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Deutschland: 2,70 € – Ausgabe 31 – Juli / August – www.biorama.eu

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À la mode – Fashion Issue Im Fluss: Baden abseits von Freibad und Baggersee Tiny Houses: Platz ist in der kleinsten Hütte  Haselherz: Bio-Start-up im Zeichen der Haselnuss

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Biorama Nº. 31

auftakt

04 07 Editorial 08  Global Village Die Welt im Großen & Kleinen

inhalt

Schwerpunkt: Eco-Fashion

18 Eco-Fashion zieht an  Vier Pioniere und ihre zukunfts- fähgien Konzepte 24 Fair tragen Welches Siegel garantiert was? 26 Wann wurde unsere Mode eigentlich unfair? Von Slow Fashion zu Fast Fashion und wieder zurück 28 Baby ganz in Bio Was ziehen die Kleinen an? 32 Let My People Go Surfing Eco-Fashion für den Sommer

Magazin 38 Sprichst du Rad? Eine Dechiffrierungsanleitung für gängige Fahrradtypen 45 Westafrika bunt und hautnah Die Graphic Novel »Aya« 49 biorama Wildlife Unser neues Special für alles rund ums Draußensein, Flora und Fauna, Natur und Abenteuer in der Umgebung, Wandern und Wildnis – auf 26 Seiten! 80 Platz ist in der kleinsten Hütte Das Tiny-House-Movement 86 Eine auf die Nuss Das Bio-Start-up Haselherz

Marktplatz

foto Su Noya

18 eco-fashion zieht an Faire, sozial verträgliche, nach ökologischen Kriterien hergestellte Mode ist inzwischen viel mehr als ein Trend. Nachhaltige Mode wird jetzt erwachsen und auf den Prüfstand ihrer Umsetzbarkeit gestellt. Wir sprachen mit vier Experten über Trends, die für die Zukunft gewappnet sind, liefern einen Überblick über Öko-Mode-Siegel und – unsere Models waren surfen! 

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90 Der Schatz vom Birnbaum Eine kulinarische Renaissance 76 DIY-Rezept Beerige Beerentörtchen 80 Sturm und Drang Alles für die jugendliche Haut

Kolumnen 42 Die Welt, die wir uns wünschen 78 Elternalltag 85 Glasgeflüster 98 Und hinter mir die Sintflut

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Kulturelles von Nischen bis Pop

poolbar 04.07. 17.08.14 F E S T I VA L / F E L D K I R C H A LT E S H A L L E N B A D & R E IC H E N F E L D pA R K

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HIM The Dandy Warhols Maximo Park

49 jetzt wird’s wild Nennen wir es ein Mission Statement. Weil nicht nur das biorama-Team gern draußen aktiv ist, sondern unsere Leser-Umfrage ergeben hat, dass auch ihr das gerne tut, widmen wir uns fortan mehr oder weniger regelmäßig dem Thema »Wildlife«. Diesmal gibt’s Flusswandern in Vorarlberg, alles rund um die Gelse, Tipps für die Pilzsuche und vieles mehr – ab Seite 49.

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poolbar auf der Wiese Open Air 18. 19.08.14 Booka Shade Live Cody ChesnuTT Shout Out Louds Bonaparte u.v.a. Gilles Peterson´s Sonzeira Anna Calvi The Subways Fink William Fitzsimmons Irie Révoltés Bilderbuch Gerard Sofa Surfers feat. poolbar/generator The Hidden Cameras DENA Ja,Panik 5/8erl in Ehr´n The Real McKenzies Steaming Satellites Wallis Bird WhoMadeWho Gin Ga Yasmo Fuzzman u.v.a.

16 meine stadt: tallinn Fotograf Fabian Weiß zeigt uns seine Lieblingsplätze und Eco-Hotspots der estnischen Hauptstadt – von feinen Sandstränden bis zum »umgekehrten Lebensmittelbus«.

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eine auf die nuss Zwischen Döner-Stände und Gemüseläden bringt Ebru Erkunt mit ihrem Haselnussmus »Haselherz« eine etwas andere türkische Tradition nach Deutschland.

Danke für die Förderung: Feldkirch, Vorarlberg, BKA.Kunst, AKM

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editorial, impressum

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Richtig Sommer!

K

Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu @th_weber Facebook “f ” Logo

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Es war uns ein Fest! Ein Craft Bier Fest nämlich. Von 16. bis 18. Mai stand Wien im Zeichen handwerklich gebrauter Biere, viele davon in Bio-Qualität, allesamt köstlich. Danke an jeden einzelnen der insgesamt 4.000 Besucher, Danke an alle Aussteller, Braumeister, die Pub-Crawl-Guides, die Vortragenden und Danke an die Helfer vor und hinter den Kulissen. Craft Bier Fest Wien is back in November!

impressum HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTEURIN Johanna Stögmüller AUTOREN Mirjam Bromundt, Sylvia Buchacher, Claas Berg, Anne Erwand, Juliane Fischer, Doris Fröhlich, Thomas Friedrich, Miriam Frühstück, Tina Gallach, Yannick Gotthardt, Katharina Grabner, Christa Grünberg, Susanna Hagen, Micky Klemsch, Franz Knipp, Gabriele Kovacs, Sarah Krobath, Astrid Kuffner, Merle Mittenzwei, Martin Mühl, Ursel Nendzig, Dannie Quilitzsch, Sebastian Rahs, Theres Rathmanner, Parvin Razavi, Werner Reiter, Teresa Reiter, Matthias Schickhofer, Jürgen Schmücking, Mara Simperler, Wolfgang Smejkal, Sarah Stamatiou, Thomas Stollenwerk, Werner Sturmberger, Fabian Weiß, Katharina Wiesler, Fredericke Winkler, Jörg Wipplinger PRAKTIKUM Ines Holzmüller, Lena Nagler COVERBILD Björn Lexius für Aluc – Upcycling Fashion aus Berlin FOTOGRAFIE Elisabeth Els, Arnold Pöschl, Darko Todorovic ILLUSTRATIONEN Sarah Egbert Eiersholt, Georg Nejeschleba GESTALTUNG Elisabeth Els, Annemarie Sauerbier, Thomas Wieflingseder LEKTORAT Wolfgang Smejkal, Adalbert Gratzer ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Wolfgang Hoffer, Micky Klemsch (Leitung), David Kreytenberg (Deutschland), Thomas Weber WEB Super-Fi, m-otion DRUCK Druckerei Lokay e. K., Königsberger Str. 3, 64354 Reinheim PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Biorama GmbH, Favoritenstraße 4–6 / III, 1040 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl LEITUNG BÜRO DEUTSCHLAND Dannie Quilitzsch KONTAKT Biorama GmbH, Favoritenstraße 4–6 / III, 1040 Wien; Tel. +43 1 9076766; www.biorama.eu, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT siehe Website: www.biorama.eu ERSCHEINUNGSWEISE 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien VERLAGSPOSTAMT 1040 Wien

BLATTLINIE Biorama ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für Mensch und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Biorama erscheint sechsmal im Jahr.

foto Michael Winkelmann, Daniel Schalhas

aum rückt der Sommer ins Land, kommt Wasser ins Spiel. Das war vor genau einem Jahr so, als wir der bedrohten Ressource einen Schwerpunkt widmeten. Das ist auch heuer so, wo uns in dieser Ausgabe gleich zwei Fotostrecken ans Wasser führen: Einmal gehen wir surfen – Arnold Pöschl und Sebastian Rahs haben für uns Surf-Mode am Donau-Altarm in Szene gesetzt. Ein paar Seiten weiter gehen wir mit Fotograf Darko Todorovic Flussbaden, im kalten klaren Wasser eines Vorarlberger Bergflusses. Nehmt beide Fotostrecken als Inspiration und Beweis dafür, dass sich ein gelungener Sommer nicht unbedingt in die Ferne abspielen muss. Entspannung, Lagerfeuer, ein gutes Buch, Teiche, Baggerlöcher und Flussufer – all das gibt es in unmittelbarer Nähe auch. Fast ins Wasser gefallen wäre die Premiere unseres Craft Bier-Fests. Noch am Tag davor hatten wir überlegt, die Sache wegen der anhaltenden Sturm- und Regenfront abzublasen. Dann aber kamen trotz Sauwetter – es regnete an allen drei Tagen – 4.000 Besucher an den Wiener Donaukanal. Was für ein Wochenende! Ein Dacapo wird es folglich noch im November geben. Besseres Wetter erhoffen wir uns trotzdem für die bevorstehende biorama Fair Fair. Besonderheiten aus Mode und Design, biologische Köstlichkeiten und ein umfassendes Kinder- und Rahmenprogramm rechtfertigen jedenfalls, dass ihr vom 11. bis 13. Juli im Wiener MuseumsQuartier und auf www.fairfair.at vorbeischaut. Die bislang spannendste Veranstaltung des heurigen Frühjahrs sei abschließend erwähnt. Nicht nur, weil die »Erdgespräche« alle Jahre wieder inspirieren und als Nachhaltigkeits-Event mittlerweile auch international ihresgleichen suchen. Allem Weitblick zum Trotz verleihen einem die Gesprächsrunden immer wieder die nötige Bodenhaftung. Und sei’s nur durch treffende Vergleiche wie jenen von boku-Wissenschafter Franz Fehr, der meinte: »Konventionelle Landwirtschaft ist wie unentwegtes Red-Bull-Trinken gegen Müdigkeit, anstatt zwischendurch zu schlafen«. Den Spruch haben wir uns hiermit ins Stammbuch geschrieben. Schönen Sommer (mit vielen Siestas)! 

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bild der ausgabe

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09 Fahrrad-Aktionismus

Er steht drauf

Text Ines Holzmüller bild Elena Muti

Bei einer Fahrradtour im Jahr 2012 verspürt Stefan Draschan aus Berlin plötzlich diesen Drang: »Ich muss einfach auf das Dach rauf!« Er klettert mitsamt seinem Fahrrad auf ein altes Autowrack. Seitdem erobert er immer mehr Orte mit seinem zweirädrigen Kollegen, er steht auf einem Flugzeug, badet im Meer, erklimmt ein Denkmal oder eben einen Zug – alles ohne Hilfsmittel, aber mit Rad. »Sehe ich ein interessantes Objekt, folge ich einem inneren Zwang«, erklärte er kürzlich in einem Interview. Indem er Orte befährt, die man mit einem Auto niemals erreichen könnte, will er das Radfahren promoten und Autos »besiegen«. »Ich wünsche mir, dass die Städte in den nächsten 20 Jahren lebenswerter werden.« Die Fotos seiner Aktionen postet er regelmäßig auf seinem Blog: bicycle-culture.tumblr.com

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global village

online c o n t e n t s

Kunsthaus Graz

Auch auf www.biorama.eu gibt es Interessantes zu entdecken. Hier eine Auswahl aktueller Interviews, Artikel und Videos unserer Online-Dependance:

Geheimnis Holz Vom Dachwerk zum Mountainbike

05. 04. 2014 –31. 10. 2015 1

Schlossplatz 1, 8510 Stainz April bis Oktober: Di–So 10-17 Uhr www.museum-joanneum.at

Milch ist ein Lebensmittel mit viel zu gutem Ruf. Zu Recht? Wir liefern fünf Argumente gegen Milch. www.biorama.eu/milch

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Holztor, St. Nikolai im Sölktal, Foto: KH. Wirnsberger

Immer mehr Lebensmittelgeschäfte widmen sich einem neuen Konzept: dem Precycling. Was bedeutet das? www.biorama.eu/precycling

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3 Die Initiative »Mutter Erde braucht dich« will Bewusstsein für Ökologie schaffen. Das Interview zur Kampagne: www.biorama.eu/mutter-erde

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11 street talk Wir fragen, fünf Kleiderträger antworten.

Elena 14, Schülerin

Sabrina 14, Schülerin

»Nein.«

»Ich habe eigentlich noch nie darauf geschaut. Der Schnitt muss passen.«

Wirf nicht weg die alten Kleider, bevor du neue hast vom Schneider. Stimme aus dem Off

Nayome 27, Modedesignerin »Sehr, sehr wichtig. Ich arbeite für Anukoo, ein Fair-Trade-Label, deshalb trage ich auch viele Sachen, die ich selbst gemacht habe.«

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Thomas 27, Student

Nadine 24, Köchin

»Teilweise schon, ich kaufe sicher nicht nur die billigsten Sachen, wo ich weiß, das kommt aus Taiwan, sondern ich schaue schon darauf, wo es herkommt.«

»Ich mache mir nicht so viele Gedanken, aber vielleicht sollte ich. Ich schaue halt auch oft auf den Preis und ob das Preis-LeistungsVerhältnis stimmt.«

links bild flickr.com/kadluba – CC BY-SA 2.0, gato-gato-gato – CC BY-NC-ND 2.0 rechts Interview und bild Ines Holzmüller, Lena Nagler

»Ist es dir wichtig, wie und wo deine Kleidung produziert wird?«

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global village

Green IT

Smartphone modular

Nachhaltig orientierte Smartphone-Nutzer sind von aktuellen Spitzenmodellen enttäuscht: Selbst der Tausch des Akkus erfordert den Weg in die Werkstatt. Ein Upgrade einzelner Funktionen ist gar nicht vorgesehen. Das möchte Google mit dem Projekt Ara lösen: Sämtliche Funktionen eines Smartphones sind in kleinen Modulen untergebracht, die auf einem Trägerskelett aufgesteckt werden. Ist ein Teil kaputt oder erfüllt nicht mehr die Benutzerwünsche, wird nur dieses eine Teil getauscht. Die Herstellung dieser Module wird durch ein für Jeden zugängliches Entwicklungswerkzeug unterstützt. Ganz neu ist die Idee nicht. Phonebloks erreichte mit der Idee des modularen Telefons eine breite Öffentlichkeit, verbunden mit dem Ziel der Reduktion des Elektronikmülls. Sowohl das Projekt bei Google als auch Fairphone sind Partner von Phonebloks, sodass ein modulares, nachhaltiges und fair produziertes Telefon in gar nicht so weiter Ferne scheint. www.projectara.com www.phonebloks.com

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text Franz Knipp bild Google Austria GmbH

Google möchte den Aufbau der mobilen Geräte revolutionieren und stellt das Projekt »Ara« vor. Austauschbare Einzelteile, längere Haltbarkeit?

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Bettervest, einer der Finalisten des aktuellen Startup Votings.

Stimme für die beste Idee

text Franz Knipp bild Google Austria GmbH

Gemeinsam mit der Triodos Bank hat biorama das »Social Startup Voting« gestartet. Jetzt entscheiden die Leser, wer gewinnt! Der Gedanke wird zur Idee und die Idee wird zum Projekt – und da braucht es manchmal auch ein bisschen finanzielle Unterstützung. biorama und die Triodos Bank helfen jetzt dabei: Mit dem Social Startup Voting können wir ganz gezielt angehende Sozialunternehmer bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützen. Jeder, der eine innovative Idee zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems hat, kann sich für die Fördersumme von 2.000 Euro bewerben. Die erste Runde des Social Startup Votings ist jetzt auch schon geschlagen und unter zahlreichen spannenden Einsendungen hat die Experten-Jury drei Projekte ausgewählt – und nun seid ihr gefragt: Auf der biorama Facebook-Page könnt ihr bis 15. Juli für die drei Finalisten – das sind Ecotastic, Foodloop und Bettervest – voten und damit entscheiden, welches Projekt die Fördersumme von 2.000 Euro bekommen soll. Wir drücken allen teilnehmenden Projekten die Daumen! www.biorama.eu/socialbusiness

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6 ausgaben biorama + Buch »Umweltgeschichte: Ein Plädoyer für Rücksicht und Weitsicht« um 23,– Euro* Verena Winiwarter, Wissenschaftlerin des Jahres 2013, und Hans-Rudolf Bork liefern mit diesem Buch »Ein Plädoyer für Nachhaltigkeit«. Umweltgeschichte untersucht die Ursachen und Folgen langfristiger Entwicklungen in der Vergangenheit. Aus diesem Wissen sind die Unsicherheiten, möglichen Nebenwirkungen und unerwarteten Synergien in der Zukunft abzuleiten. Einsicht, Umsicht, Voraussicht, Rücksicht auf Natur und Menschen, aber auch Zuversicht sind nötig, um die umfassende gesellschaftliche Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu bewerkstelligen.

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* solange der Vorrat reicht

social startup voting

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Städte entdecken

Radelnd reisen Der nächste Städtetrip kann kommen! Eine Reihe mit acht praktischen Führern macht Lust, europäische Metropolen via Drahtesel zu erobern. Amsterdam, Antwerpen und Gent, Barcelona, Berlin, Kopenhagen, London, Mailand und Paris – die kleinen (englischsprachigen) Reise-Guides ermöglichen es, diese acht europäischen Städte vom Radsattel aus zu erkunden. Vorgestellt werden Fahrradwege, Insidertipps und Cafés, außerdem wird das das nötige Rad-Knowhow mitgeliefert, um sich in der jeweiligen Metropole zurechtzufinden. Das Beste daran: Die kleinen Bücher passen perfekt in jede Jackentasche! Aufgeteilt in einzelne Stadtteile hat man die Möglichkeit, sich im eigenen Tempo einen ��berblick zu verschaffen. Also, wer (diesen Sommer?) Lust auf europäische Hauptstädte hat, aber auf volle Metros, Tubes und Trams verzichten möchte – »City Cycling Europe« von Andrew Edwards und Max Leonard gibt’s einzeln für jede Stadt oder in der hübschen Sammelbox und ist bei Thames & Hudson / Rapha erschienen.

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Lesestoff

Wie man die Welt verändert … zeigt das Buch »Agents Of Alternatives«. Der Fokus liegt dabei auf kreativen Methoden, die soziale Veränderungen bewirken.

www.agentsofalternatives.com

stadtarchitektur

Da wächst was Ein Gebäude, das zu 100 % aus organischen Stoffen besteht, spendet den Bewohnern New Yorks in diesem Sommer Schatten. »Hy-Fi« nennt sich das Projekt von David Benjamin und seine Vision des umweltfreundlichen Wolkenkratzers wurde vom Museum of Modern Art (MoMA) als Gewinner des Young Architects Program 2014 ausgezeichnet. Die Struktur des Turms besteht aus organischem Baumaterial, einem Gemisch aus Getreidestängeln und Pilzwurzeln. Das Start-up Ecovative liefert das nötige Know-how. Die aus Tageslichtspiegelfolie produzierten Ziegel sind an der Spitze plaziert, wo sie Sonnenstrahlen in die Tiefe des Gebäudes werfen und dafür sorgen, dass die organischen Ziegel unten weiterwachsen. Das Tolle daran: Hy-Fi produziert weder Müll, braucht keinerlei Energie und hat keinen Einfluss auf die CO2-Werte unserer Atmosphäre. Außerdem ist das Gebäude kompostierbar und kann als natürlicher Dünger benutzt werden. Könnte so vielleicht die Stadt der Zukunft aussehen?

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links TEXT Lena Nagler bild Elisabeth Els — RECHTS TEXT Lena Nagler, Ines Holzmüller bild MoMA, Agents of Alternatives

Wer sich für inklusives und offenes Gestalten interessiert, dem sei dieses Buch empfohlen. Egal ob professionelle Designerin oder interessierter Bürger, durch seine stark grafisch orientierte Auseinandersetzung mit kreativen Prozessen und Design-Werkzeugen will »Agents Of Alternatives« alle Leser ermuntern, aktiv zu werden und positive Veränderungen in der Welt anzustoßen. In Essays, Interviews und Fallstudien von über 60 Autoren werden die unterschiedlichsten Projekte aus der ganzen Welt vorgestellt. Ob Reparatur-Café, Tauschbörse oder Designwerkstätte, die Inspirationen sind zahlreich, der Appell aber ist immer derselbe: Bitte nachmachen! Die ersten 500 Exemplare können jetzt vorbestellt werden. Wer zum Buch beitragen möchte, kann weitere spannende Projekte vorschlagen oder eine Seite sponsern, dann kommt man sogar persönlich zu Wort.

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Meine Stadt

MEINE STADT: Tallinn

von Fabian WeiSS

MEINE Lieblingsplätze UND Eco-HotSpots

Fabian Weiß (geboren 1986) ist freischaffender Fotograf für internationale Publikationen. Derzeit lebt er vor allem in Tallinn (Estland) und arbeitet hauptsächlich in Osteuropa und weiter östlich. Der Dokumentarfotograf hat die kleine baltische Hauptstadt auf den biologischen Prüfstand gestellt und verrät seine Lieblingsplätze. www.fabianweiss.com

stroomi strand Der Stroomi Strand (Kolde puiestee) eignet sich vorzüglich für einen abendlichen Spaziergang oder im Sommer zum Schwimmen. Abseits des Trubels kann man hier gemütlich entlang kleiner Dünen schlendern und die letzten Sonnenstrahlen der Hafenstadt sowie einen der feinsten Sandstrände des Baltikums genießen.

tagurpidi lavka Früher fuhren die Verkäufer mit ihren Lebensmittelbussen in die kleinen, weit verstreuten Dörfer Estlands, heute ist es umgekehrt. Der Tagurpidi Lavka (in etwa »Umgekehrter Lebensmittelbus«) liefert zweimal wöchentlich Nahrungsmittel verschiedener Bauern vom Land in die Stadt. Typisch estnisch kann man die Biowaren natürlich online bestellen (www.tagurpidilavka.ee) und sich stressfrei liefern lassen oder abholen (montags und donnerstags in Telliskivi 57).

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mahemarket Die größte Auswahl an natürlichen und biologischen Produkten im Baltikum findet man im Mahemarket (Mustamäe tee 3a und Herne 6). Viele Lebensmittel werden zwar noch aus dem deutschsprachigen Raum importiert, jedoch gibt es auch immer mehr lokale Hersteller und Start-ups, die den Trend zu biologischer Kost aufgreifen. Im zweiten Stock gibt es auch ein kleines Café, in dem man Rohkost und veganes Essen serviert bekommt. www.facebook.com/mahemarket

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...aus gutem Grund Kennen Sie Bulgur aus lebendigem Korn? Probieren Sie!

café nop Das Café Nop (Köleri 1, geöffnet täglich 8 bis 21 Uhr) liegt in einer ruhigen Seitenstraße des angesagten Viertels Kadriorg unweit der Altstadt. Die alten, bunten Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert geben dem Viertel seinen besonderen Charme. Und in eben so einem kann man in ruhiger Atmosphäre nicht nur einen der besten selbstgemachten Kuchen essen, sondern auch frischgepresste Säfte schlürfen und den eigenen Kühlschrank mit einer großen Auswahl biologischer Produkte aufstocken. www.blog.nop.ee

• Reine Getreidenahrung ohne Zusätze • Erhältlich in den Sorten Dinkel, Hartweizen, Gerste und Buchweizen • aus biologisch-dynamischen Anbau telliskivi loomelinnak Telliskivi Loomelinnak (Telliskivi Creative City, Telliskivi 60A, geöffnet Montag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr) ist das Herzstück des Vorzeigeprojekts, das das Viertel Kalamaja (»Fischhaus«) nahe des Hafens zu neuem Leben erwecken will. Hier treffen sich die hippen und kreativen Leute Tallinns unter der Woche in den zahlreichen Cafés, Restaurants und Bioläden und am Wochenende zu Partys und dem allwöchentlichen Flohmarkt am Samstag von 10 bis 16 Uhr. www.telliskivi.eu

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Sind Sie interessiert an Produktproben? Gerne schicken wir Ihnen Proben, Informationen und Rezepte zu. ErdmannHAUSER Getreideprodukte GmbH Robert-Bosch-Straße 17 · 71729 Erdmannhausen Tel. 07144/ 89 64 0 · info@erdmannhauser.de

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Eco-Fashion-Trends

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text

Fredericke Winkler

bild

Rafael Poschmann

ECO-FAshioN Zieht An Nachhaltige Mode wird erwachsen und nun auf den Prüfstand ihrer Umsetzbarkeit gestellt. Wir sprechen mit vier Experten über Trends, die für die Zukunft gewappnet sind.

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iskussionen über ökofaire Mode können ermüdend sein. Denn Zweifler bringen immer wieder die gleichen Argumente vor: ein Trend, der von den Medien aufgeblasen ist, hinter dem aber nur eine kleine Nischeindustrie steckt; aufgrund des Aufwands nicht wachstumsfähig; Produkte viel zu teuer. Ganz ehrlich? Laut Zählung des renommierten Blogs gruenemode.de konzentrieren sich allein im deutschsprachigen Raum um die 70 Geschäfte auf nachhaltige Brands. Nicht zu beziffern sind jene, die sich gerade in der Umstellung befinden und jetzt schon ordentliche Teilsortimente anbieten. Das aktuell beste Ökosiegel gots wurde unterdessen an mehr als 3.000 Labels vergeben. Greenpeace International hat mit ihrer DetoxKampagne schon zahlreiche Major Brands bezüglich ihres Einsatzes von Toxinen in der Produktion auf den

Pott gesetzt, unter anderem Zara, Adidas und h&m. Es gibt kaum jemanden, dem das Desaster von Rana Plaza kein Begriff ist. Ist Eco-Fashion nur ein Nischenprodukt, gemessen an der dreckschleudernden, konventionellen Textilindustrie? So what! Der Trend wird zur Strömung. Aus der Wiege der Ökobewegung der 80er werden ihre Akteure selbstsicher und ihre Forderungen klarer. Vier Pioniere erzählen uns auf den folgenden Seiten ihre zukunftsfähigen Konzepte: Man nehme ungenutzte Rohstoffe wie etwa Müll und mache sie mit Geduld und Handarbeit nutzbar. Man entdecke einen genussvollen Lebensstil, indem man gezielt verzichtet. Man wertschätze die eigenen Ressourcen – auch die Arbeitskraft – und wachse behaglich weiter. Ein Wort noch an die Zweifler: Kommt Zeit, kommt Tat.

Genauso wie unser Cover-Boy trägt dieses Model ein Hemd aus Pre -Consumer-Waste von aluc.

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Eco-Fashion-Trends

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Concept Store mit gutem Gewissen: Deargoods in München.

So schön kann vegan sein biorama: Nicole, du hast im Jahr 2012 drei Stores für vegane Mode- und Lifestyle-Produkte eröffnet. Alle unter dem Namen Deargoods. Wie bist du darauf gekommen? nicole noli: Das mit der Mode war eher Zufall. Ich hatte vor, ein Geschäft mit veganen Lebensmitteln zu eröffnen. Und zwar aus der festen Überzeugung, dass Mensch, Tier und Umwelt eine Einheit bilden, die wir schützen müssen. Während meiner Recherche habe ich wunderschöne vegane Mode- und Lifestyle-Produkte entdeckt und mir wurde klar, dass man den Leuten mit diesen Produkten am ehesten das Fleisch vom Teller ziehen kann. Schöne Produkte, um Kunden einen veganen Lifestyle schmackhaft zu machen? Absolut. Und um Veganern Produkte anzubieten, die ökologisch und sozialverträglich produziert sind. Da greift man nämlich gerne mal auf umweltschädlichen Plastikmist zurück. Ich weiß noch, wie ich mir vor Jahren ein paar vegane Schuhe kaufte und später realisierte, dass ich gerade pures Erdöl an den Füßen trage. Ich möchte mit Deargoods Alternativen anbieten. Musst du deinen Kunden den Background deines Sortiments oft erklären? Ich schätze mal, dass die Hälfte weiß, was ökofaire Mode ist. Und etwa ein Drittel meiner Kunden lebt vegan oder ist zumindest affin. Trotzdem führen wir sehr viele Gespräche. Wir merken aber auch, dass vegane Produkte immer positiver aufgenommen werden. Zum Beispiel galt Kunstleder immer als minderwertig. Heute haben die Leute damit kein Problem mehr. Kann Kunstleder denn ökologisch sein? Ganz ohne Polyurethan geht es noch nicht, aber es hat sich technologisch schon viel getan. Taschen von Matt & Natt beispielsweise sind zu einem Großteil aus recyceltem Plastik. Eine bessere Ökobilanz als konventionelles Leder haben die allemal.

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Aber man wird in deinem Store nicht schief angeschaut, wenn man kein Veganer ist? Natürlich nicht. Ich betrachte den veganen Lebensstil als Richtlinie. In unserer heutigen Welt gibt es keine Notwendigkeit mehr, tierische Produkte zu konsumieren. Dennoch hat jeder seine Vorlieben. Ich liebe zum Beispiel Käse. Ganz ehrlich: ich esse ihn auch gerne mal. Aber ich ziehe eine ganz klare Grenze dann, wenn Tiere sterben oder leiden müssen. Das ist für mich absolut tabu.

Nicole Noli, Inhaberin Deargoods, www.deargoods.com

Nische für die Masse – Grüne Mainstream-Mode biorama: Outfitters of Change bietet massentaugliche grüne Mode für Männer an. Wie reagiert der Mainstream? diane gerth: Allgemein nimmt der Handel das Angebot dankbar an, man spürt das steigende Interesse an solchen Produkten. Dann überlegen sie, wie sie die Marke im Geschäft positionieren. Daher bieten wir ihnen Informationsaufsteller und Schulungen für das Verkaufspersonal an. Sie haben also mit OC eine erfolgversprechende Nische gefunden? In der Tat. Es gibt sehr viele junge Marken, aber wenig etablierte, die das mittlere Segment bedienen. Unser Angebot ist mit Marken wie Marc O’Polo und Tommy Hilfiger vergleichbar. Und wir können auch Services wie Shop-in-Shop-Lösungen anbieten. Was ist mit konventionellen Herstellern, die sich mehr und mehr mit der Umwelt- und Sozialverträglichkeit ihrer Waren auseinandersetzen? Es ist eine enorme Entwicklung im Gang. Vor zehn Jahren taten sich die meisten Unternehmen sehr schwer, weil ihnen das Thema zu komplex war. Heute ist es fester Bestandteil des Risikomanagements. Einige begin-

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nen, sich glaubwürdig zu involvieren, indem sie die Nähe zu ngos suchen. Dennoch haben wir mit unseren fünf Werten einen Vorsprung. Inwiefern? Weil die Marke von zwei starken Partnern entwickelt wurde. Zum einen die Remei AG, die 20 Jahre Erfahrung in der Produktion von nachhaltigen Garnen und Textilien hat. Wir bieten Komplettlösungen ab einer Menge von 300 Stück pro Modell an, haben dafür fünf Grundsätze: biologisch, fair, ökologisch, CO2-neutral und transparent. Daneben steht die Ragman Textilhandels GmbH, die viel Erfahrung im Vertrieb mitbringt. So konnten wir von Beginn an viel Know-how bündeln. Gegenüber anderen zahlt sich dieser Entwicklungsvorsprung also aus? Richtig. Viele kostenintensive Prozesse liegen schon hinter uns. Dennoch müssen auch wir ständig optimieren, uns Zeit für langfristige Planungen nehmen und immer den Mut haben, ausgetretene Pfade zu verlassen und Produktionsketten zu hinterfragen. Viele Händler behaupten, dass die Kunden diese Entwicklung nicht mittragen, weil sie die Preise nicht zahlen. Das eine bedingt das andere. Je mehr saubere Produkte angeboten werden, desto größer ist der Impuls an den Verbraucher. Mode wird immer Handarbeit sein. Ein einfaches T-Shirt sieht im Laufe seiner Entstehung um die 300 Hände. Es liegt an den Herstellern, dies wertzuschätzen und ihren Konsumenten zu vermitteln.

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KINO M I I JUN

Diane Gerth, Head of Sales Remei AG, www.oc-change.com / www.remei.ch

„Der Ursprung des Tango ist ein großes Missverständnis. Die Uruguayer und auch die Argentinier wollen ihn erfunden haben. Aber eigentlich entstand er im Osten Finnlands.“ AKI KAURISMÄKI

Grüne Mode für Männer: Outfitters of Change.

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Upcycling-Lösung zur Müllvermeidung

»Keep it slow« mit regionalen Kreisläufen biorama: Slowmo produziert in Deutschland: in Berlin, Sachsen, Thüringen und Baden Württemberg. Wie seid ihr dazu gekommen? melchior moss: Als meine Schwester und ich 2005 mit Slowmo anfingen, haben wir uns mehrere Produktionsstätten angesehen: in Polen, Rumänien, der Türkei und soziale Projekte in Afrika. Dann hätten wir aber immer mit einem Agenten arbeiten müssen, ohne selbst involviert zu sein. Das fühlte sich nicht richtig an. Am Ende haben wir einen sächsischen Produzenten beauftragt und es genossen, dass wir so nah dran waren. Ich war fast jeden Tag dort. Mit der Zeit haben wir mitbekommen, wie es um die Textilindustrie in Deutschland steht: Viele Produzenten sind insolvent geworden, weil ihre Aufträge zu klein und zu aufwendig waren. Sobald ein Hersteller größere Stückzahlen schreibt, verlegt er seine Produktion ins Ausland. Arbeitsplätze fallen weg und diejenigen, die übrig bleiben, sind auch hier oft ausbeuterisch. Als Auftraggeber konnten wir direkt mitmischen und Voraussetzungen für gute Arbeitsbedingungen schaffen. Welche weiteren Vorteile hat die regionale Produktion für euch? Dadurch, dass wir die Produktion aktiv mitgestalten, haben wir die Qualität besser in der Hand. Vor allem, weil wir mehr Zeit haben. Wir müssen weniger Barrieren überwinden, weniger Kilometer zurücklegen. Das macht uns flexibel. Nachteilig werden wohl die hohen Kosten sein? Ich weiß nicht, ob das ein Nachteil ist. Ich glaube vielmehr, dass der Standard zurechtgerückt werden muss. Natürlich könnte ich durch einen günstigeren Standort bis zu zwei Drittel der Kosten einsparen. Aber wofür? Erstrebenswerter ist für mich, dieses typische Pyramidensystem aufzubrechen, sodass jeder einen gerechten Teil abbekommt. Klar ist die Marge geringer. Unsere Preise müssen ja marktfähig sein. Aber wir verdienen genug für unseren Lebensstandard. Die Marge könnte sich durch steigende Ordermengen positiv verändern. Aber wie viel kann Slowmo mit Deutschland als Produktionsstandort wachsen? Da gibt es keine Grenzen, so lange wir langsam wachsen. Große Strukturen lassen sich partnerschaftlich wunderbar schaffen. Man darf nur nichts überstürzen. Ich glaube, dass in der fehlenden Zeit ein Kernproblem der Textilindustrie liegt. Wir halten es da lieber slow.

luise barsch: Es begann in London, als ich bei »From Somewhere« arbeitete. Dort lernte ich Arianna und Carina kennen und wir beschlossen, Upcycling in Deutschland stark zu machen. Also gingen wir 2009 nach Berlin, nahmen Jonathan mit ins Boot und gründeten das Label aluc. Wir machen Hemden aus Pre-ConsumerWaste. Aus alten Stoffmusterkollektionen und Reststücken, die wir von Textilfabriken in Europa kaufen. Viele Brands arbeiten mit abgetragener Kleidung, also Post-Consumer-Waste. Obwohl Upcycling schon lange praktiziert wird, merkt man gerade jetzt, wie der Trend wächst. Während die Textilindustrie in punkto Arbeitsbedingungen und Umweltschutz kritisiert wird, haben wir immerhin eine Lösung für das krasse Müllaufkommen. Kaum zu glauben aber, wie schwer wir an unsere Rohstoffe kommen. Unternehmen reden nicht gerne über ihren Abfall und für die Altkleidersortierer sind die Mengen zu klein. Die rechnen nur in Tonnen. Jetzt haben wir eine Kooperation mit der Berliner Stadtmission, die Altkleidung sammelt und an Obdachlose verteilt. Selbst die haben zu viele Spenden. So viel kann gar nicht verteilt werden. Über uns können dort jetzt Designer Altkleidung beziehen. Schön wäre es, so etwas mal in größerem Stil anzubieten. Dafür würden wir aber Lagerkapazitäten und finanzielle Mittel benötigen. Und eine Community. Daher haben wir den Stammtisch »Nach Strich und Faden« ins Leben gerufen, wo sich Interessierte monatlich treffen. Sobald die Infrastruktur stimmt, könnte Upcycling echt massentauglich sein: mit Pre-Consumer-Waste allemal. Den kann man besser konfektionieren. Aber auch bei Altkleidung geht mehr. Wenn man sich die Kleider des Labels Milch anschaut, die aus alten Herrenhosen genäht sind: Warum sollten die nicht in Masse produzierbar sein? Ich meine, natürlich steckt in Upcycling immer viel Handarbeit. Das macht das Produkt ja gerade so attraktiv. Der Wert ist so greifbar. Oft sieht man erst auf den zweiten Blick, dass man gerade ein Upcycling-Produkt in der Hand hält. Luise Barsch, Co-Gründerin aluc und Upcycling Fashion Store, www.upcycling-fashion.de / www.aluc.eu

Melchior Moss, Co-Gründer Slowmo, www.slowmo.eu

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Clean Clothes / Öko-Mode-Siegel

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DOKUMENTATION und INTERVIEW

Lena Nagler

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Clean Clothes

Leute machen Kleider

Clean Clothes ist eine europäische Kampagne, die sich für eine faire Textilindustrie einsetzt. Michaela Königshofer im Kurzinterview. biorama: Wie trägt eure Kampagne dazu bei, dass wir uns in der Welt der Eco-Fashion-Zertifizierungen besser auskennen? michaela Königshofer: In den letzten Jahren wurden viele Labels entwickelt, die Auskunft geben, wie und wo die jeweilige Textilie hergestellt wurde. Leider führt das auch dazu, dass das ganze Zertifizierungssystem sehr unübersichtlich geworden ist. Clean Clothes bietet auch einen sogenannten Label-Check, wo man sich als Konsument informieren kann, was hinter jedem einzelnen Gütesiegel steckt. Mehrere große Unternehmen wie z.B. h&m bieten nun auch Kollektionen, die auf fairen oder umweltfreundlichen Kriterien beruhen. Kaufe ich, wenn ich diese kaufe, fair?

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Ich denke, solche Kollektionen sind weit entfernt von optimal. Oft beschränken sie sich auf einen Schwerpunkt und geben eigentlich sehr wenig Information. Auf jeden Fall aber sind diese Linien besser als gar nichts. Wie wird die Welt der Textilindustrie, in Bezug auf Arbeitsbedingungen, in 20 Jahren aussehen? Ich würde mir wünschen, dass Unternehmen, die Menschenrechte missachten, mit Sanktionen rechnen müssen und es sich daher für keinen Konzern mehr lohnen wird, Menschen auszubeuten.

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Ökologisch und fair, geprüft und besiegelt Wie weiß man, ob Eco-Fashion überhaupt Eco-Fashion ist? biorama gibt einen kleinen Überblick über die gängigen Siegel für Textilien.

Öko-Tex Standard 100, Klasse 1 Der Öko-Tex Standard 100 garantiert die Sicherheit von Textilien und Farben für die menschliche Gesundheit und setzt sich für eine umweltfreundliche Produktion ein.

Soil Association Organic Standard Dieses Siegel steht für eine komplett biologische Herstellung und Verarbeitung.

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Fairtrade

Earth Positive

Dieses Siegel steht für die Einhaltung internationaler FairtradeRichtlinien im ökologischen als auch sozialen Sinn.

Earth Positive-Produkte werden nach den gots-, fwf- und ÖkoTex-Standards produziert. Außerdem steht das Siegel dafür, dass die Produkte umweltfreundlich verpackt und nie per Flugzeug transportiert werden.

Naturtextil IVN Zertifiziert BEST Dieses Siegel ist das Kennzeichen des internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft (ivn), ein Dachverband für rund 70 Unternehmen, die Richtlinien für die Produktion von Textilien erarbeitet haben. Die Zertifizierung steht für höchste ökologische und soziale Standards.

Global Organic Textil Standard (gots) Das gots-Siegel steht im Zeichen der Umwelt für einen Mindestanteil von 70 % biologischen Fasern, strengen Auflagen bezüglich Färbemitteln, nachhaltige Landwirtschaft und Abwasseraufbereitung. Die sozialen Standards des Siegels besagen freie Wahl der Beschäftigung, Vereinigungsfreiheit, keine Kinderarbeit, Zahlung von existenzsicheren Löhnen und feste Anstellungen. Jährlich werden von unabhängigen Zertifizierungsstellen Inspektionen bei den Betrieben und Produktionsstätten durchgeführt. Bei Auffälligkeiten finden stichprobenartige, unangekündigte Überprüfungen statt.

Fair Wear Foundation (FWF) Die Kriterien orientieren sich an den Standards der Internationalen Arbeiterorganisation und der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen und stehen für angemessene Arbeitszeiten und Entlohnung, Versammlungsfreiheit, keine Zwangs- und Kinderarbeit, sichere Arbeitsbedingungen sowie eine nachvollziehbare Herkunftsroute des jeweiligen Produkts. Jedes Modelabel, das mit dem Fair-WearSiegel ausgezeichnet ist, hat sich verpflichtet, seine Produzenten und Lieferanten selbst zu überprüfen, zusätzlich führt die fwf stichprobenartige Kontrollen durch.

EZA Das eza-Siegel besagt, das gekennzeichnete Produkte aus Baumwolle aus ökologischem Anbau produziert werden. Bei der Verarbeitung gelten die Grundsätze des fairen Handels: das Verbot von Kinderarbeit und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen.

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Faire Mode

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Thomas Stollenwerk

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Su Noya

Wann wurde unsere Mode eigentlich unfair? Bio, fair, lokal, nachhaltig – all diese Ansprüche könnte man an Textilien genauso stellen wie an Lebensmittel. Seit wann ist uns bei Mode soviel egal?

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evor man sich Kleidung genau angesehen hat, ist sie oft schon wieder weg. Mode ist heute verdammt schnelllebig. Zwölf Kollektionen im Jahr – für die großen und allgegenwärtigen Massenanbieter kein Problem. Fast Fashion nennt man die ständig wechselnden Kollektionen aus billigen Synthetik-Mischgeweben in der Branche. So wie Fast Food den Magen kurzzeitig füllt, lässt sich mit Fast Fashion der Kleiderschrank billig und wenig nachhaltig vollstopfen. Günstige Teile, die man nach dem ersten Tragen schon wieder vergessen hat, spontane Impulskäufe, Wegwerfmode, McFashion. Der Gegenentwurf dazu – Slow Fashion – soll den Kleiderschrank auf nachhaltige Weise füllen. Mit Recycling-Materialien, lokaler und fairer Produktion, hoher Qualität und Trendbeständigkeit. Diese bewusste Mode legt inzwischen ihr Kartoffelsack-Image ab, und es gibt sie entgegen verbreiteter Klischees nicht ausschließlich in erdigen Farbtönen oder für hochsolvente Manufactum-Romantiker.

Qualität gehört geschätzt Und trotzdem hat Slow Fashion es schwer, weil das Verhältnis, das wir zur Mode haben, sich durch billige Produktion, neue Materialien und jede Menge Werbung im Laufe einiger Jahrzehnte gewandelt hat. Noch unsere Urgroßeltern waren von einer gänzlich anderen Warenwelt umgeben. Die war zwar ebenfalls bunt, riesig und bereits überraschend globalisiert, allerdings deutlich weniger flüchtig. Eine ganze Sammlung ausgefallener bunter Sneaker, chemisch behandelte Stoffe, die nach zehn Wäschen völlig ihre Form verlieren oder Jeans aus südostasiatischen Sweat-Shops zum Preis von einem Kilo Tiefkühl-ChickenNuggets: Das alles kannten sie nicht. Vermutlich hätten sie so etwas auch gar nicht gekauft. Denn was bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts viel verbreiteter war als heute, war Verbraucherwissen über Materialien. Wo es keine modernen Shopping-Tempel gab, musste schließlich gezielt nach Materialien gefragt werden. Dinge wurden häufiger repariert, billige Kunststoffe waren kaum verfügbar. Die Warenkunde vergangener Zeiten machte die Leute auch immuner gegen die Botschaften der Werbung. Wäre Wissen um Waren, Materialien und ihre Qualität heute noch so verbreitet wie vor 100 Jahren, dann würde sich die Textilindustrie vermutlich schwerer tun, uns einen Wollpullover vorzugaukeln, wo sie ein Stück Stoff aus Acryl und Polyamiden anbietet.

Was ist passiert? Früher war nicht alles besser, und auch die Mode war nicht automatisch fairer. Die Sklaven auf kolonialen Baumwollplantagen, Kinderarbeit am Beginn der Industrialisierung, davor und bis heute, die Weberaufstände der europäischen Geschichte – das alles spricht dafür, dass es zu jeder Zeit unfair zuging bei der Produktion von Textilien. Der hohe Personalaufwand in der Bekleidungsindustrie mach-

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te sie seit jeher zu einer Branche mit viel prekärer Arbeit. Schließlich sind es auch die Personalkosten, die einen Großteil der europäischen Textilindustrie seit den 70er Jahren nach Asien weiterziehen ließen. Näherin – das war in vielen Gegenden Europas ein Beruf, in dem Millionen von Frauen arbeiteten, und das noch vor wenigen Jahrzehnten. Es war die Textilindustrie, die als erste Branche zum Produzenten von günstiger Massenware wurde, nachdem die industrielle Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts ihren Lauf nahm und lange bevor die Grüne Revolution der vergangenen Jahrzehnte die Landwirtschaft in eine Agrarindustrie verwandelte. Deshalb ist das Bewusstsein für die Vorzüge von Slow Fashion auch durch deutlich mehr textile Industriegeschichte verborgen als das Bewusstsein für die Vorzüge von Slow Food. Wir können uns eine Kuh halbwegs vorstellen, wenn wir Milch kaufen. Baumwollplantagen, Kaschmir-Ziegen oder Seidenraupen kommen uns hingegen seltener in den Sinn, und wie man aus Erdöl Polyester herstellt – woher soll man das wissen? Anders als Nahrung betrachten wir Mode oft ganz selbstverständlich als günstiges Industrieprodukt, dessen Material und Entstehung wir uns nur abstrakt vorstellen können. Es ist den shoppenden Verbrauchern offenbar eine Menge an Waren-Kompetenz verloren gegangen.

Kein Mensch will Wegwerf-mode Industrielle Mode gehört zu unserer Kultur und Mode ist Pop. Doch Wegwerfmode als Teil unserer Populärkultur – das kann niemand wollen. Schließlich funktioniert billige Mode nicht ohne die Ausbeutung von Umwelt und Menschen. Der Preis für Fast Fashion muss gezahlt werden, nur leider nicht vom Kunden an der Ladenkasse. Wir haben es der Modeindustrie überlassen, uns ständig neue Produkte zu präsentieren und die Halbwertzeit modischer Trends immer weiter zu verkürzen. Wenn wir sagen, dass etwas »gerade in Mode« ist, denken wir ein implizites Ablaufdatum bereits mit. Nachhaltigkeit bei Mode zu fordern hat daher nicht nur mit Ökologie und fairer Produktion zu tun. Es geht schließlich ums Ästhetische, und deshalb ist die Forderung nach nachhaltigem Gewand und fairen Klamotten auch immer eine Forderung nach zeitlosem Design. Wer möchte schon einen Kleiderschrank voll von fairer Biomode, die man nicht anzieht, weil sie außer Mode geraten ist? Fast Fashion, die in den Biomüll gehört, ist eben auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Unsere Mode konnte nur deshalb so unfair und unnachhaltig werden, weil vieles an der Mode so unfassbar austauschbar erscheint. Will man faire und nachhaltige Mode, muss man sich die Frage stellen, was man gerne anziehen möchte und die Antwort nicht einer schnelllebigen Industrie mit großem Werbeetat überlassen. Nimmt man Mode ernst, dann kann man Kleidung nachhaltig und fair kaufen. Betrachtet man sie als ein wechselhaftes, launisches und stets verfügbares Kunstprodukt, dann wird es schwer mit dem Bioregal im Textilgeschäft.

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Mehr BIO. Mehr Qualität.

Im Lebensmittelhandel bzw. in Bio-Fachgeschäften findet man viele Zeichen auf Bio-Lebensmitteln, zum Beispiel Handels- und Herstellermarken, Zeichen von Kontrollstellen sowie Verbandszeichen. Das AMA-Biosiegel ist neben dem EU-Biologo das einzige behördliche Siegel für Bio-Lebensmittel. Wer beim Einkauf darauf achtet, geht auf Nummer sicher, sowohl BIO als auch eine hohe Produktqualität zu bekommen.

EU-Biologo Das gemeinschaftliche EU-Biologo Das EU-Biologo kennzeichnet verpflichtend alle verpackten Bio-Lebensmittel, die nach den EU-Bioverordnungen Nr. 834/2007 und Nr. 889/2008 hergestellt wurden.

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AMA-Biosiegel Das Zeichen für ausgezeichnete Bio-Qualität Das AMA-Biosiegel steht für 100 Prozent biologische Zutaten. Eine Reihe von Qualitätsfaktoren wird konsequent unter die Lupe genommen, z.B. produktspezifische chemische, mikrobiologische und sensorische Kriterien. Zusätzlich wird absolute Transparenz bei der Herkunft garantiert. Die Farben rot-weiß-rot bedeuten beispielsweise, dass die wertbestimmenden Rohstoffe aus Österreich stammen und die Beund Verarbeitung in Österreich erfolgt. Das AMA-Biosiegel steht für: ✔ 100 Prozent biologische Zutaten ✔ ausgezeichnete Produktqualität ✔ transparente Herkunft der Rohstoffe ✔ von unabhängigen Stellen kontrolliert

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Für die Kleinen

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Miriam Frühstück

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Sarah Egbert - Eiersholt

Dass sich Nachhaltigkeit und Mode gut verbinden lassen, beweist sich am wachsenden Angebot von nachhaltiger, ökologischer Kleidung – auch für Babys und Kinder.

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Für die Kleinen

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Kontrolle = besser!

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enn man die Mütter der heute erwachsenen Kinder fragt, was Baby- und Kinderkleidung können musste, ist die Antwort klar: praktisch, strapazierfähig, langlebig, günstig und sie behält im Idealfall selbst nach dem hundertsten Waschgang ihre »Wie neu«-Optik. Immer noch werden all diese Ansprüche an die Kleidung für die Jüngsten gestellt, viel wichtiger scheinen heute aber Design und Stil, denn Modebewusstsein hat schließlich kein Alter. Große Modeketten und namhafte Designer bemühen sich, diesem Bedürfnis zu entsprechen – bislang mit Erfolg. Dabei wird aber immer wieder versucht, die Tatsache, dass diese Kleidung chemisch behandelt und oft mit Schadstoffen versetzt ist, unter den Tisch zu kehren. Abnehmer findet die Mode von der Stange dennoch, vor allem wohl aufgrund des günstigen PreisLeistungsverhältnisses. Doch neben einem Nachhaltigkeitsbewusstsein, das sich in der heutigen Wegwerfökonomie verbreitet, verankert sich auch der Griff zu Bio- und Fairtradeprodukten mit ökologischem Wert immer mehr.

Teuer = gut? Anfang des Jahres kam ökologische Baby- und Kindermode wieder ins Gespräch, als publik wurde, dass selbst teure Designermode für die Jüngsten aus billigen, chemisch behandelten Stoffen und mit Schadstoffen angereicherten Materialien besteht. Greenpeace hat im Zuge eines im Januar diesen Jahres veröffentlichten Tests verschiedenster namhafter Marken darauf hingewiesen, dass vor allem gefährliche Weichmacher (Phthalate) und das hormonell wirksame npe (Nonyphenolethoxylaten) in Kinderkleidung und Schuhen zu finden sind. Auch synthetische Farbstoffe wie Azofarben und Dispersionsfarben, auf die häufig überempfindlich reagiert wird, finden nach wie vor ihre Verwendung. Teurer ist also nicht gleich besser. Mode, die ökologischen Standards und dem Prinzip der Nachhaltigkeit entspricht, ist zwar auch nicht billig, hält für das Geld jedoch, was sie zertifziert verspricht.

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Vertrauen war also gestern. Das weiß man im Bereich der nachhaltigen Mode schon lange. Seit vielen Jahren bieten Onlineshops wie Jako-o, Hessnatur oder auch Green Avenue Baby- und Kinderkleidung an, die zertifzierten Standards entsprechen. Hier garantiert man, dass das Gewand dem Global Organic Textile Standard (gots) bzw. als Naturtextil dem zertifizierten best des ivn (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft) folgt. Denn Begriffe wie »bio«, »organic«, »ökologisch« sagen noch nichts über die Herstellung nach ökologischen Standards aus. Das best-Zertifikat liegt mit dem strengsten Kriterienkatalog weit über der Gesetzgebung der Europäischen Union. Bekannter und verbreiterter ist das gots-Siegel, welches den grundsätzlich zu erfüllenden Mindeststandard für ökologische Kleidung vorgibt: das Produkt besteht vorwiegend aus kontrolliert biologisch erzeugten Fasern, welche von konventionellen Fasern (max. 10-25 % synthetische Fasern sind erlaubt) klar getrennt identifiziert sind. Chemische Zusätze müssen bezüglich Toxiziät unbedenklich und biologisch abbaubar sein, Stoffe wie pvc, Nickel und Chrom sowie problematische Zusätze sind verboten. Zudem müssen die technische Qualität (Reib-, Schweiß-, Licht- und Waschechtheit) des Produkts und soziale Mindestkriterien des Produktionsbetriebs gewährleistet sein.

Weniger ist mehr Mittlerweile findet sich ökologische Baby- und Kindermode nicht nur online, sondern auch in vielen kleinen Shops, die auf die Bedürfnisse und das Umdenken reagieren. Auch hier wird Auskunft über die jeweiligen Kriterien gegeben, die erfüllt werden. Aber als kleiner Laden unter vielen hat man es nicht leicht. Dabei geht man oft Kompromisse ein, ob es mehr um Nachhaltigkeit, faire Produktionsbedingungen, Design oder ökologische Standards geht. Viele Shops beziehen ihre Ware von unterschiedlichen Herstellern und bieten sowohl herkömmliche also auch ökologische Mode an. Hier muss

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ECO-FRIENDLY LIFESTYLE BRAND MADE IN EUROPE wellicious.com facebook.com/Wellicious

man auf die deklarierte Anspruchshaltung der jeweiligen Produzenten vertrauen. Transparente Deklarationen der Produktionsstandards finden sich bei kleinen Shops – vor allem auf Anfrage – die auch selbst produzieren bzw. produzieren lassen. Sonja Völker von Herzilein stellt Baby- und Kindermode ausschließlich in Österreich her und bezieht ihre Stoffe von europäischen Händlern. Sie beschränkt sich jedoch nicht auf Biomaterial, da es ihr vor allem um die Nachhaltigkeit und das Design geht. Sie sagt, es sei oft schwierig, ökologische Stoffe zu bekommen, die ihren Design- und Qualitätsvorstellungen entsprechen, das habe jedoch oberste Priorität für sie, denn ein Herzilein-Stück soll lange Freude bringen und getragen werden können. Bei Jooloomooloo setzt man ebenfalls auf Qualität, aber auf rein ökologischer Basis. Produziert wird fairtrade und nach gots-Standards. Geschäftsführerin Lisa Muhr meint, dass Biofashion den Mainstream-Markt noch nicht erreicht hat, unter anderem, weil man in der Produktion und im Design durch die ökologischen und sozialen Standards und dem damit verbundenen momentan geringeren Angebot an Stoffen und Produktionsorten doch eingeschränkt sei. Auch wenn es hart ist, ist in diesem Fall weniger mehr, um den eigenen als auch den Ansprüchen der Kunden zu entsprechen – ein mehr an nachhaltiger und ökologischer Qualität, die sich hoffentlich durchsetzt. Biofashion ist nicht mehr bloß ein Hype, denn auch große Ketten beginnen umzudenken und bringen nachhaltige und ökologische Produktlinien auf den Markt. Ob Greenpeace mit seiner Detox-Kampagne es dennoch schafft, dass die Modekonzerne bis 2020 auf gefährliche Chemikalien in ihrer Baby- und Kinderkleidung verzichten, wird die Zukunft zeigen. Wer nicht so lange warten mag, kann sich von der Vielfalt der ökologischen Labels überzeugen oder ganz im diy-Trend einfach selbst zu Nadel und Zwirn greifen. www.molekulargewichtsstandard.de www.naturtextil.de

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Stephanie Bikini-Höschen »Tease« und Schlauchtop »Bandini« von Blue Maou (hergestellt aus 100% recycelten Fasern, öko-tex zertifiziert), Jacke aus 100% Bio-Baumwolle von Treches Iduna High-Waist-Bikini-Höschen »Devotion« und Triangel-Bikini-Top »Tingly Top« von Blue Maou, Kleid mit Kaktus-Print von Treches Mitch T-Shirt »Stay Photo«aus 100% Bio-Baumwolle von Bleed, Chino aus 100% Bio-Baumwolle von Knowledge Cotton Apparel

Let my people go surfing

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Arnold Pöschl PRODUKTION

Sebastian Rahs Béatrice Predescu

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Location

Greifenstein an der Donau

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Iduna Kleid mit Kaktus-Print aus 100% Bio-Baumwolle von Treches Mitch Badehose von Knowledge Cotton Apparel aus recycelten PET-Flaschen Stephanie Schlauchtop von Blue Maou und Jacke von Treches

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Iduna Sundress-Kleidchen von Bleed

Stephanie Short Beech Shorts und Sweat Beech Kapuzenpulli von Switcher Iduna Unee Beech Poncho von Switcher, Handtuch von Knowledge Cotton Apparel

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Iduna Bikini-Höschen »Tease« von Blue Maou, Tank-Top von Treches, Sombrero aus dem Schrank des Fotografen

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Stephanie High-Waist-Bikini-Höschen »Devotion« von Blue Maou, darüber ein 2nd-Hand Camaro-Wetsuit, Tank Top von Treches Mitch T-Shirt »Swell Tee« von Bleed, Chino von Knowledge Cotton Apparel

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Fahrrad-Typen

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Sebastian Rahs

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Annemarie Sauerbier

Glossar der Fahrradsprache Auf der Suche nach einem neuen Fahrrad stößt man unweigerlich auf eine Vielzahl an Codes, welche das Anwendungsgebiet und die Eigenheiten des Modells erläutern sollen. biorama hilft mit einer Dechiffrierungsanleitung der gängigsten Fahrradtypen auf die Sprünge.

• 28-ZÖLLER • T(rack) – wie BAHN

R(oad) – wie STRASSE

Das Bahnrad legte in den vergangenen zehn Jahren als F(ixed)-G(ear), auch »Fixie«, oder als mit Freilauf und hoffentlich Bremsen versehenes S(ingle)S(peed) 1-Gang-Rad ein sagenhaftes Comeback aufs Parkett. Doch weniger auf das der heute selten gewordenen Holz-Oval-Rennbahnen, dem natürlichen Revier dieser Starrgang-Räder, sondern vielmehr auf den erlahmten Straßen aller Großstädte, als unkaputtbares Kultobjekt.

Das Rennrad dürfte zu den bekanntesten aller Fahrradgattungen zählen und lässt sich auch eher anhand der fehlenden als der ersichtlichen Anbauteile beschreiben. Keine Ösen für Schutzbleche, ohne Gepäckträger, keine Lichtanlage, insgesamt wenig Komfort, dafür erlaubt der widderhornartig gebogene Rennlenker inklusive der Brems- / Schaltgriffe eine Vielzahl an Griffpositionen, um dem Fahrt- und Gegenwind möglichst viel oder wenig Stirn zu bieten.

Attribute Kaum. Ein Saalsport-Rennrad mit nur einem Gang, ohne Bremsen. Ein Mindestmaß an Fahrrad. Biotop Das Stadion. Modifiziert auch vor BotendienstZentralen, dem Eisgeschäft und als Stillleben über AgenturBoss-Schreibtischen. Charakter Bockig. Durch den fehlenden Freilauf (Nie aufhören zu treten!) zwingt es den Erstling gern vom Sattel. Die Sitzposition kann im günstigsten Fall als »aerodynamisch« gelobt werden, die 21mm-Reifen nur als bösartig.

Attribute Der Rennlenker und die damit verbundene, sportliche Sitzposition. Eng abgestufte Kettenschaltungen und ein möglichst niedriges Gewicht. Biotop Durch den limitierenden Reifenquerschnitt von maximal 26mm an Asphalt gebunden. Im Idealfall die Landstraße und der Alpenpass. Vermehrt vor der schicken Espresso-Bar, trotz geringer Alltagstauglichkeit. Charakter Schnell und hart. Jede Bewegung wird ungefiltert in Vortrieb umgesetzt.

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• 26- UND 28-ZÖLLER •

C(yclo)X (sag: Cyclocross) – wie QUERFELDEIN

A(ll)T(errain)B(ike) – wie VIEL GRUND DAFÜR

Das Cyclocross-Rad besitzt je nach Ausstattung eine mannigfaltige Anzahl an Namen und ebenso viele Einsatzgebiete, ähnelt jedoch in Grundzügen dem Rennrad. Als Audax-Rad oder Randonneur mit Straßenbereifung und Schutzblech gilt es als schnellstes aller Tourenräder, mit gerader Lenkstange wird es zum Cross- oder Fitnessbike für das sportliche Wochenende. Nur mit grobstolligen Schlauchreifen und der richtigen Kriegsbemalung entspricht es dem wahren Cyclocrosser. Eins ist sich dieses Chamäleon bei der Sportlichkeit und der vergrößerten Reifenfreiheit.

City-Bike, Tourenrad, T(rek)K(ing)-Rad, Reiserad, Countrybike, … die wohl undefinierteste und größte Gruppe an Fahrrädern wird ebenso unter den verschiedensten Bezeichnungen gehandelt, welche zumeist auf einen speziellen Verwendungszweck hinweisen und dennoch nur in wenigen Rahmendetails und der Ausstattung variieren. Sollte man »einfach ein Rad« suchen, würde man hier wohl am ehesten fündig. Das kompletteste aller Fahrräder verfügt über eine bequeme, eher aufrechte Sitzposition, stabiles Fahrverhalten sowie robuste, 47–60mm dicke AllroundReifen in 26 oder 28 Zoll. Ein nicht serienmäßig verbauter Gepäckträger oder der falsche Lenker lässt sich hier besonders einfach nachrüsten und sollte den Kauf nicht beeinflussen. Einmal für dieses Segment und eine Preisklasse entschieden, zählt hier oft nur mehr die Rahmenfarbe.

Attribute Klassisch mit Rennlenker, 45 mm-Profil-Pneus und Reifenfreiheit, die auch Schlammschlachten zulässt. Biotop Als sportlicher Allrounder – je nach Ausstattung und Leidensfähigkeit – raue Straßen bis ruppige Wurzelpassagen. Charakter Bedingt durch größere Reifen- und Zubehörauswahl anpassungsfähig, aber immer sportiv.

T(ime)T(rial) / TRIA(thlon) Rennräder für Spezialdisziplinen. Auf bestmögliche Aerodynamik abzielend.

Attribute Kurz übersetzte Naben- oder stabile Kettenschaltungen, Schutzbleche, dynamobetriebene Beleuchtung und Zubehör bis hin zum Zentralständer. Oft auch billige Federgabeln, die mehr das Gewicht als den Komfort steigern. Biotop Überall dort, wo Bequemlichkeit Trumpf ist. Alltags- und Vielfahrergebiete. Charakter Volumensmodell mit maximaler Nachrüstbarkeit. Preis = Ausstattung = Preis.

ATB mit elektromotorischer Unterstützung. Als E-Bike mit Gasgriff oder Pedelec mit TretkraftUnterstützung.

• 26- UND 29-ZÖLLER • M(oun)T(ain)B(ike) – wie MIT TAL und BERG Wo die Straßen im Wald versiegen und auch die härtesten Cyclocrosser ihre Esel zur Portage schultern, dort beginnt das Territorium der echten »Bikes«. Von XC(ountry) (sag: Cross Country) über TrailBikes bis hin zur etwas härteren Gangart mit A(ll) M(ountain)s und Enduros, sind diese »Bergradln«

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Fahrrad-Typen

auch dazu gedacht, bergauf gefahren zu werden, wobei die Länge der meist luftgefederten Gabeln und Hinterbauten von Bike zu Bike in Reihenfolge um jeweils zirka 20mm anwächst. Hydraulische Scheibenbremsen sind seit geraumer Zeit flächendeckend Pflicht, sollte der Hinterteil des Fahrrads starr sein, spricht man von einem Hardtail statt einem vorne und hinten gefederten Full Suspension, kurz »Fully«. Auf der Straße werden MTBs fast ausschließlich in ausgemustertem Zustand und auf sogenannten Slick-Reifen bewegt, ist hier doch die Technik unterfordert und die Verleitung zum Diebstahl stark gegeben.

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Attribute Absenkbares, luftgefedertes Fahrwerk mit 100 bis 160mm Federweg, absenkbare Sattelstütze. Hydraulische Scheibenbremsen, 2.0 bis 2.4 Zoll breite, je nach Einsatzgebiet stark profilierte Reifen. Vergleichsweise Leichtgewichte. Biotop Unbefestigte Wege, Wald und Wiese, bis Hochgebirge. Charakter Stark ausgeprägt, je nach Modell, Komponenten und individuellem Set-up. Gämsenhaft.

Gravity-M(oun)T(ain)B(ike) – wie ERDANZIEHUNGSKRAFT MIT TURTLE und BOXXER Während das F(ree)R(ide)-Bike noch oft für einzelne Abfahrten ins Gebirge geschleppt wird, nimmt man mit dem D(own)H(ill)er schon eher nur mehr den Lift im Bike-Park bergauf. Gabeln und Rahmen schlucken Hindernisse von bis zu 20 cm Höhe und verlassen sich nunmehr weitgehendst auf Stahlfedern statt auf komprimierte Luft. Die Rahmen und Komponenten sind auf größtmögliche Haltbarkeit ausgelegt und ähneln wohl schon mehr der Motocross als einem Cross Country-Bike. Gleichwohl sollte auch die Eierschale gegen einen Vollvisier-Helm und das Trikot gegen diverse Protektoren getauscht werden. Die Spielarten D(irt(J(ump) und 4X (sag: Four Cross) werden zwar im Flachen ausgetragen, dennoch sind für Sprünge über die Kicker – künstlich angelegte Hügel – ob der möglichen Fallhöhe ähnliche Vorkehrungen zu treffen. Attribute State-of-the-Art-Stahlfederbeine und -Doppelbrückengabeln, Vierkolben-Scheibenbremsen mit 203mm-Rotoren und bis zu 3 Zoll breite Mäntel. Biotop Abhänge und eigens dafür angelegte Fun-Parks mit Liftanlagen. Charakter Fallkraft-Motorrad. 

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▲ Chantal Voets entwickelte liebevoll den ORAC botanico-mix.

ORAC botanico-mix: der erste geschmackvolle super Kräutermix, der an deine Gesundheit denkt. Für eine strahlende Erscheinung. Praktischer Kräutermix mit Fleur de sel, Meeresalgen und Sumak „Dieser Supermix aus neun Kräutern mit dem höchsten Gehalt an Antioxidantien, vier mineralreichen Meeresalgen, dem lebenskräftigen Meersalz Khoisan Fleur de sel und der kräftigen Sumakbeere, bietet dir eine Geschmacksbombe mit weniger Salz“ sagt Chantal Voets, Chefkoch und eine der Gründer von Amanprana. “Du kannst damit sämtliche Gerichte im Handumdrehen würzen. “Meeresalgen, Kräuter und Du erhältst ohne Nachdenken perfekte und herrlich schmeckende Mahlzeiten.“ So viel mehr Geschmack, Duft und Gesundheit als mit Meersalz bilden eine reiche herkömmlichen einseitigen Würzung mit nur Pfeffer und Salz. Quelle an Mineralien, die auf der In einer sanften und pikanten Version (Chili). Du kannst den ORAC natürliche Weise und einfach botanico-mix für mehr Geschmack und Duft vermahlen oder mit de aufgenommen werden können. Mörser zerkleinern. Verwende den Mix reichlich in Suppen, Saucen, Vinaigretten, frischen Säften, Smoothies, Obstsalaten und Desserts. Oder Im Gleichgewicht und im verwende den ORAC botanico-mix als Bouillon oder Fond. Randvoll mit richtigen Verhältnis, natürlichen Antioxidantien, 80 Mineralen, Spurenelementen und 1000 Mikro-Nährstoffen. Mit einer entsäuernden und reinigenden Wirkung für wie wir es brauchen.” einen gesunden Körper und ein strahlendes Erscheinen. - Paul Bergner Professor für klinische Ernährung und Pflanzenheilkunde. Autor des Buches ‘Healing Minerals’

Gesund von innen, schön von außen Wir altern durch Nährstoffmangel, Übersäuerung und Oxidanten. Wir bieten dir mit dem ORAC botanico-mix ein natürliches Mittel gegen Alterung. Der Mix sorgt für eine strahlende Erscheinung. Wenn wir den Körper und Geist gesund ernähren, ist eine schöne Haut das sichtbare Resultat. Natürliche Stimulans mit 80 Mineralen und Khoisan Fleur de sel Unser Körper, unser Geist und unsere Haut brauchen mindestens 31 Mineralien und Spurenelemente (Mineralien, die wir in kleineren Mengen brauchen). Dein Körper produziert diese Stoffe nicht selbst. Du kannst sie auch nicht durch Arzneien ersetzen. Der ORAC botanico-mix bietet dir alle Mineralien. Khoisan Fleur de sel ist ein einzigartiges grobes Meersalz und wird an der südafrikanischen Westküste gewonnen. Die Salzgewinnung ist Handwerk. Das Salz wird mit der Hand geerntet, getrocknet und in der Sonne vitalisiert. Es erhielt die Auszeichnung der 5 besten Salze weltweit. Es gibt deinen Mahlzeiten Finesse, schenkt Gesundheit und Lebensenergie. Es hat einen sanften, runden und harmonischen Geschmack mit einem Frequenzmuster für optimale Lebendigkeit. Der botanico-mix ist eine wahre 0% junk Kraftquelle durch das entsäuernde Vermögen. Er fördert die gute Kommunikation zwischen den Körperzellen durch die elektrische Leitfähigkeit. Der ORAC botanicomix ist der erste Kräutermix, der innerlich für deine gute info www.noble-house.tk AUSGEGLICHENE LEBENSKRAFT Gesundheit und Ausstrahlung wirkt. Genieße ihn.

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Die Welt, die wir uns wünschen

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von wolfgang smejkal

Der saubere Gigant das grösste sonnenwärmekraftwerk der welt ist in der wüste kaliforniens an den start gegangen. »ivanpah« soll 140.000 haushalte 30 jahre lang mit grünem strom versorgen und dabei 13,5 mio. tonnen co² einsparen. In der Mojave-Wüste regnet es nur selten, fast das ganze Jahr über bleibt der Himmel blau. Das bedeutet vor allem eins: Sonnenschein im Überfluss, und das an etwa 300 Tagen mit durchschnittlich je 10,5 Sonnenstunden. Ein idealer Standort also für Solarkraftwerke, das derzeit größte der Welt hat im Februar dort seinen Betrieb aufgenommen: die 400-MW-Anlage Ivanpah liegt wie ein imposanter See aus glitzernden Spiegeln vor den kalifornischen Clark Mountains 80 Kilometer südwestlich von Las Vegas. Drei 140 Meter hohe Türme ragen wie Bohrinseln zwischen den schimmernden Flächen hervor, die sich über 14 Quadratkilometer ausbreiten. 347.000 dieser computergesteuerten »Heliostate«, jeder etwa so groß wie ein Garagentor, sind in drei konzentrischen Kreisen angelegt und richten sich automatisch aus, um einen perfekten Winkel zur Sonne einzuneh-

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men. Dabei bündeln sie das Sonnenlicht auf die jeweilige Spitze der drei Solartürme, die »Receiver«, wo Temperaturen bis zu 1.000° C erreicht werden. Durch die Hitze wird in den Absorber-Tanks Wasser zu Dampf erhitzt, mit dem Turbinen angetrieben werden, die wiederum Strom erzeugen. Bis auf die Wärmequelle handelt es sich dabei um das gleiche Verfahren, wie es auch bei Gas-, Kohle- und Kernkraftwerken verwendet wird – nur umweltfreundlicher. Zusätzlicher Vorteil dieses Systems: Die Wärmeenergie des erhitzten Wassers kann auch noch nach Dämmerung Strom erzeugen, solange genügend Speicherwärme vorhanden ist. Ivanpah hat eine Nennleistung von 392 Megawatt pro Stunde und ist ein Gemeinschaftsprojekt von nrg, Google und Brightsource Energy, die auch die turmbasierte Solarthermie-Technologie liefern. Google hat den 2,2 Mrd. US-Dollar teuren Bau mit 168 Mio. US-Dollar mitfinanziert. Den Löwenanteil aber hat das Umweltministerium in Washington über eine Kreditbürgschaft von 1,6 Mrd. Dollar abgesichert.

Kalifornischer Greentech-Boom In den vergangenen Jahren sind in Kalifornien eine ganze Reihe von solaren Großprojekten in Betrieb gegangen. Üppige Investitionsfreibeträge haben zu einer wahren Blütezeit geführt, seit die Energieversorger per Gesetz dazu verpflichtet wurden, bis 2020 ein Drittel des verkauften Stroms aus erneuerbaren Energien bereitzustellen. Die US-amerikanische Umweltpolitik der vergangenen zehn Jahre ist ein Grund, warum ein Projekt mit solchen Dimensionen und enormen Kosten überhaupt möglich wurde. Bereits 2005 entwickelte die Regierung ein Konzept, wonach Großprojekte, die die Entwicklung von erneuerbaren Energien voran-

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bringen, finanziell honoriert werden sollten. Für Kalifornien ging der damalige Gouverneur Arnold Schwarzenegger noch einen Schritt weiter: Er befreite große Solaranlagen von der Grundsteuer und stellte derartigen Projekten 90 Mio. US-Dollar zur Verfügung. Auch der neue Gouverneur Jerry Brown hält diesen Kurs und investiert weiter in die Erforschung alternativer Energien. Mit diesen Subventionen können Solaranlagenbauer bis zu 80 Prozent der Kosten für ihre Milliarden-Dollarschweren Projekte abdecken. Gründe genug für Energiekonzerne, die von der Regierung angebotenen Unterstützungen zu nutzen und in Solar zu investieren. Aus Kalifornien gehen derzeit 90 Prozent der Solarenergie der USA ans Netz, kein anderer Bundesstaat meldet so viele Patente in Bereichen wie Sonnen- oder Windenergie an. Die Solarenergie von Ivanpah hat auch schon ihre fixen Abnehmer: Versorger, die zu Pacific Gas and Electric und Edison International gehören, werden 25 Jahre lang Strom von dem Sonnenkraftwerk beziehen. Rund 140.000 Haushalte sollen so mit sauberer Energie beliefert werden, insgesamt produziert Ivanpah derzeit 30 Prozent des durch Solarthermie erzeugten Stroms in den USA. Nach Angaben der Betreiber wird die Anlage in ihrer 30-jährigen Lebenszeit etwa 13,5 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid weniger in die Atmosphäre emittieren, dies entspricht der Einsparung von zwei Millionen Autos.

Der Traum vom unbegrenzten Hightech-Strom Sonnentürme gehören zu den solarthermischen Kraftwerken, der einzigen Form der SolarenergieGewinnung, die rund um die Uhr laufen kann. Die tagsüber eingefangene Hitze kann nämlich in Boilern mit

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verflüssigtem Salz für die Nacht gespeichert werden. Funktioniert dies zuverlässig, könnte die Solarthermie die Produktionslücken ausgleichen, die vor allem nachts bei der Photovoltaik, aber auch in Flauten bei der Windenergie klafft. Das Center for American Progress kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass der Strom aus Solarturmkraftwerken mit diesem Speicherverfahren langfristig günstiger als Strom aus Photovoltaikanlagen sein könnte. In Bezug auf ihre Wirtschaftlichkeit haben solarthermische Kraftwerke zumindest im Sonnengürtel der Erde eine gute Perspektive, mittelfristig erheblich zur nachhaltigen Energieversorgung beizutragen, da sie einerseits über ein riesiges Flächenpotenzial verfügen, andererseits aufgrund ihres Kostensenkungspotenzials bald wirtschaftlich konkurrenzfähig zu fossilen Alternativen wie Kohle und Gas sein könnten. Gemäß einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt entspräche ein solarthermisches Kraftwerk in der Größe des Assuan-Stausees (ca. 5.250 km² Fläche) energetisch in etwa der gesamten Mineralölproduktion der Länder des Mittleren Ostens, und lediglich ein Prozent der Fläche der Sahara würde ausreichen, um mit solarthermischen Hightech-Anlagen den gesamten derzeitigen Elektrizitätsbedarf der Erde zu decken. Megaprojekte wie die Solartürme von Ivanpah scheinen sich aber jetzt schon für umweltbewusste Verbraucher auszuzahlen: Seit 2010 ist in den USA der Preis für Solarstrom aus Großanlagen um 48 Prozent auf 11,2 USCent und damit auf ein Rekordtief gesunken. 

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Gilles Mingasson / Brightsource Energy

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Graphic Novel »Aya«

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Susanna Hagen bild

Reprodukt

Westafrika bunt und hautnah

Tief in den Alltag einer afrikanischen Metropole gegen Ende der 70er Jahre führen Marguerite Abouet und Clément Obrerie in ihrem kraftvollen Comic-Roman »Aya«.

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iehe da, ein positives Buch über das Leben in Afrika aus afrikanischer Perspektive, fernab von Elendsund Chaosszenarien, Kriegen und Hungersnöten! Vielmehr sprüht es zwischen den Buchdeckeln vor purer Daseinsfreude. Und weil der illustrierte Roman mit der von Marguerite Abouet erdachten Story und den liebevoll gestalteten Bilderfolgen von Clément Oubrerie an der Elfenbeinküste spielt, ist er zudem prall mit dem nötigen Beiwerk an Farben, Stoffmustern und Lautma-

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lereien gefüllt, die auch jenen Lesern auf die Sprünge helfen, die ansonsten aus Mangel an eigenen Westafrika-Erfahrungen ratlos auf der Strecke bleiben könnten. Schon das Cover umreißt, worum es eigentlich geht: Eine junge Afrikanerin, die im Kreise ihrer Freunde im Hier und Jetzt einer afrikanischen Stadt ihre Frau steht. Präsent, mit großen Augen und ernstem Blick, modernem Minikleid im traditionellen Stoffdruck und hochhackigen Schuhen, beide Hände in die Hüften gestemmt,

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Graphic Novel »AYA«

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trotzt sie einem aus der Bildmitte entgegen. Auch ohne Sprechblase heißt das wohl »Du nun wieder!« – ein geflügelter Ausdruck, der sich auf allen paar Seiten wiederholt und schon ab dem dritten Mal zu einem Wiedererkennungs-Grinsen verführt.

neue Eroberungen machen zu müssen. Dabei werden die jungen Mädchen – genannt Freshnies – immer anspruchsvoller, und die Ehefrauen benehmen sich in keiner Weise unterwürfig. Was tut Mann dann erst, wenn er lieber gleichgeschlechtlich flirtet?

Willkommen in Yop City

Ivorischer Bonustrack

Die 19-jährige Aya und ihre Freundinnen Bintou und Adjoua leben in der schnelllebigen Vier-MillionenMetropole Abidjan am Atlantischen Ozean, genauer gesagt im beliebten Viertel Yopougon, das sie lieber Yop City nennen. Alle drei schlagen sich mit den Widrigkeiten des täglichen Lebens herum, die da wären: lästige Geschwister, strikte Familienregeln, promiskuitive Onkeln, ungerechte Misswahlen oder der Bigamie zugeneigte Väter, ganz zu schweigen von den täglichen Straßen-Scharmützeln mit liebestollen Jung-Machos. Aya ist die weise Freundin, die allen gut zuhören kann und die viel ernsthaftere Ziele hat als ihre Altersgenossinnen, die allabendlich die Straßenlokale unsicher machen oder sich gar im Tausend-Sterne-Hotel ihren chaotischen Liebschaften hingeben, und deren Gedanken nur um ihre künftige Rolle als Ehefrau eines möglichst betuchten Mannes oder die neuesten französischen Hits kreisen. Aya hingegen ist entschlossen, einmal Ärztin zu werden und zeigt nicht die geringste Lust, sich durch kulturelle Schranken auf ihrem Weg behindern zu lassen. Anders als ihren Freundinnen sind ihr heiratsfähige Junggesellen, schicke Kleider und die neuesten Frisurentrends aus Paris egal, ebenso wie die Versuche ihres Vaters, sie möglichst rasch mit dem einfältigen Sohn seines reichen Chefs zu verheiraten. In ihrer Rolle als Fels in der Brandung ist Aya ständig gefordert: eine Freundin wird schwanger und sieht sich flugs an den Falschen verheiratet, die andere erliegt dem Charme eines Hochstaplers, und dank ihres Vaters wächst Ayas Familie spontan um zwei außereheliche Kinder an. Überhaupt muss gesagt werden: die Männer kommen nicht allzu gut davon, obschon sie es doch so schwer haben. Wenn sie nicht an chronischer Geldknappheit oder einem überschäumenden Geltungsdrang leiden, erliegen sie den Verführungen von Bier und Koutoukou (Palmschnaps) und leben – egal ob alt oder jung – ständig unter dem hormonellen Druck,

Das witzige, durch und durch sympathische AlltagsDramolett macht süchtig. Egal ob man 14 oder 40 ist, Langeweile kann auf den 360 Seiten nicht aufkommen, auf denen man immer wieder über dahingeschmetterte französische Liedzeilen oder ivorische Kraftausdrücke stolpert. Bei all den Menschen, die durch die bunten Bilder wuseln, erweist sich das Personenregister auf den letzten Seiten ebenso als große Hilfe wie das Glossar, das dem in den Sprechblasen auftauchenden Slang gewidmet ist. Dank diesem »ivorischen Bonustrack« lernt man, dass es mehr als einen Ausdruck für Hinterteil gibt und erhält auch gleich eine praktische Anleitung zum effektvollen Wackeln mit demselben. Bewundernswert ist, dass bei der hohen Erzähldichte immer noch genug Platz für Zwischentöne wie Korruption, die Benachteiligung von Frauen, Abwanderung, Prostitution oder etwa Intoleranz gegenüber Homosexualität bleibt. 

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Ad Personam Die Autorin Marguerite Abouet wurde 1971 in Côte d`Ivoire geboren und verbrachte ihre Kindheit an der Elfenbeinküste, ehe sie nach Frankreich zog. Gemeinsam mit dem aus Paris stammenden Zeichner Clément Oubrerie wurde sie 2006 für »Aya« mit dem Preis für das beste Debüt beim Comicfestival im französischen Angouleme gekürt. Die deutsche Ausgabe enthält die ersten drei des insgesamt sechs Teile umfassenden Erfolgscomics, das auch verfilmt wurde. Der zweite Band ist für Herbst 2014 geplant.

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bild Hatchet + Bear, Foto von EJ Osborne aus »The Outsiders«, Copyright Gestalten 2014

w ildlife

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ennen wir es ein Mission Statement. Weil nicht nur das biorama-Team gern draußen aktiv ist, sondern unsere Leser-Umfrage ergeben hat, dass auch ihr das gerne tut, widmen wir uns fortan mehr oder weniger regelmäßig dem Thema »Wildlife«. In einem eigenen Ressort geht es auf den folgenden 26 Seiten um Flora und Fauna, Natur und Abenteuer in unserer unmittelbaren Umgebung. Thema sind Wild und Wald, Wandern und Wildnis, Flüsse und Seen – und das, was sich am Wegesrand so rangt und tummelt. Denn wer bewegende Naturerlebnisse sucht, braucht nicht zwingend ein halbes Jahr Auszeit, um in die Ferne zu schweifen. Oft reicht ein verlängertes Wochenende oder ein Wochenende im Osten. Selbst ein genauer Blick in den Innenhof oder die Natur im Garten oder am Balkon offenbaren uns, dass es die Wunder der Wildnis auch ganz nah gibt. Sagt uns doch, was ihr von unserem Projekt »Wildlife« haltet: wildlife@biorama.eu

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Inspiration pur bietet der Band »The Outsiders. New Outdoor Creativity« (Gestalten Verlag). Vorgestellt werden neue Outdoor-Unternehmen, die auf Design und Funktionalität Wert legen. Wobei nicht Gründer oder Firmengeschichte, sondern Produkte und Ursprungs-Landschaften Lust auf draußen machen. Knapp 300 Seiten Besonderes und Brauchbares fürs Wandern, Campieren, die Jagd, eine Kanu- oder Bike-Tour ins Hinterland. Etwa die oben abgebildete Hommage an den Messer-Klassiker von Opinel: das Taschenmesser des britischen Woodcraft-Meisters Ej Osborne und seines Labels Hatchet + Bear. www.hatchetandbear.co.uk

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Wildlife Global Village

BIORAMA und Umweltstadträtin Ulli Sima laden ein zur

Leser-safari mini Wie kommt der Honig auf unser Brot?

slowakische republik

wien

bratislava

österreich

wiener neustadt

neusiedler see

eisenstadt

ungarn

Alpen-Karpaten-Korridor

Wildwandern

Wann? Donnerstag, 17. Juli, 13.30 Uhr Treffpunkt? Blumengärten Hirschstetten, Quadenstraße 15, 1220 Wien Die Teilnahme ist für Kinder (Mindestalter 8 Jahre) und jeweils eine erwachsene Begleitperson kostenlos! Alle Infos unter www.biorama.eu / safari

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TEXT Barbara Schrattenholzer BILD Margit Benes-Oeller

Wir machen einen Ausflug in die Welt der Bienen! Auf dem Programm stehen ein Besuch der Bienenstöcke in den Blumengärten Hirschstetten inkl. Bienen-Workshop mit Honig(-Brot)-Verkostung und anschließend geht’s zu einem spektakulären Bienenstock über den Dächern Wiens.

Auf 310 Kilometern und 2.340 Höhenmeter schlängelt sich der Alpen-Karpaten-Korridor (akk) entlang einer uralten Wildtier-Wanderroute durchs österreichischslowakische Grenzgebiet. Die Strecke besteht aus fünf kurzen Etappen, auf denen jeweils die Natur-Erfahrung im Mittelpunkt steht. Wer sich für den Alpen-KarpartenKorridor fünf Tage Zeit nimmt, kann entlang der Strecke einiges über den Lebensraum von Wolf, Luchs und Co. erfahren. Für ausführliches Infomaterial entlang des Weges ist gesorgt. Ein wenig Kultur, alte Schlösser, Kirchen und jede Menge Wein gibt‘s obendrein. Der Nachteil: Die Route folgt bestehenden Radwegen der Region und ist bisher nicht beschildert. Wer aufbricht, ohne sich vorher die kostenlosen GPS-Daten herunterzuladen, dürfte sich deshalb schwer tun, dem Alpen-Karpaten-Korridor zu folgen. In der Natur landet man jedoch in jedem Fall.

TEXT Thomas Stollenwerk

Vor den Toren von Wien und Bratislava liegt eine neue Radroute für Naturfreunde. Sie führt entlang einer uralten Wildtier-Wanderroute.


Leser-safari Kampf der Giganten

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Nützling

Freie Bahn dem Tigerschneck

TEXT Barbara Schrattenholzer BILD Margit Benes-Oeller

TEXT Thomas Stollenwerk

Nicht alle Nacktschnecken fressen Salat: Der Tigerschnegel lässt sich neben zerfallenem Pflanzenmaterial auch Schneckeneier und lebende Schnecken schmecken. Schon optisch sticht der Tigerschnegel (Limax maximus), auch Großer Schnegel genannt, sofort ins Auge: Mit seiner dunklen Tupfen- oder Streifenzeichnung auf hellem Grund macht er seinem Namen alle Ehre. Der bis zu 20 cm lange Gartenbesucher hilft uns unwissentlich beim biologischen Pflanzenschutz im Garten. Welchen Gärtner hat die gefürchtete Spanische Wegschnecke durch ihren gesunden Appetit noch nicht verzweifeln lassen! Der Tigerschnegel macht kurzen Prozess – und verspeist die unliebsame Nacktschnecke samt Eigelege. Wichtig zu wissen: Schädlinge können sich nur dann massenhaft vermehren, wenn natürliche Gegenspieler ausbleiben. Fehlen die Schädlinge jedoch völlig, gibt es keine Nahrung für die für uns nützlichen Tiere – im Optimalfall stellt sich ein gesundes Gleichgewicht ein. Damit diese Beziehungen funktionieren, bedarf es vielfältiger Lebensräume und einer biologischen Bewirtschaftung. Gerade auch im Garten. Weitere Informationen beim »Natur im Garten«-Telefon: +43 (0)2742 / 74 333 www.naturimgarten.at

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Das Bio-Feld als Kampfarena? Nützlinge lassen ihre Muskeln spielen, wenn ungebetene Gäste das Feld besetzen. Wir besuchen den Bio-Bauern Alois Posch in der Steiermark, der auf seinem Feld Schiedsrichter ist. Wie Pflanzen vor Schädlingen geschützt werden können und wie die Nützlinge im Konkreten dabei helfen, das erklärt im Rahmen dieser Leser-Safari der Ja! Natürlich Bio-Bauer Alois Posch. Er hat sich dazu eine Runde von Experten und Nützlingsberatern eingeladen, die für uns den »Kampf der Giganten« kommentieren.

Wann? Samstag, 19. Juli 2014, Start: 11 Uhr, Ende: voraussichtlich 17 Uhr Wo? Biohof Alois Posch, Donnersdorf-Au 11, 8484 Unterpurkla, Steiermark Preis für biorama-Leser: € 15,— für Erwachsene, € 3,— Euro für Kinder Alle Infos unter www.biorama.eu / safari

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Gelsen

Die ungeliebte Gelse Nach dem Donau-Hochwasser im vorigen Frühjahr gingen auch die medialen Wogen hoch. Der Grund: Die drohende Gelsenplage aus der wilden Au. Aber wer ist die »Gelse« und wie können wir uns schützen? biorama hat nachgeforscht.

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Matthias Schickhofer

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ibellen schätzen sie, Fische mögen sie, Fledermäuse und Vögel haben sie zum Fressen gern. Auch Wasserinsekten und Amphibien sind ihrem zierlichen Wesen zugetan. Außerdem säubert sie das Wasser, wenn sie noch ganz jung ist. Und die männliche Ausführung saugt Nektar, bestäubt also Blütenpflanzen. Die Rede ist nicht von der guten Fee, sondern von der Mücke. Der Stechmücke. Hierzulande auch weniger vornehm als »Gelse« bekannt.

Die vielen Namen der Gelse In Deutschland ruft man sie »Schnake«, in Italien »Zanzara«, in Schweden »Mygga«, in Kroatien »Komarac«, in Frankreich »Moustique« und bei den Briten wie den Spaniern schlicht »Mosquito«. Wir Menschen, vor allem wir Städter, mögen sie weniger. In unserer Sehnsucht nach friedvollem Genuss von Speis und Trank unter freiem Sommernachtshimmel kreuzen sich nämlich unsere Wege. Und das geht meist nicht ohne Blutvergießen ab. Denn die Weibchen unter diesen kleinen Geschöpfen – allein in Österreich gibt es 43 verschiedene Arten aus sieben verschiedenen Gattungen – pflegen vorzugsweise an lauen Sommerabenden auszuschwärmen, um unser Blut zu trinken. Am liebsten in der Dämmerung. Ausgerechnet dann, wenn wir auf der Terrasse unseres (vielleicht neu erstandenen) Häuschens im Grünen den Griller anwerfen und in aller Ruhe ein Bier schlürfen wollen. Die Gelsen-Mamis sind auch durstig. Sie wollen Blut. Nicht für sie selbst, sondern für den Nachwuchs. Unsere Proteine und das Eisen in unserem Körpersaft sind nämlich für die Produktion der GelsenEier essentiell. Und über den Gelsen-Nachwuchs freuen sich dann wieder Jung-Fisch, Libelle, Schwalbe, Fledermaus und Co. Wir betrachten das Gelsen-Familienleben eher unsentimental. Wenn wir es endlich ins Grüne geschafft haben, müssen wir entdecken, dass wir die

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Carina Zittra

vermeintliche Idylle mit diesen rücksichtslosen MiniMonstern teilen. Besonders, wenn es länger geregnet hat und wir uns auf einen schönen Abend draußen freuen. Zerstochen und gequält treten wir alsbald die Flucht nach drinnen an und sinnen nach Vergeltung: Kampf der Mückenplage! Steckmücken-Bekämpfung ist aber ein vertracktes Unterfangen: Der Einsatz synthetischer Gifte ist bequem, aber teuer und ungesund. Das Entfernen von Wasser-Ansammlungen (Pfützen, verstopfte Dachrinnen, wassergefüllte Eimer, Regenwassertonnen usw.) ist aufwendig und hilft nur, wenn auch alle Nachbarn mitmachen. Wasserbauliche Maßnahmen (Gräben, Verbindungen von Überschwemmungsbereichen mit Fließgewässern) können es den natürlichen Fressfeinden der Gelsen – Fischen – ermöglichen, ein- bzw. wieder auszuwandern. Sinnvoll, aber ein großer Aufwand. Auch in Mückenbrutgewässern gezielt Fische anzusiedeln, die Gelsenlarven fressen, ist eine Möglichkeit, bislang aber wenig erprobt. Neuerdings geistert auch der Einsatz der biologischen Chemie-Keule durch die Gelsen-Gebiete und Medien: »Bti« heißt das vermeintliche Zaubermittel, an dem sich im Flutjahr 2013 die Geister schieden. Bti steht für »Bacillus thuringiensis israelensis«. Damit ist die Unterart eines Bodenbakteriums gemeint, dessen giftige Absonderungen die Gedärme der Gelsen-Larven angreifen. Und sie töten. Das »Bio«-Gift gelangt über das Wasser in die Jung-Mücken. Am besten funktioniert das in sauberem Wasser. In trüben Au-Gewässern, in denen es vor Leben nur so wimmelt, wirkt Bti hingegen weniger effektiv: Die Mücken-Larven filtrieren viele verschiedene Stoffe aus dem Wasser und nehmen dadurch weniger Bti in ihren Körper auf. Das Gift wird verdünnt. Bt-Toxine werden auch im Biolandbau gegen Pflanzen-Schädlinge eingesetzt. Aber sie errangen zweifelhafte Berühmtheit durch

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Gelsen

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Gegen Gelsenlarven wird schon mal (biologisch abbaubares) Gift eingesetzt.

gentechnisch veränderte Feld-Pflanzen, deren Zellen permanent Bt-Toxine produzieren, um lästigen Schädlingen den Garaus zu machen. Wenn das Bti-Gift über einen längere Zeitspanne eingesetzt wird, wie dies bei Gentech-Pflanzen der Fall ist, kann das nämlich Resistenzbildung bei Insekten fördern. Beim Gentech-Mais ist das bereits ein Riesenproblem. Das Bti-Gift ist zwar biologisch abbaubar und wird auf biologischem Weg gewonnen, aber es ist und bleibt ein Umwelt-Gift. 2013 wurde es von den meisten Gemeinden entlang der March erstmals großflächig in den Auen ausgebracht, um die Gelsen zu reduzieren. Der Giftstoff wurde in alle Gewässer verteilt, in denen mehr als 20 Gelsenlarven pro Liter festgestellt wurden. Bei einer Larven-Entwicklungsdauer von wenigen Tagen gibt es dafür nur ein enges Zeitfenster. Deshalb wurde ein Hubschrauber eingesetzt und das Gift wurde im Überflug ausgestreut. Gebracht hat das aber wenig. Gerhard Egger, Naturschutzexperte vom wwf, erklärt: »Bti tötet auch zahlreiche andere Wassertiere, die eine wichtige ökologische Funktion haben. Gelsen sind Nahrung für viele andere Tierarten, reinigen das Wasser in der Au und bestäuben Blütenpflanzen. Ohne Gelsen könnte sich die Wasserqualität verschlechtern mit bösen Folgen«, betont er. Erika Dorn ist Mitarbeiterin des Bereichs Besucher & Kommunikation im Nationalpark Donau-Auen. Wie geht der Nationalpark mit den Plagegeistern um? »Wir schützen ein international anerkanntes Nationalpark-Gebiet mit seinem gesamten Artengefüge. Gelsen-Bekämpfung ist daher nicht denkbar«, sagt sie. Wir Menschen würden dazu tendieren, den Nutzen für uns in den Mittelpunkt zu stellen. »Dabei übersehen wir,

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dass alle Lebewesen im Ökosystem-Gefüge eine Funktion haben«, so Erika Dorn. »Wir versuchen die Lebensräume so zu gestalten, dass die Artenvielfalt hoch ist und sich die Populationen so gegenseitig regulieren.« Wie sinnvoll ist der Ruf nach der biologischen Kriegsführung gegen das Vampir-Heer in der Au wirklich? Bti tötet die Larven der Gelsen, nicht aber die erwachsenen Mücken. Es muss also punktgenau ausgebracht werden: Am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt. Aber: Gelse ist nicht gleich Gelse. Es gibt verschiedene Arten und Gattungen, die in verschiedenen Lebensräumen leben und saisonal unterschiedlich auftreten.

Stechmücken-Steckbrief In den Wohngebieten plagen uns vor allem die HausGelsen. Deren Weibchen überwintern in frostfreien Bereichen der Gebäude und legen ihre Eier das ganze Jahr über an den nächstmöglichen Plätzen ab: In Regenwassertonnen, Pfützen, Blumentopf-Untersetzern, Gartenteichen. Sie treten vom Frühjahr bis in den Herbst auf. Der Einsatz des Gelsen-Giftes Bti wirkt bei den Hausgelsen-Larven am effektivsten. Nach Hochwasser schwärmen vor allem die Überschwemmungs-Gelsen bzw. Au-Gelsen aus. Die legen ihre Eier zumeist in trockenliegende Überschwemmungsgebiete, wo sie jahrelang überdauern. Werden diese Gebiete überflutet, dann schlüpfen kurz nach dem Abklingen des Hochwassers unzählige Mücken. Sie leben nur kurz und bleiben meist nahe ihrer Brutstätten. Die Weibchen sind bei der Suche nach Blut daher besonders aggressiv. Au-Gelsen dringen eher selten in Gebäude ein. Ihre Larven filtrieren (und reinigen) große Mengen Wasser und

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illustration Zsoldos Márton

Der Gelsen-Fresser: Hundsfisch Der Hundsfisch galt hierzulande als ausgestorben. Im Fadenbach in Niederösterreich wurde er wieder gefunden. Hundsfische leben in verschlammten Gewässern und fressen gerne Gelsenlarven. Der Nationalpark Donau-Auen hat die Lebensräume aufbereitet und der Hundsfisch hat sich wieder etabliert. Wenn es dem Hundsfisch gut geht, dann geht es auch uns Menschen gut, weil es weniger Gelsen gibt. Untersuchungen zeigten, dass Gewässer, in denen der Hundsfisch lebt, kaum Gelsen-Larven beinhalten. Eine Folgestudie (Uni Wien) soll nun klären, ob dafür tatsächlich der Hundsfisch verantwortlich ist.

Vom richtigen Umgang mit der Mückenplage • Brutstätten im Garten bzw. im Ort eliminieren und Gelsen-Fraßfeinde fördern: Pfützen trockenlegen; Wasser in Dachrinnen, Blumentopf-Untersetzern, Altreifen usw. entfernen; Regentonnen abdecken; Gartenteiche naturnah gestalten. • Moskitonetze verwenden. • Neuartige CO2-Fallen lindern die Plage punktgenau (www.biogents.com). • Helle, lange Kleidung tragen. • Gelsen folgen CO2 und Körpergerüchen. Daher: Gerüche reduzieren. Alkohol dürfte Gelsen eher anlocken als abschrecken. • Repellents sind wirksam, aber giftig. Starke Mittel (meist mit dem giftigen Wirkstoff DEET) halten die Biester bis zu 8 Stunden fern. Hausmittel wie Zitronella tun dies nur etwa 20 Minuten lang. Achtung: Die giftigen DEET-Konzentrationen sind in Produkten etwa aus Asien höher als in der EU.

Gelsen-Legenden • Gelsen folgen dem Licht: Falsch • Gelsen werden von »süßem Blut« angezogen: Märchen. • Knoblauch schreckt Gelsen ab: Nicht belegt. • Bierdunst hält Gelsen ab: Das hätten manche wohl gern. Ist aber schlicht falsch. • Tomatenstauden vor dem Fenster halten Gelsen ab: Ihr intensiver Geruch überlagert möglicherweise das CO2 in der Atemluft. Abschreckung ist aber nicht erwiesen. • Gelsen-Apps, Gelsen-Elektro-Griller, Gelsen-Lichter: wirkungslos

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Fr. 11. Juli 2014 OTTAKRINGER ARENA WIESEN

Tickets sind bei Musicticket (www.musicticket.at; Tel: 01/4051010), bei oeticket (www.oeticket.com; Tel: 01/96096), bei JugendTicket im oeticket Center im MuseumsQuartier, in jeder Bank Austria Filiale (Ermäßigung für Ticketingkunden und MegaCard-Members) und unter +43 (1) 24924 erhältlich.

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Gelsen

56 sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für Jung-Fische, Amphibien, andere Insekten, Vögel und Fledermäuse. Um herauszufinden, welche Gelsen-Varietäten im Bereich des Nationalparks Donau-Auen ihr Unwesen treiben, werden zwischen Wien und Bratislava seit mehreren Jahren Gelsen-Fallen aufgestellt. Carina Zittra, Gelsen-Expertin am Institut für Parasitologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, betreut die Fang-Aktion: „Im Sieldungsgebiet haben wir hauptsächlich Haus-Gelsen gefunden. In der Dämmerung können theoretisch zwar auch Au-Gelsen mit dem Wind verdriften. In die Fallen in den Wohngebieten sind uns aber kaum welche gegangen.“ In den Wohngegenden stechen also vor allem die ortsansässigen Gelsen. Die Bekämpfung wirkt demnach am besten, wenn man direkt bei diesen Biestern ansetzt. Das heißt: Tümpel, Pfützen und Wasser in Regenwassertonnen, Blumentöpfen, Altreifen usw. entfernen, Gartenteiche naturnah ausgestalten, um auch den Gelsen-Essern wie den Libellen ein Heimat-Biotop zu bieten. Und: Der allfällige Bti-Einsatz sollte auf die Gelsen-Populationen im Bereich der Siedlungsgebiete ausgerichtet werden. Ein Groß-Versuch in der französischen Camargue hat Unterschiede zwischen Gebieten mit Bti-Bekämpfung und ohne untersucht. Das Ergebnis: Die Erfolge des BtiEinsatzes hielten sich in Grenzen. Insektizide sind freilich niemals frei von Nebenwirkungen, auch wenn sie als „Bio“ vermarktet werden. Nun scheint es aber einen ökologisch weit verträglicheren Hoffnungsschimmer am Mücken-Horizont zu geben: CO²-Gelsenfallen. Stechmücken werden vom Kohlendioxid (CO²) in unserer Atemluft, vom Hautgeruch und von Hell-Dunkel-Kontrasten angezogen. „Mit den neuartigen CO²-Fallen können die erwachsenen Stechmücken gezielt angelockt und eingefangen werden“, weiß Gelsen-Spezialistin Carina Zittra. „Es kommt kein Gift zum Einsatz. Man erwischt die Gelsen, wo sie leben und stechen. Der Einsatz erfolgt nicht in der Au, wo auch andere Arten geschädigt werden.“ Die neuartigen Mückenfallen basieren auf 16 Jahren Forschung an der Universität Regensburg und werden von der Firma Biogents (www.biogents.com) hergestellt. Die Technik befindet sich noch in der Erprobungsphase. Die bisherigen Resultate sind aber vielversprechend. Fazit: „Die durch Gelsen verursachten Konflikte könnten durch Aufklärung der Bevölkerung und umweltschonende Bekämpfungsstrategien wie CO²-Fallen reduziert werden“, so Carina Zittra. In Naturschutzgebieten sollte man mit der Ausbringung von Bti Vorsicht walten lassen, da es keine Langzeitstudien über die Auswirkungen des Bti gibt. Und: Die Plage muss zielgerichtet in den Wohngegenden bekämpft werden. Bleibt abzuwarten, ob dieser Rat auch noch Gehör findet, wenn die Nerven angesichts einer Gelsen-Plage wieder blank liegen. 

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Neue Krankheiten durch Stechmücken? Invasive Stechmücken wie die Tigermücken sind drauf und dran, sich auch bei uns zu etablieren. Hans-Peter Führer vom Institut für Parasitologie an der Vetmed-Uni Wien: »Tigermücken können Krankheiten wie Chikungunya- und Denguefieber übertragen. Die Mücken werden durch Warentransporte und Reisetätigkeiten weltweit verschleppt. Sie sind eher im urbanen Bereich anzutreffen und fühlen sich in Blumenvasen, Blumentopf-Untersätzen oder Friedhöfen wohl. In Italien und Frankreich gab es schon autochthone Ausbrüche von viralen Krankheiten, die von invasiven Mücken übertragen werden.« Im Burgenland und in der südlichen Steiermark wurden die asiatische Tigermücke und die Japanische Buschmücke nachgewiesen. Entsprechende Krankheiten gab es bei uns bisher keine. Diese invasiven Arten halten das Klima in Österreich aber durchaus aus. Der Klimawandel könnte ihre Ausbreitung zusätzlich begünstigen. Hans-Peter Führer weiß auch von unangenehmen Würmern wie Dirofilarien (z.B. der Herzwurm), die von Stechmücken übertragen werden: »Die können von Hunden auf Menschen übertragen werden und haben das Potenzial, auch beim Menschen Krankheiten zu verursachen. Dirofilarien breiten sich derzeit von Ungarn nach Westen aus.« Malaria-Mücken (Anopheles) können auch in unseren Breiten die gefährlichen Blutplasmodien (Malaria-Erreger) übertragen. Immerhin gab es bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts Malaria auch in Österreich, sie konnte aber eliminiert werden. Um Malaria zu übertragen, muss eine Anopheles-Mücke an einem bereits an Malaria erkrankten Menschen Blut saugen und die Erreger in den geeigneten Stadien aufnehmen. Dann braucht es eine längere Warmwetter-Periode, um einen vollständigen Erreger-Zyklus zu ermöglichen. Wenn diese Mücke dann wieder einen Menschen sticht, würde eine Malariainfektion stattfinden. Hans-Peter Führer: »Durch die gute medizinische Versorgung ist eine etwaige erneute Etablierung dieses Krankheitserregers bei uns aber unwahrscheinlich.«

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Flussbaden in der Frödisch

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Darko Todorovic

TIPPS

Thomas Weber

Im Fluss Abseits von Freibad oder Baggerloch: Nichts ist schöner als ein Bad im Fluss – zum Beispiel in der Frödisch, einem kleinen Vorarlberger Gebirgsfluss. Ein Nachmittag in Bildern. Außerdem: Tipps für einen Sommer im Ländle, die in keinem Reiseführer stehen.

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Flussbaden in der Frödisch

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Flussbaden in der Frödisch Wer sich an den Hundstagen zur Frödisch aufmacht, einem Gebirgswildbach im Bezirk Feldkirch, wird durch kaltes, klares Wasser und Waldeinsamkeit belohnt. Zwar ist Vorarlberg gut mit dem Bus erschlossen, doch ein wenig Aufwand bedeutet die Anreise selbst für diejenigen, die mit dem Auto kommen (und das am besten beim Schotterwerk in Sulz stehen lassen). In Sulz fragt man einfach Einheimische nach dem Weg dorthin. Beim Schotterwerk geht es auf der linken Seite zu Fuß zirka 15 bis 20 Minuten flussaufwärts, dann hinunter ins Flussbett. Wo auch immer es gefällt: Halt machen, plantschen, grillen. Auch offenes Feuer ist hier überall erlaubt. Wer sich nochmal eine Viertelstunde flussaufwärts über Steine antut, den erwartet eine natürliche »Mühle« – eine Art Grotte, die das Schmelzwasser ausgewaschen hat.

DAS FOTO-EQUIPMENT VON DARKO TODOROVIC Zum Fotografieren habe ich meine Canon EOS 5D MarkIII mit dem 50 mm 1.2 verwendet. Spezielles Wasser-Schutzgehäuse hat es keines gebraucht. Ein wenig Spritzwasser hält die Cam schon aus. Ansonsten: Winkelsucher für tiefe Perspektiven, Flip Flops und kurze Hosen sind von Vorteil. www.adrok.net

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Flussbaden in der Frรถdisch

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Weitere Vorarlberg-tipps:

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Freihof Sulz Ideal kombinierbar mit einem Nachmittag an der Frödisch ist eine Einkehr im Freihof Sulz. Die alte Gastwirtschaft ist ein zertifiziertes Bio-Lokal, bietet bei Schönwetter einen idyllischen Gastgarten, ist aber auch innen sehr gemütlich. Öffnungszeiten und die Sommerpause im Juli beachten! Und wer schon mal da ist, kann auch gleich im kleinen, feinen Bioladen einkaufen. www.freihofsulz.at

Vetterhof Der Vetterhof in Lustenau ist ein Bio-Pionier und Vorzeigebetrieb. Wer sich voranmeldet, wird gern durch den Hof geführt. Hier leben glückliche Hühner. Die Rinderherde ist im Sommer auf der Alp. Mehr als 200 Gemüsesorten werden selbst angebaut und selbst via Bio-Kiste vermarktet. Im Hofladen gibt es auch andere Bio-Produkte aus der Umgebung. Gern gibt einem die Familie auch Tipps, wie man die nahegelegene Sünser Alpe erwandert, die älteste bewirtschaftete Alm Europas. www.vetterhof.at

Frauenmuseum Hittisau Vermutlich das einzige Museum der Welt, das sich das Gebäude mit einem Feuerwehrhaus teilt. Immer wieder fokussiert die im Bregenzerwald gelegene Institution auch interessante Frauengeschichten und zu Unrecht kaum und wenig bekannte Persönlichkeiten. Sehr besuchenswert! www.frauenmuseum.at

Hochseilklettergarten Damüls Gut an kalten, aber trockenen Tagen; gut an heißen Tagen – weil im Wald gelegen – ein Besuch im Hochseilklettergarten. Auch der Flying Fox über die Schlucht ist ein Spaß. Gut kombinierbar mit einer Wanderung auf die Alpe Oberdamüls. Mit etwas Glück kann man hier sogar Steinböcke beobachten, jedenfalls aber zünftig jausnen. Gleich hinter der Alpwirtschaft findet sich inmitten eines Bachs eine sehr romantische »Insel«, auf der eine Grillstelle und Feuerholz warten. www.das-seil.at | www.alpe-oberdamuels.at

Poolbar Festival Weit über das Ländle hinaus bekannt ist das jeden Sommer im Alten Hallenbad im Zentrum von Feldkirch stattfindende Poolbar Festival. Heuer sind dort (von 4. Juli bis 17. August) u.a. Anna Calvi, Gerard, Ja Panik, 5 / 8erl in Ehr‘n, Cody Chesnutt, Bilderbuch und die Hidden Cameras zu Gast. Nicht nur das Lineup, auch die teilweise vegane, jedenfalls regionale Verpflegung, Vorträge und Workskops zeigen, dass die Poolbar immer noch ein Festival mit gesellschaftspolitischem Anspruch ist. www.poolbar.at

Inatura Ideal bei Regen, dennoch nicht nur bei Schlechtwetter besuchenswert ist die Dornbirner Inatura, ein zeitgemäßes Museum, das Mensch, Natur und Technik in den Mittelpunkt stellt. Was es hier neben unzähligen Tier- und Naturpräparaten gibt: Naturvermittlung, Vorträge, Exkursionen und viel, viel Kinderprogramm! www.inatura.at

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Stör

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Der Donau-dino

Viele kennen nur ihre schmackhaften Eier, den Kaviar. Stör und Sterlet sind aber nicht nur durch Überfischung gefährdet. Die Staustufen der Wasserkraftwerke haben auch an der Donau ihre Wanderrouten unterbrochen.

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ie Störartigen sind eine sehr urtümliche Fischfamilie, deren Vertreter seit über 200 Millionen Jahren beinahe unverändert in den Flüssen und Küstengebieten der nördlichen Hemisphäre leben. Sie sind stammesgeschichtlich deutlich älter als die anderen heimischen Fischarten und haben durch ihr verknorpeltes Skelett, fünf Reihen von Knochenschildern und die haiähnliche Schwanzflosse ein sehr charakteristisches Aussehen. Der Lebenszyklus der Störe ist geprägt von Eigenheiten und Superlativen. So gibt es Arten, welche aus dem Meer zum Laichen ins Süßwasser wandern, Arten, welche ihren ganzen Lebenszyklus im Süßwasser verbringen und auch Spezies, die Populationen mit beiden Lebensweisen aufweisen. Weltweit gibt es 27 verschiedene Störarten, deren Vertreter die größten Süßwasserfische der Erde sind. So braucht sich der Hausen, auch Belugastör genannt, mit seinen bis zu sieben Metern Länge und 1.500 kg Gewicht auch vor großen Haien nicht zu verstecken. Störe können

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teilweise sehr alt werden. So ist der älteste belegte Stör nachweislich 167 Jahre alt. Alle Stör-Arten sind in ihrem Bestand bedroht. Dies ist einerseits auf den Verlust von Lebensräumen, vor allem durch Wanderbarrieren wie Wasserkraftwerke, und andererseits auf massive, in vielen Teilen der Welt inzwischen illegale Überfischung, vor allem wegen des geschätzten Kaviars, zurückzuführen.

Die Störe in der Donau Im österreichischen Abschnitt der Donau waren ursprünglich fünf Störarten heimisch. Zwei davon, der Glattdick und der kleine Sterlet, sind in der Donau reine Süßwasserarten, während drei, der Waxdick, der Sternhausen und der Belugastör im Schwarzen Meer leben und zum Laichen ins Süßwasser ziehen. Der Sterlet ist der kleinste der Donau-Störarten. Als reine Süßwasserart bewohnte er ursprünglich die Donau und ihre Nebenflüsse wie Inn, Salzach, March, Drau, Mur, Save, Theiß und die weiteren großen Donauzubringer. Die Laichzeit liegt im Mai und Juni, wobei die klebrigen Eier auf Schotter und Fels abgelegt werden. Die Nahrung des Sterlets besteht hauptsächlich aus bodenlebenden wirbellosen Kleinlebewesen wie Mückenlarven, Krebsen oder Würmern, wobei gelegentlich auch Fischeier gefressen werden. Aufgrund seiner geringen Größe wurde der Sterlet nie so stark überfischt wie die anderen Donaustörarten. Wesentlich drastischere Auswirkungen auf seine Bestände in der Oberen und Mittleren Donau hatten in der Vergangenheit der Verlust von Lebensraum durch Flussregulierungen und Migrationshindernisse in Form von Wasserkraftwerken, welche als Hauptgrund für das Aussterben des Sterlets in vielen Donauabschnitten gesehen werden können. Heute

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ILLUSTRATION

Georg Nejeschleba

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Text

Thomas Friedrich

bewohnt der letzte reproduzierende Sterlet-Bestand der Oberen Donau den Stauraum Aschach an der deutschösterreichischen Grenze.

Wirtschaftliche & kulturelle Bedeutung Aufgrund der Größe und des einfachen Fangs waren Störfleisch und Kaviar seit jeher eine wichtige Nahrungsquelle für den Menschen. Neben Fleisch und Kaviar wurden die Schwimmblase sowie Haut und Knochen auch zur Herstellung von Leim und Leder eingesetzt. Die Fische wurden mit Harpunen, Netzen oder hölzernen Fangzäunen, welche den Fluss teilweise über die ganze Breite absperrten, gefangen. Am Wiener Fischmarkt war der sogenannte Hausenhacker sogar eine eigene Berufsgruppe, die Tagesmengen von bis zu 50 Tonnen verarbeitete. Gepökeltes Störfleisch und Kaviar wurde von Wien nach Prag, München und Paris exportiert. Als Kaviar werden die unreifen Eier des Störs bezeichnet: Die Entnahme erfolgt vor der Eireife, weswegen die Tiere zur Kaviarproduktion geschlachtet werden. Wegen der Übernutzung der Bestände begannen die Fangzahlen bereits im 16. Jahrhundert zu sinken, die großen Stör-Arten waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits größtenteils aus den österreichischen Gewässern verschwunden. Die Störe sind ein Symbol intakter Flusslandschaften und ihre Bestandsentwicklung in den letzten Jahrhunderten ein Eindruck der vielfältigen negativen menschlichen Einflüsse auf diese Ökosysteme. Der Erhalt dieser Fische ist untrennbar verbunden mit einem grundsätzlichen Respekt vor den Gewässern als Lebensadern des Ökosystems Erde. Aus diesem Grund verdienen diese urtümlichen Tiere unsere volle Aufmerksamkeit und ein rasches Handeln hinsichtlich ihres Schutzes.

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Danube Day 2014 Bereits zum 10. Mal widmet sich der »Danube Day« – heuer am 25. Juni – dem Schutz der Donau. In Aquarien werden auch Störarten zu sehen sein. Unter dem Motto »Get active for a living Danube« wird es Ende Juni im gesamten Donauraum zahlreiche Veranstaltungen geben. Der österreichische Danube Day-Höhepunkt findet am 25. Juni im Wiener MuseumsQuartier statt. Trägerorganisationen des Danube Day sind das Ministerium für ein lebenswertes Österreich, die Stadt Wien und die MA 31 - Wiener Wasser, das Verkehrsministerium sowie die via donau. Das Programm wird vielfältig, informativ und unterhaltsam sein. Während des ganzen Tages (8 bis 17 Uhr) haben Besucher die Möglichkeit, an einem interaktiven Programm rund um den Schutz der wichtigen Lebensader »Donau« teilzunehmen. Zahlreiche Kooperationspartner aus den Bereichen Umweltschutz, Tourismus, Wirtschaft und Kultur präsentieren unterschiedliche Facetten der Donau. Alle natur- und wasserinteressierten Besucher werden voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Das Programm bietet den Jüngsten gleichermaßen einen hohen Unterhaltungswert wie den Erwachsenen. Ein »UmweltTheater» wird aufgeführt, lebende Jungfische der unterschiedlichen Störarten werden präsentiert, malen, basteln – und alles rund um den Sterlet. Teil einer entgeltlichen Medienkooperation mit den Danube Day-Trägerorganisationen.

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Nationalparks

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text Und Bild

Matthias Schickhofer

Der Wiegenwald im Nationalpark Hohe Tauern

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2014 widmet sich biorama in regelmäßigen Abständen den österreichischen Nationalparks. www.nationalparksaustria.at

Revival der Wildnis In den Naturzonen von Österreichs Nationalpark wird wilde Natur geschützt und gefördert. Doch wozu? Muss die Natur gar nicht immer einen Nutzen für uns Menschen liefern?

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er Auwald ist kein Wald, sondern ein Wildwuchs. Wenn wir ihn wegreißen, werden wir ihn begrünen und neu pflanzen, dann wird das Bild schöner sein«, polterte Gewerkschaftspräsident Anton Benya im Jahr 1984. Tausende Menschen hatten die Au bei Hainburg besetzt. Seit damals ist viel Wasser die Donau hinuntergeflossen und die Au ein bedeutender Nationalpark. Dass ein modernes Land modernen Naturschutz betreiben sollte, steht heute außer Streit: In den sechs österreichischen Nationalparks, einem strengen Wildnisgebiet und Naturschutzgebieten lernen wir wieder, uns nicht »verbessernd« in die natürlichen Vorgänge einzumischen. Ist die Rückkehr der Wildnis ein Luxus und Ausdruck von Verschwendung? Oder nur Romantik? Vielleicht gar ein Irrweg? Schauplatz Nationalpark Bayrischer Wald: Der Veteran unter Deutschlands Großschutzgebieten leuchtet intensiv grün – die Buchenwälder haben ihr Frühlingsgewand übergezogen. Im Tal. Weiter oben klaffen hingegen Löcher im Wald. Da sind stehend und liegend nur mehr tote Stämme zu sehen. Stürme hatten im Jahr 1983 tausende Fichten umgerissen. Und die durften in der Kernzone liegenbleiben. Ganz zur Freude des Borkenkäfers, der sich im Fichten-Hochwald explosionsartig vermehrte und einen großen Teil davon zum Absterben brachte. Nun entsteht dort ein artenreicher »Urwald von morgen«. Das gleiche passiert seit 2008 auch im Nationalpark Kalkalpen: 156 Quadratkilometer werden einer natürlichen Dynamik überlassen. Mit der Zeit soll hier die größte Waldwildnis Österreichs entstehen. Gemäß der uno-Naturschutz-Organisation iucn müssen 75 % der Fläche eines Nationalparks (Schutzgebiet der Kategorie II) außer Nutzung genommen werden, Besucher

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sind (auf Wegen) erwünscht. In einem »Wildnisgebiet« (iucn-Kategorie I) dürfen nur Natur und Forscher rein: Management-Eingriffe und Tourismus sind tabu. In Österreich gibt es so ein striktes Schutzgebiet bereits beim Dürrenstein in Niederösterreich. Die ungezügelte Natur verändert den Kalkalpen-Nationalpark dramatisch und rasch: Lawinen reißen Schneisen in den Bergwald und der Borkenkäfer ist im Fichtenwald aktiv. Die toten Bäume sind ein ungewohnter Anblick, aber ein willkommener Lebensraum für seltene Arten. Nach dem Forstgesetz (§ 32a ForstG) müssten Käfer-Bäume eigentlich entfernt werden. Deshalb erwirkte der Nationalpark (als einziger in Österreich) eine Ausnahme. Die Natur darf sich da jetzt selber verwalten. »Bei uns bleiben die befallenen Bäume im Wald«, betont Nationalpark-Direktor Erich Mayrhofer, »der Borkenkäfer zerstört ja den Wald nicht, sondern schafft Platz für neue Baumgenerationen und für andere Baumarten. Er ist ein effizienter ökologischer Mitarbeiter, um die Fichtenbestände zurückzudrängen.« Nur am Rand des Nationalparks werden Käfer-Fichten weggeschafft. Nationalpark-Biologe Erich Weigand unterstreicht: »Nur Wildnisgebiete können eine naturgemäße evolutionäre Entwicklung gewährleisten und das Gen-Erbe unserer Erde dauerhaft sichern. Nur hier kann die Natur unter naturgemäßen Rahmenbedingungen erforscht werden.« Wildnisgebiete sind Gen-Pools, FreilandLabors und Horte der ökologischen Stabilität. Wildnis-Tipp Kalkalpen: Uriger Bergwald (inkl. tote Fichten) bei Feichtau-Alm (Start im Bodinggraben oder Ramsau) und Feichtau-Seen. Außerdem: Wildnistrail Buchensteig. www.kalkalpen.at

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Nationalparks

Im Nationalpark Gesäuse wird zwölf Jahre nach seiner Gründung zwar noch auf etwa 50 % der Fläche eingegriffen, die Zielrichtung ist aber auch hier: Wildnis. »Der Nationalpark Gesäuse entwickelt sich noch«, meint Nationalpark-Direktor Herbert Wölger. Es werde noch Wild reguliert (abnehmende Tendenz), FichtenMonokulturen umgewandelt und Gewässer renaturiert. »Um Lawinen, Steinschlag und Muren abzuhalten, muss auf gewissen Flächen im Zweifelsfall eingegriffen werden.« Und: Die Almen werden weiter bewirtschaftet, aber außerhalb der 75 % nutzungsfreien Zone. Man will verhindern, dass sie zuwachsen, was zu einem Verlust von Biodiversität führen würde. Wildnis-Tipp Gesäuse: »Such dir einen markierten Wanderweg aus, alle führen in die Wildnis«, empfiehlt Herbert Wölger. Special: Das Naturcamp. www.nationalpark.co.at Österreich hat für mitteleuropäische Maßstäbe noch relativ viel Wildnis – aber im Gebirge. Die größte Urlandschaft Österreichs bietet gewiss der Nationalpark Hohe Tauern – ein großer Fleck mit einsamer Gebirgs-Tundra sowie Fels- und Eiswüsten. Wildnis-Tipp Hohe Tauern: Einsame Wege wie im Untersulzbachtal oder der St. Pöltner Weg in Osttirol garantieren WildnisErlebnis. Lehr-Pfad im »Rauriser Urwald« (Rauristal). Geführte Trekking-Touren. www.hohetauern.at Einige letzte Reste der ursprünglichen Naturwälder im Hügelland werden im Nationalpark Thayatal im Norden Niederösterreichs bewahrt. »Es gibt jetzt kaum mehr Nutzungen oder Eingriffe, die das Ökosystem nachteilig beeinflussen würden«, erläutert Christian Übl, zuständig für Besuchermanagement. »Wir befinden uns noch in einer Übergangsphase zwischen dem Wirtschaftswald und dem zukünftigen naturnahen WaldLebensraum. Es wird aber noch Jahrtausende dauern, bis die Lebensräume hier wieder einen ›natürlichen‹ Zustand erreichen.« Wildnis-Tipp Thayatal: Highlight ist der Umlaufberg mit Eichenwäldern und Trockenrasen. Teile des Parks sind für Besucher gesperrt – um Wildkatze, Fischotter oder Schwarzstorch nicht zu stören. Ausnahme: SpezialExkursionen. www.np-thayatal.at

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Österreichs »Dschungel« findet sich im Nationalpark Donau-Auen: Die Auen unterhalb Wiens sind frei von Kraftwerken und daher noch relativ intakt. Forst- und Jagdwirtschaft wurden eingestellt. Um die Au wieder besser mit der Flussdynamik der Donau zu verbinden, entfernten Bagger zuletzt 50.000 m³ Wasserbausteine – in der Naturzone. In kürzester Zeit hat der Fluss dort wieder wilde Uferlandschaften geschaffen. Wildnistipp Donau-Auen: Wanderwege ab der Besucherzentren in der Lobau und in Orth. Intensives Dschungel-Feeling bei einer Kanu-Fahrt: Boots-Verleih im Forsthaus Stopfenreuth. Geführte Touren. www.donauauen.at Alois Lang vom Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel hinterfragt die Vorteile von mehr Wildnisflächen für die Biodiversität: »Selbst ein paar hundert Quadratkilometer mehr in Österreich würden dort wenig verbessern, wo die Artenvielfalt eher überschaubar ist.« Die Vielfalt ist im Natur- und Kultur-Landschafts-Mosaik rund um Österreichs Steppensee überaus üppig. Im südöstlichen Teil des Neusiedler Sees sind daher heute international bedeutende Bereiche streng geschützt. Eingriffe finden da keine mehr statt, auch Besucher müssen draußen bleiben. Wildnis-Tipp Neusiedler See – Seewinkel: »Auf den bestehenden Wegen kann man vieles von dem, was die Naturzone ausmacht, beobachten - und zwar das ganze Jahr über«, erklärt Alois Lang. »Die Artenvielfalt hier profitiert von der unzugänglichen Naturzone, weil beispielsweise Vogelarten dort brüten und draußen Nahrung finden.« www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at Wofür brauchen wir die Wildnis also? Zweifellos profitieren Forschung, Artenvielfalt, ökologische Stabilität und die genetische Ausstattung davon. Und Wildnis bietet traumhafte Erlebniswelten. Oder geht es gar nicht so sehr darum, was wir brauchen? Mögliche Antworten findet man am besten selbst. In den Nationalparks.

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Staffan Widstrand

Lasst Europa verwildern! die initiative »rewilding europe« will der wildnis samt bewohnern in europa eine neue chance geben. in zehn modell-gebieten soll akzeptanz für mehr wilde natur erreicht werden. denn: die wilden tiere europas wie bären, luchse, wölfe, elche, wisente und co. melden sich sukzessive zurück. Der alte Kontinent Europa sieht sich gerne als Vorreiter in Sachen Natur- und Umweltschutz. Europa ist aber ein Resultat einer breiten Naturverdrängung und -zerstörung: Urwälder wurden gerodet, Flüsse reguliert und von den verschiedenen Wildtier-Populationen sind nur mehr wenige am Leben. Um Europa wieder zu einem »wilderen Ort« zu machen, wurden fünf Regionen als »Rewilding Areas« ausgewählt. »Wir glauben, dass wilde Natur, wilde Lebewesen und natürliche Prozesse notwendig und gut sind für Mensch und Natur« – so lautet das Credo des Programms, das unter anderen vom wwf Niederlande lanciert worden war. Ergo versucht man, Groß-Schutzgebiete zu etablieren und verschwundene Tierarten wieder anzusiedeln.

Wisent-Wildnis Der letzte Streich: Die Auswilderung von Wisenten in den rumänischen Karpaten. Die einst häufigen Wald-Rinder (Verwandte der amerikanischen Bisons) wurden fast alle zu Tode gejagt. Nur 54 Tiere überlebten in Gefangenschaft. Heute gibt es wieder etwa 5.000 Individuen – gut 3.000 davon leben mehr oder weniger in Freiheit. In den östlichen und südli-

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chen Karpaten, im Oder- und im Donau-Delta sollen nun Populationen mit jeweils 100 Individuen aufgebaut werden. Auf Einladung der Gemeinde Armenis in Südwest-Rumänien wurden im Mai 17 Wisente in die Freiheit entlassen – die größte derartige Auswilderung bisher. In den Karpaten waren die Zottelriesen bis in das 18. Jahrhundert hinein heimisch. Der schwedische Naturfotograf Staffan Widstrand ist Kommunikations-Direktor von »Rewilding Europe«. Er erzählt, dass sich die kleine Gemeinde Armenis einstimmig für das Projekt entschieden hat: »Sie haben erkannt, dass sie auf der Landkarte auftauchen, wenn sie zum Wisent-Dorf werden. Und sie wissen auch, dass sie auf die Bisons aufpassen müssen.« Deshalb werden örtliche Jäger als Wisent-Ranger arbeiten. Und im Ort rüsten sich Zimmervermieter schon für die Wisent-Fans. »Wildnis muss sich finanzieren, Jobs und Einkommen bringen«, ist Widstrand überzeugt.

Ein Chance für Wölfe Dass eine kleine Gemeinde wilde Tiere willkommen heißt, ist aber nicht üblich. Meistens herrscht eher Ablehnung vor: »Am schwierigsten ist es in Gebieten, wo es diese Wildtiere schon länger nicht mehr gibt. Die Aufgabe von Agrarland in vielen Teilen Europas und das üppige Jagdwild-Angebot kommen Auswilderungsprojekten aber entgegen.« Gute Chancen für vielversprechende Auswilderungen sieht Staffan Widstrand auch in Deutschland: »Das Oder-Delta hat ein großes Potenzial, auch als touristische Destination. Elche leben auf der polnischen Seite, ebenso Wölfe. Und man braucht nur eine Stunde bis zu einer Herde Wisente.« In Österreich ist »Rewilding Europe« derzeit nicht aktiv. Dessen ungeachtet sind Elche aus Südböhmen eingewandert. Luchse und Wölfe wurden in Nord- und Ostösterreich registriert – und Bären treiben sich in Südkärnten herum. Nun liegt es an uns, ob wir immer noch an das Märchen vom bösen Wolf glauben – oder ob wir diesen Tieren eine Chance geben. www.rewildingeurope.com

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Pilze suchen

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Gabriele Kovacs

Die 10 Gebote des Schwammerlsuchens Wer weiß schon, dass Pilzfleisch ähnlich verderblich ist wie frischer Fisch? Zehn Regeln, die es beim Sammeln von Pfifferling und Co zu beachten gilt. (Einen übersichtlichen Pilz-Führer werden sie aber trotzdem nicht ersetzen.)

01 • Giftpilze sind nur an eindeutigen Merkmalen der Fruchtkörper zu erkennen Verfärbung oder Nicht-Verfärbung des Pilzfleisches im Schnitt ist kein Indiz. Geruch oder Geschmack können täuschen, so riecht der Grüne Knollenblätterpilz jung angenehm nach Kunsthonig und schmeckt mild. Schwarzwerden einer mitgekochten Zwiebel oder eines Silberlöffels ist Humbug. Schnecken, Nagetiere und Wiederkäuer können aufgrund ihres Verdauungsapparates giftige Pilze fressen.

02 • Die wichtigsten Speisepilze zu kennen genügt nicht, um Vergiftungen vorzubeugen Wer schon einmal Gallenröhrlinge statt der vermeintlichen Steinpilze zubereitet hat, weiß, wie leicht Pilze zu verwechseln sind. Hilfreich ist der Rat eines Pilzsachverständigen. Sich auf Bilder in einem Pilzbuch zu verlassen, kann in die Irre leiten, denn Pilze sind in Form und Farbe sehr variabel.

03 • Die eigenen Pilzkenntnisse realistisch einschätzen Es ist unmöglich und auch unnötig, alle Pilzarten zu kennen. Man sollte sich auf die Pilzarten beschränken, die man wirklich genau kennt und gut verträgt. Selbstkritik und Bescheidenheit können Leben retten. Im Zweifelsfall bleibt der Pilz besser im Wald, als zu Hause Schaden anzurichten.

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04 • Vorsicht beim Pilzesammeln in anderen Regionen und Ländern Man bedenke, dass schon im Mittelmeerraum ein anderes Klima herrscht und Flora und Fauna sich erheblich von unseren Breiten unterscheiden. Auch die von zu Hause bekannten Pilze können ein anderes Aussehen haben.

05 • Im Zweifelsfall einen Pilzsachverständigen befragen Auf keinen Fall mit unbekannten Pilzen Selbstversuche anstellen. Zuverlässige Auskunft kann in Marktämtern eingeholt werden oder bei regionalen Pilzvereinen. Diese Pilze gesondert transportieren, bei den Hochgiftigen genügt ein kleines Stückchen für Vergiftungserscheinungen.

06 • Nur frische und gesunde Pilze sammeln Auch Speisepilze können verderben und giftig werden, wenn sie überaltert, madig, faulig, zerdrückt, stark durchwässert, vom Goldschimmel befallen oder durch Auftauen nach Frost verdorben sind. Ebenso sind lokale Schadstoffbelastungen zu beachten.

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Kuhmaul

Austernseitling

Eierschwammerl / Pfifferling

09 • Pilze richtig zubereiten und aufbewahren Parasol

07 • Keine verdorbenen oder zu jungen Pilze sammeln Nur eindeutig kenntliche Fruchtkörper sammeln, bei allzu jungen Exemplaren sind wichtige Merkmale mitunter noch nicht ausgeprägt (z.B. fatale Verwechslungen von sehr jungen Eierschwammerln (Pfifferlingen) mit dem tödlich giftigen Orangefuchsigen Raukopf ).

08 • Pilze beim Transport luftig lagern Am besten eignen sich Körbe. In Plastiksackerln oder luftdichten Gefäßen kann die entstehende Wärme die Pilze verderben, was mitunter zu Beschwerden im Sinne einer bakteriellen Lebensmittelvergiftung führt. Stofftaschen können für robuste Pilzarten (z.B. Eierschwammerl / Pfifferlinge) verwendet werden. Bei sommerlichen Temperaturen und im Auto empfiehlt sich eine Kühlbox.

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Besonders empfindliche Arten wie Kaiserlinge und Tintlinge noch am selben Tag verarbeiten. Gebraten oder gekocht lassen sich Pilze im Kühlschrank einige Zeit aufbewahren, sie müssen vor dem Verzehr nochmals gründlich erhitzt werden. Pilze flach ausgebreitet, kühl und luftig lagern. Viele »Pilzvergiftungen« sind Lebensmittelvergiftungen nach dem Verzehr verdorbener Pilze, denn Pilzfleisch ist ähnlich empfindlich wie frischer Fisch. Tiefkühlen ist eine Möglichkeit zur mittelfristigen Konservierung von Pilzen. Getrocknete, luftdicht verpackte Pilze dunkel lagern, dann halten sie nahezu unbegrenzt.

10 • Pilze nicht zerstören Zerstöre keine Pilzfruchtkörper, auch wenn es sich um Giftpilze handelt – Pilze spielen in der Lebensgemeinschaft Wald eine wichtige Rolle. Kennenlernen und Bewundern ist angesagt! Bis 8. April 2015 zeigt das Niederösterreichische Landesmuseum in St. Pölten (Kulturbezirk 5) die von Gabriele Kovacs kuratierte Sonderausstellung »Pilze – Mehr als nur Schwammerl«. Die Illustrationen stammen aus Klaus Kamolz’ in der Perlen-Reihe erschienenem Band »Pilze finden«.

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Daniel Spreitzer

Auf den Spuren der Tiere in der Stadt

Entgeltliche Einschaltung

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Samtiges Pfötchen oder zarte Kralle? In der Stadt wohnen die unterschiedlichsten Tiere und sie hinterlassen ihre Spuren. Welcher Abdruck gehört zu welchem Tier? Rate erstmal – und folge dann erst den Linien.

10 Jahre EULE – das Umweltbildungsprogramm der Stadt Wien eule, das erfolgreiche Umweltbildungsprogramm der Stadt Wien, wird zehn Jahre. Grund genug, das Jahr 2014 zum euleJahr zu machen! Mit vielen tollen Veranstaltungen in Wien, zahlreichen spannenden, interessanten und abwechslungsreichen Angeboten und mit einer noch größeren Auflage der 11. Ausgabe der beliebten eule-Broschüre, dem praktischen Wegweiser in und um Wien. Ob Wasserspielplätze, Wildniscamp, Naturerlebnispfade, Aufräumaktionen, Kinderbauernhof oder Blumengärten – da ist für jeden etwas dabei! Und: Der Großteil der eule-Angebote ist für Kinder gratis oder für einen kleinen Unkostenbeitrag buchbar.

www.eule-wien.at

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Outdoor-Ausrüstung

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SELEKTION

Sebastian Rahs

Essenzielles Tage in der Natur erfordern ein Mindestmaß an Ausrüstung. Dass diese nicht ausschließlich Expeditionscharakter ausstrahlen muss, beweist diese kleine Liste an schönen und sinnvollen Produkten für ein angenehmeres Leben draußen.

DIE FLASCHE – das Überlebens-Tool Nummer 1 01 Nalgene Everyday™ Weithalsflasche 1 L In den 70er Jahren fanden Nalgene-Laborgefäße über den Sohn des Firmenpräsidenten ihren Weg zu den Boy Scouts of America und traten dort ihren Siegeszug in der Outdoor-Welt an. Das Geheimnis des Erfolges des amerikanischen Equivalents zur sigg-Flasche liegt in der geschmacksfreien, unzerbrechlichen und temperaturbeständigen Zusammensetzung des Basis-Materials Tritan, einem recyclebaren, bpa-freien Copolyester. Der große Drehverschluß sorgt für eine leichte, gründliche Reinigung. Immer mehr Hersteller von Rucksäcken und Wasserfiltern passen ihre Produkte auf die Maße der in den usa produzierten 32ozWeithalsflasche an. Eine Ikone.

DIE SEIFE – gegen beschleunigte Verrohung 02 Dr. Bronner’s Magic Flüssigseife Der US-Marktführer für Bioseifen kehrt nach 80 Jahren in seine Heimat Deutschland zurück, um nun auch den alten Kontinent mit den berüchtigten 18 Anwendungsmöglichkeiten der »Magic Soap« zu verzaubern. Die Fairtrade zertifizierte, 100 % vegane Seife eignet sich nämlich nicht ausschließlich, um sich Haare und Körper zu waschen, sie dient auch als Rasierseife, Aftershave, Deodorant, Zahnpasta, Mundspülung und als woll- und seidentaugliches Feinwaschmittel und gilt somit als die universellste Outdoor-Seife. Einziger Wermutstropfen: der Schnappverschluss der recyclebaren Kunststoffflasche hält im halbvollen Zustand unter Druck im Rucksack nicht mehr 100 % dicht. Und wer die Anwendung als Zahnpasta ernst nimmt, sollte eher zu Pfefferminze greifen.

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DER SCHLAFPLATZ – Erholung von der Tagesstrecke 03 Spatz Baumwollzelte und -schlafsäcke Seit 1935 fertigt der Camping-Ausrüster Spatz in Zürich – Pfadfindern als »Achterkahn« ein Begriff – Firstzelte aus atmungsaktiver, dennoch wasserfester Baumwolle und darf sich damit als Speerspitze der letzten verbleibenden Zelthersteller dieser Art sehen. Aber wie andere Manufakturen, die seit einer gefühlten Ewigkeit auf Qualität setzen, schließt Spatz auch in Krisenzeiten das Jahr mit positiver Bilanz. Das Grundmaterial für die qualitativ höchstwertigen Zelte werden in der Schweiz bei Jenny Fabrics produziert, das Aluminium für das Zeltgestänge kommt von Menziken. Nach ungefähr 15 Stunden Handarbeit ist ein Zelt angefertigt und darauf gibt es zehn Jahre Garantie. Auch nach Ablauf dieser Zeit werden Zelte aber selbstverständlich zur Reparatur in Zürich angenommen, aber den Lebenszyklus eines solchen Zeltes hat wahrscheinlich noch kaum jemand überlebt. Passend dazu fertig man – mit selber Garantieleistung – auch eine kleine Serie koppelbarer Deckenschlafsäcke aus Baumwolle. Gefüllt mit Entendaunen und -federn oder Dacron-Kunstfaser liegt man so selbst im schlimmsten Regenguss gut gebettet.

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01 DAS HERDFEUER – Zentrum im Kreis 04 Optimus Hiker + Seit mehr als 70 Jahren dient dieser Schwedenofen im Miniformat Outdoor-Begeisterten auf der ganzen Welt als portables Herdfeuer. Und die letzte Evolutionsstufe mit dem High-End-Brenner »Nova« macht alles noch eine Spur besser als bisher. Versehen mit einer Handpumpe und einem fix verbauten Reservoir kann man den aus Stahl gefertigten Koffer-Herd mit allen Flüssigbrennstoffen wie Feuerzeugbenzin, Diesel oder sogar Flugzeugtreibstoff befeuern. So kann man gänzlich auf Aluminium-Einwegkartuschen verzichten und wird nur im seltensten Fall ohne Brennstoff dastehen. Im geöffneten Zustand dient die eine Kofferhälfte als eingebauter Windschutz.

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05 DER REGENSCHUTZ – die zweite Haut Eines der ältesten Familienunternehmen Bayerns – die seit über 200 Jahren bestehende Textilfirma Schöffel, vielen als einer der Gore-Tex®-Vorreiter der frühen 80er bekannt – macht seit Anfang des Jahres als neuer Bluesign®-Systempartner von sich reden. Mit diesem selbst auferlegten, strengsten aller Textilstandards für Umwelt-, Verbraucher- und Arbeitsschutz stellt Schöffel die Qualität seiner Produkte einmal mehr unter Beweis. Mit der Jacke »Phantom Dynamic« besinnen sich die Bayern ihres Grundsatzes, dass Outdoor-Bekleidung nicht ausschließlich für Extremsituationen konzipiert sein sollte. Der selbst verliehene Titel »Die wohl beste Wanderjacke« erscheint durchwegs glaubhaft, hat doch schon länger kein Hersteller mehr so innovativ und konsequent in diesem Bereich gearbeitet. Das zweilagige Venturi-Laminat hält Nässe und Feuchtigkeit draußen, das wasserfeste Kartenfach im Brustbereich, die verlängerbaren »Regen-Ärmel«, eine abnehmbare, wasserdichte Smartphone-Hülle und die integrierte Zecken-entfern-Karte begeistern durch absolute Praxisnähe. Die perfekte zweite Haut.

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DAS SCHUHWERK – leise Sohlen mit geringem Footprint 06 Timberland Earthkeepers® Euro Rock Hiker Timberland – der Hersteller, der Indianer-Schuhe salonfähig machte – bringt mit der »Earthkeepers«Kollektion die wahrscheinlich am konsequentest grün gefertigten Schuhe der Welt auf den Markt. Als Obermaterial kommt traditionell vollnarbiges Rindsleder zum Einsatz, das Futter besteht zu 100 % aus recycelten Kunststoffflaschen und die Gripstick™- und Green Rubber™-Gummisohle besteht ebenfalls aus zu 42 % recyceltem Material. Abgesehen davon taucht man dank des Memory-Schaumpolsters in die Schuhe ein wie in Talkum, und das für viele Jahre gleich.

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elternalltag / Ursel Nendzig

illustration Nana Mandl, Sarah Egbert Eiersholt

Es gibt ein paar Dinge, die darf man einfach nicht haben. Das war immer schon so. Und wird’s auch immer bleiben.

Einfach so!?

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»Calippo war bei uns total verboten!«

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inmal waren wir in der Schweiz im Urlaub, das war Mitte der 80er Jahre, die ganze Großfamilie. Mein Cousin und ich durften uns am ersten Tag ein Eis aussuchen. an diesem Nachmittag das Mädchen Meine Tante sagte: Sucht euch eins aus. Und mein Cousin wählte das Calippo Cola. Boah! Calippo mit dem Calippo Cola und ich konnte war bei uns total verboten! Und wenn schon, dann in den Augen der anderen Kinder lesen, dass sie wegen der vielen Barbies Orange. Aber das Cola, das war tabu. Ich hätte nicht einmal gefragt, ob ich es haben dürfte, nicht und Kassetten neidisch waren. An allen einmal nur probehalber, so tabu war das. Es war folgenden Urlaubstagen füllten wir die Calippo-Verpackung immer wieder mit schlicht unkaufbar. Unleistbar! Ich kann mich nicht erinnern, ob meine Eltern je mit dem BeSinalco und freuten uns wie Kinder (wie zahlargument gekommen sind oder nicht, aber auch sonst). ich habe es jedenfalls so abgespeichert. Calippo Cola, das kriegen nur die Kinder, die auch Such dir eins aus mehrere Barbies haben, Glitzerhaarspangen Ich war verwirrt, als mir irgendwann aufgefallen ist, dass das Calippo nur einen und mehr als zehn Bibi-Blocksberg-KassetEuro kostet. Ich war auch verwirrt, als ich ten. Ich stand da jedenfalls und wartete auf feststellte, dass Zuckerwatte so gut wie gar das Donnerwetter, das beim ausgespronichts kostet. Und dieses Monster-Slushchenen Wunsch nach einem Calippo Cola über uns hereinbrechen würde, aber da Zeugs, das es immer im Freibad gibt. Und Dreh kam keins. OK, sagte die Tante und sah und Drink. Und die Eistüten mit Schokolade mich fragend an. Ich konnte nur nicken und Zuckerstreuselrand. Und die Barbie, die ist und stumm staunend den sakralen Akt auch gar nicht so teuer. Genauso wie eine Bibibetrachten, in dem sie zwei (!!) Calippo Blocksberg-Kassette (ok, CD). Jedenfalls hörte ich Cola bestellte, entgegennahm, bezahlmich kürzlich, auf die Eiskarte zeigend, zum Kind sagen: Such dir eins aus. Ui, ich war gespannt wie te und jedem von uns eines hinstreckte. ein Flitzebogen. Er enttäuschte mich kein bisschen Als wär’s das Normalste auf der Welt! Ich hob die Hand und es war mein. und deutet, zack, aufs Calippo Cola. Ha! Ich kaufIch erinnere mich genau, wie ich es te es natürlich umgehend! Möchte ja nicht, dass er sanft mit meinen Händen wärmdenkt, dieses grausliche Zuckerzeug, dieses sich auf te und darauf wartete, es endlich der untersten Stufe der Nahrungskette befindliche, piaus der (mal ganz ehrlich, weltbeckige Grindeis wäre etwas, das es sich anzuschmachknacktesten) Verpackung zu drüten lohnt. Meine Strategie ging voll auf, nach der Hälfte cken. Es war unglaublich und hielt gab er angewidert auf und ich musste es zu Ende essen. Es schmeckte verboten gut. jeder Erwartung stand. Ich war

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Anders Wohnen

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Teresa Reiter

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Hannes Meraner Tammy Strobel Klaus Toczek

Anders Wohnen Online ist der Hype um die sogenannten Tiny Houses längst in Europa angekommen. Nach und nach machen sich nun auch die ersten Pioniere daran, sich selbst ein solches Haus auf Rädern für ein Leben off-grid zu bauen.

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ur etwa 20 Schritte braucht es, um die Baustelle von Klaus Toczeks zukünftigem Haus zu umrunden. Auf nicht einmal 15 Quadratmetern sollen sein neues Wohnzimmer, Küche und Bad Platz finden. Schlafen wird Klaus am wärmsten Ort des Hauses, in einer Art Hochbett direkt unter dem Dach. Das Wohnen auf engem Raum ist Klaus gewohnt. Zwei Jahrzehnte lang reiste er im VW-Bus quer durch Europa, eine Erfahrung, die er auch in der bald bevorstehenden Rente nicht missen will. »Während der vielen VW-Bus-Jahre habe ich immer wieder festgestellt, dass ich dann wirklich zufrieden bin, wenn meine Grundbedürfnisse befriedigt werden: ein Dach über dem Kopf, ein Bett, etwas zu essen und zu trinken, ein gutes Buch und schöne Musik, umgeben von der Natur, aber ohne sie zu stören oder zu zerstören«, sagt Klaus.

Vom Katastrophengebiet in die Designblogs Er ist nicht der erste, der so denkt. Anfang des Jahrtausends entstand in den USA das sogenannte TinyHouse-Movement, eine architektonische, aber vor allem auch soziale Bewegung, die sich dem bescheidenen und umweltfreundlichen Leben verschrieb. Als Hurrikan Katrina 2005 Teile der usa verwüstete, nutzte man Tiny Houses, oder sogenannte Katrina Cottages, als Notunterkunft für die Sturmopfer. Mittlerweile kennt man Tiny Houses auch in Europa, allerdings hauptsächlich von Architektur- und Designblogs. Dort hat bereits eine Art Wettrennen um die ausgefallensten Kleinbauten, die komfortabelste Innenausstattung und

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auch die Nachhaltigkeit und Energieeffizienz begonnen. Letzteres ist auch für Klaus Toczek ein wichtiges Thema. Seit März baut er an seinem eigenen Tiny House. Eigentlich hat der 60-Jährige IT-Consultant ja keine Ahnung vom Bauen, doch er ist ein geschickter Heimwerker, der in seinem Leben schon das eine oder andere Gartenhäuschen errichtet hat. So ein Minihaus auf Rädern birgt allerdings ganz andere Herausforderungen. Jeder Quadratzentimeter muss optimal genutzt werden und am Ende soll die ganze Konstruktion samt Einrichtung nicht mehr als 3,3 Tonnen wiegen, denn so viel schafft der Anhänger zu Klaus’ Jeep gerade. Doch Klaus ist zuversichtlich. Unzählige Stunden verbrachte er damit, Informationen über Statik und geeignete Materialien für so ein Tiny House zusammenzutragen. Das Internet erwies sich dabei als eine reichhhaltige Fundgrube. »Ich habe bestimmt 30 verschiedene Grundrisse durchgeplant und wieder verworfen, bis mein heutiger Entwurf stand«, sagt Klaus. »Die größte Herausforderung war allerdings die Entscheidung zu bauen selbst. Ich bin nicht mehr so leistungsfähig wie früher«, fügt er hinzu.

Autark wohnen Für sein Tiny House verwendet Klaus nur heimisches Baumaterial, Tropenholz kommt für ihn nicht in Frage. Beleuchtung und Kühlschrank müssen auf 12 Volt ausgelegt werden, denn soviel kann die Solaranlage auf dem Dach produzieren. Trinkwasser wird er aus einem vorbeifließenden Bach entnehmen, aufbereiten und das Abwasser über eine Pflanzenkläranlage leiten und in

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die Natur zurückgeben. »Und die schwedische TrockenTrenn-Toilette macht aus Abfall wertvollen Dünger – das hat schon Hundertwasser festgestellt«, sagt Klaus. Mit seinem Vorhaben ist er in Europa eher ein Pionier. Von einem richtigen Tiny-House-Trend kann man hierzulande nämlich noch nicht sprechen. Komplizierte Bauvorschriften, Genehmigungspflichten und Straßenverkehrsverordnungen behindern momentan noch eine raschere Ausbreitung der Tiny Houses. Dennoch wächst auch hier das Interesse am sogenannten »Humble Living«.

DIY im Mini-Format Mark Burton von Tiny House Europe ist einer der ersten europäischen Minihaus-Produzenten. Gemeinsam mit Solarenergieexperten und anderen Bastlern stellt er auf Wunsch ein Tiny House her, das ein Leben offgrid, also vollständig abgekoppelt vom Versorgungsnetz, ermöglicht. »Wir bauen Duschen ein, die ohne Wasser-

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anschluss und nur mit zwei Batterien und einer Gasflasche funktionieren. Die verfügen wahrscheinlich über einen besseren Wasserdruck als meine Dusche zu Hause«, erklärt er mit stolz geschwellter Brust. Burtons Firma baut auch kompostierende Toiletten und verschiedene Arten von Heizungstechnik ein. Wichtig sei bei alledem, den Menschen beizubringen, wie man off-grid lebt. »Man kann zum Beispiel alte Zeitungen sammeln, sie einweichen, zu Blöcken pressen, trocknen und sie anschließend als Brennstoff im Ofen verwenden. Früher wusste jeder, wie man diese Dinge tut, aber seit wir all diese Technik haben, haben wir einfach darauf vergessen«, schnaubt Burton.

Downsizing und Finanzierbarkeit Ein voll ausgestattetes Tiny House von Mark Burton kommt auf etwa 28.000 Euro. Burton ist klar, dass das nicht wenig Geld ist, daher bietet seine Firma auch

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preiswertere Bausätze für etwa 12.000 Euro an, mit denen man sich selbst ein Tiny House bauen kann. »Es gibt sogar eine Art Baukasten für Solaranlagen. Die Person, die das nicht zusammenbauen kann, gibt es nicht«, sagt Burton. Für ihn liegen die Gründe für das steigende Interesse an den Tiny Houses eher in deren Leistbarkeit als im Streben nach einem nachhaltigen Lebensstil. Hohe Energiekosten und das Drängen auf den Wohnungsmarkt machen es speziell jungen Leuten schwer, ein eigenes Heim zu ergattern. Besonders mit dem Eintreten der Finanzkrise hätten daher mehr und mehr Menschen begonnen nach kleineren Immobilien zu suchen, nach dem Motto: Ein kleines Haus ist besser als gar keines. Auch Isabella Bosler von der Tiny House Consulting Deutschland hat diese Beobachtung gemacht: »Der Zuspruch, den unsere Website erhält, ist enorm, aber es geht dabei eher um Downsizing und Finanzierbarkeit eines eigenen Daches über dem Kopf. Die amerikanischen Tiny Houses sprechen zwar den Teil in uns an, der gelegentlich vom Aussteigen träumt, aber eine Zukunft für so eine Wohnform sehe ich hierzulande nicht.« Vor allem im deutschsprachigen Raum finden Kleinstbauten jedoch anderweitig Verwendung. Die Technische Universität München etwa brachte 2005 sechs Studenten in sogenannten Micro-compact-Homes unter. Die würfelförmigen Bauten verfügen über eine Wohnfläche von nur je sechs Quadratmetern und können per Kran oder Helikopter versetzt werden. Die oberösterreichische Herstellerfirma schlägt aber auch andere Verwendungsmöglichkeiten vor, wie etwa als temporäre Künstlerdomizile oder als Notunterkünfte nach Naturkatastrophen.

BELIEBTESTES CRAFTBIER der Festivalbesucher

Wohnen und Umdenken Für Klaus Toczek ist das Interesse an einem Leben off-grid ein Symptom steigender Skepsis gegenüber dem System. »Seit 30 Jahren beobachte ich die Entwicklung unserer Umwelt, der Nahrungsversorgung und der Finanzpolitik. Dabei stelle ich fest, dass sich die Spirale der Abhängigkeit der Verbraucher von der Nahrungsmittelindustrie immer schneller dreht. Die wenigsten Menschen können noch ohne Fertigprodukte kochen und wissen oft gar nicht mehr, wie Lebensmittel hergestellt werden oder wie sie wirklich schmecken. Und am anderen Ende dieser Schlange steht ein gigantischer Müllberg, mit dem wieder ebenso gigantische Gewinne gemacht werden.« Seiner Erfahrung nach trauen sich viele Menschen nicht auszusprechen, wie sie sich das Leben wirklich vorstellen und dass sie Angst vor einem Zusammenbruch des Systems haben. Er sagt: »Seit ich mich als Tiny-House-Bauer geoutet habe und mit den Menschen darüber rede, bekomme ich immer wieder viel Zustimmung. Aber – und das sehe ich als Hoffnung – es setzt bei immer mehr Menschen ein Umdenken ein.« www.toczek.name www.tiny-house.de

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demnächst erhältlich in folgenden Wiener Lokalen:

HAWIDERE LITTLE STAGE CHARLIE P‘S DIE AU BADESCHIFF VERDE1080

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Foto: Thomas Apolt, Kochbuch ÖSTERREICH VEGETARISCH

Dazu empfehlen wir: Basen Ausgleich Kräutertee

r e m m Soin der s i e ‘ p s b i e L Schmecken, Riechen, Fühlen und Staunen über die köstliche Vielfalt des Waldviertels. Sonnentor Bio Gasthaus Leibspeis’ & Teesalon Tee-Zeit Sprögnitz 15, 3910 Zwettl | www.sonnentor.com

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glasgeflüster / Sarah Krobath und Jürgen Schmücking

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Rotwein-Fairkostung Fairtrade-Wein? Es gibt viel zu wenig davon, und das ist ziemlich unfair.

sarah: Im Schokoladeregal und auf der Kleiderstange sind Fairtrade-Produkte, wenn auch noch viel zu wenig, immerhin präsent. In den meisten Weinabteilungen sucht man sie aber vergebens. Dabei gibt es Weine mit Fairtrade-Siegel in Österreich schon seit 1995, die meisten in Weltläden. Im eza-Shop im ersten Wiener Bezirk werde ich auch fündig und stoße auf den von Jürgen empfohlenen Lautaro Bio Cabernet Sauvignon 2012 von der »Gesellschaft der Weinbauern von Sagrada Familia« in Chile. Ein kühler, vollmundiger Wein mit samtigen Tanninen. Zu den sortentypischen schwarzen Johannisbeeren gesellen sich Kirschen, rote Paprika und Lakritz, sogar eine leicht pfeffrige Note. Schön und gut, warum aber zu einem Rotwein greifen, der aus Südamerika herbeigeschifft wurde? Kakao und Baumwolle wachsen hierzulande nicht, doch gute Weine in Bio-Qualität kann im Prinzip jeder beim Winzer seines Vertrauens kaufen. Der Blick über den Glasrand lohnt sich trotzdem – für uns Genießer, insbesondere aber für die Kleinproduzenten und ihre Familien, die von einem geregelten Einkommen, besseren Lebensverhältnissen und Bildungschancen profitieren. Woraus: »aus Solidarität« Wozu: Zartbitterschokolade, mindestens 75%, Fairtrade natürlich Mit wem: in Gedanken mit Lautaro, dem jungen Mapuche-Kriegerhäuptling und Namensgeber des Weins

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jürgen: Eigentlich sollte es ja überall auf der Welt fair zugehen. Also für unseren Zweck hier überall dort, wo Wein gekeltert wird. Die Regeln der Fairness gelten im Elsass genauso wie im Weinviertel oder der Toskana. Sucht man bewusst nach fair gehandeltem Wein, landet man allerdings schnell in Chile, Argentinien oder Südafrika. Scheinbar ein Überbleibsel kolonialer Ausbeutung und: es gibt viel zu wenig davon. Schade, denn was an Fairtrade zertifizierten Weinen in unseren Regalen landet, ist ziemlich gut. Mein Liebling darunter ist der No Sulphur Added Pinotage 2012 von Stellar Organics aus Südafrika. Überhaupt ist Stellar Organics ein Vorzeigebetrieb in Sachen Bio, Fairness und soziale Verantwortung. Der Pinotage ist ein üppiger, ausgesprochen fruchtiger und ernsthafter Wein. Kräftig und robust auf der einen, nobel und elegant auf der anderen Seite. Neben der hochreifen Kirschfrucht ist da auch noch frisch gegerbtes Leder, feiner Tabak und ein subtiler Duft nach frisch gemahlenem Kaffee. Der Wein vom Westkap ist ein idealer Sommernachmittagsbegleiter. Vor, zum und nach dem bbq. Die Gespräche in der Nacht werden so tiefgründig wie der Wein selbst sein.  Woraus: Ehrlich? Aus einem schweren Wasserglas Wozu: Porterhouse, nicht zu klein und blue rare (und den Drums von Tam Tam d’Afrique) Mit wem: den Jungs von meinem alten Wasserballteam

illustration Nana Mandl, Sarah Egbert Eiersholt

Dazu empfehlen wir: Basen Ausgleich Kräutertee

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erlend

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Bio-Start-up

INTERVIEW

Mirjam Bromundt

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Haselherz

Eine auf die Nuss Neben Döner-Ständen und Gemüseläden bringt Ebru Erkunt mit ihrem Haselnussmus eine etwas andere türkische Tradition nach Deutschland.

biorama: Wie kommt’s, dass es um Haselherz medial noch so still ist? ebru erkunt: Ich habe Haselherz erst Mitte November hier in Hamburg gegründet, mich dann um Produkte, Design und den Auftritt gekümmert und die Biofach Mitte Februar war dann sozusagen mein Kickoff. Ich bin selbst überrascht, wie schnell das alles ging. Jetzt kommt langsam die Presse auf mich zu – da wird sich in den kommenden Monaten hoffentlich viel tun! Woher kam die Idee? Wir Türken essen Haselnussaufstriche gerne aufs Brot oder löffeln sie einfach direkt aus dem Glas. Letztes Jahr saß ich bei meinen Eltern in der Türkei beim Frühstück und dachte mir, warum es das eigentlich so nicht in Deutschland gibt. Das Haselnussmus von etablierten Marken hier fand ich ganz schlimm – so flüssig und ohne Geschmack! Durch die Verbindung zur Türkei dachte ich mir, ich bringe das einfach selbst hier auf den Markt! Was hab ich schon zu verlieren, außer ein bisschen Geld? War die Umsetzung schwierig? Mir war anfangs nicht bewusst, wo ich mich da genau hineinbegebe. Zum Glück, denn dann hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut. Ich handle mit

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einem Lebensmittel und auch noch im Biosegment, das bedeutet eine sehr große Verantwortung. In Stresssituationen dachte ich schon ab und zu: Hättest du mal lieber Jeans importiert! Wie sieht ein Haselherztag für dich aus? Ich arbeite seit zwölf Jahren in der Werbung und bin Kundenberaterin. Das ist mein Hauptjob, dagegen sieht Haselherz noch eher wie ein kleines Hobby aus. Um von Haselherz zu leben, ist es natürlich noch zu früh, aber es wäre schon mein Traum, meinen Hauptjob dafür aufzugeben. Ich mache lieber etwas für mich selbst bzw. was die Leute genauso erfreut. Rund 80 Prozent des Tages mache ich also Werbung und was für Haselherz nicht nebenher geht, muss eben am Wochenende sein. Eine richtige One-Woman-Show! Du sitzt in der Hamburger Speicherstadt, produzierst aber in der Schwarzmeerregion … Genau. Ich bin nach dem Frühstückserlebnis mit meinem Vater in die Region zwischen Trabzon und Samsun gefahren, die für ihre guten Haselnüsse bekannt ist. 70 Prozent der Nussimporte weltweit stammen ja von dort. Ich habe mich durch die Haselnussbörse gefragt und so den kleinen Familienbetrieb entdeckt, der mir heute aus bio-

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Bio-Start-up

88 logisch zertifizierten Premium-Haselnüssen und Traubensirup Haselherz herstellt. Und das, obwohl Bio in der Türkei noch nicht so angekommen ist. Die Produktion passiert in Handarbeit? Ja, die Nüsse werden in der Manufaktur zerkleinert und in einem großen Rührtopf mit dem Sirup vermengt. Mit Löffeln wird alles in die Gläser gefüllt, gewogen, wiederum von Hand die Etiketten aufgeklebt und das Glas verschlossen. Über Istanbul kommen die Produkte dann mit dem Schiff in ca. 16 Tagen nach Hamburg. Wie hast du die Produkte entwickelt? Ich wollte eigentlich eine Mischung aus 70 Prozent Bio-Nüssen und 30 Prozent Bio-Zucker anbieten. In der Türkei ist Bio-Zucker allerdings verboten, weil so die heimischen Zuckerrübenbauern geschützt werden sollen. Die Manufaktur hat mich dann auf Bio-Traubensirup – Pekmez ist ja auch was typisch Türkisches – gebracht und so sind die drei Sorten Haselherz mit unterschiedlichen Anteilen an Sirup entstanden. Wir Türken mögen es gerne süß, aber 30 Prozent Zucker wäre für den deutschen Markt wahrscheinlich sowieso zu viel gewesen. War es für dich wichtig, Haselherz vegan zu produzieren? Das war wie bei der Sache mit dem Traubensirup eigentlich Zufall. Tierische Zutaten würden dem Produkt aber auch gar nichts bringen, weshalb die zukünftigen Sorten ebenso bewusst vegan bleiben sollen. Wofür verwendest du persönlich Haselherz am liebsten?

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Man kann so viel damit machen! Das muss ich den Leuten wahrscheinlich erst vermitteln. Mein Favorit ist die »Süße Nuss«. Die löffle ich, wenn ich Heißhunger auf Süßes habe, weil ich weiß, dass nur Gutes und vor allem kein Zucker drin ist. Zum Backen verwende ich alle drei Varianten, da kann man Verfeinern und Abschmecken. Die »Grobe Nuss« nutze ich für pikante Soßen oder röste sie in der Pfanne für ein Salat-Topping, die »Liebe Nuss« einfach als Aufstrich aufs Brot und die »Süsse Nuss« nehme ich statt Honig zum Süßen von Joghurt mit Früchten. Denkst du bereits an eine Erweiterung des Sortiments? Ich war vor Kurzem wieder in der Türkei und habe gemeinsam mit der Manufaktur mit herzhaften Varianten experimentiert. Die »Pikante Nuss« habe ich mit nach Deutschland gebracht und teste sie gerade mit meinen Freunden. Ich habe sehr viele Ideen, aber jetzt möchte ich mich erst einmal mit den drei Klassikern etablieren. Wo kann man Haselherz derzeit kaufen? In Deutschland gibt es schon ein paar Bio-Läden, die Haselherz verkaufen, aber ich bin derzeit in Gesprächen für die Listung im Handel. Die Homepage bekommt gerade eine Online-Bestellfunktion und ich versuche die Produkte über andere Portale und Vertriebswege anzubieten. Jetzt werde ich noch auf ein paar Messen zu finden sein und hoffe, dass Haselherz bald in vielen Läden erhältlich sein wird. www.haselherz.de

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Der Schatz vom Birnbaum Der Birne braucht eine kulinarische Renaissance. Hier einige Produkte von Leuten, die sich mit Engagement und Leidenschaft der Frucht verschrieben haben.

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enn wir von Birnen sprechen, sprechen wir auch von Fruchtfleisch gewordener Vielfalt. Und von historischer Bedeutung. Der griechische Philosoph und Naturkundler Theophrast von Eresos erwähnt in seinen Schriften schon drei Sorten. Bei Cato waren es fünf, und Plinius kannte schon 38. Heute sind es weit über 5.000, und die Vielfalt macht echt Freude. Speckbirne, Grüne Winawitz, Rote Pichlbirne oder Schweizer Wasserbirne. Auf den Obstbäumen des Landes wachsen wahre Schätze heran, deren kulinarischer Wert weit über den einstigen Platzhirschen, der Williams, hinausreicht. (Apropos: Es gibt in der Steiermark auch eine sensationell gute Hirschbirne!) Und auch in der Küche zeigen Köchinnen und Köche, dass die Birne deutlich mehr kann als nur Birne Helene und mit billiger Ribiselmarmelade gefülltes Beiwerk während der Wildwochen. Wir haben hier ein paar Produkte zusammengetragen, die zeigen, dass der Birne ein Platz ganz oben in der kulinarischen Hierarchie zusteht. Und zwar von Anfang an.

1 // Für die ganz ganz Kleinen Man kann gar nicht früh genug damit anfangen, die filigrane Feinheit der Williams zu genießen. Die Fruchtzubereitung Williams-Christ-Birnen (nach dem vierten Monat) von Hipp sollte somit zentraler Bestandteil der kulinarischen Sozialisation sein. Ungesüßt, frei von Aromen, Farbstoffen und sonstigen konsistenzverändernden Substanzen ist das Mus unglaublich nah an der frischen Frucht. Achtung! Disput nicht unwahrscheinlich (Mein Hipp? Dein Hipp? Unser Hipp!!)

2 // Für die ganz Jungen Klingt weder regional noch sonderlich kräftig. Der Saft von der Schweizer Wasserbirne. Die Adelsbergers in Randegg im Mostviertel machen aus der Frucht einen sensationell fruchtigen, hellen und erfrischenden Birnensaft. Der ist sauber, glockenklar und trotzdem rustikal birnig. Ausgesprochen harmonisch, nicht zu süß und mit lebendiger Säure gesegnet. Ein Durstlöscher für jeden Haushalt.

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3 // Für alle Williams als Saft. Der allerdings so üppig, dick und kräftig ist, dass er fast ein Nektar ist. Van Nahmen ist leidenschaftlicher Produzent sortenreiner Obstsäfte. Unter anderem. Aber diese Säfte haben es in sich: Der Williams Christ zum Beispiel ist gar nicht weit weg von Hipp. Expressive Fruchtnoten, zauberhafter Charme und eine Dichte und Cremigkeit, dass es eine Freude ist.

4 // Für die Jungen I Wir sind immer noch bei den Adelsbergers und immer noch bei der Schweizer Wasserbirne. Jetzt ist es halt doch so, dass ein paar Volumsprozent Alkohol einen Birnensaft dergestalt verändern, dass Komplexität und Trinkspaß steigen. Der Most von der Schweizer Wasserbirne ist ein heller, strahlender Birnenmost der durch Frische und unbändige Fruchtigkeit überzeugt. Mit oder ohne Soda. ›Gsundheit‹.

5 // Für die Jungen II Sie sind Nachbarn der Adelsbergers und bilden gemeinsam mit ihnen eine Art Bio-Hochburg im Mostviertel. Daniele und Augustin Frühwald führen hier den Hof und vermarkten die Produkte unter Hechal’s Biospezialitäten. Eine davon ist ein Birnen-Cider, abgefüllt in kleinen Flaschen. Koa Wossa Ned heißt der Prickler. Auf der Grundlage der Speckbirne, einer kleinen, runden Mostbirne mit eher geringem Gerbstoffgehalt, ist der Cider ein perfekter Ausdruck Mostviertler Lebensfreude.

6 // Für die Jungen III Manchmal stehen einfach ganz besondere Anlässe ins Haus. Geburtstage, Jubiläen, ein üppiger Auftrag. Für solche Fälle sollte immer etwas Außergewöhnliches parat stehen. Birnenmäßig bietet sich hier der Poiré Granit von Eric Bordelet an. Ein (biodynamischer) Birnen-Cider, der von seiner Feinheit und Eleganz her schon sehr nah an gutem Champagner ist. Die Birnen kommen von über 100 Jahre alten Bäumen auf felsigem Granitboden. Das Ergebnis ist ein heller, kristallklarer und tiefgründiger Schaumwein für große Momente.

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Jürgen Schmücking

Elisabeth Els

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Birnenmus gehört alleine schon deshalb in jede Küche, weil es als unverzichtbare Alternative zum Apfelmus jeden Kaiserschmarrn verzaubert, reifen Käse verfeinert und überhaupt eine der attraktivsten Grundlagen für fruchtige Desserts ist. Das Mus ist in einer halben Stunde fertig. Birnen waschen, schälen und in einen Topf mit Wasser und Weißburgunder geben (etwa fifty-fifty). Je nach Vor- und Belieben Nelken, Zimt, Rum und Zitronenscheiben mitköcheln lassen, bis die Birnenspalten aufgeben und zu Mus werden. Abschmecken, servieren oder in Gläser füllen.

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7 // Für die Reifen

8 // Für die noch Reiferen

Hochprozentiger kann man Birne fast nicht hinkriegen. Devil’s Flame heißen die Flambieressenzen von Josef Farthofer, und was da aus der Flasche rinnt, könnte die Grillkultur revolutionieren. Feinste Brände werden bis zur Dickflüssigkeit reduziert und kommen beim Grillen aufs Fleisch. Dann wird entflammt, der hochprozentige Alkohol sorgt zuerst für einen sensationellen ShowEffekt, verbrennt dann zur Gänze, und das Aroma brennt sich in das Grillgut ein. Gibt es natürlich auch vom Mostbirnenbrand mit kräftig rustikaler Birnen-Note. Ideal für Rib-Eye-Steaks.

Sherry und Port sind was für die Reifen. Bei Portwein drängt sich das Bild vom Zigarre rauchenden, grauhaarigen Gentleman im Lederfauteuil auf. Josef Farthofer hat vor ein paar Jahren damit begonnen, Sherry auf Birnenbasis zu machen. Sein Mostello hat mittlerweile seinen Fixplatz an der Seite fruchtiger Desserts ebenso erobert wie im besagten Ledersessel. Jetzt kommt er in hochwertiger Ausstattung mit neuem Etikett und neuer Flasche daher. Und – was viel wichtiger ist – 2009 ist der erste trockene Jahrgang des Mostello. Also noch nussiger, noch eleganter, noch besser.

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Parvin Razavi

DIY Rezept

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Arnold Pรถschl

das rezept im bild. heute:

Beerentรถrtchen

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ZUTATEN (für 10–12 Törtchen) » 2 Packungen Blätterteig » Kristallzucker » 1 Handvoll Staubzucker » ca. 100 g zimmerwarme Butter für die Creme » ca. 25 g Butter zum Ausbuttern der Form

» 75 g Frischkäse (abgetropft) » Staubzucker zum Bestreuen » Himbeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren oder Kirschen » Linsen oder Bohnen als Platzhalter

Jeder Mensch hat so seine Vorlieben, wenn es um Tätigkeiten in der Küche geht: Die einen bevorzugen es zu kochen und die anderen würden am liebsten nur backen. Da ich aber zur ersten Gruppe gehöre, zählt Backen nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Meine Vorliebe für pikante und salzige Kreationen ist einfach immer stärker. Dieses Rezept aber ist so einfach, dass sogar ich als Backmuffel mir die Mühe mache, ein kleines Törtchen zu backen. Außerdem hat die Beerensaison endlich wieder begonnen und wer will schon einer kleinen, mit Beeren belegten Sünde widerstehen? Eben! Also ran an die Arbeit, Ofen erhitzen, Muffinform auspacken und los geht es mit Einbuttern und Überzuckern. Und im Nu hat man kleine süße beerige Törtchen aus dem Ärmel geschüttelt. 

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Muffinform mit Butter ausstreichen und mit Kristallzucker bestreuen. Blätterteig ausrollen, mit etwas Kristallzucker bestreuen und wie eine Schnecke einrollen. Anschließend in 3-4 cm dicke Scheiben schneiden, jedes Stück mit dem Nudelwalker ausrollen und vorsichtig in die Muffinform drücken. Törtchen mit einem Stück Backpapier belegen und dieses mit Linsen oder Bohnen befüllen und im Ofen goldbraun backen. Leere Törtchen herausnehmen und abkühlen lassen. Butter, Staubzucker und Frischkäse mit der Hand zu einer feinen Creme verrühren und portionsweise vorsichtig in die Törtchen füllen. Jedes Törtchen je nach Wunsch mit Beeren oder Kirschen belegen. Nochmals etwas Staubzucker über den Törtchen verteilen und fertig ist das süße Vergnügen!

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Speis und Trank

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Micky Klemsch

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Sarah Egbert Eiersholt

Günstiges Bio in der GroSSküche Bioqualität gilt generell als teuer. Ein Gerücht, das ganzheitlich gesehen jederzeit widerlegt werden kann. Im Großküchenbereich haben es die Wiener Pensionistenhäuser gewagt – und gewonnen!

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ioqualität bei Lebensmitteln ist mir wichtig. Besonders bei Fleisch, Milchprodukten und allem, was knapp unter oder über dem Boden wächst möchte ich da keine Kompromisse eingehen. Zumindest, wenn ich selber einkaufe und koche kann ich mich daran halten. Die Preise sind in den meisten Fällen etwas höher, den Unterschied kann man durch cleveres Einkaufsverhalten aber wieder kompensieren. So kann ich im Bioladen meines Vertrauens Gemüse einzeln kaufen. Bei Produkten, wo der Preisunterschied aus verständlichen Gründen sehr hoch ist, in erster Linie sind das Fleischprodukte, muss ich halt einen Gang zurückschalten. Dadurch ist mein Fleischkonsum daheim eigentlich erst wieder auf ein vernünftiges Maß zurückgeschraubt worden, denn öfter als einmal in der Woche kann und will ich mir BioHühnerfleisch jetzt nicht mehr leisten. So höre ich im Bekanntenkreis oft auch den Preis als Argument, warum man nicht mehr Lebensmittel in Bioqualität konsumiert. In diesen Fällen empfehle ich meinen Freunden immer das Buch »Arm aber Bio – Mit wenig Geld gesund, ökologisch und genussvoll essen« der Journalistin Rosa Wolff. Sie schildert in einem Selbstversuch sehr gut die Möglichkeiten, sich als Hartz IV-Empfängerin für 4,35 Euro am Tag nachhaltig gut zu ernähren.

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Bio auf Bedürfnisse abgestimmt Bei diesen minimalen Geldbeträgen scheint es eigentlich für Großküchen noch wahrscheinlicher, die Kostenvorgaben auch mit Bioqualität einhalten zu können. Außerdem wäre es hier bei vielen Essern mit speziellen Bedürfnissen mehr als nur sinnvoll: Kindergärten, Spitäler oder Pensionistenheime sollten im Sinne von Gesundheit und schadstofffreien Lebensmitteln auf Bio setzen. Die 30 Wiener Pensionistenwohnhäuser sind diesen Schritt 2012 mit Hilfe der ÖkoKauf Wien und Beratung durch die Bio Austria schon gegangen. Das BioGemüse wird seitdem gebündelt von einem Lieferanten bezogen: Das garantiert, dass bei saisonalen Produkten der Weg von Ernte bis zum Verzehr keine zwei Tage dauert. Das garantiert Frische und spart durch schnelle Verarbeitung und kurze Lieferwege auch CO2-Emissionen. Der hohe Fischbedarf wird vorrangig durch heimischen Biofisch, aber auch durch msc-zertifizierten Meeresfisch gedeckt. Für Ersteres kauft man wöchentlich einen kompletten Fischteichbesatz (ca. 1,4 Tonnen), der von einer Firma filetiert und sofort in den Wohnheimen verarbeitet wird. Gemeinsam mit Produzenten wurden spezielle Bioprodukte entwickelt: Biofruchtsäfte nach den Bedürfnissen der Bewohner und Biofruchtaufstriche mit erhöhtem Fruchtanteil. Viele solcher konsequenten Beispiele haben nicht nur auf die Gesundheit und Zufriedenheit der Pensionisten eine Auswirkung, sie sparen auch CO2-Emissionen, sorgen für eine nachhaltigere Landwirtschaft der Produzenten und reduzieren Transporte und Verpackungen. Schlussendlich schaffte man aber – und das wäre die Conclusio im Kontext des Preisgefüges – die Preisvorgabe für fünf tägliche Mahlzeiten nicht nur zu halten, sondern durch Vermeidung von Überproduktionen, sinnvolle Resteverwertung und gebündelten Einkauf die Kosten sogar zu reduzieren. Ein Best-Case-Beispiel im Sinne von Budget und Konsumenten.

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Marktplatz Kosmetik

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Sylvia Buchacher

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Elisabeth Els

Banane-AgavendicksaftZitrone-Maske

Sturm und Drang »Wer mit 70 eine reizende alte Dame sein möchte, muss als 17-jähriges Mädchen damit anfangen.« Kluge Worte von Agatha Christie, die man sich jeden Tag ins Gesicht cremen sollte.

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erade in der Pubertät, die durch die Hormonumstellung viele Teenagergesichter »aufblühen« lässt, kämpfen Kosmetikfirmen um die Gunst der jungen Kunden. Mit den passenden Naturkosmetikprodukten und der richtigen, regelmäßigen Pflege kann man fast alle größeren und kleineren Hautprobleme selbst in den Griff bekommen, ohne mit verzweifelten Eltern vom Hautarzt zum Kosmetikstudio laufen zu müssen. Junge Haut hat aufgrund einer erhöhten Talgproduktion ganz besondere Ansprüche und benötigt vor allem Feuchtigkeit und Vitamine. Dabei setzen Naturkosmetikfirmen auf pflanzliche Inhaltsstoffe, Antioxidantien (Vitamin C, Vitamin E) und Mineralstoffe (Silizium, Zink), die helfen, den Talgüberschuss und Schmutz sanft zu entfernen. Das Hautbild wird auf schonende Weise mit Feuchtigkeit versorgt und mattiert. Auf peg/pegDerivate (machen die Haut durchlässig für Fremdstoffe), Formaldehyd (steht unter Krebsverdacht und kann Allergien auslösen) und synthetische Duftstoffe wird dabei gänzlich verzichtet. Die Haut kann sich wieder beruhigen, überschüssige Talgproduktion wird gestoppt und verstopfte Poren gereinigt. Gerade im Teenager-Alter gibt es so viel Wichtigeres, als sich über Hautprobleme ärgern zu müssen.

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Bananen enthalten sehr viele gesunde Fette und versorgen die Haut so mit ausreichend Feuchtigkeit, Agavendicksaft beruhigt und hat eine klärende Wirkung. Die Zitronensäure wirkt antibakteriell und trocknet die Haut leicht aus – soll also eher sparsam verwendet werden: Eine ganze, reife Banane zerdrücken, einen Teelöffel Agavendicksaft mit einem halben Teelöffel Zitronensaft unterrühren, vermischen und auf das Gesicht auftragen. Nach 15 bis 20 Minuten vorsichtig mit lauwarmem Wasser abwaschen. Die übrig gebliebene Maskenmischung kann für 2 bis 3 Tage im Kühlschrank aufbewahrt und wiederverwendet oder einfach gegessen werden.

1 // Fruchtbombe Die Beauty & Fruity Mattierende Pflegecreme von Alverde mit Bio-Limetten-Extrakt, biologischem Apfelwasser und Sheabutter mattiert normale und Mischhaut und beugt Hautglanz vor. Für einen zart-duftenden Frischekick am Morgen. www.dm.de/alverde

2 // Wunderwaffe Die Dr. Hauschka Intensivkur klärend bis 25 lässt Entzündungen abklingen und regt den Hautstoffwechsel an. Kapuzinerkresse und Gänseblümchen wirken klärend, Zaubernusswasser stabilisiert, Silber und natürliche Thermalsole beruhigen. Die Intensivkur zum Aufsprühen kann ergänzend zur Basispflege viermal im Jahr über 28 Tage angewendet werden. www.dr.hauschka.com

3 // Frühlingserwachen Als Ergänzung zur täglichen Hautpflege können die Saint Charles Naturals N°3 Hair Skin Nails Kapseln die Struktur und das Erscheinungsbild der Haut verbessern. Mit Perlhirse-Extrakt, Kieselerde, B-Vitaminen (Biotin) und den Spurenelementen Zink und Kupfer werden Haare, Haut und Nägel von innen gestärkt. Zink steigert auch die geistige Leistungsfähigkeit. www.saint.info

4 // Rauf und davon Das Phyto-Balance Reinigungsgel Malve Holunder reinigt Mischhaut sanft und gründlich. Die beruhigende, adstringierende Wirkung des Holunders wird durch Extrakte der Malve unterstützt. Schon in der Antike wurde die Malve als Heilpflanze verehrt und später im Italien des 16. Jahrhunderts als wirkungsvolles Heilkraut gegen Hautreizungen eingesetzt. www.iumn.de

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5 // Allround-Genie

8 // Nordic by Nature

Schon im alten China war der beruhigende Effekt von Ginseng in Heilcremes bekannt, und so wurden die Wurzeln genutzt, um einen ebenmäßigen Teint zu erhalten. Die deutschen Ginseng-Spezialisten Florafarm haben sich die Wirkung des Gewächses zunutze gemacht und die Spezial Ginsengsalbe entwickelt. www.florafarm.de

Vier junge Lettinnen haben vor acht Jahren die Marke Mádara gegründet. Ein natürliches Pflegeprogramm mit erfrischenden Extrakten aus Nordischer Himbeere, Scharfgarbenextrakt und Wiesenklee reduziert ölige Hautpartien, verfeinert die Poren und beruhigt trockene Hautstellen. www.madaracosmetics.com

6 // Sich schön trinken

Tag und Nacht ist die Haut Verunreinigungen ausgesetzt, von denen sie sich selbst nicht befreien kann. Die Erfrischende 2 in 1 Reinigung von Weleda reinigt dank natürlicher Olivenölseife porentief. Auszüge aus dem Iris-Wurzelstock regulieren den Fett- und Feuchtigkeitshaushalt, Hamamelis (Zaubernuss) verfeinert die Poren. www.weleda.de

Mit der Mischung kann man sich seine Haut ganz einfach schön trinken: Die mild-aromatische Teekomposition Pure Tea von Teatox aus ausgewählten Bio-Zutaten (Weißer Tee, Ananas, Lemongras, Ingwerwurzel, Brennnesselblätter, Rotkleeblüten, Stiefmütterchenkraut, Orangenblüten, Olivenblätter, Klettenwurzel, Kamillenblüten) wirkt antioxidativ und entschlackend. www.teatox.de

7 // Bonjour Jeunesse Aloe-Vera-Saft ist für seine feuchtigkeitsspendende, regenerierende und beruhigende Wirkung bekannt und wirkt antibakteriell. Die Santaverde Aloe Vera Creme light aus reinem Aloe-Vera-Saft, leichtem Mandelöl und frischem Apfelextrakt spendet intensive Feuchtigkeit, glättet sanft und bewahrt Elastizität und Geschmeidigkeit der Haut. www.santaverde.de

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9 // Grund zum Strahlen

10 // Reinheitsgebot Die Naturkosmetikpionierin Martina Gebhardt hat mit der Young & Active Linee eine Systempflege für junge Haut entwickelt, die so vielseitig ist wie ihre jungen Verwender selbst. Kräuterextrakte mit Johannisbeere erfrischen und beleben, Sheabutter spendet Feuchtigkeit und Gerbstoffe aus der Kornblume reinigen besonders sanft und wirken beruhigend. Das Erröten heben wir uns lieber für andere Momente auf. www.martina-gebhardt-naturkosmetik.de

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Biorama Nº. 31

und hinter mir die sintflut / Johanna Stögmüller

illustration Nana Mandl, Sarah Egbert Eiersholt

Die Stadt könnte ja ein ganz guter Platz zum Leben sein.

Teil des Problems

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»Könnte ja sein, dass sie glauben, die Welt sei ganz in Ordnung.«

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s gibt da ein kleines Lokal in der Straße. tenfreie / laktosefreie Speisen anbieItalienischer Wein (eigentlich ein Verbreten« – mit einem zufriedenen Lächeln chen in Wien), Pecorino und Espresso aus im Gesicht, das eine bessere Zukunft verheißt. Mit dem gleichen Lächeln einer chromglänzenden Macchina aus dem letzten Jahrhundert. Es schaut alles wunderbar im Gesicht sagt er auch, dass die beiden aus und genauso schmeckt es auch. Vor dem kleiHäuser da drüben endlich weggerissen werden, dann kommen neue hin, mit einen Lokal steht eine kleine Bank, da sitzt man, kippt sich den importierten Chianti in die Birne und ner Tiefgarage, weil mit den Parkplätzen schaut den Menschen zu, die vorbeigehen. Die ist es hier eh ein Horror. Er schaut mich an einen schieben einen Kinderwagen vor sich her. und hofft offensichtlich, dass ich jetzt auch Die anderen ziehen einen Hund nach. Außer dem irgendwas zur Parkplatznot sage. Ich habe Chrom der Espressomaschine glänzt hier sonst bereits das dritte Glas Wein getrunken. Duldung oder Selbsttäuschung wären in diesem wenig. Sogar der Sex-Shop hat geschlossen. Moment eine verzeihbare Reaktion. Doch in An diesem Eck ist also echt nicht viel los. Die Gedanken hebe ich schon den gentrifizierten Nahversorgung funktioniert, ist aber aufs Minimum beschränkt: ein Diskont-Supermarkt, Graben aus: Er will eine Tiefgarage, ich will ein Nagelstudio, ein Installateur-Büro und keine Autos. Er will das G-Wort sagen. Ich will das Beisl neben der Kubanischen Botschaft. diskutieren. Passenderweise meinte letztens ein »Spröden Charme« würden die Stadtplaner Kollege: Wenn du weißt, was Gentrifizierung bediesem Eck attestieren. Nicht hip, nicht eledeutet, bist du Teil des Problems. Ich setze also gant, nicht heruntergekommen. So normal, zur verbalen Verteidigung der alten Bausubstanz dass einem fast der Fuß einschläft. an. Das beeindruckt ihn wenig, weil er der Meinung ist, mit der Tiefgarage das bessere Argument zu haben. Ich sag ihm aber auch ganz klar, dass er Schön langsam den Leuten dann den Wein bald in Einmachgläsern »Ja, aber langsam wird hier auch gentrifiziert«, sagt der Kellner, während er servieren muss und das kann ja schließlich keiner wirklich wollen. Wo das G-Wort ist, lauert Shabby nachschenkt. Er hat das G-Wort geChic nämlich um die Ecke. Leistbarer Wohnraum sagt. Und: Er hat es so gesagt, wie anstatt Dachgeschoss-Wohntraum, raunze ich noch in dere »Langsam wird’s hier auch endlich Sommer« sagen oder »Langsam das halbvolle Rotweinglas, da ist sein zufriedenes Läist das Kind aus dem Gröbsten raus« cheln schon einer hochgezogenen linken Augenbraue oder »Langsam gibt’s immer mehr gewichen. Am besten ich flute den Graben mit Wein, mit Restaurants, die auch vegane / glueinem aus Retz oder Gumpoldskirchen. 

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Bio-Pionierin und Vollwertexpertin Johanna Wolfsberger führt mit einfachen Anleitungen und viel Charme in die vegetarische Vollwertküche ein. Von vielfältigen Müslirezepten über erfrischenden marokkanischen Linsensalat mit Datteln und Mandeln, köstliche GemüseHirse-Pizza bis zu unwiderstehlichen Buchweizenpalatschinken mit Mohnfülle − mit diesen erprobten Wohlfühlrezepten und den wertvollen Zubereitungstipps ist Genuss für jeden Tag garantiert!

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Biorama #31 – Deutschland-Ausgabe