Biorama #56

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AUSGABE 56 — AUGUST/SEPTEMBER 2018. WWW.BIORAMA.EU

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Kinder kriegen WAS BLEIBT VON UNS? Zirbenkraft: Woher kommt der Boom – und gibt es ihn wirklich? — Mikroplastik: Die Quellen der Plastikteilchen in den Meeren und auf den Tellern. — Frankly speaking: Der Milliardär Frank Stronach über Investment in Biolandwirtschaft. —

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Tiroler

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Bio-Tomaten Knackig frische Tomaten kommen von Christian Kopp aus Haiming. Seit über 5 Jahren ist er der regionale Pionier im Bio-Tomatenanbau. Er setzt auf Nützlinge und Bio-Dünger. Die Haiminger Bio-Tomaten wachsen selbstverständlich ohne chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel. Ihre Wurzeln haben sie in der Haiminger Erde. Das Gütesiegel „Qualität Tirol“ steht für den Tiroler Ursprung.

AUS HAIMIN

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Bio-Tomaten

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BIORAMA Nº. 56

EDITORIAL, IMPRESSUM

03 DIE NI ED ÖSTE ERRR AUSG EICH ABE #2

E LIN ON NTO KO ZUGS

inder, was haben wir herumdiskutiert. Geschlechterrollen, verschiedenste Familienmodelle, Reproduktionsmedizin und Sinn und Unsinn der Fortpflanzung, aus egoistischer Sicht und aus ökologischer gefragt: Was bleibt von mir? Von uns? Was an diesen Fragen beschäftigt die Leserschaft und vor welcher Lebensentscheidung stehen viele vermutlich gerade? Platz hatten wie immer nur ein paar Teile des Puzzles. Es gibt einerseits die persönliche Reportage aus dem Warteraum auf dem Weg zum Wunschkind von Kollegin Yasmin Vihaus. Christian Köllerer und Hildegard Aichberger liefern andererseits die eher nüchternen Argumentationshilfen für Diskussionen zum ökologischen Fußabdruck des Kinderkriegens. Und Ursel Nendzig verbeugt sich mutig – und lustig wie immer – vor der bewussten Entscheidung für Kinder. Endlich lösen wir auch den Wunsch einer Leserin ein, der uns vergangenen Dezember auf die Facebook-Wall geschrieben wurde: Wir haben uns den wissenschaftlichen Ursprung eines kleinen Hypes angeschaut und wie ein Vorarlberger Vorzeigebetrieb damit und mit dem Werkstoff Zirbe umgeht. Was auch wir noch nicht recht glauben können: Wir waren beim Magna-Gründer Frank Stronach und haben mit ihm nicht nur über Bio als gutes Investment gesprochen, sondern auch eine Überzeugung dahinter kennengelernt. Und mit Freude und Gusto auf Reinanke begrüßen wir Sven Strasser auf der Rezeptseite und bedanken uns bei unseren Foodbloggerinnen Anna & Esa dafür, was sie uns alles eingebrockt und auch wieder ausgelöffelt haben! Wir haben versucht, eure Lebensplanung, die unserer Leserinnen und Leser, zu erraten – gut, dass es uns nicht gelungen ist. Wir wünschen uns, dass ihr unberechenbar bleibt – und wie immer eurer Feedback und gute Lektüre!

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Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu @th_weber

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BIORAMA SPECIAL — JULI/AUGUST 2018. WWW.BIORAMA.EU

Wie die Sojabohne nach NÖ kam.

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St.Pölten 2024: Wie soll die Landeshauptstadt europäische Kulturhauptstadt werden? Waldbrände: Was bedeutet der Klimawandel für die Feuerwehr? Green Controlling: Messen Gemeinden ihren ökologischen Fußabdruck?

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Auch online nachlesen: Unsere 2. Regionalausgabe für Niederösterreich issuu.com/biorama

IMPRESSUM HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTEURIN Irina Zelewitz AUTOREN Hildegard Aichberger, Matthäus Bär, Irene Maria Gruber, Anna Herczeg, Andrea Robles Jiménez, Micky Klemsch, Christian Köllerer, Ursel Nendzig, Doris Neubauer, Sven Strasser, Bernadette Schmatzer, Jürgen Schmücking, Mashiah Sheikh, Werner Sturmberger, Anika Suck, Victoria Szabó, Yasmin Vihaus, Christoph Wimmer GESTALTUNG Michael Mickl, Lisa Weishäupl LEKTORAT Katja Schifferegger COVERBILD iStock.com/NataliaDeriabina, iStock.com/leonello ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Emma Eminenz, Micky Klemsch (Leitung), Bernadette Schmatzer, Thomas Weber DRUCK NP Druck Gesellschaft mbH, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Biorama GmbH, Wohllebengasse 16 / 6, 1040 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl KONTAKT Biorama GmbH, Wohllebengasse 16 / 6, 1040 Wien; www.biorama.eu, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT siehe Website: www.biorama.eu ERSCHEINUNGSWEISE 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien

BLATTLINIE Biorama ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für den Menschen und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Biorama erscheint sechs Mal im Jahr.

BILDER Michael Mickl

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Jetzt auch online zum Konto mit dem regionalen Plus wechseln.

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KINDER, KINDER.

Impressum: Medieninhaber: Raiffeisen-Landeswerbung Niederösterreich-Wien, F.-W.-Raiffeisenplatz 1, 1020 Wien.

UM VICE R SE

Irina Zelewitz, Chefredakteurin zelewitz@biorama.eu

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AUFTAKT

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INHALT

03 Editorial 12 Global Village Die Welt im Großen & Kleinen

Schwerpunkt: Kinder kriegen

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16 Im Warteraum Geschichten aus der Kinderwunschklinik 20 Co-Parenting Eltern, aber nie ein Liebespaar 22 Pro und Contra Kinder kriegen Ist es ökologisch vertretbar? 27 Stöpsel: Kinderbuch Mehr als Vater, Mutter, Kind

Marktplatz 55 Marktplatz Kosmetik Altern mit Haltung 62 Marktplatz Food Her mit dem Speck!

warten auf den kinderwunsch – warten auf das wunschkind Zwischen Gedanken wie »Wie lange kann ich noch warten?« und Überzeugungen wie »Es hätte früher einfach nicht gepasst.«

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Kolumnen 64 Strassergut kocht gut 66 Elternalltag

BILDER Michael Mickl, iStock.com/Tinnieder, SDittrich, Sven Strasser

Magazin 32 Ist die Zirbe ein besonderer Baum? Dank einer Studie im Aufwind 35 Das Hartholz fürs Leben Christian Leidinger im Interview 39 E-Bike-Uphill E-Mountainbiken in Leogang 43 Elbe-Radweg Radeln im Flow 46 Mikroplastik Woher kommt’s? 49 Plastik in aller Munde Was richten die Kleinstpartikel im menschlichen Körper an? 52 Recycling-Queen of the Ocean Ein Kinderbuch aus Meeresplastik 56 Urban Drink Raw Kombucha 59 Investment in Biolandwirtschaft Der austrokanadische Milliardär Stronach ist auch Farmer

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.56 29,– 6 AUSGABEN BIORAMA + PRÄMIE UM € 29,— *

truehomeware

32 was kann die zirbe, was andere hölzer nicht können? Vor 15 Jahren wurde eine Studie veröffentlicht, die seither als Beleg für sehr viele Versprechen rund um die Kräfte der Zirbelkiefer herhalten muss – auch in Anwendungsbereichen, die gar nicht beforscht wurden.

BILDER Michael Mickl, iStock.com/Tinnieder, SDittrich, Sven Strasser

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elbradweg 14 Mal in Folge der beliebteste Radweg Deutschlands.

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strassergut kocht gut In Gewürzsalz gegartes Reinankenfilet mit Beurre Blanc »Special«.

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© DUH/Sophie Wanninger

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28.9. 7.10. 2018

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LESERMEINUNG

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WIR MÜSSEN REDEN … Mails, Tweets und manchmal Liebesbriefe an die Redaktion – und unsere Antworten.

BETRIFFT: MEINE STADT HELSINKI in biorama Ausgabe 55 (Juni/Juli 2018)

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or geraumer Zeit habe ich in »meinem« Denn‘s Biomarkt die Zeitschrift biorama entdeckt und lese sie seither mit großem Interesse. Ich finde es toll, wie eine differenzierte Darstellung von Gegebenheiten gelingt. Nun aber hat mir ein (hoffentlich gedankenloses) »aber« in der Zusammenstellung »Meine Stadt: Helsinki« von Mathias Hörlesberger kurz die Zornesröte ins Gesicht getrieben: Auf S. 15 heißt es »Eira ist jener Stadtteil, der vor allem von älteren Menschen bewohnt wird, aber wegen [...] sehenswert ist«. HALLO?! Wo bitte ist da der Gegensatz? Ältere Menschen machen einen Stadtteil unattraktiv, oder wie darf ich das verstehen? Da ich zur Zeit viel darüber recherchiere, wie ältere Menschen in der Gesellschaft wahrgenommen und behandelt werden, und das Altern insgesamt, finde ich das interessant und mich würde eine kurze Stellungnahme interessieren. Da ich zur Zeit viel darüber recherchiere, wie ältere Menschen in der Gesellschaft wahrgenommen und behandelt werden, und das Altern insgesamt, finde ich das interessant und mich würde eine kurze Stellungnahme interessieren. — Petra Encinas Gutierrez (via Mail) Keinesfalls wollen wir ausdrücken, dass ältere Menschen einen Stadtteil unattraktiv machen. Über seine Lieblingsplätze und Eco-Hotspots der Stadt Helsinki schreibt Mathias Hörlesberger: »Eira (Helsinki) ist jener Stadtteil, der vor allem von älteren Menschen bewohnt wird, aber wegen seiner neoklassizistischen, teils 80er-Jahre-, teils hypermodernen Architektur sehenswert ist. Da Eira direkt am Meer In der Reihe liegt, bietet sich dieser Stadtteil dafür »Meine Stadt« war im biorama 55 Helsinki im Porträt.

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an, einfach herumzuschlendern und die Abwechslung zwischen Natur und Mensch zu genießen.« Es ist also nicht die altersmäßig homogene Bewohnerschaft, die den Stadtteil sehenswert macht, sondern der heterogene Architekturmix verschiedener Epochen. Der Gegensatz hat sich darauf bezogen und keinen zwischen »sehenswert« und »von älteren Menschen bewohnt« gemeint. Dass oft nicht der Umstand, dass ein Viertel von älteren Menschen bewohnt wird, dafür sorgt, dass eine Gegend für Besucher sehenswert ist, kann man allerdings – finden wir – guten Gewissens behaupten.

TWITTER BELEBT DAS ARCHIV.

»P

S: Schöner Artikel über Äthiopien im Biorama!« — mailt uns Manuela Gutenbrunner von der Austrian Development Agency – attached dieser Tweet der Hilfsorganisation Menschen für Menschen.

Der Artikel ist im BIORAMA #48 erschienen, sowohl online als auch auf Issuu (issuu.com/bior48) kann man ihn immer noch lesen. Zuschriften an redaktion@biorama.eu

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STREET TALK WIR FRAGEN, ZEHN ERWACHSENE ANTWORTEN.

»WANN IST DER BESTE ZEITPUNKT, UM KINDER ZU BEKOMMEN?«

DAS MEINEN ELTERN:

Brigitta 61, Lehrerin

Barry 70, Marketingbeauftragter

Meine Mutter hat mich mit 18 gekriegt, das war sicher nicht so gut. Und ich habe mein Kind erst mit 32 gekriegt. Ich denke, das ist gut, weil man dann schon beruflich fest im Sattel sitzt und ein bisschen entspannter ist. Aber das ist vielleicht auch subjektiv.

Wenn du bereit bist. Wenn du jung bist. Und vorzugsweise, wenn du geheiratet hast. Ich denke, es ist eine gute Idee zu heiraten und dann einige Jahre gemeinsam zu haben und wenn alles gut läuft, kann man eine Familie gründen. Ich war 30, als meine Frau ein Kind bekommen hat.

Bernd 49, Behindertenbetreuer

Corinna 50, Krankenschwester

Zu früh ist meistens nicht gut, da ist man noch unreif – zu spät ist auch schlecht, da hat man nicht mehr viel von den Kindern. Ich würde mal sagen zwischen 30 und 35. Je nachdem, Frauen ein bisschen früher, Männer oft ein bisschen später. Zwischen 30 und 35.

Ich habe mit Mitte 20 meine ersten Kinder gekriegt und das war für mich der ideale Zeitpunkt. Ich hatte meinen Beruf abgeschlossen, ich stand mit beiden Beinen im Leben. Und jetzt sind meine Kinder groß und ich kann alleine mit einer Freundin durch Wien ziehen und das ist toll.

Margot 74, Pensionistin

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INTERVIEW UND BILD Anna Herczeg, Victoria Szabo

Es kommt darauf an, ob man schwanger werden kann oder nicht. Ich hatte meinen Sohn spät, mit 31. Und er ist immer noch mein Baby. Und mein Mann und ich sind immer noch verheiratet.

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DAS MEINEN KINDERLOSE:

INTERVIEW UND BILD Anna Herczeg, Victoria Szabo

Manuel 28, Verkaufsfahrer im Außendienst

Louis 23, Student

Ich glaube, so 30 bis 35 is ein super Alter, um Kinder zu bekommen. Man hat zwar schon, wenn man älter ist, mehr Lebenserfahrung und wird das Kind anders erziehen. Aber wenn der Altersunterschied zu groß ist, ist man von dem, wie das Kind aufwächst und lebt, ein bisschen zu weit entfernt.

Nie. Die sind zu teuer, zu nervig. Aber wenn man Kinder will, dann wenn man genug Geld hat, um sich selbst unterstützen zu können. Dann kann man ein Kind in einem guten Umfeld aufwachsen lassen. Man sollte wissen, dass es vom Finanziellen her passt und dann kann man auch ein bequemes Leben haben.

Mahshid 30, Barkeeperin

Marjam 24, Studentin

Es geht nicht um das Alter, es geht darum, wie sich die Leute fühlen, ob sie bereit sind oder nicht. Ich bin 30 Jahre alt und fühle mich noch nicht bereit, Kinder zu bekommen.

Ja, ich glaube, es ist ein bisschen lifestyleabhängig. Und es geht für viele Leute um Geld, für mich sicher auch. Wenn ich Kinder bekomme, muss ich sie finanziell unterstützen können. Für mich wäre Anfang 30, Ende 20 gut.

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Hana und Urim 28, Studentin und 30, Rechtsanwaltsanwärter Lustig, wir waren am Wochenende auf einer Hochzeit und genau das haben sie uns dort auch gefragt. Es kommt, glaub ich, wirklich auf die Ausbildung an. Es gibt Leute, die haben eine Lehre gemacht und bekommen schon mit Mitte 20 Kinder. Aber tendenziell ab 30 aufwärts. Wir sind beide Akademiker, wir konzentrieren uns mehr auf unsere Arbeit. Da verschiebt sich das immer weiter nach hinten.

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BILD DER AUSGABE

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EIN DORF ZIEHT BLANK Vier Jahre hat Drehbuchautor und Regisseur Phillipe Le Guay für die Entwicklung des Filmprojekts gebraucht: Mêle-sur-Sarthe. Ein französisches Dorf in der Landwirtschaftskrise, dessen Sorgen von der Politik ignoriert werden. Plötzlich taucht ein Künstler im Dorf auf: Er will die Bauern fotografieren, im Adamskostüm. Der Bürgermeister sieht darin die Chance, mehr Aufmerksamkeit für die Probleme der Bauern zu gewinnen. Doch es fällt ihm gar nicht so leicht, die prüden Bauern von dem Projekt zu überzeugen. Weil die Nacktheit dort nicht »natürlich« ist, sagt le Guay. Kinostart Deutschland: 16. August. Österreich: 17. August. ANIKA SUCK

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BILD Filmladen Filmverleih

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GLOBAL VILLAGE

USA

KLIMASCHUTZ IN DER CLOUD Die UNO will das umfangreiche Daten- und Satellitennetz von Google nutzen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu überwachen. Die Kollaboration wurde am 16. Juli in New York bekannt gegeben. Ziel ist die Erstellung einer OnlinePlattform zur Sammlung und Analyse von Daten über Klimawandel betroffene Regionen. Mit Googles CloudDiensten und Satellitensystemen können regelmäßig Karten erstellt und Daten gesammelt werden. Eine Zusammenarbeit mit einem privaten Anbieter wie Google liegt für die uno angesichts ihres geringen Budgets nahe. Welche Rolle für Google ein kommerzielles Eigeninteresse an diesem Projekt spielt, ist schwer zu sagen. Zugriff auf die Daten des Projekts sollen vor allem Regierungen bekommen, da sie laut UN oft zu wenig Daten zur Situation der Ökosysteme innerhalb ihres Landes haben, aber auch die Öffentlichkeit. Außerdem sollen Partnerschaften mit nasa, European Space Agency und der gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission geschlossen werden. Der erste Fokus des Projekts liegt auf der Beobachtung von Süßwasservorkommen und von Veränderungen innerhalb der Ökosysteme der Gewässer. ANNA HERCZEG

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BILD Google_flickr.com NASA Goddard Space Flight Center (CC BY 2.0)(links), Kolumbien_flickr.com Vince Smith (CC BY 2.0)(rechts)

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BILD Google_flickr.com NASA Goddard Space Flight Center (CC BY 2.0)(links), Kolumbien_flickr.com Vince Smith (CC BY 2.0)(rechts)

FREIZEITPROGRAMM FÜR ELTERN UND IHRE KINDER

HÖHLEN UND NATUR IN SÜDMÄHREN KOLUMBIEN

NUR EIN FLÜGELSCHLAG Das Ende des Bürgerkriegs bringt Birdwatcher nach Kolumbien. Der Ökotourismus in Nationalparks soll lokale Jobs generieren. Das vielfältigste Land der Welt ist Kolumbien, zumindest wenn es um Vögel geht, denn dort leben etwa 1.800 Arten. Die Schönheit dieser Vielfalt wurde bis vor kurzem von einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg überschattet. Die Regenwälder Kolumbiens, Heimat vieler Vögel und anderer Tiere, dienten der Guerilla (der farc) als Versteck, was sie für den Tourismus unattraktiv und gefährlich machte. So auch der Farallones Nationalpark. Doch seit der Friedensvertrag zwischen der Regierung und den farc-Rebellen 2016 geschlossen wurde, trauen sich auch wieder mehr Touristen in das südamerikanische Land – unter ihnen viele Vogelbeobachter, die Vögel wie den Tukan-Bartvogel, der nur in Kolumbien und Ecuador lebt (siehe Bild), bestaunen wollen. Durch die Nachfrage nach Vogelbeobachtungstouren und Ökotourismus in der Gegend, sollen neue Jobs für die lokale Bevölkerung entstehen. Vorausgesetzt, der Regenwald und seine Bewohner werden geschützt und fallen nicht der weltweiten Abholzung zum Opfer. ANNA HERCZEG

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Rund um die Stadt Brünn gibt es für Familien Freizeitvergnügen von Outdoor-Action über Naturschauspiele bis hin zu Wissenschaft. Brünn ist mit dem Auto von Wien in rund zwei Stunden erreichbar – noch deutlich schneller und bequemer geht es mit dem Zug. Die Stadt und ihre Umgebung bieten für Familien und Kinder eine Menge Attraktionen. Dazu gehört auch der nordöstlich der Stadt gelegene Mährische Karst, ein Landschaftsschutzgebiet, das über 1.000 Höhlen beheimatet, von denen vier begehbar sind. Diese sind als Schauhöhlen präpariert und bieten vielfältige Tropfsteinformationen. Die besonders beliebte Puvka-Höhle (Voranmeldung nötig) wird über eine Höhlenflussfahrt mit dem Boot wieder verlassen. Eines ihrer Highlights ist die über 100 Meter hohe Macocha-Schlucht (Bild). Die Stationen der Höhlen werden auch in deutscher Sprache erklärt. Junge Besucher können aber auch in Brünn das Vida Science Center besuchen, eine interaktive Halle zwischen Zoom und Technischem Museum. Das Schloss Milotice lässt unter anderem in Kostüme im Stil vergangener Jahrhunderte zu schlüpfen. Action gibt es in Brünns Hochseilgarten »Jungle Park« oder weiter südlich im »Aquapark Moravia«. Offenlegung: Die Pressereise fand auf Einladung des Tschechien Tourismus statt. MARTIN MÜHL

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MEINE STADT

MEINE STADT: MEXICO CITY LIEBLINGSPLÄTZE UND ECO-HOTSPOTS

PAN COMIDO Dieser Platz wurde schnell zur ersten Wahl für Vegetarier und Veganer. Die Dekoration besteht aus wiederverwendeten Materialien, so waren zum Beispiel manche Tische vorher Türen oder Wiegen. Die Wahl der Möbel ist eng verknüpft mit der Idee dieses Ortes: »Denke an die Natur. Denke an dich. Denke darüber nach, was du isst.« Das Lokal ist sehr beliebt bei den buddhistischen Mönchen dieser Gegend. Wenn du dem Lokal deine leeren Gläser spendest, welche als Trinkgläser wiederverwendet werden, bekommst du einen Gratis-Kaffee. tonalá 91, roma

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ÜBERSETZUNG: Thomas Nussbaumer BILDER: Andrea Robles Jeménes, Valente Costa-Brava (El Chopo), Paco Ayala (Roma Green Orchard)

VON ANDREA ROBLES JIMÉNEZ Andrea Robles Jiménez ist audiovisuelle Künstlerin. Ihre Animationen und Installationen werden auf internationalen Festivals und Kunsträumen, unter anderem in Mexiko, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Kanada, usa und Österreich gezeigt. Sie ist Yogi, Vegetarierin und Tierfreundin.

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ÜBERSETZUNG: Thomas Nussbaumer BILDER: Andrea Robles Jeménes, Valente Costa-Brava (El Chopo), Paco Ayala (Roma Green Orchard)

TIANGUIS CULTURAL DEL CHOPO Auf einer Seite der fantastischen Jose-Vasconcelos-Bibliothek befindet sich der Chopo Cultural Market, eine Underground-Tradition in der mexikanischen Hauptstadt. Hier wird noch um den Preis gefeilscht und man kann ganze Samstage damit verbringen, Bücher, Platten, Filme, Kunst, ja, sogar deinen alten Tennisschläger, zu tauschen – wenn du deine Sachen nicht mehr brauchst, gibt es einen Platz, an dem du diese spenden kannst. Auch findest du hier eine lebendige Street-ArtSzene, du kannst T-Shirts kaufen, Masken, Schuhe, Vinyl etc. Der Chopo Cultural Market ist einer der spannendsten und emblematischsten Plätze in Mexico City. aldama, cuauhtémoc, buenavista

TEMPLO HARE KRISHNA MEXICO D.F. HUERTO ROMA VERDE Wunderschöner Grünraum im Süden der Colonia Roma. Im öffentlichen Raum werden hier soziale und ökologische Projekte gefördert, um so eine widerstandsfähige Gesellschaft entstehen zu lassen, welche aktiv dem Klimawandel entgegen wirkt. Hierzu werden unter anderem Kurse für Permakultur oder Workshops angeboten, welche helfen sollen, soziale und ökologische Projekte zuhause und in der Nachbarschaft zu etablieren. Jeden Morgen um acht Uhr finden Yoga-Einheiten statt, und an den Wochenenden wird der Tisch für vegetarisches Food Tasting gedeckt. jalapa 234, roma sur

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Einer der besten Plätze in Mexico City, um ein vegetarisches und zu 100% biologisches Drei-Gänge-Menü zu bekommen. Sobald man das Restaurant betritt, wird man herzlich von einem Krishna begrüßt und zu seinem Tisch geführt. Die Krishnas bereiten alle Speisen selbst und frisch zu, und – abgesehen vom hervorragenden Essen – ist der beste Teil der Preis: Für vier Euro wird hier jeder zufriedengestellt. Die einzige Bedingung ist: Iss alles auf und verschwende nichts. gobernador tiburcio montiel 45, san miguel chapultepec

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KINDERWUNSCHKLINIK

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WARTEN AUF DAS WUNSCHKIND

Das passiert hinter den Türen einer Kinderwunschklinik. Yasmin Vihaus hat dazu für biorama Fragen gestellt, die sie sich selbst vorher so nicht gestellt hat.

TEXT

Yasmin Vihaus BILD

Michael Mickl

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»Es hätte früher einfach nicht gepasst.«

Auf dem Rezeptionstisch türmen sich kleine blassrosa Teedöschen, auf denen in schnörkelig-weißer Schrift »Wunschkind« zu lesen ist, abgesehen von diesem Detail wirken Eingangsbereich und Rezeption der Kinderwunschklinik Dr. Brunbauer auf den ersten Blick eher so, als könnte man sich hier für eine Beauty- oder Wellnessbehandlung anmelden: Holzfußboden, weiße Wände, skandinavische Designermöbel und abstrakte Kunst im Großformat runden das Ambiente ab, in dem Paare über lebensverändernde Entscheidungen nachdenken: Wollen wir eine künstliche Befruchtung? Wer sich Gedanken über ein Kind und dessen Zeugung macht, hat selten eine Ordination, einen Warteraum oder gar eine Klinik im Kopf, sondern denkt viel eher an Abende zu zweit, die dann und wann zur heiß ersehnten oder überraschend entdeckten roten Linie auf dem Schwangerschaftstest führen. Solche Szenarien bleiben allerdings etwa sieben bis neun Prozent aller Paare mit Kinderwunsch in Österreich verwehrt. Die Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit sind vielfältig und können sowohl aufseiten des Mannes, also im Spermiogramm, als auch aufseiten der Frau, etwa durch Erkrankungen wie Endometriose, das pco-Syndrom oder durch eine Anomalie der Eierstöcke, bestehen. Eine große Rolle spielt zudem auch das Alter und die abnehmende Fruchtbarkeit.

ZWISCHEN WOLLEN UND KÖNNEN Sich mit dem Thema Kinderlosigkeit oder abnehmender Fruchtbarkeit zu beschäftigen, fällt schwer, wenn man nicht betroffen ist. Mit 26 Jahren befinde ich mich zwar praktisch im perfekten Alter, meines Erachtens nach aber nicht in der perfekten Situation. Über das (Nicht-) Kinderkriegen denke ich nur dann nach, wenn ich genervt eine Werbeeinschaltung für digitale Ovulationstests wegklicke. Während die Werbeindustrie über meine wahrscheinliche Fruchtbarkeit scheinbar genauestens Bescheid weiß, blende ich diese Tatsache lieber aus. Damit bin ich nicht alleine, weder in meinem Freundeskreis noch gesamtgesellschaftlich gesehen. Das Durchschnittsalter gebärender Frauen stieg seit den 80er-Jahren von etwa 24,7 auf 30,3 Jahre, der Zeitraum der Fruchtbarkeit hat sich jedoch nicht verlängert. »Man wird mit einer fixen Reserve an Eizellen geboren, die ab der Pubertät im Monatszyklus reifen. Spätestens wenn alle Eizellen verbraucht sind – das passiert meist zwischen 35 und 45 – ist eine Frau nicht mehr frucht-

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bar«, erklärt Mathias Brunbauer, Leiter einer Kinderwunschklinik im ersten Wiener Gemeindebezirk. Zudem sei auch die Qualität der Eizellen entscheidend, so der Mediziner weiter: »Man muss bedenken: Die meisten Eizellen, die im Körper entstehen, sind eigentlich nicht gesund ausgereift. Wenn man 20 Jahre alt ist, ist eine von vier Eizellen gesund, mit 30 ist das noch ähnlich oder liegt vielleicht bei eins zu fünf, mit vierzig hingegen ist nur mehr eine von sechs Eizellen gesund.« Wie viele Eizellen noch vorhanden sind, lasse sich relativ einfach durch die Messung der Konzentration des sogenannten Anti-Müller-Hormons im Blut testen, dadurch ist wiederum eine Prognose zur Fruchtbarkeit ableitbar. Darüber, in welchem Zustand sich die Eizellen befinden, gibt der Test jedoch keine Auskunft. Diese Untersuchung bietet in unserer planungsliebenden Gesellschaft eine gute Lösung für all jene, die über ihre Fruchtbarkeit Bescheid wissen wollen, sie löst das »Problem« – etwa gesellschaftliche Veränderungen, die zu einer immer späteren Familienplanung führen – nur bedingt. Ein negatives Ergebnis meine eigene Fruchtbarkeit betreffend würde mich zum Nachdenken bringen, meine aktuelle Einstellung in Bezug auf Familienplanung aber wohl dennoch kaum verändern.

ERSTE BEHANDLUNG: Am 25. Juli 1978 wurde Louise Brown als weltweit erstes Retortenbaby in Barcelona geboren. Was vor 40 Jahren als Sensation galt, gehört heute zum medizinischen Alltag: Insgesamt gab es in Europa 2015 rund 800.000 Behandlungszyklen, aus denen 157.449 Babys entstanden sind.

35 PROZENT BABY-TAKE-HOME-RATE Von einem unerfüllten Kinderwunsch spricht man laut Definition der who dann, wenn nach zwei Jahren ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eingetreten ist. Dass schon diese zwei Jahre des ständigen Hoffens schwierig sein können, dass Sex, die vielleicht schönste Sache der Welt, zur Pflichtübung werden kann, erzählt Frau Klien*, die schon seit mehreren Jahren versucht, ein Kind zu bekommen: »Man plant irgendwann sehr genau, wann man Sex haben muss oder sollte. Sexualität wird Mittel zum Zweck und dement-

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KINDERWUNSCHKLINIK

18 sprechend geht schon lange, bevor man eine Kinderwunschklinik betritt, meist jegliche Romantik verloren.« Spricht man mit Paaren, die sich für eine künstliche Befruchtung entschieden haben, wird schnell klar: In den meisten Fällen verlangt das Prozedere allen Beteiligten viel Kraft und Durchhaltevermögen ab – psychisch, physisch und auch finanziell. Die Chance, durch eine InVitro-Fertilisation schwanger zu werden, liegt bei 50 Prozent – die wenig charmant titulierte »BabyTake-Home-Rate« allerdings nur bei 35 Prozent pro Behandlungsdurchgang.

SPÄTER, SPÄTER Trotz zum Teil hoher Kosten gibt es nicht wenige Paare, die vier, fünf, sechs oder sogar sieben Versuche einer InVitro-Fertilisation innerhalb mehrerer Jahre auf sich nehmen. Während der Wartezeit auf das Ergebnis, auf den nächsten Termin, die nächste Behandlung bleibt die Zeit selbst als größter Feind oft im Hinterkopf, denn manchmal ist es auch das Alter, das zur Hürde wird. »Die meisten Paare, die zu uns kommen sind über 30. In diesem Alter ist bei Frauen die Eizellenreserve meist bereits kleiner, zudem nimmt auch die Qualität der Eizellen ab. Das ist vielen Menschen in der Form gar nicht bewusst«, erklärt Dr. Brunnbauer. Nicht wenige seiner Klienten haben lange studiert, wollten sich danach zunächst lieber auf die Karriere konzentrieren und sich erst dann den Wunsch vom eigenen Kind erfüllen. Genau diese Erfahrung musste auch Frau Liberi* machen. Die heute 42-Jährige entschied sich nach drei Fehlgeburten für eine künstliche Befruchtung und rät jüngeren Frauen, nicht zu lange abzuwarten: »Ich bin Ärztin und müsste eigentlich genau wissen, wie der Körper funktioniert. Aber das Studium dauert lange, dann folgt die Facharztausbildung und auch danach findet man immer einen Grund, die Sache rauszuschieben. Ich bin schon lange mit dem gleichen Mann zusammen und wir haben uns auch immer gedacht: Später. Es klingt dumm, aber es passiert wirklich, dass man

KOSTEN Unabhängig vom Erfolg werden pro Behandlung je nach Institut und Methode zwischen 3.000 und 6.000 Euro fällig – eine Summe, die für einen Großteil der Bevölkerung keine Kleinigkeit ist. Während bei medizinischen Indikationen, die eine Unfruchtbarkeit des Mannes oder der Frau bedingen, in Österreich der ivf-Fonds etwa 70 Prozent der Behandlungskosten für bis zu vier Behandlungszyklen übernimmt, müssen Paare ohne medizinischen Befund oder jene, die sich über dem Alterslimit von 40 Jahren befinden, für die vollen Kosten aufkommen.

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es einfach versäumt oder sich immer denkt, es könnte zu einem späteren Zeitpunkt besser passen.«

DAS ABSOLUTE WUNSCHKIND An dieser Stelle könnte man sagen: Aber es muss doch niemand ein Kind bekommen und damit haben all jene, die keine Kinder bekommen wollen, auch absolut recht. Nicht ohne Grund wird Verhütung als Mittel zur Selbstbestimmtheit (der Frau) gefeiert. Für Paare, die sich ein Kind wünschen, sieht die Situation allerdings ganz anders aus, wie Frau Liberi erzählt: »Diesen ›Rat‹, eben einfach kinderlos zu bleiben, bekommt man oft von absolut nicht nahestehenden Personen und ich finde das absolut anmaßend. Das wäre genauso, wie einem unglücklichen Single zu sagen: Na ja, dann bleibst du eben bis an dein Lebensende alleine.« Wer ein Kind will, nimmt auch eine mehrjährige Phase, bestehend aus Hochs und Tiefs, aus Hoffnung und Enttäuschung, aus medizinischen Behandlungen und finanziellen Herausforderungen in Kauf. Neben all diesen Faktoren, die die Behandlung direkt mit sich bringt, leiden viele Paare auch unter einem gewissen gesellschaftlichen Druck, wie Frau Liberi erzählt: »Ich habe ganz offen über meine Fehlgeburten gesprochen und dann von vielen Freundinnen und sogar Verwandten erfahren, dass sie ebenfalls Fehlgeburten hatten. Es herrscht so ein Druck, dass alles super klappen muss und wenn es nicht so ist, wird das total verheimlicht.« Genau aus diesem Grund möchte Frau Liberi eine Selbsthilfegruppe zum Austausch gründen – auch, um Raum für mehr Offenheit zu schaffen. Die Auseinandersetzung mit den Ursachen, mit einer Vielzahl an Statistiken, mit verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, mit den Kosten und der Kostenrückerstattung ist ein langwieriger Prozess, der im steril-stylishen Warteraum selten seinen Anfang gefunden hat. Dabei steht er auch fast sinnbildlich für die größte Herausforderung: Das Warten – auf den richtigen Zeitpunkt im Zyklus, auf die Hormonbehandlung, auf die Entnahme, auf die Befruchtung, auf das Wiedereinsetzen der befruchteten Eizelle und vor allem auf einen positiven Schwangerschaftstest. All das spielt sich in einem Umfeld ab, das nur wenig zur allgemeinen Vorstellung einer Kindszeugung passt, wie Frau Klien erzählt: »Man befindet sich in einer Klinik, es geht um einen medizinischen Eingriff, alle sind überfreundlich, aber letztlich ist es eine künstliche Situation. Man kann sich manchmal nicht ganz vorstellen, dass hier ein Leben entsteht, aber es passiert.« Sie kennt die Räumlichkeiten im Kinderwunschzentrum zum Goldenen Kreuz in Wien mittlerweile fast in- und auswendig. Drei Mal hatte sie dort eine InVitro-Fertilisation, drei Mal war die Hoffnung, ein Kind auf diesem Wege zu bekommen groß, drei Mal hat sie versucht, mit dem Thema abzuschließen. Einfach sei die Zeit nicht ge-

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wesen, bereut habe sie dennoch nicht, sich nicht früher über Kinder Gedanken gemacht zu haben, erzählt sie lachend: »Früher habe ich mir gedacht, mit 35 ist das Leben aus, und genauso habe ich gelebt. Mit meinem damaligen Partner wollte ich kein Kind, danach war ich Single, es hätte früher einfach nicht gepasst.« Nachdem der unerfüllte Kinderwunsch bei der ersten Behandlung vor einigen Jahren zunächst auf das Spermiogramm ihres Partners zurückgeführt wurde, hat im Laufe der Zeit auch die Qualität ihrer Eizellen abgenommen. Aktuell wartet sie auf das Ergebnis der, wie sie sagt, wirklich letzten Behandlung – mit einer Eizellenspende. Bei Erscheinen dieser Ausgabe weiß sie bereits, ob die Befruchtung erfolgreich war. * Name von der Redaktion geändert

• Bei der InVitro-Fertilisation (kurz IV) kommt es zu einer Befruchtung außerhalb des Körpers. Nach der Stimulation der Eierstöcke werden die reifen Eizellen abgesaugt und im Labor mit den Samenzellen zusammengebracht. Nachdem die Befruchtung stattgefunden hat, wird der drei bis fünf Tage alte Embryo wieder in die Gebärmutter transferiert. Werden mehr Embryonen befruchtet als bei einem Versuch in die Gebärmutter der Frau rücktransferiert werden sollen, können diese tiefgefroren werden und für einen späteren Versuch (Kryoversuch) aufbewahrt werden. • Die intracytoplasmatische Spermien-Injektion (kurz icsi) ist eine besondere Form der ivf, die grundsätzlich gleich abläuft – im Labor werden die Samenzellen im Gegensatz zur ivf unter einem Spezial-Mikroskop mittels mikrochirurgischer Geräte direkt in eine Eizelle injiziert. Damit sind auch bei schlechterer Spermienqualität gute Befruchtungsraten möglich.

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• Bei der intrauterinen Insemination (kurz iui) werden die Spermien aufbereitet und durch einen dünnen Katheter direkt in die Gebärmutter der Frau eingebracht. Diese Methode eignet sich vor allem bei verminderter Spermienqualität oder zu geringer Anzahl an Samenzellen. Das Verfahren ist sehr einfach, die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft liegt pro iui-Zyklus bei ungefähr 10 %.

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CO-PARENTING

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Irina Zelewitz

EIN KIND ALS PROJEKT Co-Parenting bedeutet dass sich Bezugspersonen finden, die Eltern werden wollen. Um das zu konkretisieren, hat biorama bei Christine Wagner, Gründerin der ersten Plattform für Co-Parenting im deutschsprachigen Raum, nachgefragt.

wei Frauen suchen einen Vater für ein gemeinsames Kind. Sie sind ein Liebespaar, möchten das Kind gemeinsam aufziehen, aber nicht ohne den Vater des künftigen Kindes zu kennen. Außerdem wünschen sie sich, dass der Vater eine aktive Rolle im Leben des künftigen Kindes einnimmt. Samenspende kommt daher nicht infrage. Andere Beispiele: Zwei gute Freunde glauben nicht daran, dass Liebesbeziehungen von Dauer sind, Freundschaften schon eher. Oder sie finden gerade nicht den passenden Partner. Oder beides. Sie beschließen, ein Kind zu zeugen und gemeinsam Eltern zu sein. Die klassischste, weil häufigste Variante ist aber die folgende: Eine Single-Frau Ende 30 und ein schwuler Mann entscheiden sich dazu, gemeinsam ein Kind zu bekommen. Dass das die vermutlich häufigste Variante eines Elternschaftsmodells namens Co-Parenting ist, verrät die Frau und mittlerweile Mutter aus dem ersten Beispiel. Christine Wagner ist Mitbegründerin der CoParenting-Plattform familyship.org. Und das kam so: Es ist 2011 und Christine, Ärztin, und ihre Partnerin, Onlinemarketerin, setzen eine kleine Website auf – zum Zweck, einen Vater für ihr Kind zu finden. Das zentrale Thema der Website ist klar: Es ist eine Art Forum für alle, die einen Kinderwunsch

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haben und dazu noch einen oder mehrere Partner suchen. Kinder kriegen als gemeinsames Projekt, ohne Liebesbeziehung – zumindest vorerst steht der Kinderwunsch im Vordergrund. Spätestens hier beginnt das Konzept Co-Parenting auszufransen, aber starre Definitionen sind in diesem Kontext womöglich ohnehin unbrauchbar. Angesprochen auf die Rollennamen, die auf der Website gesucht und geboten werden, antwortet Christine pragmatisch: »Vater mit Onkelfunktion versteht jeder ohne nähere Erklärung.« Die beiden Frauen versammeln jedenfalls eine Menge Ähnlichgesinnter und finden auch einen Vater für ihr Wunschkind. Ziel erreicht, Forum kann geschlossen werden. So weit der Plan.

DER PLAN WIRD GEÄNDERT »Wir konnten uns nicht dazu durchringen, die Website abzudrehen, wir hatten einfach mehr Nutzer als erwartet. Dadurch wurde es gleichzeitig auch wartungsaufwendiger.« Weitergemacht haben die beiden trotzdem, erst vor gut zwei Jahren wurde eine Anmeldegebühr eingeführt – zur Finanzierung der laufenden Kosten und um »die Qualität der Nutzer zu erhöhen«, wie Wagner erklärt. Die Mitgliedschaften sind gestaffelt, für einen Monat, für sechs Monate oder für immer,

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»je nachdem, wie lange man glaubt, für die Co-ParentSuche zu brauchen«. Kann man davon leben? Zu geringem Teil können das die Plattformbetreiberinnen, sie haben aber beide noch ihre Hauptjobs, erklärt Christine Wagner. »Wir sind hemdsärmelig, nicht so groß, betreiben kein Marketing.« Im Übrigen seien die Alternativen, die es im deutschsprachigen Raum gibt, unseriös bis halbseriös, insgesamt eher Dating-Plattformen. International ist Co-Parenting schon groß – und es funktioniere auch anders, sagt sie: »Die usa und Großbritannien sind da zehn Jahre voraus. Das ist dort schon riesig und dort wird auch mehr Richtung Matching gemacht – wie bei Partnerbörsen.«

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TIPPS VON CHRISTINE WAGNER FÜR JENE, DIE GEFALLEN AM CO-PARENTING-GEDANKEN FINDEN:

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Wir raten dazu, sich Zeit zu nehmen, den Partner kennenzulernen. Schwer zu sagen, wie lange das dauert, aber wohl mindestens ein halbes Jahr.

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Ein Kind ist ein Herd für Konflikte, egal in welcher Familienkonstellation. Man sollte lernen, miteinander zu streiten und versuchen, festzulegen, was passiert, wenn es Uneinigkeit gibt.

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Auch wenn man nicht alles vorher festlegen kann – es sollte möglichst genau besprochen werden, wer wie viel Betreuung übernimmt und welche Entscheidungen gemeinsam, welche alleine von einem Elternteil getroffen werden können.

Palme. Was soll das eigentlich? Regenwald abholzen für noch billigere Lebensmittel? Gigantische Monokulturen für eine besonders günstige Margarine? Nicht mit uns. Auch wenn Palmöl fixer Bestandteil jedes zweiten Lebensmittels im Supermarkt ist, so ist es auch fixer Bestandteil unvorstellbarer Naturzerstörungen. Daher setzen wir auf 100 % palmfettfreie Produktion. Erfahre mehr auf www.sonnentor.com/palmoelfrei

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Besonders wichtig ist eine möglichst klare Festlegung bei Konstellationen, bei denen etwa ein, klassischerweise gleichgeschlechtliches, Paar und ein Co-Parent zu dritt ein Kind erziehen möchten.

BILD iStock.com/Leontura

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Achtung auch auf die rechtlichen Rahmenbedingungen: Wenn ein Mann als Samenspender fungiert, ist er unterhaltspflichtig, bis jemand anderer das Kind adoptiert. Auch wenn vereinbart war, dass er »nur« die Rolle eines Co-Parents mit begrenzten Pflichten einnimmt.

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PRO/CONTRA KINDER KRIEGEN

IST ES ÖKOLOGISCH VERTRETBAR, KINDER ZU KRIEGEN? NEIN … sagt Kultur-Blogger Christian Köllerer. In Zeiten der Überbevölkerung brauchen wir weltweit nicht mehr, sondern weniger Kinder. MEINUNG

Christian Köllerer

JEDES KIND IST EIN NEUER KONSUMENT Jeder dieser neuen Menschen will sich entwickeln und am Leben der modernen Gesellschaft teilhaben. Die wenigsten Jugendlichen wollen Biobauern oder buddhistische Mönche werden. Die meisten messen ihren Erfolg an materiellen Gütern. Was bedeutet das für die Umwelt?

DAS GRÖSSTE ÖKOLOGISCHE PROBLEM IST DIE ÜBERBEVÖLKERUNG Der Mensch setzt diese natürlichen Mechanismen dank Technik erfreulicherweise außer Kraft – ein großer Freiheitsgewinn. Das Ergebnis lässt sich am explodierenden Bevölkerungswachstum festmachen: In einigen Jahren werden acht Milliarden Menschen diesen Planeten bevölkern. Der Ressourcenbedarf steigt exponenziell an, weil die Mittelschicht weltweit stark wächst – speziell in China und Indien.

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CHRISTIAN KÖLLERER Christian Köllerer ist gelernter Literatur- und Philosophiewissenschaftler und arbeitet als Manager.

EIN KIND VERBRAUCHT 58,6 TONNEN CO2 PRO JAHR Schwedische Forscher nahmen den Rechenstift zur Hand, um diese heikle Frage mit Fakten zu untermauern. Als Meta-Studie angelegt fassen die Schweden Erkenntnisse anderer Studien zusammen (in diesem Fall 39). Diese Methode gilt wissenschaftlich deshalb als deutlich aussagekräftiger als eine einzelne Untersuchung. Das wichtigste Ergebnis: Jedes Kind verbraucht pro Jahr 58,6 Tonnen an CO2. Untermauert wird diese 2017 in »Environmental Research Letters« veröffentlichte Meta-Studie mit einigen anschaulichen Beispielen.

BILD SanyaSM (oben), Jürg Christandl (unten)

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inder sind für die meisten von uns ein sehr emotionales Thema. Alleine die Frage, ob Kinder aus ökologischer Sicht vertretbar sind, klingt unanständig. Aus dieser Perspektive ist freilich die Größe der Population immer ein Kernkriterium. In der Natur regelt sich diese Angelegenheit idealerweise von selbst – zu viele Individuen reduzieren das Nahrungsangebot und erhöhen die Fressfeinde.

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PRO/CONT

RA:

KINDER K R I EG E N

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ANDERE MASSNAHMEN KÖNNEN DAS BEVÖLKERUNGSWACHSTUM NICHT KOMPENSIEREN Der Verzicht auf ein Auto spare pro Jahr vergleichsweise geringe 2,4 Tonnen CO2. Keine Flugreisen reduzieren die Bilanz um 1,6 Tonnen. Eine fleischlose Ernährung um weitere 0,8 Tonnen. Autoverkehr, Flugreisen und Ernährung sind aber bereits die größten Hebel für einen nachhaltigen Lebensstil. Kleinere ökologische Maßnahmen stehen nämlich in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zum zusätzlichen CO2-Verbrauch eines Kindes: Um diesen zu amortisieren, müssten beispielsweise 684 Erwachsene ein Leben lang brav ihren Müll recyclen. Die unbequeme Wahrheit: Es gibt in Zeiten der weltweiten Bevölkerungsexplosion keinen nachhaltigeren Lebensstil als auf Kinder zu verzichten. Wer keine Kinder in die Welt setzt, tut der Umwelt so viel Gutes, dass er auf mühsame Kleinigkeiten wie etwa Müllrecycling besten Gewissens verzichten könnte. Sogar die eine oder andere Flugreise und ein regelmäßiges Steak wären aus dieser Sicht vertretbar.

BILD SanyaSM (oben), Jürg Christandl (unten)

VORHANDENE RESSOURCEN AUF BEREITS GEBORENE KINDER KONZENTRIEREN Statt die Überbevölkerung anzuheizen, wäre es daher wesentlich sinnvoller, die vorhandenen Ressourcen auf die bereits geborenen Kinder zu konzentrieren: Ohne Bildung kein ökologisches Bewusstsein. Wir wissen: Je gebildeter Frauen sind, desto weniger Kinder bekommen sie. Selbstverständlich werden die meisten Menschen nie aus ökologischen Gründen auf Kinder verzichten. Genauso wenig wie sie heute auf ihre Autos und ihre Flugreisen verzichten. Trotzdem schadet es nicht, diese provokanten Fakten zu kennen: Eine ökologisch bewusst lebende Großfamilie ist für das Klima nachweislich schädlicher als ein Single mit einem nicht nachhaltigen Lebensstil.

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PRO/CONTRA KINDER KRIEGEN

IST ES ÖKOLOGISCH VERTRETBAR, KINDER ZU KRIEGEN? JA … sagt Umwelt-Aktivistin Hildegard Aichberger. »Ohne Kinder nutzt uns der ganze Öko-Lebensstil nichts«, findet Aichberger und plädiert für mehr Kinder und einen bewussteren Lebensstil.

MEINUNG

Hildegard Aichberger

chwedische Forscher kommen in einer vielbeachDAS FÜR-WEN-DENN-DAS-ALLES-ARGUMENT teten Studie (Wynes & Nicholas, 2017) zu dem Schluss, Für wen sollten wir die Umwelt schützen, wenn nicht dass die wirkungsvollste Klimaschutzmaßnahme ist, für unsere Kinder? Auch wenn ganz Verwegene arguweniger Kinder zu bekommen. Die Autoren beziffern mentieren, dass es der Natur ohne den Menschen besden Effekt mit fast 60 Tonnen CO2-Äquivalenten pro ser ginge. Die meisten von uns, mich eingeschlossen, Jahr, die eine durchschnittliche schützen die Umwelt für die nächsFamilie so einsparen kann. Weniger te Generation. Und das sind nun mal Kinder zu haben wäre damit – so die die Kinder. Autoren – die wirkungsvollste mögliche Klimaschutzmaßnahme noch DAS ERKENNTNIS-ARGUMENT vor dem Verzicht auf Flüge, Autos Kinder bringen uns zum Nachdenoder Fleisch. ken. Es ist erwiesen, dass Menschen Ein Kind zu haben, bedeutet mehr Wert auf Nachhaltigkeit, Ressourcenaufwand. Allein für die nachhaltige Ernährung und gesunWindeln stirbt ein mittlerer Wald de Umwelt legen, sobald sie Eltern und sobald die Kleinen sprechen geworden sind. Nicht umsonst können, wollen sie alles Mögliche spielen Bio-Ernährung, unbedenkliche Rohstoffe und Co. gerade bei haben. Meist mehr, als sie eigentlich HILDEGARD AICHBERGER brauchen können. So enden junge Produkten für Kinder eine so große Rolle. Familien bald mit einer vollgeräumGeschäftsführerin der Initiative Mutter Erde und beim ORF ten Wohnung und einem schlechten für Nachhaltigkeit im Programm Gewissen. DAS ZUKUNFTS-ARGUMENT verantwortlich. Sie ist Mutter Trotzdem plädiere ich für Kinder Kinder sind die Zukunft und wereiner fünfjährigen Tochter. – aus folgenden Gründen: den diese auch selbst gestalten. Auf

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BILD istock.com/singkham (oben), Krizei (unten)

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PRO/CONT

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KINDER K R I EG E N

LeBeN aUf Sicht Die aktuelle Buchreihe für neue nachhaltige Wege

unsere Generation zu setzen bedeutet, Dinosauriern das Eislaufen beizubringen. Kinder sind viel lernfähiger. Schon heute können wir beobachten, dass die »Jungen« für Sharing- und flexible Ernährungsmodelle deutlich offener sind als Menschen meines Alters.

DAS MATHEMATIK-ARGUMENT Um eine Bevölkerung stabil zu halten, müsste die Geburtenrate bei etwa 2,1 Kinder pro Frau liegen. Unsere liegt ohnehin darunter – sie noch viel weiter zu senken, würde die Gesellschaft destabilisieren. Was wir in Industriestaaten aber haben, ist nicht ein Problem mit unserem Bevölkerungswachstum, sondern mit unserem Lifestyle. Den gilt es zu ändern.

Barbara Nothegger | SieBeN Stock Dorf 176 Seiten, klappenbroschur | iSBN: 978 3 7017 3409 2

Spannendes, sehr persönlich geschrieben …unterhaltsam und mit vielen Hintergrundfakten… DER WEIBERDIWAN

Das Buch zeigt einmal mehr, dass die Welt wesentlich vielschichtiger und bunter ist, als wir Europäer gemeinhin glauben. DIE PRESSE

Übermäßiger Konsum ist Ausdruck einer Unzufriedenheit und Kompensation für fehlende Beziehungen. Kinder bringen uns in Balance, sie holen uns auf die Beziehungsebene zurück. Wer Kinder hat und mit ihnen Zeit verbringt, braucht keine Shopping-Exzesse und Kompensationskäufe. Kinder sind lustig, lieb und holen uns im Optimalfall dorthin zurück, wo das Leben Spaß macht: im Jetzt und Hier.

DAS MORAL-ARGUMENT Die Entscheidung, Kinder zu bekommen, ist eine zutiefst persönliche. Wenn wir weniger Kinder haben sollen, wer entscheidet darüber, wer Kinder haben darf und wie viele? Kein schöner Gedanke. Selbsteinschränkung wäre aber noch schlimmer: Denn freiwillig würde wohl eher der verantwortungsbewusste Teil unserer Gesellschaft die Kinderzahl einschränken, und so würden in Zukunft unverhältnismäßig viele Benzinbrüder und -schwestern den Erdball bevölkern.

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Ursula kowanda-Yassin | Öko DSchihaD 176 Seiten, klappenbroschur | 978 3 7017 3421 4

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Irene Maria Gruber

MEHR ALS VATER-MUTTER-KIND Eine Familie aus zwei Eltern und Kind(ern). Er leistet Erwerbsarbeit, sie erledigt reproduktive Tätigkeiten. Viele Kinderbücher orientieren sich an diesem einen Familienmodell, doch die Suche nach Alternativen lohnt sich.

BILD Irene Maria Gruber

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ater, Mutter, Kind(er) – selbst in der älteren Kinderliteratur sind Familienkonstellationen zu finden, die anderes abbilden: Die Waise Heidi lebt bei Opa auf der Alm, Pippi Langstrumpf alleine in der Villa Kunterbunt. Pippis Mutter ist gestorben, der Vater als Seeräuber unterwegs. Die feuerrote Friederike hat die Haare vom verschollenen Vater geerbt und lebt bei der Tante. Die Zwillinge in »Das doppelte Lottchen« wurden früh getrennt: Luise ist bei dem Vater in Wien, Lotte bei der Mutter in München. Und im neu aufgelegten »Loran-

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ga, der beste Papa der Welt« (B. Lindgren, Woow, ab 7) wächst Masarin bei Vater und Großvater auf. »Loranga ist ein ganz fantastischer Papa«, heißt es, »der beste Papa der Welt, er kümmert sich nämlich um gar nichts.«

»WAS WIR KENNEN UND VERSTEHEN … … müssen wir nicht fürchten.« Die positiven Aspekte kultureller Diversität zeigt »Nasengruß und Wangenkuss« (A. Kostrzewa, Fischer Sauerländer, ab 8). Regenbogen- und Adoptivfamilien sowie Alleinerziehen-

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STÖPSEL: KINDERBUCH

28 de zählen freilich zu den Familienformen. In »Zwei Papas für Tango« (E. Schreiber-Wicke, Thienemann, ab 4) bauen zwei Pinguinmännchen gemeinsam ein Nest und gründen eine Bilderbuch-Regenbogenfamilie.

WENN EIN ELTERNTEIL FEHLT

PATCHWORK IST MEHR ALS FLICKWERK »Greta haut ab« (P. Lindenbaum, Oetinger, ab 4), da sie sich von Mama, deren Freund und dessen Sohn ungerecht behandelt fühlt, und darf ihrer Wut über die zusammengewürfelte Familie freien Lauf lassen. »Wir Buddenbergs. Der Schatz, der mit der Post kam« (A. Herden, Fischer kjb, ab 8) ist die Geschichte einer Patchwork- familie: vier Kinder, Mama, diverse Väter und Opipi. Die unüberschaubare Sippe ordnet Mia in ihrem Lebensatlas. »Wir Rüben aus der großen Stadt« (V. Hasel, Peter Hammer Verlag, ab 8) zeigt ein Wohnprojekt mit familienähnlichen Strukturen. Flora hat mehrere Mamas, Papas und Geschwister: »Insgesamt sind wir vier Familien im Haus, aber wo die eine Familie anfängt und die andere aufhört, lässt sich gar nicht so genau sagen. […] Und auch uns Kinder teilen sich die Erwachsenen: In allen Familien gibt es Montag, Dienstag, Mittwoch. Bei uns gibt es Mo-Tage, Matthis-Tage, Naika-Tage und so weiter. An jedem Tag passt ein anderer auf uns Rüben auf.«

EIN FAMILIENALBUM … Die beiden Pinguinmännchen Roy und Silo aus dem New Yorker Central Park Zoo gründen in »Zwei Papas für Tango« eine Regenbogenfamilie.

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»Vor den 7 Bergen« erzählt davon, was alles schiefgehen kann, wenn eine alleinerziehende Mutter plant, mit ihren sieben Kindern zu Oma auf Besuch zu fahren.

BILD Engelke/Feldmann: Vor den 7 Bergen. Kunstanstifter 2017. (oben), Schreiber-Wicke/Holland: Zwei Paps für Tango. Thienemann 2017. (unten)

Im modernen Märchen »Vor den 7 Bergen« (M. Engelke, Kunstanstifter, ab 4) wollen sieben Kinder ihre Oma besuchen, doch die alleinerziehende Mutter muss arbeiten, dann wird das Auto kaputt. Man sieht die erschöpfte Frau beim Einkaufen, beim Stillen und mit Mamafigur im Bikini. Alleinerziehende Väter sind in neueren Büchern oft warmherzige Charaktere – so zeigt »Michi und Papa. 10 wunderwarme MutmachAbenteuer« (B. Nonnast, Gulliver, ab 5) etwa eine freundschaftliche Vater-Sohn-Beziehung, während Mama weit weg lebt. Dunnes Mutter in »Du, mein Ein und Alles« (R. Lagercrantz, Moritz, ab 6) ist gestorben. Papas neue Freundin sieht sie als Konkurrentin, möchte sie doch sein Ein und Alles bleiben. Lelios Vater in »Mama Mutsch und mein Geheimnis« (F. Angel, Jungbrunnen, ab 8) hingegen ist ein gebrochener Mann. Eine Nachbarin erklärt dem Jungen, dass sein Papa nicht nur der verstorbenen Frau nachtrauert, sondern drogensüchtig und unfähig ist, sich um ihn zu kümmern.


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DANUBE

DAY

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG DES BMNT

AKTIV FÜR

DIE DONAU

Gemeinsam aktiv werden für eine gesunde, saubere Donau – das war das Motto des diesjährigen Danube Days. An 16 interaktiven Info-Ständen gab es heuer wieder praktisches Wissen zum sorgsamen Umgang mit der Donau.

Am 29. Juni vor 14 Jahren wurde das Donauschutzübereinkommen unterzeichnet. Damals versprachen alle Donauländer, sich um den Schutz der Donau zu kümmern. Damit das nicht vergessen wird und sich das Bewusstsein für eine saubere Donau steigert, wird jedes Jahr in jedem Donauland ein großes Fest gefeiert. In Österreich fand dieses Fest heuer am 20. Juni im Wiener Stadtpark statt.

ZEIGER DER FLUSSGESUNDHEIT: DER STÖR BILD Paul Gruber, iStock.com / AlexRaths

BILD Engelke/Feldmann: Vor den 7 Bergen. Kunstanstifter 2017. (oben), Schreiber-Wicke/Holland: Zwei Paps für Tango. Thienemann 2017. (unten)

or a ti v e f get acer da n u be! cl e a n

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Der Stör ist sehr empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen und zählt dadurch zum Indikator für ein gesundes Flusssystem. Störe galten einst als »Könige der Donau«, heute sind alle Arten vom Aussterben bedroht. Weltweit gibt es über 50 Störarten, in der Donau leben heute nur noch fünf: der Hausen, der Sternhausen, der Glattdick, der Waxdick und der Sterlet. Der Sterlet ist die einzige Art, die ihr ganzes Leben in der Donau bleibt, alle anderen sind Wanderfische. Man findet den Sterlet nur mehr selten und wenn er geangelt wird, muss er auch wieder in die Donau entlassen werden.

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WASSER ERLEND AKTIV

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Von Infos zu Flora und Fauna, bis hin zu spannenden Umwelttipps - am Danube Day gibt's angewandtes Wasserwissen – am Danube Day gibt’s angewandtes Wasserwissen.

Auch der mobile Hochwasserschutz war heuer wieder dabei und die TeilnehmerInnen konnten selbst ausprobieren, wie schnell der mobile Schutzwall aufgebaut ist.

An 16 interaktiven Info-Ständen gab’s alles rund ums Motto »Werde aktiv für eine gesunde Donau« – Wissen ist die beste Voraussetzung für einen sorgsamen Umgang.

Am Stand der Generation Blue wird das Lernen ganz einfach und das mit einer großen Portion Spaß – vielleicht ist der nächste Danube Day ja auch etwas für deine Schule?

Zeig deine schönsten Wasserbilder und mach mit beim wasseraktiv Fotowettbewerb! Es gibt tolle Preise zu gewinnen! Mehr dazu unter www.wasseraktiv.at

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BILD BMNT/Alexander Haiden

1.000 Kinder und Jugendliche kamen am 20.6. in den Wiener Stadtpark und ließen sich bei bestem Wetter das Thema Donausschutz näherbringen.

BILDER Sebastian Judtmann, Paul Gruber, Wasseraktiv

LERNEN BEIM SELBERMACHEN


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FAKTEN ZUR DONAU 300

der österreichischen Gewässer liegen im Einzugsgebiet der Donau. Das heißt fast jeder Fluss, jeder Bach und jeder See in Österreich fließt irgendwann in die Donau.

96 %

2.780 km 96 %

Auf ihrem Gesamtverlauf speisen insgesamt 300 Zuflüsse die Donau mit Wasser. In Österreich sind darunter zum Beispiel die Enns, der Inn, die Isar, die March oder die Drau.

2.780 km lang ist die Donau von der Quelle im Schwarzwald bis zur Mündung ins Schwarze Meer. Dabei durchfließt sie auf ihrem Weg ganze 10 Länder.

ZUFLÜSSE

DER WASSERBEOBACHTER

Wie wird gemessen und wie viele Messstellen gibt es? Die Hydrographie beobachtet Niederschlag und Verdunstung sowie das vorhandene Wasser im Grundwasser und in Oberflächengewässern. Wir haben in Österreich 1.000 Niederschlagsmessstellen, 800 Durchflussmessstellen und 3.500 Messstellen in Grundwasser und Quellen. Diese hydrographischen Messstellen messen die Quantität, also die Wassermenge. Für die qualitative Wasserbeobachtung gibt es noch 1.982 Messstellen, in denen die Trinkwasserqualität gemessen wird. BILD BMNT/Alexander Haiden

BILDER Sebastian Judtmann, Paul Gruber, Wasseraktiv

Warum muss man die Wassermenge in Österreich beobachten und analysieren? Damit wir wissen, wie viel Wasser uns überhaupt zur Verfügung steht. Hydrographische Daten sind die Grundlage für das Management der Gewässer und des Grundwassers, im Zusammenhang mit der Wasserversorgung, der Wasserkraftnutzung, dem Hochwasserschutz und den Freizeitaktivitäten der Menschen an den Gewässern.

Warum ist das Monitoring so wichtig? Die Wassermenge in einem Grundwasserkörper muss quantifiziert werden, um zu wissen, wie viel man entnehmen kann, ohne andere Nutzungen zu beeinträchtigen. Wir monitoren, um rechtzeitig Maßnahmen setzen zu können, die dem Schutz der Menschen rund ums Wasser dienen. Das Wissen um die Menge des

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Reinhold Godina beschäftigt sich im BMNT mit der österreichischen Hydrographie, also mit der Beobachtung und Analyse der Wassermengen in Österreich.

verfügbaren Wassers ist ein wertvoller Bestandteil im nachhaltigen Umgang mit dem Wasser. Wie kann man Prognosen ableiten? Mit Szenarien und Modellen bekommen wir Hinweise darauf, wie sich Grundwasserstände und Abflüsse verhalten werden, wenn es beispielsweise längere Zeit nicht regnet oder Starkregenereignisse mit der Schneeschmelze zusammenfallen. Dafür arbeiten wir mit Wasserhaushaltsmodellen, die rund um die Uhr die Wasserbilanz berechnen. Die Modelle berücksichtigen auch Niederschlagsprognosen für 48 Stunden im Voraus, die Versickerung und die Verdunstung und berechnen im Hochwasserfall, wie sich die Flusspegel entwickeln werden. Wo kann man diese Daten finden? Im hydrographischen Jahrbuch oder auf ehyd.gv.at. Das ist eine umfangreiche Datenbank mit sämtlichen Messdaten der Bundesrepublik, die allen Menschen zur Verfügung steht. Diese Daten braucht sowohl die Forschung als auch die Planung. Auf Ehyd findet man die aktuellen Daten der fernübertragenen Abfluss- und Grundwassermessstellen und die Werte der gefallenen Niederschlagssummen quasi in Echtzeit. Auch die historischen Daten der letzten Jahrzehnte – die frühesten beginnen seit 1951 – werden für alle Messstellen zum Herunterladen angeboten.

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG DES BMNT

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BIORAMA Nº. 56

ERLEND ZIRBENHOLZ-STUDIE

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TEXT

Mashiah Sheikh Irina Zelewitz

ZIRBELKIEFER ÜBERALL?

E

s ist gar nicht so lange her, da hat Zirbenholz noch so gut wie niemanden interessiert – obwohl es ein langlebiges Hartholz ist. In den letzten Jahren ist die Nachfrage stetig gestiegen und das Holz einigermaßen teuer geworden. Denn der Zirbenbestand ist gering und der Baum wächst nur langsam. Das Holz der Zirbe soll die Gesundheit fördern, wird gesagt. Aber schläft es sich tatsächlich besser im Zirbenholzbett und wirkt die Zirbe gar mottenbekämpfend und antibakteriell? Im letzten Jahrzehnt ist der Preis für Zirbenholz jedenfalls um ein gutes Drittel gestiegen, ein Festmeter Zirbenholz kommt heute auf rund 300 Euro. Mit ein Grund dafür sind wohl die gesundheitsfördernden Wirkungen, die eine vielzitierte Studie dem Nadelholz zuschreibt. 2002 wurde das Joanneum Institut in Weiz damit beauftragt und so hatte die 2003 erschienene Studie – die bekannteste mehrerer weiterer Studien – zum Ziel, mögliche Auswirkungen von Zirbenbetten auf den menschlichen Schlaf zu untersuchen. Maximilian Moser, der damalige Institutsleiter erinnert

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sich: »Der Tiroler Forstverein ist an uns herangetreten. Wir haben darauf hingewiesen, dass wir im Vorhinein keinerlei Garantie für den Ausgang der Studie geben können und waren eigentlich selbst von den Ergebnissen überrascht.« Vermutlich sind die ätherischen Öle im Zirbenholz verantwortlich für die gesundheitsfördernden Eigenschaften, die die Studienergebnisse nahelegen. Einer der Wirkstoffe, die in diesen Ölen vorkommen, ist -Pinen bzw. Pinosylvin. Moser weist darauf hin, dass allerdings aus Studien der Universität Thübingen bekannt ist, dass das Zusammenwirken verschiedener ätherischer Öle, wie sie auch als natürliches Gemisch im Zirbenholz vorkommen, stärkere Wirkung zeigen als in Form isolierte Einzelsubstanzen. Hinzu kommt: Pinosylvin kommt nicht nur in der Zirbe vor, sondern auch in anderen Kieferngewächsen. Ab welcher Menge es sich auf den menschlichen Organismus auswirkt, muss allerdings noch geklärt werden. Für die Weizer Studie ließ man Probanden in Zirben-

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Zirbenholz ist begehrt: Es soll zu besserem Schlaf verhelfen und für ein gesundes Raumklima sorgen. Ob es das wirklich tut, darüber wird leidenschaftlich gestritten.

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holz-Betten, im eigenen Bett und in Spannplattenbetten schlafen. Die Ergebnisse von insgesamt 72 Nächten von zwölf teilnehmenden Versuchspersonen: Jene Teilnehmer, die im Zirbenholz-Schlafzimmer geschlafen haben ( jeder Teilnehmer hat 6 Nächte in jeder der drei Varianten von Bett geschlafen), »ersparten« sich durchschnittlich 3.500 Herzschläge pro Tag. Das entspricht etwa einer Stunde Arbeit fürs Herz.

DIE ZIRBEL UNTER DEN KIEFERN Ob sich auch andere Massivholzbetten ähnlich auf die Herzfrequenz auswirken, bleibt noch zu erforschen. Allerdings zeigte ein Fichtenholzbüro (auch hierzu wurde am Joanneum Research geforscht) ähnliche Wirkungen. Moser fasst zusammen: »Die Wirkung ist hier allerdings nicht so stark: Sie liegt etwa bei einem Drittel der der Zirbe. Nadelhölzer gehen in ihrer Wirkweise wahrscheinlich alle in die gleiche Richtung.« Fest steht laut dem Physiologen Moser, dass das Zirbenholz eindeutig den Schlaf verbessert und damit gesundheitsfördernd ist, denn: »Schlaf ist unsere wichtigste Regenerationsquelle und guter Schlaf ist eine Voraussetzung für Gesundheit.« Moser ist auch von einer ganzheitlichen Wirkung der Zirbe überzeugt: »Wissenschaftlich untersucht ist auch, dass die ätherischen Öle im Zirbenholz entzündungshemmend wirken. Insbesondere die von uns beobachtete vagusstärkende Wirkung weist in diese Richtung, da ein hoher Vagustonus Voraussetzung für Entzündungshemmung ist.«

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17. August bis 09. September Im Großen Walsertal, Vorarlberg, Austria

ES GEHÖRT EINFACH VIEL MEHR GEFORSCHT

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In Bezug auf ein möglicherweise breiteres Wirkungsspektrum untersuchte eine weitere Joanneum-Research-Studie, ob Kleiderschränke aus Zirbenholz die Entwicklung von Kleidermotten verhindern. Dabei wurden Kästen aus Holzspannplatten, Fichten- und Birkenholz mit Larven besetzt. Zum Vergleich wurde die Entwicklung zeitgleich in Kästen aus Kunststoff beobachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass Zirbenholz innerhalb von 15 Wochen die Larvenentwicklung der Kleidermotte am stärksten hindert. Das Holz der Fichte schneidet bei der Reduktion von Mottenlarven ebenfalls gut ab. Im Umfeld von Birkenholz und Holzspannplatten über-

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lebten Kleidermottenlarven am ehesten. Angesichts dieser Wirkungsvielfalt von Zirbenholz wäre es eigentlich längst Zeit für weitere Forschung. Diese wünscht sich auch Moser und kritisiert die mangelnde Bereitschaft der Holzindustrie, hier zu investieren: Diese hätte, obwohl es diesbezügliche Vorstöße der Wissenschaftler gegeben habe, kein Interesse an einer weiteren Beforschung gehabt. Das könnte, so suggeriert Moser, daran liegen, dass die schon vorhandene Studie ohnehin zur gewünschten Preissteigerung beigetragen habe. Was Moser sauer aufstößt: »Die Zirbenstudie wird leider auch für Verschiedenstes missbraucht. Polster, Decken oder Raumlüfter werden damit beworben. Untersucht wurde in der Studie aber nur das Zirbenholzbett.« Angesprochen auf die Kritiker der Studie, weist Moser trocken darauf hin, dass erst jüngst japanische Studien ganz ähnliche Wirkungen von Kiefern auf den menschlichen Organismus nachgewiesen haben, so die Studie der Autoren Harumi Ikei, Chorong Son, Yoshifumi Miyazaki aus dem Jahr 2016. Diese sind mit den Zirben nahe verwandt: Der Vagustonus stieg an, die Herzfrequenz verringerte sich. Weiters sei eine Publikation der Ergebnisse der Joanneum-Studie in einem renommierten wissenschaftlichen Journal in Arbeit. Darüber, dass die Studie Wellen geschlagen hat, freut sich Moser insgesamt und sieht auch Bewusstseinsbildung als eine der positiven Konsequenzen davon: »Vor 20 Jahren konnte so mancher Tischler nicht einmal Kirschholz von Ulme unterscheiden, aber alle verschiedenen Spannplatten. Hier gibt es nun einen deutlichen Gegentrend. Massivholz ist im Kommen.« Und letztlich freue ihn am meisten, dass mehrere hundert kleiner Handwerksbetriebe nun eine Existenz basierend auf dem Werkstoff Zirbenholz gebaut hätten und die Studie hierzu vielleicht einen Beitrag geleistet hat.

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BIORAMA Nº. 56

ZIRBENHOLZ-HANDWERK

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INTERVIEW

Irina Zelewitz

DER ZIRBENSCHMÄH Ein billiges Holz wird binnen weniger Jahre zu einem der teuersten. Der Vorarlberger Handwerksbertrieb »Die Koje« produziert Vollholzbetten aus Zirbe und hat mit einem Zirbenprodukt – einer Kinderwiege – Designpreise gewonnen. Der Geschäftsführer und Tischler Christian Leidinger im Interview. biorama: Wie geht es der Zirbe? christian leidinger: Es wird die letzten Jahre konstant gleich viel Zirbe eingeschlagen. Die Bestände verändern sich insgesamt kaum, nur der Preis steigt. Ist der Zirbenraum schlicht der Alpenraum? Ja, die Zirbe ist eine Spezialität des Alpenraums. In Österreich kommt das meiste Holz aus den Wäldern der Österreichischen Bundesforste. Mit Ausnahme der Nationalparks werden hier Wälder bewirtschaftet wie Gärten: Wo etwas entnommen wird, wird nachgepflanzt, nichts wird dem Zufall überlassen. Es wird Forstwirtschaft betrieben.

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Wo wächst die Zirbe, die Sie verarbeiten? Wir beziehen Zirbenholz nur aus unserem Umland in der Bodenseeregion. Konkret heißt das vor allem Tirol, Osttirol und Südtirol, Westschweiz und Bayern. Geben würde es die Zirbe beispielsweise auch in der Steiermark und in Kärnten, aber wir versuchen Transportwege kurz zu halten. Von unserem Vorarlberger Unternehmenssitz aus liegt uns der benachbarte Grenzraum eben näher als manche Gegenden Österreichs. Zirbe war mal ein vergleichsweise sehr billiges Holz, richtig? Was hat sich verändert? Ja, früher hat man Zirbe eingeschnitten in Mischungen mit anderen Holzarten – um seine Qualitäten

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als duftendes Holz wusste man natürlich da auch schon. Im Schlafzimmerbereich hat schon die JoanneumResearch-Studie geholfen. Ein Zirbenholzbett kostet zwischen 2.000 und 4.000 Euro. Das würde es aber auch kosten, wenn es aus einem Hartholz wie etwa Nuss gemacht ist. Es sind im Übrigen vor allem die vielen Arbeitsstunden, die diesen Preis begründen und weniger der Rohstoff. So groß, wie alle tun, ist die Gewinnspanne also nicht bei der Zirbe. Andererseits sind wir der größte Zirbenholzbetrieb Österreichs und verarbeiten 50 Kubikmeter im Monat. Das sind etwa 100 Betten im Monat. Verglichen mit der Buche sind wir damit sehr in der Nische. Und das sind wir noch immer, wenn man alle Zirbenverarbeitungsbetriebe Österreichs zusammenzählt. Ob das schon der ganz große Boom ist? Schlafen Sie im Zirbenbett? Schläft man im Zirbenbett besser als in anderen Betten? Ja, ich schlafe in einem Zirbenbett. Es riecht einfach extrem gut. Gefühlt macht die Zirbe mit mir viel. Und wir haben auch von unseren Kunden entsprechend enorm positive Rückmeldungen.

CHRISTIAN LEIDINGER Geschäftsführer und Tischler

Ist es gesund, im Zirbenbett zu schlafen? Mir ist es wichtig, in einem Bett aus unbehandeltem Holz zu schlafen. Ich tu mich selbst schon ein bissl schwer damit, was mit dem »Zirbenschmäh« alles vermarktet wird.

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Was halten Sie von der Joanneum-Research-Studie? Die Studie ist umstritten und gehört wiederholt. Das würde ich mir wünschen. Aber es will keiner das Geld in die Hand nehmen, weil die bisher durchgeführte Forschung eh schon zum gewünschten Effekt geführt hat. Es gab vor einigen Monaten auch wieder eine TVSendung des orf, in der die Studie zerrissen wurde – vor allem vor dem Hintergrund eines vermeintlichen Booms, den sie unterfüttert. Dabei ist es doch einfach falsch zu suggerieren, es gäbe einen Riesenboom und die Zirbe wäre ein Massenprodukt. Mich stört es eigentlich auch, dass noch nicht geklärt ist, ab welcher Menge Zirbenholz es welchen Effekt gibt. Ich appelliere aber an die Vernunft, gute Vollholzbetten nicht zu Esoterik zu erklären, weil mir ein Studiendesign zu Auswirkungen einer Holzart auf die Gesundheit von Menschen nicht gefällt oder nicht reicht. Denn die Gefahr ist, dass sich durch das Herumreiten auf den Forschungslücken beim Konsumenten das Gefühl einstellt: Ich werde eh überall betrogen, also kann ich gleich wieder Spanplatten kaufen. Was ist der Unterschied zu anderen Hölzern? Oder geht es nur darum, Vollholzbetten zu haben? Der Inhaltsstoff, auf den vieles der Wirkung der Zirbe wohl zurückzuführen ist, ist das Pinosylvin. Das kommt auch in anderen Hölzern vor. Ich liebe die Zirbe. Aber irgendwann ist dann auch bei mir Schluss mit Zirbenprodukten. Es gibt Handyhalter aus Zirbe, weil geglaubt wird, dass das Holz die Strahlung abhält. Aber gegen Kissen beispielsweise werde ich mich nicht pauschal äußern, die machen wir auch und zwar aus dem Abfall, der bei uns anfällt. Bei uns wird nix weggeschmissen! Die Kissen gibt’s am Markt aber auch mit Polyesterfüllung, da sind dann noch drei Hobelspäne zusätzlich drin. Ich würde als Faustregel vorschlagen: Wenn so ein Zirbenkissen in Plastik verpackt ist, brauch ich mir gar nicht so genau ansehen, was drin ist, um zu wissen, dass es der Hersteller nicht allzu ernst nehmen wird. Der Kunde muss den Verzicht auf Einwegverpackungen aber letztlich auch zahlen. Damit es möglich ist, auf Plastik und auf Einwegverpackungsmaterial zu verzichten, muss sichergestellt sein, dass die Verpackung zu uns zurückkommt. Wie finden Sie es, wenn sich die Kunden das Bett ohne Metall in ein Gebäude aus Stahlbeton stellen? Wer in der Früh nicht ausgeschlafen ist, Kopfweh oder Rückenweh hat, hat einen Leidensdruck. Wenn der groß ist, ist man auch nicht 100 Prozent leistungsfähig. Ich maße mir gar nicht an, zu beurteilen, dass es Leute gibt, die deswegen sogar die Ausrichtung ihres Bettes auspendeln. Ich schlafe wahrscheinlich auch in einem metallverschraubten Bett gut. Unser Bett kommt ohne Metall aus, weil es generell

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ohne Schrauben auskommt. Das Bett hält durch ein Stecksystem wie ein alter Bauernschrank. Da gibt’s auch keine Teile, die kaputt werden können und irgendwann nicht mehr erhältlich sind. Es kann beliebig oft auf- und abgebaut werden. Produzieren Sie vor allem für den Export oder vor allem für Vorarlberger Konsumenten? Unsere Produkte gehen etwa zur Hälfte in die Region um den Bodensee und die andere Hälfte geht ins restliche Österreich. Wir beginnen aber gerade mit China, weil wir eine Lösung gefunden haben, wie wir ohne Frachtschiff und auch sonst ökologisch transportieren können. Diesen September werden die ersten Betten nach München und von dort mit dem Zug nach China transportiert – zwei Wochen später sind sie dort. Stimmt es, dass in Vorarlberg fast jeder eine Tischlerküche hat, dass Handwerk mehr geschätzt wird als anderswo? Das war einmal ein bisschen so. Ich gehe davon aus, dass der Großteil der Vorarlberger ihre Küche jetzt aus einem Küchencenter oder ähnlichem bezieht. Ich bin in der dritten Generation in unserem Betrieb – traurigerweise verkommen viele Tischlereien zu Handelsbetrieben. Die beziehen dann in der Industrie und bauen dem Kunden die Industrieprodukte ein. Das ist auch in Vorarlberg so. Uns hat davor die Spezialisierung auf Betten bewahrt. Ihr Kinderbett hat viele Preise gewonnen. Unsere Wiege ist die schönste der Welt. Weil sie Design und Nachhaltigkeitsgedanken vereint. Und Funktion! Wir haben monatelang allein Kuven gefräst, um den richtigen Takt der Wiege zu bekommen. Wie ist es in Vorarlberg zu leben und sich kein Zirben(kinder)bett leisten zu können? Vor zwei Wochen ist meine Tochter zur Welt gekommen und für sie haben wir jetzt alles, was unser Unternehmen zu bieten hat, das volle Programm. Aber bei meinen zwei Älteren hab ich teilweise noch auf ikea gesetzt, das war schlicht geldbedingt. Was haben die Vorarlberger gegen ikea? ikea wollte sich zwar in Lustenau niederlassen, aber Protest hat dazu geführt, dass eine Volksabstimmung durchgeführt worden wäre. Ich gehe davon aus, dass die Bevölkerung dafür gestimmt hätte. Das hat ikea anscheinend zu lange gedauert. Man muss sagen, dass in Lustenau seit Jahrzehnten ein massives Verkehrsproblem besteht und da hätte man Lösungen zur Entlastung der Stadt vom Transitverkehr finden müssen, dann wäre wohl auch ikea kein Problem gewesen. Und ich muss sagen, wenn schon unbedingt ein Möbelhaus her muss, dann dieses, weil das produziert zumindest teilweise selbst.

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E-BIKE-WANDERN

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TEXT & BILD

Christoph Wimmer

IST DAS NOCH MOUNTAINBIKEN?

Höhere Geschwindigkeit und mehr Reichweite bei weniger Aufwand – und das fast ohne Emissionen. Inwiefern lassen sich die Vorteile des E-Bikes auf Mountainbikes übertragen? Christoph Wimmer ist dem Boom in die Salzburger Berge gefolgt.

H

öhenprofile von Mountainbikestrecken ähneln oft einer Glockenkurve. Man fährt irgendwo hinauf, dann fährt man irgendwo hinunter. Voraussetzung dafür ist die nötige Fitness. Wem die Zeit fehlt, um Kraft und Kondition aufzubauen, oder für wen das gesundheitlich schwierig ist, wird sich die Investition in ein Mountainbike zweimal überlegen. Einen möglichen Kompromiss stellen hier E-Mountainbikes dar. Was vor wenigen Jahren noch als Nischenprodukt für Senioren

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vermarktet wurde, führt heuer die Verkaufscharts im wirtschaftlich starken E-Bike-Sektor an. Um zu erfahren, was hinter dem Trend steckt, reise ich nach Salzburg in die Region Leogang Saalfelden. Saalfelden nimmt seit 2007 am Landesprogramms »e5« teil und setzt sich damit aktiv für langfristige Klimaschutzmaßnahmen und mehr Energieeffizienz ein. Dabei zählen E-Mountainbikes zu den Schwerpunkten, auf die im Tourismus gesetzt wird. So bieten zum

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E-BIKE-WANDERN

40 Beispiel zahlreiche Gastronomen in der Region die Möglichkeit, die Batterien der fast emissionsfreien Fortbewegungsmittel kostenlos aufzuladen.

MTB VS. E-MTB Bei der Talstation der Asitzbahn in Leogang warten zwei Fahrräder auf Wenn man will, kann man sich beim E-Mountainbiken genauso verausgaben wie mich: das Scott E-Genius 730 und beim normalen Mountainbiken. Dafür hat man in derselben Zeit die doppelte das Scott Scale 740. Beim E-Geni- Distanz mit der doppelten Geschwindigkeit zurückgelegt. us handelt es sich um ein modernes 27,5+ Enduro E-Mountainbike mit 160mm Federweg und Bosch Elektromotor. Das Scale ist ein 29er Cross Country Hardtail. Wurzel- oder Hügelpassagen immer wieder kurz den Motor hinzu. Was das 23 Kilogramm schwere E-MounMit nur 11 kg Gewicht bringt es weniger als halb so viel tainbike an Agilität einbüßt, macht es durch seine Spurauf die Waage wie das E-Bike. treue wieder wett. Fehler in der Linienwahl verzeiht es Im direkten Vergleichstest fahre ich einen Abschnitt der »Gunzi Trail«-Tour in Leogang erst mit dem her- gnädig. Bergab wirkt sich das Gewicht positiv aus, und dank der Kombination aus breiten Reifen und 160 mmkömmlichen, dann mit dem E-Mountainbike. Die sechs Kilometer kurze Strecke verläuft erst steil 200 Höhen- Federweg überrollt man Hindernisse mühelos. Wenig überraschend war das E-Bike im Vergleich meter hoch auf den Sonnberg, bevor ein Singletrail (S1) deutlich schneller. Fünfeinhalb Kilometer fuhr ich dadurch ein schattiges Waldstück wieder zurück ins Tal mit in 17 Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigführt. Stellenweise müssen bei der Auffahrt Steigungen keit von rund 20 km/h. Mit dem Hardtail brauchte ich von 20 Prozent überwunden werden. für dieselbe Strecke bei durchschnittlich 11 km/h beinahe doppelt so lange. UNTERSCHIEDE BEIM FAHREN Obwohl das leichte Cross Country Bike sich dank seiner Rahmengeometrie besser als die meisten Fahrräder für EIN KOMPROMISS AUS SPORT Anstiege eignet, zwingen mich die 20 Prozent bald zum UND SPAZIERFAHRT Absteigen und Schieben. Auf dem E-Bike hingegen lässt Nach zwei Tagen hatte ich mit dem E-Mountainbike 75 sich das Steilstück dank »Turbo-Modus« mit 11 km/h Kilometer und 2.000 Höhenmeter zurückgelegt. Solbewältigen – zwar auch nicht ohne Schweiß, aber im- che Distanzen sind ohne Hilfe eines Motors eher Promerhin. Das Wechseln zwischen den fünf verschiede- fis vorbehalten. Mit den körperlichen Anstrengungen nen Modi des Motors gelingt nach einer kurzen Eingeht beim normalen Mountainbiken oft auch gewöhnungsphase so intuitiv wie das Schalten. ein gewisses Nachlassen der kognitiAuch beim Downhillteil der ven Fähigkeiten einher. Man Strecke schalte ich für ist dabei so auf die eige-

»Ich bin inzwischen mit dem E-Mountainbike so sportlich unterwegs wie früher mit dem normalen Mountainbike.« – Paul Mitterer, Geschäftsführer von Sport Mitterer in Leogang

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ne Leistung fixiert, dass man die Umwelt vergisst. Mit einem E-Mountainbike radelt es sich entspannter, man kann dabei besser die Natur genießen und kommt frischer am Gipfel an.

ANTRIEB FÜR ANTRIEBSLOSE? Das Klischee, dass E-Bikes tendenziell etwas für ältere Semester sind, kann Paul Mitterer, Geschäftsführer des Bike-Verleihs und Scott-Testcenters Sport Mitterer, bestätigen. »Unterschiede gibt es höchstens bei den Arten von E-Mountainbikes, die ausgeliehen werden«, die klassische E-Mountainbikes hätten eine insgesamt etwas ältere Zielgruppe, schlicht, weil sie für die einfacher zu fahrenden Strecken am besten geeignet seien. Doch Fully oder Enduro E-Mountainbikes würden »von ganz jung bis ganz alt verlangt«. Der 65-jährige ehemalige Skirennläufer – Wer ist das in dieser Gegend nicht? – ist selbst begeisterter E-Biker und sagt: »Ich bin inzwischen mit dem e-mtb so sportlich unterwegs wie früher mit dem normalen mtb. Mir macht es unglaublich Spaß, weil ich damit eine wesentlich größere Reichweite habe. Kraft und Kondition sind nicht mehr wie früher, aber das lässt sich mit dem E-Bike super kompensieren. Dazu kommt, dass man dabei auch die Natur mehr genießen kann, weil man nicht bei jedem steilen Anstieg müde und fertig ist. Das ist für mich das Beste beim E-Bike.« Manch ein Purist mag der Ansicht sein, man müsse sich den Downhill erst durch den Uphill verdienen. Ich habe in diesen zwei Tagen aber bemerkt, dass E-Mountainbikes nicht bloß existieren, um irgendwelche Defizite auszugleichen. E-biken kann für sich als eigenes Genre der Fortbewegung stehen, und braucht den Vergleich zum herkömmlichen Mountainbiken weder zu scheuen noch zu suchen.

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h 100 x in Österreic Der Gunzitrail im Höhenprofil. Er enthält Steigungen von bis zu 23%. Wenn man will, kann man sich beim E-Mountainbiken genauso verausgaben wie beim normalen Mountainbiken.

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DER MUTMASSLICH ULTIMATIVE RADWEG

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Doris Neubauer

AUF DEM ELBERADWEG: RADELN IM FLOW Die ungeschlagene Nummer eins laut Radreiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (adfc), 14 Mal in Folge der beliebteste Deutschlands – der Radweg, der sich dieser Titel rühmen kann, muss etwas Besonderes haben.

BILD Alexander Lange

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reffen sich ein Zimmermann auf der Walz und ein Backpacker auf einem Reisetreckingrad bei einer Eisdiele in Torgau. Was wie der Anfang eines Witzes klingt, ist eine Begegnung, an die Alexander Lange gern zurückdenkt. »Drei Monate war der junge Mann schon unterwegs«, erzählt der 40-jährige Wahl-Hamburger vom Treffen im Sommer 2016, als er als eben jener Radtourist den Elberadweg bestritt. »Drei Jahre wollte er durchs Land ziehen und von Tagelöhnen leben. Es war

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eine schöne Erfahrung, jemanden kennen zu lernen, dem ich normalerweise nicht begegnen würde.« So unterschiedlich Alexander und der Zimmermann auf den ersten Blick waren, hatten sie mehr gemeinsam als man vermutet: »Wir hatten das gleiche Ziel«, bringt es der Online- und Digital-Marketer auf den Punkt. »Wir lebten in den Tag hinein und guckten, was er so bringt.« In zwölf Tagen und elf Etappen radelte Alexander 704 Kilometer von Hamburg bis Dresden. Doch das

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DER MUTMASSLICH ULTIMATIVE RADWEG

Glück steckte für ihn nicht in diesen Fakten, sondern in den kleinen Momenten. »Es war zauberhaft, wenn eine halbe Minute lang eine Schwalbe auf Augenhöhe neben mir herflog«, schwelgt er in Erinnerungen, »du fährst durch menschenleere Landschaft, kannst dich ans Ufer setzen oder in die Elbe springen. Oder in kleinen Städten ein Alster mit einem Fremden trinken.« Warum für seine erste größere Solo-Radtour die Wahl auf den Elberadweg fiel, ist leicht erklärt: »Einerseits ist er für mich praktisch, weil er direkt an Hamburg vorbeiläuft«, meint Alexander, der seiner Passion im Blog »draussenlust.de« Ausdruck verleiht, »vor allem liebe ich es am Wasser zu sein. Kaum aus der Großstadt raus, bist du in einer schönen Flusslandschaft.«

Wie Alexander hat so mancher sein Herz an den 1.200 Kilometer langen Elberadweg verloren, der im tschechischen Riesengebirge beginnt. In Deutschland führt er übers Elbsandsteingebirge durch die sächsische Schweiz bis Dresden. Entlang der sächsischen Weinstraße geht es vorbei an der Porzellanstadt Meißen und Torgau zur Lutherstadt Wittenberg. Von dort zieht die Route durch die Bauhausstadt Dessau und das Biosphärenreservat »Mittlere Elbe« nach Magdeburg und Havelberg. Dann streift der Weg die Prignitz, älteste Region der Mark Brandenburg und früheres Grenzgebiet zwischen Ost und West. Im naturbelassenen Gebiet, in dem man mehr Störche trifft als Menschen, geht es weiter nach Lauenburg, Hamburg und durch den Obstgarten Altes Land nach Stade. In Cuxhaven mündet Deutschlands zweitlängster Fluss schließlich in die Nordsee. Es sind diese 860 Kilometer in der Bundesrepublik, die den Elberadweg unwiderstehlich machen: Die Strecke wurde 2018 zum 14. Mal in der Radreiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (adfc) zum beliebtesten Radfernweg Deutschlands gewählt.

RAST BEI TANTE STORCH Flach, hervorragend ausgebaut sowie beschildert und abwechslungsreich – für Alexander kommt die Popularität des Elberadwegs genauso wenig überraschend wie für Blanka Haiduck und Jürgen Kakoschke. Seit 2016 betreibt das Paar, das nach dem Flüggewerden des

BILD Alexander Lange (oben), elberadweg.de/S.Dittrich (unten)

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Canaletto-Blick vom Rad aus: Der Elberadweg führt direkt an der Altstadt Dresdens vorbei.

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AN- UND ABREISE ZUM ELBERADWEG Die Deutsche Bahn führt zu zahlreichen Städten auf dem Elberadweg.

UNTERKÜNFTE Der adfc hat ein »Bett und Bike«Konzept herausgegeben, das geprüfte Unterkünfte empfiehlt. Übernachten kann man auch auf den zahlreichen Elberadweg-Campingplätzen.

Kindes seine Jobs in Bremen aufgegeben hat, die charmant-alternative Pension »Tante Storch« in Tießau bei Hitzacker. »Er ist von der Lage interessant und landschaftlich facettenreich«, argumentiert Blanka, die den

det ist. Mittlerweile ist die Übernachtung in der Pension, die dank Bücherregale und Hollywoodschaukel mit Gemütlichkeit und dank ihrer Betreiber mit Weltoffenheit, Humor und Kreativität punktet, Teil ihrer Tradition geworden. Zu einer solchen zählt der Elberadweg für Alexander (noch) nicht, doch 2017 hat er sich erneut aufs Rad gesetzt und in die 900-Kilometer-Strecke auch eine Etappe auf dem Elberadweg eingebaut. Und jedes Mal, wenn er in seiner Heimat Hamburg zur Hafencity oder Richtung Südosten radelt, denkt er an die Erlebnisse auf dem Elberadweg. Die Begegnung mit dem Zimmermann auf der Walz ist nur eines davon.

»Man kann den Elberadweg gut portionieren und über Jahre befahren.«

BILD Alexander Lange (oben), elberadweg.de/S.Dittrich (unten)

– Blanka Haiduck, Pension »Tante Storch«

Elberadweg mehrfach durchgeradelt ist und Insidertipps auf Lager hat. »In Cuxhaven ist die Elbe vier Kilometer breit und Kreuzfahrtschiffe ziehen vorbei«, beschreibt Jürgen den Facettenreichtum, »bei uns hingegen ist alles naturbelassen.«

EIN RADWEG FÜRS LEBEN Die Vielfalt der Landschaft und die Routenoptionen scheinen für Wiederholungstäter prädestiniert. »Man kann den Elberadweg gut portionieren und über Jahre befahren«, weiß Blanka. Oder man fährt immer wieder dieselbe Strecke: Wie die Gruppe, die alljährlich im August drei Tage lang von Hamburg nach Berlin radelt und 2016 zufällig in der »Tante Storch« gelan-

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Offizielle Seite des Elberadwegs: elbe-rad-weg.de Karten und Prospekte: Bikeline-Radtourenbuch Elberadweg 2 für den Streckenabschnitt Magdeburg bis Cuxhaven, Maßstab 1:75.000, Verlag Esterbauer. Umfangreiche Infos zum Elberadweg gibt´s auch in der kostenlosen Rad-Infokarte sowie dem Handbuch zum Elberadweg: Bestellbar via urlaubsregion-altesland.de

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BIORAMA Nº. 56

ERLEND

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WIE KOMMT DAS PLASTIK INS MEER? Es gibt sehr viel Plastik auf der Welt. Nicht alles davon trägt gleich schnell und in gleichem Ausmaß zur Umweltverschmutzung durch Mikroplastik bei.

FLÜSSE 90 % des weltweiten Eintrags von Plastikmüll in die Ozeane kommt aus zehn Flüssen – acht davon fließen in Asien und zwei in Afrika.

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JANGTSEKIANG, CHINA

#2

INDUS, PAKISTAN

#3

GELBER FLUSS, CHINA

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NIL, ÄGYPTEN

#5

NIGER, NIGERIA

P

lastikmüll zersetzt sich im Meer durch Brandung, Wellengang, also Reibung, Salzwasser und UV Strahlung in seine kleinsten Teile. Geschätzt kommen auf einen Quadratmeter Ozean vier Milliarden Mikroplastikpartikel. Pro Liter Meereis wurden durch Proben aus den Jahren 2014 und 2015 zwischen 33 und 75.143 Mikroplastikteilchen nachgewiesen. Teilweise gelangt das Plastik aber schon als Mikroplastik, also als Plastikpartikel mit einem Durchmesser unter fünf Millimetern, in die Umwelt. Woher kommt das Mikroplastik in der Natur?

Quelle: Schmidt, Krauth, Wagner, 2017

DONAU: 25–145 KG

RHEIN: 25–30 KG

Je nach Wasserstand transportiert die Donau durchschnittlich zwischen 25 und 145 Kilogramm Plastik pro Tag.

Im Rhein sind es in den mittelmäßig belasteten Gebieten 25 bis 30 Kilogramm. Quelle: Holm, 2015

Quelle: Kienzl, 2015

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Irina Zelewitz GRAFIK

Lisa Weishäupl

PRIMÄRES UND SEKUNDÄRES MIKROPLASTIK Kunststoff wird in großen Mengen zu verschiedensten Produkten verarbeitet. Im Lauf der Zeit geben diese gewollt oder ungewollt primäres Mikroplastik ab. Sekundäres Mikroplastik entsteht im Gegensatz dazu, wenn sich größerer Plastikmüll zersetzt. Zu den tatsächlichen Mengen gibt es heute nur Schätzungen.

PRIMÄRES MIKROPLASTIK 3,2 MIO T/JAHR

DAVON GELANGT 1,5 MIO T/JAHR INS MEER

SEKUNDÄRES MIKROPLASTIK 8 MIO T/JAHR

BELASTUNG

VERBRAUCH

Das primäre Mikroplastik in den Ozeanen stammt aus folgenden Produktgruppen:

Der jährliche Kunststoffverbrauch nach Produktgruppen in Tonnen

7 % STRASSENMARKIERUNGEN 3,7 % SCHIFFSLACKE UND -BESCHICHTUNGEN 2 % PFLEGEPRODUKTE 0,3 % PELLETS

35 % SYNTHETISCHE TEXTILIEN

KUNSTSTOFF PELLETS

257.000.000 T

SYNTHETISCHE TEXTILIEN 42.534.000 T REIFEN 6.431.000 T STRASSENMARKIERUNGEN 588.000 T SCHIFFSLACKE UND -BESCHICHTUNGEN 452.000 T PFLEGEPRODUKTE 42.000 T

28 % REIFEN 24 % STADTSTAUB Quelle: IUCN, 2017

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bio

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BIORAMA Nº. 56

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Werner Sturmberger

MIKROPLASTIK IN ALLER MUNDE UND KÖRPER

N

Wir wissen, dass das Erdölprodukt Plastik nicht unbedingt zum Verzehr geeignet ist, aber was richtet es im Körper an?

S BILDER iStock.com / lushik, iStock.com / Valsur, iStock.com / LueratSatichob, iStock.com / Logorilla, Dujmic

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MIKROPLASTIK

elbst in den abgelegensten Winkeln des Planeten finden sich Spuren von Mikroplastik. Kein Wunder also, dass es auch irgendwann wieder bei uns Menschen landet. Was macht den Kunstoff – besonders in Form von Kleinstteilen – gesundheitsschädlich? Langzeitforschung dazu gibt es noch kaum – ein Grund zur Vorsicht, betont Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner und Landschaftsökologe. Fest steht: Mit dem Mikroplastik gelangt nicht nur der Kunststoff selbst, sondern auch die Chemikalien, die zugesetzt werden – wie Beschichtungen –, in unsere Körper. Wie viel wissen wir bereits darüber, was es dort anrichtet?

»Eines ist klar: Eine gesundheitsförderliche Eigenschaft dieser Teilchen ist ausgeschlossen.« – Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner und Landschaftsökologe.

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Mikroplastik am Menü Den größten Anteil des Mikroplastiks nehmen wir über die Nahrung auf. Abhängig vom konkreten Herstellungsprozess eines Lebensmittels kann es in unterschiedlichsten Produkten enthalten sein. Fische und Meerestiere gelten als besonders belastet, denn Gewässer sind Sammelbecken für Kunststoffabfälle. Kleine Partikel werden vom Regen einfach weggespült oder landen ohnehin direkt im Abwasser. Das gilt vor allem für primäres Mikroplastik, wie es in Zahnpasta, Peelings oder Lipgloss enthalten ist. Größere Plastikabfälle zerfallen in der Natur zu sekundärem Mikroplastik. Im Meer werden sie durch Wellengang, Salzwasser und Sonneneinstrahlung zu immer feineren Partikeln verrieben. Bis sich Plastik vollständig auflöst, können mehrere hundert Jahre vergehen. Für viele Tiere ist Mikroplastik nicht von ihren natürlichen Nahrungsquellen zu unterscheiden und wird darum gefressen. Einmal in der Nahrungskette, verschwindet es natürlich nicht mehr, sondern landet irgendwann auf unseren Tellern und gelangt so in den Körper. Auch Hausstaub scheint eine besonders relevante Aufnahmequelle zu sein, wie eine jüngst veröffentlichte Studie der Heriot Watt University zeigt: Dieser besteht aus feinsten Fasern und Partikeln und daher auch aus Mikroplastik. Gerade Kleinkinder nehmen diesen beim Spielen auf, wenn sie auf dem Boden herumkrabbeln und Gegenstände in den Mund stecken, er setzt sich aber auch auf unserem Essen ab. In geringerem Umfang wird Mikroplastik außerdem über die Atemwege aufgenommen.

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Macht Mikroplastik krank?

DIE TIROLER NACHHALTIGKEITSMESSE

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Im Moment lässt sich das noch nicht zuverlässig abschätzen, aber – so fasst es Hans-Peter Hutter nüchtern zusammen: Eine gesundheitsfördernde Wirkung sei jedenfalls ausgeschlossen. Bei größeren Partikeln ist davon auszugehen, dass sie durch den Verdauungstrakt ausgeschieden werden. Bei kleineren Partikeln besteht dagegen die Gefahr, dass diese eingelagert werden, so wie es mit Rußpartikeln in der Lunge passiert. Mikroplastik ist aber immer ein Fremdkörper, weshalb es Entzündungsreaktionen auslösen kann. Was man bisher über die Wirkung von Mikroplastik weiß, stammt überwiegend aus Zellund Tierversuchen. Eine zusätzliche Risikoquelle stellt die Anhaftung von Giftstoffen, wie etwa Schwermetallen, an diese Partikel dar. Kunststoffe enthalten zudem oftmals Zusatzstoffe, die ihnen spezifische Eigenschaften verleihen. Dazu zählen Flammschutzmittel, UV-Absorber, optische Aufheller, antimikrobielle Additive, Farben oder auch Weichmacher (wie das bekannte Bisphenol A oder die Phthalate). Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass es zu einer Aufnahme dieser Chemikalien kommen kann. Das betrifft aber auch andere Chemikaliengruppen wie Pestizide und ist damit kein spezifisches »Plastikproblem«. Die Auswirkungen von Belastungen sind oft erst nach langer Zeit feststellbar, was es erschwert, Kausalzusammenhänge herzustellen. Zudem kann es zu Wechselwirkungen zwischen einzelnen Zusatzstoffen kommen: Selbst wenn Schwellenwerte für einzelne Chemikalien nicht überschritten werden, kann die Gesamtmenge aller im Köper vorhandenen Zusatzstoffe gesundheitsgefährdend sein.

BPA

Bisphenol A: Geschmeidiges Plastik und gestörter Hormonhaushalt

Kunststoffe (speziell Polycarbonat) und damit Mikroplastik können unter anderem bpa enthalten und so in den Organismus gelangen. Überwiegend wird bpa aber direkt auf oralem Weg aufgenommen, etwa über verbrauchernahe Produkte wie Trinkflaschen oder mit Nahrungsmitteln, die damit in Kontakt gekommen sind. Als hormonaktive Chemikalie kann bpa bereits in sehr geringen Konzentrationen biologische Prozesse wie Enzymaktivitäten oder das Hormonsystem beeinflussen. Es steht unter anderem im Verdacht zu Übergewicht und

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»Wenn wir es nicht einmal schaffen, das Plastiksackerl wegzudenken, wird es sehr schwierig werden, jene Probleme, die noch auf uns zukommen, zu lösen.« – Hans-Peter Hutter

kognitiven Störungen (Aggression, Aufmerksamkeitsdefizite) beizutragen. Der Ersatzstoff Bisphenol S scheint sogar noch stärker in das Zellwachstum einzugreifen als bpa. Bei Kindern sollte daher komplett auf Bisphenol und wenn möglich generell auf Plastik verzichtet werden (etwa bei Geschirr, Spielzeug etc.). Während bpa mittlerweile gut erforscht ist, gibt es eine breite Palette ähnlicher Zusatzstoffe, über die so gut wie nichts bekannt ist. Grundsätzlich gilt, fasst Hutter zusammen: »Je früher eine Exposition mit hormonaktiven Substanzen stattfindet, desto höher ist das Risiko von gesundheitlichen Spätfolgen, wie dem verfrühten Einsetzen der Pubertät. Es ist daher sicherlich ratsam, den Kontakt mit potenziell schädlichen Substanzen bei Schwangeren und Kleinkindern zu minimieren.«

Zusatzstoffen reduzieren. Gänzlich verhindern lässt sich diese aber nicht. Jeder Einzelne kann zwar einen Beitrag zum Plastikverbrauch leisten, wirklich lösen lässt sich das Problem aber nur kollektiv und global. Hierzu braucht es umfassende Strategien, wie Hutter betont: »Wenn wir es nicht einmal schaffen, das Plastiksackerl wegzudenken, wird es sehr schwierig werden, jene Probleme, die noch auf uns zukommen, zu lösen. Wenn wir aber bereit sind, auf dieses Niveau an Bequemlichkeit zu verzichten, haben wir es jetzt noch in der Hand, die Dinge zum Positiven zu verändern.«

Bioplastik bedeute nicht das Ende der (Mikro-)Plastikproblematik Plastikfrei in einer Plastikwelt? Die Familie Krautwaschl wurde bei ihrem Versuch, ein kunststofffreies Leben zu führen, von einer Studie der MedUni Wien begleitet. Überraschendes Ergebnis: Nach zweimonatiger Plastikkarenz im Haushalt wurden 14 gesundheitsrelevante Phthalat-Metabolite und bpa im Morgenharn gemessen. Fazit der Studie: Man kann der Belastung durch Plastik nicht entkommen. Ein Freibrief zum hemmungslosen Plastikgebrauch ist das allerdings nicht: Die Familie hat bereits vor ihrem Experiment gesundheitsbewusst gelebt, weshalb die Belastung durch Kunststoffe schon im Vorfeld unterdurchschnittlich war. Wer also im Alltag darauf achtet, auf Plastik und Nahrungsmittel, die damit in Berührung gekommen sind, zu verzichten, kann die Aufnahme von Mikroplastik und

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Unter Bioplastik versteht man biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe. Nicht alles, was biobasiert ist, ist biologisch abbaubar: pet-Flaschen werden etwa aus Monoethylenglycol gefertigt. Dieses findet sich sowohl in fossilen als auch in nachwachsenden Rohstoffen. Für die Eigenschaften des Endprodukts (auch dessen Abbaubarkeit) ist die Rohstoffquelle nicht ausschlaggebend. Als biologisch abbaubar gelten Kunststoffe, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums durch den Einfluss von Hitze, Sauerstoff, Feuchtigkeit und Bakterien oder Pilzen zu 90 Prozent in Wasser, Kohlendioxid und Biomasse zerfallen. Sie basieren im Normalfall auf Mais, Zuckerrohr und Cellulose, können aber auch aus fossilen Rohstoffen gefertigt werden. Aufgrund dieses raschen Zerfallsprozesses kommt es nicht zur Mikroplastik-Problematik wie bei herkömmlichen Kunststoffen. Bioplastik kann aber dieselben Zusatzstoffe wie herkömmliche Kunststoffe enthalten und diese damit auch auf den Menschen übertragen werden.

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KINDERBUCH: HOW PIPPA BECAME THE QUEEN OF THE OCEAN

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IT’S FANTASTIC, IT’S MADE OF PLASTIC Ein aus Plastikmüll recyceltes Bilderbuch appelliert an das Haushaltsgewissen. KinderPop-Sänger Matthäus Bär hat sich angesehen, wie das Mädchen Pippa kunststofffrei zur Königin der Meere wird.

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Matthäus Bär

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sein, seinen Zweck verfehlt das gänzlich aus recycelten, aus dem Meer gefischten Plastik gefertigte »How Pippa Became The Queen Of The Ocean« aber nicht. Spätestens wenn der traurigen Schildkröte ein schmerzender Strohhalm aus der Nase gezogen und dem Delphin das Atemloch freigelegt wird, wird fieberhaft überlegt, welche Kunststoffquellen im Haushalt eingespart werden könnten. Mit der Erstklässlerin einigen wir uns auf den Verzicht von Plastiktüten. Die braucht wirklich kein Kind, und Meerestiere sowieso nicht.

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BILDER Luisa Hanika

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anchmal verlangen Kinder nach Antworten, die selbst die schlagfertigsten Eltern in Verlegenheit bringen. So wie letztens, als die Erstklässlerin wissen wollte, warum wir nicht grundsätzlich ohne Plastik auskommen wollen im Leben. Tja, gute Frage, warum eigentlich nicht? Es wäre eh super, war die gestammelte Antwort, nur wie genau sollte das denn funktionieren? Angefangen bei Telefon und Tablet, ob Haargummi oder Zahnbürste, bis hin zu den zahlreichen und offenbar notwendigen Lebensmittelverpackungen – überall ein wenig Plastik drin. Aber wäre es wirklich so unmöglich ganz ohne auszukommen? Nein, wäre es natürlich nicht, wie diverse Blogs und Instagramaccounts eindrucksvoll beweisen. Es ist schlussendlich eine Frage der eigenen Bequemlichkeit. Möglich wäre ein Leben ohne Plastik mit Sicherheit. Vielleicht muss aber auch gar nicht auf absolut jeglichen Kunststoff im Alltag verzichtet werden. Es ist schon mal auf jeden Fall hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, was mit all dem Plastikmüll passiert, den man/frau tagtäglich produziert. Und wo der überall landen könnte. Ein Gedanke, den die ngo Waste Free Oceans mit einem hübschen Bilderbuch vorantreibt. Die Storyline mag zwar etwas hahnebüchern


Die ür Messe f ren i einen fastil s n Lebe

+ mehr

BILDER Luisa Hanika

THE OCEAN PLASTIC BOOK Die Initiative wfo (Waste Free Oceans) will durch eine simplen Idee dazu beitragen, die Verschmutzung unserer Ozeane zu stoppen. Das Buch soll bei jenen für Umdenken zu sorgen, die die Verschmutzung der Meere am stärksten treffen wird: Kinder. Für sie haben sie das Projekt »The Ocean Plastic Book« gestartet. Motto: Kinderbücher gegen Meeresplastik – gefertigt aus recyceltem Meeresplastik. Dementsprechend richtet sich das Buch an alle Eltern, die sich für einen nachhaltigen, schonenden Umgang mit der Natur interessieren. Und natürlich an Kinder, die ein Faible für alles haben, was sich mit dem Meer beschäftigt, erklärt wfo. theoceanplasticbook.com und wastefreeoceans.org

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MARKTPLATZ KOSMETIK

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Michael Mickl

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Bernadette Schmatzer, Irina Zelewitz

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Attraktiv jenseits der Jugendjahre bleiben will jede(r). Empfehlungen für Hautalterung mit Haltung.

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nti-Aging, Pro-Aging, Age-Defying, Slow Age ... Es gibt keine Wundercreme gegen den Zahn der Zeit, nicht einmal Konservierungsmittel für den Status quo des Hautalters. Oder der Hautjugend. Ausschlaggebend für die Hautalterung sind die Gene und der Lebensstil – UV-Strahlung, Umwelteinflüsse und Toxine wie Nikotin sind hier die wichtigsten Faktoren. Neben der wesentlichen präventiven Funktion von Sonnenschutz kann Kosmetik aber das Erscheinungsbild der Haut merkbar verändern, zwar immer nur vorübergehend, doch dafür auch richtig wow – vor allem dank Feuchtigkeitsspeicherung und Filmbildung.

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1 Annemarie Börlind Sun Anti Aging dna-Protect ist Sonnenschutz für jeden Tag, zieht besonders schnell ein und hat – der chemische Filter macht’s möglich – fast keinen »Weiß-Effekt« und eignet sich gut unter dem Alltagsmake-up. lsf 30. boerlind.com 2 Auf mineralischen statt chemischen UV-Filter setzt Weledas Edelweiss Sonnencreme Gesicht lsf 30. Der physikalische Filter ist leicht als weißer Film sichtbar, ist nicht wasserfest, hinterlässt aber keinen Fettfilm, ist biozertifiziert und kommt ohne Nanopartikel aus. weleda.at 3 Das Cobicos Luxury Night Creme setzt auf Granatapfelkernöl, Magnolienextrakt und Cupacu- und Sheabutter und ist damit besonders nährend, ohne zu beschweren. cobicos.de

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Längst gibt es zu dem, was viele chemisch-synthetischen Stoffklassen leisten, naturkosmetische Entsprechungen: Straffende Silikone werden etwa durch Akaziengummi ersetzt, biozertifizierte Kollagene aus Quallen ersetzen Rinder-, Schweine- oder Fischkollagene, Hyaluronsäure, der Feuchtigkeitsspeicher par excellence wird mithilfe von Mikroorganismen aus Weizen gewonnen und auch Coenzym Q10 kann pflanzlich mithilfe von Hefe fermentiert werden. Mehr dazu:

.EU / NATURKOSMETIK

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4 Das Sante Sofort glättendes Fluid mit Glow Effekt glättet spürbar und hinterlässt einen leichten Schimmer. Parakresse soll Fältchen glätten, Teeextrakte und Algenextrakte wirken zellschützend. sante.de 5 Das Cell Boost Elixir der Oceanwell Collagen Proage Line polstert Trockenheitsfältchen auf und spendet langanhaltend Feuchtigkeit. Wirkstoff ist das erste Natrue-zertifizierte Quallenkollagen. oceanwell.de 6 Im I+m Hydroperform Augenbalsam mit AntiPollution-Komponente versorgen Aloe Vera und Hyaluron spürbar mit Feuchtigkeit, Schmetterlingsflieder soll gegen Blaulicht von Bildschirmen schützen. iplusm.berlin

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BIORAMA Nº. 56

URBAN DRINKS

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DER ECHTE KOMBUCHA LEBT Ein Berliner Getränkehersteller bringt rohen Kombucha auf den Markt und meint es ernst mit dem Label man-made. Manu Kumar im Interview. TEXT

biorama: Kann man sich einen Urban Drink auch zuhause zubereiten oder muss der in einer stylischen kleinen Glasflasche unterwegs oder im Café konsumiert werden? manu kumar: Ich weiß es nicht! (lacht) Ich spreche in meinem Fall von Crafted Drink. Und

Alle Produkte aus der ManuTeeFaktur sind biozertifiziert und vegan. Die Getränke werden in Mehrweg-Glasgebinde abgefüllt. Die weitestgehend süßungsmittelfreien Tees haben im Geschmackstest der Redaktion aber nur jene überzeugt, deren Geschmacksnerven keine Zuckerbombengetränke gewöhnt waren. Der Kombucha wurde noch nicht getestet.

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da ist es egal, ob ich mit der Lederschürze in einer Werkstatt sitze oder nicht. Für mich bedeutet das, dass man echte Zutaten verwendet und die schonend händisch verarbeitet. Einerseits heißt »Urban Drink« für mich ein bisschen, dass alles designt und schick sein muss und der Inhalt zweitrangig ist. Andererseits schwingt mit, dass Urban Drinks wohl junge Leute aus der Stadt machen und nicht Brauer am Land. Da steckt schon auch ein Punk-Gedanke dahinter, einfach etwas zu machen, was man konsumieren möchte und was es auf dem Markt nicht gibt. Zu den Jungen darf ich mich nicht mehr zählen, wenn ich meinen Sohn frage, aber zum Grundgedanken dieser Art des Unternehmertums schon gerne. Die meisten Leute haben halt keine Zeit, sich die Nahrungsmittel so zu organisieren und zu verarbeiten, wie das laufen sollte. Das mache ich für sie. Es gibt Konsumgüter, die man aus Prestigegründen konsumiert, und welche, um sich selbst etwas Gutes zu tun. Auf sich zu achten bedeutet nicht, sich die neuesten Sneaker zu kaufen und in die Yogastunde zu gehen.

BILDER Luke Marshall Johnson, Phil Dera

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er ehemalige Architekt Manu Kumar hat mit biorama darüber gesprochen, warum er ausgerechnet Tee und Kombucha produziert – und was er lieber nicht macht, weil es andere besser können. Und über die Begriffe »roh«, »echt« und »ursprünglich«, über Urban Drinks und Craftwork.

Irina Zelewitz

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Was ist mit »echten« Zutaten gemeint? »Ursprünglich« ist mir zu abgedroschen, aber das ginge auch. Ich möchte möglichst Zutaten im Ursprungszustand. Ein Beispiel: Wir können auch einen 50-Liter-Tank Ingwer gequetscht aus Südamerika importieren. Wir nehmen aber lieber frischen. Aus Südamerika ist er trotzdem. Dein Wording passt ja zum Zeitgeist. Was bedeutet der Slogan der Manufaktur »Health Style meets Lifestyle«? Ich möchte kein Besserwisser sein. Und Gesundheitsversprechen darf ich auch keine machen mit meinem Produkt. Die Konsumenten wissen halt meist gar nicht, wie ein echter Kombucha schmeckt. Ich versuche zu erklären, was ich da mache. Dass der einfach gut ist für den Körper, das werden die dann schon merken.

BILDER Luke Marshall Johnson, Phil Dera

Du produzierst Tees und nun auch Kombucha. Warum Kombucha? Ich bin sehr egozentrisch in dem, was ich tue. Ich trinke gerne, was ich von meinen Eltern kenne. Meine Mutter kommt aus Ostpreußen und da hat – wie überhaupt in Osteuropa – Kombucha Tradition. Mein Vater ist Arzt und stammt aus Indien, das hat sich natürlich auf meinen Teekonsum niedergeschlagen. Ich habe die Getränke, die ich selbst trinken wollte, gemacht. Auch für meine früheren Bürokollegen. Und wenn ich längere Reisen angetreten habe, wurde der Wunsch geäußert, ich solle für die Zeit meiner Abwesenheit vorproduzieren. Der Gedanke, das zum Beruf zu machen, ist daher irgendwann nahegelegen. In den usa ist Kombucha das am stärksten wachsende Getränk im Bereich functional Drinks. In einem Supermarkt stehen mehrere Regalmeter nur Kombucha, mehr als Smoothies und Kokoswasser zusammen. Und 20 Prozent davon sind auch gute – von Herstellern, die es richtig machen, muss man sagen. Was ist denn Raw Kombucha? Warum soll Kombucha nicht pasteurisiert sein? Raw heißt nicht pasteurisiert, nicht hitzebehandelt. Der Sinn des Kombucha ist, dass er lebende Kulturen enthält. Und die will man eben erhalten und nicht durch Erhitzen töten. Was die meisten als Kombucha kennen, ist aber durch Pasteurisieren haltbar gemacht und das ist im Ergebnis nicht vergleichbar. Der Kombucha, den ich herstelle, wird fermentiert und gefiltert und noch einmal fermentiert. Natürlich dauert das ewig. Natürlich ist das anstrengend und nervig. Hätte ich gewusst, wie kompliziert und mühsam vor allem ist, eine funktionierende Kühlkette für ein solches Produkt aufzubauen, hätte ich mich vielleicht nicht getraut. Aber eine andere Produktionsweise kommt für mich wirklich nicht infrage.

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Unser Bio. Unsere Qualität.

Natürlich wurden dafür ganze Wiesen aufgefressen.

Es braucht natürlich nicht viel, um diesen Bio-Käse zu machen. Kühe mit Auslauf ins Freie. Eine herrliche Landschaft mit Wiesen. Saftige Gräser, Blumen und Kräuter, die auf den Wiesen wachsen. Kühe, die diese Wiesen während der Sommermonate beweiden. Bauern, die diese Kühe melken. Bio-Milch in höchster Qualität. Mehrere Generationen Erfahrung im Käsemachen. Überlieferte Rezepturen. Viel Liebe zur Natur und zu den Tieren. Und dann braucht es noch Zeit; eine ganz wichtige Zutat, die man sofort herausschmeckt. Sonst braucht es nichts. Gar nichts.

Das ist Bio. Kontrollierte Qualität. Garantiert mit dem EU-Biologo und dem AMA-Biosiegel. bioinfo.at

BILDER Privat

ec.europa.eu/agriculture/organic

Der Inhalt dieser Veröffentlichung gibt allein die Meinung des Autors wieder, der allein für den Inhalt verantwortlich ist. Die Europäische Kommission haftet nicht für die etwaige Verwendung der darin enthaltenen Informationen.

DIE EUROPÄISCHE UNION UNTERSTÜTZT KAMPAGNEN ZUR FÖRDERUNG DES ABSATZES LANDWIRTSCHAFTLICHER QUALITÄTSERZEUGNISSE.

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FRANK STRONACH

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FRANKIE COWBOY Wie Frank Stronach durch seine Liebe zu Pferden zum Ökofarmer wurde. Ein Gespräch mit dem austrokanadischen Milliardär. BILDER Privat

INTERVIEW

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Thomas Weber

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FRANK STRONACH

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ch bin nach wie vor nicht sicher, ob es wirklich richtig ist, dass wir Tiere halten, um sie dann zu schlachten«, bekennt Frank Stronach. Jedenfalls müsse es den Tieren gut gehen, auch bei der Schlachtung. Bereits 1996 hat der Unternehmer in Florida eine große Biofarm gegründet, samt Schlachthaus. Die Adena Farms bewirtschaften 40.000 Hektar als ökologisch größeres Ganzes. Sein politisches Engagement in Österreich, die eigentümlichen TV-Auftritte des bald 86-Jährigen und nicht zuletzt das obskure Personal seines rechtspopulistischen Team Stronach mag man belächelt haben. Damals wie heute ist spürbar, dass Stronach selbst es ernst meint; dass hier keinerlei Zynismus im Spiel ist. biorama: Wenige wissen, dass Sie bereits 1996 in Florida eine weitläufige Farm – die Adena Farms – gegründet haben. Was war denn damals Ihr Antrieb in die Landwirtschaft einzusteigen? frank stronach: Eigentlich hab’ ich schon immer auf einer Farm wohnen wollen. Ich bin 1954 ausgewandert als gelernter Werkzeugmacher, hab wie verrückt gearbeitet. Irgendwann hatte ich ein bisserl Geld auf der Bank, und weil mich Pferde schon immer interessiert hatten, dachte ich, ich nehme mir hin und wieder frei und geh auf die Rennbahn. Dann hab ich in der Zeitung gesehen »Reitpferde zu verkaufen«. Ich bin Techniker, da geht es um Tausendstel von Millimetern, das Reiten war da als Ausgleich gedacht. Irgendwie bin ich immer mehr in die Pferdesache reingekommen, hatte plötzlich Champions und hab festgestellt, dass viele Rennplätze schlecht geführt sind. Dass man da Dinge besser machen könnte. So habe ich das mit meiner Liebe zu den Pferden kombiniert, irgendwann in Kanada eine Farm gehabt, dann eine in Kentucky und später auch eine in Florida. Und so bin ich langsam reingerutscht in die Landwirtschaft.

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» Über den Industriefarmen siehst du keine Adler mehr kreisen.« – Frank Stronach Eine ausdrücklich ökologische Landwirtschaft war das damals aber noch keine. Wenn man älter wird, fragt man sich manchmal, was der Sinn des Lebens ist. Ich finde es schlecht, dass wir so viele Chemikalien essen. Früher war Allergie ein Fremdwort. Deshalb habe ich mir vorgenommen, natürliche Lebensmittel zu erzeugen. Aber ich habe lange mit mir selbst gehadert, ob ich Tiere aufziehen soll, um sie dann zu schlachten. Ich habe mit Leuten gesprochen, die ich respektiere – mit Priestern, mit Bekannten, auch mit Temple Grandin, der »Tieranwältin« Amerikas. So bin ich zum Schluss gekommen, dass es okay ist, Tiere zu schlachten, solange man alles unternimmt – laufend! –, dass Tiere keinen Schmerz erleiden, und keinen Stress bei der Schlachtung haben. Das Leben war gut zu mir. Mein Gewissen sagt mir: Setz’ ein Beispiel dafür, was man machen kann! Wie wir Tiere derzeit halten, ist furchtbar und komplett unzivilisiert. Also habe ich Land gekauft und in der Mitte ein Gebäude gebaut. Grandin hat mir einen kurvenförmigen Gang entworfen, der die Tiere entspannt, und am Ende des Gangs steht jemand mit einem Betäubungsapparat. Das Tier fällt um. Aus. Kein Schreien, kein Stress. Das ist mein Nummer-1-Prinzip. Auch dass es kein genmanipuliertes Futter gibt, keine Wachstumshormone und keine Antibiotika. Über den heutigen Industriefarmen siehst du keine Adler mehr kreisen, keine Hasen, keine Fasane. Ich habe eine Vorstellung vom Ganzen, von einem ausbalancierten Ökosystem. Bei so viel Fläche ist

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KINDER das gut möglich. Ein Viertel der Fläche haben wir komplett natürlich belassen, Sumpf und Urwald – mit Kojoten, Wildschweinen, Panthern und Rehen. Dass wir hin und wieder ein Kalb oder ein Rind verlieren, das ist Teil der Natur. Die Adena Farms propagieren eine traditionelle, wenn man so will, uramerikanische Form der Viehzucht, mit durchgehender Weidehaltung und dem Einsatz von Cowboys auf Pferden. Was davon ist Nostalgie und was wirklich entscheidend? Es gibt natürlich auch Pick-up-Lastwägen, aber die kommen in sumpfigen Gegenden nicht voran, vieles ist auf dem Pferd besser zu erreichen. Und erst vor ein paar Wochen war ich am Pferd unterwegs mit den Cowboys. Bei Pferden bleiben die Rinder viel ruhiger als wenn ein Pick-up kommt. Das ist unglaublich – und keine Nostalgie. 40.000 Hektar – von wie vielen Rindern sprechen wir da eigentlich? Zurzeit haben wir ungefähr 4.000 Mutterkühe und an die 3.000 Kälber. Wir wollen raufgehen bis auf 30.000 Rinder jährlich. Das klingt viel. Es gibt in Amerika große Betriebe, die schlachten 5.000 Tiere am Tag. Wir haben 500 bis maximal 700 Schlachtungen pro Woche vorgesehen, also eigentlich sind wir ein kleiner Betrieb. Und wir schlachten keine Kälber. Prinzipiell nicht. Alle Rinder sollen – bis sie zwei, zweieinhalb Jahre alt sind – ein angenehmes Leben haben. Ungekürztes Interview auf .EU

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MARKTPLATZ FOOD

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HER MIT DEM SPECK!

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Vielleicht ist es an der Zeit, ein paar grundsätzliche Fragen zum Thema Speck und Konsorten zu klären. Die Verfahren für die Herstellung der verschiedenen Produkte ist nämlich im Grunde immer das gleiche.

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Jürgen Schmücking

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ie Rezepturen unterscheiden sich lediglich durch Herkunft, Rasse und Teile der Tiere, Lagerzeiten und Lagertemperaturen sowie die verwendeten Gewürze. Früher ging es darum, Schweinefleisch zu konservieren, weil im Winter geschlachtet wurde und man auch im Sommer noch was davon haben wollte. Im Zeitalter der Supermärkte und geschlossener Kühlketten ist das nicht mehr wirklich das zentrale Anliegen. Heute geht es in erster Linie um guten Geschmack, und da tut sich rund ums Schwein eine beeindruckende Vielfalt auf.

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LARDO Die Definition ist einfach, der kulinarische Teufel liegt – wie so oft – im Detail. Lardo ist der Rückenspeck. Eigentlich kann Lardo vom Rückenspeck jeder Rasse gemacht werden, die es schafft, zumindest fünf Zentimeter Rückenspeckdichte aufzubauen. Mangalitzas sind in dieser Beziehung aber klar im Vorteil, da sie das Potenzial haben, mehr als diese 5 Zentimeter Speck anzusetzen. Deutlich mehr! Das lässt das »leicht durchzogen« in völlig neuem Licht erscheinen. Besten Lardo gibt es von Sepp Zotter (Steiermark), Bio Simandl (Salzburg) oder in der Bio-Noah-Manufaktur von Karl Schardax

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OSSO COLLO Während der Schinken immer vom Hintern kommt, ist Osso Collo eine Schöpfung mit Schopf. Der Schopfbraten muss dabei gut zugeschnitten sein, wird dann trocken gepökelt (also reichlich gesalzen) und in der Luft getrocknet. Den Rest macht die Zeit. Der Osso Collo ist eine Spezialität der italienischen Salumieri und eine köstliche Alternative zu Prosciutto & Co. Zu finden übrigens auch im Sortiment von Ja! Natürlich. Dunkelrotes Muskelfleisch, netzartig durchzogen, würzig und intensiv.

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SPECK Speck ist entweder vom Rücken oder vom Bauch. Der, den wir für den Krautsalat, die sauren Bohnen oder die Berner Würstel verwenden, ist meistens der vom Bauch. Haushalte mit Tradition, einer stattlichen Kinderzahl und einer ausreichend großen (und kühlen) Speisekammer, haben den Bauchspeck in großen Flanken von der Decke hängen und schneiden runter, was gebraucht wird. Andere gehen in den Supermarkt. Bei Spar findet man zum Beispiel – schmal portioniert – einen heißgeräucherten Bio-Speck von tadelloser Qualität.

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TIROLER SCHINKENSPECK Jahrhundertealte Rezepte, Tradition, kulinarisches Kulturgut, Tiroler Bergluft, Almblabla. Mit dem Tiroler Schinkenspeck ist das so eine Sache. Auf der einen Seite schmeckt er fantastisch gut, auf der anderen kommen die Schlögel zum Teil von irgendwo her – aber die Tiroler haben sich tatsächlich zu Schinkenspeckprofis entwickelt. In der Regel buchenholzgeräuchert und von rustikaler Eleganz. Und wenn man lange sucht, findet man auch echte Perlen. Am Pennhof in Barbian bei Brixen (O. K., das ist Südtirol, aber was solls, der Speck ist sensationell) holt Elmar Braun mit ein paar Kollegen das Beste aus der Sau raus. Quasi Craft Speck.

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PROSCIUTTO DI PARMA Er wirkt weicher, eleganter und harmonischer. Nicht so bodenständig wie sein Verwandter aus dem Norden. Prosciutto di Parma und sein Alter Ego, der Prosciutto di San Daniele, sind das unangefochtene Führungsduo in Sachen Geschmack, Ansehen und Marktpräsenz. Dabei hat der Parmanese einen leichten Startvorteil. »San-Daniele-

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Schinken« geht schon rein sprachmelodisch nicht so ölig runter wie »Parmaschinken«. Biozertifizierten Prosciutto di Parma machen die Hersteller Golfera, Pedrazzoli oder Citterio. Die Produkte werden sowohl über den Fachhandel als auch die gängigen Supermärkte vertrieben.

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COPPA Yippe-Ya-Yay, Schweinenacken. Das Beste kommt zum Schluss. Coppa ist das, was beim Schwein früher der Nacken war. Der einzige Unterschied, abgesehen vom Platz im Körper, zu Schinken, Speck und Co. ist, dass der Coppa erst einmal in einen Darm und in ein Netz kommt. Dann wird er zunächst gepökelt, dann luftgetrocknet und verliert dabei etwas weniger als die Hälfte seines Gewichts. Wenn er länger gelagert wird, kommt er in weißweingetränkte Tücher, um ein weiteres Austrocknen zu verhindern. Guten Coppa gibt es mittlerweile von vielen Salumieri. Den richtig geilen Stoff gibt es am Hof von Isabell und Christoph Wiesner. Erstens, weil das Fett atemberaubend ist, zweitens, weil der Coppa länger hängt und damit zur scharfgemachten Umami-Bombe wird.

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STRASSERGUT KOCHT GUT

REINANKE IM GLAS TEXT UND BILD

Sven Strasser

Strassergut kocht gut. Ab jetzt auch im biorama. Gerichte mit Produkten, die nicht jeden Tag auf dem Teller landen, aber nachkochbar sind, sollen es werden. Das erste: in Gewürzsalz gegartes Reinankenfilet mit Artischocken-Zitronenverbene-Salat und Beurre Blanc »Special«.

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oregonus vulgo Reinanken, Felchen, Renken oder Maränen sind in den tiefen Seen der Voralpen anzutreffen. Ihr hoher Anspruch an die Wasserqualität lässt die Bestände in den heimischen Seen oft schwanken. Daher hat jeder See individuelle Schonzeiten, angepasst an die Laichperioden der Fische. Die zu den Salmoniden zählenden Fische sind meist von Mai bis Oktober als Filet, sauer eingelegt oder als Steckerlfisch zu erwerben. Heimische Bioreinanken sind in Österreich nicht erhältlich, da die Fische für Aquakultur schlecht bis gar nicht geeignet sind. Die angebotenen Fische werden von Fischern mit Netzen aus den klaren Seen in Tiefen von 50 bis 60 Metern gezogen. Die Fangmen-

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ge ist überschaubar, wobei das Thema Nachhaltigkeit äußerst wichtig für die Fischer ist. Sie fangen nur die Menge, welche im Folgejahr »nachwächst«. So wurden etwa 2017 aus den Gewässern des Salzkammerguts circa vier Tonnen Reinanken gefischt. Auch in den deutschen Seen werden die Felchen nachhaltig befischt und die Bestände penibelst kontrolliert. Fische aus Aquakultur kommen zumeist aus Dänemark und den Niederlanden. Reinanken sind ausgesprochene Delikatessen. Ihr festes und gleichzeitig zartes Fleisch ist fettarm, was man bei der Zubereitung beachten sollte. Bei der hier vorgestellten Garmethode bleibt das Filet schön saftig und der Eigengeschmack erhalten.

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REINANKENFILET AUF GEWÜRZSALZ GEGART (Rezept für 4 Personen) × 4 Bügelgläser, mittlere Größe oder 1 gläserne Auflaufform mit Deckel, etwas Olivenöl × 4 Reinanken (küchenfertig), × 400 g Meersalz (grob) × 2 Eiklar × 1 TL Wermutkraut (gehackt) × 1 TL Bronzefenchel (gehackt) × 1 TL Zitronenverbene (gehackt) × 1 TL Liebstöckel (gehackt) × 1 Zitrone (unbehandelt) Die Köpfe der küchenfertigen Reinanken mit einem scharfen, schlanken Messer direkt neben den Kiemen abtrennen. Das Messer an der Rückengräte ansetzen und circa 2-3 cm tief einschneiden. Den Schnitt bis zum Schwanz weiterführen und so das Filet von den Gräten herausschneiden. Mit einer Pinzette die Mittelgräten zupfen. Bügelgläser circa 6 cm hoch mit etwas Olivenöl einpinseln. Eiklar zu Schnee schlagen und mit dem groben Meersalz und den Kräutern vermengen. Gewürzsalz etwa 4 cm hoch in jedes Bügelglas füllen, Deckel schließen und für 12 Minuten im vorgeheizten Backrohr bei 180° C erhitzen. Die Reinankenfilets mit einem Hauch Zitronensaft beträufeln und jeweils zwei Teile des Filets in ein Bügelglas setzen. Deckel verschließen und je nach Stärke des Filets 3-5 Minuten gar ziehen lassen. Beim Öffnen des Glases entströmen die herrlichen Aromen und fördern die Lust am Schlemmen dieses saftigen, aromatischen Leckerbissens.

FÜR DEN ARTISCHOCKENSALAT: × 6 Artischocken × Kochwasser: 1 Biozitrone, 2 Lorbeerblätter, 1 Zehe Knoblauch, 1 EL Koriandersamen, 2 TL Zucker, Salz × Dressing: 1 Schalotte, 2 EL Weißweinessig, 5 EL Distelöl, 2cl Orangensaft, 3 EL Zitronenverbene (geschnitten), 1 EL Petersilie (gehackt), Salz, Pfeffer × Garnitur: 2 EL Sonnenblumenkerne (geröstet) Die Artischocken in Salzwasser mit Zitrone und Gewürzen etwa 18-20 Minuten gar kochen. Blätter entfernen und die Böden zuputzen. Artischockenböden hauchdünn aufschneiden. Schalotten fein würfeln und mit den restlichen Zutaten zu einem Dressing verrühren. Artischocken in der Marinade 15 Minuten marinieren, danach mit den Sonnenblumenkernen bestreut zum Fisch servieren.

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BEURRE BLANC »SPECIAL« × 1 Schalotte (gewürfelt) × 1 EL Olivenöl × 6 cl Wermut × 150 g Butterwürfel (eiskalt) × Salz, Cayenne, Pfeffer × 150 ml Fischfond Rezept für den Fischfond auf:

.EU / REZEPTE

Schalottenwürfel in Olivenöl anschwitzen und mit Wermut ablöschen, einkochen lassen und mit Fond aufgießen. Kurz köcheln lassen. Die eiskalten Butterwürfel mit einem Stabmixer unterrühren und mit Salz, Pfeffer und Cayenne abschmecken. Soße warmstellen.

Empfehlungen für frische Reinanken im August Reinanken / Felchen: Fischerei Scheichl, Jeritzastraße 90 4866 Unterach am Attersee Tel: +43 7665 8336 Seefischerei Brugger, Dellach am Millstätter See 6 9872 Millstatt am See Tel: +43 4766 2902 In Deutschland online bestellen: chiemseefische.de/shop Artischocken: Theuringer Artischocken Altes Dorf 31 2281 Raasdorf Tel: +43 2249 89206

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ELTERNALLTAG

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TEXT Ursel Nendzig

KINDER, MUSS DAS SEIN? Wir Frauen von heute, wir können uns ja auch gegen Kinder entscheiden! Nur: Wir müssen uns auch ganz bewusst dafür entscheiden. Oder man trinkt sehr viel Rotwein, so wie ich.

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s ist ja so: Ich wollte eigentlich keine Kinder. Oder besser: Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, ob ich in einer fernen, unbestimmten Zukunft, in einem anderen Leben, als eine andere, reifere, seriöse Person gar auf dem Krankenkassen-Ultravielleicht einmal Kinder haben werden wollen könschall-Gerät ein echtes Baby zu senen würde. Im Moment hatte ich, damals, vor tauhen war, als alle informiert und alles send Leben, einfach keinen akuten Kinderwunsch. irgendwie sortiert war, wuchs ich rein, Ich fand Kinder immer okay, nicht besonders toll, wurde ruhiger, freute ich mich. und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Mir sind nie Bis heute denke ich mir: Boah, die Kinder, Malhefte und Spielzeuge schwingend, wenn mir diese Schwangerschaft nicht entgegengelaufen. Wenn ich mich zu einem Kind passiert wäre, wahrscheinlich wäre ich hinunterbeugte, ja-hallo-wer-bist-denn-du, dann heute noch kinderlos. Es spricht einfach haben sich Kinder jedes Mal ängstlich an die Beiso wenig dafür! Diese Entscheidung zu ne ihrer Eltern geklammert und manchmal sotreffen, so, jetzt bin ich so weit, ich will gar zu weinen begonnen. Wenn ich genau darüber nachdenke, das ist bis heute so. Nun kam es zu jenem schicksalhaften Abend, an dem ich einige Gläser Rotwein zu viel trank und ein ein Kind: Wie mutig ist das denn, bitte!? Sepaar Wochen später in der zitternden Hand henden Auges in dieses Abenteuer zu gehen, einen Schwangerschaftstest, in der anderen das hätte ich mich vermutlich nicht getraut. meine letzte Zigarette hielt. Ich war nicht Viele der Zweifel, die mich plagten, sind aumehr allein. Und würde es nie wieder sein. ßerdem ja total berechtigt. Nein, ich bin nicht Die nächsten Wochen waren durchimmer in der Lage, die Mutter zu sein, die ich wachsen. Und daran waren sicher nicht eigentlich gern wäre. Nein, ich werfe auch hin der Wein- und Zigarettenentzug schuld, und wieder einen ranzigen Müsliriegel in die sondern die Zweifel, die mich überfielen: Schultasche, weil ich nicht bis Montagmorgen Ist so jemand wie ich überhaupt in der den Brotverbrauch vorausplanen kann. Ja, Lage, eine echte Mutter zu sein? Werdie Postkarten sind verschwunden, zude ich es schaffen, jeden Tag eine Jaumindest die schmutzigen. Und ich bin se herzurichten? Müsste man nicht tatsächlich nicht mehr so oft wie früeigentlich die ekligen Postkarten her auf Partys – es macht mir aber von der Klowand abhängen, falls nichts aus, weil die wenigen Partys daeine andere Mutter aus eifür so viel besser sind. nem erwachsenen Haushalt Trotzdem kann ich vermelden: zu Besuch kommt? WerEs lohnt sich, den Zweifeln zu trotde ich jemals wieder auf zen, die Angst zu überwinden, weil eine Party gehen? ArbeiAutorin Ursel NendKinder einfach großartig sind – obten? Wochen, in denen ich zig, Mutter zweier wohl die Mutter nur so mittel ist. ständig nervös war. Erst als Söhne, berichtet live Oder vielleicht gerade deshalb. der Bauch dick war, als soaus der Achterbahn.

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ILLUSTRATION Nana Mandl

»So, jetzt bin ich so weit, ich will ein Kind: Wie mutig ist das denn, bitte!?«

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V o n Kathi Klaudel in Bio-Family Die ersten M o rgens tunden sind f ür die m eisten M enschen die stressigs ten des ges am ten T ages . Alles m uss schnell gehen. Alles ist eine einzige Hetzja gd durch Küche , Bad und Schla f zim m er, bis m an vö llig aus der Pus te im Auto o der der Bahn sitzt und zur Arbeit f ä hrt. Da s w ar bei m ir f rüher ä hnlich. M ehr no ch – m eine Eltern sind bis heute der f esten Ü berzeugung ich sei ein M o rgenm uf f el. N ix da! Da nk m einer selbstgewä hlten M o rg enro utine genieße ich die ersten Stunden des neuen T ages m ittlerweile in vo llen Z ügen. Die einzelnen Elem ente daf ür , habe ich aus der Achts am keitslehre, dem Ayurveda und m einem geliebten Y o ga gekla ut.

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