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Bund f端r Umwelt und Naturschutz Deutschland

BUNDmagazin Friends of the Earth Germany

Bedrohte Vielfalt

www.bund.net

1/2010


Partner des BUNDservice

Foto: Thomas Stephan

Der BUNDservice empfiehlt die GLS Bank besonders, weil sie nach ethischen und ökologischen Richtlinien arbeitet.

Weitere Informationen unter

Tel. 02 34.57 97-200 www.gls.de/wildcard

Die BUND-Wildcard

Mäuse für die Wildkatze Seit dem 1. 5. 2008 gibt es die neue BUND-Wildcard. Diese Mastercard wird von der ethisch-ökologisch arbeitenden GLS Bank in Partnerschaft mit dem BUND herausgegeben. Unsere BUND-Wildcard ist ganz der Wildkatze gewidmet. Mit jeder Nutzung der Karte unterstützt ihr Inhaber das BUND-Wildkatzenprojekt. Denn ein Teil der Jahres- und Transaktionsgebühren gibt die GLS Bank an den BUND weiter. Allein durch die Nutzung der Karte können wir zum Beispiel Kamerafallen anschaffen, um die genauen Wege der Katzen zu verfolgen und so das Rettungsnetz für die Wildkatze weiter zu erforschen. Wer sich für die BUND-Wildcard entscheidet, kann seine alte Bankverbindung selbstverständlich behalten. Die Wildcard kostet 30,– Euro im Jahr. Übrigens: Ein Wechsel der Kreditkarte bzw. des Anbieters ist ganz problemlos. Für die Kündigung der alten Karte reicht eine formlose Mitteilung an die ausgebende Bank. In der Regel gibt es keine Kündigungsfristen.

BUNDservice Natur & Umwelt GmbH Am Köllnischen Park 1 · 10179 Berlin · www.bundservice.de


Liebe Leserinnen und Leser, überaus frostig hat das neue Jahr begonnen. Und frostig ging das alte Jahr zu Ende – zumindest beim Klimagipfel in Kopenhagen. Hier konnten sich die versammelten Spitzenpolitiker dieser Erde schließlich nur für eine nichtssagende Minimalformel erwärmen. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger kommentiert das Scheitern in dieser Ausgabe. Zusätzlich soll Ihnen eine Reihe von Bildern vermitteln, wie präsent der BUND und die BUNDjugend mit Unterstützung unserer internationalen Partner in Dänemark waren. Neuen Schwung hat dagegen ein anderes zentrales Anliegen des BUND bekommen. Um für den Schutz der biologischen Vielfalt zu werben, hat die UNO 2010 zum internationalen Jahr der Biodiversität ausgerufen – Anlass nicht nur für das Titelthema dieser Ausgabe, sondern für eine Fülle von Begleitaktionen des BUND. Lesen Sie, wie wundersam vielgestaltig das irdische Leben ist, was den natürlichen Reichtum bedroht, wo der BUND selbst aktiv werden will und was der oberste Umweltwächter der UNO vom Jahr der Biodiversität erwartet. Die biologisch vielfältigsten Regionen der Welt liegen in den Tropen. Doch auch hierzulande ist unser Einsatz gefragt. Dies zeigt von Mal zu Mal – und oft deutlicher, als vermutet – unsere Kontrolle der deutschen Nationalparke. Anspruch und Wirklichkeit klaffen in diesen Premiumgebieten des Naturschutzes manchmal weit auseinander. Der Nationalpark Jasmund auf Rügen macht da keine Ausnahme. Dabei wollen die Verantwortlichen den misshandelten Buchenwald sogar als Weltnaturerbe adeln lassen. Knapp 35 Jahre nach seiner Gründung hat der BUND mehr UnterstützerInnen als jeder andere deutsche Umweltverband, und zugleich die breiteste Themenpalette. Deshalb informiert Sie dieses Magazin über viele weitere Anliegen des BUND: vom Rechtshilfefonds bis zur Menschenkette gegen die Atomkraft, von einer kleinen Lampenkunde über die Kritik am Management deutscher Seehäfen bis zu einer Kolumne, die sich künftig der Rundfunkpolitik widmet … Das alles und noch viel mehr lesen Sie hoffentlich mit Gewinn. Viel Spaß mit dieser Ausgabe wünscht Ihr

Redaktion BUNDmagazin

FORUM 4 Leserbriefe / Impressum

I N HALT

MAGAZI N 6 Kurznachrichten KOMMENTAR 10 Klimaschutz konkret FOTOSEITE 11 Die Küchenschelle TITELTH EMA 12 Bedrohte Vielfalt 15 Interview mit Achim Steiner 16 Was plant der BUND? 18 BUND-Gruppen, vernetzt Euch!

S. 12: Die biologische Vielfalt … wollen die Vereinten Nationen 2010 ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Lesen Sie über die bedrohte Vielfalt des Lebens – und wie der BUND dieses Jahr nutzen wird.

20 Deutschland muss mehr tun MAR KTPLATZ 21 Kleinanzeigen AKTION 24 Stützen Sie die BUND-Rechtshilfe! 25 KettenreAktion RATGEBER 26 Alternativer Konsum 27 Kleine Lampenkunde

S. 28: Nationalpark Jasmund Viel gerühmt und viel besucht, doch in keinem guten Zustand: Was läuft schief an Rügens Kreideküste?

DEUTSC H E NATIONALPAR KE 28 Jasmund ZU R ZEIT 30 Der BUND in Brandenburg 32 Seehäfen: Neue Konzepte gefragt 34 Virtuelle Kampagne, realer Erfolg 35 Mutter Natur statt Vater Staat AKTIV 36 Neues aus dem BUND 40 Internationales 42 Die junge Seite MEDI EN 46 Interessante neue Bücher PERSÖN LIC H 48 Joachim Götz

S. 42: Die Klimapiraten … der BUNDjugend stachen von Greifswald aus in See, um halbherzigen Politikern in Kopenhagen das Fürchten zu lehren.

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Acker bis auf den Teller zu vereinnahmen, und erhalten damit eine Macht, der die Politik nichts entgegenzusetzen hat. Leider hat sich der Wähler bei der letzten Bundestagswahl nicht für den ökologischen Weg entschieden. Leider passen sich auch die Bio-Anbauverbände den Strukturen der konventionellen Landwirtschaft an. Es ist an den Umweltverbänden, hier tätig zu werden und ein WendeSzenario zu entwickeln und zu kommunizieren. Die Studien zum »Zukunftsfähigen Deutschland« sind hierfür die Handlungsebene. Georg Ramm, BUND Cuxhaven

FORUM

Titel der Ausgabe 4/09

Schwerpunkt Gesundheit

Politik und Pannenhilfe

Mit großem Interesse habe ich Ihren Bericht »Gesund essen« gelesen und stimme mit Ihnen völlig überein, dass die Agrarpolitik gefragt ist. Allerdings nicht nur sie, denn sie richtet sich nach den Forderungen der Industrie, mit der sie eng verflochten ist. Gefragt ist vor allem der Verbraucher mit seiner Kaufentscheidung. Ihre Schlussfolgerung »der Industrialisierung der Landwirtschaft einen Riegel vorschieben« dient nicht nur der gesunden Ernährung, sondern auch einem freiheitlich-demokratischen Staat. Die bäuerliche Landwirtschaft, das Recht auf Erzeugung des Grundbedarfs sichert Existenzen und Meinungsfreiheit. Beides wird derzeit unterlaufen durch Staat und Industrie. Speziell global agierende Konzerne (wie Monsanto) versuchen, die ganze Produktionskette vom

Dass Sie sich mit dem unheilvollen Wirken des ADAC in der Verkehrspolitik befassen, war längst überfällig. Die durch exzessiven Straßenbau systematisch zerschundene Natur und Landschaft ist nicht zuletzt ein »Verdienst« des ADAC, der selbst heute noch Autorennen veranstaltet. Und der überall in Ministerien und Verwaltung seine willfährigen Handlanger sitzen hat. Darum raus aus diesem Verein! 16 Millionen ADAC-Mitglieder lassen mich zweifeln am viel gerühmten deutschen Umweltbewusstsein. Hans Kempf, Ansbach

IMPRESSUM Das BUNDmagazin ist die Mitgliederzeitschrift des BUND und erscheint viermal im Jahr. Herausgeber: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) – Friends of the Earth Germany Redaktion: Dr. Norbert Franck (V.i.S.d.P.), Severin Zillich (C.v.D.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, ꇴ (0 30) 2 75 86-4 57, Fax -4 40, redaktion@bund. net, www.bund.net. Unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos werden sorgfältig behandelt; eine Haftung wird nicht übernommen. Gestaltung, Produktion: Claudia Gunkel (Produktionsleitung), Marc Venner (Grafik/Layout), Rudolf Gorbach (Grundlayout) Titelbild 1/10 (14. Jg.): Uli Staiger/die licht gestal-

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Zur Bundestagswahl Mit Ihrem Kommentar liegen Sie auf der bisherigen Linie des BUND und vieler anderer Umweltverbände. Sie appellieren vornehmlich an gewählte Institutionen wie Parteien

ten; Aras: Andy & Gill Swash (WorldWildlifeImages.com), Krabben: IUCN/Gabriel Davila, Wildkatze: Thomas Stephan Verlag: Natur & Umwelt Verlags-GmbH, Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin Mitgliederservice: ꇴ (0 30) 2 75 86-479, Fax -4 40, mitgliederservice@bund.net Bezugspreis: für Mitglieder im Beitrag enthalten; für Nichtmitglieder 15 Euro pro Jahr Anzeigenverwaltung: Christian Lipp, Zweiplus Medienagentur, Pallaswiesenstraße 109, 64293 Darmstadt, ꇴ (0 61 51) 81 27-2 07, Fax: 89 30 98. Es gilt der Anzeigentarif Nr. 17. Druck: Brühlsche Universitätsdruckerei GmbH & Co KG Papier: 100 % Recycling, glänzend gestrichen Spenden: Der BUND benötigt für seine Arbeit

und Regierung. Diese können und sollen aber umsetzen, wofür sie gewählt wurden. Und das Programm lautet jetzt eben schwarz-gelb und nicht etwa grün. Wollten Sie echte Änderungen, müssten Sie die Wähler ansprechen und möglichst überzeugen. Gleiches gilt für die Verbraucher. Und da ist der BUND doch sehr vorsichtig und restriktiv. Sie müssten endlich klar sagen, dass es zumindest unanständig ist, die Lebensgrundlagen der Mitmenschen zu zerstören. Mit dem Appell »Das ist aber schädlich, wenn Du …« ist es für mich jedenfalls nicht getan. Den »Rollback« – wie Sie schreiben – zu verhindern wird so nicht möglich sein. Dietrich Strohmaier, Saarbrücken

Auch Ökostrom sparen Die redaktionelle Empfehlung im BUNDmagazin, bei Ökostrombezug sei ein Wechsel des Energieträgers nicht nötig (im konkreten Fall ging es um den Ersatz eines Elektrodurch einen Gasherd), ist falsch und kontraproduktiv, da sie verhindert, dass Schadstoff- und Treibhausgasemissionen vermieden werden. Viele BUND-Mitglieder mit Ökostrombezug werden jetzt denken: Warum sollte der Computer nicht bis zum nächsten Morgen im Standby-Modus verweilen? Oder warum den teuren, aber effizienten Kühlschrank wählen, wenn der Strom klimaneutral und umweltschonend ins Haus kommt? Die Antwort lautet: Jede mehr verbrauchte Kilowattstunde Öko-

über die Mitgliedsbeiträge hinaus Unterstützung. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Bitte überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto Nr. 232 der Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98. Danke! (siehe dazu: www.bund.net/spenden) Copyright: Alle Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck oder sonstige Verwertung nur mit schriftlicher Einwilligung des Verlages. Druckauflage: 152 690 Exemplare (IVW III/2009); in Natur + Umwelt: 100 000 (Verlagsangabe) Beilagen: Solar Millenium sowie (in Teilauflagen) Biber Umweltprodukte, Personalshop, Waschbär Umweltversand und Wilhelm Egle GmbH Das BUNDmagazin 2/2010 erscheint am 15. Mai mit dem Titelthema »Klimaschutz + Lebensstil«.


strom ist i. d. R. genauso schädlich wie der Verbrauch einer Kilowattstunde »Kohle- oder Egalstrom«. Jede zusätzlich verbrauchte Kilowattstunde wird letztlich in einem Kohle- oder Gaskraftwerk erzeugt. Denn der gesamte regenerativ erzeugte Strom fließt ohnehin ins Netz, weshalb die zusätzliche Nachfrage – auch wenn der Anbieter einen Ökostromvertrag hat – letztlich in einem fossilem Kraftwerk erzeugt wird. Umgekehrt muss jede eingesparte Kilowattstunde nicht mehr fossil produziert werden. Die Fiktion, dass der Bezug von Ökostrom die Emissionen der Stromproduktion reduziert, führt zu einem laxeren Umgang mit Strom und somit zu mehr Schadstoff- und Klimagasemissionen. Wolfgang Irrek, Wuppertal Die sauberste und günstigste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen. Darauf wurde im Artikel ausführlich hingewiesen. Dass dies auch für Strom aus erneuerbaren Energien gilt, versteht sich für den BUND von selbst. Unabhängig davon bleibt der Bezug von Ökostrom ein wesentlicher Beitrag zur Energiewende.

Es ist zu begrüßen, dass der wissenschaftliche Beirat des BUND nun die Nachteile der Energiesparlampen (vor allem das Quecksilber) ins Visier nimmt und entsprechende Forderungen gegenüber der EU vorbringt, um die Lampe akzeptabel zu machen. Besser wäre es jedoch gewesen, der BUND hätte auf die Empfehlung dieser Lampe verzichtet und von vornherein seine Forderungen erhoben. Damit man schon vorher gescheiter ist, bedarf es des Breitwinkels, des Blicks fürs Ganze. Dazu sollte der BUND seine vielen Fachleute befragen und gut abwägen, bevor er an die Öffentlichkeit geht. Dieser Blick fürs Ganze ist vielen Experten verloren gegangen – aber er ist wichtiger denn je, um die Vorund Nachteile eines neuen Produktes abzuwägen. Wolfram Hellmich, Taufkirchen

Ihr Artikel über Energiesparlampen kritisiert viel und informiert wenig. So ist hinsichtlich des Lichtspektrums auf die Lumenzahl zu achten. Zudem sind ESL mit dreistelligen Nummern markiert. Bei »827« bedeutet die 8, dass der Farbwiedergabe-Index bei 80 – 89 % liegt; das Lichtspektrum sollte niedrig gewählt werden, die 27 (= 2 700 Kelvin) entspricht etwa der Farbtemperatur von Glühbirnen. Je höher der Wert, desto weißer wirkt das Licht. Mit diesem Wissen gelingt jeder ESL-Kauf. Bitte also mehr Information als Kritik! Ein entsprechender Ratgeber in einer der nächsten Ausgaben wäre sehr wünschenswert. Stephan Philipp, Königsbrunn Siehe dazu unser Beitrag auf Seite 27. Der Text im letzten Heft diente dazu, die Position des BUND in dieser komplexen Frage zu verdeutlichen.

Die Redaktion freut sich über jeden Leserbrief, behält sich aber Kürzungen vor. Eine größere Auswahl von Leserbriefen finden Sie unter www.bund.net / bundmagazin – schon etwa vier Wochen nach Erscheinen der neuen Ausgabe. Anzeige

Von Glüh- und Sparlampen Sie schreiben: »Glühlampen wandeln nur fünf Prozent der eingesetzten Energie in Licht um, der Rest verpufft in Form von Wärme«. Die Formulierung »verpufft« ist in einem Land mit de facto achtmonatiger Heizperiode polemisch und so nicht korrekt. Die Glühlampe war schon immer die Heizung des kleinen Mannes. Ihre Abwärme wurde und wird benötigt. Eine 60 W-Glühlampe erwärmt im Lichtkegel die Luft binnen 20 Minuten noch in 70 cm Entfernung um bis zu 5 Grad (eigene Messung). In meiner Kindheit hieß es an kühlen Sommerabenden und in den Übergangszeiten nur: »Es wird kühl, machen wir das Licht an, dann wird es gleich wärmer …« Bis auf Weiteres werde ich also (trotz langjähriger verhaltenskonformer BUND-Mitgliedschaft) Glühlampen wie einen Schatz horten und verwenden. Ildiko Dewes-Demmerle, Hamburg

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MAGAZI N

Neu, vielfältig, interessant

Verreisen Sie mit uns

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ie Vielfalt der Natur ist unser Vorbild: Abwechslungsreich und voller aufregender Urlaubsziele präsentiert sich der neue Katalog

der BUND-Reisen 2010. Unsere fachkundigen Reiseleiter haben erneut viele Nationalparke und Naturlandschaften für Sie ausgewählt. Auch dieses Jahr achten wir darauf, unsere Reisen möglichst ökologisch und im Einklang mit der Natur anzubieten. (Das Fliegen überlassen wir den Bienen.) Dazu gehören umweltoptimierte Abläufe und der schonende Umgang mit natürlichen Ressourcen. Auch 2010 haben wir wieder einige neue Ziele ins Programm genommen: eine Reise auf die grüne Insel Irland, Naturreisen nach Kroatien und Rumänien oder eine Donauschifffahrt bis nach Budapest.

Auch unsere Klassiker – wie Ligurien und Cinque Terre, Elba und das rumänische Donaudelta – sind wieder mit dabei. Für junge Leute mit Kindern haben wir mehrere Familienreisen entwickelt. Wer lieber individuell eines der »Fahrtziele Natur« ansteuert, bekommt als BUND-Mitglied etwas geboten: BIO-Hotels mit der günstigen Aktion Bahn & BIO-Bett sowie Urlaubspakete etwa für den Bayerischen Wald. Katalog und Infos erhalten Sie bei BUND-Reisen, Tel. (0 91 23) 9 99 5710, www.bund-reisen.de

Nachhaltiger Warenkorb

Besser konsumieren

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ollen Sie sozial und ökologisch verantwortlich leben, ohne Ihren finanziellen Rahmen zu sprengen und auf Komfort zu verzichten? Wie das geht, zeigt der neue »Warenkorb« des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Wer bereit ist, die eigenen Konsumgewohnheiten zu hinterfragen, kann mit dieser Broschüre hier und dort seinen Alltag neu organisieren. Sie differenziert nach häufigen und seltenen Einkäufen, großen Anschaffungen – wie dem Kauf eines Autos – und Fragen wie der sinnvollen Geldanlage.

Dabei ermuntert sie uns, neue Routinen zu entwickeln und der Tatsache Rechnung zu tragen, dass es für viele Abwägungen keine ganz eindeutige Antwort gibt. Ist Bioware aus dem Ausland ökologisch besser als konventionelle aus der Region? Für solche und ähnliche Dilemmata liefert der Ratgeber einfache Faustregeln und anschauliche Beispiele. Mehr Infos und die Broschüre zum Download: www.nachhaltigkeitsrat.de (Nachhaltiger Warenkorb)

GEO-Tag der Artenvielfalt

Der Wert der Natur

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ur was wir kennen, werden wir auch achten und schützen. Aus dieser Überzeugung heraus veranstaltet das Magazin GEO seit 1999 jährlich den »Tag der Artenvielfalt«. Experten und interessierte Laien sind zu einer Inventur der heimischen Flora und Fauna eingeladen. Die Entdeckungsreise, an der sich

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wieder viele BUND-Gruppen beteiligen werden, steht 2010 unter dem Motto »Der Wert der Natur: Warum sich Vielfalt rechnet« und wird erstmals in rund 35 Ländern zugleich ausgerichtet. Die deutsche Hauptaktion wird am 12. Juni bei Freiburg stattfinden: Über 100 Experten werden ausge-

wählte Gebiete von den Rheinauen bis zum Feldberg akribisch unter die Lupe nehmen. Der Kreativität für begleitende Aktionen sind keine Grenzen gesetzt. Die schönsten Ideen veröffentlicht eine GEO-Sonderbeilage. 씰 www.geo.de/artenvielfalt


Schmetterling des Jahres

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er BUND hat gemeinsam mit der Naturschutzstiftung seines Landesverbandes in NRW den Schönbären zum Schmetterling des Jahres 2010 gekürt. Einst in lichten Wäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit weit verbreitet, ist »Callimorpha dominula« in den letzten Jahrzehnten bundesweit selten geworden. Als Ursache gilt vor allem, dass unsere Wälder immer intensiver bewirtschaftet und viele Kleingewässer darin trockengelegt werden. Wer Wegränder und Bachufer mäht, zerstört zudem die Pflanzen, auf denen die Raupen leben. Der Schönbär ist einer der wenigen Nachtfalter, die auch tagsüber aktiv sind. Vor Vögeln schützt er sich, indem er bei Gefahr seine leuchtend roten Hinterflügel zeigt. Die sind auch im Flug gut zu sehen und signalisieren, dass er ungenießbar ist.

In Ruhestellung legt der Schönbär seine schwarzen, gelb-weiß getupften Vorderflügel dachförmig übereinander und ist damit gut getarnt. Schönbären haben eine Spannweite von etwa 5 cm und saugen im Juni und Juli gern den Nektar von Kohldisteln, Mähdesüß oder diversen Sträuchern. Die Weibchen legen ihre Eier an Pflanzen wie Brennnessel, Himbeere, Weide oder Hasel. Im August schlüpfen die Raupen. Die älteren Raupen sind dunkelgrau mit gelben Streifen und »bärenartig«

behaart, was dem Schmetterling seinen Namen gab. Die dichten Haare schützen vor Fressfeinden, die ihre Beute so nur schwer fassen können. Nach der Überwinterung im Laub verpuppen sich die Raupen Ende Mai in der obersten Erd- oder Krautschicht. Übrigens: Schon seit 2003 weist der BUND mit dem »Schmetterling des Jahres« auf den Verlust natürlicher Lebensräume hin.

Eva Knon

Bärig schön – der Schönbär

Falter und Raupe des Schönbären.

Mehr Informationen und Bilder vom Schönbären unter www.bund-nrwnaturschutzstiftung.de und bei Jochen Behrmann, BUND NRW, Tel. (02 11) 30 20 05-14

Abenteuer Faltertage

Bisher bestes Schmetterlingsjahr ach der eher ungünstigen Witterung 2008 scheint es unseren Schmetterlingen im letzten Jahr deutlich besser ergangen zu sein. Knapp 100 000 Falter haben Sie uns gemeldet – ein Rekordergebnis, seit der BUND mit dem »Abenteuer Faltertage« 2005 erstmals dazu aufrief, bestimmte Tagfalter zu notieren. Auch unser Partner science4you.org, der die Daten sammelt und auswertet, spricht von einem »echten Schmetterlingsjahr«. Das ungewöhnlich gute Ergebnis ist zum großen Teil den Distelfaltern zu verdanken, die im Frühjahr in riesigen Schwärmen über die Alpen geflogen kamen. Über 50 000 Tiere wurden gemeldet! Mit einem Anteil von 55 % liegt der Distelfalter damit klar auf Platz eins der Zählung. Zum Vergleich: Im letzten Jahr kam er auf nur 6 % der Meldungen. Mit weitem Abstand folgen Tagpfauenauge (15 %) und Zitronen-

falter (10 %). Noch seltener notiert wurden Kleiner Fuchs (6 %), Landkärtchen und Aurorafalter (je 4 %) sowie Admiral (3 %) und Schachbrett (2 %). Mit einem Anteil von 0,7 % und 0,3 % stehen Schwalbenschwanz und Trauermantel am Ende der Liste. Wir bedanken uns herzlich bei allen Naturfreunden, die sich an der Zählung beteiligt haben und den BUND so beim Schutz der Schmetterlinge unterstützen. Jede Woche wurde ein Steinbachs Naturführer aus dem Ulmer Verlag verlost, und am Ende der Aktion der Hauptpreis: Dr. Andrea Streng aus Starnberg gewann sieben Tage im Bayrischen Wald für zwei Personen inkl. Übernachtung und Verpflegung, gestiftet von www.bundreisen.de. Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern! Auch dieses Jahr wird es wieder ein Abenteuer Faltertage geben. Gezählt werden kann vom 1. April

bis 31. Oktober. Aktionswochenenden finden zu Pfingsten (22. bis 24. Mai) und Ende August statt (28./29. August). Wir hoffen, Sie sind dann wieder dabei! Abenteuer Faltertage, Netzwerk Naturschutz, Christiane Bohn, Telefon (0 30) 2 75 86-4 96, www.abenteuer-faltertage.de

Walter Schön (2)

N

Mit einer wahren Invasion aus dem Süden hat sich der Distelfalter 2009 auf Platz 1 geschoben.

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Erfolgreicher Klimaschutz

MAGAZI N

2009 sechs Kohlekraftwerke gestoppt

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Geplante Kraftwerke Mehr über die Standorte und die einzelnen Initiativen im Widerstand unter www.bund.net /klimaschutz

er Klimagipfel in Kopenhagen war eine große Enttäuschung, auch für den BUND. Aber unsere konkrete Arbeit für mehr Klimaschutz in Deutschland hat zuletzt schöne Erfolge erzielt. So konnten wir 2009 als Teil einer breiten Widerstandsbewegung gleich sechs große Kohlekraftwerke verhindern. Am Anfang stand der Rückzieher von Vattenfall in Berlin im Frühjahr. Und als letztes kam im Dezember das Aus für das umkämpfte Kohlekraftwerk in Lubmin bei Greifswald. Der BUND hatte während der Klimaverhandlungen in Kopenhagen eine Protestaktion beim dänischen Investor Dong Energy vorbereitet – die kurzfristig in eine Jubelfeier umgewandelt werden konnte. Ebenfalls gestoppt wurden die Planungen in Emden, Dörpen, Kiel und Mainz. Entscheidend für diesen Erfolg war der starke und anhaltende Protest vor Ort. Aber wichtig ist

auch die immer verbreitetere Erkenntnis, dass für neue unflexible Kohlekraftwerke bei einem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien kein Platz im Stromnetz bleibt. Zudem führten die Klagen des BUND und einer Privatperson zum faktischen Baustopp des Eon-Kohlekraftwerks in Datteln/NRW. Dieses Urteil könnte zu einem Meilenstein werden, da es sich um einen bereits begonnenen Neubau handelt. Die Landesregierung versucht nun, den Schwarzbau nachträglich zu legalisieren, indem sie gesetzliche Vorgaben zum Klimaschutz streicht. Doch die Chancen für Eons Kohlemeiler wird das kaum erhöhen. Als Protest gegen diesen Kotau vor einem Energiekonzern sammelten BUND und Campact binnen einer Woche 63 000 Unterschriften – doch die schwarz-gelbe Koalition verabschiedete unverdrossen kurz vor Weihnachten ihre »Lex Eon«.

Ökotipp

Schöner leben

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ede Woche verbreitet der BUND einen Ökotipp. Bewährte Hausrezepte finden sich hier nicht selten neben neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Viele große und kleine Zeitungen veröffentlichen die

BUND-Ökotipps regelmäßig. Auch Privatpersonen können sie kostenlos über den E-Mail-Verteiler des BUND abonnieren. Die gesammelten Tipps finden Sie unter www.bund.net/oekotipps.

Computer möglichst lange nutzen Die Herstellung von Computern verbraucht sehr viel Energie. Außerdem enthalten sie seltene und zum Teil giftige Stoffe, die nach der Entsorgung nur zum Teil zurückgewonnen werden. Private Computer sollten darum so lange wie möglich genutzt werden. Gebrauchtgeräte können eine umweltfreundliche Alternative zu Neuanschaffungen sein. Vergleichen Sie beim Neukauf den Stromverbrauch: Mit einem sehr effizienten Gerät können Sie zwischen 50 und 70 Prozent Energie sparen. Letztendlich entscheiden die eigenen Ansprüche: High-End-Computer können rund 63 Euro mehr an jährlichen Stromkosten verursachen als ein Standard-PC. Notebooks sparen gegenüber klassischen PCs bis zu 50 Prozent Strom,

Etienne Rheindahlen

Zu schade für die Straße: ausrangierte Computer.

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da sie für eine lange Akkuleistung besonders energieeffizient konstruiert sind. Noch sparsamer: Netbooks. Doch auch bei vergleichbarer Ausstattung und Leistung kann der Stromverbrauch erheblich schwanken. Sparsame PCs, Notebooks und Monitore finden Sie auf www.ecotopten.de und www.office-topten.de. Mit dem »Energy-Star« gekennzeichnete Modelle sind auf der Seite www.eu-energystar.org/de zu vergleichen. Übrigens: Der BUND empfiehlt die Energiemanagement-Funktionen des Betriebssystems zu nutzen. Verzichten Sie auf Bildschirmschoner und schalten Sie Rechner und Monitor in den Pausen in Stand-by, Ruhezustand oder am besten ganz ab.


KURZ + GUT »Only bad news is good news« heißt es unter Medienleuten, vor allem schlechte Nachrichten erregen demnach unsere Aufmerksamkeit. Doch positive Nachrichten aus dem Umwelt- und Naturschutz tun einfach gut. Deshalb finden Sie hier kleine bunte Meldungen der letzten Zeit, über die wir uns gefreut haben. 씰 Die u.a. vom BUND in Auftrag gegebene Studie »Zukunftsfähiges Deutschland« ist in 4. Auflage erschienen. Seit Oktober 2008 wurden damit 24 000 Exemplare gedruckt. Rund um die Studie sind auch dieses Jahr Aktivitäten geplant: Der Kirchentag in München ist eine gute Gelegenheit, sich die Ausstellung zur Studie anzuschauen. Am 15. Mai wird hier der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sprechen – über Matthäus 25, 31 – 46: »Was ihr einem dieser Geringsten getan habt«. 씰 Der Dirigent und Mitbegründer des BUND Enoch zu Guttenberg hat die bayerische Umweltmedaille erhalten. In der Anfangszeit gehörte der Vater des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu G. – heute 63 Jahre alt – zu den charismatischsten Persönlichkeiten des BUND. Seit Jahrzehnten verknüpft der entschiedene Gegner der Atomkraft sein künstlerisches Schaffen mit der Mahnung, Umwelt und Klima besser zu schützen. 씰 Die »BUND-Spechte« aus Jüchen (Kreis Neuss) erhielten am 30. November in Berlin den Bürgerpreis »Junior«, den bedeutendsten deutschen Ehrenamtspreis. Neben ihrem aktuellen Projekt »Geliebte Wildnis«, das bunte Wiesen für Schmetterlinge schafft, verfolgen die jungen Umweltschützer zwischen 8 und 15 eine Fülle weiterer

Aktivitäten. Gewürdigt wurde dies 2009 auch mit einem lokalen Bürgerpreis und mit dem ersten Platz beim Triologisch-Wettbewerb der BUNDjugend. 씰 Mit einer Neuauflage seiner Infokampagne »Windkraft im Visier« will der Deutsche Naturschutzring (DNR) die Diskussion um die Windenergie voranbringen. Dazu Generalsekretär Röscheisen: »Unser Projekt soll im Jahr der biologischen Vielfalt zeigen, wie Windenergie im Einklang mit dem Natur- und Landschaftsschutz genutzt werden kann.« Kontakt: Günter Ratzbor, Tel. (0 51 32) 5 88 99 40, g.ratzbor@schmal-ratzbor.de 씰 Seit 2001 kooperieren BUND, NABU und VCD mit der Deutschen Bahn beim »Fahrtziel Natur«: 18 der schönsten deutschen Naturlandschaften sind dieses Jahr im Angebot. Über die Anreise per Bahn, Unterkünfte und die Mobilität vor Ort informiert eine neue Broschüre. Mehr dazu unter www.fahrtziel-natur.de 씰 Erst kürzlich erhielt die Ehrenvorsitzende des BUND den Deutschen Umweltpreis. Nun darf sich Angelika Zahrnt auch Professorin nennen. Diesen Ehrentitel verlieh ihr am 11. Dezember in Stuttgart Ministerpräsident Oettinger – für ihre langjährigen Verdienste für Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Der BUND gratuliert!

Don Cato

Über 10 000 Kinder meistern Klima-Rallye

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eit acht Jahren geht der Umweltluchs Don Cato für das Umweltministerium und die BUNDjugend auf Mission. 2009 kamen die kleinsten Klimaforscher groß heraus. Die Mädchen und Jungen vom Offenen Kindergarten im niedersächsischen Friedrichsfehn gewannen den Wettbewerb »Don Catos Klima-Rallye«. Zehn Kinder freuten sich über den Hauptpreis – ein Dreier-Set Bodentrampoline. Als Forscher-AG hatten sie einen Klima-Tag für alle 130 Kinder des Kindergartens vorbereitet, dafür ein Klima-Musical einstudiert, Handpuppen angefertigt und Kulissen selbst gebaut. Den schlauen Luchs Don Cato begleiteten insgesamt rund 10 500 kleine Umweltschützer auf seiner spannenden Klima-Rallye – doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Umweltschutz wird auch bei den ganz Klei-

nen groß geschrieben: Erstmals haben sich auch drei- bis sechsjährige Kinder engagiert, um die Klimabilanz ihrer Kindergärten zu verbessern. Überall in Deutschland halfen sie tropfende Wasserhähne auszutauschen, Energiesparlampen einzusetzen und Fenster abzudichten. Der Kita Storchenwiese aus Lahnau gelang es sogar, ihr ganzes Dorf zu bewegen, mehr zu Fuß zu gehen. »Die Kleinen haben vorgemacht, dass Klimaschutz schon im Kindergarten beginnt, jetzt sind die Großen dran. In Kopenhagen müssen die Würfel fallen«, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen bei der Gewinnerkür Anfang Dezember. (Wozu es bekanntlich nicht kam.) Neben den Trampolinen belohnte Luchs Don Cato seine dreißig besten Helfer mit einem wertvollen Forscher-Paket.

Teil der Dokumentation des ausgezeichneten Kindergartens aus Friedrichsfehn. Eine Übersicht aller Gewinner finden Sie unter www.doncato.de.

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Klimaschutz muss jetzt konkret werden!

KOMMENTAR

Julia Puder

Der Autor Prof. Dr. Hubert Weiger ist Vorsitzender des BUND.

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as Ergebnis des Klimagipfels in Kopenhagen gleicht einer Bankrotterklärung der Staats- und Regierungschefs. Es ist eine Ohrfeige gerade für die ärmsten Staaten der Erde, die unter den Folgen des Klimawandels besonders leiden. Hauptverantwortlich für das Scheitern war die Weigerung der Industriestaaten, ihren CO2-Ausstoß deutlicher zu senken, die Entwicklungsländer stärker zu unterstützen und einen konkreten Zeitplan für Klimaschutzmaßnahmen vorzulegen. So ist auch Deutschland mit Bundeskanzlerin Angela Merkel mitverantwortlich für den deprimierenden Abschluss. Verbal tritt sie zwar für das ferne Zwei-GradZiel ein, doch hat sie gerade auf europäischer Ebene den Klimaschutz eher gebremst als beflügelt. Ein Minderungsziel von 45 % bis 2020 für die Industriestaaten und ein Beitrag der EU für Anpassung und Klimaschutz in den armen Ländern von jährlich 35 Milliarden Euro wäre das Mindeste gewesen, das die EU hätte anbieten müssen. Doch offenbar haben viele Staats- und Regierungschefs die tatsächliche Dramatik des Klimawandels nicht erkannt. Die Welt benötigt schnelle Fortschritte bei der Senkung der Treibhausgase. Jede weitere Verzögerung ist ein Sargnagel für die Zukunft der Menschheit. Die Industriestaaten müssen sich endlich bewegen und ihre bisher schwachen Angebote zum Klimaschutz deutlich aufbessern. Zu schließen sind Schlupflöcher, die reale Emissionsminderungen verhindern – etwa indem konkrete Maßnahmen nach außerhalb der EU verlagert werden.

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Für den BUND ergibt sich daraus die Konsequenz, nicht zu resignieren, sondern unser Engagement vor Ort zu verstärken. Deutschland muss seine Hausaufgaben im Klimaschutz machen, um international glaubwürdig zu sein. Wir werden es nicht zulassen, dass die deutschen Vertreter auf internationaler Ebene als Vorreiter in Sachen Klimaschutz auftreten, im eigenen Land aber weiter den Bau klimaschädlicher Kohlekraftwerke oder den Neubau von Autobahnen fördern und beim zentralen Thema – der Senkung des Energieverbrauchs durch Energieeffizienz – fast nichts passiert. Immer wenn es konkret wird, bleibt bei der Regierung nicht viel Klimaschutz übrig. So treten Merkel wie Röttgen dafür ein, neue Kohlekraftwerke zu bauen. Und parallel zum Klimagipfel in Kopenhagen hat die schwarz-gelbe Regierung in Nordrhein-Westfalen den Klimaschutz aus der Landesplanung gestrichen. Sie will so das vom BUND durch eine Klage eigentlich schon gestoppte Eon-Kohlekraftwerk in Datteln doch noch möglich machen. Umso nötiger ist daher unser Einsatz auch vor Ort – der 2009 übrigens sehr erfolgreich war. Sechs Kohlekraftwerke konnten wir verhindern, dank unserer Landesverbände und Kreisgruppen sowie lokaler Bürgerinitiativen. Der BUND wird weiter darauf achten, dass Klimaschutz real und bei uns stattfindet. Wir kämpfen gegen Schlupflöcher und alle Versuche, die Stromkonzerne und ihre geplanten neuen Kohlekraftwerke zu unterstützen. Hier wird sich die Bundesregierung entscheiden müssen: Meint sie die Klimaschutzziele in ihrem Koalitionsvertrag wirklich ernst? Dann müsste sie selbst aktiv jedes neue Kohlekraftwerk bekämpfen. Sonst ist das auch von ihr nicht bestrittene CO2-Reduktionsziel von 80 % im Jahr 2050 passé. Die energiepolitische Grundsatzentscheidung dieses Jahres ist die Frage, ob die deutschen Atomkraftwerke längere Laufzeiten erhalten. Gerade alte Reaktoren bilden ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko. Und längerer Betrieb vergrößert noch das ungelöste Atommüllproblem. Auch für den Klimaschutz sind diese Pläne bekanntlich ein Riesenproblem: Denn mehr Atomkraft im Netz gefährdet den Ausbau erneuerbarer Energien und anderer klimafreundlicher Alternativen (wie effiziente Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung). Darum: Wer Klimaschutz und mehr erneuerbare Energie will, muss für den Atomausstieg kämpfen. Das wird der BUND tun. Machen Sie mit!


Aller Welt Arten

FOTOSEITE

W. Willner

Fr端her vertraut, heute ein seltener Anblick: bl端hende K端chenschellen (Pulsatilla vulgaris). Der BUND setzt sich daf端r ein, dass unser aller Welt bunt und lebendig bleibt.

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TITELTH EMA Zentralasiatische Mountains of Central Asia Berge

Kaukasus Caucasus Kalifornische Florenprovinz

Madrean Kiefern-Eichenwälder Pine-Oak der Sierra Madre Woodlands Okzidental

Berge im of Mountains Southwest südwestlichen China

MittelmeerBecken

IranoAnatolien

Karibische Inseln

o nt

an

Philippinen

TumbesChocóMagdalena

CerradoWaldsavanne

Guinesische Wälder Westafrikas

Tropische Anden

Winterregenwälder Chiles

Neuseeland

Ö s t l i c he s Afr o m

Mittelamerika Polynesien – Mikronesien

Japan

Himalaya

Atlantischer Wald Sukkulentenreiche Karoo-Halbwüste Floristische Kapregion

IndoBurma

Westliche Ghats und Horn von Sri Lanka Afrika

Polynesien – Mikronesien Sundaland Wallacea Ostmelanesische Inseln

Madagaskar und die Inseln des Indischen Ozeans Küstenwälder Ostafrikas

SüdwestAustralien

Neukaledonien

MaputalandPondoland-Albany Neuseeland

Quelle: Conservation International

Die gefährdeten Kernzonen oder »Hotspots« der biologischen Vielfalt: Auf gerade einmal 1,4 % der Erdoberfläche konzentrieren sich 44 % aller Gefäßpflanzen und über ein Drittel aller Landwirbeltierarten.

Bedrohte Vielfalt Die biologische Vielfalt, das kunstvolle Netzwerk der Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume, stützt alles Leben auf dieser Erde. Ihr fortschreitender Verlust bedroht auch unsere Zukunft. Die Bewahrung der natürlichen Ressourcen ist das A und O jeder nachhaltigen Entwicklung. Als Anliegen liegt sie damit allen Zielen zugrunde, die der BUND seit seiner Gründung verfolgt. Worin besteht diese Vielfalt? Und wodurch ist sie heute bedroht? IUCN/Gabriel Davila

Orchideen bilden die artenreichste Pflanzengruppe der Welt.

W

ie ist das Herz des Naturforschers erfüllt, wenn er so glücklich ist, einen unbekannten Distrikt zu entdecken, in welchem jeder Tag neue und unerwartete Schätze ans Tageslicht befördert!« Diese Worte schrieb Alfred Wallace 1857 unter dem Eindruck eines sechsmonatigen Aufenthalts auf den Aru-Inseln bei Neuguinea. Wie unendlich spannend müssen diese Reisen ins gänzlich Unbekannte einst gewesen sein. Und welche Gefahren und Entbehrungen haben Pioniere wie Charles Darwin, Georg Forster, Alexander von Humboldt oder eben Alfred Wallace damals auf sich

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genommen … Auch dank dieser tollkühnen Entdecker können wir heute auf ein immenses Wissen über die Vielfalt des Lebens auf Erden zugreifen. Jeden Tag werden neue Arten beschrieben. Sammlungen wie die des Berliner Naturkundemuseums beherbergen viele Millionen tierischer und pflanzlicher Exponate, zahllose noch unbestimmt. Die frühesten stammen von naturbegeisterten Forschungsreisenden des 18. und 19. Jahrhunderts. Manche Arten, die etwa der Weltumsegler James Cook nach Hause brachte, sind inzwischen längst ausgestorben. Das letzte, was


Rasch wird klar: Die Vielfalt ist ungleich über den Globus verteilt. Ein Paradebeispiel ist Kolumbien im Nordwesten Südamerikas, gerade dreimal so groß wie Deutschland. Kein Land der Erde beheimatet mehr Brutvögel: 1 635 (gegenüber 244 hierzulande). Und die Orchideen Kolumbiens sind mit 3 500 bekannten Arten vielfältiger als all unsere knapp 3 000 Was wir wissen Blütenpflanzen zusammen. Unsere Kenntnis über die bioloAllgemein ist in den Tropen die Was ist biologische Vielfalt? gische Vielfalt der Erde wächst stänBiodiversität am höchsten. So fand dig. Zum Jahreswechsel waren weltman auf einem einzigen Baum im Biodiversität umfasst die Vielweit etwa zwei Millionen Arten Amazonas 95 Ameisenarten, ganz falt der Lebensräume und Arten sowie die genetische Vielfalt beschrieben – davon 51 % Insekten Deutschland beherbergt nur wenige innerhalb der Arten (zu der auch und 14 % »höhere Pflanzen«. Diese mehr (105). die Vielfalt der Tierrassen und Zahl mag imposant klingen: Doch Andernorts zwingt die KonzenPflanzensorten in der Landwirtsicher ist, dass wir die Mehrzahl der tration von Arten, die nirgendwo schaft beiträgt). Alle drei AspekArten noch gar nicht kennen. Exsonst auftreten, zu schnellem Hante sind eng verknüpft und perten gehen davon aus, dass etwa deln. Besonders hoch ist der Anteil beeinflussen sich wechselseitig. 15 Millionen Arten auf der Erde solcher Endemiten in isolierten leben, manche Schätzwerte liegen Lebensräumen: auf Inseln, in erdnoch weit darüber. Selbst größere geschichtlich alten Süßwasserseen Tiere werden heute auf Expeditionen noch neu be- oder im Hochgebirge. So gelten etwa auf Madagaskar schrieben. So ist die Zahl der bekannten Säugetiere seit über 85 % der Pflanzenarten und sogar 99 % der 300 1993 um über 400 Arten gestiegen. Und die letzte neue Froscharten als endemisch, kommen also weltweit nur Vogelart – ein etwa drosselgroßer Bülbül mit fast unbe- hier vor. fiedertem Kopf – wurde erst vergangenes Jahr in Laos Zerstörung der Lebensräume entdeckt. Für den gegenwärtigen Schwund der biologischen Zumindest als Größenordnung aber dürfte die Zahl der Wirbeltiere heute bekannt sein. Gebietsweise nur Vielfalt ist vor allem der Mensch verantwortlich. Als schwach beleuchtet haben Zoologen dagegen die Welt wichtigste Gefährdungsursache gilt die schon erwähnte der Insekten und anderen Kleintiere – obwohl diese globale Zerstörung von Lebensräumen. Anschauungsschon heute die Mehrzahl der bekannten Arten bilden. material bietet unser eigenes Land zur Genüge. So haNoch ist nicht abzusehen, wann wir die Fülle des Le- ben wir in den letzten Jahrhunderten über 95 % unserer bens auch nur annähernd werden überblicken können. Moore und über 80 % unserer Flussauen entwässert. Selbst wenn dies eines Tages der Fall sein sollte: Nie Der einst weithin dominierende Buchenwald wurde werden wir wissen, wie viele Tiere und Pflanzen bereits großflächig gerodet oder in relativ artenarme Nutzwälder Zerstörung ihrer Lebensräume zum Opfer gefallen der umgewandelt. Am gründlichsten manifestiert sich sind, bevor ein Mensch sie in ihrer Einzigartigkeit be- das Zerstörungswerk in unserem Flächenverbrauch: Über 100 Hektar unverbautes Land opfern wir Tag für schreiben konnte. Tag neuen Straßen, Siedlungen und Gewerbe – trotz Bedrohte Vielfalt sinkender Bevölkerungszahl. Der Mensch hat bislang also nur einen kleinen Teil Auch durch eine Übernutzung hat der Mensch viele des Lebens auf Erden identifiziert. Noch viel kleiner ist Ökosysteme entwertet. Ob überfischte Weltmeere, ihBaumfrosch aus die Zahl der Arten, von denen wir ein aktuelles Bild rer Vielfalt beraubte Wälder oder eine immer intensiveEkuador. ihrer Gefährdung haben (siehe Kasten). Dennoch wissen wir genug, um zu erkennen, wie bedroht diese Vielfalt heute ist. Dass Arten aussterben, ist ein natürliches Phänomen. Doch das heutige Artensterben vollzieht Bedrohtes Leben sich hundert- bis tausendfach schneller als in vorgeschichtlicher Zeit. Laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind von 47 677 unterÜberall auf der Welt vernichtet der Mensch natürsuchten Tier- und Pflanzenarten derzeit 17 291 global gefährdet oder bereits ausgestorben. So sind von 9 998 bekannten Vogelarten seit dem liche Ressourcen. So ist bereits über die Hälfte des troJahre 1500 genau 137 ausgestorben, jede achte Art ist in Gefahr: 192 dropischen Regenwaldes gerodet. 80 % der karibischen hen kurzfristig auszusterben, 362 sind stark gefährdet, 669 gefährdet. Korallenriffe sind genauso zerstört wie (allein seit 1990) Von den untersuchten 5 490 Säugetierarten gelten 79 als ausgestorben, ein Drittel aller Mangroven. Um den rapiden Verlust 188 sind vom Aussterben bedroht, 449 stark gefährdet und 505 gefährdet. natürlicher Lebensräume möglichst gezielt in Grenzen Besonders schlecht steht es beispielsweise um die Amphibien: Von 6 285 zu halten, haben Wissenschaftler jene Regionen identiuntersuchten Arten könnten 484 schon bald aussterben, beinahe jede fiziert, die eine besonders hohe und bedrohte Vielfalt dritte Art ist in ihrer Existenz bedroht. aufweisen. Wo diese Kernzonen der Biodiversität liegen, zeigt die nebenstehende Karte.

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IUCN/Julián Badilla

von ihnen geblieben ist, sind ein paar Federn, Haare oder Knochen; oder eine kurze Filmsequenz, wie sie vom vermutlich letzten Beutelwolf existiert (auch wenn ihn nicht wenige noch bis in unsere Tage gesichtet haben wollen) – er starb 1936 im Zoo der tasmanischen Hauptstadt Hobart.


Meeresschildkröten leiden wie so viele marine Arten unter der globalen Über fischung.

re Landwirtschaft: Wer nicht nachhaltig wirtschaftet, entzieht sich früher oder später selbst die Lebensgrundlage; sich selbst – und einem Großteil der ursprünglichen Biodiversität. Eine Binsenweisheit, sollte man meinen. Doch selbst ein so reiches Land wie Deutschland mag es sich nicht leisten, mehr als 1 % seines Waldes ungenutzt zu lassen. Mit dem Anstieg der Holzpreise hat sich der Einschlag in unsere Wälder zuletzt stark erhöht, seit 2001 gar verdoppelt. Weit über die Hälfte des Holzes wird mittels riesiger »Harvester« geerntet, die den Waldboden irreparabel schädigen. Ökologen halten unseren Buchenwald heute für ebenso bedroht wie den tropischen Regenwald.

Invasive Arten

WorldWildlifeImages.com

Eine große Gefahr für die biologische Vielfalt stellen auch vom Menschen eingeführte oder unabsichtlich eingeschleppte Arten dar. Denn einige haben das Zeug, die ursprüngliche Flora und Fauna zu verdrängen. Vor allem auf abgelegenen Inseln haben Ziegen oder Ratten eine Vielzahl endemischer Arten ausgerottet. Ein bekanntes Drama vollzog sich 1894 auf der winzigen Stephen-Insel bei Neuseeland: Hier verschwand nach dem Bau eines Leuchtturms noch im selben Jahr der – einem flugunfähigen Zaunkönig ähnliche – Stephenschlüpfer. Entscheidend beteiligt: die Katze des Turmwärters. Nur mit größtem Aufwand ist es bisher in Einzelfällen gelungen, eingeführte Tiere oder Pflanzen restlos wieder auszurotten, um lokale Insel-Arten – etwa auf den Galapagos – vor dem sicheren Aussterben zu bewahren. Invasi-

Der Lear-Ara in Nordost-Brasilien, einer der rarsten Vögel der Welt.

Zum Weiterlesen Neun Seiten im BUNDmagazin können etwas so Faszinierendes wie die Vielfalt des Lebens nur sehr oberflächlich streifen. Die folgenden Bücher gehören zum Besten, was zu diesem Thema erschienen ist: • Edward O. Wilson: Der Wert der Vielfalt, 1996, 512 Seiten, Piper; leider nicht mehr lieferbar – gebraucht ab 25 € erhältlich • David Quammen: Der Gesang des Dodo, 2001, 973 Seiten, 19,95 €, List • Bruno Streit: Was ist Biodiversität? Erforschung, Schutz und Wert biologischer Vielfalt, 2007, 125 Seiten, 7,90 €, C.H. Beck • Exemplarisch: Georg Forster – Reise um die Welt; als illustrierter Sonderband (99 €) und Hörbuch (19,95 €) bei Eichborn, als TB (17 €) bei Insel • Spannende Links zum Thema: www.bund.net /bundmagazin

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IUCN/Joëlle Dufour

TITELTH EMA

ve Arten sind aber auch hierzulande eine Gefahr: So breitet sich die Pazifische Auster seit Jahren stark im Wattenmeer aus und verdrängt ursprüngliche Arten wie die Miesmuschel, mit unabsehbaren Folgen für das gesamte Ökosystem.

Klimawandel Die Verbreitung der Arten ist von Natur aus einem ständigen Wandel unterworfen. So haben mit der Klimaerwärmung Vögel wie der Bienenfresser oder die Zwergohreule ihre Brutgebiete nordwärts nach Deutschland ausgeweitet. Vögel, die kältere Regionen besiedeln, versuchen parallel nach Norden oder in höhere Lagen auszuweichen – was allerdings in beide Richtungen nicht unbegrenzt möglich ist. Je rascher die Temperaturen im Zuge des Klimawandels steigen, desto weniger Zeit bleibt dem natürlichen Lebensgefüge, sich an die Veränderung anzupassen. Wenn eine Anpassung überhaupt möglich ist. Allein im Alpenraum existieren etwa 500 Pflanzenarten, die nur hier vorkommen. Mit jedem Grad Erwärmung rückt ihre Vegetationszone um über hundert Höhenmeter nach oben. Hier und in allen anderen Gebirgen ist bei fortschreitendem Klimawandel ein Artensterben vorprogrammiert.

Verfolgung Schließlich verliert die Erde noch immer Arten durch die direkte Verfolgung des Menschen. Davon könnte als eines der frühesten Opfer der Dodo auf Mauritius ein Lied singen – wenn er denn noch könnte (siehe »Zum Weiterlesen«). Sei es der stetig wachsende Hunger der Menschheit nach Fisch, dem direkt und indirekt (durch Beifang) ein Großteil der marinen Vielfalt geopfert wird; seien es die Auswüchse chinesischen Heilglaubens, die noch den letzten Tiger zur Strecke bringen werden; oder seien es die Hobbyjäger rund ums Mittelmeer, die Jahr für Jahr selbst seltenste Vögel in großer Zahl schießen: Wir sind weit davon entfernt, die Vielfalt des Lebens auf dieser Erde pfleglich zu behandeln. Besinnt sich die Menschheit ihres Schatzes nicht bald, so könnte sie sich eines nicht mehr fernen Tages fragen (was sich die umweltbewegten Musikanten der »Biermösl Blosn« schon in den 80ern fragten): »Was hamma denn gwunna, was hamma verlorn …« Severin Zillich


»Das Interesse ist enorm gewachsen« 2010 ist das UN-Jahr der Biodiversität. Vor acht Jahren, beim Umweltgipfel in Johannesburg, verpflichtete sich die internationale Staatengemeinschaft, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 deutlich zu verlangsamen. Dieses Ziel hat sie eindeutig verfehlt. Umso wichtiger ist der Impuls, der von dem neuen UN-Jahr ausgehen soll. Das BUNDmagazin fragte nach – beim Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner.

Herr Steiner, welche der in diesem Jahr geplanten Initiativen lassen Sie besonders hoffen? Zum einen wenden wir uns mit vielen Aktionen vor allem an die Öffentlichkeit. Eines der wichtigsten Ziele von UN-Jahren ist es ja, das öffentliche Interesse auf bestimmte Themen zu lenken. Ohne ein Ereignis herausheben zu wollen: Wir möchten der Öffentlichkeit über das ganze Jahr und die ganze Welt verteilt das Thema Biodiversität nahebringen, mit einer klaren wissenschaftlichen und auch ökonomischen Bewertung. Politisch sehr wichtig ist im Oktober die Vertragsstaatenkonferenz in Nagoya. Zudem wird der Generalsekretär die Staatsoberhäupter in New York zu einem Spitzentreffen zum Thema Biologische Vielfalt einladen, erstmals in der Geschichte der Vereinten Nationen. Derartige Veranstaltungen sind natürlich nicht am nächsten Morgen in Projekte umzusetzen. Sie sind dazu gedacht, die höchste Regierungsebene für die politische Bedeutung dieses Themas zu sensibilisieren. Zuletzt sollen mehrere Analysen zur wirtschaftlichen Dimension der biologischen Vielfalt zeigen, dass es sich lohnt, viel stärker in den Naturschutz und die nachhaltige Nutzung von Ressourcen zu investieren. Hier gibt es eine Analogie zu Nicolas Sterns Berichten über die ökonomischen Folgen des Klimawandels. Wenn Sie nicht dem UN-Umweltprogramm vorstünden, sondern einer Weltregierung: Was würden Sie zuallererst tun, um die biologische Vielfalt zu schützen? Ich würde wohl auf der Naturschutzarbeit aufbauen, die weltweit schon im Werden ist, auf dem Netz der Schutzgebiete. Hier würde mein Augenmerk der wirtschaftlichen Dimension gelten: Wir müssen unsere ökonomischen Systeme, unsere Volkswirtschaften überzeugen, dass Biodiversität und Ökosysteme kein Luxus sind, sondern natürliches Kapital, das für unser aller Wohlergehen und unsere wirtschaftliche Entwicklung enorm wichtig ist. Zugleich würde ich vermitteln, dass ein Großteil der Artenvielfalt bereits akut bedroht ist und wir unsere Ökosysteme zunehmend verlieren. Dies will ich in diesem Jahr sehr stark voranstellen. Das 2010-Ziel sah vor, den Verlust der Biodiversität weltweit deutlich zu senken, in Europa gar völlig zu stoppen. Nun wird dieses Ziel überall klar verfehlt. Blieb der jahrelange Vorlauf ungenutzt? Ungeachtet von diesem UN-Jahr, das ja nur ein Kalendermoment ist, darf man nicht unterschätzen, wie enorm das Interesse an der biologischen Vielfalt in letzter Zeit gewachsen ist. So hat sich der jüngste G8-Gipfel

erstmals damit auseinandergesetzt. Natürlich haben wir weltweit immer noch große, große Probleme, den Verlust der Artenvielfalt zu reduzieren oder zu stoppen. Doch sollte man anerkennen: Wir sind heute an einem ganz anderen Punkt als noch vor zehn Jahren. Damals war die Verantwortung für die Biodiversität an die Naturschützer delegiert, damit der Rest der Gesellschaft so weitermachen konnte wie bisher. Heute sind viel größere Teile der Gesellschaft einbezogen. Natürlich: Wenn man weiß, wie rapide im Augenblick die Vielfalt dieses Planeten schwindet, und sieht, mit welchem Tempo dieses Thema ins Zentrum rückt, dann ist das natürlich zu langsam. Aber gerade dazu – zu einer stärkeren Sensibilisierung des öffentlichen Bewusstseins – soll ja ein solches UN-Jahr dienen. Sie sind seit vielen Jahren in aller Welt unterwegs. Welche Region dieser Erde erscheint vor Ihrem inneren Auge, wenn Sie an biologische Vielfalt denken? Ich sehe zwei ganz verschiedene Landschaften vor mir: den tropischen Regenwald Mexikos, einen der größten weltweit; gerade letztes Jahr konnte ich ihn besuchen. Und als Kontrast die Namib-Wüste oder die Sahara. Wir denken immer, Artenvielfalt sei nur dort viel wert, wo sie konzentriert auftritt. In Trockenzonen aber sind einzelne Arten manchmal noch bedeutender für die Funktionalität und Zukunft eines Ökosystems. Sehr viel Sorge macht mir ein dritter Bereich: die Weltmeere. Ihre biologische Vielfalt verstehen wir bisher nur wenig und nehmen wir nur ganz begrenzt wahr. Wo sehen Sie Deutschland beim Schutz der globalen Biodiversität in der Verantwortung? Deutschland hat 2008 als Gastgeber der 9. UN-Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen für biologische Vielfalt sicher einen großen Impuls gegeben. Das Interesse und die Finanzierungszusagen von Herrn Gabriel und Frau Merkel zeugen vom deutschen Engagement. Aber natürlich kann ein einzelnes Land nicht quasi über Nacht den Verlust seiner biologischen Vielfalt stoppen. Das bleibt auch für Deutschland eine Herausforderung. Das Gespräch führte Severin Zillich.

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Achim Steiner folgte 2006 Klaus Töpfer an die Spitze des Umweltprogramms der UNO; sein Dienstsitz ist Nairobi.


Naturschutz aktiv

TITELTH EMA

Was plant der BUND? Für die UNO ist 2010 das »Internationale Jahr der Biodiversität«. Für den BUND ist jedes seiner bislang 35 Verbandsjahre ein Jahr der Biodiversität gewesen. Neben dem Klimawandel muss der Schutz der biologischen Vielfalt heute zweifellos als größte globale Herausforderung gelten. Folgerichtig bündelt der BUND sein Engagement seit 2008 in einem Verbandsschwerpunkt »Biodiversität«.

er BUND fordert Politik und Gesellschaft auf, den Sonntagsreden und Papieren über den Schutz der Biodiversität endlich Taten folgen zu lassen. Aber wir fordern nicht nur, wir handeln selbst. Die große Zahl eigener Projekte zum Arten- und Lebensraumschutz zeigt dies deutlich, von den Alpen bis ans Meer, von der Eifel bis in die Lausitz. Der BUND wird das Jahr 2010 dazu nutzen, den Blick der Öffentlichkeit – noch mehr als sonst – auf den dramatischen Schwund von Arten und Lebensräumen zu lenken. Gleichzeitig wollen wir darstellen, wie wir selbst dazu beitragen, die natürliche Vielfalt zu bewahren.

Thüringen und Rheinland-Pfalz weitere Anpflanzungen innerhalb der Korridore vor. Neben der Zerschneidung der Landschaft vor allem durch Straßen ist besonders die intensive Landwirtschaft mitschuldig am Artenverlust. So gelten heute diverse Ausprägungen von Wiesen und Weiden als gefährdet, die noch im 20. Jahrhundert weit verbreitet waren. Artenreiches Grünland droht gar ganz zu verschwinden. Auf dem Spiel steht das Überleben vieler seltener Tiere und Pflanzen. Zudem setzt die Umwandlung von Wiesen in Äcker große Mengen klimaschädlicher Treibhausgase frei. Daher legt der BUND dieses Jahr einen Schwerpunkt seiner Arbeit darauf, artenreiche Wiesen und Weiden zu erhalten. 2010 werden die Weichen für die Agrarpolitik nach 2013 gestellt – mit weitreichenden Folgen für unsere Biodiversität. Mit einem »Wiesencheck« wollen wir den Menschen diesen Lebensraum näherbringen. Von der Politik fordern wir, Landwirten die klima- und artenfreundliche Nutzung von Wiesen besser zu honorieren – da sie damit eine gemeinnützige Leistung vollbringen. Den Druck auf die Politik wollen wir mit öffentlicher Unterstützung erhöhen. Wir setzen darauf, dass unsere BUND-Gruppen gemeinsam mit Landwirten und anderen Partnern bundesweit Wiesen-Aktionen organisieren. Wir wollen die Abgeordneten der Landtage und des Bundestages für eine zukunftsfähige Agrarpolitik zum Schutz des Grünlands gewinnen! Die BUNDjugend wiederum sucht im Rahmen ihres Wettbewerbs »Naturtagebuch« dieses Jahr unter anderem das schönste Wiesen-Tagebuch. Hierfür ist ein Sonderpreis ausgelobt. Tipps und spannende Ideen zur Gestaltung dieses Tagebuchs finden die angesprochenen 8 bis 12-Jährigen unter www.naturtagebuch.de.

Wiesen, Weiden und Wildkatzen

Torf gehört ins Moor

Ein zentrales Anliegen des BUND wird auch in diesem Jahr sein, grüne Korridore für die Wildkatze und andere Waldtiere zu schaffen. Mit dem Beginn eines von der EU kofinanzierten »LIFE+-Projektes« werden wir über 20 verschiedene Wege beschreiten, um für die Vernetzung von Wäldern zu werben. Das Spektrum reicht von Wildkatzenläufen über Regionalkonferenzen und Umweltbildungsmaterial bis zu Lehrpfaden und Computersimulationen. Unser Ziel: Die Öffentlichkeit und auch die Politik für die Idee des Biotopverbundes zu gewinnen. Derweil macht der nationale Wegeplan für die Wildkatze ebenfalls Fortschritte: So bereiten wir in

So wie die Wiesen und Weiden sind auch die Moore von eminenter Bedeutung – für die biologische Vielfalt wie auch für den Klimaschutz (als CO2-Speicher). Trotzdem werden Europas Moore noch immer entwässert, um sie landwirtschaftlich nutzen zu können, oder durch Torfabbau zerstört. Zwölf Millionen Kubikmeter Torf verbrauchen die Deutschen jedes Jahr, davon etwa zwei Millionen im Hobbysektor. Ein großer Teil des Torfs kommt heute aus osteuropäischen Mooren. Der Abbau des Torfes zerstört eine hoch spezialisierte und faszinierende Tier- und Pflanzenwelt unwiederbringlich. Und das allein für bunte Wegwerfpflanzen,

Mähen mit der Sense lernten Teilnehmer der BUND-Freizeit »Öko-Landbau – wir nehmen’s in die Hand« im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.

D

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Lebendige Flüsse Flüsse und ihre Auen sind Lebensadern in der Landschaft, sie sind echte Schatzkammern der Biodiversität. Um sie zu erhalten und zu renaturieren, planen wir auch dieses Jahr einen bunten Strauß von Aktivitäten, von der politischen Lobbyarbeit über die fachliche Mitarbeit in Flusskommissionen bis zu Aktionen vor Ort. Dazu gehören Badetage an allen großen Flüssen, der bewährte »Dialog im Boot« an der Elbe, der Donau-

Thomas Stephan

für kurzlebige Zierpflanzen auf dem Balkon oder im Garten. Das muss nicht sein! Es gibt Alternativen, ohne dass irgendjemand auf bunte Blumen verzichten muss. Hier wollen wir nach dem Vorbild verschiedener Regionalverbände bundesweit Verbraucherinnen und Politiker ansprechen: Torf gehört ins Moor! Torffrei Gärtnern ist möglich und ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Mit Pressearbeit sowie Mitmachaktionen vor Baumärkten und bei Gartenschauen möchte der BUND zeigen, dass wir mit unserer Kaufentscheidung zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen können.

Aktionstag am 13. Mai in Niederalteich und die WeserSternradtour im Juli. Um politisch noch schlagkräftiger zu werden, wird in Kürze eine neue BUND-Studie erscheinen. Sie wird auf der Basis neuester wissenschaftlicher Daten den Zustand unserer Flüsse beschreiben. Daraus werden wir Handlungsempfehlungen für unsere eigene Arbeit sowie Forderungen an die Politik ableiten. Bereits letzten Herbst im Bundestagswahlkampf hat der BUND ein Investitionsprogramm für biologische Vielfalt gefordert. Diese Forderung hat zwar Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden – nicht jedoch in den diesjährigen Bundeshaushalt. Das Jahr der biologischen Vielfalt wird der BUND nutzen, um die angekündigten Investitionen von der Koalition einzufordern. Speziell werden wir uns dabei für den Auen- und Moorschutz und die Erhaltung alter Wälder einsetzen.

Vielseitig wirbt der BUND für den Schutz der Wildkatze.

Tagtäglich aktiv Anders als die Regierung trägt der BUND kontinuierlich dazu bei, die vielfältige Natur zu bewahren. Fast alle unsere BUND-Gruppen sind auf die ein oder andre Weise im Arten- und Biotopschutz aktiv. Ob es die Pflege von Streuobstwiesen ist, die Wiederbelebung von Mooren, spezielle Hilfe für einzelne Arten oder andere lokale Projekte: Wir fordern nicht nur, wir tun selber etwas. Der BUND kann das internationale Jahr der Biodiversität gut dazu nutzen, diese Zweigleisigkeit darzustellen – vor Ort und bundesweit. Heidrun Heidecke … koordiniert die Naturschutzaktivitäten des BUND. Einen Überblick über unser Engagement für die biologische Vielfalt erhalten Sie unter www.bund.net/vielfalt.

BUND-Experten auf Entdeckungstour. Alte und artenreiche Wälder verdienen einen weit besseren Schutz.

Bund, Länder, Verbände, Kommunen und viele weitere Akteure wollen mit Veranstaltungen das internationale Jahr der biologischen Vielfalt erlebbar machen. Diese werden über einen Kalender des Bundesumweltministeriums abrufbar sein: unter http://kalender.biologischevielfalt.de. Informieren Sie sich – und tragen Sie Ihre eigenen Veranstaltungen ein.

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Vernetzt aktiv

TITELTH EMA

Neue Datenbank Der BUND, das sind 2 200 Gruppen, die sich für den Arten- und Naturschutz engagieren. Die nicht nur reden, sondern zur Tat schreiten und in ihrer Freizeit Bäche renaturieren, Wiesen pflegen, alte Obstsorten erhalten und sich für geschützte Arten einsetzen. Wir werden diese Projekte sichtbar machen in der neuen Projektdatenbank »Anna« (Aktionsnetz Naturschutz). Gehen Sie ab März unter www.bund.net auf Entdeckungstour. Hier finden Sie spannende BUND-Projekte auch in Ihrer Nähe.

Für Sie interessante Projekte finden Sie mithilfe individueller Suchbegriffe. Diese werden Ihnen anschließend auf der Deutschlandkarte angezeigt.

Grenzen Sie Ihre Suche ein, indem Sie nur bestimmte Arten oder Landschaften auswählen.

Jeder Punkt auf der Karte steht für ein Projekt im BUND. Eine Kurzansicht zu jedem Projekt gibt Ihnen einen ersten Eindruck.

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für Naturschutzprojekte Der BUND hat schon viel für den Artenund Biotopschutz erreicht. Sicher gibt es auch in Ihrer Nähe ein Erfolgsprojekt. Gerne können Sie bei den Gruppen des BUND vorbeischauen. Suchen Sie einfach und schnell nach BUND-Terminen in Ihrer Umgebung.

BUND-Gruppen aller Länder – vernetzt Euch! Wir laden jede BUND/BN-Gruppe ein, über die interne Plattform www.bund-intern.net ihre Projekte in die Datenbank einzupflegen und damit bundesweit bekannt zu machen. Je mehr unterschiedliche Projekte Sie einstellen, umso mehr Menschen erreichen Sie in nah und fern und damit auch im BUND. Vernetzen Sie sich mit anderen Gruppen, tauschen Sie sich fachlich aus und lernen Sie voneinander. Sie können Informationen und Projektideen übernehmen oder weitergeben. Und: Die Vielfalt in den BUND-Gruppen lädt Interessierte zum Nachschauen und zum Mitmachen ein. Seien Sie dabei!

Vielleicht können auch Sie sich eine aktive Teilnahme vorstellen? Dann finden Sie schon auf der Startseite der Projektdatenbank ein passendes Angebot.

In der Detailansicht erfahren Sie alles über das gewählte Projekt: Kontaktdaten, schöne Fotos, interessante Dokumente, Teilerfolge und vieles mehr.

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Schutz der biologischen Vielfalt

TITELTH EMA

Deutschland muss mehr tun Noch bis Oktober trägt Deutschland ganz offiziell internationale Verantwortung für den Schutz der biologischen Vielfalt: weil es der dafür zuständigen UN-Konvention vorsitzt. Eigenständig dagegen kann die Bundesregierung handeln, wo es unsere heimische Vielfalt zu bewahren gilt.

A Mit Mahntafeln wies der Bund Naturschutz am Rande des GEOTags der Artenvielfalt auf bedrohte Arten hin.

m 11. Januar eröffnete Angela Merkel mit einem Festakt das Jahr der Biodiversität. Ihre Rede begann die Bundeskanzlerin mit den Worten, dass die biologische Vielfalt in gleichem Maße Schutz bedürfe wie unser Klima und eine sofortige Trendwende – weg von der Naturzerstörung – nötig sei. Das Tempo des Artenverlustes sei beängstigend. Solche Worte aus dem Munde der deutschen Regierungschefin sollten zu rasendem Applaus und stehenden Ovationen führen; tatsächlich regte sich keine Hand im Saal. Auch als Umweltminister Norbert Röttgen betonte, dass hier nicht etwa ein Luxusthema verhandelt würde, sondern schlicht unsere Existenz, blieb das Echo im Berliner Naturkundemuseum verhalten. Warum nur?

Tragweite noch nicht erkannt Früher erreichten Umweltthemen kaum die Spitze der Politik. Heute befassen sich Staatschefs weltweit mit dem Schwund der natürlichen Vielfalt. Kaum irgendwo aber ist Bereitschaft zu erkennen, endlich zu handeln. Noch wird vor allem Verantwortung verschoben und die sich verschlechternde Situation beklagt. Damit gleicht die Weltgemeinschaft einer Familie, die sich in der Küche versammelt hat, um zu diskutieren, wie dieser Raum mit neuen Möbeln bestückt werden soll – und, als aufgeregt ein Nachbar hereinkommt und »Feuer! Auf eurem Dach!« ruft, den Jüngsten losschickt, um mit einem Eimer Wasser zu löschen. Es hat keinen Sinn, immer nur zu beklagen, dass das UN-Ziel, den Artenrückgang bis 2010 zu stoppen, nicht erreicht wird – auch in Deutschland nicht. Warum wird es denn verfehlt? Und wie können wir die Ursachen beseitigen? Gefragt sind Anreize sowie zielgerichtete

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Gebote und Verbote. Konsequent handeln muss die Politik – und daran fehlt es bisher. Laut Bundesumweltministerium sind heute 72 Prozent der in Deutschland beschriebenen Lebensraumtypen bedroht: weil wir sie versiegeln und zerschneiden; weil wir Felder und Wälder immer intensiver nutzen; weil wir unsere Gewässer fortschreitend verbauen; weil zu viele Schadstoffe ins Freie entweichen; und weil wir dabei sind, unser Klima irreversibel zu verändern. Nach den Handlungsfeldern muss also nicht gesucht werden, sie liegen offen auf dem Tisch.

Was muss passieren? Konkret heißt das: Deutschland muss zum Schutz seiner natürlichen Vielfalt • die weitere Zerschneidung von Landschaften auf ein Minimum reduzieren; • den Ablasshandel beenden, wie er im Naturschutzrecht installiert ist: Natur zerstören darf demnach, wer für einen finanziellen Ausgleich sorgt; • darauf achten, dass seine Fließgewässer durchgängig bleiben oder wieder werden; • seine Moore schützen und nach Möglichkeit wiederherstellen; • seine Landwirtschaft insgesamt ökologisch gestalten, und dies nicht nur in Nischenbereichen; • mindestens fünf Prozent seines Waldes aus der Nutzung nehmen; dies gilt vorrangig für den öffentlichen Wald, der gesetzlich dem Gemeinwohl verpflichtet ist. In unserer rundum ökonomisch ausgerichteten Gesellschaft hat nur Bedeutung, was als wirtschaftlich wertvoll gilt. Dabei laufen wir Gefahr, den privaten Wohlstand gegenüber dem gesellschaftlichen überzubewerten. Ganz falsch – nämlich viel zu gering – gewichten wir unser natürliches Kapital. Das internationale Jahr der Biodiversität soll den Blick dafür schärfen, dass wir die weitere Zerstörung unserer Lebensgrundlagen im eigenen Überlebensinteresse beenden müssen. Erst wenn das gelungen ist, wird die Weltfamilie endlich schweres Löschgerät mobilisieren, um den Brand im Dachstuhl zu löschen. Deutschland kann und muss dazu seinen Beitrag leisten. So sollte die Bundesregierung mit Blick auf die nächste UN-Versammlung zur Biodiversität (ab dem 18. Oktober in Japan) ihre Zusage für die Finanzierung eines globalen Netzes von Schutzgebieten einlösen und für einen gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen eintreten. Ulrike Mehl … ist stellvertretende Vorsitzende des BUND.


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09. 04. 2010

[1-10] BUNDmagazin

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Liebe Leserinnen und Leser, der kalte Winter ist fast vorbei, und die ersten Boten aus Panzen- und Tierwelt kĂźndigen den FrĂźhling an. Zeit, die Ă„rmel hochzukrempeln und den Garten auf Vordermann zu bringen. Ein vielfältiger Garten lockt natĂźrlich auch viele tierische Bewohner an, die sich Ăźber Nisthilfen sehr freuen. Ob Saatgut, Wildpanzen oder Ideen fĂźr Teich & Terrasse – auf dieser Seite ďŹ nden Garten- und Naturliebhaber eine vielfältige Auswahl fĂźr einen perfekten Start ins Gartenjahr 2010.

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Stützen Sie die Rechtshilfe des BUND! er Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen sollte eigentlich selbstverständlich sein. Doch immer häufiger muss der BUND das Menschenrecht auf Gesundheit, den Schutz von Natur und Umwelt juristisch erstreiten. Wenn nämlich alle Überzeugungsarbeit und aller Widerstand nicht mehr fruchten, hilft mitunter nur noch der Gang vor Gericht, um ein zerstörerisches Großprojekt zu verhindern. Hier führen stichhaltige Argumente oft in letzter Minute zu entscheidendem Erfolg. So wie 2009 beim geplanten Kohlekraftwerk Lünen in Westfalen: Nach einer Klage des BUND bezeichnete das OVG Münster den Genehmigungsbescheid als rechtswidrig.

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Doch vor Gericht zu ziehen ist teuer. Gerade Großprojekte haben einen hohen Streitwert, der mit hohen Anwalts- und Gerichtskosten verbunden

ist, und das meist über mehrere Instanzen. Deshalb unterhält der BUND seit Jahren einen Rechtshilfefonds. Die Spenden dafür sind gut angelegt, wie auch das Beispiel des Sacrow-ParetzerKanals bei Potsdam zeigt. Der BUND hatte hier gegen einen stark überdimensionierten Ausbau geklagt. Ein Vergleich führte zur Rettung wertvoller Uferstreifen im Umfeld der Unteren Havel – was etwa dem Rotmilan (Foto) zugutekam. Machen Sie mit. Stärken Sie unseren Aktiven vor Ort den Rücken und spenden Sie für den Rechtshilfefonds, am besten per Einzugsermächtigung. Auch kleine Beträge helfen!

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Sie können Ihre Spende jederzeit und ohne Angabe von Gründen widerrufen. Am Jahresanfang erhalten Sie eine Spendenbescheinigung – Ihre Spenden sind steuerlich absetzbar. Ihre persönlichen Daten werden ausschließlich für den BUND e.V. elektronisch erfasst und ggf. durch Beauftragte des BUND e.V. auch zum Zweck vereinsbezogener Information und Spendenwerbung verarbeitet und genutzt. Ihre Daten werden selbstverständlich nicht an Dritte weitergegeben.

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Ja, ich will der Natur vor Gericht den Rücken stärken und mache mit.


KettenreAktion: Atomkraft abschalten er BUND ruft dazu auf, eine große Aktionsund Menschenkette zu bilden – am 24. April zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel.

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Auf der Anti-Atom-Demo am 5. September in Berlin haben wir angekündigt: Legt eine schwarzgelbe Bundesregierung die AKW nicht endlich still, geht der Protest erst richtig los. Diese Ankündigung wollen wir jetzt in die Tat umsetzen. Die neue Bundesregierung ist angetreten, die Laufzeiten aller Atomreaktoren zu verlängern. Doch sie spürt heftigen Widerstand, seitens der Öffentlichkeit wie der sich neu formierenden Anti-AKW-Bewegung. Bereits während der Koalitionsverhandlungen war der BUND aktiv. Über 100 000 Menschen haben unseren offenen Brief an die Verhandler unterstützt. Und über 1 500 Aktive haben sich beim Start der Verhandlungen in Berlin für weitere Proteste warmgelaufen. Am Samstag, dem 24. April, wollen wir in Norddeutschland eine große Menschenkette bilden:

AKTION

vom Atomkraftwerk Krümmel über Hamburg und Brokdorf bis zum Atomkraftwerk Brunsbüttel. 120 Kilometer Länge – eine große Herausforderung. Wir wollen zeigen: Die Mehrheit der Deutschen ist gegen Atomenergie. Die Demonstration wird genau zum rechten Zeitpunkt stattfinden: zwei Wochen vor der Landtagswahl in NordrheinWestfalen. Zu einer Zeit, da es um die Wiederinbetriebnahme der Pannenreaktoren Krümmel und Brunsbüttel geht und entschieden werden soll, ob die Meiler Neckarwestheim und Biblis wie geplant vom Netz gehen oder aber weiterlaufen. Denn die Bundesregierung verhandelt mit den Kraftwerksbetreibern bereits über längere Laufzeiten.

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Alternativer Konsum

Alles neu? Nein danke! Je länger wir die Dinge nutzen, umso besser für die Umwelt. Zu einem nachhaltigen Lebensstil gehören deshalb auch Ausleihen, Reparieren und Secondhand.

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er Gerätepark für Haus, Garten und Freizeit hält uns gut auf Trab: Immer muss etwas ersetzt, repariert, gewartet oder entsorgt werden. Meist steht der zeitliche und finanzielle Aufwand in keinem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen. Warum also Dinge kaufen, die wir nur selten benutzen? Wer nur einmal im Jahr die Terrasse säubern möchte, braucht keinen eigenen Hochdruckreiniger. Besser – und sicherer – als Billigware vom Discounter sind Leihgeräte. Bei vielen Baumärkten, Handwerksbetrieben und speziellen Verleihfirmen können Sie sich günstig mit Profi-Gerät eindecken. So sparen Sie Zeit, Geld und nicht zuletzt Platz in Keller oder Garage. Das Angebot von Verleihfirmen reicht mittlerweile von Büchern, CDs und DVDs über Kostüme und Kleider, Sportgeräte und Musikinstrumente bis zu Partygeschirr und bildender Kunst. Wenn das Altgerät muckt, hört man oft: Reparieren lohnt sich nicht mehr, fürs gleiche Geld gibt’s ja ein neues. Zeit-, nervenund vor allem umweltschonender wäre eine Reparatur allemal. Ein PC beispielsweise belastet die Umwelt bei seiner Herstellung fast so stark wie ein Kleinwagen. Lahmt Ihr Rechner, dann lassen Sie ihn beim PC-Doktor an der Ecke ein wenig aufrüsten und die Software neu aufspielen. So können Sie durchaus eine Gerätegeneration überspringen – und die Umweltbelastung halbieren. Bei Elektrogeräten wie Waschmaschinen oder Gefrierschränken jedoch kann ein energieeffizientes Neugerät ökologisch günstiger sein als eine Reparatur. Reinhard Blumenschein

RATGEBER

Second Chance Oft befällt uns vor dem Kleiderschrank die Sehnsucht nach Veränderung. Etwas Neues muss her! Umweltfreundlicher und auch preiswerter als der übliche Kaufhausreflex ist ein Besuch im Secondhand-Laden:

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Geben und Nehmen ergänzen sich hier optimal: Aus Überschuss wird Angebot. Am besten nehmen Sie die entbehrlichen Stücke gleich mit. So produzieren Sie weniger Abfall und keine unnötige Nachfrage bei Neuwaren. Auf Online-Börsen können Sie zudem mit Ausnahme des neuesten I-Pod oder der aktuellsten DVD praktisch alles preiswert ergattern. Leihen, Reparieren und Secondhand funktionieren um so besser, je mehr Menschen zusammenfinden. Ideal dafür sind örtliche und regionale Tauschringe, bei denen die Mitglieder nicht nur Waren, sondern auch Dienstleistungen austauschen. Organisiert sind die Initiativen oft übers Internet. Dank zinsfreier Verrechnungseinheiten entsteht hier eine quirlige AlternativWirtschaft ohne Wachstumszwang.

Alt oder neu? Zehn Tipps • Bilden Sie mit Nachbarn Haltergemeinschaften, etwa für Gartengeräte. • Entsorgen Sie Elektronikschrott wie PC oder Monitor gezielt bei Wiederverwertern. • Bewahren Sie bei elektronischen Geräten die Schaltkreise für spätere Reparaturen auf. • Bei Reparaturen sind Festpreis-Angebote meist günstiger als Kostenvoranschläge. • Checken Sie vor einem Gebrauchtwarenkauf das Preisniveau, etwa auf E-Bay. • Mobil bleiben Sie auch mit Leihfahrrädern, Mitfahrzentralen und Carsharing. • Studieren Sie bei Leihgeräten das Handbuch. Für Schäden durch Fehlgebrauch haften Sie. • Nutzen Sie öffentliche Bibliotheken – sie zählen zu den bedrohten Dingen unseres Alltags. • Leihskier ersparen Schlepperei, Stauraum und Dachgepäckträger und bieten neue Fahrerlebnisse. • Selber reparieren vermittelt handwerkliches Geschick und Einblicke, wie die Dinge funktionieren.

Rat holen, nachlesen • Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Tel. (0 30) 2 58 00-0, info@vzbv.de (Rat geben jedoch nur die Verbraucherzentralen der Bundesländer) • Buchtipp: Reparaturen zu Hause, Stiftung Warentest (Hrsg.), 320 Seiten • Mieten, Chartern, Engagieren: www.leihabc.de • Leihgeräte: www.dieborger.de, www.erento.com • Tauschringe bundesweit: www.tauschringadressen.de, www.tauschring.de/adressen Tino Schlagintweit


Effiziente Beleuchtung

Kleine Lampenkunde »Was würden Sie mir als Ersatz für meine 60-Watt-Glühlampe empfehlen?« In Kooperation mit der Stiftung Warentest schickte der BUND Testkäufer zu sieben großen Handelsketten. Das Ergebnis war ernüchternd. Unser Rat: Machen Sie sich selber schlau!

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eist wurde beim Testkauf nur auf ausdrücklichen Wunsch eine Energiesparlampe angeboten. Ohne Nachfrage empfahl ein knappes Drittel der Märkte weiter die klassische Wolframlampe. Auf Unterschiede von Energiesparlampen wie Farbtemperatur, Aufhellzeiten und ihre Eignung für verschiedene Einsatzbereiche kommen die wenigsten Verkäufer von selbst zu sprechen. Für die Suche nach der passenden Alternative empfiehlt der BUND daher, sich unbedingt mit ein wenig Warenkunde zu rüsten und nur von der Stiftung Warentest geprüfte Qualitätsprodukte zu kaufen.

Mehr Lumen pro Watt Wer von einer billigen No-Name-Lampe Wunder erwartet, kann schmerzvoll erfahren: Auch Energiespar- oder LED-Lampen gleicher Wattstärken unterscheiden sich in ihrer Effizienz. So sagt die Watt-Angabe nichts über die Helligkeit aus. Orientieren Sie sich an der Lumenangabe (lm), die oft auf der Verpackung notiert ist. Schon die Helligkeit einer 60 W-Glühlampe kann zwischen 550 und 710 lm schwanken. Gute Energiesparlampen leuchten pro Watt bis zu fünfmal heller. Und LED-Lampen sind auf dem besten Weg, ähnlich effizient zu werden.

Warmes Licht Es gibt warmweiße Lampen mit geringem Blauanteil (2 700 Kelvin entsprechen etwa dem Farbeindruck von Glühlampenlicht), neutralweiße (bis 5 000 K) und tageslichtweiße (über 5 000 K). Für den Wohnbereich ist die Farbwiedergabe guter Energiesparlampen meist ausreichend. Müssen Sie am Arbeitsplatz Farbnuancen unterscheiden, achten Sie auf die dreistellige Kennzahl beginnend mit 9 . . – etwa 965 für tageslichtweißes Licht (6 500 K) mit sehr guter Farbwiedergabe.

Lampen im Sondereinsatz Einige hochwertige Energiesparlampen überstehen laut Stiftung Warentest selbst 210 000-faches Ein- und Ausschalten. Für Treppenhäuser sind sogenannte »Hausmeisterlampen« geeignet, die sehr schnell die volle Helligkeit erreichen. Sie passen ebenso für Bad und Toilette – es sei denn, Sie bevorzugen langsames Hellwerden am Morgen. Energiesparlampen mit dem Hinweis »dimmable« lassen sich mit normalen Drehdimmern verwenden; Modelle mit der Aufschrift »DorS« (Dimming or Switching) sogar mit normalem Lichtschalter durch mehrmaliges Betätigen. Für Kronleuchter gibt es Energiesparlampen in Kerzenform, für offene Leuchten Modelle in Glühlampenform. Für

Einige Märkte laden zum Hamstern von Glühlampen ein, bei anderen sind sie nur noch als »Bückware« zu finden.

Spots sind Reflektorlampen mit und ohne Stecksockel erhältlich. Hierfür und für die Außenbeleuchtung sind LED-Lampen inzwischen sehr gut geeignet. Wo Kinder toben, können Lampen mit Splitterschutz aus Silikon Verletzungen und das Austreten von Quecksilber verhindern. Einzelne Hersteller verwenden anstelle flüssigen Quecksilbers ein Amalgam, das erst bei hohen Temperaturen flüchtigen Quecksilberdampf bildet.

Stromwolf im Sparpelz Halogenlampen in Glühlampenform haben eine sehr gute Farbwiedergabe und enthalten kein Quecksilber. Obwohl die Werbung sie als »energy saver« vermarktet, ist ihr Stromverbrauch mit unter 15 Lumen pro Watt erheblich höher als der von Energiespar- und LED-Lampen (die auf bis zu 58 bzw. 48 lm/Watt kommen). Nur wo echte Energiesparlampen unerwünscht sind, werden sie zur Alternative. Christian Noll … betreut beim BUND die Kampagne »energieeffizienz – jetzt!«, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Mehr zur Untersuchung der Handelssortimente erfahren Sie im Februarheft der Zeitschrift »test« sowie unter www.bund.net/lampencheck. Übrigens: Der BUND fordert die Hersteller auf, strahlungs- und schadstoffärmere Energiesparlampen anzubieten und die Rückführung der Lampen zu verbessern. Elektrosensiblen Menschen kann ihre Verwendung körpernah noch nicht empfohlen werden.

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Jasmund

NATIONALPAR K

Folgenreiches Missverständnis Die alten Buchen und berühmten Kreidefelsen rund um den Königsstuhl sind von erhabener Schönheit. Ungezählte Lobeshymnen sind auf diese einmalige Landschaft gesungen worden. Seit bald 20 Jahren genießt sie höchsten Schutz: in den Grenzen des Nationalparks Jasmund. Nur wer genauer hinsieht, muss erkennen, dass hier manches im Argen liegt.

Tourismusbranche wirbt seit jeher nur mit Königsstuhl und Kreideküste. Und der Nationalpark selbst hat kaum Geld, um sich öffentlich zu präsentieren. Hier also ein paar Eckdaten: Seit dem 1. Oktober 1990 sind im Osten der Halbinsel Jasmund 3 003 Hektar als Nationalpark geschützt. Das Kernstück bildet der größte geschlossene Buchenwald der deutschen Ostseeküste, die Stubnitz mit den Kreidekliffs und einem vorgelagerten Steinstrand (2 200 Hektar). Dazu kommen ein 500 Meter weit ins Meer reichender Wasserstreifen sowie 200 Hektar sonstige Lebensräume: die ehemaligen Quoltitzer Kreidebrüche im Westen, Wiesen, Moore und wenige Siedlungssplitter. Auch der mit 161 Metern höchste Punkt Rügens liegt im Park, der Piekberg. Landseitig grenzen intensive Landwirtschaft und Siedlungen an – eine Ausweitung des Schutzgebietes ist damit ausgeschlossen.

Alte Buchen – und?

Kreideküste und Buchenwald bilden eine einzigartige Kulisse.

Nationalpark Jasmund Rügen

W

er im Winterhalbjahr die Insel Rügen besucht und am Nordrand von Sassnitz in den Buchenwald eintaucht, hat es so schlecht nicht getroffen. Zwar sind die Tage kurz und das Wetter oft unbeständig. Auch schmückt kein Blattgrün mehr die hoch aufragenden Buchen, es hat sich zu Füßen der grauen Stämme in einen rostroten Teppich verwandelt. Doch diese Stille! Keine Spur von dem Gedränge, das hier spätestens zu Pfingsten einsetzt. Etwa 1,5 Mio. Besucher hat der kleinste deutsche Nationalpark alljährlich zu verkraften, und die konzentrieren sich vor allem am Königsstuhl. Rund um dieses Herzstück Jasmunds ist der Wanderweg breit ausgetreten. Und wo immer entlang der Kliffkante tolle Motive winken, vermag kein Geländer die fotografierenden Besucher zurückzuhalten. Der Trittschaden ist beträchtlich, und die winterliche Ruhephase zu kurz, um die Wunden wieder zu schließen.

So schön – und so unbekannt MecklenburgVorpommern

Kurios: Die Kreidefelsen auf Rügen gehören zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in unserem Land. Gleichzeitig ist Jasmund der unbekannteste aller deutschen Nationalparke. Ob das am Namen liegt? Nun: Die

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Neben den spektakulären Kreidefelsen bildet der Wald das wichtigste Schutzgut des Nationalparks. Die Buche bestimmt weithin das Bild, an feuchten Stellen begleitet von Esche und Erle, an den Steilhängen von Ahorn oder Ulme. Kleine Naturwaldzellen werden seit über 50 Jahren nicht mehr angetastet, während sich die Steilhänge an der Küste von jeher der Bewirtschaftung entziehen. Die ältesten Buchen sind um die 250 Jahre alt. In ihrem Umkreis wirkt das meist verborgene Heer der Holzzersetzer. Vom Reichtum dieser Lebenswelt künden Pilze wie Zunderschwamm, Ästiger Stachelbart oder Buchenschleimrübling. Während der Baumbestand des Nationalparks relativ gut erfasst ist, datiert die letzte gründliche Vegetationsaufnahme von 1964. Ähnliches gilt für die Fauna des Jasmunds. Nun ist zwar bekannt, welche Amphibien, Fledermäuse oder Vögel den Nationalpark bewohnen. Doch über so wertbestimmende Tiergruppen wie die Käfer weiß die Verwaltung fast nichts. Dabei ist eine regelmäßige Inventur der Tier- und Pflanzenwelt nötig, um die Entwicklung des jungen Nationalparks beurteilen und – wo anfangs noch nötig – steuern zu können. Hier wird die Unterfinanzierung des Nationalparks erneut sichtbar. Offenbar begreift die Landesregierung in Schwerin den Nationalpark zwar als Mittel des Marketings, nicht aber als eine Schatztruhe der Natur, in der sich das Leben möglichst unbeeinflusst vom Menschen entfalten soll – was seine eigentliche Bestimmung ist.


Offenbarungseid für die Nationalparkverwaltung: Im Unterwuchs prägen BonsaiBuchen das Bild.

Das Kreuz mit der Jagd Ganz deutlich wird dieses Missverständnis an einem Trauerspiel in vielen Akten, dessen Regie die Landesregierung führt. Im Mittelpunkt: große Mengen von Rot- und Damhirschen (letztere in den 70er Jahren von Jägern ausgewildert). Die Äcker jenseits der Parkgrenze bietet ihnen fast ganzjährig reichlich Nahrung. Geben diese einmal weniger her, halten sich die Tiere am Unterwuchs des Laubwaldes schadlos. Der Verbiss ist so stark, dass junge Buchen vielfach kaum hüfthoch werden. Noch schlechter vertragen Baumarten wie Wildkirsche, Berg- und Spitzahorn sowie die Krautschicht den Verbiss. Die bunte Decke der Frühblüher in nährstoffreichen Laubwäldern: Auf dem Jasmund ist sie Geschichte. Das so verbreitete Buschwindröschen: fast verschwunden. Vom einst hier blühenden Frauenschuh: keine Spur mehr. Zurück bleibt ein botanisch stark verarmter Wald, der sich kaum mehr verjüngen kann. Nur einige »Verbiss-Weisergatter« zeigen abgezäunt auf zehn mal zehn Metern, was hier ohne den immensen Wildverbiss sprießen würde.

Hirsche für die Touristen Keine Frage, diese Situation wäre schon eines gut geführten Nutzwaldes unwürdig. Um wie viel mehr gilt dies für den Buchenwald im Nationalpark Jasmund! Was sagt der verantwortliche Leiter dazu? Er verweist auf die Erwartung vieler Besucher, Hirsche zu sehen, die seien ein Tourismusfaktor für die Region. Forstdirektor Siegfried Brosowski, seit 1996 Chef des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft, betreut seit einer Verwaltungsreform 2006 auch den Jasmund – obwohl er sich mehr als einmal fachlich disqualifiziert hat. Auf seine Kappe geht u. a., dass beide Nationalparke das FSC-Gütesiegel für nachhaltige Waldwirtschaft verloren, ein ganz beispielloser Vorgang, den der BUND in seinem »Schwarzbuch Wald« detailliert gewürdigt hat.

Bewuchs diesseits und jenseits des Gatters: mehr Waldweide als Nationalpark.

Dem Land Mecklenburg-Vorpommern ist also nicht nur die chronische Unterfinanzierung des Kleinods auf Rügen anzulasten. Es sieht auch seit Jahren tatenlos zu, wie der Ruf beider Nationalparke national und international Schaden nimmt. Im August geht der jetzige Parkleiter in Pension. Der BUND fordert Umweltminister Till Backhaus eindringlich dazu auf, für einen kompetenteren Nachfolger zu sorgen. Bei aller Kritik: Ein Besuch des Nationalparks Jasmund lohnt sich, gerade zur Nebensaison. Am Königsstuhl hat der WWF das Infozentrum des Parks mit einer aufwendigen Multimedia-Ausstellung bestückt. Schade, dass hier das für die Zukunft existenzielle Thema »Wald und Wild« mit keiner Silbe erwähnt wird. Einer unserer grandiosesten Naturschauplätze hätte – nicht nur hier – mehr kritische Aufmerksamkeit verdient. Severin Zillich Details zu den Verstößen der Parkverwaltung finden Sie unter www.bund.net/schwarzbuch-wald (S. 20ff.). Tipps, Infos und Angebote zum Nationalpark hält u.a. www.fahrtziel-natur.de bereit.

www.delpho.de (Pilz, Mehlschwalbe)

Von links nach rechts: Der Ästige Stachelbart zählt zu den schönsten Pilzen des Nationalparks. Dem Verbiss zum Opfer gefallen ist schon vor Jahren der prächtige Frauenschuh. An den Kreidefelsen brüten Mehlschwalben (und seit 2004 der Wanderfalke).

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Der BUND im Osten (I)

ZU R ZEIT

Alleen und Mondlandschaften Brandenburg ist dünn besiedelt und wirtschaftlich schwach – kein ganz einfaches Umfeld für einen kleinen BUND-Landesverband, der sich seit Jahren großen Herausforderungen stellt. Sein Porträt steht am Anfang einer kleinen Serie über die Arbeit des BUND in Ostdeutschland.

Demonstration gegen das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde.

Konflikte sind nötig

V

iele Erfolge im Umweltschutz haben eine lange Vorgeschichte. Manche aber ergeben sich leichthin, etwa weil ein Anliegen schlicht den Nerv der Öffentlichkeit getroffen hat. So konnte der BUND Brandenburg im letzten Sommer binnen kürzester Zeit 82 000 Unterschriften einsammeln, als sein Widerstand gegen die Privatisierung einiger Seen öffentlich wurde. Das Medienecho auf den geplanten Verkauf (durch eine Treuhand-Nachfolgerin) war gewaltig. Der BUND und eine Bürgerinitiative hatten darum keine Mühe, einen Stopp der Ausschreibung zu erreichen. Umgekehrt scheiterte der Landesverband vor einem Jahr beim Versuch, per Volksbegehren den Aufschluss weiterer Braunkohle-Tagebaue in Brandenburg zu verhindern. Trotz großen Aufwandes und vieler Mitstreiter fand sich nur knapp ein Drittel der benötigten Unterschriften. Bürokratische Hürden bei der Stimmenabgabe verhinderten hier einen Erfolg. Immerhin hat die Initiative die Diskussion um den Klimakiller Braunkohle neu entfacht. Und sie trug dazu bei, dass die Politik nach dem Regierungswechsel zu Rot-Rot im Herbst erstmals Bedingungen für eine weitere Förderung der Kohlekraft formuliert hat. Der Landesvorsitzende Burkhard Voß (links) zeichnet verdiente Ehrenamtliche des BUND in Brandenburg aus.

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BUNDmagazin [1-10]

Welche Kampagne am Ende Früchte einträgt, das ist für den BUND Brandenburg nicht leicht zu kalkulieren. Mit zwei Mitarbeitern arbeitet Geschäftsführer Axel Kruschat am Platz der Einheit im Zentrum Potsdams. In Sichtweite soll auf dem Grundriss des alten Schlosses der neue Landtag entstehen. 20 Jahre nach dem Mauerfall ist hier noch vieles im Werden. Auch in den Köpfen, glaubt man Axel Kruschat: »Erst allmählich reift hier eine Kultur für Konflikte, ein Bewusstsein dafür, dass nicht auf Krawall aus ist, wer Missstände anprangert.« Das hiesige BUND-Engagement sieht er auch als Aufbauleistung für die Demokratie. Ein weit verbreitetes kritisches öffentliches Bewusstsein ist Brandenburg tatsächlich zu wünschen. Erstens für den sorgsamen Umgang mit seinen großen unzerschnittenen Schutzgebieten: Ein Nationalpark, drei Biosphärenreservate und elf Naturparke beheimaten eine Fülle bundesweit bedrohter Tiere und Pflanzen – etwa in den Flussauen der Unteren Havel, des Spreewalds und des Odertals. Zweitens für die Rettung vieler noch prächtiger Alleen, eines Kulturerbes, das regelmäßiger Pflege bedarf. Aber auch für den Widerstand gegen den noch auf Jahrzehnte geplanten Abbau der Braunkohle. Denn der verwandelt Dörfer und kostbare Natur in Mondlandschaften und bedroht durch seine Klimaschädlichkeit unser aller Zukunft. Kein Bundesland hat pro Kopf höhere CO2-Emissionen. Kritik hat schließlich auch die Gentechnik in der Landwirtschaft verdient, für die Brandenburg – wie der ganze Osten Deutschlands – wegen seiner großflächigen Agrarstrukturen ein Einfallstor bildet.


Der neue Alleenflyer des BUND Brandenburg.

Verbündete sind wertvoll Viel Verantwortung und viel Arbeit bedeutet all dies für den BUND in Brandenburg. Die Mitgliederzahl hat sich seit 2003 verdoppelt, und im Berliner Speckgürtel sieht Axel Kruschat weiter beträchtliches Aktivierungspotenzial. Doch mit Verbündeten ist man schlagkräftiger. So kooperiert der Landesverband im BUND-Flussbüro eng mit den Berliner Aktiven, erfolgreich, wie der Verzicht auf den überdimensionalen Ausbau von Havel und Spree erst kürzlich gezeigt hat. Im Kampf gegen die Braunkohle und Klimakiller wie das Kraftwerk Jänschwalde bei Cottbus steht speziell der BUND-Bundesverband den Brandenburgern zur Seite. Gleiches gilt für die Abwehr der Gentechnik. Wichtigster Verbündeter vor Ort ist hier der Imkerverband, der dem BUND Brandenburg geschlossen beigetreten ist. Und zum Schutz der Alleen hat man schon vor Jahren mit den Landesverbänden in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt eine Allianz geschmiedet. Wer so viele Verbündete hat, scheint auf einem guten Weg. Burkhard Voß, der Vorsitzende des BUND Brandenburg, ist denn auch optimistisch: »Es ist viel Natur bedroht in Brandenburg – doch damit auch viel Natur zu retten. Das Glas ist nicht halb leer, es ist halb voll!« sz

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ZU R ZEIT

Die Emma Mærsk kann mindestens 11 000 Standardcontainer laden – und ist damit der weltweit zweitgrößte Frachter.

Deutsche Seehafenpolitik

Neue Konzepte gefragt Produkte aus Fernost oder Übersee finden sich immer häufiger in unseren Regalen. Für Natur und Klima sind die Folgekosten dieses oft konkurrenzlos billigen Angebots hoch. Anders als man vielleicht denken mag, fallen diese Kosten nicht auf dem langen Seeweg an, sondern in Deutschland, vor unserer Haustür. Der BUND hält eine intelligentere deutsche Seehafenpolitik für dringend notwendig.

S

eit Anfang der 90er Jahre hat sich der Containerumschlag im Hamburger Hafen und in Bremerhaven verdreifacht. Bis 2025 soll er, so die Prognosen des Verkehrsministers, in Bremerhaven noch mal auf das Dreifache, in Hamburg gar auf das Fünffache anwachsen. Der Anteil der Transitcontainer, die in den Seehäfen umgeschlagen und dann häufig quer durch Deutschland transportiert werden, steigt ständig – in Hamburg künftig auf die Hälfte aller Container. In Deutschland hinterlassen die meisten Container zwar die Hafengebühren und eine kleine Gewinnmarge für die Speditionen. Sie hinterlassen aber auch große Mengen Feinstaub- bzw. Ruß-, Stickoxid- und CO2Emissionen – zu Lasten unserer Gesundheit und unseres Klimas. Und sie lösen massive Investitionen in die Infrastruktur aus, mit schweren Eingriffen in die Natur. In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 brach der Frachtumschlag der meisten großen Nordseehäfen von

Die größten Seeschiffe transportieren heute mit 10 000 Containern bis zu 100 000 und mehr Tonnen Fracht. Dank ihrer riesigen Ladungsmenge erzeugen sie relativ wenig CO2 pro Gewichtseinheit – bei einer Flasche Wein schlagen nach 10 000 km etwa 20 g zu Buche. In ihrer Gesamtheit verursachen sie 3,3 % des globalen CO2-Ausstoßes – Tendenz steigend. Allerdings emittieren die Schiffe (da noch mit Schweröl betrieben) äußerst dreckige Abgase. Gründliche Verbesserungen – durch schwefelärmeres Öl und schärfere Grenzwerte – greifen in den Häfen seit dem 1. Januar, in der Nord- und Ostsee ab 2015 und weltweit in Stufen bis 2020. Die rechtliche Grundlage schuf eine Initiative u.a. der letzten Bundesregierung in der Internationalen Maritimen Organisation.

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BUNDmagazin [1-10]

Le Havre bis Hamburg um 20 bis 30 % ein, viele Schiffsneubauten wurden storniert. Auch werden die Kosten der Schifffahrt wegen strengerer Umweltvorschriften in Zukunft rasch ansteigen. Doch all dies wird nicht zum Anlass genommen, umzudenken. »Stärker aus der Krise hervorgehen« fordert Kanzlerin Angela Merkel. Ein guter Vorsatz. Die Seehafenpolitik bietet dafür ein geeignetes Einsatzgebiet.

Unnötige Flussvertiefungen Auch die größten Containerschiffe sollen vollbeladen jederzeit den etwa 100 Kilometer von der Küste entfernten Hamburger Hafen anlaufen können. Zwar hat selbst die riesige »Emma Mærsk« Hamburg bereits erreicht. Doch derart große Schiffe können nur bei Flut einlaufen, was zu Wartezeiten führt. Hamburg will dies durch eine erneute Vertiefung der Unter- und Außenelbe beseitigen – bezahlt aus dem Bundeshaushalt. Dabei wurden die ökologischen Folgen der letzten Vertiefung 1998 – 2000 bis heute nicht vollständig ausgeglichen. Eine weitere Vertiefung würde aufs Neue europäische Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Gebiete beschädigen und zugleich die Deichsicherheit bedrohen. Etliche Millionen Tonnen Sand und Schlick müssten zusätzlich jedes Jahr ausgebaggert werden, um die künstliche Fahrrinne aufrechtzuerhalten. Als Beleg für eine abermals nötige Elbvertiefung führt die Hamburger Hafenlobby Tiefgänge der Megaschiffe an, die faktisch nie erreicht werden. So beträgt das Ladegewicht der Container durchschnittlich weniger als die Hälfte der maximalen Zuladung, auch führen die Schiffe viele Leercontainer für die Wiederbeladung mit.


Von Containern überrollt Der Güterfernverkehr im deutschen Straßennetz wird laut amtlichen Prognosen bis 2025 um 84 % steigen, der Transitverkehr um über 130%. Auf diese »Ziele« richtet der Bundesverkehrsminister seine Straßenbedarfspläne und den künftigen Verkehrswegeplan aus. Der Anteil des von den Häfen ausgehenden Verkehrs am gesamten Güterfernverkehr der Straße wird demnach von heute 10 auf 15 % steigen. Auf Autobahnen ist er noch viel höher. Allein die im »Nationalen Hafenkonzept« genannten Investitionen in die Autobahnen belaufen sich auf mindestens sieben Milliarden Euro. Der Seehafen-Hinterlandverkehr ist bereits heute das wichtigste Argument für den weiteren Aus- und Neubau der weiträumigen Autobahnen in Deutschland. Der BUND befürchtet, dass die neue Bundesregierung das Wachstum der Seehäfen für eine veritable Straßenbauorgie nutzen will.

Intelligente Alternativen Das Gebot der Stunde ist aus Sicht des BUND eine Kooperation der großen Häfen an der deutschen Nordseeküste – statt alle Häfen und ihre Zufahrten weiter in Konkurrenz zueinander mit öffentlichen Mitteln auszubauen. Der im Bau befindliche Jade-Weser-Port bei Wilhelmshaven geht 2011 in Betrieb und wird sich zu dem deutschen Tiefwasserhafen entwickeln. Eine Kooperation mit Bremerhaven und Hamburg drängt sich hier geradezu auf. Doch der frühere Ansatz einer DreiLänder-Kooperation Hamburg-Bremen-Niedersachsen scheiterte am Ausstieg Hamburgs. Zudem fordert der BUND jene Schiffstransporte stärker zu fördern, die über kurze Strecken in die Ostsee und an die westeuropäische Küste führen – um mehr Güter auf – saubere! – Feederschiffe zu verlagern und so den Hinterlandverkehr zu entlasten. Der übrige Verkehr ins Binnenland muss weitgehend auf die Schiene verlagert werden: auf Strecken über 300 km mindestens zu 50 %, ab 700 km zu mindestens zwei Dritteln. Dazu muss das transeuropäische Schienen-

Jedes Jahr länger: Lkw-Kolonnen auf der Autobahn.

Uwe-Steinbrich/Pixelio

In Bremerhaven wurde das Wendebecken bereits so weit vergrößert, dass selbst die »dicke Emma« darin drehen kann. Damit aber nicht genug. Auch die Weser von Bremerhaven bis zur Nordsee soll für die Containerriesen erneut vertieft werden. Zudem sollen die weit flussaufwärts gelegenen Häfen bis Bremen für große Massengutschiffe erreichbar sein. Folglich ist geplant, auch die enge Unterweser zu vertiefen. Da die Bedeutung der stadtbremischen Häfen schon vor der Krise stetig abnahm, will die Politik hier offensichtlich einem Einzelunternehmen gefällig sein.

Schienenverkehr unterfinanziert Zwar verlangen Politik, Wirtschaft und die Umweltverbände unisono mehr Investitionen, um die Häfen besser mit dem Schienenverkehr zu verknüpfen. Die Konjunkturprogramme und Mehreinnahmen aus der Lkw-Maut haben hier auch einige zusätzliche Strecken finanziert. Doch das Gros der dringend nötigen Bahninvestitionen ist immer noch nicht gesichert. Dabei könnte die Bahn mindestens die Hälfte des von unseren Seehäfen ausgehenden Verkehrs übernehmen, bei den Containern sogar noch deutlich mehr. Für die nötigen – für die Wirtschaft wie die Umwelt extrem wichtigen und effizienten – Investitionen fehlt aber das Geld. Zwei Drittel der über Land transportierten Container nach Polen und fast alle Container ins Baltikum, nach Weißrussland und in die Ukraine werden auf der Straße bewegt. Warum rollt selbst nach Bayern und Österreich nur gut die Hälfte der Container per Bahn, der Rest auf der Straße? Trotz vieler weiterer Straßenbaumilliarden würden die Straßen so auch künftig überlastet bleiben. Manche Projekte – wie die küstennahe A 22/A 20 von der niederländischen bis an die polnische Grenze – werden sogar gebaut, um dem See- und Bahnverkehr in den Ostseeraum eine Dumping-Konkurrenz entgegenzusetzen und Verkehr auf die Straße zu verlagern …

netz vor allem Richtung Ost- und Südosteuropa mit absolutem Vorrang ausgebaut (und gleichzeitig alle alten Güterzüge lärmsaniert) werden. Den Transportverkehr kann auch ein bewussterer Einkauf begrenzen. Umwelt- und Verbraucherverbände sollten die fatalen Folgen des globalen Warenverkehrs in Deutschland stärker thematisieren. Containerwachstum und Transitverkehr sind Symbole für ein quantitatives Wachstum, das extrem wenige Arbeitsplätze schafft (und diese eher ins Ausland exportiert) sowie immense Folgekosten nach sich zieht. Werner Reh … ist der Verkehrsexperte des BUND in der Bundesgeschäftsstelle. Ansprechpartner für die Seehäfen sind M. Braasch (manfred.braasch@ bund.net, HH) und M. Rode (martin.rode@bund-bremen.de, HB).

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Online aktiv

ZU R ZEIT

Virtuelle Kampagne, realer Erfolg Per Mausklick gegen Atomkraft und für die Erhaltung der biologischen Vielfalt – oder: Warum es sich lohnt, über das Internet für den Umwelt- und Naturschutz Druck zu machen.

Ü

ber zwei Drittel der Bundesbürger sind online. Auch der BUND nutzt verstärkt das Netz, um einfach, aktuell und direkt seine Anliegen zu kommunizieren. Im vergangenen Jahr konnten wir immer mehr Menschen dafür gewinnen, auf www.bund.net für den Naturund Umweltschutz aktiv zu werden und auch auf diesem Weg Druck auf EntscheiderInnen auszuüben. Wenn zur Bundestagwahl 1 080 KandidatInnen – darunter Prominente aller Parteien – auf www.bund.net den Ökotest machen und 373 davon das BUND-Manifest »Atomkraft abwählen« unterstützen; und wenn Online-Petitionen mit Tausenden Unterschriften bei Koalitionsverhandlungen in Bund und Land oder bei der Weltklimakonferenz pressewirksam an die Verantwortlichen überreicht werden – dann stärkt die Online-Arbeit offensichtlich die politische Schlagkraft des BUND.

Netzarbeit zahlt sich aus Doch Online-Aktive unterstützen die BUND-Arbeit nicht nur virtuell. Im letzten Jahr gewann der BUND mehr als doppelt so viele Neumitglieder über das Internet als noch ein Jahr zuvor. Auch die Anzahl der OnlineSpenden ist seitdem um die Hälfte gestiegen.

Oben: Zehntausende unterzeichneten die Online-Petition an Jürgen Rüttgers. Rechts: KandidatInnencheck zur Bundestagswahl.

Für Webmaster: Tipps und Tricks zum BUND-Auftritt und zu Online-Aktionen: www.bund-intern.net 씰 kristin.jaeger@bund.net 씰 soenke.guttenberg@bund.net

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BUNDmagazin [1-10]

2010 wird der BUND über Klimaschutz, Atomausstieg, Biodiversität, Massentierhaltung und Gifte im Alltag online informieren und mobilisieren. Wollen Sie keine Aktion verpassen, tragen Sie sich in unsere Verteiler ein. Per E-Mail erfahren Sie, wenn es losgeht: • für den Atomausstieg: www.bund.net/atom • für den Klimaschutz: www.bund.net/klima • für den Artenschutz: www.bund.net/vielfalt • gegen Massentierhaltung: www.bund.net/agrar • gegen Gifte: www.bund.net/gift • einmal für alle Themen: www.bund.net/eintragen

Immer mehr BUND schön im Netz Mit dem BUND Niedersachsen nutzt inzwischen der zwölfte Landesverband unser neues Internetsystem »Typo3« zur Gestaltung seines Netzauftritts. Auch entdecken immer mehr BUND-Gruppen die schöne und komfortable Anwendung. Das sorgt für ein professionelles, einheitliches Erscheinungsbild des Verbands – und bietet BUND-Aktiven neue technische Möglichkeiten: So können KandidatInnen nun auch bei regionalen Wahlen überprüft und eigene Online-Aktionen auf den BUND-Seiten gestartet werden. Die Landesverbände NRW und Rheinland-Pfalz nutzen die neuen Module bereits zur Landtagswahl und im Widerstand gegen den geplanten Hochmoselübergang. Tine Jäger (Online-Campaining) + Sönke Guttenberg (Internet-Redaktion)


Besser vererben

Mutter Natur statt Vater Staat Gemeinnützige Organisationen informieren verstärkt über Testamentsspenden, werben für Erbschaften oder bieten in Anzeigen Materialien rund um das Thema an. Warum eigentlich?

D

arf ich vorstellen, meine Erben« – so lautet eine Anzeige, in der Menschen dafür werben, den BUND mit einem Testament zu bedenken. Mit »Danke« wiederum ist eine Reihe Freianzeigen überschrieben, die dazu anregt, Material zum Thema Erbschaften zu bestellen. Doch wozu ist das gut? Ist es vertretbar, um Testamente für den »guten Zweck« zu werben? Für den BUND ist es – wie für jede spendensammelnde Organisation – aus verschiedenen Gründen notwendig, um Testamente zugunsten der eigenen Arbeit zu bitten. So sind die öffentlichen Kassen leer: Bund, Länder und Kommunen reduzieren deshalb ihre Ausgaben für den Natur- und Umweltschutz. Zudem zählt die finanzielle und politische Unabhängigkeit zu den höchsten Gütern des BUND. Schließlich sind Einnahmen aus Erbschaften oft nicht an bestimmte Projekte gebunden und stehen damit für die satzungsgemäßen Ziele des BUND zur Verfügung.

Testamente sind sinnvoll Die »Masse« zum Vererben ist da: »In den kommenden zehn Jahren werden über drei Billionen Euro vererbt«, meldete der BBE-Branchenreport im vergangenen September. Dieser Report gilt als seriöseste Marktforschung auf dem weiten Gebiet der Spekulationen zum deutschen Erbschaftsvolumen. Diesen Trend greifen Vereine und Organisationen auf. Mittlerweile gibt es zahlreiche Materialien, die mit Informationen rund um das Thema Vererben aufwarten. Hier wird über die aktuelle Rechtslage oder über Steuersätze informiert, dazu gibt es Tipps für das Verfassen eines Testaments. Auch der BUND informiert in einer Erbschaftsbroschüre – und vertiefend in der Vorsorgemappe – über das Thema. Denn Realität ist: Nur etwa jeder zehnte Bundesbürger macht überhaupt ein Testament. Die Konsequenzen benennt Rechtsanwalt Bernd Beder, der den BUND seit vielen Jahren in Sachen Erbschaften berät und vertritt: »Ist die Nachfolge nicht in einem Testament geregelt und gibt es keine Erben aus der Familie, fällt dem Staat alles zu.« Doch was ist, wenn man erst einmal »eigene« Erben, sprich Angehörige und Freunde bedenken will? Dazu Beder: »Ein Testament legt ganz genau fest, wer was und wie viel bekommt. Man kann sowohl die Familie als auch Organisationen zu Erben machen«. Der BUND regt mit Anzeigen zum Thema Testament dazu an, Erbschaftsmaterialien zu bestellen. »Der erste Kontakt geht nie von uns aus«, lautet das Credo in der Berliner Bundesgeschäftsstelle. »Die Menschen kom-

men auf uns zu, indem sie die Broschüre bestellen, sich telefonisch beraten lassen oder um juristische Bewertung ihrer Testamentsentwürfe bitten«, beschreibt Marketingleiterin Rosemarie Kleindl. »Wir treten nicht von uns aus an Menschen heran, sondern warten ab, bis wir Interesse signalisiert bekommen. Der Zuspruch zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind«. Almuth Wenta … betreut das Erbschaftsmarketing des BUND. Kontakt: Tel. (0 30) 2 75 86-4 74, almuth.wenta@bund.net, www.bund.net/testamente

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Nationalpark Steigerwald

Kampagne im Netz gestartet

U

nsere alten heimischen Buchenwälder sind stark gefährdet – und Süddeutschland liegt in ihrem Hauptverbreitungsgebiet. Doch auch hier gibt es nur noch letzte Reste. Mit einem Nationalpark ließe sich das Waldnaturerbe dauerhaft schützen. Dafür bietet der Steigerwald im nördlichen Bayern eine einmalige Chance. Rasches Handeln ist nun gefragt. Denn auch hier könnten die alten Baumriesen bald verschwunden sein. Unterstützt von Prominenten wie Christian Wolff oder Hardy Krüger jr. tritt der BUND in Bayern deshalb für einen Nationalpark Steigerwald ein. 11 000 Unterschriften sammelt der Bund Naturschutz für 11 000 Hektar Wald. Helfen Sie mit, machen Sie die Aktion bei Ihren Freunden bekannt und unterschreiben Sie online für einen Nationalpark im Steigerwald. Erleben Sie das fränkische Naturerbe auf neue Art: Kommen Sie mit in den urigen Buchenwald, an einen ursprünglichen Waldbach oder auf

einen Berg mit weitem Blick über Steigerwald und Vorland. 360-GradPanoramabilder versetzen Sie mitten in die Waldnatur. Lernen Sie Emma kennen – eine über 300 Jahre alte Buche. Sie ist schön anzusehen – und sie übernimmt lebenswichtige Aufgaben, Tag für Tag, für die Umwelt und für uns Menschen. Emma stellt sich und ihre Leistungen vor – in einer Bildschirmpräsentation, die Sie auch an Freunde weiterleiten können. Machen Sie sich ein Bild: Was wäre, wenn der Steigerwald zum Nationalpark würde? Und was, wenn nicht? Welche berechtigten Fragen und Argumente gibt es? Auf unserer Seite finden Sie die Antwort. Sollten Sie noch niemals gegen Motorsägen gekämpft haben, dann schlüpfen Sie online in die Rolle des Waldretters »Steiger-Män«. Laden Sie einfach ein Foto von sich selbst oder Freunden hoch, und los geht’s.  www.ja-zum-nationalparksteigerwald.de

Stefan Maurer

AKTIV

Der BUND trauert … um Dr. Ludwig Trautmann-Popp. Der Kernphysiker gehörte zu den profiliertesten Energieexperten des Verbandes. Kompetent und kooperativ engagierte er sich seit Jahrzehnten für den bayerischen und den Bundesarbeitskreis Energie. Dazu war er ehrenamtlicher Vorstand der Kreisgruppe Bamberg und seit 1980 hauptamtlicher Energiereferent des Bundes Naturschutz in Bayern. Mit seinem plötzlichen Tod am 31. Oktober verlor der BUND einen langjährigen Kämpfer für die Energiewende, für Energieeffizienz, Solarenergie und den Ausstieg aus der Atomkraft.

Naturschutztage

… mit Anglern und Milchbauern

K

napp 600 Gäste, ermutigende Diskussionen, beste Stimmung – das ist die Bilanz der Naturschutztage am Bodensee. Im Radolfzeller Tagungszentrum Milchwerk veranstalteten BUND und NABU Anfang Januar die größte jährliche Fortbildung im deutschen Naturschutz bereits zum 34. Mal. Für ein außergewöhnliches Ereignis sorgten 500 Nebenerwerbsfischer und Hobbyangler aus Deutschland und der Schweiz: Sie demonstrierten vor den Toren des Milchwerks mit einer Trauerkapelle und einem riesigen aufgebahrten Fisch gegen die Wahl des Kormorans zum »Vogel des Jahres«. Doch auf das Angebot, im Milchwerk miteinander zu diskutieren, wollten die Fischer dann nicht eingehen.

Olaf Bandt, politischer Direktor des BUND, sprach in Radolfzell zum Auftakt über die Herausforderungen der neuen Regierungsperiode.

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BUNDmagazin [1-10]

Das bundesweite Medienecho zitierte ausführlich auch unsere Position. Im Zentrum der Naturschutztage standen Konflikte zwischen dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Naturschutz sowie neue Strategien zum Schutz der Artenvielfalt. Dabei eröffneten sich Chancen für neue Bündnisse zwischen Milchbauern und Naturschützern. In Radolfzell verlieh der BUND Baden-Württemberg auch den Gerhard-Thielcke-Naturschutzpreis: an Anneliese Schmeh aus Überlingen. Auf die Landwirtschaftsmeisterin und Milchbäuerin geht unter anderem die landesweit erste gentechnikfreie Region zurück. Mehr über das große NaturschutzTreffen: www.naturschutztage.de


Projekt 500 000 – die Erde braucht mehr Freunde

Auf jedes Mitglied kommt es an! Geschenk 1 Sattelschutz Der praktische Begleiter auf dem Fahrrad: Dank diesem Sattelschutz mit Grasmotiv sitzen Sie immer auf dem Trockenen – auch nach einem Regenschauer. Aus Baumwolle mit Plastikbeschichtung.

Geschenk 2 Das Klimakochbuch Wie können wir in der Küche Klimaschutz und Nachhaltigkeit umsetzen? Dieses Klimakochbuch ist ein Ergebnis des Projekts »Kochen für den Klimaschutz« der BUNDjugend. Mit einfachen Rezepten, regionalen (Bio-) Produkten und gewürzt mit fundierten Artikeln und Tipps von Klimaexperten. Kosmos Verlag, Stuttgart, 2009

Mit nahezu 480 000 Unterstützern und Unterstützerinnen ist der BUND inzwischen der größte Umweltverband Deutschlands. Im Jahr 2010 feiert er sein 35-jähriges Bestehen. Helfen Sie uns, zum Jubiläum ein großes Ziel zu erreichen: 500 000 Menschen im BUND. Das Ziel ist zum Greifen nah – dank Ihrer wertvollen Unterstützung!

Warum eine halbe Million? Die politische Kraft des BUND steigt mit jedem neuen Mitglied. Mit 500 000 Menschen im BUND sind wir so stark wie die großen Volksparteien – und öffnen uns so wichtige Türen für den Naturschutz! Auch gegenüber der Wirtschaft können wir mit 500 000 umweltbewussten Verbrauchern im Rücken großen Druck aufbauen und die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten deutlich beeinflussen. Der BUND finanziert seine Kernaufgaben aus Mitgliederbeiträgen und Spenden, um von Politik und Wirtschaft unabhängig zu sein. Jedes Mitglied hilft damit, unsere finanzielle Unabhängigkeit zu bewahren.

Gewinnen Sie Freunde für den BUND, und Sie gewinnen selbst! Haben Sie Freunde oder Nachbarn, die sich für den Naturschutz interessieren? Haben Sie Arbeitskollegen, die sich mehr Klimaschutz wünschen? Sprechen Sie Interessierte an und empfehlen Sie uns weiter. Für jede Werbung erhalten Sie ein kleines Geschenk als Dankeschön. Jedes einzelne neue Mitglied bringt uns einen wichtigen Schritt weiter im Natur- und Umweltschutz.

Haben Sie noch Fragen? T.: 030/27586-479 info@bund.net

Werden Sie Botschafter für den BUND – und damit für eine lebenswerte Zukunft, für uns, für unsere Kinder und Kindeskinder. Die Natur wird es Ihnen danken! Ich zähle auf Sie und freue mich auf viele neue Mitglieder.

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger Vorsitzender des BUND

Geschenk 3 · Kulturbeutel Kleine Handtasche, Kulturbeutel, Kosmetiktäschchen – dieser stilvolle Beutel mit Zugbändchen ist vielseitig einsetzbar. Aus 100 % Bio-Baumwolle und in Indien fair produziert, ist er eine gelungene Alternative zu Kulturbeuteln aus Kunststoff. Maße: Breite 22 cm × Höhe 24 cm bitte wenden

Ich habe ein Mitglied geworben. Bitte kr euzen Sie unten Ihr gewünschtes Geschenk an.

Ich habe ein neues BUNDmitglied geworben und mein gewüschtes Geschenk angekreuzt.

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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. Mitgliederverwaltung Am Köllnischen Park 1 10179 Berlin

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앬 Türkis 앬 Marine


AKTIV

Für eine ökologische Landwirtschaft

BUND mischt Grüne Woche auf

Heidrun Betz

M

Gemeinsam mit seinem neuen Netzwerk protestierte der BUND gegen die Tierquälerei in immer größeren Ställen. Mehr dazu unter www.bund.net /tierschutz

Auf dem Podium von »Talk for Nature« diskutierten u.a. TV-Moderator Dieter Moor (vorn) und Carlo Petrini, der Gründer und Präsident von »Slow Food« (am Mikrofon).

it einer Kundgebung direkt vor Eröffnung der Grünen Woche präsentierte sich das bundesweite »Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken« am 14. Januar in Berlin. Das neue Netzwerk, gegründet von rund 60 Bürgerinitiativen und BUND-Gruppen, signalisierte seinen Widerstand gegen den Boom beim Bau neuer Massentierhaltungen. Nach einer Rede von Hubert Weiger übergab das Bündnis ein Positions- und Forderungspapier an Vertreter des Landwirtschaftsministeriums. Tags darauf hielt der BUNDVorsitzende dann eine flammende Rede vor Ilse Aigner. Auf einem Empfang von »Neuland« forderte er die Agrarministerin dazu auf, endlich nicht mehr allein die Interessen der Agrarindustrie und des Bauernverbandes wahrzunehmen, sondern gemeinsam mit Umwelt- und Tierschützern die Herausforderungen des Klima- und Artenschutzes in der Landwirtschaft anzugehen. Auch die Mehrzahl der 200 Gäste auf unserer Diskussionsveranstaltung »Talk for Nature« am 16. Januar forderte von den Teilnehmern der Bundesregierung ein Umlenken in der Agrarpolitik: weg von der Überschussproduktion bei Fleisch und

Milch, weg von der Gentechnik – und hin zu einer nachhaltigen Landnutzung. Als ein erstes positives Signal wird die überraschende Entlassung von Aigners Staatssekretär Gert Lindemann gesehen, der dem Bauernverband und der Agrarindustrie sehr nahestand.

Arbeitskreis: neuer Sprecher Während der Grünen Woche wählte der BUND-Bundesarbeitskreis Landwirtschaft Jochen Dettmer zu seinem neuen Sprecher. Der Bauer aus Sachsen-Anhalt ist Geschäftsführer von »Neuland«, einem Programm für artgerechte Tierhaltung, das der BUND 1988 mitgegründet hat. Der Arbeitskreis bedankte sich beim bisherigen Sprecher Friedrich Ostendorff, der 2009 nach vier Jahren Pause wieder für die Grünen in den Bundestag gewählt wurde. Der Biobauer legte sein Amt im Arbeitskreis nieder, nachdem seine Partei ihn zum Sprecher für Agrarpolitik ernannt hatte. Mit Jochen Dettmer wird der BUND die intensive Kooperation mit der bäuerlichen Landwirtschaft fortsetzen, besonders im Hinblick auf die anstehende EU-Agrarreform im Jahr 2013.

Wenn Sie sich für eine Familienmitgliedschaft entschieden haben, tragen Sie bitte die Namen Ihrer Familienmitglieder hier ein.

Ich wurde geworben Ja, ich mache mich für den Natur- und Umweltschutz stark und werde jetzt BUNDmitglied. Ich wähle folgenden Jahresbeitrag: 앬 Einzelmitglied (mind. 50 €) .................................................................. 앬 Familienmitgliedschaft (mind. 65 €) .................................................................. 앬 Schüler, Azubi, Studentin (mind. 16 €) .................................................................. 앬 Erwerbslose, Alleinerziehende, Kleinrentner (mind. 16 €) .................................................................. 앬 Lebenszeitmitglied (einmalig mind. 1500 €) ..................................................................

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Ja, ich zahle per Einzugsgenehmigung Name/Vorname

und spare damit Papier- und Verwaltungskosten. Bitte ziehen Sie den Betrag ab dem ___________ bis auf Widerruf von meinem Konto ein.

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Der Film zum Problem

Achten Sie auf Ihre Daseinsvorsorge

It’s a Plastic Planet

W

ir sind Kinder des Plastikzeitalters: vom Schnuller bis zur Dose für das Frühstücksbrot, vom Fußbodenbelag bis zur Trockenhaube – Plastik ist überall. Die Weltmeere enthalten inzwischen sechsmal mehr Plastik als Plankton, selbst in unserem Blut ist Plastik nachweisbar. Die Menge an Kunst-

stoffen, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht aus, um die Erde sechsmal in Plastikfolie einzupacken – wir leben regelrecht in einer Plastikwelt! In seinem Kino-Debüt »Plastic Planet« sucht Regisseur Werner Boote global nach Antworten auf Fragen, die uns alle angehen:

Was hat die Plastikflut zu tun mit Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Impotenz und Unfruchtbarkeit? Wer ist schuld an den Müllbergen in Wüsten und Meeren? Wer gewinnt dabei, wer verliert? Ab dem 25. Februar liefert »Plastic Planet« – mit dem BUND als Hauptpartner – im Kino die Antwort und deckt dabei Erstaunliches auf. Damit es nicht bleibt bei den Problemen, die der Film so eindrucksvoll beleuchtet, geht der BUND schon lange gegen Auswüchse des Plastikzeitalters an. So im letzten Jahr mit Testergebnissen, wonach viele Babyschnuller die hormonell aktive Substanz Bisphenol A enthalten. Viele Hersteller verzichten seitdem auf Kunststoffe, die diese Substanz enthalten. Erfolgreich warb der BUND auch für ein Gesetz, das es Verbrauchern erlaubt zu erfahren, ob ein Produkt gefährliche Stoffe enthält. Auf www.bund.net/plastik informieren wir umfassend über die mit Kunststoffen verbundenen Probleme und mögliche Alternativen. Lesen Sie auch, wie einfach Sie selbst das neue Auskunftsrecht nutzen können, und was wir in nächster Zeit planen – für eine Zukunft ohne Gift.

Ob Klimaschutz oder Schweinegrippe: Öffentlichkeit nimmt wahr, worüber Medien berichten. Unabhängiger Qualitätsjournalismus in Rundfunk und Fernsehen, in Print- und Online-Medien hat für die Gesellschaft so hohe Bedeutung, dass ich ihn zur Daseinsvorsorge zähle. Wie düster es aussieht, wenn es nur um Profit geht, zeigen aktuell die privaten Sender. Weil weniger Werbung geschaltet wird, setzen sie vor allem bei den Nachrichten den Rotstift an. Und bei vielen Printmedien sieht es nicht anders aus. Klaus Brunsmeier ist stellvertretender VorDa öffentlich-rechtliche sitzender des BUND. Rundfunkanstalten – bei aller Verflachung im Unterhaltungsbereich – (noch) gründlich recherchieren und qualifiziert kommentieren, mischen sich die Kochs »brutalstmöglich« ein. Von wegen Staatsferne – ihr parteipolitisches Kalkül lautet: »Mit dem Zweiten sieht man schwärzer.« Einmischen sollten sich auch BUND-Mitglieder. Nicht auf die Koch’sche Art, sondern mit sachlichem Lob und qualifizierter Kritik. Oder aktuell durch Unterstützung der Öffentlich-Rechtlichen gegen die »app-surden« Angriffe der Privaten und Verleger auf gebührenfinanzierte werbefreie Angebote für die Netz- und Handywelt.

Bundesdelegiertenversammlung 2009 Rund 150 BUND-Delegierte stellten vom 20. bis 22. November in Bad Hersfeld die Weichen für ihre Arbeit in diesem Jahr. Sie warnten die neue Bundesregierung davor, Standards im Natur- und Umweltschutz abzubauen. Und sie forderten zwei Wochen vor der Weltklimakonferenz in Kopenhagen die Industriestaaten zu weitreichenden Zugeständnissen auf. Doch das Scheitern des Kopenhagener Gipfels konnte dieser Appell nicht verhindern. Mehr über die Delegiertenversammlung finden Sie hier: http://i8t.de/0eads9wu

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I NTER NATIONAL

Die »blaue Welle« – mit dabei (ganz rechts) der Vorsitzende von Friends of the Earth, Nnimmo Bassey.

Klimagipfel in Kopenhagen

Vielfältiger Protest – mal eisig, mal bunt

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ie Kopenhagener Klimakonferenz vom 7. bis 18. Dezember sollte über die Zukunft des Planeten entscheiden. 110 Staats- und Regierungschefs reisten an, um den Wortlaut eines neuen Weltklimavertrags abzustimmen. Dazu versammelten sich Zehntausende Aktive von Umwelt- und Entwicklungsgruppen aus aller Welt, um ganz deutlich zu machen, dass die Zeit für lasche Kompromisse vorbei ist. Der BUND und sein globales Netzwerk waren mit vielen Aktionen beteiligt. So warnten wir zum Auftakt mit der Kopenhagener Meerjungfrau – als Eisskulptur – vor den immer stärkeren Folgen des Klimawandels. Eine blaue Welle, gebildet von 5 000 Aktiven unseres Netzwerkes »Friends of the Earth«, flutete am 12. Dezember die Stadt mit der Forderung nach Klimagerechtigkeit

Für ein faires Abkommen warb der BUND zudem mit einer Eisnixe und einer Petition an Norbert Röttgen.

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– über 600 kamen vom BUND. Mit diesem Anliegen konfrontierte der BUND auch Umweltminister Röttgen: Unsere Klimaexpertinnen Antje von Broock und Tina Löffelsend überreichten ihm eine Klimapetition mit 10 000 Unterschriften. Klimagerechtigkeit meint, dass Industriestaaten im Klimaschutz voranschreiten müssen, und zwar durch Aktivitäten im eigenen Land. Dagegen führen billige Verschmutzungszertifikate – erworben im globalen Süden – nicht zum Ziel. Denn dieses »Offsetting« ist eine Milchmädchenrechnung, mit der die CO2-Emissionen nicht ausreichend gesenkt werden können. Am Ende waren bekanntlich alle Proteste vergebens: »Die Welt hat auf Kopenhagen geschaut. Die Welt wurde bitter enttäuscht.« So lautete das Fazit des BUND-Vorsitzenden

Hubert Weiger, der den Klimagipfel ebenfalls vor Ort mitverfolgte. Trotz der jahrelangen Vorverhandlungen gelang es nicht, einen der Dramatik des Klimawandels angemessenen Beschluss zu fassen. Die Bemühungen für mehr Klimaschutz wurden um Jahre zurückgeworfen. Ausschlaggebend für das Scheitern: die Weigerung der Industriestaaten, ihre CO2-Minderungsziele zu verschärfen und den Entwicklungsländern konkrete Finanzzusagen in Aussicht zu stellen. Der BUND wird in seinem Engagement für den Klimaschutz nicht nachlassen – und auf nationaler Ebene eine Klimapolitik fordern, die den Ankündigungen der Kanzlerin auf internationalem Parkett entspricht. Dank unserer aktiven Basis wird dieser Einsatz auch im Jahr nach Kopenhagen Wirkung zeigen.


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Haiti – viel kreative Lebenskunst, nur noch wenig Wald (unten: Pinienwald auf über 2000 Meter Höhe).

Haiti Survie

… hat überlebt

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aiti ist nicht nur das gebrochene, zerrüttete, chaotische Land, das am 12. Januar von einem Erdbeben überrascht wurde, welches die UNO als schlimmste Naturkatastrophe ihres Bestehens bezeichnete. Haiti ist auch ein beeindruckendes Land mit einer einzigartigen Geschichte und besonderen Menschen. Es lebte und überlebte aufgrund dieser Menschen, die Meister der Überlebenskunst und Kreativität sind, einen starken Willen und einen noch größeren Glauben haben. Eben sie werden ihr Land, für das sie seit über 200 Jahren kämpfen, einmal mehr wieder aufbauen.

Partner des BUND Die haitianische Schriftstellerin Kettly Mars fragt: »Ist das [das Erdbeben] der Todesstoß? Wir sagen: nein. Vielleicht ist es eine Chance, eine Renaissance.« An dieser Neugeburt werden sich zivilgesellschaftliche Gruppen beteiligen, die schon kurz nach dem Erdbeben die ersten Helfenden waren und bereits vorher viel für Haiti getan haben. So auch der BUND-Partner »Haiti Survie« – er repräsentiert die haitianischen Umweltorganisationen bei »Friends of the Earth International«. In dieser schwierigen Zeit wirkt der Name fast wie ein Mantra: das Überleben Haitis – so die deutsche Übersetzung. Die Organisation, 1993 mit Sitz in Port au Prince gegründet, fördert mit ihren Aktivitäten den Umweltund Naturschutz. Ihre Schwerpunk-

te sind der Klimawandel, die Wüstenbildung, biologische Vielfalt und Abfallentsorgung. Da Haiti nur noch etwa 1% seiner einstigen Waldfläche besitzt, beteiligt sich Haiti Survie mit anderen lokalen Partnern an der Wiederaufforstung, um der zunehmenden Desertifikation Einhalt zu gebieten. Haiti Survie versucht aber auch in Seminaren die Menschen für ihre Umwelt zu sensibilisieren und unterstützt Gemeinden bei der Verwaltung der knappen Ressource Wasser.

Wieder einsatzfähig Kurz nach dem Erdbeben schrieb der Generalsekretär Aldrin Calixte, dass er und seine Kollegen überlebt hätten, das Büro von Haiti Survie nur teilweise beschädigt worden sei und sie sich schon an Hilfsaktionen beteiligen könnten. Der Wille ist da, der Traum von einem anderen Haiti existiert. Und Kettly Mars spricht von einer »Bewährungsprobe, die uns zu erkennen hilft, wer wir sind.« Haiti Survie zumindest hat überlebt und wird weiter im Sinne der Menschen und der Umwelt wirken. Friends of the Earth unterstützt sie dabei. Auch Sie können helfen: Einen Spendenaufruf für Haiti Survie finden Sie unter »www.foei.org«. Monika Falkenberg … betreut seit Herbst den wissenschaftlichen Beirat des BUND. Zuvor war sie über zwei Jahre für den Deutschen Entwicklungsdienst in Haiti.

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DI E J U NGE SEITE

Gemeinsam können wirs schaffen Freibeuter entern die Weltpolitik: Mit phantasievollen Aktionen sorgten die »Klimapiraten« der BUNDjugend beim UN-Gipfel in Kopenhagen für Furore.

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ufhalten kann sie jetzt niemand mehr, dazu sind sie schon zu weit gekommen. Mit Salz auf den Lippen und Fahrtwind im Gesicht trotzen sie den Wellen der winterlichen Ostsee, sind trotz Schaukelei und Seekrankheit wild entschlossen zum Kampf. »Act the f . . k now« schreit es in großen Lettern von ihrem Gaffelsegel – »Handelt, verdammt noch mal!« Vorne am Bugspriet behält ein verwegen dreinschauender Seemann, einen Totenkopf am schwarzen Hut, den Horizont im Blick. Unter Deck planen die Kameraden, ausgestattet mit Augenklappe und Piratentuch, derweil bei Kräutertee und Vollkornbrot die nächste Attacke. Auf zwei gut hundert Jahre alten Traditionsschiffen segeln die Klimapiraten nach Kopenhagen zum UN-Klimagipfel, um die Weltpolitik zu entern: Spektakuläre Aktionen sollen aufrütteln und Druck auf die verhandelnden Politiker erzeugen.

Am Start Ortstermin in Greifswald, ein eisiger Dezembermorgen. Hier und heute stechen die Klimapiraten in See und geben sich dabei medienwirksam als echte Freibeuter: Sie jagen das vom dänischen Energiekonzern Dong Energy geplante Kohlekraftwerk Lubmin symbolisch über die Planke und lassen den pechschwarzen Dong-Mann unter lautem Geheul ins kalte Wasser fallen. Als Piraten, die eigene Vorstellungen von Recht und Gesetz haben, entführen sie ein täuschend ähn-

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liches Double von Angela Merkel. Ein Beiboot nimmt sie ins Schlepptau, damit sie sich die Forderungen der Klimapiraten zu eigen macht und auf dem Weg nach Kopenhagen nicht ins Fahrwasser der Auto- und Kohlelobby gerät. In einer Schatztruhe führen die knapp 50 Seefahrer zwischen 20 und 35 Jahren auch die Unterschriften einer OnlinePetition mit. Und in ihren Köpfen spuken Ideen für Straßentheater, menschliche Flutwellen, eine Blockade des Handelshafens und sogar das Entern des Konferenzgeländes.

Gut mobilisiert Schon in den Monaten vor der Klimakonferenz hatten sich die Klimapiraten in Stellung gebracht. Sie enterten in Schwerin die Staatskanzlei und lieferten sich mit Ministerpräsident Sellering ein Wortgefecht über Kohle und alternative Energien. Als 350 Angela Merkels verkleidet suchten sie vor dem Brandenburger Tor in Berlin nach der »Klimakanzlerin« und forderten sie zum Kampf gegen den Klimawandel auf. Getragen wurde die Kampagne von der BUNDjugend und dem ASA-Programm; als Förderer war auch der BUND mit dabei. »Wir wollten möglichst viele Aktive ansprechen und brauchten einen prägnanten Namen«, sagt David Wagner. Der Schreibtisch des Klimaexperten


der BUNDjugend verwandelte sich vorübergehend ins Büro der Klimapiraten. »Eine derart offene Kampagne bietet mehr Freiraum. So konnten wir Aktive einbinden, die sich nur für begrenzte Zeit engagieren wollen und keine Lust auf etablierte Strukturen haben.« Die Chance, mit spektakulären Aktionen die Arbeit herkömmlicher KlimaInitiativen zu unterstützen, motivierte junge Aktive nicht nur dazu, eines der Piratenschiffe nach Kopenhagen zu besteigen: Über die Hälfte der 600 BUNDTeilnehmer der Blaue-Welle-Demo von »Friends of the Earth« konnte die BUNDjugend mobilisieren.

An Bord Bei Windstärke vier und mit acht Knoten ziehen die Schiffe »Lovis« und »Petrine« CO2-neutral quer über die Ostsee von Greifswald nach Kopenhagen. An Deck ist beim Segeln jede Hand gefragt, und unter Deck noch mehr – beim vegetarischen Kochen in der Kombüse. Piraten mit viel Idealismus sind an Bord, die trotzdem die Realität nicht aus den Augen verlieren. »Vermutlich wird es nicht zu dem starken und gerechten Abschluss kommen, den wir uns wünschen«, fürchtet Hannah Bahr, die in Lüneburg Umweltwissenschaften studiert, schon auf der Überfahrt. Doch vergeblich oder gar sinnlos sei das Engagement auf keinen Fall, so die 21-Jährige, die sich auch für die »Young Friends of the Earth« engagiert. »Wenn jetzt und in Zukunft viele Menschen auf die Straße gehen und ausdrücken, wie unzufrieden sie mit dem Nicht-Handeln der Politiker sind, zeigen die Proteste sicher Wirkung.« Doch ist der Klimawandel keine zu große Aufgabe? »Natürlich frustriert es zu sehen, wie wenig sich bewegt.

Manche Delegierte scheinen die Botschaft, dass wir jetzt handeln müssen, noch nicht verstanden zu haben – für die ist das offenbar wie ein Pokerspiel«, meint die engagierte Klimaschützerin. »Die nächsten zehn Jahre entscheiden über das Klima der nächsten 100 Jahre – deshalb ist es so wichtig, jetzt richtig zu entscheiden.«

Auch 2010 wird die internationale Klimapolitik ein Schwerpunkt der BUNDjugend bleiben. Informationen über die weiteren Pläne des Klimateams und der »Young Friends of the Earth Europe«, eine umfassende Rückschau auf die vielen Aktivitäten in Kopenhagen sowie die offizielle Stellungnahme der Bundesjugendleitung zum desaströsen Ausgang des Klimagipfels gibt es auf dem Klimateam-Blog.

 http://klimateam.bundjugend.de

Frust und Freude Ein Erfolg erreicht die Klimapiraten bereits kurz nach der Ankunft in Kopenhagen: Dong Energy gibt das in Lubmin geplante Kohlekraftwerk auf. »Einen besseren Auftakt hätten wir uns nicht wünschen können«, freut sich Klimapirat Christian Nitschke aus Potsdam. Anstelle einer geplanten Protestaktion gratulierten die Aktivisten dem Energiekonzern und überreichten symbolisch ein »Goldenes Windrad«. Nicht nur Hannah Bahr schöpfte neuen Mut. »Es gibt viele inspirierende Teilnehmer voller Power. Wir sind so viele – und wir können es schaffen.« Auf Einladung der Piraten kam die bayerische Umweltstaatssekretärin Melanie Huml zu einer Diskussion auf Deck. Doch das Scheitern des Klimagipfels sorgte am Ende für lange Gesichter. Noch einmal setzten die Klimapiraten ein Zeichen: Aus Entrüstung rasierten sich über 30 Aktive die Köpfe. »Die Klimapiraten haben bestehende Initiativen durch ihre Aktionen gut ergänzt«, bilanzierte David Wagner. »Nun müssen wir überlegen, wie wir weiter so motiviert, kreativ und vernetzt aktiv bleiben können.« Zu tun gibt es schließlich genug. Und bei einem Rückschlag nicht aufzugeben, das ist ja wohl Piratenehrensache. Helge Bendl (Text und Fotos)

Globalisierungskritik Letztes Jahr lief die Förderung von »KonsumGlobal« aus. Doch es geht weiter: Das Erfolgsprojekt mit seinen globalisierungskritischen Stadtführungen wird nun von einem ehrenamtlichen Team fortgeführt. 2007 war das bundesweite Projekt von JANUN (Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen) und der BUNDjugend ins Leben gerufen worden. Es zeigt die Hintergründe von Globalisierung und westlichem Konsumverhalten. Ansprechpartnerin ist Christiane Warmuth, FÖJ-lerin in der Bundesgeschäftsstelle der BUNDjugend: konsumglobal@bundjugend.de

 www.konsum-global.de

Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V., Am Köllnischen Park 1a, 10179 Berlin, Tel: (0 30) 2 75 86-50, Fax: -55, info@bundjugend.de, www.bundjugend.de

Mehr Fotos: www.bund.net/klimapiraten

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DI E I N FOSPALTE DER BU N DJ UGEN D

Klimateam-Blog


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Kein gesellschaftlicher Vorreiter mehr

MEDI EN

Die etablierte Wissenschaft mit ihren Hochschulen und Instituten hat die gesellschaftliche Herausforderung der Nachhaltigkeit nicht angenommen. Sie konzentriert sich auf die disziplinäre Forschung und orientiert sich stark an einer unmittelbaren wirtschaftlich-technologischen Verwertung. Der Brückenschlag von Naturwissenschaften und Technik zu Kulturund Gesellschaftswissenschaften findet kaum statt, die Verbindung von Theorie und Praxis hat an den Unis nur geringen Stellenwert. Diese wenig nachhaltige Ausrichtung der Forschung kulminiert in der Exzellenzinitiative – so die Analyse von Uwe Schneidewind, Professor in Oldenburg und aktiv im wissenschaftlichen Beirat des BUND. An Politik und

Wissenschaft richtet er 30 Reformvorschläge für eine nachhaltigere Forschung und Lehre – und zeigt, welche Strategie die Pilotunis Lüneburg, Oldenburg und Kassel verfolgen. Als Beispiel für nachhaltige Forschung führt er die Studien zum »Zukunftsfähigen Deutschland« an. Sie entstanden auf Initiative des BUND und kirchlicher Entwicklungsorganisationen am Wuppertal-Institut – und nicht im Uni-Bereich, was den Anfangsbefund des Buches und die Notwendigkeit der Veränderung belegt. Um diese nicht allein den Hochschulen zu überlassen, sollten nichtstaatliche Akteure wie der BUND und studentische Gruppen sie einfordern und mitgestalten. Angelika Zahrnt

Uwe Schneidewind: Nachhaltige Wissenschaft: Plädoyer für einen Klimawandel im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem, 2009. 290 S., 19,80 €, Metropolis

30 Jahre Grüne Im Januar wurden die Grünen 30 Jahre alt. Ludger Volmer, 1991 bis 1994 ihr Vorsitzender und viele Jahre Kopf der moderaten grünen Linken, bilanziert den Weg von der Protestzur Regierungspartei. Verbitterung wird ab und an deutlich – etwa wenn der promovierte Sozialwissenschaftler konstatiert, dass nach dem Ende von Rot-Grün »Exhäuptlinge sich bei Großkonzernen verdingen«. Wenn Politiker Bilanz ziehen, dann ist das nie frei von Eitelkeiten. Volmer ist da keine Ausnahme. Das liest sich dann so: Nach der Vor- und Gründungsgeschichte der einstigen Anti-Parteien-Partei, den ersten Jahren im Bundestag und schließlich dem verpassten

Wiedereinzug 1990 übernimmt Ludger Volmer. Maßgeblich er führt zusammen, wo andere – Realos und Linke – auf Konfrontation setzen. In seine Amtsperiode fällt der Zusammenschluss mit der Bürgerbewegung Ostdeutschlands. Die Grünen kommen 1994 wieder in den Bundestag und 1998 an die Regierung. Über diese Interpretation mögen GrünenKenner streiten. Erzählt wird diese Geschichte unbestreitbar kompetent und frei von schwerfälligem Politiker- oder Wissenschaftlerjargon. Dass Volmer auf Quellenangaben und Literaturverweise verzichtet, mag man bedauern, der Lesbarkeit seiner Bilanz kommt es zugute. nf

Ludger Volmer: Die Grünen, 2009. 480 S., 24,95 €, Bertelsmann

Game over? »Game over. Neustart!« hieß das Motto des 4. McPlanet-Kongresses, zu dem auch der BUND vom 24. bis 26.4.09 nach Berlin eingeladen hatte. Auf über 100 Veranstaltungen wurden Veränderungen überlegt, Ideen entwickelt und Strategien diskutiert: Was sind die Alternativen zur Wachstumsideologie, wie lassen sich Menschen- und Umweltrechte wahren? Wie müssen wir leben und wirtschaften, um eine Klimakatastrophe noch abzuwenden und den Raubbau der Ressourcen zu beenden?

Das Buch zum Kongress versammelt ReferentInnen des McPlanet.com mit ihren Analysen und Antworten. BUND-Autoren sind Thorben Becker (»Klimaschutz braucht eine Richtungsentscheidung«), Ricardo Navarro (»Nachhaltige Entwicklung oder nachhaltige Welt?«) und Werner Reh (»Transformationsperspektiven der deutschen Autoindustrie«). Zu den Herausgebern zählt Aglaia Hajkova, die im Arbeitskreis »Internationale Umweltpolitik« für den BUND aktiv ist.

Game over. Neustart!, W. Sachs/M. Nilsen/A. Acosta/N. Bullard u.a., 2009. 191 S., 12,80 €, VSA Bezug: www.bundladen.de/mcplanet-2009, Tel. (0 30) 2 75 86-4 80

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BUNDmagazin [1-10]


Für Umwelt und Portemonnaie Energiesparen rechnet sich – für Umwelt und Verbraucher. Den besten Beweis dafür liefert ein neuer Ratgeber der Stiftung Warentest, verfasst von zwei BUND-Mitgliedern. »Das Energiesparbuch« erfüllt den im Titel erhobenen Alleinstellungsanspruch mit Bravour. Vom Ablufttrockner bis zur Zirkulationspumpe bleibt keine Sparmöglichkeit und keine Kostenfalle verborgen: Wie viel spare ich, wenn ich meinen Kühlschrank durch ein sparsames Neugerät ersetze? Worauf sollte ich beim Neukauf achten? Wie heize ich richtig?

Neben Strom, Heizung und Warmwasser werden auch Mobilität und Ernährung unter die Lupe genommen. Selbst erfahrene Energiesparer dürfen hier auf Aha-Erlebnisse hoffen. Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen lassen sich 2,4 t CO2 und 1 100 Euro pro Person und Jahr sparen. Praktische Tabellen helfen dabei, den eigenen Verbrauch zu überblicken und eine effektive Sparstrategie auszuhecken. Wer seine guten Klimavorsätze fürs neue Jahr noch nicht recht umgesetzt hat, kommt am Energiesparbuch nicht vorbei.

M. Goetze, G. Pinn: Das Energiesparbuch, 2009. 176 S., 12,90 €, Stiftung Warentest Bezug: www.bundladen.de/energiesparbuch, Tel. (0 30) 2 75 86-4 80

Wenden Sie jetzt! Wie verhindert die deutsche Autoindustrie seit 100 Jahren grundlegende Innovationen? Das ist das Thema von Eckhard Helmers’ Buch »Bitte wenden Sie jetzt«. Sachkundig und spannend beschreibt er die technische Evolution des Automobils, verknüpft mit der Umweltgesetzgebung in der EU und den USA sowie prägenden öffentlichen Debatten. Der politisch mit dem Ziel der CO2-Senkung geförderte Dieselboom ist für ihn das Musterbeispiel verfehlter Umweltpolitik: Er erhöhte die Emissionen des gesundheitsschädlichen Feinstaubs und Stickoxids. Heute weiß man zudem, dass diese Schadstoffe zusätzlich den Treibhauseffekt anheizen. Die Entwicklung der Autotechnik wird in den wichtigsten Zügen ebenso anschaulich

dargestellt wie die Auswirkungen der Schadstoffe, aber auch die unsägliche deutsche Praxis der Subventionierung von Dienstwagen. Helmers beschreibt alternative Antriebe und Kraftstoffe und vergleicht sie unter Umweltaspekten. Im Elektroauto erkennt Helmers beachtliche Effizienzvorteile, warnt aber davor, allein auf technische Lösungen zu setzen. Zu Recht identifiziert der Autor – Chemiker und Professor am Umweltcampus Birkenfeld und Mitglied im BUND-Arbeitskreis Verkehr – die hohen staatlichen Transfers an die Autoindustrie und den übermäßigen Einfluss der Autolobby auf die staatliche Gesetzgebung als das Haupthemmnis für die innovative Entwicklung umweltfreundlicherer Autos.

Eckhard Helmers: Bitte wenden Sie jetzt. Das Auto der Zukunft, 2009. 204 S., 24,90 €, Wiley

Mit allen Sinnen lernen Streuobstwiesen eignen sich ganz besonders für unterrichtsbegleitende Projekte in der Natur. Draußen lernen die Schüler mit allen Sinnen und behalten meist mehr im Gedächtnis als im Klassenzimmer. Beate Holderied, die eine Kindergruppe des BUND Weil im Schönbuch leitet, hat einen »Leitfaden für ein Schuljahr mit Obstwiesen« entwickelt – gemeinsam mit Markus Zehnder, einem Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau. Jahrelange Erfahrungen im Obstbau, im Naturschutz und bei der naturpädagogischen Arbeit mit Kindern sind hier eingeflossen. Entstanden ist eine 64-seitige Handreichung

für Schulen und interessierte Vereine, die mit bunten Bildern, Zeichnungen und einem pfiffigen Layout Kinder wie auch Erwachsene anspricht. Sie bietet alle wichtigen fachlichen Infos, ohne zu umfangreich zu werden. Insgesamt acht Aspekte – von Arten und Sorten, Pflanzung und Pflege der Obstbäume über Fauna und Flora bis zur Ernte und Verwertung – sind in einem Unterrichts- und Praxisteil beschrieben. Querverweise auf den Bildungsplan erleichtern die Einbindung in den schulischen Ablauf. Trotz vieler detailliert beschriebener Aktionen bleibt genügend Raum für eigene Ideen und Kreativität.

Bezug für 8 € unter www.bundladen.de/streuobstwiese, Tel. (0 30) 2 75 86-4 80

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Im Gespräch mit Joachim Götz

PERSÖN LIC H

Der 60-jährige Ingenieur lebt mit Frau und Kind auf einem alten Bauernhof in Blieskastel, dem Hauptort des neuen Biosphärenreservates Bliesgau im Südosten des Saarlandes.

Als eine Finanzierungsquelle haben wir den Stadtwerken unsere Fassade vermietet, für eine Solaranlage, die nach 20 Jahren in unser Eigentum übergeht.

18 Jahre hat Joachim Götz ehrenamtlich den BUND im Saarland geleitet – und zu einem vielseitigen und einflussreichen Akteur auf Landesebene gemacht.

Herr Götz, nun, da das Saarland politisch richtig spannend geworden ist – mit Deutschlands erster »Jamaikakoalition« und einer grünen Umweltministerin –, haben Sie den Vorsitz abgegeben. Bereuen Sie es schon? Nein, meinen Abschied hatte ich ja lange geplant, und meine gesellschaftliche Verpflichtung im Ehrenamt habe ich, glaube ich, erfüllt. Dennoch: Die neue Umweltministerin Simone Peter will das Saarland zur Modellregion für ein solares Zeitalter entwickeln – das sind doch neue Töne … Richtig, aber Ankündigung und Realisierung sind zwei Paar Schuhe. Vorläufig bin ich noch skeptisch, für eine solche Modellregion hätte Frau Peter etliche Hürden zu nehmen. Aber der BUND wird sie natürlich unterstützen und zugleich regelmäßig an ihre Worte erinnern.

Mehr Fragen zum BUND Saarland? Tel. (06 81) 81 37 00, www.bund-saar.de

Der BUND Saar ist der kleinste westdeutsche Landesverband. Und doch passiert hier Erstaunliches. So ist unter Ihrem Vorsitz mitten in Saarbrücken ein »Haus der Umwelt« entstanden, das sich der BUND mit vielen Verbündeten teilt. Wie kam es dazu? Analog zu einem Haus des Sportes, das damals schon bestand, hat der BUND in den 90er Jahren das Haus der Umwelt entwickelt – maßgeblich gefördert von der regionalen Toto-Gesellschaft. Die Bedingung dafür war, dass wir den anderen Umweltverbänden in zentraler Lage günstige Räumlichkeiten bieten. Insgesamt zehn Initiativen arbeiten heute mit uns unter einem Dach. Nach dem Ankauf haben wir alles komplett renoviert, nach ökologischen und energetischen Gesichtspunkten.

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BUNDmagazin [1-10]

Nutzen Sie denn die räumliche Nähe dazu, sich regelmäßig mit den anderen Verbänden auszutauschen? Ja, diesen Austausch gibt es, auch wenn die Synergieeffekte nicht ganz so groß sind wie ursprünglich geplant. Aber wir organisieren gemeinsam Aktionen und Feste. Dem ADFC haben wir eine Fahrradwerkstatt eingerichtet und für das Bio-Café im Erdgeschoss nach mehreren Anläufen eine erfolgreiche Pächterin gefunden. Das Saarland ist zum Teil industriell geprägt, stellenweise aber auch landschaftlich sehr reizvoll. Wo haben Sie als Vorsitzender Ihre Schwerpunkte gesetzt? Stark in Anspruch genommen hat mich zum Beispiel, dass das Saarland zu den Ländern mit der schlechtesten Abwasserreinigung und den höchsten Müllgebühren zählt. Zugleich produzieren die Saarländer überdurchschnittlich viel Müll. In diesem Bereich habe ich für den BUND viele Konflikte ausgetragen. Gleichzeitig haben wir immer versucht, große Naturschutzprojekte des BUND auch im Saarland zu begleiten, sei es zum Schutz der Wildkatze oder etwa der Schmetterlinge. Außerdem konnten wir viele fachliche Grundlagen für die Flüsse und Auen im Land schaffen, gemeinsam mit der Universität des Saarlandes. Dazu passt auch unser »KunterBUNDmobil«, ein umgebauter Lkw mit Mikroskopen und eigener Bibliothek. In diesem fahrbaren Erlebnis-Klassenzimmer bieten Biologen Kindern einen besonderen Zugang zur Natur, speziell zu Gewässern und Auen. Inwieweit haben Sie als Ingenieur und Hobby-Imker Ihr Fachwissen einbringen können? Dank meines beruflichen Hintergrundes wusste ich bei Gesprächen mit dem Ministerium oft genau, wovon ich rede. So gab es bei Kontrollen von Umweltstandards in Unternehmen oft erhebliche Defizite. Die Imkerei wiederum hat mir wahnsinnig interessante Einblicke in natürliche Zusammenhänge ermöglicht. Dadurch erlebt man schon die Jahreszeiten ganz anders. Ein solches Hobby kann ich gerade Technikern nur empfehlen! Herr Götz, vielen Dank für das Gespräch!

BUNDmagazin 1/2010  

Unser Mitgliedermagazin erscheint viermal im Jahr. Hier kannst du es ganz in Ruhe durchblättern.

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