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winter 09|10

Ausgabe o1 | € 3,50 | www.bregenzerwald.at

reisemagazin

Sonne, Schnee & Skivergnügen Echt für Männer & viel für Kinder Extremsportler & Umweltaktivist Architektur von Weltrang Kultur & Handwerk Traditionsküche & Gourmettempel Wälderisch & Wissenschaft


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Servas!*

AutorInnen dieser Ausgabe Florian Aicher lebt als Architekt und Autor im Allgäu Renate Breuß arbeitet als Geschäftsführerin des „Werkraum Bregenzerwald“ Milena Broger ist Schülerin und ­Autorin im Bregenzerwald Nora Fuchs ist Kunsthistorikerin und Journalistin in Wien Ulrike Kinz arbeitet als Autorin in Wien, vorwiegend im Tourismus-Bereich Peter Natter betreibt im Rahmen ­seiner ­ Tätigkeit als Philosoph eine Praxis für ­ Philosophie und Literatur im Bregenzerwald Anne Siegel arbeitet als TV- und ­Hörfunk­autorin in Köln

Ja, es sieht aus wie Alaska, nein, es ist der ­Bregenzerwald. Auch hier kann man mit Hunde­ schlitten durch eine einzigartige Landschaft ­sausen. Erwin Metzler und seine Frau Manuela halten sieben Huskys, die im Winter auch Gäste ziehen. Claudia, die auf unserem Cover zu sehen ist, hat Metzler bei einem ­Schlittenhundeseminar in Schweden kennengelernt, mittlerweile lebt sie in Mellau. Kira, unser Cover-Husky, ist eine der sieben „Metzlers“. www.huskyerwin.com

Ulrike Marte, Herlinde Moosbrugger Bregenzerwald Tourismus

Lassen Sie ihn nicht links liegen – den Bregenzerwald. Sie könnten etwas verpassen. Warum sollte man im „Wald“ (wie ihn die Vorarlberger liebevoll nennen) seinen Urlaub verbringen? Ein Besucher hat es so formuliert: „Die Aufenthalte im ,Wald‘ bereichern mich: die Kultur der Region, die Lebensart der Menschen, die Gespräche mit ihnen, das Aktivsein in einer schönen Landschaft vom Skifahren bis zum Wandern, umgeben von schönen Dingen. All dies lässt mich erfüllt und manchmal auch mit neuen Perspektiven für mich selbst nach Hause fahren.“ Zweifellos ein Liebhaber des „Waldes“ – und in vielen Dingen hat er recht. Der Bregenzerwald ist ein Lebensraum von Menschen, für die Werte wichtig sind: Sie haben ein hohes Qualitätsbewusstsein und achten auf regionale Produkte sowie Nachhaltigkeit – auch deshalb gibt es hier so viele ausgezeichnete Restaurants.

Impressum

Auch schätzen die „Wälder“ den Nutzen an den Dingen – darüber hinaus ­sollen sie schön sein. Die ­Bregenzerwälder schaffen sich ihren Lebensraum auf „eigen + sinnige“ Art. Sie halten an guten alten Traditionen fest und sind zugleich offen für Neues. Diese Einstellung hat hier zu einer Weltklasse-Architektur und zu europaweit begehrtem Handwerk geführt. Die Menschen machen den „Wald“ aus (schön und abwechslungsreich ist er sowieso). Daher stellen wir Ihnen im Reisemagazin Bregenzerwald Menschen aus der Region vor. Sie erzählen von sich, berichten von ihren Leidenschaften und Träumen. Dies ist der rote Faden: Menschen mit spannenden Geschichten aus dem „Wald“. Authentische Geschichten, mit Vergnügen von unseren Redakteuren verfasst, bringen Ihnen den Lebensraum Bregenzerwald näher. Damit Sie ­kommen, um ihn und seine Menschen selbst kennenzulernen. Servas! *So grüßt man im Bregenzerwald

Herausgeber und Medieninhaber: Bregenzerwald Tourismus GmbH, Impulszentrum 1135, 6863 Egg, Österreich Konzeption/Redaktion: Fuchs & Partner, Wien Konzeption/Gestaltung: Frank Broger, Andelsbuch Fotografie: Adolf Bereuter Archivbilder: Monika Albrecht, Ludwig Berchtold, Hubert Cernenschek, Franz Fetz, Christoph Lingg, Roswitha Natter, Andreas Riedmiller, Peter Rigaud, Iris Türtscher, Dietmar Walser Druck: Druckhaus Gössler, Bezau reisemagazin bregenzerwald · 1


Das Bregenzerwald Gewinnspiel

Die erste Auskunftsstelle Das Informations- und ServiceCenter in Egg berät Sie über alle Belange des Bregenzerwaldes und Ihren Urlaub. Hier finden Sie u. a. einen frei zugänglichen Internet-Terminal, eine Vorverkaufsstelle für den 3-Täler-Skipass sowie eine Ausgabestelle für die Bregenzerwald Gäste-Card. Bregenzerwald Tourismus Impulszentrum 1135 6863 Egg, Vorarlberg, Österreich Tel. +43(0)5512 2365 Fax +43(0)5512 3010 info@bregenzerwald.at www.bregenzerwald.at Öffnungszeiten Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr Samstag, Sonn- und Feiertag von 8 bis 13 Uhr

Ihre Chance, den Bregenzerwald persönlich kennenzulernen: Ganz einfach mit dem Meinungsbarometer auf http://ihremeinung.bregenzerwald.at Nützen Sie unser Online-Meinungsbarometer und teilen Sie uns mit, wie wir das Reisemagazin Bregenzerwald für Sie noch besser machen können. Mit einem Mausklick können Sie damit eine Urlaubswoche samt Skipass für zwei Personen oder einen der anderen Preise gewinnen. 1. Preis: 1 Woche Urlaub für 2 Personen im Bregenzerwald in einem ****Hotel mit Halbpension und 6 Tage 3-Täler-Skipass 2. bis 5. Preis: 3 Tage-3-Täler-Skipass für den Bregenzerwald 6. bis 10. Preis: Musik-CD „Querschlager“ des Holstuonarmusigbigbandclub aus dem ­Bregenzerwald Teilnahmeschluss ist der 30. April 2010. Die Gewinner werden schriftlich verständigt. Teilnahmebedingungen: Schriftverkehr, Barablöse und Rechtsweg sind ausgeschlossen. Teilnehmer stimmen mit der Angabe ihrer Post- und E-Mail-Adresse sowie Telefonnummer jederzeit widerruflich der Verwendung dieser Daten zur Information und Werbung über Produkte sowie Angebote des Bregenzerwald Tourismus zu.

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Inhalt:

Der Bregenzerwald Freiraum

Sonne & Schnee

Viel Platz für Menschen mit ihren einzigartigen Lebensvorstellungen

Berge, Wald und Täler von Sonne und Schnee verwöhnt

Extremsportler Bernhard Bechter 4

Das Schneeparadies 6 Wintermärchenwald 10 Für echte Kerle 12 Wintersport 14 Post ab im Tiefschnee 16 Absolut nicht für alle 18

Persönlichkeit

Weltklassearchitektur

Menschen, die ihr Leben nach ganz eigenem Sinn und Wert gestalten

Baukunst des 21. Jahrhunderts: nachhaltig, ökologisch, effizient und schön

Das Wagnis der Behaglichkeit 22

Das Ganze zur Einheit bringen 24

Tradition

Kochkultur

Bodenständige Tradition, verbunden mit kosmopolitischer Weltläufigkeit

Traditionelle Speisen und Rezepte neu und gesund interpretiert Moorfrüchte 28 Die Katz’ im Ofen 30 Gutes Essen, feine Hotels 34

Kolumnen

Aus anderer Sicht 9 G’hörig Wälderisch 13 Brief aus Oloumouc 21

Zukunftsträume Eine stetig wachsende Bevölkerung und eine dynamische Wirtschaft Zündende Ideen 32

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Freiraum

Text: Nora Fuchs

Mit 102 km/h direkt in den Boden

Mit diesem Schirm springt Bernhard Bechter von der 1715 Meter hohen Niedere in rund zwei Minuten ins Tal – auch im Sommer, dann aber ohne Ski

Flieger-Tipp: Tandem-Passagierflug Das Fluggebiet Bregenzerwald (Niedere bei Bezau-Andelsbuch und Diedamskopf bei Au-Schoppernau) ist für seinen ­laminaren Hangaufwind und seine gutmütige Thermik bekannt. Tandem-Passagierflug: € 100 Schnupperkurse: ab € 90

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Information Flugschule Bregenzerwald Jodok Moosbrugger Tel. +43(0)5514 3177 oder +43(0)664 5127765 (Tandemflug-Buchung) www.gleitschirmschule.at


Bernhard Bechter: Extrem­sportler und Filmer, Wal- und Umweltschützer Es dauerte nur zwei Minuten. So schnell wie Bernhard Bechter hatte noch niemand die rund tausend Meter Höhenunterschied an der „Niedere“ bei Bezau überwunden – jedenfalls nicht lebend. Und beinahe wäre auch Bechter ein Opfer dieses Tempos geworden. Eine Unachtsamkeit, und schon schlug er mit seinem 11,8 Quadratmeter kleinen Speedrider-Schirm auf – das GPS zeigte 102,4 km/h an. „Ich hatte Riesenglück, dass ich nicht im Rollstuhl sitze“, meint der Extremsportler nach drei ­Monaten Gipskorsett und vier Monaten Physio­ therapie. Bechter liebt die neue Wintersportart Speedriding, eine Mischung aus Skifahren, Fallschirmspringen und Paragleiten. Und dem Tod von der Schippe gesprungen ist der 41-jährige Bregenzerwälder nicht nur einmal. Seine erste Expedition mit Ziel Kanada startete er im Alter von 13 ­Jahren. Nach zwei Tagen im verschneiten ­Bregenzerwald fand man ihn und brachte ihn zu seinen Eltern zurück. Mit 19 ­absolvierte er seine erste Überlandtour – ­tausend ­Kilometer durch ­Norwegen und Schweden ohne Zelt und nennenswerte Ausrüstung. Mit 21 folgte die erste große Expedition in Alaska – und fast das Ende: Beim Überqueren unzähliger Bäche in der BrooksGebirgskette rutschte er ab und landete im eisigen Schmelzwasser. Obwohl stark unterkühlt, konnte er sich retten – nur sein Essensvorrat, 17 Kilogramm Nüsse, war dahin. Weitere Expeditionen brachten Bernhard Bechter im Laufe der Jahre um die halbe Welt – vom arktischen Norden bis in die Karibik. Einen Großteil der Strecken legte er mit Kajak oder Fahrrad zurück, Karte und Kompass dienten als Orientierungshilfe. Nur Kanada zu Fuß vom Bregenzerwald aus zu erreichen, hat er nicht noch einmal versucht.

Dann wurde bei ihm Krebs d ­ iagnostiziert. Jetzt ging er aufs Ganze: Nach einer Kontroll­untersuchung 2004 machte er sich direkt vom Bregenzer Spital aus mit dem Fahrrad und einer Flugausrüstung auf: Er nannte es seine „Back To Life“Tour. Unterwegs bestieg er in ­Norwegen den höchsten Gipfel des Landes, den 2469 Meter hohen Galdhopiggen, und flog von dort ins Tal hinunter. Der eingangs erwähnte SpeedriderFlug war ein Test. Bechter wollte dabei die Kamerahalterung am Fuß aus­ probieren, um dann im Sommer 2008 zu einer Walfang-Konferenz nach Chile aufzubrechen. Er hatte vor, dort auf einem etwa 7000 Meter hohen Vulkan eine Pressekonferenz zu organisieren. „Wenn ich schlecht geschlafen habe, rühre ich den Schirm nicht an. Doch das war die berüchtigte Ausnahme: Ich arbeitete bis sechs Uhr früh, sprang dann übernächtig und vergaß, den Brems­ impuls zu setzen.“

„Nach so vielen Reisen kann ich neue Energie am besten im ­Bregenzerwald tanken“ Wegen seiner spektakulären Projekte gegen den kommerziellen Walfang oder für den Schutz seltener Tierarten wurde Bechter oft belächelt und angefeindet. Doch mittlerweile wird er für seine Verdienste als Natur- und Artenschützer weltweit gewürdigt. „Nach so vielen Reisen kann ich neue Energie am besten im Bregenzerwald tanken. Wir könnten ruhig stolzer sein auf das, was wir haben. Und wir sollten die unberührte Natur unter Schutz stellen und sie als eine nachhaltige Quelle erachten.“ Schließlich bietet sie ja auch unwiderstehliche Gelegenheiten für waghalsige Männer.

Insider

Bernhard Bechter arbeitet auch als Tandempilot in der Flugschule Bregenzerwald. „Bei Neuschnee schätze ich die Variantenskiabfahrt Niedere Hang – Baumgarten oder auch die Abfahrt Niedere Kopf – Mulde. Sie gelten als „Geheimtipp“ unter den Einheimischen. Wer es einmal versucht hat, weiß warum: Pulverschnee und eine wunderbare Aussicht in eine grandiose Bergwelt.“ www.bergbahnen-andelsbuch.at reisemagazin bregenzerwald · 5


Sonne und Schnee

Das Schneeparadies Text: Anne Siegel

Der Bregenzerwald mit der ­schneereichsten Region Europas ist Bühne für das große Skivergnügen Im Nachhinein bin ich dem Sonntagsfahrer dankbar, diesem

anderen Deutschen, der uns in seinem etwas retrohaften Automobil mit lautem Diesel-Geknatter die Fahrbahn in den winterlichen Bregenzerwald versperrt. Ohne seine leicht verkrampfte Fahrweise, die ihn als „Flachlandtiroler“ ausweist, ohne dieses Blech gewordene Hindernis wäre der Blick auf das, was nun folgt, nur halb so spektakulär. Als sich die dunkle Dieselwolke verzieht, liegt sie vor uns: die weiße Winter­ wunderwelt des Bregenzerwaldes. Sanft geschwungene Hügel im strahlenden Frühjahrssonnenlicht, die eine Weichheit offenbaren, dass die Betrachterin sich die Augen reibt. Wohnten Tolkiens Hobbits nicht inmitten grüner statt weißer Hügel? Still ist es hier und ungeheuer unberührt. Einfach märchenhaft!

Tatsächlich bilden Saloberkopf und Warther Horn den Eingang zu einer der faszinierendsten Winterlandschaften ­Europas. Hier, unter dem meterhohen Schnee, verbirgt sich die artenreichste Flora unseres Kontinents. Doch noch sollen die zarten Pflänzchen sich unterm frischen Weiß ausruhen dürfen, denn diese Natur bietet einen weiteren Superlativ: Dies ist gleich­ zeitig das an Schnee reichste Gebiet Europas. Bis in den späten April hinein scheint Petrus höchstpersönlich das Land an der Nordseite der Alpen mit ­Neuschnee aus Westen zu segnen, mit elf Metern im Schnitt, so die Statistik der letzten 30 Jahre.

Reise-Tipp: Variantenskifahren für Könner

Die geführte Variantenpauschale bietet Ihnen die Möglichkeit, die Berge des Bregenzerwaldes und der angrenzenden Täler zu entdecken. Die Kombination von kurzen Anstiegen (max. 1 Stunde) und der Auffahrt mit verschiedenen Liften ermöglicht lange und bis zu 40° steile Abfahrten abseits der Pisten.

Insider

Hubert Strolz, Olympiasieger und Skischulleiter „Perfektes Fahrtraining, die richtige Selbsteinschätzung und der Umgang mit allen möglichen Sicherheitsstandards sind einfach wichtig. Daher können Ski- und Snowboardfahrer bei den SAAC Lawinen- und Sicherheitscamps in Warth-Schröcken über alpine Gefahren, Risikomanagement, Ausrüstung und die richtige Verhaltensweise abseits der gesicherten Pisten alles Wichtige erfahren.“ www.saac.at, www.snowworld.at

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Leistungen: 3 Übernachtungen mit Halbpension; Wellnessangebot (Sauna, Dampfbad); 2 geführte Touren mit diplomierten Berg- und Skiführern; Skipässe; Transfer zu den Tourenausgangspunkten; Touren-Tee Termine: 10. – 13. 12. 09 | 13. – 16. 12. 09 | 17. – 20. 12. 09 | 10. – 13. 1. 10 | 14. – 17. 1. 10 | 17. – 20. 1. 10 | 21. – 24. 1. 10 | 31. 1. – 3. 2. 10 | 4. – 7. 2. 10 Preis pro Person: ab € 432 im Doppelzimmer im ***Hotel Adler Warth Buchung, Info: Tel. +43(0)5512 2365, http://winter.bregenzerwald.at

Blick auf Warth im Bregenzerwald, wo im Winter die Skipisten bis ins Dorf hinein führen


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Sonne und Schnee

Das macht die Gegend rund ums Karhorn zu einem Geheimtipp für Freerider. „Früher hätt’ ma

Tiefschneefahren gesagt, heute heißt’s halt Freeride“, bekennt Hubert Strolz lachend. Der Olympiasieger, heute Leiter der Ski- und Snowboardschule Warth, ist ein moderner, gleichzeitig erdverbundener Mann, und damit ein typischer Vertreter des hiesigen Menschenschlags. Authentizität und Nachhaltigkeit sind dem Mittvierziger wichtig, der OlympiaGold aus dem fernen Calgary heim in den Bregenzerwald brachte.

„Früher hätt’ ma Tiefschnee­ fahren gesagt, heute heißt’s halt ­Freeride“ Die sanfte Winterlandschaft liegt in strahlendem Sonnenschein, nur Wind und das Schwingen der Skier sind zu hören. Über weißen Wipfeln kreist ein Greifvogel in weiten Bahnen. Pistenzirkus ist anderswo, trotz moderner, beheizter Lifte. Weiter oben suchen Tourengeher, mit „Fellen“ unter den Skiern die Aufsteiger schlechthin, einen Weg übers Karhorn, um auf der anderen Seite abfahren zu können. Auf einer Loipe schaukeln Langläufer in sanften Rhythmen über die Anhöhe der Passregion. Ein Teil der naturbegeisterten Besucher ist auf Schneeschuhe umgestiegen. Pur fühlt es sich an, wenn die hohe Schneedecke unter den breiten Schuhen knirscht. Ganz „Trapper-like“ und vollkommen eins mit der Natur steigen die Schneeschuhgeher auf ihren eigenen Wegen. Auch Hundeschlitten gibt es hier, hechelnd ziehen Huskys ihre fröhliche Last auf Sportschlitten vorbei. Für Hubert Strolz sind „Telemarker die Harley-Fahrer unter den Skiläufern“. Sie fahren mit spezieller Bindung und Schuhen, die – passend zur knienden Schwungtechnik – nur an den Spitzen befestigt werden. Jasmin Bischof ist eine dieser „­Harley-Fahrerinnen“. Die zwanzigjährige Skilehrerin trägt ein Piercing in Form eines kleinen Steins am Nasenflügel, einen halblangen Bob und strahlt, wenn das Gespräch aufs Telemarken kommt. Überhaupt fällt es schwer, sich Jasmin nicht strahlend vorzustellen. Sie stammt aus einer Skilehrerdynastie, liebt die Berge und führt die elterliche Haflingerzucht fort. Morgens melkt sie die Kühe, bevor sie auf die Ski steigt. Im Sommer betreibt sie mit anderen auf einer

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1400 Meter hoch gelegenen Alpe eine Hütte. Vier Jahre dauert die aufwändige Ausbildung zur Landesskilehrerin. Alle Kurse und selbst das die Skischüler beeindruckende Equipment zahlen die Lehrer und Lehrerinnen selbst. Apropos: An Ski­lehrerinnen herrscht derzeit Mangel, gerade die Kinderskischulen suchen Frauen. Jasmin liebt ihre Kinderskischule am Salober: „Wie einer auf den Skischuhen daherkommt, so fährt er Ski“, erklärt sie. Nach vier Tagen Kurs hat sie den Wintersport-Winzlingen ihre Ängste genommen, eine neue Generation von Skibegeisterten fährt die Pisten hinab.

„Wie einer auf den Skischuhen daherkommt, so fährt er Ski“ Auch die Freerider haben den Bregenzerwald zu ihrem neuen Trend-Gebiet erkoren. Hier, auf der anderen Seite des Arlbergs, etablierten sie mit ihren Fatboy-Brettern in Baggy-Pant-Skihosen die neue Trendsportart in der Region. Ihr Style passt prima zum Lebensgefühl der „Wälder“, auch sie sind erdverbunden, naturnah und weltoffen. Und verantwortungsvoll: Mit Software-Experten schufen sie hier das technisch modernste Hightech-Lawinensuchfeld Österreichs. Während der „Freeride-Days“ werden in Info-Camps hippe Tiefschneespezialisten in Sicherheit und nachhaltigem Fahren geschult. Offensichtlich haben neben Skifahrern, Tourengehern, Lang­ läufern und Winterwanderern auch die Freerider die sanfte Natur des Bregenzerwaldes in ihr Herz geschlossen. Wer sie liebt, wird viele Winter wiederkommen.

Reise-Tipp: Skitouren Schnupperpauschale

Bei einfachen Geländefahrten mit kurzen Anstiegen erlernen Sie die ­Gehtechnik mit Tourenskiern und Fellen, Schnee- und Lawinenkunde, den Umgang mit einem Verschütteten-Suchgerät sowie sicheres Abfahren bei allen Schneearten. Leistungen: 4 Übernachtungen mit Halbpension; Wellnessangebot (Sauna, Dampfbad); 3 Schulungs-/Tourentage mit diplomierten Berg- und Skiführern; Skipässe; Transfer zu den Tourenausgangspunkten; Touren-Tee Termine: ***Hotel Adler Warth: 9. – 13. 12. 09 | 16. – 20. 12. 09 ***Hotel Gasthof Schwanen Bizau: 10. – 14. 1. 10 | 31. 1. – 4. 2. 10 Preis pro Person: ab € 574 im Doppelzimmer im ***Hotel Adler Warth ab € 510 im Doppelzimmer im ***Hotel Gasthof Schwanen Bizau Buchung, Info: Tel. +43(0)5512 2365, http://winter.bregenzerwald.at


Aus anderer Sicht Karl-Heinz Ritter nimmt eine seltene Augenerkrankung das Augenlicht, doch lässt er sich vom Skifahren nicht abbringen

Winterfreuden Wenn der erste Schnee endlich das graue Herbst­ende in einen strahlenden Winteranfang verwandelt, hoffe ich als begeisterter Ski- und Langläufer auf eine schneereiche Saison. Für mich als stark Sehbehinderten, der Sport in freier Natur nur mit Begleitläufer ausüben kann, sind die Orte Hittisau und Schoppernau zum Ziel meiner Langlaufausflüge geworden. Besonders letztgenannter, weil ich dort, nach der ersten jugendlichen Erfahrung mit den dünnen Brettern, viele Jahre später bei einer Langlaufwoche des Vorarlberger Blindensportclubs die Freude an diesem Ausdauersport entdecken durfte. Mir gefällt an Schoppernau die Kombination von langen Geraden, etwa entlang der Bregenzerach, auf der ich zu Saisonbeginn in einen guten Rhythmus finden kann, und den anspruchsvollen Loipen über der Ach, die mir konditionell und technisch einiges abverlangen. Auf der flachen Dorfloipe in Hittisau trainiere ich gern zum Einstieg in die neue Saison. Ein weiteres meiner Ziele ist das Langlaufgebiet am Hochhäderich. Die dort in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gespurte Höhenloipe fordert mich mit ihren Anstiegen und Abfahrten. Aber die schweißtreibende Anstrengung lohnt schon allein wegen der malerischen, offenen Landschaft und viel Sonne.

Die „andere“ Seite des weltberühmten Skigebiets Arlberg: Abfahrt bei Warth

Skifahren, das ich erst in den letzten drei Jahren wieder für mich entdeckt habe, zählt zu meinem zweiten Steckenpferd beim Wintersport. Dabei schwebte mir immer vor, auch einmal Skitouren zu gehen, weil das ja eigentlich eine Kombination aus Langlauf und Skifahren darstellt. So startete ich heuer den ersten Versuch und tourte von der etwas höher gelegenen Parzelle Eschach auf den Hausberg meiner Andelsbucher Heimat, auf die Niedere. Begleitet hat mich mein Nachbar Claudio Mätzler. Als Anfänger rutschte mir dreimal ein Steigfell vom Ski, aber schlussendlich haben wir’s ins Bergrestaurant am Gipfel geschafft. Es war ein Spaß, der Lust auf mehr erweckt hat. reisemagazin bregenzerwald · 9


Sonne und Schnee

Text: Nora Fuchs

Wintermärchenwald

Kinder lieben den winterlichen Wald – und ihre Mütter auch, genießen doch die Kleinen hier ihren weißen Spaß im Schnee Wer am Diedamskopf den lachenden Kindern zusieht, wie

sie auf ihren Rodeln und Skiern durch den glitzernden Schnee talwärts sausen, wäre gern selbst wieder Kind – so frei und doch irgendwie behütet. „Die Bregenzerwälder Natur ist wie eine Wiege“, sagt die Dichterin Birgit Rietzler bei selbstgebackenem Rhabarber-Kuchen und Kaffee in ihrem gemütlichen Holzhaus. Die imposanten Berge münden in sanfte Täler, die Landschaft liegt wie auf einer offenen Hand überschaubar und auf berückende Weise freundlich da. Kinder lernen das Skifahren im Bregenzer­wald praktisch parallel zu ihren ersten Gehversuchen. Die ­Möglichkeiten dafür liegen ja direkt vor der Haustür.

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Marion Bär, 30, hat eine Holländerin zur Mutter, die ihren Mann im Skiurlaub fand. Momentan erledigt Marion die Büroarbeit im Forstunternehmen ihres Mannes und hilft ihren Eltern in deren Reformhaus. „Man braucht kein Auto, um in die Ski- und Langlaufgebiete zu kommen. Ein Gratis-Skibus fährt im 40-Minuten-Takt zwischen Au, Diedamskopf und Schoppernau. Und der Skibus Bregenzerwald nach Warth, Schröcken, Damüls und Mellau.“

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„Solange die Kinder klein sind, gehe ich mit ihnen in die unmittelbare U ­ mgebung Skifahren“, sagt die aus Au stammende Marion Bär. „Im B ­ regenzerwald gibt es für Kinder auch jede Menge anderer Attraktionen. Meine lieben das Nacht­rodeln am Grunholz und zu Weihnachten freut sich meine Anna auf die Krippe mit lebenden Tieren.“ Die Mutter des siebenjährigen Louis, des sechsjährigen Josef und der dreijährigen Anna schildert eine Fahrt auf den über 2000 Meter hohen Diedamskopf mit der Gondelbahn: ein Erlebnis! Am Gipfel präsentiert sich ein herrliches Panorama mit Blick über den Bodensee bis hinaus zu den Allgäuer Alpen und an extrem klaren Tagen sogar bis zum Ulmer Münster. Im Didiland bei der Bergstation toben die Kinder durch ein riesiges Spielparadies mit Hüpfburg, Kriechtunnel, Balanceinsel, Kletterturm, Traktorstation, Mal- und Bastel­ecke – und krabbeln dann zufrieden in den Ruheraum für ein Schläfchen nach so viel „Action“. Größere zieht es ins Igluland Diedamskopf mit dem Safety-Camp. Hier lernen sie, wie man sich im Winter in der Natur richtig verhält. „Während ich auf der Piste bin, werden die Kinder voll versorgt“, erklärt Marion Bär. „Für Gästekinder zwischen drei und acht in Au und Schoppernau ist die Betreuung gratis. Meine Verwandten aus Holland kommen mit ihren Kindern jedes Jahr her.“ Kein Winterurlaub ist für die Kinder lang genug, um das ganze Angebot an Naturerlebnissen und Sportmöglichkeiten auszuschöpfen. Gut so, sie wollen ja nächstes Jahr auch noch was Neues entdecken: das Skifahren, Rodeln, Langlaufen, Schneeschuhwandern,

Im Schnee wird ihnen nie langweilig: Lisa-Marie, Lea und Josef auf einer Bootsschaukel

Schlittenfahren, Eislaufen, Skaten, Winter­ wandern, Snowboarden … „Viele unserer Gäste kommen bereits in der dritten Generation“, sagt Heidi Hager, Mutter von drei Mädchen ­zwischen einem und fünf Jahren. „Großeltern und Eltern haben hier den Urlaub erlebt, und jetzt kommen die Kinder mit ihren Kindern.“ Sie selbst schwärmt von ihrer Kindheit in Au. „Das Herumtollen im ersten Schnee war immer ein Riesenspaß, und jede freie Minute bin ich auf Skiern ­gestanden. Mit meinen Mädchen Marie, Lea, und Laura gehe ich auch Skifahren. Für sie gibt es einen eigenen Babylift in ­Schoppernau. Kinder erleben den ­Bregenzerwald als Wintermärchenland. Als Mutter musst du dir nie etwas einfallen ­lassen, es gibt einfach alles, was die Kleinen unterhält.“ www.diedamskopf.at


Reise-Tipp: Aktion „Kinderschnee“ Bei der Aktion „Kinderschnee“ bekommen ­Kinder von 3 bis 6 Jahren den Skipass gratis und ­können außerdem einen 4-tägigen Skikurs kostenlos ­besuchen. Leistungen: 7 Übernachtungen in einer Unterkunft nach Wahl; 6 Tage-3-Täler-Skipass für Kinder von 3 bis 6 Jahren (Jahrgänge 2004/2005/2006); 4-Tage-Skikurs für Kinder von 3 bis 6 Jahren

Insider

Heidi Hager, 35, besuchte die Handels­ schule in Bezau, lebt mit ihrer Familie in Schoppernau und arbeitet als Buchhalterin und ­Lohnverrechnerin im Betrieb ihres Mannes. „Mein Lieblingsort ist das Naturschutzgebiet Auer Ried wegen seiner Ursprünglichkeit, dem ­schönen Ausblick und der einmaligen Ruhe.“

Termine: 12. – 19. 12. 09 | 16. – 23. 1 .10 | 6. – 13. 3. 10 | 13. – 20. 3. 10 Preis für 2 Erwachsene und 2 Kinder: ab € 850 im ****Hotel mit Halbpension ab € 730 im ***Hotel mit Halbpension ab € 380 in der Ferienwohnung ohne Verpflegung Buchung, Info: Tel. +43(0)5512 2365, http://winter.bregenzerwald.at

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Sonne und Schnee Reise-Tipp: Traumtage – Zeit zu zweit Genießen Sie Traumtage zu zweit in einer Kuschel­suite Termine: mit Himmelbett, offenem Kamin und Whirlpool. 12. – 24. 12. 09 | 3. 1. – 1. 4. 10 | 4. – 18. 4. 10 Leistungen: 3 x kuschelige Übernachtung mit traumhaftem Frühstück; 3 x romantisches Genießermenü im Rahmen der Halbpension; bei Anreise am Sonntag 4 genießen und nur 3 bezahlen; 1 x Champagner & Chocolat d’Amour; Wellness in der Traumwelt „Da Vinci Spa“

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Preis pro Person: ab € 474 in der Kuschelsuite im ****Hotel Gams Bezau Buchung, Info: Tel. +43(0)5512 2365, http://winter.bregenzerwald.at


Text: Peter Natter

Der Horner, Legende am Berg: einst Arbeitswerkzeug, heute höllischer Freizeitspaß für Draufgänger und Zuschauer „Noch vor fünfzehn Jahren“, erzählt der behäbige Altbauer, und deutlich hörbar liegt B ­ edauern in seinen Worten, während er sich über eine deftige Käsesuppe hermacht, „habe ich im Winter mit dem Horner Holz ins Tal gebracht. Ganze Baumstämme, tonnenschwere Last.“

Es folgen Geschichten von stunden­ langem Aufstieg mit dem schweren ­Schlitten, von der Speck-Käse-SchnapsJause hoch oben am Berg, von den rasenden Abfahrten an tödlichen Abgründen vorbei, von denen, die es nicht geschafft haben … „Das ist heute vorbei, nicht nur für mich.“ Es war eine schöne Arbeit, gefährlich, anstrengend und nichts für Warm­ duscher. Männersache eben. Auch wenn die Herausforderungen für sie weniger werden, es gibt sie noch, die gestandenen Mannsbilder, die Kraftlackel und Draufgänger. Und sie finden sich immer wieder zusammen: stemmen zentnerschwere Steine, ziehen Eisenbahn­ waggons, zerreißen Telefonbücher oder jagen auf ihren aufgemotzten Schlitten über vereiste Pisten. Aus dem bitteren Ernst der Ahnen wurde ein Spiel, das nun wiederum mit verbissenem Ernst betrieben wird. Horner-Rennen samt dazugehörigem Fest, auf gut Bregenzerwälderisch „Afterraceparty“ genannt, mit quasi obligater

Prügelei, sind Männersache. Die eine oder andere Frauenmannschaft ändert daran so wenig wie Pfarrersköchinnen am katholischen Klerus. Bereits mehrjährige Tradition haben die Horner-Rennen in Au, Sibratsgfäll oder am Diedamskopf. Hier trifft sich die regionale Elite der RennhornerSzene und kämpft um den Alpencup. Acht Renntermine im Bregenzerwald und im Allgäu sind angesetzt. Hornerstammtische im Gasthof Engel in Moosbach sorgen alle 14 Tage für Informations- und Bierfluss. Da wird dann über so bedeutende Details wie die Folgen verspäteter Ankunft am Start oder die Ausweitung der Helmpflicht („Schande!“) für alle bis zu Achtzehnjährigen verhandelt.

Am Horner wird ein Mann zum Kraftlackel

G’hörig Wälderisch

Für echte Kerle

Birgit Rietzler, Dichterin im Bregenzerwald, stellt hier typisches „Wälderisch“, die lokale Mundart, vor

Durch den Bregenzerwald Vo Schwarzach awek muss ma inwoats häbo. Von Schwarzach weg muss man (sich) einwärts halten.

Z’Müselbah gaut as links an Vordorwold umme und gradus gradus in Mittelwold i-e. Nach Müselbach geht es links an den Vorderwald hinüber und geradeaus direkt in den Mittelwald hinein.

A dor Egg ka ma rechts an Schwarzoberg umme, links is Großdorf u-e und gradus ge Andelschbuo. In Egg kann man rechts zum Schwarzenberg ­hinüber, links ins Großdorf hinauf und geradeaus nach Andelsbuch ( fahren).

Heondor do Mullabfuhrkurvo gaut as zon Heondorschtioglarn i-e. Hinter der Müllabfuhrkurve geht es zu den Hinter-

Horner-Rennen sind eine jener mannsbildenden Vergnügen, die sich die Wälder nicht nehmen lassen. Die Schweizer feiern ihre Schwinger­ könige und die Bayern ihre Finger­ hakler-Champions. Hierzulande gehört zu jedem Feuerwehr- und Musikfest eine Seilziehmeisterschaft. Und der Winter hat seine HornerRennen. Auch für die Zuschauer ein großer Genuss, denn anschließend beginnt, mit einem verschmitzen Grinsen, die Legendenbildung, vor allem um spektakuläre Stürze. Man muss dabei gewesen sein, weil, wann ist ein Mann schon ein Mann?

stieglern hinein. (Hinter Bersbuch lag bei Stieglen eine Mülldeponie. Hinter Stieglen folgen die Ortschaften des Hinterwaldes, also die Hinterstiegler.)

Bi do Boingar-Brugg gaut as i drü Richtunga, ge Bäzo umme, ge Büzo umme und ge Mello i-e. Bei der Boingerbrücke geht es in drei Richtungen, nach Bezau hinüber, nach Bizau hinüber und nach Mellau hinein.

Ufor Mellouar-Grade fahrt ma etliche Kilometr ebonus. Auf der Mellauer Geraden fährt man etliche Kilometer geradeaus.

Bi do Feodorblausar Kiocho gaut as rechts zon Mülsarn u-e, und gradus zon Schäufolarn u-e. Bei der Federnbläser-Kirche geht es rechts zu den Damülsern und geradeaus zu den Schäufolarn hinauf. (Gemeint ist die Kirche in Au, da die Auer scherzhaft Federnbläser genannt werden. Als „Schäufolar“

Tipp: Gruppenspaß für Männer Mit der Gondelbahn auf den Diedamskopf, mit Schneeschuhen den Höhenkamm entlang und durch das romantische Haldental zum Neuhornbachjoch. Mutige rauschen von hier mit dem „Airboard“ (aufblasbares Wintersportgerät) auf dem Bauch und Kopf voran zum Neuhornbachhaus. Zurück nach ­Schoppernau mit einer abenteuerlichen Rodelfahrt. Termin: 23. 12. 2009 bis 7. 4. 2010 jeden Mittwoch um 9.30 Uhr. Infos: www.au-schoppernau.at

bezeichnet man die Schoppernauer, da Schoppernau einst eine Schafweide war.)

Am Schröcko und no wietr dumma niot d’ Schtrauß an Hufo Rönk, schtond d’ Hüsor an alla Kogo dumma und hört sowieso do Wold nauche uf. In Schröcken und noch weiter oben macht die Straße einen Haufen Kurven, stehen die Häuser an allen „Kogo“ (steilen Abhängen) oben und hört sowieso der „Wald“ dann auf.

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Sonne und Schnee

Wintersport Schneeschuhwandern im idyllischen Sibratsgfäll vermittelt ein „Alaska-Feeling“. www.sibra.at

Reise-Tipp: Skitouren für Fortgeschrittene Diplomierte Berg- und Skiführer begleiten Sie zu idealen Genuss-Ski­touren von mittel bis schwer. ­Mögliche Tourenziele sind Kanisfluh (2044 m), HochKünzelspitze (2397 m) oder ­Juppenspitze (2412 m). Leistungen: 4 Übernachtungen mit Halbpension; Wellnessangebot (Sauna, Dampfbad); 3 geführte Skitouren mit diplomierten Berg- und Skiführern; Transfer zu den Tourenausgangspunkten; Touren-Tee

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Termine: 10. – 14. 1. 10 | 17. – 21. 1. 10 | 3. – 7. 2. 10 Preis pro Person: ab € 516 im Doppelzimmer im ****Hotel Adler Au Buchung, Info: Tel. +43(0)5512 2365, http://winter.bregenzerwald.at


Skischule mit Zauberstab Schwarzenberg/Bödele In 4 Stunden Skifahren lernen mit dem Zauberstab! Kinderskikurse ab 3,5 Jahren mit Erfolgsgarantie (4 mal 1 Stunde täglich). Sollte das Kind das Ziel nicht erreichen, lehrt der Skilehrer gratis weiter. Den Zauberstab gibt es in der Skischule Schwarzenberg am Bödele. www.skischule-schwarzenberg.at

Kinder sicher am Sessellift Hochhäderich Das Richtige für Familien mit Kindern: Familienskifahren im Skigebiet Hoch­ häderich mit neun Kilometern Pisten und einer kindergesicherten 4er-Sesselbahn. Das Gebiet ist der ideale Ausgangspunkt für Langlaufen, Schneeschuhwandern oder auch Kutschenfahrten. www.alpenarena.com

Grenzenlos Langlaufen Hittisau und Sulzberg Atemberaubendes Sightseeing auf den 300 Kilometern Langlaufloipen durch den Bregenzerwald: Sie führen durch Flussauen, verschneite Wälder, über Wiesen, vorbei an Birkenhainen und Holzhäusern. In Sulzberg und Hittisau geht es über die Grenze ins Allgäu. www.hittisau.at, www.sulzberg.at

Schneeschuhwanderung mit Pius Bezau

Nachts Skifahren Alberschwende

Pius Feuerstein baut in seiner Freizeit Alphörner und ist als Wanderführer viel unterwegs. Auf seiner Tour durch Bezau, Bizau und Mellau führt er zu besonders schönen Plätzen – jeweils Dienstag um 10.30 Uhr und Donnerstag um 13 Uhr. www.pius-natur.at, www.bezau.at

Das Skigebiet für Einsteiger und Familien mit kleinen Kindern liegt in Alberschwende mit seinen 18 Kilometern Pisten. Per Sessel- oder Tellerlift geht es auch zur Rodelbahn. Nachtskilauf am Tannerberg: Mo – Fr von 19.30 bis 22 Uhr. Kinderfest im Schnee am 4. Jänner 2010. www.alberschwende.at

Alles für Orgelpfeifen Schetteregg Das Kinderland mit Förderband: Skikarussell und Betreuung für Kinder in EggSchetteregg mit zehn Kilometern Pisten. Hier fühlen sich Familien auch mit kleinen Kindern wohl: Die „Großen“ können Skifahren, die andern rodeln oder auf dem Winterwanderweg gemütlich dahinstiefeln. www.schetteregg.at reisemagazin bregenzerwald · 15


Sonne und Schnee

Text: Peter Natter

Post ab im Tiefschnee

Das „schneereichste Dorf der Welt“, wie sich Damüls seit 2006 nennt, ist eine jahrhundertealte und noch immer typische Walsersiedlung. Um 1300 verließen Menschen aus dem Schweizer Kanton Wallis ihre Heimat wegen drückender Armut und suchten sich neue Lebensräume. In Vorarlberg, im Westen Tirols und in Graubünden überließen Adelige den „Walsern“ hochgelegene, unerschlossene Täler zur Rodung und Besiedlung und räumten ihnen hiezu für damalige Bauern ungewöhnliche Freiheiten ein. Auf 1428 Meter Seehöhe gelegen und von rund 2000 Meter hohen Bergen umgeben, blieb Damüls bis zum Beginn des Tourismuszeitalters ein bettelarmes Bergbauerndorf. In der Pfarrkirche zeigen schöne Fresken eine „Armenbibel“ aus dem Jahr 1484. Trotz aller Klimawandelunkenrufe ist Damüls mindestens fünf Monate im Jahr meterhoch eingeschneit. So

8.30 Uhr: Briefbote Remo Plankel an der Talstation

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kann der Briefträger hier nicht mit dem Fahrrad seine Runde drehen: im Sommer nicht und im Winter erst recht nicht. Von Anfang Dezember bis Ostern schnallt er Skier an, hängt sich seine mit Briefen, Prospekten, Katalogen und ähnlichem gefüllte schwarze Ledertasche um – und los geht’s! Der Mann, dem kein Paket zu schwer, kein Sturm zu stürmisch und kein Hang zu steil ist, heißt Remo Plankel. Der 45-Jährige ist Post-Urgestein. Seit nunmehr 25 Jahren arbeitet er als Briefbote, was hierzulande „Briefbot“ ausgesprochen wird. In Damüls ist ein richtiger Briefbot mehr als nur Briefbot: Vor allem im Winter, wenn viele Höfe per Auto monatelang gar nicht und auch zu Fuß nur äußerst mühsam erreichbar sind. Da kehrt Remo – und nur er! – sechs Mal die Woche bei einer alten Dame ein, um nach dem Rechten zu schauen. Er dient als Kurier, nimmt Erlagscheine mit zur Post,

9.10 – 9.18 Uhr: der Bote auf der Sunneck-Bahn

trägt Gästemeldezettel aus den Gasthöfen und Pensionen zum Gemeinde­amt – und bringt die Tageszeitung. An die 25 Gasthäuser liegen auf seiner Dienst-Abfahrt. Da sagt er zum einen oder anderen Kaffee nicht Nein. Schnäpschen aber und Bier sind tabu, Dienst ist Dienst. Seit bald zwanzig Jahren versorgt Remo Damüls. Er kennt die gut 330 Damülser und Damülserinnen so gut wie niemand sonst, zumindest seit das Dörflein keinen eigenen Pfarrer mehr hat. Einen Lawinenpiepser führt er nicht mit, bleibt er ja, bis auf winzige Abstecher, auf der Skipiste. Wird die Lawinengefahr einmal doch zu groß, kommt er eh nicht mehr hinauf in sein Damüls. Aber das geschieht sehr selten. Gestellt ist Remo morgens um halb sechs im Verteilerzentrum, dreißig Kilometer talaus im Ort Egg: Das heißt Tagwache im Hause Plankel um halb fünf. Wenn

10.16 Uhr: der Briefbote bei einer ersten Kundin


In Damüls, dem schnee­reichsten Dorf der Welt, geht auf den Pisten die Post ab – sogar der Briefbote kommt auf Skiern. Mit ihm verliert das Leben im Schnee nie den Anschluss zur Welt

Im schneereichsten Dorf der Welt geht die Post ab – nicht nur mit dem Ski fahrenden Briefträger die Post – immer weniger Briefe, dafür raue Mengen an Werbesendungen – in Au verteilt ist, geht es mittags im Auto Richtung Damüls. Skier angeschnallt, mit der Sesselbahn hinauf und los! Skiurlaub braucht Remo keinen. Nach Dienstschluss, im Winter gegen 15 oder 16 Uhr, wartet Remos liebste Freizeitbeschäftigung: Seit zwanzig Jahren arbeitet er als Jagdschutzorgan in einem großen und wildreichen Revier. Fischen und Jagen als Ausgleich: einige Stunden Ruhe in der Natur, vielleicht sogar ein Nickerchen auf dem Hochstand. Die Gams sieht das gern. Die Wildfütterung kann bis zum Abend dauern, denn das Wild wartet in dieser schneereichen Region so sehnsüchtig auf Heu wie die Menschen auf Neuigkeiten. Auch der Sonntagvormittag gehört dem Wild. Am Nachmittag aber gönnt er sich ein Schläfchen auf dem Kanapee. Oder es zieht ihn in die Berge oder zum Fischen. Am liebsten aber ist

Reise-Tipp: SKI Bregenzerwald

ihm doch ein Schläfchen – und dazu ein herzliches „Wohl bekomm’s“. Was dem Briefträger in Damüls zu seinem ganz besonderen Jobprofil verhilft, ist für die Gäste und Einheimischen eine weitere Attraktion: Zum Skilaufen brauchen sie nur vor das Haus zu gehen und schon stehen sie auf der Piste. Und im Sommer wird der Schritt vor die Haustür zum Eintritt ins Wanderparadies. Skitourengeher wie Wanderer (und „Heidelbeerer“) kommen in Damüls voll auf ihre Rechnung! Die weiterhin expandierende Hotellerie hat längst den Anschluss an internationale Standards geschafft, ohne dem Dorf das Dörfliche und das Walserische zu nehmen. Ein kleines Dorf leistet erfolgreich Widerstand und geht seinen eigenen Weg: nicht unbeirrt, aber selbstbewusst. Und der Briefbot fährt voraus. www.damuels.at

Sonntag bis Donnerstag oder Donnerstag bis Sonntag im Bregenzerwald urlauben: Dazu gibt es den 3-Täler- Skipass für drei abwechslungsreiche Skitage. Der Skipass gilt sowohl für alle Skigebiete im Bregenzerwald als auch für die Skibusse. Leistungen: 4 Übernachtungen von Sonntag bis ­Donnerstag oder 3 Übernachtungen von Donnerstag bis Sonntag in einer Unterkunftskategorie nach Wahl in ausgewählten Partnerbetrieben; 3 Tage-3-Täler-Skipass; SKI-Bonus – 1 Skitag geschenkt: Wenn Sie dieses Package von Sonntag bis Donnerstag buchen, übernachten Sie viermal und zahlen nur für drei Nächte. Termine: 10. 1. – 18. 4. 10 (ausgenommen 11. 2. – 21. 2. 10) Preis pro Person: ab € 275 im ****Hotel mit Halbpension ab € 260 im ***Hotel mit Halbpension ab € 185 in der Frühstückspension ab € 157 in der Ferienwohnung ohne Verpflegung Buchung, Info: Tel. +43(0)5512 2365 http://winter.bregenzerwald.at

10.52 Uhr: Briefbote Plankel kennt seine Kunden

11.58 Uhr: Remo Plankel bei der Abfahrt ins Tal reisemagazin bregenzerwald · 17


Sonne und Schnee

Super Schneeverhältnisse, freie Pisten und bestes

Wetter. Ein legerer Skitag am Diedamskopf in ­Schoppernau. Er ist einfach der Höchste im Bregenzerwald. Sein Skigebiet heißt 44 Kilometer Pistenspaß für alle. Aber ehrlich – bist du alle? Siehst eigentlich nicht so aus. Es gibt das Abenteuer Natur, heißt es doch. Vorausgesetzt, man traut sich was und ist bereit, Neues auszuprobieren. Wer hat das Fahren auf der Piste nicht schon satt? Eben. Zum Glück gibt es hier auch einen echten Funpark. Genau das Richtige: Action, Spaß und Chill-out. Und das kann der Sajas Diedamspark: perfekt ­präparierte Kicker in allen möglichen Größen und ­Varianten. Auch für Fans von Rails und Boxen ideal, sagen sie. Schau ich mir an, sag ich. Und treffe im größten Funpark des Bregenzerwaldes Ralf Heeb, Headshaper und Freestyler aus Leidenschaft. Der Schweizer war vor dem Diedamskopf im Ski­ gebiet Lenzerheide in der Schweiz. Winter 2008 kam er durch QParks in den Bregenzerwald. QParks baut europa­weit Funparks, hauptsächlich in Österreich und der Schweiz. Die Teams werden jede Saison aus Freestylern, die das Hobby zum Beruf machen wollen, zusammengewürfelt. Für Obstacles im Park drücken Sajas, Quicksilver oder Pleasure Geld ab, auch für die Maschinen, die zum Präparieren notwendig sind. Ihre Logos werden im Park in Szene gesetzt neben Graffitis in Lila, Grün und Rot auf den Rails und Boxen. So, und jetzt kommst du. Was gibt es da? Zwei Boxen, zwei Rails, fünf Kicker, zwei Picknicktables, ein ­Roller und eine Jibcan stehen für jeden Jump bereit. Halt immer schön geschmeidig bleiben.

Insider

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Das gilt dann auch für die Chill-out-Area mit Liegestühlen und passendem Sound. Hier fläzt Volk gediegen in den Stühlen. Hier gilt der Ruf den ­Freestylern, hier wird gegeben, geflirtet, und ein paar Baumknutscher beten die Sonne an. Gammelfleisch ist schwach vertreten. Dafür gibt es verschiedene Events: Meilenweiss Platzhirschtour, Volcom Stone’s Peanut Butter & Railjam oder den Snowballwar des OJB Bregenzerwald. Für jeden Typ (o. k., fast jeden Typ) ist was dabei. Mir gefällt am Park besonders seine Lage. Sie ist einfach super, ein sonniges Plätzchen im Skigebiet. Außerdem ist der Park immer perfekt präpariert. Drei Könnerstufen und – das muss ich jetzt sagen, sonst zahlen die mir nichts – nicht nur Profis sind erwünscht. Anfänger und Bonsaikeimlinge waffeln sich in Wave Bahnen. Ralf verrät mir, was die Zukunft bringt: „Mehr Absprünge, größere Rails und Boxen. Außerdem ­planen wir die Weiter­entwicklung des Parks mit Snackbar oder einem kleinen ­Restaurant im Funpark. Ja, und lass dich überraschen …“ Natur und Berg, keine Gegend für laue Gemüter und Couch-Potatoes. Sport und legerer Umgang, im Park ist es leicht, jede Menge Kontakte zu knüpfen. Sogar einheimische Jugend ist hier, zum Beispiel ich. See you up at the Sajas Diedamspark! Wie man in den Park kommt? Erst zur Bergstation der Bergbahnen Diedamskopf. Von dort führt eine Piste direkt zum Park. Nähere Infos überall im Skigebiet. Und noch was: Besuch den Park eher im Frühling. März und April sind die richtigen Monate für Spaß im Park. www.diedamskopf.at

DJ Cotton sorgt für guten Sound am Abend Mathias Mariacher, alias DJ Cotton, ist DJ mit Leib und Seele. Er hört eigentlich alles, was ihn emotional irgendwie anspricht. Am DJ-Pult von Cotton gibt’s Electronic, House und Fidget. „Elektronische Musik eignet sich am besten für Clubs. Das hohe Tempo sowie der 4/4-Takt der meisten Lieder sind zum Tanzen perfekt.“ Mathias kommt aus Mellau, dort übt er für seine Gigs und bringt seine Musiksammlung auf den neuesten Stand. „Wer nicht mit Herz und Seele dabei ist, wird natürlich früher oder später den Spaß am Auflegen verlieren!“ Antreffen bzw. anhören lässt sich DJ Cotton im Club E-Werk in Andelsbuch, im Club Candela in Dornbirn, im Rauch Club in Feldkirch und im Conrad Sohm in Dornbirn. Ein kleiner Vorgeschmack unter: http://vimeo.com/5504971


Absolut nicht f端r alle Gut, am Diedamskopf ist Platz f端r alle, sogar Bewegungslegastheniker und Bonsaikeimlinge. Aber der Funpark ist nur f端r dich

Text: Milena Broger

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Kultur

Abseits von Pisten und verschneiten Wäldern bietet der Bregenzerwald auch Kultur – ganz besonders für die Ansprüche von Frauen Textilwerkstatt Klar, Sie mögen Handarbeitstechniken, ob traditionell oder zeitgenössisch. Da bleibt Ihnen nur eine: Martha Niederacher in Krumbach. In ihrer textilwerkstatt schafft die kreative Bäuerin Unikate aus Stoffen, Garnen, Draht, Wolle, Holz, Papier und anderen natürlichen Materialien. Überlieferte Muster und ganz Neues, faszinierend Schlichtes und luxuriös Anmutendes entstehen in Strick- und Stickmaschinen, in über hundert Jahre alten Webrahmen und in den Händen der Frauen, die daraus ihre Kunstwerke kreieren. Ihr Bestreben ist es, alte textile Techniken als Volkskulturgut zu erhalten und natürlich ihre Begeisterung lebendig weiter zu vermitteln. Ob bei Führungen, bei Handarbeitsabenden oder in Kursen – lassen Sie sich von den Geheimnissen der Pariser Stickerei, Gabelhäkelei, des Klöppelns, Filzens oder auch des Webens verzaubern! www.textil-werkstatt.at

Bahnhof

Alte Textiltechniken als Kulturgut erhalten: die Textilwerkstatt in Krumbach

Was, Sie verstehen Bahnhof? Das ist gut, dann sind Sie hier richtig. Seit zehn Jahren betreibt der kulturverein bahnhof in Andelsbuch einen Kunstraum mit einem Programm, das sich sehen lassen kann. Eigentlich ist es ganz klar: Der ­Bregenzerwald braucht ausländische Impulse ebenso sehr wie die Pflege der eigenen Tradition. Und beides bringt der bahnhof, indem er KünstlerInnen von Format aus  dem Ausland einlädt und lokalen Kulturschaffenden der unterschiedlichsten Bereiche eine Bühne bietet – ­MusikerInnen, MalerInnen, aber auch Menschen mit einer eigenen Geschichte. Fahrkartenschalter und Warteraum wurden zur Bar umgewandelt, die frühere Stube des Bahnhofsvorstands zum Veranstaltungsraum. Natürlich geht es hier kultiviert zu, also trifft man viele Frauen, aber der Wälderstolz in Gestalt des Mannes hängt häufig auch an der Bar. Ruhig anreden, er beißt nicht und ist sogar recht amüsant. www.bahnhof.cc

Kultur-Tipps: Frauenmuseum: Donnerstag, 19. November 2009, 18.30 Uhr: „Pforte am Donnerstag“ – Lange Nacht der Haydn-Quartette bahnhof Andelsbuch Mittwoch, 23. Dezember 2009, 19.00 Uhr: Konzert – Silberdisteln: gemütlicher Jazzabend mit Weihnachtsliedern einmal anders ... Mittwoch, 30. Dezember 2008, 20.15 Uhr: Vorsilvesterparty mit dem holstuonarmusigbigbandclub Textilwerkstatt Führungen für Gruppen auf Voranmeldung, für Einzelpersonen auch kurzfristig Das Herbert Pixner Project auf der neuen Kulturbühne im „bahnhof“ Andelsbuch

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Brief aus Oloumouc Birgit Feierl, Bregenzerwälderin, lehrt an der Universität Oloumouc in Tschechien und dissertiert über den Bregenzerwälder Bauern und Autor Franz Michael Felder

Wälder in Mähren

Abendstimmung am Dorfplatz beim Schwarzenberger Advent

Frauenmuseum Österreich hat ein einziges frauenmuseum und das steht – genau, in Hittisau. Hätten Sie nicht gedacht? Es wird auch nicht nur von Profis betrieben, nein, gemeinsam mit der Museumsleiterin bilden sechzehn Frauen aus dem Dorf im Alter zwischen zwanzig und achtzig Jahren ein starkes Team. Die Wälderinnen schaffen sich ihren eigenen Musentempel. Seit der Eröffnung 2000 stellt hier jede Schau einen eigenen Bezug zu Geschichte und Gegenwart von Frauen her. Heimelig und zugleich elegant ist es im Hittisauer frauenmuseum mit seiner Innenausstattung aus heimischem Tannenholz. Und fein klingt es auch, wenn im Veranstaltungsraum klassische Konzerte aus der Reihe pforte am donnerstag zur Aufführung kommen. Haydn-Freundinnen sollten sich den 19. November notieren: Da genießen sie die „Lange Nacht der Haydn-Quartette“ und ­kulinarische Genüsse aus der „Haydn-Küche“. Man sieht, es gibt auch Männliches im Frauenmuseum. Wir Wälderinnen sind ja nicht so. www.frauenmuseum.com

Seit Herbst 2007 bin ich in Olmütz. Seither werden Studierende an der PalackýUniversität in Literaturgeschichte von einer Bregenzerwälderin unterrichtet. Ich habe hier nicht nur meine Dissertation über Franz Michael Felder beendet, sondern mir auch die Aufgabe gestellt, den 1839 in Schoppernau geborenen und 1869 ebendort verstorbenen Dichter und Bauer als einen wichtigen österreichischen Literaten (wieder) bekannt zu machen. Als solcher galt er zu Lebzeiten – wenigstens bis zum Ersten Weltkrieg. Doch dann wurde Felder durch die Vorarlberger Nationalsozialisten vereinnahmt und war nach 1945 wie so viele „Heimatdichter“ diskreditiert. Er verlor seinen Platz im Kanon der österreichischen Literatur. Erst durch die Aktivitäten des 1969 gegründeten FelderVereins und die Neu­herausgabe seiner Werke erfuhr er eine Rehabilitierung in Österreich. Den Bregenzerwälder „Franzmichel“ andern­ orts, etwa in Olmütz, bekannt zu machen, ist nicht nur Liebhaberei: Felder spielt als dichtender Bauer besonders für das Genre „bäuerliche Epik und Dorfgeschichte“ eine wichtige Rolle. Selbst wenn der Spagat zwischen der „Hannakischen“ Ebene, jener Region, in der die schöne Stadt Olmütz liegt, und dem Bregenzerwald auch gewagt scheint, bestätigen tschechische KollegInnen, die sich durch meine Erzählungen mit dem Bauerndichter zu beschäftigen begonnen haben, eine nähere Verwandtschaft zwischen dem Vorarlberger und dem mährischen Gemüt, als die landschaftlichen Differenzen vermuten lassen. Damit sind nicht nur gemeinsame kulinarische Vorlieben gemeint – hier ­Quargel & Pivo, dort Bergkäse & Egger Bier. Von der mährischen Beschäftigung mit Franz Michael Felder und Episoden aus seinem Leben und Werk werde ich regelmäßig an dieser Stelle berichten.

Ausstellungseröffnung im einzigen Frauenmuseum Österreichs in Hittisau reisemagazin bregenzerwald · 21


Kultur – Handwerk

Das Wagnis der Behaglichkeit Text: Florian Aicher

Das Bregenzerwälder Handwerk ist inter­national geachtet. Johannes Mohr, anerkannter Großmeister, über die erfolgreiche Entwicklung und die neue Lust an gediegenem Wohnen Die Schleife eines munteren Bergbachs. Hier liegt das Haus, in dem

Johannes Mohr mit seiner ­Familie wohnt und wirkt. Man lasse sich von dieser Weltabgeschiedenheit nicht täuschen: Wer hier den Möbeln das letzte Finish verpasst, der Härte eines Holzgerüstes mit Polstern Geschmeidigkeit verleiht, zieht nicht nur im wörtlichen Sinn die Strippen. Und mit seinem kräftigen Dialekt weiß er sich auch auf den Messen von Mailand, Köln, Wien oder wo immer Gehör zu verschaffen. „Supergut!“ Seine Antwort auf die Frage, wie er sich als Handwerker im ­Bregenzerwald fühlt. Hier bin ich ­akzeptiert, habe viel Arbeit, kann tun, was ich will, bin nicht abhängig. „Ich fühle mich gut! Natürlich war’s nicht immer so, aber nach einem Viertel­ jahrhundert bin ich da angelangt. Ändern tut sich’s immer, aber die Kundschaft ist heute ­breiter, auch international, und im Ländle anspruchsvoller. Wir haben uns ein Renommee erarbeitet. Seit zwanzig Jahren setzen wir uns intensiv mit unseren Erzeugnissen auseinander, haben am Image gearbeitet. Doch international wahrgenommen werden, das allein reicht noch nicht. Jeder dritte Kunde kommt heute über die Grenze und viele klagen: Wir wissen nicht, was für Sachen wir kriegen, wo sie herkommen, wer sie gemacht und wer zuletzt das Label draufgeklebt hat. Hier bei mir sehen sie’s. Die Kunden wollen es wissen, und sie wissen, was sie ­wollen. Sie haben sich mit dem Handwerk beschäftigt, kommen mit Wünschen und fordern. Wir sind bestrebt, jeden Tag ein bisschen besser zu werden. So bildet sich unser Kundenstock. Das Niveau unserer neuen Möbel wächst mit uns. Die Arbeit

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ist manchmal hart und kann unsere ­sieben Mitarbeiter bei Terminarbeit bis zum Umfallen fordern. Doch das entspannt sich auch wieder, und wenn’s flau ist, helfen uns Kleinserien, auf Vorrat geschaffen, über die Zeit. Was mir auch immer wichtig war: alte Stücke restaurieren. Weil’s anstrengt, machen’s nur wenige: Schnüren, ­Fassonieren und sperriges Material. Aber mir ist es Leidenschaft, das fordert den ganzen Mann, schafft eine Bindung ans Tun, die Lernen weit übersteigt. Das sollte Handwerk pflegen. Kann es sich nicht gerade von da aus besonders für Neues öffnen, Möglichkeiten ausloten und Innovation entfalten? Handwerk ist immer beides!

Da lacht der Mohr – seine Schuldigkeit für ein behaglicheres Wohnen hat er längst getan

Neu, das heißt für uns auch: eigen. Wir haben immer eigene Entwürfe gemacht, experimentiert und verworfen. Meist aus Spaß, mit Freunden oder allein, spielerisch und mit Entdeckerfreude. Wichtig, weil herausfordernd, war dabei der w ­ erkraum ­bregenzerwald mit dem Wettbewerb handwerk und form. werkraum, das heißt gemeinsames unternehmen, und doch bleibt jeder sein eigener Herr. Er hat uns unterstützt, hat Halt gegeben. Durch ihn ist möglich geworden, was der Einzelne höchstens einmal macht, Herausforderungen über das Tagesgeschäft hinaus. Er brachte Öffentlichkeitsarbeit, Hebung

der eigenen Standards durch ­Vergleiche, Ansporn und Anfeuerung, aber auch Jugendförderung, Kinderbaustellen, Sorge um den Nachwuchs und Begeisterung. Da ist enorm viel geschehen. Und jetzt haben wir ein großes Projekt vor uns, ein werkraum-haus als Ort ständiger Präsenz, seit vielen Jahren im Gespräch und nun in Planung. Denn mittlerweile ist der Andrang der Gäste und Architekturtouristen so groß, dass es zu einer Belastung des Betriebs werden kann. Der werkraum hat so etwas wie eine Linie gebildet. Wesentliche Merkmale sind Nachhaltigkeit, Materialgerechtigkeit, saubere Konstruktion, Sachlichkeit, Strenge und zeitweise sehr geometrisch – Gebrauchsgegenstände, kein Kunstgewerbe. Natürlich haben die Architekten auch diese Linie eingefordert, im Alltagsgeschäft und als Partner bei vielen Entwürfen für


Wettbewerbe. Das war eine Schule. Das ​Handwerk hier ist offen, hat den Architekten Möglichkeiten eröffnet, ihre Ideen bis an die Grenzen auszuloten und gezeigt, was dem Handwerk möglich ist. Ein rein handwerkliches Detail wie die Verzinkung wurde zeitweise regelrecht stilisiert. Vielleicht liegt’s an meinem Metier mit seiner Fülle an Stoffen, Fügungen,

Reise-Tipp: Handwerk erleben Sie haben die Möglichkeit, sich bei einem Abendessen mit Werkraummitglied und Zimmer­meister Hermann Nenning aus ­Hittisau auszutauschen. Weiters erwartet Sie eine Holzkultur-­Führung mit Helga Rädler.

Formungen, Falten, Überwürfen und Mischungen: Mir war das manchmal zu eng. Die Räume sind immer reduzierter, einfacher, kühler, glatter, akustisch hart geworden – und plötzlich wollten die Kunden Stoff und Textil. Nicht mehr nur puristisch reduzierte Möbel. Es darf schon ein bisschen mehr sein als nur Zweckerfüllung: mehr Farben, mehr Formen, Wohlbehagen, weich, weiblich.

Also, da muss doch noch mehr möglich sein, Lust, Liebe, Lebenslust und Wechsel, Experiment, Wagnis. Das lerne ich an den BiedermeierKanapees, die ich restauriere: Sie waren nie nur reduktiv, vielmehr fein, von handwerklichem Geschick, mitunter opulent. Das scheint mir gar nicht so von gestern, diese Welt des Wohnens und der Behaglichkeit.“

Termine: 7. – 10. 1. 10 | 10. – 13. 1. 10 | 4. – 7. 2. 10 | 7. – 10. 2. 10 | 11. – 14. 3. 10 | 14. – 17. 3. 10 Ersatztermine: 28. – 31. 1. 10 | 31. 1. – 3. 2. 10 Preis pro Person: ab € 252 im Doppelzimmer im ***Hotel Gasthof Krone Hittisau

Leistungen: 3 Übernachtungen; 1 Aperitif im Kaminzimmer; Buchung, Info: Tel. +43(0)5512 2365, http://winter.bregenzerwald.at 2 x 4-Gang- und 1 x 5-Gang-Abendmenü

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Kultur – Baukunst

Text: Florian Aicher

Das Ganze zur Einheit bringen

Vorarlberg gilt als weltbeste Region im ­Hausbau. Einer ihrer Meister ist der aus ­Mellau ­stammende, international erfolgreiche ­Architekt Helmut Dietrich. Hier reflektiert er über das ­Bregenzerwälderhaus und seine Folgen für unsere Zeit

Fast übersieht man ihn ob seiner feinen Zurückhaltung in den weitläufigen, hohen Büroräumen: Helmut Dietrich, Chef eines der führenden Architekturbüros des Landes. Der Schalk eines Dorfbuben aus dem hinteren Bregenzerwald lugt ihm immer noch über die Schulter und die flinke Wachsamkeit der grünen Augen beglaubigt intensives Naturerleben in einer Jägerfamilie. „Landschaft ist für mich ein ganz starkes Motiv“, beginnt er das Gespräch, „die Achtung vor der gewachsenen Topografie. Die Eingriffe des Bauens sind so klein wie möglich zu halten, geringst­ mögliche Erdbewegung, die Häuser präzise in die Landschaft setzen. So wie’s im Bregenzerwald Jahrhunderte lang gemacht wurde – man will ja nicht unnötig Erde schaufeln. Das ist ein Vermächtnis, an dem man sich orientieren muss.

Die Konzentration der Form im Wälderhaus Die Konzentration der Form gehört dazu: ein kompakter Bau. Faszinierend, wie Wohnen, Vieh, Lager, Gerät, Werkstatt unter einem Dach versammelt waren – eine Form, ein Körper, rechteckig, ohne Ausbuchtungen und Einschnürung: ein präziser kultureller Eingriff in einen Naturraum, dem mit Achtung begegnet wird.“

Der Meister auf seiner Treppe: Architekt Helmut Dietrich mit einer Bewundererin seiner Baukunst

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Dietrichs Onkel, ein Maler, hat ihm den Beruf eröffnet. Der in Vorarlberg lebende Architekt Ernst Hiesmayr war prägend, der Zimmermann-Architekt Leopold Kaufmann begleitete die ersten Jahre – eine Schule, der man sich nicht entziehen konnte. Die Wiederbelebung des Holzbaus kam sehr stark aus der Beschäftigung mit dem Skelettbau, seiner gerasterten, modularen Struktur und der ihm eigenen Disziplin bis hin in den Grundriss.


So war Dietrichs erstes Projekt dem Bregenzerwälderhaus nachempfunden: „Eindeutige Geometrie, fast japanisch im Raumgefüge; klarer Bau, ein Dach, immer aber neu im Umgang mit der Holzkonstruktion, den Holzelementen und Holzdetails. Auf diese Weise anknüpfen hieß, gegen damalige Praxis aufbegehren. Entschiedenheit und Genauigkeit im Großen setzt sich fort im Kleinen und im Detail und erfordert dieselbe geistige und handwerkliche Leistung. Ein ­Können, das seit alters her mit ­sparsamstem Arbeits- und Materialeinsatz höchste Resultate erzielt. Das Handwerk, das in der Nachkriegszeit in seiner Überlieferung sehr stark gelitten hat, schwingt sich seit einer Generation zu neuer Blüte auf. Es ist weltweit begehrt und heute ein Alleinstellungsmerkmal des ­Bregenzerwaldes. Wir Architekten und Handwerker hier haben uns herausgefordert, Neues gewagt, pflegen heute eine viel ­bewunderte Baukultur. Wir verkehren auf selber Augenhöhe miteinander, ein Stolz ist spürbar, der aus der Achtung auch manueller Arbeit wächst. Das strahlt auf das Selbstverständnis von Land und Menschen aus. Ein Zusammenspiel, das Wirtschaft und Soziales erfasst hat, steht in scharfem Kontrast zu den Verwüstungen, die man auf dem Land von der Saar bis ins neue Osteuropa beobachten kann. Noch immer ist das Einfamilienhaus im Bregenzerwald das Aushängeschild dieser Neuerung. Dafür zahlt man hier viel. Fast jeder ist in einem Bauernhaus aufgewachsen, kennt von daher kultiviertes Wohnen, man denke an die Stube, den zentralen Ofen, den vielseitigen Schopf.

Das sind keine Abstraktionen, sondern Qualitäten, transformierbar in moderne Architektur. Davon beziehen wir, was der Architekturtheoretiker Friedrich Achleitner alltagsästhetische Gelassenheit nennt. Gerade heute ein wichtiger Begriff.

Unser Versuch, das Ganze zur Einheit zu bringen, ist dem Wälderhaus abgeschaut Bei aller Problematik des Einfamilienhauses: Wir haben Typen entwickelt, die sich der Hauslandschaft als einem intakten Ensemble eingliedern, es weiterbauen und behaupten und hohe Wohnqualität erschwinglich machen. Unsere Tendenz, das Ganze zur Einheit zu bringen, haben wir dem Wälderhaus abgeschaut – und dabei bisweilen die Form überspannt. Dann wird das Haus zur Skulptur, zu Design und zum Mittel der Selbstdarstellung. Alles scheint möglich, die ,Spielregeln‘ lösen sich auf, der Bezug zum Bestand bricht ab, man will sich hervortun. Was mich sorgt: Wir erleben eine Welle des Abrisses, das gewachsene Haus weicht einem extravaganten Entwurf. Nutzerqualitäten, wie sie sich allmählich herausgebildet haben, erreichen diese schnellen Ideen jedoch selten. So wird gutes Bauen einerseits vom Kunstwollen bedrängt. Andererseits auch von der Technik: Mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass ein Haus ein Kleinkraftwerk sei. Natürlich: sorgsamer Umgang mit allen Ressourcen, Vermeidung von Energieabhängigkeit und regionale Wertschöpfung, ja – jedes unserer Häuser kann das seit Jahrzehnten, erreicht beste Werte. Doch ein Passivhaus war nicht darunter. Bauen kann Enormes leisten, etwa den Verbrauch von 200 kWh/a auf 50 senken. Doch mit höchstem Aufwand

von 17 auf 15 kWh zu kommen, dieses Bemühen leuchtet mir nicht ein. Seit über Architektur nachgedacht wird, erfährt man sie als ein Zusammenspiel: Gebräuchlichkeit, Beständigkeit und Schönheit nennen die ältesten Texte. Ich glaube, das Zusammenspiel aller Faktoren muss selbstverständlich sein – beim Bau, bei der Baukultur, beim Leben im Land und der Menschen.“

Reise-Tipp: Winter de luxe

Eine unvergessliche Atmosphäre und feine Gastlichkeit im winterlichen Bregenzerwald. Lassen Sie sich kulinarisch von einem 2-Hauben-Chef verwöhnen und genießen Sie das Wellness-Angebot des luxuriösen „Schiff“. Leistungen: 4 Übernachtungen in der Juniorsuite mit Halbpension (feines Frühstücksbuffet und 5-Gang-Abendmenü aus der Haubenküche); 1 De-luxe-Menü in 7 Gängen mit Weinbegleitung; tägliche Teestunde am Nachmittag; Pferdeschlittenfahrt; 1 Nachtkerzenölpflegebad; freie Benutzung des Wellnessangebots Termine: 10. – 29. 1. 10 | 28. 2. – 19. 3. 10 buchbar von Sonntag bis Donnerstag oder Montag bis Freitag Preis pro Person: ab € 490 im Doppelzimmer im ****Hotel „Das Schiff“ Hittisau Buchung, Info: Tel. +43(0)5512 2365, http://winter.bregenzerwald.at

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Kultur – Events

Hier spielt es sich ab

Wälderness: Hirschens feiner Musiksalon Unter dem Motto „Wälderness“ konzertieren jeden Donnerstag im Romantikhotel Hirschen in Schwarzenberg Jazz-, Blues-, Rock- und neue Volksmusik-Ensembles mit Geheimtipp-Charakter. www.hirschenschwarzenberg.at www.waelderness.at

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Stimmungsvolle Silvester-Gala Hotel Sonne, Mellau Im „Margret Bischofberger Saal“ des neuen „Sonne Lifestyle Resort“ genießt man in gediegenem Ambiente auch Jazz, Blues und Kabarettvorführungen. Den Jahreswechsel feiert man am 31. ­Dezember 2009 ab 21 Uhr bei einer Silvester-Gala mit Chris Gall und der Anna Leman Band. www.sonnemellau.com

Jazz am Kamin, Pop im Freien Hotel Steffisalp, Warth Im Sporthotel Steffisalp in Warth klingt ein Skitag mit guter Jazzmusik aus. Zu Silvester sowie an bestimmten Samstagen spielen Jazzkünstler live in der Kaminbar des Hotels. Popmusik-Fans sollten den Ostermontag 2010 vormerken: Der NeoStar Anna F. gibt ein Open-Air-Konzert! www.steffisalp.at

Romantischer Advent Schwarzenberg Die stimmungsvolle Vorweihnachtsfeier am Hauptplatz des Ortes bezaubert Gäste wie Einheimische mit Konzerten (u. a. „Sonus Brass“ in der Barockkirche), Kinderprogramm, Adventmarkt, Ausstellungen und Lesungen samt Menü. 26. November bis 20. Dezember 2009. www.schwarzenberg.at

Angelika-Kauffmann-Museum Schwarzenberg „Raritäten und Schätze“: Unter diesem Titel zeigt die Gemeinde Schwarzenberg Kunstschätze aus der Zeit Angelika ­Kauffmanns während der Wintermonate – ab 27. November 2009 – im AngelikaKauffmann-Museum. Öffnungszeiten: Fr – So, 14 bis 16 Uhr www.schwarzenberg.at

Edles Handwerk Werkraum Depot, Schwarzenberg Hier finden sich Möbel und Objekte aus dem Bregenzerwald: Tische, Stühle, Schuhe, Schaukeln, Sofas, Truhen, „Hölzler“ (Holzschuhe) von heimischen Handwerkern. Dazu gibt es Musik, Ausstellungen, Vorträge und Gespräche. Jeden Donnerstag von 17 bis 19.30 Uhr. www.werkraum.at reisemagazin bregenzerwald · 27


Kultur – Kochkunst

Text: Renate Breuß

Wo Moor­früchte durch den Magen gehen Haubenköchin Gabi Strahammer aus Krumbach ist eine Meisterin der Umwandlung von Wildpflanzen und Kräutern in köstliche Speisen Die mehrfach ausgezeichnete Köchin Gabi ­Strahammer führt

gemeinsam mit ihrem Mann Herbert seit 15 Jahren im ehemaligen Schulgebäude Krumbach das Gasthaus Schulhus. Rund um das Haus liegen Hoch- und Niedermoore, Wiesen und Streuobstwiesen. Hier ist die gebürtige Krumbacherin in den schneefreien Monaten ebenso unterwegs wie entlang der Waldränder, frühmorgens, wenn es am friedlichsten ist. Von ihren Erkundungsgängen kehrt sie nie mit leeren Händen zurück. „Lange Zeit halb verschlafen, geht’s im Moor ganz plötzlich los“, weiß Strahammer, die ihre frühe Lehrzeit mitten im Moor, im ­Krumbacher Hotel Rossbad, zubrachte. In ihrem Sack findet sich, was das Jahr hergibt, einmal mehr, einmal weniger. Mit käuflich erwerbbaren Gütern hat diese Form der Nahrungsbeschaffung nichts zu tun. In ihrem Elternhaus war es selbstverständlich, zu bestimmten Zeiten an bestimmte Orte zu gehen, um etwa für den Kartoffelsalat frische Brunnenkresse zu pflücken. Heute findet sie Freude darin, aus einer Schüssel Salat all die ­Empfindungen und Eindrücke jener Tage wieder emporsteigen zu lassen. Aus der Region sind nach Möglichkeit auch Fisch und Fleisch, am liebsten aus der Nachbarschaft. Der Vater zieht Lämmer, die Mutter betreibt einen großen Garten. In guten Zeiten steht täglich eine Kiste Kohlrabi, Bohnen, Randig oder Kartoffeln vor der Tür. Weil schmackhafte Tomaten heutzutage eine besondere Herausforderung sind, wachsen auf Strahammers Balkon an die sechzig Tomatenpflanzen in Töpfen. Die Selektion und Weiterziehung der Samen übernimmt die Chefin ­persönlich. In Zeiten der Fülle verwertet sie all die schönen Spezereien nicht nur in ihren

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Rezepten, sie macht sie auch haltbar. Nach dem Prinzip der Verdichtung werden aus Spitzwegerich, Sauerampfer und Waldmeister Sirupe und Säfte, die Blütenknospen der ­Sumpfdotterund Saublumen nach Art von Kapern eingelegt, und aus „­Tannawipfele“ wird süßer Honig. All dies geschieht in genauer Kenntnis der pflanzlichen Eigenschaften, um hier Bitterstoffe zurückzunehmen oder dort eine Säure auszugleichen. Da darf mitunter auch der erste Frost mithelfen, um den Schlehen ihre gröbste Herbe zu nehmen und die schwarzen Früchte fein mürbe zu machen. Nicht alles wird sofort verwertet, manches steht unter genauer Beobachtung. Strahammer muss mit den eigenen Sinnen erkunden, was nie aufgeschrieben und mündlich nicht mehr weitergegeben wurde: etwa die Zubereitung von Moosbeeren, dem Bregenzerwälder Pendant zu nordamerikanischen Cranberries. Sie reifen auf fadendünnen Zweigen heran, die sanft auf dem Wassermoos liegen. Nach der Ernte schrumpfen die Moosbeeren über Wochen und Monate in einer Kiste, ohne zu faulen oder zu schimmeln. Noch ist ungewiss, was die Köchin aus ihnen kreieren wird. Bereits gut erprobt hat sie die Herstellung eines MoosbeerGelees – ein köstlicher Begleiter zu rosa gebratenem Wildhasenrücken, zu Kalbsleberterrine oder einer Lachsforelle aus dem Dorf Buch. Auch die Moorlimonade aus Moosbeeren, Mädesüss und anderen Herrlichkeiten kommt gut an. Das Sammeln, Bewahren und Vermehren liegt traditionell in weiblicher Hand. Der gute Umgang mit den Gaben der


Die Kochkünstlerin Gabi ­Strahammer beim Kräutersammeln im Krumbacher Moor

Natur, die sich meist weit kapriziöser als die genormten Produkte aus den Lebensmittelmärkten verhalten, ist eine Sache. Die wahre Kunst besteht darin, aus den nahrhaften Geschöpfen der Landschaft ein wohlschmeckendes Essen zu bereiten – und das kann im Schulhus mit Gusto gegessen werden. Neben dem ästhetischen Vergnügen dankt es auch der Magen, denn gekonnt eingesetzt, sind Kräuter und Wildpflanzen immer bekömmlich. www.schulhus.com

Reise-Tipp: Bregenzerwälder Kräuterzeit

Ein erfrischender Urlaub: Probieren Sie verschiedene Molkeprodukte aus oder genießen Sie eine belebende Ganzkörpermassage. Bei Anreise am Sonntag erfolgt eine Einladung zu einer zusätzlichen (gratis) Übernachtung mit Halbpension von Mittwoch auf Donnerstag. Leistungen: 3 Übernachtungen im Doppelzimmer Avantgarde mit Halbpension; Kräuter-Molkebad; belebende Ganzkörpermassage (40 Minuten) mit Majoranöl; 1 Molke-Cocktail Termine: 12. – 24. 12. 09 | 10. 1. – 12. 2. 10 | 21. 2. – 18. 4. 10 Preis pro Person: ab € 555 im Doppelzimmer im ****Hotel Post Bezau Buchung, Info: Tel. +43(0)5512 2365, http://winter.bregenzerwald.at

Sauerampfer-Eis im Restaurant Schulhus reisemagazin bregenzerwald · 29


Kultur – Geschichte

Das Porträt von Marianne Berchtold, während sie eine Ofenkatz’ zubereitet Der dicke rote Kater streckt sich, springt von der Ofenbank und streicht um unsere Beine. Wenn er wüsste, was gleich gekocht wird … Marianne Berchtold ist eine von acht Töchtern aus einer Bersbucher Familie. Schon mit 14 Jahren, als sie die Volksschule abgeschlossen hat, wird sie mit harter Arbeit konfrontiert und in der Küche des Gasthauses Ritter in Bersbuch, das damals ihrer Tante gehört, „eingestellt“. Dort lernt sie, was arbeiten bedeutet. Anfangs kämpft sie mit der Situation, doch dann beginnt es ihr Spaß zu machen. Marianne öffnet den Ofen, schürt die Asche und legt Holz nach. Sie setzt sich zu mir und erzählt weiter. Nach ein paar Jahren Arbeit gründet sie mit ihrem Mann eine Familie und zieht neben ihren eigenen fünf Kindern einige Pflegekinder auf, „Türkle“, wie sie sie liebevoll nennt. Marianne grinst und sagt, dass sie früher am liebsten jedes arme Kind nach Hause genommen hätte. Sie stellt die Zutaten für die Ofenkatz’ bereit: gedörrte, gekochte Birnen,

Das Vorsäß „Am Boden“ von Marianne Berchtold

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Marianne Berchtold heizt den Küchenofen für die Katz’ an

getrocknete Feigen, Rosinen, geriebene, rohe Kartoffeln. „Viele verwenden gekochte, doch ich koche so, wie es mir meine Mama beigebracht hat, und sie hat rohe Kartoffeln verwendet.“ Mehl, Salz, Hefe, Wasser und Butter, die sie selbst geschlagen hat. „Mein Mann hatte ein Pferd, mit dem er für andere Leute verschiedene Dinge transportiert hat. Er bekam manchmal in anderen Häusern eine Ofenkatz’ und hat gesagt, dass sie bei einer Frau in Andelsbuch am besten seien. Besser

als bei mir oder seiner Mama. Ich habe sie gefragt, was sie anders macht. Die Frau hat geantwortet, dass sie zur Butter Schweineschmalz dazugibt.“ Marianne braucht selten Rezepte, sie kocht nach Gefühl. Sie vermischt die Dörrbirnen, Rosinen und die getrockneten Feigen in einer Schüssel. Darauf streut sie jetzt das Mehl und das Salz. Die Hefe bröselt sie auch hinzu. „Bei dieser Speise braucht es kein Dampfl, es ist kein Germteig, man könnte auch Backpulver statt Germ verwenden, aber mir schmeckt das nicht.“ Das Kochen ist Mariannes Leidenschaft. „Ich habe immer gern gekocht, das hat mir nie etwas ausgemacht. Nach einer Operation vor einigen Jahren habe ich im Vinzenz-Heim in Andelsbuch für die alten Leute gekocht. Ich war noch nicht ganz gesund und habe mich nicht besonders gefühlt. Doch das Kochen hat mich wirklich aufgebaut.“ Sie vermengt mit der Hand das Wasser und die Zutaten zu einer festen Masse. In fast allen alten Gasthäusern kennt man Marianne als starke Frau, die für ihr Leben gern in der Küche steht. Jetzt werden die meisten Häuser, in denen Marianne ihr Werk getan hat, nicht mehr bewirtet. Ob Gasthaus Taube, Sonne, Adler


Die Katz’ im Ofen Text: Milena Broger

Koch-Tipp: Ofenkatz’

Die Zutaten zur Ofenkatz’ sind bereitgestellt

Die Zutaten gut gemischt und eingerührt

Die Katz’ kommt in den Ofen

oder Engel, heute bleiben leider nur noch Erzählungen und ­Erinnerungen. Mit den Jahren wächst die Familie Berchtold: Marianne ist Großmutter von 18 Enkeln. Wenn sie von diesen Kindern spricht, werden ihre Gesichtszüge weich, und man spürt ihren großen Stolz. Sie zeigt mir Bilder und erzählt von den vielen Erlebnissen und Gewohnheiten, die sie mit ihren Enkelkindern teilt. Marianne wohnt in einer Wohnung im Untergeschoß ihres Hauses. Im zweiten Stock lebt eines ihrer Kinder mit der Familie. Sie erzählt von den Ess­ gewohnheiten: „Wenn die Kinder mittags von der Schule kommen, rufen sie zuerst ins Haus, ob bei Oma oder bei Mama gegessen wird.“ Oft wechseln die beiden sich ab oder kochen gemeinsam. Dieser belebte Ort hält sie jung. Sie hat keinen Grund, sich einsam zu fühlen. Doch natürlich braucht sie auch Auszeiten von diesem manchmal anstrengenden Alltag. Dafür hat Marianne den perfekten Platz in ihrem Vorsäß „Am Boden“. Ein kleines, gemütliches Bauernhaus, nur zu Fuß erreichbar, dient ihr, um innezuhalten und Kraft zu schöpfen. Einige Monate im Jahr verbringt sie dort allein, umgeben von Wald und Wiesen. Sie schmilzt die Butter in einem feuerfesten Geschirr. Jetzt kommt die Masse auf die geschmolzene Butter. Sie schiebt die Form in den Holzofen. Nach einer knappen Stunde richtet sie eine Tasse Wasser her. „Bei der Ofenkatz’ ist es wichtig, kurz bevor sie fertig gebacken ist, eine Tasse Wasser daraufzuschütten und noch für einige Minuten einen Deckel auf das Geschirr zu setzen. So zieht die restliche Butter ein.“ Wir sitzen in der warmen Stube und genießen die Katz’ aus dem Ofen. „Dieses Essen schmeckt viel besser, wenn es nach einigen Tagen aufgewärmt wird, dann ist es schön knusprig“, schmunzelt Marianne.

Nach dem Original-Rezept von Marianne Berchtold: 300 g Mehl 300 g gedörrte, anschließend gekochte Birnen 200 g Rosinen 100 g getrocknete Feigen 20 g Hefe 2 rohe Kartoffeln 200 g geschmolzene Butter Butter schmelzen und in eine Auflaufform gießen. Alle anderen Zutaten rasch ­kneten und in die Auflaufform streichen. Bei ca. 180 °C backen. Wenn die Masse eine goldbraune Farbe bekommt, eine Tasse ­Wasser darüber gießen und noch kurz weiter backen, bis die Butter vollständig eingezogen ist.

Oder neu interpretiert als „Parfait von der Ofenkatz’“ von Milena Broger: 2 Eier 1 Eidotter 75 g Kristallzucker 2 EL Rosinen 2 EL getrocknete Feigen 2 EL gedörrte Birnen Gewürze: Zimt, Piment, Nelken; Rum 300 ml Schlagobers Eier mit Eidotter und Zucker über Wasserdampf ausschlagen. Kalt schlagen. Rosinen, Feigen und Birnen klein hacken und unter die Eiermasse heben. Mit den Gewürzen und einem Spritzer Rum abschmecken. Das halb geschlagene Obers unter die Masse heben. In eine passende Form gießen und am besten über Nacht gefrieren lassen. Kurz vor dem Servieren etwas antauen lassen, damit es nicht zu hart ist.

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Kultur – Wissenschaft

Text: Ulrike Kinz

Zündende Ideen Der Mellauer Norbert Bischofberger, Erfinder des Grippemittels Tamiflu, lässt mit Klaus Riezler in seinem Heimatort eine neue Sonne aufgehen – und was für eine! „Klein-Paris“ nannte man Mellau einst und sprach vom „sündigen Dorf“. Stein des Anstoßes waren Tanzabende, die Sonnenwirtin Margret Bischofberger veranstaltete. Da drehte man sich nicht etwa zur Polka im Kreis, sondern übte sich im Twist. Ein Tanz, der in den 1950er Jahren als unanständig galt. Den Gästen gefiel es, die Sonne florierte. Ein Hotel kam dazu und – schon wieder etwas Sündiges: die „Tenne“, weitum die erste Disco. Das war Anfang der 1970er Jahre, als an den schneesicheren Nordhängen der Kanisfluh das neu eröffnete Skigebiet von Mellau begeisterte Wintersportler anzog. ­Mellau wurde zum Urlaubsort mit den meisten Übernachtungen im Bregenzerwald. Während Margret ­Bischofberger Schwung nach Mellau brachte, ­widmete sich eines ihrer sechs ­Kinder den ­Geheimnissen der ­Chemie. Sohn Norbert ­experimentierte schon als Volksschüler in ­seinem geheimen Labor am Dachboden. Mancher Mellauer erinnert sich, wie er den Briefkasten mit der ganzen Weihnachtspost sprengte. Mit Erfinder Norbert Bischofberger 27 schon weniger explosiv, zog Norbert als frisch ­promovierter ­Biochemiker in die USA. Er arbeitete bei Pharma­firmen und forschte an der Harvard ­Universität. Beim Biotech-Unternehmen Gilead entwickelte er schließlich das Grippe­medikament Tamiflu, wissenschaftlich wie auch wirtschaftlich ein durchschlagender Erfolg. Mit Mellau blieb der Wissenschaftler immer ­verbunden. Auch, als die Sonne nach dem Tod seiner Eltern zu neuen ­Besitzern kam. Dann warf sein Freund Klaus Riezler ein Auge auf das Traditionshaus. Er hatte viele Jahre als ­Hoteldirektor auf exklusiven Kreuzfahrtschiffen die Weltmeere befahren. Nun wollte er in seiner Heimat, dem Bregenzerwald, ein eigenes Hotel führen. Um die Sonne wieder zum Strahlen zu ­bringen, brauchte er viel Energie und ebenso viel Geld.

Reise-Tipp: Snow Well Week In Mellau bei Ihrem individuellen Wellnessurlaub. Lassen Sie sich kulinarisch ­verwöhnen mit der ¾-Pension inkl. Frühstücks­buffet, Nachmittagsjause und einem abendlichen 5-Gang-­Gourmet-Menü. Leistungen: 7 Übernachtungen mit ­¾-Pension; 6 Tage-3-Täler-­ Skipass; € 100 Wellness ­Gutschein für Spa & ­Beautybereich

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Termine: 9. 1. – 5. 2.10 | 20. 2. – 10. 4. 10 Preis pro Person: ab € 1088 im Superior Design Zimmer im ****S Hotel Sonne Mellau Buchung, Info: Tel. +43(0)5512 2365, http://winter.bregenzerwald.at


Im alten Hotel Sonne machte Tamiflu-Erfinder Norbert Bischofberger erste Experimente, am neuen Hotel ist der in den USA lebende Wissenschaftler beteiligt

Also rief Riezler seinen alten Freund an und fragte ihn, ob er sein Elternhaus zurückkaufen wolle. Bischofberger fand Gefallen an der Idee. Aus sentimentalen Gründen, in ­Erinnerung an seine Eltern und aus ­wirtschaftlichen Überlegungen: Mit dem im Winter 2009/2010 ­realisierten Zusammenschluss der Skigebiete von Mellau und Damüls zeichnen sich neue Entwicklungsmöglichkeiten für die Region ab. Außerdem bietet Mellau auch im Sommer mit seiner reizvollen Bergnatur alles für entspannende und anregende Urlaube. Nun ist der Wissenschaftler zusammen mit Riezler auch Hotelier. Zwei Jahre dauerte die Planung für die neue Sonne. Riezler schaute sich alle namhaften Designhotels im  Alpen­ raum an und entwickelte mit den

­ regenzerwälder Architekten Bernd Frick B und Richard Winkel die Vision für ein Hotel neuen Typs. Im März 2008 wurde die alte Sonne abgerissen. Im Dezember 2008 feierte die neue Sonne ihre glanzvolle Eröffnung. Der Komplex besteht aus zwei Gebäuden: dem „­Gasthaus zur Sonne“, einem typischen ­Bregenzerwälderhaus mit holzgeschindelter Fassade, ­heimeligen Stuben und Kachelöfen – liebevoll und bis ins kleinste Detail originalgetreu wieder aufgebaut. Über einen Gang gelangt man ins zweite Haus, das „Sonne Lifestyle Resort“. Von außen betont schlicht, sorgen im ­Inneren viel Holz, warme Farben und eine groß­zügige Raumgestaltung für eine einladende und anregende ­Atmosphäre. So fühlt man sich wie zuhause und gleichzeitig wie in der „großen weiten

Welt“, die Riezler behutsam integriert hat: komfortable Zimmer und Suiten, alle mit Balkon und Holzboden, das lichtdurchflutete Spa, die schicke Bar, der Weinkeller mit Separee für Abendessen in kleiner Runde und der Havanna-Club, das einzige Refugium für Raucher im Haus. Authentisch erzählt die Sonne von den alten Zeiten: mit h ­ istorischen Fotos, aufgenommen von Vater ­Bischofberger, die das Leben in M ­ ellau in der ersten Hälfte des 20. ­Jahrhunderts ­dokumentieren. Außerdem belebt die neue Sonne ihre Musik- und Kultur­tradition: Mit dem „Margret-­ Bischofberger-Saal“ beginnt in der Sonne auch der Aufstieg eines neuen ­Kulturzentrums im Bregenzerwald. www.sonnemellau.com www.mellau.at reisemagazin bregenzerwald · 33


Kultur – Genuss

Gutes Essen, feine Hotels Feine Küche Gasthof Adler, Schwarzenberg Das Gasthaus Adler, 1756 erbaut und 1990 unter Engelbert Kaufmann einer Generalsanierung unterzogen, ver­ breitet ein gemütliches Flair. Die alten historischen Gaststuben wurden mit passenden neuen ergänzt, die Speisekarte verrät ein Gourmet-Lokal. www.adler-schwarzenberg.at

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Jungkoch André Ludwig aus dem Hotel Post in Bezau holt Käs’ von Senn Ademar Nagel in der Sennerei Schnepfau

Bodenständige Speisen Restaurant Simma, Mellau

Sky Spa Hotel Krone, Au

Auf 1400 Meter Seehöhe genießt man in der Alpenatmosphäre auf der Rossstelle Spezialitäten aus dem Bregenzerwald wie frisch zubereitete Käsknöpfle, Kaiserschmarren, Salate und Kräuter aus dem eigenen Garten sowie Strudel, Torten und Holundersaft, alles hausgemacht. www.restaurant-simma.at

Das Hotel**** Krone in Au, vor einigen Jahren im Stil der neuen Vorarlberger Holzarchitektur modernisiert, verfügt über das „Sky Spa“. Die 500 Quadratmeter große Wellnessoase im 4. und 5. Stock beeindruckt ganz besonders mit ihrer herrlichen Aussicht auf die Bergwelt. www.krone-au.at


Sonnenterrasse Elsenalpstube, Damüls

Uriges Wirtshaus Naze’s Hus, Mellau

Wellness & Beauty Vitalhotel Linde, Sulzberg

Die Elsenalpstube liegt mitten im Damülser Skigebiet, direkt an der Bergstation der Uga-Sesselbahn. Unmittelbar daneben beginnt eine lokal berühmte Rodelbahn. Die Sonnenterrasse mit ihrem Rundblick auf die Alpen ist die ideale Basis für echten Hüttenzauber. www.elsenalpstube.at

Naze’s (Kurzform von Ignaz) Hus, Wirtshaus und Frühstückspension mit heimischen Produkten, ist „Top-GenussWirt 2008 in Vorarlberg“. Hier isst man in der harmonischen Atmosphäre eines sorgsam renovierten Bregenzerwälderhauses mit holzgeschindelter Fassade. www.nazes-hus.at

Sulzberg ist für seine einmalige Höhenlanglaufloipe (25 km) mit Ausblick und Anschluss an Loipen im Allgäu bekannt. Skier wie Schuhe stellt das Hotel gratis zur Verfügung. Es bietet Kreativkurse, Spezialitätenbuffets sowie Spa, Kosmetik- und Gesundheitsabteilung. www.vitalhotellinde.com reisemagazin bregenzerwald · 35


Vorarlberg

Vorarlberg, Land der Skipioniere

Wo sich Winterfreunde wirklich wohlfühlen

Weltberühmt für seine Skiorte, ist Vorarlberg Alpenidylle und weltoffenes Kulturzentrum, zugleich anregend und bewegungsfreudig

Im Westen Österreichs liegt Vorarlberg. In guter Nachbarschaft zu Deutschland, der Schweiz und ­Liechtenstein. Es ist ein weltoffenes Land mit einer regen Kulturszene und einer überraschend ­modernen Architektur, Standort zahlreicher innovativer ­Unternehmen.

Vorarlberg ist ein Pionierland des alpinen Skilaufs, das bis heute Maßstäbe setzt. 1906 fand am Arlberg der erste Gäste-Skikurs statt. Zu jener Zeit schuf Hannes ­Schneider die berühmte „Arlberg-Skitechnik“, die sich bald ­international durchsetzte. 1937 ging am Arlberg der erste elektrisch betriebene Schlepplift in Betrieb. V­orarlbergs Skischulen und Skiclubs zählen zu den ­ältesten der Welt. Bis heute spielt Vorarlberg im internationalen Winter­sportgeschehen eine wichtige Rolle. Das weltweit tätige Unternehmen Doppelmayr hat seinen Sitz in Vorarlberg. Gemeinsam mit einem Vorarlberger Lift­unter­ nehmen erfand Doppelmayr „beheizbare Sessellift­sitze“, die ­mittlerweile in vielen Skigebieten im Einsatz sind. Weltweit ­stammen zahlreiche Beschneiungsanlagen aus Vorarlberg. Das Wintersportland Vorarlberg bietet jeden Komfort und viel Naturidylle. Die Berge wurden wohldosiert erschlossen. Die Dörfer haben ihren Charakter bewahrt. Respektvoll-herzliche Gastgeber verwöhnen ihre Besucher mit Qualität und Niveau.

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München 280 km

Friedrichshafen 95 km Memmingen 80 km

Bodensee

D Altenrhein 80 km Zürich 150 km

CH

Bregenzerwald Klein walsertal

BodenseeVorarlberg

Arlberg FL

Alpenregion Bludenz

Innsbruck 135 km

A

Montafon CH

Information: Vorarlberg Tourismus Poststraße 11, 6850 Dornbirn, Österreich Tel. +43(0)5572 377033-0, Fax +43(0)5572 377033-5 info@vorarlberg.travel, www.vorarlberg.travel


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Reisemagazin Bregenzerwald  

Dies ist der rote Faden: Menschen mit spannenden Geschichten aus dem „Wald“. Authentische Geschichten, mit Vergnügen von unseren Redakteuren...

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