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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

BUNDmagazin Friends of the Earth Germany

Postvertriebsstück • Entgelt bezahlt · Natur&Umwelt • Am Köllnischen Park 1 • 10179 Berlin

Lebendige Flüsse

www.bund.net

2/2009


FORUM Liebe Leserinnen und Leser, ein herrlich warmer Frühlingsbeginn hat uns den eisigen Winter schnell vergessen lassen. Wann wurde die Natur jemals so jäh zum Leben erweckt? Und prompt meldet der Deutsche Wetterdienst, dieser April sei der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1890 gewesen; verbunden mit der Warnung, dass der Klimawandel immer mehr an Fahrt gewinnt. Schon liegt ein Schatten über dem schönen Wetter. Kann man sich nicht einmal unbeschwert freuen? Die gleiche Frage stellte sich angesichts des kaum erwarteten Verbotes von »Mon 810« in Deutschland. Verbraucherministerin Ilse Aigner kassierte den Genmais wegen ungeklärter Risiken für Natur und Umwelt kurz vor der Aussaat ein. Ein Grund zum Feiern für den BUND, der mit vielen Verbündeten seit Jahren vor den Gefahren der »grünen Gentechnik« und den Geschäftsmodellen der Saatgut-Konzerne warnt. Doch keine zwei Wochen später war die Freude schon wieder getrübt. Da genehmigte Aigner den Anbau der Gen-Kartoffel »Amflora« aus den Laboren von BASF – versuchsweise auf 20 Hektar. Dieses »Ja – Aber« zieht sich auch durch unser Titelthema: Natürlich hat sich die Wasserqualität unserer Flüsse in den letzten Jahrzehnten deutlich gebessert. Doch immer noch werden Flüsse mit Fremdstoffen und Wärme belastet, werden Flussufer geschottert und begradigt, werden Auen mit stetig höheren Deichen von ihrem Fluss getrennt. Der BUND hat »lebendige Flüsse« zu einem Hauptziel seiner Arbeit ernannt. Wir wollen in unseren Flussauen bewahren, was an ursprünglicher Natur die Zeit überdauert hat; und wir wollen Flüsse und Bäche befreien und Auen wieder öffnen, wo immer das möglich ist – um einer beispiellos vielfältigen Tierund Pflanzenwelt neues Leben einzuhauchen. Ein wichtiges Hilfsmittel ist dabei übrigens die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Aus Brüssel kommt heute ein Großteil unseres Umweltrechtes. Gehen Sie also wählen am 7. Juni, und wählen Sie umweltbewusste Volksvertreter ins neue Europaparlament! Viel Spaß beim Lesen dieses BUNDmagazins wünscht Ihr

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MAGAZI N 6

Kurznachrichten

KOMMENTAR 10 … zur Europawahl TITELTH EMA 12 Lebendige Flüsse 13 Fülle und Vielfalt 15 Chance zur Wiedergutmachung 18 Karte der BUND-Projekte 20 Von der Quelle bis zur Mündung 22 Artenschutz – auch unterirdisch 23 Weltwasserforum 2009

S. 12: Lebendige Flüsse … bilden eines der wichtigsten Anliegen des BUND. Lesen Sie in unserem Titelthema, warum sich der BUND für eine Revitalisierung der Flüsse und Auen engagiert.

AKTION 24 Schwimmen und Rocken für die Flüsse DEUTSC H E NATIONALPAR KE 26 Kellerwald-Edersee SERVIC E 28 Der Kartoffelfaktor ZU R ZEIT 29 Effizient ist nicht gleich sparsam 30 BUND-aktiv im Netz

S. 26: Nationalpark Kellerwald Mehr Lob als Tadel: Eineinhalb Jahre nach Beginn unserer Nationalparkserie können wir zur Abwechslung mal einen gut geführten Park präsentieren!

31 Wachsen, ohne pleitezugehen AKTIV 34 Neues von BUND & BUNDjugend 40 Internationales MAR KTPLATZ 42 Kleinanzeigen MEDI EN 44 Interessante neue Bücher

Redaktion BUNDmagazin

I N HALT

Leserbriefe / Impressum

S. 10 + 40: Zur Europawahl … … am 7. Juni mobilisieren der BUND und sein Netzwerk »Friends of the Earth«.

PERSÖN LIC H 46 Diethardt Böttger

[2-09] BUNDmagazin

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Nur über die Kfz-Steuer sind Autos zu belasten, die mehr Stickoxide, Feinstaub und Kohlenwasserstoffe emittieren als andere – in diversen Schadstoffklassen (Euro-Normen). Nur so gelang der Durchbruch für Katalysator und Partikelfilter! Eine Umlegung auf den Spritpreis, der damit nur leicht stiege, hätte kaum eine ökologische Lenkungswirkung.

FORUM

Titel der Ausgabe 1/09

Die Autokrise

Die Redaktion freut sich über jeden Leserbrief, behält sich aber Kürzungen vor. Eine größere Auswahl von Leserbriefen finden Sie ab sofort unter www.bund.net/ bundmagazin – schon etwa vier Wochen, nachdem die neue Ausgabe erschienen ist.

Der BUND kritisiert die neuen KfzSteuerpläne der Bundesregierung und fordert einen strikt am CO2Ausstoß orientierten Tarif. Dies aber wäre nur die zweitbeste Lösung. Warum schließt sich der BUND (und auch die Grünen) nicht dem Vorschlag der FDP-Bundestagsfraktion an, welche die Abschaffung der Kfz-Steuer und die Umlegung auf die Kraftstoffpreise fordert? Nur der Besitz eines Autos schadet ja nicht dem Klima (abgesehen vom Energieaufwand für seine Herstellung). Allein ausschlaggebend ist, wie viel ich mit dem Auto fahre. Wer viel Kraftstoff verbraucht, zahlt viel. Fahre ich mit meiner alten »Dreckschleuder« nur wenig und benutze hauptsächlich öffentliche Verkehrsmittel, verbraucht mein Auto in der Summe immer noch weniger als das Auto eines Vielfahrers mit neuester Motorentechnik. Roland Pfrommer, Calw

IMPRESSUM Das BUNDmagazin ist die Mitgliederzeitschrift des BUND und erscheint viermal im Jahr. Herausgeber: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) – Friends of the Earth Germany Redaktion: Dr. Norbert Franck (V.i.S.d.P.), Severin Zillich (C.v.D.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, ꇴ 0 30/2 75 86-4 57, Fax -4 40, redaktion@bund. net, www.bund.net. Unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos werden sorgfältig behandelt; eine Haftung wird nicht übernommen. Gestaltung, Produktion: Claudia Gunkel (Produktionsleitung), Marc Venner (Grafik/Layout), Rudolf Gorbach (Grundlayout)

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BUNDmagazin [2-09]

Sie raten, nicht auf Elektroautos zu warten. Richtig: Schließlich gibt es ja schon welche, wenn auch von vielen (auch Ihnen) unbemerkt. Die Automobilindustrie tut nur so, als müsste das Elektroauto erst erfunden werden. Ich fahre seit viereinhalb Jahren ein Twike, Baujahr 1996. Es erfüllt alle Erwartungen, die ich an ein Zweitauto stelle. Es bringt mich bei der Fahrt zur Arbeit zum nächsten Bahnhof; ich kann alle alltäglichen Einkäufe damit erledigen. Betankt wird es mit Ökostrom. Dann lese ich weiter: »Noch sind keine alltagstauglichen Elektroautos im Angebot.« Genau diese Einstellung sorgt dafür, dass das Elektroauto nicht in Schwung kommt. Ich gebe zu, dass es noch keine familientauglichen Elektroautos gibt. Aber für Berufspendler und Nahstrecken gibt es durchaus interessante Angebote. Dr. Roland Schulé, Waldachtal Zum früheren Misserfolg der supersparsamen Autos: Als damals der Lupo 3L auf den Markt kam, habe ich mich für dieses Auto interessiert. Beim freundlichen VW-Händler gab es keinen Prospekt, außerdem wurde mir dringend von die-

Titelbild 2/09 (13. Jg.): Lippeaue bei Werne (Hans Blossey/Das Fotoarchiv) Verlag: Natur & Umwelt Verlags-GmbH, Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin Mitgliederservice: ꇴ 0 30/2 75 86-479, Fax -4 40, mitgliederservice@bund.net Bezugspreis: für Mitglieder im Beitrag enthalten; für Nichtmitglieder 15 Euro/Jahr Anzeigenverwaltung: Hanne Reinhardt, Zweiplus Medienagentur, Pallaswiesenstr. 109, 64293 Darmstadt, ꇴ 0 61 51/8 12 70, Fax: /89 30 98. Es gilt der Anzeigentarif Nr. 16. Druck: Brühlsche Universitätsdruckerei GmbH & Co KG Papier: 100 % Recycling, glänzend gestrichen Spenden: Der BUND benötigt für seine Arbeit

sem Auto abgeraten. Das Gleiche habe ich ein paar Jahre später beim Polo »Blue Motion« erlebt. Die Hersteller dieser Autos wollen offenbar zeigen, dass keiner sie will – was beim Lupo 3L ja auch gelungen ist. Burkhard Karrenbrock, Sabershausen Ein Foto Ihres Titelthemas zeigt angeblich eine Spielstraße, in Wirklichkeit aber nur einen verkehrsberuhigten Bereich. Richtig wäre das runde Schild mit rotem Rand plus einem kleinen eckigen Zusatzschild mit laufendem Kind und Ball. Warum ist dieser Hinweis so wichtig? Der verkehrsberuhigte Bereich ist häufig ein Kompromiss zwischen Interessengruppen. Wirklichen Vorrang haben in Deutschland immer noch Sachen (hier: Autos). Eine echte Spielstraße gibt uns Menschen, vor allem unseren Kindern, Vorrang. Geraldine Piper und Olaf Bührke, Hannover Sie sind ausführlich auf die Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise und besonders auf den Autoverkehr eingegangen. Alternativen aber erwähnen Sie kaum. Dabei hätte sich viel Autoverkehr einsparen lassen, wenn man nur auf die Schließung von Eisenbahnstrecken in den letzten Jahrzehnten verzichtet hätte. Umweltgerechtere Autos und sparsameres Autofahren machen m.E. nicht die Umweltbelastung wett, die durch den verstärkten Trend von der Schiene zur Straße entstanden ist. Außerdem brauchen wir dringend eine andere Wirtschaftsweise, die nicht auf Wachstum angewiesen ist. Prof. Dr. Reinhard Börger, Hagen

über die Mitgliedsbeiträge hinaus Unterstützung. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Bitte überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto Nr. 232 der Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98. Danke! (siehe dazu: www.bund.net/spenden) Copyright: Alle Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck oder sonstige Verwertung nur mit schriftlicher Einwilligung des Verlages. Auflage: 260 000 Exemplare Beilagen: Diese Ausgabe enthält Beilagen von GEO und Humanitas Buchversand sowie (in einer Teilauflage) vom Atlas Verlag. Das BUNDmagazin 3/09 erscheint am 15. August mit dem Titelthema »Bundestagswahl«.


Ihre Informationen über Heizungspumpen sind nicht realitätsnah. Unser Haus – 30 Jahre alt, ca. 150 m2, dreistufige Heizungspumpe (ca. 17 Jahre alt), vom Installateur auf 55 Watt eingestellt – lässt sich gut auch bei Stufe 1 mit 30 Watt heizen. Übers ganze Jahr wären das 263 kWh. Da die Pumpe nur ca. 200 Tage je 16 h läuft, bleiben ca. 100 kWh – vergleichbar einer neuen Pumpe. Also, liebe BUND-Mitglieder, bitte erst rechnen, dann die Heizungspumpe drosseln und das Gesparte dem BUND für lohnendere Zwecke spenden! Helmut Schulz, Schopfheim In einigen Fällen lässt sich die Pumpenleistung tatsächlich vermindern. Mehrheitlich aber sind die Pumpen dreifach zu großzügig ausgelegt – hier lohnt sich der Austausch immer. Der BUND empfiehlt eine Prüfung unter www.bund.net/ pumpencheck – und anschließend einen Fachbetrieb. Leider ist der – zu Recht – propagierte Austausch der Heizungspumpen nicht immer so einfach möglich. Bei manchen an der Wand hängenden Heizungen aus den 1980er Jahren sind die Pumpen innen eingebaut und nicht auszutauschen. Um eine moderne energiesparende Pumpe zu erhalten, muss man dann gleich eine neue Heizung kaufen. Dr. Hans-Joachim Grommelt, Gießen

Nationalpark Vorpommersche Boddenküste Da haben wir nun diese wunderbaren Nationalparke, und jetzt werden sie nicht geschützt und gepflegt! Woran – vor allem: an wem – das liegt, erklären Sie nicht. Sie werfen dem Nationalparkamt »jahrelanges Missmanagement« vor: Können die nicht (weil sie zu wenig Personal haben?) oder wollen sie nicht? Was heißt es, dass »die Förster stärker eingreifen« – dürfen die machen, was sie wollen? Wer lässt zu viel Wild auf diese Wälder los, und warum? Wessen Interesse vertreten CDU und FDP, wenn sie im Landtag gegen Naturschutz stimmen? Der Artikel schließt mit 15 Zeilen Tourismuswerbung: schön und gut, aber hätte man nicht besser Hintergründe ausgeleuchtet und Verantwortliche benannt? Warum heißt diese Einrichtung denn »Nationalpark«, wenn zwei Parteien in einem provinziellen Landtag etwas durchsetzen können, was dem nationalen Naturerbe schadet? Wäre das ein Schulaufsatz und ich ein Lehrer, hätte ich gesagt: nachsitzen, noch mal schärfer schreiben! Nix für ungut: Ich habe den Artikel trotzdem gern gelesen. Prof. Dr. Diethart Kerbs, Berlin Beiträge, die zeigen, dass auch in Schutzgebieten nicht alles eitel Sonnenschein ist, bereichern das BUNDmagazin erheblich. Hier erwecken Sie jedoch den Eindruck, als seien primär überhöhte Wildbestände und nicht die fragwürdige Strategie der Forstverwaltung das Hauptproblem im DarßWald. Ist das viele Rotwild tatsächlich »naturfern«? Markante Bestände großer Pflanzenfresser schaffen lichte Wälder mit erheblich mehr Artenreichtum als in straff bejagten Wirtschaftsforsten. Vorausgesetzt, es wird nicht gefüttert, sollten die Bestände dieser Pflanzenfresser im Sinne des Prozessnaturschutzes in Nationalparken durchaus tolerabel sein, wie dies etwa im Schweizer Nationalpark der Fall ist. Dr. Florian Thienel, Quakenbrück

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Neue Heizungspumpe?


Der BUND …

BUND erhält Gütesiegel

Kompakt

Mit gutem Beispiel voran

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ofür steht der BUND? Was ist sein Anliegen? Wie und wo setzt er sich für Natur und Umwelt ein? »Unabhängig, kompetent, vor Ort und weltweit« – so lautet die Unterzeile eines neuen Faltblattes, mit dem der BUND sich und seine wichtigsten Projekte und Publikationen kurz vorstellt. Zum Weiterreichen an alle, die für ihr Engagement die Unterstützung eines erfolgreichen Umweltverbandes suchen. Sie erhalten das Faltblatt kostenlos im BUNDladen, Tel. 0 30/2 75 86-4 80, Fax: -4 66, bundladen@bund. net, www.bundladen.de

m Dezember wurden die Berliner Geschäftsstellen der Bundesverbände von BUND und BUNDjugend sowie der Natur & Umwelt-GmbH am Köllnischen Park 1 eingehend überprüft: Wie glaubhaft achtet der BUND in seinen eigenen vier Wänden auf optimalen Umweltschutz? Das Ergebnis war positiv: Unser Umweltmanagement bekam das EMAS-Logo (= Eco-Management and Audit Scheme). Der BUND ist stolz auf diese Auszeichnung, würdigt sie doch die stete Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes. Nun können wir unser Engagement für Umwelt und Nachhaltigkeit auch auf diese Weise glaubhaft vermitteln und alle MitarbeiterInnen motivieren, aktiv an einem »grünen« Arbeitsumfeld mitzuwirken.

Der BUND stellt nicht nur politische Forderungen, sondern geht mit gutem Beispiel voran. Auf die Prüfung hatten sich die Geschäftsstellen penibel vorbereitet: So wurden direkt messbare (Wasser-, Energie- und Materialverbrauch) sowie indirekte Umweltaspekte (etwa produktbezogene Auswirkungen, Dienstleistungen) benannt und bewertet. Wo immer möglich wurde der Umwelteinfluss gezielt reduziert. Dies ist ein fortlaufender Prozess, der das Umweltteam im BUND auch in Zukunft fordern wird. Unter www.bund.net/emas finden Sie die Umwelterklärung des BUND und die EMAS-Leitlinien.

30 Jahre deutsche Biosphärenreservate

Ein Grund zum Feiern?

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ie Dachorganisation der Nationalen Naturlandschaften, Europarc Deutschland, hat 2009 zum »Jahr der Biosphärenreservate« ausgerufen. Anlass ist die Anerkennung der ersten deutschen Unesco-Biosphärenreservate vor 30 Jahren: Vessertal im Thüringer Wald und Steckby-Lödderitzer Forst nahe Dessau. Arno Weiß, BSR Pfälzerwald

MAGAZI N

Inzwischen gibt es 13 deutsche Biosphärenreservate. Über die Bewerbungen des Bliesgaus im Saarland und der Schwäbischen Alb wird die Unesco Ende Mai entscheiden. Zum »Tag der Parke« am 24. Mai werden die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt erreichen. Ein guter Anlass, um auf zwei große Defizite hinzuweisen: So fordert ein wesentliches Kriterium, mindestens 3 % der Gesamtfläche als Kernzone auszuweisen – Gebiete, in denen sich die Natur vom Menschen unbeeinflusst entwickeln kann, wo natürliche, dynamische Prozesse möglich sind, wie sie für intakte Ökosysteme typisch sind. Doch in fünf Biosphärenreservaten ist der Anteil dieser Kernzonen kleiner: in der Flusslandschaft Elbe (0,8 %), im Spreewald und Pfälzerwald (2,1 %), in der Rhön (2,7 %) und der Schorfheide (2,8 %). Wo genau liegt nun das Problem? Sobald Naturschutz mit Nutzungs-

interessen kollidiert, fehlt der Politik der Mut zur Durchsetzung. Mindestens 10 000 Hektar Kernzone müssten in den fünf Reservaten noch ausgewiesen werden. Es ist höchste Zeit, dass die verantwortlichen Bundesländer geeignete Wälder aus der Nutzung nehmen und der natürlichen Dynamik überlassen. Eine weitere zentrale Aufgabe der Biosphärenreservate ist die Umweltbildung und Information der BesucherInnen. Insgesamt 111 Ranger sind momentan in den Reservaten angestellt. Neben der Gebietskontrolle sollen sie speziell für Bildung und Information zur Verfügung stehen. Jeder Ranger betreut somit durchschnittlich immerhin 105 km². Auch hier sieht der BUND großen Nachholbedarf. Heidrun Heidecke, Koordinatorin Naturschutz, Tel. 0 30/2 75 86-4 95, heidrun.heidecke@bund.net

Zu wenig Wildnis: Blick vom Hochsteinfelsen in den südlichen Pfälzerwald.

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BUNDmagazin [2-09]


Wo stehen die ältesten, größten, schönsten und bedeutendsten Bäume Deutschlands? Bernd Ullrich sowie Uwe und Stefan Kühn haben über ein Vierteljahrhundert recherchiert – und die Baumveteranen fotografiert: uralte Linden und Eichen, mächtige Buchen und Tannen, aber auch eindrucksvolle Exemplare vieler Baumarten, die seltener und kurzlebiger sind. Entstanden ist ein wunderbarer Reiseführer, der große Lust darauf macht, möglichst viele der Bäume persönlich aufzusuchen.

Fotowettbewerb

Allee des Jahres gesucht

Unsere 500 ältesten Bäume, 320 S., 405 Farbfotos, 19,95 Euro, BLV Verlag

S

ind Sie in Ihrem letzten Urlaub wieder einmal durch eine wunderschöne Allee gefahren? Oder haben Sie eine Straße voller alter Baumriesen direkt vor der Haustür? Dann kennen Sie sicher dieses ehrfürchtige Staunen über eine schier endlose Reihe knorriger, alter Bäume, an der zuweilen schon Kaiser und Könige vorübergezogen sind. Welche Allee ist für Sie die schönste, die interessanteste, die ungewöhnlichste? Senden Sie uns ein Foto! Im Rahmen des BUNDAlleenprojektes rufen die Landesverbände Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt dazu auf, Vorschläge für die »Allee des Jahres« einzureichen. Bitte fügen Sie Ihrem Foto einen Kommentar an, was Sie an dieser einen Allee besonders schätzen. Aus allen Einsendungen kürt eine Jury im September die bundesweit eindrucksvollste Allee. Sie soll am 20. Oktober zum »Tag der Allee« öffentlich präsentiert werden.

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Mehr über den Wettbewerb erfahren Sie unter www.alleedes-jahres.de; Kontakt: BUND S.-Anhalt, Julia Wendenkampf, Tel. 03 91/56 30 78 10, alleenwettbewerb@ bund.net

Die letztjährige Allee des Jahres auf Rügen.

[2-09] BUNDmagazin

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Naturstrom statt Atomstrom

MAGAZI N

Jeder Wechsel zählt!

D Ratgeber aktualisiert

Bewusst entscheiden

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Die Sonderdrucke erhalten Sie gratis im BUNDladen, Tel. 0 30/2 75 864 80, bundladen@ bund.net, www. bundladen.de

nter dem Motto »Besser leben« haben wir vier BUND-Ratgeber aktualisiert. Wie legen Sie Ihr Geld ethisch-ökologisch korrekt an? Was sind die Vorteile von Biolebensmitteln, welchen Siegeln können Sie vertrauen? Wie sind Sie umweltschonend mobil? Und wie gehen Sie bei der Urlaubsplanung vor, damit Ihr Umweltbewusstsein nicht daheimbleibt? Sichern Sie sich die Gratisblätter: für Ihre eigenen guten Vorsätze; zur Weitergabe an Freunde/Bekannte, die Sie überzeugen wollen; als persönliche Argumentationshilfe; oder für den nächsten Auftritt Ihrer BUND-Gruppe.

Der BUND ist dabei: www.bund. net/atomkraft

as Jahr 2009 wird zu einer wichtigen Richtungsentscheidung für die Zukunft der Atomkraft in Deutschland. Die zentrale Frage ist: Geht es endlich los mit dem Atomausstieg, oder sollen die alten und gefährlichen AKW noch lange Jahre weiterlaufen? Die Risiken der Atomenergie sind nach wie vor ungebannt. Deshalb kämpft der BUND dafür, dass endlich weitere Meiler vom Netz gehen. Sie können dies unterstützen, indem Sie Ihren eigenen Atomausstieg vollziehen. Der BUND und der Stromanbieter Naturstrom starten dazu die Wechselkampagne »Naturstrom statt Atomstrom«. Die Firma Naturstrom bietet 100 % erneuerbare Energien – Sonne, Wasser, Wind und Biogas; 100 % fairen Preis und Preisgarantie bis 31. März 2010; 100% Qualität – zertifiziert mit dem Grüne-Strom-Label und laufend überprüft; 100 % Unabhängigkeit – keine Verflechtung mit der Atom- und Kohleindustrie; und 100% sichere Belieferung – garantiert. Der Wechsel ist ganz problemlos – jeder kann wechseln, egal ob Mieter, Eigenheimbesitzer, Privatperson oder Gewerbetreibender. Einfach die Hotline für den BUND, Tel. 02 11/77 90 02 33 anrufen oder im Internet unter »www.bundladen.de/marktplatz« klicken. Der BUND profitiert von jedem neuen Kunden. Denn Naturstrom unterstützt die Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit des BUND zum Atomausstieg und zahlt pro Wechsel 25 Euro an den BUND.

Ökotipp

Schöner leben

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ede Woche verbreitet der BUND einen Ökotipp. Bewährte Hausrezepte finden sich hier nicht selten neben neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Viele große und kleine Zeitungen veröffentlichen die

BUND-Ökotipps regelmäßig. Auch Privatpersonen können sie kostenlos über den E-Mail-Verteiler des BUND abonnieren. Die gesammelten Tipps finden Sie unter www.bund.net/oekotipps.

Vorsicht vor Gift im Spielzeug Giftiges Blei in Spielzeugautos, hormonell wirkende Weichmacher in Puppen, krebserregende Nitrosamine in Luftballons: Immer wieder werden hohe Konzentrationen gefährlicher Chemikalien in Kinderspielzeug nachgewiesen. Die neue EU-Spielzeugrichtlinie hat einzelne Grenzwerte, etwa für Blei, zu hoch angesetzt. Eltern sollten deshalb ein paar Hinweise beachten: • Auf Prüfsiegel achten: Kaufen Sie nur Spielsachen mit dem Prüfsiegel eines unabhängigen Kontrolleurs (wie TÜV oder Landesgewerbeanstalten). »CE« ist kein Gütesiegel, sondern die Bestätigung des Herstellers, dass das Produkt den EU-Richtlinien entspricht – ohne dass dies von unabhängiger Seite überprüft wurde. • Den Sinnen trauen: Stark riechendes Spielzeug enthält häufig ausgasende Stoffe, die die Gesundheit gefährden, etwa Formaldehyd in

Bezug (+ Versandkosten): info@ bundjugend.de, Tel. 030/27586-585

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BUNDmagazin [2-09]

Holzpuzzles oder Weichmacher in Kunststoffartikeln. Weich-PVC ist meist gut zu erkennen: durch glänzende, typisch riechende, speckige Oberflächen etwa von aufblasbaren Freizeitartikeln oder Plastiktieren. • Spielzeug kontrollieren: Spielzeug, an dem die Farbe abblättert oder an dem der Geruch sich verändert, hat in Kinderhänden nichts zu suchen. • Qualität kaufen: Grundsätzlich rät der BUND, wenig und dafür qualitativ hochwertiges Spielzeug zu kaufen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass sehr billiges Spielzeug gefährliche Stoffe enthält, ist relativ hoch. Mehr dazu unter www.bund.net /chemie und bei Heribert Wefers, Tel. 0 30/2 75 86-4 82; die Broschüre »gib acht« der BUNDjugend informiert auf 20 Seiten Kinder und Jugendliche, welche Spielsachen – aber auch Textilien oder Nahrungsmittel – bedenklich sein könnten.


KURZ + GUT »Only bad news is good news« heißt es unter Medienleuten, vor allem schlechte Nachrichten erregen demnach unsere Aufmerksamkeit. Doch positive Nachrichten aus dem Umwelt- und Naturschutz tun einfach gut. Deshalb finden Sie hier kleine bunte Meldungen der letzten Zeit, über die wir uns gefreut haben. 씰 Der BUND begrüßt die vom EU-Parlament verabschiedete Novel-Food-Verordnung. Danach muss der Einsatz von Nanomaterialien in Lebensmitteln künftig gekennzeichnet und vor der Zulassung umfassend überprüft werden. Die vorgeschriebenen Testverfahren gibt es bislang noch nicht, so dass der Beschluss des Parlaments ein Moratorium für den Einsatz von Nanopartikeln in Lebensmitteln bedeutet. 씰 Die Laufzeit der beiden AKW Brunsbüttel und Biblis A wird nicht verlängert. Vattenfall und RWE scheiterten vor dem Bundesverwaltungsgericht mit ihrer Forderung, »Reststrom« des lange stillgelegten Kraftwerks MülheimKärlich auf die beiden über 30 Jahre alten Meiler zu übertragen. Die Richter bestätigten damit das Atomgesetz. 씰 Soll man sich freuen, wenn andere einen Schaden erleiden, vor dem man sie vorher erfolglos gewarnt hat?

Nein. Aber der BUND lag schon richtig, als er sich vor einigen Jahren vielerorts gegen das »Cross Border Leasing« engagierte – riskante Pachtgeschäfte mit Übersee, die kurzfristig einen Millionenprofit versprachen. Kommunen, die sich damals darauf eingelassen haben, drohen nun riesige Schulden. Gut also, dass seriöses Finanzgebaren auch heute nicht zum Nachteil gereicht. 씰 Polens Rospuda-Tal gerettet: Ende März gab Premierminister Donald Tusk bekannt, dass eine geplante Umgehungsstraße endgültig nicht das Rospuda-Tal im Augustów-Urwald durchschneiden wird. Wald und Moorlandschaft gehören zu den landesweit wichtigsten Refugien für seltene Arten wie Wolf, Auer- und Haselhuhn, Schreiadler und Weißrückenspecht, Frauenschuh und Korallenwurz. Die Straße wird nun an dem europarechtlich geschützten Tal vorbeigeleitet.

Schleswig-Holstein

Ein Blick auf die Knicks

M

it einer Checkliste engagiert sich der Arbeitskreis Naturschutz des BUND in Schleswig-Holstein für die Knicks benannten Wallhecken. Kreisgruppen und einzelne BUND-Aktive dokumentieren damit geschädigte und falsch behandelte Knicks in ihrer Umgebung. Wallhecken sind im waldarmen SchleswigHolstein ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Für Vögel wie Goldammer, Heckenbraunelle und Dorngrasmücke sind sie in der Feldflur der einzige Nistplatz. Wertvoll sind die Knicks auch, da sie verstreute Waldstücke miteinander verbinden. Ihr Schutz ist deshalb ein wichtiges Anliegen des BUND. Aktiv wurde der BUND, da der Landesumwelt- und Agrarminister den gesetzlichen Schutz der Knicks mehr und mehr aufweicht. So wird immer häufiger die Beseitigung der Hecken oder eine schädliche »Pflege« erlaubt. Fehlende Kontrollen beschleunigen den Verfall des etwa 250 Jahre alten und noch 45 000 km langen Knicknetzes. Hecken in fast gleicher Länge sind in den letzten Jahrzehnten be-

reits der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Während Knicks den Bauern einst zum Schutz ihrer Felder vor Weidevieh und Wind dienten, gelten sie heute oft nur mehr als Hindernis, als unproduktive Fläche, als etwas, das Arbeit verursacht. Entsprechend rabiat behandeln viele Bauern sie. Gegen die Überprüfung der Knicks macht folglich der Bauernverband Stimmung, von Bespitzelei und Denunziantentum ist die Rede, und von unwissenschaftlicher Bestandsaufnahme. Die BUNDKreisgruppen aber wollen ihre Recherche nicht dafür verwenden, gesetzeswidrige Misshandlungen der Knicks anzuzeigen. Sie möchten vielmehr ihre Forderung nach einem besseren Schutz der Knicks untermauern. Auch soll künftig belohnt werden, wer seine Knicks ökologisch vorbildlich pflegt. Ein vorläufiges Ergebnis seines »Knick-Checks« will der BUND noch im Mai bekannt geben. Kontakt: Landesarbeitskreis Naturschutz, reinhard.degener@t-online.de

Damit die für Norddeutschland so typischen Wallhecken nicht immer häufiger enden wie im Bild oben, setzt sich der BUND in Schleswig-Holstein für ihren Schutz ein.

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Europawahl

KOMMENTAR

Ihre Stimme für Natur- und Klimaschutz Der Autor Prof. Hubert Weiger ist Vorsitzender des BUND.

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en ersten Sonntag im Juni sollten Sie sich rot in Ihrem Kalender markieren. Verpassen Sie nicht die Chance, für ein klimafreundliches und nachhaltiges Europa zu stimmen. Denn am 7. Juni stehen europaweit 785 Abgeordnete zur Wahl, 99 davon entsendet Deutschland. Die Bedeutung des Europäischen Parlaments ist deutlich größer als früher! Unsere Volksvertreter in Brüssel nehmen auf die europäische Gesetzgebung vielfach ebenso großen Einfluss wie der Rat der EU, der sich aus den Regierungen der Mitgliedsstaaten zusammensetzt. Gleichzeitig sind die meisten der in Deutschland gültigen Gesetze – gerade im Umweltbereich – auf EU-Rechtsakte zurückzuführen, die in Brüssel verabschiedet wurden. Das Europäische Parlament wird den nächsten EUHaushalt also maßgeblich mitgestalten. Und dieser Haushalt legt fest, welchen Stellenwert Investitionen haben werden, die dem Artenschutz, nachhaltiger Ressourcennutzung, einer Agrarpolitik im Einklang mit der Natur, klimafreundlicher Energieversorgung und emissionsarmen Verkehrsmodellen dienen werden. Mit unserer Stimme können wir beeinflussen, wie es weitergeht mit der Sicherung der FFH-Richtlinie, mit Europas Position im globalen Klimaschutz, der Verbreitung erneuerbarer Energien in der EU, der Förderung des ökologischen Landbaus und Lebensmitteln ohne Gentechnik und Nanotechnologie – ob es also gelingen wird, die EU endlich zu einer Umweltunion zu machen. Denn Umweltprobleme werden in den Hintergrund gedrängt von der Sorge um die Erhaltung des industriellen Wirtschaftssystems, um Arbeitsplätze und soziale Sicherung. Schon vor der Finanzkrise berief die EU eine Kommission zum Abbau der Bürokratie, die wirtschaftshemmende Vorschriften identifizieren sollte. Ins Visier gerieten vor allem die Umweltvorschriften.

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BUNDmagazin [2-09]

Denn der Schutz der Umwelt gilt von jeher als Wirtschaftshemmnis, während ein schrankenloses Wirtschaftswachstum das Allheilmittel bleibt. Doch wer so verfährt, ignoriert, dass Umweltschäden der Zukunft uns teuer zu stehen kommen können. Der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Sir Nicholas Stern, rechnet damit, dass unterlassener Klimaschutz fünf Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes kostet. Nach Schätzungen der EU könnte allein der laufende Verlust der Artenvielfalt die Weltwirtschaft mit 14 Billionen Euro belasten. Was Greenpeace so treffend formuliert hat, gilt auch für die Biodiversität: »Wäre die Welt eine Bank, so hättet ihr sie längst gerettet.« Die EU hat die Chance, der Welt zu beweisen, dass sich Investitionen, die dem Primat der Nachhaltigkeit genügen, langfristig auszahlen. Dass eine Union der Ressourceneffizienz und -suffizienz ihre Bürger auf Dauer besserstellt, weil sie sich weniger um versiegende Rohstoffe sorgen muss. Dass der Wandel unserer Wirtschaft zu dezentralen Strukturen möglich ist und die »grüne Wirtschaft« Millionen von Jobs birgt. Und dass die Millionen, die wir heute in Klima- und Artenschutz investieren, uns morgen vor einer milliardenteuren Anpassung bewahren. Europawahlen haben in Deutschland traditionell die geringste Wahlbeteiligung. Umso größer ist das Gewicht jeder einzelnen abgegebenen Stimme. Wer nicht zur Wahl geht, lässt andere entscheiden! Befragen Sie doch Ihre EuropakandidatInnen konkret zur Zukunft der Europäischen Union als Umwelt- und Sozialunion. Und wenn diese schon bisher im Parlament saßen, wie sie dort konkret über dringende Anliegen des Natur- und Umweltschutzes abgestimmt haben. Wir entscheiden als Wähler mit, ob sich die EU als Motor kurzfristiger renditeorientierter Wachstumsinteressen der Global Players versteht – oder als Motor eines zukunftsfähigen, nachhaltigen Europas.

Weitere Umweltinformationen zur Europawahl unter www.eu-koordination.de (Europawahlen 2009) und www.electioncampaign.eu.


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4. Auftragserteilung Ich beauftrage die NaturStromHandel GmbH mit der Lieferung von elektrischer Energie in Höhe meines Gesamtbedarfs für die oben bezeichnete Stromabnahmestelle. Ich beauftrage und bevollmächtige die NaturStromHandel GmbH, meinen gegenwärtigen, mit dem bisherigen Stromversorger bestehenden Stromversorgungsvertrag zu kündigen und, sofern notwendig, die erforderlichen Verträge mit dem örtlichen Netzbetreiber abzuschließen. Ich ermächtige die NaturStromHandel GmbH hiermit widerruflich, die fälligen Abschlags- und Rechnungsbeträge von folgendem Konto einzuziehen:

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Dieter Scherf (l.) · Peter Beeck · Andreas Hartl/OKAPIA

TITELTH EMA

Badende an der Donau – im letzten Sommer oberhalb von Vilshofen.

Lebendige Flüsse Trügen die Vorzeichen, oder kommt die Politik im Umgang mit einem unserer wichtigsten Lebensräume tatsächlich langsam zur Besinnung? Für uns Menschen wie für die biologische Vielfalt sind Flüsse und ihre Auen seit jeher von größter Bedeutung. Doch zwischenzeitlich drohte der Wert intakter Flusslandschaften in Vergessenheit zu geraten. Über Jahrzehnte dienten die Flüsse als Müllkippe, Wasserstraße und Stromlieferant. Und die Auen wurden fast überall ihrer wilden Schönheit beraubt. Erst verheerende Hochwasser zeigten, dass es so nicht weitergehen kann. Nun entdecken wir unsere Flüsse wieder. Lesen Sie in unserem Titelthema, warum es sich vielfach bezahlt machen wird, ihnen einen Teil ihrer früheren Freiheit zurückzugeben. Lebendigen Flüssen gehört die Zukunft!

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BUNDmagazin [2-09]


Flüsse und Auen

Fülle und Vielfalt Natürliche Flussauen bilden die artenreichsten unserer Lebensräume. Die unvergleichliche Vitalität ihrer Wälder lässt sich hierzulande nur noch an wenigen Orten erahnen. Für die einstige Vielfalt des Lebens im Fluss können die Wanderfische stehen. Aus Deutschland sind sie beinahe völlig verschwunden. Beiden – Auwäldern wie Wanderfischen – will der BUND eine Zukunft geben.

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ie biologische Vielfalt der Flüsse spiegeln am markantesten die Fische wider – eine wohl selbst unter BUND-Mitgliedern weitgehend unbekannte Tiergruppe. Unsere Artenkenntnis reicht über die Speisekarte meist kaum hinaus. Oder wussten Sie, dass es in deutschen Flüssen und Seen an die hundert verschiedene Arten gibt? Allein die Namen: Giebel, Döbel, Zobel, Ziege, Nase, Blei und Ukelei … Von gefährdeten Fischen hören wir meist im Zusammenhang mit der Überfischung der Meere.

Hausen – oder Belugastör – ist früher bis hinauf nach Straubing gewandert. Das größte jemals gefangene Exemplar war kaum glaubliche sechs Meter lang. Ein wesentlich kleinerer Räuber hat in der Donau und einigen Nebenflüssen bis heute überlebt: der Huchen. Dieser Lachsverwandte lebt ständig im Süßwasser, zieht zum Laichen stromaufwärts (wie übrigens auch die Barbe) und wird über einen Meter lang. Ungleich bekannter ist der etwa gleich große Atlantische Lachs, der einst von Nord- und Ostsee aus die Flüsse in großer Zahl hinaufstieg. Zwischenzeitlich ausgestorben, finden heute dank aufwendiger Ansiedlungsprogramme einzelne Exemplare wieder in Rhein und Elbe zurück – ein schwacher Abglanz der früheren Fülle: 1885 fing man im Rhein, dem einmal wichtigsten Lachsfluss Europas, 250 000 Tiere …

Dagegen ist die über Jahrhunderte ergiebige Befischung unserer Flüsse bereits Geschichte. Teils trugen die Flussfischer selbst dazu bei. Doch das Todesurteil für einige der auffälligsten Arten unserer Flüsse sprach die Industrialisierung: durch die zeitweise eklatante Verschmutzung vieler Flüsse; und durch ihre systematische Kanalisierung und Verbauung mit Staustufen. Nun hat sich die Qualität des Flusswassers vielerorts sehr verbessert. Doch die Naturferne vieler Flüsse bleibt in Beton gegossen. Und wo Flüsse wie die Elbe, die Havel oder streckenweise die Donau noch halbwegs frei dahinströmen, müssen sie von Umweltverbänden wie dem BUND permanent gegen den Zugriff der Wasserbauer verteidigt werden. Warum die Mühe?

Sehr ähnlich ist die Lebensweise der stark bedrohten Meerforelle; sie stirbt jedoch nicht nach dem Ablaichen, sondern schafft den Weg zurück ins Meer. Mit dem Lachs gingen im 19. Jahrhundert auch Hunderttausende aufsteigender Maifische in die Netze der Flussfischer. Diese Heringsart ist wie Huchen und Lachs heute vom Aussterben bedroht. Im Rhein soll sie wieder heimisch werden: Letztes Jahr wurden hier die ersten von (geplant) fünf Millionen Maifischlarven ausgesetzt. Umgekehrt zieht der Europäische Aal zum Laichen ins Meer: Sein fast 20-jähriger Lebensweg beginnt und endet etwa 5 000 km entfernt im Atlantik. Von diesem »Sargassomeer« bezeichneten Laichgebiet schwimmen die Larven an Europas Küsten. Als Jungaale wandern sie dann die Flüsse und Bäche so weit wie möglich aufwärts und können dabei sogar über Land kriechen. Zehn bis fünfzehn Jahre später treten sie den Rückweg an. Auch der Fisch des Jahres 2009 droht auszusterben. Nur weil er massenhaft gezüchtet und ausgesetzt wird, ist er noch bis tief ins Binnenland verbreitet. Die Fangmenge der jungen »Glasaale« vor Europas Küsten ist bereits um 99 Prozent zurückgegangen.

Verhinderte Wanderer Werfen wir einen Blick unter Wasser. Wer könnte den Wert lebendiger Flüsse besser symbolisieren als die Wanderfische – Arten, die aus dem Meer oder Unterlauf flussaufwärts schwimmen und dabei verschiedenste Bereiche des Ökosystems Fluss passieren? Zu ihnen zähl(t)en einige unserer größten heimischen Tiere. Mit über drei Metern Länge waren der Europäische Stör in Rhein und Elbe und der Atlantische Stör in der Oder über Jahrtausende die Könige ihrer Welt. Sie sind heute genauso aus Deutschland verschwunden wie ihr – noch größerer – Vetter aus dem Schwarzen Meer. Der

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Flussriese Hausen (oben) – und der einstige Brotfisch der Flüsse, der Maifisch.


TITELTH EMA

Ob all diese imposanten Fische je wieder bei uns heimisch werden? Entscheiden wird darüber kaum die Zahl nachgezüchteter und »ausgewilderter« Jungfische. Sondern die Frage, ob wir unsere Flüsse wieder frei fließen lassen. Ob wir ihnen genug Raum geben, damit darin die Wanderfische und alle anderen Flussbewohner ihre einstigen Nischen zurückerobern.

Tropische Üppigkeit

Stephan Thierfelder

Hartholzaue mit Lerchenspornblüte bei Neuburg an der Donau.

Noch größer als die Vielfalt im Fluss ist die Vielfalt an seinen Ufern. Sie verdankt sich dem sedimentreichen Wasser, das regelmäßig oder auch nur alle paar Jahre die Aue flutet. Je nachdem, wo und wie lange das Wasser in Teilen der Aue verbleibt, entsteht ein kleinräumiges und dynamisches Mosaik unterschiedlicher Biotope. Auf die Unsicherheit des Lebensraums Aue müssen seine Bewohner eingestellt sein. Doch wer sich dem

Wechselspiel des Wassers anpasst, profitiert von den Nährstoffen, die der Fluss in die Aue trägt. Bevor sich der Mensch diese Fruchtbarkeit zunutze machte und die Auen großflächig rodete, prägten weite Auwälder unsere Flusslandschaften. Ihre Wüchsigkeit und Vielfalt symbolisiert die Gunst dieses Lebensraumes. Die unberechenbare Dynamik von Hoch- und Niedrigwasser ist ein Grund für den einmaligen Artenreichtum der Auwälder. Ein anderer ist, dass die sonst so unvergleichlich dominante Buche nur ausnahmsweise in der Aue wächst. An ihre Stelle tritt eine Vielzahl von Laubgehölzen: Flussnah bilden raschwüchsige Weidengebüsche und dahinter große Silberweiden, Birken, Espen, Erlen und Pappeln eine »Weichholzaue«. Nach außen hin schließen sich langlebigere Bäume an: Eschen und Ulmen, Stieleichen und Hainbuchen, Linden und Feldahorn, Traubenkirschen und viele mehr. Im Unterwuchs stehen Weißdorn, Hartriegel und Pfaffenhütchen. Jede einzelne dieser Arten lockt ganz spezifische Tiere und Pilze an – je nach der Beschaffenheit ihres Holzes, der Struktur ihrer Rinde, der Form ihrer Blätter und der Art ihrer Blüten und Früchte. Schlingpflanzen wie Efeu, Wilder Hopfen und Waldrebe tun ein Übriges, um dem Auwald ein Gepräge tropischer Üppigkeit zu verleihen. Und dieser Eindruck täuscht uns nicht: Kein anderer natürlicher Lebensraum ist von derart vielfältigem Leben erfüllt.

NP Donau-Auen/Kern

Reste der einstigen Pracht

Sommerliches Hochwasser im Nationalpark Donau-Auen bei Wien.

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Einst bedeckten Auwälder rund sieben Prozent Deutschlands. Doch ihr Schicksal ähnelt dem der Wanderfische: Von ihrer früheren, natürlichen Ausbreitung ist beinahe nichts geblieben. Um einen wirklich unberührten Auwald zu erleben, muss man schon bis in die Donau-Aue bei Wien fahren. Und doch: Nicht überall wurde der Auwald gerodet oder durch die Flussregulierung von seinem Lebenselixier Wasser abgeschnitten. So hat sich an der Elbe von Wittenberg bis Magdeburg der größte Hartholz-Auenwald Mitteleuropas erhalten. Er hat das Potenzial, sich allmählich zurück zu seiner vollen ursprünglichen Vielfalt zu entwickeln – vorausgesetzt, die naturnahe Elbe bleibt hier von einem Ausbau verschont. Dafür setzt sich der BUND seit vielen Jahren vehement ein. Artenreiche Auwälder haben sich zudem am Oberrhein (Taubergießen, Kühkopf-Knoblochsaue) oder an der Mündung der Isar in die Donau erhalten. Diese Refugien für seltene Pflanzen und Tiere sind heute streng geschützt. Doch eine Zukunft werden die Auwaldrelikte nur haben, wenn wir Menschen sie aus ihrer Isolation befreien. Wenn wir uns aus größeren Teilen der Auen zurückziehen und unseren Flüssen ihr breites Bett zurückgeben. Einen Anfang hat der BUND Ende 2008 gemacht: indem er die bislang größte Öffnung einer deutschen Aue initiierte. Durch die Verlegung eines Deiches bei Lenzen gewann die Elbe 420 Hektar ihrer Aue zurück. Kleine Pflanzungen ebnen hier der Rückkehr eines weitläufigen Auwaldes den Weg. Ein erster – aber hoffnungsvoller – Schritt … Severin Zillich


E.P. Dörfler (S.15/17)

Kanufahrer an der Mittelelbe im Bereich des Unesco-Welterbes Dessau-Wörlitzer Gartenreich.

Mensch und Fluss

Chance zur Wiedergutmachung Wie nutzen wir unsere Flüsse und Auen? Wo verletzen wir das Gebot der Nachhaltigkeit bis heute? Und warum sind wir auf intakte Flusslandschaften angewiesen?

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ie Flüsse sind unsere Schwestern und Brüder, so sinngemäß die weisen Worte der Indianer. Warum sind sie das? »Sie stillen unseren Durst«, heißt es beim Häuptling Seattle 1877 in einem Brief an den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Auch für das Leben in Mitteleuropa spielen Flüsse seit jeher eine zentrale Rolle, selbst wenn es nicht jedem Menschen bewusst ist. Es gibt kaum einen größeren Ort, der nicht an einem Fließgewässer liegt. Über Jahrhunderte ging man zum Bach oder Fluss, um sich zu erfrischen, um zu trinken, zu baden, zu waschen … Im und am Fluss fand man Fische und Vögel. Seine mal flachen, mal steilen Ufer säumten Bäume und Sträucher. Die saftigen Gräser und duftenden Kräuter ernährten Schafe und Ziegen, Kühe und Pferde. Das Heu der Auen galt als das beste. Jahrhundertelang wurden auch Schweine in den Auen gehütet und gemästet – mit Eicheln und anderen Baumfrüchten. Doch mit dem Beginn der Industrialisierung vor über hundert Jahren wurde alles anders. Bäche und Flüsse dienten nun vor allem als Kloake, um den Abfall und das Abwasser der Industrie aufzunehmen und scheinbar gratis zu entsorgen. Flüsse wurden zu Wasserstraßen umfunktioniert, begradigt, eingeengt, aufgestaut und kanalisiert. Und das war das Ende für die Flussfischerei, für das Trinken, Erfrischen und Baden

im Fluss. Von nun an führten die Flüsse ein Schattendasein. Wer an ihrem Ufer lebte, wandte sich ab und rümpfte die Nase. Die grünen Auen wurden trockengelegt, in Ackerland umgewandelt oder zu Baugrund für Wohn- und Gewerbegebiete oder Industrieanlagen. Viele Menschen leben und arbeiten heute in ehemaligen Auen, ohne es zu wissen. Oft verraten es nur noch die Ortsnamen, die auf -au enden.

Wertewandel Gegen Ende des 20. Jahrhunderts begann ein Wertewandel im Umgang mit unseren Flüssen. Die Menschen begannen wieder zu begreifen, was Flüsse sind oder sein könnten – ihre Schwestern und Brüder … Zuerst ging man gegen die Verschmutzung und Vergiftung an, bis man feststellte: Sauberes Wasser allein genügt nicht! Fehlen die flusstypischen Lebensräume, so bleiben auch viele Pflanzen und Tiere verschwunden. Lachs und Stör, Fischotter und Biber benötigen zum Überleben möglichst naturnahe und dynamische Flüsse mit weichen, unverbauten Ufern. Doch nicht nur ihrer Pflanzen und Tiere wegen engagiert sich der BUND seit Jahrzehnten für die Flüsse. Auch für uns Menschen sind sie attraktiv, ja lebenswichtig. So basiert die Trinkwasserversorgung vielerorts auf Flusswasser. Millionen Menschen an Rhein und Elbe

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TITELTH EMA

beziehen ihr Trinkwasser aus den Kiesschichten der Flussauen, dem »Uferfiltrat«. Schadstoffe jeder Art sind hierbei höchst unerwünscht.

Rückkehr der Flussfischerei?

Wasserkraftwerk an der Werra – für viele Fische trotz Aufstiegshilfe unüberwindbar.

Nach und nach erwacht die Flussfischerei wieder zum Leben. Zwar sind fast alle einst heimischen Arten wieder in unsere Flüsse zurückgekehrt. Doch es fehlen die Fischmengen, mit denen die Flüsse noch vor hundert Jahren gesegnet waren. Der früher sagenhafte Überfluss von Lachsen und Maifischen ist nur noch in alten Chroniken lebendig. Denn es mangelt an geeigneten Lebensräumen, an breiten und flach auslaufenden Kiesbänken, an ruhigen Buchten und Flachwasserzonen, an steilen Uferabbrüchen, tiefen Kolken und Sturzbäumen im Wasser. Erst wenn wir diese Dynamik zulassen, können die Flussfische wieder in stattlicher Zahl heranwachsen – vorausgesetzt, dass Wasserkraftwerke dem keinen Strich durch die Rechnung machen.

Fische – und Auwälder. Selbst wenn eine Fischtreppe den Aufstieg wandernder Arten ermöglicht – der Abstieg durch die Turbinen führt oft zu Fischhäcksel oder zumindest zu inneren Verletzungen, die schleichend den Tod bringen. An die Stelle der Verschmutzung, die einst die Wanderfische ausrottete, ist heute der technische Verbau unserer Flüsse getreten. Deshalb sollten Querbauwerke und Dämme aus ökologischen Gründen rückgebaut werden. Wie in Frankreich, wo man nicht nur Käse, sondern auch Lachse liebt: Eine starke Angler-Lobby hat hier an Loire und Allier neue Staudämme verhindert und alte Dämme gesprengt. Mindestens aber gilt es die Flüsse für Wanderfische durchgängig zu machen, für aufsteigende wie auch absteigende Arten. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie hat uns die Erfüllung dieser Aufgabe bis 2015 übertragen.

Flüsse statt Wasserstraßen Neben der Wasserkraft ist auch der Bau von Wasserstraßen in höchstem Maße strittig. Das gilt vor allem dann, wenn Flüsse begradigt, eingeschnürt, vertieft und kanalisiert werden, um sie schiffbar zu machen. Denn dadurch verlieren sie ihren dynamischen, lebendigen Charakter. Lange Zeit wurde die Schifffahrt danach ausgerichtet, was die Flüsse von Natur aus boten. Man fuhr, wenn man fahren konnte, und das oft mit nur geringer Ladung. Doch die Zeiten haben sich geändert. Ein Verkehrsträger mit vielen Ausfallzeiten durch Niedrigwasser, Hochwasser und Eis und ohne Planbarkeit und Verlässlichkeit ist im Zeitalter des »just in time« völlig out. Das betrifft vor allem die Niedrigwasserflüsse Elbe, Saale und Oder. Die Güterschifffahrt kehrt diesen Flüssen »den Rücken zu«, wie das Bundesamt für Güterverkehr 2007 feststellte. Selbst die Häfen wählen die Schiene als zuverlässige und energiesparende Transportalternative. Dieser Trend ist die Chance für eine Wiedergutmachung an unseren Flüssen, für eine Renaturierung der Lebensadern.

Landwirtschaft – nur ökologisch Janusköpfige Wasserkraft Die Stromerzeugung aus Wasserkraft zählt zu den erneuerbaren Energien. Doch konfliktfrei ist sie nicht. Denn wo früher ein Mühlenrädchen gemächlich lief und umweltfreundlich Energie gewann, sprechen Turbinen und hohe Staumauern heute das Todesurteil für

Die Auen der Flüsse und Bäche sind fruchtbar. Die Natur lässt hier üppige Auwälder auf Böden gedeihen, denen es weder an Nährstoffen noch Wasser mangelt. Doch diese Wälder hat der Mensch weitestgehend beseitigt. Zunächst wurden die Wiesen und Weiden – sofern nicht extra gedüngt – naturnah genutzt. Nach

Der BUND informiert • Faltblatt »Binnenschifffahrt auf lebendigen Flüssen«, 6 Seiten, Bestell-Nr. 55.007 K • Broschüre »Natur schützen – Flüsse bewahren«; 18 Seiten, Bestell-Nr. 40.009 • Broschüre »Europas Gewässer am Scheideweg«, 16 Seiten, Bestell-Nr. 55.049 K • Position »Wasserkraftnutzung unter der Prämisse eines ökologischen Fließgewässerschutzes«, 10 Seiten, Bestell-Nr. 11.037

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• Hintergrund »Hormonaktive Substanzen im Wasser. Gefahr für Gewässer und Mensch« (nur als pdf) • Hintergrund »Grundwasser – guter Zustand bis 2015!«, 40 Seiten, Bestell-Nr. 45.086 Bezug gratis (gegen Portokosten) beim BUND-Versand, Tel. 0 30/2 75 86-4 80, bundladen@bund.net; Download der pdf-Dateien unter www.bund.net/wasser


Klimaforscher Prof. Stefan Rahmstorf beim »Dialog im Boot« des BUND an der Muldemündung. Seltener Anblick: eine Segelregatta auf der Elbe.

der Errichtung von Deichen breitete sich der Ackerbau aus – mit allen Vor- und Nachteilen: Hohen Erträgen stehen der Verlust natürlicher Überschwemmungsflächen, die Überdüngung und Zerstörung von Lebensräumen entgegen. Der BUND fordert, die Landwirtschaft gerade in den Auen auf ökologische, nachhaltige Füße zu stellen.

Auen nicht verbauen Die Natur hat vorgesorgt: Für den Fall, dass sehr viel Wasser gleichzeitig zu Tal strömt, hat sie die Auen »erfunden«. Der Fluss ufert aus, wird um ein Vielfaches breiter und durchströmt die Auen. Weiden und Erlen bremsen die Strömungsgeschwindigkeit, der Boden saugt sich voll und speichert das Nass für trockene Zeiten. Eben diese Auen – in vielen Volksliedern besungen – hat der Mensch den Flüssen zu über 80 Prozent geraubt. Der Deichbau aber schützt nicht nur vor Hochwasser, er sorgt auch für steigende Pegelstände. Ein kläglicher Rest der Auen ist den Fluten geblieben. Eng ist es um unsere Flüsse geworden. Was also tun? Der BUND plädiert dafür, ehemalige Auen – wo immer möglich – dem Fluss freiwillig zurückzugeben. Tun wir es nicht, nimmt sich vielleicht der Fluss wieder, was ihm einst gehörte – gegen unseren Willen.

Wachstum ja: beim Flusstourismus Unsere Flüsse ziehen wieder Menschen an. Sie kommen, um sich zu erholen, um ihren Wissensdurst und ihre Entdeckerlust zu stillen. Einem Fluss kann man sich ganz unterschiedlich nähern: zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Kanu, Schlauchboot oder Personenschiff. Die meisten Menschen zieht der Vater Rhein an. Auch Donau, Weser und Main haben eine ausgebaute touristische Infrastruktur. Doch allmählich erwächst ihnen Konkurrenz im Osten. So wurde der Elbe-Radweg schon zum fünften Mal in Folge zu Deutschlands beliebtestem Fernradweg gewählt. Hier ist noch ursprüngliche, weite und stille Natur spürbar, mit vielen

Tieren, die andernorts längst verschollen sind. So ziehen über Elbe und Oder Störche und Kraniche, Adler und Milane ihre Kreise. Biber und Otter haben vielfach ihre Spuren hinterlassen, der Gesang von Wachtelkönig und seltenen Grasmücken erfüllt die Luft. Der Flusstourismus ist eine Wachstumsbranche. Statt auf Fernreisen suchen wir das Glück wieder mehr in der Nähe – was nicht nur Kosten spart, sondern auch das Klima schont. Besonders Flüsse laden zum aktiven Erholen ein. Der Boom ist beeindruckend: So hat sich die Zahl der Fahrradtouristen entlang der Elbe in nur zwei Jahren verdoppelt, ungezählte Arbeitsplätze in der Gastronomie und Hotellerie sind so entstanden. Über 80 Millionen Euro lassen die Fahrradtouristen jedes Jahr alleine hier zurück.

Treiben lassen Schließlich werden unsere Flüsse auch als Badegewässer wiederentdeckt. Es ist ein unvergleichliches Gefühl, sich einem Strom hinzugeben. Schon 1999 organisierte der BUND einen ersten Elbebadetag. Inzwischen ist er den ganzen Fluss entlang zur jährlichen Tradition geworden. Mehr noch: Der Funke ist inzwischen auch auf andere europäische Flüsse übergesprungen. Flüsse beschenken uns mannigfach mit Lebensglück. Sie verdienen unsere Zuwendung und benötigen anhaltendes Engagement. Der BUND lädt alle FlussfreundInnen dazu ein, sich für lebendige Flüsse einzusetzen – einige unserer Flussprojekte präsentieren wir auf der folgenden Doppelseite. Ernst Paul Dörfler

… leitet das Elbeprojekt des BUND (www.elbeinsel.de, www.elbe-saale-kanal-nein.de) – und hat kürzlich einen schönen Bildband über die »Liebe der Vögel« publiziert. Sie erhalten ihn für 19,90 Euro im BUNDladen, Tel. 0 30/2 75 86-4 80, Fax -4 66, bundladen@bund.net

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Rheinaue Duisburg-Walsum Das Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum am »Unteren Niederrhein« bietet vielen stark bedrohten Tieren und Pflanzen Zuflucht. Der BUND Duisburg setzt hier seit 15 Jahren ein Wegeund Infokonzept um – mit großen Infotafeln, zwei Beobachtungshütten etc. Eine mit dem Filmclub Dinslaken produzierte DVD (45 min) zeigt die BedeuEmden

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Celle • Kontakt: BUND-Burg Lenzen, l landTel. 03 87 92/12 21, info@burgHannover lenzen.de, www.burg-lenzen.de Braunschweig

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• Kontakt: BUND Brandenburg, Tel. 03 31/2 37 00141, bund.brandenburg@bund.net, www.bundbrandenburg.de (Naturschutz)

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Ausbaustopp an Havel und Spree Mit der Kampagne »Stopp HavelFrankfurt/Oder ausbau« konnte – bis zur endgültigen Entscheidung des BVerwG – der naturzerstörende Ausbau von Havel und Spree für große Rhein-

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Vogeleldorado an der Welse Die Biesenbrower Hintenteiche liegen in der Welseniederung im Biosphärenreservat »Schorfheide-Chorin«. Umgeben von Auwäldern, werden sie von einem Graben durchflossen, der zur Welse führt. Hier brüten Rot- und Schwarzhalstaucher, Krick- und Knäkente, Große Rohrdommel und Kranich, Waldwasserläufer, Bekassine und Eisvogel. Der BUND Brandenburg hat das Teichgebiet großteils erworben und lässt es ökologisch bewirtschaften. Teile der angrenzenden Aue sollen das Schutzgebiet arrondieren.

www.bund.net /wasser. Dafür, dass der BUND heute als der Anwalt für lebendige Flüsse gelten kann, gebührt vor allem den vielen Freiwilligen in unseren Orts- und Kreisgruppen Dank. Aber auch Ihnen allen, den Mitgliedern und Förderern des BUND, die unsere Arbeit für vitale Flüsse und Auen finanziell unterstützen, sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt!

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• Kontakt: Thomas Wey, Büro am Fluss, Tel. 0 36 93/4 20 12, lebendige.werra@bund.net, www.lebendige-werra.de

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1 Lebendige Werra Im Rahmen einer EU-geförderten Renaturierung wertete der BUND in einer Kooperation mit dem Freistaat Thüringen von 2004 bis 2006 einen zehn Kilometer langen Abschnitt der Werra auf. Uferaufweitungen, neue Stillwasserzonen, eine Flutmulde und ein wieder angeschlossener Altarm gaben dem Fluss wenigstens einen Teil seiner Aue zurück. Die seltene Gelbbauchunke, Libellen und der Weißstorch haben davon profitiert.

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LaNaServ, K. Winter/D. Stremke

Lebendige Flüsse sind dem BUND ein Herzensanliegen. Zahllose Menschen sind haupt- und ehrenamtlich im Einsatz, um bundesweit Flüsse und ihre Auen zu renaturieren. Wo Wasser wieder frei fließen kann, vergeht meist nur wenig Zeit, bis die ersten seltenen Tiere und Pflanzen zurück in ihren einstigen Lebensraum finden. Sehen Sie hier eine Übersicht mit ausgewählten Naturschutzprojekten des BUND. Eine erweiterte Version dieser Karte mit zusätzlichen Flussprojekten finden Sie demnächst unter

Der BUND im Einsatz

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• Kontakt: BUND Marburg, Tel. 0 64 21/6 73 63, info@bund-marburg.de, www.bund-marburg.de

Mainz

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• Kontakt: BUND Heilbronn-Franken, Gudrun Frank, Tel. 0 71 31/77 20 58, www.bund.net/heilbronn-franken

Katzentalbach renaturiert Die kleinen Bäche sind Stiefkinder der Landesregierung Ba-Wü bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Der fränkische BUND-Ortsverband Nordheim hat nicht auf das Land gewartet: Mit der Gemeinde führte er mehrere Renaturierungsaktionen durch. So bekam der begradigte Katzentalbach sein altes Bett zurück. In einem Seitenbach wurden Beton-Sohlschalen entfernt und die Mündung neu gestaltet.

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• Kontakt: Bund Naturschutz Bad Kissingen, bn-badkissingen@gmx.de, www.bn-badkissingen.de

Prag

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• Kontakt: Winfried Lücking, Tel. 0 30/78 79 00-16, www.flussbuero.de

schubverbände vorerst gestoppt werden. Der BUND favorisiert eine schonende Sanierung der bestehenden Wasserwege.

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• Kontakt: Bund Naturschutz, Tel. 0911/ 8 18 78-26, www.bund-naturschutz.de

Frei fließende Donau Selbst die letzte freie Fließstrecke der bayerischen Donau – mit ihren artenreichen AuDo wäldern der »Amazonas Bayerns« – will die nau Kanal-Lobby noch mit Staustufen zerstören. Dagegen wehrt sich der Bund Naturschutz mit örtlichen Initiativen seit Jahrzehnten Passau erfolgreich. Nun deutet sich in Bayerns Staatsregierung ein Umdenken an, hin zu einem naturnahen, sanften Donauausbau.

• Mehr dazu unter www.bund.net/flusstour

Dresden

Die Sinn-Allianz Im Rahmen eines Schutzprojektes wurden von 2002 bis 2007 am Ufer der Sinn 30 ha angekauft. Vor allem mit eigenen Mitteln will die BUNDKreisgruppe gezielt weiteren Grund erwerben – und so bereits erreichte Ziele wie die Auwaldentwicklung und die Schaffung von Uferstreifen weiterverfolgen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Biber. Mit seinen Bauten unterstützt er die Projektziele auf der etwa 30 km langen Gesamtstrecke.

Augsburg

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Halle Leipzig

A E Schwimmen und Rocken für die Flüsse 50 Schwimmdemos, 50 Konzerte – Auftakt der Flusstour von Heinz Sa Ratz (siehe ale Aktionsseite!) ist am 20. Mai in Lindau. Enden wird sie am 17. August in Kiel.

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Infografik: Marc Venner

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o Lahnauen geöffnet M Seit 1998 engagiert sich der BUND Marburg für eine naturverträgliche Nutzung der Lahnaue im Stadtgebiet: indem er BiotoptrittsteineTrier schafft, den Freizeitwert erhöht und Naturverständnis weckt. So erhöht er den ökologischen Wert der Aue und ihre Bedeutung für die Naherholung.

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Aachen

• Kontakt: BUND D’burg, Dr. Johannes Messer, rheinaue@bund-duisburg.de

tung der Aue für Tiere und Pflanzen – und den Menschen. Eine CD informiert ausführlich über das EU-Vogelschutzgebiet. Zudem gibt es Führungen, ein Schullehrpfad ist im Aufbau.

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Die Mulde nördlich von Leipzig: Ein lebendiger Flusslauf prägt die Aue. Wären da nicht die Altlasten aus der Chemieindustrie …

Gewässerschutz

Von der Quelle bis zur Mündung Jahrzehntelang wurden Europas Flüsse wenig nachhaltig genutzt. Ihren heute oft bedenklich naturfernen Zustand soll die Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 gründlich verbessern. Welche Fortschritte gibt es beim Gewässerschutz?

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lüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser – alles Wasser soll bis zum Jahr 2015 in einem guten Zustand sein. Dieses wahrlich anspruchsvolle Ziel haben die EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2000 vereinbart. Mit der Rahmenrichtlinie schickten sie mehr als ein Dutzend verschiedener Wasser-Richtlinien in Rente. Die neue Richtlinie war ein großer Wurf: Die Gewässer sollten nicht mehr nach administrativen Grenzen bewirtschaftet werden, sondern nach ihrem Einzugsgebiet. Vorgesehen sind EU-weit einheitliche ökologische Gütekriterien, klare Fristen und biologische Kontrollen. Qualitätsziele sind das weitgehend natürliche Vorkommen von Pflanzen und Fischen in den Gewässern; die Durchgängigkeit von Bächen und Flüssen für alle Lebewesen; naturbelassene Uferzonen sowie Schadstoffkonzentrationen unterhalb der Grenzwerte. Zudem gilt: Der heutige Zustand unserer Gewässer darf bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr verschlechtert werden. Konsequent umgesetzt, bietet die Richtlinie die Chance, den Zustand unserer Gewässer deutlich zu verbessern. Wasser soll nur noch so genutzt und angeboten werden, dass auch künftig genug sauberes Wasser verfügbar ist. Wie wir die Chance, für alle Gewässer bis 2015 einen guten Zustand zu erreichen, europaweit nutzen können, und was dem BUND dabei besonders wichtig ist, ist in der Broschüre »Europas Gewässer am Scheideweg« nachzulesen.

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Unzureichend koordiniert Ende 2004 ergab eine erste biologische Bestandsaufnahme: Über 60 Prozent unserer Gewässer befinden sich in keinem guten Zustand. Spätestens jetzt wurde klar: Um dies zu ändern, müssen wir uns enorm anstrengen! Was aber wurde bisher unternommen, um die Ziellinie 2015 tatsächlich zu erreichen? Anfangs gab es Vorschläge, die Verwaltungen der Wasserwirtschaft nach französischem Vorbild an die Einzugsgebiete anzupassen und das Verursacherprinzip einzuführen (wie in der Richtlinie vorgesehen), um Gewässersanierungen auch bezahlen zu können. Doch nichts davon passierte. Die Bundesländer stimmen zwar in Flussgebietsgemeinschaften und internationalen Kommissionen zum Schutz der Flüsse ein weitgehend gemeinsames Vorgehen ab. Doch die Umsetzung der Richtlinie gehen sie ganz verschieden an: von der Bestandsaufnahme mit uneinheitlicher Datenbasis über die Gewässereinstufung und die Ausweisung völlig unterschiedlicher Wasserkörper bis zu den Bewirtschaftungsplänen und Maßnahmenprogrammen. Diese liegen derzeit im Entwurf vor und müssen nach der öffentlichen Beteiligung bis Ende 2009 verabschiedet werden. Einige Länder haben eigene Pläne und Programme erstellt, andere verweisen auf die Flussgebietsgemeinschaften. Kaum ein Bundesland hat die nötigen Maßnahmen für einen guten Gewässerzustand


so dokumentiert, dass überhaupt deutlich wird, wo und in welchem Umfang etwas getan werden soll.

Ziel verfehlt Das alles ginge vielleicht als lebendiger Föderalismus durch, würde denn das Ziel – nämlich ein guter Gewässerzustand bis 2015 – wenigstens angepeilt. Doch das ist kaum zu erwarten. Nach den vorliegenden Plänen wird mehr als jedes zweite deutsche Gewässer in sechs Jahren keinen »guten Zustand« aufweisen. Niedersachsen etwa hat 84 Prozent seiner Gewässer als »erheblich verändert« eingestuft – um schwächere Umweltziele zu begründen, wie das nur für Ausnahmefälle gedacht war. Im Elbegebiet ist derzeit gerade ein Zehntel der Fließgewässer »gut«; nur fünf weitere Prozent sollen hier bis 2015 das Ziel der Richtlinie erreichen! Dabei wurden in der Bestandsaufnahme und in den Bewirtschaftungsplänen die bekannten Probleme (z.B. diffuse Einträge aus der Landwirtschaft) meist richtig benannt. Aber es fehlt am Geld und am politischen Willen, hier effektiv gegenzusteuern. Daher sind die geplanten Maßnahmen oft ungeeignet, um die Probleme zu beseitigen oder wenigstens zu minimieren. Die Folge: hohe Stoffbelastung unserer Flüsse, teure Wasseraufbereitung, Badeverbote, fehlende Lebensräume für Flussregenpfeifer und Biber sowie kaum durchgängige Flüsse für Aal, Lachs oder Meerforelle. Gerade die Umweltverbände sind nun gefragt, den nötigen Schutz unserer Gewässer öffentlich zu fordern. Die Rahmenrichtlinie sieht unsere direkte Beteiligung vor. Zentrales Instrument ist der seit Dezember 2008 öffentliche Entwurf des Bewirtschaftungsplans. Noch bis Juni können wir auf Ebene der Flussgebiete und der Bundesländer Stellung beziehen und Verbesserungen anmahnen. Wie das geht, erläutert der BUND in einer Handreichung unter www.bund.net/wasser.

… die Elbe An der Elbe setzt sich der BUND dafür ein, Deiche zu verlegen (wie in Lenzen) und die Aue zu renaturieren (wie an der Alten Elbe in Magdeburg). Statt massiver Steinschüttungen und Buhnen, welche die problematische Eintiefung des Flusses verschärfen, sollten zurückgesetzte Deiche eine natürliche Flussdynamik ermöglichen. Die Baumaßnahmen für eine ganzjährig 1,60 Meter tiefe Fahrrinne sind ökonomisch unsinnig und ökologisch katastrophal. Der BUND plädiert dafür, mittels alternativer Transportmöglichkeiten eine natürliche Entwicklung der Elbe zuzulassen.

… den Rhein Zudem engagiert sich der BUND für einen durchgängigen und weniger wärmebelasteten Rhein. Allein mit der ungenutzten Abwärme, die per Kühlwasser in den Rhein gelangt, könnte eine Großstadt ständig versorgt werden. Der BUND hat hierzu ein Gutachten in Auftrag gegeben und fordert einen »Wärmelastplan« für den gesamten Rhein. Schon jetzt hat der Mensch seine Wassertemperatur um 5°C erhöht – Fische wie die Bachforelle verlieren dadurch riesige Lebensräume.

… und die Werra Im Projekt »Lebendige Werra« hat sich der BUND für Renaturierungen und gegen die Versalzung von Werra und Weser eingesetzt. Gemeinsam mit Verbündeten haben wir erreicht, dass kein weiteres Salzabwasser in der Gerstunger Mulde verpresst wird. Auch in Hessen steht die nicht nur für das Trinkwasser gefährliche Salzwasserverklappung im Untergrund vor dem Aus.

Der Autor Stephan Gunkel ist der Experte des BUND für Gewässerpolitik.

Seit 2004 veranstaltet der BUND gemeinsam mit anderen ein bundesweites WRRL-Forum – für Interessierte aus Behörden, Umweltverbänden, Ingenieurbüros etc. Gerne stellen wir Ihnen eine CD mit den bisherigen Fachvorträgen (als pdf-Dateien) zur Verfügung. Kontakt: stephan.gunkel@bund.net

Der BUND kämpft für die Donau Auf etwa 70 km Länge, zwischen Straubing und Vilshofen, fließt Europas zweitgrößter Fluss, die Donau, frei dahin, seine Aue »atmet« noch im Takt von Hochund Niedrigwasser. Hier liegt das 800 Hektar große Auenreservat »Isarmündung«. Und hier leben etwa 50 Fischarten, die teilweise – wie die Donaubarsche Zingel, Streber und Schrätzer – nur im ungestauten Teil der Donau vorkommen. Fluss und Aue werden von etwa 140 Muschel- und Schneckenarten besiedelt – einmalig für ein mitteleuropäisches Auengebiet. Diese Vielfalt war bisher durch eine Staustufe bedroht, wie sie vor allem die alleinregierende CSU lange forderte. Der Bund Naturschutz und die betroffene Region wehrten sich jahrzehntelang phantasievoll gegen den Ausbau, mit Kanudemos und Festen – oder dem Vorschlag, die freie Donau als Weltnaturerbe anzumelden. Mit Erfolg: Seitdem die CSU mit der FDP koalieren muss, ist die Staustufe vom Tisch. Schubverband auf einem Kanal im Odergebiet. Spundwände und naturferne Ufer sind typisch für »erheblich veränderte« Gewässer.

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TITELTH EMA

Interview

Artenschutz – auch unterirdisch Seit 2007 ist das Grundwasser als eigener Lebensraum anerkannt – auf EU-Ebene. Doch der deutsche Gesetzgeber macht bisher keine Anstalten, diese Anerkennung umzusetzen. Warum der BUND hier politisch Druck ausübt, erläutert Dr. habil. Hans Jürgen Hahn vom Arbeitskreis Wasser. Wie kein anderer hat er sich mit der verborgenen Lebenswelt des Grundwassers beschäftigt.

Im Grundwasser häufig: die Assel »Caecospheroma burgundum«.

Herr Hahn, vorweg die Frage: Was hat unser Thema »Lebendige Flüsse« mit dem Grundwasser zu tun? Alles Wasser kommuniziert miteinander. Auen etwa sind geprägt von Ökosystemen, deren Wasser zu einem erheblichen Teil aus dem Grundwasser stammt. Ihre Dynamik erhalten sie durch den Fluss, der über die Ufer tritt, ihre Grundversorgung oft über das Grundwasser. Auch zwischen Fließgewässern und Grundwasser bestehen starke Wechselwirkungen. Vor allem kleinere Bäche würden ohne den Zustrom des Grundwassers in Trockenzeiten schnell versiegen. Umgekehrt infiltrieren Flüsse und Bäche auch das Grundwasser.

Der BUND hat dieses Problem als erster Verband aufgegriffen. Wir fordern das Grundwasser als Lebensraum zu betrachten und zu schützen. Was weiß man von der Häufigkeit und Verbreitung von Grundwassertieren? Viele dieser Arten sind Reliktformen, ihre Verbreitung zeigt alte geologische oder klimatische Muster. Im europäischen Grundwasser haben die Eiszeiten Spuren hinterlassen, desgleichen die alten tertiären Flusssysteme vor drei, vier, fünf Millionen Jahren. Ein erheblicher Teil der Arten sind Endemiten, die nur zwei-, dreimal in einer Höhle oder einem Brunnen entdeckt wurden. Lebensräume, deren Bewohner solche Charakteristika aufweisen, verdienen sofortigen Schutz. Auch unter der Erde gibt es also bedrohte Arten, für die Deutschland womöglich besonders verantwortlich ist? Das ist ganz schwer zu beantworten. Bislang existieren kaum Verbreitungskarten der Grundwasserfauna, da zu wenige darüber forschen. Aber es gibt viele Arten (etwa Brunnenkrebse), die offenbar nur in Deutschland vorkommen. Zwei bislang unbekannte Arten hat mein Mitarbeiter Dr. Andreas Fuchs in Baden-Württemberg entdeckt. Hinweise, dass bestimmte Arten nur sehr lokal vorkommen, gibt es genug. Nur eine Rote Liste, welche die aktuelle Gefährdung von Grundwassertieren abbildet, scheitert bisher am kargen Datenmaterial.

Mehr Informationen zum Grundwasser unter www.bund.net/ grundwasser

Dr. Hans Jürgen Hahn (45) forscht an der Universität Koblenz-Landau.

Warum sorgt sich der BUND um den Schutz des Grundwassers? Was macht es so wertvoll für uns? Zum einen ist es der größte und älteste Lebensraum auf den Kontinenten der Erde, und ein sehr artenreicher zudem. Und die Organismen darin reinigen das Grundwasser – woraus Deutschland immerhin 75 Prozent seines Trinkwassers bezieht. Ist es aber gerechtfertigt, vom Grundwasser als einem Lebensraum zu sprechen? Wer belebt es denn? In unserem Grundwasser leben Bakterien, dazu einige Einzeller, und dann vor allem Vielzeller wie Krebstiere, Würmer, Schnecken und Muscheln – in Südosteuropa außerdem ein Wirbeltier, der Grottenolm. Außereuropäisch kennt man weitere Amphibien und sogar Fische im Grundwasser. Das Grundwasser ist fraglos ein Lebensraum, doch als solcher im deutschen Recht noch nicht anerkannt.

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Wird die Bundesregierung den europäischen Schutzstandard noch dieses Jahr pflichtgemäß umsetzen? Nachdem das Umweltgesetzbuch gescheitert ist, müsste jetzt rasch eine Grundwasser-Verordnung her. Ich befürchte zweierlei: dass sie nicht mehr vor der Bundestagswahl im Herbst kommt; und dass sie, wenn sie denn fertig ist, das Grundwasser wieder nicht als eigenen Lebensraum würdigen wird. Welchen über die EU-Richtlinie hinausgehenden Schutz des Grundwassers fordert der BUND? Wir fordern den guten ökologischen Zustand nicht nur für Oberflächengewässer, sondern flächendeckend auch für den Lebensraum Grundwasser. Wir brauchen die Instrumente des Arten- und Biotopschutzes auch hier, um Eingriffe in den Lebensraum seltener Arten verhindern zu können. Die Fragen stellte BUND-Redakteur Severin Zillich.


© Suthep Kritsanavarin

Ein Beispiel von vielen: Am Mekong sind elf neue Staudämme geplant. Mehr zum Widerstand unter »www.savethemekong.org«.

Weltwasserforum 2009

Menschenrecht – statt neue Dämme Alle drei Jahre findet das Weltwasserforum statt. Zuletzt trafen sich Mitte März 20 000 Teilnehmer in Istanbul. Ein zentrales Thema: großdimensionierte Staudämme, die weltweit bereits Tausende von Flüssen gründlich zerstört haben. Kritiker – wie unsere Autorin – wurden rabiat des Forums verwiesen.

D

as weltweit größte Wassertreffen war geprägt von leeren Worten, gescheiterten Verhandlungen und undemokratischem Verhalten. Eigentlich hatte der Weltwasserrat vor, mithilfe des Forums die Vorzüge von Großstaudämmen hervorzuheben und den Bau des türkischen Ilisu-Staudamms voranzutreiben. Doch für Schlagzeilen sorgten dann die Kritiker der Staudämme, die Abschiebung von friedlichen Aktivisten durch die türkische Polizei und die Unfähigkeit des Forums, den Zugang zu Trinkwasser als Menschenrecht zu erklären.

Weltweit Flüsse verbaut Gemeinsam mit Aktivisten aus Indien, Kenia, Chile, Brasilien und Österreich wies das Umweltnetzwerk »International Rivers« auf die Risiken von Staudämmen für Mensch und Natur hin. 50 000 Staudämme sind zurzeit weltweit in Betrieb, ungestaute Flüsse heute eine Seltenheit. Am größten und kontroversesten ist sicher der Drei-Schluchten-Staudamm in China: Ein 600 Kilometer langer Stausee überflutete 150 Städte und über 1350 Dörfer, 1,2 Mio. Menschen mussten umsiedeln. Staudämme sind neben Wasserverschmutzung und Klimawandel hauptursächlich für die globale Vernichtung von Flüssen und Auen. Sie zerstören die natürliche Dynamik dieses Lebensraums, sind unüberwindbare Barrieren für wandernde Fischarten und einer der Gründe, warum viele Süßwasserfische zu den bedrohtesten Arten der Welt zählen. Obwohl der Bau von Staudämmen in den 1970er Jahren einen Höhepunkt erreichte, werden auch heute noch Megaprojekte verfolgt. Brasilien etwa plant Wasserkraftwerke am Rio Madeira im Amazonasbecken, um Elektrizität für die Aluminiumindustrie zu gewinnen. Äthiopien plant einen Damm am Omo, einem Zufluss des Turkana-Sees, zweitgrößter See in Kenia.

Ikal Angelei von den »Friends of Lake Turkana« warnte in Istanbul vor dem Bau dieses Staudamms, der die einzige Wasserquelle der Menschen im trockenen Norden Kenias gefährden würde.

Kritik unerwünscht Um auf diese Risiken aufmerksam zu machen, hielten zwei MitarbeiterInnen von International Rivers zur Eröffnung des Weltwasserforums ein Banner mit der Aufschrift »No Risky Dams« in die Höhe. Sie wurden festgenommen und wenige Stunden später in ihre Heimatländer abgeschoben. Dieser Vorfall untermauerte die Forderung von Kritikern, globale Antworten auf die Wasserkrise nicht auf dem Weltwasserforum zu suchen, wo friedlicher Protest hart bestraft wird, sondern im Rahmen der Vereinten Nationen. Länder wie Chile, Venezuela und Ecuador schlossen sich dieser Forderung an. Ziel muss ein von privaten Investoren unabhängiges und frei zugängliches Wassertreffen sein, das soziale Aspekte – den Zugang zu Trinkwasser – und ökologische Aspekte – den Schutz der Wasserressourcen – in den Mittelpunkt der Diskussion stellt. Das Weltwasserforum ging am 22. März mit der Veröffentlichung einer Erklärung der Minister zu Ende, die weltweit auf große Kritik stieß. Denn der Zugang zu Trinkwasser wird hier als Bedürfnis, nicht aber als Menschenrecht definiert. Der türkische Aktivist Erkin Erdogan hatte von vornherein nichts anderes erwartet. Gemeinsam mit einem Bündnis von türkischen und internationalen Organisationen hatte er in Istanbul zeitgleich ein alternatives Wasserforum organisiert – das sich eben jenen Themen widmete, die auf dem Weltwasserforum so schmerzlich vermisst wurden. Ann-Kathrin Schneider

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… ist Mitarbeiterin des Umweltnetzwerks »International Rivers«.


www.reinhard-kleist.de

AKTION

Schwimmen und Rocken für die Flüsse 50 Konzerte – und davor jedes Mal bis zu 20 Kilometer schwimmen: Das hat sich der Musiker Heinz Ratz in diesem Sommer vorgenommen. Was das mit Naturschutz und dem BUND zu tun hat? Viel! Denn mit seiner Tour will Heinz Ratz für einen besseren Schutz der Flüsse werben – gemeinsam mit uns. Und so schwimmt er unter anderem durch Rhein, Elbe, Donau, Main und Weser quer durch Deutschland und spielt abends mit seiner Band in Sälen von Lindau (am 20. Mai) bis Kiel (am 17. August). Verstärkung holt er sich für einzelne Konzerte von Künstlern wie Konstantin Wecker, Bodo Wartke, Barbara Thalheim, Götz Widmann, Der Fall Böse und anderen. Unterstützung erhofft er sich aber auch von Aktiven des BUND und anderen Naturfreunden. BUND-Gruppen haben die Möglichkeit, im Rahmen seiner Auftritte über ihre Arbeit zu informieren und neue Freunde zu gewinnen. Jede und jeder Sportliche ist herzlich eingeladen, Heinz Ratz beim Schwimmen flussabwärts zu begleiten – oder ihn zumindest vom Ufer aus anzufeuern. Auch die Konzerte sollte sich niemand entgehen lassen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Die Einnahmen gehen lokalen und bundesweiten Naturschutzprojekten des BUND zu. Mehr über Heinz Ratz, seine Tourdaten und die Flussprojekte erfahren Sie unter www.bund.net /flusstour sowie auf der Projektseite des Musikers: www.flussprojekt.de 24

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Die Kunst der Tarnung … … demonstriert die Wechselkröte in Vollendung. Doch was hilft ihr das, wenn wir Menschen ihr den Lebensraum streitig machen? Der BUND kämpft für den Schutz ihrer oft kurzlebigen Laichgewässer, wie sie für wilde Auen typisch sind.

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Nationalpark Kellerwald-Edersee

NATIONALPAR K

Kleinod mit Zukunft Vor genau fünf Jahren wurde der Nationalpark Kellerwald in Hessen feierlich eingeweiht. Wie hat sich der bislang jüngste deutsche Nationalpark seitdem entwickelt?

Nationalpark Kellerwald Hessen

Das Reich der Buche Doch zunächst einmal: Wozu soll der neue Nationalpark dienen? Oberstes Schutzgut ist einer der letzten großen und naturnahen Buchenwälder Mitteleuropas. Von etwa 200 Metern im unteren Edertal bis zum Traddelkopf auf 626 Metern Höhe erstreckt er sich auf überwiegend sauren Böden. Selbst in den kargsten Steillagen, wo Tonschiefer und Grauwacken offen zutage treten, dominiert vielerorts die Buche. Doch der Stress ist den hier nur wenige Meter hohen Hungerkünstlern anzusehen. Über 40 Prozent der Buchen sind älter als 120 Jahre, auf 1000 Hektar erreichen sie gar 160 Jahre und mehr – ein seltenes Bild in unserem Land! Gemeinsam mit den Nationalparken Hainich und Eifel soll der Kellerwald einen repräsentativen Teil der für Deutschland so typischen Buchenwälder bewahren. Zudem bewirbt er sich mit vier anderen deutschen Buchenwäldern als »Weltnaturerbe« bei der Unesco. Begleitet werden die Buchen im Nationalpark von trockenen Eichenwäldern, von Block- und Schluchtwäldern mit Edelhölzern wie Ulme, Ahorn und Linde, von blumenreichen Wiesentälern, vielen Quellen und Bächen sowie Felsfluren und Blockhalden.

Von Wildkatzen und Teufelskrallen Über die Hügel südlich des Edersees erstreckt sich ein weitläufiges Buchenmeer.

U

nsere Nationalparke – die Schatzkästen des deutschen Naturschutzes – sind die wichtigsten Refugien biologischer Vielfalt. Hier bekennt sich Deutschland – wie nirgends sonst – zu seiner Verantwortung, der Natur großräumig freien Lauf zu lassen; zum Lebensrecht vieler Tiere und Pflanzen, die in unserem immer gründlicher verbauten Land immer weniger Platz finden. So weit die Theorie. Ob der neue Nationalpark im Kellerwald diesem Anspruch gerecht wird? Lage und Flächengröße wecken erst einmal Zweifel: die Lage, weil der Kellerwald in Hessen liegt. Seitdem Roland Koch hier vor zehn Jahren Ministerpräsident wurde, kann von einer seriösen Umweltpolitik offenbar kaum mehr die Rede sein – so das einhellige Urteil der Betroffenen. Die Flächengröße, weil sie mit 5 740 Hektar deutlich unter dem international empfohlenen Mindestmaß von 10 000 Hektar für einen Nationalpark liegt (nur der NP Jasmund ist bundesweit noch kleiner). Überraschend aber ergeben erste Nachfragen bei den BUND-Aktiven rund um den Kellerwald ein durchweg positives Bild. Woran liegt das? Es scheint sich zu lohnen, etwas genauer hinzusehen.

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Zumindest kleinflächig weist der Kellerwald urwaldähnliche Züge auf. Hier erreichen Bäume noch ihr natürliches Alter, hier verbleibt absterbendes Holz im dynamischen Kreislauf von Werden und Vergehen. Und hier konzentriert sich die Artenvielfalt. Spezielles Augenmerk gilt der Wildkatze, die erst kürzlich im (und um den) Nationalpark entdeckt wurde, mithilfe von BUNDAktiven. Wie gut es künftig gelingen wird, der Natur freien Lauf zu lassen, sollen weitere »Leitarten« dokumentieren: Bechsteinfledermaus und Großes Mausohr, Schwarzstorch und Grauspecht, der Feuersalamander und das Heer holzzersetzender Käfer und Pilze. Unter dem geschlossenen Kronendach der Buchen ist die Bodenvegetation eher artenarm. Doch auf Sonderflächen gedeihen seltene Pflanzen: Pfingstnelke und Felsenmispel schmücken die Felsfluren. Auf Waldwiesen – Überbleibseln menschlicher Nutzung – blühen Schwarze Teufelskralle und Knöllchen-Steinbrech. Im offeneren Trockenwald sind Mehl- und Elsbeere, Graslilie und Schwalbenwurz zu finden. Aktiver Artenschutz ist im Nationalpark übrigens nachrangig. Charakteristische Pflanzen und Tiere sollen von der Sicherung ihrer Lebensräume profitieren.


Wie hat nun das Land Hessen, wie die junge Parkverwaltung dieses Naturerbe seit 2004 gepflegt? Gut, so wirkt es – auch bei näherer Betrachtung. Das Land Hessen schlicht dadurch, dass es sich nicht einmischt und, nach anfänglichen Querelen um die Besetzung der Parkleitung, den Weg für eine kompetente Betreuung frei machte. Das Nationalparkamt, weil es die richtigen Prioritäten setzt, weil es in kurzer Zeit viel angeschoben hat und keine Berührungsängste mit den Naturschützern der Region hat, sie vielmehr aktiv in das Gebietsmanagement einbezieht. Wie mit den standortfremden Fichten oder Douglasien umgehen, die stellenweise noch das Bild prägen? Wie mit dem zahlreichen Wild, das über Jahrzehnte so stark gehegt wurde, dass dem Park mehrere Baumgenerationen fehlen, weil alles verbissen wurde? Und wie das dichte Wegenetz zurückbauen, für ausreichende Ruhezonen im Nationalpark? Auf diese und andere Fragen hat die Verwaltung fachlich überzeugende Antworten gefunden – und gibt im unlängst erschienenen »Nationalparkplan« detailliert darüber Auskunft.

Harmonie – nicht von ungefähr Dass die Verwaltung ihr Werk in ungewöhnlicher Eintracht mit den Anliegern des Nationalparks verrichten kann, ist teuer erkauft. Da ist zum einen die lange Vorgeschichte: Der BUND ist es, der 1986 erstmals einen Waldnationalpark in Hessen vorschlägt. Es folgen Zuspruch und heftige Kontroversen, die neu entflammen, als die Initiative »Pro Nationalpark« (mit BUNDBeteiligung) 1991 ein detailliertes Konzept für den Kellerwald vorlegt. Doch es geht nicht voran. 1998 lösen Fotos von frisch gefällten Altbuchen eine Welle der Empörung aus – Karsten Wittern, BUND-Mitglied und Vorsitzender des Fördervereins, hatte sie im geplanten Schutzgebiet entdeckt. Runde Tische und die Ausweisung eines großräumigen Naturparks stimmen die Region schließlich so weit ein, dass die Landesregierung 2003 endlich grünes Licht für den Nationalpark gibt. »Alle denkbaren Konflikte haben wir bereits vor der Gründung ausgetragen«, so Karsten Wittern im Rückblick, »das erweist sich heute als Riesenvorteil.«

Nationalparkamt (4)

Gut beraten und betreut

Zur Harmonie trägt auch der enge Zuschnitt des Parks bei: Privatwald wurde fast völlig ausgespart. Kein Mensch wohnt im Park, keine Straße kreuzt das Gebiet. Fraglos gute Voraussetzungen für einen Nationalpark – auch wenn der nun arg klein geraten ist. Der BUND fordert zumindest 900 Hektar wertvolle Buchenwälder an den Nordhängen des Edersees mit einzugliedern. Doch unabhängig von seiner Größe umfasst ein Nationalpark immer nur einen Ausschnitt eines viel größeren (potenziellen) Lebensraumes. Nur im Einklang mit seiner Umgebung kann er Wirkung entfalten. Dessen ist sich die Parkverwaltung bewusst – und kooperiert eng mit dem 40 000 Hektar großen Naturpark, der den Nationalpark umgibt. Doch ihr Einfluss darauf, wie sich Straßenbau, Landwirtschaft, Jagd etc. dort entwickeln, ist sehr begrenzt. Hier sind nun der Förderverein und die BUND-Kreisgruppe WaldeckFrankenberg gefordert. Sie werden auch künftig darauf achten, dass die Schutzziele im Nationalpark nicht jenseits seiner Grenzen konterkariert werden. sz

www.delpho.de

Fünf Eulen- und sechs Spechtarten leben im Nationalpark. Im Bild der stark bedrohte Grauspecht (rechts). Ein Juwel der Flora ist die Pfingstnelke (li.). Mit Flugfallen wird die Vielzahl der Hautflügler erforscht (mi.).

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Extremer Trockenheit und Hitze sind die Buchen am Hagenstein ausgesetzt.

Den NP-Plan mit einer Fülle interessanter Details gibt es als pdf-Datei: www.nationalpark-kellerwaldedersee.de (siehe Service, Veröff.); zum Förderverein: www.nationalparkkellerwald.de


Klimaschonende Ernährung

SERVIC E

Der Kartoffelfaktor Auch die Herstellung und Zubereitung unseres Essens verursachen klimaschädliche Gase. Nun lässt sich Hunger nicht abstellen wie ein Automotor. Aber klimaschonend Essen ist möglich – und gesund.

A

m meisten Klimagase lassen sich beim Rindfleisch vermeiden. Massentierhaltung, Intensivfütterung und weiter Transport verschlingen Unmengen Energie. Zudem geben die Wiederkäuer das stark klimawirksame Methan ab. So klebt an einer Rindfleisch-Kalorie etwa 20-mal mehr CO2 als an einer Kartoffelkalorie. Hin und wieder etwas Rindfleisch von heimischen Weidetieren kann dennoch sinnvoll sein. Denn so tragen Sie zum Schutz des Grünlandes und einer bäuerlichen Kulturlandschaft bei. Erstaunlich klimawirksam ist Zurückhaltung auch beim Favoriten vieler umweltbewusster Menschen: dem Käse. Er ist – neben Knödelpulver und Chips – das zweitschädlichste Nahrungsmittel, mit einem »Kartoffelfaktor« von 8. Die Gründe sind wie beim Rindfleisch die aufwendige Tierhaltung und die starke Anreicherung von Fett und Eiweiß bei der Weiterverarbeitung. Ähnlich klimabelastend sind Butter und Sahne. Ersatz bieten fett- und eiweißreiche pflanzliche Nahrungsmittel wie Margarine, Soja, Nüsse oder Oliven.

Joghurt. Als erstaunlich klimaschonend erweisen sich Eier, die etwa dreimal mehr Emissionen verschulden als Kartoffeln. Gleichauf mit dem Erdapfel rangiert Frischgemüse. Bis zu 40 Prozent weniger Treibhausgase verursachen Brot und Teigwaren – sie sind damit die Gewinner des Klimarankings.

Der Königsweg Für klimafreundliche Ernährung gibt es demnach ein einfaches Rezept. Man nehme: allgemein weniger Fleisch (besonders vom Rind), weniger energiereiche Milchprodukte, mehr Gemüse, Kartoffeln und Teigwaren. Man beschaffe das alles möglichst aus der Region und aus ökologischem Landbau – denn hier werden die Böden nicht überdüngt, was die extrem klimaschädlichen Emissionen von Lachgas gering hält. Und man achte zudem auf eine vielseitige und ausgewogene Ernährung. So können Sie nicht nur die Klimalast Ihres Tellers halbieren, sondern auch Ihrer Gesundheit einen Gefallen tun.

Zehn Tipps für CO2-arme Ernährung

Besser als vielleicht erwartet schneiden Schwein und Geflügel ab, besonders wenn sie aus der Region stammen. Mit einem »Kartoffelfaktor« von etwa 5 liegen sie gleichauf mit Tiefkühlgemüse, gefolgt von kaum verarbeiteten Milchprodukten wie Vollmilch, Quark oder

• Kaufen Sie Ökoprodukte – das reduziert Treibhausgase um bis zu 60 Prozent. • Produkte aus regionaler Herstellung verringern die Transportemissionen. • Bevorzugen Sie wenig verarbeitete und unverpackte Lebensmittel. • Vermeiden Sie Tiefkühl- oder künstlich getrocknete Waren wie Pommes, Knödelpulver oder Chips. • Essen Sie möglichst nur saisonale Produkte. • »Friss die Hälfte«: Jedes unnötige Pfund steht für ein Vielfaches freigesetzter Treibhausgase. • Erledigen Sie Ihre Einkäufe zu Fuß oder per Fahrrad. • Kaufen und kochen Sie mengenbewusst, statt Reste wegzuwerfen. • Getränke und Konserven möglichst nicht aus Einweggläsern – die verschlingen viel Recycling-Energie. • Verwenden Sie statt Butterschmalz zum Frittieren lieber Pflanzenöle (aber kein Palmfett).

Reinhard Blumenschein

Mehr Gemüse, Eier, Brot

Rat holen, nachlesen • Studie des Ökoinstitutes Freiburg: »Treibhausgasemissionen durch Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln« – www.oekoinstitut.de • Flyer »Genussvoll essen und Klima schützen« – siehe www.bund-naturschutz.de/landwirtschaft • »Ernährungswende« (2006), 208 S., oekom verlag Tino Schlagintweit

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Energiesparen

ZU R ZEIT

Effizient ist nicht gleich sparsam Energiesparen ist in erster Linie eine Frage des Verhaltens: »Der Letzte macht das Licht aus!« oder »Fuß vom Gas!« – diese und andere sinnvolle Regeln lassen sich trainieren. Effizient dagegen ist ein Gerät, wenn es für die gleiche Dienstleistung weniger verbraucht als ein vergleichbares Modell – egal ob es sparsam oder intensiv genutzt wird. Was folgt daraus für unseren Alltag?

lühlampen durch Energiesparlampen oder ungeregelte Heizungspumpen durch A-Modelle zu ersetzen, kann bis zu 80% sparen. Es sei denn, die Einsparung wird nicht zum Anlass, nun rund um die Uhr zu heizen oder mit der Rückzahlung des Stromanbieters zusätzliche Elektrogeräte zu kaufen. Was leider nicht unüblich ist – solche »Rebound-Effekte« finden volkswirtschaftlich durchaus Beachtung. Die Angebotsund Informationspolitik von Herstellern und Handel tun ein Übriges, so dass es fast leichter erscheint, alles falsch zu machen als nur einiges besser … Gerne würde der BUND schlicht dazu raten, nur Geräte der Effizienzklasse A zu kaufen. Doch so einfach ist auch das nicht. Denn die Klassen geben ja nur an, wie viel Strom ein Gerät im Verhältnis zu anderen seiner Art benötigt. Ein weiteres Problem: Der Handel suggeriert, es gebe nur noch sparsame, weil mit A gekennzeichnete Modelle. Die in den 90er Jahren festgelegten Klassen sind hoffnungslos veraltet. Und Brüssels Eurokraten haben es erst im März erneut versäumt zu regeln, dass nur die sparsamsten Geräte ein A tragen dürfen.

Stromkosten im Vergleich zu einem Standardgerät nach zehn Jahren LCD-Fernseher -200 €

+ 350 €

Bestgerät Kühl-Gefrierkombination

XXL-Gerät

-280 € Einsparung der Bestgeräte insgesamt: 560 €

+ 215 €

Waschmaschine

Mehrkosten der XXL-Geräte insgesamt: 900 €

-80 €

Euro

-300

-200

-100

+ 335 €

0 100 0 Euro = Standardgerät

200

300

sich mit freiwilligen Verbrauchsangaben bedeckt. Erst 2011 werden wohl auch TV-Geräte gekennzeichnet – doch die Industrie wird dafür sorgen, dass dann auch übergroße Modelle ein A erhalten.

Kleinvieh macht auch Mist XXL überrollt Klimaschutz Der Stromverbrauch von Kühlgeräten sank in den letzten Jahrzehnten um die Hälfte – gleichzeitig stieg das Durchschnittsvolumen um ein Drittel. Das erwähnte Kennzeichnungsproblem ermöglicht es MediaMarkt & Co, mächtige »Side-by-Side«-Kühlschränke (wahlweise mit eingebautem Zapfhahn, Eiswürfelbereiter oder TV-Bildschirm) mit einem A oder gar A+ zu bewerben. Die aber brauchen das Doppelte eines meist völlig ausreichend dimensionierten Modells derselben Klasse. Auch bei den Waschmaschinen boomen immer größere Geräte mit Trommelvolumina von acht und neun Kilogramm. Fazit: Es wird eher mehr statt weniger Energie verbraucht … LCD- oder Plasma-Fernseher mit Bilddiagonalen über 80 cm sowie Zweit- und Drittgeräte sind derzeit so populär, dass der Fernseher bezüglich Stromverbrauch wohl zum Kühlschrank von morgen wird: Der Gesamtverbrauch europäischer Fernseher stieg allein von 2006 zu 2007 um knapp ein Viertel! Bis 2020 würde er, selbst wenn alle EU-Zuschauer die sparsamste Technologie verwendeten, um 30 % wachsen, bei einem »weiter wie bisher« gar um 115 %. Eine Kennzeichnungspflicht fehlt hier bislang, und Hersteller und Handel halten

Neben den Großgeräten bahnen sich immer neue Stromfresserchen den Weg in die Wohnzimmer – wie Set-Top-Boxen (Spielkonsolen, Decoder etc.), W-LanRouter oder DVD-Rekorder. In der Masse hinterlassen sie, auch durch unbemerkte Standby- und Schein-AusVerluste, immer größere Spuren in unserer Stromrechnung und in der Atmosphäre. Auch Ökostrom will effizient und sparsam genutzt werden, um Atom und Kohle schnell überflüssig zu machen. Verbrauchsübersichten wie unter www.ecotopten.de helfen, wirklich sparsame Geräte zu finden. Mit »59 Tipps zum nachhaltigen Umgang mit Energie« gibt der BUND Baden-Württemberg eine gute Orientierung. Vor allem aber muss die Politik ernst machen damit, uns Verbraucher besser zu informieren und wirksam vor Stromfressern zu schützen. Der BUND setzt sich gemeinsam mit dem Bündnis »energieeffizienz – jetzt!« und der europäischen Kampagne »cool products« (www.coolproducts.eu) dafür ein. Christian Noll … kümmert sich im Klimateam des BUND um das Thema Energieeffizienz; mehr dazu unter www.bund.net/ klimaschutz (Stromfresser stoppen).

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Quelle: EU-Komission (EuP-Vorstudien), BUND

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Ein BUND – drei Newsletter

ZU R ZEIT

BUND-aktiv im Netz Der BUND baut sein Angebot im Internet stetig aus. Nutzen Sie die Vorteile dieses Mediums, seine Aktualität und seine Möglichkeiten, von zu Hause aus aktiv zu werden.

Ein Mausklick in Wanne-Eickel … kann zum ökologischen Kurswechsel in Berlin oder in Konzernzentralen führen. Deshalb können Sie auf den BUND-Internetseiten Strom- und Handelsriesen auffordern, klimaschädliche Kohlekraftwerke zu stoppen oder gentechnikfreie Lebensmittel anzubieten. Und im Bundestagswahlkampf Ihren KandidatInnen auf den ökologischen Zahn fühlen. Aktuelle Aktionen finden Sie unter www.bund.net/ aktionen – oder abonnieren Sie unseren »KampagnenNewsletter« unter www.bund.net/anmelden. Tipp: Aktuelle Meldungen kommen per »RSS« oder mit dem Kurznachrichtendienst »Twitter« auch automatisch auf Ihre Rechner und Homepages. Informieren Sie sich dazu unter www.bund.net/rssfeed.

Ganz schön informativ Der »BUND-Newsletter« informiert per E-Mail über die Arbeit des BUND: national, international und regional. Alle sechs Wochen und frei Haus liefert er einen Ökotipp, Hinweise auf (Online-)Aktionen, Neues von der BUNDjugend und vieles mehr. Ob es um Rasenmäher mit Charme geht (Exmoor-Ponys im einstigen Tagebaugebiet), um Gift in Spielzeug (Warum Weichmacher verboten gehören) oder Demonstrationen (»Wir zahlen nicht für Eure Krise«) – es gilt: einmal angemeldet, immer gut informiert!  www.bund.net/ anmelden  www.bundintern.net

Sehen Sie sich online die letzte Ausgabe des »BUNDNewsletters« an: www.bund.net/bund-newsletter; oder abonnieren Sie ihn jetzt gleich unter www.bund.net/ anmelden.

Alles für Ihr Engagement im BUND Sie engagieren sich ehrenamtlich im BUND, und wir unterstützen Sie dabei. Jeden Monat teilen wir Ihnen mit einem »Aktiven-Newsletter« alles Neue und Aktuelle für Ihr Engagement im BUND mit. So informieren wir Sie über neuestes Sach- und Fachmaterial für Aktionen wie den Amphibienschutz, über neue interne Papiere und Publikationen, über Mustervorlagen, Mustervorträge und spezielle Angebote für Aktive. Dieser Newsletter ist Teil unserer internen Serviceseiten für BUND-Gruppen und Aktive auf www.bund-intern.net. Hier finden Sie alles, was Sie für Ihr Engagement benötigen. Und wenn Sie etwas vermissen, sagen Sie uns bitte Bescheid! Den »Aktiven-Newsletter« erhalten Sie automatisch nach Ihrer Registrierung auf www.bund-intern.net.

Kontakt: BUND-Internetredakteurin Friederike Otto, Tel. 0 30/2 75 86-4 11, friederike.otto@bund.net

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So vielseitig wie der BUND präsentiert sich auch der BUND-Newsletter.

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BUNDmagazin [2-09]


Globale Wirtschaftskrise

Wachsen, ohne pleitezugehen

McPhoto-Bildarchiv

Heute ist alles möglich, es gebe, so heißt es, keine Tabus mehr. Mag sein – doch ein Thema bleibt unberührbar, und das erst recht seit dem Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise: der Zweifel am Wachstumszwang.

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umindest für eine Weile schien der Finanzcrash die Horizonte des Denkens zu weiten. Im ersten Schock wurden bis hinein in die Banketagen, Managermeetings und Redaktionen allerhand Unumstößlichkeiten des Wirtschaftssystems zur Disposition gestellt. Wer hätte etwa je für möglich gehalten, dass das USMagazin Newsweek auf seinem Titel ausruft: »Jetzt sind wir alle Sozialisten«? Und noch immer ist der Katzenjammer der neoliberalen Einheitsdenker von gestern so groß wie die Suche nach neuer Orientierung. Allerdings verharrt die jetzt so verbreitete »Kapitalismuskritik« meist in der phantasielos binären, alten Vorstellung: Sozialismus oder Kapitalismus; Staat oder Privatwirtschaft. Wer aber bis zum inneren Antriebskern vordringt, der in der Realität beide Systeme ausgezeichnet hat – zum Drang, die Wachstumskurven möglichst steil nach oben zu treiben –, der hat die Tabugrenze erreicht. Bisher bestenfalls als naiv-romantischer Öko-Rigorist belächelt, bekommt er jetzt in der Krise noch Zynismus vorgeworfen. Sind doch vor allem die sozial Schwachen getroffen, wenn nun die Wachstumsraten oder die Wirtschaft ganzer Länder – von den USA bis Indien und China – chaotisch und ungelenkt schrumpfen. Viele Menschen verlieren ihr Angespartes, ihre Alterversicherung, ihre Arbeit. So fällt die Freude über einen vielerorts sinkenden Energie- und Ressourcenverbrauch schwer. Und der Gedanke liegt nah: Keine Zeit für Grundsatzfragen!

Weiter wie bisher? Aber wann ist dann Zeit dafür, wenn sie doch in besseren Jahren schon fehlte, sodass jetzt, wo es darauf ankäme, die Entwürfe fehlen? Das Nachdenken weiter aufzuschieben ist schon deshalb Selbstbetrug, weil die Wachstumsbesessenheit zu den wichtigsten Ursachen des großen Finanzcrashs gehört. Bei einer Wiederherstellung der Weltökonomie nach dem Modell »business

as usual« rücken zudem jene Grenzen des Wachstums näher, die der Club of Rome schon in den 70er Jahren voraussah. Hungeraufstände wegen der Preissteigerungen bei Öl und Nahrungsmitteln im letzten Jahr waren nur ein weiterer Hinweis darauf. Längst kaufen Schwellenländer große Flächen in Armutsstaaten, um ihre Bevölkerung zu ernähren, und lösen damit wie in Madagaskar politische Krisen aus. Überdies ist ein ernsthaft gerechtes globales Klimaschutzregime, das den Entwicklungsländern eine Chance auf Wohlstand einräumt und zugleich der dramatischen Lage entspricht, nicht zu haben, ohne dass die Ökonomien der entwickelten Industrieländer schrumpfen. Zumindest muss ihr Wachstum – wie auch das der Nachholer – mit drastisch weniger Rohstoff- und Energieverbrauch einhergehen. Doch selbst die meisten Effizienzgewinne beim Energieverbrauch haben sich bisher durch gesteigerte Ansprüche, mehr Konsum und Produktion wieder in Wohlgefallen aufgelöst. Ein anderes Wachstumsmodell braucht andere Werte und Antriebe, und der Biologe Michael Succow fragt richtig: »Wie können wir von der Strategie der Natur lernen: wachsen und dabei immer komplexer und reicher zu werden, ohne pleitezugehen?«

Autoschrott Die unselige Abwrackprämie ist ein Sinnbild für Ressourcenverschwendung einer wachstumshörigen Politik.

Drei Krisen mit einer Klappe Die Redewendung von der Krise als Chance hat oft etwas inhaltsleer Routiniertes. Doch wenn jetzt zig Milliarden Euro in Konjunkturprogramme gesteckt werden, dann bergen diese Investitionen tatsächlich die Option, »drei Krisen mit einer Klappe« zu schlagen, wie die ZEIT formulierte, und den wenigen, meist lokalen Modellen für Kreislaufökonomien Schwung für die breitere Ebene zu geben. Stattdessen wird mit hilflosen Abwrackprämien der alten Konsumspirale Tempo verliehen, in der vagen Hoffnung, das Auto danach könnte etwas niedrigere Emissionswerte haben. In den 80ern gab es einmal einen sehr schönen Begriff: »qualitatives Wachstum«. Höchste Zeit, ihn wieder mit Inhalt zu füllen. Christiane Grefe … ist Redakteurin der ZEIT.

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Schumann/Grefe: Der globale Countdown – Wege aus der Weltkrise, 2009, Verlag KiWi


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AKTIV

Bundestagswahl

Der BUND mischt sich ein

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it der Bundestagswahl 2009 sind wichtige umweltpolitische Weichenstellungen verbunden. So entscheiden am 27. September die Wählerinnen und Wähler auch darüber, ob die Laufzeiten unserer Atomkraftwerke verlängert werden oder nicht – eine gravierende Entscheidung, von der noch viele kommende Generationen betroffen sein werden. Der Bundesverband greift aktiv in den Wahlkampf ein, um dem Natur- und Umweltschutz Gehör zu verschaffen. Ein Mittel ist das Internet: Damit es nicht nur um Koalitionsfarben, um Angela Merkel oder

Frank-Walter Steinmeier geht, sondern auch um Umweltschutz, wird der BUND alle DirektkandidatInnen befragen und allen Interessierten die Möglichkeit geben, mit den KandidatInnen Kontakt aufzunehmen. »Umwelt. Zukunft. Wählen!« sind die zehn Kernforderungen des BUND für die kommende Legislaturperiode betitelt, mit denen wir uns einmischen werden. Mehr zu unseren Themen und Materialien und zur Aktion unter »www.umweltschutz-waehlen.de« und im nächsten BUNDmagazin. Kontakt: norbert.franck@bund.net

Klimakiller Kohle

Aus für Kraftwerk in Berlin

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ach massivem Widerstand des BUND und weiterer Verbände muss Vattenfall seinen Plan für ein neues Kohlekraftwerk in Berlin-

Geplante Kohlekraftwerke – mehr dazu unter www.bund.net/klimaschutz

Lichtenberg stoppen. Stattdessen will der Konzern ein Gaskraftwerk bauen, das deutlich weniger CO2 ausstoßen wird. Der geplante Steinkohle-Block hätte pro Jahr bis zu 4,5 Mio. Tonnen CO2 und enorme Mengen gesundheitsschädlicher Schadund Giftstoffe in die Berliner Luft geblasen. Vattenfall musste letztlich einsehen, dass das Kohlekraftwerk politisch nicht durchzusetzen war. Doch was für Berlin gilt, gilt für ganz Deutschland: Vattenfall sollte nun alle seine Pläne für neue Kohlekraftwerke revidieren und statt auf Kohle und Atom konsequent auf erneuerbare Energien setzen. Einen Erfolg gab es auch im Ruhrgebiet. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat die Genehmigung des Steinkohlekraftwerks Lünen (an der Lippe) als rechtswidrig bezeichnet. Die Richter monierten besonders, dass der Bau nicht auf seine Verträglichkeit mit umliegenden europäischen Schutzgebieten geprüft worden war. Der BUND fordert auch hier einen Baustopp. BUND-Klimateam, Tel. 0 30/2 75 864 21, thorben.becker@bund.net

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BUNDmagazin [2-09]

Neue Ausstellung

Zukunft auf Tour

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nde April hatte die Ausstellung zur Studie »Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt« in Berlin auf dem Kongress McPlanet.com ihre Premiere. Mit großformatigen, emotionalen Fotos und eingängigen Texten vermittelt sie die vier Leitbilder der Studie: »Gastrecht für alle«, »Gesellschaft der Teilhabe, »Die ganze Wirtschaft« und »Ökologischer Wohlstand«. Die Ausstellung dient dazu, Veranstaltungen des BUND zum »Zukunftsfähigen Deutschland« zu begleiten. Sie wird dort auf ein interessiertes Publikum treffen. Der BUND lädt Sie herzlich zu einem Veranstaltungsbesuch ein – unter »www.zukunftsfaehiges-deutschland.de« finden Sie die aktuellen Tourtermine.


Gewinnen Sie Ihre Freundinnen und Freunde für den BUND

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BUND-Mitglieder genießen viele Vorteile: Bundesweit erwarten sie interessante Führungen und Vorträge in den 2 200 Kreis- und Ortsgruppen. Unsere Vertragspartner halten spezielle Angebote bereit. Viermal im Jahr informiert das BUNDmagazin über aktuelle Themen und Brennpunkte. Und nicht zuletzt ist der Mitgliedsbeitrag steuerlich absetzbar.

Für uns ist es ein besonderes Kompliment, wenn Sie den BUND weiterempfehlen. Deshalb bedanken wir uns bei Ihnen für die Werbung eines neuen Mitglieds mit einem kleinen Geschenk. Eine Prämie erhalten Sie übrigens auch bei einer Mitgliederwerbung über unser OnlineFormular auf www.bund.net.

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Die Beiträge unserer Mitglieder garantieren unsere Unabhängigkeit von Wirtschaft und Politik. Machen deshalb auch Sie mit und werben Sie neue Mitglieder. Entweder mit dem Coupon (unten) oder unter www.bund.net. Nach Eingang des ersten Mitgliedsbeitrags senden wir Ihnen dann als kleines Dankeschön das von Ihnen ausgesuchte Geschenk zu.

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Wenn Sie sich für eine Familienmitgliedschaft entschieden haben, tragen Sie bitte die Namen Ihrer Familienmitglieder hier ein. Familienmitglieder unter 27 Jahren sind automatisch auch Mitglieder der BUNDjugend.

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Ja, ich zahle per Einzugsgenehmigung

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und spare Papier- und Verwaltungskosten; die Ersparnis kommt dem Umwelt- und Naturschutz zugute. Bitte ziehen Sie den Betrag ab dem ___________ bis auf Widerruf von meinem Konto ein.

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AKTIV

Abenteuer Faltertage

Geo-Tag der Artenvielfalt

Zu Pfingsten ins Blaue …

Zählen Sie mit!

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S

enießen Sie den Frühling und nutzen Sie Ihren Pfingstspaziergang, um Schmetterlinge zu zählen! Besondere Vorkenntnisse sind nicht nötig, wenn Sie am Abenteuer Faltertage des BUND teilnehmen möchten. Zum fünften Mal wollen wir dieses Jahr mehr über die schönen Gaukler erfahren und Verbündete für den Schutz der Schmetterlinge gewinnen. Seien Sie dabei! Besorgen Sie sich einen Zählbogen – und los geht’s. Abbildungen von zehn leicht erkennbaren Faltern auf der Rückseite des Bogens helfen Ihnen beim Bestimmen. Sie können Ihren Zählbogen von Hand ausfüllen und uns zusenden; oder besser noch Ihre Beobachtungen auf www.bund.net/faltertage eingeben – womit wieder ein wenig Papier gespart wäre … Und Sie können gewinnen: Mit jedem ausgefüllten Zählbogen, egal ob im Internet oder auf Papier, nehmen Sie automatisch an unserer Verlosung teil. Zu gewinnen gibt es jede Woche einen Ulmer-Naturführer. Wenn Sie uns Ihre Ergebnisse bis zum 7. November zusenden, wahren Sie die Chance auf den Hauptpreis: Sieben Tage im Nationalpark Bayerischer Wald für zwei Personen, inkl. Übernachtung, Verpflegung und vielen tollen Extras – gestiftet von www.bund-reisen.de. Sollten Sie nun an Pfingsten keine Zeit finden – kein Problem. Die zehn Schmetterlinge zählen können Sie nämlich über die ganze Saison.

eit 1999 veranstaltet das Magazin Geo alljährlich den Geo-Tag der Artenvielfalt. Dazu lädt es Experten und interessierte Laien zu einer »Inventur« der heimischen Flora und Fauna ein. Die Hauptveranstaltung am 13. Juni führt Geo diesmal gemeinsam mit der »Deutschen Wildtier Stiftung« durch. Über 100 Spezialisten werden die Brohmer Berge am Rand der Uckermark durchkämmen. Hier leben Arten wie Seeadler, Trauerseeschwalbe und Rotbauchunke. Am Geo-Tag der Artenvielfalt beteiligen sich außerdem naturbegeisterte Laien, Schulen und Umweltverbände. Auch BUND-Gruppen sind eingeladen, eigene Aktionen ins Leben zu rufen – und binnen 24 Stunden zu bestimmen, was in einem begrenzten Terrain kreucht und fleucht. Kurzfristige Anmeldungen sind noch unter www.geo.de/artenvielfalt möglich. Als beispielhaft für eine solche Begleitaktion kann gelten, was der BUND Mecklenburg-Vorpommern am 11. und 12. Juni plant: Gemeinsam mit dem Nationalparkamt Müritz und der Aktionsgemeinschaft Freier Himmel wird er Schüler des Gymnasiums Röbel/Müritz dabei unterstützen, die Flora und Fauna rund um den Mühlenberg bei Krümmel (nahe Mirow) zu erfassen. Dieser Ort ist durch das geplante »Bombodrom« der Bundeswehr bedroht: Fast alle Kampfjets würden hier den sogenannten »Point Alpha« passieren, bevor sie den geplanten Luft-/Boden-Schießplatz in der KyritzRuppiner Heide ansteuern. Tom Müller, Tel. 0 40/37 03-27 32, mueller.tom@geo.de

씰 Bestellen Sie jetzt den Zählbogen und die kostenlose Broschüre »Schmetterlinge schützen« – telefonisch unter 0 30/2 75 86-4 42 oder per E-Mail an schmetterling@bund.net. Weitere Informationen zum Abenteuer Faltertage finden Sie unter www.bund.net/faltertage.

Ich habe ein Mitglied geworben. Ich habe ein neues BUNDmitglied geworben und meine Wunschprämie angekreuzt.

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Ihre persönlichen Daten werden ausschließlich für Vereinszwecke elektronisch erfasst und – ggf. durch Beauftragte des BUND e.V. – auch zu vereinsbezogenen Informations- und Werbezwecken verarbeitet und genutzt. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt.

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McPlanet.com 2009 Vom 24. bis 26. April fand in Berlin der vierte McPlanet.com-Kongress statt. Am Ende forderten die rund 1 700 TeilnehmerInnen, gegen die Wirtschaftskrise dringend mit ökologischen und sozialen Maßnahmen vorzugehen. Ausrichter waren Attac, BUND, EED, Greenpeace und Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem WuppertalInstitut. Die Eröffnungsrede hielt der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger (u.).

Abschlussaktion »Du hast nur eine Erde« – mehr über den diesjährigen Kongress finden Sie unter www.mcplanet.com.

Klima-Rallye

Klimaschutz ist kinderleicht

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Plakate zum Mitmachen und weitere Infos gibt es ab Ende Mai auf www.doncato.de. Kontakt: Projektbüro Don Cato, Tel. 0 30/2 75 86-3 18, info@doncato.de

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limaschutz schon mit den Kleinsten: Wie das geht, und dass es oft sogar kinderleicht ist, zeigt der Luchs »Don Cato« dieses Jahr auf einer Klima-Rallye, die kreuz und quer durch eine Kindertagesstätte verläuft. Wer dabei genau hinschaut, findet ganz viele und einfache Möglichkeiten, das Klima zu schützen und die Treibhausgase zu reduzieren. Mitmachen können alle Kinder zwischen drei und sechs – einzeln oder in der Gruppe – in Kindergärten, Kitas, Horten und Familien: einfach die unterhaltsamen Rätsel lösen und ein paar tolle Dinge für den Schutz des Klimas tun. Als Hauptpreis bekommt die aktivste Kindertagesstätte drei Bodentrampoline von »SMB-Seilspielgeräte«. Zudem winken 30 Klimaforscher-Sets als Belohnung für vorbildliche Aktivitäten. Und alle, die teilnehmen, erhalten eine »Mitmachurkunde«. Mitmachen ist jedenfalls ganz leicht: Denn Don Cato zeigt den Kindern auf einem großen bunten Plakat, wie und wo jedes Kind etwas für den Klimaschutz tun kann.

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Klima-Auktion

Hochwertiges Fahrrad ersteigern!

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nergiesparlampen, Wärmedämmung, 3-Liter-Autos – fast jeder trägt ganz persönlich zum Klimaschutz bei. Nur die wenigsten aber kennen die Potenziale auf dem weiten Feld der Ernährung: Unser Essen verursacht über ein Fünftel der globalen Treibhausgase und erhitzt damit die Atmosphäre stärker als der Verkehr. Schmackhafte und zugleich klimaschonende Rezepte aber sucht man bislang vergebens. Im September erscheint als ehrenamtliches Projekt der BUNDjugend ein Klima-Kochbuch beim Kosmos-Verlag. Es liefert Rezepte gegen die globale Erwärmung und deckt auf, ob’s das Klima rettet, auf Bio umzusteigen, ob wir uns die Mango aus Übersee verkneifen sollten, wie viel Fleisch unser Klima verträgt und weshalb es nicht nur der Gesundheit dient, seinen Einkauf mit dem Fahrrad zu erledigen. Zugunsten dieses Kochbuchs versteigern die BUNDjugend und Falk Bikes das hochwertige »FKF 9 Klimabike«. Unter www.bund-

jugend.de/auktion kann jeder noch bis 24. Mai (19:30 Uhr) mitbieten. Falk Bikes und BUNDjugend verbindet die Erkenntnis, dass wir alle Teil eines sensiblen ökologischen Systems sind. Darum unterstützt Falk Bikes regelmäßig Umwelt- und soziale Projekte. Auch die Produktion ist umweltschonend: So wird auf Carbonrahmen verzichtet, die nicht recycelbar sind und in der Herstellung viel Ausschuss produzieren. Statt Lack werden umweltfreundliche Pulverbeschichtungen verwendet. Falk Bikes wurde mehrfach Testsieger in Fachmagazinen und bietet elf Jahre Garantie auf Rahmen und fünf Jahre auf Spei-

chenbruch sowie eine Ausstattung mit langlebigen und bewährten Markenkomponenten. Mit der Ersteigerung dieses Klimabikes fördern Sie nicht nur das Klima-Kochbuch. Denn Falk-Bikes unterstützt mit dem Verkauf der Räder mehrere Umwelt- und soziale Projekte, so den BUND Berlin, »Die Arche« oder die Aufforstung des Regenwalds in Honduras. Jenny Blekker, jenny.blekker@ bundjugend.de, Tel. 0 30/2 75 86-5 84; Boris Demrovski, boris.demrovski@ …, -5 87; www.bundjugend.de, www.falk-bikes.de

Umwelt-Kinder-Tag

Kinder lernen Globalisierung verstehen

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ie Globalisierung ist mittlerweile überall angekommen – selbst im Kinderzimmer. Mit Aktionstipps zum diesjährigen Umwelt-Kinder-Tag hat die BUNDjugend diese weltumspannende Verflechtung für Kinder von sechs bis zwölf verständlich und spielerisch aufbereitet. Unter dem Motto »Hokus Globus Fidibus – Aktionstipps zum Thema Globalisierung und Eine Welt« sind alle Kinder aufgerufen, sich mit Spielen, Experimenten und praktischen Protestaktionen für eine gerechte und faire Welt einzusetzen.

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Woher bekommen Kinder in Afrika ihr Wasser? Wieso ist weißes Umweltpapier für die Zerstörung von Urwäldern in Indonesien mit verantwortlich? Und wie kann ein Bananenkuchen Kindern in Ecuador Gutes tun? Das AktionskartenSet motiviert Kinder, sich fremde Kulturen zu erschließen, neue Spiele auszuprobieren oder ein »faires« Frühstück auf die Beine zu stellen, um das komplexe Thema Globalisierung zu verstehen. Seit 2008 hat der Umwelt-Kinder-Tag keinen festen Termin mehr. Stattdessen können die Kinder ih-

ren eigenen Umwelttag veranstalten – Dauer und Form sind keine Grenzen gesetzt. Mit der Dokumentation ihrer Veranstaltung können die Kinder Überraschungspakete gewinnen, die sie in ihrem weiteren Engagement für eine gerechtere Welt bestärken sollen. Einsendeschluss ist der 1. September. Die Aktionstipps können gratis über umweltkindertag@bundjugend.de bestellt oder als PDF heruntergeladen werden: www.umweltkindertag.de


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Ja! Die RheinLand hat bereits seit 1995 ein Umweltmanagement-System. Das bedeutet konkret, sie reduziert kontinuierlich die Umweltauswirkungen ihres Geschäftsbetriebes und berücksichtigt ökologische Aspekte in ihrer Produktpalette. BUND-Mitglieder erhalten Sondernachlässe von bis zu 20 Prozent.

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I NTER NATIONAL

Europawahl am 7. Juni

Vorfahrt für die Wirtschaftslobby?

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m Rahmen einer Kampagne des BUND-Netzwerks Friends of the Earth (FoE) zur Europawahl können Sie Ihre KandidatInnen für das EUParlament in die Pflicht nehmen. Fordern Sie sie unter www.electioncampaign.eu (auch in deutscher Sprache) dazu auf, sich für ein Europa einzusetzen, das Mensch und Natur vor Profitinteresse stellt. Um die Kampagne schlagkräftiger und überzeugender zu machen, hat das Europabüro von FoE eine große Koalition umwelt- und sozialpolitischer Organisationen geschmiedet. Gemeinsam fordern wir von allen KandidatInnen, für Transparenz im Lobbydschungel zu sorgen und auf Nebenjobs als Lobbyisten oder Berater zu verzichten. Nur so werden Umweltinteressen im Getöse der Brüsseler Konzernlobbyisten Gehör finden.

Eines der dringlichsten Themen ist die Regulierung der Finanzmärkte. Wir fordern von den künftigen EUParlamentariern, eine Führungsrolle einzunehmen und nicht lockerzulassen, bevor Spekulationen mit Grundgütern ein Riegel vorgeschoben ist. Zudem sollen sich die KandidatInnen für einen gerechten Welthandel und globale Regeln für transnationale Konzerne starkmachen. Ohne solche Regeln können Konzerne Umweltgesetze umgehen, indem sie sich einfach in einem anderen Land niederlassen. Wählen Sie also Ihre Kandidaten aus einer Liste und schicken Sie ihnen eine E-Mail. Nutzen Sie dafür vorgefertigte Texte oder formulieren

Sie ein persönliches Anschreiben. Je mehr Parlamentarier sich auf unsere Forderungen verpflichten, desto mehr Chancen haben wir, Europa in den nächsten fünf Jahren umweltpolitisch zu gestalten. Nehmen Sie jetzt Ihre KandidatInnen in die Pflicht – unter www.electioncampaign.eu.

Strategie gefragt

Klimaschutz konkret

Aktive von BUND und Friends of the Earth forderten am 6. Dezember in Posen eine gerechtere Klimapolitik.

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ie globale Erwärmung auf maximal zwei Grad begrenzen – über dieses Ziel ist man sich heute weitgehend einig. Aber Klimawissenschaftler wie Prof. Heiko Paeth von der Universität Würzburg warnen: Zwei Grad sind nicht »sicher«. Schon eine viel geringere Erwärmung kann schweren Schaden anrichten: die Artenvielfalt mindern, Infektionskrankheiten verbreiten oder den Alpentourismus zerstören.

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Klimaschützer entwickeln darum schon Szenarien, um die Erwärmung auf 1,5 Grad oder noch weniger zu begrenzen. Zugleich wird der Ruf der Entwicklungs- und Schwellenländer nach Klimagerechtigkeit lauter. Eine historische »Klimaschuld« haben die Industrieländer angehäuft, indem sie über Jahrzehnte (und bis heute) überproportional viel CO2 in die Atmosphäre entließen. Sie sollten daher zuerst und deutlich die eigenen Emissionen mindern und Entwicklungsländer finanziell unterstützen, ihre Emissionen zu reduzieren und sich an das wandelnde Klima anzupassen. Beides zusammen hat weitreichende Konsequenzen für die Klimaschutzstrategie im Norden. Nicht nur müssten fossile Energien so bald wie möglich völlig verbannt werden. Es müsste eventuell sogar CO2 aus der Atmosphäre zurückgeholt werden – etwa durch den Anbau von Biomasse, die anschließend

zu Holzkohle umgewandelt und vergraben wird. Dass dies folgenreich für den Naturschutz wäre, liegt auf der Hand. Szenarien von McKinsey und WWF beinhalten zudem den Einsatz umstrittener Technologien – wie die Abscheidung und unterirdische Lagerung von CO2. Für den Weltklimagipfel am 12. Dezember in Kopenhagen heißt das: Wir müssen Klimagerechtigkeit und schärfere Ziele für Industrieländer fordern – bis hin zur »Kohlenstoffkreislaufwirtschaft« bis 2050. Gleichzeitig müssen wir konkrete Visionen entwickeln, wie das umgesetzt werden kann. Dazu haben sich auf einer BUND-Tagung des Wissenschaftlichen Beirats im März Arbeitsgruppen gebildet. Mehr dazu bei Corinna Fischer, Arbeitskreis Internationale Umweltpolitik, corinna.fischer@bund.net; und Felix Ekardt, Arbeitskreis Umweltethik, felix.ekardt@bund.net


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100 Jahre Pro Natura

Die Stimme der Natur

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an landesweit über 700 Schutzgebieten beteiligt. Wie beim BUND leisten den Hauptteil der Arbeit ehrenamtliche Mitarbeiter. Dabei unterstützen sie das »Zentralsekretariat« in Basel, viele kantonale Geschäftsstellen sowie Naturzentren am Aletschgletscher, am Neuenburgersee und im Sihlwald bei Zürich. Sechsmal im Jahr erhalten die Mitglieder das lesenswerte und gut gestaltete »ProNatura-Magazin«, das auf deutsch und französisch erscheint. Im Bewusstsein, dass der Schutz der Natur weltumspannend und untrennbar mit wirtschaftlichen und sozialen Fragen verbunden ist, trat Pro Natura 1995 dem Netzwerk »Friends of the Earth« bei. Und schon 1948 gehörten die Schweizer Partner zu den Gründern der WeltNaturschutzunion IUCN. Der BUND wünscht Pro Natura, ihre erfolgreiche Arbeit für die Naturschätze der Schweiz noch lange fortsetzen zu können – vom mediterranen Tessin bis hinauf zu den höchsten Alpengipfeln. Pro Natura, Dornacherstraße 192, 4018 Basel, Tel. +41/61/3 17-91 91, Fax: -92 66, mailbox@pronatura.ch, www.pronatura.ch

Die Post / Pro Natura

uf ein volles Jahrhundert im Dienste des Naturschutzes kann der Schweizer BUND-Partner »Pro Natura« in diesem Jahr zurückblicken. 1909 gründete sich der »Schweizerische Bund für Naturschutz«, um den Pachtzins für einen Nationalpark im damals noch kaum erschlossenen Unterengadin zu finanzieren. Mit Erfolg: Am 1. August 1914 konnte auf dem Gebiet der Gemeinde Zernez der »Schweizerische Nationalpark« eingeweiht werden – immerhin 56 Jahre vor dem ersten deutschen Nationalpark im Bayerischen Wald. Für eine vom Menschen unberührte Natur setzt sich Pro Natura, wie der Verband seit 1997 heißt, auch heute noch ein: Eine der wichtigsten Kampagnen zielt darauf, einen zweiten Schweizer Nationalpark auszuweisen – was noch im Jubiläumsjahr Wirklichkeit werden könnte. Über 100 000 Mitglieder unterstützen die – laut Eigendarstellung – »Anwältin und Meinungsmacherin für Naturschutz in der Schweiz« dabei. Pro Natura engagiert sich überdies für einen langfristigen Schutz bedrohter Lebensräume und Arten, für mehr Natur in der Landwirtschaft, im Wald und in den Siedlungen. Dafür ist der Partner des BUND

Den Braunbären auf der Jubiläumsbriefmarke hat Pro Natura zum Tier des Jahres gekürt. Ihr Wappen aber ziert der einst fast ausgerottete Steinbock – im Bild eine Aussetzung 1961 im Kanton Bern.

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MEDI EN

Zukunftsperspektive

Im Lobbydschungel

Karl Otto Henseling, Mitarbeiter des Umweltbundesamtes, beschreibt im ersten Teil seines Abgesangs auf das fossile Zeitalter (etwas zu) ausführlich, wie die Chemie die Welt eroberte und bis heute entscheidend beeinflusst. Als Ursache des Klimawandels benennt er des Menschen Eingriff in die globalen Stoffkreisläufe. Die – durchaus vorhandene – Bereitschaft für einen nachhaltigen Lebensstil werde durch eine zu kurzfristige Politik zunichte gemacht. Interessant diskutiert er die Frage nach dem Recht auf eine gesunde Umwelt und die nötige Orientierung am Vorsorgeprinzip. Deshalb plädiert der Autor im zweiten Teil für eine große Transformation unserer Gesellschaftssysteme. Wunderbar zeigt er die Folgen der Fokussierung auf unbedingtes Wirtschaftswachstum und malt ein neues Bild der Nachhaltigkeit: Die ökologische Tragfähigkeit der Erde bestimmt die Grenzen jeder wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. Henseling bietet verständliche Orientierungshilfen für mehr Kontrolle in der Finanzwirtschaft sowie für Nachhaltigkeit in Produktion, Konsum und Landwirtschaft. Auf Basis einer solaren Energiewirtschaft fordert er die postfossile Mobilität und ein neues Verständnis von nachhaltigen Lebensstilen. Dieser zweite Teil des Buches ist der eindeutig stärkere. Henseling vermittelt zwar keine neuen Erkenntnisse, stellt aber aktuelle Entwicklungen und Lösungsansätze in einen großen Zusammenhang und veranschaulicht ermutigende Wege für eine wirklich nachhaltige Entwicklung.

Er ist groß. Und er ist gefährlich, jedenfalls für die Demokratie und die Umwelt: der Berliner Lobbydschungel. Die Initiative »LobbyControl« hat einen Reiseführer durchs Lobbygestrüpp veröffentlicht. Auf zwei Routen durch die Stadt wird gezeigt, wer wo was für die Atomkraft oder gegen eine vernünftige Verkehrs-, Gesundheitsund Umweltpolitik unternimmt. Missstände haben eine Adresse. Der Reiseführer führt hin. Sehr informativ und, wie die gesamte Arbeit von LobbyControl, sehr verdienstvoll.

Karl Otto Henseling: Am Ende des fossilen Zeitalters, 2008. 280 S., 19,90 Euro, oekom verlag

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Streiter für den Naturschutz 2009 jährt sich der 100. Geburtstag eines großen Naturschützers und Nationalpark-Pioniers: Bernhard Grzimek. Mit der TV-Sendung »Ein Platz für Tiere«, dem Film »Serengeti darf nicht sterben« und vielen Büchern machte der gelernte Tierarzt den Tier- und Naturschutz – nicht nur – in Deutschland populär. Grzimek war Tierfilmer und Zoodirektor, Gründungsmitglied des WWF und Präsident des Deutschen Naturschutzrings. 1969 ernannte ihn Bundeskanzler Willy Brandt zum ersten Beauftragten für Naturschutz. Mit der sozial-liberalen Koalition kam ein wenig Bewegung in den Natur- und Umweltschutz. Aber viel zu wenig. Das war ein Beweggrund für Grzimek, 1975 den BUND mit aus der Taufe zu heben. Claudia Sewig schildert sehr anschaulich die bewegte Biografie eines Mannes, der viel anstieß und nicht selten aneckte. Mit Anmerkungen zum gesellschaftlichen Hintergrund seines Handelns hält sich die Autorin zurück. Ein wenig mehr analytische Schärfe aber hätte dem interessanten Buch sicher nicht geschadet. Claudia Sewig: Bernhard Grzimek. Der Mann, der die Tiere liebte, 2009. 447 S., 24,95 Euro, Gustav Lübbe Verlag

LobbyPlanet Berlin, 2008. 168 S., 7,50 Euro + Versand, Bezug: www.lobbycontrol.de

Ware oder Menschenrecht? Auf den Spuren eines Elements ist Regisseur Udo Maurer in »Über Wasser« auf Weltreise gegangen. Er erzählt drei Geschichten von der existenziellen Bedeutung des Wassers für die Menschheit. Schauplätze sind Bangladesh, Kasachstan und Kenia. Entstanden ist ein eindringlicher Dokumentarfilm über brisante Themen wie Klimawandel, Globalisierung und Verarmung. DVD Über Wasser, A/L, 2008. 83 min, 17,99 Euro, Neue Visionen Filmverleih, Berlin


Plädoyer für die Tanne

Gezielter Vögel gucken Passend zur Rückkehr der letzten Zugvögel haben Christian Wagner und Christoph Moning den dritten Band der »besten Beobachtungsgebiete« Deutschlands vorgelegt. Zwischen Rügen und Thüringer Wald sind nun endlich auch die für VogelfreundInnen spannendsten Orte Ostdeutschlands beschrieben. Wer östlich verbreitete Arten wie Schreiadler und Großtrappe, Sperbergrasmücke und Schlagschwirl sehen will, bekommt mit diesem Naturführer einen unverzichtbaren Wegweiser an die Hand. Zu welcher Jahres- und Tageszeit haben Sie wo genau gute Chancen, ein Kleinsumpfhuhn zu hören? Antwort auf diese und ähnliche Fragen zur reichen Vogelwelt östlich der Elbe geben Ihnen übersichtliche Kartenausschnitte mit Exkursionstipps, detaillierte Beschreibungen zur Anfahrt (die im dünn besiedelten Nordosten ohne Auto leider oft mühsam ist), schöne Fotos und vor allem ganz aktuelle Übersichten über die Brut- und Rastvögel in 103 ausgewählten Gebieten. Eine Fülle von Informationen ist in diesem Buch zusammengeflossen. Mehr als bei den ersten Bänden zu Süd- und Norddeutschland waren die beiden (westdeutschen) Autoren hier auf die Ortskenntnis lokaler Beobachter angewiesen. Die Recherche hat sich gelohnt, das Ergebnis kann sich sehen lassen! Christian Wagner/Christoph Moning: Vögel beobachten in Ostdeutschland, 2009. 424 S., 29,90 Euro, Kosmos Verlag

»Unangepasst, widerborstig und eigenbrötlerisch, verkörpert die Weißtanne in unseren Wirtschaftswäldern ein Stück Restnatur – einen Rest von Wildnis gar. Dem Charakterbaum muss geholfen werden!« Gekonnt, mit Schwung und Begeisterungsfähigkeit leitet Wolf Hockenjos sein Plädoyer für die Zukunft von Abies alba ein. Und Bücher wie dieses – reich bebildert, unterhaltsam und engagiert – kann die bedrohte Tanne wohl gebrauchen. So unvermindert populär der »Tannenbaum« bis heute ist – in unseren Bergmischwäldern ist er selten geworden, bisweilen völlig verschwunden. Der Schwarzwälder Hockenjos weiß wie kaum ein anderer, warum. Seit Jahrzehnten setzt er sich für die Weißtanne ein, als Leiter eines Forstamtes, als Kreisbeauftragter für Naturschutz, als Publizist.

Als einer der ersten wies er auf Krankheitssymptome bei der Tanne hin – die ganz besonders unter dem »sauren Regen« litt. Der eigentliche Totengräber der Tanne aber war die Forstwirtschaft: weil sie über Jahrzehnte die schnellwüchsige Fichte ebenso förderte wie sie die Tanne unterdrückte; und weil sie die sorgsam gehegte Vielzahl von Rehen und Hirschen duldete, die – durch starken Verbiss – den allermeisten Jungtannen den Garaus machte. Und damit war sie schlecht beraten. Heute weiß man: Gegen Trockenheit, Schadinsekten und Stürme sind Tannen weit besser gerüstet als Fichten. Nicht nur in Zeiten des

Klimawandels hat die Tanne also eine neue Chance verdient. Wer ein umfassendes Bild von der Biologie und Kulturgeschichte eines unserer imposantesten Bäume gewinnen will (siehe Foto auf Seite 7 rechts oben!), dem sei diese Neuerscheinung ans Herz gelegt. Wolf Hockenjos: Tannenbäume, 2008. 232 S., 165 Farbabbildungen, 24,90 Euro, DRW-Verlag

Ist die Natur ästhetisch? Die Natur um uns ist farbenfroh und formenreich – wobei diese Formen, Farben und Muster verschiedenste Funktionen erfüllen. Vieles davon empfindet der Mensch als schön. Der Ästhetik dieser Gestaltungs-, Signal- und Informationstechnik versucht Prof. Berndt Heydemann nachzuspüren. Was fasziniert den Menschen an der »Schönheit« der Natur? Mit über 100 Farbbildern – vielfach Makrofotografien – und kurzen Texten beschreibt der Autor das Ästhetische, das Schöne in der belebten und unbelebten Natur. Er geht der Frage nach, ob diese Schönheit weit vor ihrer Entdeckung durch den Menschen eine Rolle in der belebten Welt gespielt hat. Ein streitbarer Ansatz – doch wer sich mit Ästhetik, Bionik und Design beschäftigt, wird hier interessante Anregungen finden. Berndt Heydemann: Ökologie der Schönheit – Die Natur und die Ästhetik – Strategien des Lebens, 2009. 224 S., 39,80 Euro, Wachholtz Verlag

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PERSÖN LIC H

Im Gespräch mit Diethardt Böttger

Rüdiger Biehl

Diethardt Böttger montiert mit Kindern einen Lockstock für die Wildkatze – ausnahmsweise vor laufender Kamera. Der 59-jährige hat zwei Töchter und lebt als Selbstversorger mit viel Hausgeflügel in Hallungen/Wartburgkreis. Bevor er 1999 zum Nationalpark kam, war er 35 Jahre lang Waldarbeiter.

Ich halte Diavorträge, habe ein Wildkatzen-Quiz entworfen und Drehbücher für drei Filme geschrieben, die die Kinder selbst gedreht haben. Im Mittelpunkt steht jeweils Heinrich, ein ausgestopfter großer Wildkuder, der überall bekannt ist wie ein bunter Hund und mich bei meinen Schulbesuchen begleitet.

Als Ranger im Thüringer Nationalpark Hainich bringt Diethardt Böttger vor allem Kindern den Wald und seine Bewohner näher. Ein Tier liegt dem BUND-Mitglied ganz besonders am Herzen: die bedrohte Wildkatze. Seine Bildungsarbeit ist eng mit dem »Rettungsnetz für die Wildkatze« des BUND verbunden. Redakteur Severin Zillich hat nachgefragt. Herr Böttger, ist Ihnen in freier Natur schon mal eine Wildkatze über den Weg gelaufen? In den zehn Jahren, die ich jetzt im Nationalpark bin, habe ich dreimal eine Wildkatze gesehen. Jeweils für drei bis vier Sekunden, immer am frühen Morgen. Das waren wohl Kuder, die bei ihren Kätzchen verschlafen haben … Zur Ranzzeit im Februar/März hören die Jäger, wenn sie nachts auf dem Hochsitz sind, manchmal ihr Gejaule – was mir noch nicht vergönnt war. Aber die Kuder streifen dann weit umher und hinterlassen im frischen Schnee ihre Spuren. Wie sind Sie auf die Wildkatze gekommen? Eigentlich hat mich die Wildkatze schon immer interessiert. Aber richtig Feuer gefangen habe ich erst vor vier Jahren. Damals fragte mich Thomas Mölich vom Wildkatzenprojekt des BUND, ob ich nicht Lust hätte, mit einigen Kindern aus der Umgebung Lockstöcke im Nationalpark aufzustellen. Mit sieben Kindern fing es an, und allmählich habe ich das größer aufgezogen, mit vielen Ehrenamtlichen und sehr vielen Kindern – von den acht Grundschulen rund um den Nationalpark bis zum Gymnasium.

Und in den Nationalpark gehen Sie auch? Aber ja: Jede Grundschulklasse betreut einen »Patenschaftswald«, den sie erforschen kann. Diese Waldfläche steht den Kindern ganzjährig offen, da können sie umherstreifen, wie sie möchten. So wollen wir die Kinder der Region für den Nationalpark gewinnen – damit diese Generation einmal auf unserer Seite steht. Ab der 5. Klasse biete ich den Regelschülern an, nachmittags mit mir in den Nationalpark zu fahren. Da geht es auch mal um die Bäume oder die Spechte im Hainich. Aber die Wildkatze ist immer dabei. Jede Schüler-AG betreut einen Lockstock, 170 haben wir bereits aufgestellt. Das war ein Riesenerlebnis, als wir die ersten Haare fanden! Mit den Älteren habe ich außerdem Steckbriefe zur Wildkatze erarbeitet, über ihre Lebensweise und die Gefahren, denen sie ausgesetzt ist. Diese Kinder haben in den Grundschulen dann Vorträge über die Wildkatze gehalten und das Quiz gespielt. Mir blieb am Ende nur noch die Preise zu verteilen. Lassen sich die Kinder leicht für Wildkatzen begeistern? Ja, man muss nur den richtigen Weg finden, neue Ideen entwickeln, gerne etwas erzählen wollen. Haben die Kinder vormittags viele Stunden nur gesessen, gehen wir erstmal auf den Waldspielplatz. Da können sie eine halbe Stunde toben – und schon habe ich aufmerksame Kinder. Wenn’s dann um die Wildkatze geht, ist Thomas Mölich immer eine ganz, ganz große Unterstützung. Alles, was ich über die Wildkatze weiß, habe ich ja von Thomas gelernt. Mit ihm an der Seite ist meine Arbeit sehr viel leichter … Besten Dank für das Gespräch – und weiter viel Erfolg! 씰 www.nationalpark-hainich.de

Seit 2005 suchen Kinder mehrerer Schulen rings um den Hainich unter Anleitung von Thomas Mölich und Diethardt Böttger nach Katzenhaaren im Nationalpark. Wildkatzen reiben sich, angelockt von einer Baldrianlösung, an aufgerauten Pfählen. Dabei lassen sie Haare, die das Senckenberg-Institut in Frankfurt genetisch eindeutig Wild- oder Hauskatze zuordnen kann. Diese Methode hat der BUND in den letzten Jahren so weit verfeinert, dass damit bereits vielerorts Wildkatzen nachgewiesen werden konnten – auch in Gebieten, wo ihr Vorkommen seit Jahrzehnten nur vermutet oder völlig unbekannt war. 씰 www.bund.net/wildkatze

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BUNDmagazin 02/2009