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BIORAMA 101

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JETZT NUR NICHT UMFALLEN!

Gefühlte Nähe ersetzt keine hohen Standards: Weißt du, wo dein Fahrrad entsteht? Neu

DIESES TRIO IST BIO! VÖLLIG

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Boykott ist in. Ob und inwiefern dieser seine gewünschte Wirkung entfaltet, hängt sehr stark davon ab, auf welche Art des Konsums verzichtet wird. Entlang von Exportstaaten zu entscheiden, weist viele Tücken auf. Ein Grund mehr, eine transparente und nachvollziehbare Gestaltung von Handelsbestimmungen einzufordern, statt sie VerbraucherInnen im täglichen Konsumverhalten aufzubürden. Jede handelspolitische Maßnahme stößt allerdings genauso wie jede Konsumentscheidung spätestens da an ihre Grenzen, wo die hohen Produktionsstandards, die durch sie geschützt werden sollen, gleichzeitig ausgehöhlt werden. Seien es nun Arbeits-, Demokratie- oder Nachhaltigkeitsstandards. Ihre Weiterentwicklung und Aufrechterhaltung in Europa braucht unsere Aufmerksamkeit. Damit es in einem sich laufend verändernden globalen Handelssystem überhaupt die Möglichkeit gibt, die besseren Produkte herzustellen – und auch zu konsumieren.

Wir wünschen gute Lektüre und freuen uns über Feedback an redaktion@biorama.eu

Irina Zelewitz, Chefredakteurin zelewitz@biorama.eu

Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu

IMPRESSUM

HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTEURIN Irina Zelewitz AUTORiNNEN Georg Ander, Florian Jauk, Martin Mühl, Patrick Witte, Ursel Nendzig, Thomas Weber GESTALTUNG Stefan Staller ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Michael Mazelle, Thomas Weber DRUCK Walstead NP Druck GmbH, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl KONTAKT Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien; www.biorama.eu, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT biorama.eu/abo ERSCHEINUNGSWEISE BIORAMA 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien.

BLATTLINIE BIORAMA ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für den Menschen und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. BIORAMA erscheint sechs Mal im Jahr. Zusätzlich erscheinen wechselnde BIORAMA-Line-Extentions.

101 INHALT

FAHRRAD MADE

IN EUROPE

Ein Fahrrad ist meist ein globales Produkt – für das viele Teile aus Asien kommen. Räder aus gänzlich europäischer Produktion sind aber möglich.

03 Editorial

06 ExpertInnen meinen

09 Street Talk

12 Global Village

16 Fahrradmanufaktur Europa Räder aus gänzlich europäischer Produktion sind möglich.

20 Im überschaubaren Rahmen Vier Fahrradhersteller und ihre Nischen – in und außerhalb Europas.

24 Fahrradsicherheit Fünf Nutzungstypen, ihre Sicherheitsbedürfnisse – und mögliche Antworten.

32 Clean Döner? In Frankfurt wird Biokebab als Pumper Food angeboten.

35 Das fünfte Viertel Welche Bedeutung hat der Direktverkauf von Tierfutter für die FleischproduzentInnen?

40 Wenn Bio Flügel verleiht Der »Hellwach«-Drink fermentiert Permeat, das in der Milchverarbeitung anfällt.

42 Wanderndes Klassenzimmer Mobile Landwirtschaftsschulen zeigen jungen UganderInnen den Weg aus der Subsistenzwirtschaft.

46 Rezensionen

KOLUMNEN

49 Aus dem Verlag

50 Elternalltag

FAHRRADSICHERHEIT

Fünf Nutzungstypen, ihre Sicherheitsbedürfnisse – und mögliche Antworten. 5 Varianten.

24 42

DAS FÜNFTE VIERTEL

Welche Bedeutung hat der Direktverkauf von Tierfutter für die FleischproduzentInnen?

WANDERNDES KLASSENZIMMER

Die »Mobile Farm Schulen« der NGO Kitovu Mobile vermitteln Wissen über ressourcenschonende Landwirtschaft.

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Wir machen Bio aus Liebe seit 1974.

EXPERT i NNEN MEINEN ...

1 Frage, 5 Expertisen.

Die Biobranche schlägt sich wacker und resilient durch diverse Krisen – doch der Boom der vergangenen Jahre, die Ankunft von Bio in der Breite der Gesellschaft und die vielfältigen Anforderungen an wertvolle, anständige und klima- und um-

TEXT UND INTERVIEWS

weltschonend hergestellte Produkte bringen neue Herausforderungen in der Kommunikation mit sich. Wir haben uns in der Biobranche dazu umgehört, welche Vorzüge von Bioprodukten zu Unrecht in den Hintergrund getreten sind –und wie diese nun bekannter gemacht werden sollten..

»Was hat die Biobranche bisher nicht geschafft (über den Biostandard) zu vermitteln – und wie holen wir das 2026 nach?«

Gründerin und Inhaberin von Bio Planète

»Die Biobranche hat in den vergangenen Jahren enorm viel richtig gemacht – sie hat hochwertige, nachhaltig erzeugte Lebensmittel etabliert und Maßstäbe für verantwortungsvolle Produktion gesetzt. In der Kommunikation haben wir uns jedoch zu wenig auf das fokussiert, was Menschen im Alltag wirklich bewegt: Gesundheit und einfache Handhabung. 2026 müssen wir deshalb noch präsenter im täglichen Leben sein und deutlich machen: Gutes Bio ist für alle!«

Erwin Winkler

Geschäftsführer des Bioverbands Bioland

»Den Mehrwert des Ökolandbaus als ganzheitliches System mit vielfältigen positiven Effekten für Umwelt und Mensch zu vermitteln, ist deutlich anspruchsvoller als die bekannten, einfachen Heilsversprechen einzelner Technologien. Als Branche schaffen wir das, indem wir Bio konkret und alltagsnah erlebbar machen: auf artenreichen Feldern, lebendigen Weiden mit alten Nutztierrassen und im Hofladen mit frischem, natürlich gewachsenem Obst und Gemüse.«

Judith Moog
Irina Zelewitz

Manuela

Raidl-Zeller

Geschäftsführerin von Sonnentor

»Die Biobranche muss klarer auf zeigen, dass 100 Prozent Bio möglich und auch unbedingt notwendig ist. Wir als Gesellschaft können uns Nicht-Bio nicht mehr leisten. Es ist der einzige zukunftsfähige und enkeltaugliche Weg, denn Bio kann die Welt ernähren und schafft langfristigen Nutzen für Gesundheit, saubere Luft und gesunde Böden – und kostet uns so in Summe sogar weniger.«

Nadja Blumenkamp

Biohotel Rupertus (Leogang)

»Bio wird viel zu oft mit Nostalgie kommuniziert. Bio ist strategisches Denken in Ökosystemen und insofern radikal modern. Doch solange die Herkunft von Lebensmitteln nicht transparent gekennzeichnet wird, bleibt die ehrliche Arbeit unserer Biobäuerinnen und Biobauern systematisch im Schatten. Dies lässt sich auf Gastronomie, Hotellerie und andere Unternehmen umlegen: Wer täglich höchste Standards bei Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit erfüllt, hat Anspruch auf faire Rahmenbedingungen. Das politische Zögern muss endlich aufhören, die vorgeschobenen Argumente der Lobbys einiger weniger dürfen nicht weiter gesellschaftlichem Fortschritt im Wege stehen.«

Brigitte

Hanzmann-Frodl

Geschäftsführerin

Lampert Beratungs GmbH

»Es gibt KonsumentInnen, die ge genüber Bio immer noch skeptisch sind. Dem können wir nur mit vollständiger Transparenz begegnen – wo, wie und von wem wurden meine Lebensmittel produziert? Schaffen wir, das emotional und glaubwürdig zu kommunizieren, erreichen wir auch die letzten Zweifelnden und bauen Vertrauen langfristig auf.«

11. & 12. April

Weintour Weinviertel

Neuer Jahrgang, neue Vibes! Bio-Weine, Geheimtipps & Genussmomente im Weinviertel erleben.

Wenn Wiesen ergrünen, Obstbäume blühen und die Weingüter ihre Tore öffnen, ist es wieder so weit: Auf zur Weintour Weinviertel! Am Wochenende nach Ostern laden traditionell rund 250 Weingüter im niederösterreichischen Weinviertel zur Verkostung des neuen Weinjahrgangs. Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle: Etwa die Hälfte der Betriebe sind zertifizierte Biobetriebe, viele tragen zudem das Qualitätssiegel »Nachhaltig Austria«.

Im Fokus steht der charakteristische Weinviertel DAC – ein pfeffriger Grüner Veltliner von höchster Qualität –, aber auch versteckte Geheimtipps warten darauf, entdeckt und verkostet zu werden. Die Winzer:innen

freuen sich auf persönliche Gespräche und geben Einblicke in ihre nachhaltige Weinproduktion.

Mit dem exklusiven Weintour-Band haben Gäste an beiden Tagen Zutritt zu über 1.000 Top-Weinen der Region. Das Band kostet 30,- Euro im Vorverkauf bzw. 35,- Euro am Wochenende und bringt zusätzliche Vorteile: Wein-Einkaufsgutscheine im Wert von 15,- Euro sind inklusive! Bequem und umweltfreundlich unterwegs: Kostenlose Weintour-Busse bringen Gäste auf zehn Routen von Weinort zu Weinort – mit Anbindung an ausgewählte Bahnhöfe. Ein Wochenende zum Ankommen, Abschalten und Genießen.

Genießen, verkosten, (W)einkaufen –mit Frühlingsfeeling im Weinviertel.

weintour.at

BILD CHRISTINE WURNIG, MICHAEL HIMML

STREET TALK WIR FRAGEN, 10 ENTSCHEIDENDE ANTWORTEN.

»WELCHE PRODUKTE KAUFST DU IN LITÄT)?«BIO(QUA-

INTERVIEW UND BILD

RALF

60, Journalist

ANTON

18, Student

Ich achte bei tierischen Lebensmitteln wie Eiern, Hähnchen und Hack auf Bioqualität. Mir geht es hierbei vor allem um die bessere Haltung der Tiere. Bei anderen Produkten wie zum Beispiel Haferflocken nehme ich es nicht so genau.

DOMINIQUE

23, Hostel-Manager

Wenn ich hier in Deutschland bin, kaufe ich gern möglichst natürliche Lebensmittel ein und greife bei Kleidung sehr gern zu Secondhand. Eigentlich lebe ich in Mexiko, wo vor allem Früchte deutlich besser schmecken und Bio allgemein kein so großes Thema ist.

Durch meine Entscheidung für Bio bei Brot, Gemüse, Obst und Milchprodukten hoffe ich auf eine höhere Qualität dieser Lebensmittel. Wir essen sehr wenig Fleisch und das ist dann auch immer Biofleisch. Was für mich ebenso zählt, sind Umweltschutz und Tierwohl.

PAULINA

29, »Azubi«

Ich greife bewusst zu manchen Biolebensmitteln: Bei Gemüse und Obst vor allem der Inhaltsstoffe wegen. Bei Fleisch und Fisch aufgrund der Tiere, ihrer Haltung und dem, was ihnen gefüttert wird.

STREET TALK

WIR FRAGEN, 10 ENTSCHEIDENDE ANTWORTEN.

JHUMU

34, Marketing & Media

Executive

Ich achte darauf, dass möglichst alle Lebensmittel möglichst natürlich sind, die ich konsumiere. Mir liegt sehr viel an einem gesunden Lebensstil und mir ist wichtig, was ich esse.

SIMON

33, arbeitssuchend

Mir fehlt schlichtweg das Geld für die teureren Bioprodukte, weshalb sie in meinem Alltag keine Rolle spielen. Ich glaube aber an die Qualität dieser Waren.

MARCUS

58, Unternehmensberater

Wir greifen nach Möglichkeit stets zu Bioprodukten wie Gemüse, Obst, Fleisch und Brot. Bei einfachen Dingen wie Kartoffeln und Zwiebeln ist es uns nicht so wichtig, was zugegeben wenig Sinn ergibt. Bei exotischen Früchten wie Papayas findet man auch keine bis wenig Biosorten.

STANISLAV

24, Azubi

Ich kann mir diese Art Produkt leider nicht wirklich leisten. Als Auszubildender im Gesundheitssektor weiß ich aber, wie positiv sich hochwertige Lebensmittel auf unseren Körper auswirken. Außerdem schmecken sie oft besser.

HEIDI

70, Rentnerin

Beim Einkaufen sind es vor allem Brot und Käse, bei denen ich auf das Bio-Label achte. Ich glaube, dass man mit dieser Entscheidung auch die deutschen Bäuerinnen und Bauern mehr unterstützt, und zudem setze ich auf regional angebaute Produkte wie Kartoffeln.

CLAUS

67, Rentner

Ich kaufe Biogemüse und gelegentlich Biofleisch, denn mir sind bessere Tierhaltung und geringere Umweltbelastung wichtig.

Ein Jubiläum, das klingt:

Das 20. Grafenegg Festival 2026

20 Jahre Grafenegg Festival: Weltklasse-Musik, Naturerlebnis und nachhaltige Visionen.

Vom 14. August bis 6. September 2026 verwandelt sich der historische Landschaftsgarten rund um Schloss Grafenegg zum 20. Mal in eine internationale Musikbühne voller Magie, Vielfalt und nachhaltiger Inspiration. Zum Jubiläum erwartet das Publikum ein außergewöhnliches Programm: Weltklasse-Orchester wie die Wiener Philharmoniker, das Royal Concertgebouw Orchestra oder die Münchner Philharmoniker, ergänzt durch Solist:innen wie Martha Argerich, Daniil Trifonov, Joyce DiDonato und erstmals Riccardo Muti präsentieren die großen Meisterwerke der Musikgeschichte.

Neben dem ikonischen Wolkenturm eröffnet mit dem neuen Ru-

Großer Musikgenuss mitten in der Natur: Auf den beliebten Rasenplätzen wird beim Konzert gern gepicknickt.

dolf Buchbinder Saal 2026 zudem ein weiteres architektonisches Juwel am Festivalgelände, dort erklingt auch Musik in intimerem Rahmen – von Solorezitalen bis zu Kammermusik.

Nachhaltigkeit wird auch im Jubiläumsjahr großgeschrieben: Grafenegg setzt auf umweltbewusste Veranstaltungspraxis, von grüner Infrastruktur über regionale Partner bis zu »Green Events«, die bewusst Ressourcen schonen und ein bewusstes Festivalerlebnis schaffen.

Erleben Sie Musik, Natur und Gemeinschaft auf Augenhöhe – ganz im Zeichen der Zukunft. Tickets und weitere Informationen finden Sie unter: grafenegg.com

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MÜNCHEN: SCHEITERN ERWÜNSCHT

Das deutsche Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerk zeichnet auch Projekte aus, die nicht aufgegangen sind.

Lernen, kein Risiko einzugehen? Mit dem Zukunftspreis 2025 setzt das deutsche Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerk bewusst einen anderen Akzent: Erstmals wurden nicht nur erfolgreiche Projekte ausgezeichnet, sondern auch solche, die ihr Ziel verfehlten, dabei aber relevante Erkenntnisse lieferten. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Prämiert werden Initiativen junger LandwirtInnen, die neue Anbauformen, Arbeitsmodelle oder soziale Fragen erprobten – unabhängig vom wirtschaftlichen Ausgang. Der erste Preis 2025 ging an eine Jungbäuerin aus Bayern, die mit einem Freiland-Tomatenprojekt einen niedrigschwelligen Einstieg in die Bio-Landwirtschaft ermöglichen wollte. Den zweiten Platz belegte ein Text zu fairen Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft, gefolgt von einem Projekt zum Kartoffelanbau mit Mulch auf flachem Boden. Im Mittelpunkt der Auszeichnung stehen Lernprozesse im Umgang mit Klimarisiken, Arbeitsorganisation und nachhaltiger Technik. Mit dem Preis macht das Netzwerk sichtbar, dass Innovation nicht nur aus Erfolgsgeschichten entsteht. Eine offene Fehlerkultur, so die InitiatorInnen, sei Voraussetzung dafür, junge Menschen für eine ökologische und sozial tragfähige Landwirtschaft zu gewinnen – und langfristig in der Branche zu halten.

oejn.de/zukunftspreis

FLORIAN JAUK

FRANKFURT AM MAIN:

REGIONALE PRODUKTION IN MODE

Der Sustainable Fashion Summit Frankfurt bringt die regionale Modebranche zusammen.

OEYNHAUSEN: MUNG-MARKTMACHT

Ein erheblicher Beitrag zum Biosprossenmarkt kommt aus Oeynhausen in Niederösterreich.

Die Modebranche steht unter Druck, neue Wege zu finden, die ökologischen und sozialen Anforderungen ebenso berücksichtigen wie wirtschaftliche Realitäten. Der Sustainable Fashion Summit Frankfurt findet am 21. April 2026 statt und schafft einen Raum, in dem Austausch, Zusammenarbeit und konkrete Praxis im Mittelpunkt stehen. DesignerInnen, ProduzentInnen, HändlerInnen und Start-ups aus Hessen diskutieren Ansätze entlang der textilen Wertschöpfungskette –von Materialfragen über den Umgang mit Abfällen bis hin zu neuen Geschäftsmodellen. Neben Keynotes und Panels setzt das Programm auf Workshops und Best-Practice-Beispiele. Ein Schwerpunkt liegt auf textilen Reststoffen: Das Unternehmen Moot zeigt, wie Mischfasern, die im klassischen Recycling kaum verwertbar sind, durch Upcycling neue Nutzungsmöglichkeiten erhalten. Ebenso zentral ist die Vernetzung kleiner und mittlerer Betriebe, für die Kooperationen, geteilte Ressourcen und persönlicher Austausch entscheidend sein können. Der Summit markiert den Abschluss des Förderprogramms »Fashion Campus 2030« und soll Impulse für eine langfristige Zusammenarbeit in der Rhein-Main-Region setzen – als Grundlage für eine Modepraxis, die Verantwortung, Kreativität und wirtschaftliche Perspektiven zusammendenkt.

lustaufbesserleben.de

Mungbohnensprossen (landläufig fälschlicherweise häufig als »Sojasprossen« bezeichnet, die wiederum allerdings zum Beispiel gar nicht zum rohen Verzehr geeignet sind) sind inzwischen fixer Bestandteil der Gemüseregale auch kleinerer Supermarktfilialen. Dass der Großteil dieser im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel Bioqualität hat, liegt in gewisser Hinsicht an einem einzelnen Hersteller: Im kleinen Oeynhausen (Gemeinde Traiskirchen) in Niederösterreich produziert die Unternehmerfamilie Chu mit taiwanesischen Wurzeln und rund 40 MitarbeiterInnen im Unternehmen Evergreen nämlich 85 % der im österreichischen Einzelhandel erhältlichen Mung-Sprossen. Die Evergreen-Produkte sind schon seit Jahrzehnten dort etabliert, mit der Umstellung der dortigen Sprossenproduktion auf Bio im Jahr 2018 ist auch der Bioanteil der Sprossen im Lebensmitteleinzelhandel auf ein Niveau geklettert, das bei wenig anderen Produkten erreicht wird. Dieser Marktanteil ist freilich nur möglich, da auch in den (Bio-)Eigenmarken der Handelsketten viel Evergreen steckt. In den Einzelhandel gehen zudem nur 45 % der in Oeynhausen produzierten Sprossen – 55 % gehen in die Gastronomie. Seit 2003 wird übrigens auch Tofu und werden Produkte aus diesem als zweites Standbein produziert.

evergreen.at

IRINA ZELEWITZ

Ruth Klügers beeindruckende Lebensgeschichte soll inspirieren. Kindgerecht aufbereitet, fundiert recherchiert und liebevoll illustriert und erzählt – als haptisches Erlebnis zum Immer-wieder-in-die-HandNehmen, zum gemeinsamen Lesen oder als Geschenk!

Bücher über Vorbilder, gute Beispiele und beeindruckende Persönlichkeiten.

DEUTSCHLAND:

NEUER SERVICE RUND UM BIOGASTRO

Ökolandbau-Portal wurde um nützliche Infos zum AHV und Bio erweitert.

NIEDERBAYERN:

WER

ÜBERALL NÄGEL SIEHT

Im Bayerischen Wald wurden Metallnägel testweise durch Holz ersetzt.

Die BLE (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung) in Bonn hat das Ökolandbau-Portal um serviceorientierte Informationen rund ums Thema nachhaltige Außer-Haus-Verpflegung (AHV) erweitert – redaktionell umgesetzt von Ökonsult in Stuttgart. Die Übersichtsseite führt durch den Themenkomplex und bietet allen, die ihr Angebot nachhaltiger gestalten – und das allenfalls auch transparent für die Konsumentinnen und Konsumenten nachvollziehbar machen möchten – Über- wie auch tieferen Einblick: von einer pflanzenbetonten Ernährung und der Vermeidung von Speiseabfällen in Kantinen und Mensen bis zum Schwerpunkt zum Thema Einsatz von Bioprodukten und dessen Nachweis durch eine Zertifizierung. Ergänzt werden die Infos durch Features wie ein interaktives Lernmodul zum Einstieg in die Bio-AHV, Musterkalkulationen für die Auswirkung einer Umstellung auf Bio auf den Wareneinsatz oder einen Leitfaden zur Vorbereitung und Organisation einer Biozertifizierung. Oft vernachlässigt findet hier auch die Kommunikation der Nachhaltigkeitsmaßnahmen Richtung Gast Berücksichtigung und insgesamt von jedem der Textblöcke Links zu vertiefenden Informationen innerhalb des Portals und weiterführenden Informationen extern.

oekolandbau.de/ahv

Oftmals werden Bäume im Sägewerk als Ausschuss behandelt, wenn Detektoren Metallnägel erkennen«, weiß Hanse Wenzl vom Landratsamt Regen. Er ist dort unter anderem für die Koordination der Wegemarkierungen im Landkreis zuständig und hat über einen Gemeinderatskollegen vom Einsatz von Holznägeln im Innenholzbau erfahren – und hatte 2024 die Idee, diese auch für die Beschilderung von Wegen im Arberland – das den Großen Arber, den höchsten Berg des Bayerischen Waldes, umgibt – einzusetzen. Bisher kamen dort Alunägel oder Holzkleber zum Einsatz – seither werden die vom oberösterreichischen Hersteller Beck (Mauerkirchen im Innkreis) aus europäischer Buche produzierten Nägel im Outdoor-Einsatz getestet: und zwar auf einem Teilabschnitt des Flusswanderwegs Regen–Zwiesel – und sofern sie den dortigen Witterungsbedingungen trotzen, sollen die Holznägel die Beschilderung auf dem gesamten, 2500 Kilometer umfassenden Wanderwegenetz tragen. Wer neugierig ist, wofür die seit 2023 auch für den tragenden Holzbau zugelassenen Nägel sonst noch einsetzbar sind, findet mehr dazu unter dem Produktnamen Lignoloc. IRINA ZELEWITZ

beck-fastening.at

FAHRRADMANUFAKTUR EUROPA

Ein Fahrrad ist meist ein globales Produkt – für das viele Teile aus Asien kommen. Räder aus gänzlich europäischer Produktion sind aber möglich.

TEXT

Martin Mühl

Wer sich dafür interessiert, wo sein Fahrrad produziert wurde, findet bei der Recherche schnell das »European Bike Project«. Dies wird vom Schweizer Alex betrieben, einem begeisterten Mountainbiker. Die in der Schweiz übliche Herkunftsdeklaration bei Lebensmitteln hat ihn vor einigen Jahren auf die Idee gebracht, sich näher damit zu beschäftigen, wo andere Gegenstände seines Alltags produziert werden, sei es Kleidung, Möbel oder eben Fahrräder. »Ich verbringe einen Großteil meiner Freizeit auf dem Rad in den Bergen, das macht mir unglaublich viel Spaß – ich musste aber erkennen, dass ich so gut wie nichts über die Herkunft der Räder weiß«, erzählt er. Gefunden hat er bei seiner Recherche wenig aussagekräftige Slogans: »Geboren in den Alpen« oder »Designed in Germany«. Und so hat er vor rund sieben Jahren mit

dem »European Bike Project« begonnen: einer Instagram-Seite, auf der er Radteile vorstellt, die in Europa gefertigt werden. Daraus ist schnell eine Community aus EnthusiastInnen, aber auch Rad-Unternehmen, die in Europa gefertigte Radteile suchen, entstanden.

»MADE IN EUROPE«

Anders als etwa die von der EU geschützte Ursprungsbezeichnung einiger Lebensmittel, sind »Made in Austria«, »Made in Germany« oder eben auch »Made in Europe« keine klar definierten oder gar kontrollierten Bezeichnungen. Ganz abgesehen davon, dass im Gegensatz zum Gebiet der Europäischen Union schon »Europa« nicht so klar definiert ist.

Vielmehr regeln einzelne Staaten und die EU unter anderem nur, dass mit solchen Bezeichnungen KonsumentInnen nicht »bewusst ge-

täuscht« werden dürfen. Das Wettbewerbsrecht in europäischen Staaten meint damit im Grunde, dass ein Großteil der Wertschöpfung in der genannten Region liegen muss. Konkret bedeutet das, dass etwa Fahrräder, die aus vielen Teilen und Komponenten bestehen, in der EU assembliert, also zusammengebaut, werden. Es reicht daher für die Auslobung »Made in EU« nicht aus, wenn das Design in der EU stattfindet und der Unternehmenssitz ebendort liegt. Andere Staaten wie etwa die USA definieren dieses Recht anders: Hier müssen Hauptbestandteile, wie etwa der Rahmen, aus dem entsprechenden Land stammen. »Made in EU« ist dort als Angabe übrigens gar nicht zugelassen – es dürfen nur einzelne Nationen genannt werden. In der EU und den meisten Ländern aber geht es um den Ort, an dem der Großteil der Wertschöpfung erfolgt –und daher können auch alle benötigten Bestandteile aus anderen Teilen der Erde zusammengekauft – und mit entsprechender Wertsteigerung durch die Leistungen an dem Ort, der als Produktionsort angegeben wird, verkauft werden. Bei Fahrrädern ist genau das üblicherweise der Fall: Das klassische Markenrad im europäischen Handel bestand in den letzten Jahrzehnten zum Großteil aus Teilen aus Taiwan, darunter auch der Rahmen. Dort hat sich eine hochprofessionelle Industrie und Logistik entwickelt, die erst in letzter Zeit durch einen Strukturwandel ins Wanken geraten ist und auf sich derzeit stark verändernde Märkte reagieren muss. Doch nach wie vor gilt: »In Taiwan gibt es sehr viele Hersteller, die erstklassige Qualität produzieren«, sagt Alex, »günstigere Teile kommen mittlerweile aus Kambodscha, Vietnam und anderen Ländern. Viele Fahrradfirmen haben mit Herstellern in Taiwan langjährige Verträge

und auch persönliche Verbindungen.« Fahrräder sind prinzipiell globale Produkte – auch weil die Nachfrage in den letzten Jahrzehnten gestiegen und die Industrie gewachsen ist. »Grundsätzlich wird heute mehr Rad gefahren als vor einigen Jahrzehnten. Das hat mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun, wie einem höheren Gesundheitsbewusstsein, einem positiven Image, mit besser werdender Radinfrastruktur in den Städten und natürlich auch mit Corona und einer in dieser Zeit stark steigenden Nachfrage«, weiß Bernhard Schmidt. Er war über fünf Jahre globaler Marketingchef der österreichischen Kinderradmarke Woom und ist der-

Das europäische Wettbewerbsrecht sieht vor, dass ein Großteil der Wertschöpfung in der gewählten Region liegen muss. Dazu können auch alle Bestandteile importiert werden.

zeit als selbstständiger Berater für europäische Radhersteller tätig. »In Europa werden Fahrräder und deren Teile oft auf Manufaktur-Ebene erzeugt. Mit hoher Qualität und entsprechenden Preisen, manches ist in Europa aber schwer zu bekommen. Rahmen aus Alu und Carbon etwa, deren Produktion aufwendig ist und Handarbeit benötigt. Schaltungen kommen meist vom unumstrittenen Weltmarktführer Shimano aus Japan. Ketten werden in Europa nur mehr selten produziert. Es gibt natürlich Ausnahmen wie Sättel aus Italien«, gibt er Einblick. Insgesamt findet die Spezialisierung von Weltregionen auf bestimmte Produktionssegmente ihre Entsprechung eben auch im Fahrrad – und die meisten größeren Marken kaufen international ein.

PREISKLASSE

Es ist aber möglich, Räder komplett aus Teilen aus europäischer Fertigung zu bauen. Dabei handelt es sich um ein meist hochpreisiges Segment, wobei Alex darauf hinweist, dass es hier dann auch wenig bis keinen Preisunterschied zwischen unterschiedlichen Produktionsorten

European Bike Project

Eine privat betriebene Seite, die Radkomponenten aus Europa vorstellt und InteressentInnen vernetzt. Regelmäßig baut Betreiber Alex auch Räder aus großteils europäischen Komponenten, die er in den Schweizer Bergen ausgiebig testet.

Instagram: @the.european.bike.project

mehr gibt: »Es gibt Hersteller, welche für einen Carbonrahmen aus China 4000 Euro und mehr verlangen. Für diesen Preis bekommt man auch Carbonrahmen aus Portugal oder Deutschland.« Als Richtwert gibt er an, dass es möglich ist, Räder aus europäischen Teilen unter 10.000 Euro zu bauen. Ein Preis, den aber nur jene zu zahlen bereit sind, die das Radfahren extensiv betreiben. Deren intensive Beschäftigung und Knowhow bringt es mit sich, dass meist nicht ganze Räder beim Händler gekauft, sondern selbst zusammengeschraubt werden – Marken von Rädern treten dabei in den Hintergrund, die von Einzelteilen bekommen mehr Bedeutung: Sättel wie etwa die von Selle Italia, die in Italien produziert werden und auch von vielen anderen Marken gekauft werden, der Hersteller Hope, der Bremskomponenten oder auch Pedale in Großbritannien produziert, oder auch das deutsche Unternehmen Pinion – bei Schaltungen eine Alternative zu Shimano. Die US-Marke Sram produziert teilweise in Portugal Schaltungen oder auch Ketten für den Performance-Bereich. Und auch eine ganze Reihe von Reifenmarken wie Continental, Rubena oder Pirelli produzieren zumindest teilweise in Europa. Regelmäßig baut Alex eigene Räder, die ausschließlich oder fast ausschließlich aus in Europa gefertigten Teilen bestehen, testet diese ausgiebig und stellt sie der Community vor und weiß: »Je kleiner die Teile, desto schwieriger ist es.«

Der Radtyp sollte dabei — auch wenn Alex sich selbst auf Highend-Mountainbikes konzentriert – keine Rolle spielen. Auch für Rennräder gibt es genügend Komponenten aus Europa und einen sehr passenden Markt sieht er bei Stadträdern und Cargobikes, die eine Zielgruppe ansprechen können, die auf die Herkunft ihrer Produkte Wert legt. Und: Diese haben oft per se einen gewissen Preis, und mit diesem

spielt die Herkunft einzelner Komponenten eine kleinere Rolle.

WAS SPRICHT FÜR EUROPA?

Der Fahrradmarkt ist allerdings derzeit im Umbruch. Auf den Boom während Corona folgt eine Phase, in der viele Hersteller statt Wachstum mehr auf das Finanzergebnis schauen müssen. Sie verkaufen Räder aus dem Lager und importieren weniger. Viele Marken haben Probleme, reduzieren die MitarbeiterInnenzahl. Manche kaufen auch nach den Lieferkettenproblemen der letzten Jahre heute mehr in Europa. Allerdings meist nur teilweise und nur manche Chargen. Warum gibt es diese Bewegungen hin zu einer Verlagerung der Produktion nach Europa? Für den Bereich Fahrräder nennt Schmidt neben den schlechten Erfahrungen mit den Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten unter anderem auch »den Trend zu Customization, also individuellere KundInnenwünsche und sich daraus ergebenden kleineren Char-

gen« oder auch die Tatsache, dass bei E-Bikes, die im Schnitt teurer sind, die Personalkosten einen kleineren Anteil ausmachen und weniger ins Gewicht fallen. Polen ist ein wichtiges Land in der E-Bike-Produktion in Europa und baut hier einen Industrie- und Logistik-Cluster.«

Ein Teil der KundInnen hat auch den Wunsch, Menschenrechtsverletzungen wie Kinderarbeit in der Produktionskette auszuschließen und vertraut bei Umweltauflagen den strengeren Standards Europas, wobei manche »dieser Probleme in den letzten Jahren geringer geworden sind, weil etwa Kinderarbeit in einer modernen hochtechnologischen Fertigung nur mehr schwer möglich ist«, sagt Schmidt.

BUY LOCAL

Alex weist explizit auch auf eine politische Seite des Konsums hin: »Unternehmen zahlen Steuern und tragen zur Wirtschaft eines Landes bei. Wer ein Produkt kauft, das in einem bestimmten Land erzeugt wird, lässt damit die dortige Regierung profitieren – auch wenn diese etwa im Bereich Menschenrechte oder anderen nicht mit den eigenen Überzeugungen übereinstimmt«, ist er überzeugt. Er findet: »Es zahlt sich aus, sich Gedanken zu machen, wo die Produkte, die wir kaufen, erzeugt werden.«

Michael Knoll, der mit Starbike einen Fahrradhandel in Wien betreibt, beobachtet dies gerade aktuell: »Generell interessieren sich wenige meiner KundInnen für die Herkunft ihrer Räder. Es lässt sich aber beobachten, dass einige im letzten Jahr etwa US-Marken und amerikanische Produkte vermeiden wollten.«

Darüber, ob europäische Komponenten umweltfreundlicher erzeugt werden, lässt sich allgemein wenig aussagen. Es gibt Hersteller, die darauf Wert legen, ihre CO2-Emissionen klein zu halten und erneuerbare Energie zu nutzen. Ein Beispiel für einen der vielen nötigen Arbeitsschritte in der Fahrradproduktion ist das maschinelle Einspeichen der Räder für große Produktionsserien. Der österreichische Klapp- und Lastenradhersteller Vello fand keinen Dienstleister dafür in Österreich und muss daher die Laufräder nach Deutschland schicken, um diese für die Serienproduktion einzuspeichen. »Wir würden uns und der Umwelt den Transport lieber ersparen«, sagt Valerie Wolff, Kogründerin von Vello. Auch die verwendeten Stoffe setzen

DAS AKTUELLE BIKE DES EUROPEAN BIKE PROJEKTS:

Es ist ein Stoll (Schweiz) T3 Evo mit 150 mm Federweg hinten und 160 mm vorne, welches auf unter 12 kg getunt wurde. Rahmen und Lenker werden in Deutschland bei Bike Ahead Composites gefertigt. Die Bremsen von 612 Parts (Schweizer) werden ebenfalls in Deutschland hergestellt. Die Räder von DT Swiss kommen aus Polen und der Schweiz. Die Kurbel aus Carbon stammt von Hope aus England. Die Gabel ist ein Prototyp von Intend aus Deutschland, die oberen Rohre sind aus Carbon und werden von Compotech aus Tschechien gefertigt. Die Kette ist von Sram aus Portugal, die Bremsscheiben sind von Galfer aus Spanien.

Grenzen: Aluminium wird aus dem Rohstoff Bauxit gewonnen, der überwiegend in Australien, Guinea und Brasilien abgebaut wird. Energiesparendes Recyclingaluminium ist inzwischen teilweise verfügbar, eignet sich aber nicht für alle Bauteile, weil dafür exakt definierte Materialeigenschaften nötig sind.

Für KonsumentInnen bleiben beim Fahrrad die gleichen Möglichkeiten wie bei vielen anderen Gegenständen: Man muss Informationen einholen und Prioritäten setzen. Und wer bei HändlerInnen nachfragt, sorgt dafür, dass auch diese sich mit dem Thema mehr beschäftigen müssen.

Offenlegung:

Bernhard Schmidt war bis 2012 Geschäftsführer der Monopol GmbH, in der zu dieser Zeit BIORAMA erschien.

IM ÜBERSCHAUBAREN RAHMEN

Vier Fahrradhersteller und ihre Nischen – in und außerhalb Europas.

TEXT

Florian Jauk

Fahrräder sind globale Produkte. Materialien, Komponenten und Know-how stammen aus hoch spezialisierten Lieferketten, die sich über Kontinente erstrecken. Einige Hersteller versuchen dennoch, von diesem Mainstream abzuweichen und Produktionsschritte anders zu organisieren – teilweise in Europa, teilweise gezielt dort, wo maßgebliche Rohstoffe produziert werden. Vier Beispiele, die zeigen, wie unterschiedlich dieser Zugang ausfallen kann: über neue Fertigungstechniken, alternative Materialien oder soziale Produktionsmodelle.

INDIVIDUALISIERTES GLOBALPRODUKT

2017 gegründet, brachte Urwahn zwei Jahre später die ersten beiden Modelle auf den Markt. Von Beginn an sei klar gewesen, »dass die Gründung mit einem klaren Bezug zum Produktionsstandort Deutschland verbunden sein sollte«, sagt Mitgründer Sebastian Meine-

cke. Ausgangspunkt war die Entscheidung, den Fahrradrahmen neu zu denken. Sie bestehen aus Stahl und neuerdings auch aus Titan. Das für den Metall-3D-Druck verwendete Stahlpulver stammt von deutschen Lieferanten, betont Meinecke. Die daraus entstanden Rahmen unterscheiden sich in einem zentralen Punkt von klassischen Konstruktionen: Die verbindenden Elemente des Rahmens stammen aus dem 3D-Druck. »3D-Druck ermöglicht neue Designfreiheiten und neue Funktionen. Für uns war das eine logische Konsequenz«, so Meinecke. Gedruckt werden jedoch nicht alle Rahmenteile. »Alle Teile, die funktional weniger aufgeladen sind, etwa die Rohre, werden konventionell hergestellt«, erklärt Meinecke. Die additiv gefertigten Knoten entstehen in Deutschland, zentrale Produktionsschritte finden in Magdeburg statt. Gleichzeitig bleibt auch Urwahn Teil globaler Lieferketten. Komponenten wie Tretlager,

Beim Modell »Stadtfuchs Urban« werden die Knoten des Stahlrahmens 3D-gedruckt, die Rohre konventionell gefertigt.

Bremsen oder die Akkus der E-Bikes werden zugekauft. In einem »Fairframe-Manifest« hat Urwahn mehrere Kriterien für die Produktion inklusive Zulieferung definiert. Doch Geschäftsführer Meinecke betont: »Machen wir uns nichts vor: Wir hängen auch an globalen Lieferketten.

«Der ursprüngliche Anspruch, alle Komponenten aus Europa zu beziehen, habe sich nicht umsetzen lassen. Dennoch arbeite Urwahn inzwischen mit rund 20 Industriepartnern in Deutschland zusammen. Einzelne Komponenten wie Felgen, Speichen und Nippel stammen aus europäischer Produktion, ebenso ein in Deutschland gefertigtes Reifenmodell von Continental. Außerdem setzt Urwahn bei den Antrieben seiner Räder auf die Marken Mahle und Pilion. Beide »verorten« einen Großteil ihrer Wertschöpfung in Europa, erklärt Urwahn-Gründer Sebastian Meinecke.

Ein zentrales Kaufargument sei neben der Fertigung vor allem das Design. 2025 verzeichnete Urwahn mit einem Wachstum von über 20 Prozent das bislang erfolgreichste Geschäftsjahr. Trotz dieses Zuwachses bleiben die Stückzahlen im oberen dreistelligen Bereich und machen Urwahn auch im nationalen Vergleich mit anderen Fahrradherstellern zu einer kleinen Manufaktur. »Das wollen wir aber auch sein«, sagt Meinecke. Urwahn verstehe sich als Premiumhersteller für individuell konfigurierte Räder mit Design- und Funktionsanspruch.

AUS DEM WALD, NICHT VON DER STANGE

Der österreichische Hersteller My Esel produziert seit 2014 Fahrräder mit Holzrahmen. Verwendet wird PEFC-zertifi-

Nischen bis Pop 08. Jul. – 16. Aug. 2026 poolbar.at

11. 07. 11. 07. 16. 07. 18. 07. 23. 07. 24. 07. 24. 07. 24. 07. 25. 07. 25. 07. 29. 07. 30. 07. 01. 08. 05. 08. 07. 08. 07. 08. 08. 08. 14. 08. 14. 08.

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HVOB – THE SILVER CAGE

ziertes Holz aus Nuss, Esche und Birke aus Österreich, gefertigt werden die Rahmen im oberösterreichischen Traun. Der Standort ist dabei kein Zufall, erklärt Gründer und Geschäftsführer Christoph Fraundorfer: »Österreich hat eine lange Tradition im Holzbau und ein dichtes Netz an Zulieferern. Technologien im Holzverbundbau sind etwa aus dem Ski- und Snowboardbau gut erprobt.

«My Esel baut Renn-, Gravel-, Cross- und Stadträder sowie E-Bikes. »Es gibt keine Grenzen«, sagt Fraundorfer, und verweist darauf, dass Räder seiner Marke bereits Langstreckenrennen wie das Race Across Austria oder das Race Across America erfolgreich absolviert haben. Die Produktion der E-Bike-Akkus erfolgt –wie auch bei Schaltung, Bremsen und weiteren Komponenten – durch den japanischen Hersteller Shimano und bei dem selbst entwickelten E-Bike-Antrieb im Auftrag in Asien. Der Grund dafür sei schlicht das Angebot: »In Europa gibt es derzeit keine vergleichbaren Produktionen, die wirtschaftlich sind.« Zusammengestellt und montiert werden alle Komponenten in Traun. Im Fahrverhalten unterscheiden sich die Holzrahmen laut Fraundorfer spürbar von Stahl-, Aluminium- oder Carbonrahmen. »Holz absorbiert Vibrationen besser. Die Räder laufen ruhiger, auch das Bremsverhalten profitiert davon.« Geschätzt werde von KundInnen neben dem Fahrgefühl auch das einzigartige Erscheinungsbild. »Viele Marken verkaufen im Grunde das gleiche Produkt in anderer Farbe«, argumentiert Fraundorfer. Das Gewicht der Holzrä-

der liegt zwischen Aluminium und Carbon, das leichteste Rennrad wiegt rund 8,5 Kilogramm. Nach einem Wachstum in den Coronajahren wurden bisher rund 5000 My-Esel-Bikes verkauft, erklärt Fraundorfer. Mit dem Release des neuen E-Stadtrads rechnet er mit weiter steigenden Stückzahlen.

RECYCLING-RAD

Der Kölner Kunststoffspezialist Igus entwickelte mit dem Rcycl-Bike kein klassisches Fahrrad, sondern ein Produkt aus der eigenen Material- und Fertigungskompetenz heraus. Das gesamte Fahrrad besteht zu über 90 Prozent aus Kunststoff, rund die Hälfte davon aus Recyclingmaterial wie alten Fischernetzen. Entwickelt und gefertigt werden Rahmen, Gabel und Felgen in Köln, ebenso zahlreiche weitere Bauteile wie Lager, Antriebselemente und bewegliche Komponenten, die aus Hochleistungskunststoffen bestehen. Das Fahrrad ist als wartungsarmes Single-Speed-Bike konzipiert, das ohne Schmiermittel auskommt und nicht rostet. Die Produktion erfolgt in eigenen Spritzguss- und Rotationsgussverfahren. Bremsen, Beleuchtung sowie Zahnriemen stammen nicht aus dem Igus-Portfolio und werden von europäischen Herstellern zugekauft. Die Stückzahlen bewegen sich bislang im offenbar sehr überschaubaren Bereich, Zahlen nennt der Herstel-

Das Modell E-Urban ist das neueste Mitglied in der Esel-Familie und vereint Holzbau mit einem elektrischen Antrieb.
Sebastian Meinecke ist Mitgründer und nun alleiniger Geschäftsführer von Urwahn.

Ein Bambusfahrrad von My Boo im urbanen Umfeld

ler keine. Das Rad soll »als Demonstrator« für die Weiterentwicklung von Alltagsprodukten durch Materialforschung, Recyclingfähigkeit und Produktionstiefe zeigen. Parallel arbeitet Igus an einer E-Bike-Variante.

BAMBUS MIT BONUS

Der Fahrradhersteller My Boo hat einen anderen Weg gewählt. Als die Gründer Maximilian Schay und Jonas Stolzke auf einer Reise nach Ghana erstmals Fahrradrahmen aus Bambus sahen, entstand die Idee für ein eigenes Projekt. Seit 2012 werden die Rahmen in Kooperation mit der NGO Yonso Project in Ghana gefertigt und anschließend in Kiel mit den übrigen Komponenten zu kompletten Fahrrädern und E-Bikes aufgebaut.

Aus einem zunächst nur wenige Quadratmeter großen Produktionsraum entwickelte sich in Ghana eine Werkstatt mit mehr als 30 MitarbeiterInnen. Durch die Erlöse aus der Rahmenfertigung konnte 2019 zudem eine Schule eröffnet werden, die heute von etwa 750 Kindern besucht wird. Die übrigen Komponenten der Bambusräder stammen aus globalen Lieferketten. »Wir sind zu klein, um alle Komponenten selbst herzustellen«, sagt Pressesprecherin Antonia Schmidt, wichtiger als die Produktion in Europa sei für die KundInnen aber das, was sie als »soziale Komponente« zusammenfasst, erklärt sie mit Blick auf die Zusammenarbeit mit der NGO in Ghana. »Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, wir sind ökologisch einwandfrei und

nachhaltig. Das stimmt einfach nicht«, sagt Schmidt offen. Der Fokus liege auf den Produktionsbedingungen der Rahmen und den daraus resultierenden Effekten vor Ort. Myboo bietet derzeit elf Modelle ohne und sechs mit elektrischer Unterstützung an, darunter ein Kompaktbike. Gewichtstechnisch vergleicht Schmidt den Bambusrahmen mit Aluminium. Durch die Faserstruktur des Materials sei der Rahmen leicht stoßdämpfend, was sich positiv auf das Fahrgefühl auswirke. 2025 verkaufte Myboo 480 Räder. Einen besonderen Meilenstein stellte 2024 eine Kooperation mit der Kreuzfahrtmarke Aida dar: 1100 Bambusräder kamen auf elf Schiffen für Landausflüge

zum Einsatz. »Der Auftrag war für uns und das Team in Ghana eine Riesenchance und hat uns gemeinsam nach vorne gebracht. Unsere Bikes können sich jetzt in Touren auf der ganzen Welt beweisen.«

Gemeinsam ist diesen vier Ansätzen nicht ein einheitlicher Produktionsort, sondern eine bewusste Haltung zur Herstellung. Der Rahmen wird dabei zum Ausgangspunkt: als Träger von Materialentscheidungen, Fertigungstiefe und Verantwortung. Ob additiv gefertigt, aus Holz, Kunststoff oder Bambus – jedes Modell zeigt, dass Produktion kein Selbstzweck ist, sondern Teil der Produktidee. Gleichzeitig bleiben alle Fahrräder eingebunden in globale Lieferketten. Anders zu produzieren heißt nicht, sich davon zu lösen, sondern die Produktion gezielt zu gestalten.

Das »Rcycl Bike« von Igus besteht zu 90 Prozent aus Kunststoff und wird in Köln produziert.

GELEGENHEIT MACHT FAHRRADDIEBSTAHLSOPFER

Fünf Nutzungstypen, ihre Sicherheitsbedürfnisse – und mögliche Antworten.

Florian Jauk

Die Nachfrage nach Fahrrädern bleibt in Österreich und Deutschland stabil. Nachdem die Branche in den Pandemiejahren ein deutliches Plus verzeichnen konnte, haben sich die Verkaufszahlen auf hohem Niveau eingependelt, erklärt der Verband der Sportartikelhersteller und Sportartikelhändler Österreichs (VSSÖ) in einer Aussendung. Demnach wurden 2024 rund 400.000 Fahrräder von der Fahrradindustrie an den österreichischen Sport- und Fahrradfachhandel verkauft. In Deutschland sind die Zahlen proportional der Einwohnerzahl höher. 2024 wurden laut Fahrradindustrie ZIV 3,9 Millionen Fahrräder verkauft. Diese »Beliebtheit des Radfahrens« ist gleichermaßen auch Mitursache für ein dauerhaft hohes Niveau an Fahrraddiebstählen – neben »guten Absatzmöglichkeiten für gestohlene Fahrräder, insbesondere über Onlineplattformen«, weiß Sandra Hrastnig vom österreichischen Bundeskriminalamt. In Österreich wurden 19.500 Fahrraddiebstähle registriert, in Deutschland waren es im selben Zeitraum rund 246.000. Das entspricht einem

leichten, aber kontinuierlichen Anstieg gegenüber den Vorjahren. Betroffen seien vor allem urbane Räume, in Österreich laut Bundeskriminalamt zuletzt besonders stark die Städte Wien und Linz – und generell gehäuft an Orten, wo Räder regelmäßig und über längere Zeiträume abgestellt werden. Zunehmend werden auch Fahrräder und E-Bikes aus Kellerabteilen und gemeinschaftlichen Abstellräumen entwendet. Besonders begehrt sind hochwertige Modelle und E-Bikes, die sich gut weiterverkaufen lassen, teils auch grenzüberschreitend. »Ein erheblicher Teil der gestohlenen Fahrräder wird grenzüberschreitend verbracht, insbesondere in osteuropäische Länder, und dort über unterschiedliche Verkaufsplattformen angeboten«, erklärt Hrastnig.

Fahrradsicherheit entscheidet sich im Alltag und hängt von verschiedenen Fragen ab, wie zum Beispiel wie lange und wo ein Rad unbeaufsichtigt steht, wie wertvoll es ist und ob eher einzelne Komponenten oder das ganze Rad in Gefahr sind. Unterschiedliche Alltage brauchen unterschiedliche Lösungen.

DIE BUMMLERIN

Sie radelt zur Arbeit, danach kurz noch einkaufen, dann vielleicht noch auf ein Getränk, manchmal werden es auch zwei und sie muss wieder schieben – vorausgesetzt, ihr Rad ist nach dem spontan verlängerten Baraufenthalt noch da. Bei ihren Alltagswegen steht das Fahrrad meist tagsüber und nur für kurze Zeit unbeaufsichtigt im öffentlichen Raum. Es steht dort, wo gerade Platz ist: vor dem Supermarkt, dem Lokal oder vor der Wohnung eines Freundes. Abgesperrt wird schon, besonders viel Zeit und Technik will die Bummlerin dafür aber nicht aufbringen und hängt es meist am Fahrradabstellplatz ab. Sie hat bereits ein Faltschloss, dabei geht es ihr in erster Linie nicht um die maximale Sicherheit eines Schlosses, sondern um dessen Praktikabilität. Die Gefahr für die Bummlerin ist, dass jemand im öffentlichen Raum ihr Faltschloss unbeobachtet knackt.

85 DEZIBEL MACHEN DIEBSTAHL UNATTRAKTIV

Was der spontanen Alltagsradlerin fehlt, ist ein Gadget, das bei Diebstahlversuchen Aufmerk-

FAHRRADDIEBSTAHL ANZEIGEN?

Polizeilich empfohlene Präventionsmaßnahmen.

• Hochwertige Schlösser verwenden und stets den Rahmen gemeinsam mit Vorder- oder Hinterrad an einem fixen Objekt anschließen.

• Abnehmbare Komponenten wie Beleuchtung oder Displays mitnehmen.

• Auch in Kellerräumen das Fahrrad zusätzlich an einem fest verankerten Gegenstand absperren.

• Wenn möglich, videoüberwachte Abstellanlagen nutzen.

• Auf den Abstellort achten: schlecht einsehbare oder schlecht beleuchtete Bereiche meiden, insbesondere bei Dunkelheit. Abstellplätze mit auffällig vielen beschädigten oder unvollständigen Fahrrädern sollten ebenfalls gemieden werden.

• »Aus polizeilicher Sicht ist eine Anzeige in jedem Fall sinnvoll. Sie erhöht die Chance auf Täterausforschung, unterstützt die Zuordnung sichergestellter Fahrräder und hilft der Polizei, regionale Schwerpunkte und Tatmuster zu erkennen.«

– österreichisches Bundeskriminalamt

samkeit erzeugt: ein Geräusch, ein Alarm, ein Moment Irritation. Oft reicht das schon, um Diebe abzuschrecken. Ziel ist nicht, Diebstahl unmöglich zu machen, sondern unattraktiv.

Gut funktioniert hierbei eine Fahrrad-Alarmanlage wie jene des Herstellers Knog. Das kompakte Modul wird unauffällig am Rahmen montiert und arbeitet mit einem Bewegungssensor, der zwischen kurzen Erschütterungen und längerem Hantieren unterscheidet. Bei anhaltender Bewegung löst der Alarm mit 85 Dezibel aus, zusätzlich erhält man eine Benachrichtigung am Smartphone. Die Ortungsfunktion arbeitet über Bluetooth und ist auf kurze Distanzen beschränkt. Nachteil: Bisher nur mit dem Apple-Betriebssystem IOS, noch nicht mit Android kompatibel.

Der Fokus liegt klar auf Abschreckung im Moment, nicht auf langfristiger Verfolgung. Ein Alarm verhindert keinen Diebstahl, sorgt aber vor allem an frequentierten Orten für Aufmerksamkeit. Wie bei allen elektronischen Lösungen gilt: Ist der wiederaufladbare Akku leer, bleibt die Abschreckung aus.

Scout Bike von Knog

Alarmanlage für abgestellte Fahrräder mit 85 Dezibel. knog.com | 59,99 €

Battery Lock von Bosch

Akku-Sicherung für E-Bikes der Marke Bosch.

bosch-ebike.com | 39,99 € pro Jahr oder 4,99 € mit der Flow+-App

QL2-Lock von Ortlieb

Schloss zur Sicherung der Ortlieb-Fahrradtasche am Gepäckträger. ortlieb.com | Einzelpreis 15 €, gleichschließendes Paar 28 €

DER ALLTAGSMANAGER

Der Tag ist durchgetaktet. Kinder, Termine, Wege. Das Rad ist hier ein E-Lastenrad und kein Hobbygerät, sondern zentrale Infrastruktur. Entsprechend oft steht es über viele Stunden unbeaufsichtigt, tagsüber wie abends draußen. Tagsüber vor dem Kindergarten oder dem Supermarkt, bei der S-Bahn-Station, abends im Innenhof. Wie jedes teure Rad wird auch das E-Lastenrad mit einem schweren Bügelschloss gesichert, zudem bieten viele Anbieter einen digitalen Schlüssel an. Ist das Lastenrad gesperrt, kann es zwar noch gestohlen und auch gefahren werden. Allerdings nur ohne elektrische Unterstützung. Ziel ist hier auch eine Abschreckung, um die Chance eines Diebstahls zu reduzieren. Bemerken Diebe, dass ein E-Bike digital gesperrt ist, rechnen sie mit geringerem Ertrag. Für viele Diebe reicht das bereits, um sich ein anderes Ziel zu suchen.

AKKU SPERREN STATT MITNEHMEN

Das Herz des E-Bikes ist der Akku – schwer, wertvoll und im Alltag nicht immer leicht mitzunehmen. Einige Hersteller setzen deshalb auf digitale Akkusperren. Diese blockieren den Akku nicht mechanisch, sondern machen ihn elektronisch unbrauchbar. Eine durchdachte Lösung bietet das Unternehmen Bosch. Wird ein gesicherter Akku in ein anderes kompatibles Rad eingesetzt, bleibt die Motorunterstützung deaktiviert.

Die Aktivierung der Funktion erfolgt per Smartphone-App und greift automatisch beim

Abstellen des Rads. Wird das E-Bike bewegt oder der Akku entnommen, erhält die Besitzerin oder der Besitzer eine Benachrichtigung. Die Lösung richtet sich an NutzerInnen, die ihr Rad regelmäßig im öffentlichen Raum abstellen und auf eine wartungsarme Hintergrundabsicherung setzen.

Allerdings ersetzt die Akkusperre kein Schloss: Rad und Akku können weiterhin gestohlen werden. Zudem ist das Service kostenpflichtig. Gerade bei hochwertigen Lastenrädern kann diese Form der Absicherung sinnvoll sein, will man nicht bei jedem Gang vom Rad den Akku mitschleppen.

DIE SPORTLERINNEN

Sie fahren mit ihren Tourenrädern früh los und kommen oft erst am nächsten Tag zurück. Am Weg stehen ihre Räder nur kurz unbeaufsichtigt, zu Hause lagern sie in ihrem Kellerabteil. Beim Packen für eine Tour geht es den beiden um Komfort. Die Satteltaschen sind bereits voll, also entscheiden sie sich jeweils für ein kompaktes und leichtes Faltschloss, das am Fahrradrahmen verstaut werden kann.

SATTELTASCHEN SICHERN

Sind die beiden SportlerInnen einmal kurz beim Bäcker oder springen schnell in den See, sperren sie ihre Räder zusammen. Die Satteltaschen möchten sie nicht immer mitschleppen, weswegen sie sie vor ungewollter Mitnahme schützen. Gut funktioniert das bei ihren Taschen der Marke Ortlieb mit der markeneigenen Diebstahlsicherung – ein Haken, der am Gepäckträger befestigt wird und mit einem Schlüssel gesperrt werden kann. So ist die Tasche am Gepäckträger fixiert. Will man zusätzlich den Inhalt der Tasche schützen, ist ein zweites Schloss vonnöten.

WANDANKER FÜR ZUHAUSE

Im Kellerabteil sieht die Situation ganz anders aus, da werden die teuren Tourenräder maximal vor Diebstahl gesichert. Das funktioniert

durch ein großes Bügelschloss, das an einem Wandanker angehängt ist. Wandanker werden –wie der Name schon sagt – in der Wand verbaut und bieten im Keller einen festen Gegenstand, an dem man die Räder sperren kann. Die Firma Kryptonite setzt bei ihrem fast drei Kilo schweren Wand- und Bodenanker auf einen 16 mm dicken Karbonstahl-Bügel und wird mit zwei Schrauben und Bits an der Wand fixiert. Da der Wandanker schwer zu entfernen ist, sollte man den Einsatz gegebenenfalls vorher mit VermieterInnen absprechen.

DER AFICIONADO

Sein individualisiertes Rad kostet mehr als viele Autos. Es wird getragen, nicht abgestellt.

Wohnung, Büro, Café. Lange Standzeiten im öffentlichen Raum werden konsequent vermieden. Fast immer funktioniert das. Wenn nicht, entsteht Stress. Denn jedes Schloss wiegt zu viel, jede Abstellzeit fühlt sich falsch an. Seine Erfahrung zeigt: In Gefahr ist hier selten das ganze Rad, sondern einzelne, leicht demontierbare und teure Komponenten. So ließ der Aficionado einst vor Schreck seinen Handfilterkaffee-to-go fallen, als er am Weg vom Coffee-Shop zu seinem Rad bemerkte, dass sein Sattel fehlte.

KOMPONENTENSICHERUNG

Wer sein Fahrrad nahezu immer und überall mitträgt und nicht an öffentlichen Orten absperrt, reduziert das Risiko massiv, erkauft sich diese Sicherheit aber mit Einschränkungen. Nicht jede Situation lässt sich kontrollieren, nicht an jedem Ort ist ein Fahrrad ein gern gesehener Gast. Für den Fall, dass sein Rad mal kurz draußen abgesperrt werden muss, hat der Aficionado eine Lösung. Er setzt auf eine Komponentensicherung. Spezielle Systeme wie die des deutschen Herstellers Pitlock ersetzen herkömmliche Schnellspanner und normierte Schrauben durch eigens codierte Achsen und Verschlüsse. Anders als bei handelsüblichen Schrauben lassen sich Laufräder, Sattelstütze oder der Steuersatz nicht mit Standardwerkzeug öffnen, sondern nur mit einem speziellen Schlüssel.

Das Prinzip ist simpel: Was schnell lösbar ist, wird gestohlen. Indem genormte Bauteile durch codierte ersetzt werden, steigt der Aufwand für Diebe deutlich. Die Sicherung zielt nicht auf Unknackbarkeit ab, sondern darauf, spontane Demontagen im öffentlichen Raum zu reduzieren. Wer einzelne Komponenten entwenden will, braucht plötzlich spezielles Werkzeug und Zeit. Für teure Räder, die nur gelegentlich unbeaufsichtigt stehen, ist das oft ausreichend.

Stronghold Anker von Kryptonite

Boden- und Wandanker zur Sicherung von Fahrrädern im Innen- und Außenbereich kryptonitelock.com | ab 67,99 €

Set 02 von Pitlock

Codierte Achsen und Verschlüsse zur Sicherung einzelner Fahrradkomponenten. Ersetzt herkömmliche Schnellspanner und Schrauben an Vorder- und Hinterrad sowie an der Sattelstütze. pitlock.de | 69,50 €

Bordo One 6000 A Fingerprint von Abus Schlüsselloses Faltschloss mit Alarm- und Trackingfunktion. abus.com | ab 199,96 €

EIN SCHLOSS, MEHRERE FINGERABDRÜCKE

Zwei Elternpaare, ein Großvater und ein Onkel bringen zwei Kinder zu einer Schule, abwechselnd. Wer macht heute Frühdienst, wer holt ab und was, wenn einer früher aus hat? In vielen Familien – oder zwischen Nachbarsfamilien – wechseln die Zuständigkeiten. Die Kinder fahren mit ihren eigenen Rädern zur Schule, begleitet von Erwachsenen. Vor dem Schulgebäude werden mitunter zwei Räder zusammengesperrt. Es geht weniger um maximale Absicherung als um eine Lösung, die für mehrere Personen zuverlässig funktioniert, ohne dass zusätzliche Übergaben oder Absprachen notwendig sind. Alle für die Kinderräder benötigten Schlösser können wahlweise von allen Beteiligten oder von allen Erwachsenen entsperrt werden.

Für solche geteilten Alltage eignen sich schlüssellose Fahrradschlösser, wie sie etwa der Hersteller Abus anbietet. Diese Systeme verzichten auf physische Schlüssel und lassen sich per Fingerabdruck öffnen. Bei smarten Schlössern wie dem Modell »Bordo One 6000 A« können bis zu acht Fingerabdrücke gespeichert und von ebenso vielen Fingern geöffnet werden. In der Praxis heißt das vermutlich oft: Zwei Elternpaare, ein Großvater und ein Onkel teilen sich zwei Schlösser, jeweils eines für zwei Kinderräder. Wer gerade zuständig ist, sperrt auf und zu, ohne Schlüsselübergabe und ohne organisatorischen Mehraufwand.

»Ein erheblicher Teil der gestohlenen Fahrräder wird grenzüberschreitend verbracht, insbesondere in osteuropäische Länder, und dort über unterschiedliche Verkaufsplattformen angeboten«
— Sandra Hrastnig, österreichisches

GETEILTES SCHLOSS, GETEILTE VERANTWORTUNG

Die Verwaltung der Fingerabdrücke erfolgt über eine Smartphone-App. Dort lassen sich Zugriffsrechte anlegen, ändern oder löschen. Der Vorteil solcher Systeme liegt nicht in hö herer Sicherheit, sondern in Alltagstauglich keit. Wie bei allen elektronischen Lösungen gilt jedoch: Sie ersetzen weder Aufmerksam keit noch ein sinnvolles Abstellen – und funk tionieren nur, solange Technik und Stromver sorgung mitspielen.

WARUM ES KEIN PERFEKTES SCHLOSS GIBT

Absolute Sicherheit gibt es beim Fahrrad nicht. Schlösser, Alarme und Tracker können Risiken verschieben, aber nicht aufheben. Entscheidend ist, wie gut eine Lösung zum jeweiligen Alltag passt: ob ein Rad kurz oder lange unbeaufsichtigt steht, ob es regelmäßig genutzt wird oder selten, ob einzelne Komponenten oder das ganze Rad in Gefahr sind.

Wer Sicherheit als Kombination denkt – aus Schloss, Abstellort, Zeit und eigenem Verhalten – macht sich zwar nicht unverwundbar, das Rad aber unattraktiver für Diebe.

Aber ein gesunder Bio-Boden kann viel mehr.

Er ist Lebensraum und Wasserspeicher in einem:

• Humusaufbau durch Gründüngung: Anbau von Pflanzen wie Leguminosen, die den Boden mit Nährstoffen versorgen und Bodenleben sowie Fruchtbarkeit fördern.

• Humusreicher Boden ist ein besserer Wasserspeicher: Schutz vor Dürre und Überschwemmungen.

• Verzicht auf chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel1 fördert Biodiversität.

• Nützlinge statt Pestizide 2 : So hält man Schädlinge auf natürliche Weise in Schach.

Gut für uns. Und die Natur natürlich.

1 gemäß EU-Bio-Verordnung

2 chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel

Gibt ,s nur bei:

Der Boden dankt es uns mit wertvollen BIO-Produkten.

Grenzenloses Urlaubsvergnügen: Entdecken Sie den Frühling auf zwei Rädern im Burgenland!

Tauchen Sie ein in die malerische Landschaft des Burgenlandes und erleben Sie den Frühling auf eine ganz besondere Weise – auf dem Fahrrad!

Bei rund 3.300 Kilometer an Radwegen mit durchgehender Beschilderung ist Langeweile fehl am Platz. In jeder Region gibt es außerdem Besonderheiten zu entdecken, die das Raderlebnis einzigartig machen. Großteils eben und deswegen für Familien besonders interessant verläuft das Radwegenetz rund um den Neusiedler See. Mit der Draisine radelt man durch die romantische Landschaft des sonnenverwöhnten Mittelburgenlandes. Von der rasanten Mountainbike-Abfahrt auf den Burgenland-Trails bis hin zur gemütlichen Familientour am neuen Bahntrassen-Radweg bietet auch das Südburgenland genügend Abwechslung.

NATUR UND KULTUR AM GRÖSSTEN STEPPENSEE MITTELEUROPAS

Unsere Gäste lieben ihn und der ADFC hat ihn mit 5 Sternen ausgezeichnet: den Neusiedler See Radweg (B10) – eine echte Perle unter den Radwegen des Burgenlandes und besonders für Familien und Genussradler geeignet. Entlang des größten Steppensees Mitteleuropas führt diese Route durch malerische Weinberge, entlang idyllischer Ortschaften und bietet atemberaubende Ausblicke auf den Neusiedler See. Erleben Sie die einzigartige Kombination aus Natur und Kultur auf diesem traumhaften Radweg.

DIE SONNENLANDDRAISINE: SPASS FÜR DIE GANZE FAMILIE

Ein Besuch im Burgenland wäre nicht komplett ohne eine Fahrt mit der Sonnenlanddraisine. Dieses einzigartige Fahrzeug bietet eine unterhaltsame und unvergessliche Möglichkeit, die Umgebung zu erkunden. Treten Sie in die Pedale und genießen Sie eine entspannte Fahrt durch die malerische Landschaft des Mittelburgenlandes.

Der Frühling im Burgenland ist die ideale Zeit, um die Schönheit der Region auf zwei Rädern zu entdecken. Mit einem umfangreichen Netzwerk an Radwegen, den aufregenden Burgenland-Trails, dem neuen Bahntrassen-Radweg, dem B10 Neusiedler See Radweg und der unterhaltsamen Sonnenlanddraisine bietet das Burgenland alles, was Sie für einen unvergesslichen Radurlaub brauchen.

Packen Sie Ihre Fahrräder und machen Sie sich bereit für ein Abenteuer im Burgenland!

GESCHICHTE ERFAHREN AUF ZWEI RÄDERN

AM BAHNTRASSEN-RADWEG

Der Bahntrassenradweg ist eine spannende Möglichkeit, die Geschichte des Burgenlandes zu erleben. Entlang stillgelegter Bahnstrecken führt diese Route durch beeindruckende Landschaften und zu historischen Orten. Tauchen Sie ein in die Vergangenheit und entdecken Sie die faszinierende Geschichte des Burgenlandes auf Ihrem Fahrrad.

DIE BURGENLAND-TRAILS: ABGEFAHREN!

All jene, die den Neusiedler See Radweg kennen, mag es überraschen, dass im Radfahrer-Paradies Burgenland auch spannende Mountainbike-Touren möglich sind. Runter-, Rauf- oder einfach Abschalten am Geschriebenstein, mit über 884 Metern der höchste Berg des Burgenlands. Auf über 40 naturbelassenen Singletrail-Kilometern kommen am neuen Hot Spot der MTB-Szene wirklich alle Biker auf ihre Kosten – egal ob Mountainbiker, E-Mountainbiker, Enduro-Shredder, Downhiller, Familien oder Naturgenießer. Ein besonderes Highlight ist der neue Skills Park mit Actioncorner in Lockenhaus, ideal für Einsteiger und alle, die ihre Technik weiter verbessern möchten.

Mehr auf trails.burgenland.info

Mit der Burgenland-Card genießen Radbegeisterte zahlreiche Vorteile – viele Attraktionen rund ums Radfahren im Burgenland sind vergünstigt oder sogar kostenlos.

Mehr auf card.burgenland.info

TEXT

Florian Jauk

CLEAN DÖNER?

Kebab als Pumperfood in Bioqualität.

Yaprak-Spieß, Steakdöner oder doch mit Huhn? Das Dönergeschäft hat sich über die Jahre stark verändert. Neue Qualitätsfragen hinsichtlich Fleischzuschnitt, Herkunft und Verarbeitung verändern das Angebot. In Frankfurt am Main eröffnete 2024 ein Dönerimbiss mit einem bisher seltenen Konzept: Biozertifizierung – vom Fleisch über das Gemüse und die Saucen bis zu den Getränken. Der Weg dorthin war lang.

Hinter der Theke von »Biodöner by Monsterfit« steht ahin en. Der 34-Jährige hatte vor 15 Jahren die Idee, einen biozertifizierten Dönerladen zu eröffnen. Als Jugendfußballer bei Eintracht Frankfurt mit dem Spitznamen »Monster« war Ernährung für ihn zentrales Thema. 2011 mietete er erstmals ein Geschäftslokal: »Ich wollte einen gesunden Dönerladen eröffnen. Für mich kommen dafür nur biologi-

sches Fleisch und garantiert pestizidfreies Gemüse infrage.«

So einfach, wie er es sich vorgestellt hatte, war es aber nicht. »2011 ging erst eine lange Reise los«, sagt en. Die erste Frage lautete: Wie macht man überhaupt einen Biodöner? Der Kontakt mit der Biozertifizierungsstelle brachte ihn mit Richtlinien in Berührung, über die er zuvor kaum nachgedacht hatte. 2016 ließ der Unternehmer seine Marke »Biodöner by Monsterfit« patentieren. Es folgte ein Rechtsstreit mit einem Energy-Drink-Hersteller wegen möglicher Verwechslungsgefahr. 2019 war der Streit beigelegt, die Eröffnung schien greifbar, Corona kam dazwischen. Erst im März 2024 konnte das Lokal tatsächlich öffnen.

Heute beschäftigt der Betrieb fünf Mitarbeiter und trägt das goldene Biozertifikat auf Basis der deutschen Verordnung zur Bio-Au-

ßer-Haus-Verpflegung. Im Betrieb sind alle Zutaten biozertifiziert – vom Öl über die Gewürze bis hin zu Gemüse und den Getränken. Das DryAged-Rindfleisch stammt von einem Biobauern aus dem Schwarzwald. Verarbeitet wird die Oberschale einer etwa 18 Monate alten Kuh. »Das sind hochwertige, ausgewählte Stücke, die auch im Steakhouse verkauft werden könnten«, erklärt ahin en.

PUMPERFOOD MIT BIOGRAFIE

Sport, Fitness und Disziplin prägen ahin en seit seiner Kindheit. Bereits mit sechs Jahren begann er als Fußballer bei der Jugend von Eintracht Frankfurt, parallel trainierte er Kampfsport und später intensiv Fitness. Über Jahre habe sein Alltag aus Schule und mehreren Trainingseinheiten bestanden. Der Spitzname »Monster« sei in dieser Zeit entstanden – wegen seines Ehrgeizes und seiner Konsequenz.

Döner versteht er deshalb auch aus sportlicher Perspektive: als sättigende, eiweißreiche Mahlzeit. Ob ein Döner tatsächlich gesund sein könne, hänge für ihn von Herkunft, Qualität und Verarbeitung der Zutaten. en hat deswegen eine Rezeptur für ein Sauerteigbrot nach türkischer Art entwickelt, dessen Fermentationsprozess es bekömmlicher macht. Dazu kommen frisches Gemüse und ein hoher Proteinanteil durch das enthaltene Fleisch, vergleicht: Im konventionellen Döner würden häufig minderwertige Fleischqualitäten, Geschmacksverstärker und große Mengen Sauce eingesetzt, um Defizite zu kaschieren.

»Bewusste KonsumentInnen, die früher auf Döner verzichtet haben, kommen jetzt zu mir.«

ahin »Monster« en

GESCHMACK STATT KASCHIERUNG

Anders als in vielen konventionellen Dönerläden wird das Fleisch nicht als fertiger Spieß in das Geschäft von ahin en geliefert, sondern täglich frisch geschnitten, mariniert und auf den Spieß gesteckt. »Am Nachmittag schätzen wir ab, wie groß der zweite Spieß sein soll.«

Kein Spieß werde zwei Tage verwendet, gleichzeitig solle nichts weggeworfen werden –weshalb das Fleisch regelmäßig schon vor Ladenschluss ausverkauft sei.

Pro Döner werden rund 180 Gramm Fleisch mit dem Messer geschnitten. Bald soll vom elektrischen Grill auf Holzkohle umgestellt werden. Serviert wird das Fleisch in hellem Sauerteigbrot, gefüllt mit Tomaten, eingelegtem Rotkraut, Eisbergsalat und Zwiebeln. Von Sauce im Döner-Sandwich oder der Bowl rät en ab: »Das würde den Geschmack des Fleisches übertönen.« Stattdessen empfiehlt er, die Sauce separat zu bestellen und den Döner darin einzutauchen.

BIODÖNER DREHT DEN

SPIESS UM

Der Preis für einen Biodöner liegt bei 14,90 Euro. Die Diskussion um den fast 15 Euro teuren Döner will en auch im Vergleich zu anderen Alltagsgerichten eingeordnet haben:

Das Biofleisch für den Döner stammt aus dem Schwarzwald und wird täglich frisch gesteckt.

Für Pizza oder Burger würden ähnliche Beträge ausgegeben, ohne diese Ausgaben grundsätzlich zu hinterfragen. Für KonsumentInnen sei es eine Frage der Gewohnheit: Während sich bei anderen Speisen höhere Preise etabliert hätten, werde Döner häufig weiterhin mit Billigangeboten assoziiert – unabhängig von Zutatenqualität oder Herstellungsaufwand. Dass Menschen bereit seien, für Bio, Handwerk und transparente Herkunft mehr zu zahlen, zeige

Döner in Bioqualität ist eine Rarität, aber kein Novum. In Wien eröffnete beispielsweise bereits 2022 John Döner, musste aber im selben Jahr wieder schließen: BIORAMA.EU/JOHN-DOENER-WIEN/

sich jedoch zunehmend auch in seinem Lokal. Der Mehrpreis sei für viele nachvollziehbar, solange Qualität und Menge stimmen und Vertrauen da ist.

Der größte Kostenfaktor beim Biodöner ist das Fleisch. »Der Wareneinsatz ist drei- bis viermal so hoch wie bei einem konventionel-

len Dönerspieß«, erklärt en. Hinzu kommen Arbeitszeit, Vorbereitung und gekühlter Transport von der Betriebsstätte in den Laden. Der höhere Verkaufspreis kann die Mehrkosten erst bei hohen Verkaufszahlen decken.

Die haben aber auf sich warten lassen: »Die ersten drei Monate ist fast niemand gekommen, aber ich habe an die Idee geglaubt.« Mit wachsender Social-Media-Präsenz änderte sich das. InfluencerInnen besuchen den Laden, stellten Fragen wie: »Ist das der beste Döner Europas?« en beobachtet ein Umdenken: »Die Leute sind dankbar, dass sie einen Ort haben, dem sie in Sachen Qualität vertrauen. Die ›Geiz-ist-geil‹-Mentalität hört auf. Viele sagen mir, sie essen lieber einen Döner weniger, dafür einen besseren.« Wer konventionellen Döner wolle, bleibe dabei, meint en, aber: »Bewusste KonsumentInnen, die früher auf Döner verzichtet haben, kommen jetzt zu mir.«

BIO, SO WEIT DAS AUGE REICHT

Als Alternative zum Fleisch gibt es das Sandwich auch mit Bio-Hirtenkäse und zumindest Pommes und Süßkartoffelpommes mit Karotten und Chiasamen als vegane Snacks –in Bioqualität versteht sich. Langfristig möchte der Unternehmer expandieren – vielleicht nach Österreich und in die Schweiz. Konkrete Pläne gäbe es noch nicht. »Wir haben deutschlandweit seit einem Jahr über zehn Franchise-Anfragen bekommen. Bisher habe ich keine davon angenommen. Für mich ist das wirklich ein Herzensprojekt, nicht nur ein unternehmerisches Umsatzziel. Da suche ich mir meine Partner sorgfältig aus«, sagt en, der kürzlich von einem anderen Biodöner in Frankfurt Konkurrenz bekommen hat. Den 34-Jährigen freut das, denn es bedeute, dass die Idee Biodöner wächst: »Wenn ich es schaffe, Deutschland mit meinem Biodöner ein Stück gesünder zu machen, habe ich alle meine Ziele erreicht.«

Großer Andrang bei Biodöner by Monsterfit.

DAS FÜNFTE VIERTEL

Auch bei Hofschlachtungen fällt mehr als Steak und Schnitzel an. Was passiert mit Innereien, Häuten und Hörnern, wenn Landwirtschaft wieder in kleinem Maßstab selbst vermarktet?

Die alte Faustregel, dass die Haut eines geschlachteten Rinds die Kosten für den Fleischhauer deckt, gilt längst nicht mehr. Durchschnittlich zwanzig Euro bringt eine Haut heute. »Bei besonders großen Ochsen vielleicht einmal 25 Euro«, sagt Vinzenz Harbich. Bei 80 Rindern, die auf seinem Hof im Marchfeld jedes Jahr geschlachtet und direktvermarktet werden, sind die Einnahmen weit davon entfernt, den Lohn für den Angestellten hereinzubringen, der die Tiere im hofeigenen Schlachtraum zerlegt und später auch das Fleisch für den Hofladen vorbereitet. Die Häute werden gesammelt und nach Tschechien verkauft. Was weiter damit passiert, weiß der Biobauer nicht. Aber immerhin: Es gibt dafür Geld. Sie landen nicht im Abfall. Gerade bei kleinen Betrieben, die das Fleisch ihrer Tiere direkt vermarkten, ist das mangels Absatzmöglichkeiten oft der Fall. Paradox. Denn vielfach werden die Tiere dort mit besonderer Sorgfalt großgezogen, gepflegt, und der Familienbetrieb tut sich die

behördlichen Auflagen einer Hofschlachtung an, um den Tieren am Ende ihrer Bestimmung auch selbst Beistand leisten zu können. »Wenn ich schlachte, bin da nur ich«, sagt Harbich. »Die Tiere sind mit mir vertraut, kennen mich, ich vermeide Stress und unnötige Schmerzen.« Mit 80 Rindern und 100 Schweinen (bei denen keine Haut anfällt), die sie jedes Jahr schlachten, sind Vinzenz und Julia Harbich vergleichsweise große DirektvermarkterInnen. Auch wenn jede Haut nur wenig Geld bringt: Die möglichst restlose Verwertung ist für die beiden nicht nur ein Gebot des Respekts gegenüber dem getöteten Tier, sie ist auch wirtschaftlich sinnvoll. Das ist nicht überall so.

»Wir haben schon hin und wieder Fell gerben lassen«, sagt Manfred Forthofer, der im Waldviertel Wasserbüffel züchtet, selbst schlachtet und ihr Fleisch direkt vermarktet. Acht bis zwölf Büffel im Jahr. Ein Kunde bestelle hin und wieder Büffelhaut. »Der baut daraus Trommeln«, sagt Forthofer, »und auf Ritterfesten gibt es im-

TEXT Thomas Weber

»Das fünfte Viertel« Bezeichnet in der Fleischverarbeitung alle Teile eines geschlachteten Tiers, die nicht zum klassischen Muskelfleisch (den »vier Vierteln«) zählen: Unter anderem Blut, Innereien (Leber, Herz, Niere, Zunge), Fett, Knochen, Haut/Schwarte, Füße, Kopf, Schwanz und Därme.

Wertschöpfung im Hundenapf: Biobauer Vinzenz Harbich möchte möglichst nichts vom selbst geschlachteten Tier wegwerfen. Kopffleisch und Innereien verkauft er als Tierfutter.

Direktvermarkter, die im Text erwähnt werden:

Harbich Weidebeef

Hofladen in 2232 Aderklaa (Marchfeld), Niederösterreich weidebeef.at

Büffelhof Forthofer

Ab-Hof-Verkauf in 3691 Nöchling (Waldviertel), Niederösterreich, und Versand über nahgenuss.at bueffelhof.at

Biohof Siegel Verkaufsautomaten und Ferienwohnung in 87547 Missen-Wilhams (Allgäu), Bayern

biohof-siegel.de

mer wieder Leute, die das Leder in Köchern für Pfeil und Bogen verarbeiten«. Im Bogenbau werde manchmal auch Horn der Tiere kunstvoll eingearbeitet. »Das wird aber meistens aus Indien importiert. Die Tiere dort haben mächtigere Hörner und wahrscheinlich ist das auch billiger«, vermutet der Biobauer. Dafür gäbe es immer wieder Nachfrage nach Schädeln; zu Dekozwecken. »Schädel zu verkaufen ist aber heikel, weil da noch das Gehirn drin ist, deshalb landen sie leider bei den Schlachtabfällen.«

RUND 35 PROZENT

EINES RINDS SIND KEIN FLEISCH

Das Gerben einzelner Felle oder der Verkauf von Horn, die am Büffelhof von Manfred und Monika Forthofer unter Liebhaberei fallen und sich streng gerechnet nicht auszahlen, sind in größerem Maßstab ein Wirtschaftsfaktor. Höchstens 65 Prozent eines Rindes besteht aus Muskelfleisch. Innereien, Häute und Knochen – die traditionelle Metzge-

rei spricht vom »fünften Viertel«, das es zu verwerten gilt – sind Teil industrieller Verwertungslogik. Als sogenannte tierische Nebenprodukte (TNP) landen sie in hochspezialisierten Nebenproduktströmen. Erhebungen zur Ganztierverwertung – etwa des österreichischen Umweltbundesamts für den Zeitraum von 2004 bis 2006 – zeigen bereits damals, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit stark von der Vermarktung und effizienten Nutzung dieser Nebenprodukte abhängt. Der Preisdruck ist seit damals noch größer geworden. Für die Entsorgung von Schlachtabfällen durch die Tierkörperverwertung fallen außerdem Abgaben an.

»Früher wurde wirklich alles verwertet – vom Ochsenmaulsalat bis zum Dickdarm. Das ist nicht mehr wirtschaftlich. Die Schafdärme für unsere Bratwürste kommen aus dem Iran.«
— Vinzenz Harbich, Biobauer

Sonnberg, der im Mühlviertel angesiedelte größte Bioschlachthof Österreichs, kommt bei 34.000 geschlachteten Tieren auf jährliche Entsorgungskosten von 140.000 Euro. Das sind zwar nur etwas mehr als vier Euro pro Tier. Doch in der Fleischverarbeitung wird knapp kalkuliert, auch im Biosegment. Den Entsorgungskosten für Augen, Blut (»Nur ein Prozent wird zu Blutwurst.«), Därme, Köpfe, Knochen, Lammfelle und den Mageninhalt der Tiere steht ein Vielfaches an Einnahmen aus dem Verkauf von Häuten (zur Lederverarbeitung), Fett (zur Erzeugung von Industriefett) oder Hörnern (an Demeterbetriebe) gegenüber, wie Prokurist Stefan Huber erklärt. Insgesamt bringen diese Nebenprodukte jährlich hochgerechnet 1.400 Tonnen auf die Waage. Umsatzzahlen möchte Huber keine veröffentlicht wissen. Be-

BARFEN

Fütterung von Katzen und Hunden mit rohem Fleisch, Innereien, Knochen und pflanzlichen Bestandteilen; orientiert an der natürlichen Zusammensetzung der Beute ihrer wilden Vorfahren (Barf = »biologisch artgerechtes rohes Futter«). An diesem Fütterungstrend kritisiert wird v. a. die Gefahr durch Keimbelastung und Parasiten (Neosporose). Mehrtägige Tiefkühlung wird empfohlen, bietet aber keine Sicherheit.

sonders attraktiv sei aber der Verkauf von Tiernahrung, für den Rinderpansen, Schweineohren und Innereien gefragt sind.

Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) verweist auf die hohe ökonomische Bedeutung der Nebenprodukte und die Notwendigkeit, diese sicher und nachhaltig zu verwerten. EU-weit fallen jährlich 20 Millionen Tonnen davon an – die Zahl beinhaltet auch verendete Tiere. Zur Seuchenprävention ist ihre Entsorgung bzw. Weiterverarbeitung streng geregelt.

BEI HAUSTIEREN WIRD NICHT GESPART.

Bei Vinzenz Harbich, der immerhin an die zweihundert Tiere im Jahr schlachtet, nimmt die Tierkörperverwertung (TKV) beim kostenpflichtigen Abholen der Schlachtabfälle separat gesammelte Fette zumindest kostenlos mit. »Soviel ich weiß, landen sie in der Kosmetikindustrie«, sagt er. Der Büffelhof von Manfred Forthofer mit seinen paar Schlachtungen im Jahr ist in solche Verwertungsströme nicht eingebunden. Was er nicht verkaufen kann oder selbst an seine beiden Labradormischlinge und die Hofkatzen verfüttert (»da geht schon einiges weg«), landet in der TKV-Tonne. Jeweils 60 Euro zahlt er pro Tonne, in die Abfälle von zwei Tieren passen. Der Verkauf von Tierfutter spiele keine große Rolle, gewinne aber an Bedeutung, sagt der Bauer: »Man sieht ja, was die Leute für ihre Tiere ausgeben. Hundefutter ist sicher ein großes Geschäft, zwar nicht in unserem kleinen Maßstab. Aber es kommt sogar vor, dass Gulaschfleisch für Katzen gekauft wird. Bei Tieren wird nicht gespart. Manche kommen überhaupt wegen Hundefutter zu uns auf den Hof und kaufen dann auch für sich Fleisch«, sagt der Bauer.

Als kleiner Betrieb kann er ganz und gar auf Wünsche einzelner KundInnen eingehen. So sammle er etwa Blut in Eiswürfelformen für die naturnahe Fütterung von Hunden. Eine Kundin ist beim gezielten Suchen nach Büffelfleisch für ihren Hund auf den Betrieb von Manfred und Monika Forthofer gestoßen. »Ihr Australian Shepherd hat viele Allergien und ver-

Rennen für’s Zu-Fuß-Gehen

Ich bin über das Zu-Fuß-Gehen gestolpert, vor genau 20 Jahren. Es war ein Hundstrümmerl. Ein Hindernis auf meinen täglichen Wegen – stets zu Fuß, mit kleinen Kindern an der Hand. Es ärgerte mich, auf Gehsteigen diesen »Tretminen« ausweichen zu müssen. Also setzte ich eine Petition auf, und die Resonanz war enorm. Innerhalb von zwei, drei Jahren war das Problem in der Stadt weitgehend gelöst. »Geht doch!«, dachte ich, und widmete mich einige Jahre später auch beruflich den Anliegen des Fußverkehrs. Ich wusste, das ist kein Spaziergang. Eher ein Marathon. Mit der Zeit gesellten sich immer mehr KollegInnen dazu. In NGOs, in Städten und Gemeinden und sogar auf Bundesebene rennen heute Menschen für das Zu-FußGehen. Sie werben dafür, sie zeigen Probleme auf, sie verbessern Schritt für Schritt die Bedingungen für den Fußverkehr. Und dabei können alle mit machen: Zum Beispiel am 27. April 2026, beim österreichweiten »Tag des Zu-Fuß-Gehens«!

Mehr zum Tag des Zu-Fuß-Gehens auf wienzufuss.at

— Petra Jens, Beauftragte für Fußverkehr der Stadt Wien

trägt das Fleisch von Rind und Schwein nicht. Auf Wasserbüffel zeigt er keine Reaktionen, deshalb holt sie sich immer die großen Röhrenknochen, die sonst bei den Schlachtabfällen landen würden«, sagt Forthofer.

»INNEREIEN GEWOLFT« FÜR MENSCH UND TIER

»Tatsächlich ist Tierfutter relevant«, bestätigt auch Martin Siegel, der im bayerischen Oberallgäu extensiv Landschaftspflege betreibt und auf dem Biolandbetrieb neben Ziegen und Eseln 60 Rinder, hundert Hühner und ein paar

WOHER KOMMEN DIE ZUTATEN FÜR

HANDELSÜBLICHES

BIOFUTTER – DREI BEISPIELE:

Dog’s Love

Das Biosortiment von Dog’s Love umfasst Nassfutter und Trockensnacks. »Die Nassfuttersorten in Bioqualität werden in der Steiermark nach den strengen Richtlinien des österreichischen Lebensmittelgesetzes hergestellt«, sagt Sprecherin Anna Bogner, »in einem genossenschaftlich organisierten Lebensmittelbetrieb, der von den umliegenden Bauern mit regionalen Rohstoffen beliefert wird.« Das gesamte Sortiment von Dog’s Love, auch die nicht biozertifizierten Konserven, ist glutenfrei.

Naftie

Ob das Reinfleisch vom Huhn zum Selbermischen oder das fertige Hundemenü mit einem Wiesenrindfleischanteil von 35 Prozent, Kartoffeln, Spinat und Pastinaken: Das Bionassfutter von Naftie wird regional in Bayern abgefüllt. Ist von regionalen Höfen einmal keine Bioware verfügbar, wird anderswo in Deutschland zugekauft, sagt Sprecherin Brigitte Felzmann.

Herzenshund und Katzenliebe

Alle verarbeiteten Biozutaten stammen »überwiegend aus regionaler Produktion«, sagt die in München ansässige Gründerin von Herzenshund und Katzenliebe Alexandra Herrmann. Ausnahmen gibt es, z. B. Kokosflocken.

Schweine hält. Rinder, Schweine und Geflügel werden regelmäßig auf der Weide geschlachtet. »Wir haben 16 Jahre lang dafür gekämpft, dass wir das tun dürfen«, sagt Siegel. Er betont, zusätzliche Behördenwege und Bürokratie vermeiden zu wollen. Ware, die auch als Tierfutter verwendet werden kann, wird beim Verkauf deshalb nicht explizit als solche ausgelobt. »Da müssten zusätzlich Auflagen erfüllt werden«, sagt er. Entsprechende Verpackungen sind deshalb mit »Innereien gewolft« beschriftet; also als durch den Fleischwolf gedrehte Innereien, die auch für den menschlichen Verzehr gekauft werden können: »Ob sich dann jemand selbst saure Kutteln daraus macht oder das als Hundefutter verwendet, ist mir wurscht.«

DAS ENDE DER BRATWURST FÜHRT

IN DEN IRAN

Die Rückkehr der Hofschlachtung macht sichtbar, was im industriellen Maßstab weitgehend ausgelagert ist: dass ein Tier zu einem erheblichen Teil aus Körperteilen besteht, die bis vor wenigen Jahrzehnten in regionalen Kreisläufen völlig selbstverständlich verwertet wurden, für die es heute aber oft keine Verwendung mehr gibt. Kulinarische Nischenbewegungen wie die Renaissance der Innereienküche ändern daran wenig. Eine völlige Entkoppelung von globalen Zusammenhängen und Warenströmen ist nahezu unmöglich. »Früher wurde wirklich alles verwertet – vom Ochsenmaulsalat bis zum Dickdarm. Das ist heute nicht mehr wirtschaftlich und auch vom Arbeitsaufwand nicht machbar. Die Schafdärme für unsere Bratwürste kommen aus dem Iran«, sagt Biobauer Vinzenz Harbich. Als Direktvermarkter, der sich nicht wie große Schlachtbetriebe in eingespielte Nebenproduktströme einklinken kann – und das wohl auch ganz bewusst nicht vollständig möchte –, muss er möglichst für jedes Teil einen Abnehmer finden – oder für dessen Entsorgung bezahlen. Dass Tierfutter dabei zunehmend eine Rolle spielt »oder Hörner, die wir als Beschäftigungsmaterial zum Kauen für Hunde verkaufen«, wie Harbich erzählt, ist weniger Ausdruck eines Trends als eine pragmatische Antwort auf diese Realität. Nicht alles vom Tier landet wieder auf dem Teller. Aber es bleibt Teil der Wertschöpfung.

Bio-Kaffee mit Verantwortung von Österreichs größter Kaffeerösterei REGIO

Mit mehr als 20 Sorten Röstkaffee in unterschiedlichen Blends und Röststufen ist bei der SPAR-eigenen Kaffeerösterei REGIO fast jeder dritte Kaffee Bio- und FAIRTRADE-zertifiziert.

Lang vorbei sind die Zeiten, als Kaffee nur als Wachmacher oder Heißgetränk stand. Heute steht Kaffee für Genuss, Qualität und auch für Verantwortung. REGIO, ein Tochterunternehmen von SPAR, ist die größte Kaffeerösterei Österreichs. Das Unternehmen setzt nicht nur auf moderne Röst-, Mahl- und Verpackungstechniken, um frische Kaffeequalität in die Regale von SPAR, EUROSPAR, INTERSPAR und Maximarkt zu bringen. Immer wichtiger wird auch die Herkunft des Rohkaffees und in diesem Zusammenhang das Thema der Nachhaltigkeit.

ANTEIL AN BIO-KAFFEES STEIGT

Insgesamt liefert REGIO mehr als 20 Sorten Röstkaffee in unterschiedlichen Blends und Röststufen, wobei fast jeder dritte Kaffee, der die Rösterei verlässt, bereits Bio- und FAIRTRADE-zertifiziert ist. »Bio nimmt am Markt schon jetzt einen besonders hohen Stellenwert ein, und wir sind davon überzeugt, dass sich dieser Trend auch in den kommenden Jahren fortsetzen wird«,

so Iris Grieshofer, REGIO-Geschäftsführerin. Unter SPAR Natur*pur finden sich im Sortiment mittlerweile acht Bio-Kaffeespezialitäten – von ganzen Bohnen und gemahlenem Kaffee bis hin zu entkoffeinierten Varianten. Die Bio-Arabica-Bohnen stammen vorrangig aus Lateinamerika, die Robusta-Bohnen aus Afrika.

REGIO setzt auf moderne Röst-, Mahlund Verpackungstechniken. Besonders die Herkunft des Rohkaffees wird immer wichtiger.

SEIT 25 JAHREN FAIRTRADE-PARTNER

Der Großteil der Bio-Kaffees ist zudem FAIRTRADE-zertifiziert. Dadurch erhalten die Kooperativen und KaffeebäuerInnen eine zusätzliche Prämie. Ziel ist es, höhere Löhne und mehr Schutz zu gewährleisten. »Bei Ursprungsreisen überzeugen wir uns selbst vom Einsatz der Prämiengelder für die KaffeebäuerInnen«, erklärt Iris Grieshofer. SPAR ist seit 25 Jahren FAIRTRADE-Partner und setzt sich von Anfang an für wertvolle Lebensmittel ein. Der Topseller im Sortiment der REGIO Rösterei ist übrigens ein Bio- und FAIRTRADE-zertifizierter Kaffee: der SPAR Natur*pur BioCaffè Crema, eine Mischung aus feinen Bio-Arabica- und Robusta-Bohnen.

WENN BIO FLÜGEL VERLEIHT

Anregend wie eine Dose Red Bull, aber von Biokühen: Der »Hellwach«Drink fermentiert Permeat, das in der Milchverarbeitung anfällt.

TEXT

Milch verliert im Alltag an Bedeutung, aber nur in frischer, unverarbeiteter Form. »Der Absatz von Frischmilch ist rückläufig«, bestätigt Christina Müller auch für die Gläserne Molkerei, »gleichzeitig sehen wir deutliches Wachstum in allen weiterverarbeiteten Kategorien, also zum Beispiel bei Joghurt, Butter und innovativen Produktkonzepten«. Während die konventionelle Milchindustrie zuletzt vor allem mehr oder weniger hochverarbeitete Proteingetränke in die Kühlregale brachte, tut sich die Biobranche bislang schwer, das »Naturprodukt Milch« und darauf basierende Molkereiprodukte (»MoPro«) glaubwürdig als besonders innovativ anzupreisen.

DIE SPRINGENDE KUH

In Dänemark wird traditionell der »Tag der tanzenden Kuh« gefeiert – ein Ritual der Anteilnahme, wenn die Tiere nach einem langen Winter das erste Mal wieder auf die Weide dürfen.

Die »Hellwach«-Drinks der Gläsernen Molkerei erwecken die tanzende Biokuh zur Werbeträgerin. glaeserne-molkerei.de

MOPRO 2GO

Die Idee, Milch als natürlichen Energydrink zu vermarkten, ist keine neue. Trotzdem war die Branche hellwach, als die Gläserne Molkerei Anfang Winter ihr gleichnamiges Frischgetränk präsentierte: den ersten Bio-Mopro-Drink mit natürlichem Koffein für das stark wachsende To-go-Segment. Gleich zur Markteinführung gab es eine Auszeichnung für die norddeutsche Biomolkerei. Auf der internationalen »Grünen Woche« in Berlin, wo jedes Jahr im Januar Agrarinnovationen gefeiert werden, wurde das Getränk mit dem Agrarmarketingpreis »pro agro« des Landes Brandenburg bedacht. Der Biomolkerei, die Milch von 70 LandwirtInnen aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern vermarktet, gelinge damit eine Verbindung aus regionaler Wertschöpfung, innovativem Produktkonzept sowie moderner, zielgruppenorientierter Kommunikation, begründet die Jury ihr Urteil. Der am Standort in Dechow (Mecklenburg-Vorpommern) hergestellte Energydrink ist in drei Geschmacksrichtungen (Pfirsich-Maracuja, Blaubeer-Cassis-Minze sowie Mango-Himbeere) im Biofachhandel und über den Onlinehändler Knuspr erhältlich. Basis des Ge-

tränks ist allerdings Permeat, das bei der Milchverarbeitung anfällt. »Beim Aufkonzentrieren von Joghurt mithilfe von Magermilch entsteht sogenanntes UF-Permeat, im Grunde Milch ohne Fett und ohne Eiweiß«, erklärt Marketingleiterin Katrin Lauersdorf. Es wird mit Milchsäurebakterien fermentiert und mit natürlichem Koffein aus dem Extrakt von Biokaffee angereichert. Der Becher Hellwach enthält damit gleich viel Koffein wie eine Dose Red Bull. Laut Hersteller enthält ein 230-Milliliter-Becher Hellwach mindestens 75 Milligramm Koffein, eine 250-Milliliter-Dose Red Bull 80 Milligramm.

FERMENTATION STATT FOOD WASTE

Tatsächlich innovativ ist, dass Hellwach nicht Teil einer Kompensationsstrategie sei, wie Brand Managerin Christina Müller betont. Das Produkt sei nicht primär entwickelt worden, um Rückgänge beim Frischmilchverkauf zu kompensieren. »Hellwach ist im Kern als Nachhaltigkeitsstrategie entstanden«, sagt Müller. »Ziel ist es, ein bei der Joghurt- und Butterproduktion anfallendes Zwischenprodukt sinnvoll zu verwerten – ganz im Sinne von ›No Food Waste‹ und einer bestmöglichen Nutzung des wertvollen Rohstoffs Milch.« Für ihr ganzheitliches Engagement – unter anderem mit der Biodiversitäts- und Tierwohlinitiative »Die Weide lebt!« – wurde die Gläserne Molkerei im Dezember mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 bedacht.

EMMI GROUP ERMÖGLICHTE PROFESSIONELLE

PRODUKTENTWICKLUNG

Bevor die 2001 gegründete Biomolkerei 2023 Teil der Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares wurde, war die Gläserne Molkerei seit 2012 Teil der Schweizer Emmi Group gewesen. Dort habe man »insbesondere im Bereich Produktentwicklung von einer sehr professionellen Struktur, fundierten Marktanalysen und starkem fachlichen Support profitiert«, sagt Marketingleiterin Lauersdorf. Diese möchte man nun, unter dem Dach der Münchner Anlagegruppe, ausbauen. Dass die Molkerei mit Hellwach nun auf ein anregendes To-go-Produkt setzt, ist natürlich kein Zufall. Seit 2020 ist der Markt für funktionale Drinks, etwa bei Energy- und probiotischen Getränken, um 190 Prozent gewachsen. In diesem Segment möchte man nun die Marktlücke für fruchtige, funktionale Biodrinks schließen. Um mit dem regionalen Bioprodukt auch im Alltag der tendenziell jüngeren Zielgruppe – »Menschen, die unterwegs sind und eine ehrliche Bioalternative suchen« – anzukommen, wandert zumindest das Werbegeld ins Ausland: zu Meta, TikTok und Google.

Urlaub, der erdet

Manchmal ist es ein Ort, der uns wieder erdet. Weit weg von Terminen, Bildschirmen und ständiger Erreichbarkeit. Ein Ort, an dem das Leben dem Rhythmus der Natur folgt. Authentizität ist hier kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag. Nachhaltigkeit keine Mode, sondern bewusste Haltung.

Viele Biobäuerinnen und Biobauern haben ihre Höfe über Jahre weiterentwickelt, neue Wege eingeschlagen und mit Mut, Wissen und viel Liebe zur Sache ihr eigenes Standbein geschaffen. Es sind die Menschen am Hof, die diese Orte so besonders machen: Sie öffnen ihre Türen, geben Einblick in ihre Arbeit und teilen ihre Erfahrungen – einladend, nicht belehrend. Diese Haltung wird spürbar, wenn Gastgeber:innen erzählen, warum sie ihren Weg so gehen. Sabine Ablinger vom Bio.Erlebnis.Hof Bruckbacher bringt es auf den Punkt: »Die Vermittlung der Landwirtschaft und wie wertvoll Lebensmittel sind – das ist mir wichtig.« Genau dieses Bewusstsein nehmen viele Gäste mit nach Hause.

Lust auf eine Portion Erdung? Kommt vorbei und spürt, wie gut sich echtes Bio-Bauerndasein anfühlt.

urlaubambiobauernhof.info/de/hofgschichtn

DAS WANDERNDE KLASSENZIMMER

Mobile Landwirtschaftsschulen zeigen jungen UganderInnen den Weg aus der Subsistenzwirtschaft.

TEXT

Patrick Witte

BILD

Sascha Montag

Mit langen, dunklen Fingern streicht die 27-jährige Janepher Namukaya an einem frühen Morgen im Februar 2025 über die noch hellroten Beeren eines Kaffeestrauchs, und ihr Blick verliert sich im dichten Grün der Plantage. Seit zwei Jahren besitzt Namukaya kein einfaches Stück Land mehr, sondern richtige Äcker, insgesamt über einen Hektar, geordnet und planvoll bestellt. In regelmäßigen Abständen reiht sich Pflanze an Pflanze, hier in Kabira, einem Dorf im zentralen Flachland von Uganda.

Unter Namukayas Plastiksandalen raschelt Stroh. Sie hat es zur Abdeckung um den Stamm der Kaffeesträucher gelegt. So schützt Namukaya den Boden vor Austrocknung, vor der Sonne, die auch heute wie an allen anderen Tagen der Trockenzeit ohne Unterlass die Felder und Böden aufheizt. Dennoch wiegen sich tiefgrüne Kaffeepflanzen im Wind, wachsen und gedeihen Auberginen, Tomaten oder Spinat, in Mengen, in Größen, die sich Namukaya nicht vorstellen konnte – bevor sie zur Schule ging. Über gestohlene Auberginen oder Salat lächelt sie noch, über gestohlene Kaffeepflanzen nicht.

Dennoch bleibt unklar, ob in ihrer verärgerten Stimme nicht auch Stolz mitschwingt – über ihren Erfolg, über ihre Rettung. »Ohne die Mobile-Farm-Schule wäre ich in meinem Leben nicht vorangekommen«, sagt sie, »mir fehlte einfach das Wissen«.

Kabira, das kleine Heimatdorf von Namukaya, liegt keine 180 Kilometer westlich des riesigen Victoriasees. Dort versorgen Nilbarsch, Tilapia oder Silberfisch die BewohnerInnen. Hier im Flachland, im Bezirk Masaka, sollten dies die Böden leisten. Fast achtzig Prozent der BewohnerInnen Ugandas leben von Landwirtschaft, was meist bedeutet: Subsistenzwirtschaft mit Parzellen hinter einfachen Häusern aus Ziegel oder Lehm – eigentlich groß genug, um die Familie zu ernähren. Doch die Böden Masakas sind ausgelaugt. Und vor allem: Vielen fehlt das Wissen, wie Felder bestellt werden müssen, um gute Ernten einzufahren.

VERLORENES WISSEN

Zeitsprung. Über vierzig Jahre ist es her, dass AIDS begann, sich durch die Welt zu fressen, auch durch Uganda, auch durch Masaka. Ohne

Medikamente, ohne Therapie, waren die Infizierten dem Tod geweiht. Das Virus zerstörte Familien, ganze Dorfgemeinschaften. In Masaka erbten die Hinterbliebenen zwar meist ein Stück eigenes Land, waren aber zu alt, zu schwach oder noch zu jung, um von ihrem Erbe leben zu können. Aber vor allem zu ahnungslos.

Bis sich im Jahr 1998 die lokale NGO Kitovu Mobile gründete, die bis heute von der Kindernothilfe in Deutschland unterstützt wird. Seitdem ziehen mobile Schulen durch den Distrikt Masaka. Zwar haben Aufklärung und Medikamente die ehemals dreißig Prozent Infektionsrate auf elf Prozent sinken lassen. Dennoch ist der Distrikt immer noch eine der am stärksten von HIV betroffenen Regionen Ugandas.

Drei Jahre bleibt eine Schule in den Dörfern und unterrichtet Jugendliche und junge Erwachsene in Landwirtschaft – von nachhaltigen Anbaumethoden von Obst und Gemüse über ressourcenschonende Viehhaltung bis zur biologischen Herstellung von Dünger und Pflanzenschutz. Damit ausgedörrte Felder wieder genug abwerfen. Über 4500 junge UganderInnen aus der Region haben die Schule bereits absolviert. So wie im nächsten Jahr auch Janepher Namukaya.

Weit entfernt von der asphaltierten Hauptstraße, dort, wo sich Staubpisten erst in Wege, dann in rostrote Pfade zwischen Bananenstauden verwandelt haben, findet man ihr Grundstück. Eine Welt aus Holzkohleöfen, ohne Wasser- oder Stromanschluss. Doch immerhin: Das Haus hat sie selbst gebaut, aus Backstein und Wellblech statt aus Lehm und Stroh, ihre drei Kinder haben eigene Zimmer, im kleinen Holzgatter hinterm Heim grunzen zwei Schweine. Auf einer roten, ausgebreiteten Plane trocknen im Hof Maiskolben und Maniok, aus weißen Plastiksäcken strecken Spinat oder Kohl saftige Blätter in die Höhe, im Boden der akkurat abgesteckten Beete stecken kopfüber Plastikflaschen, gefüllt mit Wasser. Dahinter die Felder der Fa-

milie. Nahezu jeder Winkel ihres Hofes wird als Acker genutzt, Schmetterlinge taumeln durch die warme Luft.

Namukaya schreitet durch ihr Reich der Fülle. Zwischen ihren Feldern liegt auch ein Acker von Angehörigen ihres Ehemanns. Er wirkt wie ein Vorher-nachher-Bild: kniehohe Maispflanzen, kreuz und quer, halten schief und schwächlich ihren gelblichen Stängel über den Boden. Daneben Namukayas Werk: tiefgrün, kräftig und doppelt so groß sind ihre Maispflanzen, obwohl sie keine zehn Meter voneinander entfernt stehen.

»Früher grub auch ich nur Löcher in die Erde, legte Samen rein und goss die Pflanzen«, sagt sie und zeigt auf den kümmerlichen Ertrag des Nachbarfeldes. »Ohne Dünger, ohne Pflanzenschutz.« Sie kannte es nicht anders, das mittlere Kind ihrer Eltern, sieben Geschwister, Lieblingstochter ihres Vaters, der im letzten Jahr ihrer Grundschulzeit an Krebs verstarb. Danach ging es bergab, erinnert sich Namukaya. Während ihre FreundInnen weiter zum Unterricht gehen konnten, wurde aus dem Kind mit guten Noten eine Schulabbrecherin, die sich um

Landbesitz in Uganda

In Uganda herrschen zwei Eigentumsformen vor: freier Grundbesitz und Pachtland, wobei die Flächen zu über 70 % auf traditionellen, oft nicht registrierten Gewohnheitsrechten (Customary Land) beruhen, was zu häufigen Konflikten führt. Weniger als 10 % der Landparzellen sind im staatlichen Kataster registriert.

Janepher Namukaya inmitten ihrer Kaffeesträucher. In der Mobile Farm School hat sie gelernt, ihr Land ertragreich und nachhaltig zu bestellen.

der ein Lehrer von Kitovu Mobile die Erntezyklen von Zwiebeln oder Salat erklärt.

Die Namukayas der Gegend oder junge Männer wie Mike Kiweewa, der allein seine Felder bestellt und dazu seine Großmutter pflegt. Ihnen gemeinsam ist: Sie haben Elternteile verloren, länger als zwei Jahre keine Schule mehr besucht, aber einen Zugang zu einem eigenen Stück Land –so die Hauptkriterien der NGO, um an der mobilen Schule angenommen zu werden. Ausgewaschene Kleider reihen sich an Fußballtrikots, die Bücher balancieren wacklig auf den Knien statt auf Pulten. Die Blicke dafür fest auf den Lehrer.

Kaffeeproduktion in Uganda

Uganda ist Afrikas führender Robusta-Exporteur und zweitgrößter Kaffeeerzeuger des Kontinents. Kaffee ist ein Hauptpfeiler der Wirtschaft, der von rund 1,7 Millionen Kleinbauern hauptsächlich in Handarbeit auf 0,5–3 Hektar großen Parzellen angebaut wird.

Der Anbau konzentriert sich auf ca. 70 % Robusta (am Viktoriasee) und 30 % Arabica-Bohnen im Bergland. Die Exporte zwischen Dezember 2024 und November 2025 beliefen sich auf 8,7 Mio. Säcke à 60 kg für 2,4 Mrd. US-Dollar. Uganda liefert 8 % des in die EU importierten Kaffees, Bio spielt hier bislang keine nennenswerte Rolle.

die Geschwister und das Haus kümmerte, während die Mutter versuchte, Geld in der Stadt zu verdienen. »Ich hatte keine Ahnung von Landwirtschaft. Ich war noch ein Kind.« Sie heiratete früh, gerade einmal sechzehn war sie, zog in das Heim ihres Mannes und sah ihre Zukunft als Hausfrau bereits vor sich.

Dann hörte sie, wie der Vorsteher ihres Dorfes von Tür zu Tür zog, gezielt BewohnerInnen ansprach, die die Schule abgebrochen haben. Eine NGO, hieß es, wolle Unterricht in Landwirtschaft anbieten. Kostenlos. Für drei Jahre.

Heute nutzt Namukaya ihre Ernte nicht nur für sich, sondern verkauft an Nachbarn und auf dem Dorfmarkt. Zusammen mit dem Verdienst ihres Ehemannes Ronald spart die Familie sogar jede Woche 13.000 Schilling, umgerechnet über 3 Euro, und kann reinvestieren, besseres Saatgut kaufen, sogar neues Land. »Unsere SchülerInnen sind ungeduldig«, sagt Joseph Lubwama, »junge Leute, die schnell Erfolg sehen wollen.« Lubwama wartet vor dem Gebäude des katholischen Gemeindehauses von Njala auf das Ende des Unterrichts. Fünfzehn Minuten Fußweg von Namukayas Farm entfernt, wird hier normalerweise das Wort Gottes verkündet. An drei Tagen der Woche lernen dreißig SchülerInnen zwischen 15 und 24 Jahren ganz irdische Dinge. Vier Reihen weiße Plastikstühle, Frontalunterricht, Blick zur grau angelaufenen Wand, vor

Nach der Theorie übernimmt Lubwama. Der 51-Jährige ist studierter Landwirt, besitzt eine Farm und zeigt in der Schule, wie auf engem Raum möglichst hohe Erträge erzielt werden können, die Wasserversorgung sichergestellt oder Dünger hergestellt werden kann. Gearbeitet wird mit Hacken. Für Pflüge sind die Grundstücke der meisten zu klein, von Traktoren wagt man nicht einmal zu träumen. »Wir haben vor allem zwei Aspekte im Blick«, sagt Lubwama, »Unsere SchülerInnen sollen sich selbst ernähren können und Geld verdienen. Und das Land soll nachhaltig bestellt werden.« Nicht nur, um die Böden zu schützen. Sondern weil die Methoden und Materialien kostengünstiger und leicht zu beschaffen sind. Uganda erlebt eine rasante Zunahme des Pestizideinsatzes, oft mit hochgefährlichen Substanzen, die in der EU verboten sind. Dies gefährdet die Gesundheit von Kleinbäuerinnen und -bauern, die oft ohne Schutzkleidung arbeiten, und schädigt die Biodiversität. Pestizide und intensive Landwirtschaft fördern die Bodenerosion, während der Trend zu einer von den Prinzipien der Biolandwirtschaft geprägten Landwirtschaft – 2019 als nationale Strategie ausgegeben – dagegenwirkt. Von einem Erreichen der damals formulierten ambitionierten Ziele von 50 % bis 2025 ist noch nichts zu vernehmen, doch mit über 400.000 im Jahr 2025 konnte die Zahl der zertifizierten Biobetriebe vom Niveau von 2018 um 90 % gesteigert werden.

Lange bevor eine Zertifizierung angedacht werden kann, müssen landwirtschaftliche

Auch Mike Kiweewa hat an der Mobile Farm School nachhaltigen Anbau gelernt. Er pflegt zudem seine Großmutter.

Grundlagen vermittelt werden. »Fast alle SchülerInnen haben zu Beginn zwar etwas Ahnung davon, wie Land bestellt wird«, sagt Lubwama, »aber sie haben kein Wissen«. In drei Jahren formt die Schule AnfängerInnen zu Bäuerinnen und Bauern, die planvoll anbauen, Businesspläne erstellen, ihre Produkte mit Gewinn verkaufen und die Ressourcen nutzen, die verfügbar sind. Doch vor allem beginnt die Schule mit Erwartungsmanagement: »Wir sagen unseren SchülerInnen deutlich: Wir helfen euch. Aber ihr müsst euch auch selber unterstützen«, sagt Lubwama. Von einem Lebensstil, der überwiegend aus Bars und Bier bestehe, müssten sie Abstand nehmen. Es gehe um ein neues Mindset. Darum, dass langfristige Ergebnisse besser als schnelle Erfolge seien und selbstverständlich auch um Aufklärung über HIV. »Die SchülerInnen sollen eigenen Ehrgeiz entwickeln. Und zu TutorInnen in ihrer Nachbarschaft werden, ihr Wissen weitergeben.« Wer die Schule abschließe, könne sich und seine Familie selbst versorgen und der Armut entfliehen. Mindestens.

DAS WISSEN WANDERT WEITER

Wie SchülerInnen und AbsolventInnen ihre Fähigkeiten an ihre Community weitergeben, zeigt sich in der »Mobile Young Farmers Group«, einer Gruppe aus acht SchülerInnen des Abschlussjahres und eines Absolventen. Sie verwandelte den brachliegenden Hinterhof eines Kirchenmitglieds in eine Mischung aus Werkstatt, Versuchsfeld und Verkaufsgelände. Fast alle Unterrichtsinhalte – ob Pflanzenbau, Tiernahrung, Pestizide oder Düngemittel –kommen auf dem weitläufigen Gelände zur Anwendung. Und vor allem: in den Verkauf.

Auch Namukaya ist Teil der Gruppe und hat an diesem frühen Morgen bereits Brennholz gesammelt, nun rührt sie mit einem Stock über einer offenen Feuerstelle in einem großen, zerbeulten Blechbottich. Sobald das Wasser kocht, wird nach und nach ein kniehoher Berg aus grauer Asche in den Topf wechseln, dazu kommt Seife und nach dem Abkühlen steht so literweise Dünger zur Verfügung. Preiswert und natürlich. Auch Proteintierfutter aus selbst gezüchteten Fliegenlarven und Pflanzenschutzmittel werden hier hergestellt: Blätter der Jackfruit- und Papayabäume landen in Wasser, vermischen sich, bis die Bitterstoffe des Laubs eingezogen sind, dazu Chilischoten, und die Kaffee- wie Bananenpflanzen können mit der Flüssigkeit vor den

»Wir haben vor allem zwei Aspekte im Blick: Unsere SchülerInnen sollen sich selbst ernähren können und Geld verdienen.«
— Joseph Lubwama, Landwirt und Lehrer an der Mobile Farm School

meisten Schädlingen geschützt werden. Und das so erfolgreich, dass längst andere LandwirtInnen und BewohnerInnen aus Kabira zu der Gruppe fahren, um für den eigenen Gebrauch zu kaufen – und nebenbei etwas über die Methoden zu erfahren.

NEUE PERSPEKTIVE

So hat Namukaya die bloße Eigenversorgung längst hinter sich gelassen, ihr Blick umfasst auch Wirtschaften für den Verkauf. Auch sie sammelt Wasserflaschen, die sie mit Wasser befüllt, kopfüber in die Erde steckt und die ihren Inhalt vergleichsweise langsam abgeben, statt oberflächlich zu gießen und einen Teil somit gleich wieder durch Verdunstung zu verlieren. Damit erspart sie sich einen täglichen dreißigminütigen Fußmarsch zum nächsten Brunnen, ihren Dünger aus Schweinedung und Wasser vermengt sie in einer Wassertonne, ihre Pestizide bestehen aus aufgekochter Asche, Seife und Chili.

Namukaya bestellt ihre Felder allein, mitunter hilft ihr Ehemann, zur Ernte unterstützen sich die SchülerInnen gegenseitig. Eine Farm in der jetzigen Größe sei noch zu schaffen, mehr Land brauche Hilfskräfte. Und vor allem ein reguläres Bewässerungssystem. Bislang gleichen diese Überlegungen Träumen. Doch Namukaya ist sich sicher: »Mein Weg endet hier nicht, ich werde weiter hart arbeiten.« Denn auch wenn hin und wieder die DiebInnen ihres Dorfes ein paar Salatköpfe, selbst Kaffeesträucher von ihren Feldern verschwinden lassen, eine Sache wird ihr niemand stehlen können: ihr Wissen.

Nogamu

Seit 2001 existiert ein Bioverband in Uganda, das »National Organic Agricultural Movement of Uganda« nogamu.org

Landwirtschaftsbetrieb

Die durchschnittliche Größe eines landwirtschaftlichen Betriebs in Uganda liegt bei 1,51 Hektar (ca. 3,73 Acres). Diese Betriebe, von denen es landesweit über 4 Millionen gibt, sind überwiegend kleinbäuerlich strukturiert und dienen meist der Subsistenzwirtschaft.

NEU ODER NOCH GUT

Empfehlungen, Warnungen, warnende Empfehlungen. Von Neuentdeckungen und alten Perlen. Auf dass uns Weghören und -sehen vergeht.

LISA WETTERFEE / »LEBE DEINE LEIDENSCHAFT« / Ampuls Verlag, 2025.

Nachgelesen für alle, die Radfahren nicht nur als Sport, sondern als Lebensstil verstehen wollen.

Radfahren ist für die Autorin und Meteorologin Lisa Brunnbauer mehr als Fortbewegung. Es ist Ausgangspunkt für ein größeres Nachdenken über Gesundheit, Routinen und das eigene Maß und Ziel. In »Lebe deine Leidenschaft« ordnet sie diese Überlegungen entlang dreier Säulen: Bewegung, Schlaf und Ernährung. Das Fahrrad ist dabei weniger Selbstzweck als verbindendes Element.

Der Aufbau ist klar und didaktisch. Von Sitzposition, Bikefitting und Ausrüstung geht es weiter zu Trainingslehre, Leistungsdiagnostik und Regeneration. Begriffe wie »VO2max«, FTP oder Laktatmessung werden einfach verständlich erklärt. Später weitet sich der Blick auf Schlaf, Biorhythmus und Ernährung, vom Energiebedarf bis zur Sporternährung im Wettkampf. Auch Themen wie gesundes Abnehmen, Darmflora oder ketogene Ernährung finden Platz. Was das Buch auszeichnet, ist weniger Originalität als Haltung. Brunnbauer schreibt aus persönlicher Erfahrung, als Ausdauerathletin, Ernährungsexpertin und jemand, der Schichtarbeit, Wettkampf und Familienleben kennt. Das

verleiht dem Buch Bodenhaftung. Der Ton bleibt sachlich, stellenweise motivierend, nie missionarisch. Es geht nicht darum, schneller zu werden, sondern langfristig gesund zu bleiben.

Lebe deine Leidenschaft richtet sich an ambitionierte RadlerInnen, unabhängig davon, ob sie nur muskelbetrieben oder mit elektrischer Unterstützung fahren. Wer praktische Orientierung sucht, Zusammenhänge verstehen will und bereit ist, Gesundheit als Zusammenspiel mehrerer Faktoren zu denken, findet hier ein solides, übersichtlich strukturiertes Handbuch – keines für schnelle Antworten, aber eines für dauerhaftes Dranbleiben.

PETER H. BARTHEL, PASCHALIS DOUGALIS / »WAS FLIEGT DENN DA?« / Kosmos, 2026.

Vorgelesen für alle, die wissen wollen, was da fliegt, zwitschert oder brütet – ohne dauernd aufs Handy schauen und Empfang haben zu müssen.

Auch die besten Apps zur Naturbestimmung haben den wirklich guten Pflanzen-, Tier- und Pilz-Bestimmungsbüchern bislang nicht den Garaus gemacht. Was wohl auch da-

FLORIAN JAUK

THOMAS WEBER

ran liegt, dass die richtig guten Bestimmungsbücher – genau wie erfolgreiche Apps – laufend weiterentwickelt werden. Bei »Was fliegt denn da?« ist das seit mittlerweile 90 Jahren der Fall. 1936 erschien die erste Ausgabe, verfasst vom Vogelkundler Wilhelm Götz. 36 Auflagen gab es seither. 1,35 Millionen Bücher wurden verkauft. Seit 1997 verantwortet der Göttinger Ornithologe Peter H. Barthel alles Fachliche und den Text. Die Illustrationen stammen seit 2006 vom vogelbegeisterten Wahlmünchner Paschalis Dougalis. 1829 charaktervolle Farb-Illustrationen von 540 Vogelarten sind es inzwischen geworden. Wir finden Brutvögel, Durchzügler und Arten, die es nur selten nach Europa verschlägt. Dazu gibt es Verbreitungskarten, Informationen zu besonderen Kennzeichen, Lebensraum, Zugzeiten sowie für einige Referenzarten Eier-Farbtafeln. Zur Vorbereitung zu Hause oder um draußen im Feld sichergehen zu können, enthält die mitgelieferte App auch die Stimmen von 478 Vogelarten. Das Original halt.

REGISSEURINNENKOLLEKTIV / »STOFF« / STADTKINO FILMVERLEIH, AT, 2025.

Angesehen für alle, die sich für unterschiedliche Perspektiven auf ungleiche Handelsbeziehungen interessieren.

Die ersten 20 Minuten sind der Ungewissheit gewidmet, worum es in »Stoff – ein Spitzengeschäft« gehen könnte: Hat die Abnahme europäischer Spitze durch nigeriani -

schen Konsum maßgeblich den heutigen Wohlstand Vorarlbergs finanziert? Oder ist das eher exemplarisch zu verstehen und die Spitze steht für die Textilindustrie und die wiederum für ein System kolonialer und postkolonialer, aber eben doch nach wie vor imperialistischer Strukturen einer Ausbeutung des globalen Südens? Die Hauptprotagonistinnen des Filmes Grete Bösch und Alhaja Serik tragen ihre beiden Geschichten in einer (aufgrund eines langjährigen Einfuhrverbots in Nigeria teilweise illegalen) Handelsbeziehung zum Export von Spitze aus Europa nach Nigeria bei – der Film verzichtet auf begleitende Einordnung durch historische Fakten oder Zuwortkommenlassen von HistorikerInnen. Wobei die problematische Dimension wohl niemand ernsthaft in dieser Illegalität verortet, sondern mutmaßlich eher im unverhältnismäßig großen Profit einerseits und der mangelnden Wahrnehmung des ganzen Geschäfts in Österreich. Regisseurin Anette Baldauf tritt zwar selbst immer wieder in erklärenden Passagen im Film auf, aber vor allem, um sich gegen Vorwürfe eines kolonialen Blicks zu immunisieren. Dann doch lieber gar kein Kontext – das scheint die gewählte Antwort auf die herausfordernde Aufgabe zu sein, nicht zur Fortschreibung eines eurozentristischen Blicks auf die Weltgeschichte beizutragen.

MARGRIT DE COLLE / »NACHHALTIGE SCHNITTBLUMEN« / Haupt Verlag, 2025.

Vorgelesen für BioblumenproduzentInnen in spe – und alle, die ihre KundInnen sein wollen.

Symbole der Vergänglichkeit und doch typisches internationales Handelsobjekt: die Schnittblume. Dass das irgend-

wie absurd ist und kaum nachhaltig ablaufen kann, ahnen die meisten – dass man sich mit diesen Blumen auch Pestizide und Fungizide an den Wohnzimmertisch holt, wissen schon nur mehr wenige – und inwiefern regionaler Bezug aus Österreich oder Deutschland allein etwa weder ökologisch noch gesundheitlich deutlich weniger problematisch ist, solange nicht auf den Einsatz dieser Giftstoffe verzichtet wird, erklärt Margrit De Colle in »Nachhaltige Schnittblumen – Slowflowers – Vom Anbau bis zum Verkauf«. Und sie zeigt auch, wie es anders geht – einerseits durch ihr eigenes Unternehmen (Biobetrieb »Vom Hügel« in Erbersdorf, Steiermark), andererseits anhand klassischer Gartentipps – mit Fokus auf sowohl einjährige als auch mehrjährige Schnittblumen und ein wenig Grünzeug für Drumherum in Sträußen oder Gestecken.

Die Kapitel zum biologischen Anbau stützen sich auf die erprobten Methoden ihres Unternehmens mit 15 MitarbeiterInnen: natürliche Düngemittel, integriertes Schädlingsmanagement und Fruchtfolge, die biozertifizierte Blumen ermöglichen, aber auch im Hobbygarten zum Einsatz kommen können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Ernte und Nachbehandlung. De Colle beschreibt, warum die morgendliche Ernte, kühle Lagerung und der Einsatz natürlicher Konservierungsmittel die Frische verlängern. Anschließend folgen leicht nachvollziehbare Anleitungen zum Binden, Stecken, Dekorieren.

Ein eigener Abschnitt widmet sich Vermarktung und Vertrieb und enthält Erfahrung aus zwei Jahrzehnten Marktarbeit: faire Preisgestaltung, regionale Vertriebswege, Direktverkauf auf lokalen Märkten und die Bedeutung von Transparenz gegenüber KundInnen.

Durch die klare Sprache und den übersichtlich-knackigen Stil schafft das Buch Nachschlagefunktion wie auch Grundlagenvermittlung – zwischendurch im Ton recht philosophisch-affirmativ. Für alle, die Blumen nicht nur bewundern, sondern kultivieren und vermarkten oder auch mündig einkaufen wollen, bietet »Nachhaltige Schnittblumen« selten konkrete Hilfestellung und Inspiration.

UND SONST SO, IM BIORAMAUNIVERSUM ...

OUT SOON

Die siebzehnte BIORAMANiederösterreich-Regionalausgabe In unserer Frühjahr/Sommer-Ausgabe für die Region Niederösterreich beschäftigt uns vor allem Natur als schützenswerter Lebens-, aber auch Wirtschafts- und Erholungsraum –dank und für alte Wälder, neue Tiere und umgekehrt. Natürlich samt der Ideen zu ihrer Bewahrung und zur Wiederherstellung intakter natürlicher Regulierungsmechanismen, von Naturschutzgebieten als Labor für neue Praxis jenseits ihrer Grenzen – bis zur Natur in der Asphaltritze am Gehsteig. Bis dahin online zu lesen: biorama.eu/biorama-noe16

GET YOURS!

BIORAMA BIOKÜCHE 2026

Das sechste BIORAMA-Bookazine für alle ÖsterreicherInnen, die Wert auf biologische Küche legen, ist da! Wie immer dreht sich alles um (Bio-) Lebensmittel, ihre Produzentinnen, Verarbeitungsbetriebe bis zur Gastronomie und der Küche zu Hause. Schwerpunktmäßig haben wir uns dieses Jahr angeschaut, was am Ballaststofftrend dran ist – und wo sie drin sind – ob wir wirklich zu wenige davon bekommen –und die beruhigende Antwort bekommen: Zu erkennen, was gut für den Körper ist, ist gar nicht so kompliziert und außerdem dann auch noch gut für den Planeten!

Die BIOKÜCHE gibt’s auch einzeln im Aboshop zu bestellen unter

PROJEKT LAMASUS

Biorama übersetzt Forschungserkenntnisse für die Praxis.

Bis 2050 möchte die Europäische Union klimaneutral sein. Entscheidend für das Erreichen dieses Ziels sind auch die unterschiedlichen Formen der Landnutzung. Hier setzt das HorizonEurope-Forschungsprojekt Lamasus (Land Management and Sustainability) an, für das sich 17 Projektpartner aus neun europäischen Ländern zusammengetan haben. »Lamasus untersucht die Folgewirkungen von Politikmaßnahmen auf die Art und Weise, wie Land in Europa genutzt wird«, sagt Franz Sinabell, Agrarökonom am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo), und erklärt weiter: »Jene, denen das Land gehört, treffen die Entscheidungen. Ihr Verhalten wird aber von der Politik beeinflusst. In fünf Fallbeispielen in Österreich, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Norwegen wird dies genauer untersucht.« Biorama begleitet das Projekt und übersetzt die Ergebnisse der Länderstudien für die Projektwebsite in eine gut verständliche Sprache. So empfiehlt etwa das französische Fallbeispiel zum effizienteren Einsatz der Gelder für das Anlegen von Heckenstreifen zur Biodiversitätsförderung, diese in Zukunft nur noch an Biobetriebe zu vergeben. Projektpartner sind neben dem Wifo das International Institute for Applied Systems Analysis, die Universität für Bodenkultur in Wien, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, das Thünen-Institut in Braunschweig sowie die niederländische Universität Wageningen.

biorama.eu/abo/biokueche

TEXT Ursel Nendzig

MAN-GOLD

Aufgepasst, ihr Teenager: Es ist nicht alles Gold, was grün ist.

MAutorin Ursel Nendzig, Mutter zweier Söhne, berichtet live aus der Achterbahn.

ein Bruder ist ein medizinisches Wunder, ein physiologischer Sonderfall, die ernährungswissenschaftliche Ausnahme, die die Regel bestätigt. Er hat nämlich über seine gesamte Kindheit und Jugend hinweg alles an Nahrung verweigert, was als gesund gilt, allen voran Obst und Gemüse – und hat dennoch als Einziger von uns Geschwistern keine Allergien, ist nie krank und topfit. Darüber hinaus hatte er folgende Produkte ersatzlos von seinem Ernährungsplan gestrichen: Essig, Kräuter, Käse. Senf: Berührte diesen ein Würstchen mit einem Ende, erklärte er dieses für »kontaminiert«, und es konnte von ihm nicht mehr verspeist werden. Er ernährte sich tatsächlich zu 50 % von Brot mit Haselnusscreme und zu 50 % von Fleisch. Es gab allerdings eine Ausnahme, und das war Spinat. Ausgerechnet das ungeliebteste Blattgemüse mochte mein Bruder. Typisch er. Nun kam es zu folgendem Vorfall, der bis heute in der Familie bei jeder Gelegenheit erzählt wird: Unsere Mutter servierte Mangold, sagte meinem Bruder aber, es sei Spinat. Er aß es, es schmeckte ihm. Und die Mutter (großer Fehler!) gestand ihm anschließend, dass er gerade Mangold gegessen hatte. Mein Bruder reagierte so, wie es in seiner ernährungstechnisch sonderlichen Welt nur logisch war: Er verweigerte fortan beides, Spinat und Mangold. Aus Ärger darüber, dass ihm Zweiteres untergejubelt worden war und, schlimmer noch, ihm sogar geschmeckt hatte.

Mit dieser Geschichte im Hinterkopf haderte ich lange mit mir, ob ich den Söhnen verraten soll,

dass sie ein veganes Fleischersatzprodukt essen – oder sie lieber im Glauben lassen sollte, es sei »richtiges« Fleisch. Also mache ich, was die vernünftige Mutter in so einem Fall tut: schwindeln. Ich lüge nicht, nicht direkt. Aber ich verklausuliere die Wahrheit, ich sage so etwas wie »Spezial-Laberl«, wenn es Burgerpatties aus Erbsenprotein sind. Oder ich sage »Vleisch«, aber so, dass sie es nicht unbedingt raushören. Auf die Frage, ob im Curry »richtiges« Hühnchen sei, antworte ich so etwas wie »Na, was denkst du?«, und meist wird es kommentarlos verputzt.

»Ich sage ›Vleisch‹, aber so, dass sie es nicht unbedingt raushören.«

Mal sehen, wie lang ich damit durchkomme, denn die Fleischeslust von Teenagern ist kein Märchen, sondern absolut real. Wie hungrige Raubtiere stehen sie sabbernd vor dem geöffneten Kühlschrank, suchen mit fieberndem Blick nach totem Tier. Es ist erschreckend. Sie phantasieren von Steaks, finden, dass Speck das beste Gewürz sei, und laden sich am liebsten bei jenen Freunden ein, wo es verlässlich Schnitzel gibt. Ich fürchte, das ist nicht nur die Reaktion darauf, dass wir Eltern versuchen, kaum noch Fleisch zu essen. Es scheint irgendwie instinktiver zu sein.

Wenn das jemand verstehen kann, dann wohl ihr Onkel, der aus Erfahrung einen Sicherheitsabstand zum grünen Blattgemüse wahrt, weil es eben kein Männergold ist, auch wenn es tausendmal so heißt.

24./25./26. IN ST. PÖLTEN April

stimmen wildnis der

EIN FESTIVAL FÜR MENSCH UND NATUR

VORTRÄGE WORKSHOPS MUSIK NACHHALTIGKEIT

David Monacchi (IT), Klangkünstler Mogli (DE), Singer-Songwriterin Birdgirl (UK), Aktivistin Angela Stöger (AT), Biologin u.v.m.

GLANZSTOFF SONNENPARK MUSEUM NÖ

In Kooperation mit

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