V o m t ä t i g e n L e b e n
Eine Institution im Wald fühlt sich ganz besonders der Wohnqualität verpflichtet: der werkraum bregenzerwald Die Wohnkultur hat eine lange Tradition im Bregenzerwald. Ein verlässliches Gespür und ein sicherer Sinn für Formen, Proportionen und Material lassen sich an den Wälderhäusern ebenso ablesen wie an der Juppe oder einem feinen Hefezopf. „Das ist unser kulturelles Erbe, auf das wir stolz sind und dem wir uns verpflichtet fühlen, das uns aber auch trägt.“ So klingt es aus dem Mund des Werkraum-Handwerkers. Das Handwerk produziert für einen bestimmten Ort und für ganz bestimmte Menschen, nicht für anonyme Konsumenten, sondern für individuelle Nutzer. Die Handwerker im Werkraum sind eine erste Adresse, wenn es darum geht, Bedürfnisse zu begreifen und Orientierung fürs menschen gerechte Wohnen zu schaffen. Ein gutes Beispiel dafür ist eine Schubladenkommode aus Kirschholz, beim jüngsten Handwerk+FormWettbewerb von der Jury ausgezeichnet. Dabei stehen unsere Handwerker mit beiden Beinen auf festem und, warum nicht, goldenem Boden. „Ein Möbelstück, das sich auch nach zehn Jahren noch gut verkaufen lässt, hat absolut das Zeug zum Klassiker.“ Anton Mohr aus Andelsbuch weiß, wovon er spricht. Gut gemachtes Handwerk soll das Wohnen, ja das Leben erleichtern. Design ist kein Selbstzweck. An erster Stelle stehen die täglichen Bedürfnisse der Menschen. Eine gesunde Portion Witz hat durchaus ihren Platz. Apropos Platz: War die Leistungsschau der Werkraum-Mitglieder bisher auf temporäre Bauten und einen eher provisorischen Ausstellungsraum im Schwarzenberger Depot angewiesen, soll bis längstens 2012 das eigene Domizil stehen.
Der Entwurf zum Werkraum-Haus in Andelsbuch trägt die Handschrift von Stararchitekt Peter Zumthor. Auf etwa 900 Quadratmetern entsteht ein Zentrum für alle Themen und Fragen des Handwerks. Die derzeit rund 90 Werkraum-Mitgliedsbetriebe, die zu etwa gleichen Teilen auf Vorder-, Mittel- und Hinterwald verteilt sind, nehmen damit eine große Herausforderung an: Als Anlaufstelle für Bauherren und Architekten, als Ausstellungsund Veranstaltungszentrum, als Büro und Verwaltungszentrale soll der Bau dienen. Werkraum-Geschäftsführerin Renate Breuß sieht aber noch mehr, stellt das Projekt in einen großzügig dimensionierten kulturellen Kontext: „In Bezug auf das Wohnen wollen wir Lebensweisen und Lebensgewohnheiten aufzeigen. Da interessiert auch die Arbeit des Zimmermanns in Japan oder die Lichttechnik im Veneto. Wir sind gespannt auf Impulse aus vergleichbaren Regionen.“ Somit bedeutet die Errichtung des WerkraumHauses einerseits eine weitere Verankerung im Bregenzerwald mit Schwerpunktsetzung zum Beispiel im Bereich der Nachwuchsförderung und andererseits eine weitere Öffnung in Richtung nationale und internationale Märkte, wie sie derzeit schon mit Auftritten bei einschlägigen Messen oder mit internationalen Engagements einzelner Betriebe stattfindet. Der Werkraum bekommt ein Zuhause – und beheimatet sich in der Welt. „Wir möchten die Menschen zum Handwerk hinführen und unsere Möglichkeiten, Potenziale und Stärken präsentieren.“ Renate Breuß sieht in der Bespielung, sprich Nutzung des neuen und großzügigen Hauses die entscheidende Aufgabe, an deren Umsetzung derzeit intensiv gearbeitet wird. Peter Natter
Bregenzer wald Spektrum
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