von Hand, mistete aus, brachte die Kühe zur Weide und holte sie am Abend wieder von der Weide, zettete, rechte und schlepperte. Als ich älter war, durfte ich mit dem Motormäher mähen und helfen, Ziegen von Hand zu melken. Im Ziegenmelken war ich jedoch wohl der Langsamste weit und breit. Die schönste Zeit war immer die Heuzeit Ende Sommer im Maiensäss in Preda. Wir übernachteten alle in Preda. Selbst für die Bauerfamilie war es beinahe wie Ferien. Die praktische Tätigkeit im Landdienst tat mir gut und ich genoss sie sehr. Sie gefiel mir besser als die Obsternte im Unterland. Ich ging immer seltener in meine alte Heimat. Seit nunmehr vielen Jahren haben meine Tante und ihr Lebenspartner das Zepter auf unseren Obstländereien in der Hand. Ich bin nun schon seit ebenso vielen Jahren an keiner Obsternte mehr dabei gewesen. Ich fand nie mehr die Zeit dazu oder kam erst gar nicht auf die Idee. Die grosse Distanz tut das Übrige dazu. Eigentlich ist es schade, dass mir dies verloren ging. Aber so ist der Lauf der Dinge. Wer weiss, vielleicht finde ich irgendwann einmal wieder Anschluss zur Obstlandwirtschaft. In der dritten und vierten Klasse gingen wir im Fach Biologie oft ins Freie und liefen einen Weg ab. Auf dem Hinweg erklärte der Lehrer die Namen der Blumen, und auf dem Rückweg mussten wir sagen, was es für Blumen sind. Ich war damals relativ schlecht in Botanik. Leider bin ich es heute auch noch, zumindest was das Kraut betrifft. Dies obwohl es doch wichtig und auch schön wäre, sich darin auszukennen. Samedan Meine Mutter wollte nicht – dies ist, so glaube ich, ein offenes Geheimnis –, dass 68
ich in Bergün zum damaligen Sekundarlehrer in die Schule ging. Ich legte also die Aufnahmeprüfung der Academia Engiadina ab (damals hiess die Schule noch MTS) und bestand sie. In der Folge pendelte ich mit dem Zug sieben Jahre lang von Bergün nach Samedan. Es gab einige Hochs und Tiefs. Oft fragte ich mich, ob diese Schule das Richtige für mich sei. Doch da ich mich nicht für eine Berufslehre entscheiden konnte und mir auch der Mut dazu fehlte, die Schule abzubrechen, beendete ich das Gymnasium. Heute bereue ich es nicht, es war eine gute Zeit. Im ersten Jahr an der Academia hatten wir Biologie bei Jost Falett, einem Bergüner Urgestein. Er brachte einmal ein echtes Herz in den Unterricht mit. Leider weiss ich nicht mehr, von welchem Tier es war, ob von einem Schwein oder von einem anderen Tier. In einer anderen Stunde zeigte er uns Dias von Bäumen. Bei einem Dia fragte er die Klasse, was dies für eine Baumart sei. Niemand meldete sich. Ich hielt auf: «Das ist eine Föhre.» Es ist interessant, wie einem gewisse Erlebnisse haargenau in Erinnerung bleiben. Bis dahin interessierte ich mich nicht sonderlich für Bäume, und doch wusste ich, dass dies eine Föhre war. Es war ein schönes Dia von einem Zweig. Als er mich danach fragte, woran ich das erkannt hätte, konnte ich keine genaue Antwort geben. Die Matura-Arbeit trug dann den Titel: Schutzwald am Beispiel Muot. Es war meine erste Vertiefung mit dem Thema Wald. Der Schutzwald Muot schützt die RhB zwischen Bergün und Preda. Einen Teil der Strecke also, die ich täglich fuhr, um in die Schule im Engadin zu gelangen. Nach dem Abschluss der Maturität war die Ratlosigkeit darüber, was nun folgen sollte,