ich fand ihn sehr gut und habe des­ halb telefonisch Fotokopien davon angefordert und prompt erhalten. Von diesen 150 erhaltenen Stück habe ich bis auf vier alle persönlich vor den Wahlen verteilt. Dieses Blatt kam sehr gut an. Nur drei oder vier der von mir freundlich Angespro­ chenen nahmen es nicht an. Ich er­ wäge sogar, mit diesem Blatt zu Sprechstunden von Landtags- und Bundestagsabgeordneten zu gehen, um zu fragen, warum die jeweilige Partei nicht für diese oder jene ­BN-Forderung eintritt. Auch unsere Mitglieder könnten zwischen den Wahlen zweimal zu solchen Akti­ vitäten aufgerufen werden, oder? Franz Xaver Amann, Hirschaid

Dr.-Ing. Wolfram Ziegler starb im Alter von 88 Jahren. Er gehörte viele Jahrzehnte dem BN an und war Mitglied der 1970 gegründeten »Gruppe Ökologie«, der neben Hubert Weinzierl Wissenschaftler und Publizisten wie Konrad Lorenz, Paul Leyhausen, Josef H. Reichholf, Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Horst Stern oder Heinz Sielmann angehörten und in der die Probleme eines grenzenlosen Wachstums diskutiert wurden. Bereits in seiner Dissertation (1979) befasste Wolfram Ziegler sich mit den Zusammenhängen zwischen Bevölkerungsentwicklung und der Tragfähigkeit von Ökosystemen. Innerhalb des BN war der überzeugte Naturschützer ein kritischer Mahner, dessen Analysen und Thesen auch in Zukunft für den Verband ­bedeutend sind. Dr. Gertrud Scherf und Hubert Weiger für den Landesvorstand


as ist das eigentlich für eine Welt, in der HansJürgen Buchner, 69, lebt? Als ich ihn im Dezem­ ber für ein Interview in der Nürnberger Frankenhalle treffe, ist es eine sehr künstliche. Bei den Proben für die abendliche Sternstunden-Gala des BR ist Showtime angesagt. Glitzernde Kulisse, eingängige Melodien und kitschige Beleuchtung. Heile Welt im Heimatland – wie soll uns da ein Gespräch über die andere Seite Bayerns gelingen? Doch als der unter dem Namen seiner Kult gewordenen Band und seines gleichlautenden Heimatortes Haindling bekannte Musiker vor mir sitzt, blendet nichts mehr. Buchner spricht bayerisch und geradeheraus, lacht verschmitzt, aber ehrlich und findet selbst für die bittersten Wahrheiten den sanftesten Ton. Der Mann, der eine Art bayerische Weltmusik kreiert hat, ist selbst geprägt von einer Welt, die alles andere als künstlich ist. Seit seiner Kindheit lebt er auf dem Land in unmittelbarer Nachbarschaft zur niederbayerischen Donau bei Straubing. Sein Vater war Tierarzt und nahm ihn oft mit, wenn er mit der Fähre über den großen Strom wech­ selte, um die Bauernhöfe am anderen Ufer zu erreichen. Jagd und Fischerei gehörten ganz selbstverständlich zum Leben. Doch zu seinem Leben sollte die Musik werden. Schon mit vier Jahren bekommt Buchner Klavier­ unterricht, mit elf hört er auf, nach Noten zu spielen, und mit 17 ist die Musik zu dem Medium geworden, in dem er auch öffentlich Anerkennung findet. Der junge Rebell tritt natürlich nicht in die Fußstapfen seines ­Vaters, bleibt der Musik treu und lernt darüber hinaus ein Handwerk. Mit 21 Jahren ist er Keramik-Meister mit Auszeichnung und hat auf dem Weg dahin auch noch seine Frau Ulrike Böglmüller gefunden. Gemein­ sam eröffnen sie eine Keramik-Werkstatt in Straubing.

Keine depperten Deppen

Bevor schließlich doch die Berufung Musik auch zum Beruf wird, steht noch ein anderes Schlüsselerlebnis: Buchner trifft Weinzierl. Bei einer Kundgebung gegen den Rhein-Main-Donau-Kanal hört der 24 Jahre junge Künstler die Rede des 33-jährigen Naturschützers. Ihm imponiert der kämpferische Ton von Hubert Weinzierl, der damals eine neue Ära der Umweltbewegung nicht nur in Bayern einläutet. »Seither bin ich im BN«, er­ zählt er, »und freue mich, dass es dort keine Deppen gibt, denen man erklären muss, dass sich das Grund­ wasser unten befindet.« Immer öfter fließt von nun an das ökologische Motiv in seine Lieder ein. Leidenschaftlich wendet er sich in Interviews oder bei seinen Auftritten vor allem gegen

Haindling-Sommerkonzerte 2014

Do., 5. Juni in Germering, Stadthalle Sa., 7. Juni in Nabburg, Nordgauhalle So., 8. Juni in Tapfheim, Bäldleschwaige Mo., 14. Juli in Weißenburg, Bergwaldtheater Fr., 1. August in Weitramsdorf, Schloss Tambac

Hans-Jürgen Buchner (Haindling)

Naturschutz zwischen zwei Liedern

Foto: Markl-Meider

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Naturschutz lebt – von Menschen, die ihre Stimme erheben. Das muss nicht lauthals sein. An der richtigen Stelle den richtigen Ton zu treffen, ist die eigentliche Kunst. Der Musiker Hans-Jürgen Buchner (Haindling) beherrscht sie wie kein anderer und stellt dieses Können immer wieder in den Dienst des BN. Insbesondere, wenn es um den Schutz der frei fließenden Donau geht, die ihn seit seiner Kindheit ­begleitet. Von Christoph Markl-Meider die Kanalisierung der Donau – allerdings auf die ihm eigene, hintersinnige Art. Bei einem kürzlichen Besuch von Horst Seehofer beschwört er in einer Donauhymne das Einzigartige, das auf dem Spiel stehe. »Zwischen Straubing und Vilshofen, da gibt’s ein Paradies«, singt er, »da fließt die Donau, wie sie woanders nicht mehr ist.« Wie wäre es, schmeichelt er dem Ministerpräsi­ denten, wenn »König Horst« als Retter dieser Donau in die Geschichte einginge? Als Hans-Jürgen Buchner vor einigen Jahren die Bayerische Naturschutzmedaille erhielt, wies der BNLandesvorsitzende Hubert Weiger in seiner Laudatio auf die unwiderstehliche »Kraft des Naturgefühls und die Macht ästhetischer Empfindungen im Menschen« hin, die seit der Gründung des BN vor 100 Jahren zu dessen bestimmenden Momenten gehören. Haindling stehe, so Weiger, in jener Linie heimischer Musikgrö­ ßen, deren Werk stark mit dem BN und dessen Anlie­ gen verbunden ist. Mit seiner Musik verschafft er einem anderen Bayern Gehör, einem, das sonst längst im Lärm aus Fortschrittshurra und Wachstumsgepolter untergegangen wäre.

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Ein Kind der Donau »Ein starker BN«, sagt Hans-Jürgen Buchner, »liegt mir deshalb am Herzen, weil er für meine Heimat mit einer lebendigen Donau kämpft.«

Kontakt Hans-Jürgen Buchner, Hello Concerts, Tel. 08 21-15 40 27, E-Mail helloshow@ aol.com, Internet: www.haindling.de


Klimakiller Fleischkonsum

Illu: Blumenschein

Weniger Fleisch auf den Teller

Die Fleischproduktion ist verantwortlich für fast 15 Prozent der weltweit vom Menschen verursachten ­Emissionen. Ein echter Klimakiller also. Weniger – und wenn, dann besser produziertes – Fleisch essen ist also die Devise.

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Foto: privat

und 60 Kilo Fleisch und Wurst – so viel aß jeder Deutsche im Durchschnitt 2012. Aktuell verzehrt ein Deutscher im Laufe seines Lebens vier Rinder, vier Schafe, 46 Schweine, 37 Enten, 12 Gänse, 46 Puten und 945 Hühner. Dieser Fleischhunger hat eine Agrar­ industrie hervorgebracht, die mit der Weideidylle aus der Werbung nichts mehr zu tun hat. Auf engstem Raum zusammengequetscht, werden die Tiere mit energiereichem Futter – oft genmanipuliertes Soja aus Übersee – in Rekordzeit schlachtreif gemästet. Bedenkt man dann noch die langen Tiertransporte, die Dum­ pinglöhne in deutschen Großschlachthöfen und die Horrorgeschichten über Tiere, die bei der Schlachtung nicht ausreichend betäubt sind, kann einem das Schnitzel schon im Hals stecken bleiben. Unser massenhafter Fleischkonsum funktioniert, weil wir verdrängen: das Leid der Tiere, die Umwelt­ zerstörung durch die Agrarindustrie, die klimaschäd­ Die Autorin lichen Emissionen, die Antibiotika-Rückstände im Luise Frank ist Fleisch … Es gibt also viele gute Gründe, den Fleisch­ BN-Referentin für Presse- und Öffent- konsum zu reduzieren und »Flexitarier« zu werden. Dann kann man ab und zu ein hochwertiges Stück lichkeitsarbeit.

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Fleisch aus artgerechter Tierhaltung genießen, am bes­ ten von Tieren, die viel auf der Weide sein dürfen. Der BUND unterstützt mehrere Projekte mit extensiver Weidewirtschaft, zum Beispiel das »Weiderind Fran­ kenwald«, an dem die Kreisgruppe Hof beteiligt ist. Weidewirtschaft kann zudem eine gute Möglichkeit sein, ökologisch bedeutsame offene Grasflächen zu er­ halten. Nur: Wie macht man das – weniger Fleisch essen? Wer eine warme Mahlzeit bisher als Fleisch + Kartof­ feln + Gemüse definiert hat, tut sich da erst mal schwer. Und so mancher tappt dann in die Kalorienfalle, weil er zu Pasta mit Sahnesoße, üppig mit Käse überbackenen Gratins und süßen Mehlspeisen greift – und nach dem Blick auf die Waage nächstes Mal doch lieber Hühn­ chenbrust isst. Rezeptbücher oder das Internet können hier vielfältige Anregungen liefern. Und außer Haus? Leider gibt es immer noch viele Lokale, die ihren Gästen fast nur Fleischgerichte an­ bieten. Fragen Sie ruhig mal nach einer vegetarischen ­Alternative. Und es gibt zum Glück immer mehr krea­ tive Köche, die mit frischem, saisonalem Gemüse ­leckere Gerichte zaubern. Vielleicht haben Sie einen Vegetarier im Bekanntenkreis, der ein Restaurant emp­ fehlen kann.

Wenig Fleisch essen – sieben Tipps

 Die Debatte um den Veggie-Day hat gezeigt: Fleisch ist in Deutschland ein heikles Thema. Verkneifen Sie sich jeden Missionierungsversuch, geben Sie einfach ein Beispiel, dass man auch mal genussvoll Gemüse­ lasagne statt Schweinebraten essen kann.  Der »Fleischatlas« des BUND informiert umfassend über den riesigen Fleischkonsum der reichen Länder und dessen Folgen: www.bund.net/fleischatlas  Unter www.vebu.de gibt der Vegetarierbund Tipps rund um fleischfreie Kost, von Ernährungstipps über Gratisrezepte bis hin zu Veggiehotels für den Urlaub.  Ihre Kantine wird auch in 100 Jahren keinen VeggieDay einführen? Dann bleiben Sie zumindest ab und zu bei den Beilagen und nehmen Sie sich dann ein zusätzliches Pausenhäppchen, ein Sandwich oder einen Joghurt, von zu Hause mit.  Wer den Fleischgeschmack vermisst, ist mit kräftig gewürzten Speisen wie Currys gut bedient. Auch »Als ob«-Versionen, zum Beispiel Nudeln mit Soja-Bolog­ nese oder Geschnetzeltes mit Seitan, können helfen, den Fleischhunger zu überlisten.  Die Angst vor Eiweißmangel ist bei Flexitariern völlig unbegründet – eine gesunde, ausgewogene Ernäh­ rung vorausgesetzt. Auch Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukte sind hochwertige Eiweißquel­ len.  Wenn Fleisch, dann sollte es bio und aus artgerech­ ter, regionaler Produktion sein, am besten vom Di­ rektvermarkter. Erkundigen Sie sich, ob es in Ihrer Region Anbieter von Biofleisch gibt. Tierschutzbe­ wusste Menschen können auch auf Fleisch aus dem Qualitätsprogramm von Neuland zurückgreifen.


Aus klein mach groß! Teleskope bringen der ganzen Familie die Natur näher.

REISEN

REISEN

Neu: Familienprogramme von BUND-Reisen

Foto: Werth

Unterwegs mit Herz und Hand

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Foto: NPZ Königstuhl

Aug’ in Aug’ »Den muss ich gleich fotografieren!« Begegnung mit einem Frosch live statt im Biologiebuch.

Wald- und Flusslandschaften, Moore und Meer entdecken – BUND-Reisen bietet ab kommenden Sommer vier Reisen innerhalb Deutschlands an, bei denen Erwachsene und Kinder gemeinsam in der Natur unterwegs sind.

rlaub mit der Familie ist schön. Aber oft auch ganz schön anstrengend. Da sind die Anreise, das Zu­ rechtfinden vor Ort sowie der Versuch, die Wünsche von Klein, Halbwüchsig und Groß unter einen Hut zu bringen. Das kann schon sehr herausfordernd sein. Aber wenn Familien im kommenden Sommer von einer der neuen BUND-Reisen nach Hause zurückkeh­ ren, dann liegen die Chancen gut, dass alle – Eltern und Nachwuchs – sagen: »Das war spannend und ent­ spannt zugleich.« Die Jungen sagen vielleicht »cool« und »chillig«, aber das Ergebnis sollte dasselbe sein. Der Reiseveranstalter des BUND Naturschutz hat vier Reisen entwickelt zu Orten, die sich quer über die Re­ publik verteilen: das Wildniscamp im Nationalpark Bayerischer Wald, der Waldnationalpark Harz, die Burg Lenzen inmitten des Biosphärenreservats Flussland­ schaft Elbe und die ostfriesische Nordseeinsel Lange­ oog im Nationalpark Wattenmeer. So unterschiedlich die Destinationen auch sind, so liegt der Schwerpunkt bei allen Reisen auf einem: El­ tern und Kinder – oder auch Vater und Tochter, Onkel und Neffe oder Pate und Patenkind – tauchen gemein­ sam in die Natur ein. Sie wandern, basteln, picknicken, staunen und lernen zusammen. Ausflüge und Aktivitä­ ten sind auf die Entdeckerlust und den Bewegungs­ drang von Kindern abgestimmt. »Die Großen sind dabei, aber können sich innerlich zurücklehnen, denn das Programm steht«, sagt Harry Karpp von BUNDReisen. »Die Schauplätze liegen nahe am Quartier, und erfahrene Umweltpädagogen verhelfen zu Eindrücken, die selbst engagierte Eltern ihren Kindern kaum ver­ schaffen können.« Wer hat schon ein kleines Segelschiff samt Chemiekoffer zur Verfügung, um die Wasserquali­ tät der Elbe zu messen? Und wer hat die Möglichkeit, mit einem BAT-Detektor die Schreie der Fledermäuse zu belauschen, die in der Dämmerung um Burg Lenzen

flattern? Wie soll Papa wissen, dass man mit­ ten im Bayerwald in Erdhäusern und Wie­ senbetten, ja, im Baumhaus schlafen kann, und nachts den Wind in den Wipfeln hört? Und woher soll Mama all die Hexensagen aus dem Harz kennen oder gar wissen, wie unterschiedlich Luchs und Wolf jagen? Die angesprochene Altersgruppe bei den Kindern und die Programmdichte der Rei­ sen sind unterschiedlich. So richtet sich beispielsweise das Programm an der Nordsee bereits an Fünfjährige und lässt den Familien zugleich viel Freizeit, um Strand, Wellen und Möwen zu genießen. Alle Programme haben Lücken, um sich einmal aus­ zuklinken. Manchmal gehen Kinder und Erwachsene auch getrennte Wege – die einen basteln, die anderen brechen zur Radtour oder ins Museum auf. Doch die meisten Aktivitäten sind gerade deswegen berei­ chernd, weil mehrere Familien mit von der Partie sind. Dass auch kürzere Beine länger durchhalten, sobald mehrere Kinder dabei sind, ist allen Eltern bekannt. Aber auch eine Stadtrallye, ein Pflanzenquiz, eine Nachtwanderung oder die Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn machen gemeinsam mehr Spaß. »Ein Urlaub mit Herz und Hand soll es sein«, um­ reißt Harry Karpp die Grundidee. »Das Angebot ver­ steht sich als Brückenschlag zwischen Naturschutz, Umweltbildung und Familienurlaub. Wenn wir Ver­ ständnis für die Natur wecken wollen, sollten wir bei den Kindern anfangen – wo denn sonst?« sagt Karpp. Wenn sich dies mit einem ebenso spannenden wie ent­ spannten Urlaub erreichen lässt, dann ist das eine Reise wert. Lucia Vogel

Ziele und Reisetermine

B  iosphärenreservat Flusslandschaft Elbe, Burg Lenzen: 26. 7. – 2. 8. 2014 N  aturabenteuer in der Harzer Bergwildnis: 2. – 7. 8. 2014 W  ildniscamp am Falkenstein, Bayerischer Wald: 16. – 23. 8. 2014 N  aturerlebnis auf der Nordseeinsel Langeoog: 9. – 16. 8. 2014 Preise und weitere Informationen bei: BUND-Reisen, ReiseCenter am Stresemannplatz, S ­ tresemannplatz 10, 90489 Nürnberg, Tel. 09 11-5 88 88-20, Fax 09 11-5 88 88 22, www.bund-reisen.de, info@bund-reisen.de

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Fotos: Berner

Die Aue erwacht Ein Meer von Frühlingsknotenblumen schmückt den Auwald, bevor das Grün des Frühlings wieder Einzug hält.

Gerettete Landschaften entdecken

Vorfrühling in den Donauauen

Im späten Winter kommt die Zeit, wo man mit zunehmender ­Ungeduld den Frühling erwartet, aber der Winter nicht gehen will. Ende Februar halten wir es nicht länger aus und f­ ahren zum »Grieshaus« im Isarmündungsgebiet.

E Die Autoren Winfried Berner, Mitglied des Landesvorstandes, hat mit seiner Frau ­Ulrike Rohm-Berner den Wanderführer »Gerettete Landschaften« ­verfasst. 14,90 Euro, im Buchhandel oder bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23- 9 99 57 20.

s ist noch viel zu früh, es kann eigentlich noch nichts da sein«, versuchen wir, unsere Erwartungen zu dämpfen und einer Enttäuschung vorzubeugen. Aber dann die Auwälder doch schon voll von »Schneeglö­ ckerln«, wie die Einheimischen sie nennen, bald darauf kommen zu den Frühlingsknotenblumen Blaustern­ chen (Scylla) und Schlüsselblumen dazu. Es ist über­ wältigend: ein Blütenmeer, das jede Gartenschau in den Schatten stellt. Fraglich, was davon übrig geblie­ ben wäre, wenn die geplanten Staustufen den Grund­ wasserspiegel erhöht und die Dynamik der Aue erstickt hätten. Ausgangspunkt unserer Wanderung ist das »Gries­ haus« bei Moos (nördlich der B 8 zwischen Plattling und Osterhofen in Richtung Sammern und Forstern zum Grieshaus, kein ÖPNV). Kinder brauchen am Grieshaus (1) erst einmal eine Weile, bis sie sich von dem Freigehege mit Esel und Ziegen losreißen können. Hinter dem Grieshaus überqueren wir auf einem Steg das Altwasser und haben dann gleich die Qual der

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Wahl: Sowohl im Auwald (2) als auch im Wald jenseits des Dammes ist der Boden übersät von Frühlingskno­ tenblumen. Nachdem wir uns sattgesehen haben, hal­ ten wir uns links und gehen unterhalb des Damms das Altwasser entlang, bis wir auf den Damm hinauf müs­ sen. Auf der Dammkrone führt der Weg weiter über ein Wehr (3). Auf der anderen Seite verlassen wir das Früh­ blüher-Quartier und folgen der Dammkrone etwa zwei Kilometer das Altwasser entlang. Auf der großen Feuchtwiese (4), die sich etwa nach halber Strecke rechter Hand öffnet, trifft man im Winter oft Wildgänse und andere Zugvögel an. Schließlich stoßen wir auf eine Wegkreuzung (5). Im spitzen Winkel nach rechts erreichen wir nach etwa 300 Metern eine idyllische Bucht (6), wo ein Isarmündungs-Altwasser auf die Donau trifft. Zurück an der Wegkreuzung gehen wir ­geradeaus auf den Weiler Isarmünd (7) zu, der 2013 aufgelassen wurde, weil er gegen die steigenden Hoch­ wässer nicht mehr zu verteidigen war. Wir folgen dem Fahrweg geradeaus in den Wald hin­ ein und gehen bald am Waldrand weiter auf den Damm zu, den entlang wir angereist sind. Die Hartholzaue (8) zu unserer Linken füllt sich, je weiter wir vorankom­ men, immer mehr mit »Schneeglöckerln«, und etwas später im Frühjahr findet man im Wald vereinzelt auch blühenden Seidelbast. Bei einem Schöpfwerk (9) errei­ chen wir wieder die Fahrstraße, die wir hergekommen sind. Es geht zurück zum Grieshaus, wo wir eine Brot­ zeit bekommen können. Oder wir machen Halt in der schönen alten Gaststube der Schlosswirtschaft in Moos. Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner


Mein Einsatz für den BN

»Für die Zukunft investiert« Frau Beischler, Sie unterstützen den BN seit ­Jahrzehnten mit großzügigen Spenden. Warum? Der BN ist in den 100 Jahren seiner Existenz in Aufga­ ben hineingewachsen, an die die Gründungsmitglieder wohl noch nicht gedacht haben. Um all seine Ziele zu erreichen, ist es wichtig, dass die Zahl von derzeit über 200 000 Mitgliedern weiter ansteigt. Nur über solche Zahlen ist die Politik zu beeindrucken, nur mit einem starken finanziellen Hintergrund kann auf Politik und Wirtschaft Einfluss genommen, kann ein Kampf für die Donau oder den Steigerwald geführt werden oder ist die Errichtung und Erhaltung von Schutzgebieten möglich. Mit welchem Argument würden Sie anderen ­Menschen ein solches finanzielles Engagement ­ebenfalls ans Herz legen? Es ist sehr wichtig, dass sich Menschen, denen es mög­ lich ist, durch Spenden oder Zustiftungen beim BN en­ gagieren. Diese Gelder gehen nicht verloren, sondern werden in den Naturschutz für die Zukunft investiert, damit auch spätere Generationen Natur noch erleben und sagen können: »Wie schön ist unser Bayern!« Hat es für Sie eine besondere Bedeutung, den ­Naturschutz in Bayern – also quasi vor der eigenen Haustüre – zu unterstützen? In meiner Jugend vor 60 Jahren gab es viele schöne ­Blumenwiesen auch innerhalb der Stadt Augsburg. Ge­ genüber meiner Schule floss ein kleiner Bach, in dem Frösche lebten, ja sogar im Stadtgarten konnte man sie im Teich beobachten. Alles entschwunden! Daher ist es so wichtig, dass sich Naturschützer für die verbliebe­

nen Reste einsetzen – sei es in der Stadt, vor der Haustür oder im Umland. Hat Ihr Ehemann Ihr starkes Engagement immer ­unterstützt? Ohne meinen Mann hätte ich den Erdkrötenwanderweg bei Derching keine 25 Jahre betreu­ en können. Er hat mit mir bei Regen und Sturm oft bis um drei Uhr morgens die Tiere eingesammelt. In der Biotoppflege kämpft er gegen die Herkulesstaude. Ohne seine Zustimmung hätte ich auch den BN nicht finanziell unterstützen können. Viele Menschen gruseln sich ein bisschen vor Frosch & Co. Ihnen liegt der Amphibienschutz ­besonders am Herzen. Warum? Viele Menschen gruseln sich vor etwas, das sie nicht kennen. Auch gibt es viele Vorurteile, die von den El­ tern auf die Kinder übertragen werden. Wer jedoch ein­ mal in die goldenen Augen einer Erdkröte geblickt hat, wird bemüht sein, sie vor dem grausigen Tod auf den Straßen zu retten. Was macht Sie im Rückblick auf Ihr jahrzehntelanges Engagement so richtig zufrieden? Mein Engagement hat meine Freizeit neben der beruf­ lichen Tätigkeit voll ausgefüllt und ich kann zu meiner Zufriedenheit sagen: Ich habe manches erreicht zum Schutz der Natur. Ich habe unzähligen Lebewesen das Leben gerettet und habe somit nicht ganz umsonst ge­ lebt. Das Interview führte Heidi Tiefenthaler

Foto: Patraulea

Doris Beischler ist eine wichtige Spenderin des BUND Naturschutz. Aber nicht nur das: Seit 1975 ist die Augsburgerin selbst im Verband aktiv, hat Jahrzehnte lang einen Erdkrötenwanderweg betreut, Teichanlagen u ­ nd Umsiedlungs­ aktionen betreut und Bürger über den Amphibienschutz informiert. Wir fragten sie, welche Bedeutung dieses zweifache Engagement für sie hat.

Doppelt engagiert Etwa 20 000 Erdkröten hat Doris Beischler schon ­eigenhändig das Leben gerettet – und mit ihren Spenden zahlreiche Naturschätze für die nächste Generation bewahrt.

www.heldenmarkt.de

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M nac esse hh fü Kon altiger sum n

8./ 9. März 2014 | München | Postpalast

Samstag 10 - 20 Uhr | Sonntag 10 - 18 Uhr | Eintritt: EUR | ermäßigt 6 EUR [1-14] Natur + 9 Umwelt BN-Magazin  11 | Kinder frei (bis 14 Jahre)


Hier passiert’s! D

Städte und Gemeinden spielen eine zentrale Rolle für (oder gegen!) den Umweltschutz. Am 16. März sind in Bayern Kommunalwahlen. Mit Ihrem Kreuz entscheiden Sie darüber, wer in Ihrer Gemeinde, in Ihrer Stadt die Weichen für die Zukunft stellt.

ort, wo wir leben, in unserem Dorf, in ­unserer Stadt, erfahren wir ganz direkt, wie politische Entscheidungen unser Leben beeinflussen. Wo darf gebaut werden? Kommt die versprochene neue Buslinie? Bleiben ­Wiesen, Parks und Äcker für die Naherholung bestehen? Gibt es eine Energiesparberatung und eine Energieversorgung mit hohem ­Anteil von erneuerbarer Wärme und Strom aus der Region? Alle diese Entscheidungen fallen in Kommunalparlamenten. Deshalb ist es gut, dass der BUND Natur­ schutz in der Fläche vertreten ist, sich in jedem Landkreis und vielen Kommunen vor Ort einbringen kann. Denn wir alle wollen,


­ ezentral versorgt werden, ob sich die Betrie­ d be um Verbrauchsreduzierung bemühen oder nicht. Für den Natur- und Umweltschutz sind die Kommunen damit unerlässliche Part­ ner. Sie können immer noch mehr Straßen bauen – oder durch kommunale Allianzen Schiene und ÖPNV fördern. Sie können als Vorbild ­vorangehen, zum Beispiel durch ein ökologisches, kommunales Beschaffungs­ wesen oder mit Einführung von Öko-Verpfle­ gung in kommunalen Einrichtungen. Sie ­können Bewusstsein schaffen und die eigene Bevölkerung für ein Umweltengagement ge­ winnen. Sie können sich für Gewerbeparks an der Autobahn oder für Naturschutzgebiete im Gemeindebereich einsetzen. Es gibt durchaus Gemeinden und Land­ kreise in Bayern, die – oft auch durch Initiati­ ven von engagierten BN-Aktiven und Kom­ munalpolitikerinnen und -politikern, einen Spitzenplatz im Ökocheck einnehmen. Wir wollen dazu beitragen, dass aus diesen einzel­ nen Leuchttürmen ein Lichtermeer in allen Regionen Bayerns wird. Tragen Sie dazu mit Ihrer Wahlentscheidung bei. Hubert Weiger

Foto: Fotolia/TwilightArt Pictures

dass unsere Kinder gefahrlos zu Fuß oder per Rad in die Schule kommen. Wir alle wollen, dass die Luft weniger krankmachende Schad­ stoffe enthält, dass wir um die Ecke noch einen Laden finden, dass auch alte Menschen ohne Auto einkaufen können, dass es im Sommer Schatten durch Bäume und frische Luft gibt. Vielen Bürgerinnen und Bürgern ist gar nicht klar, welch zentrale Rolle die Kommu­ nen für den Natur- und Umweltschutz ­spielen. Die Kommune ist die Schnittstelle zwischen Bürgern, Wirtschaft und Staat. Die Kommune ist Planungsträger und Kommu­ nalwirtschafter. Besonders gut sichtbar wird dies beim Thema Flächenverbrauch: Hier ­entscheidet die Kommune als Träger der Bau­ leitplanung, wo und wie gebaut oder ge­ schützt wird. Die Entscheidung über eine sinnvolle Nachverdichtung im Ortskern oder das fünfte Baugebiet auf der grünen Wiese fällt im Stadt- oder Gemeinderat. Oder das Beispiel Ver- und Entsorgung bei Abfall, Was­ ser und Energie: Die Kommune entscheidet, ob diese Versorgung in öffentlicher Hand liegt oder privatisiert wird, ob wir zentral oder


Fotos: Ruppaner, Fotolia/Rebel

Was hat Kommunalpolitik

Was wächst bei uns? Wächst hier Genmais oder nicht? Wer seine Gemeinderäte überzeugt hat, gentechnikfreie Kommune zu werden, kann sich sicher sein.

Gentechnikfreies Bayern sichern

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ank jahrelangem Widerstand von Umweltverbän­ den, Bauern und Verbrauchern ist Deutschland seit 2011 gentechnikanbaufrei. Andererseits werden bis heute 80 bis 90 Prozent der Rinder, Schweine und des Geflügels hauptsächlich mit gentechnisch verän­ dertem Soja gefüttert. Dessen Anbau in Mittel- und Südamerika vernichtet Lebensraum und Regenwald und schädigt die Anwohner durch hohen Pestizidein­ satz, wie zum Beispiel Glyphosat, einem Unkrautver­ nichtungsmittel. Derzeit unternimmt die EU-Kommis­ sion einen erneuten Anlauf, um eine weitere gentech­ nisch veränderte, insektengiftige Maislinie, den Pio­ neer 1507, zum Anbau zuzulassen. Umso wichtiger ist es, dass Kommunen und Land­ kreise ihre Beschlüsse zur Gentechnikfreiheit aufrecht­ erhalten. Bei Intensivlandwirten, die viel Mais anbau­ en und durch die Ausbreitung des Maiswurzelbohrers Einbußen befürchten, ist eine zunehmende Bereit­ schaft zur Anwendung dieser Technologie festzustel­ len. Im Rahmen einer bundesweiten Kampagne hat der BUND Naturschutz schon vor mehr als zehn Jahren ­begonnen, in Landkreisen, Gemeinden und Städten Beschlüsse herbeizuführen, dass auf den öffentlichen, »bürgereigenen« Flächen keine gentechnisch verän­ derten Pflanzen mehr angebaut werden. Dies wurde in entsprechenden Pachtverträgen festgeschrieben. Mit Selbstverpflichtungserklärungen erklärten auch Landwirte ihren Anbauverzicht. Darüber hinaus fordert der BN, dass Kommunen in den eigenen und staatlichen Versorgungseinrichtun­ gen (Krankenhäuser, Kindertagesstätten, Schulen) re­ gionale gentechnikfrei erzeugte Lebensmittel anbie­ ten, am besten aus Bioanbau. Bei den Lebensmitteln tierischen Ursprungs (Fleisch, Milchprodukte, Eier)

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heißt das, dass die Tiere kein gentechnisch verändertes Futter erhalten haben. Was die Verwaltungen anfänglich bekämpften, wurde seit 2010 bayerische Auszeichnungspolitik: Das Umweltministerium verleiht jetzt großzügig eine Pla­ kette »gentechnikanbaufreie Kommune« an die vorher vom BN und regionalen Bündnissen überzeugten Ge­ meinden und hat auf seiner Internetseite 200 Adressen aufgelistet. Das ist zu begrüßen, doch der BN fordert endlich Eigeninitiative des Ministeriums. Denn in Bay­ ern gibt es noch weitere 1856 politisch selbstständige Gemeinden, die einen Beschluss fassen könnten. Stephan Kreppold, Marion Ruppaner

Gentechnikfreie Kommunen

 Machen Sie Ihre Stadt oder Gemeinde zur gentechnikfreien Kommune, indem Sie Politikerinnen und ­Politiker von den Vorteilen der gentechnikfreien Landwirtschaft überzeugen.  Stadt- und Gemeinderäte können Beschlüsse fassen, die eigene Kommune als gentechnikfrei zu deklarieren und keine Gentechnik auf kommunalen Flächen zuzulassen.  Stadt- und Gemeinderäte können veranlassen, dass in kommunalen Einrichtungen nur GVO-freie ­Produkte verwandt werden.  Stadt- und Gemeinderäte können die Schaffung gentechnikfreier Regionen unterstützen und initiieren.  www.gentechnikfreie-regionen.de/aktiv-werden. html


Fotos: Ruppaner

mit meinem Essen zu tun?

ntensivlandwirtschaft und Massentierhaltung be­ drohen Gemeingüter wie Wasser, Boden, Luft, Arten­ vielfalt und Landschaftsbild. Eine Diskussion darüber ist in den kommunalen Parlamenten dringend not­ wendig. So darf zum Beispiel die Schließung eines Trinkwasserbrunnens wegen Überschreitung der Pes­ tizidgrenzwerte oder der Belastung mit Nitrat nicht länger kommentarlos hingenommen werden. Es liegt ein hohes Maß an Verantwortung auf den Schultern der Kommunalpolitiker bei der Genehmi­ gung von weiteren Großmastställen oder Biogasanla­ gen mit der Folge der weiteren Vermaisung der Land­ schaft. Allein in Bayern liegen rund 60 genehmigte Pläne für Schweinemastanlagen und Anträge für weite­ re 530 000 Hähnchenmastplätze in den Schubladen. Nachdem viele Bürgerinnen und Bürger Intensiv­ landwirtschaft und Massentierhaltung ablehnen, muss auch die Kommunalpolitik wesentlich mehr Zukunfts­ vorsorge für gesundes Essen und Trinken betreiben. Denn für ein bequemes »weiter so« zahlen mit Sicher­ heit unsere Enkel die Zeche.

Infos über Bio-Lebensmittel

 Die BN Kreisgruppe München bietet Beratung für Kindergärten und Betriebsgastronomie zum Einsatz von Biolebensmitteln an.  Broschüren über Biolebensmittel und andere ­Informationen und Downloads gibt es auf www.oekologisch-essen.de.  Der BN bietet Verzeichnisse des regionalen Ökolandbaus, zum Teil auch mit Adressen von Caterern: www.bund-naturschutz.de/Einkaufsführer  Weitere Infos für den Einsatz von Bio bei Großverbrauchern: www.oekolandbau.de/grossverbraucher/

Der BUND Naturschutz fordert deshalb: Regionale Wertschöpfungsketten unterstützen, die Umstellung auf ökologischen Landbau voranbringen und den Bau großer industrieller Tierhaltungsfabriken verhindern. Das müsste in allen Gemeinderäten diskutiert werden. Für die naturnahe Bewirtschaftung von Wasserschutz­ gebieten kann Ökolandbau oder extensive Weidehal­ tung ein gutes Projekt sein. Auch in der Ernährungsbildung gäbe es viel zu tun: Nachhaltige Ernährungskonzepte sollten gerade in öf­ fentlichen Einrichtungen stärker propagiert werden, und das heißt: gesündere Ernährung mit geringerem Fleischkonsum und mehr Obst und Gemüse, Lebens­ mittel aus ökologischem Landbau einsetzen, denn die ökologische Landwirtschaft hat nicht nur einen we­ sentlich geringeren Energieverbrauch, sondern gestal­ tet unsere Kulturlandschaft mit höherer Artenvielfalt. Gering verarbeitete Lebensmittel, am besten unver­ packt oder umweltschonend verpackt, sind zu bevor­ zugen, das erhält wertvolle Inhaltsstoffe und es entste­ hen weniger Abfälle. Hier gilt: regional ist erste Wahl, bei Importen Erzeugnisse aus fairem Handel bevorzu­ gen. Stephan Kreppold, Marion Ruppaner

Foto: privat

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Gesundes Essen Lebensmittel aus ökologischem Anbau und Kühe auf der Weide statt industrieller Massentierhaltung: Kommunen können naturverträgliche Landwirtschaft fördern.

Foto: Mader

Kommunalwahl und Lebensmittel

Die Autoren Stephan Kreppold ist der Sprecher des BN-Arbeits­ kreises Landwirtschaft. Marion Ruppaner ist die Agrarreferentin des BUND Naturschutz.

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Foto: Fotolia/Val Thoermer

Foto: Hartwig

Foto: Hartwig

Verkehrsverbund Statt immer neuer Straßen, deren Unterhalt kaum noch zu bezahlen ist, brauchen wir eine Stärkung von Öffentlichem ­Personenverkehr wie Bus und Bahn sowie mehr Rad- und Fußwege.

Schluss mit den Fehlern der Vergangenheit!

Wir brauchen eine neue Verkehrspolitik

Statt endlich einen Strukturwandel in der ­Verkehrspolitik voranzutreiben, wie dies auch schon in anderen Ländern geschieht, fällt der bayerischen Staatsregierung und vielen Politikern vor Ort meist nur ein, die immer gleichen Fehler zu machen: immer noch mehr Straßen zu bauen, egal zu welchem Preis. Es wird höchste Zeit für ein Umdenken!

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ayerische Beamte und Politiker schwören einen Eid auf die bayerische Verfassung, in der in Artikel 141 steht: »Mit Naturgütern ist schonend und sparsam umzugehen. Es gehört auch zu den vorrangigen Aufga­ ben von Staat, Gemeinden und Körperschaften des öf­ fentlichen Rechts Boden, Wasser und Luft als natürli­ che Lebensgrundlagen zu schützen.« Trotzdem werden in Bayern täglich rund 17 Hektar Boden versiegelt und rund 350 000 Tonnen Kohlendioxid in die Luft gebla­

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sen, ein guter Teil davon durch falsche Verkehrspolitik. Unverdrossen fordern Verantwortliche des bayerischen Innenministeriums den weiteren Ausbau der Straßen­ infrastruktur, obwohl Studien zeigen: Der Ausbau von Verkehrsinfrastruktur hat keine positiven regionalöko­ nomischen Wirkungen mehr. Bayern ist mit 2514 Kilo­ meter Autobahnen, 6544 Kilometer Bundes-, 14 000 Kilometer Staats- und weit über 100 000 Kilometer Kommunalstraßen mehr als genug erschlossen. Über­ holte Argumente wie »Erschließung ländlicher Räume«, »Ansiedelung von Gewerbe« und das Gerede von Fort­ schritt und Wachstum durch Straßen halten sich den­ noch hartnäckig bei Bürgermeistern, Stadt-, Gemein­ de- und Kreisräten. Technische Neuerungen, hohe Ge­ samtkosten und demografischer Wandel werden da ebenso ausgeblendet wie immer längere Staus, stei­ gende Unterhaltskosten oder das Sterben der Dörfer durch die Fernstraßen. Dabei leben wir längst im In­ formationszeitalter, müssen in Bildung und soziale Strukturen investieren statt in neue Straßen.


Foto: Pixelio/Thomas Siepmann

Bürgerinnen und Bürger sind oft moderner als Behör­ den und Politiker. Das zeigt die immer größere Zahl derer, die zur Arbeit radeln, den Öffentlichen Personen­ nahverkehr oder Mitfahrgelegenheiten nutzen. Auch die Tatsache, dass immer mehr Bürgerinnen und Bür­ ger mit viel persönlichem Engagement und enormem Fachwissen neue Straßen ablehnen und immer mehr Bürgerentscheide eingeleitet und gewonnen werden, ist dafür Beleg. In jüngster Zeit: B 26 (Karlstadt), B 308 (Immenstadt), B 19 neu (Fischen, es wurde sogar ein Tunnel abgelehnt), B 15 neu (Landshut), St 2027 (Vil­ lenbach und Buttenwiesen), Südumfahrung Erlangen, St 2067 (Inning am Ammersee). Noch verschläft die Politik die Entwicklung – we­ cken wir sie auf! Es gibt in Bayern kaum Beispiele für Verkehrsentlastung in den Gemeinden: der Rückbau im mittelfränkischen Weidenbach, ein Stück »Flüster­ asphalt« im dörflichen Kicklingen in Schwaben, die Sperrung einer Staatsstraße für Schwerverkehr am ­Tegernsee, die Trennung der B 10 in Leipheim in zwei Einbahnstraßen. Das ist zu wenig! Wir brauchen effektive Maßnahmenbündel bei der Planung, Finanzierung und Realisierung von Verkehrs­ beruhigung. Die Kommunen sind da völlig alleingelas­ sen. Sie müssen den Zorn der Bürger ausbaden, weil die Landespolitik eine »Leichtigkeit des Verkehrs« will, bei der die Anlieger nicht mehr schlafen können. Völlig

unverständlich, dass der zuständige bayerische Innen­ minister Herrmann trotzdem behauptet, man habe genug Erfahrung in der Umgestaltung von Ortsdurch­ fahrten, neue Modellvorhaben seien nicht nötig.

Aktiv werden im eigenen Interesse

Werden wir auf allen Ebenen aktiv! In Orts- und Kreis­ gruppen, in Agenda 21-Gruppen, in Kommunalparla­ menten, Bürgerinitiativen, als Elternbeiräte, in Kir­ chengemeinden und vor allem auch als Wähler. Ma­ chen wir den Gedanken, dass der Verkehr uns Men­ schen dient und es nicht umgekehrt sein darf, zum Gegenstand der öffentlichen Debatte. Nehmen wir das Debakel um den Transrapid, Stuttgart 21 und den ­Bürgerentscheid zum Münchner Flughafen als Signale zum Handeln. Sagen wir allen bayerischen Verkehrspo­ litikern, vom Baurat bis zum Minister, unmissverständ­ lich: Euer Eid auf die bayerische Verfassung verpflichtet euch auch zum Schutz der natürlichen Lebensgrund­ lagen. Macht richtige Politik im Interesse unseres jetzi­ gen Wohlstandes und des Wohlstandes kommender Generationen! Dafür verhalten wir uns ökologisch richtig, indem wir noch mehr radeln, Öffentlichen Per­ sonennahverkehr nutzen, Fahrgemeinschaften bilden und vieles mehr. Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger befürwortet das, aber es muss sich auch ren­ tieren. Gernot Hartwig

Runter vom Gas Viele Experten fordern schon lange eine flächendeckende Tempo-30-Regelung innerorts.

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Mut zum Rückbau Größere Gehwege und Fahrbahn­ verengungen in Wohngebieten wie hier in Weidenbach nehmen Tempo raus und machen die Straße auch für Fußgänger und Radfahrer wieder einladender.

Foto: privat

Gemeinden brauchen Verkehrsentlastung

Foto: Hartwig

Wenn wir weiter in Wohlstand leben wollen, brau­ chen wir in der Verkehrspolitik einen Strukturwandel mit Strategien zur Verkehrsvermeidung, neuen Behör­ denstrukturen, ehrlicher Kostenermittlung und sach­ lich statt politisch begründeten Mittelzuweisungen. Die zentralen Forderungen des BN dazu sind:  Wir brauchen Entschleunigung! Tempo 30 als Regel­ geschwindigkeit in Orten und Städten. Nur als Ausnah­ me sollten Kommunen Tempo 50 zulassen können.  Wir brauchen einen Verkehrsverbund aus Schiene, Bus, Rad und Fußgängern mit Kostenausgleich für die Nutzer statt des Kostenausgleiches für Autofahrer über die Entfernungspauschale.  Wir brauchen den Ausbau des Schienennetzes. Güter gehören auf die Schiene.

Der Autor Gernot Hartwig ist der Sprecher des BN-Arbeitskreises Verkehr.


Foto: Fotolia/Marco2811

Da geht noch mehr!

Energiewende in den Kommunen anpacken

Das Zauberwort unseres modernen Lebens heißt Energie. Das Schlüsselwort unseres modernen ­Lebens heißt »Energieverschwendung«. Das macht uns im BUND Naturschutz Sorgen – denn auch die Ressource Energie ist nicht unendlich.

Fotos: Mader

K Die Autoren Richard Mergner ist der Landesbeauftragte, Herbert Barthel der Energiereferent des BUND Naturschutz.

ommunikation, Medien und Spiele, Mobilität und Bewegung, Beleuchtung und Heizung, Maschinen und Arbeit, synthetische Kleidung, Nahrung aus dem Supermarkt, Medikamente und Krankenhäuser – und viele andere Annehmlichkeiten unserer modernen In­ dustriegesellschaft machen uns das Leben bequemer, angenehmer, leichter und auch länger. Die Nutzung der Ressource Energie erkaufen wir uns teuer mit hohen Risiken: früher Staub und Dreck, heute Klima­ wandel, Radioaktivität und zerstörte Flüsse. Für uns im BUND Naturschutz ist klar: Die Ressource Energie muss sorgsam und mit Verantwortung eingesetzt wer­ den. Energiesparen und Energieeffizienz sind deshalb die tragenden Säulen einer zukunftsfähigen Energie­

Bioenergiedörfer

»Das Phänomen, dass sich Ortschaften auf den Weg machen, ihre Energieversorgung in die eigene Hand zu nehmen, nennen wir in Deutschland «Bioenergiedörfer«, so Wolfgang Degelmann, Geschäftsführer beim BUND N ­ aturschutz Hof. Hier fand im November 2013 der »1. Inter­ nationale Kongress nachhaltiger Energieprojekte – Dezentral erneuerbar in die Zukunft« statt. Gäste aus Polen, Südtirol, D ­ änemark, dem Burgenland, von der Nordseeküste und aus Franken stellten ihre kommunalen Klimaschutzprojekte vor. In der Energievision Frankenwald haben bis heute über 15 Gemeinden den Schritt zum Bioenergiedorf gewagt – und es funktioniert!

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wende Bayern. Energiewende – ein Begriff, den wir im BUND Naturschutz vor über drei Jahrzehnten geprägt haben – weg von atomarer und fossiler Energie – hin zu Erneuerbaren Energien. In einer aktuellen Analyse hatte der Arbeitskreis Energie des BUND Deutschland im Herbst 2013 unter­ sucht, wie weit uns die Erneuerbaren Energie tragen können, in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr. Ergebnis: Es ist möglich, Deutschland bis 2050 zu 100 Prozent mit Erneuerbaren Energien zu versorgen. Und das mit Rücksicht auf und in Einklang mit Natur und Landschaft. Voraussetzung: wir schaffen es, in den Be­ reichen Strom, Wärme und Verkehr unsere Energiever­ bräuche in den kommenden ein bis zwei Generationen zu halbieren – »minus 50 Prozent« heißt das Ziel. In der großen Koalition scheint Kohleschutz den Vorrang vor Klimaschutz zu haben, die zukunftsfähige Energiewende ist in Gefahr unter die Ketten des Braun­ kohleabbaus zu geraten. Auch in Bayern will die Staats­ regierung unter Ministerpräsident Horst Seehofer eine ökologische Energiewende ausbremsen. Doch wir wer­ den uns mit neuen Allianzen verstärkt für das Ziel »Atomausstieg und Klimaschutz – jetzt« engagieren. Die Energiewende von unten ist machbar – Bayern ist voll mit Beispielen aktiver Bürgerenergiegesellschaften und kommunaler Aktionen für den Klimaschutz. Was wir benötigen, sind richtige Rahmensetzungen auf Bundes- und Landesebene und fachlich fundierte Klimaschutzkonzepte in allen 2065 Kommunen Bay­ erns: Konzepte, die den Energieverbrauch von Strom, Wärme und im Verkehr erfassen, für private Haushalte, für öffentliche Liegenschaften, für Gewerbe und Han­ del, für die Industrie; Handlungskonzepte, wo und wie Energie eingespart werden kann; Potenzialanalysen zur Nutzung Erneuerbarer Energien; und ein kommu­ nales Energiemanagement zur Umsetzung. Energie­ sparen ist komplex und erfordert Informationen: In jedem der 76 Landkreise Bayerns fordern wir daher un­ abhängige und vorgewerbliche Energiesparberater, fi­ nanziert durch die Landkreise, die eine Ini­tialberatung vor Ort und am Objekt anbieten. Richard Mergner, Herbert Barthel

Klimaschutzkonzept Pfaffenhofen

»Die Konservativen sind wir. Denn wir wollen nicht weniger, als die Umwelt und Natur erhalten und vor Verschmutzung, Beeinträchtigung oder gar Z ­ erstörung ­bewahren. Damit konservieren wir unsere menschlichen Lebensgrundlagen«, so Siegfried Ebner und Otmar Schaal vom BUND Naturschutz Pfaffenhofen. Eine Solar­ ausstellung des BUND Naturschutz im März 1990 in Geisenfeld war der »Urknall«, danach fanden sich etwa 20 Aktive zusammen und gründeten den Arbeitskreis ­Energie Pfaffenhofen. Im Januar 2013 verabschiedete die Stadt Pfaffenhofen ein vorbildliches Klimaschutzkonzept und führt somit die in 2010 begonnene kommunale Klimapolitik weiter. In einem Aktionsplan 2013 – 2017 werden Ziele definiert: Bis 2030 sollen die Treibhausemissionen der Pfaffenhofener Bürgerinnen und Bürger um 55 Prozent reduziert werden, das heißt die pro-Kopf-Emission von CO2 soll von derzeit 6,6 Tonnen pro Jahr (Bund: 9,8 Tonnen/Jahr) auf 3 Tonnen/Jahr verringert werden. Der Aktionsplan enthält Maßnahmen, Teilziele, ein Energiemanagement und Finanzmittel im Haushalt.


»Bürger sensibilisieren«

Was ist für Sie als Bürgermeister der Ansporn, sich in Ihrem Amt für den Klimaschutz stark zu machen? Das ist durchaus Eigenmotivation, denn ich bin Vater zweier Kinder und möchte, dass sie auch in Zu­ kunft in einer lebenswerten Welt leben. Gleiches wünscht sich sicher jeder, der nicht nur an sich selbst denkt, sondern auch an künftige Generationen. Viele Maßnahmen sind zwar von der großen Weltpoli­ tik abhängig, aber manches haben wir auch lokal, in der Kommune in der eigenen Hand. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen der Pfaffenhofener um 55 Prozent pro Kopf gesenkt werden. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie das schaffen? Zusammen mit den Pfaffenhofener Bürgern haben wir ein örtliches ­Klimaschutzkonzept entwickelt, in dem eine Vielzahl von Maßnahmen aufgeführt ist. Im Kern geht es um Bewusstseinsbildung und um die Sensibilisierung jedes Einzelnen. Und ganz konkret geht es zum Einen ums Energiesparen und zum Zweiten um die Schaffung und Nut­ zung regenerativer Energiequellen. Auch die Rekommunalisierung der

Klimaschutz im Westallgäu

Stromversorgung und die verstärkte Eigenproduktion von Energie direkt vor Ort ist für uns ein wichtiges Thema. Dass Klimaschutz uns am Herzen liegt und wir verstärkt tätig werden sollen, sieht man übrigens auch daran, dass gerade das Aus­ wahlverfahren für die Einstellung eines städtischen Klimaschutzma­ nagers läuft, der künftig die Maß­ nahmen anschieben und koordinie­ ren wird. Welche Bedeutung hat für Sie das Einbinden der Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungen, die eine engagierte Klimaschutzpolitik erfordert? Das Thema Klimaschutz ist überall präsent, aber wenn es an die per­ sönliche Lebensqualität und den ­eigenen Geldbeutel geht, sind die Sympathien meist sehr begrenzt. Wir müssen also versuchen, die Bürger zu sensibilisieren und zu in­ formieren, sie quasi mitzunehmen, damit sie wirklich dahinterstehen, wenn teure oder unliebsame Maß­ nahmen notwendig sind. Denn wir dürfen uns und den Bürgern nichts vormachen: Die Energiewende gibt es nicht zum Nulltarif.

Städte und Gemeinden können für die Anfertigung eines Klimaschutzkonzeptes bis zu 65 Prozent Förderung durch das Bundesumweltministerium erhalten. Für kleinere Gemeinden gibt es die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Landkreis eine Förderung zu beantragen. Infor­mationen dazu gibt es unter anderem auf der Homepage des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (eza!). Im Westallgäu haben bereits acht Kommunen in Teamarbeit und mit fachlicher Unterstützung der eza! K ­ limaschutzkonzepte erstellt und verabschiedet, mit Maßnahmen zum Energiesparen, zum Verkehr, zur Bildung und zum Ausbau der Erneuerbaren Energien, darunter Lindau, Lindenberg, Wasserburg, Scheidegg, Grünenbach, Heimenkirch, ­Maierhöfen und Stiefenhofen.

Foto: Stadt Pfaffenhofen

Die Stadt Pfaffenhofen geht in Sachen Klimaschutz voran. ­ Mit einem eigenen Klimaschutzkonzept und einem Aktionsplan sollen die CO2-Emissionen pro Einwohner deutlich gesenkt werden. Natur+Umwelt fragte bei Bürgermeister Thomas Herker nach den Gründen für dieses Engagement.

Hat das Pfaffenhofener Klimaschutzkonzept auch unpopuläre Entscheidungen erfordert? Bisher noch nicht, denn wir stehen ­ ja noch ganz am Anfang der Umset­ zung. Im weiteren Verlauf wird es aber sicher Meinungsverschieden­ heiten geben, z. B. schon bei der Frage, ob die Straßenbeleuchtung nachts heruntergefahren werden soll. Da besteht dann immer wieder Aufklärungs- und Diskussionsbedarf. Was raten Sie Bürgermeisterkollegen und Stadträten, die die Themen Klimaschutz und Energiewende in ihrer politischen Arbeit ebenfalls stärker gewichten wollen? Ganz einfach: Überlegen Sie nicht lange, sondern tun Sie’s! Und neh­ men Sie von Anfang an die Bürger mit! Das Interview führte Luise Frank

Landkreise und Stadtwerke

Artikel 83 der Bayerischen Verfassung besagt: (1) »In den eigenen Wirkungskreis der Gemeinden (Art. 11 Abs. 2) fallen insbesondere … die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser, Licht, Gas und e ­ lektrischer Kraft; …« Energie und Klimaschutz sind kommunale Aufgaben und Daseinsvorsorge in doppeltem Sinn: Wir brauchen zum einen Energie für das Leben von heute, müssen zum anderen aber auch Verantwortung für künftige Generationen übernehmen. Es gibt Kommunen, die diese Verantwortung in Bayern bereits anpacken wie die Stadt Wunsiedel in Oberfranken, die Stadt ­Hassfurt in Unterfranken, die Kommunen Vilsbiburg und Geisenhausen in Niederbayern, der ganze Landkreis Neustadt an der Aisch und andere, die sich auf den Weg gemacht haben. Wir im BUND Naturschutz haben zum Ziel, dass Klimaschutz­konzepte, ­Energiemanagement und Energiesparberatung in allen 2065 Kommunen und allen 76 Landkreisen zur Realität wird.

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Die große Verantwortung für Stadt- und Gemeinderäte:

Fotos: Fotolia/Orendi

Foto: Inge Steidl

Flächenverbrauch reduzieren

Foto: privat

Die Autoren Tom Konopka ist der BN-Regionalreferent für Mittelund Oberfranken, Thomas Frey ist BN-Regionalreferent für Schwaben.

Über neue Wohngebiete, Gewerbeflächen, ­Einkaufsmärkte und auch Straßen entscheiden weitgehend die Kommunen selbst. Das legt die »kommunale Planungshoheit« fest, sogar mit Verfassungsrang. Es bedeutet aber auch, dass die Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte ­Verantwortung dafür tragen, wie mit unserem Boden, unserer Freifläche, unserer Landschaft umge­gangen wird.

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ie kommunale Planungshoheit gibt den Städten und Gemeinden viele Rechte. Eingegrenzt wird die Planungshoheit durch Baugesetze, Naturschutzgesetze oder die Raumordnung. Nur fehlt es in Bayern häufig am Vollzug, so dass regelmäßig gegen Recht und Gesetz Baugebiete ausgewiesen werden. Mangels Klagerecht kann der BN das nicht überprüfen lassen. Mit seinem »Schwarzbuch Gewerbegebiete Bayern« hat der Ver­ band diese Entwicklung vor einigen Jahren eindrucks­ voll dokumentiert. Der seit Jahren anhaltend hohe Flächenverbrauch in Bayern – derzeit rund 17 Hektar oder umgerechnet 24 Fußballfelder pro Tag – zeigt, dass viele Kommunal­ vertreter ihrer Verantwortung für den Bodenschutz in der Vergangenheit nicht gerecht geworden sind. Hier können fortschrittliche Mandatsträgerinnen und Man­ datsträger viel erreichen und die Kommunalwahl kann die Willigen entscheidend stärken. Den größten Anteil am bayerischen Flächenver­ brauch haben neue Wohngebiete, weniger die in den Medien oft kontrovers diskutierten großen Verkehrs­ projekte. Etwa die Hälfte des Flächenfraßes gehen auf das Konto Wohngebiete, rechnet man die Wohner­ schließungsstraßen mit. Die Wohnsiedlungsfläche steigt bayernweit sehr stark an, obwohl die Einwohner­ entwicklung nur ein sehr mäßiges Wachstum aufweist. Selbst in Gebieten mit Bevölkerungsrückgang ist das so. Grund dafür sind vor allem die überall an den Orts­ rändern aus dem Boden sprießenden Einfamilien­ hauswohngebiete. Während vor 20 Jahren Wohnraum oft noch im vergleichsweise flächensparenden Ge­

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schosswohnungsbau oder Reihenhausbau errichtet wurden, sind es heute außerhalb von Ballungsräumen flächenzehrende Einfamilienhäuser mit immer größe­ rer Wohnfläche. Der Straßen- und Wegebau insgesamt schlägt mit 26 Prozent zu Buche, Gewerbe-, Industrie- und Betriebs­ flächen mit 13 Prozent. Besonders im ländlichen Raum wird mit Fläche wenig haushälterisch umgegangen, hier scheint ja noch viel Freifläche vorhanden zu sein. Deshalb wird dort Fläche auch oft zu viel zu günstigen Preisen ver­ ramscht. Bezeichnenderweise ist deshalb auch der an sich für seine schöne Landschaft bekannte Landkreis Oberallgäu bayerischer Meister im Flächenverbrauch, wenn man den Zeitraum der vergangenen zwölf Jahre betrachtet.

Foto: Gemeinde Furth

Foto: Mader

Infos zum Thema Das kommunale Flächenressourcenmanagement, den Flächenrechner, Vorträge beim Flächensparforum und viele nützliche Tipps ­findet man unter www.stmuv.bayern. de/umwelt/boden/ flaechensparen/ index.htm Das »Schwarzbuch Gewerbegebiete« und weitere nütz­ liche Tipps findet man unter www. bund-naturschutz. de/themen/flaechenschutz/tipps-undinfos.html

So geht’s: kurze Wege, attraktiver Ortskern

Gerade im ländlichen Raum sind seniorengerechte Wohnungen in der Nähe guter Infrastruktur oft Mangelware. Wenn sich Kommunen um ein attraktives ­Angebot für ältere Ehepaare oder Alleinstehende kümmern, denen ihr Haus mit Garten zu groß geworden ist, bekommen junge Familien wieder Wohnraum, ohne auf der grünen Wiese bauen zu müssen. Beim Flächensparforum zeigten Fachleute, welche Möglichkeiten es gibt, die »Witwensiedlungen« zu lebendigen Ortsteilen aufzuwerten. Furth bei Landshut (im Bild das Dorfzentrum) hat es vorgemacht: seniorengerecht mit guter Nahversorgung in der direkten Umgebung.


Welche Möglichkeiten hat die Kommunalpolitik?

Egal, ob Sie selbst in einem Kommunalparlament tätig sind oder ob Sie die gewählten Vertreter auffordern, im Sinne des Flächen- und Landschaftsschutzes tätig zu werden: Die Kommunalpolitik hätte es in der Hand, den Flächenverbrauch zu reduzieren. Mit dem »kommunalen Flächenressourcenmanage­ ment« kann Ihre Kommune die Innenentwicklung vor­ anbringen. Im »Bündnis zum Flächensparen« wurden dafür unter der Führung von Ministerialrätin Christina von Seckendorff hervorragende Instrumente geschaf­ fen. Eigentlich sollten alle Gemeinden eine Flächen­ management-Datenbank haben und Baulücken und Brachflächen zuerst nutzen, bevor Neuausweisungen am Ortsrand zugelassen werden. Doch zurzeit sind es nur etwa 20 Prozent der 2056 bayerischen Kommunen, die ihre Innentwicklungspotentiale erfassen. Während Baden-Württemberg seine Gemeinden zwingt, diese Vorgabe aus dem Baugesetzbuch umzusetzen, wird in Bayern weggeschaut. Und es lohnt sich, den Flächenrechner auszupro­ bieren. Auf mittlere Sicht ist es für Gemeinden viel günstiger, im ­Innenbereich Wohnflächen zu erschlie­ ßen als am ­Ortsrand. Um den Orts- oder Stadtkern attraktiver für Wohnen und Einkaufen zu machen, helfen Dorferneuerungsund Städtebauförderungsprojekte. Es kommt vor allem darauf an, das autofixierte Einkaufen in den Einkaufs­ zentren auf der grünen Wiese zu vermeiden. Während diese Supermärkte durch ihre flachen Baukörper und

So geht’s: angepasst bauen

Die meisten Einfamilienhaussiedlungen von heute sind austauschbar und haben eine geringere Dichte als die historischen Stadt- und Ortskerne. Wenn eine Parzelle neu bebaut wird, ist es nicht nur aus Flächenschutzgründen, sondern auch zum Schutz des Ortsbildes sinnvoll, den historischen Gegebenheiten angepasst zu bauen. In Städten sollte wieder städtisch gebaut werden, ebenso im ländlichen Raum nach Ortskernvorbild. Ein schönes Beispiel ­bietet Pfronten-Röfleuten (Foto). Hier entsteht eine bunte Mischung aus Wohnungen, Reihenhäusern und Doppelhaushälften mit zwei Vollgeschossen statt der oft üblichen 1,5 Geschosse. Die Autos ­verschwinden in einer Sammeltiefgarage.

riesigen Parkplätze selbst zum Flächenfraß beitragen, ist es vor allem die damit verbundene Trennung der Funktionen und das Auseinanderdriften, das die Orte so hässlich macht. Auf weiteren kommunalen Straßenneubau sollte verzichtet werden. Die meisten Städte und Gemeinden sind mit dem Erhalt und der Sanierung des bestehen­ den Straßennetzes finanziell schon am Limit. Statt des­ sen sollte der Ausbau des Öffentlichen Personennah­ verkehrs in den Fokus rücken. Tom Konopka und Thomas Frey

Foto: Konopka

Freiflächen haben viele Aufgaben für Mensch und Um­ welt. Unversiegelte Böden bieten Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Unzerschnittene und unzer­ siedelte Landschaft lässt auch anspruchsvollen Arten wie dem Luchs einen Platz. Nur unter unversiegeltem Boden kann sich sauberes Grundwasser, die Grundlage allen Lebens, bilden. Gesunde Böden dienen der Wie­ deraufarbeitung und Speicherung wichtiger Nährstof­ fe, dem Abbau organischer Abfälle und als Nährboden für Pflanzen. Wir brauchen Böden als Anbaufläche für Nahrungsmittel und Energiepflanzen. Schon heute haben wir zu wenig landwirtschaftliche Flächen in Deutschland, um uns mit unseren derzeitigen Ernäh­ rungsgewohnheiten versorgen zu können. Statt dessen benutzen wir Europäer Böden in Südamerika, vor allem für die Produktion von Futtermitteln. Freiflächen dienen auch der Frischlufterneuerung, wirken als CO2-Speicher und tragen damit zum Klima­ schutz bei. Sie sind aber auch angewandter Hoch­ wasserschutz. Unversiegelte Böden wirken wie ein Schwamm und halten das Wasser fest. Der Schutz von Freiflächen ist aber nicht nur für diese Ökosystemfunktionen wichtig. Die freie Land­ schaft ist der beliebteste Erholungsraum der Deut­ schen. Die bayerischen Tourismuseinnahmen beruhen auf der Unberührtheit der Landschaft. Mehr Flächen­ verbrauch führt dagegen zu hässlichem Siedlungsbrei, längeren Wegen und mehr Verkehr.

Foto: Kerber

Warum Flächensparen?

So geht’s: Recyclingflächen nutzen

Interkommunale Gewerbegebiete sind sinnvoll, wenn es Recyclingflächen in einer beteiligten Kommune gibt, die sich dafür anbieten. Dies können Konversionsflächen, große innerörtliche Brachen oder Bau­lücken sein. In Bamberg oder Schweinfurt ziehen in den nächsten Jahren die US-Truppen ab. Hunderte Hektar bereits für Kasernen und Panzerhallen genutzte Flächen können nun umgenutzt werden. Das ginge auch in Z ­ usammenarbeit umliegender Gemeinden mit der Stadt. Die solidarische Finanzierung des Flächenkaufs und die Flächenentwicklung können dann auch zur gemeinsamen Nutzung und Aufteilung der Steuereinnahmen ­führen. Unser Bild zeigt das Gelände der ehemaligen Spinnerei ERBA mitten in Bamberg. ­ Hier entstanden Wohnungen, Institute und ein Stadtpark im Rahmen der Landesgartenschau.

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Der Huflattich Auf einmal ist er da: Unbekümmert um die oft neben ihm liegenden grauen Hinterlassenschaften der Winterzeit hebt auf schuppigem Stängel der Huflattich (Tussilago farfara) sein gelbleuchtendes Blütenköpfchen ins spätwinterliche Sonnenlicht und verkündet: Es kommt wieder ein Frühling.

Foto: privat

M

Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­Pflanzenbücher verfasst.

eist erst, wenn sich die silbrigen Flugfrüchte zei­ gen, erscheinen auch die lang gestielten Laub­ blätter: bis 30 cm breit, rundlich-herzförmig, eckig, am Rand unregelmäßig gezähnt, unterseits weißfilzig be­ haart. Der wissenschaftliche Name ist vom lateinischen tussis (Husten) abgeleitet, und Huflattich zählt zu den ältesten Heilpflanzen gegen Husten. Als solchen emp­ fehlen ihn bereits die antiken Autoren wie Dioskurides oder Plinius. Noch im 20. Jahrhundert wurde in Kräu­ terbüchern die Inhalation des Rauchs getrockneter Huflattichblätter bei chronischer Bronchitis und Asth­ ma empfohlen. Auch Leonhard Fuchs empfiehlt in sei­ nem Kräuterbuch (1543) den Blätterrauch von »Roß­ hub« gegen »… den trucknen husten/ vnnd das kei­ chen oder enge des athembs«. Der Huflattich ist eine traditionsreiche Wildgemü­ sepflanze, die nicht nur in den Wildpflanzen-Kochbü­ chern der Kriegs- und Nachkriegszeiten vorgestellt, sondern etwa auch von Emma Zimmerer in ihrem »Kräutersegen« (1896) erwähnt wird.

Buchtipp: Wildkräuter & Wildfrüchte für die Küche

In ihrem aktuellen Buch zeigt unsere ­Autorin Gertrud Scherf die wichtigsten heimischen Wildkräuter und Wildfrüchte im Porträt und bringt Rezepte für leckere Gerichte. BLV-Verlag, ISBN 978-3-8354-1210-1, 14,99 Euro, neue Auflage ab März 2014 Bestellung unter Tel. 0 91 23 - 99 95 70, info@service. bund-naturschutz.de

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Nutzpflanze Huflattich Heilpflanze: Tee aus getrockneten Blättern bei akuten Katarrhen der Atemwege mit Reizhusten und Heiserkeit. Achtung: Vor einer Anwendung fachlichen Rat ein­holen. Heute gibt es alkaloidarme oder -freie Zucht­sorten; Blätter aus Wildsammlung sollten nicht verwendet werden. Wildgemüse: An unbelasteten Wuchsorten gesammelte junge Blätter als Zugabe an Salate und Wild­ gemüse, gehackt auf Butterbrot, als Roulade mit Hackfleisch- oder Reisfüllung. Achtung: Das Bundesinstitut für Risikobewertung ­ rät ab vom Verzehr von Pflanzenteilen, die Pyrrolizi­ dinalkaloide enthalten.

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Der BLV Pflanzenführer für unterwegs«, BLV Buchverlag

Porträt

Heute wird die arzneiliche und kulinarische Verwendung des Huflattichs wie auch ande­ rer Pflanzen, welche die leberschädigend und krebsfördernd wirkenden Pyrrolizi­ dinalkaloide enthalten, kritisch gesehen (siehe Kasten). Als Ersatz für den im 16. Jahrhundert nach Europa eingeführten Tabak dienten neben Teilen anderer Wildpflanzen vor allem Huflattichblätter, mit denen man auch den teuren Tabak gern »streckte«. Die wolligen Haare auf der Blattunterseite waren ähnlich wie Zunder ein Anzün­ demittel. Mit seinen unterirdischen Ausläufern ist der Huf­ lattich auf landwirtschaftlich genutzten Ton- und Lössböden ein lästiges Unkraut. Er fühlt sich aber auch auf Flächen wohl, wo er nicht stört, sondern als einer der ersten Frühlingsblüher mit seinem An­ blick erfreut – und Wildtiere nährt: auf Brachen, an Böschungen, in Kiesgruben, an Weg- und Straßenrän­ dern. Gerade im Siedlungsbereich findet er häufig die ihm zusagenden Bedingungen, nämlich viel Licht, stickstoffreichen und kalkhaltigen Boden. Der BN weist seit Jahrzehnten auf die Bedeutung der in Siedlungen, etwa an Straßenrändern, wachsen­ den Wildkräuter hin: Sie bieten Nahrung für Tiere wie Bienen, Schmetterlinge, Vögel oder Kleinsäuger. Sie halten den Boden feucht, schützen freie Flächen vor Erosion und Austrocknung, filtern und binden Stäube. Heutzutage scheint das Wissen um die Bedeutung der zwischen und neben Asphalt und Steinen ausharren­ den Siedlungsbegleiter und das Gefühl der ästheti­ schen Bereicherung durch die oft farbenprächtigen Pflanzengesellschaften vielfach wieder zu schwinden. Deshalb sollte bei Führungen, Vorträgen oder in Publi­ kationen erneut auf Nutzen und Schönheit der sponta­ nen Vegetation im Siedlungsbereich hingewiesen wer­ den.


Foto: Berner

Gerettete Landschaften

Der BUND Naturschutz hat mit dazu beigetragen, dass viele wunderschรถne Landschaften vor der Zerstรถrung bewahrt werden konnten. Einer dieser Erfolge ist die Rettung des letzten frei flieรŸenden Donauabschnitts in Deutschland vor einem Ausbau mit Staustufe und Kanal.


Fotos: Leidorf

Naturschutz von ganz oben Er trägt keine Kröten über die Straße, er zählt keine Vögel und pflegt ­ keine Streuobstwiesen. Warum also sollten wir einen Luftbildfotografen – wenn auch einen sehr guten – auf der Naturschutzseite porträtieren? Vielleicht, weil seine Bilder das vermögen,

was kein Spendenaufruf, keine Brandrede und auch kein kritischer Artikel schafft: Natur, und das was sie im Innersten ausmacht, auf direktem Wege über das Auge in die Köpfe der Menschen zu transportieren.

B

ewegt hat ihn beides schon früh, die Fotografie sogar noch früher als der Naturschutz. Drei Einsen im Zeugnis stellten schon in der Grundschule die Weichen für seinen späteren Berufsweg. Wer ein gutes Zeugnis vorweisen konnte, ­erhielt beim Fotohändler einen ­kleinen Plastikfotoapparat gratis. »Da hat meine Karriere begonnen«, meint Klaus Leidorf. Die zweite Leidenschaft, das Fliegen, brachte ihn auf den Berufs­ wunsch Kapitän. Doch die Luft­ hansa wollte ihn nicht – zum Glück, wie er inzwischen meint. »Heute fliege ich viel schöner und freier.« Und vielleicht sogar mehr als manch gestandener Berufspilot.

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Etwa 8000 Stunden hat Leidorf schon in seiner kleinen Cessna ver­ bracht, rund ein Jahr also. Und zu seinem Beruf hat er das Fliegen schließlich doch gemacht: Seit 1989 arbeitet der studierte Theologe und Historiker freiberuflich als Luft­ bildarchäologe für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Diese Aufgabe hat seine Sinne ge­ schärft für Dinge, die das Auge nur mit einem gewissen Abstand sieht.

Pure Ästhetik

Und der Naturschutz? War auch früh ein Bestandteil seines Lebens. Schon in den Anfängen seiner Zeit als Luftbildarchäologe war er Mit­ glied im BUND Naturschutz. Weil er

immer schon der Meinung war, der Mensch sollte verantwortungsvoller mit der Natur umgehen. »Als ich dann viel in der Luft war, habe ich umso mehr gesehen, was mit der Natur passiert.« Von oben merke man, wie stark sich der Boden ver­ ändert, dass es da nahezu kein Fleckchen mehr gebe, das der Mensch nicht schon irgendwie be­ arbeitet hat. »Naturschutzgebiete sind die allerletzten Inselchen«, meint Leidorf. Dort könne man noch die Prozesse beobachten, die die Natur im Gleichgewicht halten. »Aber man kann eben auch deutlich sehen, dass das Gleichgewicht immer stärker gestört ist«, berichtet der Fotograf.


Maschinengerecht In geometrische Formen gezwungene Natur: der Puttinger Bach im Landkreis Deggendorf

Wie gemalt Voralpenlandschaft zwischen den Osterseen und den Loisach-Kochelsee-Mooren: Vielfalt für Augen und Seele

Die Stärke seiner Bilder ist, dass der Betrachter zuallererst an der puren Ästhetik der Aufnahmen hän­ gen bleibt. Erst im zweiten Schritt kommt der Kopf ins Spiel. Und der spontane Gedanke kann ebenso »Wie schön!« oder »Wie schreck­ lich!« lauten. Leidorf sucht nach dem richtigen Fokus, um wachzu­ rütteln – für das Wunderbare, das es noch gibt, ebenso wie für jenes, das gerade zu verschwinden droht. Sein Ziel ist es, auch Menschen zu er­ reichen, die sich noch nicht enga­ gieren. Die denken, so lange es der bayerischen Wirtschaft gut geht, sei alles in bester Ordnung.

Was Bilder bewegen

Das war auch der Ansatz für den Bildband »Achtung Heimat« zum 100. Geburtstag des BUND Natur­ schutz (siehe Info am Textende). Von Anfang an war für Leidorf klar: Die­ ses Buch müssen wir so gestalten, dass es den Leuten Spaß macht – ohne erhobenen Zeigefinger. Ein­ fach zeigen: »Hey Leute, es ist so schön bei uns. Es lohnt sich, sich zu engagieren.« An die 100 Luftbildauf­ nahmen hat er dazu beigesteuert, die das Durchblättern des Buches

zu einer Reise durch heutige bayeri­ sche Landschaften macht: erschüt­ ternd schön, erschütternd fragil. Wie viel ein engagierter Verband und ein Künstler wie Leidorf zu­ sammen erreichen können, zeigt das Beispiel Grünes Band. Als sich die deutsch-deutsche Grenze 1989 endlich öffnete, hat der Fotograf den ehemaligen Todesstreifen kurz darauf komplett beflogen. Von der bayerisch-tschechischen Grenze bis hinauf zur Ostsee: 1400 Kilometer neuer Wildnis. Die Bilder dieser Reise haben wesentlich dazu beige­ tragen, den Verantwortlichen die Einzigartigkeit des ehemaligen Grenzgebietes klarzumachen. Ein Großteil davon konnte gerettet wer­ den. Dass seine Aufnahmen dazu beigetragen haben, darauf ist Lei­ dorf stolz. Er versucht, den Erfolg der Luftbilder in Worte zu fassen: »Wenn man mitten drin steht, ent­ deckt man schöne Pflanzen und mit Glück auch ein seltenes Tier. Aber von oben sieht man, wie lange die­ ses Band durch die Landschaft läuft. Beeindruckend …« sagt er – und mehr nicht. Er weiß eben, dass ein Bild mehr sagt als 1000 Worte. Heidi Tiefenthaler

Name: Klaus Leidorf Geburtsort: Bonn Beruf: Luftbildfotograf und -archäologe Alter: 57 Seelenlandschaft: unberührte Natur mit Wasser, Wüste und blühenden Wiesen Leidenschaft: suchen, sehen, sichtbar machen – und natürlich fliegen Wünsche für die Zukunft: auf der einen Seite mehr Weitblick und Verantwortungsbewusstsein bei Politikern, Lobbyisten und Funktionären, auf der anderen Seite weniger Korruption und Habsucht

»Achtung Heimat«, Volk Verlag, ISBN: 978-3-86222-114-1, 22  32 cm, 376 Seiten, 29,90 Euro, ­erhältlich über die BN Service GmbH, Tel. 0 91 23-99 95 70, im Buchhandel oder per Bestellkarte hinten im Heft.

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Große Transformation

E

Die Wildkatze erobert Bayern

I

BN-Schauküche auf der Mainfrankenmesse

U

nter dem Motto »Biokochen – mit Genuss und Verantwortung« präsentierten der BUND Na­ turschutz, der Bayerische Hotel- und Gaststätten­ verband, der Bayerische Bauernverband und Slow Food eine gemeinsame Bio-Schauküche auf der Mainfrankenmesse im Herbst 2013 in Würzburg. Gewürzt wurden die Kochshows mit Interviews und gemeinsamen Essen mit Prominenten aus Po­ litik, Wirtschaft, Verbänden, Bildung und Landwirt­ schaft. So ließ es sich etwa der Würzburger Bischof nicht nehmen, die Bio-Leckereien zu kosten. 8500 Interessierte nahmen die kostenfreie Broschüre mit den Rezepten aus der Schauküche auch gerne mit nach Hause. Daneben bot die BN-Kreisgruppe Würzburg noch einen Stand zur regionalen Biover­ marktung und eine Naturwerkstatt für Kinder an.

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BN und IG Metall gemeinsam für Energiewende

B

N und IG Metall sehen die Energiewende und den Atomaus­ stieg in größter Gefahr. In einem gemeinsamen Brief an Minis­ terpräsident Horst Seehofer und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner forderten sie deshalb im November 2013 bessere Rahmenbedin­ gungen für die Energiewende und den weiteren Ausbau der Wind­ kraft. Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger warnte, dass bei Ab­ standsregelungen um 2000 Meter und einer geringeren Einspeise­ vergütung in Bayern so gut wie keine Windkraftwerke mehr gebaut würden. Der BN erwarte deshalb ein klares Bekenntnis der Staats­ regierung zu Energieeinsparungen und zum weiteren naturver­ träglichen Ausbau von Wind- und Solaranlagen. »Uns treibt auch die Sorge um, dass die bisher nur unzureichend umgesetzte Ener­ giewende sowie die nicht ausreichenden politischen Rahmenbe­ dingungen Arbeitsplätze gefährden«, ergänzte IG Metall-Bezirks­ leiter Jürgen Wechsler.

Foto: fotolia.com/Ansebach

Foto: fotonatur.de/askani

m Winter 2012/2013 untersuchte der BN, wie weit die Wildkatze in Bayern verbreitet ist. Jetzt liegen die erfreulichen Ergebnisse vor: Gleich in sechs neuen Landkreisen wurden Wildkatzen nachgewiesen, auch weit von den bis dahin bekannten Verbreitungsgebieten entfernt. Überraschend waren vor allem die Funde im Altmühltal und bei Augsburg. Der Verbreitungsschwer­ punkt der scheuen Waldkatze liegt in Nordbayern, insbesondere im Nordwes­ ten Frankens. 150 ehrenamtlich arbeitende Wildkatzenfreunde hatten rund 1100 Lockstöcke aufgestellt und anschließend mehrere Wochen lang poten­ zielle Katzenhaare von den Stöcken aufgesammelt. Die Haare wurden gene­ tisch analysiert, so dass Verwechslungen mit wildfarbenen Hauskatzen aus­ geschlossen werden konnten. Die Untersuchungen werden aktuell auch in weiteren weißen Flecken der Wildkatzenverbreitung in Bayern fortgesetzt. Mehr Info: www.bund-naturschutz.de/wildkatze

rfolgreiche Wege zur großen Transforma­ tion« lautete der Titel einer Tagung, die im November 2013 an der Evangelischen Akademie Tutzing stattfand. Wie der Weg in eine nachhaltige, postfossile Zukunft ver­ träglich gestaltet werden kann, darüber dis­ kutierten Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Journalismus, von Behörden und Ver­ bänden. Zu den Vortragenden gehörten auch der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger und der BN-Landesbeauftragte Ri­ chard Mergner. Hubert Weiger erläuterte in seinem Beitrag, warum die ökologische und die soziale Frage nur miteinander gelöst werden können. Richard Mergner, der auch kommissarischer Verkehrsreferent des BN ist, plädierte für ein Umsteuern bei Raumund Infrastrukturplanung, um den motori­ sierten Verkehrsaufwand zu verringern. Mehr zum Thema Transformation siehe N+U 4-2013.


Ehrung für Donau-Retter

D Foto: wikimedia commons

ie Rettung der Donau hat viele Väter und Mütter. Einigen davon verlieh der BN im Rahmen des 22. Internationalen Do­ naukongresses am 30. November in Niederalteich Ehrenurkunden als kleines Dankeschön. Die Geehrten stehen stellvertretend für viele andere Aktive und Organisationen, die den Widerstand gegen den Donauausbau tragen, wie der Ökumenische Aktionskreis ­»Lebendige Donau«, die Freundinnen der Donau, die Kanuten, die Bürgeraktion Rettet die Donau, »Danubia Sound« und Vertreter und Vertreterinnen aller Parteien bis hin zur CSU. Geehrt wurden Hubert Weiger, Dieter Scherf, Georg Kestel, Andreas Molz, Richard Mergner, Hubert Ammer, Maria Birkeneder, Rudolf Fahrer, Florian Gaschler, Susanne Götte, Helmut Habereder, Eike Hallitzky, Elfrie­ de Maria Heining, Bruni Irber, Horst Meierhofer, Martin Primbs, Josef Rehrl, Heidi Reichl (für Max Scharnböck), Josef Reitberger, Hubert Stelzl und Marlis Thalhammer.

Diagnose: Auto-Virus

U

AKW Gundremmingen: Bürger stoppen Leistungsausweitung

A

ngesichts des massiven Gegenwinds aus der Bevölkerung hat die ­bayerische Staatsregierung im Dezember 2013 bei der Frage, ob die Stromproduktion des Atomkraftwerks Gundremmingen gesteigert werden solle, eingelenkt. Noch im Sommer 2013 hatte die Regierung eine Geneh­ migung für die Leistungsausweitung in Aussicht gestellt, kurz vor Weih­ nachten äußerte sich Ministerpräsident Horst Seehofer aber skeptisch. Daraufhin haben die Betreiber des Atomkraftwerks, RWE und EON, ihren Antrag auf Steigerung der Strompro­ duktion zurückgezogen. Das ist ein un­ mittelbarer Erfolg einer Unterschriften­ sammlung, die der BN zusammen mit seinen Partnern letztes Jahr gestartet hatte (vgl. N+U 3-2013). Über 32 000 Bürger haben dabei an den bayerischen Landtag appelliert, sich gegen eine er­ höhte Atomstromproduktion im ohne­ hin besonders gefährlichen AKW Gund­ remmingen auszusprechen und das Umweltministerium aufzufordern, den Antrag von RWE und EON auf Leis­ tungsausweitung abzulehnen. Die Un­ terschriften waren am 10. Dezember an Landtagspräsidentin Barbara Stamm übergeben worden. N+U dankt allen ­Lesern für die Unterstützung! Foto: Frey

nsere Gesellschaft ist vom Auto-Virus befallen. Das konstatierte der Wiener Ingenieur und ­Verkehrsexperte Prof. Dr. Hermann Knoflacher im Oktober 2013 bei den sechsten Wartaweiler Gesprä­ chen im BN-Naturschutzzentrum am Ammersee. Unsere Gesellschaft schaffe nicht mehr Strukturen für die Lebensqualität der Menschen, sondern für einen optimierten Autoverkehr. Die Ursache, warum der Mensch dem Objekt Auto alles unter­ ordne, sei die grundlegende menschliche Program­ mierung, selbst möglichst wenig Energie zu ver­ brauchen. Dabei sei das Auto eher Stehzeug als Fahrzeug, da es im Schnitt 23 Stunden pro Tag stehe. Deshalb will Knoflacher die Autos nur bis an die Siedlungsränder heranlassen, aus den Ortschaf­ ten sollten sie draußen bleiben. Im britischen Bir­ mingham bauten die Bürger den Autobahnring der Stadt zur Fußgängerzone um, im südkoreanischen Seoul trug man die Stadtautobahn ganz ab. (Bild: Herrmann Knoflacher in seinem »Gehzeug«, mit dem er den immensen Platzbedarf eines Autofahrers im Vergleich zu einem Fußgänger karikiert.)

»Arche« ist versteigert!

J

ubiläumsparty auf der Arche« hatte die Münchner Tageszeitung tz das Werk ihres langjährigen Zeichners und Karikaturisten Horst Haitzinger betitelt. Zum Geburtstag hatte er dem BN dieses wunderbare Motiv für eine Benefizauk­ tion zur Verfügung gestellt. Die Online-Versteigerung lief zum Jahresende aus. Das Original-Kunstwerk geht nun für 2200 Euro an den Höchstbietenden, der nicht namentlich genannt werden möchte. Das Geld kommt einem Natur­ schutzprojekt zugute, das der Künstler auswählen darf. Der BUND Naturschutz bedankt sich noch einmal ganz herzlich bei Horst Haitzinger!

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Geflügelte Gäste

Fledermäuse sind faszinierende Ge­ schöpfe: Sie »sehen« mit Schall und fliegen lautlos durch die Nacht. Doch zunehmend ist ihr Überleben bedroht, weil ihre Lebensräume ver­ schwinden. Gerade im Garten und rund ums Haus lassen sich Fleder­ mäuse gezielt fördern. »Ein Garten für Fledermäuse« regt dazu an, »fle­ dermäusisch« zu denken. Es erklärt, wie sich ein Garten gestalten lässt, damit er Interesse bei Fledermäusen weckt. Pflanzenlisten für unter­ schiedliche Standorte, Gestaltungs­ vorschläge und Baupläne für Fleder­ mauskästen helfen, den Tieren Nah­ rung und Unterschlupf zu bieten. Ob Staudenrabatte oder Trockenmauer, Obstbaumwiese oder Komposthau­ fen: Alle Gartenbereiche lassen sich fledermausfreundlich gestalten. Mit kompetenter Information über ihre Lebensweisen und praktischen Tipps zum Beobachten erhellt dieses Buch die verborgene Welt der Fle­ dermäuse – auf dass sie (wieder) zu Gästen im Garten werden. Dirk A. Diehl: Ein Garten für ­Fledermäuse, pala Verlag, 14 Euro

Ab in den ­Garten!

»Natur für jeden Garten« – der Titel ist Pro­ gramm. Rein­ hard Witt er­ klärt, was einen naturnahen Garten auszeichnet und zeigt anhand von zahlreichen Beispielen und vieler praktischer Tipps den Weg zum na­ turnahen Garten vor der eigenen Haustür, egal ob klein oder groß. Planen, vorbereiten, Anlage, ein­ pflanzen – alles wird Schritt für Schritt und praxisnah erklärt. »Natur für jeden Garten« besticht durch eine Fülle von Fotos und fachkompetenter Information. Dazu gibt es Pflanzentabellen und Pflanz­ pläne, mit denen sich auch Einstei­ ger zurechtfinden. Und nicht zuletzt ist Reinhard Witts flüssiger, humor­ voller Stil ein echtes Lesevergnügen! Reinhard Witt: Natur für jeden Garten, Verlag Naturgarten, 24,95 Euro, erhältlich im BUND-Laden (www. bundladen.de) oder bei Reinhard Witt, Tel. 0 81 21-4 64 83, oder über www.reinhard-witt.de

Mörderisch!

Regionalkri­ mis liegen im Trend. Leon­ hard F. Seidl macht jetzt sogar Natur­ schutz zum Krimithema. »Genagelt« spielt im Isental und rankt sich um den Protest gegen die A 94. Seidl ist selbst im Isental auf­ gewachsen und hat den jahrzehnte­ langen Kampf des BN gegen die ­Autobahn mitverfolgt und in den Roman einfließen lassen. Seine Hauptfigur, Privatdetektiv Freddie Deichsler, war schon lange nicht mehr im oberbayerischen Isental, wo er aufgewachsen ist. Und jetzt das: Sein Schulfreund Korbinian Brandner wurde in Tracht an den »Schwammerl« genagelt – das Sym­ bol für den Kampf gegen die Isental­ autobahn. Deichsler will wissen, wer Brandner so brutal umgebracht hat – und das nicht nur, weil er selbst der Hauptverdächtige ist ... Leonhard F. Seidl: Genagelt, emons Verlag, 10,90 Euro

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Prozessmarathon zu Ende

Foto: BN

Nach 41 Verhandlungs­ tagen und vier Tagen Augenscheintermin wurde die mündliche Verhandlung im Prozess gegen die 3. Start- und Landebahn am Flughafen München am 15. Januar beendet.

D

er Bedarf für eine dritte Start- und Landebahn am Münchner Flughafen ist weniger denn je gegeben. Darin waren sich die Kläger und deren Anwälte in den Schlussplädoyers einig. Die Bedarfsprognosen, so be­ tonten alle, seien völlig realitätsfremd. Die Flugbewe­ gungen waren 2013 wieder nicht gestiegen, sondern auf das Niveau unter 2004 gesunken. Umso unverständlicher war für alle Kläger, dass das Gericht die 201 Tatsachen-Beweisanträge aller Kläger abgelehnt hat, auch diejenigen zur Überprüfung des Bedarfsgutachten. Auch die Beweisanträge des BN zum Themenkomplex Naturschutz wurden vom Ge­ richt abgelehnt. Der BN hatte zahlreiche Lücken, Män­ gel und Defizite in den Gutachten und der Bewertung zum Arten- und Naturschutz dargestellt. Beispiels­ weise wurden Rast- und Zugvögel von den Gutachtern dort, wo 900 Hektar Vogelschutzgebiet verloren gehen, nicht erfasst – trotzdem schließt die Regierung von Oberbayern erhebliche Verschlechterungen der Be­ stände aus. Den Gutachterstreit kommentierte das Ge­ richt oft: »Der eine sagt so, der andere sagt anders«. Und laut Rechtssprechung hat im Zweifelsfall die Be­ hörde Recht. »Doch das bayerische Landesamt für Umwelt und die Höhere ­ ­ Naturschutzbehörde sind­ vor Gericht keine neutralen unabhängigen Experten mehr«, so BN-Vorsitzender Hubert Weiger, »sondern Teil des Genehmigungsapparates, Teil der Beklagten, Teil einer Landesregierung, welche dieses Projekt und die Zerstörung mit geplant und genehmigt hat und jetzt vor Gericht verteidigt.« Es kann nur eine Schlussfolgerung geben: Der Schutz der Menschen und die nachweisliche Schwere der nicht ausgleichbaren Verluste von Arten sowie der Schutz des Vogelschutzgebietes müssen höher gewich­

tet werden als kürzere Umsteigezeiten und ein Luxus­ ausbau für Lufthansa und die Flughafen München Ge­ sellschaft. Die 3. Bahn stünde im Widerspruch zu poli­ tischen und gesellschaftlichen Zielen und Verpflich­ tungen des Freistaates Bayern und der Bundesregie­ rung. »Nicht die 3. Bahn ist wichtig, sondern Klima­ schutz, Flächenschutz, der Stopp des Verlustes der Biodiversität, ein besserer Schutz vor Lärm und Luft­ schadstoffen. Wir brauchen eine Abkehr von der Aus­ richtung auf ein scheinbar unendliches Wachstum«, so Hubert Weiger im Schlussplädoyer für den BN. In München hat eine deutliche Mehrheit der 3. Bahn bereits per Bürgerentscheid eine Absage erteilt. In der Stadt München ist es üblich, sich weit über das ver­ bindliche eine Jahr hinaus an solche Entscheidungen zu halten. Für einen Baubeginn ist aber die Zustim­ mung der Stadt München nötig. Sollte das Urteil also gegen Mensch und Natur und für die 3. Bahn ausge­ hen, könnte trotzdem nicht gebaut werden, solange die Stadt München sich daran hält. Es bleibt Zeit für den weiteren Widerstand, bis auch die bayerische Staatsre­ gierung von der 3. Bahn abrückt. Außerdem würde der BN in die Revision gehen oder falls nötig die Revision beantragen. Christine Margraf Die Urteilsverkündung am 19. Februar 2014 fand nach Redaktionsschluss statt und konnte nicht mehr berücksichtigt werden. Aktuelle Informationen dazu sowie auch die Schlussplädoyers und weitere aktuelle Bewertungen gibt es auf www.dritte-startbahn-stoppen.de.

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Gerichtstermin Vertraten die Klage des BN gegen die dritte Startbahn vor Gericht: (vo. li.) der Freisinger BN-Kreisgruppenvorsitzende Dr. Christian Magerl, BN-Anwalt Dr. ­Ulrich Kaltenegger, BN-Regionalreferentin und Artenschutzexpertin Dr. Christine Margraf, BN-Anwältin Ursula Philipp-Gerlach, Manfred Drobny, Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe Erding, BN-­ Landesvorsitzender Prof. Dr. Hubert Weiger, BN-Landesbeauftragter ­Richard Mergner.

Foto: privat

Deutliche Worte gegen dritte Startbahn

Die Autorin Christine Margraf ist die BN-Regionalreferentin für Oberbayern. Sie hat den BN im ­Prozess gegen die dritte Startbahn vertreten.


Viele Worte, wenig Taten

Zehn Jahre Bündnis zum Flächensparen in Bayern

Foto: Claus Hensold

Seit 2003 arbeitet das Bündnis zum Flächensparen in Bayern. Der BUND Naturschutz ist mit anderen Umweltorganisationen seit Anfang an kritischer Partner im Bündnis. Was hat es gebracht? Hat es außer Papier etwas bewegt?

Rückblick nach zehn Jahren Die Ausstellung »Wie wohnen, wo leben – Flächen sparen, Qualität gewinnen« gehört neben Materialien zum kommunalen Flächenressourcenmanagement zu den Erfolgsprojekten des Bündnisses. Sie wurde weit über 100 Mal präsentiert.

Fotos: Mader

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Die Autoren Tom Konopka ist Regionalreferent im BN, Richard Mergner ist der BN-Landesbeauftragte.

as hatte es sich nicht alles vorgenommen: Eine »Ver­ pflichtung zur deutlichen Reduzie­ rung des Flächenverbrauchs«, »die Flächeninanspruchnahme deutlich … senken«, »die notwendigen Be­ dürfnisse unserer Gesellschaft mit dem Ziel einer flächensparenden Entwicklung in Einklang … brin­ gen« (Innenminister Beckstein und Umweltminister Schnappauf 2005). Praktisch alle Innen- und Umwelt­ minister danach bekräftigten das Ziel. Wen hatte man nicht alles ins Boot geholt: Die Oberste Baubehör­ de, die den Straßenbau in Bayern und die Genehmigungsbehörden verwaltet. Den Bayerischen Ge­ meindetag, den Landkreistag und den Städtetag, deren Mitglieder die Siedlungsentwicklung kontrollieren. Den Bauernverband, dessen Mit­ glieder den Grund und Boden besit­ zen. Zuletzt auch den Sparkassen­ verband, der mit seinen Krediten die Häuslebauer finanziert. In einem gemeinsamen Beitrag zur Festschrift »10 Jahre Bündnis zum Flächensparen in Bayern« zeig­ ten sich im Oktober 2013 die Präsi­ dentin des Bundesverbandes Bo­

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denschutz, Prof. Dr. Gabriele Broll, der Vorsitzende des Landesbund für Vogelschutz, Ludwig Sothmann, und der Landesvorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern, Prof. Dr. Hubert Weiger, sehr kritisch, was die Bilanz des Bündnisses betrifft: Die Hoffnung, mit dem Bündnis den verheerenden Flächenfraß in Bayern zügig reduzieren zu können, sei bisher nicht erfüllt worden. Es mangele an der Umsetzung des Flä­ chenressourcenmanagements der Kommunen. Sie verwiesen dabei auf den seit 2003 praktisch nicht gesenkten Flä­ chenverbrauch von 17 Hektar pro Tag in Bayern. Der Freistaat ist seit langem Spitzenreiter beim Flächen­ fraß, während fast alle anderen Bundesländer laut Umweltbundes­ amt ihren Flächenverbrauch seit Jahren senken. Ursache für das weitgehende Scheitern dürfte der »kooperative Umweltschutz in Bay­ ern« sein, der hier eine lange Tradi­ tion hat. 1998 wurde das Bayern­ Netz Natur initiiert, 1999 der Um­ weltpakt mit der Wirtschaft. Ziel ist es, freiwillige Umweltleistungen zu erreichen. Was bei derart auseinan­ derdriftenden Interessenlagen of­ fensichtlich schwierig ist. Die Staatsregierung versäumt es seit Langem, klare Rahmenbedingun­ gen zu setzen, um den Bürgermeis­ terwettbewerb um Arbeitsplätze und Steuern zahlende Einwohner zu begrenzen. »Wir setzen trotzdem auf das Bündnis, weil es das Ziel einer nachhaltig umweltgerechten Bo­ denpolitik, der Erhalt schöner Landschaften und attraktiver Orts­ bilder, der Schutz der Lebensstätten wildlebender Pflanzen und Tiere sowie eine gesunde Umwelt verdie­

nen«, so die drei Verbandsvorsitzen­ den abschließend. Der BN wird die Kluft zwischen Wort und Tat beim Flächenschutz in Bayern künftig noch vehementer anprangern. Tom Konopka, Richard Mergner Die Broschüre »10 Jahre Bündnis zum Flächensparen in Bayern« ist erhältlich unter www.stmuv.bayern. de/umwelt/boden/flaechensparen/ buendnis.htm

Kommentar: Alles so schön freiwillig

Mit einem Festakt in München ­feierte sich das Bündnis zum Flächensparen im November 2013 selbst. Die Veranstaltung machte deutlich, dass es auch außerhalb des Bündnisses starke Verbände braucht, um den Flächenverbrauch zu begrenzen. In Vertretung des verhinderten Umweltministers Dr. Marcel Huber betonte Ministerialdirigent Dr. Martin Grambow die Notwendigkeit zu Maßnahmen einzig auf freiwilliger Basis. Wenn man weiß, dass das bayerische Desaster beim Boden- und Landschaftsschutz auf der CSU-beschützten Freiwilligkeit beruht, ist das ein Affront gegen alle, die sich für Flächenschutz einsetzen. Die Vertreterin der Obersten ­Baubehörde, Ministerialdirigentin Ingrid Simet, stellte sogar ­das ­ Ziel der Bundesregierung, den ­Flächenverbrauch bis 2012 auf 30 Hektar pro Tag bundesweit zu reduzieren, in Frage und bezeichnete es als »utopisch«. Wenn man bedenkt, dass Bayern derzeit 17 Hektar pro Tag zubetoniert, weil alle Regelungen auf Freiwilligkeit basieren, ist das kein Wunder. Tom Konopka


Nach dem Jahrhunderthochwasser vom Juni 2013 haben die ersten Verfahren zum Ausbau des Hochwasserschutzes an der Donau begonnen. Dabei setzt der Freistaat einseitig auf technische Lösungen, kritisiert der BUND Naturschutz. Naturnahe Ansätze bleiben weitgehend außen vor.

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ie Deiche an der Isarmündung und der Mühlhamer Schleife sind mittlerweile zwar repariert und auf etlichen Kilometern Länge mit Spundwänden gegen die Gefahr eines erneuten Deichbruches ver­ stärkt. Doch nach wie vor ist ein Großteil der Deiche zwischen Strau­ bing und Vilshofen zu niedrig und nicht ausreichend standsicher. Bis zum Jahreswechsel sind daher meh­ rere Planfeststellungsverfahren zum Ausbau des Hochwasserschutzes angelaufen. Gleich das erste Verfahren zum Deichneubau bei Fischerdorf ist ein diffiziler Fall: In der ursprünglichen

Foto: Schlegel (PNP)

Verdienstvoll verjüngt: Für die vor­ bildliche Bewirtschaftung ihrer Wälder erhielten am 4. Dezember von Forstminister Helmut Brunner insgesamt 14 Waldbesitzer den Bayerischen Staatspreis. Ausge­ zeichnet wurde auch der Kirchen­ stiftungswald Kößlarn im Land­ kreis Passau. Beim Festakt in der Münchner Residenz nahm der Kößlarner Pfarrer Gottfried Werndle als Vertreter des Eigen­

Planung des Flutpolders waren die artenreichen »Schüttwiesen« aus­ genommen. Angesichts des JuniHochwassers soll nun der Polder größer werden und auch diesen Be­ reich umfassen, wobei die Auswir­ kungen auf die dortige Flora und Fauna nicht absehbar sind. Die Mög­lichkeit, weitere Überschwem­ mungsflächen zu erhalten, jedoch eher zu Lasten der Landwirtschaft, wurde dagegen nicht weiter ver­ folgt. Insgesamt setzt die bayerische Wasserwirtschaft so gut wie aus­ schließlich auf Flutpolder und damit auf technische Lösungen, in

tümers die Staatsmedaille und ­Urkunde sowie einen Scheck über 1000 Euro entgegen. Mit dabei: Forstwirt Elmar Thumbach, der den Kirchenwald seit 2005 ehren­ amtlich betreut (siehe Foto). Thumbach, der aktives Mitglied im BN-Arbeitskreis Wald und im Vor­ stand der BN-Kreisgruppe Passau ist, hat seitdem den 95 Hektar ­großen Wald so entwickelt, dass er sich ohne Pflanzungen und Zäune verjüngen kann. Voraussetzung dafür war vor allem die konse­ quente Regulierung des Wildbe­ stands. Der Erfolg: Bereits nach fünf Jahren wuchsen wieder junge Tannen, Eichen und Buchen. Von Thumbachs Wissen und seiner

die der größte Teil der staatlichen Gelder fließt. Ein naturnaher Hoch­ wasserschutz, der durch Deich­ rückverlegung dem Fluss mehr Raum lässt und so Hochwasserwel­ len wirksam verzögert, wird zwar immer wieder angekündigt, jedoch nicht umgesetzt. Auch im anlaufenden Planfest­ stellungsverfahren zum Donauaus­ bau zwischen Straubing und De­ ggendorf liegt der Schwerpunkt der Hochwasserschutzplanung auf der Errichtung von Flutpoldern. Der BN ist für den Bau von neuen, sicheren Deichen, soweit möglich auf zu­ rückversetzter Linie. Doch mindes­ tens an der Isarmündung muss­ ­mittel- bis langfristig auch die Ver­ größerung der Aue als Perspektive offen bleiben, um so die letzten ­Kilometer der Isar möglichst voll­ ständig renaturieren zu können. Georg Kestel (as)

­ eharrlichkeit ließen sich alle Be­ B teiligten anstecken. Durch seinen langjährigen Einsatz gelang der naturnahe Umbau zum stabilen Mischwald, der auch für die Aus­ wirkungen des Klimawandels ge­ rüstet ist. Gut betreut: Interessierte Messe­ besucher konnten sich bei der Niederbayernschau 2013 im ver­ gangenen Oktober in Landshut am BN-Stand rund um die Themen »Grünes Band – Grenzen trennen. Natur verbindet!« und »Biber – Wasserbauer und Biotopgestalter« informieren. Der Stand war eine Gemeinschaftsaktion der Kreis­ gruppe und des Projektbüros der

Landesfachgeschäftsstelle. Beide Ausstellungen führten zu interes­ santen Gesprächen und einem regen Austausch zwischen den ­Besuchern und den engagierten Standbetreuern. Zum Dank für ihre Unterstützung erhielt die Kreisgruppe die Grüne-BandBuchreihe des BUND als Geschenk (v.l.: Daniela Leitzbach, Paul ­Riederer, Brigitte Englbrecht).

Foto: BN Projektbüro

Nach der Flut ist vor der Flut

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NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

Grafik: plan.werk landschaft

Foto: Sedlmeier

Kreisgruppe Deggendorf

Land unter Der Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf wurde Anfang Juni vollständig überschwemmt – für den BN eine Folge des Verlustes an Aue und Überflutungsflächen an der Donau durch Eindeichung und die Errichtung von Staustufen und Kraftwerken. Die Karte zeigt diese Veränderungen drastisch (rot: historische Aue, blau: heutige Aue einschließlich Wasserflächen und Seen). Quelle: BfN, Bayerische Vermessungsverwaltung


Foto: Frey

Kreisgruppen Lindau, Oberallgäu, Ostallgäu und Unterallgäu

Rasanter Wandel Immer mehr Flächen im Allgäu werden für Gewerbe und Verkehr genutzt. Der Bauernhof neben der Gewerbehalle steht für diesen Umbruch.

Verliert das Allgäu sein Gesicht?

Die Allgäuer Landkreise gehören zu denjenigen mit dem höchsten ­Flächenverbrauch in Bayern. Der BUND Naturschutz hat sich nun mit einer Dokumentation und einer Ausstellung des Themas Flächenfraß und Flächenschutz im Allgäu angenommen.

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n insgesamt 16 Fällen aus den Bereichen Einzelhandel, Ge­ werbe, Wohnen und Verkehr zeigt die BN-Dokumentation Negativund Positivbeispiele politischen Handelns auf. Bayerischer Meister im Flächenverbrauch ist der Land­ kreis Oberallgäu: Hier wuchs die Siedlungs- und Verkehrsfläche in den letzten zwölf Jahren um über 20 Prozent. Die eigentlich für ihre landschaftliche Schönheit bekannte Urlaubsregion übertrifft damit sogar die Landkreise in der Region München. Dabei haben die Kommunen es weitgehend selbst in der Hand, wie sie ihre Flächen ausweisen und nut­

Ausgezeichnet: Mit der Ausstel­ lung »Energiewende – aber rich­ tig!« hat die BN-Ortsgruppe Augs­ burg in der Kategorie Klimaschutz den 2. Platz beim Augsburger Zu­ kunftspreis 2013 erzielt. Die Aus­ stellung zeigt auch dem energie­ wirtschaftlichen Laien, wo die gro­ ßen Potenziale einer ökologischen Energiewende liegen und welche Entwicklungen energetisch oder ökologisch kontraproduktiv sind. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl überreichte am 25. Ok­ tober 2013 dem Ortsgruppenvor­ sitzenden Eduard Belotti den Preis im Goldenen Saal des Rathauses. Der 1. Preis ging an die UmweltAG der Grundschule Herrenbach.

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zen. So schützt beispielsweise die Gemeinde Seeg mit Grundsatzbe­ schlüssen die Einzelhandelsinfra­ struktur im Ort vor Supermärkten auf der Grünen Wiese. Dagegen hat die Gemeinde Dietmannsried auf über sechs Hektar Einzelhandels­ flächen am Ortsrand ausgewiesen und so nicht nur zur Verödung des eigenen Ortskernes beigetragen, sondern auch dem Einzelhandel in den umgebenden Orten die Exis­ tenz erschwert. Zusätzlich zur Dokumentation schildert die von allen schwäbi­ schen Kreisgruppen gemeinsam er­ arbeitete Ausstellung »Landschafts­ wandel in Schwaben« anhand von

Umbruch: In kaum einer anderen Region Bayerns werden so viele Wiesen und Weiden in Ackerland umgebrochen wie in Mittel- und Nordschwaben. Dabei gibt es ge­ setzliche Vorgaben für den Grün­ landschutz, sie werden jedoch bei den Behörden aus Unkenntnis oft nicht ausgeschöpft. So engagiert sich die BN-Kreisgruppe Mem­ mingen-Unterallgäu derzeit bei den staatlichen Stellen für den im Bayerischen Naturschutzgesetz vorgesehenen Schutz von Grün­ land in Überschwemmungsgebie­ ten. Die Kreisgruppe Donau-Ries setzt sich dafür ein, eine Gesetzes­ lücke in Flurbereinigungsverfah­ ren zu schließen, die es erlaubt, als

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Fallbeispielen, wie sich einerseits die Landschaft im Regierungsbezirk durch große Eingriffe negativ verän­ dert hat, wie andererseits aber BNProjekte auch zu einer Aufwertung der Landschaft beitragen. Thomas Frey (as) Die Ausstellung »Landschaftswandel in Schwaben« kann beim BNRegionalreferat Schwaben der Fachabteilung München ausgeliehen werden. Tel. 0 89-54 82 98 63, fa@bund-naturschutz.de

Grünland ausgewiesene Flächen nach Abschluss dieser Verfahren wieder umzuackern. Nach Ansicht des BN müssen diese Flächen einen Bestandsschutz erhalten. Nachahmenswert: Die BN-Orts­ gruppe Haldenwang pflegt seit ­vielen Jahren ein wert­ volles Hangquellmoor in ihrer Gemeinde. Im Herbst 2013 halfen bei der Pflegeaktion einige s­yrische Bürgerkriegs­ flüchtlinge mit, die in der Gemeinde Halden­ wang einquartiert sind – eine klassische WinWin Situation. Die Foto: Meggle

NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

Die Dokumentation »Flächenfraß und Flächenschutz im Allgäu« kann im ­Internet abgerufen werden unter: www.bundnaturschutz.de/ themen/flaechenschutz/infos.html

Flüchtlinge freuten sich über die sinnvolle Aufgabe und kamen in Kontakt mit den Einheimischen. Die BN-Mitglieder freuten sich, dass sie durch die Unterstützung der jungen Männer bei der körper­ lich anstrengenden Arbeit entlas­ tet wurden.


Kreisgruppe Schweinfurt

Main, Meer und Artenvielfalt

leich zum Auftakt der Landes­ ausstellung im Juni 2013 hatte sich der stellvertretende BN-Lan­ desvorsitzende Sebastian Schönau­ er mit den bedrohlichen Eingriffen des Menschen in die Flussöko­ systeme auseinandergesetzt. Er ­unterstrich die Unsinnigkeit weite­ rer Flussausbaumaßnahmen und die hohe ökologische Bedeutung durchgängiger Fließgewässer. Eben­ so forderte er spezielle Maßnahmen zur Reaktivierung der Auen und zur Wiederherstellung der Durch­ gängigkeit des Mains für wandernde Fischarten. Dass sich dafür jede ­Anstrengung lohnt, stellte der an­ schließende Filmbeitrag der ARD aus der Reihe »Erlebnis Erde – ­wildes Deutschland« mit idyllischen Bildern vom Main eindrucksvoll unter Beweis.

Wie vielfältig die Natur am Main heute noch ist, konnten über 150 interessierte Naturfreunde am fol­ genden Tag der Artenvielfalt selbst erkunden. Zusammen mit Spezia­ listen entdeckten sie in unter­ schiedlichen Lebensräumen an und im Main jede Menge bekannte, aber auch etliche vom Aussterben be­ drohte Arten wie die Kreuzkröte. Bei den Tieren der Nacht war dies schon am Vorabend auf einer Fle­ dermausexkursion mit vielen be­ geisterten Teilnehmern gelungen. Für den BUND Naturschutz sind diese erfreulichen Ergebnisse An­ sporn und Rechtfertigung zugleich, sich auch weiterhin als Anwalt der Natur schützend vor das Maintal als Lebensader Frankens zu stellen. Die vielfältige Ökologie des Tales soll er­ halten werden. (ht)

Schau genau … hieß es beim ­Bestimmen der Wassertierchen, die Naturfreunde am Tag der Artenvielfalt aus dem Main gefischt hatten.

Foto: Hansen

sich die dort erstmals aufgeführte Streuobstballade.

Neuer Lehrpfad: Hubert Kornbrust, Schatzmeister der KG Rhön-Grab­ feld, hat mit finanzieller Unter­ stützung von Sparkasse und Geno­ bank dem BN zum 100-jährigen Bestehen einen 2,5 Kilometer lan­ gen Biberlehrpfad geschenkt. Ender 2013 wurde dieser bei Bad Königshofen feierlich eröffnet (s. Foto). Mit dabei ­(v. li.): Anne Mikus (Texte), Carolin Hansen (Grafik), Hubert Kornbrust, BN-Landes­ beauftragter ­Richard Mergner,

Kreisvorsitzender Helmut Bär und Bürgermeister Thomas Helbling. Apfelfest: Auch in seiner 20. Aufla­ ge war das Apfelfest der Ortsgrup­ pe Ebern wieder eine runde Sache. Der BN präsentierte eine faszinie­ rende Obst­sortenausstellung und einen Solar-Trockenschrank für Dörrobst, lockte Jung und Alt mit einem ­Apfelschälwettbewerb und kulinarischen Köstlichkeiten. Als besondere Überraschung erwies

30 Jahre Engagement: »30 Jahre und kein bisschen leise!« Das trifft in besonderer Weise auf die OG Werneck/Waigolshausen zu, die Mitte Oktober 2013 ihr 30-jähriges Bestehen feiern konnte. Beide Bür­ germeister, der Kreisvorsitzende Edo Günther und Helmut Schult­ heiß als Vertreter des Landesver­ bandes würdigten die vor Ort ge­ leistete Arbeit ebenso wie die be­ achtlichen Erfolge. Zum kulturel­ len Höhepunkt wurde die Theater­ aufführung »Fräulein Brehms ­Tierleben« über den vordergründig so unspektakulären Regenwurm.

Main-Spessarter ARTenvielfalt: Dieser Thematik widmete die KG Main-Spessart vergangenes Jahr nicht nur ihr Umweltbildungspro­ jekt, sondern auch eine eigene Ausstellung. Diese ergänzte die praktischen Projektangebote, er­ möglichte aber auch höchst span­ nende Einblicke in die heimische Artenvielfalt und dokumentierte gleichzeitig mit Kunstwerken krea­ tive Formen der Naturerfahrung. Untermalt wurden die fotogra­ fischen Porträts bedrohter Arten von lyrischen Texten der Künstle­ rin Iris Hauptmann und von Skiz­ zen aus der reichen Sammlung von Professor Gerhard Kneitz.

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NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

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Foto: Waldherr

Die Bayerische Landesausstellung »Main und Meer« und der 100. Geburtstag des BN – für die Kreisgruppe Schweinfurt war dies eine willkommene Herausforderung, die breite Themenpalette der Ausstellung um ökologische Aspekte zu erweitern und auch ­kritischen Frage zu stellen.


Kreisgruppe Neumarkt i.d. Opf.

Musterbeispiele fürs Energiesparen

Energiesparen ist Voraussetzung für die Energiewende. Trotzdem hat das bayerische Wirtschaftsministerium in den vergangenen vier Jahren viele Bemühungen dazu abgeblockt. Hoffnungsvolle Ansätze kommen dagegen aus dem kommunalen Bereich und der mittelstän­ dischen Wirtschaft. Mitte Oktober 2013 haben sich Mitglieder des ­BN-Landesvorstandes über Initiativen in und um Neumarkt informiert.

Foto: Barthel

Schlau gekühlt Geschäftsführer Franz Ehrnsperger (2. v. r.) informiert (v. l.) Richard Mergner, Ludwig Zeberl, Hubert Pfahl und Hubert Weiger vom BN über die neue, effiziente Kühlanlage der Neumarkter Lammsbräu.

NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

in Vorzeigebeispiel der Region ist das Unternehmen Neumarkter Lammsbräu. Unter Leitung von Dr. Franz Ehrnsperger produziert es schon seit vielen Jahren Bier und al­ koholfreie Getränke mit Rohstoffen

Doppeljubiläum: BN-Mitglieder und prominente Gäste feierten Mitte Oktober vergangenen Jahres das 40-jährige Bestehen der KG Amberg-Sulzbach und 100 Jahre BUND Naturschutz. Hubert Weiger würdigte die erzielten Erfolge ebenso wie die kontinuierliche Aufbauarbeit der bisherigen Kreis­ vorsitzenden Dr. Semmelroch, Josef Christ und Peter Zahn. Mit vier am Annaberg gepflanzten ­Linden und einem Gedenkstein würdigte der BN die Leistungen vieler ehrenamtlich Tätiger. Trinkwasser geht vor: Sandabbau spielt im Raum Neumarkt eine große Rolle. Sande sind dort aber

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aus dem ökologischen Landbau. Mit einem neuen, intelligenten Ver­ fahren hat es der Betrieb mittlerwei­ le geschafft, den Stromverbrauch für die Kühlanlagen um 30 Prozent zu senken.

auch Garant für hochwertiges Trinkwasser und Standort für teil­ weise unersetzliche Lebensraum­ typen (z. B. Sandkiefernwald). Die KG Neumarkt kämpft deshalb mit besorgten Bürgern gegen den ­geplanten Abbau der letzten Sand­ vorräte und fordert Vorrang für den Trinkwasserschutz im Flä­ chennutzungs- und Regionalplan. Vorbildcharakter: Biologische Viel­ falt, alte Nutztierrassen und Obstoder Gemüsesorten spielen in der Gemeinde Tännesberg eine zent­ rale Rolle. Im Oktober 2013 hat der Bayerische Naturschutzfonds auf Initiative des BN-Landesverban­ des zugesagt, dieses Projekt in den

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Foto: Paul Grafwallner

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Auch im Baubereich setzt die Re­ gion Standards: So fertigt die Firma Variotec unter Leitung der beiden Geschäftsführer Erich Bauer-Eben­ höch und Marco Lerzer sowie des Prokuristen Wolfram Breitenbach Türen und Fenster mit hoher Wär­ medämmwirkung. Nicht zuletzt deshalb können beim sogenannten Energieplushaus Werte wie bei einem Passivhaus erreicht werden. Wie Bürger aktiv zur Energie­ wende beitragen können, zeigt die von Landrat Albert Löhner unter­ stützte »JurEnergie-Genossen­ schaft«. Von ihr werden nicht nur Fotovoltaik- und Windenergieanla­ gen gebaut und betrieben. Sie bietet Interessierten auch umfassende ­Informationen und eine gezielte Einzelberatung zum Energiesparen. Der BN-Landesvorstand sparte nicht mit Lob für diese beispielhaf­ ten Konzepte. Der Landesvorsitzen­ de Hubert Weiger betonte nach­ drücklich, dass das Energiesparen eine Hauptaufgabe der bayerischen Politik werden müsse und Bayern real messbare Erfolge in diesem Be­ reich dringend benötige. Helmut Schultheiß (ht)

nächsten fünf Jahren mit knapp 600 000 Euro zu fördern. Dies soll der Umsetzung vor Ort dienen und die Entwicklung eines kommuna­ len Handlungsleitfadens zur Erhal­ tung der Biodiversität ermögli­ chen. Geehrt: Zwei BN-Aktive, die sich seit vielen Jahren im Verband en­ gagieren, feierten Ende 2013 runde Geburtstage. Peter Streck (Foto Mitte), der im Landesvorstand, im

Beirat und jahrzehntelang als ­Vorsitzender der KG Regensburg aktiv war, wurde 75. Seine Frau Janna (2. v. re.), die liebevoll den Vor­garten der Landesgeschäfts­ stelle pflegt, wurde 80. (V. r.) Der Vor­sitzende Hubert Weiger, seine Stellvertreterin Doris Tropper, Landesgeschäftsführer Peter ­Rottner und der Landesbeauftrag­ te Richard Mergner überbrachten dem Paar eine besondere Ehrung.


Eine Chance für den Uhu Die Isarhänge sind Jagd- und Brutgebiet des Uhus, der größten Eule weltweit. Um den natürlichen Artenreichtum des Isartals zu erhalten, sollten Erholungssuchende daher auf dem Hauptweg bleiben.

Kreisgruppe München

Mehr Schutz für das Isartal

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­ FH-Richtlinie geschützt. Ein Ver­ F schlechterungsverbot verpflichtet die Naturschutzbehörden, vor jedem Eingriff dessen Auswirkun­ gen zu prüfen. Das Baureferat sah dazu jedoch keinen Anlass, da es das Gebiet als öffentliche Grünanla­ ge einstufte. Diese eigenwillige Interpretation europäischen Naturschutzrechts hat der Bayerische Verwaltungsge­ richtshof nun auf Initiative des BN beendet. Allerdings kommen für die anstehende Verträglichkeitsprüfung auf die Kreisgruppe München, die

dinger Wacholderheide benannt. Die BN-Kreisgruppe Eichstätt lud im Herbst zu einer Wanderung ein, bei der Tafeln mit Namen und Ver­ diensten des Botanikers, Priesters und langjährigen Kreisvorsitzen­ den Franz Xaver Mayr (1887 – 1997) und des Böhminger Oberlehrers Anton Gäck (1902 – 1983) an mar­ kanten Stellen angebracht wurden. Der Vorsitzende Johann Beck er­ innerte daran, dass es beiden ein besonderes Anliegen war, die Liebe zur Natur zu vermitteln. Wie gut ihnen das gelungen ist, ver­ deutlichten unterwegs ehemalige Schüler von Gäck und von Mayr in lustigen und nachdenklichen Anekdoten.

in den Rechtsstreit bereits erhebli­ che finanzielle Mittel investiert hat, weitere Ausgaben zu. Letztlich geht es im Verfahren um die Grenzen des menschlichen Nutzungsanspruchs der Natur. Nur wenn klar ist, dass nicht nur der Mensch, sondern auch die Natur Rückzugsgebiete braucht, wird auch in Zukunft der Uhu im Isartal seinen markanten Ruf erschallen lassen. Martin Hänsel (as)

Erfolgreich: In Inning am Ammer­ see wird es keine Umgehungs­ straße geben. Mit 204 Stimmen Mehrheit gewannen die Gegner des Vorhabens den Bürgerent­ scheid am 8. Dezember vergange­ nen Jahres; die Wahlbeteiligung lag bei 69 Prozent. Initiiert hatte den Protest die örtliche Bürgerinitiati­ ve, an der sich auch die BN-Orts­ gruppe Inning unter ihrem Vorsit­ zenden Manfred Lehner beteiligte. Weitere Informationen: www.schnellstrasse-inning-nein. de/html/aktuelles.html Eindrucksvoll: »Kleinschmetter­ linge in Südostbayern« lautet der Titel eines Bildbands, den die

Kreisgruppe Altötting anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums her­ ausgegeben hat. Autor Gerhard Karl beschreibt die Kleinschmet­ terlingsfauna anhand langjähriger Beobachtungen, insbesondere im unteren Alztal. Von den über 335 dort nachgewiesenen Arten stellt er 155 mit Bildern vor. Der Band zeigt eindrucksvoll die enorme Vielfalt und filigrane Schönheit dieser meist kaum beachteten Tiergruppe. Er kostet 8,90 Euro, umfasst 88 Seiten und kann bei der Kreisgruppe bezogen werden (Tel. 0 86 71-5 07 40 17). Weitere Informationen: www.bn-altoetting.iivs.de

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NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

Foto: Berner

Verdienstvoll: Nach zwei engagier­ ten Naturschützern wurde der Rundwanderweg Arnsberger Leite (siehe Foto) – Böhming – Gungol­

Die Naturidylle Oberes Isartal am Münchener Stadtrand ist seit Anfang 2013 durch städtische Baumaßnahmen in ­Gefahr. Nachdem der BUND Naturschutz bereits im Februar vor dem Verwaltungsgericht einen Baustopp erwirkt hatte, ­ hat im Juli nun auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof entschieden.

Foto: Willner

as Gericht kam zu dem Ergeb­ nis, dass für die geplanten Ein­ griffe im Oberen Isartal eine natur­ schutzrechtliche Verträglichkeits­ prüfung unter Beteiligung des BN erforderlich ist. Bis dahin sind die Baumaßnahmen zu unterlassen. Damit wurde die Rechtsauffassung des BN voll bestätigt. Begonnen hatte die Auseinan­ dersetzung Ende 2012, als Pläne des städtischen Baureferats für umfang­ reiche Bauarbeiten an den östlichen Isarhängen zwischen Tierpark ­Hellabrunn und Grünwalder Brücke bekannt wurden. Dabei ging es nicht etwa um die Sicherheit des Hauptweges – vielmehr wollte die Stadt illegale Trampelpfade durchs Unterholz mit Zäunen, Drahtnet­ zen, Betonverfüllungen und Baum­ fällungen vor Hangrutschung schüt­ zen. Das Vorhaben war ein Affront für den Naturschutz, ist doch das Obere Isartal mit seinen selte­ nen Arten seit 2004 als Natura-2000-­ Gebiet nach der europäischen


Foto: Kreisgruppe

Hüter des Schatzes Wieder 500 000 Quadratmeter Boden für den Straßenbau opfern? Die Initiative gegen den Neubau der B 470 wehrt sich.

Kreisgruppe Forchheim

Keine Megastraße durch das Wiesenttal!

Die Bürgerinitiative »Pro Wiesenttal ohne Ostspange« (BIWO) kämpft gemeinsam mit dem BN gegen den Neubau der B 470 östlich von Forchheim. Sie fordert stattdessen ein intelligentes Verkehrskonzept, das allen Bürgern und der Natur gerecht wird.

NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

uf etwa sechs Kilometern Länge soll am Eingangstor zum Naturpark Fränkische Schweiz für geschätzte 70 Millionen Euro eine Ortsumfahrung gebaut werden. Die BIWO fordert, das Projekt aus dem Bundesverkehrswegeplan 2015 und dessen Fortschreibung zu streichen. Etwa 150 Menschen wanderten im Oktober letzten Jahres mit Demo­

Feuer gegen Flugplatz: Mit einem Mahnfeuer machte das Bündnis »Bürger für ihre Region gegen den Verkehrslandeplatz« Ende Novem­ ber letzten Jahres gegen den ­geplanten Flugplatz in Wiesenfeld mobil. Betroffene Grundstück­ eigentümer hatten entlang der Staatsstraße zwischen Meeder/ Wiesenfeld und Meeder/Neida die mögliche Landebahn mit bren­ nenden Fackeln abgesteckt. Ob­ wohl der Protest gegen den Bau mit zahllosen Aktionen und Info­ veranstaltungen bereits ins neunte Jahr geht, war vielen der 400 an­ wesenden Bürgern das drohende Ausmaß des Projekts bis dahin nicht bewusst.

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tafeln friedlich entlang der geplan­ ten Trasse durch das Wiesenttal und verliehen damit ihrer Sorge um die heimische Natur Ausdruck. Der Forchheimer Kreisgruppen­ vorsitzende und BIWO-Sprecher Heinrich Kattenbeck erläutert, worum geht. »Wir wollen erleb- und sichtbar machen, was die Planun­ gen des staatlichen Bauamtes tat­

Festbier zum Feiern: Mit einem zum BN-Jubiläum extra einge­ brauten Bier feierte die Kreisgrup­ pe Hof Mitte November vergange­ nen Jahres 100 Jahre BN und 40 Jahre Kreisgruppe. Der Vorsitzende Uli Scharfenberg konnte dazu 200 Mitglieder und Gäste begrüßen. Die kleine Privatbrauerei Meinel hatte speziell für diesen Anlass ein

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Biobier kreiert und unter Bezug auf das Perlmuschelprojekt des BN mit »Perlenschatz« betitelt. Peter Rottner, BN-Landesgeschäftsfüh­ rer, lobte die Verdienste der Kreis­ gruppe, sei es in der Umwelt­ bildung, beim Schutz der Franken­ waldwiesen (Weidewelt) oder beim Einsatz für die Energiewende (Energievision Frankenwald). Hof

Foto: Konopka

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sächlich bedeuten: Eine vierspurige Trasse vom Forchheimer Kreuz Richtung Bahnhaltestelle Pinzberg und eine 6,50 Meter hohe Brücke zur Gleisquerung vor den Toren Gosbergs.« Die Demonstranten­ ­wollen verhindern, dass 500 000 Quadratmeter blühender Wiesen und fruchtbarer Äcker – wichtige Lebensgrundlagen für Tiere, Pflan­ zen und nicht zuletzt für den Men­ schen – dem Straßenbau geopfert werden. Laut Initiative würde der geplan­ te Neubau einige Wenige auf Kosten vieler Anderer entlasten. Zu be­ fürchten seien mehr Lärm, mehr Abgase und mehr nächtliche Stö­ rungen durch Schwerlastverkehr. Heinrich Kattenbeck: »Es gibt be­ reits eine sehr gut ausgebautes und intaktes Straßennetz hier in der ­Region. Die Kooperationspartner Landesbund für Vogelschutz (LBV), die Gemeinde Wiesenthau, die Kreisverbände der Parteien Bündnis 90/Die Grünen, der SPD und der Jungliberalen fordern unter Mit­ wirkung der Jägerschaft ein alterna­ tives öffentliches Verkehrskonzept, das sowohl den Anliegern als auch den Pendlern aus der Fränkischen Schweiz gerecht wird. Heinrich Kattenbeck (ht)

wirkt eben – und der Perlenschatz auch (siehe Foto). Auszeichnung: Die Ausstellung »Naturschutz im Garten« im öko­ logisch-botanischen Garten der Universität Bayreuth ist Mitte ­Oktober letzten Jahres mit dem Biodiversitätspreis der Vereinten Nationen ausgezeichnet worden. Peter Ille, Geschäftsführer der ­BN-Kreisgruppe Bayreuth, hat die Präsentation mitgestaltet. Initiiert und konzipiert wurde sie unter ­anderem von Dr. Herbert Rebhan, Leiter der Höheren Naturschutz­ behörde in Bayreuth sowie den Mitarbeiter des ökologisch-bota­ nischen Gartens.


Kreisgruppe Roth

Ein dreifaches Hoch auf den BN Die vorgesehenen Stühle reichten nicht, der Saal platzte aus allen ­Nähten: Weit über 100 Gäste kamen Mitte Oktober vergangenen ­Jahres nach Hilpoltstein, um 100 Jahre BUND Naturschutz, 40 Jahre Kreisgruppe Roth und 30 Jahre Ortsgruppe Hilpoltstein zu feiern.

auch zur Gründung der Ortsgruppe Hilpoltstein führte. Kartierungen von Biber bis Sandgrasnelke, Grundstückskäufe, Wildkatzen­ monitoring – die Liste der Projekte allein im Biotop- und Artenschutz ist lang und auch im Bereich Gen­

technikkritik (»Zivilcourage«) und bei der Energiewende (»Energie­ bündel«) hat die Kreisgruppe deut­ liche »Duftmarken« gesetzt. Mit 2500 Mitgliedern ist sie einer der größten Vereine im Landkreis. Tom Konopka (ht)

Foto: Knapp

sche Gehölze in ihren Gärten zu pflanzen und dort auch »wilde Ecken« zuzulassen.

Reiche Ernte: Der BN hat im ver­ gangenen Oktober erstmals am Erntedankfestzug der berühmten Fürther Kirchweih teilgenommen. Unter dem Motto »100 Jahre BUND Naturschutz – Vielfältige Ernte von fränkischen Obstwie­ sen« wies er mit einem festlich ge­ schmückten Obstwagen (s. Foto) darauf hin, dass der BN in vielen seiner fränkischen Kreisgruppen Obstbaumbestände in der freien

Landschaft pflegt. Damit schützt er die historisch gewachsene Sor­ tenvielfalt und Lebensräume für eine Vielzahl von Vogelarten, für Bienen, Hornissen, Schmetterlinge und andere heimische Tiere. Der BN bezog neben vielerlei Obst auch Wildfrüchte, wie Hage­ butten, Schlehen, Ebereschenund Holunderbeeren in seinen Beitrag mit ein. Er will damit alle Gartenbesitzer ermuntern, heimi­

Vorfreude: Noch scheint der Früh­ ling fern, doch schon im April wird der Heilkräutergarten am Hallertor in Nürnberg wieder öffnen. Einst von der Firma Bionorica betrie­ ben, ist er heute ein florierendes Projekt der Kreisgruppe NürnbergStadt. Sie übernahm Ende 2010 die Initiative und startete seine Wie­ derbelebung. Heute wachsen auf einer Fläche von etwa 110 Quad­ ratmetern über 1000 Nutzpflanzen und 200 verschiedene Arten – dar­ unter solche, die seit langer Zeit als Heil- und Küchenpflanzen ver­

Grund zur Freude Landesvorsitzender Hubert Weiger und OG-Vorsitzender Frank Lehner gratulieren Michael Stöhr zum 40-jährigen Jubi­läum »seiner« Kreisgruppe Roth.

wendet werden. Die Besucher ­erfahren hier Lehrreiches über die medizinische Verwendung der Pflanzen. Kein LKW-Stellplatz: Sang- und klanglos wurde sie im September letzten Jahres beerdigt, die geplan­ te Erweiterung eines Autohauses mit LKW-Abstellplatz im Wasser­ schutzgebiet am Rednitztalrand in Fürth. Die Kreisgruppe FürthStadt hatte erbittert dagegen ge­ kämpft weil Öl und Chemikalien das Grundwasser zu verschmutzen drohten. Der Autohändler Wilhelm Graf verzichtete auf die Erweite­ rung und zog den Bauantrag zu­ rück. Geht doch!

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NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

in knappes Dutzend Redner – vom Landtagsabgeordneten Vol­ ker Bauer (CSU), Landrat Herbert Eckstein (SPD), dem Kreisvorsitzen­ den der SPD, Sven Erhardt, dem Ortssprecher der Grünen Christoph Leikam bis hin zum Bürgermeister des Festortes Markus Mahl (SPD) – alle Amtsträger und Verbandsvertre­ ter lobten in ihren Grußworten den BN für seine gute Arbeit. Der Lan­ desvorsitzende Hubert Weiger wür­ digte die Arbeit der Rother als vor­ bildlich. Sie verstünden es, Gruppen zusammenzubringen, die sonst vielleicht nie zusammenkämen. Der Vorsitzende der Kreisgruppe, Michael Stöhr, ließ die Geschichte des Rother Verbandes Revue passie­ ren: von der Gründungsversamm­ lung (1973) anlässlich des Protestes gegen einen geplanten Privatflug­ platz in den Schwarzachwiesen war die Rede. Damals noch mit Ludwig Sothmann an der Spitze der Kreis­ gruppe, dem auf der Veranstaltung die Goldene Ehrennadel überreicht wurde. Von den Anfängen der ­Jugendarbeit war die Rede, die schließlich zum heutigen Bildungs­ programm »Sehnsucht Wildnis« führten; vom Bau des bekämpften Rhein-Main-Donau-Kanals und vom Trinkwasserschutz, der 1983

Foto: Konopka

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Naturnahe Waldbewirtschaftung

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Foto: Schreiner

TIERE & ENERGIE

Foto: Pixelio/Ulrich Velten

on den einen wird sie eher kritisch beäugt, von den anderen als die einzig wahre Methode geprie­ sen – die naturnahe Waldbewirtschaftung. Mischwäl­ der statt Holzplantagen, plenterartige Nut­ zung statt Kahlschlag – wie ist das machbar und wie verhalten sich Aufwand und Ertrag? Wie kann man die komplexen Wechsel­ wirkungen in einem Waldökosystem für die Bewirtschaftung nutzen und die ökologi­ schen Besonderheiten der unterschiedlichen Allgäuer Wälder erkennen? Der Vortrag gibt Einblick in wichtige Faktoren der WaldwertErmittlung und veranschaulicht interessante Wege in der nachhaltigen naturnahen Wald­ bewirtschaftung für den privaten Waldbesit­ zer. Ein Schwerpunkt liegt auf der Vermitt­ lung grundlegender ökologischer und wirt­ schaftlicher Zusammenhänge zur erfolgrei­ chen Bewirtschaftung der Allgäuer Waldna­ tur. Theorie und Praxis begegnen sich beim anschließenden Waldbegang. Hier bekom­ men Waldbesitzer und solche, die es werden wollen, Antworten auf Fragen zum Waldum­ bau oder zum Schädlingsbefall und Maßnahmen zu dessen Abwehr. Mit Dipl. Forstingenieur FH Gerhard Rohrmoser steht ein Praktiker als Referent zur Ver­ fügung, der über waldbauliche Erfahrungen im Vor­ alpenland berichtet.  Vortrag am 30. April, 20.30 Uhr im AlpSeeHaus Immenstadt  Exkursion am 4. Mai, 14, Treffpunkt: Bahnhof Oberstaufen Kontakt: BUND Naturschutz Naturerlebniszentrum Allgäu (NEZ), Tel. 0 83 23-9 98 87 60, Info@NEZ-Allgaeu.de

Ornithologische Tage für Kinder und Jugendliche

Die dreitägige Ferienzeit für Kinder und Jugendliche bietet einen guten Einstieg in die Grundlagen der Vogelbeobachtung. Geplant sind neben Exkursionen an Ammersee und Starnberger See, ein Besuch im Max-Plank-Institut für Orni-

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thologie in Seewiesen, ein vogelkundlicher Spaziergang im Nymphenburger Park und eine Besichtigung der zoologischen Staatssammlung in Grünwald.  Termin: 5. – 7. März 2014, ­Anmeldung bis 20. Februar erforderlich Kontakt: Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil, Wartaweil 76/77, 82211 Herrsching, Telefon 0 81 52 -96 77 08, wartaweil@bund-naturschutz.de

Ausstellung »Energiedreisprung« – Energie – woher, wofür und wie? Diesen Fragen geht die Ausstellung Energiedreisprung

Natur + Umwelt BN-Magazin [1-14]

Rollende Umweltbildung

Foto: KG Regensburg

Zwischen Wildnis und Wertanlage

Das Naturmobil kommt

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lagen über die angebliche Naturferne von Schüle­ rinnen und Schülern gibt es mehr als genug. Natur­ wissen und Naturerleben zu verbinden und für Schul­ klassen passgenaue Einheiten anzubieten – das ist die Idee hinter dem Naturmobil. Als rollendes Forschungs­ labor mit 26 Arbeitsplätzen kommt der umgebaute Wohnwagen direkt an die Schulen in Regensburg und Umgebung. Unter der Anleitung der erfahrenen Biolo­ gin Dr. Angela Nunn können die Schüler Pflanzen und Kleinstlebewesen entdecken, beobachten und genauer kennenlernen. Ob Hecke, Wiese, Wasser, Wald oder das Erdreich, die mobile Naturforschereinrichtung bietet Kindern jede Menge Möglichkeiten Antworten auf ihre Fragen zu finden und sich selbst als Teil der Natur wahrzunehmen. Etwa drei Stunden dauert eine Vor­ mittagsveranstaltung, bei der das spielerische Lernen im Umfeld der Schule im Vordergrund steht. Das Na­ turmobil der Kreisgruppe Regensburg ist dank einer Förderung des bayerischen Umweltministeriums und Spenden örtlicher Firmen gut ausgestattet und für Schulklassen oder Gruppen jeden Alters geeignet. Schulen, Gemeinden und Veranstalter können einen Naturforschertag buchen für Bauernmärkte, Kinder­ feste oder Ferienprogramme. Und wenn Sie Lust be­ kommen haben selber aktiv zu werden – egal ob als Fahrer oder als Naturpädagoge, dann wenden Sie sich direkt an die Kreisgruppe Regensburg. Kontakt: BN-Kreisgruppe Regensburg, Projektleitung Naturmobil; Dr. Angela Nunn; naturmobil.regensburg@bund-naturschutz.de, www.regensburg.bundnaturschutz.de

nach, die bei den Kemptener Altbautagen gezeigt wird und von da aus durch Bayern tourt. Zu sehen gibt es einen Kühlschrank mit Mehrfachverglasung, Wandmodelle für Niedrigenergiehäuser, zum Ausprobieren stehen Lichtboxen und moderne Heizungsumwälzpumpen bereit. Die Ausstellung kann von BN-Gruppen ausgeliehen werden. Terminwünsche nimmt das Bildungswerk entgegen. Kontakt: BN- Bildungswerk, Tel. 09 41-2 97 20 17, bildungswerk@ bund-naturschutz.de

Von Bibern und Menschen – Tagesseminar für Biberinteressierte

Praxisorientiertes, fundiertes Wissen vermittelt unser Seminardauerbrenner allen, die sich als Natur- oder Umweltpädagogen mit unserem heimischen Wasserbaumeister beschäftigen wollen. Mit dem umfangreichen Handwerkszeug aus Anke Simons Biberbaukasten sind Sie für jede Biberführung gut gerüstet.  Raum Altötting, 22. März, Anmeldung erforderlich Kontakt: BN-Bildungswerk, Tel. 09 41-2 97 20 42, bildungswerk@bund-naturschutz.de


BN-VERANSTALTUNGEN UND WEITERE TERMINE Umweltpolitischer Aschermittwoch

Zündende Reden, zünftige Musik und bayerische Fisch-Schman­ kerl machen den Umweltaschermittwoch zum Treffen aller Naturund Heimatfreunde. Mit dabei sind Professor Hubert Weiger, ­Vorsitzender des BN und des BUND sowie Vertreter des Landes­ bundes für Vogelschutz (LBV) und des Landesfischereiverbandes.  Mittwoch, 5. März, Plattling, Bahnhofstraße 13, Gaststätte Bischofshof, 19 Uhr

Foto: Pixelio/Löwenzahn

Praxiskurs Obstbaumschnitt

Das Ökohaus Würzburg lädt alle Garten­ besitzer und Obstliebhaber ein zum ­Praxiskurs Obstbaumschnitt. Nach der Vermittlung von theoretischen Grund­ lagen werden im angrenzenden Natur­ garten die Baumschnittmethoden an ­verschiedenen jungen und alten Obst­ bäumen demonstriert.  Samstag, 8. März von 14 – 16.30 Uhr, Anmeldung bis zum 6. März erforderlich, Kontakt: BN-Ökohaus Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72, info@bn-wuerzburg.de

Unsere Erde ist schön! – Wir tun was dafür!

Umweltschutz, das ist nicht nur etwas für die »Großen«. Auch Kinder ab sieben Jahren können schon etwas für die Umwelt tun. Was Kinder tun können und warum es wichtig ist, erfahren sie im Ökohaus Würzburg beim Experimentieren und Recyceln. ­Mitmacher und Mutmacher melden sich bis 13. März an.  Samstag, 15. März 2014 von 14.30 – 16.30 Uhr, in Kooperation mit D ­ istel e. V. – Förderverein für Umwelterziehung, Kontakt: BN-Ökohaus Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72, info@bn-wuerzburg.de

Fest an der Donau

Schon mal vormerken: Beim Donau-Fest an Christi Himmelfahrt feiern alle Donau-Freunde ihren Fluss. Nach dem Erfolg gegen einen Staustufenausbau und dem verheerenden Donauhochwas­ ser im vergangenen Jahr wird diesmal das Thema ökologischer Hochwasserschutz im Mittelpunkt stehen. Infostände, Führungen in die Auwälder, Kinder-Aktionen, Essen, Trinken und Musik sor­ gen für ein buntes Programm. Das Fest findet direkt am DonauUfer statt.  Donnerstag, 29. Mai, Niederalteich bei Deggendorf

BN-STUDIENREISEN | TEL. 09 11 -5 88 88 20 | www.bund-reisen.de Die Provence fasziniert mit ihrem milden Licht, ihrem Blumen­ reichtum und der bezaubernden Landschaft. In der Camargue können die Teilnehmer Meeresluft schnuppern und begegnen wild lebenden weißen Pferden und rosa Flamingos. Zum Ab­ schluss steht Kultur in Arles auf dem Programm.  Frankreich, 13. – 23. April 2014

Unterwegs in der südlichen Toskana

Die Teilnehmer begleiten die Reiseautorin und Wanderführerin Britta Ullrich ins UNESCO-Welterbe »Val D’Orcia«. Auf dem ­Programm stehen verschiedene Wanderungen durch die male­ rische Landschaft mit ihren Olivenhainen und Weinbergen, ein Besuch in einem Weingut und einer Abtei. Ein Stadtrundgang durch Florenz darf natürlich auch nicht fehlen.  Italien, 14. – 23. April 2014 und 17. – 26. Oktober 2014

Ligurien & Nationalpark Cinque Terre

IMPRESSUM

Ligurien – das sind felsige Küstengebirge und malerische Dörfer. Die Reisende erfreuen sich an der subtropisch mediterranen Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, natur+umwelt@ bund-naturschutz.de Redaktion: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Andrea Siebert (as) Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelgestaltung: Gorbach GmbH Titelfoto: Fotolia/TwilightArt Pictures Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitäts­ druckerei Gießen

Verlag und Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bundnaturschutz.de Druckauflage 4-2013: 122.282 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im B ­ eitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, IBAN DE27 7002 0500 0008 8440 00, BIC: BFSWDE33MUE Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die ­Meinung der ­Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt e ­ ingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redak­tion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % R ­ ecycling­­­­papier gedruckt.

­ egetation: Feigen, Zitronenbäume, Oliven und Wein. Bei 300 V Sonnentagen im Jahr ist gutes Wetter in der Region Ligurien fast ­garantiert.  Italien, 18. – 26. April 2014

Panorama-Wandern in Sardinien

Hier kann man die spannendsten Seiten der Mittelmeerinsel ent­ decken: felszerklüftete Küsten, traumhafte Strände, grüne Hügel, Karstgebirge mit tiefen Schluchten oder Ebenen mit Eichenbäu­ men und Olivenhainen. Mit inbegriffen sind Besuche in Pisa und Florenz sowie auf Korsika.  Italien, 10. – 20. Mai 2014

Frühlingserwachen über dem Bodensee

Foto: Popp & Hackner, Vorarlberg Tourismus

Provence & Camargue

Kulinarische Gau­ menfreuden und faszinierende Wald­ welten bietet der Naturpark Nagel­ fluhkette. Die Reise­ teilnehmer entde­ cken bei Genuss­ wanderungen den Zauber der Berg­ waldnatur und neh­ men Teil an naturkundlich und kulturgeschichtlich spannenden Exkursionen durch die einzigartige Landschaft des Bregenzerwal­ des. Die Region beeindruckt mit einem faszinierenden Rundblick auf umliegenden Berge und den Bodensee.  Österreich, 11. – 16. Mai 2014

[1-14] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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ANLASSSPENDEN

Jubiläum? Taufe? Silberne Hochzeit? Geburtstag? Wünschen Sie sich doch zu Ihrem Fest eine Spende für die Natur. Jeder Euro, der gespendet wird, bringt die gute Sache voran.

Für 20 Euro kann der BN z.B. sechs Meter Amphibienschutzzaun kaufen.

50 Euro reichen z.B., um eine Sense für die Biotoppflege oder Becherlupen für eine Kindergruppe zu kaufen.

Für 100 Euro kann der BN z.B. 80 m2 wertvoller Moorfläche erwerben und renaturieren.

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Fotos: BN-Archiv, fotolia

SIE MÖCHTEN SICH VON IHREN GÄSTEN EIN SPENDENGESCHENK FÜR DEN BN WÜNSCHEN? Gestalten Sie Ihren eigenen Spendenaufruf online. Schon mit wenigen Klicks entsteht die eigene individuelle Internetseite. Setzen Sie sich für Ihr BUND Naturschutz-Lieblingsprojekt ein, indem Sie den Spendenzweck bestimmen. Auch die gesamte Arbeit des BUND Naturschutz kann gefördert werden.

Ihre Ansprechpartnerin ist Claudia Ciecior-Bordonaro Tel. 0941/29720-34 claudia.ciecior-bordonaro@ bund-naturschutz.de

Nähere Infos finden Sie auch unter

www.bund-naturschutz.de/ spenden/anlassspenden

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Natur+Umwelt 1-2014