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Bund f端r Umwelt und Naturschutz Deutschland

BUNDmagazin Friends of the Earth Germany

Deutschland: ein Umweltcheck

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1/2014


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FORUM Liebe Leserinnen und Leser, »Zeit für Reformen« – so ist der Beitrag betitelt, den BUND-Geschäftsführer Olaf Bandt zum Start der neuen Regierung für dieses Heft geschrieben hat. Zwar hieß es schon vor vier Jahren aus gleichem Anlass: »Eine sozialökologische Wende ist überfällig.« Doch für eine anspruchsvolle Umweltpolitik ist es nie zu spät. Bis zum Nachweis des Gegenteils erwartet der BUND auch bei dieser Regierung mit guten Argumenten Gehör zu finden und auf Politiker mit Weitsicht und Problembewusstsein zu treffen … Zur Orientierung listet unser Titelthema auf, wo die Große Koalition vor allem aktiv werden muss. Ein besonderer Brennpunkt ist fraglos die Agrarpolitik. Mitte Januar, zum Start der Grünen Woche, zogen in Berlin 30 000 Menschen vors Kanzleramt, so viele wie noch nie. Auch viele Tausend BUND-Mitglieder gingen für eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft auf die Straße. Kein Wunder, haben doch die Verödung unserer Kulturlandschaft und die industrielle Tiermast ein Ausmaß erreicht, das kaum noch zu rechtfertigen ist. Der neue Präsident des Bauernverbands versucht es erst gar nicht. Originalton Joachim Rukwied: »Mit denen, die bewusst falsch informieren und behaupten, unsere Betriebe seien agrarindustrielle Einrichtungen und massentierhaltungsgeprägt, mit denen reden wir nicht mehr.« Dies und der Nachsatz »Massentierhaltung gibt es nicht« dokumentieren unfreiwillig, wie groß die argumentative Not der Agrarfunktionäre inzwischen ist. Ein Dauerbrenner bleibt auch die Energiewende. In den nächsten Monaten wird die Politik hier entscheidende Weichen stellen. Für den 22. März ruft der BUND dazu auf, in sieben Landeshauptstädten zu demonstrieren. Wir wollen für eine Energiewende in Bürgerhand streiten, naturverträglich und dezentral. Seien Sie mit dabei! Unser Schwerpunkt zeigt: Viele weitere Umweltthemen verdienen politischen Einsatz – wie Flächenverbrauch oder Müllaufkommen (beide zu hoch). Mit Ihrer Hilfe, liebe Förderer und Mitglieder, will der BUND dafür sorgen, dass die Regierung aktiv wird. Viel Spaß beim Lesen dieses BUNDmagazins wünscht Ihr

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I N HALT

Leserbriefe / Impressum

MAGAZI N 6

Kurznachrichten

FOTOSEITE 9

Gerettete Landschaften

KOMMENTAR 10 … zum Freihandelsabkommen TITELTH EMA 12 Deutschland: ein Umweltcheck 12 Zeit für Reformen 14 Acht Umweltindikatoren – von Abfall bis Wasserqualität

Seite 12: Auf dem Prüfstand Die Große Koalition hat ihre Arbeit aufgenommen. Wo ist aus Sicht des BUND besonderer Einsatz gefragt?

AKTION 24 Energiewende retten GUT LEBEN 25 Weniger Fleisch auf den Teller BIOSPHÄR EN R ESERVAT 26 Vessertal-Thüringer Wald ZU R ZEIT 28 Tägliche Dosis Gift 29 Schmetterling des Jahres

Seite 26: Aufbruchstimmung Jahrzehnte war im Thüringer Wald von einer Modellregion nur wenig zu sehen. Nun aber soll vieles besser werden.

30 Natur aus zweiter Hand 32 Bürgerrechte erkämpft AKTIV 33 Neues aus dem BUND 38 Internationales 40 Die junge Seite MAR KTPLATZ 42 Kleinanzeigen MEDI EN 44 Interessante neue Bücher

Seite 40: Essbare Stadt Die BUNDjugend hilft jungen Menschen, ihre Ideen für eine bessere Welt zu verwirklichen. Zum Beispiel im Schwarzwald.

PERSÖN LIC H Severin Zillich, Redaktion

46 Gerhard Kneitz [1-14] BUNDmagazin

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gig, selbstbestimmt, suffizient – und allein. Die Welt ist bunt, und auch vermeintlich »alte« Lebensmodelle können ungebremster Konsumlust den Eulenspiegel vorhalten. Julius Röber, Barmstedt

FORUM

Titel der Ausgabe 4/13

Titelthema »Weniger ist mehr« Danke – für Euer überfälliges, sehr kraftvolles und gut gestaltetes Dossier über den Konsumterror! Kerstin Conrad, Rödermark Ihr Titelthema finde ich großartig und nachdenkenswert. Die als Beispiele aufgeführten »MinimalismusIdeen« scheinen mir jedoch zu kurz zu greifen. Die Welt der 100 Dinge funktioniert in Familien kaum – dabei sind diese ein großartiger Ort des Teilens. Wo wird traditionell so viel aus denselben Dingen Nutzen gezogen? Angefangen bei den Räumlichkeiten über Heimtextilien, Mobiliar und Küchengeräte bis zu den Transportmitteln … Allein eine Zeitrafferdokumentation unseres Familientischs würde einen Mikrokosmos von Mehrfachnutzung und Suffizienz enthüllen. Ich mochte Ihre Artikel gerne, fand aber, dass sie Ihrem Titelbild zu viel Referenz erwiesen: unabhän-

IMPRESSUM Das BUNDmagazin ist die Mitgliederzeitschrift des BUND und erscheint viermal im Jahr. Herausgeber: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) – Friends of the Earth Germany Redaktion: Norbert Franck (V.i.S.d.P.), Severin Zillich (C.v.D.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin,  (0 30) 2 75 86-4 57, Fax -4 40, redaktion@bund. net,  www.bund.net. Unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos werden sorgfältig behandelt; eine Haftung wird nicht übernommen. Gestaltung, Produktion: Claudia Gunkel (Produktionsleitung), Marc Venner (Grafik/Layout), Rudolf Gorbach (Grundlayout)

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BUNDmagazin [1-14]

Deutschland geht es wirtschaftlich gut. Aber nicht einmal relativ einfache Maßnahmen finden eine politische Mehrheit, wie das Verbot von Stand-by-Schaltungen elektrischer Geräte oder die Abschaffung der Kfz-Steuer bei entsprechender Verteuerung von Benzin- und Dieselkraftstoffen. Die Einführung einer Kerosinsteuer in der EU im Rahmen einer ökologischen Steuerreform ist politisch genauso chancenlos wie eine einheitliche Tempobegrenzung auf Europas Schnellstraßen. Die von Frau Zahrnt angesprochene Politikwende wird es nicht geben, weil die Politik eine dienende Funktion angenommen hat. Die führende Funktion hat das Geld, also die Verstrickung von Politik, Industrie und Banken. In der Schweiz ist es den Bürgern immerhin möglich, selbst ins politische Geschehen einzugreifen. Eine Fehlplanung wie Stuttgart 21 wäre dort undenkbar. Hans Hilber, Leinfelden Ich habe Ihren leidenschaftlichen Appell zu Effizienz und Suffizienz gelesen. Jeden Satz kann ich unterschreiben. Auch ich bewege mich da im ständigen Wechsel zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Mut und Verzweiflung. Vernünftige, gebildete Leute sagen mir: Ohne Wirtschaftswachstum geht es halt nicht. Auf die Nachfrage, warum

Titelbild 1/14 (18. Jahrgang): Mark Venner (Grafik), Dominik Ketz/RLP Tourismus GmbH (Foto) Verlag: Natur & Umwelt Verlags-GmbH, Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin Mitgliederservice:  (0 30) 2 75 86-479, Fax -4 40, mitgliederservice@bund.net Anzeigenverwaltung: Ruth Hansmann, Runze & Casper Werbeagentur GmbH,  (0 30) 2 80 181 45, Fax: -4 00, hansmann@runze-casper.de. Es gilt der Anzeigentarif Nr. 22. Druck: Brühlsche Univ’druckerei GmbH & Co KG Papier: 100% Recycling, glänzend gestrichen Spenden: Der BUND benötigt für seine Arbeit über die Mitgliedsbeiträge hinaus Unterstützung. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Bitte überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto Nr. 232 der

nicht, heißt es dann: Das weiß ich auch nicht. Wir haben ein ernstes gesamtgesellschaftliches Problem. Wie lassen sich die Menschen von der Vision einer großen Transformation hin zu Suffizienz und Effizienz begeistern und bewegen? Die Abkehr von falschen Leitbildern und Zielen ist überlebensnotwendig. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Wir müssen sagen, was wir denken, und tun, was wir sagen! Friedrich Meier, Nürnberg Herzlichen Dank für Ihren Beitrag »Nutzen statt besitzen« im neuen BUNDmagazin. Ich freue mich, dass Sie die Argumente und Gedanken dazu einmal zusammengestellt haben. Mich fröstelt immer, wenn es heißt, die Menschen müssten mehr konsumieren, um etwas gegen den deutschen Exportüberschuss zu tun. Ihr Text liest sich leicht und ist gut verständlich. Gerda Pfahl, Kassel Nachhaltigkeit bedeutet den Verbrauch zu drosseln, und Ihre Anregungen sind sicher wichtig. Sie können aber nur ein Anfang sein. Da empfehle ich gerne das eBuch »Kulturen in der Krise« (kindle-edition). Es zeigt, wie unser Weg wahrscheinlich weiterführen wird. Ein Blick auf unsere Motive und deren Gründe hilft da. Führt man sich diese Dimension einmal vor Augen, wird es gravierender und grundsätzlicher. Rudi Rembold, Gerlingen Mit großem Interesse habe ich Ihr Thema »Weniger ist mehr« gelesen. Auch ich bin immer im Zwiespalt,

Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98; oder das Konto IBAN: DE24 3702 0500 0008 2802 02, BIC: BfS WDE33 der Bank für Sozialwirtschaft. Danke! (siehe dazu  www.bund.net/spenden) Copyright: Alle Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck oder sonstige Verwertung nur mit schriftlicher Einwilligung des Verlags. Druckauflage: 171 970 Exemplare (IVW 4/2013); in der Natur + Umwelt: 122 282 Ex. (IVW 4/2013) Beilagen: Dieses BUNDmagazin enthält Beilagen (in Teilauflage) von Waschbär, Plan International und »Die Zeit«. Das BUNDmagazin 2/2014 erscheint am 17. Mai mit dem Schwerpunkt »Vernetzte Lebensräume«.


ob es gut ist, bei eBay gebrauchte Dinge zu kaufen: Einerseits spart Gebrauchtes Ressourcen, andererseits schlagen die Transportwege zu Buche. Wir alle brauchen in dieser Frage konkrete Ratschläge. Und hier ist einer: Wer bei eBay links unten auf »Weitere Eingrenzungen« klickt und dann auf »Artikelstandort«, kann die gewünschte Entfernung des Artikels vom eigenen Wohnort einstellen. Bei Allerweltsartikeln kann ich mir so nur die Angebote aus dem näheren Umkreis zeigen lassen. Die Auswahl ist trotzdem noch groß genug, und ich vermeide, dass der Artikel vom anderen Ende Deutschlands zu mir geschickt wird. Franziska Reuter, Heidelberg Ich empfehle das Buch »Exit – Wohlstand ohne Wachstum« von Meinhard Miegel: eine Pflichtlektüre für alle, die sich ernsthaft und ganzheitlich mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Mit ein paar

homöopathischen Verhaltensänderungen wird es nicht getan sein. Sven-Malte Störring, Wallertheim

Kinder und Mobilfunk Wie gewohnt sind viele gute Texte im aktuellen Magazin. Ganz besonders freue ich mich über den sehr guten Ratgeber »Kinder zu Mobilfunkern?«. Die Auswirkungen der mobilen Kommunikationstechnik auf Mikrowellenbasis werden leider nicht aufmerksam genug verfolgt. Hinweise auf das biologische, soziale und psychische Schädigungspotenzial gibt es zuhauf. Besonders Kinder und Jugendliche werden einen hohen Preis für den blinden Fortschrittsglauben zahlen. Es muss allen umweltbewussten Menschen ein Anliegen sein, so oft es geht ein Kabel zu benutzen. Nicht zu vergessen, dass wir es bei der mobilen Kommunikation mit einem künstlich geweckten Bedürfnis zu tun haben, das die Industrie geschickt geschaffen hat.

Oder erinnert sich jemand an eine Wanderung vor 1995, auf der man vermisst hätte, nicht telefonieren oder im Internet surfen zu können? Frank Berner, Stuttgart

Radfahren im Winter Sie zeigen ein Bild mit Radlern auf verschneiter Straße. Es ist nicht zu erkennen, ob alle einen Helm aufgesetzt haben, das ist ja bei diesen Straßenverhältnissen besonders wichtig. Auch im Text müsste darauf eindringlich hingewiesen werden. Irmingard Jaks, Blaubeuren Wie kontrovers das Helmtragen beim Radfahren gesehen wird, zeigt das Echo auf die Leserumfrage in Heft 1/ 2013:  www.bund.net/leserumfrage

Die Redaktion freut sich über jede Zuschrift, behält sich aber Kürzungen vor. Eine erweiterte Auswahl von Leserbriefen finden Sie unter  www.bund.net/bundmagazin – etwa vier Wochen nach Erscheinen der neuen Ausgabe.

Die GLS Bank wurde 1974 als erste sozial-ökologische Bank der Welt mit einer klaren Aufgabe gegründet: Geld soll für die Menschen da sein. Deshalb fließt es bei uns ausschließlich in sozial, ökologisch und ökonomisch sinnvolle Unternehmen. Dabei machen wir transparent, wo und was wir finanzieren. Vom Girokonto bis zur Vermögensanlage – informieren Sie sich über unsere zukunftsweisenden Angebote.

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Bankwechsel jetzt!

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das macht Sinn

[1-14] BUNDmagazin

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Die Verantwortung fürs Geld kann man am Bankschalter abgeben, muss man aber nicht


Aquakultur

MAGAZI N

Fisch um jeden Preis?

Karpfen gehören zu den häufigsten Zuchtfischen in Deutschland.

nsere Ozeane sind mehr und mehr überfischt. MeeresbiologInnen warnen schon lange vor den ökologischen Folgen. Gleichzeitig raten Ernährungsfachleute dazu, mehr Fisch (statt Fleisch) zu essen. Kann die Aquakultur – also die kontrollierte Aufzucht von Fischen, Muscheln oder Krebsen – diesen Widerspruch lösen? Sicher kann Aquakultur nützlich sein, um Druck von den wilden Fischbeständen zu nehmen. Auch könnte Deutschland so den eigenen Bedarf besser im Land decken. Doch der globale Boom der Branche schafft neue Umwelt- und Tierschutzprobleme. So werden die Tiere auf engstem Raum gehalten und oft mit Antibiotika behandelt. Umgebende Gewässer leiden unter Nähr- und Schadstoffen, auch verbrauchen die Kulturen sehr viel Energie.

Über das Für und Wider der Aquakultur und Merkmale einer nachhaltigen Fischzucht informiert der BUND mit einem Faltblatt.

sie die Mitgliedsstaaten beauftragt, nationale Strategiepläne zu entwickeln. Diese Pläne wird der BUND fachlich begleiten.

Alexander Raths/Fotolia

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Zudem hat der Landesverband Schleswig-Holstein ein Hintergrundpapier erarbeitet; es beleuchtet die Umweltaspekte eines Verfahrens, das den BUND künftig stärker beschäftigen wird. Die EU beabsichtigt Aquakulturen mehr zu fördern. Zunächst hat

Mehr dazu unter  www.bund.net/ aquakultur und  www.bund-sh.de; Bezug der Druckversionen über info@bund.net, Tel. (0 30) 2 75 86-4 69 bzw. beim BUND Schleswig-Holstein, Tel. (04 31) 6 60 60-0

zuwirken. Denn die Teilchen wirken wie Gifttransporter. An ihrer Oberfläche binden sie Umweltgifte, deren Konzentration hier das Hundertfache des umgebenden Meerwassers erreichen kann. Die gebundenen Schadstoffe werden von Meerestieren mit der Nahrung verschluckt und im Magen freigesetzt. Viele wirken wie Hormone und schädigen die Organismen beträchtlich. Wie können wir verhindern, dass Mikroplastik weiter in großem Umfang die Umwelt verschmutzt? Zum einen muss der Eintrag von Plastikmüll in unsere Gewässer drastisch gesenkt werden. Außerdem gilt es

jene Plastikteilchen, die Produkten gezielt beigemischt werden (siehe Foto), durch umweltschonendere Materialien zu ersetzen. Gemeinsam mit dem Brüsseler Partner »Seas at Risk« engagiert sich der BUND dafür, Mikroplastik in Kosmetika und Reinigungsmitteln EU-weit zu verbieten. Auch Sie können etwas tun: Achten Sie darauf, keine Pflegeprodukte mehr zu kaufen, die Polyethylen oder -propylen (PE/PP) enthalten. Eine Produktliste mit Kosmetika, die Sie meiden sollten, und weitere Informationen finden Sie unter:  www.bund.net/mikroplastik

Mikroplastik

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Mikroplastik aus dem Duschpeeling »Nivea for Men«.

lastikmüll verunstaltet die Ufer vieler Bäche und Flüsse, die Küsten und die Meere weltweit. Weniger offensichtlich, doch nicht weniger verbreitet sind winzig kleine Plastikpartikel in einer Größenordnung unter 5 Millimetern. Sie stammen aus der Zersetzung des Plastikmülls oder werden Produkten extra zugefügt. Dieses »Mikroplastik« droht sich verheerend auf unsere Umwelt aus-

Leserumfrage Im letzten Heft haben wir gefragt: Wie halten Sie es mit dem Fliegen? Am häufigsten antworteten LeserInnen, die bewusst nur sehr selten ins Flugzeug steigen. Diesmal würden wir gerne wissen, wie Sie mit Plastik

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BUNDmagazin [1-14]

verfahren: Meiden Sie Kunststoffe nach Möglichkeit? Wo können Sie gut auf Plastik verzichten, wo sehen Sie schwerlich eine Alternative? Schreiben Sie uns!  www.bund.net /leserumfrage

Tony Hegewald/pixelio.de

Unsichtbare Gefahr


KURZ + GUT »Only bad news is good news« heißt es unter Medienleuten, vor allem schlechte Nachrichten erregen demnach unsere Aufmerksamkeit. Doch Positives aus unserem Verband und dem Umwelt- und Naturschutz tut einfach gut. Deshalb finden Sie hier kleine bunte Meldungen der letzten Zeit, über die wir uns gefreut haben.  Seit 1. Januar hat Deutschland einen neuen Nationalpark! Der Nationalpark Schwarzwald ist der erste in Baden-Württemberg und der 15. bundesweit. Eindeutig begrüßt hat der BUND das neue Schutzgebiet: als große Chance für die Natur und einen sanften Tourismus in der Region. Mehr dazu demnächst im BUNDmagazin.  Stiftung Warentest und das »Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen« bescheinigten dem BUND im November, »wirtschaftlich, transparent und gut organisiert« zu sein. Nur 6 von 46 untersuchten Spendenorganisationen aus dem Natur- und Umweltschutz bekamen dieses Unbedenklichkeitszeugnis. Der BUND lege Einnahmen und Ausgaben detailliert offen, berichte über die Wirkung seiner Projekte und sei so organisiert, dass »Korruption erschwert und Verschwendung vermieden« werde.  Die Energiewende belebt die Idee der Genossenschaften – 169 wurden im ersten Halbjahr 2013 bundesweit gegründet. Mehr als die Hälfte seien Nahwärmenetze, Bioenergiedörfer und andere Energiegenossenschaften, so eine Studie der DZ-Bank. Für das gesamte letzte Jahr rechnete sie mit über 300 Neugründungen.  Am 9. Januar veröffentlichte der BUND den »Fleischatlas 2014« mit neuen Daten und Fakten zu Fleischverbrauch und -erzeugung. Er bringt Licht ins Dunkel des

weltweiten »Big Business Fleisch«, berichtet von Landraub in Entwicklungsländern oder den Folgen des geplanten Freihandelsabkommens mit den USA. Mehr dazu:  www.bund.net /fleischatlas  Fledermäuse sind europaweit in den letzten 20 Jahren deutlich häufiger geworden. Dies legen Zahlen der Europäischen Umweltagentur nahe. Die Winterbestände von 16 untersuchten Arten in neun Ländern (darunter D) nahmen seit 1993 um über 40 Prozent zu. Dennoch: Viele Arten und ihre Lebensräume gelten weiter als bedroht.  Der neue CO2-Grenzwert für Neuwagen in der EU ist beschlossen. Zwar gelten die durchschnittlich 95 Gramm/ Kilometer (entspricht etwa 4 Liter Spritverbrauch) erst ab 2021 und damit ein Jahr später als erhofft. Dennoch ist die Einführung ein Erfolg: Haben es die deutschen Umweltverbände doch geschafft, die Einführung gegen den Widerstand der Autoindustrie und ihrer politischen Verbündeten zu forcieren.  Eine neue Webseite widmet sich der Naturschutzgeschichte Ostdeutschlands zwischen 1945 und 1990. Entwickelt hat sie die Hochschule Neubrandenburg in Kooperation mit dem Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. (mit Förderung der DBU).  www.naturschutzgeschichte-ost.de

Neue Fotoworkshops

Wildtiere in der Goitzsche

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er im letzten Jahr an den Fotoworkshops der BUNDStiftung teilnahm, konnte nicht meckern: Die Goitzsche-Wildnis bei Bitterfeld wartete mit tollen Motiven auf. So dominierte im Frühjahr die Vogelwelt. Mit schwimmenden Tarnzelten kam man vielen Arten sehr nah. Geknipst wurden jagende Fischadler und Rohrweihen und anderes mehr. Im Herbst standen Heuschrecken und Libellen, Pilze und Spätblüher sowie der von einem Dammbruch geschaffene Flutcanyon Modell. Auch dieses Jahr bietet die BUNDstiftung wieder zwei Fotowochenenden an. Melden Sie sich an, wenn Sie gerne fotografieren und sich für die Natur interessieren! Erfahrung in der Naturfotografie ist keine Voraussetzung.

Ziel unseres Workshops im Frühjahr ist es, freilebende Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu fotografieren. Vom 1. bis 4. Mai verstecken wir uns dafür in Tarnzelten und Tarnhütten. Der Makro- und Landschaftsfotografie ist unser Workshop im Herbst gewidmet – vom 12. bis 14. September. Nach einer Einführung am Freitag geht es Samstag und Sonntag an vielversprechende Orte in der Goitzsche. Abschließend werden wir unsere Fotos gemeinsam besprechen. Anmeldung und detaillierte Infos: Falko Heidecke, Tel. (01 79) 1 45 46 31, falko.heidecke@bund-stiftung.de;  www.goitzsche-wildnis.de Tierfotografie einmal anders: aus einer getarnten Hütte am Seeufer. 

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Die Zahl

332 000

MAGAZI N

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Junge Wildkatzen gefilmt Munter spielen vier kleine Wildkatzen in einem Laubwald im fränkischen Haßbergkreis. Etwa eineinhalb Stunden konnte der ehemalige Revierförster Eberhard Ponader die Kätzchen im letzten Juni von seinem Hochsitz aus beobachten – und filmen. Auch wenn die Bildqualität zu wünschen übrig lässt, zu sehen ist etwas ganz Besonderes: die erste Aufnahme von Jungtieren, die im Rahmen unseres Wildkatzenprojektes geglückt ist. Seit Jahren setzt sich Ponader ehrenamtlich für die Wildkatze ein. Nun konnte er erstmalig nachweisen, dass sich die seltene Art im Haßbergkreis fortpflanzt. Den kurzen Filmausschnitt (1:12 Minuten) können Sie sich unter

lle deutschen Innenstädte ächzen unter der Last des Autoverkehrs. Neben dem Platz auf der Straße werden Öl und andere Ressourcen immer knapper. Der Verzicht auf das eigene Auto könnte leichterfallen, wenn man sich seine wahren Kosten klarmacht. Jeder deutsche Autofahrer besitzt in den durchschnittlich 54 Jahren, die er am Steuer sitzt, acht Autos (drei neue und fünf gebrauchte). Im Laufe des Lebens summieren sich die Kosten dafür auf 332 000 Euro. Das ergab eine Studie des Verlags Motor Presse Stuttgart mit dem KraftfahrtBundesamt und der Deutschen Automobil Treuhand. Ein eigenes Auto gehört damit zu den teuersten Investitionen im Leben. Steigende Kosten für Kraftstoff und Versicherung verteuern das Autofahren zudem ständig.

 www.bund.net/katzenfilm ansehen.  www.bund.net/wagenwechseln

Ökotipp

Schöner leben

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ede Woche verbreitet der BUND einen Ökotipp. Bewährte Hausrezepte finden sich hier neben neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Viele große und kleine Zeitungen veröffentlichen die BUND-Ökotipps

regelmäßig. Auch Privatpersonen können sie gratis über den E-Mail-Verteiler des BUND abonnieren. Die gesammelten Tipps finden Sie unter  www.bund.net/oekotipps

Geld verantwortungsvoll anlegen Deutschland steigt aus der Atomenergie aus. Doch im Ausland finanzieren unsere Banken mit dem Geld ihrer Kunden den Bau neuer Atommeiler. Sie investieren auch in Kohlekraftwerke oder die Rüstungsindustrie. Viele Banken spekulieren zudem mit Nahrungsmitteln und riskieren so den Hunger von Millionen Menschen. Wer will, dass sein Erspartes nicht Umweltzerstörung und Tod stiftet, sollte über einen Bankwechsel nachdenken. Dabei hilft das Internetportal des »Bankwechselbündnisses«, dem auch der BUND angehört. Auf  www.bankwechsel-jetzt.de erfahren Sie, welche Banken transparent arbeiten und Mitsprache ermöglichen; und wer schädliche Investitionen ausschließt und Umweltprojekte bewusst fördert. GLS Bank, Ethik- und UmweltBank sowie Triodos Bank entsprechen diesen Kriterien.

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BUNDmagazin [1-14]

Ein Bankwechsel ist nicht schwierig. Aufwendig ist es nur, die Kontodaten zu aktualisieren – ob beim Vermieter, Arbeitgeber oder Zeitungsverlag. Auf dem genannten Portal steht dafür eine Checkliste bereit. Möchten Sie nicht auf eine Bank vor Ort verzichten, sollten Sie Genossenschaftsbanken und Sparkassen vorziehen. Denn hier sind positive Veränderungen der Geschäftspraxis weit eher zu erstreiten als bei Privatbanken. So sind die allermeisten Sparkassen Einrichtungen öffentlichen Rechts und sollen zum Wohle ihrer Stadt arbeiten. Und Genossenschaftsbanken werden von ihren Mitgliedern mitgestaltet und sind recht eigenständig. Als Hilfestellung für den Kontakt mit der lokalen Sparkasse oder Volksbank stellt das Bündnis online einen kritischen Fragenkatalog bereit. Siehe auch  www.bund.net/bankwechseln


Gerettete Landschaften

Tag für Tag verschwindet mehr Natur unter Asphalt und Beton. Seit seiner Gründung wehrt sich der BUND gegen den unaufhörlichen Flächenfraß, vielfach mit Erfolg. Der BUND in Bayern trug dazu bei, den letzten frei fließenden Abschnitt der deutschen Donau vor dem Ausbau mit Staustufe und Kanal zu bewahren. [0-03] [1-14] BUNDmagazin

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Wolfgang Willner

FOTOSEITE


Geplantes Freihandelsabkommen

KOMMENTAR

Umweltstandards schützen! W

ir schreiben das Jahr 2020. Gerade hat ein internationales Schiedsgericht einem US-Konzern Schadensersatz zugesprochen, weil das Verbot von Fracking in Nordrhein-Westfalen dessen erwartete Gewinne geschmälert hat. Nach einer Konzession für Probebohrungen war ihm nicht erlaubt worden, Schiefergas zu fördern – der Landtag in NRW hatte zwischenzeitig ein Verbot beschlossen, zum Schutz von Umwelt und Trinkwasser. Nach Ansicht des Schiedsgerichtes verstieß die Bundesrepublik damit gegen den Investitionsschutz, wie er im Transatlantischen Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP) fixiert ist. Sie muss das Unternehmen entschädigen: mit 250 Mio. Euro. Dramatisch übertrieben? Leider ist dieses Szenario erschreckend nah an dem, was mit dem TTIP möglich würde. USA und Kanada haben bereits einen »Investitionsschutz« vereinbart (im NAFTA), wie er künftig auch in der EU gelten könnte. Auf dieser Basis verklagt derzeit tatsächlich ein US-Konzern Kanada vor einem Schiedsgericht auf 250 Mio. Dollar Entschädigung – wegen eines Fracking-Moratoriums in der Provinz Ontario.

Marianne Henkel und Lutz Weischer sind das Sprecher team des BUNDArbeitskreises Internationale Umweltpolitik.

Das Abkommen soll bis zum Jahresende verhandelt sein – und weit mehr beinhalten als niedrigere Zölle für den »freien Handel«. Die Folgen des geplanten Investitionsschutzes wären drastisch. Unternehmen könnten – wie skizziert – Staaten wegen neuer Umweltgesetze verklagen, wenn sie sich dadurch ungerecht behandelt oder ihren Profit geschmälert sehen. Entschieden wird von drei Wirtschaftsjuristen, hinter verschlossener Tür. Berufungsinstanzen gibt es nicht.

und die Freiheit von Regulierung zu bringen. Statt Zölle zu senken, geht es den Verhandlern von USA und EU vor allem darum, Produktstandards anzugleichen, damit die Unternehmen beiderseits des Atlantiks leichter exportieren können. Dies bedroht wichtige Errungenschaften des Verbraucherschutzes. So müssen in der EU Lebensmittel gekennzeichnet werden, die genetisch veränderte Organismen enthalten. Da viele Verbraucher Gentechnik ablehnen, finden solche Waren kaum Absatz. In den USA fehlt eine Kennzeichnungspflicht – die Menschen können sich nicht gegen solche Produkte entscheiden. Die Desinfektion geschlachteter Hühner mit Chlorwasser ist in den USA üblich, in der EU verboten. Verboten ist auch der Import von Fleisch, das mit Wachstumshormonen produziert wurde (in den USA verbreitet): Hormone wie Ractopamin stehen unter Verdacht, Krebs zu erregen und das Erbgut zu schädigen. Auch die erlaubten Grenzwerte für Pestizide in Lebensmitteln sind in den USA oft höher; und etliche dort eingesetzte Pestizide hier gänzlich verboten. EU-Handelskommissar De Gucht beteuert, unsere Standards für Umwelt- und Verbraucherschutz würden nicht gesenkt. Doch Wirtschaftslobby und US-Verhandler sind daran sehr interessiert. In Briefen an den US-Handelsbeauftragten fordern Wirtschaftsverbände das Vorsorgeprinzip der EU zu schwächen, PestizidGrenzwerte zu senken und einen strengen Investitionsschutz zu sichern. Die US-Regierung hat gegenüber der Welthandelsorganisation schon früher moniert, dass die Gentechnik- und Chemikalienpolitik der EU den Handel hemmt. Und die EU wird Zugeständnisse machen müssen, wenn sie die USA dazu bewegen will, ihr bei den eigenen Prioritäten entgegenzukommen.

Wo solche Schiedsverfahren heute schon greifen, finden sich hinreichend Beispiele dafür, dass Staaten Gesetze revidiert oder gar nicht erst erlassen haben, um der Zahlung zu entgehen – vom Verbot giftiger Zusatzstoffe im Benzin über die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen bis zu den Vorschriften des Gewässerschutzes für das Kohlekraftwerk Moorburg. Konzernen zuliebe wird die Souveränität demokratischer Parlamente erheblich eingeschränkt und ein rechtsstaatliches Verfahren umgangen.

Was genau derzeit verhandelt wird – wir wissen es nicht. Verhandelt wird geheim, so geheim, dass selbst die Abgeordneten des EU-Parlaments und der EU-Mitgliedsstaaten die Verhandlungstexte nicht erhalten. Auch die Zivilgesellschaft wird nur vage informiert. Der Wirtschaft hingegen stehen die Türen offen: Schon vor Verhandlungsbeginn gab es rund 120 Treffen zwischen der EU-Kommission und ihren Vertretern. Mit vielen Partnern in Deutschland und der EU setzt sich der BUND für mehr Transparenz ein, und gegen schwächere Standards im Umwelt- und Verbraucherschutz. Unterstützen Sie uns mit Ihrer Unterschrift!

»Freihandel« klingt verheißungsvoll, nach Freiheit und Wohlstand. Derzeit scheint das geplante Abkommen aber vor allem großen Konzernen satte Gewinne

Näheres zum Abkommen und der Unterschriftenaktion finden Sie unter  www.bund.net/ttip und www.ttipunfairhandelbar.de

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BUNDmagazin [1-14]


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unabhängig, nachhaltig, fair Der BUNDservice empfiehlt naturstrom wegen des doppelten Umwelteffekts: 100 % Erneuerbare Energien und eine besonders hohe Neuanlagenförderung. Zertifiziert vom Grüner Strom Label e. V., der unter anderem vom BUND getragen wird.

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Bundesregierung/Steffen Kugler

TITELTH EMA

Unser Land nachhaltig in die Zukunft zu führen, muss Anliegen des ganzen Bundeskabinetts sein (zur Klausur im Schloss Meseberg).

Politik für Umwelt und Naturschutz

Zeit für Reformen Nach einem Wahlkampf ohne Umweltthemen und nach zähen Koalitionsverhandlungen hat sich die Bundesregierung neu aufgestellt. Olaf Bandt, BUND-Geschäftsführer für Politik und Kommunikation, beschreibt die Situation der Umweltpolitik zum Start der neuen Regierungsperiode. Und er skizziert, welche Reformen der BUND in den nächsten vier Jahren erwartet.

K

eine Frage: CDU und CSU sind die strahlenden Gewinner der letzten Bundestagswahl. Doch zu umweltpolitischen Fragen hat die Union in ihrer großen Mehrheit noch keine glaubwürdige Programmatik entwickelt. Anders die SPD: Der neue Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel, ein profilierter Umweltpolitiker, könnte die Energiewende als zentrales Projekt zum Erfolg führen. Doch ist die SPD in dieser Frage zerrissen. Speziell in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg sind die Sozialdemokraten von der Vorstellung getrieben, mit der Kohleverstromung auch die Zukunft zu gestalten. Dies könnte die Energiewende grundsätzlich gefährden. Das Umweltministerium hat mit Barbara Hendricks eine erfahrene SPD-Politikerin übernommen. Wichtige Fragen der Energiewende wurden in das Wirtschaftsministerium verlagert, dafür die Bereiche Bauen und Wohnen neu eingegliedert. Mit dem von ihr benannten Staatssekretär Jochen Flasbarth (bisher Präsident des Umweltbundesamtes, ehemals Präsident des NABU) könnte sie viel für die Umweltpolitik bewegen, und speziell für die ökologische Altbausanierung und den Wohnungsbau.

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BUNDmagazin [1-14]

Die Grünen sind gefordert, als »Bewegungspartei« wieder klare umweltpolitische Reformen zu thematisieren und gemeinsam mit den Umweltverbänden durchzusetzen – statt sich halbherzigen Kompromissen von Union und SPD anzuschließen (wie zuletzt bei der Suche nach einem atomaren Endlager). Die Linke hat in ihr Wahlprogramm viele Forderungen der Umweltverbände aufgenommen. In der Praxis aber unterstützt ihr Brandenburger Wirtschaftsminister die stark klimaschädliche Braunkohle. Bei den Landtagswahlen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen muss die Linke dieses Jahr ihr ökologisches Profil glaubwürdig machen.

Das lässt hoffen Der Blick auf den schwarz-roten Koalitionsvertrag ist ernüchternd: Zentrale gesellschaftliche Reformprojekte wie der bundesweite Volksentscheid wurden gestoppt, die Energiewende droht verwässert, die Agrarwende auf »Kosmetisches« begrenzt zu werden. Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung: 1. Niemals zuvor waren die Kräfte für eine echte Energiewende stärker und breiter aufgestellt. Das Energieministerium steht unter Erfolgszwang, vom Brems-


Deutschland: ein Umweltcheck Wie stellt sich die politische Situation nach dem Start der Großen Koalition dar? Was erwartet der BUND hinsichtlich der Umweltpolitik in den kommenden vier Jahren? Anhand von acht Indikatoren wollen wir auf den nächsten Seiten prüfen, wie nachhaltig unser Land derzeit aufgestellt ist. Woraus sich besonderer Handlungsbedarf für die neue Regierung ergibt. Und worauf sich die Lobbyarbeit des BUND in diesem Jahr konzentrieren wird.

klotz (unter FDP-Ministern) zum Gestalter zu werden. Erneuerbare Energien bilden einen großen Wirtschaftsfaktor, bieten viele Arbeitsplätze und sind damit (auch über die Bundesländer) politisch einflussreich. Gleichzeitig haben sich die Besitzverhältnisse bei den Energieerzeugern enorm verändert: Mehr als die Hälfte der Erneuerbaren befindet sich in der Hand von Genossenschaften oder einzelnen Bürgern. Energiepolitik richtet sich also im Jahr 2014 nicht mehr allein an die Stromkonzerne, sondern an eine gesellschaftliche Reformbewegung, die ihren Einfluss nun ausbauen muss. 2. Hoffen lässt auch die Situation der staatlichen Haushalte. Es gibt nicht mehr genug Geld für all die schädlichen Prestigeprojekte der Vergangenheit: für weitere Autobahnen, Regionalflughäfen, Wasserstraßen (statt Flüsse) oder Luxusbahnhöfe … Angesichts vieler bröckelnder Fernstraßen, Brücken und Kanäle wächst selbst in klassischen Bauministerien die Erkenntnis: Die Zeit der Steuerverschwendung für regionale Prestigebauten ist vorbei. Dabei entsteht schrittweise ein offener Umgang mit uns Umweltverbänden, wie er lange Zeit undenkbar war. 3. Beide Punkte sind eng verknüpft mit einem dritten, der ebenso hoffnungsvoll stimmt: Die deutsche Umweltbewegung konnte in den letzten Jahren wichtige Veränderungen durchsetzen, auch gegen Vereinbarungen im Koalitionsvertrag. Diese Bewegung ist stärker denn je und wächst weiter. Die Mitgliederzahl des BUND ist – wie die anderer Umweltverbände – auf einem Rekordstand, bald dürfte die »500 000« erreicht sein. Das gibt dem BUND nicht nur finanziellen Spielraum und Unabhängigkeit in der politischen Arbeit. Es stützt und stärkt natürlich auch unser flächendeckendes Engagement für Natur und Umwelt.

Darauf kommt es an Vor welchen umweltpolitischen Herausforderungen steht die neue Regierung? Tiefgreifende Reformen wie die Energie- oder Agrarwende werden nicht von ihr allein realisiert werden. Auch gute fachliche Argumente von unserer Seite reichen dafür nicht aus. Veränderungsprozesse lassen sich nur mit hohem medialen und politischen Druck durchsetzen. Daher wird der BUND immer wieder Menschen mobilisieren, um mit Aktionen und Demonstrationen öffentlich für seine politischen Anliegen zu werben. Außerdem werden wir die großen Parteien CDU/CSU und SPD zu überzeugen versuchen, die Umweltpolitik und zentrale ökologische Reformprozesse zu einem eigenständigen Teil ihrer Programme zu machen. Die Grünen stehen vor der Herausforderung, die Umweltund Naturschutzpolitik als ihr Kernthema wieder stärker ins Parlament zu tragen, zusammen mit der Umweltbewegung. Der jetzige Koalitionsvertrag ist noch kein Gesetz. In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, geplante Gesetzesvorhaben deutlich in unserem Sinne zu beeinflussen, mit Sachargumenten und medialem Druck. Gerade längerfristige Reformen werden wir als BUND nicht ad acta legen, nur weil sie im Koalitionsvertrag keine Erwähnung fanden. Lesen Sie auf den nächsten Seiten, in welchen Bereichen sich der BUND mit Ihrer Unterstützung besonders engagieren wird. Olaf Bandt … ist der Bundesgeschäftsführer »Politik & Kommunikation« des BUND.

[1-14] BUNDmagazin

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Flächenverbrauch: stoppen O

bwohl die deutsche Bevölkerung schrumpft, verliert unser Land jedes Jahr über 25 000 Hektar Felder, Wald und Wiesen – und damit unersetzliche Lebensräume für zahllose Arten. Immer noch gehen Tag für Tag etwa 70 Hektar Landschaft (entspricht 100 Fußballfeldern) durch neue Gewerbeflächen, Siedlungen und Infrastruktur verloren. Der dauerhafte Verlust von Natur und Landschaft, von Lebensräumen, Agrarund Waldflächen bleibt damit eines unserer gravierendsten Umweltprobleme.

die Versiegelung von Flächen wo immer möglich zu vermeiden. Notwendig ist dafür eine Novellierung der Raum-, Verkehrs- und Infrastruktur-Planungsgesetze. Zudem muss mehr bereits »verbrauchte« Fläche recycelt und es steuerlich attraktiver werden, innerhalb des Bestands zu bauen, als neuen Boden zu versiegeln. Nur so können wir den Flächenverlust auch in der Landwirtschaft einschränken – und langfristig auf Null senken. Wo dennoch neu versiegelt wird, ist der Verlust rasch auszugleichen, im Sinne des Arten- und Naturschutzes. Dazu muss auch in der Bundeskompensationsverordnung deutlich werden: Nicht der Naturschutz führt zum Flächenverlust, wie manche Landwirtschaftsfunktionäre regelmäßig monieren. Die Versiegelung ist das Problem, das es gemeinsam zu minimieren gilt.

In ihrer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie hat die Bundesregierung eine Reihe von Maßnahmen formuliert, die den Flächenverbrauch bis 2020 auf maximal 30 Hektar pro Tag verringern und schließlich ganz stoppen sollen. Doch davon sind wir derzeit noch sehr weit entfernt. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die neue Bundesregierung viel stärker nach dem Gebot handeln,

 www.bund.net/flaechenverbrauch

Flächenverbrauch

cm 177

86 cm2

m

177 cm

pro Person/Tag 10 cm

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2

Flächenverbrauch pro Person im Jahr 2012

93 mm

cm 177

177 c

3,1 m

Ungefähr die Fläche eines Bierdeckels „verbraucht“ jede(r) Deutsche jeden Tag – Grund, der für Naturschutz und Landwirtschaft verloren ist.

Flächenverbrauch in Hektar pro Tag 120 90

70 ha

60

Ziel

30

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10 20

20

00

5 BUNDmagazin [1-14]

20

9 19

14

Quelle: Umweltbundesamt

Grafiken S. 14–21: Erik Tuckow, sichtagitation.de

TITELTH EMA


Naturwälder: ausweiten W

ie viel von unserem Wald wollen wir der natürlichen Entwicklung überlassen? Eine Antwort hat die Bundesregierung in ihrer nationalen Biodiversitätsstrategie gegeben. Demnach will sie bis 2020 fünf Prozent der deutschen Waldfläche dauerhaft aus der Forstnutzung nehmen; und zehn Prozent der öffentlichen Wälder (etwa die Hälfte des gesamten Waldes) – denn die dienen besonders dem Gemeinwohl. Von diesem Ziel ist Deutschland weit entfernt: Nur 1,9 Prozent deutscher Wald dürfen sich derzeit natürlich entfalten. 2020 ist wohl kaum die Hälfte der Zielmarke erreicht. Ihren vollen biologischen Reichtum entwickeln Wälder nur, wo langfristig wieder Wildnis entstehen darf. Nur dort überleben Arten wie Weißrückenspecht, Eremit oder Igel-Stachelbart: auf Inseln im Meer des Wirtschaftswaldes, dem die natürliche Dynamik mit ihren Alters- und Zerfallsphasen fehlt. Doch auf die sind viele gefährdete Tier-, Pflanzen- und Pilzarten angewiesen.

Ihr Schutz schließt eine forstliche Nutzung aus. Besonders wertvoll für viele Arten ist alter Wald, den wir auf nur zwei Prozent unserer Waldfläche finden. Um die Vielfalt unserer Wälder zu erhalten, fordert der BUND mittelfristig mindestens fünf Prozent der Waldfläche und langfristig zehn Prozent dauerhaft aus der Forstnutzung zu nehmen. Dafür muss die Bundesregierung ein Bund-Länder-Programm »Natürliche Waldentwicklung« beschließen. Es soll die Ausweisung weiterer Naturwälder im öffentlichen Wald sichern und Privatleute darin unterstützen, ihren Wald in Naturwald umzuwidmen – mit verbindlichem Zeitplan und Naturschutzkonzept. Für mehr Wildnis im öffentlichen Wald brauchen wir zudem weitere Nationalparks, etwa im Steigerwald. Auch kleinere Waldflächen sind verstärkt der natürlichen Entwicklung zu überlassen.

Nutzungsfreie Wälder

Ihr Flächenanteil:

Auch bei der Ausweisung von Wäldern, die sich frei von menschlicher Nutzung entfalten dürfen, hinkt Deutschland : 357.121 km 2 hland c den eigenen Zielen weit s t eu hinterher. eD

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heute: 1,9 % 2020 (Ziel der Bundesregierung): 5 % Ziel des BUND (langfristig): 10 %

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 www.bund.net/waelder

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1,9% Der seltene IGELSTACHELBART wächst als Wundparasit an alten Buchen und Eichen.

Der WEISSRÜCKENSPECHT findet nur in Naturwäldern mit viel Totholz genug Nahrung.

Der europaweit geschützte EREMIT lebt im Mulm faulender Baumhöhlen. Quelle: BfN/BMU

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Klimaziele: einhalten

TITELTH EMA

D

eutschland hat beim Klimaschutz Ziele und will den Ausstoß seiner Treibhausgase stetig senken. Doch das Gegenteil ist der Fall: Seit 2009 steigen die Emissionen wieder. 2012 und 2013 lagen sie mindestens 50 bzw. 85 Millionen Tonnen über dem Niveau, das die nationalen Klimaziele vorgeben. Ohne Trendumkehr wird Deutschland sein Klimaziel für 2020 (40 Prozent weniger Treibhausgase als 1990) verfehlen.

Schuld daran ist vor allem die zunehmende Kohleverstromung. Seit 1991 war nicht mehr so viel Braunkohlestrom im Netz. Hauptursache ist das Versagen des Emissionshandels. Dieser kämpft mit einem massiven Überschuss von Verschmutzungszertifikaten, so dass der Preis für CO2 auf ein Rekordtief gesunken ist. Dazu kommen niedrige Preise für Steinkohle auf dem Weltmarkt, wodurch klimaschädlicher Kohlestrom wieder lukrativer wird. Entsprechend erzeugen die hiesigen Kohlemeiler so viel Strom wie lange nicht mehr. Das lässt den CO2-Ausstoß steigen, ein Problem nicht nur

für den Klimaschutz. Denn Kohlekraftwerke sind auch unflexibel und passen nicht in ein Stromsystem mit immer mehr erneuerbarer Energie. Allerdings zeigt auch die neue Bundesregierung wenig Ehrgeiz, das Klima besser zu schützen. An der Kohlekraft will sie noch lange festhalten. Der Handel mit CO2-Zertifikaten muss jedoch rasch repariert werden. Dazu zählt, zwei Milliarden Zertifikate dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen. Entscheidend sind ferner anspruchsvolle EU-Klimaziele bis 2030, denn diese bestimmen den Ehrgeiz beim Klimaschutz auch in Deutschland. Die jüngst präsentierten Vorschläge der EU-Kommission sind dafür absolut unzureichend. Daher sind nun flankierend Effizienzstandards für die hiesigen Kraftwerke gefragt, damit die Verstromung von Kohle rechtzeitig klimaverträglich ausläuft. Die Große Koalition muss jetzt handeln, wenn das Klimaziel erreicht werden soll.  www.bund.net/klimaschutz

CO2-Ausstoß steigt wieder

Deutschlands CO2-Ausstoß sinkt nicht mehr wie nötig, um unsere Klimaziele zu erreichen. 2013 wurden mindestens 85 Mio. t CO2 zu viel emittiert. Dies entspricht in etwa dem Ausstoß der 26 ältesten Braunkohle-Kraftwerksblöcke* hierzulande. (* älter als 20 Jahre, ab 300 Megawatt)

1.200

1990 Referenzjahr

1.000

Ziel 2020 -40 %

Mio. Tonnen CO2

800

16

Ziel 2030 -55 %

600

Ziel 2050 -80 bis -95 %

400 200 1990

BUNDmagazin [1-14]

2000

2010

2020

2030

2040

2050

Quelle: UBA/AG Energiebilanzen und Öko-Institut

Entwicklung des deutschen CO2-Ausstoßes


Verkehr: einsparen D

er ständig zunehmende Güterverkehr auf der Straße und die wachsende Mobilität machen noch auf lange Jahre den Bau neuer Straßen nötig – das wollen uns viele Politiker weismachen. Doch die Realität sieht anders aus: 2012 lag die auf unseren Straßen transportierte Gütermenge unter der von 1994. Allerdings wurde die gleiche Menge über immer größere Entfernungen bewegt. So stieg die »Leistung« (der Aufwand) im Güterverkehr seit 1994 um zwei Drittel – seit 2007 jedoch nicht mehr. Auch der Autoverkehr nahm weit weniger zu als behauptet und stagniert heute: Seit 1994 stieg die Zahl der in Autos beförderten Personen nur um sieben, die Verkehrsleistung um zwölf Prozent. Der demografische Wandel lässt sie künftig sinken. Statt für kürzere Wege zu sorgen und den Aufbau regionaler Märkte zu unterstützen, schafft die Verkehrspolitik Strukturen, die zum Gegenteil führen: zu größeren Transportdistanzen und mehr Transitverkehr. Sie baut Straßen und Häfen aus, bohrt Tunnel durch die

Alpen, vergräbt Steuermilliarden in Prestigeprojekten und fördert Gewerbegebiete auf der grünen Wiese. Dabei könnte eine Arbeitsteilung der europäischen Seehäfen deren Dumpingkonkurrenz beenden und die Güterverkehrsströme regionalisieren. Der Transport von Containern kann auf Bahn und Binnenschiff verlagert werden, wenn die vorhandene Infrastruktur genutzt und klug investiert wird. Viele Städte Europas haben den Autoverkehr durch nachhaltige Planung deutlich reduziert, auch hierzulande. Sie benötigen dafür mehr Spielraum, eine Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Straßen (statt neue Ortsumgehungen) und vor allem einen besser geförderten öffentlichen Nahverkehr. Ob Carsharing oder die Verknüpfung des Autos mit anderen Verkehrsträgern – eine umweltschonendere Mobilität ist längst im Entstehen. Der BUND fordert moderne Mobilitäts- und Logistikkonzepte, statt immer weiter Straßen zu bauen.  www.bund.net/mobilitaet

Trends im Verkehr Der Autoverkehr und die mit Lkw transportierte Gütermenge sind in den letzten 20 Jahren fast konstant geblieben. Warum also immer neue Straßen bauen?

Menge (Personen bzw. Tonnen) Leistung (pkm/tkm)

100 % Referenzjahr 1994

Straßenverkehr Güter 2012 2010 2008 2006 2004 2002 2000 1998 1996 1994

2011 1994

98,5 %

Autoverkehr Personen

106,9 % 111,6 %

Schienenverkehr Güter

108,7 %

2012 1994

Schienenfernverkehr Personen 2011 1994

166,6 %

89,9 %

155,7 %

102 % Quelle: DIW, Stat. Bundesamt

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Ökolandbau: fördern

TITELTH EMA

D

eutsche VerbraucherInnen wollen laut einer Umfrage des Agrarministeriums beim Einkauf noch mehr auf regionale Lebensmittel zurückgreifen, auf Bio- und besonders tiergerecht erzeugte Produkte. Doch die Bundesregierung kommt dem Wunsch nach mehr heimischer Bioware nicht entgegen. Schon die Hälfte unserer Bioprodukte wird importiert. Gemessen daran, dass die Nachfrage pro Jahr um 20 Prozent steigt, stellen viel zu wenige Höfe auf Ökolandbau um. Zwar hat die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel »20 Prozent Ökolandbau« fixiert. Doch das wird sie – laut Umweltbundesamt – erst 2078 erreichen, wenn sie die staatliche Förderung des Ökolandbaus nicht über das niedrige Niveau der letzten Jahre anhebt. Der BUND wird die neue Regierung daher besonders dazu drängen, die positiven Spielräume der Agrarreform zu nutzen. Sprich: die Subventionen so umzuverteilen, dass sie einen Anreiz bilden für die Umstellung auf Ökolandbau, für Naturschutz und Regionalvermarktung.

Das Motto der deutschen Agrarpolitik schien bisher zu lauten: »Nicht einen Euro zusätzlich für umweltfreundliche Bauernhöfe, die keine Kunden der Chemieindustrie sind. Nicht einen Hektar zusätzlich für den Ökolandbau, der den Absatz von Saatgut, Pestiziden und Tierarzneimitteln schmälert.« Bayer, BASF, Monsanto und Co sind die Nutznießer dieser Politik, Tierschutz und Ökologie die Verlierer. Gemeinsam mit den Ökolandwirten streiten wir für bessere Gesetze – beim Tierschutz oder Düngerecht. Die Agrarindustrie darf die Folgekosten ihrer umweltschädlichen Produktion nicht weiter auf uns alle abschieben und vorgeben, Lebensmittel seien zu Dumpingpreisen zu haben. Auch braucht die Ökobranche gerechte Kennzeichnungsregeln. Könnten wir alle etwa beim Fleischkauf die Herkunft, die Art der Tierhaltung und den Einsatz von Gentechnik im Futter erkennen, würde die Nachfrage nach Ökofleisch deutlich steigen.  www.bund.net/landwirtschaft

Ökologische Landwirtschaft Ihr selbstgestecktes Ziel von „20 % Ökolandbau“ wird die Bundesregierung noch auf Jahrzehnte verfehlen, wenn sie 357.121 km 2 land h weiter so untätig bleibt. c ts

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Der Bestand der FELDLERCHE hat in den letzten 20 Jahren stark abgenommen.

6,2 % Eine pestizidfreie Landwirtschaft bietet auch dem TEICHMOLCH eine Nische.

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2010

2012

4,7 % 3,2 % 1,6

Die BUNTHUMMEL wird, wie viele andere Wildbienen, nur in einer vielfältigen Agrarlandschaft überleben.

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% 5,9

%

Der Anteil des deutschen Ökolandbaus steigt – auf niedrigem Niveau.

Quelle: Umweltbundesamt/Destatis

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BUNDmagazin [1-14]

1994

2000

2005


Pestizide: verringern W

ann haben Sie zuletzt Kornrade, Kornblume oder Rittersporn in einem Getreidefeld gesehen? In vielen Gegenden muss man heute richtiggehend danach suchen. Schuld daran ist der flächendeckende Einsatz von Pflanzengiften in der konventionellen Landwirtschaft. Und nicht nur Wildkräuter verkümmern in unserer Agrarlandschaft. Immer mehr Insekten, Amphibien und Vögel verschwinden aus Feld und Flur, die zu unserer Kindheit noch allgegenwärtig waren. Rebhuhn, Kiebitz oder Haubenlerche – die Liste ließe sich lange fortsetzen – sind auch deshalb so selten geworden, weil ihr Nachwuchs nicht mehr genug zu fressen findet. Genauso leiden Amphibien unter Nahrungsmangel; der Kontakt mit Agrochemikalien schädigt sie zudem direkt. Schon zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten unserer Agrarlandschaft stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Der Einsatz von Pestiziden bewegt sich in Deutschland seit Jahren auf zu hohem Niveau. Immer neue und wirksamere Pestizide werden in immer größerer Menge auf die Felder gespritzt, 2012 allein fast 6 000 Tonnen des aggressiven Totalherbizids Glyphosat. Seit 2001 ist der Absatz von Pestiziden um ein Drittel gestiegen. Neben Herbiziden werden besonders Insekten- und »sonstige« Gifte (siehe unten) immer öfter verwendet. Ihre Spuren finden sich überall in der Umwelt und als Rückstände auf und in unseren Lebensmitteln. Der BUND fordert die neue Bundesregierung auf, sich mehr für die biologische Vielfalt in unserer Agrarlandschaft einzusetzen. Der hohe Pestizidverbrauch muss deutlich sinken, in der Landwirtschaft wie auch in Haus- und Kleingärten; in Naturschutzgebieten müssen Pestizide ganz verboten werden. Nur so können viele einst typische Tiere und Pflanzen in unserer Kulturlandschaft überleben.  www.bund.net/pestizide

Gifte in der Landwirtschaft Jahr für Jahr landen mehr Pestizide auf unseren Äckern. Viele typische Pflanzen und Tiere unserer Kulturlandschaft werden deshalb immer seltener.

16.236 t Sonstige (gegen Mäuse, Schnecken etc.; Öle, Gase) Sonstige 9.479 t

1.117 t Insektizide/Milbengifte

Insektizide/Milbengifte 742 t

9.066 t Fungizide

Fungizide 10.129 t

Herbizide 14.328 t

2001

34.678 Tonnen

2012

19.907 t Herbizide

46.326 Tonnen

Quelle: BMELV

[1-14] BUNDmagazin

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Wasserqualität: verbessern

TITELTH EMA

U

nsere Gewässer sind heute viel weniger mit Nährstoffen belastet als noch vor 25 Jahren. Phosphor und Nitrat gelangen deutlich seltener in Flüsse und Seen. Doch ein Blick über die Grenzen zeigt: Die Politik ist weiter gefordert. Denn der jüngste Nitratbericht der EU-Kommission rügt Deutschland als eines von wenigen Ländern für seine »sehr schlechte« Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie. Nur Malta hat EU-weit ähnlich viel Nitrat im Grund- und Oberflächenwasser. Einst verbesserte der flächendeckende Bau von Kläranlagen und der Anschlusszwang von Kommunen und Industrie die Gewässergüte merklich. Heute ist die industrielle Landwirtschaft der Hauptverschmutzer. Der Anteil der Messstellen mit deutlicher Belastung ist erheblich gestiegen – genau dort, wo die Massentierhalter viel Gülle produzieren, der Anbau von Energiepflanzen starkes Düngen erfordert und Gärprodukte aus Biogasanlagen auf dem Acker landen. Deutschland verstößt damit eigentlich gegen das Verschlechterungs-

verbot der EU-Richtlinie – viele Ausnahmeregeln haben es möglich gemacht. Die EU-Kommission stellt nun das deutsche Aktionsprogramm zur Nitratbegrenzung infrage, wegen der »zahlreichen Ausnahmen von Sperrfristen«. Selbst das Agrarministerium räumt in einem aktuellen Bericht ein: In Regionen mit viel industrieller Landwirtschaft liefert fast jede zweite Messstelle steigende Nitratwerte. Der Schaden für Umwelt und Volkswirtschaft übersteigt den Nutzen, den die Landwirte durch den Stickstoffeinsatz haben. Der BUND fordert eine effizientere Düngemittelverordnung, die unser Grund- und Trinkwasser schützt und Bäche und Flüsse entlastet; und eine Neubewertung von Biogasanlagen. Eine Steuer auf Stickstoff würde einen sorgsameren Umgang mit Nitrat fördern. Dänemark zeigt, wie es geht: Bei vergleichbarer Viehdichte ist die Umwelt hier um ein Vielfaches weniger mit Nitrat belastet.  www.bund.net/wasser

Belastung durch Stickstoff Weit weniger Stickstoff als 1983 belastet heute unsere Flüsse und Seen (siehe Kreisdiagramme). Doch der Eintrag ist unverändert zu hoch. Nitrate aus der Intensivlandwirtschaft haben daran wachsenden Anteil – über „sonstige“ Quellen (Entwässerungsgräben, Erosion etc.) und auf dem Umweg übers Grundwasser.

97 kt/a

166 kt/a

PUNKTQUELLEN

SONSTIGES

16 %

28 %

56 % GRUNDWASSER

331 kt/a Stickstoffeintrag in Flüsse und Seen in Kilotonnen/Jahr (kt/a) 1983 – 1987

1988 – 1992

1993 – 1997

1998 – 2002

2003 – 2005

2006 – 2008

1030 kt/a

884 kt/a

707 kt/a

665 kt/a

565 kt/a

594 kt/a

Quelle: Umweltbundesamt

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BUNDmagazin [1-14]


Abfall: vermeiden D

ie Bundesregierung stellt uns Deutschen in ihrem jüngsten Programm zur Abfallvermeidung ein gutes Zeugnis aus: »In Deutschland gibt es ein hohes Umweltbewusstsein, das die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft unterstützt und die Abfallvermeidung fördert.« Wie steht es tatsächlich um unsere Abfallmengen? Lediglich bei der Abfalltrennung sind wir Spitze. Dagegen fehlt in weiten Teilen der Bevölkerung bisher ein Bewusstsein dafür, Abfall zu vermeiden. Nur wenige denken daran, auf Einwegprodukte zu verzichten, Dinge weiterzuverwenden und zu reparieren, überlegt einzukaufen (damit z.B. keine Lebensmittel verderben) oder langlebige Gegenstände zu nutzen. So hat 2011 jede(r) Deutsche durchschnittlich rund 600 Kilogramm Abfall verursacht – die fünftgrößte Menge im europäischen Vergleich. Nach der europäischen Abfallstatistik liegen wir damit knapp 100 Kilogramm über dem Durchschnitt und häufen fast doppelt so viel Müll an

wie der Nachbar Polen. Eine Tendenz zur Verringerung unserer Abfallberge ist nicht in Sicht, von 2006 bis 2011 ist die Abfallmenge nahezu konstant geblieben. Die deutsche Strategie zur Abfallvermeidung ist daher zu wenig ehrgeizig. Für eine zukunftsweisende Politik, die unsere Ressourcen schont und Müll vermeidet, sind messbare Ziele gefragt. Sie sollten festlegen, um wie viel die Abfallmenge pro Einwohner in den nächsten Jahren kontinuierlich sinken muss. Ergänzend muss die Bundesregierung länger haltbare Produkte fördern und möglich machen, dass diese wiederverwendbar und reparabel sind. »Nutzen statt Besitzen« und »Reparieren statt Entsorgen«: Mit diesen Strategien werden wir künftig mehr Abfall vermeiden können.  www.bund.net/abfall

Kommunale Abfälle Wir Deutsche häufen alljährlich den fünfthöchsten Müllberg der EU an und liegen damit deutlich überm Durchschnitt.

DK 718

PL 315

DÄNEMARK

POLEN

D

EU 503

597 kg

pro Kopf und Jahr

DEUTSCHLAND

EU-27

Deutsches Abfallaufkommen im Trend (pro Kopf)

597˘ kg

[1-14] BUNDmagazin

Quelle: Eurostat

2006 2007 2008 2009 2010 2011

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Jakob Huber

AKTION

Für die Energiewende demonstrierten am 30. November 16 000 Menschen in Berlin. Sie wandten sich gegen den Plan der Großen Koalition, erneuerbare Energie zu deckeln und damit Atom- und Kohlekraftwerken sicheren Absatz zu verschaffen.

22. März: Energiewende retten Sonne, Wind und Energiesparen statt Fracking, Kohle und Atom! ie Demonstration »Energiewende retten« in Berlin hat gezeigt: Die Deutschen wünschen sich einen schnelleren Umbau unserer Energieversorgung, und das naturverträglich und sozial. Im Koalitionsvertrag aber lauern große Rückschritte für die Energiewende. Der BUND plant daher weitere Aktionen. Am 22. März wollen wir in sieben Landeshauptstädten zu Tausenden die MinisterpräsidentInnen an ihre Verantwortung für die Umsetzung der Energiewende erinnern.

D

Schwarz-Rot plant die Kohlekraftwerke am Netz zu halten, Klimaschutz wird kleingeschrieben. Die Energiewende in Bürgerhand droht, trotz gegenteiliger Bekundungen, ausgebremst zu werden. Der Zubau der erneuerbaren Energien soll gedeckelt und ihre Förderung stark gekürzt werden. Noch steht all dies nicht im Gesetz. SPD wie Union sind gespalten in Freunde der Energiewende und Vertreter der Konzerne. Und an der Reform des

Erneuerbare-Energien-Gesetzes sind zudem die Länder zu beteiligen. Etliche sehen die Koalitionspläne kritisch. Jetzt müssen sie sich wehren. Wir wollen die Energieversorgung dezentralisieren, demokratisieren und in Bürgerhand legen. Und zeigen, wie ein Industriestaat sein Energiesystem umkrempeln kann, um ernsthaft das Klima zu schützen. Dafür lohnt es zu streiten! Demonstrieren Sie mit uns am 22. März für die Energiewende – in Düsseldorf, Hannover, Kiel, Mainz/Wiesbaden, München und Potsdam. Gleichzeitig bereiten wir für den 10. Mai eine Großdemonstration in Berlin vor. Unter dem Motto »Energiewende nicht kentern lassen« wollen wir Flagge zeigen – auf der Straße wie auch auf den Wasserwegen der Hauptstadt.

 www.bund.net/energiewende-retten

Wir helfen Ihnen bei der Organisation von Bussen und Demomaterial. Nehmen Sie Kontakt auf zu Lisa Bieker in der Bundesgeschäftsstelle: freiwilligenreferat@bund.net, Tel. (0 30) 2 75 86-5 45. Gruppen und Aktive erhalten unter  www.bund-intern.net das Energiewende-Paket des BUND.

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BUNDmagazin [1-14]


Klimakiller Fleischkonsum

RATGEBER

Weniger Fleisch auf den Teller Die Fleischproduktion ist verantwortlich für fast 15 Prozent der weltweit vom Menschen verursachten Emissionen. Ein echter Klimakiller also. Weniger – und besser produziertes – Fleisch essen ist also die Devise. und 60 Kilo Fleisch und Wurst – so viel aß jeder Deutsche 2012 im Durchschnitt. Aktuell verzehren die Deutschen im Laufe ihres Lebens je 4 Rinder und Schafe, 46 Schweine, 37 Enten, 12 Gänse, 46 Puten und 945 Hühner. Dieser Fleischhunger hat eine Agrarindustrie hervorgebracht, die mit der Weide-Idylle aus der Werbung nichts mehr zu tun hat. Auf engstem Raum zusammengequetscht, werden die Tiere mit energiereichem Futter (oft genmanipuliertes Soja aus Übersee) in Rekordzeit schlachtreif gemästet. Bedenkt man zudem die langen Tiertransporte, die Dumpinglöhne in deutschen Großschlachthöfen und die Horrorgeschichten über Tiere, die bei der Schlachtung nicht ausreichend betäubt sind, kann einem das Schnitzel schon im Hals stecken bleiben.

Flexitarier werden Wir essen solche Mengen Fleisch, weil wir verdrängen: das Leid der Tiere, die Umweltzerstörung durch die Agrarindustrie, die klimaschädlichen Emissionen, die Antibiotika-Rückstände im Fleisch … Es gibt also viele gute Gründe, den Fleischkonsum zu reduzieren und »Flexitarier« zu werden. Dann kann man ab und zu ein hochwertiges Stück Fleisch aus artgerechter Tierhaltung genießen, am besten von Tieren, die viel auf der Weide sein durften. Der BUND fördert mehrere Projekte mit extensiver Weidewirtschaft, etwa das »Weiderind Frankenwald«, an dem die Kreisgruppe Hof beteiligt ist. Nur: Wie macht man das – weniger Fleisch essen? Wer eine warme Mahlzeit bisher als Fleisch + Kartoffeln + Gemüse definiert hat, tut sich da erst mal schwer. Und so mancher tappt dann in die Kalorienfalle, weil er zu Pasta mit Sahnesoße, üppig mit Käse überbackenen Gratins und süßen Mehlspeisen greift – und nach dem Blick auf die Waage nächstes Mal doch lieber Hühnchenbrust isst. Rezeptbücher oder das Internet können hier vielfältige Anregungen liefern. Und außer Haus? Leider gibt es immer noch viele Lokale, die ihren Gästen fast nur Fleischgerichte bieten. Fragen Sie ruhig mal nach vegetarischen Alternativen. Zum Glück gibt es immer mehr kreative Köche, die mit frischem saisonalem Gemüse leckere Gerichte zaubern. Vielleicht haben Sie Vegetarier im Bekanntenkreis, die ein Restaurant empfehlen können.

• Ihre Kantine wird auch in hundert Jahren keinen Veggie-Day einführen? Dann bleiben Sie doch ab und zu bei den Beilagen und packen Sie daheim ein weiteres Pausenhäppchen mit ein. • Wer den Fleischgeschmack vermisst, ist mit kräftig gewürzten Speisen wie Currys gut bedient. Auch »Als ob«-Gerichte wie Geschnetzeltes aus Seitan oder Nudeln mit Soja-Bolognese können helfen, den Fleischhunger zu überlisten. • Die Debatte um den Veggie-Day hat gezeigt: Fleisch ist in Deutschland ein heikles Thema. Verkneifen Sie sich jeden Missionierungsversuch, geben Sie einfach ein Beispiel, dass man auch mal genussvoll Gemüselasagne statt Schweinsbraten essen kann. • »Das perfekte Veggie-Dinner« – auch Hobbyköche müssen ihren Gästen nicht immer Fleisch vorsetzen. • Die Angst vor Eiweißmangel ist bei Flexitariern völlig unbegründet – eine gesunde, ausgewogene Ernährung vorausgesetzt. Auch Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukte sind hochwertige Eiweißquellen. • Erkundigen Sie sich, wer in Ihrer Region Biofleisch anbietet. Das beste Fleisch ist bio und stammt aus regionaler artgerechter Produktion, am allerbesten vom Direktvermarkter. Tierschutzbewusste Menschen können auch auf Fleisch aus dem Qualitätsprogramm von Neuland zurückgreifen. • Der »Fleischatlas« des BUND beschreibt umfassend den hohen Fleischkonsum der reichen Länder und dessen Folgen:  www.bund.net/fleischatlas Luise Frank Reinhard Blumenschein

R

Wenig Fleisch essen – acht Tipps • Unter  www.vebu.de gibt der Vegetarierbund Tipps rund um fleischfreie Kost, von Ernährungstipps über Gratisrezepte bis hin zu Veggie-Hotels für den Urlaub.

… betreut die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BUND Naturschutz in Bayern.

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BIOSPHÄR E

Karl-Heinz Bock

Winter und Sommer im Thüringer Wald: Blick vom Großen Beerberg nach Suhl; rechts: Stützerbach.

Vessertal-Thüringer Wald

Mit neuem Schwung Thüringen überlegt seine Großschutzgebiete der Forstanstalt zu unterstellen – und damit dem Primat der Wirtschaftlichkeit. Der BUND lehnt dies strikt ab. Auch das Biosphärenreservat rund ums Vessertal wäre betroffen – zu einem Zeitpunkt, da hier viel Aufbruchstimmung zu spüren ist.

S

Ein Winterhaft im Schnee.

till und starr ruht der Winterwald, kein Laut ist zu hören. Doch nicht alles Leben ruht. Auf dem verschneiten Forstweg bewegt sich etwas, dunkle Punkte, hier und da. Wer näher hinsieht, erkennt allerlei Getier, meist nur wenige Millimeter groß. Es trotzt der unwirtlichen Jahreszeit und sucht bei knapp über null Grad auf dem Schnee nach Nahrung oder Partnern. Ranger Matthias Hellner weiß, was da unterwegs ist: Schneeschnaken und Wintermücken, Springschwänze, Winterhafte und Afterskorpione sowie Zwergspinnen und »Schneewürmer«, die Larven von Weichkäfern. Jeden Dienstag im Februar bietet Hellner eine Tour zu den »Schnee-Insekten« ins Vessertal. Sonst lässt sich jetzt wenig zeigen: ein paar Baumpilze an umgestürzten Buchen oder Fichten, ein moosbedeckter Bergahorn. Einmal taucht ein Trupp Gimpel auf, dann Tannenund Haubenmeisen, eine Wacholderdrossel ruft. Der Rest: Schweigen. Stumm blieb es auch die Nacht zuvor, kein Raufuß- oder Sperlingskauz war zu hören. Schade, brüten doch beide rund um Schmiedefeld, im Zentrum des ältesten deutschen Biosphärenreservats.

Was sollen Biosphärenreservate sein? Im Rahmen des UNESCO-Programms »Der Mensch und die Biosphäre« entstanden bis heute 621 Biosphärenreservate in 117 Ländern, fünfzehn davon in Deutschland. Ihr vorrangiges Ziel ist das harmonische Miteinander von Wirtschaft, Ökologie und Sozialem. Dazu Walter Hirche, Präsident der deutschen UNESCO-Kommission: »Für nachhaltige Entwicklung gibt es kein Patentrezept. An möglichst vielen Stellen unseres Planeten sind daher Räume für Experimente und für das Lernen nachhaltigen Wirtschaftens unter Realbedingungen gefragt. Diese Räume sind die Biosphärenreservate.«

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BUNDmagazin [1-14]

Modellregion statt Nationalpark Als 1979 zwischen Suhl, Ilmenau und Schleusingen die erste deutsche Biosphäre gegründet wurde, umfasste sie nicht einmal ein Zehntel der heutigen Fläche. Doch selbst die derzeit 17 000 Hektar entsprechen nicht mehr internationalen Standards. Die Modellregion im Thüringer Wald soll deshalb noch dieses Jahr auf die doppelte Größe erweitert werden. Ein zweijähriger Moderationsprozess hat dafür die Weichen gestellt. Am Charakter der Biosphäre wird die Erweiterung nicht viel ändern: Wald, wohin das Auge blickt. Bis hinauf zum 982 Meter hohen Beerberg reicht das grüne Meer. Nur rund um die zerstreuten Siedlungen und in einigen Bachtälern rodeten die Menschen, um Futter für ihr Vieh zu gewinnen. Das Vessertal ist damit das waldreichste deutsche Biosphärenreservat. Kein Wunder: Dies und die sehr dünne Besiedlung sind wenig typisch für eine Modellregion im Sinne der UNESCO. Noch 2009 plante die Landesregierung im Thüringer Wald einen Nationalpark auszuweisen, auch der BUND Thüringen war dafür. Doch nach einem Aufschrei in der Region (die Holzwirtschaft fürchtete Einschränkungen) lenkte das Land ein. Stattdessen entschied es die vernachlässigte Biosphäre mit neuem Leben zu erfüllen. Sprich: sie deutlich zu vergrößern, ihre Entwicklungsziele besser zu verfolgen und ein Infozentrum zu errichten.

Naturwald ist nachhaltiger Wo könnte die Region modellhaftes Wirtschaften demonstrieren? Bei fast 90 Prozent Waldanteil zuallererst in ihren Forstämtern. Diese haben den Aufbau des Thüringer Walds stark geprägt. Von Natur aus müsste


hier die Buche herrschen, begleitet vor allem von Weißtanne, Bergahorn und Fichte. Stattdessen dominieren in drei Vierteln des Waldes Fichten: Flachlandbäume mit breiter Krone, die anfällig gegen Schneebruch sind. Die einst typische Bergform mit ihrem hohen schlanken Wuchs tritt nur noch sporadisch auf. Sie wieder in größerer Zahl zu etablieren, ist langwierig und aufwendig. Das Gleiche gilt für die Tanne. Doch je natürlicher und vielfältiger der Wald, desto stabiler ist er, und desto nachhaltiger ist er zu nutzen. Dafür muss vor allem der Anteil der Laubhölzer wieder steigen. Thüringen hat die Biosphäre deshalb zu einem Schwerpunkt seines Waldumbaus gemacht. Dass hier deutlich mehr passieren kann, hat die letzte große Evaluation 2011 ergeben. Rehe und Hirsche müssen stärker bejagt werden, damit der Wald sich natürlich verjüngt. Gut stünde es der Modellregion auch an, wenn ihr Wald nach FSC-Standard bewirtschaftet würde.

Die Biosphäre mit der geplanten Erweiterung (gestrichelte Linie).

Als Fahrtziel Natur ist der Thüringer Wald (auf Initiative auch des BUND) gut per Bahn zu erreichen:  www. fahrtziel-natur.de

Viele Vorhaben Ein Zehntel des Schutzgebietes sind Bergwiesen. Sie offenzuhalten gebietet der Artenschutz. Blüht hier doch, was anderswo längst verschwunden ist: Arnika, Trollblume, Knabenkraut. Auch für die »touristische Kulisse« sind die Wiesen »sehr, sehr wichtig«, so Jörg Voßhage. Der Forstwirt leitet das Biosphärenreservat seit zwei Jahren. Zu seinen Aufgaben zählt es, den Einheimischen neue Perspektiven zu bieten. Die Tourismusförderung steht da ganz obenan. Denn den Urlaubern verdankt die Region einen Großteil ihrer Einnahmen, auch wenn vor dem Mauerfall 20-mal mehr Gäste kamen. Heute dominieren die Tagesgäste, speziell beim Wintersport-Trubel in Oberhof. Damit Urlauber länger im Thüringer Wald bleiben und hier ohne Auto beweglich sind, setzt sich Voßhage für eine nachhaltigere Mobilität ein. Er plädiert dafür, die Rennsteigbahn

Ilmenau – Schleusingen wieder regelmäßig zu befahren (wie zuletzt 2001). Auch will er die Buslinie am Rennsteig neu beleben. Ganz wichtig schließlich: das neue Infozentrum, das Mitte 2015 fertig sein soll. Mit ihm wird sich die Biosphäre endlich angemessen präsentieren. Ein seit 20 Jahren leerstehendes Hotel mitten in Schmiedefeld wird dafür umgebaut. Das wird nicht nur den Ortskern beleben. Für Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit entstehen so ganz neue Möglichkeiten. Bleibt zu hoffen, dass die Landesregierung ihre Strukturpläne gründlich überdenkt – und die Biosphäre nicht ihrer Eigenständigkeit beraubt. Severin Zillich Zehn Modellregionen wurden im BUNDmagazin bereits porträtiert:  www.bund.net/biosphärenreservate

Matthias Hellner (5)

Von links: Aktionstage mit einer Dampflok auf dem Bahnhof Rennsteig. Einer der zahllosen Bäche im Thüringer Wald – hier im »Finsteren Loch« bei Stützerbach. Bergwiese mit blühender Arnika in den »Ziegensümpfen« bei Schmiedefeld.

[1-14] BUNDmagazin

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Glyphosat

ZU R ZEIT

Tägliche Dosis Gift Mit einer Studie hat der BUND öffentlich gemacht, dass Menschen in ganz Europa mit Glyphosat belastet sind. Landwirtschaftsminister Friedrich muss die Anwendung dieses Pestizids kurz vor der Ernte und in Haus- und Kleingärten verbieten. Erkrath: Mit zwei Textstreifen verfremdete Werbung für das Glyphosatprodukt »Roundup« von Monsanto.

I

m Juni 2013 veröffentlichten der BUND und sein Dachverband Friends of the Earth die europaweit erste Studie zur Belastung des Menschen mit Glyphosat. Getestet wurden 182 Probanden in 18 europäischen Ländern. 45 Prozent aller Proben enthielten nachweislich Glyphosat. Die Deutschen waren zu 70 Prozent belastet und kamen mit Polen und Briten auf Platz zwei hinter Malta (90 Prozent). Untersucht wurden ausschließlich Stadtbewohner – niemand hatte also selbst glyphosathaltige Produkte verwendet. Die meisten Menschen nehmen Glyphosat demnach wohl über Lebensmittel auf. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt in seiner Stellungnahme zu unserer Studie: »Die Ergebnisse sind plausibel und weisen auf eine allgemeine Hintergrundbelastung europäischer Bürger mit Glyphosat hin. Diese liegt jedoch weit unterhalb eines gesundheitlich bedenklichen Bereichs.«

in noch größerer Menge gespritzt werden. Die Rückstände in Getreide, Hülsenfrüchten, Kartoffeln usw. dürften weiter nach oben schießen, ohne mit dem Grenzwert zu kollidieren. Welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse das Bundesinstitut für einen höheren Grenzwert plädieren lassen, ist unklar. Offensichtlich ist jedoch, dass es alle unabhängigen, nicht von der Industrie finanzierten Studien ignoriert, die auf die Schädlichkeit von Glyphosat hinweisen: dass es Embryonen schädigt, die Entstehung von Krebs begünstigt und das Hormonsystem beeinträchtigt. Offensichtlich außer Acht lässt das Institut auch die akuten Gesundheitsprobleme der Menschen, die dem Glyphosat in Südamerikas Anbaugebieten von Gentech-Soja ausgesetzt sind. Vor allem aber stellt die Behörde nicht die entscheidende Frage: Wie wirkt sich die Langzeitaufnahme von kleinen Mengen Glyphosat aus? Schließlich beruhigt es wenig, dass Glyphosat über den Urin ausgeschieden wird, wenn davon auszugehen ist, dass wir es permanent neu aufnehmen.

Agrarminister Friedrich gefordert Dass Schönreden allein keine Option mehr ist, hat im November der Bundesrat gezeigt. Aufgrund der BUND-Studie forderte er zum einen, die »Sikkation« zu verbieten, also den Einsatz von Glyphosat zur Reifebeschleunigung kurz vor der Ernte. Vermutlich gelangt das Pestizid auf diesem Wege in unsere Lebensmittel. Zweitens forderte die Länderkammer, Glyphosat in Hausgärten zu verbieten – um die Rückstände in unseren Gewässern zu senken. Jetzt ist Agrarminister Friedrich am Zug. Er muss den Bundesratsbeschluss zügig umsetzen. Dies wäre ein erster Schritt, um den seit Jahren steigenden Glyphosatverbrauch in Deutschland einzudämmen. Heike Moldenhauer

Einfach den Grenzwert erhöht Die Sicherheit von Glyphosat hätte auf EU-Ebene bereits 2012 neu bewertet werden müssen, die Prüfung wurde jedoch auf 2015 verschoben. Inzwischen hat das Bundesinstitut einen neuen Grenzwert für die unbedenkliche Aufnahmemenge pro Tag vorgeschlagen. Nach dem Motto »Glyphosat – jetzt noch sicherer« soll er künftig 0,5 statt 0,3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht betragen. Folglich könnte Glyphosat damit

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BUNDmagazin [1-14]

…koordiniert die Aktivitäten unseres Netzwerks Friends of the Earth Europe zu Glyphosat. Glyphosat ist das deutschland- und weltweit meistgespritzte Herbizid, bekannt vor allem unter dem Handelsnamen »Roundup«. Fordern Sie Agrarminister Friedrich per E-Mail auf, den Einsatz des Unkrautkillers einzuschränken:  www.bund.net/glyphosat-aktion


Schmetterling des Jahres

ZU R ZEIT

… schwärmt für Wolfsmilch Auf dem Rückzug: Der imposante Wolfsmilchschwärmer wird in Mitteleuropa immer seltener. Auch deshalb ist der Nachtfalter für den BUND der neue »Schmetterling des Jahres«.

E

in warmer Sommerabend, eben ist die Sonne untergegangen. Auf einem Trockenrasen weiden Schafe. Vor einer Kleeblüte schwirrt im Dämmerlicht ein Nachtfalter, sein langer Saugrüssel ist in die Blüte gesenkt. Erst als er sich kurz niederlässt und bei der Annäherung warnend seine rot-schwarz-weißen Hinterflügel zeigt, wird deutlich: Es ist der Wolfsmilchschwärmer, eine wärmeliebende Art und bei uns seit Langem auf dem Rückzug. Der BUND hat ihn deshalb – mit der Naturschutzstiftung seines Landesverbandes in NRW – zum Schmetterling des Jahres 2014 gekürt.

Früher viel häufiger In den 1960er Jahren war »Hyles euphorbiae« hierzulande noch viel häufiger. Doch seitdem ist der Schwärmer aus vielen Regionen verschwunden. Ursache dafür ist der zunehmende Verlust nährstoffarmer, trockener und warmer Lebensräume; Orte, an denen die Nahrungspflanze seiner Raupe, die ZypressenWolfsmilch, noch in größerer Menge wächst. Aus blaugrün schimmernden Eiern schlüpfen hier im Frühjahr die Raupen des Schwärmers. Gegen die Giftstoffe der Wolfsmilch sind sie immun. Mit ihrer leuchtend rotschwarzen Färbung zeigen ältere Raupen Fressfeinden, dass sie ungenießbar sind. Ein rotes Horn mit schwarzer Spitze am Hinterleib ähnelt zudem einem Stachel. Junge Raupen haben diese Warntracht noch nicht und sind nur nachtaktiv.

Auch der Falter enthält noch das Gift. Mit einer Flügelspannweite von bis zu acht Zentimetern gehört er zu den größeren Nachtfaltern. Wolfsmilchschwärmer fliegen von Ende Mai bis Juli. Ihre hellbraunen Vorderflügel besitzen olivgrüne Flecken. Die auffälligen Hinterflügel dienen dazu, Feinde abzuschrecken. Verbreitet ist der Schwärmer von Nordafrika über weite Teile Europas und Asiens bis nach China. Die Rote Liste hält ihn in ganz Deutschland für gefährdet. Als Ursache gilt zum einen die indirekte Düngung seines Lebensraumes mit Nährstoffen aus Landwirtschaft, Industrie und Verkehr. Viele seiner Habitate gehen auch verloren, weil ihre Nutzung aufgegeben wird und sie verbuschen. Übrigens weist der BUND mit dem »Schmetterling des Jahres« schon seit 2003 auf die Bedrohung heimischer Tag- und Nachtfalter hin. Druckfähige Bilder und weitere Infos erhalten Sie unter  www.bund-nrwnaturschutzstiftung.de und bei Jochen Behrmann, Tel. (02 11) 30 20 05-14.

W. Schön (2)

Bunte Farben signalisieren: Raupe und Falter sind giftig.

Abenteuer Faltertage: Zählen Sie mit! Der Start des »Abenteuers Faltertage« verlief 2013 frostig. In weiten Teilen Deutschlands lag Anfang April noch Schnee, die Temperaturen schwankten um den Gefrierpunkt. Unsere Schmetterlinge traten deshalb letztes Jahr deutlich später als sonst in Erscheinung. Anschließend aber erreichten den BUND wieder viele Beobachtungen von SchmetterlingsfreundInnen aus dem ganzen Land. Besten Dank allen Schmetterlingsfans, die zum Gelingen des »Abenteuers Faltertage« engagiert und begeistert beigetragen haben. Auch 2014 ruft der BUND wieder dazu auf, zehn ausgewählte Tagfalter zu notieren. Zählen können Sie vom 1. April bis 31. Oktober, unsere Aktionswochenenden finden zu Pfingsten (7. bis 9. Juni) und am 30./31. August statt. Bestellen Sie jetzt unsere Zählbogen und die Aktionsbroschüre! Kontakt: Nehle Hoffer,  (0 30) 2 75 86-4 42, schmetterling@bund.net,  www.bund.net /faltertage (> Download)

[1-14] BUNDmagazin

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ZU R ZEIT

Dietmar Puttins

Die Rheinaue Walsum aus der Vogelperspektive. Seit 2010 brütet hier auch der Weißstorch.

Folgelandschaften

Natur heilt Wunden Industrie und Bergbau haben überall in Deutschland ihre Spuren hinterlassen. Gerade im Ruhrgebiet hat der Mensch große Landstriche bis zur Unkenntlichkeit verändert und zerstört. Doch wo sich der Mensch zurückzieht, kann die Natur verlorenes Terrain neu erobern.

D

ie Natur lässt sich nicht unterkriegen. Diesen Eindruck kann gewinnen, wer sich von der BUNDKreisgruppe Duisburg über Industriebrachen und einstiges Bergbaugelände führen lässt. Nach Entnahme der Steinkohle hat sich im Ruhrgebiet vielerorts das Gelände abgesenkt. Oft bildeten sich dann Gewässer: »Bergsenkungsgewässer« wie der Hallereysee in Dortmund – oder die Rheinaue Walsum in Duisburg/Dinslaken. Über acht Meter hat hier unweit des Rheins die Erde nachgegeben. So entstand in einer Kulturlandschaft mit Hecken und Kopfweiden ein Feuchtgebiet von überregionaler Bedeutung. Die Rheinaue Walsum ist heute FFH- und EU-Vogelschutzgebiet.

Steinkauz und Kreuzkröte Seit 1979 engagiert sich der BUND Duisburg für das Gelände vor und hinter dem Hochwasserschutzdeich. Zunächst, um es als Naturschutzgebiet zu sichern. Und nun seit vielen Jahren, um es weiterzuentwickeln und gefährdete Tierarten zu fördern. So konnte die Kreisgruppe – dank der Spenden von »RheinfelsQuelle« – Nisthilfen für den Weißstorch errichten, der hier seit 2010 brütet. Zur Förderung von Kreuzkröte, Knäkente und Rotschenkel haben wir erfolgreich Blänken angelegt. Und für den Feldschwirl halten wir nasse Brachen vom Gehölzaufwuchs frei. Die Kreisgruppe pflegt auch die Kulturlandschaft: Jedes Winterhalbjahr beschneiden unsere Aktiven 80 bis 100 Kopfbäume, in denen Steinkäuze ihre Jungen aufziehen.

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BUNDmagazin [1-14]

Die Rheinaue Walsum zählt heute zu den bedeutendsten Vogelschutzgebieten Nordrhein-Westfalens. Auf etwa 550 Hektar brüten alljährlich 80 bis 90 Vogelarten mit insgesamt über 3 200 Brutpaaren. Darunter sind viele Arten, die auf die Bergsenkungsgewässer angewiesen sind, wie Löffel-, Schnatter-, Krick- und Knäkente.

Der BUND informiert Auch im Winter ist die Folgelandschaft für Wasservögel von landes- oder gar bundesweiter Bedeutung. So rasten hier Hunderte Schnatter-, Pfeif- und Krickenten, die größten Ansammlungen am ganzen Niederrhein. Die Arbeitsgruppe Rheinaue Walsum des BUND dokumentiert schon seit über 30 Jahren die Zahl der Wasservögel im Winter und den Bestand der Brutvögel. So können wir nachvollziehen, wie sich das Gebiet abhängig von den Veränderungen durch Bergbau und Kiesindustrie weiterentwickelt. Um interessierte Besucher durch die Rheinaue zu leiten, hat der BUND ein Wege- und Informationskonzept erstellt. Zwar fielen zwei von uns errichtete Beobachtungshütten dem Vandalismus zum Opfer. Doch Infotafeln an den Eingängen geben ebenso Auskunft wie ein Film über das Gebiet und eine Info-CD mit über 200 Seiten. Ein Schullehrpfad, erarbeitet gemeinsam mit der Duisburger Naturwerkstatt, informiert an zehn Stationen rund um das Thema Wasser.


Bunte Brachen Eine ganz andere Art von Folgelandschaft repräsentieren die Brachen der Stahlindustrie und des Bergbaus. Die nicht mehr genutzten Areale besitzen in der Regel künstliche Böden aus Schlacke und Bergematerial. Wegen ihres geringen Nährstoffgehaltes wachsen hier oft Pflanzen, die auf magere und warme Standorte angewiesen sind. Frische Industriebrachen kennzeichnet eine sehr vielfältige und farbenprächtige Pioniervegetation. 500 verschiedene Pflanzenarten auf 10 bis 15 Hektar sind keine Seltenheit, darunter zahlreiche Rote-Liste-Arten. Im weiteren Verlauf der Sukzession schließt sich die Vegetationsdecke vor allem mit Gräsern und Stauden, auf die dann ein Vorwald mit Weiden und Birken folgt. Typisch für die hiesigen Industriebrachen ist eine Häufung von Neophyten – Pflanzen fremder Herkunft, die sich dank menschlicher Unterstützung bei uns etablieren konnten.

Die alte Sinteranlage in Duisburg-Meiderich besuchten im Mai 2013 auch die Delegierten des BUND NRW. Auf Industriebrachen wie dieser finden seltene Tiere ein Refugium – etwa Kreuzkröte und Sandheideschnecke (oben links).

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Oasen erhalten Auch bemerkenswerte Tiere besiedeln die Brachen: wie die Kreuzkröte, das Weinhähnchen (eine Grille aus dem Mittelmeerraum) oder diverse Heideschnecken. Viele Brachen werden nach und nach saniert, damit sich Gewerbe und Industrie neu ansiedeln können. Im urban-industriellen Raum Duisburgs setzt sich der BUND dafür ein, einige der artenreichen Oasen zu erhalten, wo dies im Spannungsfeld von Altlastensanierung und Flächenbedarf möglich ist. Schon im Rahmen der »Internationalen Bauausstellung Emscherpark« (1989 bis 1999) konnten wir Besuchern auf Hunderten naturkundlichen Führungen den Lebensraum »Industriebrache« näherbringen. Bis heute bieten wir – in Kooperation mit der Volkshochschule – Führungen über sonst unzugängliche Brachen an. Ein Exkursionsziel ist die alte Sinteranlage in DuisburgMeiderich, die als Ausgleich für die Erschließung einer anderen Industriebrache unter Schutz gestellt wurde. Auch die Delegierten des BUND NRW konnten sich letztes Jahr ein Bild davon machen, wie vielfältig die Natur hier wieder Fuß gefasst hat. Johannes Meßer … ist Sprecher der BUND-AG »Rheinaue Walsum«.

[1-14] BUNDmagazin

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Klage vor Bundesverfassungsgericht

ZU R ZEIT

Bürgerrechte erkämpft Seit 30 Jahren kämpft der BUND in Nordrhein-Westfalen gegen den landschaftsverschlingenden Braunkohletagebau Garzweiler II. Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht die Zwangsenteignung des BUND für verfassungswidrig erklärt. Ein großer Erfolg für mehr Bürgerrechte.

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ie Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts am 17. Dezember war bundesweit mit großer Spannung erwartet worden. Hintergrund ist die Enteignung der BUND-Obstwiese im rheinischen Tagebau Garzweiler. Der BUND hatte das Grundstück 1997 erworben und darauf 90 Obstbäume gepflanzt. Bis heute legendär ist der »Garzweiler Flächenbrand«, ein dort ökologisch produzierter feiner Apfelbrand.

Bergrecht gegen Grundrecht? Im Jahr 2000 reichte der BUND eine erste Klage gegen den Tagebau ein, weitere folgten. Im bitterkalten Januar 2008 errichteten BUND-Aktive auf eigenem Grund und Boden ein Widerstandscamp, das schließlich von einem Großaufgebot der Polizei geräumt wurde. Der BUND erhob daraufhin Verfassungsbeschwerde. Wann sind Zwangsenteignungen vor dem Grundrecht auf Eigentum zu rechtfertigen? Darf Bergrecht weiter Grundrecht brechen? Diese und andere Fragen hatte das höchste deutsche Gericht jetzt zu prüfen. Nach intensiver mündlicher Verhandlung im Juni 2013 gab der Erste Senat unserer Beschwerde statt und bestätigte, dass die Zwangsenteignung verfassungswidrig war. Das Gericht kritisierte besonders die fehlende Gesamtabwägung: Diente es wirklich dem Gemeinwohl, unser Grundstück an RWE abzutreten? Zudem sei ein effektiver Rechtsschutz nur garantiert, solange noch keine Fakten geschaffen werden. Die Richter stellten klar, dass die Regelungen hierzu im Bundesberggesetz unzulänglich sind.

Künftig mehr Widerstand möglich Auch wenn unsere Wiese nicht mehr existiert – dort klafft jetzt ein 200 Meter tiefes Loch –, ist das Urteil von großer Bedeutung. Der Gesetzgeber ist nun gefordert, das Bundesberggesetz zu überarbeiten. Damit wird die Hürde für RWE, Vattenfall und Co bei künftigen Enteignungen deutlich höher. Ferner muss hier das Gemeinwohl (auch fürs umstrittene Fracking) besser begründet werden. Ein effektiver Rechtsschutz muss zudem viel frühzeitiger möglich sein. Die Chancen, erfolgreich gegen so überflüssige wie umweltschädliche Großvorhaben vorzugehen, sind damit deutlich gestiegen. Einziger Wermutstropfen: Unser Ziel, den Tagebau Garzweiler II zu stoppen, haben wir verfehlt. Parallel scheiterte die Verfassungsbeschwerde eines betroffenen Bürgers gegen die bergrechtliche Zulassung des Tagebaus mit 3 gegen 5 Richterstimmen. Damit wurde ein »Grundrecht auf Heimat« verneint. Sollte Garzweiler II wie geplant bis 2045 fortgeführt werden, würden weitere 1,2 Milliarden Tonnen CO2 frei. Alle deutschen Klimaschutzziele wären damit Makulatur. Der BUND erwartet jetzt von der Landesregierung, dass sie die Abbaupläne zurücknimmt und den Ausstieg aus dem »Klimakiller Nr. 1« einleitet. Dirk Jansen … ist Geschäftsleiter des BUND NRW. Mehr dazu:  www.bund-nrw.de/garzweiler

Claus Langer (li.), D. Schubert

2005 protestierten Umweltschützer auf der BUND-Obstwiese gegen den Tagebau; heute gähnt hier ein 200 Meter tiefes Loch. Gegen die Zwangsenteignung zog der BUND mit Erfolg vors Bundesverfassungsgericht – im Bild unsere Beschwerdeführer.

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AKTIV

Die Auslöser, Berlin

Buntes Bündnis Vor Beginn der Demonstration am Potsdamer Platz in Berlin. Dann ging es los (siehe unten), mit Hubert Weiger als 3. von rechts.

Demo zur Grünen Woche

Stoppt die Agrarindustrie!

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o mild und sonnig war es noch nie, bei der Demo zur Grünen Woche in Berlin. Und all die, die anlässlich der weltgrößten Agrarmesse für eine andere Landwirtschaft protestierten, wussten es zu schätzen. Über 30 000 Menschen zogen, angeführt von 70 Traktoren, am 18. Januar vor das Kanzleramt in Berlin. Mit dabei: viele viele BUND-Aktive, die in über 40 Bussen aus allen Landesteilen angereist waren. Der bunte Protestzug forderte von Kanzlerin Merkel und Vize Gabriel einen Kurswechsel in der Agrarpolitik. Statt weiter Politik für die Agrarindustrie zu machen, solle die Bundesregierung eine soziale, tiergerechte und ökologische Landwirtschaft fördern. »Wir erwarten von der neuen Regierung eine Agrarpolitik, die das Arten- und Höfesterben stoppt und den Hunger in der Welt bekämpft«, so Jochen Fritz vom Bündnis »Wir haben es satt«. Zur Demonstration aufgerufen hatte der BUND gemeinsam mit über 100 Organisationen, darunter Bäuerinnen und Bauern, ImkerInnen sowie Natur-, Tier- und VerbraucherschützerInnen.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger forderte auf der Abschlusskundgebung, das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU zu stoppen. »Dieses Abkommen gefährdet uns, unsere Kinder, die Tiere und die Umwelt. Das dürfen wir nicht zulassen.« Agrarminister Friedrich müsse sich dafür einsetzen, mehr bäuerliche Betriebe zu fördern – statt Massentierhaltung und Fleischexport.

Weitere Bilder vom 18. Januar unter:  www.bund.net/wir-haben-es-satt

Tauziehen Vielfalt gegen Konzerne – klar, wer bei dieser Aktion der BUNDjugend die Oberhand behielt …

Jörg Farys / Die Projektoren (2)

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AKTIV

Libelle des Jahres

Wildbienen

Klein und bedroht

Oasen schaffen!

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Günter Loos · viter/Fotolia (Hummel)

Männchen der Kleinen Moosjungfer.

ie Kleine Moosjungfer ist die Libelle des Jahres 2014 – gekürt vom BUND und der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (Libellenkundler). Die gefährdete Art erreicht eine Körpergröße von dreieinhalb und eine Flügelspannweite von knapp sechs Zentimetern.

Typisch ist die weiße Stirn und rote oder gelbliche Flecken auf schwarzem Grund. Die Kleine Moosjungfer fliegt als typische Frühlingsart meist zwischen Mitte Mai und Anfang Juli. »Kleine Moosjungfern leben vor allem in Hochmooren und Verlandungszonen von Moorseen«, so Jürgen Ott von der GdO. »Ihre Larven finden wir in nährstoffarmen und sauren Gewässern, wo sie nicht von Fischen erbeutet werden. In Verlandungszonen mit Torfmoosen legen die Weibchen ihre Eier ab, auch die Larven finden hier Unterschlupf.« Zum vierten Mal hat der BUND eine »Libelle des Jahres« gewählt, um auf die Bedrohung dieser Tiergruppe hinzuweisen. Nehle Hoffer vom BUND nannte als wichtigste Gefahren die vielen Nährstoffe aus Landwirtschaft und Verkehr, die Zerstörung der Moore und einen überhöhten Fischbesatz.

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ber die Hälfte der 560 heimischen Wildbienenarten gilt als gefährdet. Die Insekten leiden unter dem Verlust ihrer Lebensräume. Vor allem in Wiesen, Trockenrasen oder Heiden finden sie Nistplätze und genug Nahrung. Die Agrarindustrie aber verwandelt immer größere Flächen in lebensfeindliche Wüsten. Damit unsere Wildbienen langfristig eine Zukunft haben, muss die Landwirtschaft umweltgerechter werden. Fürs Erste können aber auch Sie den Bienen unter die Arme – pardon: Flügel – greifen. Hierfür stellt der BUND 500 Rettungspakete bereit, mit Blütensamen, Bauplänen für Nisthilfen und vielen Infos. Bestellen Sie Ihr Paket unter  www. bund.net/wildbienenretterpaket oder beim BUND, Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin – solange der Vorrat reicht!

Geschenk für die Natur

Grünes Band feiert 25. Geburtstag

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as einst als Todesstreifen Ost- und Westdeutschland trennte, bietet heute über 1 200 bedrohten Tier- und Pflanzenarten Zuflucht. Entlang der innerdeutschen Grenze konnte sich die Natur auf knapp 1 400 Kilometern Länge fast ungestört entfalten. Besonders in den ersten Jahren nach dem Mauerfall wurde diese Lebenslinie durch intensive Landwirtschaft und Straßenbau vielerorts zerschnitten. Früh erkannte der BUND den Wert dieses Refugiums und entwickelte das Grüne Band zu einem der wichtigsten deutschen Naturschutzprojekte. Etliche Abschnitte des einstigen Grenzstreifens konnten gesichert und renaturiert werden. Anwohner, Bäuerinnen und Politiker wurden zu

Gesprächen an einen Tisch geholt. 2001 war das Grüne Band noch auf 15 Prozent seiner Fläche lückenhaft, 2012 lediglich auf 13 Prozent. Der BUND setzt sich weiter dafür ein, diesen einzigartigen Verbund von Lebensräumen zu bewahren. 2014 begeht das Grüne Band sein 25. Jubiläum. Die Natur sagt Danke für ein Vierteljahrhundert Naturund Artenschutz längs der Lebenslinie. Gefeiert wird der Geburtstag mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen. Das nächste BUNDmagazin widmet dem Thema »Vernetzte Lebensräume« einen Schwerpunkt. Mehr übers Jubiläumsjahr und alle Termine am Grünen Band finden Sie hier:  www.bund.net/gruenes-band

Die Werbeagentur Publicis hat die Arbeit des BUND mit schönen Plakatmotiven honoriert, die Firma Ströer mit Anzeigenplätzen. Dafür vielen Dank! Die Plakate erhalten Sie (zu den Versandkosten) unter  www.bund.net /plakate

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BUNDmagazin [1-14]


Projekt 500 000 – die Erde braucht Freunde

Mit der Familie im BUND

Geschenk 1 Das Manfred MistkäferMagazin Das Jahresabo des beliebten Mitmach-Magazins für die kleinen Naturfreunde (8 bis 12 Jahre – inkl. Begleitheft für Erwachsene)

Geschenk 2 Presse zum Herstellen von Anzuchttöpfen aus Papier

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Ein Familienausflug in die Natur ist etwas Besonderes. Gemeinsam gibt es viel zu entdecken, verschlungene Waldpfade zu erkunden oder ein Picknick auf der Wiese zu erleben. Auch zu Hause legen viele junge Familien Wert auf ein natürliches Leben, ohne giftige Chemikalien in Textilien und ohne Gentechnik in Lebensmitteln.

Mitglieder werben Mitglieder, damit die BUND-Familie weiter wächst. Unsere Mitglieder garantieren unsere politische und finanzielle Unabhängigkeit von Wirtschaft und Politik. Machen deshalb auch Sie mit und werben Sie neue Mitglieder. Entweder mit dem Coupon (unten) oder unter www.bund.net.

Haben Sie noch Fragen? Telefon: (0 30) 2 75 86-479, E-Mail: mitgliederservice @bund.net

Die Familienmitgliedschaft im BUND lädt Sie zu spannenden Naturerlebnissen und Aktionen ein. Unsere Ökotipps und aktuelle Artikel im BUNDmagazin unterstützen Sie in Fragen rund um Energiesparen, ökologische Ernährung und Verbraucherschutz. Melden Sie Familienmitglieder nach bzw. stellen Sie auf eine Familienmitgliedschaft um – ganz einfach per E-Mail oder Telefon (rechts). Jede Stimme zählt, damit Natur- und Umweltschutz noch mehr Gewicht erhalten.

Der Frühling kommt schneller, als man denkt, und damit auch die Pflanzzeit. Selbstgemachte Anzuchttöpfe aus Papier sind dabei die beste Hilfe für alle Hobbygärtner. Denn den durchwurzelten Topf können Sie direkt in die Erde setzen. Die Presse ist aus FSC-zertifiziertem Buchenholz.

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bitte wenden ➔

Ich habe ein Mitglied geworben. 񡑂񡑑񡑖񡑖񡑈񡑀񡑒񡑔 񡑈񡑗񡑙񡑈񡑓񡑀񡑅񡑑񡑈񡑀񡑗񡑓񡑖񡑈񡑓񡑀񡑄񡑐񡑔 񡑉񡑈񡑘񡑠񡑓񡑕񡑇񡑐񡑖񡑈񡑕񡑀񡑃񡑈񡑕񡑇񡑐񡑈񡑓񡑒񡑀񡑆񡑓񡑁

Ich habe ein neues BUNDmitglied geworben und mein gewünschtes Geschenk angekreuzt.

Name/Vorname

Antwort Adresse

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. Mitgliederverwaltung Am Köllnischen Park 1 10179 Berlin

Beruf

Geburtsdatum

Telefon

E-Mail

Mitgliedsnummer

Unterschrift

Manfred Mistkäfer

Presse für Anzuchttöpfe

Fahrradband


AKTIV

Der neue Vorstand (v. l.): Hubert Weiger, Klaus Brunsmeier, Dagmar Becker, Julia Römer, Jörg Nitsch, Andreas Faensen-Thiebes, Heidrun Heidecke, Norman Stock und Wilfried Kühling.

Uwe Schneidewind warb in Bad Hersfeld für eine neue Wissenschaftspolitik.

Delegiertenversammlung

Demokratie als Stärke

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und 130 Delegierte trafen sich Ende November zur Jahresversammlung des BUND im hessischen Bad Hersfeld. Als Parlament des Verbandes beschlossen sie den Haushalt 2014 und die Verlängerung des Schwerpunktes »Biologische Vielfalt«. Gleichzeitig standen Vorstandswahlen an. Der Vorsitzende Hubert Weiger wurde wie auch sein Stellvertreter Klaus Brunsmeier mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Den Platz von Ulrike Mehl, die ihren Stellvertreterposten auf eigenen Wunsch räumte, nahm Jörg Nitsch ein. Er gehörte dem Vorstand schon

bisher als Vorsitzender des Verbandsrates an. Einen Vormittag lang verteilten sich die Delegierten auf sechs Workshops, um Themen von speziellem Interesse zu diskutieren. Zur Auswahl standen unter anderem die Gewinnung von Freiwilligen, die Nutzung neuer Medien und das geplante Freihandelsabkommen mit den USA. Der alte und neue Vorsitzende Hubert Weiger würdigte zum Auftakt die Entscheidungskultur des BUND: »Die demokratische Basis ist unsere Stärke. Manche Prozesse dauern deshalb etwas länger. Doch

die Ergebnisse sprechen für sich.« Uwe Schneidewind plädierte in seinem Festvortrag anschließend für eine neue, unabhängige Wissenschaft. Der Präsident des Wuppertal-Instituts ist ehrenamtlicher Sprecher des BUND-Arbeitskreises Umweltchemie/Toxikologie. Die Delegierten nutzten zudem die Gelegenheit, die Spitzen von Union und SPD aufzufordern, mehr Umwelt- und Naturschutz im Koalitionsvertrag zu verankern – und endlich die umweltschädlichen Subventionen abzubauen, die sich inzwischen auf 51 Milliarden Euro pro Jahr belaufen.

Wenn Sie sich für eine Familienmitgliedschaft entschieden haben, tragen Sie bitte die Namen Ihrer Familienmitglieder hier ein. Jede Stimme zählt!

Ich wurde geworben Ja, ich mache mich für den Natur- und Umweltschutz stark und werde jetzt BUNDmitglied. Ich wähle folgenden Jahresbeitrag: (mind. 50 €) .................................................................. 앬 Einzelmitglied 앬 Familienmitgliedschaft (mind. 65 €) .................................................................. 앬 Ermäßigt (nach Selbsteinschätzung) (mind. 16 €) .................................................................. (einmalig mind. 1500 €) .................................................................. 앬 Lebenszeitmitglied Zahlungsweise: 앬 jährlich 앬 halbjährlich 앬 vierteljährlich

Name/Geburtsdatum

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Ja, ich zahle per Einzugsgenehmigung Name/Vorname

und spare damit Papier- und Verwaltungskosten. Bitte ziehen Sie den Betrag ab dem ___________ bis auf Widerruf von meinem Konto ein.

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Unterschrift (bei Minderjährigen Unterschrift des/der Erziehungsberechtigten)

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Ihre persönlichen Daten werden ausschließlich für Vereinszwecke elektronisch erfasst und – ggf. durch Beauftragte des BUND e.V. – auch zu vereinsbezogenen Informations- und Werbezwecken verarbeitet und genutzt. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt.

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Miesmacherei Eine deutliche Mehrheit der Deutschen ist dafür, die erneuerbaren Energien schnell auszubauen. Doch die Mehrzahl der meinungsführenden Journalisten von Bild über Spiegel bis zu ARD und ZDF steht der Energiewende sehr skeptisch gegenüber. Statt große Sprünge bei den Spritpreisen zu hinterfragen, interviewt man einen Ex-Staatssekretär der FDP im Wirtschaftsministerium, der als Chef der Bundesnetzagentur die »massive« Erhöhung der EEG-Umlage von 5,28 auf 6,24 Cent/KWh Strom beklagt. Zwar wächst der deutsche Stromexport auf Rekordniveau, nimmt die Kohleverstromung enorm zu und steigen die Preise für Energie geringer als die anderer Waren und Dienstleistungen. Doch täglich geistert das Credo von Kohleministerpräsidentin Kraft durch die Medien, in vielerlei Varianten: Unser Strom müsse sicher, sauber und bezahlbar bleiben.

Was hat in den Redaktionen dazu geführt, den Schauergeschichten der deutschen Atom- und Kohleindustrie auf den Leim zu gehen und die einzigartige Erfolgsstory der deutschen Energiewende so kaputt zu schreiben? Gibt die Studie »Gefallen an Gefälligkeiten« von Transparency International vielleicht Antwort? ( www.tagesschau.de/inland/ transparency-journalismus100.html) Für den BUND ist diese Miesmacherei eine Herausforderung. Für uns gilt: Tue Gutes und schreibe und rede darüber. Nur so können auch wir die veröffentlichte Meinung beeinflussen. Klaus Brunsmeier … ist stellvertretender BUND-Vorsitzender.

Fünf Fragen an Hubert Weiger

»Bewegen wir uns also!« Herr Weiger, was haben Sie sich für die neue Amtszeit vorgenommen? Ich würde gern die Potenziale des BUND noch besser nutzen. Wir arbeiten basisdemokratisch und ganzheitlich. Die Vielfalt unserer Struktur und unserer Themen ist eine Stärke, die es politisch umzusetzen gilt. Ein Beispiel ist unser Wildkatzenprojekt: Der Vorzug des BUND besteht darin, ein fachlich fundiertes Konzept zu erarbeiten und dann gemeinsam zu gestalten, von der Basis bis zur Verbandsspitze. Jeder in unserem Netzwerk weiß: Sein Beitrag ist unverzichtbar, um unsere Ziele zu erreichen. Auch möchte ich unser Profil schärfen als Verband, der für seine Ziele politisch kämpft und auf die Straße geht. Alle Ebenen sind uns gleich wichtig: Großdemos in Berlin und den Bundesländern genauso wie der Naturschutz vor Ort.

will ich mich dafür einsetzen, dass in Deutschland darum gestritten wird, wie viele – nicht Millionen, sondern – Milliarden in die Wiedergutmachung zu investieren sind. Die Vielfalt ist ein zentrales Lebensprinzip – darum ist auch die Vielfalt im BUND so wichtig.

Naturschutz bleibt ein zentrales Ziel? Ja, er muss politisch wieder mehr Gewicht bekommen. Es ist doch alarmierend, dass der Schutz unserer Natur im letzten Wahlkampf kaum mehr erwähnt oder gar diskutiert wurde. Nach einem Jahrhundert größter Naturzerstörung

Was wird in nächster Zeit zu Ihren Schwerpunkten zählen? Im ersten Halbjahr ist mein Hauptanliegen, die Energiewende als ein dezentrales, ökologisch verankertes und von den Bürgern gestütztes Erfolgsprojekt zu retten. Noch rascher als befürchtet ist sie unter

Sie sind auch Vorsitzender des größten Landesverbandes – des BUND Naturschutz in Bayern – und pendeln ständig zwischen Bayern und Berlin. Was treibt Sie an, diesen Fulltimejob drei weitere Jahre zu tun? Lange kam unsere Schlagkraft nicht genug zum Tragen, weil sich Bayern und Berlin uneins waren. Das ist heute mehr oder weniger passé, dank größerer Transparenz und einem anderen Grundverständnis auf beiden Seiten. Diesen Prozess des Zusammenschlusses möchte ich gerne fortführen.

Hubert Weiger wurde mit 97 Prozent der Stimmen für drei weitere Jahre zum Vorsitzenden gewählt.

starken Beschuss der Konzerne geraten, gerade wegen ihres Erfolgs. Ihr Wunsch an den Verband? Dass sich unsere Mitglieder im Rahmen ihrer Möglichkeiten engagieren – ob sie Leserbriefe schreiben, im Bekanntenkreis für unsere Ziele werben oder an Aktionen mitwirken. Unsere Mitgliederstärke hilft uns politisch nur, wenn sie öffentlich sichtbar wird. Das beste Beispiel sind unsere Agrardemos zur Grünen Woche – die nimmt die Politik viel ernster als all die Fachforen und Papiere, die wir zuvor der Landwirtschaft gewidmet hatten. Bewegen wir uns also, damit sich auch unsere Demokratie bewegt! (sz)

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I NTER NATIONAL

Auszug der Umweltorganisationen aus dem Konferenzgebäude.

Klimakonferenz in Warschau

Noch mehr Druck nötig

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olen hatte wohl darauf spekuliert, als Gastgeber der jüngsten Klimakonferenz seine Position zu stärken – in der Debatte über die künftige Klimapolitik der EU. Der zeitgleich in Warschau einberufene internationale Kohle-Gipfel sollte dazu dienen, die Kohle – und damit das Kohleland Polen – von ihrem klimaschädlichen Image zu befreien. Die Regierung ging sogar so weit, als Sponsoren des Klimagipfels die Konzerne BMW, AcelorMittal (Stahl) und Lotos (Mineralöl) zuzulassen. Ihre Logos hießen somit alle Teil-

nehmer und Gäste am Eingang des Konferenzgebäudes willkommen.

Vorzeitiges Ende All dies schien wenig Gutes zu verheißen. Tatsächlich übten sich die Delegierten in Warschau vor allem in Stillstand. Und das in einer Weise, dass die 800 Vertreter der Umweltverbände, zivilen Netzwerke und Gewerkschaften am vorletzten Tag beschlossen, die Konferenz zu verlassen. »Die Delegierten reden, wir gehen!«, lautete das Motto; aber auch: »Wir kommen wieder!« Der BUND und sein internationales Netzwerk Friends of the Earth beteiligten sich an dem Protestakt. Er polarisierte und sorgte für

Aufsehen. Kritiker warfen uns vor, die Verhandlungen im Stich zu lassen. Gleichzeitig wurden aber viele Stimmen laut, die unseren Protest als überfällig begrüßten.

Einig im Protest Die Aktion hat 800 Menschen aus Süd und Nord und die unterschiedlichsten Organisationen vereint. Sie hat KollegInnen, die schon bis zu 20 Jahre die Klimakonferenzen begleiten und sprachlos der Untätigkeit der Regierungen gegenüberstanden, ein Ventil für ihre Enttäuschung gegeben. Vor allem aber waren sich die, die aus dem Konferenzgebäude auszogen, einig darin, den Protest bis zum kommenden Klimagipfel zu verstärken. Der Druck muss weiter wachsen, damit die Regierungen schon vor der nächsten Runde ihre Angebote verbessern.

Zur Halbzeit der Klimakonferenz liefen Mitte November Tausende Umweltschützer durch Warschau – mit dabei auch BUNDjugend und BUND.

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Verschmutztes Nigerdelta

Trauriger Spitzenplatz

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as Nigerdelta gehört zu den schmutzigsten Regionen der Erde und daher in eine Liga mit Tschernobyl oder den Quecksilberminen in Kalimantan auf Borneo. Das »Grüne Kreuz« Schweiz und das US-amerikanische BlacksmithInstitut haben die zehn weltweit am stärksten verschmutzten Orte ermittelt – gemessen daran, wie viele Menschen betroffen sind, welches Ausmaß die Verschmutzung hat und wie es um die Sanierung steht. In ihrem Bericht schätzen sie den Schaden durch chemische Vergiftungen weltweit ähnlich hoch ein wie den durch die drei globalen Infektionskrankheiten Tuberkulose, Aids und Malaria.

Petition an Shell Das Nigerdelta, einen Landstrich von der Größe Portugals, hat die Ölförderung schwer verwüstet. Von 1976 bis 2001 wurden 7 000 »Ölaus-

tritte« gezählt. Das meiste Öl wurde niemals gebunden und entsorgt. Und noch immer fließen jedes Jahr 240 000 Barrel Rohöl in Wasser und Boden. Nicht nur das Erdreich, Flüsse und Grundwasser sind mit Kohlenwasserstoffen verseucht, sondern auch die Luft. Die Einheimischen tragen ein hohes Risiko, an Krebs zu erkranken oder unfruchtbar zu werden. Laut »Nigerian Medical Journal« trägt die Verschmutzung auch deutlich zur Unterernährung von Kindern bei. Ein Bericht des UN-Umweltprogramms fordert Shell (den größten Ölproduzenten vor Ort) dazu auf, das Delta zu sanieren und in einem ersten Schritt die Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Mit der Petition »Umwelt schützen – Shell stoppen!« schließen wir uns dem an. Am 3. März möchten wir auch Ihre Unterschrift übergeben. Unterstützen Sie uns:  www.bund.net/shell

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Friends of the Earth

Umweltschutz am Kap

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obby Peek ist der Direktor von »Groundwork«, unserem südafrikanischen Partner von Friends of the Earth. Anfang Dezember kam er auf Einladung des Evangelischen Entwicklungsdienstes zu einem Vortrag nach Bremen. Dabei bot sich den Bremer BUND-Aktiven Heidi und Michael Schirmer und Martin Rode die Gelegenheit zu einem Erfahrungsaustausch. Bobby Peek berichtete von den Umweltbelastungen, die in seiner Heimatstadt Durban von Raffinerien und petrochemischer Industrie ausgehen und die Gesundheit vieler Menschen schwer schädigen. Ganze Stadtviertel drohen momentan der Erweiterung von Hafen und Industriegebieten zum Opfer zu fallen.

Deshalb war er sehr am deutschen Umweltrecht interessiert: Wie hat es sich in über 30 Jahren entwickelt – von ersten Gesetzen bis zu erfolgreichen Verbandsklagen vor Bundesgerichten? FoE South Africa arbeitet anders als der BUND. Schwerpunkte sind die Umweltbildung und der Aufbau eines Netzwerks lokaler Initiativen, daneben politische Lobbyarbeit und Auseinandersetzungen vor Gericht. Die Finanzierung gründet sich nicht auf viele Mitglieder, sondern auf ausländische Spenden. Das größte Umweltproblem Südafrikas sieht Bobby Peek im gigantischen Kohlebergbau und -export. Seinem Heimatland fällt damit eine Schlüsselrolle im globalen Klimaschutz zu.

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Junges Gemüse

DI E J U NGE SEITE

Wie lebt man in der Stadt der Zukunft? Die Initiative »neongruen« der BUNDjugend sucht nachhaltige Ideen und hilft neuen Projekten auf die Beine. Zum Beispiel in Waldkirch: Auf ihrem Gemüsebeet haben Jugendliche eine reiche Ernte eingefahren.

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ie viel Power in einem einzigen Samen steckt … Wie viel Energie frei wird, wenn er keimt und sprießt. Wie eine Pflanze heranwächst, wenn man den jungen Trieb hegt und pflegt. Und wie beglückend die eigene Ernte sein kann: All das hat Valerie Hollunder erfahren. Ganz unmittelbar mit dem Kern einer Chilischote, den die 21-Jährige eines Tages in einen Joghurtbecher pflanzte. Tatsächlich wuchs ein kleiner Strauch heran, der inzwischen selbst Früchte trägt. Und Früchte trug dann auch ihre Idee von der »Essbaren Stadt Waldkirch«: In der Schwarzwaldgemeinde hat eine Gruppe Jugendlicher ein Gemüsebeet angelegt. Gemeinsam haben sie eine Saison lang geharkt, gemulcht, gegossen und gejätet. Geerntet haben auch andere: Spaziergänger, Radfahrer oder Ausflügler. Aber genauso war es gedacht.

Ein Beet mit Zukunft  http://projektneongruen.de

»Schon nach einer Woche zeigte sich ein winziges Pflänzchen im Joghurtbecher, ich war total überrascht! Dann wurde mir klar: Viel zu lange habe ich nicht mehr wahrgenommen, wie unser Essen heranwächst«, erzählt die Studentin. Ihr Interesse ist nun geweckt: Sie macht sich schlau über Urban-GardeningInitiativen – und startet in Waldkirch ihr eigenes Projekt. Jung und Alt nehmen Spaten und Schaufel in die Hand, um eine Wiese am Flüsschen Elz in ein Gemüsebeet zu verwandeln. Dann geht es weiter: Bei einem Workshop

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der BUNDjugend treffen sich junge Menschen, um ihre Idee eines eigenen »Jugendbeetes« zu verwirklichen. Tobias Braun und Sabine Cooke unterstützen sie darin. Die beiden betreuen das Projekt »neongruen« der BUNDjugend – und wollen junge Leute motivieren, ihre Heimat Stück für Stück in einen Ort mit Zukunft zu verwandeln.

Jeder darf sich bedienen »Waldkirch hat wie viele andere Städte Grünflächen, die ab und zu gemäht werden, sonst passiert da nichts«, meint Valerie Hollunder. »Baut man hier Gemüse an, bringt das die Leute zum Nachdenken darüber, wo ihr Essen herkommt. Und vielleicht dazu, bewusster zu konsumieren.« Beim Jugendbeet erhält das Team professionelle Hilfe: Aus dem Nachbarort kommt Gärtner Holger Kypke mit einem alten Traktor angetuckert. Er baut mit Langzeitarbeitslosen Biogemüse an und hat nicht nur Mist, Gesteinsmehl und Kompost dabei, sondern auch einige Pflänzchen. Die werden sofort eingesetzt, mit Stroh gemulcht und gewässert. Eine der Jugendlichen, die sich gerne die Finger schmutzig machen, ist Rosalie Boldt. »Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Lauch, Tomaten, Paprika, Kohl und Kohlrabi: Wow, da wird ja bald viel wachsen«, lacht die 16-Jährige. Die Beetpatin muss mit dafür sorgen, dass die Pflanzen nicht überwuchert werden oder vertrocknen. Die vorbeifließende Elz liefert Wasser zum Gießen. Zwischen Fluss und Beet verläuft ein beliebter Weg, den an schönen Tagen Ausflügler, Spaziergänger und


Radfahrer nutzen. Werden die nicht die ganze Ernte wegfuttern? »Wir sind keine Schrebergärtner und machen das nicht für uns allein«, sagt Valerie Hollunder. Also darf sich jeder bedienen? »Na klar«, meint Rosalie Boldt und zeigt das selbstgebastelte Schild, auf dem steht: »Ernte mich. Nur keine Hemmungen! Was hier wächst, ist für jeden da.«

Für Biene und Mensch Mit ihrem Gemüsebeet sind die Waldkirchner nicht allein: (Essbares) Städtisches Grün liegt im Trend. Entsprechend sprießt und gedeiht es auf vielen Bildern des Fotowettbewerbs »Stadt von morgen« – die besten sind auf der Facebook-Seite von »neongruen« zu sehen. Auch in Bremen engagiert sich eine Gruppe der BUNDjugend als urbane Gärtner. Nach einem »neongruen«Workshop macht sie eine Brachfläche ausfindig, erledigt die Formalitäten und legt los. »Im April gab’s den ersten Spatenstich. Wir haben Gras entfernt, Heidepflanzen eingesetzt und einen Blühstreifen gesät. Schon im ersten Sommer fanden Bienen, Hummeln und Schmetterlinge hier ausgiebig Nahrung«, so Moritz Steinbeck. Auch die Menschen

hatten was davon: Im Herbst wurden auf dem kleinen Acker Kürbisse reif.

Neustart mit Nachwuchs In Waldkirch fällt die Ernte ebenfalls üppig aus. Die Passanten haben sich wunschgemäß bedient, und fürs Team blieb genug übrig. Zucchinis gibt es reichlich, auch Bohnen, Tomaten, Kohl und Kürbis sind gut gediehen. Nach einem Kartoffelfest im Herbst wird das Jugendbeet winterfest gemacht. »Die alten Pflanzen kommen heraus. Dann hacken wir die Erde auf und erwarten sehnsüchtig das neue Frühjahr«, lächelt Rosalie Boldt. Für die nächste Saison sucht sie wieder Verstärkung. »Die Helfer vom Vorjahr sind alle weggezogen.« Sicher finden sich MitschülerInnen, die erleben wollen, wie selbst gezogenes Gemüse schmeckt. Erzieher des Kindergartens und einige Lehrer sind bereit zu kooperieren, damit die Arbeit weiter auf viele Schultern verteilt ist. Nachwuchs gibt es schon, freut sich die Hobbygärtnerin. »Gerade haben hier ein paar 12und 13-jährige Jungs eine neue Umweltgruppe gegründet. Die wollen jetzt auch mitmachen!« Helge Bendl (Text und Fotos)

Seit 1984 gibt es die BUNDjugend. Sie hat in diesem Jahr also dreißigstes Jubiläum – ganz schön alt für einen Jugendverband! Und ein guter Grund zu feiern: Alle Freiwilligen und Hauptamtlichen – ehemalige und aktuelle – sind herzlich eingeladen, mit uns in diesem Sommer 30 Jahre BUNDjugend zu begehen. Dazu laden wir am 14. Juni nach Seehausen in die Uckermark, wo wir weder fegen noch Klinken putzen wollen, sondern weiterhin die Erde retten möchten. Bei Interesse meldet euch an über info@bundjugend.de oder besorgt euch weitere Infos unter:  www.bundjugend.de/termine

Von allen für alle Die Themen der BUNDjugend sind vielfältig und spannend. Ständig ist an den verschiedensten Orten etwas los. Mit dem BUNDjugend-Blog seid ihr hautnah dabei, wenn Aktive unterwegs sind und von ihren Eindrücken und Gedanken berichten: Wie ergeht es Nathan bei der UN-Klimakonferenz? Gelingt es Meike, nichts Neues mehr zu kaufen? Ihr seid herzlich eingeladen, mitzuleiden oder zu lachen, selbst was zu schreiben oder zu kommentieren. Blogs sind Mitmach-Orte. Habt auch ihr was zu berichten, wendet euch an Jenny: jenny.blekker@bundjugend.de; oder ihr nutzt unser Formular auf:  blog.bundjugend.de

Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V., Am Köllnischen Park 1a, 10179 Berlin, Tel. (0 30) 2 75 86-50, Fax: -55, info@bundjugend.de, www.bundjugend.de

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DI E I N FOSPALTE DER BU N DJ UGEN D

30 Jahre BUNDjugend


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Schritt für Schritt zum Naturgarten

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Nicht noch ein Gartenbuch, denkt man sofort. Doch gleich auf den ersten Seiten wird klar: Hierbei handelt es sich um einen besonderen Ratgeber. Reinhard Witt zeigt uns den Garten als komplexe Welt für sich. Als einen Ort, der umso lebendiger wird, je mehr heimische Blumen, Sträucher und Bäume in ihm gepflanzt werden. Mit viel Humor schildert er, wie unser Garten zu einem Refugium für Vögel, Insekten und andere Tiere werden kann. Wie geht naturnahes Gärtnern schon auf kleiner Fläche? Und was hat zu beachten, wer einen Naturgarten komplett neu anlegen will? Witt bietet Anleitungen, Pläne und Tipps zur Gestaltung in Hülle und Fülle, angepasst an die Gegebenheiten vor Ort (wie Bodenqualität,

Ausrichtung nach Nord oder Süd, Windverhältnisse usw.). Mit so vielen Ratschlägen zur Hand bekommt man schnell Lust, dies und das in die Tat umzusetzen. Sehr reizvoll wirken vor allem die wunderbaren Hecken aus heimischen Beerensträuchern oder Wildrosen, die Vögeln Futter und Zuflucht zu jeder Jahreszeit bieten. Der Autor lehrt der Natur ihren Lauf zu lassen und nicht dauernd aufzuräumen, zu harken und zu düngen. Dass bei der Fülle von Anregungen (inklusive Arbeitsgängen und Baumaterialien) einige Pflanzen ohne Bild bleiben, tut dem Gesamtwerk keinen Abbruch. Ein empfehlenswertes Buch für alle, die gerne gärtnern!

Reinhard Witt: Natur für jeden Garten, 2013. 432 Seiten, 707 Fotos, 24,95 € (+ Versand), Bezug:  http:// shop.naturgartenplaner.de oder  www.bundladen.de/naturgarten

Keine Klamotten kaufen Als die Wienerin Nunu Kaller feststellt, dass sie 34 Röcke besitzt und neu gekaufte Kleidung gar nicht mehr auspackt, beschließt sie einen Selbstversuch: Sie wird ein Jahr keine Kleidung, Schuhe, Schmuck und Taschen anschaffen. Diese zwölf Monate dokumentiert sie in einem Blog, das nun als Taschenbuch erschienen ist. In munter-selbstironischem Ton beschreibt sie ihr Jahr 2013. Schonungslos nimmt sie ihre Shoppingsucht unter die Lupe, mistet radikal aus, besucht Tausch- und Verschenkeparties und Kinos, in denen man stricken kann. Sie wagt neue Kombinationen aus ihrem immer noch reichhaltigen Kleiderschrank, lernt stri-

cken und nähen und sieht sich nach fair-ökologischen Alternativen um. Ist Shoppingverzicht das Luxusproblem einer Schnäppchengesellschaft? Oder trägt er sinnvoll zu Entschleunigung und Suffizienz bei? Nunu Kallers Buch ist weder Roman noch Sachbuch, eher ein Augenzeugenbericht, der Lust darauf macht, bewusster einzukaufen. Immerhin hat das Buch ein paar BUNDMitarbeiterInnen in Berlin dazu angeregt, ihrerseits 2014 auf vielerlei Konsumgüter zu verzichten. Siehe  www.meinJahrohne.de Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht!

Nunu Kaller: Ich kauf nix! Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurde, 2013. 272 Seiten, 8,99 €, Kiepenheuer & Witsch

Besser essen Er war überfällig, der Restaurantführer von Slow Food Deutschland. Über 400 TestesserInnen stellen 300 Gasthäuser vor, die sich an Slow-Food-Kriterien orientieren: einer saisonalen Küche, in der mit regionalen Zutaten ohne Geschmacksverstärker und ohne Fertigprodukte gekocht wird. Vorgestellt werden Restaurants in Ost und West, in Nord und Süd. Die 300 sind – zum Glück – nur eine Auswahl. So findet man keine Empfehlung für Berlin und Potsdam, auch die leckere Bio-Küche, die

man im »Eggensberger« (Hopfen am See, BY) oder im »Gutshaus Stellshagen« (MecklenburgVorpommern) findet, fehlt. Auf manchen Seiten trüben Adjektivhäufungen den Lesegenuss, die eine genaue Beschreibung ersetzen. Doch wer neue Schlemmerorte entdecken möchte, kommt um diesen Führer nicht herum. P. S. Im letzten Herbst erschien ein Film zur 30-jährigen Geschichte der Slow-FoodBewegung, siehe:  www.slowfoodstory.de

Slow Food Deutschland (Hg.): Slow Food Genussführer Deutschland 2014. 336 Seiten, 19,95 €, oekom

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Bayerns Natur neu entdecken Achtung Heimat – so warnt der Titel doppeldeutig. Und will uns sagen: Aufgepasst, unsere Umwelt ist in Gefahr. Gleichzeitig fragt er nach der Wertschätzung von Heimat – einem Begriff, der wohl erst langsam wieder sorglos verwendet werden kann. Seit 1913 schßtzt der BUND Naturschutz (BN) die bayerische Heimat. Seine Historie ist voller spannender Geschichten. In diesem opulent gestalteten Jubiläumsband sind sie anekdotenreich beschrieben, Erfolge, Kämpfe und Irrwege. Dabei bringen die AutorInnen – ßberwiegend langjährige Mitarbeiter des BN – auch wenig Rßhmliches zur Sprache. So die Nähe zum Nationalsozialismus in den 30er/ 40er Jahren und die schleppende Aufarbeitung

dieser Zeit nach dem Krieg. Dass der BN in den 70er Jahren die Atomkraft weitgehend befĂźrwortete, wird ebenfalls nicht verschwiegen. Speziell die vielen groĂ&#x;en Bilder haben es in sich. Einzigartige Aufnahmen zeigen neben typisch bayerischen Motiven auch einige Landschaften, die man in Deutschland gar nicht vermutet hätte. Immer wieder verfĂźhren sie beim Blättern dazu, sich in den Text zu vertiefen – ob es um Bayerns FlĂźsse geht, um Verkehrsprobleme, Umweltbildung oder die Jugendarbeit. Ein wirklich imposantes Buch fĂźr alle, denen Bayern, der Naturschutz ganz allgemein und die Geschichte des ältesten und grĂśĂ&#x;ten BUND-Landesverbandes am Herzen liegt.

BUND Naturschutz: Achtung Heimat, 2013. 376 Seiten, ca. 500 farbige Abb. und Fotos, 29,90 â‚Ź, Volk Bezug:  www.bundladen.de/achtungheimat

Holt Euch die Wildnis ins Leben! Das Quatsch-Matsch-Buch ist vieles zugleich: ein Plädoyer an die Erwachsenen, Kindern Freiräume zurĂźckzugeben; und ein Aufruf an die Kinder, sich diese zurĂźckzuerobern. Die Diagnose ist deutlich: Unsere Optimierungsgesellschaft fĂźhrt in eine immer enger werdende Welt, in der die Natur wie auch die Kinder rein nach ZweckmäĂ&#x;igkeit beurteilt werden. So sei es kein Wunder, dass der Schwund vieler SingvĂśgel Hand in Hand gehe mit dem Verschwinden der Kinder aus der Landschaft, so der Journalist, Biologe und Philosoph Andreas Weber. In der ungesteuerten Naturerfahrung sieht Weber den Ausweg aus dem zerstĂśrerischen System der Be- und Verwertung: Sie stärke die Eigenverantwortung der Kinder, ermĂśgliche seelische Bindungen und spiegele die Dimensionen des Lebens, ohne je ein Urteil zu fällen. ÂťDie Wildnis ins Leben zurĂźckzuholen ist ein Kraftakt, der nur von unten funktioniert, wenn die, die nach Leben hungern, selbst wieder dahin zurĂźckfindenÂŤ, schreibt Weber. Und regt die Kinder dazu an, sich Wildnis ins Leben zu holen, den eigenen Garten zur Abenteuerzone umzugestalten oder SchulhĂśfe, Brachen und StadtstraĂ&#x;en gezielt zu ÂťverwildernÂŤ. Zusammen mit seinen beiden Kindern verrät Andreas Weber, wie kleine Wasserläufe angelegt, eigene Naturspielplätze und versteckte Baumhäuser errichtet werden.

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Andreas Weber: Das QuatschMatsch-Buch, 2013. 160 Seiten, 15,99 â‚Ź, KĂśsel-Verlag

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Zoologe und Umweltschützer Eva Rieger

PERSÖN LIC H

Mitte November erhielt Gerhard Kneitz den bayerischen Naturschutzpreis, die höchste Auszeichnung des BUND in Bayern (Foto: bei der Dankesrede). Der emeritierte Zoologieprofessor aus Würzburg hat 1975 den BUND mitgegründet, 24 Jahre den Wissenschaftlichen Beirat geleitet – und nicht zuletzt das Rhönschaf gerettet. Dieses Jahr feiert er seinen 80. Geburtstag: Zeit, einmal Bilanz zu ziehen.

Persönlich habe ich schon die Gründung der Kreisgruppe Würzburg zwei Jahre zuvor als Erfolg erlebt. Etwa 20 Mitglieder hatte der Bund Naturschutz damals in unserer Gegend, und dass es mal über 5 500 werden, war überhaupt nicht abzusehen. Wir waren gleich enorm aktiv, haben ausgelotet, wo wir Natur schützen oder Müll beseitigen können. Da war so viel Engagement zu spüren! Es lag aber auch etliches im Argen …

Herr Kneitz, Sie haben so viel erlebt im Umwelt- und Naturschutz, Fortschritte wie Rückschläge. Können Sie sich noch leidenschaftlich über etwas aufregen? Natürlich: etwa als der Papst kürzlich vom »tödlichen Kapitalismus« sprach und das in einer Talkrunde heftige Diskussionen nach sich zog. Fand ich sehr spannend! Erleben wir doch auf vielen Ebenen, wie negativ sich unser Wirtschaftssystem auswirkt. Das Gebot der Nachhaltigkeit, über das wir im Naturschutz notwendigerweise reden müssen, wurde von niemandem erwähnt … An welchen Erfolg Ihrer langen Umweltarbeit erinnern Sie sich besonders gerne? Vielleicht an das Rhönschafprojekt, gerade weil es ganz ungezielt entstanden ist. Auf dem Weg dahin haben sich eine Menge Zufälle ergeben. Im Rahmen eines Forschungsprojektes habe ich in den 80er Jahren Flora und Fauna des Naturschutzgebietes »Lange Rhön« untersucht. Dabei sprach mich einmal ein Würzburger Arzt an, der sich sehr für die Rettung der Rhönschafrasse engagierte. Er erzählte mir, dass ein großes Gelände am Südhang der Rhön zum Verkauf anstünde. Diese »Gassenwiesen« drohten bebaut zu werden. Der BUND konnte sie erwerben und von einer Herde Rhönschafe beweiden lassen, die heute über 400 Muttertiere zählt. Sie waren ja schon 1975 in Marktheidenfeld dabei, als der BUND aus der Taufe gehoben wurde … Auch das natürlich ein Erfolg. Wer hätte gedacht, dass sich unser Verband einmal so entwickeln würde!

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Der BUND hat Ihnen fraglos viel zu verdanken. Haben auch Sie dem BUND etwas zu verdanken? Freilich, viele erfüllende Erlebnisse und Erfolge – und die Chance, idealistische Menschen kennenzulernen, die sich um eine lebenswerte, vielfältige Umwelt sorgen. Es lässt sich heute kaum mehr vermitteln, wie dramatisch die Situation damals war: riesige Fischsterben im Main, schwelende Mülldeponien in jeder Gemeinde, dazu die rücksichtslosen Flurbereinigungen … Viele Menschen hatten das Gefühl: Da geht jetzt gehörig etwas schief. Der BUND bot uns den Rahmen, um gegen diese Missstände vorzugehen. Manches hat sich seitdem spürbar zum Guten gewendet. Doch die Themen sind dem BUND nicht ausgegangen. Welches Anliegen liegt Ihnen besonders am Herzen? Da muss ich noch einmal in die 70er Jahre blicken: Damals, 1974, wurde ich auf eine Professur für Zooökologie und Umwelt in Bonn berufen. Nicht nur diese Professur hat sich seit meiner Emeritierung fachlich sehr verengt. An der Mehrzahl der Universitäten ist die Verknüpfung von wissenschaftlicher Biologie und Ökologie mit dem Naturschutz und der Gestaltung von Lebensräumen stark in den Hintergrund getreten. Dies sollte wieder stärker zur Geltung kommen. Sind Sie noch regelmäßig im Grünen? Oder gibt es Länder, die Sie noch gerne besuchen würden? Leider muss ich da heute kürzertreten. Zum Glück konnte ich früher viel reisen – vor allem um Ameisen und Termiten zu erforschen. Gerne aber hätte ich einmal die Wanderungen der großen Tierherden in den Steppen Afrikas kennengelernt. Ich fürchte fast, daraus wird nichts mehr. Mich tröstet immerhin, dass sich die Tierfilme so verbessert haben: Unglaublich, was heute im Fernsehen gezeigt werden kann! Interview: Severin Zillich


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