Reisemagazin Bregenzerwald - Sommer 2021

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reisemagazin

Johannes und Wolfgang Zündel

sommer 2021

Ausgabe 24 | € 5,50 | www.bregenzerwald.at

Zwei aus demselben Holz

Bergikonen: Üntschenspitze Wandern in Schönenbach Outdoor-Abenteuer für Teenager Fußbad im Freien Biobauernhof Lingenhel Zwei aus demselben Holz Sakralbauten im Bregenzerwald Solidarische Landwirtschaft „Schwanen“-Küche

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DENN ES GEHT UM UNSERE REGION UND IHRE MENSCHEN. Die Raiffeisenbanken im Bregenzerwald sind aktiver Teil unserer Gemeinden. Ihre persönliche Nähe ist vor Ort und digital. Ihre Lösungen sind schnell und nachhaltig. Dies sind die Bausteine des erfolgreichen Mit.Einanders – für die Region und ihre Menschen.


Editorial ­ Herlinde Moosbrugger ist ­Geschäftsführerin von Bregenzerwald Tourismus

Reisebegleiter Bregenzerwald Parallel zu diesem Magazin erscheint halb­ jährlich (­Winter/Sommer) der Reisebegleiter Bregenzerwald mit allen Informationen zum Tourismusangebot der Region. Im Sommer von Wandern (inklusive ­kleiner Wanderkarten) über Outdoor-Aktivitäten, ­Programm mit Kindern, Kultur, Baukunst und Kulinarik bis zum Wohlfühlangebot. Im Winter von Ski alpin, Langlauf, ­Snowboarding, Winterwandern bis zu Kultur, Baukunst, Kulinarik und Wohlfühlen. Ihr persönliches Exemplar des ­ Reisebegleiters erhalten Sie kostenlos bei ­Bregenzerwald ­Tourismus.

AutorInnen dieser Ausgabe

b regen z erwald

somm er 2020

reisebegleiter

eren Social-Media-Kanälen.

bis 17 Uhr

sterreich 0 nzerwald.at

Genug ist auch ein Wert

somm er 2021 Anregungen & Adressen. Ihr Reisebegleiter durch den Bregenzerwald.

15.12.2020 20:16:59

Die erste Auskunftsstelle Das Informations- und Service-­Center in Egg berät Sie über alle Belange des ­Bregenzer­waldes und über Ihren Urlaub. Hier finden Sie u.a. einen frei zugänglichen Internet-­Terminal, eine Vorverkaufsstelle für den 3Täler Skipass sowie eine Ausgabestelle für die Bregenzerwald Gäste-Card. Bregenzerwald Tourismus Gerbe 1135, 6863 Egg Vorarlberg, Österreich T +43 (0)5512 2365 F +43 (0)5512 3010 info@bregenzerwald.at www.bregenzerwald.at Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr

Markus Curin: Journalist und Kulinarikexperte in Vorarlberg Robert Fabach: Architekturpublizist in Vorarlberg Birgit Feierl: Germanistin und Autorin Walter Fink: Journalist und Autor in Vorarlberg Hannah Greber: Autorin in Wien Toni Innauer: Olympiasieger im Skispringen, Sportexperte und Unternehmer Carina Jielg: Kulturredakteurin beim ORF ­Vorarlberg Reinhard Johler: Universitätsprofessor in Tübingen Babette Karner: Autorin in Vorarlberg Martin Bereuter: Obmann des „Werkraum ­Bregenzerwald“ Irmgard Kramer: Schriftstellerin in Wien Bartholomäus Natter: Musiker und Autor aus dem Bregenzerwald Peter Natter: Philosoph und Autor in Vorarlberg Birgit Rietzler: Dichterin im Bregenzerwald Armin Thurnher: Herausgeber der Wochenzeitschrift „Falter“ in Wien

Urlaubsland Österreich – Feedback geben und gewinnen! Hier geht es zur Umfrage: tmona.at/l7u2

Erleben Sie den Bregenzerwald auf unseren Social-Media-Kanälen. Zeigen Sie uns Ihre Urlaubseindrücke #visitbregenzerwald #bregenzerwald

Das sagt Agathe Lingenhel aus Doren. 1999 haben sie und ihr Mann Karl ihren Hof in Doren auf biologische Landwirtschaft umgestellt, was damals noch belächelt wurde. 2019 erhielten sie den ceres-Award als „Biolandwirte des Jahres“. Sie halten Kühe und produzieren Käse, Honig und Obst, Schnaps und geben Kochkurse – im Einklang mit der Natur. „Zwei aus demselben Holz“ – diese Geschichte hat alle Zutaten für ein Märchen: zwei Brüder, die weggingen und wiederkamen. Und die Liebe des einen zum Holz, des anderen zu Menschen und die beider zum Bregenzerwald. Gut, dass es kein Märchen ist und sie ihre Freude weitergeben können. So beginnen zwei der Geschichten in diesem Magazin – jene der Familie ­Lingenhel aus Doren und die der Brüder Zündel aus Schwarzen­berg. Die unterschiedlichen Charaktere stehen für die Vielfalt der Menschen im Bregenzerwald. Gleichzeitig haben sie auch vieles gemein: Dinge ausprobieren und verwerfen können, den eigenen Weg suchen und, wenn er gefunden ist, ihn mit Leidenschaft und Freude am Tun begehen. Solche Menschen strahlen eine innere Sicherheit aus, die große Anziehungskraft auf andere ausübt. Wahrscheinlich, weil sie das, was diese Menschen zum Strahlen bringt, auch gerne hätten. Gerade die Zeiten von Corona bieten Gelegenheit, darüber nachzudenken, was wichtig ist und was einen zum Strahlen bringen könnte. „Unsere Gewohnheit ist, im Freien zu denken – gehend, springend, steigend, tanzend, am liebsten auf einsamen Bergen und dicht am Meere, da wo selbst die Wege nachdenklicher werden.“ Das schrieb der Philosoph Friedrich Nietzsche. Beim Wandern können wir seiner Gewohnheit folgen und uns wie er inspirieren lassen. Wie auch jene Menschen im Bregenzerwald, von denen gerade die Rede war. Sie nutzen die Natur ihrer Umgebung als Inspirationsquelle und finden dabei den Mut, um tatsächlich Veränderung zum eigenen Wohlbefinden herbeizuführen – so steht ihrem Strahlen von innen nichts mehr im Wege. Das ist doch eine Inspiration: Seien Sie mutig!

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München Lindau

Bodensee Bregenz Zürich Dornbirn Vorarlberg

Bregenzerwald Vorarlberg – Österreich

Feldkirch

Bludenz Innsbruck Wien

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www.vorarlberg.travel www.vorarlberg.travel 4 · reisemagazin bregenzerwald

20 km

Österreich Austria


Inhalt

Bregenzerwälder Bergikone 6 Die Üntschenspitze In die Familiengeschichte gehen Die Autorin Hannah G ­ reber wandert mit ihrem Vater von Schönenbach zu den Gottesackerwänden und sinniert dabei über die kreative Kraft des gemeinsamen Gehens 8

Sommer 2021 8

Endlich ist einmal wirklich was los Gelungenes Urlaubsabenteuer nicht nur für Teenager 14

Genug ist auch ein Wert 22 Die Biobauernfamilie Lingenhel

Frisches Fußbad im Freien Orte zum Kneippen im Bregenzerwald 18

Weit weg ist ganz nah 28 Meint der Philosoph Peter ­Natter mit Hermann Hesses Roman „Siddhartha“

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22 Handwerk und Gestaltung aus dem Bregenzerwald 40 Handwerkskunst in Gastbetrieben

Zwei aus demselben Holz Die Brüder Wolfgang und Johannes ­Zündel führte ihr Weg in die Welt und in den ­Bregenzerwald zurück 30

Andacht und Raumerlebnis 42 Kleine, feine Sakralbauten im Bregenzerwald

Schubertiade Schwarzenberg Das Schubert-Festival im Jahr 2021 36 Umgang Bregenzerwald Ein Rundgang durch Lingenau 38

30 Vom eigenen Feld auf den Tisch 48 „Solidarische Landwirtschaft“ im Bregenzerwald

Kolumnen:

Aus der Luft gegriffen 13 G’hörig Wälderisch 27 Wälder, weit, weit weg 33 Armin Thurnher 34 Alphabet des Waldes 35 Aus dem Werkraum 41 Felder und Wälder 47

Service:

Buchbare Angebote 56 Tipps der Redaktion 59

Inspiriert vom eigenen Garten 50 Der Koch Michael ­Webendorfer im Hildegard-von-Bingen-Hotel ­„Schwanen“ in Bizau

48

Sommereinkehr 2021 54 Die Wirtshausküchen des Bregenzerwaldes erleben

Impressum: Herausgeber und Medieninhaber: Bregenzerwald Tourismus GmbH, Gerbe 1135, 6863 Egg, Österreich Konzeption/Redaktion: Fuchs & Partner, Wien Konzeption/Gestaltung: Frank Broger Fotografie: Adolf Bereuter Illustrationen: Ligia González Druck: VVA, Dornbirn reisemagazin bregenzerwald · 5


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Üntschenspitze. Manche leiten seinen Namen vom ­vordeutschen „Eunoschin“ her, der 1056 zum ersten Mal schriftlich erwähnt wird. Die Einheimischen sagen zum 2.135 Meter hohen Berg bei Schoppernau „Üntscheller“

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Die Autorin unterwegs mit ihrem Vater

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In die Familiengeschichte gehen Das Wandern bringt auch das Reden in Schwung. Albert Einstein schätzte im späteren Leben vor allem eines: die gemeinsamen Wege mit dem nach Aristoteles größten Logiker der Geschichte, Kurt Gödel. Unterwegs entspannen sich zwischen den beiden die eindringlichsten Gespräche. So führt uns Wandern auch zusammen

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Die Berge bringen – wie die Sauna die Skandinavier – uns in den Alpenländern einander näher

Wandern ist für viele von uns einer der wichtigsten Wege zur Inspiration. So schrieb der Philosoph F­ riedrich Nietzsche: „Unsere Gewohnheit ist, im Freien zu ­denken – gehend, springend, steigend, tanzend, am liebsten auf einsamen Bergen und dicht am Meere, da wo selbst die Wege nachdenklicher ­werden“ Die Wanderschuhe sind angezogen, der Rucksack mit genügend Proviant auf dem Rücken, erste Schritte mit meinem Vater Willi in der morgendlichen Bergluft. Noch herrscht auf dem Parkplatz in Schönenbach zwischen uns Stille, Müdigkeit und Kälte sitzen in den Knochen. Doch sobald wir Schönen­ bach durchwandert haben und die Vorsäßsiedlung hinter einer Kuppe auf dem Weg zu unserem Tagesziel, dem Hohen Ifen, verschwindet, beginnen die Worte zu fließen. Oberflächliche Themen werden schnell aufgegeben, das Gespräch erreicht Tiefe. Hoch oben auf dem Berg wandernd, umringt von der spektakulären Gesteinsformation

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des Hohen Ifen, spricht es sich besser als an einem Tisch. Vor uns liegt eine lange Wanderung, in Zukunft werden wir noch oft davon erzählen: über das Erklimmen des Gipfels, von dem langen Weg zurück – auf dem wir uns, den Wegangaben vom Vater sei Dank, sogar etwas auf dem Gottesackerplateau verlaufen – und den Steinböcken, denen wir unterwegs begegnet sind. Das Phänomen des Wanderns als Rahmen und Grundlage für Erzählungen ist Wanderbegeisterten, aber auch großen Denkern bekannt. Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse oder Thomas Bernhard ließen sich beim Wandern inspirieren. Gedanken, Gegenwärtigkeit, Gespräche und Geschichten sind mit dem Akt des Gehens eng verbunden.

Wie Wandern das eigene Denken anregt

Bei genauerer Betrachtung ist das nicht verwunderlich. „Wenn wir gehen, (…) kommt mit der Körper­bewegung Geistesbewegung“, schreibt der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard. Neurowissenschaftliche Studien beweisen, was er durch eigene Erfahrung erkannt hat: Das Bewegen in

freier Natur mit gleichmäßigem Schritt regt das Denken an. Durch die rhythmische Bewegung des Schreitens wird das Gehirn aktiviert. Das liegt an seiner ursprünglichen Funktion: Im evolutionären Prozess ist es darauf ausgelegt, den Organismus zu bewegen. Überspitzt formuliert könnte man also sagen, das Gehirn ist zum Gehen gemacht. Das Gehen fördert die Aktivierung des Gehirns und hilft bei der Formulierung von abstrakten Gedanken. Außerdem bringt das Wandern den Kreislauf in Schwung, ohne dabei die gesamte Aufmerksamkeit und Konzentration auf sich zu ziehen, und bietet so ideale Voraussetzungen für das Denken. Wandern kann den Wandernden auch ins Hier und Jetzt katapultieren. Wir sind heute allzu sehr an die gebeugte Position vor dem Computer gewöhnt, und Landschaften werden höchstens zum Bildschirmhintergrund. Durch die Aktivierung des Körpers und durch die für die meisten von uns nicht alltägliche Umgebung der Berge können wir die Umwelt intensiver wahrnehmen. Wie wichtig die sinnliche Wahrnehmung für das Verständnis der Welt ist, erklärt der französische Philosoph ­Maurice Merleau-Ponty. Was man sieht,


hört, fühlt, riecht und schmeckt, stellt unsere Verbindung zur Umwelt her. Ohne sie verlieren wir die Bodenhaftung. „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“, formuliert der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe einen ähnlichen Gedanken. Diese Verbindung zur Umwelt, die physische Wahrnehmung der Textur des Bodens, des Spiels der Lichter auf dem Waldboden oder das Streifen eines Astes am Oberarm, diese Gegenwärtigkeit führt uns auch zur Gesprächigkeit.

Wandern ermöglicht uns gemeinsame Gespräche

Wandern bringt uns durch den rhythmischen Schritt, eine erhöhte Wahrnehmung und die gefühlte Gegenwärtigkeit zum Reden. Dabei ist es vorerst völlig egal, ob diese Erzählung an ein Gegenüber gerichtet ist oder ob wir selbst das Publikum des Gedachten sind. Die Erzählung macht uns ­Menschen aus, denn erst dadurch setzen wir Begegnungen, Orte und sinnliche Erfahrungen in einen Zusammenhang, erst durch die Erzählung wird aus der einfachen Beobachtung ein Erleben. Wer allein unterwegs ist, kann dank dieser Dynamik interessante gedankliche Monologe erfahren. In der Gruppe, so wie ich mit meinem Vater und dem Hund, erleben wir den Effekt der Bewegung in der freien Natur auf die Redseligkeit. Was den Menschen im Norden ihre Sauna ist, kann den Alpenländern der Berg sein. Hier kommst du nicht aus, stehst am Berg und oft ohne Handyempfang, keine Störgeräusche des Alltags unterbrechen das Rauschen des Windes, das Zirpen der Grillen und das Rascheln des Grases. Wenn mancher Wandernder wie wir heute zu Beginn in der kalten Morgenluft noch wortkarg sein mag – nach den ersten Schritten in der Natur kommen einem die Worte von selbst. Wandern bietet nicht nur den

Unterwegs kommen einem die Worte für das gemeinsame Gespräch von selbst reisemagazin bregenzerwald · 11


idealen Rahmen für das Erzählen, die Parallelen zwischen der Struktur einer Geschichte und der Struktur einer Wanderung erklären möglicherweise auch die Beliebtheit des Wanderns bei Schriftstellern. Neben aufregenden Erlebnissen und dem Eintauchen in beeindruckende Szenerien bieten Wanderungen eine ideale Vorlage für eine Geschichte: der Aufbruch auf dem unbekannten Pfad vor sich; Wandergefährten, die man näher kennenlernen will; ein Weg voll Sehnsucht nach einem Gipfelerlebnis; das Überwinden natürlicher Hindernisse wie Grate, Sättel und Pässe; das Ausloten eigener Grenzen und schließlich der Höhepunkt nach dem Gipfelsturm. Kein Wunder, dass sich Dichterinnen und Schriftsteller Inspiration auf dem Berg holen. Der in Deutschland geborene Schweizer Autor und Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse beschreibt

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in seiner Sammlung „Wanderung“, wie er während einer Wanderung im Schweizer Tessin vom Norden in den Süden kommt und sich dabei vom ­Bürgerlichen zum Abenteurer wandelt. Das Überschreiten des Passes erzählt er so: „Noch hat mein Blick die Wahl, noch gehört ihm Nord und Süd. Nach fünfzig Schritten wird nur noch der Süden mir offenstehen. Wie atmet er geheimnisvoll aus bläulichen Tälern herauf! Wie schlägt mein Herz ihm entgegen!“ Solche Charakterwandlungen findet man auch auf den Wegen rund um Schönenbach: Wandert man zur Alpe Wölflersgunten, so geht es zunächst auf einer Forststraße durch einen Mischwald, dessen Blätter das Licht auf dem Boden tanzen lassen. Bald wird die Forststraße zu einem schmalen Pfad, der, sich an einen Felsen schmiegend, zu einer Alpe hinaufführt, die in einer

Senke liegt und Wind und Wetter zu trotzen scheint. Die Evolution eines Charakters verläuft oft auf ähnlichen Bahnen. Von der sanftmütigen, naiven Person, die ohne Hindernisse auf breiten Pfaden wandelt, entwickelt sich ein Charakter durch das Überwinden eines spektakulären, aber beschwerlichen Pfades zu einer starken, durch die Erfahrung geprägten Person. Der französische Kommunikationstheoretiker Michel Serres geht sogar so weit, zu sagen: „Man schreibt mit den Füßen“, und meint damit den Rhythmus des Gehens, der auch in vielen Gedichten den Rhythmus der Verse vorgibt.

Wanderungen bleiben uns lange im Gedächtnis

Erzählungen verbinden auch Zeit und Raum. Mit dieser Thematik setzt sich der britische Schriftsteller Robert


Aus der Luft gegriffen Unterwegs zum Gottesackerplateau, wo wir uns auf dem Rückweg dann verlaufen werden

Macfarlane in seinem Buch „Alte Wege“ auseinander. „Auf alten Wegen wird die Vergangenheit greifbar“, schreibt er, greifbar durch den „Leim“ der E ­ rzählung. Im Bregenzerwald wird dies etwa auf dem Sagenweg von Alberschwende nach Andelsbuch deutlich. Auf alten Saumpfaden wandert man auf den Spuren der sagenhaften Ilga und ihrer Brüder Merbod und Diedo, die im elften Jahrhundert im Bregenzerwald die Christianisierung vorangetrieben haben. Unsere Verbindung in Raum und Zeit mit diesen Geschwistern wird durch kleine Erzählungen auf sogenannten Sagentafeln an verschiedenen Orten deutlich. Doch auch unsere persönlichen Erfahrungen bei Wanderungen können Zeit und Raum verbinden. Wer einen Weg mehrmals geht, reichert seine Erfahrung von den ­räumlichen Gegebenheiten und ­zeitlichen Erlebnissen ständig an.

Das kann wie bei uns Grebers sogar zur Familientradition werden: Ein Ort oder Weg, der von mehreren Generationen erwandert wird, wächst zum Schatz vieler persönlicher Erzählungen und verbindet die Generationen mit den Geschichten über ihn. Dieses Phänomen erlebe ich immer wieder, denn über Generationen hat meine Familie das Gebiet rund um Schönenbach bewandert – und ihre Geschichten legen sich für mich wie Spinnweben über die Landschaft. So kann ich keinen Schritt über den Wasserstandsmesser setzen, ohne meinen Vaters zu hören, der von den Wassermassen eines Hochwassers erzählt, das er hier in seiner Jugend erlebt hat. An der Alpe „Tiefer Ifen“ vorbeiwandernd, denke ich daran, wie meine Uroma Emma, schon sehr alt und stämmig, noch eine letzte Wanderung hier herauf unternommen und meine Oma voller Sorge auf sie gewartet hat. Auch die Wanderung auf den Hohen Ifen, wo wir uns auf dem Gottesackerplateau verirrt haben, wird in die Familiengeschichte eingehen, in einer Reihe mit den Geschichten meines Vaters und dessen Brüdern über die Besteigungen des Hohen Ifen. Wanderungen liefern durch ihre Struktur und ihre Erfahrungen, bisweilen sogar Abenteuer, einen natürlichen Gesprächsstoff. Die spannendsten Erzählungen ergeben sich, wie jeder weiß, aus Irrungen und Wirrungen unterwegs. Die schrecklichste Wanderung ermöglicht die aufregendste Geschichte. Auf jeden Fall aber regen uns Wanderungen zum Reden und Erzählen an, auch währenddessen. Durch die Gegenwärtigkeit und Erfahrung der Landschaft mit unseren Sinnen, vor allem aber beim Denken und Reden unterwegs, graben sich Wandererlebnisse tief in unser Gedächtnis. So kommen wir am Berg der Inspiration zur Erzählung, ob autobiographisch oder fiktional, ob unmittelbar mit einem Gegenüber oder als Inhalt einer Geschichte, mit jedem Schritt näher. Hannah Greber

Olympiasieger im Skispringen, Sportexperte und Unternehmer ­(www.­innauerfacts.at) – Toni Innauer aus dem Bregenzerwald

Aus der Erde in Luft und Flasche

Vor ein paar Jahren lud mich der ORF ein, einen Beitrag zur Sendereihe „Erlebnis Österreich“ über den Bregenzerwald mitzugestalten. Die Sendung wurde mehrfach ausgestrahlt und ging danach den vorgezeichneten Weg ins Archiv und in die Vergessenheit. Auch bei den Protagonisten verblasste die Erinnerung. Es sei denn, man stolpert im Netz, das ja in beängstigender Weise gar nichts vergessen kann, auf digitale Spuren der Vergangenheit. Im kühlen Keller bin ich kürzlich auch auf eine analog-gläserne Erinnerung an unseren Dreh gestoßen: Ein Fläschchen des raren und damals unverkäuflichen Enzianschnapses, ein Erinnerungsgeschenk meines Klassenvorstandes aus Bezauer Hauptschulzeiten, gefüllt von Rüschar’s Franz, der die Schnapsbrennlizenz vom Vater Michl vor Jahrzehnten übernommen hat. Eigentlich ein Wunder: Wie die Erinnerungen, so löst sich die Maische aus den klobigen Wurzeln im wahrsten Wortsinn in Luft auf, um zu guter Letzt als hochprozentiger „Enzianer“ wieder informationsstrotzende flüssige Materie zu werden! Destillation nennt sich jener Teil des alchemistisch anmutenden Brennverfahrens, von dem ich gern wüsste, wie unsere Vorfahren sowas entdecken konnten. Die Energie vieler Sommer wird mit feuriger Unterstützung aus den zerhackten und vergärten Wurzeln des gelben Enzians getrieben, in hochgesättigte Luft verwandelt, um schließlich als unverwechselbar dominant riechender Niederschlag in einer Flasche gefangen zu werden. Fernsehtauglich hatten der sportbegeisterte Lehrer und sein Ex-Schüler am Steilhang unterhalb der alten Bezauer Seilbahnstation ein paar beeindruckende Wurzelgebilde der verwelkenden Enzianstauden ausgegraben. Angeblich können die urwüchsigen Speicherorgane ja über fünfzig Jahre alt werden. Das Fläschchen im Keller war nicht so alt und übrigens auch schon leer. Selbst bei guter Lagerung hält der Enzianer nicht jahrzehntelang. Es bleibt der Fantasie der Leser überlassen, wie sich denn der Verbrauch des kostbaren Inhalts in einem Sportlerhaushalt auf die Familienmitglieder und unterschiedliche Anwendungsformen aufgeteilt haben könnte.

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Wer glaubt, dass Wasser nur zum Waschen da sei, hat keine Ahnung vom Spaß in den Bregenzerwälder Bächen

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Endlich ist einmal wirklich was los! Für Kinder und ­Teenager sind die ­Schluchten der Flüsse im Bregenzerwald ein Abenteuerspielplatz, für den OutdoorGuide ­Jürgen Strolz sein Arbeitsplatz: Er bietet Canyoning-Touren an, ein sehr sportliches Naturerlebnis

Die Schlucht vor seiner Haustür war sein Spielplatz, aber mit nassen Schuhen heimzukommen war verboten. Also kletterten die Kinder von Neßlegg nur am Ufer des Wildbachs herum, bauten Dämme und schwammen im eiskalten Wasser: „Der Wasserfall war die Grenze unserer Abenteuer“, sagt Jürgen Strolz. Heute beginnen seine Arbeit und das Abenteuer genau dort: am Wasserfall. Schröcken ist seine Heimat, ein kleines Dorf knapp unter der Baumgrenze, wo sich die Straße Haarnadelkurve um Haarnadelkurve die steilen Hänge Richtung Hochtannbergpass hinaufwindet. Sein Vater Erich Strolz war Leiter

der Skischule Schröcken, neben dem Bauernhof im Ortsteil Neßlegg bewirtschaftete die vierköpfige Familie Strolz im Sommer auch eine Alpe. Jürgens erste Ausbildung war eine Tischlerlehre: „Den ganzen Tag die Berge nur von unten zu sehen, das war nichts für mich.“ Also wird er Wanderführer, Bergretter und Skilehrer. Mitte der 1990er Jahre erzählt ihm ein Freund vom Canyoning: Eine Sportart, die damals nur in Südfrankreich existierte. Dort, am Ursprungsort, absolviert Strolz die Ausbildung zum Canyoning-Guide. Erst danach wird ihm klar, dass der perfekte Ort für solche Touren direkt vor seiner Haustür liegt.

Jürgen mit Gleichgesinnten. Sein erlerntes Handwerk Tischler erschien ihm wohl zu trocken reisemagazin bregenzerwald · 15


Er hat die wilden Spiele seiner Kindheit zum Beruf gemacht: OutdoorGuide JĂźrgen Strolz

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Outdoor-Sport im Bregenzerwald Spielerisches und Abenteuerliches rund ums Thema Berg und Wasser bieten die Bregenzerwälder Outdoor-Spezialisten an. Rafting, Canoe, Canyoning, Bungy – 106 Meter HIGH 5 Events T +43 (0)5513 4140 www.outdoor.at Canyoning, Kletter- und Bergtouren, ­Kletterkurse Alpinschule Widderstein, Berg- und Skiführer, Canyoning-Guide Christian Fritz M +43 (0)660 2149207 www.alpinschulewidderstein.com Klettersteig, (Familien-)Canyoning, Kletter-Camp, Bergtouren Berg- und Skiführer Mathias Fritz M +43 (0)664 5127357 www.alpinschule-warth.com Canyoning & Abenteuerprogramme Holzschopf.com – Outdoor and more Jürgen Strolz M +43 (0)664 3801540 www.holzschopf.com Canyoning: Individual- und ­Gruppen­touren, Kurse, Verleih-Ausrüstung; geführte ­Wanderungen und Bergtouren Alpine-Passion, Jürgen Riegger M +43 (0)664 9400515 www.alpine-passion.at

So stellen sich junge Leute einen gelungenen Urlaubstag vor Der Mittelpunkt von Jürgens Strolz’ Canyoning-Zentrum ist der „Holzschopf“, ein Gästehaus mit Restaurant und Bar, das er 1998 eröffnet hat. Der Einstieg in die Schlucht liegt gleich gegenüber. Viele Jahre hat er den „Holzschopf“ selbst gemanagt, inzwischen hat der 51-jährige Familienvater einen Pächter engagiert: „Als vor zwölf Jahren meine Tochter Emily und vor neun Jahren mein Sohn Levi auf die Welt gekommen sind, wollte ich ein Vater sein, der Zeit für sie hat.“ Hunderte Menschen führen Strolz und sein vierköpfiges Team von Mai bis September durch Schluchten im Bregenzerwald. Bevor es mit Helm, Neoprenanzug und Canyoning-Schuhen über den ersten von neun Wasserfällen geht, wird Klettern und Abseilen geübt: „Im Wasserfall muss man später allein wissen, wie man durchkommt.“ Was ist mit der Höhenangst? Sie verschwinde im Ringen mit der reißenden Strömung, die den Wasserfall hinabstürzt, sagt Strolz: „Wasser ist ein greifbares Element, da wird die Höhe für die meisten nebensächlich.“ Das „Selbermachen“ im Angesicht der eigenen

Angst ist der Reiz, der das Canyoning ausmacht: „Im Wasserfall musst du all deine Ängste überwinden. Dieser Adrenalinkick und das Wissen, es geschafft zu haben, sorgen für große Zufriedenheit.“ Strolz’ Beruf hat auch viel mit Coaching zu tun: „Es ist wichtig, dass man Menschen mag. Abends ist das Team nicht nur körperlich müde, sondern auch im Kopf. Ein introvertierter Bergsteigertyp hält das nicht lange aus.“ Ob Erwachsene, Kinder oder Jugendliche, Betriebsausflüge, Junggesellenabschiede oder Schulklassen: Die Touren vom „Holzschopf“ aus sind maßgeschneidert. Auch für Familien: „Zum Teenie-Canyoning kommen Jugendliche heute zusammen mit ihren Eltern.“ Anfangs gebe es da oft lange Gesichter: „Wanderurlaube sind meist nicht das, was sich Teenager unter einem ,gelungenen Urlaub‘ vorstellen“, grinst Strolz. Aber wenn die ganze Familie mal am Seil hängt, ändert sich die Laune der jungen Menschen schlagartig: „Sie sehen, dass ihre Eltern zu ungeahnten Dingen fähig sind: Das ist ein Erlebnis, das Familien enorm zusammenschweißt.“ Babette Karner

Rafting, Kanu-Tour, Funkajak, Aqua-Hochseilgarten, geführte Höhlentouren in die Schnecken­lochhöhle, 3D-Bogenschießen Aktiv-Zentrum Bregenzerwald Lutz Schmelzinger M +43 (0)676 7837878 www.aktiv-zentrum.at Abenteuerpark, Flying Fox Park Safari, Bergtouren, Klettern, Familien- und Gruppen­ programme Alpinschule Schröcken, Berg- und Skiführer, Canyoning-Guide Josef Staggl M +43 (0)664 2525200 www.alpinschule-schroecken.at Canyoning, Klettersteige, Hütten­ wanderungen, Kanisfluh-Überschreitung Berg- und Skiführer, Canyoning-Guide Thomas Dietrich M +43 (0)664 4683999 www.der-gipfel.at Wandern, Klettern, Klettersteig, Bergsteigen mit Moses Berg- und Skiführer Markus Moosbrugger M +43 (0)664 3429465 www.mitmoses.at Canyoning, Klettern, Berg- und ­Flusswanderungen Franko Rietzler M +43 (0)680 2257927 www.frankorietzler.at Tages- und Hüttenwanderungen, Biketouren Patrick Sohler, Bizau M +43 (0)664 1798144 www.berggaude.com

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Frisches Fußbad im Freien Wenn es für den ganzen Körper zu seicht oder zu kalt ist, lassen sich die Füße ­dennoch gern auf anregendes Wasser ei­n. Auch für den übrigen Leib ist das gesund

In Bezau am Waldrand kühlt eine Wasser­trete die Füße von Wanderern und jenen, die Kneippkuren schätzen

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Pfarrer Kneipp, der sich weltweit um die Gesundheit der Menschen verdient gemacht hat, wäre im Jahr 2020 200 Jahre alt geworden. Zu seinem Vermächtnis gehören auch Gesundheitsvereine im Bregenzerwald, deren Bedeutung junge Menschen nun wiedererkennen Hinter dem Fußballplatz von Andelsbuch sprudelt eisiges Wasser aus der Brühlgrotte und fließt spiegelhell über Kieselsteine in eine Wassertrete. Eine Bäuerin kühlt ihre Füße. Eine Büroangestellte verbringt dort ihre Mittagspausen. Ein Anwohner dreht im Storchenschritt seine Runden. All das ist so wirksam wie damals, als der Pfarrer Sebastian Kneipp das heilsame Zusammenspiel von Wasser, Bewegung, Heilkräutern, Lebensordnung und Ernährung erkannte. Er gilt als Begründer moderner Naturheilverfahren und gehört laut „New York Times“ zu den drei berühmtesten Deutschen seiner Zeit – nach Bismarck und dem deutschen Kaiser.

„Saufe wöllet se alle, aber sterben will keiner“

Als Sebastian Kneipp 1821 im Allgäu zur Welt kommt, weiß man nicht, was gesund ist. Kinder trinken Kaffee und Schnaps. Frauen zwängen ihre Körper in Korsetts. Man hält ein Kilo Fleisch für gleich nährend wie ein Kilo Mehl. Antriebslosigkeit, schmerzende Gelenke und Haarausfall gehören noch zu den harmlosen Folgeschäden. Fäkalien reisemagazin bregenzerwald · 19


Daniela Berlinger am Kneippbrunnen bei der Wassertrete in Andelsbuch

landen im Trinkwasser. Mörderische Epidemien ziehen durchs Land. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist halb so hoch wie heute. Da taucht, laut und leidenschaftlich, Pfarrer Sebastian Kneipp in seiner braunen Soutane auf. Er hält glühende Reden und konfrontiert die Menschen mit kernigen Aussagen, die bis heute Geltung haben.

Der Sprung ins eisig kalte ­Wasser: erhellend

Als Kneipp Theologie studiert, ist er schwach, leidet an einer als unheilbar diagnostizierten Lungenkrankheit und findet in der Klosterbibliothek ein hundertjähriges Buch über die Heilkraft des Wassers. Also macht er Tauchbäder in der eiskalten Donau. Damit heilt er erst sich selbst und später dann andere.

Sie leitet den Vorarlberger Kneipp-Landesverband: Sylvia Jagschitz

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Im Kloster bringt er Gießvorrichtungen an. Von seiner Mutter lässt er sich den Umgang mit Kräutern zeigen. Heilungsuchende pilgern zu ihm aus Deutschland, Österreich, Amerika und Russland. Sein Hauptwerk über gesunde Lebensweise wird in 14 Sprachen übersetzt. Fanpost kommt aus Philadelphia und St. Petersburg und erreicht trotz der knappen Anschrift „Sebastian


Andrea Ritlop, Jan und Daniela Berlinger, Marco und Monika Geser zeigen: Kneipps Kuren sind aktueller denn je

Kneipp, Deutschland“ ihr Ziel. Apotheker klagen ihn wegen Kurpfuscherei an, müssen aber klein beigeben. Die „Causa Kneipp“ gelangt bis Rom, weil ihm vorgeworfen wird, ein schlechter Priester zu sein. Jahre später ernennt ihn der Papst zum Päpstlichen Geheimkämmerer. Ein internationaler Verein Kneipp’scher Ärzte formiert sich, der erste Kneipp-Verein wird ins Leben gerufen, KNEIPP-Blätter erscheinen. 1897 stirbt Sebastian Kneipp in Wörishofen.

warme und kalte Fuß- oder Armbäder, Halswickel, Essigpatscherl, Kräuter als Tee oder Bad können erste Symptome lindern. „Leider sind Wasseranwendungen, obwohl wissenschaftlich erforscht und medizinisch begründet, ein wenig aus der Mode gekommen“, sagt Jagschitz und stellt fest, dass es in manchen Gemeinden schwierig ist, Nachwuchs für den Verein zu finden. Nicht so ein paar Dörfer weiter in Andelsbuch.

Kneipps Kuren sind aktueller denn je

Junge Menschen beleben die Kneippvereine

So sagt Sylvia Jagschitz, die Vorsitzende des Vorarlberger Landesverbandes, dem 39 Ortsvereine, zwölf davon im Bregenzer­wald, angehören. In Alberschwende leitet sie den Kneipp-AktivClub, wo man sich gern bewegt und tanzt. Vierteljährlich trifft man sich beim Kneipp „Z’Nüner“ (Jause) im Pfarrheim und hört einen Kurzvortrag zu einem Gesundheitsthema. In der Kneipp-Philosophie geht es nicht um Selbstoptimierung und Perfektionismus, um Leistung oder asketischen Verzicht, sondern um Bewegung und gesunde Ernährung. Balance ist der Schlüssel. Ein Guss, ansteigende

Daniela Berlinger teilt den Vereinsvorsitz in Andelsbuch mit Magdalena Metzler. Beide sind Mitte dreißig und begeistert von ihrem Verein. „Wir haben neue Ideen und viele junge Mitglieder, die wir über unsere Kurse bekommen: Turnen, Yoga, Pilates.“ Daniela hat ihre Aufgabe von der Tante übernommen – Roswitha Wirth ist Mitte sechzig und Vorturnerin. Bei keiner schwitzt man so wie bei ihr. Mit ihrem Mann, dem Altbürgermeister Anton Wirth, und auf Initiative von Anton Pfanner wurde der Bau der Wassertrete bei der Neuerrichtung des Sportplatzes in die Wege geleitet.

Große finanzielle Unterstützung kam von der Gemeinde, vor allem aber vom Steinwerk Andelsbuch und von Werner Schedler, der die gesamten Steinarbeiten, den originellen Steintisch und den Steinhocker sponserte. Dazu kamen viele freiwillige Helferinnen und Helfer. Alle zehn Tage reinigen Roswitha und Anton Wirth die Trete. Einfach so. Weil es ihnen wichtig ist. Am Ufer stecken kleine Täfelchen in der Wiese: Rotklee (östrogenhaltig, harntreibend, krampflösend), Erdbeerblätter (blutreinigend, entschlackend), Fünffingerkraut (wundheilend, fiebersenkend), Mädesüß, Frauenmantel, Gundelrebe, Löwenzahn, Quendel, Spitzwegerich, Baldrian. Die Kärtchen hat Isabella ­Felder gemacht, Pharmazeutin und frisch dabei. Vielleicht ist Kneipps 200. Geburtstag ein Anlass zu erkennen, dass wir so leben, wie er sich das gedacht hat – im Einklang mit Natur und Seele. Es gibt viele Gründe, um einen kühlen Kopf zu bewahren: Besonders im heißen ­Sommer an allen Brunnen, mit denen dieses Land gesegnet ist, bei der Wasser­ trete an der zauberhaften kleinen Mühle in Bezau, beim Barfußweg in Bizau und zuhause in jedem Zuber. Irmgard Kramer reisemagazin bregenzerwald · 21


Genug ist auch ein Wert Sagt die Biobäuerin Agathe Lingenhel. Ihr Mann Karl und seine Kuh stimmen ihr dabei wohl zu

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Seit 2016 verfüttert Karl Lingenhel kein Kraftfutter mehr an seine Kühe

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1999 haben Karl und ­Agathe Lingenhel ihren Hof in Doren auf biologische Landwirtschaft umgestellt, was damals zumeist noch belächelt wurde. Heute halten sie Kühe und produzieren Käse, Honig und Obst, Schnaps und geben Kochkurse. Alles im Einklang mit der Natur Doren. Der Rundumblick von hier aus ist vor allem Richtung Süden einzigartig. Von der Winterstaude zur Kanisfluh, von den fernen Damülser Gipfeln bis zum sanften Voralpenhügel des Hochälpeles: wie ausgebreitet liegen die Bregenzerwälder Berge da. Auf der Fahrt von Bregenz über Langen nach Doren begegnet mir an diesem bewölkten Sommermorgen kaum jemand, außer – und das ist Vorarlberg! – eine Straßenkehrmaschine. Sie kehrt die blitzsaubere, sich entlang von Wald und Kuhweiden schlängelnde Landstraße noch sauberer. Am Biohof von Karl und Agathe ­Lingenhel, einem großen Anwesen

an der Straße von Doren Richtung Krumbach, herrscht vormittags emsige Betriebsamkeit. Im großen, alten Schopf wird ein langes Brett zurechtgesägt, während ich im Lift mit Tochter AnnaLena in den modernen Teil des Hofs hinuntergleite. Vor den weiten Fenstern des neuen Seminarraums liegen die Berge im Dunst. Hühner staksen durch den Spätsommergarten. In der geräumigen Wirtschaftsküche nebenan rührt Anna-Lenas Mutter Agathe in einem großen Kochtopf. So vieles gibt es heute auf dem Biohof Lingenhel: Honig und Obst, Kühe und Käse, Schnaps und Kochkurse. Und seit 2018 auch einen sehr beliebten Hofladen. Eine Vielfalt, die über die Jahre mit dem Wissen und Tun der Hofbesitzer organisch gewachsen ist: „Die Umstellung zum Biohof passiert im Kopf“, sagt Karl Lingenhel. „Der Rest folgt mit der Zeit.“ 1999 übernimmt er als jüngster Bruder der sechs Lingenhel-Geschwister den Hof der Eltern mit dem festen Vorsatz, ihn auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Die Folgen der Verwendung von Kunstdünger haben den heute 56-Jährigen, der die Landwirtschaftsschule in Hohenems absolviert hat, früh von der konventionellen

Die Lingenhels bewirtschaften 23 Hektar Boden biologisch

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Landwirtschaft abgebracht. „Wir haben meinen Eltern unsere Pläne damals geschildert. Aber ich weiß nicht, ob sie wirklich realisiert haben, was das bedeutet.“ Bald sind die Lingenhels Dorfgespräch. „Eines Tages sind meine Eltern aus dem Dorf zurückgekommen und haben entgeistert gefragt: ‚Es heißt, wir sind jetzt bio?‘„ Karl und Agathe lachen. Es könne schon sein, dass man sie damals in Doren für Spinner gehalten habe: „Aber so leicht bin ich von meinem Weg nicht abzubringen.“ Heute werden 23 Hektar Boden bewirtschaftet, 25 original Braunviehkühe mit Hörnern stehen im Stall. „In diesem Verhältnis können wir Nahrung


Seit die Kühe kein Kraftfutter mehr fressen, seien sie gesünder und agiler, erklärt Karl Lingenhel für die Tiere herstellen und finanziell ausgewogen wirtschaften“, sagt Karl. 2012 ließ er den Stall zum Laufstall umbauen, um den anfallenden Festmist nach der Kompostierung als Dünger zu verwenden. Seit 2016 bekommen die Tiere kein Kraftfutter mehr: „Seither sind unsere Kühe gesünder und agiler.“ Aus den Früchten der alten Hochstammbäume, die auf den Wiesen rund um den Hof stehen, brennt Karl seit 2000 Schnaps in der eigenen Brennerei. Agathe, die auf dem Riefensberger Bauernhof ihrer Eltern immer gern mitgeholfen hat, aber eigentlich ausgebildete Schneidermeisterin ist, kocht daraus Marmeladen, Sirups und C ­ hutneys. Weil die Familie nicht alles selbst essen kann,

Im eigenen Hofladen werden die Produkte der Lingenhels verkauft reisemagazin bregenzerwald · 25


Familie Lingenhehl: Lisa, Agathe, Kevin, Anna-Lena, Karl, Laura

Agathe Lingenhel bei ihren Bienenstöcken

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fangen sie irgendwann an, LingenhelProdukte auf Märkten in Vorarlberg zu verkaufen: „Die Leute haben so viel Freude mit unseren Sachen!“, sagt Agathe. „Ich hätte nie gedacht, dass mich dieser direkte Kontakt zu den Menschen so sehr erfüllen würde.“ Die offizielle Bio-Zertifizierung ihres Hofs ist den Lingenhels sehr wichtig: „Sie ist Bestätigung und Anerkennung für die Qualität unserer Arbeit, und ein wertvoller Nachweis für alle, die bei uns einkaufen.“ Aus dem Hofverkauf von Marmeladen, Honig, Schnaps und Käse ist ein kleiner Laden geworden, aus Brotbackkursen für Bekannte sind professionelle Seminare und Kurse für Kinder, Schulklassen sowie Erwachsene entstanden. Dazu ein neuer Gebäudeteil mit Hofladen, Küche, Seminar- und Lagerräumen. Trotzdem blieb der Biohof Lingenhel ein Familienbetrieb. Die beiden mittleren Töchter Anna-Lena und Laura arbeiten inzwischen genauso mit wie Karls Mutter Hildegard, die vor allem die Arbeit in der Küche liebt. Lisa, die


G’hörig Wälderisch Birgit Rietzler, Dichterin im Bregenzerwald, stellt typisches „Wälderisch“ vor

Im Wold louft allarhand ­umanand.

Im Bregenzerwald laufen allerhand ­Menschen herum. Z. B. Feodroblausar, Schäufolar, Häbisepflanzar und Löblefreassar.

Z. B. Federnblaser, Schäfer, Werkzeugpflanzer und Brötchenfresser. Gmoant sand domit: Ouar, Schoppornouar, Schneapf­ ouar und Mellouar.

Beim Brotbackkurs der Lingenhels an ihrem Hof

Gemeint sind damit: Auer, Schoppernauer, Schnepfauer und Mellauer.

älteste Tochter, hat den gelernten Beruf der Mutter ergriffen: Sie ist Schneidermeisterin bei Trachten Moosbrugger in Bezau. Sohn Kevin, der Jüngste, geht noch zur Schule. Marketing machen die Lingenhels nicht. Dank der Mundpropaganda für ihre Kurse und Produkte können sie sich vor Anfragen kaum retten: „Irgendwann wird es wichtig, auch einmal Nein zu sagen“, gesteht Agathe. Es gilt ein vernünftiges Maß zu halten, dessen sind sich beide trotz ihrer scheinbar endlosen Energie bewusst: „Es muss nicht immer mehr sein“, sagt sie. „Genug ist ein Wert, der heute allgemein unterschätzt wird.“ Die beiden wirken so gelassen und überlegt, so warm und gleichzeitig zurückhaltend. Es scheint,

Und an Hufa Lüt, wau Husnämo hind und an Hufa, wau Übrnämo hind.

als würde das Leben im Kreislauf der Natur auch ihre seelische Verfassung runden: „Wenn man statt eines endlosen ‚Schneller, höher, weiter‘ den Kreislauf der Natur akzeptiert, statt sich gegen sie zu stemmen, hat man es am Ende leichter – und nicht ­schwerer.“ Als die Lingenhels 2019 in Berlin mit dem CERES-Award als „Biolandwirte des Jahres“ ausgezeichnet wurden, stellte man ihnen die Frage, was denn nun als Nächstes kommen soll: „Das wissen wir nicht!“, antwortete Agathe. „Manches ist noch nicht fertig, aber wir sind zufrieden. Es ist wunderschön, in und mit dem, was wir haben, zu wirken und zu werken. Für uns passt es so, wie es ist.“ Babette Karner

Und viele Leute, die einen „Hausnamen“ haben oder einen Spottnamen.

Ma treafft Lütoschüe und Vehnäsche, Luschtige und Halbluschtige.

Man trifft Menschenscheue und Tierliebende, Lustige und Halblustige. Jömmr-Orgla und Guat-Ghumörte, Gschiede und Gschiednasate.

Jammer-Orgeln und Humorvolle, Gescheite und Hochnäsige. Sprüch-Machar, Hähl-Giegar, abr ou andr wau s‘ Mul im Sack hind.

Sprücheklopfer, Heuchler, aber auch andere, die nie etwas sagen.

As git grade Michl und ghörige Fützlar, wilde Siacha und Luam-Südar.

Es gibt Geradlinige und sehr Ängstliche, wilde Typen und Langeweiler. Di oana bringt nix usm Koars und andra schtebt allad glei s Kälble.

Die einen bringt nichts aus der Fassung und andere sind schnell gekränkt. As git kalbate Kälbr, Gügge, Fläde, Dödl, Hoare, ­Blösche, Kitze und Döschle.

Das sind Spezies, die in ihrem Benehmen manchmal aus der Reihe tanzen. Ischt ou gli! Allad tua wia d‘ Lüt machat no kan Minsch us dear.

Ist auch egal! Immer tun wie die Leute macht noch keinen Menschen aus dir. As sand alle zejscht amaul mit do Mugga gfloga.

Es sind alle vor ihrer Zeugung „mit den Mücken geflogen“.

Und d‘ Ise putzo müssod ou alle amaul, und mitnia ka koanar eaz.

Und sterben müssen auch alle einmal, und mitnehmen kann keiner was.

Produkte aus dem Hofladen der Familie Lingenhel reisemagazin bregenzerwald · 27


Weit weg ist ganz nah Der Philosoph Peter ­Natter nimmt sich im Bregenzer­ wald ein Buch vor und liest es mit Blick auf seine ­unmittelbare Umgebung. Diesmal Hermann Hesses „Siddhartha“ Allenthalben werden Umwege als kulturstiftend propagiert und Unvereinbarkeiten zu versöhnen versucht. Mich dem Bregenzerwald auf dem Weg über Indien – noch dazu ein mythisch überhöhtes, religiös mehr als nur angehauchtes Indien, in dem Buddha auftritt und Gurus den Ton angeben, wo nicht Klischees herrschen – zu nähern: Wenn das keine Umleitung ist! Was die Klischees betrifft und ihren internen und externen Gebrauch zu allerhand halbheiligen Zwecken, könnte der Bregenzerwald eventuell mithalten, aber sonst ist er von jedem Indien weit entfernt, was gewiss seine Ordnung hat. Es ist ein noch immer unterschätzter, in gewissem Sinne aber ein echter Klassiker, den ich diesmal in den Bregenzerwald mitgenommen habe; nicht im strengen Sinn, aber in fast jedem andern. Hermann Hesse (1877 – 1962), ein in Deutschland geborener Schweizer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger, und sein „Siddhartha“ sind ein unsterbliches Gespann geworden. Dass die Geschichte in Indien spielt, ist natürlich kein Zufall, dennoch sind Hesses eigene Lebenswelten, der Bodensee, das Tessin, unauflösbar darin verwoben; da kann auch der Bregenzerwald eine gewisse Nähe reklamieren. 2020 ist das Werk hundert Jahre alt geworden und seitdem in zahlreichen Ausgaben und noch zahlreicheren Auflagen (z. B. Suhrkamp Taschenbuch 182, erste Auflage 1974, 70. Auflage 2018) erschienen. Eine Besonderheit ist mit Sicherheit auch die Leserschaft dieses Buches: Wie kaum ein anderes wird

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es mit Kopf und Herz, Verstand und Emotion gelesen. Siddhartha geht, nein: Er macht seinen Weg. Das beginnt damit, dass er sich von seinem Vater, einem Priester, die Freiheit erzwingt, indem er sich eine Nacht lang nicht von der Stelle rührt. „Stehen ist eine Handlung“, sagt der Philosoph Hans Blumenberg. Der junge Siddhartha veranschaulicht das kompromisslos. Er geht in den Wald, wird Asket, begegnet Buddha. Ein letztes Ziel findet er in all dem nicht. In einer Stadt lernt er die Liebe und das Geld kennen, wird erfolgreicher Geschäftsmann und gelehriger Liebhaber einer Kurtisane. Von heute auf morgen verlässt er Haus, Geschäft, Geliebte samt Sohn. Am Ende ist Siddhartha ein alter Mann, weise, erleuchtet, allein, ein reglos an seinem Fluss Sitzender: ein Erhabener. So weit, so gut. Und jetzt der Bregenzer­wald. Ich sitze inmitten grüner Wiesen, der Blick geht auf Wald und Berge, Täler und Hügel. Erleuchtung ist weitum nicht das primäre Anliegen, sondern Arbeit, Funktion, Material, Handwerk, Gewerbe, Produktion und derlei mehr. Dass ich mich hierher zurückziehe, um zu lesen und zu schreiben, ist ein Anachronismus, ja ein Anta­gonismus, ein Gegensatz. Allerdings einer, der deutlicher ist, als mir lieb sein kann. Vor vierzig Jahren noch bin ich in die Region gekommen, um meine Ferien zu verbringen und fest mitzuhelfen beim Heuen: rechen, zetten, Fuder stampfen, Himbeersaft trinken, Kuchen essen. Hat alles dazugehört. Auch wenn heute kaum ein Mensch mehr einen Rechen in die Hand nimmt und generell manches anders geworden ist: Schön war’s trotzdem und es bleibt schön. So viel Romantik darf sein. Dafür demonstriert es dem Leser die Stadt als Welt der „Kindermenschen“, in der sich Siddhartha nach seinem Heiligkeitstrip allzu wehrlos-leichtgläubig wiederfindet. Erfolg und Geld, Geschäft

und Konkurrenz sind die herrschenden Parameter. Doch das ist nicht alles. Sobald das Rascheln der Buchseiten zum vorherrschenden Geräusch geworden ist, zeigt es sich: gerade auch hier, im Bregenzerwald. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ein alter Hedonist wie ich darüber sinniert, was einem jungen Asketen wie Siddhartha heute im Bregenzerwald widerfahren würde. Nun, was wohl? Wenn er Glück hat, trifft er auch auf eine so schöne und konsequente Lehrerin wie Kamala. Warum nicht! Und was lernt er dann?


Er lernt, wie man so schön sagt, Land und Leute kennen, aber richtig. Wahrscheinlich würde sein jugendlicher Hochmut in all dem genusszentrierten Treiben ebenfalls in Übermut ausarten. Genau dann würde ihn seine Lehrerin mit der notwendigen Strenge ermahnen und zur Ordnung rufen. Zur Ordnung rufen? Ja, genau, zu jener uralten Ordnung, Herkunft, Tradition, aus der all das Heutige herkommt. Wie Siddhartha aus der Welt der Kindermenschen an den Fluss zurückkehrt und Fährmann

wird, besinnt sich unser Asket auf den Fluss der Dinge, den Strom der Zeit. Er hält inne und schaut sich um. Vielleicht geht es ja exakt darum, um das Schauen und somit ums Sehen: „Er sah Bäume, Sterne, Tiere, Wolken, Regenbogen, Felsen, Kräuter, Blumen, Bach und Fluss, Taublitz im morgendlichen Gesträuch, ferne hohe Berge blau und bleich, Vögel sangen und Bienen, Wind wehte silbern im Reisfelde.“ So könnte es noch heute sein, auch wenn der Wind eher über Alpwiesen weht oder durch das Achtal. Das Schauen

geht über ins Betrachten und aus der Betrachtung wird eine Meditation, ein Aufgehobensein im doppelten Sinn: in dem der Tradition und in dem des Übergangs. Dann haben wir sie wieder, die Herausforderung unserer Tage, wo es gilt, die Schnelligkeit der Über- und auch Untergänge zu versöhnen mit dem Bewahren des Bewährten. Was hat es für eine Bewandtnis mit dieser Geschichte? Die Bewandtnis ist ein schönes Wort. Es kommt aus dem Umkreis der Bedeutsamkeit, wo es die Philosophen verorten (Hans Blumenberg: „Die Arbeit am Mythos“), die Denker, die um Erleuchtung Ringenden, die dem Licht Zugewandten. Wenn ich vor dem Großdorfer Häuschen frühstücke, während über dem Hittisberg die Sonne aufgeht, ist mir Siddhartha so nahe wie der Bregenzerwald. Das könnte auch damit etwas zu tun haben, dass die beiden zusammengehören, etwas miteinander zu schaffen haben – und zwar dort, wo sie um das genuin Eigene ringen, wo sie sich verteidigen gegen die Herkunft wie gegen die Zukunft, wo sie stillstehen, um den Fortgang zu sichern und wo sie den Fortgang forcieren, um ihr Bleiben zu sichern. Ob man das auch weniger poetisch, weniger verschlüsselt, direkter sagen kann? Womöglich, aber das wäre dann nicht nur barbarisch, sondern wahrscheinlich einfach ein wenig feig. Feig? Weil es allemal gründlicher ist, sich Zeit zu nehmen, als sie sich zu vertreiben. Damit sind wir ganz nahe an meinem Bregenzerwald, in dem die Zeit tatsächlich ein wenig stillsteht: dann und wann. Es ist ein Bregenzerwald, in dem alles seine Zeit und seinen Ort hat, seinen oder keinen. Das heißt, er konkurriert nicht um jeden Preis mit aller Welt. Das klingt nach einem bescheidenen Programm. Hermann Hesses „Siddhartha“ lehrt, dass diese Bescheidenheit in Wirklichkeit Demut ist, die aus der Größe erwächst. Mein Bregenzerwald sitzt am Ufer des Flusses. Das ist ihm Sein genug. Peter Natter reisemagazin bregenzerwald · 29


Zwei aus demselben Holz Die Brüder Johannes und Wolfgang Zündel haben ihren jeweils ­eigenen Weg rund um die Welt in den ­Bregenzerwald gefunden

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Diese Geschichte hat alle Zutaten für ein Märchen: zwei Brüder, die weggingen und wiederkamen. Und die Liebe des einen zum Holz, des anderen zu Menschen und die beider zum Bregenzerwald. Gut, dass es kein Märchen ist und sie ihre Freude weitergeben können

Wolfgang (links), der Jüngere, hat sich der Arbeit mit Holz, Johannes der mit Menschen verschrieben

Es war vor sechs, sieben Jahren. Da sind Johannes und Wolfgang Z ­ ündel von Schwarzenberg ausgezogen. Gemeinsam. Der Ältere, Johannes, war 25 und hatte eine Ausbildung als Elektriker und zahlreiche Reisen nach Asien hinter sich, der drei Jahre jüngere Wolfgang derweil begonnen, in einem Architekturbüro zu arbeiten. Sie zogen hinter den großen Berg nach Dornbirn. In eine Stadt, die von den Menschen im Bregenzerwald bemerkenswerterweise stets als „Land“ bezeichnet wird. Die Brüder lebten dort in einem kleinen, alten Häuschen. Doch Wolfgang hatte eine Vision. Dafür musste er bald in eine bedeutend größere Stadt, nach Wien. „Ich war noch nie ein ‚Höttlar‘ (unordentliche Person). Ich hatte einen Plan: den väterlichen Schreinerbetrieb übernehmen, aber zuvor etwas Neues, Eigenes schaffen und das mit dem Bewährten verbinden.“ Wolfgang entwickelte Massivholzbetten und gründete die Firma Zirbenwolf. Gefertigt wurden die Möbel in Schwarzenberg, vermarktet und verkauft, jedenfalls in den Anfangsjahren, in Wien. „Hier im Bregenzerwald gibt es ein tief verwurzeltes Bewusstsein für Holz. Beinahe jeder hier hat einen Schreiner in der Familie und somit wohl auch ein gutes Bett. Doch Wien ist, jedenfalls war, in Sachen Massivholzmöbel eine Marktnische.“ Der Zirbenwolf war auf Messen präsent, konnte im Kontakt mit ­Kunden überzeugen. „Das ist wichtig. Denn nur, wer das Bett sehen und das Holz riechen kann, versteht den reisemagazin bregenzerwald · 31


Wolfgang Zündel arbeitet gern mit Holz. Sein Lieblingsbaum ist die Zirbe Unterschied zu einem Kaufhausteil. Wer dann noch erfährt, dass das Bett zur Gänze aus Holz besteht, es also komplett rückstandsfrei ohne schwarzen Rauch verbrennen könnte, dessen Vertrauen ist gewonnen.“ Mittlerweile ist Wolfgang wieder nach Schwarzen­ berg gezogen, hat sein Sortiment auf andere Möbel erweitert und den Markt Richtung Deutschland und der Schweiz ausgebaut. Wesentlich weiter weg von zuhause hat es Johannes gezogen. Nach dem kurzen gemeinsamen Dornbirn-Zwischenstopp landete er zunächst einmal in Indien. „Ich war unruhig und auf der Suche nach mir selbst. Als ich in Indien einen Yogameister kennengelernt habe, bin ich bei ihm geblieben und habe von meinem inneren Gleichgewicht erfahren.“ Das war dann allerdings, zurück in Europa, bald wieder aus dem Lot. „Ich habe im Winter als Skilehrer gearbeitet. Eines Tages ist mir von einer Sekunde auf die andere klargeworden, dass das, was ich gerade mache, verkehrt ist. Dass es mir widerspricht, vor allem meiner inneren Geschwindigkeit. So bin ich wieder zurück nach Asien, diesmal nach Thailand, habe die Ausbildung zum Yogalehrer gemacht und auf einer kleinen

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Insel gelebt. Das war meine Rettung und mein innerer Wegweiser.“ Und ist es geblieben. Zurück in Vorarlberg, zog auch Johannes wieder nach Schwarzenberg, in ein 350 Jahre altes Haus, Richtung Bödele gelegen. Auch ein Sanierungsfall, der immer noch andauert. Wie es geht, weiß Johannes, hierin ganz Sohn seines Vaters. Auch hilft er bis heute im mittlerweile brüderlichen Betrieb mit. Dennoch ist für ihn klar: „Ich möchte mit Menschen arbeiten. Vor einem Jahr habe ich eine Shiatsu-Ausbildung abgeschlossen, mache eine Ausbildung zur Cranio-Sacral-Therapie, bin Yoga-Lehrer und Yoga-Therapeut. Die unterschiedlichen Methoden sind Instrumente, die ich wie aus einem Werkzeugkasten wählen kann. Wenn jemand zu mir kommt, kann ich auf seine Bedürfnisse passend reagieren.“ Johannes bietet unter dem Namen „Shiwayo“ Kurse und Behandlungen an. Shiwayo setzt sich aus Shiatsu, Yoga und Wald zusammen. „Es ist immer die Natur, aus der ich schöpfe. Nur wenn ich selbst im Gleichgewicht bin, kann ich als Therapeut arbeiten. Ich hole mir Kraft in den kalten Bächen des Bregenzerwalds und bei den Bäumen am Bödele.“ Da ist es

wieder: der Baum, das Holz. Die Arbeit mit Holz und jene mit Menschen haben wohl mehr gemeinsam, als man anfangs denken würde. „Mein Lieblingsbaum ist die Zirbe“, sagt Wolfgang, „majestätisch trotzt sie hoch oben in den Bergen Wind und Wetter. Ihr Holz ist ölig, reguliert die Luftfeuchtigkeit, ist also wie für ein Bett gemacht. Doch jedes Holz hat seine Qualität. Die Arbeit damit fängt mit Wertschätzung an: Ich möchte ehren, wo es wächst, und es richtig behandeln. Dazu gehört auch, dass wir es beim richtigen Mond in heimischen Wäldern schlagen.“ Zeit ist auch für Johannes ein wichtiger Faktor. „Wir alle leben viel zu schnell, haben kaum Zeit zum Atemholen. Dabei könnten wir von Bäumen lernen, wie sie mit den Jahreszeiten leben, dem Rhythmus der Natur folgen. Ich schaue mir oft die alte Kassettendecke in meinem Bauernhaus an. Da bekomme ich eine Ahnung davon, wie lange das Holz wachsen musste, wie lange es gelagert wurde, bevor es eingebaut werden konnte. Unsere Vorfahren wussten all das und das Holz erzählt es uns. In seiner Geschwindigkeit. Wir müssen nur lernen zu hören.“ Carina Jielg


Wälder, weit, weit weg Der Musiker Bartholomäus Natter berichtet von Menschen aus dem Bregenzerwald, die in der Fremde wirken

Museilärare in Stockholm

Johannes bietet „Shiwayo“ an, eine Kombination aus Shiatsu, Yoga und Wald. „Ich hole mir Kraft in den Bächen des Bregenzerwaldes und bei den Bäumen am Bödele“

„Museilärare“ heißt so viel wie Museumslehrerin; das ist der Beruf von Anna Maria Willi Persson. Ich darf Annemarie zu ihr sagen, von Wälder zu Wälderin ist das fast selbstverständlich. Sie arbeitet seit 2009 als Museumspädagogin in den königlichen Schlössern in Stockholm sowie als Pädagogin in einem Kindergarten, in dem sie Kinder mit besonderen Bedürfnissen betreut. Annemarie lebt seit 1999 in Schweden, der Liebe wegen verschlug es sie ins Venedig des Nordens. Sie mag ihren Job, denn er ist abwechslungsreich: „Verschiedene Schlösser, verschiedene Besuchergruppen, verschiedene Sprachen. Ich bin ein Türenöffner, der gern Kindern und Erwachsenen neue Welten zeigen will!“ Dass sie ihr Wissen über Geschichte im Allgemeinen und Kunstgeschichte im Besonderen, pädagogisch und rhetorisch aufbereitet, weitergeben kann, gefällt der gebürtigen Schoppernauerin besonders. Ein spezielles Anliegen sind ihr dabei die jungen Besucher, denn Kinderführungen und -aktivitäten zählen zu ihren Schwerpunkten. Im Laufe der Zeit hat sie sich immer mehr Themenbereiche zu eigen gemacht und konnte so eigene Themenführungen planen und durchführen. Diese befassten sich unter anderem mit Deckenmalereien im Königlichen Schloss, mit den schwedischen Reichsinsignien oder mit der Königlichen Begräbniskirche, der Riddarholmskyrka, auf der kleinen Insel Riddarholmen im Zentrum Stockholms. Obwohl sie sich in Schweden wohlfühlt und Stockholm besonders für seine Nähe zur Natur und die hohe Lebensqualität schätzt, hat Anne­ marie Willi Persson doch Wurzeln im Bregenzerwald. „Ich verfüge über ein Familien-, Verwandtenund Bekanntennetz hier, das ich pflege“, erzählt sie mir, „und ich komme so oft wie möglich, zwei bis dreimal pro Jahr.“ Am liebsten macht sie Besuche im Sommer mit ausgedehnten Berg- und Wandertouren, auch ihre Töchter sind gerne im Bregenzerwald, vor allem im Winter zum Skifahren. Die Corona-Krise ist leider auch an ­Annemarie nicht spurlos vorübergegangen. Aufgrund des Virus gab es 2020 kaum Arbeit im Schloss. Ob und wie es weitergeht, wird die Zukunft zeigen.

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Auf eigenem Grund Mit dem Pianisten Alfred Brendel im Bregenzerwald – und in den eigenen ­Erinnerungen an eine zeit­ genössische Ideallandschaft

Eine Grafik des im Bregenzerwald geborenen Künstlers Tone Fink

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Kürzlich vereinbarte ich mit den Herausgeberinnen dieser feschen Publikation, für deren geplanten Podcast einen der ersten Texte zu lesen, den ich vor Jahren hier veröffentlichte. Es ist ein Auszug aus meinem Roman „Der Übergänger“, und die Damen mussten gespürt haben, wie wichtig mir die Sache war. Sie pickten dafür naturgemäß eine Passage heraus, die mit dem Bregenzerwald zu tun hat. Der Roman handelt ja vom Thema der Verehrung, einer sehr unzeitgemäßen Sache, wie ich damals dachte. Das Kapitel schildert einen Ausflug, den wir mit dem Pianisten Alfred Brendel (er war das Objekt der Verehrung) nach Damüls unternahmen. Vorangegangen war unser erstes Interview in Schwarzenberg. Es war nicht unsere erste persönliche Begegnung, aber die erste ausführliche. Brendel war mit seiner Gefährtin Maria Majno da, und sie luden meine Frau Irena Rosc (sie machte die Fotos) und mich nach dem Gespräch zum Essen in die Alte Mühle zwischen Schwarzenberg und Egg. Danach fuhren wir nach Damüls, wo wir die unverhoffte Begegnung mit einem Gemälde machten, das es dann sogar auf das Cover des Romans schaffte. Ein monumentales Ölgemälde, das hinter einer unauffälligen Tür zu einem Nebenraum der Kirche versteckt war. Eine Höllenszene, das die Teufelslust und den bizarren Humor des Pianisten befriedigte, schöner hätte es nicht kommen können. Für Franz Michael Felder konnte ich ihn nicht begeistern, obwohl Brendel


Alphabet des Waldes Der Bregenzerwälder Reinhard Johler lehrt am Ludwig-Uhland-­Institut für Empirische ­Kulturwissenschaft der ­Universität Tübingen

ein geradezu vielfräßiger Leser ist. Aber seine Lektüre strebt doch oft zur Musik oder zum Klassischen. Dafür mochte er die Legende von der Bezegg mit ihrem Ritual zwangsmäßig beschleunigter Entscheidungsfindung. Und er liebt den Bregenzerwald, Schwarzenberg zumal. Der Vorschlag, uns dort zu verabreden, kam von ihm. Dann können wir uns zwischen die Kühe in die Wiese legen und plaudern, lachte er. Im Garten des Gasthofs Hirschen war es dann auch später fast wie in der Wiese. Nur schöne, sonnige Erinnerungen mit Brendel an den Bregenzerwald. Da kam es mir gelegen, dass mir die Podcastmacherinnen ein paar Fragen mitschickten, die ich beantworten sollte, mündlich. Ihnen verrate ich die Notizen, die ich mir dazu machte. Meine ersten Erlebnisse im Bregenzerwald waren Wanderungen mit den Eltern in der Mitte der 1950er Jahre. Vor allem aber ein Urlaub auf einem Bauernhof in Schwarzenberg. In jener mageren Zeit war es ein Milch- und Butterparadies, der Vater baute mit mir eine Laubhütte im Wald mit Blick hinunter aufs Dorf. Wir sammelten Holz und grillten Würstchen über dem Feuer, die Kühe waren da, aber die ängstigten mich nie, mit denen war ich von klein auf zusammen. Die Lederhose genügte als einziges Kleidungsstück, als störendes Element erwies sich bloß ein deutscher Bursche meines Alters, mit dem ich dauernd raufen musste, was insofern bedauerlich war, als er kräftiger war als ich. Wenn ich jetzt im „Wald“ ankomme, erlebe ich naturgemäß meine ersten Erlebnisse wieder. Was sich alles verändert hat! Das meiste zum Positiven, muss ich wirklich sagen. Allerdings fehlt schmerzlich das Wälderbähnle, das durch meine Kindheit dampfte und mit dem wir zu manchem

Schulausflug fuhren. Dass die Straße durchs Schwarzachtobel durch einen Tunnel ersetzt wurde, betrachte ich als Komfort. Und schon bin ich mitten in dieser unerreichten Gleichzeitigkeit von Tradition und Moderne, von Natur und Technik, die mir so gut ausbalanciert erscheint wie fast nirgends auf der Welt. Ich denke auch an die Langener Straße, über die man als Bregenzer in den Vorderwald kommt. Ich komme aus der Stadt, die dem Wald den Namen gibt. An der Langener Straße wuchsen die ersten und fettesten Primeln. Auf diesem Weg, im Schatten der Nagelfluh des Känzele und des Pfändermassivs gelangt man in den sanften Vorderwald, wo nicht die Moderne dominiert (ohne dass sie fehlte, im Gegenteil, wir haben ja das legendäre Krumbach). Nein, hier entfaltet sich die Landschaftskulisse vom weiten Mittel- zum immer enger werdenden Hochgebirge. Und wenn ich an diese Region denke, denke ich an die zahlreichen O ­ riginale, die unbeugsamen Sonderlinge, die wichtigen besonderen Männer und Frauen mit den besonderen Kräften, die es so zahlreich wohl nur hier gibt. Ich denke daran, dass Kultur eine gelebte Sache sein muss, und wie sehr eine Kulturlandschaft von Menschen gemacht wird, die sich nicht gleich alles nehmen lassen, die das Eigene schätzen, ohne engstirnig zu werden. Die deshalb die Moderne aus aller Welt zulassen, weil sie, auf ihrem eigenen Grund stehend, genug Selbstbewusstsein entwickelt haben, von der Alpwirtschaft bis zum modernen Tourismus und den Holzbaukünstlern. Ja, vielleicht ist das alles ein wenig verklärend, aber in gewisser Weise betrachte ich den Bregenzerwald als zeitgenössische Ideallandschaft. Ich freue mich aufs Skifahren in Damüls, wann auch immer. Armin Thurnher

Höua Keine andere Arbeit hat den Bregenzerwald über Jahrhunderte hinweg so geprägt wie das Heuen. Gras bildete dabei die Grundlage der Viehhaltung, die in einer bäuerlichen Dreistufenwirtschaft im Tal, im Vorsäß und in den Alpen betrieben wurde. Heu machte erst Sesshaftigkeit in den Dörfern dauerhaft möglich. Kein Wunder daher, dass im Tal ständiger Mangel an Heu herrschte. So mussten nicht wenige Bauern ihr Vieh in die Schweiz „verstellen“. Ein Reicher, so heißt es daher auch heute, hat Geld wie Heu. Das Heu wurde in den Ställen auf dem Heuboden über dem Vieh gelagert. Aber ebenso wichtig waren zur Lagerung die Heuhütten auf den Berg­wiesen. Dort wurde es mit „Hoanar“ genannten Holzschlitten im Winter in die Bauernhöfe ins Tal gebracht. Ums „Höua“ kreiste das Leben der ­Menschen während des Jahres. Das „Höua“ hat den ganzen Sommer in Anspruch genommen: Je nach Wetterlage fand auf den Fettwiesen zwischen Ende Mai und Mitte Juni der besonders ertragreiche Schnitt „Wieashöu“ statt. Dem folgte im Monatsabstand der „Ohmad“, „Woad“ oder „Schtrofomahd“ war der dritte, aber am wenigsten ertragreiche Schnitt. Für das Heuen hatte jeder Bauernhof sein eigenes Arbeitsgerät: das „Höugschieor“. Dazu gehörten die „Hoaza“, die Holzgestelle zum Trocknen des Heus bei nassem Wetter, die „Höugabl“ (Heugabel), der „Höureacha“ (Rechen) und der Leiterwagen („Loattrwaga“), mit dem das Heu verstreut, zusammengeführt und schließlich zum Heuboden gefahren wurde. Eine ganz besondere Bedeutung hatte die Sense, die „Seagas“. Sie musste nach 20 bis 50 Metern Schnitt mit dem „Wetzstuo“ gewetzt und nach jedem Arbeitstag mit dem Dengelhammer auf dem Dengelstock „gedengelt“ (scharfgemacht) werden. Heuarbeit war früher Männer-, Frauen- und Kinderarbeit. Entsprechend wichtig waren die fixen Essenszeiten (etwa der „Znüner“) und der wegen der Hitze gerne verabreichte Most. Manches hat sich bis in die Gegenwart gehalten. Vieles ist aber durch die ab den 1960er Jahren einsetzende Maschinisierung und Motorisierung der Landwirtschaft abhanden gekommen.

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Foto: Schubertiade GmbH

Schubertiade Schwarzenberg

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Die Natur, die Berge, die wunderbare Stille – hier ist der richtige Platz, weil Musiker und Publikum in idealer Verfassung sind, Musik zu machen und zu hören. Es ist so ideal wie eine Liebe. Und auch so selten. Ich glaube nicht, dass man Schubert irgendwo sonst so wunderbar erleben kann. (Valentin Erben, Alban Berg Quartett) Zweimal im Jahr treffen sich Musikbegeisterte aus der ganzen Welt zur „­Schubertiade Schwarzen­berg“, dem weltweit ­größten ­Festival rund um Franz Schubert. Im Mittel­ punkt des Programms stehen dessen ­Lieder, ­Klavier- und Kammermusik, und das in einem A ­ m­biente, das seinesgleichen sucht. Nirgend­­wo sonst ist innerhalb kürzester Zeit eine derart große Anzahl von Lieder­ abenden mit den ­besten Sängern der Welt zu hören; Kammer­konzerte, Klavierabende und ­Orchester­konzerte mit ebenso prominenten Interpreten bzw. Ensembles sowie Meisterkurse bedeutender Künstlerpersönlichkeiten ergänzen das Programm. Traditionell treffen sich die Besucher lange vor Konzertbeginn, um die Aussicht zu genießen, am Buffet eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen oder sich bei Gesprächen und einem Rundgang durch die Ausstellungsräume auf den bevorstehenden Musikgenuss im Angelika Kauffmann Saal einzustimmen. Der in schlichter Holzbauweise errichtete Saal mit rund 600 Sitzplätzen besticht nicht nur durch seine einzigartige Lage, sondern bietet auch akustische Bedingungen, die Künstler und Publikum gleichermaßen ins Schwärmen ­bringen. Fernab des sonst üblichen Festspielrummels ist es wesentliches Anliegen der ­Schubertiade, den intimen Charakter zu ­wahren und alle Energie auf musikalische Darbietungen in höchster Qualität zu konzentrieren. Diesen Anspruch widerspiegelnd, gleicht die Liste der Künstler, die bis heute bei der S­ chubertiade zu Gast waren, einem „Who is Who“ der Lied- und Kammermusikwelt. ­Daneben fördert die Schubertiade auch junge Talente, die am Beginn ihrer ­Karriere stehen, und bietet ihnen die Möglichkeit, sich einem gleichermaßen kundigen wie begeisterungsfähigen Publikum vorzustellen. Termine 2021 19. – 27. Juni und 21. – 29. August 2021 Informationen/Karten T +43 (0)5576 72091, www.schubertiade.at reisemagazin bregenzerwald · 37


Dorferzählungen Beim Umgang Lingenau durchs Dorf und an die Quelltuffschlucht der Subersach stößt man auch auf 37 sogenannte „Erzählbänkle“, auf denen man Geschichten Einheimischer am Smartphone anhören kann

Umgang Bregenzerwald Geführte Dorfrundgänge – Spaziergänge zu Architektur & Handwerk Mai – Oktober: dienstags und freitags um 9.30 Uhr an verschiedenen Orten Anmeldung bis 17 Uhr am Vortag im jeweiligen Tourismusbüro Information: www.bregenzerwald.at

Informationsmedien zum Umgang Bregenzerwald: Folder, Begleitbuch

Umgang Bregenzerwald in Lingenau

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Das ist ein schöner Weg“, sagt meine Frau, „immer wieder Einblicke ins Dorf oder Ausblicke aufs Dorf.“ Wir gehen vom Ortskern von Lingenau weg und sind ganz glücklich, dass wir da gleich zwei Gasthäuser sehen, die „Traube“ und den „Adler“. „Da kannst du mich am Ende des Umgangs wieder zum Essen einladen“, freut sie sich. „Das könnte ich schon früher, denn die erste rostrote Infosäule, die auf ein bemerkenswertes Haus hinweist, ist dem Gasthof ‚Wälderhof‘ gewidmet. Und dort ist nicht nur das Haus besonders, man isst auch ganz hervorragend.“ Noch aber brauchen wir keine Stärkung, wir kommen zurück zur Kirche. Und die erweist sich als außergewöhnlich. Außen traditionell, ist man beim Betreten ob der Renovierung vor gut zehn Jahren überrascht, einen so modernen Kirchenraum zu finden. Besonders schön die Gestaltung von Altar und Ambo mit verschiedenen Steinen aus der Region. „Und das Wasser hier?“, fragt meine Frau. „Das fließt vom Taufstein und symbolisiert den Jordan, in dem Jesus von Johannes getauft wurde. Und Johannes, der Kirchenpatron, zeigt sich auch in den Kirchenfenstern, die vom ­Schrunser Maler Konrad Honold gestaltet wurden. Diesen Künstler ­finden wir dann noch einmal auf unserem Weg.“ „Woher weißt du das alles?“, fragt sie. „Ganz einfach, ich habe mich vorbereitet“, gestehe ich. Nach einem schön renovierten Haus stehen wir vor einem in den Hang getriebenen Bau, dem Käsekeller Bregenzerwald, geplant von Oskar Leo Kaufmann, natürlich auch einem Bregenzerwälder. „Hier

sollen 33.000 Käselaibe gelagert werden. Und überhaupt,“ stellt meine Frau ihr Fachwissen heraus, „weißt du, dass Bergkäse aus Vorarlberg nicht das Gleiche ist wie Vorarlberger Bergkäse? Bergkäse aus Vorarlberg kannst du nämlich überall kaufen, Vorarlberger Bergkäse aber nicht, denn das ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung. So, das ist jetzt hoffentlich klar?“ Ich nicke. Etwas weiter Richtung Dorf sehen wir die St. Anna Kapelle, einen Zentralbau auf einem griechischen Kreuz als Grundriss. Sehr hübsch anzuschauen, stimmig in der Landschaft, gebaut aus Lingenauer Quelltuff. Von der Kapelle aus geht eine Art Lehrpfad an der Subers­ach zu diesem Gestein, das ebenso hohe Wände wie Sinter­becken bildet. Und über die Subersach führt

St. Anna Kapelle


Käsekeller eine gedeckte Holzbrücke aus dem Jahr 1833, an deren Planung auch der SuezKanal-Erbauer Alois ­Negrelli beteiligt war. Doch zurück zur St. Anna Kapelle. Da sehen wir im etwas sonderbaren Deckengemälde Bruno W ­ echner, Landesbischof zur Zeit der Erhebung Vorarlbergs zu einer eigenen Diözese im

Jahre 1968, ihn umgebend ein Dutzend Bischöfe und lokale Heilige. Der Künstler ist wie schon in der Kirche: Konrad Honold. Das alles erzähle ich meiner Frau, die etwas spitz meint: „Du und deine Erzählungen, die wohl auch manchmal erfunden sind!“ Da kann ich wunderbar

Einfamilienhaus entworfen von Oskar Leo Kaufmann

einhaken: „Erzählen in Lingenau ist etwas Besonderes. Denn im ­ganzen Dorf gibt es sogenannte ‚­Erzählbänkle‘, und wenn man Platz nimmt, kann man sich über das Smartphone die Geschichten anhören. Nicht weniger als 37 Erzählerinnen und Erzähler, alle aus Lingenau und zwischen acht und neunzig Jahren alt, bringen ihre Geschichten. Eine einmalige Sache, die auch schon mit Preisen bedacht wurde.“ Zwei Stationen mit den Umgang-Stelen fehlen uns aber noch: das Gebäude einer Versicherung mit Wohnblock und ein Einfamilienhaus. Das große Gebäude ist von Hermann Kaufmann, das andere von seinem Cousin Oskar Leo Kaufmann. Beide sind vor etwa eineinhalb Jahrzehnten entstanden und beide Hinweise für neues Bauen im Bregenzerwald. Mit dem letzten Gebäude haben wir den Umgang, eine besonders schöne, gut zwei Stunden durch das Dorf führende Wanderung, abgeschlossen. Und natürlich erinnert sich meine Frau, wie immer, des anfänglichen Versprechens auf eine Einkehr in einem Lingenauer Gasthaus. Ich widerspreche nicht. Walter Fink reisemagazin bregenzerwald · 39


Den eigenen Blick schärfen, ­ issen teilen und neue Impulse setW zen: Einer der wesentlichen Ansätze des Werkraum Bregenzerwald ist das Arbeiten in Kooperationen. Die Begegnung mit Gestalterinnen und Gestaltern aus den Bereichen Architektur, Design und Kunst geschieht dabei immer auf Augenhöhe. Davon erzählt auch das Kooperationsprojekt „Generation Köln trifft Werkraum Bregenzerwald“. Für diese besondere Zusammenarbeit reiste das Designkollektiv Generation Köln in den Bregenzerwald, wo sie auf fünf Mitglieder des Werkraums trafen. Neugierig beobachteten die vier Designschaffenden die tiefe Verwurzelung von Mensch und Material. Und stellten dabei fest: Die Weißtanne des Mittelgebirges ist im Bregenzerwald Rohstoff und Lebensraum zugleich. Mit diesem Material als verbindendes Gestaltungselement entstanden schließlich in enger Zusammenarbeit mit den fünf Handwerkern neue Möbelstücke, in denen sich die Eindrücke von der Landschaft, der Traditionen, der Baukultur und des Handwerks wiederfinden.

Handwerk und Gestaltung aus dem Bregenzerwald

Klapp

Ein leichtes, klappbares Sitzmöbel. Bestehend aus Weißtanne-Hölzern, welche durch 4 schwarze Flachkopfschrauben und den dazugehörigen Hülsenmuttern zusammengehalten werden. Material: Weißtanne Design: Thomas Schnur, Generation Köln Realisation: Valentin Winder, Tischlerei Valentin Winder

Werkraum Bregenzerwald Werkraumhaus In Andelsbuch steht das vom Schweizer Architekten Peter Zumthor entworfene und von Mitgliedsbetrieben errichtete Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude. Im Shop sind regional hergestellte Handwerksprodukte und einschlägige Fachliteratur erhältlich. Öffnungszeiten: Di – Sa, jeweils 10 – 18 Uhr Werkraum Küche Die Werkraum Küche bietet dem Lebensmittelhandwerk eine Plattform und vereint das regionale Handwerk und Gastlichkeit unter einem Dach.

Foto: Alexander Böhle

Werkraumdepot Die Studiensammlung für Handwerk und Design aus dem Bregenzerwald ist in ­Zusammenarbeit mit dem vorarlberg museum entstanden. Im Werkraumhaus bietet sie eine Übersicht auf die zeitgenössische Handwerksproduktion. Führung: jeden 1. Samstag im Monat, 11 – 12 Uhr, mit Voranmeldung Ausstellungen Wechselnde Präsentationen von Erzeugnissen und Installationen aus den Werkstätten der Mitgliedsbetriebe sowie Themenausstellungen zur Handwerks- und Baukultur. www.werkraum.at

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Super Pine

Das Regal ist eine Würdigung der ­mächtigen Weißtannenbäume aus dem Bregenzer­wald und deren Potenzial, d ­ araus große unverleimte Bretter herstellen zu können. Material: Weißtanne Design: Klemens Grund, Generation Köln Realisation: Martin Bereuter, Tischlerei Bereuter

Trog

Inspiration für diesen Beistelltisch sind die traditionell gefertigten Wasserbehältnisse aus dem Bregenzerwald. Material: Weißtanne Design: Tim Kerp, Generation Köln Realisation: Wolfgang Meusburger, Tischlerei Wolfgang Meusburger


Aus dem Werkraum Martin Bereuter ist Obmann der Handwerkervereinigung Werkraum Bregenzerwald.

Arbeiten auf Augenhöhe

Urban Forest Lounge Chair

Stadt und Wald verschmelzen in einer Produkt­familie aus Bank, Tisch & Lounge Chair. Die abgerundete Sitz- und Rücken­ fläche liegt auf einem luftigen Gestell, ­einfach und leicht, wie eine über­geworfene Decke. Material: Weißtanne Design: Karoline Fesser, Generation Köln Realisation: Valentin Winder, Tischlerei Valentin Winder

Stufen

Ein aus Weißtanne-Brettern gefertigtes, universelles Objekt. Einsetzbar als Beistelltisch neben Sofa und Bett, als kleiner Arbeitstisch oder als Leiter zum Wechseln der Glühbirne. Material: Weißtanne Design: Thomas Schnur, Generation Köln Realisation: Martin Bereuter, Tischlerei Bereuter

Feather Wall

Die Feather Wall ist ein Raumteiler aus dünnen Sperrholzelementen und Stahl­ teilen. Geeignet, um in großen Räumen Bereiche abzuschirmen. Material: Weißtanne Design: Klemens Grund, Generation Köln Realisation: Wolfgang Schmidinger, Schmidinger Möbelbau

U Hocker

U kann als Hocker oder als Beistelltisch verwendet werden. Robust und wetterfest, ist das Möbel innen und außen nutzbar. Material: Weißtanne Design: Karoline Fesser, Generation Köln Realisation: Harald Berchtold, Gerhard Berchtold Zimmerei

Das Designkollektiv Generation Köln führte mit Handwerkerinnen und Handwerkern im Bregenzerwald ein gemeinsames Projekt unter dem Titel „Generation Köln trifft Werkraum Bregenzerwald“ durch. Aus der gemeinsamen Arbeit entstanden mehrere Möbelstücke aus Weißtanne, die zusammen ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Die Entwürfe und ihre Inszenierung wurden bei der PASSAGEN Interior Design Week Köln mit dem „Passagen-Preis“ ausgezeichnet. Solche Kooperationen stellen eine schöne Abwechslung zum Arbeitsalltag dar, vor allem aber schärfen sie den Blick und bieten ein enormes Potenzial für künftige Tätigkeiten des Werkraum Bregenzerwald. Mit jedem Projekt entwickelt er sich weiter, die neuen Erkenntnisse fließen in andere Projekte mit ein. Dabei ist es nicht wichtig, wie eine Kooperation zustande kommt, also ob wir von Seiten des Werkraum Bregenzerwald eine Zusammenarbeit aktiv angehen oder mögliche Partner auf uns zukommen. Entscheidend ist, dass beide Seiten bereit sind, sich auf einen Prozess des kooperativen Handelns einzulassen und diesem neugierig und gleichgesinnt zu begegnen. Auch ohne dabei zu wissen, wohin er letztlich führt. Bei solchen Prozessen kommt es nämlich immer wieder zu Umwegen, nicht alles verläuft linear. Doch gerade dies macht das Wesen von Zusammenarbeit aus und ermöglicht es, neue Möglichkeiten zu finden. So kann beim Ausprobieren und Austauschen etwas entstehen, das zu Beginn noch unvorstellbar war. Das zeigte sich auch bei der Zusammenarbeit mit dem Designkollektiv Generation Köln. Schnell war klar, dass es grundsätzlich gut passt. Auch weil wir wussten, dass bei den vier Designschaffenden ein Bewusstsein dafür da ist, was es heißt, in einer Werkstatt zu arbeiten – immerhin haben zwei von ihnen eine handwerkliche Ausbildung. Dass aber am Ende unserer gemeinsamen Arbeit die erwähnten Möbelstücke aus Weißtanne stehen, konnten wir anfangs nicht wissen. Momente, in denen erste Ideen und vage Ansätze aufgehen, sind es, die das kooperative Arbeiten so besonders machen – unabhängig von Arbeitsbereich und Herkunft.

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Andacht und Raumerlebnis Drei Sakralbauten im ­Bregenzerwald, die nur zu Fuß erreichbar sind, laden zu einer Wanderung, die auch zur Wallfahrt werden kann, ein: die Kapelle auf der Niedere, die Kapelle in Krumbach-Salgenreute und die Kapelle beim Vorsäß Wirmboden

Buchtipp Kapelle Salgenreute – bernardo bader architekten Herausgegeben von bernardo bader ­architekten, Dornbirn Text von Florian Aicher, mit Fotografien von Adolf Bereuter und der Gestaltung durch Frank Broger, 2016, 80 Seiten

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Vorarlberg hat eine lange, aber wenig bekannte Reihe an Sakralbauten. In der publizistischen Darstellung dominieren Wohnbau und öffentliche Gebäude, dennoch finden sich in den Werkverzeichnissen fast aller wichtigen Architekten Umbauten, Sanierungen und Kleinbauten von Gebäuden für religiöse Zwecke. Das mag zum einen an der starken Verankerung der katholischen Kirche im Bewusstsein und im öffentlichen Leben der Vorarlberger liegen, hat aber auch mit einer bemerkenswerten Nähe der

Vorarlberger Avantgarde zu kulturoffenen Vertretern von innerkirchlichen Erneuerungsbewegungen zu tun. Die über Jahrzehnte weit verbreitete Haltung einer „dienenden Ernsthaftigkeit“ unter den Architekten und ihr zuweilen ethischer Anspruch in Gestaltungsfragen kamen und kommen solchen Bauaufgaben ebenfalls entgegen. So errichtete der legendäre Clemens Holzmeister 1926 in Bregenz-Mariahilf seine erste Kirche, einen Rundbau, der im Geiste der im 19. Jahrhundert aufkommenden „Liturgischen Bewegung“


Die neue Lourdeskapelle in KrumbachSalgenreute

die Gemeinschaft der Gläubigen in den Vordergrund stellt. Der Kirchenbau im 20. Jahrhundert vollzog allgemein eine Abwendung von der hierarchischen Anbetung hin zum Erleben der ­Liturgie, gemeinschaftlich oder als kontemplative Einzelerfahrung.

Neue Ansätze im Vorarlberger Kirchenbau

Gegen den Widerstand und gegen das kulturelle Beharren von Amtskirche und gesellschaftlich konservativen Strömungen entstanden vereinzelt

Sakralbauten, die als architektonische Leistung noch immer gewürdigt werden. Etwa durch die Inszenierung von natürlichem Licht und Material in einem weitgehend leeren Raum, um eine vergeistigte, transzendente Wirkung von Architektur zu erzielen. Diesem Ideal folgte 1960 der junge Hans Purin beim Umbau der Klosterkirche Mehrerau in Bregenz. Damals vermochte er eine Generation von jungen Patres auf die radikale Urform des zisterziensischen Bauens einzuschwören. Er ließ den mit Einbauten aus dem 19.

Jahrhundert überladenen Kirchenraum vollständig ausräumen. Reduziert auf einzelne, sakrale Skulpturen und Wandkunstwerke, rückten Innenschau und die Erfahrung der Gemeinschaft in den Vordergrund. Die Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1964) waren bis weit in die 1970er von zahlreichen modernistischen Kirchenneubauten im Geiste dieses liturgischen Wandels geprägt. Danach trat der Sakralbau in den Hintergrund der Architekturentwicklung. Erst ab den 1990er Jahren reisemagazin bregenzerwald · 43


kam es vermehrt zu Umbauten historischer Pfarrkirchen, die nun den Dialog zwischen Alt und Neu dokumentieren. Zum traditionellen Typus der Kapelle lieferte 1989 der in Mellau geborene Architekt Helmut Dietrich mit seinem Neubau der Mellauer Wegkapelle Kau eine zurückhaltende, zeitgenössische Interpretation eines Sakralbaus. Fast zwanzig Jahre später – mittlerweile hatte die Architektur in Vorarlberg eine beachtliche Popularität erreicht – setzte Hugo Dworzak einen heiteren, aber formal radikalen Kontrapunkt dazu. Eine mobile, aufklappbare Kapelle von 2,5 mal 5 Meter für die Fan-Meile im Lustenauer Fußballstadion: eine schlichte Form mit steilem Satteldach und

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durchscheinender Bespannung. So setzte fast beiläufig ein wachsendes Interesse an sakralen Bauten ein. Nun sucht eine zumeist junge Generation im zunehmend überreglementierten Baualltag nach Rückbesinnung und elementaren Ausdrucksformen – eben auch im Sakralbau.

Die Alpkapelle zu Ehren des heiligen Theodul

Im Oktober 2008 stellten Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur auf der Alpe Vordere Niedere über Andelsbuch eine Votivkapelle zu Ehren des heiligen Theodul fertig. Damit setzen sie den Anfang einer Reihe von zeitgenössischen Kapellenbauten im Bregenzerwald. Ein Ehepaar, Senner auf der

Alpe, hatte die Errichtung der Kapelle zum Dank für ein gesund geborenes Kind ausgeschrieben. In einem kleinen Wettbewerb wählten sie die Planer aus, die dann beim Bau auch selbst kräftig Hand anlegten. Die Kapelle steht an einer Gelände­ kante auf einem Sockel aus ­Steinen, die auf der umliegenden Alpe gesammelt wurden. Darauf sitzt ein Gebäude aus aufrechten, kantigen Fichtenholzstämmen, im Wald der Auftraggeber geschlagen. Wand, Decke und Boden bestehen aus demselben Material, innen wie außen. Es gibt keinen Dachvorsprung, der Gebäudekörper ist an der Traufe durch eine schmale Regenrinne markiert. Vom Weg aus führt ein Schritt in den


Die neue Lourdeskapelle in Krumbach-Salgenreute

Am 3. Juli 2016 wurde die neue Lourdeskapelle feierlich eingeweiht. Bewohner und Handwerker hatten gemeinsam einen Entwurf des Architekten Bernardo Bader umgesetzt, der in Krumbach beheimatet ist. Bader zeichnete zuvor für die Planungen des Krumbacher Friedhofs (2005 mit Rene Bechter) und des viel beachteten Islamischen Friedhofs in Altach (2012) verantwortlich. Die schlichte Grundform

der Kapelle, die den baufälligen Vorgängerbau von 1880 ersetzt, steht auf einem Sockel aus Steinen und präsentiert sich mit einem hohen, steilen Dach und ganz mit Schindeln verkleidet. Am Eingang empfängt den herantretenden Wanderer unter dem hohen, spitz zulaufenden Giebel ein messingbeschlagenes Portal, das an beiden Seiten von Lichtschlitzen eingerahmt wird. Das Gebäude zeigt eine Geometrie von Flächen und gleicht einem geschindelten Kristall vor einem Hain

Die Alpkapelle zu Ehren des heiligen Theodul (Niedere, Andelsbuch/Bezau)

geschützten Eingang. Darüber verbirgt sich eine Glocke, die durch einen Raster an Bohrungen ihren Klang verströmt. Im Inneren der Kapelle reihen sich drei Bänke ohne Rückenlehne, an der Stirnwand steht ein Altar, in derselben Art gemacht. Darüber schwebt ein in die Balken der Stirnwand eingeschnittenes Apfelkreuz, mit blauem Glas ausgefüllt. Das Tageslicht strömt durch einen Glasschlitz an der Altarwand in den Raum, wobei der Schlitz Dach und Längswände von der Altarwand trennt und so breit ist wie zwei Holzbalken der Wand. So lassen sich in der geschlossenen Klause aus Holz Morgen, Abend und alle Wetter an der Altarwand ablesen.

Lourdeskapelle Krumbach-Salgenreute innen reisemagazin bregenzerwald · 45


Die Kapelle zu Ehren des heiligen Antonius beim Vorsäß Wirmboden

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Felder und Wälder an Wetterfichten und anderen Bäumen. Innen gliedern hölzerne, konstruktive Rippen an den Holzwänden den Raum mit seinem hohen Dach. In einer weiß lasierten Apsis strahlt helles Licht aus dem Stirnfenster in den Raum und inszeniert so eine scheinbar schwebende, historische Marienstatue als Erscheinung. Das Elementare wird zur Form, der Raum zur religiösen Bühne, zum Erlebnis.

Die Kapelle zu Ehren des hl. Antonius beim Vorsäß Wirmboden

Zwei Jahre später, im August 2016, fand beim Vorsäß Wirmboden bei Schnepfau die Einweihung der neuen Kapelle zu Ehren des hl. Antonius des Einsiedlers statt. Die Kapelle wurde von Markus Innauer und Sven Matt aus Bezau entworfen. Auf dem schmalen Plateau unterhalb der eindrucksvollen Kanisfluh stand seit 1980 ein Sakralbau, der 2012 von einer Staublawine weggerissen wurde. Das neue Bauwerk zeigt weit mehr architektonischen Anspruch als die Kapellen auf der

Wirmbodenkapelle innen

Niedere und Salgenreute, wenn auch ihre Form an die der Theodul-Kapelle erinnert. Bei der Planung entwickelte sich der Entwurf in Gesprächen und Diskussionen von einem monolithischen Steinbau zu seiner schließlich gebauten Form. Die Kapelle steht auf einem Betonsockel, die Wände aus Sichtbeton sind der Lawinengefahr geschuldet, erzählen aber ebenso von moderner Baukunst wie das Schallloch über dem Eingang mit einer hölzernen Tür und die in die Betonwände eingelegten Natursteine. Ein schmaler Schlitz in der Altarwand lässt durch blaues und weißes Glas Licht in den Innenraum. Die sichtbare Dachkonstruktion bleibt am First auf Abstand und bildet so einen weiteren Lichtschlitz. In der Kapelle zeigen sich vielerlei Formen der Frömmigkeit: Kerzen und Blumen, ein zartes Metallkreuz und eine kleine Totengalerie zwischen den Holzbalken.

Drei Wanderungen als Wallfahrt zu den Kapellen

Die Niedere ist eine Alpe, die vor allem am Wochenende von Paraglidern und Wanderern belebt wird, Salgenreute ist eine Streusiedlung am Krumbacher Ortsrand, und die Kapelle Wirmboden steht inmitten der zahlreichen Hütten und Ställe des gleichnamigen Vorsäßes. Die drei Bauten verkörpern das Thema der einsamen Klause und vermitteln religiöse Andacht. Sie ruhen als ideale Urform in der Landschaft, liegen an Endpunkten von gut begehbaren Wegen. Unternimmt man die reizvollen Wanderungen zu den nur zu Fuß erreichbaren Kapellen, erlebt man ein Gefühl von Schutz im weitesten Sinn des Wortes und ein In-der-WeltSein. Man erfährt den Aspekt der bäuerlich-volksfrommen Andachtskapelle und den des Aussichtspunkts am Wanderweg. Es wird einem bewusst, dass Wanderziel und Aussichtspunkt Orte glücklicher Ereignisse sind. Robert Fabach

Birgit Feierl-Giedenbacher schreibt über den ­ erühmtesten Autor aus dem Bregenzerwald, b Franz Michael Felder.

Felders Ache

Wohl jeder Bregenzerwälder kann von Erlebnissen an und mit der Bregenzerache erzählen. Ich erinnere mich aber auch noch allzu gut an das Hochwasser von 2005, das der Region heftige Überschwemmungen beschert hat. Franz Michael Felder, der Schoppernauer Schriftsteller und Bauer, ist als 21-Jähriger während des Kühetreibens beim Überqueren einer Brücke in die Hochwasser führende Ache gestürzt. Einige Bauern gehen am Unfallort einfach vorbei, da sie der Ansicht sind, um den Dorfsonderling sei es nicht schade. Schließlich wird der Ertrinkende „halb tot und bewusstlos“ von Josef Wolfgang Oberhauser aus dem Wasser gezogen. Das Ereignis ist für Anna Katharina Moosbrugger der Anlass, sich offen zu Felder zu bekennen: Sie heiratet den Sonderling trotz der Vorbehalte ihrer Familie am 4. Februar 1861. In vielen Textstellen verarbeitet Felder den Einfluss der Ache auf die Menschen, so in „Ein Ausflug auf den Tannberg“: „Das Rauschen der hart neben mir vorbeistürzenden Ach, die […] dem einsamen Wanderer von den Bergen erzählt, von denen sie kommt, und von den schönen Tagen des Sommers.“ Auf keinem Weg könne „man alle Fragen und Klagen so schnell vergessen wie hier“: „Da stürzt und braust und zischt der Achstrom […] zwischen alpenrosenbedeckten Felsblöcken vorbei, […] dort windet sich der Strom mit Gewalt tosend durch den schmalen Weg, den er sich durch den beim letzten Gewitter entstandenen Bergsturz in ­Monaten machte […], aber schon ist das Lawinentobel glücklich überschritten, die Ach zieht sich nach links […] und da im schattigen Walde laden dich moosige Plätzchen neben Erd- und Heidel­ beeren zur Ruhe und zum Genusse ein.“ Dem Bauern beschere die Ach einen „gute[n] Gedanke[n], der ihn seinem Gott näherbringt“. Auch einsame Wanderer „hätten schon oft eine gar wunderbare Stimme aus der Ach heraus beten […] gehört“. Und den „Sohn der Berge“ erinnert die Ach an die Zeit, „da man noch ein Blatt hineinwarf und von Herzen wünschte, ihm folgen zu können, hinaus aus der engen Heimat in die weite, große, herrliche Welt“.

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Im Garten neben dem Hotel Post: Lea Wimmer (links) und Julie de Martino, die Leiterin des Projekts „Solawi“

Vom eigenen Feld auf den Tisch Täglich erntefrisches BioGemüse gemäß Saison und Bedarf vor der Haustür: Das ist das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft „Solawi – Land.Wird“. Der Bio-Hotel-Betreiber ­Emanuel Moosbrugger hat das erste Projekt einer Solidarischen Landwirtschaft im Bregenzer­wald begonnen

Lea Wimmer und Julie beim Pflücken von großblättrigem Rucola

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Das Konzept einer „Solawi“ (kurz für Solidarische Landwirtschaft) ist einfach: Verbraucher kooperieren mit heimischen Landwirten und garantieren eine fixe Abnahme von Produkten. Für beide Seiten entstehen Vorteile: frische, regionale Waren vom Bauern


Der Betreiber des Bio-Hotels „Schwanen“ Emanuel Moosbrugger und Julie des Vertrauens, Einfluss auf das Sortiment, Erhalt von Kulturlandschaft und Artenvielfalt, Aufteilung von Verantwortung und Risiko, Bewusstsein für Qualität und Verbrauch. Im Fall des Bregenzerwaldes kam die Initiative, biologisch hochwertiges Gemüse aus der Region statt aus dem Großhandel zu beziehen, vom Betreiber des Bio-Hotels „Schwanen“ in Bizau. Emanuel Moosbrugger schien dieser Schritt längst überfällig. Allerdings ist der Bregenzerwald für vieles bekannt, nur nicht für landwirtschaftlichen Gemüseanbau. So wurde 2017 in Bizau gegenüber vom Hotel ein Garten angelegt. Unterstützt von Johannes und Katharina, die als Quereinsteiger ein Urban-Gardening-Projekt in Zürich betreiben. Sie erstellten ein Konzept von den Beeten über die Bepflanzung bis hin zu den Gemüsekulturen, das perfekt auf die „Wilde Weiber“-Küche des „Schwanen“ abgestimmt war. Christoph Kaufmann, Sohn eines Wälder Bio-Bauern und begeisterter Naturbursch, gründete daraufhin die erste Bregenzerwälder Solawi „Land.Wird“ und übernahm zusammen mit Julie de Martino die Arbeiten im Garten.

Damit die großen Abnahmemengen vom Hotel und privaten Verbrauchern gedeckt werden konnten, wurde im Nachbarort Bezau ein 180 Quadratmeter großer Acker samt Gewächshaus angelegt. Dort wachsen Mangold, Bohnen, Gurken, Zucchini, Pak Choi oder Schnittsalate für die Küche des BioHotels und bestimmen damit maßgeblich die Speisekarte (siehe Artikel

Seite 50). „Für uns entstand dadurch eine absolute Luxussituation, auf die wir nie mehr verzichten möchten“, sind sich Emanuel Moosbrugger und Küchenchef Michael Webendorfer einig. Letzterer sagt dazu: „Die Produktqualität und Nähe zum Garten, in dem wir den Wachstumsprozess miterleben können – für mich als Koch ein Traum.“ Die regelmäßigen Besprechungen von Küchen- und Gartenteam führen zu weiteren Ideen. „Wir müssen nun saisonal agieren und ganzjährig denken: Die Produkte werden eingekocht, eingelegt, fermentiert oder getrocknet – eine unglaubliche Menge an Möglichkeiten.“ Biologischer Selbstversorger zu sein bringt viele weitere Vorteile mit sich, meint Emanuel Moosbrugger: „Wir können nun auch das Produkt selbstbewusst in den Mittelpunkt stellen. Somit ist unser Garten für den Gast in der Stube, aber auch beim Marketing ein Aushängeschild. Das Beste, das uns als Bio-Betrieb passieren kann, ist, die Kontrolle über Produkte zu haben, die im Nachbarort wachsen und deren Herkunft immer nachvollziehbar ist – anders als bei Produkten, die über weite Strecken herangeschafft werden. Die Selbstversorgung steht im Einklang mit unserer Bio-Philosophie.“ Markus Curin

Von links nach rechts: Johannes Kofler, Gartenberater aus Zürich, Chefkoch Michael Webendorfer, Julie, Lea Wimmer, Emanuel Moosbrugger, Franziska Hiller und ­Katharina Lang, eine Gartenberaterin aus der Schweiz reisemagazin bregenzerwald · 49


Inspiriert vom eigenen Garten

Der Küchenchef des „Schwanen“ in Bizau, Michael Webendorfer, im Gemüsegarten

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Er kam, um die Kunst des Kochens zu lernen, zu den „Wilden Weibern“ im „Schwanen“ in Bizau. Und lernte dort auch die Liebe seines Lebens kennen. Sie heißt aber nicht Hildegard von Bingen, auch wenn der gefallen würde, was Michael Webendorfer mit Gemüse und Kräutern in seiner Küche anrichtet Marinierter Federkohl mit Couscous und Karotten, Roastbeef vom Andelsbucher Rind mit mariniertem Weiß- und Rotkraut, hausgemachte Gnocchi mit Kürbis und Roter Beete: Hildegard von Bingen (1098– 1179) würde staunen, wenn sie von diesen Interpretationen ihrer Naturkunde erfahren würde oder sie gar kosten könnte! Die Lehren der Mystikerin sind ebenso wie die biologische Küche die Aushängeschilder des Bio-Hotels „Schwanen“ in Bizau. Hildegard und Bio: Was auf dem Papier nach einem halbattraktiven Kurprogramm klingt, entpuppt sich in der Realität als regionale Superfood-Küche, die den „Schwanen“ zu einem Genießer-Hotspot im Bregenzerwald macht. Bereits unter Seniorchefin Antonia Moosbrugger hielt die moderne, raffinierte Küche Einzug in die von Hildegard geprägte „Schwanen“-Küche. Sie war auch die Erste im Bregenzerwald, die ein Überraschungsmenü angeboten hat: Jedem Gast wird bei jedem Gang etwas anderes vorgesetzt, mitunter kommt eine Gästerunde so auf Dutzende verschiedene Speisen. Das brachte den Moosbruggers den Titel „Wilde Weiber“ ein. Seit der Rückkehr von Sohn Emanuel und unter dem Einfluss seiner internationalen Erfahrung erlebt die Küche nun mit Chef Michael Webendorfer ihren aktuellen Höhepunkt. Bereits vor acht Jahren verschlug es den sympathischen Oberösterreicher in den Bregenzerwald. Als hungriger, lernwilliger Jungkoch kam er dem


Küchenteam gerade recht und wurde an allen Stationen ausgebildet. Es folgten Jahre in der Haubenküche des Casino-Restaurants Falstaff in Bregenz unter Küchenchef Gernot Bischofberger, bis ihn Emanuel Moosbrugger als Küchenchef zurück nach Bizau holte. Schon während seiner Ausbildungszeit im „Schwanen“ hatte er seine Frau Bernadette kennen und lieben gelernt und wurde sesshaft. „Wenn man als 25-Jähriger die Chance auf diese Position bekommt, muss man die Gunst der Stunde nutzen“, sagt er. Zumal ihm mit Sous-­ Chefin Franziska Hiller eine begnadete Köchin zur Seite steht, die seit über 25 Jahren zu den kochenden „­Schwänen“ gehört. Ihre Erfahrung und die von Seniorchefin Antonia werden nach wie vor benötigt, wenn es um die doch restriktive Fach- und Naturkunde von Hildegard geht. Dinkel, Fenchel, Äpfel, Galgant, Rote Beete, Kichererbsen, Wild, Lamm oder Bachforelle gehören nach deren Thesen zu den wertvollen Lebensmitteln, worunter man Erdbeeren, Lauch, Gurken, Wurst oder Weizenweißmehl vergeblich sucht. Seit mittlerweile fast vier Jahren bewirtschaftet man im „Schwanen“ einen eigenen Garten und pflanzt genau jene Produkte an, die zur BioLinie nach Hildegard von Bingen passen. Was als kleines Pionierprojekt begonnen hat, ist mittlerweile das durchdachte Konzept „LandWird“ im Stil der Solidarischen Landwirtschaft, selbstverständlich in Bio-Qualität. Gekocht wird also nur, was der Garten gerade hergibt – radikal saisonal sozusagen. „Es gibt nichts Schöneres, als sich von den Produkten des eigenen Gartens inspirieren zu lassen“, schwärmt der Küchenchef. „Zu Beginn war es eine enorme Umstellung. Es gibt eine klar begrenzte Auswahl an frischen Zutaten, aus denen wir nun das Maximum herausholen. Und das schmeckt man auch.“ Wer die Gerichte der „Schwanen“Küche genießt, kann dem nur zustimmen. Michael Webendorfer inszeniert mit vermeintlich kleinen Zutaten großes Kino. Der pure Geschmack einer Karotte in verschiedenen Gar-Stufen,

die präzise Harmonie der begleitenden Kräuter, der Einsatz von bestem Bio-Fleisch, auf den Punkt gebraten: Jedes Gericht der bewusst klein gehaltenen Speisekarte ist ein Erlebnis für sich – vom Küchenchef auch optisch perfekt in Szene gesetzt. „Ich werde nie

vergessen, wie ich als kleiner Bub zum ersten Mal in einem feinen Restaurant essen durfte: Dieser unglaubliche Geschmack, und wie schön alles arrangiert war. Damals habe ich beschlossen: Das möchte ich auch können!“ Markus Curin

Chefköchin Franziska Hiller und Chefkoch Michael Webendorfer reisemagazin bregenzerwald · 51


Rezept Gefüllte Zucchiniblüten in Bierteig von Michael Webendorfer

Was Hildegard von Bingen zu g ­ efüllten Zucchini­ blüten gesagt hätte? Sie wäre begeistert gewesen, darf man annehmen, wird hier doch nicht nur ein schlichter K ­ ürbis verkocht, sondern ein feines Gericht aus einer zarten Blume bereitet. Auch wenn die Zucchini aus wärmeren ­Gegenden kommt, ist sie mittlerweile bei uns heimisch und passt zu einer Küche mit lokalen Produkten. Also, mit dem Segen der Heiligen ­Hildegard: Möge das Gericht gelingen! Zucchiniblüten 8 Zucchiniblüten Fülle 300 g Topfen Salz Galgant 2 EL gehackte Petersilie 2 EL geschnittene Petersilie Alle Zutaten miteinander vermischen, in einen Spritzsack füllen und damit die Blüten befüllen. Die Blüten dann zudrehen. Bierteig 200 g Mehl 200 ml Bier Salz Das Mehl mit dem Bier zu einem glatten Teig rühren und mit einer ordentlichen Prise Salz würzen. Die gefüllten Zucchiniblüten im Mehl wenden und durch den Bierteig ziehen und schwimmend in 180°C heißem Sonnenblumenöl goldgelb herausbacken. Dann auf einer Küchenrolle abtropfen lassen. Zum Anrichten gesalzenes Joghurt auf den Teller geben und die Zucchiniblüten darauf anrichten.

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bregenzerwald podcast

Wald und Welt Eine akustische Reise durch den Bregenzerwald. Wir gewähren einen Einblick hinter die Kulissen, blicken über den Tellerrand hinaus und tiefer in den Bregenzerwald hinein. Jeden Monat neu auf bregenzerwald.at/podcast und überall, wo es Podcasts gibt.

reisemagazin bregenzerwald · 53


Sommereinkehr 2021 Der Bregenzerwald mit seinen Tälern und Bergen bietet auch kulinarischen Genuss unter freiem Himmel: Ob Alpe, Hütte oder Terrasse, an diesen Orten kann man sich mit Speis und Trank verwöhnen lassen

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Bergkristallhütte au

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Widdersteinhütte warth

Wild und romantisch das Dürrenbachtal, hausgemacht und köstlich die Gerichte in der Bergkristallhütte: Kaiserschmarren, Brettljause, Strudel, Salat und viel Bergkäse in allen Varianten. www.bergkristallhuette.com

Spektakulär gelegenes Hütten-Juwel südlich des Großen Widdersteins: Wanderer werden mit kühlem Bier, knackigen Salaten, hausgemachten Knödeln, Strudeln und anderen Köstlichkeiten belohnt. www.widderstein-huette.at

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Gams bezau

Genusstrubel auf dem Dorfplatz: Die wohl beste Steinofenpizza des Landes (Neapel-Style mit luftigem Rand und knusperdünnem Teig) und das lässige Getränkesortiment muss man erlebt haben! www.hotel-gams.at

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Alpe Moos

riefensberg

Werkraum

andelsbuch

Terrasse mit Blick auf die Niedere oder doch inmitten der Ausstellungen genießen? Dank Ausnahmekoch Jan Lucas Härle wird im wunderbaren Werkraumhaus wieder groß aufgekocht. www.werkraum.at

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Alpengasthaus Edelweiß au

Eine Einkehr wie aus dem Bilderbuch: Hochmoor, Bergpanorama, Tiere, Wandermöglichkeiten und Köstlichkeiten aus Produkten der eigenen Landwirtschaft in Krumbach. www.alpe-moos.at

Frisch renoviert und herrlich abgelegen am Fuß der Kanisfluh, dem Wahrzeichen des Bregenzerwaldes: Ausflugsgäste werden mit einem Bergfrühstück und tagesfrischen Mittagsgerichten verwöhnt. www.oeberle.com

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Alpe Brongen egg

Die 20-Minuten-Wanderung zum Glück auch für den Gaumen: Besucht man Familie Meusburger während der Sommerfrische, gibt’s Einblicke in die Käseerzeugung und viele Köstlichkeiten in der Jausenstation. www.meusburger-kaese.at

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Burgl Hütte, hittisau

Der Naturpark Nagelfluhkette ist an sich schon ein Erlebnis. Gekrönt wird eine Tour von Balderschwang oder Sibratsgfäll nach Hittisau mit einem Besuch bei den Wirten Armin und Biggi. www.burglhuette.de

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Bergrast Wildries sibratsgfäll

Holzstube, Ofen, Alpen-Deko ohne Kitsch, rundherum nur Berg- und Wiesenpanorama: Von Mai bis Ende Oktober verwandelt Familie Wild die abgelegene Hütte zur Oase für Aktive und Erholungsuchende. www.wildries.at

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Alpenblick sulzberg

Den Ausblick von dieser Terrasse vergisst man nicht, ebenso wenig wie den Duft und die Köstlichkeiten aus der Backstube. Nicht nur das Brot schmeckt ausgezeichnet, sondern auch Käsknöpfle, Tafelspitz, Rumpsteak oder hausgemachte Schlutzkrapfen. www.alpenblick.co.at

Der Bregenzerwald, eine einst bäuerliche Region, bietet eine erstaunlich große Menge an Wirtshäusern und Hotels in einer Qualität, wie man sie eher in urbanen Räumen erwarten würde. In jeder Ausgabe des reisemagazins stellen wir mindestens zehn davon vor. Was Sie auf diesen Seiten lesen, ist jedoch nur ein Ausschnitt aus dem lokalen Angebot an Kulinarik und Hotellerie. Am besten, Sie testen deren Güte einmal persönlich – dann wissen Sie, warum wir davon mit solchem Enthusiasmus schreiben.


Schritt für Schritt von Gang zu Gang

Kulinarisch Wandern im Bregenzerwald Fünf kulinarische Wanderungen führen durch die beeindruckende Kulturlandschaft des Bregenzerwalds und beinhalten Bergfrühstück, Mittagessen und Dessert mit ­regionalen Spezialitäten in verschiedenen Berggasthäusern und Restaurants, sowie Tickets für Fahrten mit den Bergbahnen und Bussen. Preis pro Person: ab € 47

(Ermäßigung für Inhaber der Bregenzerwald Saison-Card, 3TälerPass-Jahreskarte und Bregenzerwald Gäste-Card)

Information & Buchung: Bregenzerwald Tourismus GmbH Gerbe 1135, 6863 Egg T +43 (0)5512 2365 info@bregenzerwald.at www.bregenzerwald.at

Entdecken Sie mehr: www.bregenzerwald.at/kulinarisch-wandern-im-bregenzerwald

reisemagazin bregenzerwald · 55


Bregenzerwald Tourismus: Buchbare Angebote

Weitwanderungen Bregenzerwald

Information und Buchung: T +43 (0)5512 2365 info@bregenzerwald.at www.bregenzerwald.at

1. Mai – 31. Oktober 2021

Mit einem leichten Tagesrucksack ausgerüstet wandern Sie durch die beeindruckende Kulturlandschaft der Region Bregenzerwald. Ihr Gepäck reist währenddessen komfortabel von Hotel zu Hotel. Zur Wahl stehen der Käseweg (Drei-Tages-Wanderung) und der Architekturweg (Vier-Tages-Wanderung). Inkludierte Leistungen: • 4 oder 5 Übernachtungen mit Frühstück in einem ausgewählten *** oder **** Hotel • Gepäcktransport von Hotel zu Hotel • Bei Anreise mit PKW: Parkplatz beim ersten Hotel und Transfer zum Auto nach Ende der Tour • Bei Anreise mit Bus/Bahn/Flug: Transfer vom Bahnhof Dornbirn, Bregenz oder Oberstaufen zum ­ersten Hotel und Transfer zum Bahnhof Dornbirn, Bregenz oder Oberstaufen nach Ende der Tour • Wanderkarten, Streckenbeschreibungen, GPS-Tracks, Busfahrplan und Ortspläne • Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Entdeckungsfahrten mit den Bergbahnen und öffentlichen Bussen sowie für entspannende Stunden in den Freibädern Preis pro Person: ab € 549 im Doppelzimmer mit Frühstück (Käseweg: 4 Nächte) ab € 636 im Doppelzimmer mit Frühstück (Architekturweg: 5 Nächte) Auf Anfrage: Geführte Wandertour, Übernachtung mit Halbpension

Familien-Hüttenwanderungen Bregenzerwald

1. Mai – 31. Oktober 2021

Ein besonderes Erlebnis für große und auch für kleine Wanderer. Drei Tage lang erkunden Sie auf leicht zu begehenden Höhenwegen die schöne Bregenzerwälder Bergnatur – zweimal übernachten Sie auf einer Hütte. Die Tagesetappen sind kurz, zwischen 2 und 4 Stunden. So bleibt genügend Zeit für Spiele in der Natur oder den einen oder anderen Abstecher. Inkludierte Leistungen: • 2 Übernachtungen auf einer Hütte mit Frühstück oder Halbpension • Wanderkarte und Streckenbeschreibung Preis pro Person: ab € 79 im Matratzenlager (jeweils 6 – 8 Betten) mit Frühstück ab € 118 im Matratzenlager (jeweils 6 – 8 Betten) mit Halbpension Auf Anfrage: Kinderermäßigung

Alpine Hüttenwanderungen Bregenzerwald

30. Mai – 10. Oktober 2021

Sie wandern von Hütte zu Hütte durchs Hochgebirge und genießen prachtvolle Ausblicke auf die Bergwelt des Bregenzerwaldes und die umliegenden Alpen. Die Tagesetappen sind anspruchsvoll. Die Gehzeiten liegen zwischen 4 und 6 Stunden pro Tag und es gilt einige Höhenmeter zu überwinden.

Preis pro Person: ab € 77 im Matratzenlager mit Frühstück ab € 95 im Matratzenlager mit Halbpension Auf Anfrage: Übernachtung im Zimmer, Ermäßigung für Alpenvereinsmitglieder

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Fotos: Alex Kaiser, Johannes Fink

Inkludierte Leistungen: • 2 Übernachtungen auf einer Hütte mit Frühstück oder Halbpension • Wanderkarte und Streckenbeschreibung


Bregenzerwald Tourismus: Buchbare Angebote

Information und Buchung: T +43 (0)5512 2365 info@bregenzerwald.at www.bregenzerwald.at

Mountainbikewoche Bregenzerwald

1. Mai – 31. Oktober 2021

Der Bregenzerwald gilt mit 460 km ausgewiesenen Mountainbikerouten in allen Schwierigkeitsstufen immer noch als Geheimtipp. Erleben Sie die einzigartige Kulturlandschaft der Region und genießen Sie das herrliche Bergpanorama mit Ihrem Bike. Sie übernachten in einem top ausgestatteten Hotel und machen sich mit fach- & ortskundigen Bike Guides auf den Weg. Inkludierte Leistungen: • 7 Übernachtungen in einem *** Hotel mit Frühstück oder **** Hotel mit Halbpension • Gutschein für drei geführte (E-)Bike-Touren mit geprüftem Mountainbike Guide der Bikeschule ­Bregenzerwald • Mountainbike-Karte inkl. 20 Top-Routen • Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Entdeckungsfahrten mit den Bergbahnen und ­öffentlichen Bussen sowie für entspannende Stunden in den Freibädern Preis pro Person: ab € 599 im Doppelzimmer mit Frühstück im *** Hotel ab € 808 im Doppelzimmer mit Halbpension im **** Hotel

ION Ladies Weekend Bregenzerwald

10. bis 13. Juni, 16. bis 19. September 2021

Verbringen Sie ein erlebnisreiches Bike-Wochenende unter Frauen und optimieren Sie dabei Ihr fahrtechnisches Können. In nach Level unterteilten Kleingruppen erlernen bzw. optimieren Sie mit der Bikeschule Bregenzerwald die Grundlagen und Bewegungstechniken des (E-)Mountainbike-Sports und setzen diese in den geführten Touren um. Inkludierte Leistungen: • 3 Übernachtungen mit Frühstück in einem ausgewählten *** oder **** Hotel • Bike Fitting, 2 Fahrtechnik-Workshops im Bike Parcours, 2 geführte Touren mit Bike Guide, Yoga, Bikepflege und Schrauberworkshop, ION Überraschungspaket, Foto-Service, Bike & Wine mit der Bikeschule Bregenzerwald (Standort Au) • Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Entdeckungsfahrten mit den Bergbahnen und ­öffentlichen Bussen und für erfrischend-entspannende Stunden in den Freibädern Preis pro Person: ab € 439 im Doppelzimmer mit Frühstück im *** Hotel ab € 537 im Doppelzimmer mit Frühstück im **** Hotel

Genusstage Bregenzerwald

6. Juni – 3. Oktober 2021

Fotos: Sebastian Stiphout, Alex Kaiser

Das Bregenzerwald Genussangebot mit Preisvorteil. Wenn Sie von Sonntag bis Donnerstag buchen, übernachten Sie viermal und zahlen nur für drei Nächte. Inkludierte Leistungen: • 3 Übernachtungen von Donnerstag bis Sonntag oder 4 Übernachtungen von Sonntag bis Donnerstag in Unterkunft nach Wahl mit Frühstück oder Halbpension • Gutschein für eine kulinarische Ganztageswanderung im Bregenzerwald • Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Entdeckungsfahrten mit den Bergbahnen und öffentlichen Bussen und für erfrischend-entspannende Stunden in den Freibädern Preis pro Person: ab € 228 im Doppelzimmer mit Frühstück ab € 282 im Doppelzimmer mit Halbpension

reisemagazin bregenzerwald · 57


Bregenzerwald Tourismus: Buchbare Angebote

Schubertiade Bregenzerwald

Information und Buchung: T +43 (0)5512 2365 info@bregenzerwald.at www.bregenzerwald.at

18. – 28. Juni, 20. – 30. August 2021

Die Schubertiade im malerischen Dorf Schwarzenberg widmet sich der Musik Schuberts und s­ einer Zeitgenossen. Es erwarten Sie international bekannte Interpreten und Ensembles, inspirierende ­Liederabende und hochkarätige Konzerte. Inkludierte Leistungen: • Übernachtungen mit Frühstück oder Halbpension in einem ausgewählten *** oder **** Hotel • Mindestens 3 Schubertiade-Konzertkarten pro Person der besten Kategorie • Tickets für den Schubertiade Shuttle-Bus, der Sie vom Hotel zum Konzert und wieder retour bringt • Bregenzerwald-Informationsmappe mit Tipps für interessante Ausflüge • Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Entdeckungsfahrten mit den Bergbahnen und ­öffentlichen Bussen sowie für entspannende Stunden in den Freibädern Wir stimmen das Arrangement auf Ihre individuellen Wünsche ab. Preis auf Anfrage

Festspiele Bregenzerwald

22. Juli – 23. August 2021

Sie wohnen in einem ausgewählten Hotel in herrlich grüner Umgebung im Bregenzerwald und ­besuchen an einem Abend die Bregenzer Festspiele: Auf der größten Seebühne der Welt ist in diesem Jahr „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi zu hören und zu sehen. Inkludierte Leistungen: • 1, 2 oder 3 Übernachtungen mit Halbpension in einem Hotel Ihrer Wahl • 1 Ticket für „Rigoletto“ (Kat. 3/So – Do oder Kat. 4/Fr – Sa) • Transfer zur Aufführung der Bregenzer Festspiele und retour (mit öffentlichen Verkehrsmitteln) • Ab 3 Übernachtungen erhalten Sie die Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Entdeckungsfahrten mit den Bergbahnen und öffentlichen Bussen sowie für entspannende Stunden in den Freibädern Preis pro Person: ab € 194 im Doppelzimmer mit Halbpension (1 Nacht) ab € 278 im Doppelzimmer mit Halbpension (2 Nächte) ab € 362 im Doppelzimmer mit Halbpension (3 Nächte)

Fliegenfischen Bregenzerwald

1. Mai – 30. September 2021

Inkludierte Leistungen: • 3 oder 7 Übernachtungen mit Frühstück oder Halbpension in einer Unterkunft Ihrer Wahl • 4 Stunden Einführung ins Fliegenfischen, Termin wird individuell abgestimmt • Fischerkarte für 3 oder 6 Tage für die Reviere Subersach 1+2, Bregenzerach 3+4+5+7 und Bizauer Bach 32 (insgesamt ca. 70 km) • Bregenzerwald Gäste-Card für beliebig viele Entdeckungsfahrten mit den Bergbahnen und ­öffentlichen Bussen sowie für entspannende Stunden in den Freibädern Preis pro Person: ab € 509 im Doppelzimmer mit Frühstück / ab € 557 im Doppelzimmer mit Halbpension (3 Nächte) ab € 853 im Doppelzimmer mit Frühstück / ab € 977 im Doppelzimmer mit Halbpension (7 Nächte) Auf Anfrage: Fliegenfisch-Privatkurse und Guiding für Gruppen und Einzelpersonen, Fischerkarten für weitere Reviere

58 · reisemagazin bregenzerwald

Fotos: Christoph Lingg, Anja Köhler, Michael Namberger

Verbringen Sie drei oder sieben Nächte im Bregenzerwald und erkunden Sie die besten, nachhaltig bewirtschafteten Fliegenfisch-Reviere der Region. Inkludiert ist eine halbtägige Einführung in das Fliegenfischen mit Guide sowie die Fischerkarte für die Reviere Subersach, Bregenzerach und Bizauer Bach.


Tipp der Redaktion: Mit der Bregenzerwald Gäste-Card durchs Tal Die „Eintrittskarte“ zu allen bewegten und genussvollen Bergerlebnissen ist die Bregenzerwald Gäste-Card. Sie bringt Besucher beliebig oft per Bergbahn nach oben, gilt für umweltfreundliche Fahrten mit den öffentlichen Bussen und zudem für erfrischend-entspannende Stunden in den Freibädern. Die Bregenzerwald Gäste-Card erhalten alle Besucher, die zwischen 1. Mai und 31. Oktober 2021 drei oder mehr Nächte in einer der 24 Partner­gemeinden verbringen. Sie ist im Übernachtungspreis inkludiert. www.bregenzerwald.at

D Lindau Bod

ens

ee

Langen

Sulzberg

Buch Bildstein

Die Freibäder

Riefensberg

Bregenz Doren

9 Freibad Au Solarbeheiztes Schwimmbad, Breitrutsche, Kinderspielplatz, direkt am Radwanderweg

Krumbach 15 Hittisau

Langenegg

10 Waldbad Schoppernau Ideal für Familien mit Kinderplansch­ becken und Kinderbecken mit kleiner ­Rutsche, Tischtennis, Beachvolleyballplatz, Pit Pat-Kinderspielplatz in der Nähe

Alberschwende Lingenau 12 Egg

14

CH Dornbirn

Sibratsgfäll

Andelsbuch 1 2 11 Bezau

Schwarzenberg

Reuthe Mellau 3 13

Bizau

11 Schwimmbad Bezau Barrierefreies, beheiztes Freibad, Kinderbereich, Doppel-Kinderrutsche, Beachvolleyballplatz

Schnepfau Au 9 B re

4 Damüls 7 Sonntag

8 Fontanella

12 Schwimmbad Egg Sprungturm mit 1 und 3 Metern, 50-m-­Rutsche für Kinder und Erwachsene, vier Bahnen zu 33 m, separates beheiztes Kinderschwimmbecken mit Baby-Rutsche

5 ge

Schoppernau 10 nz

er

ac

h

Warth 6 Schröcken

Die Bergbahnen 1

7

Bergbahnen Andelsbuch www.bergbahnen-andelsbuch.at

Großwalsertaler Seilbahnen, Sonntag www.sonntagstein.at

2 Seilbahn Bezau www.seilbahn-bezau.at

8 Bergbahnen Faschina/Fontanella www.seilbahnen-faschina.at

3

Mellaubahn www.mellau-damuels.at 4

Uga Express, Damüls www.damuels-mellau.at 5 Bergbahnen Diedamskopf, Au-Schoppernau www.diedamskopf.at 6 Steffisalp Express, Warth www.warth-schroecken.at

Die Bergbahnen sind ab Mitte bzw. Ende Juni bis Anfang Oktober täglich geöffnet. Im Frühjahr und Herbst sind die Bergbahnen an den Wochen­enden in Betrieb. Bitte entnehmen Sie die genauen Betriebszeiten aus dem aktuellen Reisebegleiter.

13 Freibad Mellau 3-m-Springturm, schattiges Kinderbecken mit Rutsche, Tischtennis und Tischfußball 14 Schwimmbad Schwarzenberg Oberhalb von Schwarzenberg in ruhiger, sonniger Lage 15 Schwimmbad Hittisau Familienbad, grander Wasser, Breit­rutsche, 55-m-Erlebnisrutsche, großer Sandspielplatz

Die Schwimmbäder sind je nach Witterung von Ende Mai bis Anfang September geöffnet.

Die Busse Freie Fahrt auf den Buslinien des Landbus ­Bregenzerwald bis Bregenz und Dornbirn (ausgenommen die Stadtbusse), bis Lech (ausgenommen blaue Wanderbusse – Spullersee/ Formarinsee), mit der Linie 98 von Hittisau nach Balderschwang und mit dem Landbus Großes Walsertal bis Thüringen. reisemagazin bregenzerwald · 59


Tipps der Redaktion: Kulturelle Treffpunkte An kulturellen Höhepunkten mangelt es im Bregenzerwald nicht. Von der S ­ chubertiade Schwarzenberg mit zwei Konzertzyklen bis zu den Bregenzer ­Festspielen mit dem Spiel auf dem See kann der Hochkultur gefrönt werden. Im von Architekt Peter Zumthor geplanten Werkraumhaus in Andelsbuch ­werden das Bregenzerwälder Handwerk und die Kultur des Bauens und Wohnens in augenfälliger Form präsentiert.

Museen und Ausstellungen D

1 Werkraumhaus, Andelsbuch (→ S. 40) www.werkraum.at

Lindau Bod

ens

2 Frauenmuseum, Hittisau www.frauenmuseum.at

ee

Langen Bregenz

Doren

Buch Bildstein

4 Franz Michael Felder Museum, Franz Michael Felder Weg & KulturTour App, Schoppernau www.au-schoppernau.at

Krumbach

Langenegg

Hittisau

2

Alberschwende 7

5 Kulisse Pfarrhof, Damüls Vorarlberger FIS Skimuseum Damüls www.damuels.at

14 Lingenau Egg 6

H Dornbirn

3 Angelika Kauffmann Museum, Schwarzenberg www.angelika-kauffmann.com

13 Sulzberg 10 Riefensberg

Schwarzenberg

Sibratsgfäll

3

6 Egg Museum, Egg www.eggmuseum.at

1 11 12 Andelsbuch 8 15 Bezau

Reuthe

Bizau

Mellau

7 Heimatmuseum Alberschwende www.alberschwende.at

Schnepfau

8 Heimatmuseum Bezau www.bezau.at

Au Damüls 5

Br

eg

4 en

9 Alpmuseum „uf m Tannberg“, Schröcken www.alpmuseum.at

Schoppernau ze

ra

ch

Warth 9

Schröcken

10 Juppenwerkstatt, Riefensberg www.juppenwerkstatt.at

Kulturelle Treffpunkte 11 Hans Bach Kino im Jöslar, Andelsbuch www.joeslar.at

Klassische Musik

Sommerfestivals & Feste

Schubertiade Schwarzenberg 19. – 27. Juni und 21. – 29. August 2021 www.schubertiade.at

FAQ Bregenzerwald 30. August – 5. September 2021 www.faq-bregenzerwald.com

Bregenzer Festspiele – „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi 22. Juli – 22. August 2021 www.bregenzerfestspiele.com Klassik Krumbach Termin und Programm: www.klassik-krumbach.at :alpenarte – Bregenzerwald Schwarzenberg www.alpenarte.eu

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Bezau Beatz – Limited Edition 5. – 7. August 2021 www.bezaubeatz.at Bregenzerwälder Bezirksmusikfest in Lingenau 8. – 11. Juli 2021 www.zämmko.at Walser im Wald: „Klassik bis Rock“ im Bergdorf Damüls Anfang Juli – Ende August 2021 www.damuels.at

12 kulturverein bahnhof, Andelsbuch www.bahnhof.cc 13 ThalsaalKultur, Sulzberg-Thal www.thalsaalkultur.at

Lokalgeschichte 14 Lingenau erzählt Auf 4 Routen finden sich Tonaufnahmen von LingenauerInnen, die ihre Geschichte zu dem Ort erzählen, an dem man gerade ist. www.lingenau-erzaehlt.at 15 Das „Wälderbähnle“ Die sorgsam gepflegte Nostalgiebahn fährt mit ­historischen Diesel- oder Dampflokomotiven ­zwischen den Bahnhöfen Bezau und Schwarzen­ berg. Die Remise in Bezau ist ein beliebter ­Veranstaltungsort. www.waelderbaehnle.at


Potentiale für eine gute Zeit

30. August – 05. September 2021 Bregenzerwald/Vorarlberg

WIE GEHTS ? Das Forum mit Festival charakter und kulinarischem A nspruch.

www.faq-bregenzerwald.com reisemagazin bregenzerwald · 61


Mountainbike-Karte ­Bregenzerwald

Wanderkarte Bregenzerwald

inkl. 20 Top-Routen

inkl. Booklet mit 50 Wanderrouten

Zum Nachfahren und Miterleben. Die ­flotteste Form, um den Bregenzerwald zu erkunden und dessen mannigfaltige ­Gestaltung zu ­erfahren. Preis: € 9,90

Über 1.500 Kilometer beschilderte Wanderwege führen durch die Talschaft und auf ihre Berge. Fünfzig ausgesuchte Wanderrouten sind in einem Wander­ führer zur Wanderkarte versammelt. Preis: € 14,90

Erhältlich bei: Bregenzerwald Tourismus, T +43 (0)5512 2365, info@bregenzerwald.at und in den örtlichen Tourismusbüros und Sportshops im Bregenzerwald Online-Bestellung: www.bregenzerwald.at

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