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Rock on Rock Eine Ausstellung von Heiko Brinkmann

6.-27. Mai 2011 Bodensee Art Fund


Interview mit Heiko Brinkmann anläßlich der Ausstellung Rock on Rock im Mai 2011 Bodensee Art Fund (BAF) Fragen Jens Gebhart


Seit wann machst Du Steinbalancen? Seit dem Frßhjahr 2005 arbeite ich an jedem Wochenende, meist Freitags, 4 – 6 Stunden mit den Steinen.


Wie bist du zu den Steinbalancen gekommen? Inspiriert wurde ich durch einige Steinskulpturen, die ich bei meinen Fahrradausflügen am Ufer der Argen fand. Ich hatte schon länger das Gefühl, daß ich nicht nur passiv die Natur erleben sondern mich aktiv betätigen, mit meinen Händen etwas bauen wollte. Diese Skulpturen waren der Auslöser es an einsamen Plätzen am Flußufer selbst auszuprobieren, Türme zu bauen, Gleichgewichte und Waagen zu konstruieren, mit den Steinen zu spielen. Die Türme wurden immer höher, die Balancen schwieriger und die Arbeit mit den Steinen wirkte nach einiger Zeit auf mich zurück. Ich war nachher entspannter als vorher. Die Konzentration auf den nächsten Stein, das Spüren der wirkenden Kräfte und dann das Loslassen im richtigen Moment, das war damals und ist auch heute noch ein besonderes Erlebnis.Früher ließ ich die Skulpturen dann stehen und war gespannt, was Wind, Wetter und der Fluß mit ihnen gemacht hatten, bis ich nach einigen Tagen zurückkam.


Welche Rolle spielt für dich der Ort, an dem du arbeitest? Der Ort und die Umgebung sind für mich sehr wichtig, einerseits weil ich meist mit den dort vorhandenen unterschiedlichen Steinen arbeite, andererseits entstehen aber auch unterschiedliche Figuren, je nachdem ob sie am Ufer, zwischen oder auf Bäumen, im Gras, im Wald oder im und am Wasser stehen. Außerdem macht es einen Unterschied, ob der Platz einsam ist, wie manche Stellen an der Argen, oder viel besucht, wie das Bodenseeufer im Frühjahr und Sommer.


Welche Reaktionen kommen von den Passanten? Viele der Passanten, meist Spaziergänger, fühlen sich von den Steinbalancen angesprochen, bleibenstehen, wundern sich, daß die Figuren nicht umfallen oder warten gespannt, ob ich den nächsten Stein wirklich noch schaffe und manchmal gibt es auch Applaus. Während des Stapelns spreche ich nicht, das Balancieren erfordert absolute Konzentration, aber in den Pausen ergeben sich die unterschiedlichsten Gespräche. Das reicht von den physikalischen Kräften, die die Balancen möglich oder unmöglich machen (ein typisches „Männergespräch“) bis hin zu künstlerischen oder sogar spirituellen Aspekten. Manche Menschen beginnen selbst zu bauen, das freut mich jedesmal besonders. Sehr beeindruckend ist auch die Reaktion von Kindern, die oft sehr schnell anfangen, Steinmännle zu bauen.


Welche Steine benutzt du für deine Steinbalancen? Ich benutze ganz unterschiedliche Steine und suche sie aus, ohne besonders darüber nachzudenken, aber sie müssen mich ästhetisch ansprechen durch Farbe, Form, Zeichnung usw. Meist entsteht dann beim Betrachten oder Erfühlen des Steins eine Vorstellung davon, wie ich ihn verwenden könnte.


Hast du Lieblings-Steine? Ja, natürlich. In der Ausstellung sind einige davon zu sehen. Meist arbeite ich eine gewisse Zeit mit diesen Lieblingssteinen, steigere dabei nach und nach den Schwierigkeitsgrad einer Balance und versuche die verschiedenen Möglichkeiten und ihre Wirkungen in der Balance auszuprobieren. Du veröffentlichst regelmäßig deine Bilder auf flickr und anderen Foren. Welche Rolle spielt das Internet für dich? Gerade zu Beginn meiner Arbeit mit den Steinen war das Internet sehr wichtig. Das FotoPortal flickr mit seinen Themen-Gruppen gab und gibt noch die Möglichkeit, die Arbeiten von anderen Rock-Balancern kennenzulernen und zu kommentieren, sich Impulse und Anregungen zu holen und die eigenen Skulpturen einschätzen zu lernen. Die Kommentare und der Zuspruch von Anderen hat mich immer wieder ermuntert, weiterzumachen. Die Kontakte zu Steinkünstlern auf der ganzen Welt wären ohne Internet sicher nicht so zustande gekommen. Auf facebook zum Beispiel findet inzwischen ein reger Austausch von mehr als 150 Balancierern statt, die sich gegenseitig Impulse geben, Treffen und Veranstaltungen werden angekündigt und auf youtube kann man dann auch kleine Filme der Künstler ansehen.


Kennst du andere Steinkünstler, die ähnlich arbeiten? Persönlich kenne ich Volker Paul, der seit vielen Jahren in Radolfzell am Bodensee arbeitet. Sepp Bögele, ebenfalls aus Radolfzell, und Axel Böhme aus Konstanz, der jedes Jahr beim Kulturufer in Friedrichshafen balanciert, habe ich schon beim Balancieren zugesehen. Über das Internet bin ich in Kontakt mir Peter Juhl aus Minnesota, der seine Steinbalancen am Lake Superior baut, und von ähnlichen Erlebnissen und Erfahrungen erzählt wie ich. Bill Dan aus San Francisco und Renato Brancaleoni aus der Nähe von Rimini kenne ich über das Web schon seit Jahren und wünsche mir, sie einmal persönlich kennenlernen zu können. Und es gibt eine große Anzahl von Internet-Kontakten aus den USA, Großbritannien, Kanada, Japan, Frankreich, den Philippinen, Italien und der ganzen Welt.


Kann man davon leben? So weit ich weiĂ&#x; gibt es einige Vollprofis, die durch Events, Ausstellungen, Sponsoren, Verkauf von Bildern und Postkarten usw anscheinend davon leben kĂśnnen. Manche sind allerdings nicht nur Steinbalancierer sondern machen Land Art, Ephemeral Art, Malerei und auch Bildhauerei. Ich selbst bin eher nebenberuflich SteinkĂźnstler.


Beuys sagte: Jeder Mensch ist ein Künstler. Welche besonderen Fähigkeiten braucht man als Stein-Künstler? Beim Balancieren geht es hauptsächlich um einen Zustand der aktiven Ruhe, in dem man die Kräfte zu erspüren versucht, die auf die Steine wirken. Dafür braucht man sicher die Fähigkeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren und alle ablenkenden inneren und äußeren Einflüsse zu ignorieren, zumindest für eine kurze Zeit. Man braucht die Hartnäckigkeit, viel zu üben und eine ruhige Hand. Das Wichtigste aber ist meiner Meinung nach, daß man die Steine liebt, dann kann jeder Steinkünstler werden.


Links: Heiko Brinkmann http://www.facebook.com/pages/Heiko-Brinkmann-Steinbalancen/209115725776680 http://www.flickr.com/photos/85034017@N00/collections/72157603630800442/ flickr Rockbalance Gruppe: http://www.flickr.com/groups/93822057@N00/ Facebook Gruppe Pietre in Equilibrio Stone Balancing: http://www.facebook.com/home.php?sk=group_108286479238211&ap=1 Bill Dan, Rockbalance Urgestein in San Francisco: http://www.rock-on-rock-on.com/ Peter Juhl, balanciert am Lake Superior: http://www.temporarysculpture.com/ Volker Paul aus Radolfzell : http://www.stein-balance.de/ John Felice Ceprano aus Kanada: http://www.jfceprano.com/ Renato Brancaleoni aus Italien: http://www.flickr.com/photos/59125128@N00/sets/72157594305693700/


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