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BIORAMA 102

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DER SONNE ENTGEGEN

Was draußen mit uns passiert.

Unter wilden Tieren: Wie du dich vor welchen fürchten sollst.

Zwischen Himmel und Erde: Wenn Humus schwindet, geht er dann für immer?

Über die Finsternis: Nicht nur der Schlaf profitiert von echter Dunkelheit.

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WO ES BLÜHT UND SUMMT, KNURRT UND BEISST

Ob wir unseren Berufungen ins Freie folgen, den Bedürfnissen eines Hundes oder ob es eine gehörige Portion Frischluftfanatismus ist, der uns unabhängig von Witterung und Jahreszeit an 365 Tagen im Jahr hinaustreibt: Im Frühling und Frühsommer ist das Draußen besonders verlockend. Das frische Sprießen und wohlklingende Zwitschern bringen selbst sonst notorische Stubenhockende ans Tageslicht, laue Sternennächte ans Mondlicht. Wobei es Ansichtssache und eine Frage des Standpunkts bleibt, was »drinnen« ist und was »draußen« meint. Beginnt es außerhalb der eigenen vier Wände, am Balkon oder vielleicht auf der Blumenwiese im Garten; oder erst außerhalb von Stadt, Siedlungsgebiet und der gewohnten Umgebung? Erleben lässt sich da wie dort etwas. Und auch passieren kann überall was, zum Beispiel bei der Begegnung mit einem Wolf, Bären oder Wildschwein. Wildtier bleibt Wildtier; das heißt: letztlich unberechenbar. Furcht ist keine geboten, alles abknallen keine Lösung, Vorsicht trotzdem empfohlen. Wie wir uns bei der Begegnung mit wilden oder halbwilden Tieren richtig verhalten, lest ihr in einem kleinen Dossier auf den folgenden Seiten. Für unseren Street Talk haben wir Menschen gefragt, wovor sie sich in der Natur fürchten. Wilde Tiere dominieren nicht – öfter genannt wurden Klimawandel und Extremwetterereignisse. Realistisch, finden wir. Und wünschen gute Lektüre und eine gute Zeit, da draußen!

Irina Zelewitz, Chefredakteurin zelewitz@biorama.eu

Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu @thomasiiiweber.bsky.social

IMPRESSUM

HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTEURIN Irina Zelewitz AUTORiNNEN Florian Jauk, Marttin Mühl, Ursel Nendzig, Peter Spork, Thomas Weber GESTALTUNG Stefan Staller ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Thomas Weber DRUCK Walstead-Leykamdruck, Bickfordstraße 21, 7201 Neudörfl PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl KONTAKT Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien; www.biorama.eu, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT biorama.eu/abo ERSCHEINUNGSWEISE BIORAMA 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien.

BLATTLINIE BIORAMA ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für den Menschen und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. BIORAMA erscheint sechs Mal im Jahr. Zusätzlich erscheinen wechselnde BIORAMA-Line-Extentions.

102 INHALT

FAKE DARKNESS

Kritisches Timing: Warum für guten Schlaf Zeit im Freien bei Tageslicht wichtig ist – besonders für Kinder, vom Säuglingsalter weg –und Gummibärchen mit Melatonin die nicht ersetzen können.

03 Editorial

06 Bild der Ausgabe 08 Street Talk

12 Global Village

16 Wer hat Angst vor … ... wilden Tieren? Welche Gefahr geht von Elch, Wildschwein, Wolf, Bär, Zecke, Kuh, Schlange oder Wespe aus?

23 Bozener Wildblumen Südtirol soll blühen wie früher.

24 Bodenschwund Wie steht es um die europäischen Landwirtschaftsflächen?

30 Salzburg? Läuft! Einfach machen – mit Willen und Training können Großveranstaltungen als Bioevents bestritten werden.

32 Schrauben oder schrauben lassen?

Das Fahrrad im Frühjahrscheck

39 Gute Nacht unter Sternen Worauf beim Draußenschlafen zu achten ist.

42 Fake Darkness Vorsicht mit Melatonin-Supplements: Das Dunkelhormon ist kein Schlafmittel

52 Biolebensmitteltrends Eine Auswahl an repräsentativen neuen Produkten.

55 Wildpflanzen sammeln, Beeren naschen … … Bärlauch pflücken: In Bodennähe können aber auch Eier des Fuchsbandwurms mit im Paket kommen.

59 Kochbuchempfehlung

62 Rezensionen

MARKTPLATZ

28 Naturkosmetik 9 x Deo

50 Alternativkaffee Kann man auch trinken.

KOLUMNEN

65 Aus dem Verlag

66 Elternalltag

FIT FÜR DIE ERSTE AUSFAHRT:

Jedes Frühjahr sind Fahrradwerkstätten überlastet. Der Beitrag zeigt, welche Arbeiten Teil jedes Frühjahrsservice sind und wie man sie mit wenig Werkzeug erledigen kann. 16

WILDE TIERE UND HALBWILDE WEIDETIERE

Wer fürchtet sich vor Elch, Wolf oder Zecke und wer weiß, was bei einer Begegnung zu tun ist?

55

WILDPFLANZEN SAMMELN, BEEREN NASCHEN …

… Bärlauch pflücken: In Bodennähe können aber auch Eier des Fuchsbandwurms mit im Paket kommen.

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GRÄSER ÜBER SACHEN WACHSEN LASSEN

BILD: CHRISTOPH WEIERMAYR

Im Garten von Gartengestalterin Elsa Triebaumer (»Die Wildflorie«) teilen sich Nutz- und Zierpflanzen Plätze in Beeten, es wird kultiviert und auch zugelassen. Wer im Glashaus sitzt und rausschaut, sieht einen kleinen Ausschnitt aus 8000 Quadratmetern Grundstücksfläche, von denen 740 Quadratmeter terrassiert angelegt wurden, so auch Streuobstwiesen und Weiden sind, und mit zahlreichen Baumpflanzungen trockenheitsverträglicher Arten gestaltet worden. »Ich bin in einer regenarmen Region aufgewachsen und kenne die Sorge und manchmal die Angst, wenn es zu lange nicht regnet. […] Ortswasser zum Rasensprengen zu verwenden, ist für mich nicht zukunftsfähig. Daher suchen wir nach Alternativen mit trockenheitstoleranten Pflanzen und Regenwasserernte«, erläutert Elsa Triebaumer. Gleichzeitig ist mit möglichst viel unversiegelter Fläche auch dafür gesorgt, dass Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern kann. Bereits zum zweiten Mal in Folge ist der »Prototyp eines Regengartens« im oberösterreichischen Scharnstein einer von 50 ausgezeichneten Gärten des Awards »Gärten des Jahres«, mit dem der Architekturverlag Callwey jedes Jahr die schönsten von Profis umgesetzten Privatgartenprojekte auszeichnet.

WOVOR FÜRCHTEST DU DICH IN DER NATUR?

INTERVIEW UND BILD

FLORIAN JAUK

FLORA

19, Philosophiestudentin

Ich fürchte mich vor dem Klimawandel. Ich habe Angst, dass wir bald in einer Welt ohne Natur leben und dass es infolgedessen immer häufiger zu Naturkatastrophen kommt. Deswegen versuche ich jetzt besonders oft rauszugehen und die Natur zu genießen. Beim Skifahren habe ich den Klimawandel schon gespürt, weil einfach immer weniger Schnee fällt und man auf einer weißen Piste neben einer grünen Wiese fährt. Das fühlt sich irgendwie gruselig an.

FRANZI

27, Universitätsbedienstete

In erster Linie fürchte ich mich vor Tieren, die für Menschen gefährlich sein können. Auch wenn es davon in unseren Breitengraden eigentlich gar nicht so viele gibt. Das ist also eine eher unbegründete Angst. Aber wenn es zum Beispiel immer mehr Bären in meiner Nähe gäbe, hätte ich bei einer Wanderung im Wald mehr Bedenken als derzeit.

DANIELA

26, Musikerin

Ich fürchte mich vor Spinnen. Die sind so schnell und unberechenbar. Ich war einmal in Slowenien im Zoo, wo man Spinnen streicheln konnte. Ich habe mitgemacht, weil es jede:r gewagt hat und ich nicht uncool sein wollte. Mir wurde damals eine Vogelspinne auf den Kopf gesetzt, was eine schlimme Erfahrung für mich war und meine Angst noch verstärkt hat.

GABI

63, Lehrerin

In erster Linie fürchte ich mich vor Tieren, die für Menschen gefährlich sein können. Auch wenn es davon in unseren Breitengraden eigentlich gar nicht so viele gibt. Das ist also eine eher unbegründete Angst. Aber wenn es zum Beispiel immer mehr Bären in meiner Nähe gäbe, hätte ich bei einer Wanderung im Wald mehr Bedenken als derzeit.

PETE

32, arbeitet im Branding

Ich fürchte mich vor nichts in der Natur, aber ich habe Angst, dass wir unsere Natur weiter zerstören. Vor allem um unseren Boden mache ich mir Sorgen. Ich ernähre mich pflanzlich, aber wenn man sich anschaut, wie viel Agrarfläche verwendet wird, um Tiere zu füttern, sodass wir sie später essen können, und wie die Bodenkultur aktuell aussieht, macht mir das Angst.

NINA

32, wissenschaftliche Mitarbeiterin

Ich fürchte mich am meisten vor Schlangen. Diese Angst haben alle in meiner Familie. An meinem Wohnort in Slowenien gibt es viele Schlangen. Als Kind wurde mir oft erzählt, dass überall um uns Schlangen leben, uns aber nicht angreifen, weil sie Angst vor uns haben. Dennoch hat diese Erzählung meine Angst geschürt: Jedes Mal, wenn ich wandern gehe oder am Meer bin, halte ich Ausschau nach Schlangen.

Wenn Urlaub mehr sein darf

Wie gut Brot schmecken kann, merkt man oft erst, wenn man weiß, woher es kommt. Wenn man gesehen hat, wie das Korn wächst, wie daraus Mehl gemahlen wird und wie aus einfachen Zutaten ein Laib Brot entsteht. Am Bauernhof wird dieser Weg wieder sichtbar – und plötzlich bekommt ein Frühstück eine ganz neue Bedeutung.

Viele bäuerliche Familien öffnen ihre Höfe und geben Einblick in ihr Leben und ihre Arbeit. Sie zeigen, wie Landwirtschaft heute funktionieren kann – nachhaltig, verantwortungsvoll und mit großer Wertschätzung für Natur und Ressourcen.

Am Jöhrerhof im Lesachtal reicht die Eigenproduktion von Milch und Käse bis zur Verarbeitung des eigenen Getreides. Daraus entsteht das traditionelle Lesachtaler Brot, das direkt am Hof gebacken wird.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Urlaub am Bauernhof für viele Menschen mehr ist als eine Auszeit:

Weil er nicht nur erholt – sondern auch Sinn macht.

urlaubambiobauernhof.info/de/hofgschichtn

TOM

30, wissenschaftlicher Mitarbeiter

Ich fühle mich sehr wohl in der Natur und bin gerne draußen unterwegs. Ich fürchte mich aber vor Insekten wie Kakerlaken. Es ist weniger Angst, eher ein bisschen Ekel. Vor allem, als ich in südlich gelegene Länder gereist bin, habe ich größere Kakerlaken in meinem Hotel angetroffen. Das war unangenehm für mich.

ERIKA

29, Unternehmenskommunikation

Ich fürchte mich vor Naturkatastrophen. Vor allem seit dem Erdrutsch in der Schweiz vergangenes Jahr habe ich Angst und frage mich, was da alles noch kommen kann.

BARBARA

42, Psychotherapeutin

Ich fürchte mich vor schweren Gewittern und manchmal vor freilaufenden Hunden. Ich habe als Kind oft mitbekommen, dass man sich bei einem aufziehenden Gewitter nach drinnen begeben sollte. Das hat sich eingebrannt, es gibt aber auch genügend Geschichten, wo Menschen in der Natur bei einem starken Gewitter etwas passiert ist. Ansonsten fühle ich mich in der Natur total wohl und geborgen. Ich wohne mitten in der Stadt, aber liebe es, im Wald zu sein. Ich versuche deshalb, auch in der Stadt Grünflächen aufzusuchen.

CHRISTINE

69, Pensionistin

Ich fürchte mich vor Extremwetterereignissen, die sich durch den Klimawandel häufen. Zum Beispiel gab es vergangenen Sommer in Italien wahnsinnige Überschwemmungen. Man hat Bilder von Menschen gesehen, die sich aufs Dach stellen mussten, um nicht weggespült zu werden.

SILVIA

74, Pensionistin

Ich habe keine Angst in der Natur, ekle mich aber ein bisschen vor Spinnen und Schlangen und habe Angst vor Haien. Ich habe mit diesen Tieren eigentlich keine schlechten Erfahrungen gemacht, aber so eine Art Grundangst. Das Gleiche mit Wölfen: Ich habe keine Angst, aber es gibt viele Leute, die sich vor denen fürchten und denken, die fallen sie an. Wenn ich in der Nähe von Wölfen leben würde, würde ich mich davor vielleicht auch fürchten.

BIOBLITZ Challenge: Hinschauen und forschen

Heute schon eine Art entdeckt? … mach mit bei der BIOBLITZ Challenge der Naturparke Niederösterreich.

Ein Falter auf einer Distel, eine Orchidee am Waldrand oder eine Wildbiene auf der Wiese: Wer genau hinschaut, entdeckt in den Naturparken Niederösterreich eine beeindruckende Vielfalt. Genau hier setzt die BIOBLITZ Challenge an. Sie lädt Besucher:innen dazu ein, Pflanzen, Tiere und Pilze zu entdecken, zu fotografieren und ihre Beobachtungen mit anderen zu teilen.

Mit dem Start der neuen, überarbeiteten Websites der Naturparke Niederösterreich wird das Naturerlebnis jetzt noch einfacher und zeitgemäßer. Die Websites bieten nicht nur einen frischen Überblick über die einzelnen Naturparke, sondern bündeln auch neue Informationen, Ausflugstipps, Bildungsangebote, Veranstaltungen und Erlebnisformate. So finden Familien, Naturinteressierte, Schulklassen und Erholungssuchende noch leichter passende Angebote für ihren Besuch. Ein zentraler Baustein ist die Verlinkung der Plattform iNaturalist. Dort können Naturbeobachtungen hochgeladen, mit einem Fundort versehen und mit der Community geteilt werden. Das Prinzip ist einfach: Foto machen, hochladen, Art be-

stimmen lassen oder selbst bestimmen. Jede einzelne Beobachtung trägt dazu bei, das Wissen über die Artenvielfalt in den Naturparken zu erweitern.

So entsteht Schritt für Schritt ein lebendiges Bild der regionalen Biodiversität. Ob beim Spaziergang, auf einer Wanderung oder bei einem Naturpark-Besuch mit der Familie: Mitmachen können alle. Die BIOBLITZ Challenge verbindet Naturerlebnis, Forschung und digitale Teilhabe auf unkomplizierte Weise – und zeigt, dass große Entdeckungen oft direkt am Wegesrand beginnen.

Mehr zur BIOBLITZ Challenge: www.naturparke-niederoesterreich.at/bioblitz

IN THE NAME OF THE GAME

»Games for Change«, Subotron und das Belvedere laden Studierende ein, in Game-Jams Spieleprototypen mit SDG-Inhalten zu entwickeln.

Der Wiener Verein Subotron, die New Yorker Nongovernmental Organisation (NGO) »Games for Change« und das Belvedere laden gemeinsam zu Game-Jams an österreichischen Hochschulen. In deren Rahmen sollen Studierende in kurzer Zeit spielbare Spielprototypen umsetzen, für die sie sich inhaltlich von den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen (UNO) inspirieren lassen. Gefragt sind technische Skills, gute Zusammenarbeit und ein Gespür für (soziale) Verantwortung, wenn es darum geht, zu zeigen, wie interaktive Formate aussagekräftig Inhalte vermitteln können. Die Studierenden wiederum können das ganze als Lehrveranstaltung für ihr Curriculum anrechnen lassen. Im Herbst werden die Ergebnisse online präsentiert und im Rahmen einer Ausstellung im Belvedere spielbar sein. Subotron vermittelt seit über zwei Jahrzehnten Wissen im Bereich Spielkultur und das Belvedere nutzt Games in der Vermittlung von Kultur nicht nur an junge Menschen. Auf seiner Open-Content-Plattform bietet das Belvedere rechtefreie Bilder in Druckqualität zum Download und macht damit Kunst nicht nur zugänglich, sondern trägt dazu bei, dass sich viele Menschen leisten können, die, die ihnen gefällt auch zuhause aufzuhängen oder mit der Digitalversion zu experimentieren.

subotron.com

ÖSTERREICHS 1. KLASSEN:

LANDWIRTSCHAFTSIDEEN

Mit einem Gewinnspiel will die österreichische Biomarke Zurück zum Ursprung Schulklassen Ideen für die Landwirtschaft von Morgen entlocken.

Eine Woche Naturerlebnis in Tirol statt klassischem

Unterricht: Unter dem Motto »Schulideen für ein gutes Morgen« lädt der Lebensmitteleinzelhändler Hofer gemeinsam mit seiner Biomarke Zurück zum Ursprung österreichische Schulklassen ein, Ideen für die zukünftige Landwirtschaft zu entwickeln. Einreichen können die ersten Mittelschulklassen beziehungsweise die der fünften Schulstufe – also Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen zehn und elf Jahren. Gesucht werden Projekte zu Themen wie Bodenschutz, Energieeinsatz, Biodiversität oder Tierhaltung. Die SchülerInnen sollen sich damit auseinandersetzen, wie Landwirtschaft heute funktioniert und wo sie verbessert werden kann. Die Klassen erarbeiten gemeinsam ein Konzept und setzen es kreativ um, etwa als Präsentation, Theaterstück, Lied, Video oder Modell. Abgegeben wird das Projekt in Videoform. Eine Fachjury bewertet Innovationsgrad und Praxisbezug der Idee und kürt ein Gewinnerprojekt. Technische Perfektion steht dabei nicht im Vordergrund. Der Hauptpreis ist eine Naturerlebniswoche in der Alpenschule Tirol in den Kitzbüheler Alpen (Tirol), inklusive An- und Abreise sowie Verpflegung. Die zweit- und drittplatzierten Klassen erhalten Einkaufsgutscheine für Schuljausen. FLORIAN JAUK

zurueckzumursprung.at/alpenschule2026

Sonett – so gut. Handseife 7 Kräuter –basische Pflege für Hände, Gesicht und den ganzen Körper

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NEUE EWIGKEIT:

DEUTSCHE KÄFEREICHE

Unter dem Motto »Wood not Waste« findet Kalamitätsholz auf neuen Wegen zu den VerbraucherInnen.

NATURVERTRÄGLICHE

OUTDOOR-ERLEBNISSE

»Stay Wild Bohemia«: Grenzüberschreitende Befragung von BesucherInnen und Besenderung von Wildtieren.

Als größtes zusammenhängendes Waldgebiet Mitteleuropas ist der Böhmerwald – beim Teil auf deutschem Staatsgebiet sprechen wir vom Bayerischen Wald – einerseits ein wichtiger Lebens- und Rückzugsraum für Wildtiere, andererseits aber auch als Naherholungsraum bedeutsam. Gemeinsam zählen die beiden Nationalparks Bayerischer Wald (Deutschland) und Šumava (Tschechien) jährlich 3,7 Millionen BesucherInnen. Das führt zu Auswirkungen auf empfindliche Ökosysteme und erfordert eine verantwortungsvolle Erholungsnutzung. Erstmals soll mit einem von der EU geförderten Forschungsprojekt die »Interaktion zwischen der Freizeitnutzung des Gebiets und den Ökosystemen im Böhmerwald« untersucht werden. Im kurzen Publikumstitel »Stay Wild Bohemia« steckt bereits das Forschungsziel: »Am Ende soll eine grenzübergreifende Strategie stehen, die allen zugute kommt und den Bedürfnissen von Besuchern und Wildtieren gleichermaßen gerecht wird«, sagt Stefanie Döringer von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald. Dafür werden vorerst 1000 BesucherInnen befragt und Daten gesammelt (von besenderten Rothirschen und von Kotproben von Auerhahn und Hirsch, die auf Stresshormone untersucht werden). »Das Spannende und Neue an diesem Interreg-Projekt ist, dass wir erstmals wildtierökologische und sozialwissenschaftliche Fragestellungen miteinander verschneiden«, so Döringer. THOMAS WEBER

IRINA ZELEWITZ

Der Klimawandel setzt den Wald unter Druck und macht auch vor der Eiche nicht Halt. Hitze, Dürreperioden und Insektenbefall, wie der des Eichenkernkäfers, hinterlassen Spuren in den Wäldern und im geschlagenen Holz. Wofür Käferholz verwendet wird, hängt von gesetzlichen Vorgaben ab – für den Einsatz als Bauholz etwa bei vielen Holzarten davon, ob der Baum von einem nur in der Baumrinde brütenden Käfer befallen war oder von einem, der im Holz brütet. Für viele andere Zwecke wird Käferholz aus ästhetischen Gründen nicht eingesetzt. Ein mittelfränkischer Familienbetrieb hat sich vor zwei Jahren gezielt anders entschieden: Das Sägewerk Lacker kauft seither Eichen-Käferholz der Güteklasse B/C aus PEFC-zertifizierten deutschen Wäldern und bietet ein entsprechendes Sortiment von (Terrassen-)Dielen (im Bild oben) über Unterkonstruktionshölzer bis zu Zaunlatten aus Käfereiche an. Angst, sich mit dem Eichenkäferholz Schädlinge nach Hause zu holen, sei unbegründet, zitiert Lacker in einer Aussendung einen Experten – beim Schneiden des Holzes würden die Käfer auswandern. »Die Weiterverarbeitung von sogenanntem Käferholz ist für uns ein konsequenter Schritt in eine ökologische, wirtschaftliche und realistische Zukunft«, heißt es bei Lacker – dort schätzt man übrigens, dass inzwischen in Deutschland 50.000 Festmeter Käfereichenholz pro Jahr anfallen.

lacker-nature.de

nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de npsumava.cz/de

BAYERISCHER WALD / BÖHMERWALD

EISWELT

VERGÄNGLICHE KLÄNGE

Eine Reihe von fünf Alben macht den Sound verschwindender Gletscher hörbar.

Auf fünf Alben von fünf Artists hat das Label Forms of Minutia anlässlich des von der Uno ausgerufenen »International Year of Glacier Preservation« 2025 Gletscherklänge herausgebracht. Die Gletscher, die zu hören sind, existieren schon jetzt mindestens so nicht mehr – und in einiger Zeit wohl gar nicht mehr. Ihre Klänge sind vielschichtig, mal zeugen sie von den gewaltigen Massen, die hier bewegt werden, dann wieder sind sie sanft, fließen, knarren oder klirren – und sie halten die dort vorhandene Tierwelt fest. Pablo Diserens’ »Ebbing Ice Lines« beginnt mit den Klängen eines großen Bruchs. Manche Sounds sind klar organischen Ursprungs, andere sind weniger eindeutig zuordenbar. Aufsehen gab es letztes Jahr für »Crying Glacier« von Ludwig Berger, der den Schweizer Morteratschgletscher gleich zum Mitautor seiner Aufnahmen ernannte. Berger hat die Arbeit an dem Album mit der Kamera begleitet – die Dokumentationen sind online. Für ihn ist der Gletscher mehr eine Person als ein Ort. Die Field Recordings machen erfahrbar, dass der Gletscher lebendig ist – und dass aufmerksames Zuhören nicht nur etwas über die Gletscher lernen lässt, sondern auch die Möglichkeit bietet, das eigene Hören und die Wahrnehmung zu hinterfragen und neu zu erleben. Auch Marc Namblards in Island aufgenommenes »Arctic Summer« lädt ein, die Umwelt verändert wahrzunehmen. MARTIN MÜHL

E-Mobilität & Naturbestattung

Die Bestattung Wien gestaltet Abschiedskultur klimafreundlich und zukunftsorientiert.

Die Bestattung Wien setzt zunehmend auf nachhaltige Lösungen, von klimafreundlicher Mobilität bis zu naturnahen Bestattungsformen. So ist seit März der erste vollelektrische Landwagen für Verstorbenentransporte im Einsatz. Das Nutzfahrzeug bietet Platz für bis zu vier Särge und ergänzt den bereits vollständig elektrischen Pkw-Fuhrpark. Die schrittweise Elektrifizierung der Spezialfahrzeuge ist Teil der Klimastrategie des Unternehmens. „Der erste E-Landwagen ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zu einem emissionsarmen Fuhrpark“, betont Jürgen Sild, Geschäftsführer der Bestattung Wien. Bei alternativen Bestattungsformen wächst das Interesse an naturnahen Varianten. Der Waldfriedhof Waldesruh der Bestattung Wien in Breitenfurt, einem Projekt mit der Gemeinde Wien, bietet Urnenbeisetzungen mitten im Wald. Unter hohen Bäumen entsteht ein Ort der Ruhe, an dem sich Erinnerung und Naturverbundenheit auf besondere Weise verbinden, würdevoll, achtsam und im Einklang mit der Natur.

WER HAT ANGST VOR …

wilden Tieren? Welche Gefahr geht von Elch, Wildschwein, Wolf, Bär, Zecke, Kuh, Schlange oder Wespe aus?

Wer wilde Tiere füttert, gewöhnt sie an menschliche Nähe und macht sie aufdringlich und gefährlich. Einzig bei Wespen kann eine »Ablenkfütterung« die Gartenparty retten. So reagierst du richtig, wenn du als gefährlich empfundenen Wildtieren oder halbwilden Weidetieren begegnest.

SO BLEIBT ES BEIM

ESSEN

ENTSPANNT

Bei der Wespe handelt es sich um keine Art, sondern um einen alltagssprachlichen Sammelbegriff. Grob vereinfacht umfasst er alles, was schwarz-gelb gestreift durch die Gegend fliegt, beim Kuchenessen nervt und potenziell sticht. In Mitteleuropa sind das mehrere Arten – etwa die Gemeine, die Deutsche, aber auch invasive Arten oder solche, die sich neu etabliert haben. Selbst Fachleuten wie der Hobbyimkerin Nina Spiegel, die auf der Baar im Südschwarzwald ehrenamtliche Fachberaterin für Wespen und Hornissen ist, fällt die Unterscheidung anfangs schwer. »In der Regel werde ich gerufen, weil irgendwo im Garten ein Wespennest hängt«, sagt Spiegel. Meist dürfen die Tiere trotzdem bleiben. Befindet sich ganz in der Nähe ein Kindergarten oder eine Schule oder wurde eine Allergie gegen das Gift der Wespe nachgewiesen, kann bei der Naturschutzbehörde eine Übersiedelung beantragt werden. »Wenn der Nistzyklus durchlaufen ist, kann das Nest manchmal einfach entfernt werden«, sagt Spiegel. Neben den üblichen Verhaltensregeln beim Essen im Freien – nicht aus Dosen oder Flaschen trinken, dünne Strohhalme verwenden und in Anwesenheit von Wespen ruhig bleiben – hat die Wespenberaterin weitere Tipps parat: So sollte man nach dem Eisschlecken stets Hände und Gesicht mit Wasser waschen. Der Geruch des Süßen lockt Wespen sonst lange nach dem Essen an. Auch süßliches Duschgel, Deo, Parfum und Shampoo vermeidet man besser. »Riecht etwas zitronig oder nach Nelkenöl, dann mögen Wespen das eher nicht«, weiß Spiegel. Vor einem Grillgelage empfiehlt sie, den Tisch vorbeugend mit einem zitronig riechenden, natürlichen Repellent abzuwischen. Gera-

de im Frühjahr brauchen Wespen Protein, um ihre Brut zu füttern. Fleisch ist deshalb besonders attraktiv. »Manchmal ist es sinnvoll, an einem entfernten Ort ein paar kleine Stückchen Fleisch als ›Ablenkfütterung‹ zu platzieren«, sagt die Fachfrau. »Wird trotzdem eine Wespe lästig, kann man sie einfach mit einer bereitgestellten Sprühflasche mit Wasser vertreiben.« In naturnahen Gärten seien Wespen erwiesenermaßen weniger lästig, sagt Spiegel – weil die Insekten dort mehr Nahrung finden, etwa den süßlichen Saft von Blattläusen.

Wird eine allergische Person gestochen, ist sofort ein Notarzt zu rufen. »Auch wenn man im Mund, Rachen oder in die Lippe gestochen wird«, sagt Spiegel. Dass ein Wespenstich drei Tage lang anschwillt, sei aber normal. Kühlen lindert Schwellung wie Schmerz: »Wasserkübel, Planschbecken oder Coolpack helfen gut«, sagt sie. Auch mit Hitzesticks, die direkt an der Einstichstelle angewandt die Proteine des Gifts aufbrechen, gebe es gute Erfahrungen – und mittlerweile Modelle, die am Schlüsselbund getragen und schnell mit dem Handy erhitzt werden können.

Hilfreich ist auch, den eigenen Garten zu beobachten. »Im April nisten sich in verlassenen Mäusenestern manchmal Erdwespen ein. Das bekommt man anfangs nicht mit und merkt es erst, wenn im Boden dann bis zu 7000 Individuen leben«, sagt Nina Spiegel. Landwirtschaftliche Arbeiten oder Erschütterungen durch den Rasenmäher können die Tiere aggressiv machen. »Wenn ich das Nest kenne, rundherum zwei, besser drei Meter abstecke und mich nicht in die Flugschneise stelle, dann ist auch da eine friedliche Koexistenz möglich.«

SO BLEIBT MAN RUHIG

»Die offenen, lidlosen Augen machen vielen Angst, oft haben wir das Gefühl, angestarrt zu werden«, sagt Silke Schweiger. Die Kuratorin der Amphibien- und Reptiliensammlung des Wiener Naturhistorischen Museums ist eine ausgewiesene Schlangenexpertin. Vor einigen Jahren hat sie für Auslandseinsätze des österreichischen Bundesheers einen Leitfaden für ost- und westafrikanische Giftschlangen erstellt. Aus eigener Erfahrung weiß sie: »Leute in Ländern, in denen zahlreiche und richtig giftige Schlangen vorkommen, sind in Bezug auf Schlangen viel gechillter als die Menschen bei uns.« Bisse der in Mitteleuropa weit verbreiteten Kreuzotter oder einer Hornviper seien sehr schmerzhaft. »Normalerweise sind beide nicht tödlich, aber man muss unbedingt ins Krankenhaus«, so Schweiger. Auch ein Biss der im baden-württembergischen Südschwarzwald verbreiteten Aspisviper könne sehr unangenehm sein. Offizielle Zahlen zu Giftschlangenbissen gibt es keine, »aus Kostengründen«, wie Patricia Huber von der Vergiftungszentrale des staatlichen Instituts Gesundheit Österreich sagt. In Spitälern gibt es aber einen Diagnosecode für »Toxische Wirkung durch Kontakt mit giftigen Tieren –Schlangenbiss« und jährlich in Österreich zwischen 20 und 40 stationäre Behandlungen. Tödliche Verläufe seien sehr selten. Die meisten Menschen haben bei Begegnungen keine Ahnung, ob es sich um eine giftige oder eine harmlose Art handelt. »Am besten verhält man sich, als hätte man eine Giftschlange vor sich«, sagt Silke Schweiger. Das heißt: Auf Wegen bleiben und fest auftreten (Schlangen hören nicht über Außenohren, sondern spüren Erschütterungen), gutes Schuhwerk tragen, und nirgendwo reingreifen, wo man nicht reinsieht. Zu einer Schlange mindestens eineinhalb Meter Abstand halten, nicht anfassen. Wird man trotzdem einmal gebissen, rät die Forscherin, die Wanderung abzubrechen, »kein Koffein, kein Alkohol, Betroffene beruhigen, die Bergrettung rufen oder zum

Arzt bringen«. Die häufigsten Schlangenbegegnungen passieren übrigens im Garten – und werden häufiger. Denn gerade nicht giftige Arten (wie die Äskulapnatter) profitieren in Mitteleuropa vom Klimawandel und breiten sich aus.

VORSICHT BEI MUTTERKÜHEN

Kuhattacken mit tödlichem Ausgang sind sehr selten. In Deutschland betreffen dokumentierte Zwischenfälle mit Rindern vor allem Arbeitsunfälle in der Landwirtschaft. Zentral erfasste Zahlen für Angriffe auf Erholungssuchende gibt es nicht. In Österreich – wo Angriffe fast ausschließlich auf Almen stattfinden – gibt es etwa einen Todesfall alle fünf Jahre. Verglichen mit anderen Bergunfällen ist das Risiko bei einer Begegnung mit weidenden Rindern also sehr gering. Risikofaktoren beim Überqueren von Almen sind – neben überraschtem Vieh, dem man versehentlich zu nahe kommt – vor allem die Begleitung eines Hundes und die Anwesenheit von Kälbern (die den Mutterinstinkt der Kühe wecken). »Auch am Bauernhof ist die Nähe beim Melken nur durch Vertrauen möglich, das gepflegt werden muss«, sagt Martin Ott, lange Jahre Demeterbauer, ehemals Stiftungspräsident des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl) und Autor des Bestsellers »Kühe verstehen«. In der modernen Mutterkuhhaltung lebten Herden oft mit wenig Kontakt zum Menschen, fast wie Wildtiere. Weil Kühe außerdem eingeschränktes Tiefensehen haben, aber sehr gut hören, sei es wichtig, rechtzeitig akustisch auf sich aufmerksam zu machen. Herden sollte man weiträumig umgehen und unbedingt vermeiden, zwischen Kuh und Kalb zu geraten. Auch direktes Anstarren sei keine gute Idee: »Das frontale Anschauen wird sonst als Angriffsblick gelesen«, sagt Ott. Beim Queren mit Hund ist besondere Vorsicht geboten, er wird leicht als Feind wahrgenommen. »Unbedingt von der Leine lassen!«, rät Ott, »besser eine Herde rennt dem Hund nach als Ihnen!«

WAS TUN, WENN EINER AUFTAUCHT?

Dass ein Wolf unsere Wege kreuzt, ist sehr unwahrscheinlich – und wenn doch, bemerken wir ihn meist nicht einmal. In aller Regel sucht ein Wolf von sich aus das Weite. Das belegen aktuelle Studien selbst für Wölfe in dicht besiedelten Gegenden, wo die Raubtiere an die Anwesenheit des Menschen gewöhnt sind. »Der Mensch ist und bleibt ein Superfeind für sie, auch wenn sie in seiner Nachbarschaft leben«, erläuterte Heribert Hofer, Wildtierbiologe und ehemaliger Leiter des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung, die Forschungsergebnisse jüngst der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Heute kann einem in weiten Teilen Europas wieder ein Wolf begegnen. Innerhalb der EU gibt es geschätzt 20.000 Tiere; allein in Deutschland sind es 219 Rudel, annähernd 50 Paare und viele Einzeltiere. Zu Zwischenfällen mit Menschen kommt es kaum: Wenn, dann handelt es sich um tollwütige Tiere oder solche, die vom Menschen angefüttert wurden. Der Linnell Report des norwegischen Institute for Nature Research kam in seiner Metastudie zu »Wolf attacks on humans« in den Jahren 2002 bis 2020 auf 12 Attacken in Europa und Nordamerika. Nur zwei davon – beide in Nordamerika – verliefen tödlich.

Wie aber reagieren wir im seltenen Fall eines Aufeinandertreffens? »Wenn ein Wolf näherkommt, machen Sie sich bemerkbar und gehen Sie langsam zurück«, rät Gunnar Schell vom Spreetaler Lupus-Institut, das in Sachsen und Brandenburg Wolfsmonitoring betreibt. »Rennen Sie nicht weg! Falls er Ihnen wider Erwarten folgt, bleiben Sie stehen und gehen Sie eher auf das Tier zu, als von ihm weg!« Hunde gehören im Wolfsgebiet grundsätzlich an die Leine. Das größte Risiko bleibt menschliches Fehlverhalten: Wer einen Wolf füttert, macht ihn früher oder später zum »Problemwolf«.

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BÄR NICHT WEGLAUFEN!

Grundsätzlich gilt: Der europäische Braunbär meidet den Menschen. Angst ist unangebracht. Die Wahrscheinlichkeit, in Österreich, Deutschland und der Schweiz einem Bären zu begegnen, ist äußerst gering. In keinem der Länder gibt es eine dauerhafte Population. Allerdings wandern immer wieder einzelne, meist fortpflanzungswillige männliche Tiere ein – vor allem nach Bayern, Graubünden, Tirol, Kärnten und in die Steiermark. In Tirol wurde im März bei Landeck der Abdruck einer Bärentatze im Schnee entdeckt. Diese Bären entstammen den Populationen in Slowenien (ca. 1000 Tiere) und im italienischen Trentino (ca. 100 Tiere), wo 2024 eine Joggerin von einer Bärin getötet wurde. Auch in Rumänien, das mit etwa 10.000 Tieren die größte europäische Bärenpopulation außerhalb Russlands hat, kommt es jedes Jahr zu ein bis zwei Todesfällen, in den vergangenen Jahren gehäuft. Oft sind Tiere involviert, die von Menschen gefüttert worden waren und ihre natürliche Scheu verloren haben. Weshalb Vorsicht geboten ist und im Bärengebiet besondere Verhaltensweisen empfohlen werden. Am wichtigsten ist es, beim Wandern laut zu sprechen oder Geräusche zu machen und damit auf sich aufmerksam zu machen, wie Claudio Groff, der Leiter des Wiederansiedlungsprojekts im Trentino, erklärt. Das gebe den Tieren die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Hunde haben an der Leine zu bleiben. Im schlimmsten Fall attackiere sonst ein Hund den jedenfalls stärkeren Bären, werde

dann von diesem verfolgt und flüchte sich zurück zum Menschen – einen wütenden Bären hinten nach. Wer einen Bären sieht, bleibt ruhig und läuft keinesfalls weg. Der Bär wäre ohnehin schneller. »Wenn der Bär näher kommt, warten Sie, bis er von selbst weiterzieht, bevor Sie weitergehen«, heißt es in den »Bear Safety Rules« der Region Trentino. »Wenn der Bär Sie nicht sieht, ziehen Sie sich leise zurück und vermeiden Sie Interaktion.« Wird man von dem Tier bemerkt, zieht man sich ebenfalls zurück – ohne es aus den Augen zu lassen. Auch in Autos solle man dem Tier keinesfalls folgen. Stellt es sich auf die Hinterbeine, ist das nicht als Aggression zu deuten. Es verschaffe sich dadurch einen Überblick, so Groff. Folge einem das Tier, zieht man sich ebenfalls langsam zurück –ohne ihm den Rücken zuzukehren – und spreche mit ruhiger, bestimmter Stimme. Selbst wenn der Bär Aggression zeige – etwa durch Schnauben, Brüllen oder Am-Boden-Scharren –bleibt man am besten ruhig, läuft keinesfalls weg und schreit nicht. Zumeist wird es sich um einen Scheinangriff handeln, mit dem sich das Tier Respekt verschafft. Tatsächliche Angriffe auf Menschen sind sehr selten. »Körperlicher Kontakt ist höchst unwahrscheinlich«, besagen die norditalienischen »Bear Safety Rules«, »Wenn Sie aber zu Boden geworfen werden, legen Sie sich reglos mit dem Gesicht nach unten und den Händen über dem Nacken. Reagieren Sie nicht. Stehen Sie nur dann auf, wenn Sie sicher sind, dass der Bär weg ist.«

NUR BEIM AUTOFAHREN GEFÄHRLICH

Ein Elch ist ein eindrucksvolles Tier. Nicht nur massige Bullen mit ihren mächtigen Geweihschaufeln, auch die etwas kleineren, ganzjährig geweihlosen Elchkühe erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 2 Metern. Gefahr beim Wandern geht von Elchen keine aus, sofern man auf Abstand bleibt. »Bei Begegnungen mit Elchen gelten die gleichen Regeln wie beim Zusammentreffen mit anderen großen Wildarten wie z. B. Rotwild«, sagt Bastian Brummer aus dem für Wildtiere zuständigen Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. »Dazu gehört, Abstand zu halten und die Tiere nur aus der Entfernung zu beobachten, um ihnen die Möglichkeit zum Rückzug zu geben.« Geboten ist auch, auf Wegen zu bleiben und Hunde an der Leine zu halten. Kommt ein Hund einem Elch zu nahe, reicht allerdings ein gezielter Tritt … »Nur wenn ein Elchtier seine Kälber bedroht sieht, kann es aggressiv reagieren«, sagt Brummer.

Bis ins frühe Mittelalter waren Elche auch auf dem Gebiet des heutigen Österreich und Deutschland weit verbreitet. Sie bevorzugen allerdings weitläufige Waldgebiete mit Gewässern und Sumpflandschaften. Aus Polen, wo es mit 30.000 Tieren eine wachsende Elchpopulation gibt, wandern immer wieder einzelne Tiere ein – vor allem nach Brandenburg, das, wie Bayern, einen eigenen Elchplan und »Strategien zum Umgang mit wandernden Elchen« hat. Zuletzt sorgte 2025 der junge Elchbulle »Emil« auf seiner sommerlichen Wanderung über Tschechien, Österreich, Bayern und zurück in den tschechischen Böhmerwald für Aufsehen. Eine tatsächliche Gefahr von Elchen geht im Straßenverkehr aus. In Schweden (wo ca. 350.000 Elche leben) gibt es jedes Jahr bis zu 5000 Kollisionen mit Elchen. Dabei sterben im Schnitt 10 bis 15 Menschen.

WILDSCHWEIN

WANN ES WIRKLICH WILD WIRD

Das Wildschwein gilt als besonders wehrhaft. Und auch wenn der wilde Vorfahre unserer Hausschweine eigentlich friedliebend ist: Zu spaßen ist mit dem wendigen Muskelpaket nicht. Vor allem, wenn eine Bache Frischlinge führt, ist besondere Vorsicht geboten. Früher war das nur im Frühjahr der Fall. Als großer Gewinner des Klimawandels pflanzt sich das Wildschwein mittlerweile aber ganzjährig fort. Weshalb es sich stark vermehrt und längst auch in den Außenbezirken großer Städte für aufgewühlte Vorgärten und Aufregung auf Spielplätzen sorgt. Die Stadt Wien beispielsweise informiert auf Schildern und rät: »Nahrungsquellen für Wildschweine, wie Komposthaufen oder Fallobst, absichern oder gänzlich vermeiden!« Prinzipiell hält man Abstand. Begegnet man beim Spazierengehen einer Rotte, hat sie jedenfalls Vorrang. Nötigenfalls kehrt man um. »Distanz ist auch beim Fotografieren oder Filmen geboten«, sagt Egbert Gleich, der als Wildbiologe und Wildschweinexperte bei der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft das Verhalten besenderter Sauen erforscht. »Ein gesundes Tier verfügt zwar über einen natürlichen Feindvermeidungsreflex. Man weiß aber nie, ob es sich nicht vielleicht um ein von einem Verkehrsunfall oder Schuss verletztes Tier handelt, das anders reagiert.« Eine unmissverständliche Drohgebärde sind aufgestellte Ohren und Schwanz sowie hochgestellte Nackenborsten. Der Hund bleibt an der Leine. »Versuchen Sie, ihn ruhig und nahe bei sich zu halten«, rät die Forstbehörde MA49 der Stadt Wien.

INZWISCHEN GANZJÄHRIG AUF DER LAUER

Von den unscheinbaren Zecken geht im Grünen die größte Gefahr aus. Die häufigste in Europa vorkommende Zeckenart, der Gemeine Holzbock, lauert mittlerweile ganzjährig im Gras und Gebüsch auf eine Blutmahlzeit. Während der Parasit saugt, sondert er Speichel ab, der den Wundverschluss unterdrückt und Bakterien und Viren übertragen kann; verbreitet sind beispielsweise Erreger der Lyme-Borreliose und der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Gegen Letztere sind Impfungen empfohlen, Borreliose wird mit Antibiotika bekämpft. Die Zahl der Menschen und Tiere, die von durch Zecken übertragene Krankheiten betroffen sind, ist zuletzt gestiegen. Die an Hunde angepasste, besonders in den Wintermonaten aktive Wiesenzecke beispielsweise kann »Hundemalaria« übertragen. Unbehandelt verläuft sie bei Hunden tödlich. Das Problem vieler Halsbänder zur Zeckenabwehr bei Hunden übrigens: Sie wirken nicht nur gegen Parasiten, sondern auch gegen Wasserorganismen. »Leider kann man Zecken nicht schonend wirksam abwehren«, sagt Christina Strube, die Direktorin des Instituts für Parasitologie am Zentrum für Infektionsmedizin der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. »Natürliche Mittel zur Zeckenabwehr können deshalb nicht empfohlen wer-

den.« Bei Stiftung Warentest erwies sich 2025 der Deet-haltige Spray »Anti-Brumm Forte« als wirksamster Schutz. Für Menschen bieten lange Hosen, die in Socken eingesteckt werden und lange Ärmel einen gewissen Schutz. Auf hellem Gewand werden Zecken außerdem eher erkannt, bevor sie sich festsaugen. Empfohlen wird, beim Wandern Gebüsch und hohes Gras zu meiden und die Ausflugsapotheke um eine spitz zulaufende, stabile Pinzette zu ergänzen, mit der anhaftende Zecken rasch entfernt werden können. »Dazu die Zecke mit der Pinzette ganz vorne hautnah beim Stechapparat fassen und mit gleichmäßigem Zug herausziehen. In der Haut verbleibende Reste sind unproblematisch, sie werden als Fremdkörper von der Haut selbst herausgearbeitet«, sagt Georg Duscher, Parasitologe der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages). Nach Ausflügen sollte man den Körper systematisch auf Zecken absuchen. Bevorzugte Stichstellen sind Bauchnabel, Innenseite der Oberschenkel, Schamgegend, Achselhöhlen, Haaransatz, Schultern, Hals und Nacken, Ohrmuschel und hinter den Ohren, Kniekehle und Armbeuge. Kinder werden besonders in der oberen Körperhälfte und am Kopf befallen.

WO KÖNNEN WILDE BLUMEN BLÜHEN?

Magerere Jahre stehen bevor: Ein Projekt will die einst für Südtirols Landschaft prägenden Wildblumenwiesen zurückbringen.

Die Vielfalt einer Blumenwiese bietet ein Zuhause für eine ebenso vielfältige Tierwelt, darunter Bestäuberinsekten und Vögel, und sie vermittelt das Thema Biodiversität attraktiv. Zudem ist sie oft Lebensraum bedrohter Tierarten. Daher sind Wildblumenwiesen besonders dann wertvoll für den Erhalt der Biodiversität, wenn sie die regionale Flora abbilden. Um sie zurückzubringen, startete im Frühling 2024 der Südtiroler Dachverband für Natur- und Umweltschutz gemeinsam mit dem Bozener Forschungszentrum Eurac Research, der Universität Bozen und dem Versuchszentrum Laimburg das Projekt »Blumenwiesen«: In Siedlungsräumen sollen Biodiversitätsinseln entstehen – von Schulgelände bis zum Straßenrand. In dieser Region waren die Böden historisch meist mager, diese optimalen Bedingungen für Blumenwiesen wurden durch landwirtschaftliche Nutzung und das damit einhergehende Düngen verändert. Heute seien viele Böden zu fett, es reiche also auf diesen Flächen nicht, den Boden aufzulockern und Wildblumensamen auszubringen, erklärt Projektleiterin Viola Ducati vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz. Ducati zufolge ist es nicht immer, aber meistens möglich, einen Boden mit sehr einfachen Maßnahmen ein wenig abzumagern. Auf den Flächen von Privatpersonen sei der Boden oft ohnehin schon geeignet, wie er ist.

AUTOCHTONE WILDBLUMEN

Damit regionale Blumenvielfalt blüht, braucht es auch das entsprechende Saatgut. Auf der Projektwebsite wird es deutlich formuliert:

»Samen aus dem Baumarkt sind keine Lösung.« Das Naturmuseum Bozen hat Südtirol in zehn biogeografische Kleinregionen gegliedert – in denen jeweils biogeografisch passende Blumensamen vom Unternehmen »Local Flora Seed« auf Spendeflächen gesammelt gesammelt und im Versuchszentrum Laimburg vermehrt werden.

Die erste Bilanz: Zwischen 2024 und 2025 wurden 15.300 Quadratmeter neue Blumenwiesen angelegt. »Weil nicht alle gleichzeitig zu säen begonnen haben, hatten nicht alle schon die ersten Blüten«, doch es würden sich laufend weiterhin verschiedenste Akteure melden, »die ihren Beitrag für Artenreichtum leisten wollen«. Und so folgt dieses Frühjahr schon das Folgeprojekt »Blumenwiesen 2.0«, mit dem nicht nur neue Gemeinden erreicht werden sollen, sondern auch Privatpersonen und Unternehmen, die oft über große Flächen verfügen. Unternehmen und Gemeinden sollten hierbei Flächen ab 200–300 Quadratmetern stellen können, dann erfolgen durch die Projektpartner Lokalaugenschein, es werden Bodenproben genommen und bei der Umsetzung beraten. Für kleine private Flächen wird kostenloses Saatgut angeboten, auch für zehn oder 20 lohne es sich schon. Sie werden zwar nicht ins Monitoring aufgenommen, doch auch hier gibt es Beratungsangebote. Monitoring ist grundsätzlich aber stärkerer Bestandteil des zweiten Projekts, denn »Blumenwiesen brauchen Zeit, um sich gut zu entwickeln, sie brauchen Begleitung nicht nur im ersten Jahr«. Wichtig ist Ducati dabei, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse am Ende allen Beteiligten wieder zugänglich zur Verfügung gestellt werden.

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Handbuch Blumenwiesen

Schritt für Schritt zur autochtonen Blumenwiese: Von der Bodenbehanlung bis zur Aussat und Pflege online zum Download –nicht nur für SüdtirolerInnen blumenwiesen-pratifioriti.bz.it

Irina Zelewitz

HUMUS ZU STAUB

Wenn es heißt, der fruchtbare Boden geht verloren – was bleibt uns übrig?

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Irina Zelewitz

Das Vermögen einer Region, ihre Bevölkerung zu ernähren, beruht auf fruchtbarem Boden – oder intakten, produktiven Gewässern. »Die Fruchtbarkeit des Bodens wird in erster Linie durch fixe Standortfaktoren bestimmt, wie zum Beispiel das Bodenausgangsmaterial«, weiß Florian Schneider, der am Institut für Agrarklimaschutz des Thünen-Instituts Braunschweig forscht.

einer der fischreichsten Gewässerzonen der Erde – die sich von der nahezu unkontrollierten Überfischung der vergangenen Jahrzehnte durch Regulierungen nur in mancher Hinsicht zu erholen beginnt.

SELBSTVERSORGUNGSGRAD

Humus

Humus ist die organische Substanz im Boden, die durch Zersetzung von Pflanzen und Tieren entsteht. Er ist dunkel, nährstoffreich, verbessert die Bodenstruktur, speichert Wasser sowie Kohlenstoff – und ist Indikator für die Bodenfruchtbarkeit.

»Boden aus Löss etwa, das ist Material, das in der Eiszeit durch die Winde verweht wurde, ist besonders fruchtbar und wird heute ganz traditionell zum Ackerbau genutzt«, sagt Schneider. Insgesamt wisse man relativ gut darüber Bescheid, wo in Europa besonders fruchtbare Böden zu finden seien, »das sind die großen Schwarzerdengebiete in der Ukraine, der Lössgürtel in Mitteldeutschland oder zum Beispiel die Kornkammer im Pariser Becken«. Solche lössreichen Böden finden sich übrigens auch im Osten Österreichs und Westen Ungarns. Diese fruchtbaren Böden würden schon seit jeher als Acker genutzt, nicht als Wald oder Wiese.

Europa bietet insgesamt gute Bedingungen für den Ackerbau. Eine Kombination aus einem gemäßigten Klima, langen, stabilen Vegetationsperioden, fruchtbaren Böden und relativ gleichmäßigen Niederschlägen ermöglicht ertragreiche Landwirtschaft. Es verfügt mit dem Nordostatlantik auch über Zugang zu

Die Bedingungen für einen Lebensraum für über 500 Millionen Menschen könnten also schlechter sein, doch inwiefern Europa sich durch eigene Ressourcen mit Nahrung versorgt, wird sehr unterschiedlich dargestellt. »Die Europäische Union ist für viele landwirtschaftliche Erzeugnisse weitgehend selbstversorgend«, stellt die Kommission regelmäßig fest – zum Beispiel in der »Mitteilung der Kommission: Gewährleistung der Ernährungssicherheit und Stärkung der Resilienz der Lebensmittelsysteme« aus dem März 2022. Der aktuelle Trendbericht der Kommission aus dem März 2026 besagt, dass die EU als weltweit größter Exporteur von Agrarprodukten und Lebensmitteln diese mit einem Volumen von 238,4 Milliarden 2025 im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent gesteigert wurden und »die EU weiterhin ein Nettoexporteur der meisten landwirtschaftlichen Produkte bleibt«.

Die Institutionen der Union stellen aber andernorts auch klar, worauf diese »Selbstversorgung« beruht und dass eine echte Autonomie

auch kaum Ziel sein kann oder soll: Die europäische Nahrungsmittelproduktion an sich hängt nämlich von Importen in drei Bereichen ab: Eiweißfuttermittel, Düngemitteln und Energie.

Düngemittel und Energie hängen dabei direkt zusammen, denn zur Produktion von Stickstoffdünger wird Erdgas benötigt. Und Phosphor und Kalium haben punktuelle förderbare Vorkommen und werden daher aus sehr wenigen Regionen in die EU importiert. Die Auswaschung von Phosphor aus landwirtschaftlich genützten Böden durch Wassererosion ist übrigens die zentrale Ursache für Eutrophierung (Überdüngung) von Gewässern in Europa (mit der Ostsee als deutlichstem Negativbeispiel).

PRODUKTIONSZIELE

Der Phosphoreintrag stammt dabei in erster Linie aus der Landwirtschaft – aus Gülle und übermäßig ausgebrachtem Mineraldünger, die über Abschwemmungen und Erosion von beziehungsweise. aus den Böden gespült werden.

»Die EU ist stark abhängig vom Import von pflanzlichen Proteinen für Futtermittel«, heißt es da etwa im EU Protein Plan Report 2024. Konkret werden 70–80 Prozent dessen, was an Kraftfutter in der EU zur Produktion tierischer Lebensmittel verbraucht wird, importiert. Um diese in Europa zu produzieren, reichen die verfügbaren Flächen bei Weitem nicht aus. Eine oft genannte Alternative läge darin, die Produktionsmenge zu reduzieren, die subventionsfinanziertes Dumping tierischer Lebensmittel auf europäischen und internationalen Märkten ermöglicht, und LandwirtInnen für ihre Systemleistungen zu fördern statt für Hektar und Lebensmittelproduktionsleistung.

WISSENSSTAND

Doch da sind wir noch nicht. Auf Ebene der politischen Zielsetzungen wurde nun einmal anerkannt, dass Europas Ernährungssicherheit durch »Inputabhängigkeiten« und den Zustand der Böden nur eingeschränkt vorhanden und perspektivisch bedroht ist.

Und die EU hat dazu unter anderem eine Bodenstrategie verabschiedet, sie befasst sich mit allen Aspekten der Bodendegradation, von Erosion und Verdichtung bis hin zu Kontamination und Bodenversiegelung. Sie gilt für alle Böden, einschließlich Wäldern, Siedlungsräume und die in der EU am stärksten von Degradation betroffenen Landwirtschaftsböden. Wer Bodendegradation auf Ackerböden mit freiem Auge sehen möchte, kann etwa auf die Rillen achten, »die nach Starkregenereignissen an manchen Hängen sichtbar bleiben«, sagt Schneider und gibt den Tipp, dass die Chancen besonders bei Maisackern gut stehen, Erosion zu beobachten.

Die EU hat sich bis 2050 zum Ziel gesetzt, den Flächenverbrauch durch Versiegelung einzustellen und die europäischen Böden in einen gesunden Zustand zu bringen. Das angesichts

Bodendegradation

Die Verschlechterung der Bodenqualität, bei der Böden ihre ökologischen und ökonomischen Funktionen (Fruchtbarkeit, Wasserspeicherfähigkeit) durch meist menschliche Einflüsse dauerhaft verlieren.

der Feststellung, dass Bodendegradation alle Mitgliedsstaaten betrifft und die 60–70% der Böden sich in einem »ungesunden« Zustand befinden. Wobei die Datenlage für diese Einschätzung dünn und die Frage, was einen gesunden Boden ausmacht, ein Politikum ist.

Als Etappenziele auf dem Weg zu gesunden Böden wurden jedenfalls etwa die Renaturierungsziele, die Pestizidreduktion um 50 Prozent bis 2030 oder die »Reduzierung von Nährstoffverlusten aus den Böden« um 50 Prozent gesetzt.

Buchtipp:

»PHOSPHOR – Fluch und Segen eines Elements« von Stefan Emeis (Hrsg.), Kerstin Schlögl-Flierl (Hrsg.) ist 2021 bei Oekom zur Entdeckungsgeschichte und zu Managementmöglichkeiten des endlichen Rohstoffs erschienen.

Einer der bisherigen konkreten Schritte zur Umsetzung dieser Strategie ist auch das Ende 2025 in Kraft getretene Bodenüberwachungsgesetz. Es verpflichtet die Mitgliedstaaten, die Bodengesundheit zu überwachen und zu bewerten – 2028 sind die ersten Reportings fällig. Bei der Erhebung unterstützt die Kommission die nationalen Behörden – unter anderem durch ein Bodengesundheitsdatenportal – und versucht so gleichzeitig, vergleichbare Daten zum Zustand der europäischen Böden zu bekommen.

MOMENTAUFNAHMEN

Genau daran arbeitet Schneider im Rahmen des Projekts »AI4SoilHealth« mit dem Ziel einer frei verfügbaren digitalen Plattform mit Daten zum aktuellen Zustand der Böden in Europa – und zu deren Veränderung mit der Zeit. »Dazu, wie sich standortgegebene Fruchtbarkeit verändert, wissen wir relativ wenig«, sagt er. Man kenne freilich einige Faktoren, die die Bodenfruchtbarkeit verändern, aber wie sie zusammenwirken und welches Gesamtbild sich

in Europa dadurch ergibt, beruht derzeit stark auf Schätzungen. Wobei er einschränkt: »Über die Versiegelung als Faktor wissen wir sehr viel – und unternehmen trotzdem zu wenig dagegen.«

Damit eine klarere Datenlage zeigt, wie unterschiedliche Faktoren zusammenwirken und wie die europäischen Böden dastehen, wird KI eingesetzt. Sie lernt, indem Karten zu Geologie, Gelände, Klima und Satellitenbeobachtungen – etwa dazu, wie grün eine Fläche im Verlauf der letzten Jahre war – mit den Ergebnissen von Bodenanalysen kombiniert werden: Dazu wurde sie mit Daten einer europäischen Bodeninventur gefüttert, aber auch nationale und regionale Bodendaten sind ergänzend in die Modelle mit eingeflossen, zum Beispiel aus Deutschland. So gibt sie Einschätzungen für die weißen Flecken zwischen den aufwändig durchgeführten Bodenbeprobungen. In den Proben wurden in Laboren zum Beispiel die Bodenart bestimmt, ist er etwa sandig, schluffig, tonig, aber auch den pH-Wert und den Kohlenstoffgehalt. 2009 gab es die erste europaweite Erhebung, die wurde bisher dreimal wiederholt. Dennoch sei die Datenlage aber insgesamt noch zu dünn um Änderungen in der Bodenfruchtbarkeit europaweit mit Sicherheit abzubilden. Die Forschung freut sich also schon auf die verbesserte Datenlage, mit der ab 2028 gerechnet wird. Dann werden auch die KI-Modelle noch besser – der Plan ist nämlich, die Veränderungen der Bodeneigenschaften auf einer Zeitachse in Zwei-Jahres-Schritten abzubilden und so auch eine zuverlässige Prognosefähigkeit zu erreichen.

Fragt man Florian Schneider, ob er sich zu einer Prognose dazu, was unsere Böden noch hergeben können, hinreißen lassen würde, bevor seine KI so weit ist, sagt er: »Ich lese oft erstaunt, dass unsere Böden nur mehr zehn Ernten hergeben, solche Übertreibungen sind ärgerlich. Aber wir stehen vor einer Herausforderung, die wir heute angehen müssen.« Lange bevor die letzte Ernte kommt, die ein Boden bereitstellen kann, nimmt einmal die Menge und Qualität ab, die er liefert, er verliert an Wasserspeicherkapazität und gibt CO2 in die Atmosphäre ab. »Unterm Strich schaut es so aus, als ob wir in Euro-

Auf der Schwarzbrache – einem Acker, der zwischen den Fruchtfolgen offen bleibt – fehlt dem Bodenleben die Nahrungsgrundlage. Dies kann langfristig den Humusgehalt verringern.

pa Humus verlieren würden. Das verstärkt den Klimawandel – und wird gleichzeitig durch diesen verstärkt.«

HUMUSGRABBING

Die Landwirtschaft Europas basiert also auf den Erträgen aus den Böden (und Gewässern) anderer Erdteile. Und zwar im doppelten Sinn. Der Humus im Boden ermöglicht nämlich einerseits ertragreiche Landwirtschaft, andererseits wird sein Gehalt nicht zufällig in Kohlenstoffspeicherkapazität gemessen. Sprich: Humusreicher Boden enthält CO2, es ist dort gebunden. Durch das mikrobielle Bodenleben wird Humus mineralisiert und bietet somit die Grundlage für das Gedeihen von Pflanzen. Sie nehmen diese anorganischen Nährstoffe über die Wurzeln auf – darunter etwa Nitrat, Ammonium, Phosphat, Kalium.

Schneider erklärt das Grundprinzip zur Sicherheit noch einmal: »Das Ganze funktioniert so, dass Pflanzen CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und es in Biomasse umwandeln, solange die Pflanze wächst. Währenddessen gibt sie über ihre Wurzeln schon Exsudate ab, eine wässrige Lösung mit Zuckern und weiteren organischen Verbindungen – wie ein Biomasse-Gebräu, das in den Boden eingetragen wird.« Wenn die Pflanze stirbt, geht der größte Teil als CO2 zurück in die Atmosphäre, aber ein Teil bleibt mit ihr im Boden und wird dort gebunden, und zwar mit folgendem Ergebnis: »Humus besteht circa zur Hälfte aus Bodenkohlenstoff.«

ACKERBÖDEN WIEDERBELEBEN

Nun lässt sich durch Bodenbewirtschaftung dieses Gleichgewicht in die eine oder andere Richtung verändern. Eine solche Veränderung kann Abholzung eines Waldes zur Gewinnung von Ackerfläche sein oder etwa die Versiegelung eines Bodens. »In unseren Breiten haben Landnutzungsänderungen, zum Beispiel durch Umarbeiten einer Wiese zu einem Acker, den größten Einfluss auf den Humusgehalt im Boden«, weiß Schneider – der Acker ist schnell angelegt, doch es dauere Jahrzehnte, bis sich im Boden ein neues Humus-Gleichgewicht eingestellt habe.

Mitunter nicht weniger radikale Auswirkungen kann die Bewirtschaftungsart eines Ackerbodens haben. Durch mehr Blühstreifen, mehrjährige Ackerkulturen und organischen Dün-

ERDGIPFEL

Das Uno-Umweltprogramm UNEP veröffentlichte 1992 im Rahmen der Rio-Konferenz – auch Erdgipfel genannt – erste globale Schätzungen, wonach weltweit ein Viertel der Landoberfläche von Bodendegradation betroffen ist – vor allem durch Erosion, Überweidung und Abholzung. Spätestens 1999 wurde auch deutlich, dass auch Mitteleuropa in relevantem Ausmaß betroffen ist und das nicht nur punktuell.

ger etwa kann Humus aufgebaut werden, das Brachliegenlassen von Feldern zwischen Anbauperioden sorgt hingegen beispielsweise für Humusverlust.

Beim Thünen-Institut ist im Dezember 2025 auch eine Studie zur Frage erschienen, ob sich biologisch bewirtschaftete Böden in Deutschland von konventionellen in puncto Humusgehalt unterscheiden. Schneider ergänzt darauf angesprochen vorsichtig: »Auf den untersuchten Äckern konnten keine Unterschiede festgestellt werden« und ergänzt: »Aber Bodenfruchtbarkeit ist eben mehr als Humusgehalt.« Woraus dieses Mehr bestehe, hänge davon ab, wen man fragt. Fruchtbarer Boden hat viele Funktionen – »eine Funktion fruchtbaren Bodens ist, dass wir Pflanzen anbauen undGetreide ernten können. Andere sind, dass er Wasser aufnehmen und Kohlenstoff speichern kann oder ein vielfältiges Bodenleben aufweisen.«

Deswegen sei es so schwierig, den Verlust an Bodenfruchtbarkeit in Zahlen zu fassen, denn jede Zahl kann nur eine dieser Funktionen bemessen.

WAS TUN?

Die Böden nicht brachliegen lassen zwischen den Fruchtfolgen. Und etwa Hecken nicht zurücknehmen, sondern wieder wachsen lassen, das hätte eine humusmehrende Wirkung und schützt vor Erosion, betont Schneider. Und man kann mit Dünger und Kompost arbeiten, um Humus wieder aufzubauen – die Kohlenstoffspeicherkapazität baut sich aber über Jahrhunderte und Jahrtausende auf. Ein ambitioniertes, aber erreichbares Ziel lautet daher wohl eher, deutet der Forscher an, die Verluste durch Klimawandel und Landwirtschaft aufzuhalten. Die Aufgaben – oder Möglichkeiten – sind so mannigfaltig wie die Ursachen. Der Geoökologe fasst zusammen: »Versiegelung, Überdüngung, Erosion, Klimawandel: Es gibt viel zu tun, um unsere Ressource Boden besser zu schützen!«

Florian Schneider forscht als Geoökologe am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz.

Seine Dissertation mit dem Titel »Durchwurzelbarkeit landwirtschaftlich genutzter Böden in Deutschland« wurde 2022 mit dem Fritz-Scheffer-Preis der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft ausgezeichnet.

CREMIGE DEOS

9 Varianten des vielleicht sozial wertvollsten Naturkosmetikprodukts.

Deodorants hemmen das Schwitzen und duften in Wechselwirkung mit dem Körper – und diese stellt sich erst nach ein paar Tagen nach dem Wechsel auf ein Deo neuer Qualität ein. Es führt also nichts an ausprobieren vorbei. Hier Vorschläge dazu.

Weleda Sensitiv

Deodorant Stick

Wer Plastikfreiheit und geringes Gewicht sucht und sich die Finger nicht schmutzig machen will, landet beim Deostick im Karton. Gibts auch von Weleda als Deodorant in drei Varianten auf Maisstärkebasis, die zuverlässig gegen Geruchsentwicklung wirken – darunter die für sensible Haut – allerdings nur im Onlineshop. Natrue-zertifizierte Biokosmetik, hergestellt in Deutschland.

weleda.at

Nuud Lime x Bergamot

Das Natural Deodorant, das mehrere Tage (trotz Duschens) wirkt, nun in Naturkosmetikqualität und im Karton: Nuud riecht in der Ausführung Lime x Bergamot allerdings recht nach Gummifrosch in der Geschmacksrichtung saurer Apfel. Vielleicht ideal für die Lebensphase, wo ab und zu aufs plötzlich bitternötige Deo vergessen wird? Nach Natural Cosmetics Standard produziert in den Niederlanden. nuudcare.de

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BILD

Angenehme Haptik, ganz untypischer Duft nach Ginseng, Marzipan, Tee, Citronella und einer undurchdringlichen Vielfalt weiterer süßer und herber Zitrusnoten: Mit dem neuen Deostick hat sich Lavera was einfallen lassen –lagahnhaltender Schutz auch vor Achselnässe. Natrue-zertifzierte Naturkosmetik, hergestellt in Deutschland.

lavera.com

Alverde

Pure & Strong

Deocreme

Ein Preis-Leistungs-Sieger für alle, die sanften Schutz vor Nässe und Geruch mit reichhaltiger Pflege kombinieren möchten. Sympathiepunkte gibts dafür, vorne groß draufzuschreiben, auf welcher Basis das Deowirkt: Zinkoxid und Natron. Es duftet nach Zitrone, Grüntee und konsequent gedachter Naturkosmetik. Natrue-Zertifikat inklusive. Hergestellt in Deutschland. dm.at

Niyok Natürliches Deodorant

Kokos | Ohne Parfum

Was so verlockend nach Kokos duftet, braucht wahrlich nicht zusätzlich parfumiert werden. Klassisch im Braunglastiegl mit Blechdeckel, nach Cosmos-Standard zertifiziert in Deutschland produziert. Zuverlässig durch Natron– wirkt gegen Schweiß wie dessen Geruch. niyok.de

Les Essentiels

Grapefruit & Geranium

Deocreme

Und wieder sind es Natron (»Sodium Bicarbonate«) und Maisstärke, die die ganze Arbeit machen. Hinzu in die praktische und leichte Blechdose zum Schrauben kommt Pflegendes und Duft – ein blumig-zitrusfruchtiger. Cosmos-organic zertifiziert produziert in Franreich laboratoire-lesessentiels.fr

For People

Deo

Die gebeutelte n Four People sind wiederauferstanden und so können auch jene unter euch, die das bisher verabsäumt haben, bewährte und neue Produkte probieren. So etwa das schnörkellose Deo aus Kartoffelstärke (Mais ist auch dabei) im Glastiegel mit Holzdeckel. Very german. Natrue organic zertifiziert. forpeople-skincare.de

Achselkuss

Monoi

Deocreme

Man fragt sich, nach wie vielen Tagen der Anwendung einen der Tiaréblütenduft nicht mehr direkt, wenn schon nicht an die Südsee, dann zumindest an den nächstbesten Strand befördert. handgemacht aus Mai und Soda in Österreich, V-Label zertifiziert, aber ohne Naturkosmetik-Zertifikat. achselkuss.at

i+m

Extra Strong Deocreme

Ist es schon ein Klassiker? Wird es wohl aber jedenfalls werden, das extra strong Deo von i+m wird seinem Prie snicht nur durch Ergibigkeit gerecht , sondern durch Verlässlichkeit für viele Stunden. Cosmos-organic zertiziziert ist es auch noch, gemacht wird’s in Brandenburg. iplusm.berlin

SALZBURG? LÄUFT!

Einfach machen – mit Willen und ein wenig Training können Großveranstaltungen als Bioevents bestritten werden.

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Florian Jauk

Green Event

Während sich die Biozertifizierung in Salzburg vor allem auf das gastronomische Angebot bezieht, würde eine Green-Event-Auszeichnung die gesamte Organisation der Veranstaltung umfassen – also auch Anreise, Energieeinsatz, Abfallmanagement und Beschaffung. greeneventsaustria.at

Salzburger Lauffestspiele 2026

Die 23. Salzburger Lauffestspiele finden von 10. bis 17. Mai 2026 statt. Erwartet werden rund 16.000 TeilnehmerInnen. salzburg-marathon.at

Einen Marathon zu bestreiten, will gut geplant und vorbereitet sein – vor allem, wenn er nicht nur der Gesundheit zuträglich sein soll, sondern auch der Umwelt nicht abträglich. Letztlich handelt es sich bei vielen Laufveranstaltungen um Großevents, für die Menschen und Material transportiert werden, wo gegessen und getrunken wird, Strom und Wasser verbraucht werden und schnell eine erhebliche Menge Müll anfällt.

BIO ALS VORGABE

Die Wochenendveranstaltung der Salzburger Lauffestspiele, an der die Hauptbewerbe ausgetragen werden, ist biozertifiziert – und das bereits zum 15. Mal in Folge. Neben dem Salzburg Marathon am Sonntag stehen auch ein Halbmarathon, ein 10-Kilometer-Lauf sowie ein Staffelbewerb am Programm. An den Verpflegungsständen bedeutet das: Nahezu alle angebotenen Speisen und Getränke stammen aus kontrolliert biologischer Produktion. Das betrifft nicht nur die Verpflegung für LäuferInnen entlang der Strecke, sondern ebenso die

des Publikums inklusive VIP-Zelt. »Wir geben vor, dass alle Gastrostände biozertifiziert sein müssen«, sagt Veranstalter Hannes Langer. Die meisten Betriebe seien es bereits, einzelne hätten sich eigens für die Veranstaltung zertifizieren lassen. Im Vorjahr etwa betraf das zwei Stände. Eine solche Kurzzeit-Zertifizierung nur für die Dauer des Events bietet der Bioverband Bio Austria an. Produkte, die nicht bio sind, gibt es beim Marathon allerdings schon auch – sie werden als solche klar gekennzeichnet. So etwa die Getränke des Sponsors Coca-Cola, aber auch der Kuchen im Zielbereich. Langer sagt dazu nüchtern: »Wir müssen manchmal Abstriche machen, um Versorgungslücken zu schließen.« Für die benötigten Kuchenmengen gebe es derzeit schlicht keinen Anbieter, der die benötigte Menge in Bioqualität liefern könne. Es gehe dabei weniger um Kosten als um Logistik. Insgesamt habe es zur Frage, ob der Bewerb auf Bio umgestellt wird, auch vor 15 Jahren keinen Gegenwind gegeben, sagt Langer – und für ihn persönlich sei es ohnehin ein »logischer Schritt« gewesen, sagt er:

»Ich beschäftige mich seit den 1980er-Jahren mit biologischen Lebensmitteln.«

WO ES HYDRANTEN GIBT, GIBT ES LEITUNGSWASSER

Abgefülltes Wasser gibt es beim Event nicht mehr, stattdessen an Verpflegungsstationen Leitungswasser direkt aus Salzburger Hydranten. Powerade – ebenfalls von Sponsor Coca-Cola und daher nicht biozertifiziert –wird grundsätzlich als Pulver geliefert und vor Ort mit Leitungswasser angemischt und in Papierbechern ausgeschenkt. In Zielnähe werden Getränke in Pfandflaschen verkauft. Alubehälter wurden vollständig aus dem System genommen. Seit 2018 gilt im Bundesland Salzburg zudem ein Mehrweggebot für Veranstaltungen. Einweg ist damit ohnehin stark reglementiert.

KURZE WEGE

Start und Ziel liegen so nahe beieinander, dass kein Kleidertransport organisiert werden muss. Bei der Fahrzeuglogistik setzt man auf E-Autos, die Rennbegleitung erfolgt mit Fahrrädern und E-Bikes. Blaulichtfahrzeuge werden großteils durch Fahrräder ersetzt. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird belohnt und ist am Marathonwochenende für Teilnehmende im ganzen Bundesland Salzburg kostenlos. Während sich die Biozertifizierung in Salzburg vor allem auf das gastronomische Angebot und dessen Herkunft bezieht, bewertet eine Green-Event-Auszeichnung die gesamte Organisation der Veranstaltung – also auch Anreise, Energieeinsatz, Abfallmanagement und Beschaffung. Um eine solche Zertifizierung haben sich die Lauffestspiele der Mozartstadt bislang nicht bemüht – als Grund gibt Langer hohen Organisationsaufwand an. Man beteuert, die Veranstaltung dennoch »Schritt für Schritt weiterzuentwickeln«. Eine Veranstaltung mit rund 16.000 TeilnehmerInnen (die BesucherInnen nicht eingerechnet) nachhaltiger zu gestalten sei nur durch Kooperation von entsprechend motivierten Akteuren möglich, betont Hannes Langer, wie etwa jener mit Bio Austria, die seit der ersten Biozertifizierung des Laufevents seit 2010 bei der Planung und Umsetzung unterstützt – »Es geht nicht ohne die richtigen Partner«.

Weite Wälder & grüne Wildnis im Nationalpark Thayatal

Wald, soweit das Auge reicht und Natur, die Natur sein darf. Dafür steht der Nationalpark Thayatal, der gemeinsam mit dem tschechischen Národní park Podyjí eine der letzten naturnahen Tallandschaften Mitteleuropas bewahrt.

Hier scheint die Zeit noch anders zu fließen – ganz gemächlich und gemeinsam mit der Thaya, dem grenzüberschreitenden Fluss, der sich um die waldbedeckten Hügel der Umgebung schmiegt und dabei die einzigartigen Flussmäander schafft. Diese Ursprünglichkeit lässt sich entweder hautnah auf Wanderwegen direkt neben dem Fluss erleben – oder mit Blick von oben.

Die neu errichtete Aussichtswarte „Umlaufblick“ bietet ein einzigartiges Panorama, das Jung und Alt in Staunen versetzt und die Landschaft hoch oben in Niederösterreich in eine andere Perspektive setzt.

SCHRAUBEN ODER SCHRAUBEN LASSEN?

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Das Fahrrad im Frühjahrscheck: Was vom Standardpaket man erledigen kann – und was lieber Profis überlassen.

Florian Jauk

Zum Frühlingsbeginn sind viele Fahrradwerkstätten überlastet. Das Ganzjahresradeln wird immer beliebter, die meisten holen jedoch nach wie vor erst mit den ersten warmen Tagen ihr Fahrrad aus dem Winterschlaf. Nicht jedes Fahrrad muss dafür in die Werkstatt. Ein grundlegender Frühjahrscheck lasse sich auch zu Hause erledigen, sagt Dominik Darnhofer, Techniker beim österreichischen Verkehrsklub ÖAMTC. Entscheidend ist, zu wissen, was man selbst überprüfen kann und wo aus Sicherheitsgründen professionelle Hilfe nötig ist. Das hängt vor allem damit ab, wie vertraut man mit der Technik des eigenen Rads ist.

WARUM DIY NICHT ÜBERALL

GLEICH EINFACH IST

Nicht jedes Fahrrad setzt für ein Frühjahrsservice zu Hause dasselbe Maß an technischem Know-how voraus. City- und Trekkingräder für den täglichen Gebrauch sind meist robust gebaut und technisch überschaubar. Mechanische Schaltungen, klassische Felgenbremsen und einfache Komponenten machen sie vergleichsweise DIY-tauglich. Sicherheitschecks und Basispflege lassen sich hier gut selbst erledigen. Moderne Rennräder oder Gravelbikes – sportliche Räder für Straße und Schotter mit breiteren Reifen – reagieren empfindlicher auf Verschleiß und falsche Einstellungen. Schaltung, Antrieb und Bremsen sind präziser und weniger fehlertolerant. Viele Arbeiten sind möglich, erfordern aber mehr Sorgfalt und ein gutes Gefühl für Technik. E-Bikes sind am komplexesten. Elektronik – oft kombiniert mit hydraulischen Bremsen – setzt dem Selbermachen klare Grenzen. Einfache Kontrollen sind sinnvoll, alles darüber hinaus gehört meist in professionelle Hände.

DER ERSTE BLICK: SICHERHEIT VOR PFLEGE

Unabhängig vom Radtyp steht zu Beginn immer die Sicherheit. Bevor geputzt, geölt oder nachjustiert wird, geht es darum, zu prüfen, ob das Fahrrad verlässlich funktioniert – egal ob Alltagsrad, Sportgerät oder E-Bike. »Viele Reifen, die den Winter über nicht gefahren wurden, verlieren an Luft. Das sollte man mit als

»Wer noch nie selbst eine Bremse nachgestellt, die Gänge justiert oder den Antrieb kontrolliert hat, sollte diese sicherheitsrelevanten Arbeiten zunächst dem Profi überlassen.«

— Dominik Darnhofer, Techniker ÖAMTC

Erstes überprüfen«, rät Darnhofer. Gegebenenfalls folgt dann Aufpumpen – und Platten flicken. Danach kommt der Griff zur Bremse. Beim kurzen Anrollen lässt sich leicht prüfen, ob die Hebel sauber greifen und ob sich ausreichend Druck aufbaut.

Auch der Antrieb gehört zum Basischeck. Nach der Winterpause zeigt sich an vielen Rädern Rost an der Kette – vor allem dann, wenn sie nach winterlichen Stadtfahrten nicht gereinigt wurden. »Salz und Feuchtigkeit greifen die Kette besonders schnell an«, erklärt Darnhofer. Leichter Oberflächenrost lässt sich meist durch Reinigen und anschließendes Ölen oder Wachsen beheben. Ist die Kette trocken oder stark angegriffen, steigt der Verschleiß deutlich. Zur Sicherheitskontrolle zählen außerdem Beleuchtung und Reflektoren. Gerade im Frühjahr, wenn es morgens und abends noch dunkel ist, sollte geprüft werden, ob Lichtanlage, Dynamo oder Akku zuverlässig funktionieren und alle vorgeschriebenen Reflektoren montiert sind. Des Weiteren ist es laut Darnhofer wichtig, »E-Bike-Akkus vor dem Winter nicht im Kalten stehen zu lassen und nach dem Winter wieder aufzuladen und gegebenenfalls Systemupdates durchzuführen.«

WAS SICH ZU HAUSE ERLEDIGEN LÄSST

Viele Wartungsarbeiten sind bedenkenlos zu Hause machbar. Wer allerdings noch nie selbst eine Bremse nachgestellt, die Gänge justiert

Sind Bremsbeläge stark abgefahren, müssen sie ausgetauscht werden.

Wenig Werkzeug, großer Effekt: Innensechskant- und Innensechsrundschlüssel sowie ein Schraubendreher decken viele Basisarbeiten ab.

oder den Antrieb kontrolliert hat, sollte diese sicherheitsrelevanten Arbeiten zunächst dem Profi überlassen, betont Dominik Darnhofer. Bei Felgen- wie bei mechanischen Scheibenbremsen lassen sich die Bremsbeläge relativ einfach ausbauen und prüfen. Felgenbremsen greifen mithilfe von Bremsbacken direkt an der Radfelge, mechanische Scheibenbremsen erkennt man an der Bremsscheibe am Laufrad. Bremsbeläge und Bremsbacken können weiterverwendet werden, solange noch sichtbar Reibmaterial vorhanden ist. Das ist nicht mehr der Fall, wenn Belag oder Backe sehr dünn, ungleichmäßig abgefahren oder – im Fall von Scheibenbremsen – bereits blankes Metall sichtbar ist. In diesem Fall empfiehlt sich ein Austausch.

Auch die Kette kann zu Hause kontrolliert werden. Mit einer einfachen Kettenverschleißlehre lässt sich feststellen, ob sie bereits gelängt ist. Als »gelängt« gilt eine Fahrradkette, wenn sich durch Abnutzung an Bolzen und Hülsen die Abstände zwischen den einzelnen Gliedern vergrößert haben. Der Stahl dehnt sich dabei nicht sichtbar, vielmehr nutzt sich das Material an den beweglichen Teilen ab, wodurch die Kette insgesamt länger wird. Läuft eine gelängte Kette weiter, schaltet das Fahrrad unzuverlässiger und auch andere Antriebsteile nutzen sich schneller ab. Bei mechanischen Schaltungen kann es zudem nötig sein, die Gänge nachzustellen, wenn sie nicht mehr sauber schalten, empfiehlt Experte Darnhofer: »Bei mechanischen Schaltungen kann es durchaus sein, dass der Gang unfreiwillig wechselt, wenn sie nicht richtig eingestellt sind.« Elektronische Schaltungen, die ohne Schaltseile auskommen, sind hier weniger anfällig. Tubeless-Reifen sind vor allem bei modernen Gravel- und Sporträdern verbreitet. Dabei kommt der Reifen ohne klassischen Schlauch aus und wird mit einer Dichtmilch abgedichtet. Wessen Fahrrad so bereift ist, sollte regelmäßig prüfen, ob noch ausreichend Dichtmilch im Reifen ist. Ist davon zu wenig im Reifen, verliert er häufig schleichend Luft oder wird nach dem Aufpumpen rasch wieder weich.

WERKZEUG: WENIG REICHT OFT AUS Für einfache Servicearbeiten braucht es kein umfangreiches Spezialwerkzeug. Dominik

Hydraulische Felgenbremse: Bremst an der Felge statt an einer Scheibe, die Kraftübertragung erfolgt über Hydraulik statt über ein Bremskabel.

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Bio-Zwickl

Dominik Darnhofer ist Techniker beim österreichischen Verkehrsklub ÖAMTC.

Darnhofer empfiehlt ein Grundsortiment an Innensechskant- (»Inbus«) oder Innensechsrundschlüsseln (»Torx«) – abhängig vom Fahrradmodell –, Schraubendreher, einen Seitenschneider, eine Kettenlehre sowie Kettenöl oder Wachs. Diese decken viele Arbeiten ab. Welche Schrauben verbaut sind, hängt vom Hersteller ab. Bei Carbonrahmen ist besondere Vorsicht geboten. Schrauben sollten hier immer mit einem Drehmomentschlüssel angezogen werden, um Schäden am Material zu vermeiden.

WANN BESSER IN DIE WERKSTATT?

Frühjahrscheck zu Hause: Mit ein paar Handgriffen lassen sich viele Basisarbeiten vor der ersten Ausfahrt selbst erledigen.

Nicht alles sollte man selbst erledigen. Besonders bei hydraulischen Bremsen rät Darnhofer zur Zurückhaltung. Statt eines sichtbaren Bremskabels führt hier eine geschlossene Leitung vom Hebel zur Bremse – die Bremskraft wird über eine Flüssigkeit übertragen. Diese Systeme arbeiten entweder mit Mineralöl oder – je nach Hersteller – mit Bremsflüssigkeit, die Wasser anzieht und regelmäßig gewechselt werden muss. »Wenn nicht korrekt entlüftet wird, kann Luft ins System gelangen«, warnt der Experte. Im schlimmsten Fall ist die Bremsleistung stark reduziert oder nicht mehr vorhanden. Wer sich bei solchen Arbeiten nicht absolut sicher ist, sollte den Weg in die Fachwerkstatt wählen. Hier gehe es um sicherheitsrelevante Komponenten, bei denen Fehler schwerwiegende Folgen haben können.

WIE OFT EIN PROFESSIONELLES SERVICE

SINNVOLL IST

Routinecheck: Funktionieren die Bremsen einwandfrei? Ist die Kette sauber und geölt oder gewachst? Und sind Licht und Reflektoren vollständig und einsatzbereit?

Für viele AlltagsradlerInnen ist ein Service einmal pro Jahr ausreichend, erklärt Dominik Darnhofer und betont: »Wer viel fährt oder in anspruchsvollem Gelände unterwegs ist, sollte das Rad häufiger kontrollieren lassen.« Unabhängig vom Jahresservice empfiehlt Darnhofer vor jeder längeren Fahrt einen kurzen Routinecheck: Funktionieren die Bremsen einwandfrei? Ist die Kette sauber und geölt oder gewachst? Und sind Licht und Reflektoren vollständig und einsatzbereit? Sind diese Punkte erfüllt, steht einer sicheren ersten Ausfahrt nichts im Weg – Helm, funktionierende Beleuchtung und witterungsgerechte Kleidung vorausgesetzt.

LERNEN VON SIMULANT SPONGEBOT

Im Laufe des Lebens eines Küchenschwamms kommt einiges zusammen.

Der Großteil des Mikroplastikeintrags in die Umwelt erfolgt über Reifenabrieb. Doch auch in unseren Haushalten gibt es unzählige Mikroplastikquellen. Die Küche steht hier im Verdacht, einen besonders großen Beitrag zu leisten – aber nur wenige einzelne mögliche Quellen wurden bisher systematisch untersucht. ForscherInnen der Universitäten Bonn, Leiden und Alberta (Kanada) und das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen haben sich die bisher wenig beachteten Spülschwämme zur näheren Untersuchung ausgesucht. Ausgangspunkt war die Alltagsbeobachtung der Hauptautorin der Studie: Leandra Hamann ist zu einer Zeit, als sie keine Spülmaschine hatte, aufgefallen, wie häufig sie Spülschwämme benutzt und »wie schnell sich die Schwämme über die Zeit verändern und Material verlieren«. Aus privatem Interesse habe sie während der Intensivphase der Covid-Epidemie eine kleine Studie gemacht und aufgrund vielversprechender Ergebnisse mit KollegInnen ausgeweitet. Und zwar auf Citizen Science – Freiwillige in den USA und Deutschland nutzten einen von drei Schwammtypen im Alltag und dokumentierten dies, um Laborexperimente mit einer Testmaschine namens Spongebot, nach deren Abwascharbeit der Materialverlust der Schwämme untersucht wurde, sowie eine Lebenszyklus-

analyse erstellt. Das Ergebnis der Untersuchungen: Zwischen rund vier bis sieben Gramm Mikroplastik gelangen pro Person und Jahr in die Umwelt. Und: Da der Haupteintrag nicht etwa bei der Produktion der Schwämme oder nach deren Entsorgung entsteht, sondern während des Gebrauchs, kann vor allem Wasser sparen die laufende Kontaminierung der Gewässer reduzieren, so die StudienautorInnen.

REDUCE / REFUSE

Zudem wurde nachgewiesen, dass ein geringer Kunststoffanteil im Schwamm zu einem geringeren Plastikeintrag führt (zumindest bei den Schwämmen, die Teil der Untersuchung waren) – die ForscherInnen empfehlen, solche zu verwenden. An dieser Stelle daher der Service-Hinweis, dass es längst Spülschwämme ohne Kunststoff gibt (auch ohne biobasierten) – sie bestehen zum Beispiel aus dem Kürbisgewächs Luffa. Auch Hamann gibt auf Nachfrage an: »Ich kaufe nur noch Schwämme aus Zellulose oder anderen natürlichen Materialien. Auch sonst achte ich darauf, dass in meinem Haushalt wenig Plastik ist.« Die Gefahr, dass das Plastik aus den Schwämmen über das Geschirr in unserer Nahrung landet, hält sie für vernachlässigbar: »Das Mikroplastik, das wir im Haus aufnehmen, wird meistens über die Luft transportiert und direkt eingeatmet oder setzt sich auf unserem Essen ab.«

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Leandra Hamann hat als Biologin an der Universität Bonn die im Februar 2026 im Fachjournal »Environmental Advances« erschienene Studie zu Küchenschwämmen als Quelle von Mikroplastik in der Umwelt mitverfasst.

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Die größte Retro-Rad-Veranstaltung im deutschsprachigen Raum findet jedes Jahr im Juni im Weinviertel statt! Genussvolle 70 km, anspruchsvolle 140 km und epische 210 km stehen zur Auswahl. IN VELO VERITAS ist kein Rennen, sondern eine Radrundfahrt auf klassischen Rennrädern, bei der genussvolle Gelassenheit im Vordergrund steht.

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GUTE NACHT UNTER STERNEN

Nächte unter freiem Sternenhimmel sind romantisch und gesund, aber nicht überall erlaubt. Worauf beim Draußenschlafen – und speziell beim Biwakieren – zu achten ist.

Eine Nacht unter Sternen zu schlafen, fühlt sich – zumindest für die meisten von uns und sofern wir freiwillig draußen bleiben – gut an. Wissenschaftlich fundiert sind ihre Auswirkungen aufs Wohlbefinden freilich noch kaum. Denn weder unterscheidet die Forschung zwischen Nächten im Zelt oder unter freiem Himmel, noch automatisch zwischen Tag und Nacht, wenn Auswirkungen von Outdoor-Aktivitäten untersucht werden, sagt Daniela Haluza, Umweltmedizinerin mit Schwerpunkt Waldtherapie an der Medizinischen Universität Wien. »Es gibt Hinweise aus der Chronobiologie, dass das Schlafen im Freien den menschlichen Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisieren kann«, sagt sie. »Studien zeigen, dass schon mehrere Tage Camping ohne künstliches Licht dazu führen können, dass sich der circadiane Rhythmus früher einstellt

und sich der Körper stärker am natürlichen Tageslicht orientiert. Der Schlafrhythmus nähert sich ohne Streaming (blaues Licht) und Stadtbeleuchtung stärker dem natürlichen Sonnenzyklus an.« Dokumentiert sei auch, dass Aufenthalte in natürlichen Umgebungen Stress reduzieren, insgesamt die Stimmung verbessern und die Cortisolwerte senken – »was ebenfalls indirekt den Schlaf verbessern kann«.

NAHELIEGEND: GARTEN ODER BALKON

Bleiben wir in unmittelbarer Nähe, dann braucht es zum Draußenschlafen grundsätzlich weder aufwendige Vorbereitung noch besondere Ausrüstung. Im Garten oder am Balkon reichen auf ebenem Untergrund eine weiche Unterlagsmatte, ein warmer Schlafsack und gegebenenfalls ein wetterfester Biwaksack, der Regen, Tau und Bodenfeuchte außen vor hält.

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Thomas Weber

»WHITEPAPER BIVOUAC«

Das im Mai 2025 veröffentlichte Whitepaper »Verantwortungsbewusst Biwakieren« der Cipra bietet auch einen guten Überblick über die Gesetzeslage im Alpenraum. cipra.org

Ein Trampolin eignet sich auch perfekt als Schlafplatz unter Sternen. Auf dem elastischen Sprungtuch liegt es sich leicht und hoch genug über dem Tau. Polster, Decke, Schlafsack, Stirnlampe – und das Abenteuer kann beginnen.

ten im Freien sind vom Betretungsrecht nicht gedeckt und bedürfen (…) der Zustimmung des Eigentümers«, heißt es beispielsweise im Bayerischen Naturschutzgesetz.

Sogar die Definitionen unterscheiden sich vielerorts. Der im Sommer 2025 veröffentlichte Leitfaden »Verantwortungsbewusst Biwakieren« der Internationalen Alpenschutzkommission Cipra weist darauf hin, dass nicht nur Vorschriften, sondern bereits die Bedeutung von Biwakieren von Land zu Land und je nach Situation unterschiedlich sein kann: »In Deutschland, Österreich und der Schweiz bezeichnet ›Biwakieren‹ das Schlafen ohne Zelt (mit Zelt wäre es ›Camping‹), während ›Biwakieren‹ in Frankreich das Schlafen im Freien mit Zelt fernab jeglicher offizieller Infrastruktur bedeutet. In Italien ist ›un bivacco‹ eine kleine unbewirtschaftete Hütte.« Seinen Ursprung hat das Wort vermutlich im französischen »bivouac« (Nachtwache) oder im noch älteren Niederländischen »bijwacht« (Bei und Wacht).

DEUTSCHLAND RESTRIKTIV, ITALIEN LOCKER Laut Deutschem Alpenverein richten die BePERSEIDENNÄCHTE

Besonders viele Sternschnuppen sind jedes Jahr von 17. Juli bis 24. August zu sehen. Der Höhepunkt des Meteorstroms liegt Mitte August. 2026 werden in der Nacht von 12. auf den 13. August bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde erwartet.

Kindern reichen in einem Trampolin schon ein Schlafsack und ein paar Decken für eine abenteuerliche Nacht im Freien. Eine Übernachtung in der Waldeinsamkeit, auf weiter Flur oder gar über der Baumgrenze hingegen erfordert mehr Planung. Mit Isomatte (vorzugsweise leicht und selbstaufblasbar), warmem Schlafsack (der im Sommer bis -5 Grad Celsius komfortabel sein muss, im Winter -15 Grad Celsius) und wetterfestem Biwaksack ist man in Sachen Equipment auf der sicheren Seite. Heikel ist allerdings der Ort der geplanten Nächtigung. Denn grundsätzlich überall erlaubt ist nur das sogenannte Notbiwakieren – also eine ungeplante Übernachtung unter extremen und unvorhergesehenen Umständen wie einer Verletzung, schlechtem Wetter oder zwischenfallsbedingter Dunkelheit. Geplante Nächti -

»Vom Nutzen einer Waldbademeisterin« BIORAMA hat 2018 ausprobiert, was passiert, wenn man mit Coach im Wald badet.

BIORAMA.EU/WALDBADEMEISTERIN

gungen hingegen sind zumeist verboten und überall anders geregelt. »Das Aufstellen von Wohnwagen, das Zelten oder das Übernach-

Was Biwakieren bedeutet, ist nicht einheitlich definiert. Überall erlaubt: das Übernachten im Notfall.

hörden vor allem in den Mittelgebirgen Deutschlands immer mehr Trekkingplätze ein, auf denen man übernachten kann. Trotzdem sei gerade Deutschland, was die Übernachtung im Freien angeht, sehr restriktiv, warnt der Cipra-Leitfaden und empfiehlt prinzipiell, ein (schriftliches) Einverständnis des Grundbesitzers oder des zuständigen Organs (z. B. der Naturschutzbehörde) einzuholen. In Österreich ist das allein deshalb sinnvoll, weil die Grenzen des Erlaubten oder Tolerierten von Bundesland zu Bundesland andere sind. »Handle immer mit dem Bewusstsein, dass du etwas tust, das eigentlich verboten ist, und verhalte dich defensiv«, rät deshalb das österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit. Während auch die Schweiz keine einheitlichen Regeln hat, sieht man die Sache in einigen südlichen Ländern eher locker: »In Italien ist das Biwakieren in der Nacht von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang generell überall erlaubt, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben.« Italienische Natur- und Nationalparks haben oft eigene Flächen fürs Biwakieren ausgewiesen.

Einige Regeln gilt es immer einzuhalten, egal ob geplant oder ungeplant draußen übernachtet wird. Störungen von sensiblen Ökosystemen und Wildtieren sind zu vermeiden, Exkremente zu vergraben oder mit einem großen Stein zu bedecken, Toilettenpapier und sämtlicher anderer Müll (Tampons, Binden, Feuchttücher, aber auch kompostierbare Abfälle) müssen mitgenommen werden – und dürfen keinesfalls verbrannt werden. Nicht nur um Verschmutzungen zu vermeiden, empfiehlt die Alpenschutzkonvention außerdem, ein Lager stets mindestens 100 Meter von Wasserläufen entfernt aufzuschlagen: »Flüsse und Bäche können auch bei schönem Wetter aufgrund von starken Regenfällen in anderen Gebieten oder durch das Öffnen von Staudämmen durch Wasserkraftwerke plötzlich anschwellen.«

Wenn wir unter Sternen schlafen, sollten wir wissen, wo wir liegen dürfen – und wo besser nicht.

FÜR DEN FRÜHLING SATTELN

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24. + 25. April | 1. + 2. Mai

Sonnenweg 11 | Glinzendorf

FAKE DARKNESS

Vorsicht mit Melatonin-Supplements:

Das Dunkelhormon ist kein Schlafmittel

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Peter Spork

Frei verkäufliche Einschlafhilfen, die das körpereigene Hormon Melatonin enthalten, werden immer beliebter. Doch ExpertInnen warnen vor allem bei Kindern vor dem Einsatz. Langfristige Folgen seien nicht gut genug untersucht. Außerdem wird das Mittel oft falsch verwendet.

Weichgummis zum Einschlafen? Was noch vor zwanzig Jahren bei fast allen Eltern Kopfschütteln ausgelöst hätte, gibt es inzwischen wirklich! Fast jede Apotheke hat die neuen »Schlafgummibärchen« als Nahrungsergän -

zungsmittel im Angebot. Sie stehen neben angeblich schlaffördernden Sprays, Pulvern oder Tabletten im Regal. Und sie sind frei verkäuflich – ohne Rezept. Allen gemeinsam ist der Inhaltsstoff Melatonin, eine Substanz, die laut Werbung oder Beipackzettel die Einschlafzeit verkürzen soll.

Es klingt nach einem Traum für alle schlafgestörten und stressgeplagten Personen dieser Welt: Sie müssen lediglich kurz vor dem Schlafengehen ein Weichgummi kauen oder eine Schmelztablette lutschen – und schon wird al-

les gut: Der Schlaf kommt, er wird erholsam, die Person wacht morgens ausgeschlafen auf.

SEIT RUND ZEHN JAHREN REZEPTFREI

Was besonders verlockend scheint: Weil es sich um ein Hormon handelt, das der Körper in seinem Pinealorgan – auch Zirbeldrüse genannt – selbst produziert, soll die Einnahme keine großen Nebenwirkungen haben. Sie soll auch nicht abhängig machen. Deshalb darf Melatonin in Deutschland und Österreich seit rund zehn Jahren rezeptfrei als Nahrungsergän -

»Die Wirkung von Melatonin auf den Menschen und vor allem auf Kinder ist noch viel zu schlecht untersucht.«
— Dieter Kunz, Schlafmediziner und Chronobiologe

zungsmittel verkauft werden und findet sich entsprechend auch in Drogerien, Reformhäusern und Supermärkten. Doch wie so oft: Was allzu schön klingt, hat natürlich einen Haken. ExpertInnen wie der Schlafmediziner und Chronobiologe Dieter Kunz vom Berliner St.-Hedwig-Krankenhaus, der seit Jahrzehnten die Wirkung des Hormons erforscht, raten zur Vorsicht mit frei verkäuflichen Melatoninpräparaten: »Die Wirkung von Melatonin auf den Menschen und vor allem auf Kinder ist noch viel zu schlecht untersucht.« Man könne bei der Einnahme des Mittels vieles falsch machen – und die Empfehlungen der Herstellerfirmen seien auch nicht immer hilfreich. Es sei zum Beispiel falsch, Melatonin stets – wie meist angegeben – etwa 30 Minuten vor dem Einschlafen zu nehmen. »Was auf der Verpackung draufsteht, macht keinen Sinn«, sagt Kunz, »denn wir gehen ja nicht immer zur gleichen Uhrzeit ins Bett«. Anders als immer wieder behauptet und weitererzählt wird, ist Melatonin kein Schlafhormon. Es ist ein Dunkelbote oder ein Nachthormon.

WICHTIGSTE ZEITGEBER LICHT UND MELATONIN

Die Chronobiologie – also die Wissenschaft der biologischen Zeitmessung – nennt Melatonin einen Zeitgeber. Es sagt dem Körper, wie viel Uhr es gerade ist, und stellt die Zeitmessung in den Körperzellen vor oder zurück, je nachdem, ob das Signal bezogen auf die innere Uhrzeit zu früh oder zu spät kommt. Stimmen äußere und innere Zeit überein, verstellt sich die innere Uhr nicht, aber ihr Rhythmus wird stärker. Der wichtigste Zeitgeber ist das Tageslicht, weshalb wir tagsüber viel nach draußen gehen sollten, um nachts tiefer und besser zu schlafen. Licht und Dunkelhormon wirken dabei gegensätzlich. Unsere inneren Uhren rechnen

Melatonin gegen den Jetlag

Bereits 2002 ergab die Studie »Melatonin for the Prevention and Treatment of Jet Lag«, dass die Einnahme von Melatoninpräparaten manchen Menschen gegen Jetlag helfen kann.

tagsüber damit, dass es hell ist, und nachts erwarten sie Dunkelheit – biologisch signalisiert in Form von Melatonin. Nimmt eine Person das Hormon nun aber als Tablette oder »Gummibärchen« zur falschen Uhrzeit, weil sie ungewohnt früh oder besonders spät schlafen gehen möchte, verstellt sie ihre innere Zeitmessung. Das kann den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus schwächen und so auf Dauer die Schlafqualität verringern, statt sie zu verbessern.

Melatonin sollte deshalb immer zur gleichen Zeit genommen werden – am späten Abend, ungefähr ein bis zwei Stunden, bevor man ohne äußere Ablenkung am Abend müde wird. Das kann bei Menschen mit spätem Chronotyp, auch Eulen genannt, sehr viel später sein als bei den sogenannten Lerchen, denen es schwerfällt, morgens lange zu schlafen.

Melatonin wirkt also in Abhängigkeit von der Uhrzeit sehr verschieden. Zwar erweitert es zusätzlich ein wenig die Blutgefäße in Armen und Beinen, was die Körperkerntemperatur abkühlen und uns etwas müde werden lässt. »Das ist aber ein klitzekleiner Nebeneffekt«, sagt Kunz. Als Medikament zur Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen sei Melatonin eher ungeeignet, meint auch Hans-Günter Weeß, Schlafmediziner aus Landau und ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und -medizin: »Die Wirkung ist laut Studien begrenzt.«

LEBER UND NIEREN HABEN KEINE AUGEN

Die biologische Hauptaufgabe des Nachthormons ist es, den vielen Organen des Körpers zu signalisieren, dass sie in den Nachtmodus umschalten sollen. Die Niere und die Leber hätten nun mal keine Augen, witzelt der Chronobiologe Kunz: »Irgendjemand muss ihnen mitteilen, dass es draußen dunkel ist.« Diese Aufgabe erledigt das Pinealorgan, indem es unter Anleitung der inneren Uhr am späten Abend und in der Nacht Melatonin ausschüttet.

Nur so behalten die Organe einen stabilen und aufeinander abgestimmten Tag-Nacht-Rhythmus. Wer dieses Gefüge beispielsweise durch Schicht- und Nachtarbeit oder unentwegte Fernreisen in andere Zeitzonen durcheinanderbringt, gefährdet seine Gesundheit und riskiert Schlafprobleme. Es ist gut möglich, dass Melato-

Gummibärchen mit Melatonin als Einschlafhilfe für Kinder? Laut ExpertInnen ist das keine gute Idee (Symbolbild).

nin ähnlich schädlich ist, wenn es immer wieder zur falschen Uhrzeit genommen wird.

NACHTAKTIVE TIERE WECKT MELATONIN AUF Verhielten wir Menschen uns wie Ratten, könnte man uns übrigens nichts davon erzählen, dass Melatonin ein Schlafhormon sei. Diese Tiere sind nachtaktiv. Sie weckt der Nachtbote auf – und Licht macht sie schläfrig. »Wenn Sie einer Ratte nachts um 12 Uhr eine helle Lampe hinstellen, können Sie innerhalb von fünf Minuten sehen, wie ihr Gehirn auf Schlaf umschaltet«, sagt Dieter Kunz.

Auch bei uns Menschen verhindert Licht die Ausschüttung von Melatonin. Das ist einer der Gründe, warum wir spätabends und nachts nicht mehr so viel auf unsere Computer- und Smartphonemonitore starren sollten. Sie sind relativ dicht vor unseren Augen, halten uns mit

ihrer Helligkeit wach und stellen unsere inneren Uhren zurück.

Einen ähnlichen Effekt auf die inneren Uhren hat es, zur falschen Zeit Melatonintabletten zu lutschen. »Bitte nicht morgens nehmen«, warnt Kunz deshalb mit Blick auf Schichtarbeitende, die das Mittel nach der Nachtschicht als Einschlafhilfe einsetzen. Sie riskieren, ihren durch die Schichtarbeit ohnehin schon stark beeinträchtigten Schlaf-Wach-Rhythmus weiter abzuschwächen.

SCHICHTARBEITENDE SOLLTEN RHYTHMUS NICHT UMSTELLEN

Für Schichtarbeitende ist es wichtig, dass sich ihr Rhythmus möglichst wenig umstellt und dass sie insgesamt viel Schlaf mit einer hohen Qualität bekommen. Dazu tragen stark ausgeprägte, stabile und gleichbleibende innere Rhythmen bei. Man sei längst davon abgekommen, den inneren Rhythmus betroffener Personen an wechselnde Schichten anzupassen, sagt Kunz: »Das macht viel mehr Stress, als einmal eine Nacht gar nicht zu schlafen und dann wieder zur gewohnten Zeit zu schlafen.«

Anders ist die Situation bei einem Jetlag, etwa nach einem Flug nach Kanada. Selbstverständlich passt sich der Körper ganz von alleine an die neuen Tages- und Nachtzeiten an, wenn wir in eine andere Zeitzone verreist sind. Dabei

Wer die gesunde Entwicklung von Säuglingen und Kindern unterstützen möchte, sollte ihnen so viel wie möglich des natürlichen Zeitgebers Tageslicht gönnen.

hilft der natürliche Zeitgeber des Sonnenlichts. Morgendlicher Sport an der frischen Luft ist deshalb meist das beste Mittel gegen Jetlag. Wer die Umstellung zusätzlich beschleunigen möchte, kann das durch die Gabe von Melatonin eventuell unterstützen. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2002 zeigte, dass diese Strategie manchen Menschen helfen kann. Auch hier ist es aber wichtig, das Mittel nicht einfach vor dem Einschlafen zu nehmen, sondern immer zur gleichen Uhrzeit, in der Regel ein bis zwei Stunden, bevor man entsprechend der neuen Zeitzone und seinem individuellen Chronotyp schlafen sollte.

MELATONIN INFORMIERT ÜBER DIE JAHRESZEIT

Melatonin steuert aber nicht nur die inneren Uhren, sondern auch den inneren Kalender. »Es meldet dem Körper, wie lange es draußen dunkel ist«, sagt Chronobiologe Kunz. Damit ist es ein deutliches Signal für die Jahreszeit.

Chronotyp

Dass die »Innere Uhr« individuell tickt, ist wissenschaftlich inzwischen unumstritten. Schuld daran sind bestimmte, von den Eltern geerbte Genvarianten. Ein Chronotyp-Test kann bei der Einordnung helfen.

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Schafe zum Beispiel sind im Sommer nicht geschlechtsreif. Wegen der kurzen Nächte ist dann vergleichsweise wenig des Dunkelboten Melatonin in ihrem Blut, was die Geschlechtsreife hemmt. So verhindert die Natur, dass Lämmer im Winter zur Welt kommen, wenn sie geringe Überlebenschancen haben.

Auch beim Menschen wirkt Melatonin auf die Geschlechtshormone – und zwar, indem es Sexualhormone unterdrückt. Man habe es nicht ohne Grund »vor 60 Jahren zuerst als Pille für den Mann getestet«, weiß Dieter Kunz. Aus dem gleichen Grund wird Melatonin auch mit dem Timing der Pubertät in Verbindung gebracht: Weil das Pinealorgan mit dem Körper nicht mitwächst, nimmt die Menge des Botenstoffs bezogen auf das Körpergewicht mit dem Erwachsenwerden ab. Ist eine Grenze unterschritten, beginnt der Theorie zufolge die Pubertät.

WARUM JUGENDLICHE HEUTE FRÜHER IN DIE PUBERTÄT KOMMEN KÖNNTEN

Der Chronobiologe Christian Cajochen von der Universitätsklinik Basel verweist deshalb gerne auf die Theorie, dass Jugendliche heutzutage im Durchschnitt früher in die Pubertät kommen, weil es nachts mehr Kunstlicht gibt und das Pinealorgan deshalb insgesamt weniger Melatonin produziert: »Da Licht die nächtliche Melatoninproduktion hemmt und Melatonin vermutlich die Geschlechtsreifung während der Pubertät verzögert, könnte zu viel Licht am späten Abend oder frühen Morgen theoretisch die Reifungsprozesse ein wenig beschleunigen«, warnte Cajochen schon vor Jahren.

Auch beim Menschen wirkt Melatonin auf die Geschlechtshormone

– und zwar, indem es

Sexualhormone unterdrückt.

das kindliche Gleichgewicht der Sexualhormone gefährden. Außerdem ist es äußerst bedenklich, schon Kinder und Jugendliche an den Gedanken zu gewöhnen, sie könnten nur mit Hilfe von Pillen richtig gut einschlafen – kommen diese zudem so harmlos als vermeintliche Süßigkeit daher.

»Ich bin ganz sicher, dass das nicht klug ist, weil es womöglich die Gesundheit und Entwicklung der Kinder schädigen kann.«
— Dieter Kunz

Das Verabreichen von Weichgummis mit Melatonin als angebliche Einschlafhilfe hätte zumindest in der Theorie den gegenteiligen Effekt. So oder so warnt der Berliner Kunz: »An der Stelle wäre ich sehr vorsichtig.« Zwar sei der gefäßerweiternde und damit schlafbeschleunigende Effekt bei Kindern größer als bei Erwachsenen, doch wolle sicher niemand

Wer die gesunde Entwicklung von Säuglingen und Kindern unterstützen möchte, sollte ihnen so viel wie möglich des natürlichen Zeitgebers Tageslicht gönnen. Spielen und Spazierengehen am Tag verstärken und stabilisieren die innere Rhythmik, sie verbessern die Schlafqualität und damit auch die nächtliche Ausschüttung des wichtigen Wachstumshormons. So fördert der Aufenthalt im Freien am Tag indirekt ein gesundes Heranwachsen der Kinder. Künstliches Melatonin – egal zu welcher Uhrzeit –wird dafür nicht zusätzlich benötigt. Es gebe keine Studien, wie Melatonin langfristig auf Kinder wirke, sagt Kunz. Da sei es schon »sehr leichtfertig«, die Weichgummis beispielsweise in der Kita vor dem Mittagsschlaf zu verabreichen, damit die Kleinen auch mal Ruhe geben: »Ich bin ganz sicher, dass das nicht klug ist, weil es womöglich die Gesundheit und Entwicklung der Kinder schädigen kann.«

MELATONIN AM MITTAG STÖRT VIELLEICHT

DAS EINSCHLAFEN AM ABEND

Generell fehlt es an großen und zuverlässigen Studien, die zeigen, wie die Gabe von Melatonin in welcher Dosis und zu welcher Uhrzeit auf den Körper eines Menschen wirkt – und

Serotonin und Melatonin

Serotonin ist ein Botenstoff des Gehirns, der unsere Stimmung verbessert und uns mutiger und aktiver sein lässt. In der Zirbeldrüse wird Serotonin in Melatonin umgebaut und nachts in die Blutbahn ausgeschüttet.

Licht und Melatonin

Registrieren unsere Augen helles Licht, obwohl die innere Uhr auf Nacht und Dunkelheit eingestellt ist, hemmt das die Melatoninausschüttung in der Zirbeldrüse. Der Körper stellt im Extremfall vom Nachtmodus in den Tagmodus um.

Immer wieder schicken besorgte Eltern Peter Spork E-Mails und fragen nach dem Sinn und Unsinn der sogenannten Schlafgummibärchen für Kinder. Das liest sich dann zum Beispiel so: »Meine Tochter (15) schläft relativ schlecht. In der Schule ist viel Druck, sie tut sich damit schwer und ist emotional zurzeit ziemlich labil. Jetzt hat ihr ihre Trainerin und Freundin Melatonin-Gummibärchen empfohlen. Wie stehen Sie zu dem Thema?« Das nahm Peter Spork zum Anlass, der Sache auf den Grund zu gehen und diesen Artikel zu schreiben.

Der Wissenschaftsjournalist Peter Spork hat mehrere Bücher über Schlaf und Chronobiologie geschrieben.

das sowohl kurz- als auch langfristig. Es ist zum Beispiel gut möglich, dass die Melatonin-»Gummibärchen«, die Kinder mittags für ein besseres Nickerchen lutschen, sie abends und nachts am Einschlafen hindern oder zumindest die Schlafqualität herabsetzen, weil sie die inneren Uhren verstellt haben.

Es ist aber genauso gut möglich, dass die inneren Uhren das Melatonin zur völlig falschen Tageszeit kaum registrieren, weil sie um diese Zeit unempfindlich für das nicht erwartete Signal sind. Und es ist möglich, dass ein Mensch abends nicht mehr gut auf Melatonin reagiert – auch nicht auf das körpereigene, wenn er bereits mittags Melatonin eingenommen hat. Außerdem weiß niemand genau, ob eine hohe abendliche Melatonindosis dazu führt,

dass der Spiegel des Hormons am Morgen noch erhöht ist. »Wir brauchen viel mehr Studien zum Thema«, sagt Kunz, aber die seien teuer und rechneten sich nicht, wenn man das Mittel nicht patentieren und zudem ohne Rezept als Nahrungsergänzungsmittel verkaufen kann.

WEM DAS VERSCHREIBUNGSPFLICHTIGE MEDIKAMENT HELFEN KANN

Bis auf Weiteres empfiehlt sich also, Melatonin nur nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt einzunehmen und dann vor allem in Form eines verschreibungspflichtigen Medikaments. Das hilft schon seit Langem Menschen mit sogenanntem Non-24-Syndrom. Dieses seltene Leiden betrifft vor allem blinde Menschen, die Tageslicht nicht richtig wahrnehmen können. Ihr Tag-Nacht-Rhythmus ist weitgehend gestört und sie können ihn mit der spätabendlichen Gabe von Melatonin zur immer gleichen Uhrzeit neu aufbauen.

Auch bei ADHS oder Autismus sowie bei Menschen, die stark unter Nacht- und Schichtarbeit leiden oder bei Menschen mit altersbedingt geschwächten inneren Uhren kann korrekt eingenommenes Melatonin als Medikament helfen, einen besseren und stabileren Schlaf-Wach-Rhythmus zu entwickeln.

TAGS BRAUCHEN WIR HELLIGKEIT – NACHTS DUNKELHEIT

Melatonin-Experte Kunz empfiehlt aber auch in solchen Fällen nicht die günstigeren Nahrungsergänzungsmittel. Denn da könne man nicht sicher sein, ob die Inhaltsstoffe wirklich in der angegebenen Dosis enthalten seien. »Beim verschreibungspflichtigen Medikament können Sie zu hundert Prozent davon ausgehen, dass da auch das drin ist, was draufsteht«, sagt Kunz. Bei frei verkäuflichen Melatoninpräparaten sei das leider nicht immer der Fall.

Bis auf blinde Menschen sollten alle Betroffenen aber stets auch den allerwichtigsten Zeitgeber für sich arbeiten lassen, das Tageslicht. Eine stabile innere Rhythmik erhöht nicht nur die Chancen auf tiefen, erholsamen Schlaf, sie benötigt beides: tagsüber möglichst viel Helligkeit, nachts möglichst viel Dunkelheit. Das wirkt ganz ohne Weichgummis und Schmelztabletten.

Von Anfang an bewusst: Bio-Beikost und

ehrlicher Geschmack von SPAR Natur*pur.

Ernährung beginnt lange bevor Kinder bewusst entscheiden, was sie essen. Sie beginnt mit dem ersten Löffel. Genau hier setzt SPAR Natur*pur an: Bio-Beikost, die Babys und Kleinkinder vom Beikoststart bis ins Kleinkindalter begleitet.

ZUTATEN, DIE MAN VERSTEHT

Die Basis der SPAR Natur*pur Bio-Babyprodukte sind Zutaten aus biologischer, vielfach auch biodynamischer Landwirtschaft. Diese Form der Landwirtschaft denkt weiter: in Kreisläufen, im Einklang mit der Natur und mit besonders strengen Richtlinien. Was nicht enthalten ist, ist ebenso entscheidend: kein zugesetzter Zucker, kein Salz, kein Palmöl, keine künstlichen Zusatzstoffe. Stattdessen steht der ursprüngliche Geschmack, getragen von Zutaten, die von Natur aus Süße und Vielfalt mitbringen, im Vordergrund.

VIELFALT, DIE MITWÄCHST

Das Sortiment ist auf die unterschiedlichen Entwicklungsphasen abgestimmt. Von fein pürierten Bio-Gläschen ab dem 5. bzw. 6. Monat bis hin zu abwechslungsreichen Menüs für ältere Babys mit den ersten Zähnen findet sich eine reichliche Auswahl im SPAR-Sortiment. Zudem treffen fruchtige Kombinationen auf herzhafte Rezepturen wie Gemüse mit Fleisch oder Dinkel-Spaghetti Bolognese. Auch Bio-Vollkorn-Getreidebreie aus biodynamischem Anbau sowie knusprige Bio-Mais-Snacks für Kleinkinder ergän-

zen das Angebot. Schritt für Schritt entsteht so ein Zugang zu Lebensmitteln, der auf Vielfalt statt Gewöhnung setzt.

UNTERWEGS ESSEN, OHNE KOMPROMISSE

Wer mit Baby unterwegs ist, weiß: Es braucht Lösungen, die einfach funktionieren. Die Gläschen, Breie und Snacks sind so konzipiert, dass sie sich unkompliziert mitnehmen lassen, ohne dabei Abstriche bei Qualität oder Zutaten machen zu müssen. Eine Mahlzeit für die Kleinsten, die auch außerhalb der eigenen Küche Bestand hat.

WEITERGEDACHT: ERNÄHRUNG FÜR KINDER

Mit dem Älterwerden verändern sich Bedürfnisse, wobei der Anspruch an die Qualität der Lebensmittel insbesondere für Kinder bleibt. SPAR verfolgt diesen Weg weiter und setzt auf Produkte, die ohne unnötige Zusätze auskommen und den natürlichen Geschmack in den Mittelpunkt stellen. Gemeinsam mit Expert:innen und SIPCAN hat SPAR als Vorreiter dafür einen Bio-Lebensmittelkorb für Kinder definiert, der klare Kriterien erfüllt: ohne Zuckerzusatz, Bio-Qualität, kein Palmöl, keine künstlichen Süßstoffe sowie überprüfte Grenzwerte hinsichtlich Fett- und Salzgehalt. Ergänzt wird dieses Engagement durch Initiativen wie die »Zuckerdetektive« oder den »Trink- und Jausenführerschein«, die zeigen, wie Ernährungskompetenz früh entstehen kann.

GESUNDE PAUSE

Ein Versuch mit Siebträgermaschine und Wasserkocher.

1

BIO KAFFEE & BIO ESPRESSO NO COFFEE

Die Entkoffeinierung findet bei No Coffee nur durch Wasser statt. So könnten »nahezu alle 800 Aromen in der Bohne erhalten bleiben«, sagt der Hersteller. »Das Ergebnis: Man merkt gar nicht, dass man entkoffeinierten

Kaffee trinkt.« Stimmt fast! Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber dem halb oder zu drei Vierteln entkoffeinierten

Kaffee: Der Kompromiss aus vollmundigem Geschmack (mindestens bis zur 50-Prozent-Version) bei gleichzeitiger Koffeinreduktion überzeugt. Wer’s braucht, kann sich den Kaffee übrigens im Wunschmahlgrad gemahlen schicken lassen. nocoffee.de

2

HAUSMISCHUNG RAPUNZEL

Rapunzels neue koffeinfreie Hausmischung aus 100 Prozent Arabica-Bohnen aus Honduras und Peru ist in der Rapunzel-Palette als Geschmacklich intensiv eigeordnetim größeren Kontext ist er mild, mit balancierter Säure und Fruchtigkeit. Mutmaßlich als (Hand-)Filterkaffee geeigneter als für den Siebträger. Biofaire Kaffeeanbau erfolgt in Mischkultur und unter Schattenbäumen . rapunzel.de

3

FALSCHER KAFFEE SONNENTOR

Koffeinfrei, glutenfrei und bekömmlich ist der Muckefuck (Mocca faux), den Sonnentor aus der Löwenzahnwurzel herstellt. Und er ist malzig, würzig – und in der Kategorie Kaffeealternativen doch auch noch mild. Wer sich keinen Kaffee erwartet, sondern durch eine Tasse Löwenzahn heiß gepresst/gekocht einfach den eigenen Heißgetränkehorizont erweitert, wird am besten fahren.

sonnentor.com

4

LUPINENKAFFEE

BIOGOURMET

Der Hinweis des Herstellers, den Lupinenkaffee bei Zubereitung in Siebträgermaschine oder Espressokocher nur locker einzufüllen, ist zu beherzigen – Lupinen quellen schnell und lassen sonst kein Wasser passieren. Die Zubereitung mittels French Press ermöglicht sparsameren Einsatz des Produkts ohne Geschmackseinbußen. Was der Biogourmet-Lupinenkaffee nicht kann: vollmundigen Espresso mimen. Was er durchaus kann: Ab Zubereitung feine Röstaromen aus der Küche verströmen und nussig-süß. Wer die Süße etwa Hafermilch mag, wird sie hier wiedererkennen. Generell eine gute Idee: Zwischensaaten konsumieren! Wer Lupinenprodukte kauft, hilft der Bodengesundheit. bio-gourmet.com

BIO CHI-CAFE

6

In diesem Alternativkaffee ist neben anderen Inhaltsstoffen auch ein wenig Kaffee drin, zusätzlich zum Koffein aus diesem hilft auch noch Guarana beim Aufwachen. Für eine Cremigkeit, die von den Kaffeealternativen in der Regel unerreicht bleibt, sorgt enthaltene Akazienfaser. Bio ist einer von fünf kaffeehaltigen Getränken im Sortiment –quasi ein Geschmack. Der schmeckt dann auch nach Reishi und Ginseng und Karamell-Vanille-Aroma. Wer aromatisierten Instant-Kaffee in Betracht zieht, könnte die Bioversion von Chi-Kaffee probieren. chi-cafe.de

5

KOFFEIN-KAKAO, KOAWACH

Es gibt ja unterschiedliche Gründe, Kaffeekonsum reduzieren zu wollen. Ob die meisten dafürsprechen, stattdessen auf eine große Portion Schokolade mit extra zugefügtem Koffein umzusteigen, muss jedeR selbst beurteilen. Er ist köstlich, tröstlich und zuckerfrei. Der Hersteller schlägt neben der Zubereitung mit Milch auch die mit Wasser vor – das wird aber erst gar nicht probiert. Es bietet sich aber an, zumindest die halbe Milch durch Pflanzenmilch zu ersetzen und von deren natürlicher Süße zu zehren.. koawach.de

7

MALZKAFFEE ALNATURA

Im »Bio Malzkaffee, löslich« findet sich genau eine Zutat – gemälzte Gerste aus deutscher Demeter-Landwirtschaft, sonst nichts. Nicht nur koffeinfrei, sondern mit 11 Gramm Fett auf 100 Gramm auch schon deutlich »leichter« als Kaffee. Wer ihn nicht kennt, sollte Malzkaffee jedenfalls mal probiert haben, als Beitrag zur Generationenverständigung und weil dabei womöglich entdeckt wird, dass Malz auch außerhalb von Ovomaltine und Bier seinen Reiz hat..

alnatura.de

TEXT

Thomas Weber

FERMENTIERT, PILZBASIERT UND PROTEINREICH

Die großen Foodtrends prägen auch die Biobranche. Eine Auswahl an repräsentativen neuen Produkten.

Bio ist keine Insel. Das war auf der »Biofach« in Nürnberg, mit 32.000 FachbesucherInnen immer noch die internationale Leitmesse für Biolebensmittel, im Februar offensichtlich. Alle großen Ernährungstrends – Fermentation und Fungi/Pilze, Proteinreichtum und Alkoholfreiheit – waren auf der Messe Nürnberg mit entsprechenden Bioprodukten vertreten. Am ehesten originär für Bio ist eine Entwicklung, die sich als »Regionalisierung der Weltküche mit Bioprodukten« beschreiben lässt: Globale Speisen und Gerichte werden durch möglichst viele regionale Biozutaten geerdet oder durch einstmals exotische Würzmischungen lokal aufgewertet. Viele der neuen, in Nürnberg präsentierten Produkte entsprechen auch gleich mehreren Strömungen. Auffällig auch, wie allgemein akzeptiert pflanzliche Ernährung mittlerweile ist. Eindrucksvolles Beispiel: der internationale Abendempfang des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL): Das Buffet war völlig selbstverständlich käse- und fleischlos. Vor ein paar Jahren wäre das kontrovers diskutiert worden. 2026 war das als Thema schlicht gegessen.

REGIONALISIERUNG DER WELTKÜCHE

Der Darjeeling-Schwarztee (35 Prozent) für den Earl Grey nach Mühlviertler Art von Bergkräuter stammt natürlich nicht aus Oberösterreich, die restlichen 65 Prozent schon. »Die Orangenminze wird von verschiedenen LandwirtInnen angebaut, die alle aus dem Mühlviertel sind«, sagt Marlies Pilz von der österreichischen Bergkräuter-Genossenschaft. Damit steht dieser mild zitronig schmeckende Tee stellvertretend für den sich abzeichnenden Trend zur Wiederentdeckung der Weltküche in bioregionaler Qualität. Auch viele Würzmischungen entsprechen ihm, etwa Asian BBQ von Sonnentor.

Eingelegtes Gemüse ist gewissermaßen Kernkompetenz der traditionsreichen

niederösterreichischen Manufaktur Bio Lutz. Klassiker wie Essiggurkerln, Paprika und Krautsalate im Glas gehören – mittlerweile neben diversen Fermenten wie dem Alpen-Kimchi (einem Krautsalat mit Zirbe) – zum Stammsortiment von Bio Lutz. Weil das Einlegen von Gemüse in Essig und Gewürzen auch in anderen Ländern und Kulturen lange Tradition hat, ließ sich das Team um Biobauer Robert Lutz nun von anderen kulinarischen Traditionen inspirieren. Das Ergebnis sind die sechs Konserven der neuen Produktlinie »Gemüse von Welt«: Für Mucho Mexico zum Beispiel werden Kürbiswürfel mit dem Mark von Marille, Zimt, Ingwer, Cayennepfeffer, Chili, Meersalz, Zucker, Zitronensaft und Zitronenschalenöl in Weingeistessig aufgegossen und schonend bei 80 Grad pasteurisiert. Schmeckt hervorra gend, süßsauer mit sach ter Schärfe.

ALKOHOL- UND GLUTENFREI

Für seine wohlschme ckenden alkoholfreien Biere hat sich Neumarkter Lammsbräu aus der Oberpfalz weit über die Biobubble hinaus einen Namen gemacht. Ganze zwölf Sorten umfasst das Alkoholfrei-Angebot der

Der koffeinhaltige »Hellwach«-Energydrink auf Molkebasis der Gläsernen Molkerei begeisterte Biofach-BesucherInnen. Mehr zum Produkt auf BIORAMA.EU/HELLWACH-DRINK

fränkischen Biobrauerei mittlerweile. Zuletzt präsentiert wurde – neben einem untergärigen, sanft gehopften Hellen (in der 0,5-Liter-Mehrwegglasflasche) – auch ein neues Getränk, das gleichzeitig das Glutenfrei-Sortiment erweitert: das Neumarkter Lammsbräu Glutenfrei Zitrone alkoholfrei (in der 0,33-Liter-Mehrwegglasflasche). Der glutenfreie Radler leuchtet strohgelb und schmeckt sanft hopfig.

PILZE UND FERMENTATION

In Kooperation mit den Pilzbrüdern, die in einem Wiener Keller Shiitake-Pilze kultivieren, entwickelte der Genusskoarl das Pilzbrüder Bio-ShiitakeMiso. Es verleiht Suppen, Saucen, Risot to, Pasta oder Gemüsegerich ten eine warm-pilzige Uma mi-Tiefe und hat Berechti gung in jedem Kühlschrank. Erstmals auf der Biofach vorgestellt, wurde die Neu erung dort gleich mit einem »Best New Product Award« ausgezeichnet.

Auch ein anderes Pilzprodukt wurde prämiert: Das Bio Fungi-Pad Mare von Her mann als natürliche vegeta rische Fischalternative mit Nori-Algenpulver.

PROTEIN UND REGIONALITÄT

Leberkäse im Glas gibt es oft auch in Hofläden – allerdings nur gekühlt. Die bayerische Biometzgerei Pichler (mit der Marke Bio Pichler) schafft es, vorgegarten Leberkäse so zuzubereiten, dass er im dicht verschlossenen Glas ein halbes Jahr ungekühlt haltbar bleibt. »Das Brät wird ins Glas gefüllt, luftdicht verschlossen und danach erhitzt, wobei Keime stark reduziert oder abgetötet werden und lange Haltbarkeit garantiert ist«, erklärt Stefan Empl. Im Backrohr (bei 180 Grad) wird »Bayerischer Bio-Aufback-Leberkäse im Glas« in 30 Minuten fertig aufgebacken. Perfekt für den Vorratsschrank.

TESTIMONIALS FÜR SPEZIALITÄTEN

Die Messe Biofach ist in Bewegung. Zuletzt kam der Weltleitmesse für Bioprodukte mit der »Vivaness« die traditionell zeitgleich stattfindende Messe für Natur- und Biokosmetik abhanden. Die ursprünglich für 2027 geplante Erweiterung um Fairtrade-Produkte ohne Naturkosmetik- oder Biosiegel wurde nach heftigen Ausstellerprotesten zurückgenommen.

Biofach 16.–19. Februar 2027 Messe Nürnberg

Es wird nicht viele Käsespezialitäten geben, deren Verpackung eine dunkle Silhouette mit Kippe im Mund ziert. Das Konterfei auf dem Schnittkäse der Münsterländer Biomolkerei Söbbeke gehört dem Musiker Udo Lindenberg – bald 80 Jahre alt –, der auf seine alten Tage zum »Bio-Rocker« wird, beziehungsweise zum Paten dieses Biolandkäses. Ursprungsort des Rockers wie der Molkerei ist Gronau. Dort ist auch das Rock-’n’-PopMuseum angesiedelt, über das die Kooperation läuft. Alles an diesem Käse (50 % F.i.T.), der 80 Tage auf

Fichtenbrettern reift, ist außergewöhnlich: Im ganzen Laib verleiht das schwarze Wachscoating an der Käsetheke eine Schallplattenanmutung. Aufgeschnitten geben ihm Ingwer, Kurkuma und Knoblauch ein dezentes eigenes Aroma. Pro verkauftem Kilogramm geht 1 Euro an die Udo-Lindenberg-Stiftung, die sich neben der Vermittlung eines deutsch-deutschen Geschichtsbewusstseins der musikalischen Nachwuchsförderung widmet.

Auch andere Molkereiprodukte tun sich durch bekannte Testimonials hervor. Die Käserebellen setzen bei der Vermarktung ebenfalls auf eine deutsche Ikone: Pumuckl. Rund um den Kobold haben die bayerischen Veredler der Vorarlberger und Tiroler Heumilch einen eigenen Köhse entwickelt – es gibt ihn bio und konventionell –, der mild, cremig und mit Karottensaft gesüßt nicht nur Kindern schmeckt.

VON BEEREN UND BANDWÜRMERN

Wildpflanzen sammeln, Beeren naschen, Bärlauch pflücken: In Bodennähe können aber auch Eier des Fuchsbandwurms mit im Paket kommen.

In den vergangenen Jahren ist das Sammeln von Wildpflanzen wieder populärer geworden. Bärlauch, Beeren oder Wildkräuter landen zunehmend roh in Salaten oder Smoothies. Damit rückt auch eine Frage stärker ins Blickfeld: Welche Rolle spielen Wald und Wiese als mögliche Infektionsquelle? Der Fuchsbandwurm – im Fachjargon Echinococcus multilocularis – ist in Mitteleuropa präsent. Der Parasit zirkuliert hauptsächlich zwischen Füchsen und Nagetieren. Als ausgewachsenes Tier lebt der nur wenige Millimeter große Bandwurm im Dünndarm von Füchsen, vor allem des Rotfuchses. Auch der Mensch kann sich infizieren. Beispielsweise, wenn Eier des Parasiten über die Nahrung aufgenommen werden. In seltenen Fällen entwickelt sich daraus eine alveoläre Echinokokkose, eine langsam wachsende Lebererkrankung, die unbehandelt tödlich verlaufen kann. In den vergangenen 25 Jahren wurden in Europa rund 3000 Erkrankungen gemeldet. Die Fallzahlen steigen, bleiben insgesamt jedoch niedrig.

FUCHSBANDWURM AUF DEM VORMARSCH

»Ja, es wird mehr«, sagt Heimo Lagler, der an der Interdisziplinären Spezialambulanz für Echinokokkose an der Medizinischen Universität Wien PatientInnen mit Fuchsbandwurm

betreut und darauf hinweist, dass die Krankheit unbehandelt im Laufe von zehn Jahren zum Tod führt. Vor rund 20 Jahren wurden in Österreich zwei bis drei Fälle pro Jahr, bei denen sich Menschen mit dem Fuchsbandwurm infizierten, diagnostiziert. Aktuell sind es Lagler zufolge etwa 20. Verändert habe sich dabei auch die Diagnostik in Österreich – früher seien überhaupt nur im Westen, in Tirol und Vorarlberg, Fälle diagnostiziert worden. Unklar ist, ob tatsächlich mehr Menschen erkranken oder ob die Erkrankungen früher lediglich nicht als Konsequenz einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm gebracht und nie diagnostiziert wurden. »Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte«, vermutet Lagler, und ergänzt: »In vielen Regionen gibt es heute jedenfalls mehr Füchse – und damit mehr potenziell infizierte Tiere.« In Deutschland trifft dies vor allem auf die südlichen Bundesländer zu. 2024 wurden in Bayern laut einer Statistik des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 20 Fälle einer alveolären Echinokokkose gemeldet. Die Dunkelziffer der Ansteckungen dürfte aufgrund der langen Inkubationszeit weit höher sein. Zwischen Ansteckung und Diagnose können zehn bis zwanzig Jahre liegen. »Die meisten PatientInnen sind bei der Diagnose zwischen 40 und

Alveoläre Echinokokkose ist eine seltene parasitäre Erkrankung, ausgelöst durch den Fuchsbandwurm. Die Infektion erfolgt durch die Aufnahme von Wurmeiern, etwa über kontaminierte Hände oder Lebensmittel. Die Larven befallen meist die Leber und wachsen dort langsam über Jahre. Die Erkrankung ist in Österreich und Deutschland meldepflichtig. Geschützte Pflanzenarten dürfen freilich grundsätzlich nicht entnommen werden, und in Naturschutzgebieten können strengere Vorschriften gelten.

TEXT
Florian Jauk

Waldheidelbeeren wachsen bodennah und gelten daher als potenzielle Übertragungsquelle für den Fuchsbandwurm. Gründliches Waschen vor dem Verzehr wird empfohlen.

Füchse

sind Hauptwirte des Fuchsbandwurms und scheiden die Eier des Parasiten über den Kot aus. Wildtiere sollten nicht gestreichelt, gefüttert oder an menschliche Nähe gewöhnt werden.

Abstandhalten reduziert das Infektionsrisiko und schützt zugleich das Tier.

60 Jahre alt«, sagt Heimo Lagler von der Medizinischen Universität Wien. Nach aktuellem Wissensstand entwickelt nur ein kleiner Teil der Personen, die Eier aufnehmen, tatsächlich eine klinisch relevante Erkrankung. Der Experte ordnet das vom Fuchsbandwurm ausgehende Risiko für den Menschen also als überschaubar ein: »Die Gefahr ist sehr gering, ich würde keine Angst davor haben.«

ANSTECKUNG DURCH WILDPFLANZEN

Fuchskot erkennen

Als Allesfresser hinterlassen Füchse gut erkennbare Spuren: Fuchskot ist dunkelbraun bis schwarz, wurstförmig mit spitz zulaufenden Enden, etwa zwei Zentimeter dick und zwei bis acht Zentimeter lang. Der Kot ist häufig fest und eher trocken, in frischem Zustand stark riechend und oft durchsetzt mit Insektenresten, Samen, Fellhaaren oder kleinen Knochen von Nagetieren. Wer solche Merkmale in unmittelbarer Nähe von bodennah wachsenden

Pflanzen entdeckt, sollte Abstand halten und dort nichts pflücken.

Die Eier des Fuchsbandwurms werden über Fuchskot ausgeschieden. Sie können an Erde und auf Pflanzen gelangen, an Tierfell haften oder durch Niederschlag auf Pflanzen gelangen. Die Ansteckung erfolgt über den Mund – etwa über ungewaschene Hände oder Lebensmittel werden die Eier aufgenommen. »Aufpassen heißt vor allem: waschen«, sagt Lagler. Eier des Fuchsbandwurms wurden auf verschiedenen essbaren Pflanzen nachgewiesen. Anstecken kann man sich theoretisch mit allem, was bis zur Kniehöhe wächst und roh gegessen wird: von Beeren über Kräuter bis zu Pilzen. In vielen Fällen bleibt unklar, wo genau sich Betroffene angesteckt haben. Wenn weder ein Hund im Spiel war noch direkter Kontakt zu Füchsen bestand, erscheint der Verzehr roher Wildpflanzen als plausible Erklärung – auch wenn sich das im Einzelfall kaum nachweisen lässt.

SYMPTOME EINER ANSTECKUNG

Eine Erkrankung, die mit dem Befall durch den Fuchsbandwurm einhergeht, verläuft schlei-

chend. Müdigkeit, Oberbauchbeschwerden oder erhöhte Leberwerte können erste Hinweise sein. Häufig wird sie zufällig entdeckt, etwa wenn im Ultraschall oder in der Computertomographie (CT) eine Raumforderung in der Leber auffällt. »Es kann im Bild wie ein bösartiger Tumor aussehen«, erklärt Heimo Lagler. Die Diagnose erfolgt durch weiterführende Untersuchungen, unter anderem mittels Gewebeprobe. Der Verzehr ungewaschener Wildpflanzen allein ist aber noch kein Grund, sich vorsorglich untersuchen zu lassen – eine Abklärung eines möglichen Befalls durch den Fuchsbandwurm erfolgt in der Regel erst, wenn Voruntersuchungen den Verdacht nahelegen – etwa wenn in bildgebenden Verfahren eine Leberveränderung auffällt.

VORSICHT BEIM KONTAKT MIT WILDTIEREN

Viel mehr als beim Wildpflanzensammeln spielt der direkte Kontakt mit Wildtieren im Übertragungsgeschehen eine Rolle. Füchse sollten grundsätzlich nicht berührt werden – weder lebende noch tote Tiere. Auch Haustiere können sich infizieren, wenn sie in Kontakt mit Fuchskot kommen oder infizierte Nagetiere fressen. Regelmäßige Entwurmungen reduzieren dieses Risiko deutlich, die Übertragung vom Haustier auf den Menschen sei aber generell sehr selten, sagt Lagler. Über die Infektionswege, die den Wurm zum Menschen bringen, weiß man statistisch unterfüttert sehr wenig: »Wir konnten nie klar nachvollziehen, wo sich jemand angesteckt hat«, sagt Lagler. Es gebe PatientInnen mit wenig Naturkontakt ebenso wie Menschen, die viel Zeit im Wald verbringen und nie erkranken. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem für Personen mit direktem Kontakt zu Füchsen oder Fuchskot wie zum Beispiel JägerInnen oder WaldarbeiterInnen. Sie sollten beim Umgang mit erlegten Füchsen Einweghandschuhe tragen, auch eine FFP2-Maske bietet einen guten Schutz gegen die infektiösen Eier des Fuchsbandwurms. Zuhause sollte Kleidung mit mindestens 60 Grad gewaschen werden, Hände und Werkzeug gründlich gereinigt werden. Füchse sind allerdings längst nicht mehr nur im Wald unterwegs. In vielen Regionen streifen sie auch durch Siedlungsgebiete. Offenes Tierfutter oder leicht zugängliche Abfälle können sie anlocken. Damit kann Fuchskot auch in Gärten oder auf Wiesen

in Wohnnähe vorkommen. Entscheidend bleibt im Wald wie im Garten der Kontakt mit kontaminierter Erde und der sorgfältige Umgang mit Lebensmitteln, die darauf wachsen.

VERWECHSLUNGSGEFAHR

UND RISIKO

Neben Parasiten kann die Angst vor giftigen Doppelgängern für Unsicherheit bei WildpflanzensammlerInnen sorgen. Bei den im deutschsprachigen Raum gängigen essbaren Wildbeeren ist die Verwechslungsgefahr mit stark giftigen Arten gering. Bei Walderdbeeren gibt es mit der Scheinerdbeere einen Doppelgänger, dessen Verzehr zwar nicht giftig, aber ungenießbar ist. Problematischer sind Pilze oder Bärlauch. Bärlauch wird häufig mit giftigen Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen verwechselt, viele Pilzarten haben giftige Doppelgänger. Auch sie können – wie jede tief wachsende Wildpflanze – theoretisch mit dem Fuchsbandwurm kontaminiert sein. Das Risiko für eine Ansteckung bleibt hierbei aber niedrig. »Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich beim Beerensammeln mit dem Fuchsbandwurm ansteckt, ist sehr gering«, sagt Lagler. Wer einfache Hygieneregeln beachtet, reduziert das Risiko weiter – Hände waschen, Früchte reinigen, Abstand zu Wildtieren halten und sie nicht anfüttern und so an menschlichen Kontakt gewöhnen.

TIPPS ZUM SAMMELN VON WILDPFLANZEN

Wer Wildpflanzen sammelt, bleibt mit ein paar Grundregeln auf der sicheren Seite. Wilde Heidelbeeren wachsen an niedrigen Sträuchern, meist kniehoch oder darunter. Die Beeren sind dunkelblau bis schwarz und einzeln an kurzen Stielen befestigt. Im Gegensatz zu Kulturheidelbeeren aus dem Handel ist ihr Fruchtfleisch violett und färbt deutlich ab. Himbeeren sitzen als weiche Sammelfrüchte aufrecht am Strauch. Reife Früchte lösen sich leicht vom Zapfen und sind innen hohl. Unreife Beeren bleiben fest haften. Walderdbeeren sind deutlich kleiner als Gartenerdbeeren, leuchtend rot und stark aromatisch. Die Samen sitzen außen auf der Frucht. Beim Pflücken gilt: Nur eindeutig erkennbare Arten sammeln. Beeren nicht vom Boden auflesen. Auch wenn es verlockend ist, sollten tief wachsende Früchte nicht direkt im Wald gegessen, sondern vorher gründlich unter fließendem Wasser gewaschen werden. Das reicht laut Experten wie Heimo

WILDPFLANZEN SAMMELN: WAS IST ERLAUBT?

In Österreich und Deutschland ist das Sammeln wild wachsender Beeren, Pilze oder Kräuter in Wäldern und freien Landschaften für den persönlichen Bedarf grundsätzlich erlaubt. Nicht zulässig ist jedoch das gewerbliche Sammeln ohne Zustimmung der EigentümerInnen. Einschränkungen gelten in Naturschutzgebieten, auf gesperrten Flächen sowie für geschützte Pflanzenarten. Rechtsgrundlagen sind in Österreich das Forstgesetz und die Naturschutzgesetze der Bundesländer, in Deutschland das Bundeswaldgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz.

ris.bka.gv.at bmleh.de

Lagler aus, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Fuchsbandwurm zu minimieren. Die Beeren sollte man bis dahin luftig, aber stoßgeschützt transportieren. Durch Erhitzen auf über 80 Grad werden die Eier sicher inaktiviert. Wer sich unsicher ist, sollte Früchte also lieber zu Marmelade kochen, Pilze anbraten und Bärlauch vor der Verarbeitung zu Pesto kochen. Denn die Temperaturen eines haushaltsüblichen Gefrierfaches reichen nicht aus, um die Eier des Fuchsbandwurms zuverlässig abzutöten. Das Risiko einer Ansteckung mit dem Fuchsbandwurm ist real, bleibt beim Sammeln von Wildpflanzen jedoch überschaubar – entscheidend ist der Umgang damit.

Heimo Lagler ist Leiter der interdisziplinären Spezialambulanz für Echinokokkose an der Medizinischen Universität Wien.

Bärlauch wird oft roh verzehrt. Wie alle bodennah wachsenden Pflanzen sollte er vor dem Essen sorgfältig gewaschen werden. Das Risiko einer Verwechslungsgefahr mit giftigen Doppelgängern ist aber größer als das einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm.

EINFACH WILD

Martina Merz holt nicht nur aus ihrem Permakulturgarten für die Küche raus, was möglich ist. In der Natur unterwegs liebt sie, »spontan mit dem zu kochen, was gerade wächst«. Aber »Was ist, wenn ich was Falsches pflücke? Was ist mit dem Fuchsbandwurm?«, antizipiert sie Fragen von EinsteigerInnen im Vorwort ihres zweiten Buchs . Halb so umfangreich wie das 2022 erschienenen »Wildkräuter. Bestimmen, Sammeln, Zubereiten.« und der einfachere Zugang für alle, die ausprobieren wollen, ob sie das, was sich als Beikraut im Garten oder am Wegrand finden lässt, auch essen möchten: »Top 10 Wildkräuter – Sammeln und Kochen«. Der Fokus auf die zehn leicht erkennbaren (und häufig vorkommenden) Wildpflanzen Gänseblümchen, Löwenzahn, Knoblauchsrauke, Bärlauch, Spitzwegerich, Brennnessel, Vogelmiere, Giersch, Schafgarbe, Sauerampfer sorgt eben für Nachplückbarkeit. Ausführliche und groß bebilderte Pflanzenkunde beugt Vergiftungen durch Verwechslungen und Kontamination vor – denn so oft wiederholt manch einfache Faustregel, so verwirrend können die Fehlinformationen sein, die in vielen Onlineforen kursieren. Doch

keine Sorge: Auf die Top Ten kann sich Merz nur halbherzig beschränken. Nicht nur weil das Auge mitisst, wird auch noch der »Malkasten für die Küche« in Form von 18 knappen Blütenporträts geliefert. Aus dem folgenden Rezeptteil gibt’s hier eine reichhaltige Frühlingssuppe und die Into-the-wild-Version der sich allseits neuer Beliebtheit erfreuenden »Cacio e Pepe«.

TEXT Irina Zelewitz

Eine Vorstellung von »Wildkräuter. Bestimmen, Sammeln, Zubereiten« und das Rezept zu Merz’ Brennnessel-SafranRisotto mit Steinpilzen unter BIORAMA.EU/WALD-UND-WIESENGESCHMACK

WILDE KRÄUTERSUPPE

MIT POCHIERTEM EI

Die traditionelle 9-Kräuter-Suppe wurde über Jahrhunderte zum Frühlingsbeginn als Ritual zubereitet, um neue Lebenskraft zu spenden. Ich liebe diese aromatische Suppe das ganze Jahr über – je nach Saison variieren Zusammensetzung und Menge der Kräutermischung. Im Frühjahr sind alle Blätter zart, später blanchiere ich Brennnessel und Giersch manchmal kurz. Hier mein Rezept für zwei Personen.

REZEPTE AUS:

»TOP 10 WILDKRÄUTER –SAMMELN UND KOCHEN« von Martina Merz, 2026, Becker Joest Volk.

ZUTATEN

Suppe

• 1 große mehligkochende Kartoffel

• 1 kleine Pastinake (oder Petersilienwurzel)

• 1 weiße Zwiebel

• 1 kleine Knoblauchzehe

• 1 EL Sonnenblumenöl

• 350 ml Gemüsebrühe

• 5 EL Weißwein

• 1–2 Handvoll zarte Wildkräuter (z. B.

Pochierte Eier, Röstbrot

• 200 ml Essig (Sorte nach Belieben)

ZUBEREITUNG

Giersch, Spitzwegerich, Brennnessel, Löwenzahn, Schafgarbe, Vogelmiere, Bärlauch)

• 100 g Spinat

• 100 g Sahne

• 1 EL Kartoffelstärke

• 1–2 TL Biozitronensaft

• Salz

• Pfeffer

• 2 Prisen Muskat

• 2 frische Bioeier

• 2 Scheiben Baguette

Für die Suppe Kartoffel und Pastinake schälen, grob würfeln. Zwiebel und Knoblauchzehe fein hacken. Je kleiner die Stücke sind, desto schneller ist die Suppe fertig. Öl in einem Topf erhitzen, alle Gemüsestücke darin unter häufigem Rühren 3–4 Minuten andünsten. Mit Brühe und

Wein ablöschen, aufkochen, die Hitze reduzieren, abgedeckt etwa 15 Minuten sanft köcheln lassen. Inzwischen einige Wildkräuter-Blättchen (auch Blüten, falls vorhanden) zum Garnieren beiseitelegen, den Rest und Spinat grob schneiden, in den Topf geben und 3 Minuten mitgaren.

Während die Suppe köchelt, für die pochierten Eier 1 Liter Wasser mit Essig in einem Topf aufkochen. Eier einzeln in je eine Tasse aufschlagen und bereitstellen. Wenn das Wasser kocht, die Hitze auf etwas weniger als mittlere Stufe reduzieren. Mit dem Kochlöffel einen schnellen Strudel im Wasser erzeugen, die Eier nacheinander vorsichtig hineingleiten lassen und etwa 4 Minuten pochieren. Parallel dazu das Brot toasten oder in einer Pfanne rösten.

Inzwischen Sahne mit der Stärke glatt verrühren, zur Suppe geben, kurz aufkochen. Mit dem Stabmixer fein pürieren, vom Herd nehmen, mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Die pochierten Eier mit einem Schöpflöffel herausheben, kurz auf einem Küchentuch abtropfen lassen.

Die Suppe in tiefe Teller füllen, je eine geröstete Brotscheibe in die Mitte setzen, je ein pochiertes Ei darauf platzieren. Mit beiseitegelegten Kräutern (und Blüten) garnieren und sofort servieren.

TIPP

Mit einem kleinen Wildkräutersalat wie meinem Wildkräutersalat mit Birne und Walnüssen wird daraus eine vollwertige Mahlzeit. Statt frischem Spinat kannst du auch TK-Blattspinat nehmen.

CREMIGE WILDKRÄUTER- PASTA

»CACIO E PEPE E ERBE«

Diese Pasta ist eine Abwandlung des berühmten römischen Spaghettigerichts »Cacio e pepe«, einem sehr einfachen Pasta-Rezept mit Pecorino und schwarzem Pfeffer. Genauso schlicht und das ganze Jahr über machbar ist diese Variante mit wilden Kräutern. Im Original werden Spaghetti verwendet, ich mag sehr gern Trofie, mit denen sich die WildkräuterKäse-Sauce sehr schön verbindet.

ZUTATEN

• 1 Handvoll Wildkräuter (z. B. Brennnessel, Giersch, Dost, Spitzwegerich, etwas Gundelrebe)

• Salz

• 200 g Hartweizenpasta (z. B. Trofie)

ZUBEREITUNG

• 1 große oder 2 kleine Knoblauchzehen

• 100 g Pecorino

• 4 EL Olivenöl

• Pfeffer

Feta ist Frühling

Ein authentisches Stück Griechenland für leichten Frühlingsgenuss mit einfachen Zutaten.

Einige Wildkräuter-Blättchen (auch Blüten, falls vorhanden) zum Garnieren beiseitelegen, den Rest fein hacken. Reichlich Salzwasser in einem Topf zum Kochen bringen und die Pasta darin nach Packungsangaben al dente kochen. Währenddessen die Knoblauchzehe(n) schälen, fein hacken. Pecorino fein reiben. Öl in einer Pfanne bei mittlerer Hitze erwärmen, Knoblauch darin goldgelb anschmoren.

Gehackte Kräuter dazugeben, kurz mit anbraten, dann bei reduzierter Hitze unter Rühren etwa 5 Minuten sanft schmoren. Mit Salz abschmecken. Etwa 5 Minuten vor Ende der Pasta-Kochzeit circa 75 g Pecorino in eine große Schüssel geben, mit reichlich Pfeffer bestreuen. Nach und nach esslöffelweise heißes Nudelwasser hinzufügen und zu einer sämigen Creme verrühren. Auf keinen Fall zu viel Wasser auf einmal dazugeben, sonst klumpt der Käse!

Die al dente gegarte Pasta aus dem Topf heben, tropfnass in die Schüssel geben, geschmorte Kräuter hinzufügen und alles gut vermengen. Bei Bedarf weiteres Pasta-Wasser einrühren, bis die Konsistenz stimmt. Mit Salz abschmecken. In tiefe Teller geben, mit restlichem Pecorino bestreuen und mit beiseitegelegten Wildkräutern (und Blüten) garnieren. Sofort servieren.

TIPP

Alternativ Pasta mit den geschmorten Kräutern, geriebenem Käse und grob gemahlenem Pfeffer vermischen und vorsichtig etwas Nudelkochwasser hinzufügen, damit es cremig wird. Allerdings kann die Pasta dabei schnell matschig werden, sie darf also nicht zu weich sein.

Längere Tage und wärmende Sonnenstrahlen – jetzt beginnt die Zeit für leichte Gerichte. Die griechische Esskultur zeigt, wie einfach guter Geschmack sein kann: hochwertige Zutaten und gemeinsames Genießen, ob im Garten oder beim Picknick. Wer authentisch griechischen Geschmack sucht, findet ihn bei MANI Bläuel. Ganz neu vom Biopionier: Bio-Feta g.U. – zart-cremig und fein-würzig mit einem Hauch Zitrusfrische. Die Bezeichnung g.U. garantiert die authentische Herkunft.

Feta bringt Vielseitigkeit in die Frühlingsküche: ob als cremiger Dip, leckere Vorspeise oder kombiniert mit Hülsenfrüchten in einem mediterranen Linsensalat. Aromatisch, schnell zubereitet und perfekt für gemeinsame Genussmomente im Freien.

Dieses und weitere Rezepte gibt es auf mani.bio/rezepte

Seit über 40 Jahren produziert Familie Bläuel in der Mani im Süden Griechenlands Olivenöl, Oliven und weitere griechische Köstlichkeiten in ausgezeichneter Bioqualität.

NEU ODER NOCH GUT

Empfehlungen, Warnungen, warnende Empfehlungen. Von Neuentdeckungen und alten Perlen. Auf dass uns Weghören und -sehen vergeht.

ULLI LUST / »DIE FRAU ALS MENSCH –SCHAMANINNEN« / Reprodukt, 2026.

Vorgelesen für alle, die mehr von Ulli Lusts Recherchen zu weiblichen Rollen in der Kulturgeschichte sehen wollen.

Im ersten Band von »Die Frau als Mensch« hat Ulli Lust anhand von Figuren, die gefunden wurden, über die Menschheitsgeschichte im heutigen Mitteleuropa erzählt – aus feministischer Perspektive. Denn der Forschungsstand – mit seinem lange nur männlichen Blick – muss immer wieder hinterfragt und infolgedessen korrigiert werden. Der zweite Band »Schamaninnen« setzt hier an, konkret bei der Venus von Willendorf. Diesmal beschäftigt sich Ulli Lust mit Stammesgeschichten, mit der Rolle von Schamaninnen in der Gesellschaft vor und während der letzten Eiszeit und mit vorreligiösen Mythen und Erzählungen, die sich in verschiedensten Regionen der Welt beinahe überraschend ähneln oder zumindest starke Parallelen aufweisen. Von diesen erzählen Höhlenmalereien oder Gegenstände wie Steinringe mit gravierten Vulven. Die weiblichen Figuren aus Mammutelfenbein oder Stein könnten »Arbeitsmittel« der Schamaninnen gewesen sein, Medizinerinnen, die auch die Aufgabe hatten, mit anderen (Geister-)Welten in Kontakt zu treten und Seelen vom Eintreten in unsere Welt durch die Geburt bis zu ihrer Rückkehr in andere Dimensionen beim Tod zu begleiten. Bis zur nächsten Wiedergeburt als Mensch oder Tier. Ulli Lust macht

auch die Schwierigkeit, sich als moderner, mehr an Ratio als Religion orientierter Mensch, auf diese Zugänge einzulassen, zum Thema. Warum es sich lohnt? Das Ernstnehmen der historischen Mythen eröffnet Wege, um die damaligen Gesellschaften und in ihr die Rolle von Frauen eher zu verstehen. »Schamaninnen« ist vielleicht ein bisschen weniger stringent als der erste Band, aber genauso kurzweilig, spannend und den gedanklichen Horizont erweiternd. Zwei Bücher, die man ohne Zweifel gelesen haben sollte.

SIGRID TINZ / »DER FRIEDHOF LEBT!« / Pala, 2021.

Nachgelesen für alle, die Friedhöfe als Klimaanlagen und historische »Gottesäcker« kennenlernen wollen.

Kaum wo sind der Weg alles Irdischen und die unbändige Kraft und der Kreislauf des Lebens offensichtlicher als auf unseren mitteleuropäischen »Gottesäckern«. Friedhöfe –die meisten sind zwischen 100 und 200 Jahre alt – sind besondere Kulturlandschaften, die sich letztlich durch eine »achtsame« Nutzung auszeichnen. Während rundum ausgeräumte Agrarmonokulturen oder das hektische Stadttreiben dominieren, gibt es hier Vielfalt, herrscht Ruhe. Mit ihrem Mosaik an Mikrohabitaten sind Friedhöfe deshalb ökologisch besonders bedeutsam. Denn: »Der Friedhof lebt!« Ob das Rufzeichen im Buchtitel nun eher trotzig oder tröst-

MARTIN MÜHL

lich gedacht ist – Sigrid Tinz, Geoökologin und Umweltjournalistin aus dem Münsterland, führt uns auf 160 Seiten an besondere Friedhöfe Mitteleuropas. Wir besuchen zunächst vielleicht unscheinbare Dorffriedhöfe rund um kleine Kirchen ebenso wie weitläufige Bestattungswälder und biodiverse »Ruheforste«, in denen sogar Rote-Liste-Arten ein Refugium gefunden haben; Orte, die von fortschrittlichen Städten wegen ihrer Alleen, Hecken, Wiesen und alten Baumbestände längst als urbane Klimaanlagen und naturnahe Naherholungsräume gehegt, gepflegt und weitestgehend entsiegelt werden. Zwischendurch erfahren wir Erhellendes über unseren Umgang mit dem Tod in den zurückliegenden Jahrhunderten; beispielsweise, dass wir die Rückkehr der im Christentum lange verbotenen Kremation – die heute zwei Drittel aller Bestattungen ausmacht – einer BürgerInnenbewegung und den Unterschriftensammlungen sogenannter Feuerbestattungsvereine verdanken. Neben Reisetipps zu besonders »paradiesischen« Friedhöfen – etwa dem beinahe seit 500 Jahren bestehenden Alten Südfriedhof in München zur Zeit der Blüte der wilden Krokusse – sind es vor allem die vielen Tipps und Anregungen (»So wird es noch paradiesischer«), die dieses leicht zu lesende, lebensbejahende Buch zu einer Lektüre machen, nach der man Friedhöfe als Orte des ewigen Lebens sehen und mitgestalten kann.

J. R. R. TOLKIEN / »DIE BOVADIUMFRAGMENTE« / Klett-Cotta, 2026.

SingerSongwriter

19/10/26

Cat Power

12/01/27

DOTA unplugged & das klitzekleine Orchester

27/02/27

Kat Frankie – B O D I E S

14/04/27

Sophie Hunger

THOMAS WEBER

Veranstaltungen im Abonnement erhältlich. Weitere Infos unter konzerthaus.at/2627SIN write ticket@konzerthaus.at call +43 1

Hunger © Marikel Lahana

Vorgelesen für alle, die ein Tolkien, der nicht ohne Humor gegen Oxfords Autoverkehr anschreibt, neugierig macht.

Im Kern der »Bovadium-Fragmente« stehen von Tolkien geschriebene Texte, die das Ende der Ortschaft Bavadium –Oxford – beschreiben, die aufgrund des zunehmenden Autoverkehrs inklusive Autobussen stirbt. Schon Tolkien hat diese Texte in eine Mockumentary eingebettet, in der diese Fragmente nach dem Tod der Stadt von Wissenschaftlern gefunden und interpretiert werden. Dabei macht er sich über die Wissenschaftler lustig, gibt ihnen Beschimpfungen als Namen – Dr. Gums (Smug), Dr. Dwarf oder auch Dr. Sarevelk (Cleverass) –, nutzt immer wieder Latein als Sprache (es werden aber alle Texte übersetzt) und bezieht sich wiederholt auf das Gedicht »Motor Bus« von A. D. Godley aus dem Jahr 1914, in dem bereits spielerisch der titelgebende »Motor Bus« lateinisch dekliniert wird.

JULIANNE MOORE & LEUYEN PHAM / »STREUSELNASE ERDBEERKOPF« /

Schaltzeit,

2025.

Vorgelesen für alle, die eine erbauliche Geschichte über ein kleines Mädchen mit roten Haaren und Sommersprossen vorlesen und ein Zeichen gegen politische Hexenjagd setzen wollen.

Das klingt alles hochtrabender und unzugänglicher, als es ist, und »Die Bovadium-Fragmente« sind ein kurzes und kurzweiliges Büchlein, das – nun auf Deutsch erschienen – auf rund 150 Seiten auch eine ausführliche historische Einordnung des Streits um den motorisierten Verkehr in Oxford enthält. Tolkiens Abscheu gegenüber des Kraftverkehrs ist echt: Er sieht, wie dieser die Stadt verändert, den Fußgängern den Raum nimmt und die Luft verpestet. Nicht explizit, aber doch, bekommt man aber auch den Eindruck, dass ein von oben geführter Klassenkampf und ein diffuser Begriff einer jedenfalls besser unberührten Natur bei Tolkien mitschwingen. Konkreter Hintegrund dieser Verhandlung ist ein tatsächlich jahrzehntelang andauernder Kampf der Stadtverantwortlichen um die Lösung zunehmender Verkehrsprobleme in der historischen Universitätsstadt, in den sich auch die wohlhabenden AkademikerInnen der Stadt einbrachten – Tolkien eben in Form einer eher kategorischen Ablehnung des Autoverkehrs. Erschienen ist das Buch –herausgegeben von Sohn Christopher Tolkien – auch auf Englisch erst vor relativ Kurzem. Alles in allem eine unterhaltsame und durchaus gelungene Anekdote, die unser Bild des Autors Tolkien womöglich mehr bereichern als sein Werk.

»Wenn du Sommersprossen hast, kannst du Folgendes probieren«, heißt es auf der Rückseite dieses Bilderbuchs zum Vorlesen: »1. Sie loswerden. Nur schade, dass Wegrubbeln nicht geht. 2. Sie übermalen. Es sei denn, deine Mama hat dir verboten, mit einem Marker auf der Haut herumzuschmieren. 3. Oder verschwinde einfach. (…) Du kannst aber auch etwas ganz anderes tun: 4. Nimm sie an!« Die US-Schauspielerin Julianne Moore erzählt in ihrem ursprünglich 2007 erschienenen Buch »Freckleface Strawberry« die Geschichte ihrer eigenen Kindheit nach. Die Titelheldin selbst bleibt zwar namenlos, wird von Gleichaltrigen ihrer roten Haare und der vielen Sommersprossen wegen aber – so die deutsche Übersetzung – »Streuselnase Erdbeerkopf« gerufen. Eine Gemeinheit, mit der man erst einmal umzugehen lernen muss. Und genau darum geht es natürlich in diesem Kinderbuch fürs Kindergartenalter, das in besser sortierten und aufgeschlossenen Buchhandlungen wohl unter dem Schlagwort »Body Positivity« geführt wird. Was dem Buch in den USA nun zum Verhängnis geworden sein dürfte. Die Regierung Trump warf ihm – wie Hunderten anderen Titeln – »radikale Indoktrination« vor und nahm es aus den Bibliotheken aller vom US-Verteidigungsministerium geführten Schulen. Weshalb das Buch vom renommierten Berliner Schaltzeit Verlag beinahe zwanzig Jahre nach seinem ursprünglichen Erscheinen neu übersetzt und aufgelegt wurde. So wird die vermeintlich harmlose Geschichte eines von Selbstzweifeln geplagten kleinen Mädchens, das zu Selbstwert und Gelassenheit findet, zum politischen Statement. THOMAS WEBER

UND SONST SO, IM BIORAMA-

UNIVERSUM ...

GET YOURS

BIORAMA BIOKÜCHE 2026

Das sechste BIORAMA-Bookazine für alle ÖsterreicherInnen, die Wert auf biologische Küche legen, ist da! Wie immer dreht sich alles um (Bio-)Lebensmittel, ihre Produzentinnen, Verarbeitungsbetriebe bis zur Gastronomie und der Küche zu Hause. Schwerpunktmäßig haben wir uns dieses Jahr angeschaut, was am Ballaststofftrend dran ist – und wo sie drin sind – ob wir wirklich zu wenige davon bekommen – und die beruhigende Antwort bekommen: Zu erkennen, was gut für den Körper ist, ist gar nicht so kompliziert und außerdem dann auch noch gut für den Planeten!

OUT SOON

Die siebzehnte BIORAMANiederösterreich-Regionalausgabe

Die BIOKÜCHE gibt’s auch einzeln im Aboshop zu bestellen biorama.eu/abo/biokueche

BIO-AWARD NÖ & WIEN

In unserer Frühjahr/Sommer-Ausgabe für die Region Niederösterreich beschäftigt uns vor allem Natur als schützenswerter Lebens-, aber auch Wirtschafts- und Erholungsraum – dank und für alte Wälder, neue Tiere und umgekehrt. Natürlich samt der Ideen zu ihrer Bewahrung und zur Wiederherstellung intakter natürlicher Regulierungsmechanismen, von Naturschutzgebieten als Labor für neue Praxis jenseits ihrer Grenzen – bis zur Natur in der Asphaltritze am Gehsteig.

Bio Austria vergibt erstmals Award für Bioprodukte aus Niederösterreich und Wien.

Der ganzheitliche Ansatz der Ökolandwirtschaft – Österreichs größter Bioverband Bio Austria propagiert ihn seit 2010 unter dem Motto »Wir schauen aufs Ganze« –bedingt immer wieder Experimente und neue Versuche, um Probleme zu lösen. Um herausragende Leistungen zu würdigen, vergibt Bio Austria Niederösterreich und Wien 2026 erstmals einen Bio-Award. Bewerben können sich bäuerliche Betriebe aus beiden Bundesländern, die »in besonderer Weise auf Umwelt, Klima, Mensch und Tier achten«, so die Ausschreibung. Gefragt sind »Kreativität und Innovation in allen Bereichen: Kultivierung ›neuer‹ standortangepasster Sorten und Arten, Erhalt alter Rassen und Kulturpflanzen, Erhalt und Verbesserung der Bodengesundheit, Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität, Entwicklung und Herstellung kulinarischer Spezialitäten, alternative Vermarktungs- und Energiekonzepte, Kooperationen oder Engagement bei der Wissensvermittlung und im sozialen Bereich.« BIORAMA begleitet den Bio-Award als Teil der Fachjury und präsentiert im Rahmen der Kooperation die ausgezeichneten Betriebe in seiner Niederösterreich-Regionalausgabe.

Einreichungen bio-award.at

Bis dahin online zu lesen biorama.eu/biorama-noe16

MAGAZIN
MAGAZIN

TEXT Ursel Nendzig

MANPING

Trotz redlicher Bemühungen: Es gibt sie, die Sphären, in die ich nicht vordringen kann. Zum Glück.

Wie an dieser Stelle schon erwähnt, bin ich bisher die einzig weiblich gelesene Person in unserem Haushalt. Die Aussicht, dass sich daran noch etwas ändert, hat sich gewandelt: Die ersten paar Elternalltagsjahre war da der Gedanke, vielleicht doch noch ein drittes Kind zu bekommen. Dieses hätte potenziell zum Ausgleich der Geschlechterverteilung in der Familie beitragen können. Als sich diese Tür aufgrund meiner mütterlichen Abnutzung und Ermüdung schloss, blieb die Hoffnung, dass sich einer der Söhne vielleicht doch gendermäßig in meine Richtung bewegen würde. Bisher kann ich dahingehend leider keine Entwicklung vermelden.

Ich denke, es geht vielen Müttern, die nur männliche Nachkommen hervorbringen, ähnlich wie mir: Man passt sich an die vorherrschenden Vibes an, man beginnt zu verstehen, dass ein Furzgeräusch etwas Lustiges ist, fordert lautstark ein Kompliment ein, wenn man eines braucht, und stellt im Vorzimmer schulterzuckend ein Duftdings auf, wenn es zu stark nach Fuß riecht. Kurz: Man verroht so ein bisschen. Schließlich will man dazugehören.

»Der

Autorin Ursel Nendzig, Mutter zweier Söhne, berichtet live aus der Achterbahn.

Trotz aller Bemühungen musste ich im Lauf der Zeit leider feststellen, dass ich nie wirklich eine von ihnen sein werde. Es gibt diese Sphäre, in die ich nicht vordringen, diesen Klub, zu dem ich nie gehören kann. Ich fühl’s einfach nicht komplett. Und ohne dass ich es kommen sah, hat sich mitten in meiner Familie etwas etabliert, was ich kaum über die Lippen bringe: der Männerausflug.

Der unaussprechliche Ausflug beginnt damit, dass alle Familienmitglieder, die Besitzer eines Penis sind, Campingzeug zusam -

menpacken, mich nicht fragen, ob ich mitfahren will – und losfahren. Dabei hab ich mich immer so bemüht, dazuzugehören. Ja, ich muss es zugeben: Dass es innerhalb der Familie eine Gruppe gibt, zu der ich nie Zutritt haben kann, macht mich neidisch. Und nachdenklich –und auch traurig: Wie konnte das passieren, direkt vor meiner Feministinnennase? Wie konnte ich nicht rechtzeitig riechen, dass sich mal wieder ein Männerklub bildet?

Das Camping findet also alljährlich ohne mich statt, dafür werden der beste Freund des Mannes und der Cousin der Söhne eingeladen. Und ich? Bleib daheim und ärgere mich über mein klischeehaft weibliches Verhalten. Stelle

Ausflug beginnt damit, dass alle Familienmitglieder, die Besitzer eines Penis sind, Campingzeug zusammenpacken und mich nicht fragen, ob ich mitfahren will.«

Blumen auf, koche was Vegetarisches, schau mir einen anspruchsvollen Film an, treffe mich mit Freundinnen, gönne mir eine Fußpflege. Erschreckend. Nach drei Tagen kommt sie dann zurück, die geballte Männlichkeit. In den gleichen Shirts wie bei ihrer Abreise, mit verfilztem Haar und stinkender Aura. Der große Sohn macht geschlagene drei Minuten nach, wie laut der beste Freund des Mannes geschnarcht hat, während der Kleine mir die Bierkapselausbeute zeigt, die er an drei Tagen bei den Erwachsenen einsammeln konnte. Und ich beschließe, nicht mal mehr zu versuchen, da wieder den Anschluss zu finden.

Einzigartige MILCH

Herkunftsgarantie: Unsere Milch stammt aus der Berg- und Alpenregion zwischen Watzmann und Zugspitze.

Kleine Familienbetriebe mit durchschnittlich 30 Kühen sind Eigentümer der Molkerei.

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