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Bündnerwald August 2025

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Bündner Wald

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Inhalt

Löschwasserbecken Fontaunas – ein wichtiger Meilenstein für die Waldbrandprävention 8

Waldbrandwarnungen und Feuerverbote: auf dem Weg einer Erfolgsgeschichte 12

Waldbrand Trin 2010 18

Entwicklung von Störungsanfälligkeit und Zielkonflikte mit Waldleistungen 24

Vinschgau: zwei enorme Waldbrände im Frühjahr 2025 30

Waldbrandkonzept aus Sicht der SELVA: Verantwortung der Gemeinden im Schutz des Gebirgswaldes 36

Muster und Prozesse der Wiederbesiedlung nach Waldbrand . 38

Waldbrandkurs für Offiziere vom 23 –24 Mai 2025 in Thusis –Einblicke zweier Regionalforstingenieure 46

Sichtweise der GVG-Feuerwehr zum Thema Waldbrand/ Waldbrandkurs 49

Ein Rückblick von Peter Aschilier über den Waldbrand von Bitsch-Riederalp mit Erkenntnissen aus der Praxis und Forschung 52

Kasthofer-Medaille 2025 für Raphael Schwitter 58

Lehrabschlussfeier der Bündner und Liechtensteiner Forstwarte auf dem Jakobshorn 60

Unterstützte Hähersaat – natürliche Prozesse nutzen! . . . . . 62

Vorschau «Bündner Wald» Oktober 2025 63

Ein verbrannter Eichenstamm nach dem Waldbrand im Misox, 2016. (Bild: M Conedera)

Junge Fichten (Topfpflanzen) in Rotten gepflanzt, drei Jahre nach dem Waldbrand in Müstair 1983.
(Bild: U. Wasem)

Editorial

Liebe Leserschaft des Bündner Waldes, wer kennt dieses Lied von Mani Matter nicht: «I han es Zündhölzli azündt, und das hett e Flamme gäh»? Ja, leider entstehen die meisten Waldbrände dadurch, dass Menschen leichtsinnig ein Feuer an einer nicht offiziellen Feuerstelle entzünden. Aber auch andere Faktoren können zu einem Waldbrand führen: trockene Perioden, die durch den Klimawandel verursacht werden, oder Blitze können dazu führen, dass sich ein Feuer entzündet. In Zukunft werden wir um das Thema Waldbrand nicht herumkommen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns ausreichend darauf vorbereiten. So ist es unerlässlich, dass sich Fachleute aus Forschung und Praxis immer wieder zu diesem Thema austauschen und ihre Erkenntnisse publik machen. Ein Beispiel hierfür ist die jährliche Waldbrandausbildung mit der GVG-Feuerwehr und dem Amt für Wald und Naturgefahren. Seit 2014 finden solche Ausbildungstage für Forst- und Feuerwehrleute statt. Erfahrungswerte aus der Praxis, beispielsweise aus dem angrenzenden Südtirol oder dem Wallis, zeigen ebenfalls deutlich, wie wichtig gut ausgebildete Einsatzkräfte bei einem Waldbrand sind. Die beiden Forstleute aus Südtirol berichten, wie die Waldbrände im Frühjahr 2025 bei Latsch und Prad erfolgreich bekämpft werden konnten. Auch hier wird deutlich, dass eine gute Zusammenarbeit zwischen den Forst- und Feuerwehrleuten sowie ortskundige Einsatzkräfte entscheidend sind, um einen Waldbrand effizient und rasch zu löschen. Peter Aschilier aus dem Wallis berichtet zudem, wie der Waldbrand bei Bitsch 2023 abgelaufen ist und welche Erfahrungen er dabei gemacht hat. Vor allem Forstleute können bei den Löscharbeiten eine sehr wichtige Funktion haben, denn sie kennen den Wald am besten und wissen, wo Gefahren lauern, zum Beispiel Felsen. Zudem ist eine gute Planung beim Vorgehen gegen einen Waldbrand sehr wichtig. Deshalb sollte bereits im Voraus eine langfristige Waldbrandversorgung gewährleistet werden. In der Gemeinde Cazis wurde beispielsweise eine neue Wasserentnahmestelle er-

richtet. Dadurch werden nicht nur die Löscharbeiten verbessert, sondern auch Siedlungen, Verkehrswege und wertvolle Ökosysteme geschützt. Spannend ist auch die Frage, wie es nach einem Waldbrand weitergeht. Wie wird eine Brandfläche wiederbesiedelt? Müssen Massnahmen gegen Wildverbiss eingeleitet werden? Im Hinblick auf den Klimawandel sind solche Fragen sehr entscheidend. Natürlich hängt die Wiederbesiedlung von Pflanzen und Tieren auch vom Ausmass des Waldbrands und von sonstigen Besonderheiten vor Ort ab. Von grosser Bedeutung ist auch, dass die Waldbrandprävention effektiv ist. Dabei spielt die Kommunikation eine zentrale Rolle. Man sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass kein Waldbrand dem anderen gleicht. Jeder Waldbrand bringt neue Herausforderungen und Erfahrungen mit sich!

Viel Spass beim Lesen!

Redaktorin Laura Brunner

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Löschwasserbecken Fontaunas –ein wichtiger Meilenstein

für die Waldbrandprävention

Mit der neuen Wasserentnahmestelle in Fontaunas wurde ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Waldbrandvorsorge in der Region Heinzenberg-Domleschg geleistet. Sie verbessert nicht nur die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren, sondern schützt auch Siedlungen, Verkehrswege und wertvolle Ökosysteme.

In der Gemeinde Cazis, auf der orographisch linken Seite des Domleschgs am äusseren Heinzenberg, wurde eine neue Wasserentnahmestelle realisiert –ein entscheidender Schritt zur Stärkung der Einsatzfähigkeit bei Waldbränden.

Ausgangslage

Bereits 2017 wurde im Rahmen des Projekts «Waldbrandprävention 2030» eine erste Evaluation möglicher Standorte für fixe Wasserentnahmestellen durchgeführt. Die Analyse zeigte klaren Handlungsbedarf. In mittleren bis höheren Lagen des Domleschgs war die Löschwasserversorgung im Ernstfall ungenügend, der Erstschlag bei einem Brand

dadurch erschwert. Besonders kritisch wurde die unzureichende Wasserversorgung durch entfernte Entnahmestellen wie den Lag Miert (im Winter gefroren) oder mobile Becken im Talgrund eingestuft. Erschwerend kam die Hochspannungsleitung hinzu, welche den Plattawald durchquert und Löschflüge massiv behindert.

Ein Brandereignis vom 4. September 2021 in diesem Gebiet bestätigte diese Bedenken eindrücklich: Zur Brandbekämpfung musste ein mobiles Becken in der Industriezone Realta bereitgestellt werden – mit zeitverzögertem Einsatz und schwierigen Flugmanövern über die Hochspannungsleitung hinweg.

Fixe Wasserentnahmestelle mit optimaler Lage Mit dem neuen Löschwasserbecken bei der Wendeplatte Fontaunas an der Haupterschliessung der Wälder am äusseren Heinzenberg, konnte diese Schwachstelle nun geschlossen werden. Der Standort bietet ideale Voraussetzungen: Durch seine erhöhte Lage auf 1110 m. ü. M., die sehr gute Erschliessung (28 Tonnen) sowie die Nähe zu den Schutzwaldtypen A und B kann bei einem Waldbrand rasch und effizient Löschwasser bereitgestellt werden – ein wesentlicher Vorteil für die kritische Erstphase eines Brandes. Zudem ist eine konstante Wasserverfügbarkeit durch die unmittelbare Nähe und dem direkten Anschluss zum Stollen der Kraftwerke Zervreila vertraglich gesichert. Ein weiterer Vorteil liegt in der Nähe des Helikopterlandeplatzes – nur zwanzig Meter vom Löschwasserbecken entfernt – was schnelle und sichere Einsätze möglich macht.

Löschwasserbecken, ablegbarer Zaun. (Bild: Kenneth Danuser)

Kartenausschnitt Standort LWB Fontaunas.

Ein zusätzlicher Pluspunkt: Auch die Wälder auf der gegenüberliegenden Talseite profitieren, da Flüge auf gleicher Höhe durchgeführt werden können. Damit entfällt der aufwendige und zeitintensive Wassertransport vom Talgrund.

Ein Gemeinschaftsprojekt mit Vorbildcharakter Obwohl die Wasserentnahmestelle ursprünglich nicht im Konzept «Waldbrandprävention 2030» enthalten war, konnte der dringende Bedürfnisnachweis erbracht werden. Das Projekt wurde zügig und professionell umgesetzt:

– Abgabe Bauprojekt: 25. Februar 2022

– Start der Bauarbeiten: 29. September 2022

– Inbetriebnahme: 16. Dezember 2022

– 1. Wasserentnahme für Waldbrandereignis: 12. Februar 2023

– Abschluss inkl. Umgebung: 21. April 2023

– Öffentliche Einweihung: Wald-BRAND-Tag am 10. Juni 2023

Erste Wasserentnahme wegen Waldbrandereignis in Unterrealta vom 12.2.2023, seitlich abgelegter Zaun. (Bild: Kenneth Danuser)

Die Realisierung war nur durch die enge Zusammenarbeit mehrerer Partner möglich. Beteiligt waren unter anderem die Gemeinde Cazis, das AWN GR, die GVG, die Kraftwerke Zervreila, die Baufirma Heini AG Rhäzüns, der Metallbauer Ughini Cazis sowie die Sanitärfirma Burkhardt und Geologieexperten. Die Planung und Bauleitung ist durch die Planerfirma Werk13 Landquart sichergestellt worden. Dieses koordinierte Vorgehen zeigt beispielhaft, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit zur konkreten Erhöhung der Sicherheit führen kann.

Spezifikation Löschwasserbecken

Das Löschwasserbecken wurde als reiner Betonbau mit Innenmassen von 5 m × 10 m und einer konstanten Wassertiefe von 5m ausgeführt. Dies ergibt ein Gesamtvolumen von 250 m³.

Zur Gewährleistung der ganzjährigen Wasserentnahme und zur Verhinderung der Eisbildung, wur-

den vier gleich grosse Abdeckungselemente auf der Wasseroberfläche installiert.

Diese Elemente bestehen aus einem Rahmen aus U-Stahlprofil, einer Blechabdeckung aus Aluminium-Riffelblech. Für den Auftrieb der Elemente sorgen Swisspor Platten. Es können zwei Personen gleichzeitig auf einem Abdeckungselement stehen. Der Betonbau mit Betonmauern von einer minimalen Höhe von 1,30 m dient als Absturzsicherung während einem Einsatz. Für die ganzjährige Betriebssicherheit wurde entlang der Mauerkrone ein zehnteiliges, klappbares Aluminiumgeländer montiert.

Gewährleistung Wasserverfügbarkeit

Die ganzjährige Verfügbarkeit von Löschwasser wird durch zwei Wasserbezugsmöglichkeiten gewährleistet, welche im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Kraftwerk Zervreila gesichert sind. Beide

Zuführungen erfolgen über den sogenannten Fensterstollen auf einer Länge von rund 145 Metern bis zum Löschwasserbecken.

1. Rohranschluss an Druckleitung Egschi–Realta: Direkt am Stollenfenster der Druckleitung ist ein fest montierter Rohranschluss installiert, über den bis zu 400 Liter pro Minute Wasser bezogen werden können.

2. Stollenwasser (Entwässerung): Zusätzlich wird das natürlich aus dem Felsen austretende Stollenwasser genutzt. Dieses wird teils über eine geschlossene Entwässerungsleitung, teils offen über einen seitlichen Entwässerungsgraben dem Löschwasserbecken zugeführt.

Betrieb und Unterhalt

Eine permanente Wasserentnahmemöglichkeit ist auf einer offenen Fläche von 5 m × 5 m gewährleis-

Baustellenübersicht vom 25.10.2022.
(Bild: Marco Camenisch, Werk13)
Erstbefüllung Becken 15.12.2022.
(Bild: Marco Camenisch, Werk13)

Stollenfenster Anschluss für Zuleitung ab Druckstollen. (Bild: Marco Camenisch, Werk13)

tet. Die verbleibende Hälfte der Wasseroberfläche ist durch vier frei treibende Abdeckungselemente bedeckt. Diese können im Ernstfall bei Bedarf rasch entfernt werden – entweder mittels Kran oder Helikopter – um den Zugriff auf die gesamte Wasseroberfläche sicherzustellen.

Die Kontrolle der technischen Installationen sowie die Gewährleistung der Betriebssicherheit erfolgt durch den Forst- und Werkbetrieb Cazis.

Im Jahr 2025, rund zweieinhalb Jahre nach Inbetriebnahme, wird das Löschwasserbecken erstmals vollständig entleert. Ziel ist es, erste Erkenntnisse über die Sedimentablagerungen, die Funktionstüchtigkeit der Sickerleitung sowie des Grundablasses zu gewinnen.

Anschliessend sind jährliche Kontrollen sowie umfangreichere Inspektionen im Fünfjahresrhythmus vorgesehen, um die langfristige Betriebssicherheit

und Wartbarkeit der Anlage zu gewährleisten. Dieser Unterhalt ist im Betriebsreglement festgehalten.

GVG und AWN GR – WaldbrandbekämpfungsWeiterbildung

Seit der Inbetriebnahme des Löschwasserbeckens findet dort jährlich im Rahmen der Waldbrandbekämpfungs-Weiterbildung eine Schulung zum Helikoptereinsatz statt. Im Fokus steht die Vorbereitung der Einsatzleiter der Feuerwehren sowie der Regionalforstingenieure des AWN auf mögliche Waldbrandereignisse. Ziel dieser Ausbildungssequenz beim Löschbecken ist es, fundierte Kenntnisse über die Herausforderungen beim Wasserbezug durch Helikopter sowie über die verschiedenen Möglichkeiten und Schwierigkeiten des Löschwasserabwurfs bei Waldbränden zu vermitteln. Darüber hinaus werden zentrale Aspekte für eine sichere und effektive Einweisung der Helikopterbesatzungen sowie für eine klare Absprache zwischen den beteiligten Partnerorganisationen behandelt.

Prävention mit nachhaltiger Wirkung

Mit der neuen Wasserentnahmestelle in Fontaunas wurde ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Waldbrandvorsorge in der Region geleistet. Sie verbessert nicht nur die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren, sondern schützt auch Siedlungen, Verkehrswege und wertvolle Ökosysteme. Das Projekt steht exemplarisch für eine zukunftsorientierte, vorausschauende Planung – und zeigt, wie kommunale Verantwortung und technische Umsetzung Hand in Hand gehen können.

Kenneth Danuser ist Bereichsleiter Forst- und Werkbetrieb und Revierförster in der Gemeinde Cazis, Mitglied im Grossen Rat und Schweisshundeführer.

Quellen

Textauszug aus Gemeinde Cazis; Wasserentnahmestelle Fontaunas; Grundsatzentscheid zum Projektantrag (7.3.2022)

Waldbrandwarnungen und Feuerverbote: auf dem Weg einer Erfolgsgeschichte

Die durch die Klimaveränderung immer häufiger auftretenden längeren Trockenperioden und schneearmen Winter werfen auch für das Alpengebiet die Frage nach einer zu erwartenden Zunahme der Waldbrandgefahr auf. Im Alpenraum sind Waldbrände immer auch mit einer erhöhten Gefahr von gravitativen Naturgefahren verbunden, weshalb eine effektive Waldbrandprävention von zentraler Bedeutung ist.

Boris Pezzatti, Marco Conedera, Luca Plozza und Andrea Kaltenbrunner

Nach dem Motto «vorbeugen ist besser als heilen» ist die Waldbrandprävention ein Eckpfeiler eines modernen Waldbrandmanagements geworden. Die tägliche Abschätzung der Waldbrandgefahr und –im Fall von Gefahr – der Erlass restriktiver Massnahmen beim Umgang mit Feuer im Freien sind heutzutage ein zentraler Aspekt der Waldbrandstrategie sowohl auf Bundes- als auch auf Kantonsebene (z. B., Reinhard et al. 2019; Röösli et al. 2019). Das Hauptziel einer modernen Waldbrandstrategie ist nicht das Vermeiden jeglichen Brandes, sondern die Verhinderung von Grossbränden, die schwerwiegende Folgen für die Schutzwälder haben können (Melzner et al. 2022).

In diesem Zusammenhang haben der Kanton Tessin und der Kanton Graubünden eine Vorreiterrolle bei der Einführung und der Entwicklung von Ansätzen zur Beurteilung der Gefährdung und der Anwendung restriktiver Massnahmen eingenommen. Das Erlassen von absoluten Verboten, bei erhöhter Gefahr Feuer im Freien zu entzünden, hat in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle gespielt.

In diesem Beitrag blicken wir auf die Entstehungsgeschichte dieser Massnahme in den beiden Kantonen zurück und bieten eine kritische Analyse der erzielten Ergebnisse.

Entstehung der Waldbrandgefahr-Einschätzung und der absoluten Feuerverbote Wie so oft auf der Ebene der gesetzgeberischen Neuerungen, erfolgt die Einführung der Bewertung der Brandgefahr und der Möglichkeit, das Verbot von Feuer im Freien zu erlassen, nach einem Katastrophenjahr, wie es 1973 im Kanton Tessin der Fall war. Begünstigt durch eine aussergewöhnlich trockene und windige Meteorologie hat 1973 im Tessin die Rekordfläche von 7229 Hektaren Wald und Weiden gebrannt. Aus den Erfahrungen aus diesem Horror-Jahr wurde am 24. Februar 1975 ein Gesetzesartikel eingebracht, der es im Tessin ermöglichte, bei Brandgefahr ein absolutes Verbot von Feuer im Freien zu erlassen. Die Gefährdungsabschätzung und das Erlassen des Feuerverbotes wurden damals gutachtlich von den Experten des Forstdienstes in Zusammenarbeit mit Meteorologen des MeteoSchweiz-Zentrums in Locarno Monti durchgeführt. Mit den offiziellen Meldungen der Feuerverbot-Pflicht wurden die Fernseh- und Radiosender «Radio-Televisione della Svizzera Italiana (RTSI)» beauftragt. Wegen der nachbarschaftlichen und kulturellen Verflechtung mit dem Kanton Tessin sowie des hohen Waldanteils und der häufig austrocknenden Nordwinde wurde für die Bündner Südtäler Mesolcina, Calanca,

Bregaglia und Val Poschiavo (Graubünden Süd) ein koordiniertes und einheitliches Vorgehen bei präventiven Massnahmen bei erhöhter Waldbrandgefahr eingeführt. Daher wird seit den 1990er-Jahren zusammen mit dem Kanton Tessin ein Feuerverbot koordiniert verhängt und kommuniziert. Auch für das übrige Kantonsgebiet von Graubünden (Nordseite und Engadin/Münstertal – weiter Graubünden Nord genannt) bestehen trotz Heterogenität jeweils Bestrebungen, wenn sinnvoll ein Feuerverbot koordiniert über Regionen oder Teilregionen zu erlassen. Damit soll die Kommunikation und Wahrnehmung nach aussen vereinfacht werden.

In den 1990er-Jahren nahm der Kanton Graubünden eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung eines computergestützten Systems zur Beurteilung der Brandgefahr ein, das auf meteorologischen Da-

ten basiert. Verpflichtet durch die Inkraftsetzung des kantonalen Waldgesetzes von 1996, das dem Amt für Wald Graubünden die Pflicht übertrug, die Bevölkerung bei erhöhter Waldbrandgefahr zu orientieren und gegebenenfalls ein absolutes Feuerverbot zu erlassen, entwickelte 1997 das damalige Amt für Wald in Zusammenarbeit mit dem Geographischen Institut der Universität Zürich das Waldbrandprognosesystem INCENDI 1.0, das 2005 durch die Arbeitsgemeinschaft Pitsch-ing.ch und Data Engineering Gschwend zu INCENDI 2.0 neu programmiert (Kaltenbrunner 2010) und bis heute laufend aktualisiert wurde.

Ab dem Jahr 2013 wurde auch im Kanton Tessin das von der WSL entwickelte Modell «FireNiche» eingeführt (De Angelis et al. 2015), das mithilfe von meteorologischen Angaben und von Daten aus

Waldbrand in Faido 2017. (Bild: Franjo Martjnovic)

an Regionen mit Feuerverbot

Abb. 1: Anzahl Sommer- und Wintertage mit Feuerverbot im Tessin und in Graubünden Nord und Süd für die Periode 2003–2024.

der Waldbrandstatistik die effektive tägliche Waldbrandgefahr vorhersagt (Ghiringhelli 2019).

Ab 2022 hat der Bund die Koordinationsaufgabe über die Waldbrandgefahrenwarnung übernommen und zu diesem Zweck die Nationale Plattform IGNIS zur Verfügung gestellt. IGNIS bietet zurzeit die verschiedenen Indizes des kanadischen «ForestFire-Weather-Index»-Systems FWI an und soll in Zukunft mit dem neuen von der WSL in Zusammenarbeit mit den Kantonen entwickelten «Next Fire Day»-Modell (NFD) integriert werden.

Feuerverbote in den letzten 20 Jahren

In diesem Kapitel präsentieren wir eine Analyse der Erlassung von Feuerverboten und deren Zusammenhang mit dem Waldbrandgeschehen seit 2003 im

Tessin und Graubünden. Dabei haben wir die Bündner Südtäler separat analysiert, da sie sich klima- und feuerkulturmässig dem Kanton Tessin sehr stark nähern. Abb. 1 zeigt die jährliche Anzahl Tage mit Feuerverboten in der Winter- (d. h. November bis April) und Sommersaison (Mai bis Oktober) im Tessin sowie in Graubünden. Tessin und Graubünden Süd zeigen einen ähnlichen jährlichen Verlauf mit einer klaren Tendenz zu einer höheren Anzahl von Tagen mit Feuerverbot in der Wintersaison. In Graubünden Nord werden die meisten Feuerverbote im Sommer ausgesprochen, und es gibt auch Jahre ohne Feuerverbot. Weiterhin ersichtlich aus Abb. 1 ist die Besonderheit, dass sowohl im Norden wie auch im Süden die Feuerverbote nicht immer gleichzeitig in allen Teilregionen erlassen werden.

Graubünden Nord
Graubünden Süd

Brände während

Feuerverboteanderer Tage Saison

SommerWinter

Abb. 2: Mittlere jährliche Anzahl Waldbrandtage im Tessin und in Graubünden Nord und Süd mit und ohne Feuerverbot.

Wie in Abb. 2 zu sehen ist, brennt es in im Norden des Kantons Graubünden verhältnismässig viel häufiger an Tagen ohne Feuerverbot (vor allem in der Sommersaison). Dies ist im Süden und im Tessin nicht der Fall: Die Anzahl Brände an Tagen mit und ohne Feuerverbot halten sich in diesen Regionen eher die Waage. Nichtsdestotrotz scheint die Wirkung der Feuerverbote auch im Norden

positiv, obwohl in diesen Gebieten ein Feuerverbot eher selten gleichzeitig in allen Regionen und Tälern erlassen wird. Im Gegensatz dazu wird im Tessin das Feuerverbot für den ganzen Kanton ausgesprochen, was sich als eine sehr effiziente Massnahme herausstellt, da es von der örtlichen Bevölkerung und den Touristen einfacher wahrgenommen und respektiert wird.

Graubünden Nord
Graubünden Süd
Tessin

Brände während Feuerverboteanderer Tage

Periode Brandfläche

Graubünden Nord

Graubünden Süd

Abb. 3: Brandfläche von Bränden, die an Tagen ohne und mit Feuerverbot im Tessin und in Graubünden Nord und Süd ausgebrochen sind. Kursiv gedruckte Zahlen geben die entsprechende Anzahl der Waldbrände an.

Entscheidend aus Sicht des Waldbrandmanagements sind die daraus entstehenden Brandflächen (Abb. 3). Brände, die an Tagen mit Feuerverbot ausbrechen, d. h. an Zeiten mit günstigen Bedingungen für die Brandausbreitung, werden in der Regel und in allen Regionen nicht viel grösser als solche, die an weniger gefährlichen Tagen ausbrechen. Einzelne Ausnahmefälle existieren, die durch Brandstifter oder grobe Fahrlässigkeit verursacht sind, im Moment höchster Gefahr und insbesondere dann, wenn der Wind, der die Ausbreitung der Flammenfront begünstigt, sehr stark ist.

Auf dem Weg einer Erfolgsgeschichte

Die Analyse des Feuerverbots zeigt im Kanton Tessin eine markante Effizienzsteigerung über die Jahre und eine generelle günstige Auswirkung im Kanton Graubünden. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Kantonen ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass wegen der grossen räumlichen Heterogenität des Kantons Graubünden sich ein gleichzeitiges Erlassen eines Feuerverbotes in allen Regionen und Tälern selten begründen und rechtfertigen lässt. Zudem dürfte die generell geringere Brandgefahr vor allem im Norden die Umsetzung und Kommunikation der vorbeugenden Massnahmen und eines allfälligen grossräumigen Feuerverbotes bei der Bevölkerung erschweren. Nichtsdestotrotz zeigt der Kanton Graubünden auch eine erfreuliche Tendenz. Die frühzeitige Einführung der INCENDI-Plattform hat diesbezüglich sicherlich viel beigetragen. Für das Tessin hingegen wurde Anfang der Neunzigerjahre ein entscheidender Schritt getan, als der erlassene Beschluss zum Verbot der Verbrennung von Gartenabfällen im Freien in Kraft trat (Pezzatti et al. 2013). Was sich heute schon sagen lässt, ist, dass die Feuerwehr dank der zuverlässigen Abschätzung der Waldbrandgefahr ihren Bereitschaftsgrad und ihre Reaktionszeiten an die tatsächliche Gefahrenlage anpassen kann. Eine Massnahme, die sich bereits in der generell geringen Grösse von Bränden auch

bei hoher Gefahr widerspiegelt. In Berggebieten wie dem Kanton Tessin und dem Kanton Graubünden ist dies die wichtigste Voraussetzung, um Naturgefahren, die nach Feuer auftreten, vorzubeugen. Neue Technologien und insbesondere der Ausbau von Informationsplattformen werden in Zukunft sicherlich dazu beitragen, die Kommunikation und die Wirksamkeit der Feuerverbote weiter zu verbessern und noch effizienter zu machen. Wir sind also auf Kurs, eine Erfolgsgeschichte zu schreiben.

Gianni Boris Pezzatti und Marco Conedera, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Cadenazzo. Luca Plozza und Andrea Kaltenbrunner, Amt für Wald und Naturgefahren, Roveredo und Chur.

Referenzen

De Angelis, A., Ricotta, C., Conedera, M., & Pezzatti, G. B. (2015). Modelling the meteorological forest fire niche in heterogeneous pyrologic conditions. PLoS One, 10(2), e0116875 (17 pp.). https://doi.org/10.1371/journal.pone.0116875

Ghiringhelli, A., Pezzatti, G. B., & Conedera, M. (2019). Das Konzept «Waldbrand 2020» des Kantons Tessin. Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, 170(5), 242–250. https://doi. org/10.3188/szf.2019.0242

Kaltenbrunner, A. (2010) Waldbrandprävention im Kanton Graubünden. Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen (2010) 161 (11): 460–464. https://doi.org/10.3188/szf.2010.0460

Melzner, S., Conedera, M., & Pezzatti, G. B. (2022). Post Waldbrand Risiko in den schweizerischen Gebirgen. Wildbach- und Lawinenverbau, 86(190), 120–130.

Pezzatti, G. B., Zumbrunnen, T., Bürgi, M., Ambrosetti, P., & Conedera, M. (2013). Fire regime shifts as a consequence of fire policy and socio-economic development: an analysis based on the change point approach. Forest Policy and Economics, 29, 7–18. https://doi.org/10.1016/j.forpol.2011.07.002

Reinhard, M., Beyeler, S., Plüss, T., Pezzatti, G. B., & Conedera, M. (2019). La gestion des incendies de forêts en Suisse: la vision nationale de l’OFEV. Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, 170(5), 281–284. https://doi.org/10.3188/szf.2019.0266

Röösli, B., Felder, U., Zahner, M. (2019) Waldbrandgefahr: koordinierte Warnung in der Zentralschweiz. Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, 170(5), 274–277. https://doi:10.3188/ szf.2019.0266

Der Brand

Waldbrand Trin 2010

Im April 2010 zerstörte ein durch Unachtsamkeit entfachter Waldbrand rund 5,2 ha Schutzwald oberhalb von Trin. Sofort bestand dringender Handlungsbedarf, da der Schutzwald Teile des Dorfes Trin Mulin und die Kantonsstrasse direkt vor Lawinengefahr schützt. Die Aufrechterhaltung der Schutzfunktion und die Wiederbewaldung sind aufgrund der vorherrschenden Standortsfaktoren sehr herausfordernd.

15 Jahre nach dem Brand zeigen sich erste kleine Erfolge – dies aber nur dank grossen Anstrengungen, welche weiterhin nötig sein dürften, bis sich ein stabiler Schutzwald auf der Brandfläche etabliert.

Am 29. April 2010 brach im Gebiet «Runca/Munt Sura» auf Gemeindegebiet Trin ein Waldbrand aus. Während dieser Woche leisteten Oberstufenschüler einen Einsatz im Waldgebiet oberhalb von Trin. Dabei hat ein Schüler aus Unachtsamkeit ein Feuer entfacht. Aufgrund der reichlich vorhandenen letztjährigen dürren Grasvegetation breitete sich das Feuer sehr rasch aus. Den Schülern gelang es nicht, das Feuer selbst zu löschen. Dank ortskundigen Leitern und mit Hilfe des Revierförsters konnten sich die Schüler rasch in Sicherheit begeben und unverzüglich die Alarmierung auslösen. Es wurden die Feuerwehren von Trin, Flims, Bonaduz und Rhäzüns sowie die Forstgruppe der Gemeinde Trin zur Brandbekämpfung aufgeboten. Bis zu 100 Personen standen im Einsatz. Aus der Luft wurden sie von mehreren Löschhelikoptern unterstützt. Im Laufe der Nacht gelang es, den Brand soweit unter Kontrolle zu bringen, dass er sich nicht mehr weiter ausbreiten konnte. Dank ergiebigen Niederschlägen am 1./2. Mai konnten die Löscharbeiten und die Überwachung der Brandfläche am 3. Mai abgeschlossen werden. Als Folge des Waldbrandes sind Löschkosten von rund 245 000 Franken angefallen.

Waldzustand

Es handelt sich um einen Wald mit besonderer Schutzfunktion, der vor Lawinen schützt. Der Waldstandort ist ein Zwergbuchs-Fichtenwald, das heisst, die Feinerde trocknet immer wieder aus, die Fichten erreichen 20–30 m Höhe. Die Verjüngung ist wegen dem Austrocknen und der Vegetationskonkurrenz (vor allem Gras) schwierig. Vor dem Waldbrand stockte, auf der betroffenen Fläche von rund 5,2 ha, ein Wald mit ca. 200-jährigen Fichten, in den Lücken waren ca. 5- bis 30-jährige Fichten und in der von der Nassschneelawine 1999 verursachten Lücke im Westteil waren temporäre Lawinenverbauungen und Dreibeinböcke vorhanden. Nach dem Waldbrand waren die meisten alten Fichten auf der Fläche vom Feuer beschädigt. Von den jungen Fichten ist ein grosser Teil verbrannt, ein Teil wurde im Sommer 2010 zudem vom Kupferstecher (Borkenkäfer) befallen und musste sofort entfernt werden, um eine weitere Ausbreitung des Kupferstechers zu verhindern. Die vorhandenen Lawinenverbauungen und Dreibeinböcke konnten während der Löscharbeiten relativ gut geschützt werden, äusserlich waren nur wenige Schäden (verkohltes Holz) sichtbar. An Hand von Lawinensimulationen konnte gezeigt werden, dass bei extremen Wettersituationen ohne techni-

sche Massnahmen Lawinen aus der Brandfläche die Kantonsstrasse erreichen könnten. Folglich bestand sofort dringender Handlungsbedarf, da die Schutzwirkung des Waldes nicht mehr gewährleistet war.

Lawinenverbauungs- und Aufforstungsprojekt

Unmittelbar nach dem Brand begann man die exponiertesten Stellen mit temporären Lawinenverbauungen zu sichern. Bereits im ersten Sommer wurden rund 50 temporäre Lawinenverbauungen des Typs «Rempar Grischun» erstellt und die Schutzwirkung so gut wie möglich wiederhergestellt. Es wurde ein Verbauungsprojekt ausgearbeitet, welches neben der grossflächigen Sicherung des Waldbestandes mit temporären Lawinenverbauungen, Begehungswegen, Pflanzungen, Verbissschutz und Jungwaldpflege vorsah. Es wurde mit Kosten von rund 2 Mio. Franken gerechnet. Abgestorbene und abgehende

Bäume wurden konsequent gefällt. Vor allem aus Sicht der Arbeitssicherheit und zum Schutz der erstellten Werke. Die «Rempar Grischun» wurden im Werkhof erstellt, auf der Forststrasse in die Nähe des Verbauungsgebiets gebracht und mit dem Helikopter eingeflogen. Offensichtlich instabile Bäume im Bereich der Arbeitsplätze stehen zu lassen, wäre nicht verantwortbar gewesen. Nachdem die Fläche durch einen Sturm im August 2013 erweitert wurde, konnte die Erstellung der temporären Lawinenverbauungen 2015 abgeschlossen werden. Insgesamt wurden über 300 «Rempar Grischun» und einzelne Dreibeinböcke erstellt. Der Untergrund ist extrem flachgründig und felsig. Auf den Felsen können «Rempar Grischun» gut verankert werden. Hingegen ist die Erstellung von Dreibeinböcken auf felsigem Untergrund sehr aufwendig. Auch das Pflanzen macht im felsigen Untergrund keinen «Spass».

Waldbrand Trin 2010 während den Löscharbeiten.
(Bilder: zVg)

Standort nach Brand (Mai 2010).

Aufgrund der Erfahrungen des Försters wurden ausschliesslich Nacktwurzler, grösstenteils dicht in ein bis zwei Meter breiten Bermen gesetzt. Dies aufgrund der extremen Verhältnisse auf der Fläche: flachgründiger Boden auf hangparallel geschichtetem Fels, extreme Sonneneinstrahlung, südexponiert, Trockenheit, Vegetationskonkurrenz (grasig). In den ersten Jahren nach den Zwangsnutzungen machten wir Bekanntschaft mit dem Rüsselkäfer. Dieser knabberte an Rinde und Bast der gepflanzten Bäumchen, was zum Absterben der Pflanzen führte. Dieser Schädlingsbefall beschränkte sich jedoch nur auf die ersten Jahre und die Stellen rund um die frischen Stöcke der gefällten Bäume. Grosse Bedenken kamen aber auf, als alle frisch gesetzten Fichten gelb wurden. Praktisch alle Fichten erholten sich in den Folgejahren jedoch von diesem Pflanzschock. Anfangs wurden jährlich rund 3500 Pflanzen, mehr-

Nach Zwangsnutzungen und Erstellung der temporären Lawinenverbauungen (Januar 2011).

heitlich Fichten, gepflanzt. Auch heute noch werden Nachpflanzungen ausgeführt. Auch mit dem Ziel, um weitere Baumarten, wie Bergahorn, Eiche oder

Erfolgreiche Verjüngung (Juni 2025).

Waldföhre einzubringen. Insgesamt wurden nahezu 30 000 Jungpflanzen gepflanzt. Die Jungwuchspflege, das Ausmähen und Aussicheln von hohem Gras rund um die Jungpflanzen, wird jeweils erst im Spätsommer ausgeführt, damit die Jungpflanzen nicht der extremen Sonneneinstrahlung und der Sommerhitze ausgesetzt werden. Im Herbst werden zudem die Jungpflanzen mittels Schafwolle vor Wildverbiss geschützt. Bereits kleine Büschel Schafwolle sind wirksam – zu viel könnte das Austreiben der jungen Triebe behindern.

Aktuelle Situation

15 Jahre nach dem Waldbrand zeigt sich die Entwicklung vielerorts positiv. Die folgenden Fotos zeigen am Beispiel eines Standorts die Situation direkt nach dem Brand, nach Ausführung der Zwangsnutzungen und Erstellung der temporären Lawinenver­

bauungen (1 Jahr) und nach der erfolgreichen Aufforstung (15 Jahre).

Ausblick

Einzelne Teilbereiche ohne Verjüngung müssen noch nachgepflanzt und das Baumartenspektrum erweitert werden. Die Jungpflanzen befinden sich vielerorts bereits anfangs der Dickungsstufe, sind vital und zeigen ein gutes Höhenwachstum. Erste Pflegeeingriffe wurden besprochen. «Zukunftsbäume» sollen im Endabstand herausgepflegt und gefördert werden. Der aufkommende Jungwald ist nach wie vor auf die Schutzwirkung der temporären Lawinenverbauungen angewiesen. Viele Hölzer der Verbauungen werden jedoch bereits morsch und müssen ersetzt werden. Einzelne Werke müssen gar ganz ersetzt werden. Da viele Pflanzen bereits dem Äser der Wildtiere entwachsen sind, reduziert sich der Auf­

Die Aufforstung gedeiht gut, ist aber noch auf den Schutz der Lawinenverbauungen angewiesen.

wand für die Wildschadenverhütungsmassnahmen ein wenig. Die kleineren Pflanzen sind nach wie vor auf den Schutz vor Wildverbiss angewiesen.

Schlussfolgerungen

Der Aufwand, welcher nötig ist, um die Schutzwirkung auf der relativ kleinen Brandfläche kontinuierlich und nachhaltig zu gewährleisten, ist immens. Es macht jedoch Freude und motiviert für die kommenden Einsätze, wenn man beobachten kann, dass der eingeschlagene Weg Früchte trägt und der Jungwald vielerorts, trotz den extremen Standortbedingungen, vital aufwächst. Bis der Jungwald die Schutzwirkung übernehmen kann, braucht es wahrscheinlich aber weiterhin viel Einsatz und ein paar Jahrzehnte Geduld.

Wir hatten Glück, konnten die Feuerwehren den Brand rasch unter Kontrolle bringen. Dank an alle,

die bei der Brandbekämpfung im Einsatz standen und bei den Arbeiten in den Verbauungen und im Schutzwald geholfen haben. Unvorstellbar die Auswirkungen, wenn der ganze Schutzwald oberhalb Trin gebrannt hätte. Durch die Klimaerwärmung steigt auch nördlich der Alpen die Gefahr von grossen Waldbränden stetig. Umso wichtiger wird zukünftig die Waldbrandvorsorge, Investitionen in Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehren sowie die Verbesserung der Löschwasserinfrastruktur und vor allem eine konsequente Einhaltung der Feuerverbote und Vorsichtsmassnahmen bei Waldbrandgefahr.

Matthias Kalberer ist Regionalleiter der Region 2, Rheintal/Schanfigg, beim Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden.

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Einleitung

Entwicklung von Störungsanfälligkeit und Zielkonflikte mit Waldleistungen

Im Val Müstair wurde die langfristige Entwicklung der Anfälligkeit gegenüber Waldbrand, Windwurf und Borkenkäfer untersucht: Im Klimawandel verändert sich die Anfälligkeit für Störungen über die Höhenlagen unterschiedlich. Über die Bewirtschaftungsintensität kann die Störungsanfälligkeit beeinflusst werden, allerdings gibt es mögliche Zielkonflikte mit der Bereitstellung von Waldleistungen zu beachten. Um für die Praxis umsetzbare Ergebnisse zu erhalten, sollte weiter an einer lokalen Feinjustierung der Indikatoren gearbeitet werden.

WSL: Simon Mutterer, Clemens Blattert, Leo Bont, Janine Schweier FBVM: Jörg Clavadetscher, Florian Flechsig

Der Klimawandel verursacht in Europas Wäldern vermehrt Störungen, die in Gebirgswäldern zu erheblichen Beeinträchtigungen der Schutzfunktion gegenüber Naturgefahren und anderer Waldleistungen führen können. Es wurde untersucht, wie sich im Forstbetrieb Val Müstair (1200–2400 m ü. M., 4944 ha) die Anfälligkeit für Waldbrand, Borkenkäfer und Windwurf im Klimawandel entwickelt – und wie sie durch waldbauliche Eingriffe beeinflusst werden

Abb. 1: Waldbrandprävention in der Val Müstair. (Bild: S. Mutterer)

kann. Dies insbesondere in Bezug auf die Entwicklung der Störungsanfälligkeit entlang eines Höhengradienten und mit Hinblick auf mögliche Konflikte zwischen den Zielen, die Störungsanfälligkeit zu reduzieren und Waldleistungen bereitzustellen.

Methodik

Mithilfe des Waldwachstumsmodells ForClim wurde die Entwicklung der Waldbestände im Forstbetrieb bis ins Jahr 2100 simuliert. Dabei wurden drei Klimaszenarien berücksichtigt: (1) bisherige Klimabedingungen (Referenzperiode 1981–2010), sowie (2) ein moderates (+2,4°C) und (3) ein intensives Klimawandelszenario (+4,6°C). Zudem wurden unterschiedliche Bewirtschaftungsstrategien simuliert (Gebirgswaldplenterung mit geringer, moderater und hoher Bewirtschaftungsintensität, sowie mit Pflanzung klimaangepasster Baumarten gemäss TreeApp; Nichtbewirtschaftung).

Zur Bewertung der Störungsanfälligkeit unter den simulierten Szenarien wurde ein Indikatorensystem angewandt, das verschiedene Faktoren für die Waldbrand­, Borkenkäfer­ und Windwurfanfälligkeit agg­

regiert. Beispielsweise wird für die Bewertung der Anfälligkeit gegenüber Waldbrand berücksichtigt, wie stark ein Bestand (= bestandesbezogene Anfälligkeit) und die ihn umgebenden Standortbedingungen (= standortbezogene Anfälligkeit) die Entstehung und Ausbreitung von Feuer begünstigen (s. Abb. 2).

Um mögliche Zielkonflikte zwischen der Reduktion der Störungsanfälligkeit und der Bereitstellung von Waldleistungen zu identifizieren, wurden zudem Waldleistungen berücksichtigt: Die Schutzwirkung gegen Steinschlag und Lawinen, Holzproduktion, Kohlenstoffspeicherung (in Wald und Holzprodukten, einschliesslich Substitutionseffekten), Erholungswert und Biodiversität wurden unter den simulierten Szenarien indikatorbasiert bewertet.

Ergebnisse

a. Entwicklung der standortbezogenen Störungsanfälligkeit

Unter simuliertem Klimawandel wird über alle Höhenlagen der Val Müstair ein Anstieg der standortbezogenen Anfälligkeit für Waldbrand und Borkenkäferbefall prognostiziert, vor allem aufgrund stärkerer

Abb. 2: Methodischer Ansatz und Indikatorensystem für Waldbrandprädisposition. (Grafik: Mutterer et al. (2025b))

Abb. 3: Zielkonflikte (rot) und Synergien (blau) zwischen Reduzierung der Störungsanfälligkeit und Waldleistungen unter Klima der Referenzperiode 1981–2010.

(Grafik: Mutterer et al. (2025a)

Trockenheit. Mit zunehmender Intensität des Klimawandels steigt beispielsweise die Wahrscheinlichkeit für Witterungsbedingungen, die eine schnelle Feuerausbreitung begünstigen können. Zunehmende Trockenheit schwächt die Resistenz der Fichte gegenüber Borkenkäferbefall, einhergehend mit einer steigenden Anzahl an Käfergenerationen.

b. Einfluss der Bewirtschaftung auf die bestandesbezogene Störungsanfälligkeit Die Ergebnisse zeigen, dass über die Bewirtschaftungsintensität die bestandesbezogene Störungsanfälligkeit beeinflusst werden kann. Langfristig wiesen die simulierten Varianten der Gebirgswaldplenterung (mit moderater, reduzierter oder erhöhter Intensität) eine geringere Störungsanfälligkeit im Vergleich zur Nichtbewirtschaftung auf. Dies unterstützt die Annahme, dass eine regelmässige einzelstammweise oder kleinräumige Bewirtschaftung zur Minderung von Störungsrisiken beitragen kann. Grundsätzlich sank dabei die Störungsanfälligkeit eines Bestandes

mit zunehmender Bewirtschaftungsintensität – etwa durch die Reduktion von Brandlasten (Waldbrand) sowie Bestandeshöhen (Windwurf).

Die Simulationen zeigen zudem, dass die Förderung klimaangepasster Baumarten im Forstbetrieb Val Müstair zur langfristigen Sicherung der Waldleistungen beitragen kann. Durch die Pflanzungen wurde bspw. die Baumartendiversität gefördert, was in tieferen Lagen des Betriebs die Anfälligkeit gegenüber Borkenkäfer reduzierte. Allerdings traten punktuell auch Zunahmen der Störungsanfälligkeit infolge der simulierten Pflanzungen auf, da die Wahl der gepflanzten Arten am zukünftigen Klima – nicht an der Störungsanfälligkeit – orientiert war: Bspw. durch die Förderung der Fichte in höheren Lagen (> 2000 m ü. M.) oder höhere Brandlasten.

c. Einfluss des Klimawandels auf die bestandesbezogene Störungsanfälligkeit Wenn sich das Klima der Referenzperiode (1981–2010) auch in Zukunft fortsetzen würde, bliebe die Störungsanfälligkeit entlang des Höhengradienten im Val Müstair relativ stabil und würde vor allem über die Bewirtschaftungsintensität bestimmt (siehe b.). Unter den Klimawandelszenarien kommt es entlang des Höhengradienten jedoch zu unterschiedlichen Reaktionen der bestandesbezogenen Störungsanfälligkeit.

In tiefen Lagen führt der Klimawandel langfristig zu reduzierten Zuwächsen, Vorräten und steigenden Laubholzanteilen, wodurch auch die bestandesbezogene Störungsanfälligkeit sinkt. In den höheren Lagen des Forstbetriebs hingegen profitieren die simulierten Zuwächse im Klimawandel infolge steigender Temperaturen und verlängerter Vegetationsperioden. Die Simulationen zeigen, dass sich die Fichtenvorkommen – und somit die Anfälligkeit für Borkenkäferbefall – im Klimawandel zunehmend in höhere Lagen verschieben. Darüber hinaus können klimabedingte Vorratszunahmen in höheren Lagen die Anfälligkeit gegenüber Windwurf sowie die Ansammlung von Brandlasten begünstigen.

d. Zielkonflikte zwischen Reduktion der Störungsanfälligkeit und Waldleistungen Während höhere Bewirtschaftungsintensitäten zur Reduktion der Störungsanfälligkeit beitragen können, zeigen die Ergebnisse auch, dass bestimmte Waldleistungen (bspw. Biodiversität und Schutzfunktion) von einer geringeren Nutzung oder einer Nichtbewirtschaftung profitieren. Diese gegensätzlichen Tendenzen können zu Zielkonflikten in der Waldplanung führen, insbesondere wenn einseitig entweder die Maximierung von bereitgestellten Waldleistungen oder die Reduktion der Störungsanfälligkeit priorisiert wird. Eine Balance zwischen Störungsanfälligkeit und dem Niveau an Waldleistungen zu finden, ist insbesondere in der Schutzwaldbewirtschaftung wichtig. In der forstlichen Praxis kann es deshalb sinnvoll sein, Kompromisse einzugehen, um grössere Verluste von Waldleistungen durch Störungen zu vermeiden. Zu beachten ist jedoch, dass die Methodik nicht berücksichtigt, wie sich tatsächlich auftretende Störungen im Wald auswirken. So hängt das Ausmass, ob und wie Störungen die Schutzfunktion beeinflussen, von z. B. Störungsart, -intensität sowie dem waldbaulichen Umgang ab.

Eine Herausforderung für die Waldplanung ist, dass im Klimawandel neue Zielkonflikte auftreten können: Mit der Gebirgswaldplenterung kann die Anfälligkeit gegenüber Borkenkäferbefall und Windwurf synergistisch reduziert werden – unter simuliertem Klimawandel zeigte sich jedoch ein Zielkonflikt zwischen Reduktion der Waldbrand- und Borkenkäferanfälligkeit. Solche Konflikte könnten jedoch durch infrastrukturelle oder organisatorische Waldbrandprävention reduziert werden (siehe bspw. die Strategie Waldbrandprävention 2030 Graubünden).

Ein klassischer Weg, Zielkonflikte auf Betriebsebene zu vermindern, liegt in der räumlichen Priorisierung von Zielsetzungen – bspw. einhergehend mit der Identifikation möglicher Risikohotspots, die durch eine hohe standort- und hohe bestandesbezogene Prädisposition sowie hohem Waldleistungswert gekennzeichnet sind.

Fazit aus wissenschaftlicher Sicht

1) Der Klimawandel führt zu einer grundsätzlichen Zunahme der standortbezogenen Störungsanfälligkeit, jedoch ist die bestandesbezogene Störungsanfälligkeit nicht über alle Höhenstufen gleich betroffen. Darum ist es wichtig, höhenstufenspezifische Walddynamiken in der langfristigen Waldplanung zu berücksichtigen.

2) Die Unterscheidung zwischen standorts- und bestandesbezogener Störungsanfälligkeit ermöglicht, potenzielle Risikohotspots zu identifizieren. Angesichts des Klimawandels kann es an solchen Hotspots sinnvoll sein, die Bewirtschaftung gezielt auf die Verringerung der Störungsanfälligkeit auszurichten, um potenzielle störungsbedingte Verluste – etwa der Schutzwirkung – zu minimieren.

3) Allgemein nimmt die bestandesbezogene Störungsanfälligkeit gegenüber Waldbrand, Borkenkäferbefall und Windwurf mit steigender Bewirtschaftungsintensität ab. Ein einseitiger Bewirtschaftungsfokus auf die Reduktion der Störungsanfälligkeit kann jedoch zu Zielkonflikten mit der Bereitstellung von Waldleistungen führen – und umgekehrt. Dabei ist zu beachten, dass im Klimawandel neue Zielkonflikte auftreten können.

Fazit aus Sicht des Forstbetriebs Val Müstair

Der Versuch, in einem Modell die zukünftigen natürlichen Störungen im (Gebirgs-)wald zu simulieren und auch mit anderen Standorten zu vergleichen ist interessant und liefert nicht nur Erwartungen oder Vermutungen, sondern fördert Diskussionen zu einer neuen Ausgangslage. Wie so oft in solchen und ähnlichen Diskussionen stellen wir auch hier die Eintretenswahrscheinlichkeit eines («nur») moderaten Klimawandels von ca. +2,4°C stark in Frage. Rückblickend auf die letzten 20 Jahre können im Wald bereits natürliche Veränderungen festgestellt werden, welche eher einen stärkeren Klimawandel als +2,4°C vermuten lassen. Jedoch fördert dieser Ansatz als Gedankenstütze und Einstiegshilfe bestimmt die Verständlichkeit.

Der Hinweis auf eine zu erwartende Reduktion des Zuwachses ist beispielsweise auch in Zusammenhang mit Diskussionen um neue Hackschnitzelheizungen und generell mit der Verfügbarkeit von Brenn- und Baustoff aus dem Wald von grosser Bedeutung. Bereits 2017 wagte Hans-Ulrich Frey anlässlich eines Waldbau-Workshops in Müstair die Aussicht, dass sich die traditionellen Lärchenwälder in den tieferen Lagen des Sonnenhangs allmählich zu Lärchen-Haselnussmischwäldern entwickeln könnten. Diese Aussage deckt sich mit der Prognose einer Zuwachsreduktion, da auch mittelfristig bei (von TreeApp empfohlenen) Baumarten wie Eichen, Winterlinde, Robinie oder Hagebuche nicht wesentlich grössere Zuwachsraten zu erwarten sind als bei der Haselnuss. Bei der Höhenverschiebung nach oben bestehen Vorbehalte, welche das Modell nicht berücksichtigt (oder nicht berücksichtigen kann). Vor allem die Arve dürfte künftig stark unter Druck geraten, da die Fichte von unten drängt und oben die

Alpwirtschaft einen stark limitierenden Faktor darstellt.

Die Erwartung, dass stehendes Totholz sich bei einem Waldbrand als Brandbeschleuniger entpuppt, kann nach den gemachten Erfahrungen im benachbarten Vinschgau (St. Martin und Prad/Südtirol, März und April 2025) etwas relativiert werden, oder muss zumindest nicht in jedem Fall als zutreffend gelten. Bei diesen beiden Waldbränden blieben bereits seit mehreren Jahren abgestorbene Kiefern und Fichten innerhalb der Brandfläche vom Feuer weitgehend unbeschädigt. Verantwortlich dafür sind vermutlich in erster Linie die ätherischen Öle der Nadeln, welche beim stehenden Totholz fehlen und sich im gesunden Nadelholz als Brandbeschleuniger auswirken können.

Da an den Klimawandel angepasste Baumarten im heutigen Bestand oft weitgehend fehlen, müssen diese mittels Pflanzung aktiv eingebracht werden. In tieferen Lagen (ca. 1300–1600 m ü. M.) ist der

Abb. 4: Ausgeführter Holzschlag im Auerhuhnlebensraum auf ca. 1800 m ü. M.
(Bild: J. Clavadetscher)

Anwuchs von verschiedenen Laubbaumarten (z. B. Traubeneiche, Flaumeiche, Winterlinde, Nussbaum, Kirsche) bereits heute zufriedenstellend. Der Einfluss der immer häufigeren Nassschneefälle ab der Dickungsstufe kann momentan nur vermutet werden. Unter Umständen kann dieser Einfluss aber bei der klimaangepassten Baumartenzusammensetzung (mit-)entscheidend sein. Eine Steigerung der Nutzungsintensität scheint aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Aus Sicht des Borkenkäfereinflusses und klimawandelbedingt zunehmender Trockenheit sind stärkere Eingriffe zumindest in Frage zu stellen.

Das Modell über die mögliche Entwicklung von Störungsanfälligkeit und Zielkonflikten mit Waldleistungen liefert viele interessante Erkenntnisse und Hypothesen, welche teils auch neue Überlegungen initiieren. Dies ist nötig, um zu neuen Lösungen und Strategien zu gelangen und die alten gewohnten Wege zu verlassen. Im Gegenzug müssen verschie-

dene Indikatoren aber regional oder sogar lokal sehr fein justiert werden können, um umsetzbare Ergebnisse zu erhalten.

Simon Mutterer ist Doktorand, Clemens Blattert und Leo Bont sind Mitarbeiter in der von Janine Schweier geleiteten WSL-Forschungsgruppe «Nachhaltige Forstwirtschaft». Der Praxiskommentar aus dem Forstbetrieb Val Müstair stammt von Jörg Clavadetscher und Florian Flechsig.

Literatur

Mutterer S, Blattert C, Bont LG, Griess VC, Schweier J (2025), Beetles, wind, and fire: Effects of climate change and close-to-nature forestry on disturbance predisposition and ecosystem service trade-offs, Forest Ecology and Management, https://doi.org/10.1016/j.foreco.2025.122690

Abb. 5: Mittelgrosse Öffnung in Seilschlag im Schutzwald auf ca. 2000 m ü. M. (Bild: J. Clavadetscher)

Vinschgau: zwei enorme Waldbrände im Frühjahr 2025

Im Vinschgau wüteten im März bei Latsch und im April bei Prad-Stilfs zwei Waldbrände mit jeweils gewaltigen Ausmassen. Sie waren nach betroffener Fläche und nach Einsatzkräften sicherlich die grössten in den letzten Jahrzehnten in Südtirol. Der folgende Bericht geht dabei vor allem auf den Ablauf der Löscheinsätze ein, zusätzlich wird die bereits begonnene Massnahmenplanung skizziert.

Ausbruch des Waldbrandes bei Latsch

Am 6. März 2025, um 12.34 Uhr wurde die örtliche Freiwillige Feuerwehr bezüglich eines Fahrzeugbrandes alarmiert. Auf der Strasse nach St. Martin im Kofel war ein Pkw während der Bergauffahrt in Brand geraten. Die Löschversuche des Lenkers scheiterten, und als die Feuerwehr eintraf, waren durch Sträucher am Strassenrand bereits mehrere Bäume in Brand geraten. Leider wehte an diesem Donnerstag ein starker und trockener Südwind, sodass sofort klar war, dass die Alarmstufe erhöht werden musste und der Forstdienst einbezogen wurde. Der Ausgangspunkt des Brandes befand sich am Vinschgauer Sonnenberg, auf 1170 m Seehöhe, im Übergangsbereich vom Flaumeichen-Kiefernwald zu trockenen Waldkiefernwäldern. Der Winter war recht trocken gewesen, und im gesamten Februar hatte es im Vinschgau nur wenige mm Niederschlag (2,9 mm in Schlanders) gegeben, eine Schneedecke war nur oberhalb von circa 1500 m Seehöhe vorhanden. Dementsprechend war die Waldbrandstufe gelb ausgewiesen.

Die Löschversuche am Boden waren unwirksam, an diesem Südhang mit Föhrenwald weitete sich das Feuer rasch zu einem starken Waldbrand aus. Der erste Löschhubschrauber AS 350 B3 war mit Waldbrandausrüstung Bambi Bucket bereits um 13.20 Uhr vor Ort. Aber auch nach Einsatz eines zweiten Löschhubschraubers wurde klar, dass aufgrund der Intensität und der Geschwindigkeit des

Feuers weitere Mittel notwendig würden. Dies auch, da das Feuer mit grosser Geschwindigkeit in nordwestliche Richtung St. Martin im Kofel zog, einem Weiler am Hang mit rund 100 Einwohnern. So wurde entschieden, einen Super Puma AS 332 mit einer Tragkraft von bis zu 4000 kg zu alarmieren und zwei weitere verfügbare Hubschrauber aus Südtirol hinzuzuziehen. Die Landesverwaltung Südtirols hat mit mehreren Hubschrauberfirmen Vereinbarungen, sodass nach Bedarf verschiedene Hubschrauber gerufen werden können und auch die Verfügbarkeit garantiert ist.

Der Brand bei Latsch bald nach Ausbruch. Am rechten Bildrand befindet sich der Ausgangspunkt des Brandes. Die Höfe und Wiesen von St. Martin im Kofel sind bereits nicht mehr sichtbar. (Bild: Landesfeuerwehrverband Südtirol)

Evakuierungen notwendig

Aufgrund der unmittelbaren Gefahr für die Häuser, Höfe und Personen in St. Martin sowie der enormen Rauchentwicklung wurde in der Einsatzleitung entschieden, die Bewohner zu evakuieren. In der Einsatzleitung sind neben dem vorsitzenden Bürgermeister die Freiwilligen Feuerwehren, aber auch Rettungsdienste, Berufsfeuerwehr, Forstdienst, Berufsfeuerwehr Bozen, Bevölkerungsschutz und Polizeikräfte vertreten. Parallel zum Löscheinsatz wurden also ab 15.00 Uhr mit den Hubschraubern der Finanzwache und dem Rettungshubschrauber 59 Personen aus St. Martin evakuiert. Gleichzeitig wurden Feuerwehrleute nach oben geflogen, um die Häuser und Höfe abzuschirmen.

Der erste Einsatztag

Am Abend des 6. März hatte sich das Feuer auf fast 100 Hektar Wald ausgebreitet und war bis knapp an einige Höfe von St. Martin herangereicht. Die Verbindungsstrassen waren durch das Feuer unterbrochen, und auch die Seilbahn von Latsch nach St. Martin – in unmittelbarer Nähe des Brandes –konnte nicht mehr verkehren. Für den Löscheinsatz waren ab 17.00 Uhr fünf Hubschrauber im Einsatz, 15 verschiedene Feuerwehren mit rund 300 Feuerwehrleuten, die Berufsfeuerwehr Bozen, Sanitäter, Notfallseelsorge, Zivilschutz zur Verpflegung, Bergrettungsdienst, Polizei und Forstdienst.

Nach einer ersten Einsatzleitung vor Ort im Gelände wurde diese am Nachmittag in die Gebäude am Sportplatz von Latsch verlegt, wo technische Ausrüstung, Glasfaseranschluss, vorhandene Lagerplätze, der Hubschrauberlandeplatz und die Sicht auf die Brandfläche ein gutes und strukturiertes Arbeiten ermöglichten. Der Löscheinsatz wurde im Gelände in drei Brandabschnitte unterteilt, und auf Grundlage der Waldbrandeinsatzkarte konnten die Wasserentnahmestellen für den Hubschrauber organisiert werden. Die Waldbrandeinsatzkarte, welche für Südtirol flächendeckend vorliegt, zeigt auf Orthofotobasis alle relevanten Infrastrukturen wie

beispielsweise Löschbecken mit ihren Eigenschaften (Fassungsvermögen, Befliegbarkeit, …), Gewässer, Löschhydranten, mögliche Hubschrauberlandeplätze und Verkehrsinfrastrukturen an.

Für die Wasseraufnahme wurden die in der Umgebung vorhandenen vier Waldbrandlöschteiche genutzt, dazu mobile Faltbecken aufgestellt sowie für das Bambi Bucket des Super Puma die Löschwassercontainer der Berufsfeuerwehr mit einem Fassungsvermögen von bis zu 33 000 Liter bereitgestellt. Diese werden normalerweise mit Lkw transportiert, in diesem Fall konnten sie auch per Super Puma platziert werden. Es war herausfordernd, genügend Wasserentnahmestellen für die fünf Hubschrauber zu schaffen und dabei beide Seiten der Brandfläche, als Vorsorge bei drehendem Wind, abzudecken.

Der weitere Löscheinsatz

Glücklicherweise war die Nacht zum 7. März fast windstill, sodass der Brand sich kaum noch ausbreitete. Am Freitag, den 7. März, wurden den ganzen Tag über Löscharbeiten mittels Hubschrauber

Die Brandfläche oberhalb Latsch am frühen Morgen des 7. März. (Bild: Landesfeuerwehrverband Südtirol)

durchgeführt – natürlich primär an den Rändern, um die Ausbreitung zu verhindern. Da der betroffene Hang steil, sehr steinig und felsig ist und sich darunter die wichtige Staatsstrasse durch den Vinschgau befindet, gab es eine geologische Begutachtung bezüglich Gefahr durch den Brand, aber auch durch den Wasserabwurf. Da sich am Tag wenig Wind entwickelte, konnte der Brand durch den massiven Einsatz aus der Luft (Ab den Morgenstunden stand ein zweiter Super Puma zur Verfügung) eingedämmt und unter Kontrolle gebracht werden. Dem Löschwasser wurde auch Schaummittel (FIRE-TROL® FireFoam® 103B) und den Wasserabwürfen im Randbereich Flammschutzmittel/Retardant FIRE-TROL® 931 beigemischt. Ab Samstag, den 8. März, wurden in relativ leicht zugänglichen Bereichen entlang der Zufahrtsstrasse nun Feuerwehrleute auch am Boden zum Löschen

eingesetzt. So konnten die Löschhubschrauber reduziert werden.

Am Sonntag schliesslich war nur noch ein kleiner Löschhubschrauber im Einsatz, welcher ein Aufflammen an den Rändern verhindern sollte. In diesem unwegsamen Gelände wurden die Hubschrauber natürlich auch zu Materialtransporten (Pumpen, Schlauchmaterial) eingesetzt. Innerhalb der Waldbrandfläche gingen die Löscharbeiten in Nachlöscharbeiten über. Aufgrund des steilen Geländes mussten die Feuerwehrleute teilweise durch Bergretter gesichert werden.

Ab Sonntag wurden Drohnen mit Wärmebildkameras eingesetzt, um die gefährlichen Glutnester im Randbereich dieser so grossen Brandfläche eindeutiger und rascher finden zu können. Über einen Kartendienst am Smartphone konnten die Feuerwehrleute so zielgerichtet die – oft kaum zu erkennenden

Mit Drohne vermessene Brandfläche bei Latsch. Gut unterscheidbar die Flächen mit Vollbrand und jene mit Bodenbrand. (Bild: Forstinspektorat Schlanders)
Der Super Puma füllt sein Bambi Bucket (4000 Liter) im Container der Berufsfeuerwehr. (Bild: Forstinspektorat Schlanders)

Die Nachlöscharbeiten nach einem derartigen Waldbrand sind intensiv. (Bild: Landesfeuerwehrverband Südtirol)

– Glutnester finden und löschen. Diese Befliegungen fanden morgens oder abends statt, weil sich da der Temperaturunterschied am besten darstellt.

Erste Massnahmenplanung

Eine Drohne des Forstdienstes wurde auch benutzt, um nach dem Löscheinsatz die Fläche genau zu kartieren. Die insgesamt betroffene Waldfläche beträgt 93,2 Hektar, wobei 31,1 Hektar in Vollbrand standen und komplett verkohlt wurden. Das Bodenfeuer hingegen hat mosaikartig die Bäume mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen.

Da es sich um exponierten Schutzwald handelt, wurden rasch Fragen zur forstlichen Massnahmenplanung gestellt. Ein erster Massnahmenplan wurde auch schon bei einer Pressekonferenz am 12. März vorgestellt. Kurzfristig ging es um die Wartung und Instandsetzung der bestehenden Waldbrandinfrastrukturen sowie um die Sicherung der Zufahrtstrassen und in Folge der Wanderwege im Gebiet. Dabei müssen die unmittelbar gefährlichen und instabilen Bäume an den Strassen und Wegen gefällt (wo möglich quergefällt) werden, ebenso die nun oberflächlich locker liegenden Steine an Böschungen abgeräumt werden.

Eine grundlegende mittelfristige Massnahme ist das Monitoring der geschädigten Bäume, der Restwaldbestände, der Rückkehr der Bodenvegetation, der Verjüngung und der Schädlingssituation. Weiters möchte man in prioritären Flächenteilen durch Aufforstung von Laubholz die Umwandlung des Föhrenwaldes in laubholzreichen Mischwald beschleunigen und mit Waldpflegemassnahmen zur Minderung des Waldbrandrisikos beitragen. Darüber hinaus werden auch die notwendigen technischen Massnahmen über Regiearbeiten des Forstdienstes abgewickelt, wie die Instandsetzung einer alternativen «Notzufahrt» nach St. Martin, die Sanierung einer Hofzufahrt durch einen Felsabbruch wegen der Hitze in der Brandfläche oder die Reaktivierung und Vergrösserung eines Löschbeckens oberhalb von St. Martin im Kofel.

Nach intensiven Nachlöscharbeiten konnte erst am 20. März 2025 «Brand aus» gegeben werden, allerdings wurde sogar noch am 21. März ein brennender Baumstamm innerhalb der Brandfläche gesichtet.

Der Waldbrand bei Prad-Stilfs

Keine drei Wochen später, am 10. April 2025, brach um 14.02 Uhr knapp oberhalb des Dorfes Prad wie-

Die ersten Höfe in St. Martin i. K. waren bereits vom Feuer umgeben. (Bild: Forstinspektorat Schlanders)

Der Waldbrand bei Prad-Stilfs bei Anflug des zweiten Hubschraubers. (Quelle: Axel Gutweniger, Air Service Center, Sterzing)

derum ein Waldbrand aus. Dieser hatte sehr ähnliche Charakteristika und war daher vom Einsatzablauf her vergleichbar.

Auch hier war ein südseitiger, trockener Nadelwald in Brand geraten, welcher sich rasend schnell nach oben ausbreitete und dabei enorme Rauchmengen entwickelte. Vergleichbar mit dem Brand in Latsch galt es hier neben den Löscharbeiten im Wald ebenso Infrastrukturen zu schützen, nämlich den Funkumsetzer am Gipfel des «Montoni» sowie den äussersten Hof des Nachbardorfes Stilfs in nordwestlicher Richtung. Wiederum betraf der Brand Schutzwald in schwierigem Gelände, sodass sofort mehrere Löschhubschrauber und viele Nachbarfeuerwehren alarmiert wurden.

Am ersten Einsatztag standen vier kleinere Hubschrauber AS 350 B3 sowie ein Super Puma als Löschhubschrauber und für Lastenflüge zur Verfügung. Dabei konzentrierte sich der Einsatz zu Beginn

einerseits auf die Eindämmung Richtung Stilfs, andererseits stark auf die Abschirmung des Funkumsetzers, welcher für die Funk­ und Telekommunikation im gesamten oberen Vinschgau entscheidend ist. Für das Dorf Stilfs musste wegen der enormen Rauchbelastung eine Zivilschutzwarnung erlassen werden. Teile der Zufahrtstrassen zum Montoni waren im Waldbereich noch schneebedeckt, sodass der Strassendienst die Räumung für die Einsatzfahrzeuge übernehmen musste und die ersten Faltbecken per Hubschrauber nach oben geflogen wurden. Immerhin war das Feuer in nur einer einzigen Stunde vom Ausbruchsort auf 900 m Seehöhe bis auf 1960 m Seehöhe hochgestiegen.

Am Freitag, dem zweiten Tag, waren weiter fünf Hubschrauber im Einsatz, sodass im Laufe des Tages das Feuer unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Am Samstag dann konnten im Randbereich vermehrt auch Feuerwehrleute zur Brandbekämpfung eingesetzt werden, da auch da nun die langen Zuleitungen am Boden verlegt waren.

Die Grösse der Brandfläche (in Summe 145 Hektar) und die Unwegsamkeit des Geländes erschwerten die Nachlöscharbeiten, sodass die Lokalisierung der Glutnester durch die Wärmebilddrohnen wiederum eine grosse Hilfe war. Der forstliche Massnahmen­

Bild einer Webcam am Abend des 10. April. Im Vordergrund das Dorf Stilfs. (Bild: Webcam der Ferienregion Ortlergebiet im Nationalpark Stilfserjoch)

Waldbrand Prad-Stilfs: Die per Drohne aufgenommenen Glutnester an den Rändern der Brandfläche mit ihrem Abarbeitungsstatus.

(Quelle: Feuerwehr Prad/Forstinspektorat Schlanders, googlemaps)

plan ist ähnlich, wobei bereits jetzt zusätzlich eine Aussaat von Pionierbaumarten auf Testflächen versucht wurde.

Erfahrungen

Durch den schnellen und massiven Einsatz der Feuerwehren und dank des guten Zusammenspiels aller Organisationen konnten die Waldbrände von Häusern, Dörfern und wichtigen Infrastrukturen ferngehalten und in den folgenden Tagen eingedämmt werden. In weniger Punkten und stichwortartig kann man unsere Erfahrungen folgendermassen zusammenfassen:

– Vorhandene Waldbrandinfrastruktur (Löschteiche, Ansaugstellen, Anschlüsse, Zufahrten und Plätze, …) erleichtert den Einsatz erheblich

– Übersichten wie die Waldbrandeinsatzkarte sind wichtig, um den Einsatz zu planen, die Lage darzustellen, aber auch, da viele ortsfremde Personen involviert sind

– Einsatzkräfte mit Ortskenntnis sind in schwierigem Gelände unerlässlich

– Reibungslose Zusammenarbeit der Organisationen ist Grundlage für den Erfolg

– Die Hilfsbereitschaft und Solidarität sind im Ernstfall enorm

– Die Schnelligkeit ist entscheidend: Nur im Entstehen kann ein Waldbrand rasch gelöscht werden

– Glück kann nicht schaden, immerhin gab es bei jeweils rund 1400 Einsatzkräften keine Verletzten

– Die Sensibilisierung der Bevölkerung zum gestiegenen Waldbrandrisiko und zur grossen Gefahr, welche von Waldbränden ausgehen kann, muss verstärkt werden

Georg Pircher ist Direktor der Forstinspektorate Meran und Schlanders der Abteilung Forstdienst der Autonomen Provinz Bozen. Andreas Platter ist stellvertretender Direktor am Forstinspektorat Schlanders und war bei den beiden Waldbränden forstlicher Einsatzleiter.

Waldbrandkonzept aus Sicht der SELVA: Verantwortung der Gemeinden

im Schutz des Gebirgswaldes

Der Gebirgswald bildet eine tragende Säule für zahlreiche Gemeinden im Kanton Graubünden. Er schützt Siedlungen und Infrastrukturen vor Naturgefahren wie Lawinen, Murgängen und Steinschlag, reguliert den Wasserhaushalt, dient als Erholungsraum und beherbergt eine grosse Artenvielfalt. Angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung und des steigenden Nutzungsdrucks durch die Bevölkerung rückt die Waldbrandprävention zunehmend in den Fokus –insbesondere für die Gemeinden, welche über 90 Prozent der Waldflächen im Kanton als Eigentümer verantworten.

Klimawandel als Risikoverstärker

Die Auswirkungen des Klimawandels verändern die Rahmenbedingungen im Gebirgswald deutlich. So treten längere und häufigere Trockenperioden auf, die insbesondere in den Wintermonaten durch fehlende Schneemengen besonders gefährlich werden und die Entzündbarkeit der Vegetation erhöhen. Gleichzeitig verschieben sich die Vegetationsperioden, wodurch sich im Unterwuchs mehr brennbares Material ansammelt. Auch die Zunahme extremer Wetterereignisse wie Stürme führt zu grossen Mengen an Totholz, was die Brandlast im Wald signifikant steigen lässt. Diese Faktoren lassen erwarten, dass Waldbrände selbst in bislang wenig gefährdeten Höhenlagen künftig häufiger und intensiver auftreten werden.

Nutzung und Siedlungsdruck

Zusätzlich beeinflusst die zunehmende Freizeitnutzung im Wald, wodurch die Wahrscheinlichkeit von fahrlässig verursachten Bränden stark erhöht wird. Gleichzeitig nimmt die Zersiedelung zu, wodurch immer mehr Bauten an den Waldrand rücken. Dies erschwert einerseits den Schutzauftrag der Wälder, erhöht andererseits aber auch die Notwendigkeit gezielter Präventionsmassnahmen im sensiblen Übergangsbereich zwischen Siedlung und Wald.

Zentrale Rolle der Gemeinden und der Forstbetriebe

In dieser Situation tragen die Gemeinden als Waldeigentümer eine besondere Verantwortung. Essenziell ist eine aktive Waldpflege mit gezielten Eingriffen zur Reduktion der Brandlast. Dazu zählt insbesondere die Entfernung von Totholz in siedlungsnahen Bereichen sowie die Förderung strukturreicher Waldbestände, die weniger brennanfällig sind. Diese Massnahmen sollten prioritär in gefährdeten Lagen wie südexponierten Hängen und in der Nähe von Siedlungen umgesetzt werden.

Zudem ist die Integration des Waldbrandrisikos in die kommunale Raumplanung unerlässlich. Eine enge Zusammenarbeit mit Forstdiensten und -Betrieben, Feuerwehr, Zivilschutz und kantonalen Amtsstellen ist notwendig, um wirksame Vorsorgestrategien zu entwickeln. Auch die Löschwasserversorgung gewinnt an Bedeutung. In vielen Gemeinden stellt der Ausbau einer ausreichenden Infrastruktur zur Brandbekämpfung eine grosse Herausforderung dar. Besonders in abgelegenen, waldreichen Regionen entscheidet der Zugang zu Löschwasser oft über den Erfolg der Bekämpfung. Zwar existieren Fördermittel zur Unterstützung solcher Infrastrukturprojekte, dennoch verbleiben vielfach erhebliche Restkosten,

welche von der lokalen Bevölkerung getragen werden müssen. Eine vorausschauende Planung sowie eine transparente Kommunikation gegenüber der Bevölkerung können helfen, das Verständnis und die Akzeptanz für notwendige Investitionen zu erhöhen.

Auch müsste in Zukunft spezifische Waldpflege zur Beseitigung von brennbarem Unterholz sowie der Waldbau mit Einbringen von weniger waldbrandempfindlichen Baumarten berücksichtigt werden. Waldbrände werden praktisch immer durch Menschen, und dabei meistens in der Freizeit, ausgelöst. Natürliche Einwirkungen wie Blitze etc. sind als Ursache vernachlässigbar. Deshalb sind Informationen und Regelungen für die Öffentlichkeit und die Freizeitnutzung entscheidend. Die Gemeinden müssen sowohl Einheimische als auch Gäste gezielt über Waldbrandgefahren sensibilisieren – beispielsweise durch Informationsmaterial, Hinweistafeln, Mittei-

lungen auf der Gemeindehomepage oder öffentliche Veranstaltungen. Zudem sind klare Regelungen zum Verhalten im Wald erforderlich, insbesondere in Trockenzeiten. Dies umfasst auch das konsequente Durchsetzen von Feuerverboten, die Absperrung von Feuerstellen sowie eine sichtbare Beschilderung. Wichtig sind strikte Befolgung von Waldbrandgefahr.ch, kantonale Informationen zur Waldbrandgefahr sowie zusätzlich Koordination auf der Gemeinde-Homepage.

Schliesslich sollte auch moderne Technologie genutzt werden, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Der Einsatz von Frühwarnsystemen auf Basis von Wetter- und Feuchtigkeitsdaten kann helfen, gefährliche Situationen frühzeitig zu identifizieren. Lokale Überwachungssysteme, etwa durch Drohnen, können zusätzlich zur Früherkennung beitragen.

Politischer Handlungsbedarf Angesichts der zunehmenden Herausforderungen fordert die SELVA auf kantonaler und nationaler Ebene eine stärkere finanzielle Unterstützung für waldbauliche Präventionsmassnahmen sowie für den Ausbau der Löschwasserversorgung in Gebirgsregionen. Ebenso soll die Forschung und Innovation im Bereich der Waldbrand-Früherkennung und -bekämpfung gezielt gefördert werden. Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit und weitere Professionalisierung der Waldbrandinformation.

Fazit

Waldbrandprävention ist nicht nur eine mögliche, sondern eine notwendige Investition in die Sicherheit von Menschen, Infrastruktur und Natur. Die Gemeinden tragen als Waldeigentümer eine besondere Verantwortung. Die SELVA – der Verband der Waldeigentümer Graubündens – unterstützt die Umsetzung geeigneter Massnahmen und fordert ein koordiniertes Vorgehen aller Akteure, um den Gebirgswald langfristig zu sichern und seine Schutzfunktion für künftige Generationen zu erhalten.

Alain Schmid ist Geschäftsführer der SELVA.

Waldbrand resistentere Baumarten mit dicker Borke wie die Eiche. (Bild O. Seehauser)

Muster und Prozesse der

Wiederbesiedlung nach Waldbrand

In den unterschiedlichen Brand- und Sukzessionsmustern spiegelt sich die Vielfalt der Umweltbedingungen und Waldstandortstypen in der Schweiz. Wie Pflanzen und Tiere eine Brandfläche wiederbesiedeln, hängt von der Schwere der Brandeinwirkung und von den Eigenschaften der Arten ab. Nach Waldbrand kehrt der Wald meist zurück, und die Artenvielfalt nimmt dabei vorübergehend zu.

Thomas Wohlgemuth, Marco Conedera

Waldbrände ereignen sich in der Schweiz nicht überall gleich häufig. Am zahlreichsten finden sie auf der Alpensüdseite statt, grossflächige Waldbrände wurden aber in den letzten 25 Jahren insbesondere auch im Rhonetal verzeichnet. Während die verschiedenen kantonalen Waldbrandstrategien auf die Vorbeugung von Grossbränden hinarbeiten sowie auf die Optimierung der Löschorganisation, bieten kleinere und grössere Brandflächen immer wieder faszinierende Einblicke in die natürliche Wiederbesiedlung mit Pflanzen und Tieren. Nach Waldbränden wird erwartet, dass sich wieder Wald einstellt. Die bewaldeten Hänge des Haldensteiner Calanda sind das prominenteste Beispiel für die Resilienz des Waldes: 82 Jahre nach dem grössten Waldbrand in Graubünden (Calanda 1943) ist auf knapp 500 Hektaren wieder Wald nachgewachsen. Allerdings hat der Forstdienst viel nachgeholfen, denn rund 1,7 Millionen Bäume wurden hierzu gepflanzt. Pflanzaktionen in dieser Grösse sind heute infolge der grundsätzlich gebotenen naturnahen Waldbewirtschaftung und aus Kostengründen undenkbar. Deshalb stellt sich die Frage, wie sich Waldbrandflächen natürlicherweise verjüngen. Wie lange dauert es, bis wieder Wald ist, und welcher Wald etabliert sich? Wie wirken sich Waldbrände auf die Biodiversität aus? Für die Beantwortung der Fragen werden hier Muster und Prozesse, die in verschiedenen Feldstudien beschrieben wurden, zusammengefasst.

Brandtypen, Brandintensität und Brandresistenz

In Abhängigkeit von Witterung, Waldvegetation, Brandgutverteilung und -feuchte sowie Topografie breitet sich ein einmal entzündetes Feuer (je nach Region zu 80–90% vom Menschen verursacht) unterschiedlich rasch und intensiv aus. Trocken-heisse Witterung macht die Biomasse entzündbarer, mächtige Streuauflage oder dichte bodennahe Vegetation (Gestrüpp, Gräser) unterstützen die Ausbreitung, und die Brandthermik infolge von Wind und Topografie können das Feuer intensivieren.

Die meisten Waldbrände in der Schweiz sind Bodenfeuer, die bei schwacher und mittlerer Intensität bodennahe Vegetation erfassen und Bäume im unteren Stammbereich ansengen. Während ältere Eichen oder Kastanien dank dicker Borke die Flammen des Bodenfeuers unbeschadet überstehen, wird es den Buchen mit dünner Rinde zu heiss. Brandverletzte Buchen gehen dann über mehrere Jahre hinweg zugrunde (verzögerte Mortalität), wodurch kleinere oder grössere Lücken entstehen – oft ideale Bedingungen für die Buchenverjüngung. Intensive Bodenfeuer in Steillagen können hohe Temperaturen bis in den Kronenbereich erzeugen, wodurch Buchen- und andere Laubbäume vollständig absterben. In Nadelwaldbeständen besteht ein grösseres Risiko, dass ein Bodenfeuer auf die Krone übergreift. In den trockenen Zentralalpen mit Nadelwäldern vom Tal -

Abb. 1. Narbe der Waldbrandfläche Visp im Jahr 2025, 14 Jahre nach dem Brand (2011). Beinahe die gesamte Fläche hat sich natürlich verjüngt und befindet sich nun vorwiegend in der Pionierphase mit dichter Bestockung mit Laubbäumen.

(Bild: T. Wohlgemuth)

boden bis zur Waldgrenze, aber auch in der Nadelwaldzone der Alpensüdseite ist das Risiko von Kronenfeuer daher besonders hoch. Vegetationsbrände enden in diesen Regionen oft als intensive Kronenfeuer und zerstören sowohl Baumbestände als auch die bodennahe Vegetation samt Teilen der Humusauflage. Kronenfeuer verändern die Umweltbedingungen drastisch und hinterlassen nicht selten grosse bis riesige Brandnarben in der Landschaft, mit Dutzenden bis Hunderten von Hektaren abgestorbener Bäume (Abb. 1).

Die Wiederbesiedlung auf grossen Brandflächen kann unterschiedlich rasch fortschreiten. Bekannte Beispiele auf der Alpennordseite sind der Calanda-Brand (1943) und St. Luzisteig (1985), in den Zentralalpen Müstair (1983), Ochsenboden Leuk/Sierre (1996), Leuk (2003), Visp (2011) und Riederhorn (2023) bei Bitsch, und auf der Alpensüdseite z. B. Grono (1997), Mesocco (2016) und Gambarogno (2022).

Erstbesiedler nach Waldbränden

Pilze, Moose und Pflanzen besiedeln Brandflächen aufgrund unterschiedlicher Eigenschaften und Stra-

tegien. Störungsangepasste Arten wie das Brandmoos (Funaria hygrometrica) und Morcheln (z. B. Spitzmorchel, Morchella elata) profitieren von Überdauerungsorganen, die durch Brandfolgen an die Oberfläche gelangen. Analog dazu keimen Pflanzenarten aus freigelegten Samen, die im Boden über Jahrzehnte oder Jahrhunderte keimfähig geblieben sind. Eindrückliche Beispiele dafür sind der Böhmische Storchenschnabel (Geranium bohemicum) am Calanda (1943), der Erdbeerspinat (Blitum virgatum) in Leuk (2003) oder Filzkräuter ( Filago sp.; Abb. 2) am Riederhorn (2023).

Zu den Störungsopportunisten zählen jene Arten mit leichten und flugfähigen Samen, die über weite Strecken hinweg unbewachsenen Boden erreichen und dort keimen. Zu nennen sind das Wald-Weidenröschen (Epilobium angustifolium; engl. fire weed) oder das Kanadische Berufskraut (Conyza canadensis; der häufigste Neophyt in Europa) sowie die typischen Pionierbaumarten der Gattungen Pappel (Populus sp.), Birke (Betula sp.) und Weide (Salix sp.). Als feuerangepasst können Arten genannt werden, die aus unverbrannten Teilen wieder aus-

treiben können (Tabelle 1; Abb. 3). Eichen (Quercus sp.) und Lärche (Larix decidua) treiben oberirdisch aus, wenn sie nicht stark durch Feuer verletzt sind, oder das Austreiben geschieht über Stockausschlag wie beim Roten Seifenkraut (Saponaria ocymoides), Flaumeiche (Quercus pubescens), Edel-Kastanie (Castanea sativa) und aus Wurzeln (Wurzelbrut, z. B. Aspe, Populus tremula).

3. Geräumte Waldbrandfläche von St. Luzisteig (1985). An den Wald-Föhren können der direkte Einfluss der Flammen (verkohlte Bäume) und der heissen Luft (orange, durch Hitze abgestorbene Nadeln in der Krone) abgelesen werden. (Bild: U. Wasem, WSL)

Sukzession nach Waldbrand

Die zeitliche Veränderung der Artenzusammensetzung (Sukzession) nach Brandeinwirkung hängt von der Brandschwere und von der lokalen Artenvielfalt (Artenpool) ab, wie folgende regionale Beispiele zeigen.

Alpensüdseite: Nach Bränden in Kastanienwäldern treiben die Kastanien wieder aus, während wenige Krautarten wie gemeiner Hohlzahn (Galeopsis tetrahit), Adlerfarn (Pteridium aquilinum) und Rohr-Pfeifengras (Molinia arundinacea) die Bodenoberfläche bald vollständig bedecken. In brandversehrten Buchenwäldern finden mehrere Jahre dauernde Absterbeprozesse einzelner oder mehrerer Buchen statt. Während dieser Zeit reichen oft nachfolgende Mastjahre aus für eine ziemlich rasche Verjüngung mit Buche und damit für den direkten Einwuchs. Dies bedeutet paradoxerweise, dass Waldbrand die hitzesensible Buche eher fördert als schwächt. Brandflächen im frostarmen insubrischen Gebiet der Alpensüdseite sind Eintrittspforten für Neophyten. Götterbaum (Ailanthus altissima), Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa), Robinie (Robinia pseudoacacia) und Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) sowie andere gebietsfremde Arten profitieren von den kurzfristig konkurrenzfreien Waldöffnungen.

Abb. 2: Böhmischer Storchenschnabel (Bild: Flora Helvetica), Erdbeerspinat im Brandgebiet Leuk (2003) (Bild: B. Moser) und Pionierflora im Brandgebiet von Rinderhorn (2023) mit Brandmoos (orange), Acker-Filzkraut (grau-blau) und Kanadischem Berufskraut (grüne Roesetten) (Bild: R. Jenny).
Abb.

Feuer-Intensität

Nadelbäume

Sträucher

Einheimische Immergrüne

Eibe, Efeu, Stechpalme

Exotische Immergrüne

Edel-Lorbeer, KirschLorbeer, Chin. Hanfpalme

Tab. 1: Resistenz gegenüber Waldbrand (Bodenfeuer/Kronenfeuer) und Überlebensstrategien ausgesuchter Baumund Straucharten. --- sehr gering, - gering, + vorhanden, +++ sehr gross, ( ) nur im Jugendstadium. Adaptiert nach Wohlgemuth et al. (2008).

Zentralalpen: Nach Feuer entwickelt sich auf unterschiedlich stark verbrannter organischer Auflage eine artenreiche Kräuterflur, in welcher Arten der Schlagflur, der Ackerbegleitflora und der Wiesen und Weiden vorherrschen, je nach Nähe zu den entsprechenden Lebensräumen und einst vorherrschenden Landnutzungen. In den ersten Jahren nach einem starken Brand ist die Bodenobefläche oft nicht vollständig mit Vegetation überdeckt, weshalb alle Samen, die durch Wind, Tiere und Menschen dorthin gelangen oder im Boden schon lange Zeit überdauert haben, Gelegenheit haben, zu keimen – verschiedene Arten setzen sich für eine Zeitlang durch. Wo die Verjün-

gung mit Baumarten nicht mit der Besiedlung durch Kräuter oder Stauden mithalten kann, dominieren in höheren Lagen oft Wald-Weidenröschen (Epilobium angustifolium; engl. fire weed) über mehrere Jahre (Abb. 4). Danach breiten sich Reitgräser aus und bilden teilweise dauerhafte Bestände (v. a. Calamagrosis villosa und C. varia).

Sobald in Brandflächen Pionierbaumarten und Sträucher nebst Kräutern und Gräsern aufwachsen, besuchen jene Vögel die Fläche häufiger, die Beeren und Eicheln verbreiten, z.B. Amsel und Eichelhäher. Pionierbaumarten dominieren in den ersten Jahrzehnten (Mustair 1983, Leuk 2003, Visp 2011), während die sonst vorherrschenden Nadelhölzer

Abb. 4. Grosse Bestände von Wald-Weidenröschen (oben) (Epilobium angustifolium; Leuk 2003, drei Jahre nach dem Brand) und von Wolligem Reitgras (rechts) (Calamagrostis villosa; Müstair 1983, nach 21 Jahren). (Bilder: S. Leugger und U. Wasem, WSL)

mehr Zeit benötigen für die Besiedlung und den Aufwuchs. Die konkurrenzfreie Situation in den ersten paar Jahren nach dem Feuer dient auch ihnen, doch fliegen ihre Samen meist nicht weit. In der grossen Brandfläche von Leuk kommt der Föhrenjungwuchs in tieferen Lagen nur wenige Dutzend Meter entfernt von Samenbäumen auf. Vereinzelt sind Nadelhölzer dennoch weit vom Samenbaum entfernt aufzufinden: Samen können durch starke Winde auch weit verfrachtet werden. Bis diese Bäume wieder Zapfen tragen, vergehen mindestens 10–20 Jahre. Demgegenüber kennt die Samenverbreitung von Eicheln durch den Eichelhäher kaum Grenzen. Zudem schlagen einige

verbrannte Laubhölzer wie die Flaumeichen wieder aus dem Stock aus.

Die Pionierbäume werden in höheren Lagen früher oder später von Fichten und Lärchen überwachsen. In subalpiner Lage der trockenen Zentralalpen kann diese Abfolge rasch erfolgen, in südexponierter tieferer Lage im Wallis dauert die Rückkehr des Nadelwaldes aber länger oder könnte wegen der Häufung von Trockenheit im Rahmen des Klimawandels nicht mehr eintreten. Generell kann die starke Sonneneinstrahlung und damit stärkere Austrocknung an südexponierten Hängen zu grösseren Problemen führen (Il Fuorn 1951, Leuk 2003), dies im starken Kontrast zu nordexponierten Hängen wie Ochsen­

boden Leuk/Sierre (1996) und Visp (2011). Hier sind die Stammdichten oft zehnmal grösser als auf den südexponierten Hängen.

Ausbleibende Wiederbewaldung

Verschiedene Umweltbedingungen können, wie bereits oben angedeutet, die Wiederbewaldung erschweren. Vegetationsbrände können grössere Verluste der Humusauflage verursachen, was in Kombination mit Starkregenereignissen zu Erosionen führen kann. Wo der Verlust der Humusauflage gross ist, fehlt der Wasserspeicher, wodurch Holzarten limitiert werden. Zudem wird eine solche Situation auf stark geneigten Südhängen infolge der starken Einstrahlung und rascher Austrocknung verstärkt. In den trockenen Zentralalpen kann es aus solchen Gründen zu sehr langsamer oder gar ausbleibender Wiederbewaldung kommen. So fehlt auf der Leuker Brandfläche die Baumverjüngung zum Teil grossflächig, wo der Boden bereits flachgründig war und das Feuer die wenigen Zentimeter Humus zerstörte. Komplett waldlos ist die Brandfläche Il Fuorn (1951) im Nationalpark geblieben. An diesem stark geneigten Südhang zwischen 1850 bis 2100 m ü. M. stellte sich auf rund 7 Hektaren keine Waldverjüngung ein. Starke Erosion durch Regen und Lawinen führte zu einer deutlichen Bodendegradation. In der exponierten Lage ist das Überleben von Baumkeimlingen bei Hitze und Trockenheit kaum möglich. Aber auch der Wilddruck hat den Verjüngungsprozess über die Jahrzehnte verhindert.

Verbiss

Auf grossen Störungsflächen, so auch auf grossen Brandflächen, entwickeln sich in kurzer Zeit sowohl eine geschlossene Vegetationsdecke als auch ein dichter Waldbestand – dies jedenfalls zeigt die Erfahrung aus mehreren Untersuchungen von Windund Waldbrandflächen. Im Unterschied zu den oft prekären Verjüngungsverhältnissen in dichten oder aufgelichteten Schutzwäldern werden grosse Brand-

flächen rasch mit Pionier- und Schlussbaumarten besiedelt (Abb. 1). Deren Etablierung gelingt insbesondere durch einen mässigen Wilddruck. Rasch aufkommende und dicht wachsende Pioniere stellen ein räumliches Hindernis für langsam wachsende Nadel-Jungbäume dar.

Artenvielfalt

Jede Störung führt zu einer Veränderung von Lebensräumen. Nach Brand werden dunkle Wälder zu hellen Orten, aus lebenden Bäumen wird totes Holz, wovon viele holzbewohnende und holzabbauende Arten über eine lange Zeit profitieren. Eine Veränderung der Bodenauflage führt kurzfristig, infolge von Mineralisierung durch Mikroorganismen, zu viel rasch verfügbaren Nährstoffen, wovon Pioniere und Schlagflurarten besonders profitieren. Längerfristig ist dem stark verbrannten Boden ein rechter Teil der Nährstoffe aber entzogen. Da mehrere Prozesse räumlich heterogen ablaufen, entstehen viele neue Lebensräume. Es ist deshalb naheliegend, dass die Vielfalt von Pflanzenarten deutlich zunimmt, im grossen und im kleinen Massstab. Im Brandgebiet von Leuk (2003) wurden ab dem dritten Jahr nach dem Feuer bereits mehr Pflanzenarten auf den Beobachtungsflächen gezählt als im unversehrten Wald. Die grosse Blütenpracht führt auch zu einer deutlich grösseren Insektenvielfalt im Vergleich zu Wald-Kontrollflächen – in Leuk war es eine Verfünffachung der Artenzahl. Der Anstieg der Arthropodenvielfalt hängt auch mit dem Totholz zusammen, das in Brandflächen verbleibt. Untersuchungen in Tessiner Brandflächen und in Windwurfflächen der Alpennordseite zeigten, dass die Insektenvielfalt über mehrere Jahrzehnte nach Störungsereignissen erhöht bleibt. Den vielen Arthropodenarten und den halboffenen Lebensräumen folgen wiederum spezialisierte Vogelarten; in Leuk wurden in den ersten 13 Jahren nach dem Brand 51 Brutvogelarten gezählt. Störungen wirken sich im Wald daher kurzund mittelfristig positiv auf die Flora und Fauna aus, ehe wieder ein dichterer Wald herangewachsen ist.

Fazit

Die Wiederbewaldung von Waldbrandflächen verläuft je nach Schwere des Brands, Biogeografische Region und Höhenstufe sowie den damit gegebenen Waldstandortstypen unterschiedlich schnell. In den ersten Jahren nach Waldbrand faszinieren die selten beobachtbaren Prozesse von grossflächiger Wiederbesiedlung durch Pflanzen und Tiere und danach das Aufkommen der bestandbildenden Baumarten. In den meisten Fällen folgt nach Waldbrand wieder ein Wald, doch gibt es Anzeichen dafür, dass bei der Zunahme von Hitze und Trockenheit im Sommer der Wiederbewaldungsprozess in exponierten Lagen ins Stocken geraten könnte.

Thomas Wohlgemuth und Marco Conedera, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Birmensdorf und Cadenazzo.

Literatur

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Lardi S (1983) Calanda nach 40 Jahren. Bündnerwald Beiheft 12: 157–162

Maringer J, Ascoli D, Gehring E, Wohlgemuth T, Schwarz M, Conedera M (2020) Feuerökologie montaner Buchenwälder. Merkbl. Prax. 65: 1–12

Pezzatti GB, Conedera M, Ferriroli D, Ghiringhelli A, Ballmer M, Beyeler S (2025) Waldbrände im Klimawandel: Ist die Schweiz vorbereitet? Forum Wissen, WSL­Ber. 2025: 61–72

Rey L, Jacot A (2018) Die Entwicklung der Brutvögel in der Waldbrandfläche bei Leuk. Schweiz. Z. Forstwes. 169: 299–307

Wermelinger B, Obrist MK, Duelli P, Schneider Mathis D, Gossner MM (2025) Two decades of arthropod biodiversity after windthrow show different dynamics of functional groups. J. Ecol. 62: 371–387

Wohlgemuth T, Conedera M, Kupferschmid Albisetti A, D., Moser B, Usbeck T, Brang P, Dobbertin M (2008) Effekte des Klimawandels auf Windwurf, Waldbrand und Walddynamik im Schweizer Wald. Schweiz. Z. Forstwes. 159: 336–343

Wohlgemuth T, Brigger A, Gerold P, Laranjeiro L, Moretti M, Moser B, Rebetez M, Schmatz D, Schneiter G, Sciacca S, Sierro A, Weibel P, Zumbrunnen T, Conedera M (2010) Leben mit Waldbrand. Merkbl. Prax. 46: 1–16

Wohlgemuth T, Jentsch A, Seidl R (eds) (2019) Störungsökologie. Verlag Haupt (utb 5018), Bern

Waldbrandkurs für Offiziere vom 23.–24. Mai 2025 in Thusis – Einblicke zweier Regionalforstingenieure

«Die Teilnehmenden der Ausbildung sollen den Waldbrand im Gebirge verstehen und für die Einsatzführung speziell im Gebirge vorbereitet werden. Für die Bewältigung von Grossereignissen werden am ersten Kurstag die Themen Führung, Taktik, Gefahren, Helikoptereinsatz, Wassertransport, Bodenarbeit und Zusammenarbeit unter den Partnern geschult. Insbesondere müssen allen Beteiligten die Führungsstrukturen für einen allfälligen Waldbrandeinsatz bekannt sein. Am zweiten Ausbildungstag wird eine Übungsanlage eingerichtet, um gemeinsam einen Waldbrand zu bewältigen. Es wird ein Führungsstandort für den Löscheinsatz mit den heutigen zur Verfügung stehenden Mitteln aufgebaut. Nach der Ausbildung kennen alle Kursteilnehmenden die Stärken der Partnerorganisation und das Material, das bei einem Waldbrand zum Einsatz gelangt. Insbesondere kennen alle ihre Funktion während eines Ernstfalles. Mit der neu erlangten Sicherheit ist ein grosser Schritt hin zu einer guten, wirkungsvollen Zusammenarbeit gemacht.»

Die beiden Regionalforstingenieure Madlaina Gremlich (MG) und Thomas Bearth (TB) berichten aus dem Kurs

Welche Herausforderungen beim Thema Waldbrand gibt es für mich als RFI?

MG: Für mich als RFI gibt es organisatorische und fachliche Herausforderungen. Organisatorisch ist die erfolgreiche Bewältigung eines grösseren Waldbrandes eine Verbundaufgabe. Diese kann nur in einem intensiven, im Rahmen von Stabsarbeit organisierten Austausch und Abstimmung mit den verschiedenen Partnern (Kantonspolizei, Gemeinde, Feuerwehr, Sanität, Forst, u. a.) erfolgreich bewältigt werden. Dabei ist es wichtig, dass ich als RFI und die Revierförster/innen unsere Rollen und die der Partner gut kennen, um uns zielführend in die Gesamtorganisation einzubringen. Fachlich ist es eine Herausforderung, die Dynamik des Feuers und die Zusammenhänge mit dem Wald und den Naturgefahren zu verstehen. Nur mit einem guten Problemverständnis können wir die Auswirkungen richtig erkennen, antizipieren und Prioritäten in der Bekämpfung gezielt setzen.

TB: Wie wir bereits heute merken, treten häufiger Trockenperioden auf. Es gibt während des ganzen

Jahres eindeutig mehr heisse und trockene Perioden, was die Waldbrandgefahr steigen lässt. Eine grosse Herausforderung und Gefahr für grössere Waldbrände scheint besonders in schneearmen und trockenen Wintern gegeben zu sein, während einer Zeit also, in der die Vegetation sich im Ruhezustand befindet und deshalb mehr dürres Material vorherrscht. Da könnte es durchaus zu Engpässen von zugänglichen Löschwassermengen kommen. Aus diesem Grund ist es absolut richtig, dass die Infrastruktur z. B. mit Hilfe von Löschwasserbecken ausgebaut und verbessert wird – auch für die Winterzeit. Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Forstdienst ist essenziell. Gute und rechtzeitige Kommunikation verhindert Waldbrände. Dafür ist es von eminenter Wichtigkeit, dass man einander kennt. Hierfür dienen Anlässe wie der Waldbrandkurs. Aus Sicht der Waldpflege ist es aus mehreren Perspektiven wichtig, dass man weg von Fichtenreinbeständen, welche besonders brandgefährdet sind, hin zu artenreicheren Mischwäldern arbeitet.

Demo-Vorführung: Eindämmung des Feuers aus der Luft mit Helikopter. (Bild: AWN)

Wo sehe ich die Möglichkeit/Bedarf das Gelernte aus der Ausbildung in meiner Region anzuwenden?

MG: Die Ausbildung «Waldbrandkurs für Offiziere» gab mir einen guten Überblick über die Thematik und unsere Rolle. Neben der Bewältigung des akuten Waldbrandereignisses sind auch die Vorbereitungsarbeiten entscheidend, um im Ernstfall optimal bereit zu sein. Hier haben das AWN, respektive wir RFI mit den Revierförstern und Gemeinden wichtige Aufgaben. In Zusammenarbeit mit den Feuerwehren wird der Ist-Zustand der Löschwasserinfrastruktur für Waldbrände analysiert und wo nötig Optimierungen geplant. Periodisch werden die Wasserbezugsorte und die Infrastruktur wie die Löschwasserbecken und -teiche geprüft und die Handhabung durch die Feuerwehren draussen geübt. Sowohl auf Ebene der Stabsarbeit als auch an der Basis ist der gegenseitige Austausch und dass man sich kennt, wertvoll und entscheidend für die optimale Zusammenarbeit im Einsatz – sei es bei Waldbränden oder auch im Rahmen der Umsetzung der Interventionskarte zur Bewältigung von Naturgefahren.

TB: Wichtig ist es die Situation im Wald über das ganze Jahr im Auge zu behalten und zusammen mit den Waldbrandkoordinatoren die Lage bzw. die Waldbrandgefahr stetig zu beurteilen und einzuschätzen. Bei grosser Waldbrandgefahr und Feuerverbot kann man bei Waldrundgängen ein Auge auf die Erholungsinfrastrukturen halten und die Menschen informieren bzw. diese für die Gefahr sensibilisieren. Hier ist zu erwähnen, dass die Leute bei uns sehr diszipliniert sind und die Feuerverbote in der Regel sehr gut befolgen. Als Forstdienst ist es auch wichtig, das Gebiet gut zu kennen, um in einer Notlage die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Aus den Ortskenntnissen sind uns insbesondere die Erreichbarkeit einer Brandfläche und die Löschmöglichkeiten bekannt. Eine weitere Möglichkeit besteht auch in Form einer Mitwirkung bei Übungen der lokalen Feuerwehren zur Waldbrand-Thematik.

Zwei Kernbotschaften aus dem Kurs für meine Berufskollegen.

MG: I. Wir Forstfachleute können die Feuerwehr bei der Prävention und im Ereignisfall mit unseren Kenntnissen über die Wälder, das Gelände, Naturgefahren und die Erschliessung und Begehbarkeit sehr wirksam unterstützen. II. Die Bekämpfung eines grösseren Waldbrands läuft in drei sich deutlich unterscheidende Phasen ab: Nach der Eindämmung und Löschung folgen die länger andauernde Nachlösch-Phase und schliesslich die Überwachung. Der Koordinationsaufwand, die Einsatzmittel, der Personalbedarf und die notwendigen Wassermengen sowie auch die Gefahren unterscheiden sich dabei je nach Phase sehr deutlich. Deshalb ist eine laufende Problemanalyse wichtig, um die Ressourcen optimal einzusetzen.

TB: I. Leute kennen ist essenziell für den unkomplizierten und raschen Austausch. Es hilft, die jeweils andere Sichtweise zu verstehen. II. Als Fussballer würde ich sagen: «Angriff ist die beste Verteidigung». Wir müssen uns in sogenannten Friedenszeiten vorbereiten, um in Ernstfällen bereit zu sein.

Madlaina Gremlich ist Regionalforstingenieurin, aus der Region Südbünden, Region 5.

Thomas Bearth ist Regionalforstingenieur, aus der Region Surselva, Region 3.

Andrea Kaltenbrunner ist zuständig für die Walderhaltung beim Amt für Wald und Naturgefahren in Chur.

Sichtweise

Thema Waldbrand/Waldbrandkurs

Seit vielen Jahren arbeiten die GVG-Feuerwehr und das Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) erfolgreich in der Waldbrandausbildung zusammen. Seit 2014 finden regelmässig gemeinsame Ausbildungstage für Forst- und Feuerwehrleute statt, vor allem auf Führungsstufe.

Die grossen Waldbrände Ende der 1990er-Jahre führten zum Aufbau der Waldbrand-Stützpunktorganisation im Kanton Graubünden.

Das Ziel damals wie heute: Für die zukünftigen Herausforderungen gut vorbereitet zu sein. Die sich wandelnden klimatischen Bedingungen werden die Entwicklung der Waldbrandbekämpfung weiterhin beeinflussen – darauf müssen wir vorbereitet bleiben. Das ursprüngliche Konzept aus den späten 1990er-Jahren wurde 2015 sowie im Rahmen der Waldbrandkonzeption GR 2030 weiterentwickelt und optimiert. Seit 2022 bietet die GVG zusammen mit dem AWN einen zweitägigen Führungskurs an – unter dem Motto: «Nur gemeinsam sind wir im Einsatz stark.»

Waldbrandbekämpfung in Graubünden 2005

In den vergangenen Jahren konnten durch die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Forstdienst und Feuerwehr grosse Fortschritte auf allen Ebenen erreicht werden. Eine gute Zusammenarbeit wird auch für die Zukunft das Rezept für die erfolgreiche Waldbrandbekämpfung sein.

Was versteht die Feuerwehr unter einem Waldbrand?

Die Feuerwehr unterscheidet grundsätzlich zwischen Wald- und Flurbränden. Ein Waldbrand wütet in bewaldetem Gebiet, während Flurbrände auf offenen Flächen wie Wiesen, Feldern, Äckern oder Weiden auftreten. Ein einzelner brennender Baum oder eine Hecke gilt für die Feuerwehr nicht als Waldbrand, da solche Fälle meist mit geringem Aufwand gelöscht werden können. Waldbrände hingegen sind oft langwierige Einsätze, die sich über grosse und schwer überschaubare Flächen erstrecken und sich über mehrere Tage bis Wochen hinziehen können. Doch auch Flurbrände können durchaus anspruchsvoll sein und besondere Herausforderungen mit sich bringen.

Wie unterscheidet sich ein Waldbrand im Gebirge von einem im Flachland?

Die Unterschiede sind vielfältig: Gelände, Wetterbedingungen, Baumarten, Zugänglichkeit, Wasserquellen usw. Im Gebirge stellen sich andere Herausforderungen als im Flachland. So bilden beispielsweise Steinschlag, steile Hänge und schwer zugängliche Gebiete im Bergwald zusätzliche Gefahren für die Einsatzkräfte. Dort dominieren meist Nadelwälder, während im Flachland eher Lauboder Mischwälder vorherrschen. Wasserquellen sind in den Bergen oft knapp oder schwer erreichbar, weshalb der Helikoptereinsatz hier unverzichtbar ist. Im Flachland ist der Zugang für schwere Feuerwehrfahrzeuge meist einfacher, da die Wälder besser erschlossen sind – auch wenn nicht alle Wege problemlos befahrbar sind. Trotz dieser Unterschiede bleibt das Grundprinzip dasselbe: so schnell wie möglich eindämmen und Prioritäten setzen – vor allem zum Schutz von Siedlungen, wichtiger Infrastruktur und Schutzwäldern. Im Gebirge ist die Feuerwehr dafür oft auf Helikopterunterstützung angewiesen. Aufwendige Nachlöscharbeiten sowie

eine langfristige Überwachung gehören ebenfalls zur Waldbrandbekämpfung.

Die meisten Waldbrände entstehen durch Menschenhand. Sollte die Präventionsarbeit intensiviert werden?

Das bestehende Präventionskonzept ist aus unserer Sicht breit abgestützt – von der Sensibilisierung bereits bei Kindern über Waldbrandgefahrenstufen bis hin zu Feuerverboten. Die Bevölkerung nimmt die Massnahmen überwiegend gut an. Verbesserungspotenzial sehen wir vor allem bei der Kommunikation, insbesondere wenn die Waldbrandgefahr hoch ist. Warnhinweise könnten sichtbarer und leichter zugänglich gestaltet werden – ähnlich wie

Verkehrsmeldungen oder Lawinenbulletins. Soziale Medien und moderne Kommunikationskanäle können dabei eine wertvolle Unterstützung bieten. Die konsequente Umsetzung der Empfehlungen und Vorschriften – insbesondere beim Grillieren und in der Landwirtschaft – sollte noch stärker gefördert werden. Die Gemeinden tragen hier bereits einen wichtigen Teil zur Prävention bei.

Wie bereitet sich die Feuerwehr auf einen Waldbrand vor?

Wie in vielen Bereichen gilt auch bei der Waldbrandbekämpfung: Gute Vorbereitung ist entscheidend für den Erfolg im Einsatz. In den vergangenen Jahren wurde im Kanton gezielt in persönliche Schutzaus-

Feuerwehrleute im Einsatz beim Waldbrand in Soazza 2016. (Bild: AWN)

rüstung sowie in Ergänzungen des Stützpunktmaterials investiert – mit einem Gesamtvolumen von rund 2 Millionen Franken. Parallel dazu wurde auch die Ausbildung intensiviert: Neben dem erwähnten Führungskurs wurden alle Gruppenführer und Offiziere im Rahmen ihrer kantonalen Weiterbildungstage in den letzten zwei Jahren stufengerecht im Bereich Waldbrand aus- und weitergebildet. Ein weiterer zentraler Baustein der Vorbereitung ist die systematische Aufbereitung und Bereitstellung einsatzrelevanter Daten – etwa zu Wasserbezugsstellen, Zufahrtswegen, Waldkategorien (Schutzwald) oder Geländeformen. Diese Informationen stehen den Feuerwehren über das kantonale GIS-System zur Verfügung und sind für die (vorsorgliche) Einsatzplanung sowie für die Lagebeurteilung im Ereignisfall matchentscheidend. Ein besonders wirksames Element der Vorsorge ist zudem der Bau stationärer Löschwasserbecken. Gestützt auf die positiven Erfahrungen aus dem Süden des Kantons – wo solche Anlagen bereits länger in Betrieb sind – wurde dieses Vorhaben nach dem Grossbrand 2016 im Misox im Rahmen der Waldbrandkonzeption 2030 kantonsweit ausgerollt. Die Becken ermöglichen eine rasche Wasserentnahme, insbesondere für Helikoptereinsätze, und tragen dazu bei, die Brandausbreitung frühzeitig zu stoppen.

Was bringen die gemeinsamen Ausbildungstage mit Regionalforstingenieuren?

Die Regionalforstingenieure (RFI) sind unverzichtbare Fachpersonen in der Einsatzleitung bei Waldbränden. Sie bringen wertvolles Wissen über den Waldzustand, Baumarten, Zugänge, Schutzprioritäten, lokales Wissen zum Wetter usw. ein. Die gemeinsamen Ausbildungstage vermitteln Einblick in Organisation, Einsatzmittel, Taktik und Führung der Feuerwehr im Waldbrand. Dieses beidseitige Verständnis schärft das Bewusstsein für die jeweilige Arbeitsweise und fördert das Vertrauen zwischen den Beteiligten. Der Austausch von forstlichem und feuerwehrtechnischem Know-how bildet damit eine

wichtige Grundlage für eine erfolgreiche und koordinierte Waldbrandbekämpfung.

Welcher Waldbrand war bisher der schwerste im Kanton Graubünden?

Das grösste Feuer des letzten Jahrhunderts wütete 1943 am Calanda. Bei diesem Waldbrand wurden 477 Hektar Wald zerstört. Weitere grosse Ereignisse waren der Waldbrand auf der Luzisteig 1985 (115 ha), die Brände im Misox 1997 (390 ha) und 2016 (119 ha), der grosse Waldbrand in Brusio 1997 sowie im Calancatal 2003 (39 ha). Doch auch kleinere Brände können verheerend sein – etwa der Waldbrand 2010 in Trin (5 ha), der trotz seiner vergleichsweise kurzen Dauer und kleinen Fläche grosse Schäden am Schutzwald verursachte und umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten notwendig machte. Welcher Brand als «schwerster» Waldbrand im Kanton Graubünden gilt, hängt somit von der Betrachtungsperspektive ab.

Welche Botschaft möchten Sie den Forstleuten mitgeben?

In Krisensituationen zählt vor allem eines: eine verlässliche Zusammenarbeit. Forst- und Feuerwehrleute sollten sich gut kennen und sich regelmässig austauschen – sei es bei gemeinsamen Ausbildungen oder Übungen. Wichtig ist dabei die KKKK-Regel: «In Krisen Köpfe und ihre Kompetenzen Kennen!» Dieses gegenseitige Verständnis stärkt die Zusammenarbeit und den Erfolg im Einsatz und erhöht die Sicherheit aller Beteiligten. Nur gemeinsam sind wir stark!

Conradin Caduff, kantonaler Feuerwehrinspektor und Leiter Feuerwehr der Gebäudeversicherung Graubünden.

Ein Rückblick von Peter Aschilier über den Waldbrand von BitschRiederalp mit Erkenntnissen aus der Praxis und Forschung

Peter Aschilier arbeitet seit 38 Jahren beim Forst Aletsch und hat bereits einige Extremereignisse miterlebt. Er betreut zusammen mit seinem Team 3707 Hektaren Wald, davon 90 Prozent Schutzwald. Der Waldbrand Bitsch-Riederalp bei Bitsch vom 17. Juli 2023 zählt zu den grössten Waldbränden der letzten Jahre. Peter Aschilier fasst zusammen, was damals geschah und schildert, welche Herausforderungen er zu bewältigen hatte und welche Erfahrungen er dabei gesammelt hat.

Zusammenfassung aus dem Interview mit Peter Aschilier

Um 17.00 Uhr ging das Telefon, ich war gerade in einer Sitzung, als mich die Nachricht erreichte, der Wald brennt. Als ich zum Einsatzort gefahren bin und gesehen habe, was abgeht, habe ich überlegt, jetzt habe ich schon x Hochwasser, Stürme, Lawinenereignisse, Steinschläge, Murgänge im Revier erlebt, doch das hier ist neu und gibt ein grösseres Ding. Das müsste jetzt nicht auch noch sein. Der Wind blies mit 60–80 km/h mit Böenspitzen von fast 100 km/h (GIN-Plattform, Gärsthorn Mun1, 2926 m ü. M.). Sofort mussten wir handeln, es wurde eine erste Crew mit Feuerwehrleuten hochgeflogen (17.20 Uhr).

Am 17. Juli waren nur zwei kleine Maschinen im Einsatz. Am 18. Juli waren acht Helis im Einsatz: Ein ziviler Super Puma, zwei Super Puma der Armee, zwei K-MAX und drei Écureuils versuchten, das Feuer in Schach zu halten. Dadurch konnten die Feuerwehrleute rasch ins Gebiet geflogen werden. Jedoch breitete sich das Feuer sehr schnell gegen Osten den Hang hinauf aus. Die

Faktoren Trockenheit, Hitze, Wind und steiles Gelände stellten keine gute Voraussetzung für ein schnelles Löschen dar. So konnte die Rotex für den nächsten Tag aufgeboten werden, welche mit zwei K-Max-Helikoptern im Einsatz war. Am ersten Abend musste das Dorf Ried-Mörel evakuiert werden. Das ging erstaunlich ruhig über die Bühne! Und noch am selben Tag um 20.00 Uhr folgte die erste Krisenstabsitzung. Danach waren wir ununterbrochen drei Wochen lang im Einsatz, bis der Brand unter Kontrolle war. Wir atmeten alle auf, als der Krisenstab am 4. August 2023 um 18.00 Uhr die «normale» Lage bekannt gab. Es brannten über 100 000 Bäume (hauptsächlich Fichten/Föhren, Arven) auf einer Fläche von 185 ha.

Zusätzlich während den täglichen Löscharbeiten kamen Wärmebildkameras – zwei Systeme der Armee – zum Einsatz. Ein System war im Super Puma installiert, und eines war von der Artillerie am Gegenhang postiert. Damit konnten die immer noch lodernden Brandnester ausfindig gemacht werden. Es ist aber wichtig, dass darauf geachtet wird, dass alle Wärmequellen angezeigt werden. Also auch warme Steine, Wildtiere usw. Deshalb ist es wichtig, dem Personal genügend Zeit bei der Auswertung zur Verfügung zu stellen. Gegen Schluss kamen noch Drohnen zum Einsatz, welche mit einer Wärmebildkamera über das Gebiet flogen. Dank diesen Technologien konnten die Löscharbeiten effizienter ausgeführt werden.

Nachdem der Waldbrand endlich gelöscht war, folgte ein weiteres Problem: das Wild. Denn die Waldbrandfläche liegt in der Nähe des Aletschwaldreservates von Pro Natura und eines eidgenössischen Jagdbanngebiets. Dies wiederum bedeutet, dass dort viel Wild vorhanden ist. Der

Wald ist verbrannt, und jetzt kommt die neue Verjüngung. Die Stockausschläge der Flaumeiche z. B., die Ende August 2023 bereits 40 cm hoch war, wird laufend abgefressen. Die Flaumeiche schlägt scheinbar bis zwei Jahre nach dem Feuerschaden aus. Es ist anzunehmen, dass die natürliche Ansamung mit Schutz durch Fantom-E je nach Verhalten des Wildes vielleicht teilweise aufkommt. Dieses Verfahren ist sehr aufwendig und muss jedes Jahr wiederholt werden. Dennoch kann der Verbissanteil dadurch gering gehalten werden. Wir beobachten das Gebiet intensiv und sind selber gespannt, wie es in zehn Jahren am trockenen Südhang aussieht. Aus forstlicher Sicht müsste aber der Wildbestand stärker reguliert bzw. gesenkt werden.

Es ist klar, dass jeder Waldbrand anders ist und situative Entscheide gefällt werden müssen. Zur Unterstützung bei der Bekämpfung eines Waldbrandes ist es sehr hilfreich, sich mit erfahrenen Förstern auszutauschen. In der Nacht können nur zweimotorige Helikopter fliegen. Es wäre zu überlegen, ob nicht die Schweizer Armee, die über solche Maschinen verfügt, sich darauf vorbereiten sollte, auch in der Nacht zu löschen bzw. zu fliegen. Gerade in den ersten Nächten könnte dies eine willkommene Unterstützung sein. Im Falle Bitsch haben sich Löschtrupps von 4–5 Personen, welche sich aus forstlichem Personal, Flughelfern und Feuerwehr zusammensetzten, stets bewährt. Zudem können die Kompetenzen einer forstlich erfahrenen Person im Gelände

Löscharbeiten mit dem K-Max.
(Bild: Forst Aletsch)

sehr gut zum Einsatz kommen. Diese kennen zum Beispiel die Fluchtwege und kennen sich in steilem Gelände bestens aus. Es ist sehr wichtig, dass mindestens zwei Varianten der Fluchtwege im Auge behalten werden. Bäume zu fällen ist nicht immer notwendig. Denn dadurch besteht die Gefahr, dass das Personal im Feuer eingeschlossen wird oder der Fluchtweg versperrt wird. Schlussendlich ist ein starkes Miteinander gefragt, und es ist wichtig, die Meinungen der Forstwarte zur Situation täglich einzuholen und in das weitere Vorgehen miteinzubeziehen. Damit man auf zukünftige Waldbrände besser vorbereitet ist, entstand im Jahre 2024 in Zusammenarbeit mit forstlichen Fachpersonen aus der Praxis und Forschung

eine Zusammenfassung zum Umgang für die Bewältigung von zukünftigen Waldbränden.

Nachfolgender Text stammt von Marco Conedera (Eidg. Forschungsanstalt WSL, Cadenazzo), Peter Aschilier (Forst Aletsch, Fieschertal) und Adrian Müller (EPFL SIE, Lausanne)

Ein besonderes Feuerverhalten

Im Moment des Feuerausbruches in Bitsch herrschte, neben Trockenheit und Hitze, ein starker Wind, der das Feuer sehr schnell nach Osten trieb. Der Wind beförderte auch brennende Teile in noch feuerfreies Gebiet (sogenanntes Spotting), was zu einer sprunghaften Ausbreitung des Brandes führte. Sehr interessant war auch

Steiles Gelände fordert geschultes Personal.
(Bild: Forst Aletsch)

die Beobachtung, dass sich der Kronenbrand vor allem bei gesunden Nadelbäumen entwickeln könnte. Gruppen von stehenden, dürren Bäumen (z. B. stehengelassene Bäume nach Borkenkäferbefall aus den Jahren 2020 und 2021) wurden vom Feuer verschont und haben zum Teil sogar als Feuerschneise gewirkt.

Zusammenarbeit Forstdienst-Feuerwehr im Feld

Feldgruppen-Einsätze bei Grossbränden müssen generell sehr gut geplant sein, damit nicht mehr Leute als nötig unterwegs sind und die Unfallgefahr im Rahmen gehalten wird. Die einzelnen Einsatzgruppen sollen möglichst klein gehalten werden (nicht mehr als 4–5 Leute) und mit der geeigneten Ausrüstung im Gelände unterwegs sein. Abgesehen vom persönlichen Material (je nach Saison leichte oder warme, gut sichtbare Warnanzüge, gutes Schuhwerk, aber keine Feuerwehrstiefel, Schutzbrillen und Masken bei starker Rauchentwicklung, Landeskarte im Fall von fehlendem Netzempfang usw.), sollten auch tragbare Wärmebildkameras und geeignete Löschmittel wie Löschrucksäcke oder Wasserbehälter des Typs «TETRA fly-bag», die HDL-200-FF Hochdruckpumpen mit Lanzen und Strahlrohr zum Einsatz kommen. Sehr wichtig ist diesbezüglich auch, dass die Feldgruppen in einem Steilhang nie übereinander arbeiten (Gefahr durch abfliessendes Löschwasser oder Baum- und Steinschläge) und sich nie ohne mindestens einen gekennzeichneten Fluchtweg oberhalb des Feuers aufhalten (das Feuer kann in den steilen Geländerinnen sehr starke Thermiken und sehr hohe Geschwindigkeiten entwickeln). Deshalb ist die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gruppen ein zentraler Punkt. Unter besonders schwierigen Umständen muss sich der Einsatzleiter ermächtigt fühlen, in Absprache mit (oder im Auftrag vom) Forstdienst bestimmte Gebiete für «unverteidigbar» zu er-

klären, sie also brennen zu lassen und dort auf den Einsatz von Einsatzkräften zu verzichten. Der Einsatz von Feldgruppen ist vor allem sinnvoll bei unterirdischen Glutnestern, welche mit dem Helikopter kaum gelöscht werden können, da das Wasser oberflächlich abfliesst oder zu wenig tief in den Boden eindringt. In solchen Fällen ist zu prüfen, ob der Lead bei einem Mitarbeiter des lokalen Forstreviers sein soll, welcher mit den örtlichen Gegebenheiten und den

Karte des Waldbrandes von Bitsch. (Bild: swisstopo/ Adrian Müller, EPFL SIE)

Gefahren im Wald vertraut ist. Am effizientesten sind solche Löschaktionen an Ort und Stelle mit modernem Löschmaterial in Form von Hochdruckpumpen mit Lanzen oder mit Wassersäcken und kleinen Strahlrohren und Wärmebildkameras. Drohnen mit Wärmebildkameras sollten auch vermehrt zum Einsatz kommen, um sich laufend einen Überblick über die noch aktiven Glutnester zu verschaffen. Damit die Feldgruppen gezielt zu den Glutnestern geschickt werden können, sollen die Wärmekamerabilder gründlich auf Fehlanzeigen geprüft werden, die durch warme Felspartien oder Wildtiere erzeugt werden. Mit der Zeit sind die letzten verbleibenden Schwelfeuer auch durch Riechen effizient auffindbar. Bewährt hat sich die Suche und das Löschen von Glutnestern in Bitsch mit Feldgrup­

pen geführt von einem Forstwart und zusätzlich bestehend aus einem Gruppenführer der Feuerwehr, zwei, drei zusätzlichen bergtauglichen Feuerwehrleuten sowie einem Flughelfer. Das Fällen von Bäumen kann sehr gefährlich oder kontraproduktiv sein, da durch die Äste von liegenden oder gefällten Bäumen eine «Feuerbrücke» zu angrenzenden, noch stehenden Bäumen entstehen kann. Dazu kommt noch, dass auch feuergeschädigte Bäume und sogar tote, stehende Bäume zumindest eine Zeit lang nach dem Feuer noch eine gewisse Schutzwirkung haben können. Deshalb ist es sinnvoll, so wenig Bäume wie möglich zu fällen und gefällte Bäume – auch zur Prävention vor Schädlingen wie dem Borkenkäfer – direkt aus dem Bestand zu entfernen.

Erste Vegetation ein Monat nach dem Brand. (Bild: Peter Aschilier)

Schlussbemerkung

Grossbrände mit einer starken Thermik und Kronenfeuer sind nicht nur für die Feuerwehrleute besonders gefährlich, sondern auch für den mitinvolvierten Forstdienst. Allgemein sind die Erfahrungen aus Löscheinsätzen bei Grossbränden wie in Bitsch sehr wichtig, um die Löschaktion, -organisation, -koordination und -taktik zu verbessern. Am besten dafür eignen sich Debriefings- und Nachbearbeitungsveranstaltungen, die kurz nach dem Ereignis mit dem Krisenstab und allen beteiligten Organisationen durchgeführt werden sollten.

Weiterführende Literatur

Müller, A. D., Aschilier, P., Kämpfer, D., Bregy, M. S., Conedera, M. (2024). Eine zunehmende Gefahr für die Bergfeuerwehren. 118 swissfire.ch, 150(7), 32–35.

Weitere Informationen auf www.forstaletsch.ch

Flaumeiche im September 2023 mit Neutrieben von bis 40 cm.
(Bild: Peter Aschilier)

Kasthofer-Medaille 2025 für Raphael Schwitter

Am 30. Mai 2025 erhielt Raphael Schwitter, Forstingenieur und ehemaliger Leiter der Fachstelle Gebirgswaldpflege, die von der Stiftung Pro Silva Helvetica verliehene Kasthofer-Medaille für besondere Verdienste um die Anwendung und Verbreitung des Plenterprinzips.

Die Ehrung und Verleihung der 33. Kasthofer-Medaille durch Stiftungspräsident Pascal Junod erfolgte im Jungwald der Gemeinde Pfäfers. Also hier, wo Raphael Schwitter (Jahrgang 1953) aufgewachsen ist, mit 12 Jahren in den Schulferien beim Förster sein Sackgeld verdiente, ab 1986 als Forstingenieur ETH die Ortsgemeinde (OG) Pfäfers waldbaulich

mitbetreute und nach dem Orkan Vivian im Februar 1990 diverse Schutzwaldprojekte im Taminatal übernahm.

Nach einer Lehre als Werkzeugmacher, einigen Jahren Berufsarbeit, der berufsbegleitenden Matura und dem Studienabschluss an der ETH engagierte er sich während drei Jahren in der Entwicklungs-

Raphael Schwitter erhält die Kasthofer-Medaille 2025 sehr verdient.
(Bild: Pro Silva Helvetica)

zusammenarbeit in Madagaskar. 1985 trat er eine Stelle als Fachlehrer an der Försterschule Maienfeld an, wo er für zahlreiche Försterlehrgänge diverse Fächer unterrichtete. Von 1992 bis 1997 amtete er dort zudem als Vizedirektor. 1997 übernahm er in einem 60%-Pensum die Leitung der neu geschaffenen Fachstelle Gebirgswaldpflege GWP, nachdem Nicolin Bischoff und Ernst Zeller seit 1979 die GWP als Projekt geführt hatten. Als Fachlehrer blieb er der Försterschule weiterhin mit einem 40%-Pensum erhalten. In den 2000er-Jahren zog es ihn wieder in ferne Länder: In den ukrainischen Karpaten wirkte er bei Entwicklungshilfeprojekten im Bereich naturnaher Waldbau mit, und Bhutan besuchte er als Forstlicher Experte. Im 2016 übergab er die Leitung der GWP an Samuel Zürcher. Bis heute ist Raphael Schwitter jedoch für gewisse Aufgaben im Teilzeitpensum zu haben.

Die Stiftung Pro Silva Helvetica definiert Plenterung wie folgt:

Die Plenterung ist eine Waldbewirtschaftung, welche die natürlichen Abläufe in Waldökosystemen achtet und nachvollzieht. Mit der Plenterung wird ein Gleichgewichtszustand angestrebt, der es erlaubt, dauernd ein Maximum an Nutzen hervorzubringen: Einkommen für die Waldbesitzer, Schutz für Menschen, Siedlungen und Verkehr, Schönheit für Erholungssuchende und vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Laudator Pascal Junod betonte insbesondere den neuartigen Pflegeeingriff der Kammerung, welche von Raphael Schwitter mitinitiert wurde. Diese erfordere sehr konsequentes, weit vorausschauendes Eingreifen zugunsten der künftigen Funktionserfüllung. Er stellt die langfristige Stabilität, die Anpassung an den Klimawandel und den geringen Pflegebedarf vor den maximalen Holzertrag. Raphael Schwitter habe die Plenterprinzipien pragmatisch an die Verhältnisse im Gebirgswald angepasst, erklärte Pascal Junod. «Und er hat immer vorgelebt, was er von allen Waldfachleuten gefordert hat, sich

Stiftungsurkunde von 1945 – 80 Jahre Stiftung Pro Silva Helvetica. (Bild: Pro Silva Helvetica)

mit grossem persönlichen Engagement für ‹die Sache› einzusetzen – die naturnahe und wirkungsorientierte Pflege der Gebirgswälder zugunsten der Allgemeinheit.»

Lehrabschlussfeier der Bündner und Liechtensteiner Forstwarte auf dem Jakobshorn

Mitte Juni traten 31 angehende Forstwarte aus dem Kanton Graubünden und dem Fürstentum Liechtenstein zum letzten Teil ihrer Lehrabschlussprüfung in Vaduz und Schaan (FL) an. Den krönenden Abschluss bildete die traditionelle Lehrabschlussfeier, organisiert vom Verein Graubünden Wald, die am 27. Juni auf dem Jakobshorn oberhalb von Davos stattfand.

Flurin Guidon

Bei bester Laune und in festlicher Atmosphäre fanden sich 29 frisch diplomierte Forstwarte, ihre Angehörigen, Ausbildnerinnen und Ausbildner, Prüfungsexperten sowie weitere Gäste ein. Rund 150

Mit den begehrten Äxten für die besten drei Lehrabschlüs-

se ausgezeichnet: Severin Kessler (links), Curdin Tschalèr (Mitte) und Sinan Bossi (rechts). (Bilder: zVg)

Personen trafen sich auf dem Jakobshorn, um den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung ihrer Forstwartlernenden gemeinsam zu feiern.

In ihren Ansprachen würdigten Walter Krättli, Präsident von Graubünden Wald, Claudia Bieler, Landrätin Davos und Viola Sala, Bereichsleiterin Schulung AWN, die grossartigen Leistungen der Absolventen und gratulierten herzlich zum Erhalt des eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses. Die feierliche Übergabe der Diplome wurde von Flurin Guidon geleitet und von Walter Krättli und Franziska Borter, Berufsinspektorin, unterstützt.

Besonders ausgezeichnet wurden die besten drei Lehrabschlüsse, sie durften als Anerkennung für ihre hervorragenden Leistungen eine der begehrten «Äxte» in Empfang nehmen. Diese besondere Ehre wurde verliehen an:

– Curdin Tschalèr, Gemeindebetriebe Bonaduz/ Rhäzüns Bestnote 5,5

– Sinan Bossi, Flims Trin Forst, Note 5,3

– Severin Kessler, Zweckverband Falknis, Note 5,1 Darüber hinaus wurden auch jene Lernenden gewürdigt, die sich mit der ausgezeichneten Note 5,1 ebenfalls auf dem dritten Rang platzieren konnten. Sie erhielten als Zeichen der Anerkennung ein Präsent in Form eines Gutscheins:

– Sebastian Stefan, Forst-Werkbetrieb Trimmis

– Nino Podolak, Forstbetrieb Landquart

– Julian Ritter, Forstbetrieb Eschen

Geschafft: Die frisch diplomierten Forstwarte präsentieren sich gut gelaunt auf dem Jakobshorn.

Die Feier auf dem Jakobshorn bot einen würdigen Rahmen, um nicht nur die individuellen Leistungen der jungen Forstleute zu feiern, sondern auch die Gemeinschaft, die das Berufsfeld Forstwirtschaft auszeichnet. Ein gelungener Abschluss einer intensiven Ausbildungszeit und ein gelungener Auftakt in ein neues Kapitel beruflicher Entwicklung.

Insgesamt haben die Prüfung mit Erfolg absolviert:

Dominic Albin, Revierforstamt Safiental | Elia Arpagaus, Forstbetrieb Ilanz/Glion | Livio Cadosch, Revier forestal Sagogen­Laax | Daniel Candinas, Uffeci forestal Disentis/Mustér | Moreno Castelberg, Revierforstamt Celerina­Bever | Andrin Chesi, Bürgergenossenschaft Balzers | Giuliano Chiavaro, Forst­ und Werbetrieb Domat/Ems | Nando Guler,

Forst­ und Werkbetrieb Cazis | Gian Andrea Heinrich, Azienda forestale Bregaglia | Jonas Hofmänner, Forstbetrieb Gamprin Bendern | Moreno Huder, Ardez | Gianluca Huonder, Solèr Holz AG | Corsin Jäger, Forstbetrieb Davos | Valentin Konrad, Forstbetrieb Vaduz | Enrico Lampert, Grün und Werkbetriebe Chur | Dea Monn, Uffeci forestal Sumvitg | Matisse Occiganu, Candinas SA | Andri Peer, forestal Scuol | Samuel Pfranger, Forstamt La Punt Chamuesch/Madulain | Linus Scherrer, Forstbetrieb Madrisa | Valentin Stingl, Forstbetrieb Triesenberg | Simon Venzin, Revierforstamt Safiental | Leon Vogt, Forstbetrieb Triesenberg | Aaron Walser, Forstamt Tamins.

Wir wünschen allen Lehrabgängern eine unfallfreie und erfüllte Zukunft im Wald.

Unterstützte Hähersaat –natürliche Prozesse nutzen!

Der Verein proQuercus hat ein Programm zur Umsetzung von Projekten zur unterstützten Hähersaat gestartet. Ziel ist es, die Aktivität des Eichelhähers zu nutzen, um das Eichenvorkommen auf natürliche Weise zu fördern. Im Herbst 2024 wurden 14 Projekte gestartet – 2025 können weitere Projekte gemeldet werden.

Im Herbst ist er ununterbrochen unterwegs. Er sammelt reife Eicheln am Boden oder direkt am Baum. Bis zu acht dieser Früchte kann er in seinem Kropf transportieren und eine, meist die Grösste, hält er in seinem Schnabel fest. Die Rede ist vom Eichelhäher (Garrulus glandarius), auch bekannt als der fleissigste aller Waldbauer. Im Herbst sammelt der Rabenvogel bis zu 5000 Eicheln und versteckt diese als Wintervorrat. Trotz seines guten Erinnerungsvermögens findet er nicht alle Verstecke wieder. Ein Grossteil der Eicheln bleibt ungenutzt, sodass im Frühling jährlich viele Tausend Eichenkeimlinge spriessen.

Projekt Unterstützte Hähersaat

Da der Eichelhäher auch in Gebieten mit wenig oder keiner Eiche vorkommt, kann sein natürliches Triebverhalten genutzt werden. Die Methode der «Unterstützten Hähersaat» besteht darin, dem Vogel in sogenannten Häherkästen ein künstliches Eichelangebot zur Verfügung zu stellen. Von diesen Depots aus transportiert der Eichelhäher die Samen und sät sie an den geeigneten Kleinstandorten, wo sie – falls sie nicht genutzt werden – im Frühling dann austreiben.

Im Herbst 2024 haben 14 Forstbetriebe ein Hähersaatprojekt gestartet. Sie haben sich dazu verpflichtet, während drei Jahren, jeweils von Mitte September bis Ende November, Häherkästen aufzustellen und zu unterhalten. Im Jahre 2025 soll eine zweite Serie von Projekten gestartet werden. Forstbetriebe, die ein solches Projekt umsetzen möchten, er-

halten eine finanzielle Unterstützung. Geeignete Projektflächen:

– weisen keinen oder einen nur geringen Eichenanteil auf und werden dort angelegt, wo die Hähersaat keimen soll (➞ Erweiterung des Eichenvorkommens!);

– werden vorzugsweise in Wäldern und Beständen mit Struktur- und Vegetationswechsel angelegt, z. B. Bestandesöffnungen aufgrund von Sturmund Trockenschäden (➞ Gebiete mit grosser Verjüngungsgunst nutzen!);

– weisen wenn möglich einen Höhengradienten auf (➞ Verbreitung der Eiche in höhere Lagen).

– bestehen aus einem Gesamtperimeter, der sich für die Förderung der Eiche eignet (zwischen 3 ha und 20 ha).

Aktionstage als möglicher Projektbestandteil. Aktionstage bieten die Möglichkeit, das Projekt öffentlichkeitswirksam zu präsentieren und über Waldprozesse, Klimawandel und Waldleistungen aufzuklären. Zielpublikum sind Schulen, Vereine, NGOs, Firmen etc. Eine finanzielle Unterstützung für die Organisation und Durchführung von Aktionstagen wird angeboten.

Weitere Informationen zu den Häherprojekten, den Aktionstagen und zur finanziellen Unterstützung finden sich – ebenso wie die Möglichkeit zur Projekteingabe – auf der Website von proQuercus (www.proquercus.ch).

P. Bonfils ist Forstingenieur, Mitglied von proQuercus und betreut das Projektsekretariat des Hähersaat-Programms.

Vorschau «Bündner Wald»

Oktober

2025

Vorschau auf die nächste Nummer:

Dezember 2025: Walderschliessung

Redaktion: Susi Schildknecht

Redaktionsschluss: 10. Oktober 2025

GIS

Das «Geografische Informationssystem» GIS hat seit seinen Anfängen schon etliche Entwicklungsschritte oder -sprünge gemacht. Lukas Heitz verantwortete jahrelang beim AWN Graubünden das GIS und blickt zurück. Zu lesen gibts quasi eine kleine Geschichte der forstlichen Daten, von analogen Betriebsplänen bis zu den heute geforderten Analysemöglichkeiten. Das Heft wird aufzeigen, wie vielfältig die GIS-Arbeit heute ist, was neue Fachapplikationen und Drohneneinsätze bringen können und welche Chancen und Herausforderungen die künstliche Intelligenz mit sich bringt.

Redaktion: Susi Schildknecht

Herausgegeben von Graubünden Wald und der SELVA

Verlag: © Somedia Production AG, CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart, Telefon + 41 (0) 81 300 22 44, buendnerwald @ selva-gr.ch Redaktion: Susi Schildknecht, susi.schildknecht@bluewin.ch, Laura Brunner, redaktion@buendnerwald.ch. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge in nicht verlangter Form ohne Rückfrage zu ändern. Herstellung: communicaziun.ch, 7130 Ilanz. Erscheint sechsmal jährlich. Auflage: 1300

Exemplare Inserate: Somedia Promotion AG, Telefon + 41 (0) 81 650 00 70, thusis @ somedia.ch Abonnementspreise: CHF 70.– (inkl. MwSt. für Mitglieder Verein Graubünden Wald)

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