BIORAMA #61

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ausgabe 61 — Juni /Juli 2019. www.biorama.eu

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Survive style

Anti-Pollution-Accessoires, die uns im Alltag vor unserer Umwelt schützen. Gefühlte Nähe: Wann ist ein Produkt regional? Bedrohte Ferne: Wenn ein Naturparadies baden geht. Professionelle Authentizität: Eine Influencerin erklärt, wie man Einfluss ausübt.

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RADLIKAL ANDERS.

DER NATÜRLICHSTE RADLER AM MARKT: MIT BIO-ZITRONENVERBENE UND WENIG ÖSTERREICHISCHEM RÜBENZUCKER VERFEINERT. FERME NTIERT MIT NATÜRLICHER MILCHSÄURE . TRUMER . AT


Bio r a m a 61

E d i t o r i al , Im p r essu m

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Die Luftverschmutzung der Welt: Echtzeit-Luftqualitätsindex, via waqi.info/de

STILFRAGE

B

iorama ist ja kein klassisches Lifestylemagazin, sondern ein Magazin für nachhaltigen Lebensstil. Man könnte sagen: Weil der nicht so nachhaltige Lebensstil massiv auf den Lifestyle drücken könnte.

Zum Beispiel weil einem die Luft zum Atmen fehlt. Also Luft, die man atmen kann, ohne sich sorgen zu müssen, dabei seine Gesundheit gravierend zu schädigen. Sieben Millionen Menschen sterben laut who weltweit jährlich an – schlechter Luft. Wie man der Karte oben entnehmen kann, betrifft das derzeit am stärksten jene Weltregionen, die auch in anderer Hinsicht am stärksten von globaler und lokaler Umweltverschmutzung und vom Klimawandel betroffen sind. Einmal-Atemschutzmasken gehören in vielen Städten Asiens schon lange zum Stadtbild. Jüngst taucht ein neuer Typ Maske auch in anderen Weltgegenden vermehrt auf: Die wiederverwendbare, nach modischen Gesichtspunkten gestaltete Atemschutzmaske als Alltags-Accessoire. Reuse ist schließlich ökologisch und Anti-Pollution-Produkte sind auch in anderen Bereichen längst ein Trend. Und wenn man die Umwelt nicht schützen kann, schützt man sich selbst. Zumindest wer kann. Sehr weit werden wir so aber nicht kommen. Wenn der Lebensstil zur Überlebensfrage wird, dann wollen wir eigentlich ein Überlebensstilmagazin sein. Wir wünschen gute Lektüre!

Bilder  Michael Mickl

Irina Zelewitz, Chefredakteurin zelewitz@biorama.eu

Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu @th_weber

impressum HERAUSGEBER Thomas Weber CHEF­R EDAKTEURIN Irina Zelewitz AUTORINNEN Alina Birkel, Sebastian Fasthuber, Dirk Engelhardt, Ursel Nendzig, Jürgen Schmücking, Thomas Stollenwerk, Gabriel Roland, Susanne Salzgeber, Sven Strasser, Yasmin Vihaus GESTALTUNG Michael Mickl, Lisa Weishäupl Lektorat Mattias Feldner COVER­­BILD Michèle Pauty ANZEIGEN­VERKAUF Herwig Bauer, Micky Klemsch (Leitung), Bernadette Schmatzer, Thomas Weber DRUCK Walstead NP Druck GmbH, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten PRODUKTION & MEDIEN­INHABERIN Biorama GmbH, Wohllebengasse 16 / 6, 1040 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl KONTAKT Biorama GmbH, Wohllebengasse 16 / 6, 1040 Wien; www.biorama. eu, redaktion@biorama.eu BANK­VERBINDUNG Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT siehe Website: www.biorama.eu ERSCHEINUNGS­WEISE 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGS­ORT Wien. BLATTLINIE Biorama ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für den Menschen und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Biorama erscheint sechs Mal im Jahr.


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Bi l d der Au sga be

Lit ho grafie: M ax Pein tn er, »Die u ngebrochen e An ziehu ng skraft der Natur«, Bleistif tzeichn ung 1970/71, handkoloriert von Klaus Littmann 2018, Unikat in Serie.

Bild  »Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur«, MaSSstab 1:333/3, Rendering: Johann Puch.

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Initialstadion Bäume als Attraktion wie Tiere im Zoo – was als Natur einst natürlich allgegenwärtig war, ist heute zum Teil nur noch in ihr speziell zugewiesenen Räumen zu betrachten. Schon vor Jahrzehnten hat Max Peintner, österreichischer Künstler und Architekt, seine dystopische – und utopische – Idee von Bäumen als ZuschauerInnenattraktion in einem Stadion als Bleistiftzeichnung festgehalten. Während sich das Original seit Langem in Privatbesitz in den USA befindet, hat Kulturunternehmer Klaus Littmann nun eine Neubearbeitung der Litho-

grafie Peintners erstellt. Händisch koloriert können Exemplare über Baumpatenschaften à 5000 Euro erworben werden. Diese wiederum tragen zur Finanzierung einer temporären Verwirklichung von Peintners Vision bei: Im Herbst 2019 wird das Klagenfurter Fußballstadion zum Waldstadion. Es werden rund 300 verschulte Bäume zu einem Mischwald aufgestellt. »Es wird so rüberkommen, als wäre ein Stadion um einen Wald gebaut«, freut sich Littmann auf die Umsetzung als »temporäre Kunst­ intervention« unter dem Titel »For Forest«.


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Auch wenn der 2006/2007 durchgeführte Neubau des Klagenfurter Wörtherseestadions von seiner Dimensionierung bis zu seiner Finanzierung bis heute alles andere als unumstritten ist, als Kritik an der Nutzung öffentlichen Raums für ein Fußballstadion mit Kapazität für immerhin 30.000 ZuschauerInnen will er »For Forest« nicht verstanden wissen: »Ich habe lange nach einem Umsetzungsort gesucht und habe vom Bauzeitpunkt und davon, dass hier kein riesiger international erfolgreicher Club zu Hause ist, profitiert.« Nach einer Spielzeit

von zwei Monaten wird der Wald in der Nähe des Stadions als echter Wald, als »lebendige Waldskulptur«, ausgepflanzt. Wozu man Bäume in ein Fußballstation stellt? Littmann erläutert: »In diesem modernen Stadion aus Glas, Stahl und Beton – und Rasenheizung – wird der Kontrast zwischen ›künstlich‹ und ›natürlich‹ deutlich. Mein Ziel ist es, dass sich dieses Bild in den Köpfen der BesucherInnen festsetzt, sie sich hinsetzen und hinterfragen, wie wir mit der Natur umgehen.« Irina Zelewitz

Die Kunstintervention »For Forest – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur« ist von 9. September bis 27. Oktober in Klagenfurt zu sehen. forforest.net


Au f tak t

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Inhalt 03 Editorial 12 Global Village 14 Mein Stadt: Wels

Schwerpunkt: Regionalität 16 Bauchgefühlte Größe Wo endet eine Region? Besonders bei Lebensmitteln. 24

21 So weit das Auge reicht Das Regionalfenster funktioniert ähnlich wie ein Gütesiegel, ist aber keines. 24 Das Regionale im Produkt Mit den Beispielen Kohlrabi, Lammwurst und Tomate. 31

Vegetarier der Kaiserzeit Die Kolonie »Eden« in Oranienburg existiert bis heute.

34 Amazonien Heilende Biodiversität im peruanischen Regenwald.

Was heisst Regional?

Unser Umgang mit Regionalität ist eine Geschichte voller Missverständnisse, gut gemeinter Fehleinschätzungen und gezielt verbreiteter Falschinformation. Wer sich beim Einkauf nicht ausschließlich vom Preis leiten lässt, achtet auf die Herkunft der gekauften Ware. Ein Kommentar – und drei Beispiele.

50 Anti-Pollution-Fashion Vogmask-Geschäftsführerin Wendover Brown im Interview. 55 Fashion-Statement Atemschutz 56 Refashion Mode aus Feldkirchs »Grünzone« 61 Backpacking in Afrika Henrike Brandstötter empfiehlt RucksacktouristInnen neue Pfade. 63 Under the Influence So nutzen InfluencerInnen ihre Social-Media-Kanäle. 66 LeserInnenbefragung Wir möchten biorama mit euch besser machen. Und es gibt dabei einiges zu gewinnen!

Marktplatz 73 Marktplatz Food: Matcha

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76 Marktplatz Kosmetik: Rose Mehr entdecken unter: W W W . L A N I U S .CO M

Kolumnen 80 Strassergut kocht gut 82 Elternalltag

Bilder Istock.co m / u. j. A lexande r, Sus anne salzge ber , mi chÈle pauty, jürg en sch mück ing

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45 Yucatan Tourismus gefährdet die »Laguna de Bacalar«.


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50 Anti-Pollution-Fashion Die Mode ist einer der Industriezweige, die maßgeblich zur Umweltverschmutzung beitragen. Gleichzeitig werden Atemschutzmasken zum Alltagsaccessoire und beginnen auch, dementsprechend auszusehen.

34 Artenvielfalt am Amazonas

Mit einem Naturführer unterwegs durch den peruanischen Regenwald.

73 Tee in grün Gemahlen und geschlagen: Matcha-Marktplatz.


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Le se r i nnen m e in u n g

Wir müssen reden …

LeserInnen an und über uns Mails, Tweets und hoffentlich Liebesbriefe an die Redaktion – und unsere Antworten.

Betrifft:

»Texas Longhorn: Gutmütig, wehrhaft und wohlschmeckend« biorama.eu

»Ich habe mich gerade wieder durch das biorama gelesen. Bis auf einen früheren Katzenartikel wie immer begeistert. Als ›alte Schachtel‹ darf ich trotzdem eine kleine Kritik loswerden, betreffend die Überschrift zu den Texas-Langhornrindern: ›Gutmütig und wehrhaft‹ sind positive Eigenschaften. ›Wohlschmeckend‹ ist für einen Vegetarier eine sehr unangenehme Bezeichnung, die zur Beschreibung davor im gleichen Satz nicht passend ist. Zumindest habe ich es so empfunden. Nichts für ungut.« biorama.eu/texas-longhorn-poegstall – Inge Welzig aus Innsbruck, per Mail

Betrifft:

»Grüner Strom ist nichtgleich grüner Strom« in biorama 60 (April/Mai 2019) »Liebe Leute, der Artikel von Thomas Stollenwerk ist marktwirtschaftlicher und ökologischer Unsinn. Der von Herrn Rehulka gebrachte Vergleich mit dem Biohuhn ist eine Zumutung für den Leser. Jeder Ökostromkunde gewährleistet mit seinem Kauf die Herstellung einer entsprechenden Menge Ökostrom! Dass die Industrie billigeren Strom ohne Herkunftsnachweis bevorzugt (Atomstrom, Kohlestrom), ist bedauerlich, aber Tatsache. Selbstverständlich darf sich ein industrieller Abnehmer von Ökostrom ohne Herkunftsnachweis nicht damit rühmen, Strom aus einer Windkraftanlage zu beziehen. Das und nur das würde das System ad absurdum führen. Den Wettbewerbsnachteil für den reinen Ökostromhersteller kann ich nicht erkennen, denn ob Ware und Herkunft zusammen oder getrennt verkauft werden, macht für die Kalkulation eines Herstellers keinen Unterschied! (Falls doch, dann bitte ich um Aufklärung.) Strom bleibt Strom, hat kein Mascherl, kWh ist kWh, egal welcher Herkunft. Damit unterscheidet sich Strom maßgeblich von einem Huhn!« – Christoph Wychera, an einer seriösen Diskussion interessierter Ökostromkunde und Aktionär von Ökostrom AG und Windkraft Simonsfeld«, per Mail

Wir möchten Sie als unsere Leserin keinesfalls vor den Kopf stoßen. Da die Tiere für den Verzehr gezüchtet werden, ist der Geschmack des Fleischs eine relevante Kategorie. Wir hoffen, mit unserer Berichterstattung insgesamt die laufende Verbesserung der Bedingungen der Nutztierhaltung im Sinne des Tierwohls als auch die ökologische Notwendigkeit der drastischen Reduktion des Fleischkonsums zu transportieren!

Vielen Dank für Ihr Feedback zum Interview! Wir weisen darauf hin, dass Aussagen, die in Interviews getroffen werden, nicht notwendigerweise die Haltung von biorama widerspiegeln. Dass sich die industriellen BezieherInnen von Ökostrom ohne Herkunftsnachweis rühmen, Ökostrom zu nutzen, kommt unserer Ansicht nach im Interview nicht zum Ausdruck.

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#persönlich #lebendig #vielfältig #einkaufen #tratschen #regional #meinMarkt

Alle Infos zum Einkaufs- und Genusserlebnis gibt’s auf der „Wiener Märkte“-App und auf der Facebook-Seite. www.marktapp.wien.at 

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Mein Markt, mein Grätzl


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GASSENGESPRÄCH

street talk Wir fragen, 5 naheliegende Antworten.

» Was macht ein Produkt zu einem regionalen Produkt?«

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Seliha

25, Studentin Unter Regionalität stelle ich mir – aus österreichischer Perspektive gedacht – schon vor, dass die Produkte aus Österreich kommen. Ich selber schaue beim Einkaufen aber gar nicht, woher ein Produkt kommt, ich kauf es einfach. Generell vermute ich, dass die regionalen Produkte eher teurer sind als die anderen. Ich schau auf den Preis – was ich eigentlich nicht machen sollte.

Gerald

25, Student Unter einem regionalen Produkt verstehe ich eine Herkunft aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern. Ich achte selber aber nicht so drauf – ich würde gerne mehr, aber budgetär geht sich das aktuell leider nicht aus.

in terview und Bilder  al ina birke l

Tanja

28, Musikpädagogin und Studentin Regional würde ich für mich so definieren, dass etwas aus Österreich kommt. Deutschland wär für mich auch noch okay, also von der Entfernung her, wenn man die Transportwege bedenkt. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich liebe Weintrauben und ich kaufe auch Weintrauben aus Südafrika, weil die halt so süß sind – oder aus Lateinamerika. Aber natürlich, wenn’s etwas gibt, das ich aus Deutschland oder Österreich haben kann, nehm ich das, bevor ich’s aus Portugal kaufe. Bei Nachhaltigkeit fließt für mich auch immer mit ein, wie die Leute bezahlt werden, wie die Arbeitsbedingungen sind.

Christian

Patrick

57, Schauspieler Ich wohne mit meiner Familie außerhalb der Stadt und wir kaufen unsere Lebensmittel normalerweise bei Bauern und Bäuerinnen in der Gegend. Dass unsere Lebensmittel aus der Region kommen, ist uns sehr wichtig.

22, Student Für mich geht es hauptsächlich um die Transportwege – ich versuche, den Einkauf von Produkten zu vermeiden, die zum Beispiel aus Brasilien mit Containerschiffen zu uns kommen, weil da der ökologische Fußabdruck zu groß ist. Man tut zwar für sich selber vielleicht etwas Gutes, weil man etwas Gesundes isst – aber für den Planeten ist es halt ein bissl scheiße, sagen wir es mal so.


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global village

© Otto Hahn, hahn-film.de

Blüten für die Bienen!

Wildbienen brauchen unsere Hilfe – jetzt Fördermitglied werden: l.duh.de/foerdern Ja, ich interessiere mich für die Arbeit der Deutschen Umwelthilfe. Bitte informieren Sie mich kostenlos:

per E-Mail: mit dem regelmäßigen Newsletter. Diese Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft unter info@duh.de widerrufen. per Post: mit dem vierteljährlichen Umweltmagazin DUHwelt sowie aktuellen Sonderthemen. Vor- und Zuname

geb. am

PLZ, Wohnort

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Straße E-Mail

Telefon für Rückfragen

Datum, Unterschrift

Datenschutz ist uns wichtig: Die Deutsche Umwelthilfe e.V. verarbeitet Ihre in dem Bestellformular angegebenen Daten gem. Art. 6 (1) a) und b) DSGVO für die Zusendung der gewünschten Informationen. Die Nutzung Ihrer Adressdaten und ggf. Ihrer Interessen für postalische, werbliche Zwecke erfolgt gem. Art. 6 (1) f) DSGVO. Einer zukünftigen, werblichen Nutzung Ihrer Daten können Sie jederzeit widersprechen. Weitere Infos zum Datenschutz: www.duh.de/datenschutz

Deutsche Umwelthilfe e.V. | Tel. 07732 9995-0 | info@duh.de Fritz-Reichle-Ring 4 | 78315 Radolfzell | www.duh.de umwelthilfe

umwelthilfe

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Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft Köln IBAN: DE45 3702 0500 0008 1900 02 | BIC: BFSWDE33XXX

Stockholm – Oslo – Wien – Frohnleiten

Elefantengras statt Kohle Elefantengras wird zu Pellets gepresst und gibt bei der Verbrennung weniger CO2 ab, als es beim Wachsen aufnimmt. Das Start-up NextFuel hat ein Brennmaterial gefunden, das Kohle in den Schatten stellt: Elefantengras. In Form von Pellets kann es in den bereits vorhandenen Kraftwerken verbrannt werden – so muss dafür keine neue Infrastruktur gebaut werden. Im Gegensatz zu Kohle ist Elefantengras erneuerbar. Es wächst bis zu vier Meter in hundert Tagen und kann so mehrmals im Jahr geerntet werden. Elefantengras wächst auch an Orten, die für eine andere landwirtschaftliche Nutzung nicht geeignet sind – zum Beispiel in den trockenen Gebieten Afrikas oder Südamerikas. Es hat einen weiteren enormen Vorteil: Elefantengras nimmt beim Wachsen mehr CO2 auf, als es bei der Verbrennung der Pellets wieder freisetzt – es hat somit eine negative CO2-Bilanz. Damit wirken die Elefantengraspellets der Klimaerwärmung entgegen. Das Start-up NextFuel kommt aus Stockholm und hat Sitze in Oslo und Wien. Die Testanlage, in der die ersten Elefantengraspellets hergestellt werden, befindet sich in Frohnleiten in der Steiermark. Alina Birkel


DIE TIROLER NACHHALTIGKEITSMESSE Kalifornien

»The Biggest Little Farm«

Bilder  Fli ckr. com/Sa nsju, Thimfi lm

Ein Wildlife-Filmemacher und eine Foodbloggerin verwandeln ödes Wasteland in einen fruchtbaren Bauernhof. Ab Juli im Kino. Am Anfang stehen die apokalyptischen Buschfeuer, die Kalifornien 2018 heimgesucht haben. Die nahenden Rauchwolken spannen den Bogen für die folgenden 90 Minuten, in denen uns John und Molly Chester an ihrem abenteuerlichen Selbstversuch teilhaben lassen. 2010 kauften sie nördlich von L.A. 81 Hektar aufgegebenes Land. Der Boden: ausgelaugt wie die beiden selbst. Wieder fruchtbar gemacht soll es dem Paar eine Existenz ermöglichen. Den Weg dorthin dokumentiert John mit Kameras, Drohnen und Wildkameras. Bald zeigt sich: Ohne Gift lassen sich Probleme nur durch Versuch, Irrtum und genaue Beobachtung der Natur lösen. Erst im siebten Jahr hat sich ein Gleichgewicht eingestellt, auch viele Wildtiere sind zurückgekehrt. Wobei die Chesters niemals Harmonie beschwören, sondern ein »comfortable level of disharmony with nature«. Ein Glücksfall von einem Film, mit wunderbaren Tieraufnahmen – und eindrucksvoller Beleg dafür, dass »tierfreie« Landwirtschaft letztlich wider die Natur ist. Zumindest wenn wir ernsthaft an Kreislaufwirtschaft interessiert sind. Thomas Weber

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Me i ne Sta dt

MEINE STADT:

Wels

Lieblingsplätze und Eco-Hotspots text & Bild Sebastian Fasthuber

Sebastian Fasthuber ist Welser. 15 Jahre hat er in Wien gelebt, studiert und gearbeitet, dann zog es ihn mit seiner Familie nach Oberösterreich zurück. Er schätzt die kompakte Größe von Wels und dass man schnell draußen in der Natur oder auf dem Tennisplatz ist. Einen Job für ihn gibt es hier nicht wirklich, als Kulturjournalist ist er mit Wien verbunden. Durch seinen Stadtführer hat er nun das Gefühl, etwas für die Stadt getan zu haben. Viele WelserInnen sudern nur, meint er. Dem wollte er etwas grundsätzlich Positives entgegenhalten. Wels ist, was man daraus macht.

MKH mit Extrazimmer

Bin ich nicht im Alten Schlachthof, dann besuche ich das Medien Kultur Haus (mkh), das auch schon fast eine Welser Kulturinstitution ist. Das Programmkino ist darin untergebracht, die Galerie der Stadt Wels und – mein Favorit – Sonis Extrazimmer, ein Raum zum gemütlichen Abhängen. Hier gibt es das fantastische Freistädter Bier aus der einzigen Braucommune Europas.

Austria Tabak Pavillon Im Frühjahr und Sommer gehe ich gern in den Volksgarten, eine kleine Grünoase am Rand des Messegeländes. Dort steht der Austria Tabak Pavillon, das Gebäude wächst aus dem Filter einer gigantisch großen Zigarette. Die längste Zeit wurde es nur während des Volksfests genutzt. Seit ein paar Jahren tut ein Verein um Welser Kreative etwas gegen den Leerstand und veranstaltet auf dem Areal um den Pavillon Partys, kleine Konzerte und Flohmärkte. Das ist was für die ganze Familie.


Wochenmarkt

© Hundertwasser Architekturprojekt

Der Wochenmarkt ist eine Institution mit fast tausendjähriger Geschichte. Die 1970 errichtete Markthalle ist schon etwas in die Jahre gekommen, und genau das mag ich an ihr. Die Ankündigungen der Stadtregierung, alles neu gestalten zu wollen, machen mir ein bisschen Angst. Auch weil in der Innenstadt Lebensmittelgeschäfte rar sind, ist der Markt am Samstagvormittag immer gut besucht. Eine kleine Stärkung mit panierten Hühnerflügeln oder einer Leberkäsesemmel und ein gespritzter Most gehören dazu.

Wels

Vorratskammer

Mein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Biolandwirtschaft ist durchs Essen erwacht. Ich koche und esse halt wahnsinnig gern. Wenn es die Zeit erlaubt, braue ich auch Bier. Ist man eingetaucht in die Genusswelt, landet man schnell bei hochspezialisierten KleinproduzentInnen. Und in der Vorratskammer von Magdalena Glasner, wo ich mir einmal wöchentlich erstklassiges Fleisch, Käse, Gemüse und vieles mehr hole. Alles stammt aus biologischer Landwirtschaft, das Allermeiste aus der Umgebung.

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The Great Regional Swindle Besonders bei Lebensmitteln achten wir auf Regionalität. Weil Regionen aber gefühlte Einheiten sind, gibt es keine rechtsverbindlichen Regeln, was tatsächlich als regionales Produkt gilt. Unser Bauchgefühl täuscht uns ebenso wie geschicktes Agrarmarketing.

Kommentar Thomas Weber

G

ut gemeint ist zwar nicht, wie es im Sprichwort heißt, das Gegenteil von gut. Gerade beim Einkaufen bedeutet der gut gemeinte Griff zu regionalen Produkten aber nicht zwingend, dass ich vom Wochenmarkt oder aus dem Supermarkt mit »besseren« Lebensmitteln nach Hause komme. Auch wenn das immer mehr Menschen annehmen und angeben, beim eigenen Konsum gezielt Regionales zu bevorzugen. Laut Statistik Austria tun das in Österreich beispielsweise 80 Prozent der Bevölkerung. In Deutschland schwanken die Angaben je nach Bundesland und Umfrage. Laut der Initiative »nrw isst gut« beispielsweise, die Nordrhein-Westfalen als Genussland vermarktet, vertrauen immerhin 93 Prozent der Befragten Lebensmitteln aus der Region. Kein Wunder, dass es mittlerweile kaum eine Region gibt, kein Bundesland, das nicht versucht, ganz gezielt Wertschöpfung mit eigenen Regionalsiegeln zu schaffen. »Gutes aus Hessen« promotet etwa Grüne Soße, Handkäse oder Apfelwein von hessischen Streuobstwiesen, die Initiative »So schmeckt NÖ« Erzeugnisse aus gleich 26 niederösterreichischen Genussregionen. So sinnvoll diese Initiativen alle sind, um neben Arbeitsplätzen auch lokale Tradi-

tionen und Esskultur zu erhalten, das Problem ist ihre mangelnde Vergleichbarkeit. Denn überall wird anders ausgelegt, was als »regional« durchgeht und welche Zutaten und welcher Prozentsatz eines verarbeiteten Produkts von anderswo herstammen dürfen. Und wären manche Rohstoffe wie Wasser nicht ganz ausgeklammert, dann dürfte auch Coca-Cola im Umkreis der jeweiligen Abfüllanlagen als regional vermarktet werden. Anders als bei Bioprodukten – wo die EU-Bioverordnung genau festlegt und auch kontrolliert wird, was als »bio« oder »öko« gilt, damit Mindeststandards garantiert sind – wird mit dem Regional-Mascherl mitunter auch gezielt getäuscht. Denn es gibt keinerlei Einschränkungen, was als »regional« oder auch »naturnah« bezeichnet werden darf. Am schlimmsten getäuscht wird in der Gastronomie.

Regionale Rezepte beim »Alibiwirt« auf der Alm Wer selbst einkauft, hat wenigstens noch Gewissheit, dass das Gekaufte bis zu einem gewissen Grad aus der Gegend stammt. In der Gastronomie – wo die allermeisten Labels auf freiwilliger Basis und vielfach auch ohne Kon-

Bild Istock.co m/Ollo

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R e gi o nal ität vs. B io


trollen Anwendung finden – beschränkt sich die angepriesene »bodenständige, regionale Küche« manchmal darauf, dass für die Region typische Rezepte verwendet werden. Woher die verkochten Zutaten stammen, besagt das nicht. So urig mitunter die Rezepte sein mögen, selbst auf Almen oder Skihütten sind oft günstig im Großmarkt gekaufte Lebensmittel von irgendwoher im Einsatz. Rudolf Stadler, der Gastrosiegel-Beauftragte der ama in Salzburg, kritisiert deshalb die von ihm sogenannten Alibiwirte: »›Alibiwirte‹ sind Restaurantbetriebe, die damit werben, dass sie regionale Produkte in ihrer Küche verwenden, das aber nicht belegen können oder wollen. Und das ist in meinen Augen – und auch vom Gesetz her – eine Täuschung, unlauterer Wettbewerb.« Es ist kein Zufall, dass Agrarlobbys deshalb immer wieder auf eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie drängen. Denn gerade konventionell produzierende bäuerliche Betriebe, die nicht die strengen Bioauflagen erfüllen, geraten durch importierte Billigprodukte immer stärker unter Druck. Andererseits befeuern gerade sie den Hype um Regionalität und profitieren vom weithin verbreiteten Irrglauben, regionale Produkte


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R e gi o nal ität vs. B io

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Im Extremfall ist bei regionalen Produkten einzig das Wasser wirklich regional. Saatgut, Substrat, Dünger und Saisonarbeitskräfte kommen nicht selten von weit her.

wären naturgemäß besser. Selbst die Regionalsiegel der Bundesländer sind mit ihren Definitionen, was sie als regional durchgehen lassen, nicht wirklich konsequent. Wenn das Saatgut aus dem Ausland stammt, das Vlies, auf dem die Setzlinge wachsen, aus Kokos ist, die Anzuchterde wie der Dünger und das Gift zum »Pflanzenschutz« importiert werden und auch die Saisonarbeitskräfte zur Erntezeit aus Osteuropa anreisen, dann bleibt als regionale Zutat manchmal wirklich nur mehr das Wasser übrig Stimmt schon: Man wird selten derart extreme Beispiele finden wie das gerade beschriebene. Das Problem bleibt aber, dass das beschriebene Gemüse ohne Beanstandungen als »regional« vermarktet werden dürfte. Oder beim Fleisch, bei Milch und bei Käse: dass das Kraftfutter für Schweine, Geflügel, Mast- oder Milchrinder viel zu oft günstig aus Südamerika importiertes Soja ist.

Überschätzt: Die Auswirkungen der Logistik Trotzdem empfehlen auch viele ngos den Einkauf regionaler Produkte. Wer die Begründungen dafür genau liest, erkennt den Realismus dahinter: Besser wir achten auf Regionalität als auf gar nichts, so der Hintergedanke. Denn dadurch werden wenigstens Transportwege kürzer, Arbeitsplätze in der Region gehalten und auch Wertschöpfung vor Ort geschaffen. Wobei uns auch beim Transport oder dem tatsächlich eingesetzten Energieaufwand unser Bauchgefühl oft täuscht. Dank effizienter Logistik ist es ökologisch mitunter sinnvoller, Bioprodukte von weit her zu holen, als sie ganzjährig »regional« aus dem geheizten Glashaus zu kaufen. Die negativen Auswirkungen des Transports überschätzen wir ohnehin viel zu oft. Was die CO2-Bilanz angeht, sind italienische Biotomaten gegenüber konventionellen aus dem Glashaus aus der Gegend klar zu bevorzugen. Wir sehen: Die Sache ist kompliziert. Um in diesem Wirrwarr Orientierung zu bieten und auch einen eigenen Standpunkt festzulegen, hat die Umweltschutzorganisation Global 2000 definiert, was aus ihrer Sicht guten Gewissens als regional bezeichnet werden darf: »Zentrale Kriterien regional erzeugter Produkte sind, dass die Rohstoffe, die zur Erzeugung eines Produkts notwendig sind, aus derselben Region stammen müssen, in der sie zum Endprodukt verarbeitet werden.« So einfach, so einleuchtend. Als Ausnahme wird allerdings exemplarisch und explizit Soja zur Schweineaufzucht genannt. Schweinefleisch könne auch dann noch als regional gelten, wenn beim Futter »auf ökologisch und sozial verträglichere Alternativen aus größerer Entfernung (z. B. Soja aus Europa statt aus Südamerika) zurückgegriffen« werde, meint die ngo. Unabhängig davon, ob wir diese Auslegung als Inkonsequenz kritisieren oder als Pragmatismus akzeptieren wollen: Sie zeigt uns, wie unzulänglich der enge Begriff der Regionalität ist, um die komplexen Zusammenhänge einer längst auch in der Region, in der wir wohnen, globalisierten Wirtschaftswelt zu beschreiben. Als Faustregel gilt: Vertrauen in Regionalität ist gut, Biokontrolle ist besser. Bio und regional – und damit naturgemäß gleich auch saisonal – ist am besten. Und im Zweifel bio.

Bild Istock.c om/Ozo k

Ein regionaler Ursprung sagt wenig über Qualität oder Güte von Waren aus. Bio­produkte hingegen garantieren Mindest­standards – die jeden­falls höher sind als jene von rein regionalen Produkten.


Unser Bio. Unsere Qualität.

Natürlich wurden dafür ganze Wiesen aufgefressen.

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Der Inhalt dieser Veröffentlichung gibt allein die Meinung des Autors wieder, der allein für den Inhalt verantwortlich ist. Die Europäische Kommission haftet nicht für die etwaige Verwendung der darin enthaltenen Informationen.

DIE EUROPÄISCHE UNION UNTERSTÜTZT KAMPAGNEN ZUR FÖRDERUNG DES ABSATZES LANDWIRTSCHAFTLICHER QUALITÄTSERZEUGNISSE.


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Interview Alina Birkel

So weit das Auge reicht Das Regionalfenster funktioniert ähnlich wie ein Gütesiegel, ist aber keines. Es gibt die Herkunft an, sagt aber über Qualität nichts aus

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as »Regionalfenster« zeigt an, in welcher Region in Deutschland ein Produkt hergestellt wurde. Was eine Region ist und wie sie definiert ist, können Her­stel­ lerInnen des jeweiligen Produkts selbst entscheiden. So wird das Regionalfenster für jedes Produkt angepasst. Das Label zeigt allerdings nur an, dass ein Produkt in der angegebenen Region hergestellt bzw. verarbeitet wurde – Qualitätskriterien werden nicht miteinbezogen. Was das Besondere am Regionalfenster ist, erklärt Madeleine Altenhein, beim Regionalfenster für Kommunikation verantwortlich.

Bild  Holge r groSS

Madeleine Altenhein, Kulturanthropologin mit Schwerpunkt Europäisierungsforschung und Nahrungsethnologie, arbeitet seit 2013 für das Regionalfenster. Derzeit ist sie Kommunikationsverantwortliche der Regionalfenster Service GmbH.

biorama: Das Regionalfenster möchte ganz explizit kein Gütesiegel sein. Warum nicht – und was ist es dann? Madeleine Altenhein: Regionalität ist ein sehr komplexes Thema, weil es viele unterschiedliche Einstellungen dazu gibt: Jeder hat eine andere Definition dafür und es ist schwierig, einen allgemeinen Begriff zu finden. Wir sind zu dem Schluss gekommen, eine flexible und verständliche Kennzeichnung zu entwickeln, die individuell anpassbar ist – also kein Logo. Wir wollten, dass es für die VerbraucherInnen selbsterklärend ist.

Wie haben Sie »regional« definiert? Die Region muss innerhalb Deutschlands liegen und kleiner als Deutschland sein. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten: Man kann sich an die politisch-administrativen Grenzen von

Bundesländern oder Landkreisen halten. Die zweite Möglichkeit ist, einen Kilometerradius zu nennen. Die dritte Möglichkeit ist es, Regionen, die sehr emotional behaftet sind – beispielsweise das Rheinland oder die Bodenseeregion –, als Herkunftsort anzugeben. Das Futter für Nutztiere kommt oft aus Südamerika. Saisonarbeitskräfte, die teilweise aus dem Ausland rekrutiert werden, werden in der Landwirtschaft mit niedrigen Löhnen eingesetzt. Fließen auch solche weitergehenden Aspekte in Ihre Definition von »regional« ein? Wir haben seit Längerem Arbeitsgruppen, die sich damit beschäftigen, wie wir diese Aspekte ins Regionalfenster inkludieren können. Bisher gibt es die Möglichkeit, die Herkunft von Futtermitteln freiwillig anzugeben, aber verbindlich ist es momentan nicht möglich – sonst gäbe es wahrscheinlich nur sehr wenige Fleischprodukte, die von sich behaupten könnten, regional zu sein. Welche Mindeststandards müssen Produkte erfüllen, um mit dem RegionalfensterLabel versehen zu werden? Monoprodukte müssen zu 100 Prozent aus der angegebenen Region stammen. Bei zusammengesetzten Produkten müssen die Hauptzutaten und alle wertgebenden Zutaten zu 100 % aus der angegebenen Region stammen. Die regionalen Zutaten müssen mindestens 51 % der Ge-


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22 samtzutaten ausmachen. Allerdings wird Wasser, wenn es die Hauptzutat ist, nicht miteingerechnet, denn sonst wäre ja auch Coca-Cola regional.

Das Regionalfenster wird für jedes Produkt individuell erstellt. Dabei können die HerstellerInnen entscheiden, wie sie die »Region« definieren. Das Label wird vor allem für Lebensmittel verwendet, aber auch Zierpflanzen und Blumen werden damit gekennzeichnet.

Warum sollte man Produkte aus der Region kaufen? Mit dem Kauf regionaler Produkte wird die heimische Wirtschaft gestärkt und die Bäuerinnen und Bauern werden motiviert, weiter hier anzubauen. Außerdem haben regionale Produkte viel kürzere Transportwege und können frischer verkauft werden, weil sie mehr Zeit zum Reifen haben. Kürzere Transportwege sind zudem besser für die Umwelt. Manchmal ist der Ressourcenverbrauch bei der Lagerung von regionalen Lebensmitteln höher als jener beim Transport von importierten Waren. Da fragt man sich: Was bringt denn »regional« überhaupt? Wir haben sehr viele saisonale Produkte im Angebot. Es kommt da immer auf das Produkt an, ob es saisonal ist und – wenn es importiert wird – woher es kommt und wie lange die Transportwege konkret sind. Andererseits verbessern sich die Lagermethoden immer mehr, es kann effizienter und kostengünstiger gelagert werden. In welchem Verhältnis stehen »regional« und »bio« beim Regionalfenster? Geschätzt sind momentan zwischen fünf und zehn Prozent der Produkte biozertifiziert. Es gab bei uns auch Diskussionen darüber, ob wir eine besondere Kennzeichnung für Bioprodukte machen sollen, aber das ist aktuell viel zu aufwendig. Zudem wollen wir keine Konkurrenz zu bereits existierenden Biosiegeln sein.

Der Verein hinter dem Label wurde 2012 privatwirtschaftlich gegründet und wird vom deutschen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ideell, aber nicht finanziell unterstützt. Das Regionalfenster wird von einem Verein getragen und seit Anfang des Jahres vergibt eine ergänzend zum Verein gegründete GmbH das Zeichen. Zu den Mitgliedern des Vereins gehören unter anderem Bioverbände und LebensmittelhändlerInnen.

Wie läuft der Kontrollprozess für Regionalfenster-zertifizierte Waren ab – wie oft und wie wird kontrolliert, ob die Produkte tatsächlich regional hergestellt wurden? Zuerst werden die angemeldeten Produkte und die beteiligten Betriebe durch unse-

re Geschäftsstelle geprüft. Auch die Etiketten werden kontrolliert, andere auf dem Etikett zu findende Aussagen zur Regionalität dürfen nicht im Widerspruch zur Auslobung im Regionalfenster stehen. Dann werden die Unterlagen an eine zugelassene Kontrollstelle weitergegeben, die einmal jährlich prüft, ob die Aussagen zur Regionalität auch in der gesamten Lieferkette eingehalten werden. Zusätzlich zu den jährlichen Audits führen die unabhängigen Kontrollinstitute auch Stichproben durch. Steht das Regionalfenster nur produzierenden Betrieben zur Verfügung oder könnten auch Rewe oder Dennree ihre Produkte mit Regionalfenster-Angaben versehen? Auch der Handel kann das Regionalfenster beantragen. Derzeit haben wir viele Produkte, die vom Handel angemeldet werden. Auch bei den Handelsunternehmen wird die komplette Kette durch ein unabhängiges und mehrstufiges Prüf- und Sicherungssystem kontrolliert – der abpackende Betrieb und die Vorstufen. Die Regionalfenster-Auszeichnung ist freiwillig. Immer wieder gibt es Diskussionen über verpflichtende Herkunftsangaben. Wie stehen Sie dazu? Es ist so: Die Entwicklung des Regionalfensters wurde vom Bundesministerium angeregt, aber es wird von einer privatwirtschaftlichen Initiative vergeben – dafür darf rechtlich keine Verpflichtung eingeführt werden. Zudem glauben wir, dass eine Vorschreibung des Regionalfensters nicht umsetzbar ist: Für viele Produkte würde das nicht funktionieren, weil die HerstellerInnen gar keine Rohstoffe aus Deutschland verarbeiten. Und die, die regionale Rohstoffe verwenden, erfüllen auch nicht alle unsere Kriterien.

Bild R EG IONAL FENSTER

Das Regionalfenster versteht sich nicht als Gütesiegel, weil es nicht die Qualität, sondern die Herkunft von Produkten anzeigt.


Kurhaus Schärding ABNEHMEN. Und zwar NACHHALTIG. Wenn die Hose spannt und der Rock kneift, ist das nicht nur ein kosmetisches Problem. Denn sobald sich die Kilos vor allem vor der Leibesmitte sammeln, kann dies für die Gesundheit erhebliche Auswirkungen haben. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem sogenannten viszeralen Fett am und vor allem im Bauch zu. Werden nun übermäßig Kalorien aufgenommen, die der Körper nicht benötigt, da kein besonderer Energiebedarf vorherrscht (zB als „Couch-Potato“), lagert sich dieses Fett im Bauchraum ab und belastet zunehmend den eigenen Körper. Was bewirkt unser Programm „ABNEHMEN. Und zwar nachhaltig“? Ihr Nutzen. • Mit unserer kalorienreduzierten, basischen Fastendiät aktivieren Sie Ihren Stoffwechsel und Ihre Verdauung. Ihre Säure-Basen-Balance normalisiert sich. • Wir unterstützen die Entgiftungsprozesse im Körper durch natürliche Behandlungen. Sie erleben die Kraft unserer Symbiose von integrativer Medizin und europäischer Naturheilkunde. • Mittels bioelektrischer Impedanzanalyse (BIA) - ein wissenschaftlich anerkanntes und präzises Gerät zur Analyse der Körperzusammensetzung - bestimmen wir das Verhältnis von Fett, Muskulatur und Wasser in Ihrem Körper. So können wir genaue Aussagen über Ihren Ernährungs-, Trainings- und Gesundheitszustand treffen. • Basierend auf diesen Auswertungen erstellt unsere Ernährungswissenschaftlerin gemeinsam mit Ihnen ein auf Sie abgestimmtes Ernährungs- und Bewegungsprogramm. Package „ABNEHMEN nachhaltig“ - 7 Tage/6 Nächte mit basischer Heildiät (VP, 800 kcal) und Kräutertees, ärztlicher und ernährungswissenschaftlicher Begleitung, 12 Kneippbehandlungen, Ganzmassage, BIA-Messung, personal Training, Bewegungseinheiten, Kochworshop, u.v.m. ab € 1.108,--

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Das regionale Produkt, das keines ist. Zum Beispiel: der durchschnittliche Kohlrabi, den man auf einem deutschen Bauernmarkt erstehen kann. Grafik Lisa Weishäupl Interview Thomas Weber, Irina Zelewitz

Christian Hiß über 25 Jahre selbständiger ökologischer Gemüsebauer bei Freiburg im Breisgau. Gründer und Vorstand der Regionalwert AG Freiburg.

C

hristian Hiß sitzt im Vorstand der deutschen »Bürgeraktiengesellschaft« Regionalwert AG und ist ein glühender Befürworter regionaler Ökonomie. Genau deswegen ist es ihm ein Anliegen, darüber aufzuklären, dass nicht alles, was regional scheint, auch regional produziert ist. »Auch wenn ich den Supermarkt vermeide, brauche ich mir nicht einbilden, dass ich kein HybridsaatDie Anzucht gut kaufe«, sagt er, und hat »Das Samenkorn reist zu einem biorama im Interview erGärtnereibetrieb, der sich auf die läutert, warum auch hinter Anzucht von Jungpflanzen spezialisiert hat – klassischerweise einem scheinbar regionalen in Holland oder am Niederrhein, Produkt viele nicht-regionale dort wird es in einem Torfballen Komponenten stecken könabgelegt.« nen.

Der Dünger Die Landmaschinen Der Betrieb, der den Kohlrabi erzeugt, ist technisch gut ausgerüstet. Diese Technik – Maschinen und Traktoren – stammt zu 75%iger Wahrscheinlichkeit aus den USA, wo die Eigentümerschaft der drei führenden TraktorenherstellerInnen des deutschen Marktes ist.

Das Beispiel ist ausgestellt in der Sonderschau »Wir essen die Welt«, die noch bis 8. September 2019 in der Inatura in Dornbirn zu sehen ist.

»und hier im Speziellen der Stickstoffdünger, ohne den der Kohlrabi im deutschen Boden überhaupt nicht wachsen würde, stammt mehrheitlich aus Russland und der Ukraine.«

Das Substrat »kommt zur Hälfte aus russischen Torfmooren, darin wächst die Kohlrabipflanze zur pflanzfertigen Jungpflanze heran.«


»In der deutschen und österreichischen Landwirtschaft wird zu rund 90% Hybridsaatgut verwendet. In diesen Fällen liegen die Rechte am genetischen Material des Saatgutes bei den Saatgutkonzernen.«

estream

auch als Video-Liv

RF.at

us.O auf radiokulturha

© filous

Die Energie »Landwirtschaft ist in Produktion und Transport treibstoffabhängig, das sind derzeit vor allem fossile Energieträger«.

Die Arbeitskraft

Quelle Regi onalwert AG  Bild I stock.co m/m. p.i mage art

»Im Betrieb angekommen, wird die Pflanze von einer Saisonarbeitskraft im Akkord in die Erde gepflanzt. Denn die Mehrheit der deutschen Betriebe arbeitet mit Saisonarbeitskräften – zum Großteil aus Osteuropa.« Wobei das Defizit an Nachhaltigkeit in erster Linie am großen Anteil an saisonaler Beschäftigung liegt, nicht an der Herkunft und Anreise der Arbeitskräfte, wie Christian Hiß betont.

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ORF. WIE WIR. »Die genetische Information für den Kohlrabi wurde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einem der großen drei Gemüsezuchtunternehmen in einem Labor in Basel oder Leverkusen zu einer Hybridsorte gebastelt. Das entsprechende Samenkorn, aus dem die Pflanze wächst, wurde mit 85%iger Wahrscheinlichkeit in China produziert.«

INFOS UND BESTELLUNG:

radiokulturhaus.ORF.at/karte ORF. WIE WIR.

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Das regionale Produkt, das eines ist. Grafik Lisa Weishäupl Text Thomas Weber

Zum Beispiel: Biowurst aus Tirol. Wie radikale Regionalität und Bioqualität zusammengehen können. Gezeigt anhand der Lammwurzen und Käsewurst der Tiroler Biometzgerei Juffinger.

Zubereitung

Fleisch

Die Zubereitung findet zu 100% am Produktionsstandort in Thiersee bei Kufstein statt. Die moderne Aromareifeanlage liegt auf 1000 Metern Seehöhe: »reinste Bergluft, fernab von Verkehr und Feinstaub«.

Das verarbeitete Lamm- und Rindfleisch stammt ausschließlich von ausgewählten biozertifizierten und kleinstrukturierten Höfen, die ihre Tiere selbst zur Schlachtung bringen. Akzeptiert werden Transportwege von maximal 100 Kilometern – als Radius rund um den Standort in Kufstein. Allerdings stammen nur 30 Prozent des Juffinger-Schweinefleischs unmittelbar aus der Region, weil es in Tirol kaum Betriebe gibt, die Schweine mästen.

Käse (für Käsewurst) Gewürze

Anton Juffinger

Bild Istock.co m/la_puma

Metzgermeister, diplomierter Fleischsommelier und seit 1997 Geschäftsführer des Tiroler Familienunternehmens Juffinger, einer Bio-Metzgerei mit Sitz bei Kufstein.

Dass die genaue Mischung der Hausrezepturen nicht verraten wird, gehört zum Metzgerhandwerk. Anton Juffinger garantiert, dass keine Fertigmischungen zum Einsatz kommen, sondern ausschließlich von Hand gemischte Biogewürze nach traditionellen Rezepten: »Wir arbeiten ohne Glutamat, ohne Phosphat und ohne Geschmacksverstärker.« Ingwer, Kümmel, Pfeffer, Safran oder Koriander werden als Biorohgewürze gekauft, allergrößtenteils bei österreichischen und regionalen Produktionsbetrieben. Allerdings: Die wenigen Gewürze, die in der Region nicht wachsen, werden importiert.

Den Käse für seine Käsewurst bezieht Metzgermeister Juffinger direkt von der nur 20 Kilometer entfernten Biosennerei Hatzenstädt.

Transport »Wir versuchen, massiv lange Transportwege zu vermeiden, und arbeiten effizient: So werden zum Beispiel bei jeder Anlieferung an unser Haus auf dem Rückweg sofort wieder Waren verschickt.« 40 Prozent des Fleischs und der Würste von Juffinger werden in Österreich verkauft, 60 Prozent in Deutschland. Was sich Biometzger Anton Juffinger wünscht: eine gesetzliche Definition, was »regional« heißt. Denn »regional ist nicht bio« – und die Örtlichkeit allein gebe keinerlei Aufschluss über die Bedingungen der Aufzucht, der Haltung und ob gentechnisch verändertes Futter zum Einsatz komme.


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Andalusien vs. Gewächshaus Zum Beispiel: Tomate. Wer im Glashaus zieht, soll nicht die Regional-Keule schwingen!

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enn auch im deutschen oder österreichischen Supermarkt erworbene Tomaten aus Spanien sind unter Umständen ökologisch wesentlich nachhaltiger produziert als heimische. Tobias Wagner vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg erläutert uns Daten zur C02-Bilanz eines Kilogramms

Tomaten – abhängig vom Produktionsort und Produktionsverfahren: »Man braucht zwar für Gewächshäuser nicht zwangsläufig nicht-erneuerbare Energie. Allerdings ist Gasverbrennung am geläufigsten zu deren Beheizung, unter anderem, da das CO2-reiche Abgas direkt den Pflanzen zur Verfügung gestellt werden kann.«

Grafik Lisa Weishäupl Daten IFEU Heidelberg 2019 INTERVIEW Irina Zelewitz

Folientunnel Gewächshaus in den

Niederlanden

0,16 kg Anbau 2,04 kg Strom + Beheizung 0,03 kg Verpackung 0,35 kg Vertrieb 0,04 kg Einkauf

regional

0,60

2,62

0,16 kg Anbau 0,06 kg Strom + Beheizung 0,10 kg Verpackung 0,24 kg Vertrieb 0,04 kg Einkauf

kg

kg CO2-Äq. pro kg Tomaten

Gewächshaus

»Die Beheizung eines Glashauses hat einen größeren Stellenwert als der Transport – sowohl die Treibhausgase betreffend, als auch den Verbrauch nicht-erneuerbarer Energie.« Folientunnel in

Spanien

Bild Istock.co m/Epine_art

0,93 kg

0,16 kg Anbau 0,07 kg Strom + Beheizung 0,11 kg Verpackung 0,32 kg Vertrieb 0,23 kg Transport 0,04 kg Einkauf

regional

2,40

kg

0,16 kg Anbau 1,84 kg Strom + Beheizung 0,12 kg Verpackung 0,23 kg Vertrieb 0,05 kg Einkauf

CO2-Äquivalent Ein CO2-Äquivalent ist die Maßzahl für das Treibhauspotenzial eines untersuchten Systems. Tobias Wagner erklärt: »Zum Treibhauseffekt tragen verschiedene Treibhausgase bei. Die wirken unterschiedlich stark – und die rechnet man dann alle auf den Treibhauseffekt von CO2 um. Lachgas ist in der Wirkung 265 Mal stärker wirkt als CO2. 1 Kilogramm Lachgas entspricht dann 265 Kilogramm CO2.«

Tobias Wagner forscht seit 2014 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am IFEU mit den Schwerpunkten Biomasse und Ernährung-.


Don’t

poolbar

send

05 Jul

me

love

11 Aug

letters

Festival

05 Jul

Triggerfinger

06 Jul

Ed Rush

07 Jul

Leoniden + My Ugly Clementine

11 Jul (OPEN AIR AUF DER WIESE)

Bilderbuch, Blood Red Shoes, Wooze, Alli Neumann, Oehl

14 Jul

Poetry Slam

17 Jul

Xavier Rudd 18 Jul

Keb’ Mo´

21 Jul

AKADEMISCHE

Mattiel + Friedberg

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The Twilight Sad

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Camo & Krooked surrounded

E BERUFSBEGL

24 Julw 26 Jul

ITEND

27 Jul

Mighty Oaks

01 Aug

Psychedelic Porn Crumpets

02 Aug

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J e nse i t s vo n Eden -R efo rmbu tter

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Die Kräuterfresser der Kaiserzeit Die Kolonie »Eden« in Oranienburg existiert heute noch.

Bilder eden GE no ss ensc haft, Dirk Enge lhar dt

Text Dirk Engelhardt

Rainer Gödde lebt seit seiner Geburt in der Kolonie Eden.

P

aradiesische Früchte aus dem Garten Eden? Auf den ersten Blick wirkt die verwinkelte Siedlungsanlage mit den vielen kleinen Einfamilienhäuschen unterschiedlichen Alters wie eine Schrebergartenanlage, nur in groß. Hier soll also vor über 125 Jahren die vegetarische Bewegung in Deutschland ihren Anfang genommen haben? »Sind wir wirklich überzeugte Vegetarier, so wissen wir, dass die vegetarische Kultur sehr viel einbringt, nicht nur Gesundheit und frohen Mut, nein, auch Wohlstand, Geld und Gut«, dichtete der Vorstand der Kolonie Eden in einem Werbebrief anno 1894. Und weiter: »Zeigen wir doch, welchen erziehlichen Einfluss der Vegetarismus hat, indem wir alle miteinander für unsere Überzeugung eintreten und ein dauerndes Werk schaffen, welches ein Hort und ein Segen für alle ist.« Das waren fromme Wünsche. Im Jahr 2019 ist man in der Kolonie Eden schon etwas nüchterner. Rainer Gödde wurde in der Kolonie Eden geboren und lebt heute noch hier. »Es waren 18 Menschen, hauptsächlich aus Berlin, die damals die Kolonie gründeten«, berichtet er aus der Koloniegeschichte. Der Vorsitzende war der Lebensreformer Bruno Wilhelmi. Von Obstanbau hätten die meisten allerdings keine

Ahnung gehabt; »das konnte man schon daran erkennen, dass sie Land kauften, dessen Erde kaum fruchtbar war und das auch noch morastig war«, sagt Gödde. So karrte man damals Tonnen von Pferdeäpfeln aus der Hauptstadt nach Oranienburg und verteilte sie als Dung auf dem Kolonieboden. Außerdem zog man Entwässerungsgräben. Den Namen Eden wählten die GründerInnen bewusst als Anspielung auf den biblischen Garten Eden. Die Illusion eines großstadtfernen, natürlichen Lebens lag in der Luft. Eine Genossenschaft sollte allen Mitgliedern ein Auskommen ermöglichen. Die NachbarInnen aus Oranienburg hatten schnell einen neckischen Namen für die Edener Kinder gefunden: »Kräuterfresser«. 1893 war Berlin gerade dabei, zu einer riesigen Industriemetropole zu wachsen. Überall qualmten Schornsteine, ArbeiterInnen hausten in dunklen Hinterhofwohnungen mit miserablen sanitären Anlagen. Da kam ein alternatives Lebensmodell, das nicht nur gesunde Ernährung umfasste, sondern auch neue, selbstbestimmte Formen des Arbeitens, gerade recht, sollte man meinen. Dinge, die heute mit den Stichwörtern vegane Ernährung und Sharing Economy wieder in aller Munde sind. Den Boden bereitete, im doppelten Sinne, in den 1860er-Jahren ein gewisser Eduard Balt-


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J e nse i t s vo n Eden -R efo rmbu tter

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Nicht genug VegetarierInnen Die GründerInnenszene von Eden war überschaubar: es waren einige wenige Großstadtflüchtlinge aus dem bürgerlichen Milieu, darunter ÄrztInnen, RechtsanwältInnen und PublizistInnen. Man traf sich in der Speisestätte »Ceres« in Moabit, dem ersten vegetarischen Restaurant Berlins, und plante das »Projekt«, wie man es heute nennen würde. Laut Gödde gab der Kaufpreis des Landes bei Oranienburg den Ausschlag für die Wahl des Standortes – das Land wurde sehr günstig angeboten. Das Stammkapital der Gemeinschaft mit beschränkter Haftung betrug rund 100.000 Mark. Die ersten SiedlerInnen waren fleißig: Bereits im Jahr 1900 zählte man in Eden rund 15.000 Obstbäume und 50.000 Beerensträucher.

Neben dem Obstanbau widmete man sich dem Bau einer Schule, eines Kindergartens, einer Entbindungsstätte, einer Bücherei und eines Speisehauses – natürlich mit vegetarischer Kost. Doch schon bald musste das Paradies-Start-up erkennen, dass die vegetarische Kolonie nicht den gewünschten Widerhall in der Großstadt Berlin fand. Es gab nicht genug VegetarierInnen! Und so öffnete man 1901 das Gemeinwesen – vielleicht etwas widerwillig – auch für fleischessende Menschen. Der Name wurde geändert von »Vegetarische Obstbaukolonie Eden« in »Obstbau-Siedlung Eden«.

Impulse aus Eden Anfang des 20. Jahrhunderts gab es einen Gründungsboom von VegetarierInnenvereinen, mehr als zwei Dutzend Vereine in Deutschland hatten über 5000 Mitglieder. Sogar eine politische Partei für VegetarierInnen gab es, die »National-Soziale Vegetarier-Union«, die allerdings keine nennenswerte Beachtung fand. Eden rühmt sich, Erfinder der vegetarischen Pasten zu sein, die schon früh in verschiedenen Geschmacksrichtungen als Brotaufstrich produziert wurden. Daneben gab es das berühmte Eden-Sauerkraut und Marga-

B ild  Dirk E ng elhardt

Eduard Baltzer (1814 –1887) Demokrat, evangelischer Theologe und aus ethischer Überzeugung Vegetarier, gründete Deutschlands allerersten »Vegetarier-Verein«. Er verfasste das vierbändige Werk »Die natürliche Lebensweise« und begründete den Vegetarismus darin religiös, volkswirtschaftlich und gesundheitlich. Die Annäherung an Gott durch den Verzicht auf Fleisch nannte er »Vegetarianismus«. Nicht zuletzt sah er in günstiger vegetarischer Ernährung eine Möglichkeit für Arme, sich gesünder zu ernähren.

zer, einer der Gründerväter/Gründermütter des Vegetarismus in Deutschland. Er gründete 1867 den Verein für natürliche Lebensweise. So entstanden erste vegetarische Kochbücher, die in ganz Deutschland vertrieben wurden. Ein Renner war das »Vegetarische Kochbuch« von Anna Springer, das bis 1914 in sechs Auflagen im Berliner Verlag Lebensreform erschien.


rine – die erste rein pflanzliche Margarine in Deutschland, die unter dem Begriff »Eden-Reformbutter« auf den Markt kam.

Eden heute Schlecht zu sprechen ist Gödde auf den Solitär der Kolonie, die Mosterei und die Marmeladenmanufaktur, deren Grundstock schon 1898 gelegt wurde. 1972 wurde der Betrieb durch die ddr enteignet und in die veb Gemüseverarbeitung Beelitz eingegliedert. Säfte und Marmeladen wurden weiterhin produziert, aber keine vegetarischen Brotaufstriche mehr. Nach dem Mauerfall kam es dann, so erzählt Gödde, durch die Treuhand zur endgültigen Schließung der Mosterei. Der Betrieb ging als GmbH in die Insolvenz, da er mit seinem planwirtschaftlich heruntergewirtschafteten Maschinenpark nicht mehr wettbewerbsfähig war. »Nach der Zeit der ddr gab es viele Bestrebungen, die ursprünglichen Edener Ziele der Boden-, Wirtschafts- und Lebensreform zeitgemäß wiederzubeleben«, verlautet es von Eden. Arbeitsgruppen wie die Kochgruppe, die sich Anfang der 90er-Jahre bildeten, sind auch heute noch aktiv. Hinter einem Schuppen lagern noch zwei aufgeschnittene runde Safttanks. Gödde deutet mit nostalgisch verklärtem Blick darauf: »Diese Tanks, innen mit Emaille ausgekleidet, waren auch eine Erfindung von Eden. Es gab einmal mehr als zwei Dutzend davon.« Heute würden sie zum Teil als Behälter für Gartenteiche dienen. In der verstaubten Werkstatt daneben ist die Zeit stehengeblieben – von der Wand blicken noch die Porträts von Honecker und Genossen. Wer heute in Eden ein Grundstück hat, verpflichtet sich, eine genau vorgeschriebene Anzahl von Obstbäumen zu pflegen, auf Chemie und Düngemittel zu verzichten und Biotope wie Hecken und Teiche zu bewahren. Während die meisten Wohnhäuser der Genossenschaft mittlerweile renoviert wurden und einen properen Eindruck machen, darbt die Fabrik, die leersteht, in alten grau-braunen ddr-Tönen. »Leider ist es uns nicht vollständig gelungen, das in den ersten Jahren nach der Wende aufkeimende Interesse der BewohnerInnen Edens an einer zeitgemäßen Umsetzung der Gründungsideen fortzusetzen«, bekennt Gödde. Es liegt also, wie es heute so schön heißt, noch einiges Potenzial in der Kolonie mit den hehren Zielen brach.

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Bi o d i versität R e g en wa l d

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Ein Olé auf Doctor Ojé Wie Biodiversität heilt: Mit einem Naturführer unterwegs im peruanischen Regenwald.


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text und bild Susanne Salzgeber

T

enia que llorar«, erzählt Rolin traurig. Der 24-jährige peruanische Naturführer wirkt nicht so, als würde er schnell in Tränen ausbrechen. Aber beim Anblick riesiger Verwüstungen durch Abholzung des brasilianischen Regenwalds für Rinderherden und Sojaanbau musste er weinen. Unzählige Tiere verlieren ihren Lebensraum und irren umher, Zigtausende Pflanzenarten sind einfach verschwunden, 600 Jahre alte Urwaldriesen umgeknickt wie Streichhölzer. Amazonien ist der größte zusammenhängende tropische Regenwald auf der Erde. Neun Länder Südamerikas haben unterschiedliche Anteile an ihm. Brasilien besitzt fast 60 % der Fläche, dann kommt schon Peru mit 11,3 %. Zwar nimmt der tropische Regenwald insgesamt nur 6 % der Erdoberfläche ein, er bindet aber 10 % des globalen terrestrischen Kohlenstoffs. Eine großflächige Abholzung setzt CO2 frei und verstärkt die Erderwärmung und damit den Klimawandel. Wir sollten also mit Rolin weinen. Im tropischen Regenwald tummelt sich das Leben wie

»

nirgendwo sonst: 50 bis 80 Prozent der Tierund Pflanzenarten weltweit sind hier beheimatet – eine unermessliche Vielfalt der Arten, von denen die meisten noch gar nicht entdeckt sind. Darunter auch viele medizinische Pflanzen, die im Primär- und Sekundärregenwald wachsen und für die indigene Bevölkerung seit Tausenden von Jahren eine große kulturelle Bedeutung besitzen und ihre Hausapotheke darstellen. Mehr als 10.000 verschiedene Pflanzenarten und 3000 Pilze haben Biologen allein im peruanischen Regenwald um den Rio Madre de Dios identifiziert. Die Dschungelstadt Puerto Maldonado liegt an der Mündung des Tambopata in den Rio Madre de Dios – einem kleinen, 1400 Kilometer langen Amazonas-Nebenfluss – und wird als Hauptstadt der Biodiversität bezeichnet. Auf kleinstem Raum leben in den Schutzgebieten 632 Vogelarten, 169 Säugetiere und 1200 Schmetterlinge, schwarze Kaimane, diverse Schlangen und viele Fischarten nicht zu vergessen. Aber wir sind mit unserem Naturführer auf der Pirsch nach Heilpflanzen.


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Abholzung in Zahlen

Lange müssen wir nicht suchen und weit müssen wir nicht wan3,3 Millionen Quadratkilometer dern im Naturschutzreservat Regenwald im größten brasilianischen Teil Amazoniens sind heute Tambopata am Sandoval-See, um noch verblieben. 1970 waren es sie zu finden. Ob in Baumrinden, noch mehr als 4 Millionen. 20 % Blättern, Früchten, Blüten oder sind irreversibel verloren. Allein im Baumsaft: In vielen Pflanim Jahr 2018 wurden im brasilianischen Urwald 0,8 Millionen Hektar zen steckt etwas Besonderes, das abgeholzt. Peru hat zwischen 1978 den Menschen hilft, Krankheiten und 2012 etwa 3,5 Millionen Hektar vorzubeugen oder abzuwehren. Regenwald verloren. Nach SchätRolin kennt sich gut damit aus. zungen von Greenpeace dürfte Sein Vater und bereits sein Großes im gesamten Regenwaldgebiet Amazoniens eine jährliche Entvater waren Heiler oder Mediwaldung von 1,2 bis 1,3 Millionen zinmänner. Sie gehörten der ethHektar sein. Das bedeutet: Alle 20 nischen Minderheit der Yine Sekunden wird die Fläche eines an, seine Mutter der der MachiFußballfeldes abgeholzt. Hört sich dramatisch an, ist aber noch eine guenga. Beide Stämme leben im zurückhaltende Schätzung. AndeManu-Nationalpark in Peru. In re Zahlen, z. B. der Annual Forest Gesamt-Amazonien gibt es 350 Lost, gehen von einem Gesamtverethnische Minderheiten. Rolust an Regenwald allein im Jahr lins Mutter starb an dem Biss 2017 von 4,6 Millionen Hektar aus. Das entspräche einer Entwaldung einer Lanzenotter, als er drei von der Größe eines Fußballfeldes Jahre alt war. Obwohl sein Vaalle 5 Sekunden. ter die Pflanze kannte, deren Saft gegen diesen Schlangenbiss hilft, konnte er sie nicht retten, weil der Unfall in der Nacht passierte. Innerhalb von zwei Stunden muss man das Gegengift einnehmen.

Aber dem Heiler gelang es nicht, die helfende Jergon Sacha (Dracontium loretense) oder Itininga (eine Lianenpflanze) in der Nacht im Urwald schnell genug zu finden. Die Natur hält viele Grausamkeiten bereit. Dennoch hat die Dschungelapotheke auch viel gegen gängige Krankheiten eines Mitteleuropäers zu bieten: Die roten Wurzeln der Palmenart Palmito (Euterpe edulis) reinigen zum Beispiel Magen und Nieren, heilen Infektionen, während man die Rinde des Ficus estrangulador bei Verletzungen, Aufschürfungen oder Hämatomen auflegt. Gegen Arthritis, Rheuma

Rolin entdeckt das Lianengewächs Itininga, dessen Säfte gegen Schlangenbisse helfen.


t für

a k i r e m a Latein alis Ihr Spezi

Die roten Wurzeln der Palmito-Palme (Euterpe edulis) werden gekocht und zur Reinigung des Magens und der Nieren eingesetzt.

und Krämpfe helfen die Blätter des Ishanga und die Rinde des Chuchuhasi (Maytenus krukovii). »Busanga« nennt Rolin die Pflanzen, die Wirkung auf die Psyche eines Menschen haben. Bei hyperaktiven Kindern und Schrei­ babys nutzen die Menschen vor Ort Busanga de Pancar. Man badet die Kleinen einfach in den eingeweichten Blättern, danach schlafen sie selig. Das Öl des Riesenbaums Cobaiba (eine Copaifera Art ) soll, regelmäßig eingenommen, gegen Geschwüre und Krebs helfen. Auch das Gel des Baums Peine de Mono (Combretum rotundifolium) soll, täglich verabreicht, einer Krebstherapie nahe kommen. Dieser Baum hat seinen Namen Affenkamm

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Amazonien Das Einzugsgebiet des Amazonas hat eine Fläche von mehr als sieben Millionen Quadratkilometern und ist damit ungefähr so groß wie Australien. Davon sind 6,7 Millionen Quadratkilometer tropischer Regenwald. Er erstreckt sich über neun südamerikanische Staaten, wobei die größte Fläche zu Brasilien gehört. Aber auch Französisch-Guayana, Suriname, Guyana, Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien sind am Einzugsgebiet beteiligt. In Gesamt-Amazonien soll es noch 350 indigene Stämme geben, die ca. 10 % der gesamten Bevölkerung ausmachen.

Der Amazonas ist der Hauptstrom des größten Fließgewässer­ systems und der längste Fluss der Erde mit knapp 6800 Kilometern. Mehr als 10.000 Zuflüsse speisen ihn, von ihnen sind rund 1000 bedeut­­ende Nebenflüsse (17 Amazonas-Nebenflüsse sind selbst über 1600 Kilometer lang).

deshalb, weil sich die Affen mit den bürstenartigen Schalen der Früchte gegenseitig das Fell bürsten. Gegen Magenverstimmung und Diarrhö gibt es eine große Auswahl an Pflanzen, auch weil es viele Möglichkeiten gibt, sich in den Tropen über Kolibakterien oder über andere Verunreinigungen den Magen zu verderben. Den Anfang macht Ojé (Ficus insipidia), eine der wichtigsten Heilpflanzen, laut Rolin auch Doctor Ojé genannt, weil sie so vielseitig einsetzbar ist. Linderung verschafft auch Ajo Sachas (Man­soa alliacea), der Knoblauch­baum, dessen Rinde wirklich nach purem Knoblauch riecht. Einfach Rinde einweichen und Sud trinken – Bauchweh weg. Reibt man sich mit der Knoblauchrinde ein, wehrt man Mücken ab, aber sicher auch potenzielle Verehrer. Weitere Magenheiler sind Ingwerwurzeln, Palillo (Curcuma Longa), Papaya-Früchte und die Blätter des Kokastrauchs. Rolin überzeugt uns, dass der Regenwald für jedes Wehwehchen die passende Heilpflanze bereithält. Gegen unsere juckenden Mückenstiche ritzt er mit seiner Machete an der Rinde des Pama-Baums (Perebea guianensis) und tupft uns die Flüssigkeit auf den Stich. Nichts juckt mehr, und der Stich ist nach kurzer Zeit verschwunden.

Die Rinde des Chuchuhasi-Baums (Maytenus krukovii) wird drei Wochen in Zuckerrohrschnaps eingelegt und bei Rheuma und Arthritis angewendet.

In unseren gängigen Arzneimitteln spielen Wirkstoffe aus tropischen Pflanzen heute eine untergeordnete Rolle. Gemäß dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. liegt seit 2003 der Anteil von Naturstoffmedi-

Im Sandoval See leben u. a. schwarze Kaimane, Piranhas und Riesenotter.


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B i o r a m a 6 1

Bi o d i versität R e g en wa l d

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Mit Kanu und Naturführer unterwegs im Naturschutzreservat Tambopata.

Biodiversität 50 bis 80 Prozent der Tier- und Pflanzenarten weltweit sind in den tropischen Wäldern beheimatet. Die meisten davon sind wissenschaftlich noch unentdeckt. Nach Zahlen des wwf wurden seit dem Jahr 1999 im gesamten Amazonien -Regenwald mehr als 2200 Pflanzen und Tierarten neu identifiziert.

kamenten im einstelligen Prozentbereich. Der Verband Botanic Gardens Conservation International (bgci) schrieb hingegen 2008 in seinem Jahresbericht, dass etwa 25 % der verschreibungspflichtigen Medikamente direkt aus Pflanzen gewonnen oder aus pflanzlichen Substanzen modelliert seien. Klar ist aber, dass seit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms Anfang der 2000er-Jahre die Naturstoffforschung stark zurückgegangen ist. Ein klassisches Medikament gegen Malaria, das aus der Rinde des Chinarindenbaums (Cinchona pubescens) gewonnen und seit der Kolonialisierung eingesetzt wird, ist Chinin. Ein Pulver, das schon präkolumbianische Völker gegen Fieber einsetzten. Durch Zufall entdeckten die Spanier, dass es auch gegen Malaria hilft. Diese Entdeckung unterstützte die Kolonisatoren weltweit bei der Ausbeutung der Kolonien. Ohne Chinin wären die meisten Spanier, Engländer, Portugiesen und Holländer an Malaria gestorben. Eine Ironie des Schicksal.

Palillo (Curcuma longa) wird gegen Durchfall eingesetzt.

Die Rinde des Ajo Sacha (Knoblauchbaum – Mansoa alliacea) wird eingeweicht zur Mückenabwehr, gegen Magen­ verstimmung und negative Energie eingesetzt.


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»Über Leben« — die Unterrichtsmaterialien von Global 2000 und der Stiftung Blühendes Österreich stehen gratis zum Download zur Verfügung: www.multivision.at

Unterrichtsmaterial Für die Sekundar stufe

Rechtzeitig zum Beginn des Frühlings, am 21. März, stellten Global 2000 und die Stiftung Blühendes Österreich die Unterrichtsunterlagen zum Thema Biodiversität vor. Die umfangreichen Unterlagen wurden von der Pädagogin Sieglinde Binder-Knoll erarbeitet und bieten nicht nur anschaulichen Stoff, sondern vor allem ganz konkrete Beispiele und Anregungen, wie sich das Thema unserer Tage – der massive Verlust an Arten und biologischer Vielfalt – praktisch in den Unterricht einbauen lässt. Beispiele für den Mathematikunterricht finden sich da ebenso wie etwa Anregungen für den Deutsch-, Geschichte-, Biologie- oder Wirtschaftskundeunterricht. »Meine Triebfeder ist es, junge Menschen für die Artenvielfalt zu sensibilisieren und ihnen zu zeigen, dass jede und jeder für deren Schutz verantwortlich ist«, so Binder-Knoll.

Fächerübergreifend Bewusstsein schaffen »Wegschauen geht nicht mehr«, meint Miriam Bahn, Umweltbeauftragte von Global 2000: »Wir müssen mittels Bildungsarbeit Bewusstsein für lokale globale Zusammenhänge schaffen und ermutigen, sich für die Förderung der Artenvielfalt einzusetzen.« Seit Jahren passiert das nicht nur in der Multivision-Show, mit der Global 2000 Schulen besucht, sondern auch in einer erfolgreichen Kooperation mit der Stiftung Blühendes Österreich. Deren Geschäftsführer Ronald Würflinger freute sich bei der Präsentation der Unterrichtsmaterialien in einer Wiener Schule: »Zum ersten Mal in Österreich gibt es nun auch für Pädagoginnen und Pädagogen Lernunterlagen, damit sie Biodiversität fächerübergreifend im Unterricht verankern können.« ■

Bilder  GLOBAL 20 00 /C hristopher Glanzl , Global 200 0

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Bio r a m a 61

BAD E T O U R ISM U S

45 Text Yasmin Vihaus

Wie viel Tourismus

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überlebt ein See? Die »Laguna de Bacalar« gilt als eines der gefährdetsten Gewässer weltweit. Ein Großteil der BewohnerInnen der angrenzenden Stadt hat das verstanden, doch das reicht im vom Tourismus geprägten Yucatan nicht.


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BAD E T O U R ISM U S

K

napp fünf Stunden dauert die Autofahrt vom Flughafen Cancun nach Bacalar, einer Stadt nahe der Grenze zu Belize. Auf beiden Seiten der wenig befahrenen Bundesstraße bleibt der Ausblick weitestgehend immer gleich: dichter Dschungel. Hat man die relativ eintönige Autofahrt hinter sich, kann man sich dem Charme der »Laguna de Bacalar«, die wie eine Oase umringt von dichtem Urwald wirkt, nur schwer entziehen. Das glasklare Wasser schimmert in zahlreichen Blauschattierungen, von Türkis bis Tiefdunkelblau. Die »Laguna de los Siete Colores«, wie sie ursprünglich von den Maya genannt wurde, entstand durch einen Zusammenschluss von mehreren Stromatolithen für Yucatan typischen unterirdiStromatolithen entstanden ab dem schen Höhlen und KalksteinlöPräkambrium und bestehen aus diversen Bakterienarten, vor allem chern, die sich über die Jahre mit aber aus Cyanobakterien, die einen Süßwasser gefüllt haben. Damit dünnen Biofilm erzeugen, auf dem ist das Gewässer streng genomsich durch den Stoffwechsel der men keine Lagune, sondern ein Bakterien kalkhaltiges Sediment anlagert. Dieser Prozess wiederholt See – mit besonderen Eigenschafsich über die Jahre immer wieder ten. Die unterschiedlich tiefen und führt zum charakteristischen Cenoten* verleihen dem Wasser schichtartigen Aufbau. Heute werverschiedenste Blautöne, die auf den Stromatolithen als die ersten dem Grund vorkommenden Stroerkennbar durch Organismen aufgebauten Gebilde angesehen. Die matolithen sind für die unverältesten fossilen Stromatolithen wechselbaren Pastelltöne verantsind über dreieinhalb Milliarden wortlich. Die Laguna de Bacalar Jahre alt und ermöglichen Rückist eines von sehr wenigen Gewässchlüsse auf den Beginn des Lebens sern weltweit, in denen Stromatoauf der Erde.

lithen heute noch existieren. Die biosedimentären Strukturen gehen aus Lebensprozessen primitiver Algen und Bakterien hervor und gehören zu den ältesten Fossilien überhaupt. * Bacalar ist in den letzten Jahren stark gewachsen, im Vergleich zu den Tourismushochburgen Cancun, Playa del Carmen oder Tulum wirkt die Stadt am Ostufer des Sees dennoch wie ein kleiner Fischerort. All-inclusive-Hotels sucht man hier vergebens. MexikanerInnen und Expats, die sich hier niedergelassen haben, vermieten Apartments am Ufer des knapp 40 Kilometer langen Sees, zudem gibt es eine verhältnismäßig große Anzahl an kleinen Eco-Hotels. Wer Ruhe vom allgegenwärtigen Massentourismus in Yucatan sucht, wird sie hier finden. Die im Vergleich relativ abgelegene Lage hat die Umgebung bisher vor einem größeren Ansturm von TouristInnen bewahrt, wie Jerry Caster, Leiter des Laguna Bacalar Institute, erklärt. Dennoch sorgen sich die Einheimischen um »ihren« See und seine sieben Farben, denn ein Geheimtipp ist Bacalar nicht mehr. Die Tourismusindustrie habe ein Auge auf die Region geworfen, in den letzten Jahren seien immer mehr Apartments entstanden und noch mehr sollen folgen. Obwohl die Gegend finanziell vom Tourismus profitiert, stehen viele dem touristischen Ausbau skeptisch gegenüber und erwähnen das trotz Gastfreundschaft auch Reisenden gegenüber. Die Gegend hat schon jetzt – durch die steigenden Einwoh­nerInnenzahlen

Bild Istock .com/Lunamari na

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B io r a m a 6 1

BAD E T O U R ISM U S

Cenoten sind mit Süßwasser gefüllte, dolinenartige Kalksteinlöcher. Durch die Auflösung des Kalkgesteins bildeten sich Höhlen und unterirdische Wasserläufe, bricht die Höhlendecke ein, entsteht eine Öffnung nach oben hin. Allein im Bundesstaat Quintana Roo auf der Halbinsel Yucatan sind mehr als 1000 solcher Cenoten bekannt, viele davon sind zum Baden zugänglich.

und eine höhere Anzahl an TouristInnen – massive infrastrukturelle Probleme. Das Abwassersystem ist schlecht oder gar nicht ausgebaut, ein Großteil der hier anfallenden Schadstoffe gelangt ins Grundwasser und gefährdet damit das fragile Ökosystem des oligotrophen, stickstoffarmen Sees. Wird Abwasser in den Boden oder in den See geleitet, wird das Wasser mit angereicherten Nährstoffen, vor allem mit Stickstoff und Phosphor, angereichert. Das führt wiederum zu einem vermehrten Pflanzenwachstum, das die Wasserqualität des Sees und damit auch die größte bekannte Ansammlung an Stromatolithen gefährdet. All das erfährt man relativ schnell, wenn man in Bacalar zu Gast ist, denn viele der Menschen, die hier leben, kämpfen aktiv um die Erhaltung dieses ganz besonderen Ökosystems. In den letzten Jahren haben sich zahlreiche BürgerInneninitiativen gebildet – neben dem Laguna Bacalar Institute, das in regelmäßigen Abständen internationale Symposien zu den gefährdeten Stromatolithen abhält und auf Bildung vor Ort setzt, versucht die NGO Agua Clara sowohl bei den EinwohnerInnen als auch international Aufmerksamkeit und Verständnis für die Problematik zu schaffen. Das scheint zumindest teil-

weise zu gelingen, obwohl Umweltschutz für viele Menschen vor Ort bis vor wenigen Jahren einen geringen bis gar keinen Stellenwert hatte. Der Ausbau eines funktionierenden Abwassersystems wird – trotz zahlreicher Gespräche mit den Behörden – voraussichtlich noch einige Jahre dauern. Bis dahin will man den See, so gut es geht, selbst schützen. Private Apartment-BetreiberInnen stellen beispielsweise selbst biologisch abbaubare Hygieneprodukte wie Duschgel, Shampoo oder Zahnpasta her, zahlreiche Hinweistafeln weisen auf das Verbot von Sonnencremes hin. Doch was innerhalb einer kleinen Gemeinde funktioniert, ist vor allem dann zum Scheitern verurteilt, wenn TouristInnen in der Überzahl sind. Das Verbot von nicht biologisch abbaubarer Sonnencreme gilt beispielsweise in ganz Yucatan, an der Karibikküste vor allem zum Schutz der Korallen. Die Kontrolle gestaltet sich allerdings als schwierig. Die Halbinsel Yucatan ist in gewissem Maße abhängig vom Tourismus, verkauft wird, was nachgefragt wird, und in großen Teilen des Landes fehlt es vor allem an Wissen ob der Gefährdung der Natur. Wie sich in Gesprächen vor Ort zeigt, erkennen selbst ApothekerInnen oft nicht wirklich, welches Produkt

Bild cc20 mz agerp flickr

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nun eine Gefahr für die Umwelt mit sich bringt und welches nicht. Die Initiative Agua Clara rät auf Hinweisschildern deshalb etwa, sich bei längeren Aktivitäten im oder auf dem Wasser mit Textilien vor der Sonne zu schützen. Was ungewöhnlich wirkt, funktioniert in der Praxis durchaus gut. Bei angenehmen 28 Grad Außentemperatur und einer Wassertemperatur von etwa 25 Grad wirkt das T-Shirt nach dem Kajakfahren und anschließendem Baden noch angenehm kühlend, die Kappe schützt währenddessen nicht nur das Gesicht vor der Sonne, sondern auch die Augen vor der Reflexion der Sonneneinstrahlung am Wasser. Problem gelöst? Nicht ganz, denn man muss nun mal gewillt sein, seine Gewohnheiten anzupassen. Es scheint so, als würde diese Anpassung bei den BewohnerInnen langsam vonstattengehen. Es bleibt abzuwarten, ob in den nächsten Jahren genug Maßnahmen gesetzt werden, um den See zu schützen, und ob sich die Begeisterung für Umweltschutz auch bei der befürchteten Masse an TouristInnen breitmacht – oder ob sich die »Lagune der sieben Farben« durch den Verlust ihres Alleinstellungsmerkmals selbst ihrer BesucherInnen entledigt.

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SU R VI V E STY L E

interview Irina Zelewitz

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Bilder Michèle Pauty

AntiPollutionFashion Atemschutzmasken werden zunehmend zum Alltagsaccessoire und beginnen auch, dementsprechend auszusehen. Auch das kalifornische Unternehmen Vogmask stellt solche her. Seine Geschäftsführerin Wendover Brown erklärt, wovor sie uns schützen.

Maske: Vogmask Modell Black Organic, medium vogmask-europe.com Kleid: Muso Koroni muso-koroni.com Wendejacke: Malimo malimo.co Schuhe: Think! thinkshoes.com


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biorama: Ist eine Atemschutzmaske wie die von Vogmask ein Fashion Item oder Weareable Tech? Wendover Brown: Hinsichtlich Funktionalität ist es Weareable Tech, hinsichtlich der User Experience ist es Mode. Es ist modisch und funktional.

Was ist ein sogenanntes Health Accessoire? Die Vogmask ist ein Health Accessoire, das bedeutet für uns vor allem Regulationen: Wir sind aufgrund der unterschiedlichen Zulassungsmodi in manchen Märkten auch als Schutzausrüstung am Arbeitsplatz (Personal Protective Equipment) zugelassen – so etwa in der EU –, in anderen nicht, etwa in den USA, da verkaufen wir dann nur an EndverbraucherInnen. Was unterscheidet Masken wie Vogmasks von klassischen Atemschutzmasken? Atemschutzmasken werden üblicherweise in zwei Kategorien eingeteilt. Entweder es sind Einmalmasken oder sie sind wiederverwendbar. Unsere ist wiederverwendbar und waschbar. Und nicht wie die herkömmlichen aus Polypropylen. Unsere musst du nicht nach jedem Gebrauch wegwerfen. Ist Anti-Pollution-Mode ein Trend oder eine Notwendigkeit? Ich fürchte, es ist eine Notwendigkeit. Und zwar nicht nur für Menschen mit empfindlichen Lungen, sondern leider auch darüber hinaus. Wir stellen etwa Masken für Schulkinder in Delhi, Indien, zur Verfügung. Diese Kinder würden wohl teilweise krank werden ohne die Masken. Dort wird die Luftqualität der noch


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survive style

52 schlechter als besser – früher war die Belastung nur zu bestimmten Jahreszeiten so gesundheitsbedrohlich, jetzt ist es das ganze Jahr über so. Mit welchem Accessoire könnte man die Vogmask vergleichen? Jüngst ist ein Artikel auf vox.com erschienen, der sich vorstellt, Atemschutzmasken werden die neuen Sonnenbrillen.

Kleid: Anzüglich anzueglich.at Wendejacke: Malimo Schuhe: Think!

Wogegen schützen sich die meisten Ihrer KonsumentInnen durch die Maske? Einerseits ist sie eine Schutz­­m aßnahme bei persönlichen Einschränkungen: bei Asthma, bei geschädigtem Immunsystem nach Operationen oder auch bei Allergien. Andererseits schützen sie bei schlechter Luftqualität, bedingt durch Verbrennungsabgase aus Industrie oder Verkehr oder durch Waldbrände und Vulkanausbrüche, aber bei hoher Pollenoder Feinstaubbelastung. Mittlerweile haben wir hier in Kalifornien ja regelmäßig Waldbrände, entstanden ist die Idee aber wegen Sandstürmen. Und zwar auf dem Burning Man Festival (das in der Wüste stattfindet, Anm.) wegen des dortigen Sandstaubs in der Luft. Es brauchte für dieses Publikum Atemschutzmasken, die cooler aussehen und umweltfreundlicher sind als das, was es gab. Wenn die Maske hübsch ist, schauen dich die Leute nicht so schnell an und denken: Oh, der Mensch ist krank. Sondern sie denken eher: Das ist ein Mensch, der seine Gesundheit schützt. Zum Beispiel auch einfach beim Fahrradfahren oder Motorradfahren im Straßenverkehr. Wir nennen diesen Anwendungsbereich Urban Commuting.

Welcher ist derzeit Ihr bedeutendster Absatzmarkt? Bei Weitem die usa – weil wir da zu Hause sind. Dann kommt gleich Indien. Und an dritter Stelle der restliche asiatische Markt zusammengerechnet. Es gibt einzelne kleinere Regionen mit besonders schlechter Luftqualität, in die wir verhältnismäßig viel exportieren. Hierzu gehört zum Beispiel Skopje in Mazedonien. Sollte ich die Maske nach dem auf der Verpackung aufgedruckten »Ablaufdatum« wegwerfen? Der Aufdruck bedeutet das Obsoleszenzdatum des Filters, dessen Effizienz ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu 100 % garantierbar ist. Die meisten NutzerInnen werden die Maske allerdings eher 6–12 Monate nutzen. Wir drucken ein Datum bei der Produktion auf. Doch die Abnutzung des Filters beginnt mit der Nutzung, wenn man die Verpackung öffnet – das haben wir im großen Stil getestet.

Maske: Vogmask Modell Hummingbird, in medium Schuhe: Think!


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Wendover Brown hat gemeinsam mit ihrem Sohn Marc Vogmask gegründet und leitet das Unternehmen auch mit diesem.

»Wenn die Maske hübsch ist, schauen dich Leute nicht so schnell an und denken: Der Mensch ist krank. Sondern sie denken eher: Das ist ein Mensch, der seine Gesundheit schützt.«

Bestehen die Hauptkomponenten der Vogmasks aus Synthetik? Derzeit sind wir technisch auf synthetisches Material angewiesen, und unsere Masken bestehen auch anteilsmäßig zum Großteil aus synthetischen Fasern. Aber wir planen eine neue Generation von Masken, die ohne synthetische Materialien auskommt. Die wird Teil unserer Biobaumwolllinie sein und auch einen Filter aus organischem Material haben. Sie muss noch Tests passieren, aber wir erwarten eine Markteinführung im September. Warum gibt es derzeit nur eine OrganicLinie, statt für alle Masken Biobaumwolle zu verwenden? Wir können die fancy Designs nicht auf alle Masken drucken. Die Biobaumwollmaske ist gefärbt und nicht bedruckt. Wir müssen uns also entscheiden, wir haben bis jetzt keinen Weg gefunden, mit der Pflanzenfarbe, mit der wir die Biobaumwolle färben, die Masken zu bedrucken. Die Modeindustrie trägt selbst maßgeblich zur Umweltverschmutzung bei. Was trägt Ihr Unternehmen zur Veränderung bei? Wir unterstützen diverse Umweltschutzinitiativen, unter anderem solche des wwf, besonders in Asien. Grundsätzlich denken wir, besonders im Bereich Mode müssen wir mehr auf längere Lebenszyklen von Produkten abzielen. Und wir hoffen schon, dass unsere Masken auch indirekt »laut genug« sind, um einen Diskurs anzukurbeln.


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Kleid: Muso Koroni Wendejacke: Malimo


Bio r a m a 61

Fas h ion-Stateme n t

55 Text Gabriel Roland

Atemschutz

W

ie selbstverständlich es für uns ist, Luft zum Atmen zu haben, zeigt sich nicht zuletzt daran, wie wir gestalterisch damit umgehen, dass wir unseren Körper mit Sauerstoff versorgen müssen: nämlich meistens gar nicht. Die Luftzufuhr ist im Gegensatz zu vielen anderen Körperfunktionen alles andere als over-designed. Wenn man von Spezialfällen wie dem Tauchen, Besuchen im Weltall oder brennender Gebäude absieht, ist unser Hauptinteresse beim Atmen, es im wahrsten Sinne des Wortes frei tun zu können – das heißt uneingeschränkt durch technische Vorrichtungen. Es herrscht eine gewisse Romantik des Atmens vor. Neben dem Herzschlag gilt es als die grundlegendste Tätigkeit eines Lebewesens, als Sinnbild für das Leben selbst. Mit einem Menschen, der ohne Hilfsmittel nicht genug Luft bekommt, stimmt irgendetwas nicht. Entweder ist er alles andere als gesund oder hält sich zumindest an einem Ort auf, an dem er eigentlich nichts verloren hat. Wenn einem der Atem wegbleibt oder es einem die Kehle zuschnürt und man nicht frei atmen kann, heißt das auch metaphorisch selten etwas Gutes. Atem ist Leben, ist Seele und die gehört der Natur und nicht der Technik. Was aber, wenn die Luft, der passive Part, der das ganze Atmen mit sich geschehen lassen muss, nicht mehr dieselbe ist? Nicht zuletzt dadurch, dass wir in den meisten Lebensbereichen nicht der gleichen Romantik des Naturbelassenen anhängen wie beim Atmen und stattdessen nach technischen Lösungen suchen, leben mehr und mehr Menschen an Orten, an denen die Luft weit von der klaren Berg- oder würzigen Waldluft entfernt ist, die man zum idealtypischen Atmen bräuchte. An diesen Orten ist es unangenehm oder sogar

» Auch die Atemmaske drückt ein mehr oder weniger hübsches Pflaster auf das persönliche Wohlbefinden Einzelner, ohne sich um die Wurzel der eigenen Notwendigkeit zu scheren.« ungesund zu atmen. Und wie so oft lösen sich die Romantik und die Poesie des Lebens rasch auf, wenn es ums Überleben geht. An ihre Stelle tritt der Pragmatismus der technischen Lösungen und mit ihm das Angebot an Produkten – zumindest dort, wo die von den zu lösenden Problemen Betroffenen privilegiert genug sind, dass sich die Unternehmung auszahlt. Auch die Atemmaske drückt ein mehr oder weniger hübsches Pflaster auf das persönliche Wohlbefinden Einzelner, ohne sich um die Wurzel der eigenen Notwendigkeit zu scheren. So überrascht es nicht, dass sie das Accessoire dunkler Bösewichte wie Darth Vader oder Bane aus Batman ist, die inmitten dystopischen Verfalls am eigenen Vorankommen interessiert sind. Die Atemmaske mit Blumenmuster ist insofern nicht nur eklatantes Beispiel für gendered design, sondern bedeutet auch die Akzeptanz lebensfeindlicher Umstände als neue Normalität. Wer nun also beim Joggen durch eine Stadt, neben stockendem Autoverkehr, eine modisch-sportliche Atemmaske trägt, will sagen, dass wegen ein bisschen Luftverschmutzung nicht gleich Weltuntergangsstimmung aufkommen muss. Die Maske funktioniert dabei wie ein Rettungsboot, in dem genau eine Person Platz hat. Es mag blumige Tapeten haben, wie es aber um die Seetüchtigkeit sehr kleiner Boote bei hohem Wellengang bestellt ist, ist trotzdem hinlänglich bekannt.


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2 nd -Ha n d & E co Fas h io n

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»Seit 2012 trage ich ausschließlich 2nd-Hand oder nähe mir Kleidungsstücke selbst. Ich empfinde das als umweltschonend und individuell. Und das ist meine Mission: der Urban Foxxes Store.« – Kasandra Hipp, Urban Foxxes urbanfoxxes.com

Hosen und Rock: Urban Foxxes T-Shirts links und Mitte: Urban Foxxes T-Shirt rechts: Poolbar Festival


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Refashion

Das Poolbar-Festival im vorarlbergischen Feldkirch lässt seine angejährten T-Shirts von Urban Foxxes redesignen und hat zum Shooting gleich noch FreundInnen aus Feldkirchs »Grünzone« eingeladen. Bilder Jasmin Elmi

En tg elt l ic he E i ns c h a ltu n g i m R a h men ei n er Ko o p e rat i on z w i sc he n B IORAMA u n d d e m po o lb a r F e st iva l u n d d e r Sta d t F e ld k irch .

D

as idyllisch-urbane Vorarlberger Städtchen Feldkirch hat eine kleine »Grünzone« mit einer feinen Auswahl an Independent-Shops. »Es gibt wohl einen Grundkonsens gegen Verschwendung. Im Detail haben die ShopbetreiberInnen der Grünzone dann eine eigene Definition von Nachhaltigkeit«, erklärt Kasandra Hipp, Betreiberin von Urban Foxxes, wo sie 2nd-Hand-Mode und Selbstgenähtes aus 2nd-Hand-Stoffen verkauft. Beim Poolbar-Festival im Reichenfeldpark, einen (kräftigen) Steinwurf von Urban Foxxes entfernt, dreht sich alles um »Kulturelles von Nischen bis Pop«, viel Musik im Großen (»Poolbar auf der Wiese«, Open Air mit Bilderbuch, Blood Red Shoes, Wooze u. v. a.) wie im Kleinen (nationale und internationale Perlen), aber auch Diskurs und sehr viel gute Gestaltung: Von Architektur bis Grafik, von Produktdesign bis Kunst – das alles gibt’s jährlich neu beim Poolbar-Festival, das 2013 als österreichweit zweites Festival als »Green Event« ausgezeichnet wurde.


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2 nd -Ha n d & E co Fas h io n

T-Shirt: Urban Foxxes Grüne Shorts: Ravensview (Kleidergrün) Hemd: Armed Angels (Kleidergrün) Hose: Urban Foxxes Pullover: Armed Angels (Kleidergrün) Gestreifte Shorts: Haikure (Kleidergrün)

»Als ich mit Menschen mit psychischen Erkrankungen in einer Siebdruckwerkstatt gearbeitet habe, kosteten die Shirts zum Bedrucken 1,99. Als gelernte Schneiderin kenne ich die Arbeit, die hinter einem solchen T-Shirt steckt, und weiß, dass dieser Betrag gerade mal den Rohstoff in anständiger Qualität abdecken kann. Da habe ich entschieden, ein Geschäft zu eröffnen, um so faire Kleidung wie möglich anzubieten.« Franziska Wolf leitet Kleidergrün, kleidergruen.at Strickkleid: Kona Headscarf: Urban Foxxes Kleid: GR Nature


Stricktops: Kona

Jeans: Urban Foxxes

Shorts: Urban Foxxes

Overall: Lovjoy

Beanie: Models own

(KleiDergrün)

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Netztop: Greentee (Kleidergrün)

»Man muss einfach schon vermeiden, dass Plastik überhaupt erzeugt wird, weil es quasi nicht abbaubar ist und die Umwelt aufs Massivste schädigt. Mein ganzer Laden ist plastikfrei, die Mode nicht zuletzt auch deswegen, weil Synthetik schlicht unangenehm zu tragen ist.« Sabine Frick, Geschäftsführerin von Kona, näht selbst in ihrer Werkstatt oder strickt direkt im Laden; kona-schoenedinge.at

T-Shirts: Poolbar-Festival Unterteile: Urban Foxxes

En tg elt l ic he E i ns c h a ltu n g i m R a h men ei n er Ko o p e rat i on z w i sc he n B IORAMA u n d d e m po o lb a r F e st iva l u n d d e r Sta d t F e ld k irch .

Beim biorama-Shooting im stadtnahen nostalgischen Schwimmbad Felsenau finden Kona, Kleidergrün, Urban Foxxes und das Poolbar-Festival zusammen. Im Zentrum steht das derzeit spannendste Projekt, mit dem sich Urban Foxxes beschäftigt: die Dekonstruktion und das Redesign von betagten Poolbar-T-Shirts – es entstehen Einzelstücke mit Poolbar-History. Zu kaufen gibt’s die bei Urban Foxxes und beim Poolbar-Festival (5. Juli bis 11. August). poolbar.at & feldkirch.travel


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Bio r a m a 61

R uc k sac kreisen

Backpack-Hacks

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Jenseits von ausgetretenen thailändischen Pfaden wartet auf neugierige Rucksackreisende Afrika, sagt Henrike Brandstötter mit ihrem Buch »Backpacking in Afrika«. Und erklärt, wie man das angeht.

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er sich ein Reiseziel backpackend erschließend will, kauft sich einen »Lonely Planet« der Region, liest vielleicht ein wenig Literatur aus dem zu bereisenden Land, googelt Hostel-, Hotel- und Restauranttipps, aber: Sie oder er kauft sich kein Packpacking-Erklärbuch. Zumindest im Klischee passt das nicht ins Selbstverständnis. Das hat Henrike Brandstötter vergessen, als sie die eingefleischten »distinktionsfetischistischen« »kleinen Naseweise« der GlobetrotterInnen, RucksacktouristInnen oder BackpackerInnen beschrieben hat – in ihrem Buch über Backpacking. In Afrika. Aber mit diesen – witzig beschriebenen – Typen von an einem echten Kennenlernen des Ziellandes eher desinteressierten (Pseudo-)Individualreisenden rechnet sie ohnehin gleich zu Beginn ab. In zehn Geboten für Backpacker kommen sympathisch klare Ansagen dazu, wie man sich als der Gast, der man in einem anderen Land dann sei, zu verhalten hat. Diesen ist anzumerken, dass die Autorin viel gereist ist und dabei einiges unpassendes TouristInnenverhalten erlebt hat: Beim Gebot »Sei kein Schnorrer» findet sich etwa der schöne Satz: »Wer das Letzte aus einem Menschen herauspresst, der dringend ein paar Scheine verdienen muss, ist ein Arsch. Wenn du nicht angemessen bezahlen kannst, solltest du nicht reisen.« Auch etwa der Inhalt zum Aufruf »Werde kein Zyniker«, illustriert mit Erzählungen von Reisebekanntschaften über »den ‚Afrikaner an sich‘«, ist Balsam in den Augen und Ohren derer, die genug davon haben, auf Reisen abgeklärten Klugscheißern mit Missionsabsichten zuzuhören. Zugegeben, zum Teil gelten diese Spielregeln wohl einfach grundsätzlich, also auch zuhause. LeserInnenerziehungsversuche mit konkreten Ausführungen zum Thema »Sei dir deiner Privilegien bewusst« haben aber auf Afrikareisen wohl besondere Existenzberechtigung.

Bei manchen Tipps fragt man sich hingegen, ob die Zielgruppe nicht ein wenig enger definiert – und idealerweise am Klappentext auch entsprechend offengelegt – werden sollte: »Sobald du in der Flughafenlobby bist, besorge dir Bargeld in der Landeswährung. Die Bankomaten sind fast alle für internationale Karten geeignet und so hast du Scheine, um die Taxifahrt in die Stadt zu bezahlen.« Doch das Buch, das »kein Reiseführer« sein will, bietet ja durchaus noch mehr: Praktische und ausführliche Hilfestellungen etwa zu den Themen Gepäck, essen, einkaufen, Hygiene, Grenzübertritte in der Zielregion und nicht zuletzt Reisebudgetplanung und -verwaltung. Außerdem: übersichtliche Tabellen zu Sicherheit, Amtssprachen, Klima und Reisezeit, mithilfe derer man sehr schnell zu einer Einschätzung kommt, welche Gegenden Afrikas für die eigene Reise überhaupt infrage kämen. Und: Weiterführende Lektüretipps gibt’s am Ende auch noch. Ganz nebenbei wird in angenehmen Dosen Haltung im Umgang mit Korruption wie mit Bettwanzen vermittelt oder an die Geschmacklosigkeit von Poverty Porn und die Kurzsichtigkeit von Voluntourism erinnert. Einer von wenigen Wermutstropfen: Teilweise hält sich auch bei komplexen Fragen die Liebe zum Detail wie die Scheu vor schnellen Urteilen in Grenzen. Beispielsweise kommt nach nur drei Seiten zum Thema Entwicklungshilfe ein etwas lapidares Fazit daher: »Wer ein stolzes, unabhängiges Afrika, einen Partner auf Augenhöhe möchte, der macht den Kontinent nicht zum Bittsteller. Staatliche Entwicklungshilfe sollte daher langsam ausgeschliffen werden.« Insgesamt ist »Backpacking in Afrika« kurz und kurzweilig, ein Buch, um es ein Mal zu lesen und dann weiterzugeben, um »Menschen für eine Reise nach Afrika zu begeistern. Dieser wunderbare, vielfältige, aufregende Kontinent hat es verdient», wie es Brandstötter formuliert.

Text Irina Zelewitz

Offenlegung: Die Autorin des Textes konnte bisher keinerlei persönliche Erfahrung als Rucksacktouristin in Afrika sammeln.

Henrike Brandstötter ist erfahrene Afrika-Reisende und hat bereits gemeinsam mit Michael Hafner »The Big Boda Boda Book«, einen Foto- und Reportageband über Motoradtaxis in Uganda, veröffentlicht. »Backpacking in Afrika« ist 2018 im Indiekator Verlag erschienen.


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rechnung in Anspruch nehmen. In

mit Sie sich Ihre persönliche

diesem Fall verringert sich bereits

Steuerersparnis durch den Fa-

Fest steht, niemand steigt durch

während des Jahres Ihre Lohnsteuer

milienbonus Plus beziehungs-

den Familienbonus Plus schlechter

und Sie spüren laufend eine mo-

weise den Kindermehrbetrag

aus als zuvor.

natliche Entlastung. Dazu müssen

ausrechnen können.

Sie das Formular E 30 ausfüllen

Neu: Der Kindermehrbetrag

und Ihrem Arbeitgeber abgeben.

Den Rechner, den aktuellen

Sie können Ihren Steuervorteil aber

Folder sowie weitere Informa-

Anders als bisher werden nun auch

auch nach Ablauf des Jahres beim

tionen finden Sie gesammelt

geringverdienende Alleinerziehende

Finanzamt über die Steuererklärung

auf familienbonusplus.at

bzw. Alleinverdienende berücksich-

bzw. Arbeitnehmerveranlagung


Bio r a m a 61

P rofessio n elle Auth en ti z ität

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Under the Influence

InfluencerInnen nutzen ihre Social-Media-Kanäle für Werbebotschaften. Dabei geht es um Reichweite und Authentizität. Es kann zu Verwechslungen kommen.

Bilder Lou isa De llert , istock .co m/Pi xe lfi t

Text Thomas Stollenwerk

E

in sonniger Nachmittag Mitte Mai. Louisa Dellert posiert mit einem Fahrrad aus Bambus auf einem Steg an einem idyllischen See in Braunschweig. Das Motiv landet als Posting auf Instagram. Der Begleittext: »Werbung. Ein Sonntag ohne Arbeit: auf dem Flohmarkt nach Schnäppchen Ausschau halten, Fahrrad fahren, Jogger an, lesen, entspannen, wenig nachdenken   Das Fahrrad ist mein neuer Begleiter und von @myboobamboobikes«. Dafür gab es über 12.000 Likes. Mit solchen Werbepostings verdienen Louisa Dellert und Tausende andere Influ­encerInnen im Internet Geld. Manche sehen darin gar die Demokratisierung des Berufsbilds »Werbeikone«. InfluencerInnen sind Leute, die ihre große Reichweite im Social Web nutzen, um gezielt »persönliche« Botschaften an ihre FollowerInnen und Friends zu senden. Je größer die Audience, desto höher der Werbewert der InfluencerInnen. Der englische Begriff erinnert nicht ganz zufällig an Influenza. Treffen Grippe­erreger auf die richtigen WirtInnen, können sie sich raMit Postings wie diesen verdienen Louisa Dellert send schnell verbreiten. Diesen und Tausende andere InfluencerInnen Geld als Verbreitungseffekt versuchen WerbeträgerInnen. Manche sehen darin die Unternehmen im Marketing zu Demo­kratisierung des Berufsbilds »Werbeikone«.

nutzen, wenn sie ihre Werbebotschaften durch besonders gut vernetzte WirtInnen unter die Leute bringen lassen. MultiplikatorInnen nannte man so etwas noch vor wenigen Jahren. Inzwischen spielen die reichweitenstarken WerbeträgerInnen eine große Rolle im Marketing. Denn während relevante Zielgruppen Zeit auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, Tiktok und Youtube verbringen, sind sie empfänglich für das, was ihnen InfluencerInnen in ihre Feeds senden. Zum Beispiel für jenen sonnigen Hinweis auf ein Bambusfahrrad. So haben sich InfluencerInnen zur relevanten Konkurrenz anderer Medien entwickelt, die von Werbeeinnahmen abhängig sind.

Verführbare und kritische Zielgruppen Der deutsche Bundesverband Digitale Wirtschaft hat im März 2019 ermittelt, wie empfänglich bestimmte Altersgruppen für InfluencerInnen-Marketing sind. Unter den 16- bis 24-Jährigen gaben 88 Prozent an, mindestens wöchentlich von InfluencerInnen erreicht zu werden. 43 Prozent in dieser Zielgruppe gaben an, sich von ihnen auch zum Kauf bestimmter Marken oder Produkte inspirieren zu lassen. Ältere Zielgruppen sind nicht ganz so empfänglich für den Social-Media-Influence. Bei den 25- bis 34-Jährigen sind es immerhin 63 Prozent, die wöchentlich mit InfluencerInnen in Kontakt kommen, und 30 Prozent, die sich von ihnen auch verführen lassen, bestimmte Produkte oder Marken zu kaufen. Nur 34 Prozent der 35- bis 44-Jährigen antworteten, mindestens wöchent-


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P rofession elle Auth en ti z ität

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Louisa Dellert aus Braunschweig ist Bloggerin und Influencerin. Sie hat sich auf Themen im Kontext Nachhaltigkeit spezialisiert und ist eine profilierte Botschafterin für Marken und ngos im Netz.

InfluencerInnen zu verbreiten. Die härteste lich Kontakt zu InfluencerInnen zu haben, und Währung im InfluencerInnen-Geschäft heißt 22 Prozent meinen, sich von ihnen auch zu befür viele Werbetreibende allerdings Reichweistimmtem Kaufverhalten inspirieren zu lassen. te. Authentische InfluencerInnen ohne FolAuch die Biobranche und andere Branchen lowerInnen nützen schließlich wenig. Kriti­ mit besonderem Nachhaltigkeitsanspruch setkerInnen stellen zunehmend die Frage, wie zen zunehmend auf die Reichweite von Innachhaltig es ist, einen Multimilliarden-WerbefluencerInnen. Dabei werden sie von speziamarkt aufzubauen, der auf Reichweite beruht. lisierten Agenturen unterstützt, die sich mit Die Soziologin Ana Andjelic beschreibt das Proden besonderen Ansprüchen von nachhalblem in einem Artikel auf der US-Plattform Fast tigkeitsaffinen Zielgruppen auskennen. Eine Company: »Durch unsere täglichen Social-Medieser Agenturen ist die Bio-PR-Agentur Siedia-Interaktionen, unsere stellvertretende Präben-Siebzig aus Berlin. Das Unternehmen entsenz bei reichlich dokumentierten Hochzeiten wickelt für seine KundInnen gemeinsam mit oder Geburten bekommen wir das Gefühl, dass bioaffinen InfluencerInnen Kooperationen auf wir unsere Social-Media-Bekanntschaften kenBlogs und Social-Media-Kanälen. »Die Biobnen, wie wir unsere eigenen FreundInnen kenranche wünscht sich InfluencerInnen, denen nen. Der soziale Einflussmarkt ist jedoch wie Nachhaltigkeit wirklich wichtig ist«, heißt es jeder andere Markt. Er verwendet Währung in einer Studie, die die Agentur im Jahr 2017 (Geschmack), um Kapital (sozialer Status) aufzum Thema InfluencerInnen-Marketing in zubauen. Dieses Kapital wird schließlich moder Biobranche veröffentlicht hat. »Ein positinetarisiert, und wir entdecken unweigerlich, ver Imagetransfer für eine Marke findet dann dass unsere Internet-FreundInnen Tausende statt, wenn sich Le­serInnen über eine Verbinund Abertausende Dollar verdienen, um Mardung des Online-Mediums mit einem bestimmken, Produkte und Ideen zu verkaufen, genau ten Unternehmen nicht wundern. Gleichzeitig wie die Prominenten, die es lange vor ihnen birgt es ein Risiko, mit InfluencerInnen zu argemacht haben. Vor einem Jahrzehnt hieß das beiten, die die Werte des Unternehmens nicht Gegenteil von authentischem Einfluss Austragen. Das erfordert, die Zusammenarbeit vorverkauf; heute ist es umher sehr genau zu prüfen gekehrt. Erst durch Ausund an den InfluencerIn»Authentizität verkauf entwickeln sich nen inhaltlich dranzubleiauthentische InfluencerInben.« Das gilt nicht nur für erlangt man nicht. nen, deren Zahl an FolloBiounternehmen, die ProDie hat man ein­ werInnen und Engagement dukte bewerben, sondern überhaupt groß genug sind, auch für ngos, die Influfach, oder man hat um von Marken erkannt encerInnen nutzen, um auf sie nicht.« und gesucht zu werden, politische Kampagnen oder – Louisa Dellert die ihr Publikum erreichen den Klimaschutz hinzuweiwollen.« Ihre These: Reichsen. Auch Louisa Dellert weite und Authentizität weiß über ihre Zielgruppe werden zunehmend miteinander verwechselt. in diesen Bereichen Bescheid: »Kritisch ist die Wenn massenhafte Reichweite zu AuthentiZielgruppe – das ist schon der richtige Begriff. zität wird, gibt es zunehmend auch ein techJe mehr man sich mit Gesellschaft und politinologisches Problem. Denn wo es um digitaschen Themen auseinandersetzt, desto kritile Reichweite geht, tummeln sich unter den scher wird natürlich das Publikum. Und es ist FollowerInnen und Likes fast immer auch Faja auch gut, dass so viel hinterfragt wird. Nur so ke-UserInnen und Bots. Wie sinnvoll ist Onwächst man mit einer Community zusammen. line-Reichweite als Maßstab, wenn selbst mitIch lerne jeden Tag etwas dazu, wenn mir Foltelmäßig erfolgreiche InfluencerInnen ihre lowerInnen schreiben.« angebliche Reichweite auf Bots aufbauen oder Authentizität versus Reichweite sich eigene Like-Bots kaufen, die automatisiert Social-Media-Postings liken? Das US-UnAuthentizität scheint also besonders wichternehmen Sway Ops, das sich mit der Aufdetig zu sein, wenn es darum geht, Botschaften ckung von Betrug im Internet beschäftigt, gibt über nachhaltige Produkte und Inhalte durch


Bilder Lou isa De llert , istock .co m/Martin-dm

an, dass Instagram-Inhalte, die mit den Hashtags #sponsored oder #ad als Werbung gekennzeichnet wurden, bis zu 50 Prozent des Engagements, das sie erzeugen, also Likes oder andere Reaktionen, durch Bots erzielen. Das hat Folgen für die Art und Weise, wie Erfolg im Internet entsteht. »Im Influ­ encerInnen-Markt der Zukunft verfügen Bots über die ultimative Kraft der Authentizität. Da die Apps uns nur Inhalte anzeigen, die wir bereits mögen, lehren sie uns, welche Stimmen und Perspektiven es wert sind, ihnen zu vertrauen«, befürchtet Ana Andjelic. Louisa Dellert sieht das anders. Für sie ist Authentizität nichts, das man sich aufbauen kann. Auch nicht durch Bots. »Authentizität erlangt man nicht. Die hat man einfach, oder man hat sie nicht. Da geht es um Lebenseinstellung und darum, wie man dieses ganze Social-Media-Business betreiben will. Ich kann von mir behaupten, dass ich erzogen wurde, so zu sein, wie ich bin. Das finden Menschen authentisch. Ich zeige, dass ich Fehler mache, oder zum Beispiel auch, dass ich nicht 100-prozentig plastikfrei lebe. Ich nehme die Leute mit in mein Leben und mir ist nichts unangenehm. Authentizität ist ein menschliches Ding, das man einfach in sich haben muss.«

Auch die Bio­branche und andere Branchen mit besonderem Nach­ haltigkeits­anspruch setzen zunehmend auf die Reich­ weite von InfluencerInnen.


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Befrag un g

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en Mitmach der und wun bare Preise n! gewinne

Wir wollen deine Meinung! Nimm an der LeserInnenbefragung teil und hilf uns, das beste aller möglichen bioramas zu werden!

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Unter den TeilnehmerInnen der Befragung werden allerlei Preise verlost ­– unter anderem:

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Wasserkraft ist saubere Energie – sofern ökologische Rahmenbedingungen und Umweltauflagen erfüllt werden. Das Wasser im Speichersee treibt Turbinen an, die den elektrischen Strom erzeugen, ohne den wir uns das Leben nicht mehr vorstellen können.

Der Mensch und das Wasser Der Mensch nutzt das Wasser vielfältig: Wir schwimmen in Badeseen, trinken Quellwasser und nutzen Flüsse zur Stromgewinnung. Die Alpen sind das »Wasserschloss Europas« – und die Nutzung von Wasserkraft ist zentraler Bestandteil der österreichischen Energie- und Klimastrategie. In Österreich gibt es rund 3.000 Wasserkraftwerke und ungefähr 2.000 Kleinstkraftwerke für den privaten Strombedarf. Mit Strom aus diesen Kraftwerken werden bereits zirka die Hälfte des heimischen Strombedarfs gedeckt. Bis 2030 ist es das Ziel, den gesamten Strombedarf durch erneuerbare Energien zu decken. Dazu zählen Windkraft, Solarenergie und die Wasserkraft (mit dem größten Anteil – rund 60 % der Stromproduktion in Österreich). Die Nutzung der Wasserkraft führt aber auch zu einem Eingriff in die natürlichen Ökosysteme. Staue, Wasserentnahmen und Unterbrechungen der Fließgewässer verändern die natürlichen Lebensräume für Fische und andere Wasserlebewesen. Mit den richtigen Entscheidungen in Planung und Management können große ökologische Nachteile behoben oder gleich vermieden werden.

Laufkraftwerke Speicher­kraft­werke Pump­speicher­kraft­werke

Mehr als 5.000 Wasserkraft­ werke produzieren erneuerbare Energie für Österreich.

Entgeltliche Einschaltung DES BMNT

bild Pixabay, Habersack et al. 2011

Strom in Österreich stammt zu einem Großteil aus erneuerbaren Energien – und das verdanken wir vor allem dem Wasser.


Mensch und Natur im Einklang Genau wie der Mensch seine Bedürfnisse am Wasser stillt, sind Gewässer wichtige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten – und die müssen geschützt werden.

Mit Fischwanderhilfen wird um den Staudamm ein Umgehungskanal gebaut, den Wasserlebewesen nutzen können um ihren natürlichen Wanderrouten folgen zu können. Seit Anfang der 2000er-Jahre sorgt die EU-Wasserrahmenrichtlinie dafür, dass bei Neubauten oder Renovierungen alter Wasserkraftwerke stärker auf die ökologischen Faktoren geachtet wird. Mehr Infos dazu gibt‘s unter www.bmnt.gv.at/wasser.

Fischwanderhilfen und Renaturierungen sind zentraler Bestandteil der eu-wrrl im Sinne eines »guten ökologischen Zustands«, der dadurch in allen Gewässern erreicht werden soll.

D o n a u Donaukraftwerk Abwinden-Asten

HYFISH – Weidezaun für die Fischwanderung Fische wandern. Und damit sie das auch in Einklang mit dem menschlichen Strombedarf tun können, braucht es rund um die Wasserkraftwerke Fischwanderhilfen. Leider ist das oft nicht genug und die Tiere verschwimmen sich bei der Abwärtswanderung in die Turbinen. Damit dies nicht geschieht, entwickelte ein Team rund um Barbara Brinkmeier am Arbeitsbereich Wasserbau der Universität Innsbruck ein Leitsystem für Fische, das wie ein Weidezaun im Wasser funktioniert: Mit minimalen Stromschlägen werden die Tiere weg von den Turbinen, hin zu Fisch­wanderhilfen geleitet. Das Projekt wurde heuer beim NEPTUN Wasserpreis in der Kategorie WasserFORSCHT mit dem zweiten Platz ausgezeichnet.

Das Projekt HYFISH von der Universität Innsbruck ist ein elektrischer Seilrechen und funktioniert wie ein Weidezaun für Fische.

Wasser ist für alle da (nicht nur für den Menschen) Wasser ist nicht nur Gebrauchsgut, sondern auch Lebensraum und Energiequelle. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie (eu-wrrl) besagt, dass Planung, Management und Entscheidungen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch durchdacht sein müssen. Sie fordert: »Alle Mitgliedsstaaten der EU sind verpflichtet, (…) einen guten ökologischen und guten chemischen Zustand zu bringen.« Der Schutz und die Sanierung von Wasserökosystemen hat beim Bau und Umbau von Wasserkraftwerken oberste Priorität. Bei Bauvorhaben müssen also schon bei der Planung BiologInnen, ÖkologInnen und IngenieurInnen zusammenarbeiten – und das wird in Österreich auch so gemacht.


Inspiration am Wasser: Der Danube Art Master 2019

Mach mi t!

Schick u n Videos, G s deine Fotos, edichte und zum Mot to »Wir li Lieder ebe Donau!« Einsende n die s chluss ist der 15 . Juli.

Der Danube Art Master lädt heuer wieder alle 6- bis 18-Jährigen dazu ein, sich kreativ mit dem Wasser zu beschäftigen – gesucht werden Fotos, Videos oder Aufnahmen von Gedichten, Liedern oder Performances, die an einem Flussufer und mit dort vorgefundenen Materialien entstanden sind. Auch Gruppen­einreichungen sind möglich. Nähere Infos gibt’s hier: www.jugendumwelt.at/danubeartmaster Der Wettbewerb findet in Kooperation mit Generation Blue (www.generationblue.at) in allen 14 Ländern des Donauraums statt – die GewinnerInnen erwarten tolle Preise und die 10 besten Beiträge aus Österreich nehmen zusätzlich an der internationalen Ausscheidung teil.

bild Arpad Szamosi, Hyfish, DAM 2018: Irina Vukovic/Lina Gallob/Marco Wadl/Valentina Wedl, Daria Tchapanova

ter zu machen, denn das Projekt ist als Trilogie konzipiert und der dritte Teil fehlt noch. Der Preis hat für mich auch eine ganz persönliche Ehrung. Mein Name »Daria« kommt aus dem persischen und bedeutet u.a. »das Meer«.

Daria Tchapanova — »floating #1« Der Neptun Wasserpreis zeichnet alle zwei Jahre großartige Projekte in verschiedenen Bereichen rund ums Wasser aus. In der Kategorie wasserKREATIV gewann ein Projekt, das sich poetisch mit dem Wasser befasst. Videos vom Wasser und eine leere Badewanne – du assoziierst damit das Ungleichgewicht des weltweiten Umgangs mit Wasser. Wie bist du auf diese Botschaft gekommen? Klimatische Veränderungen und Naturkatastrophen sind weltweit zu beobachten: Überschwemmungen, starker Regen, Trinkwasserknappheit und verschmutztes Wasser – auf der einen Seite zu viel, auf der anderen zu wenig. Ich zeige dieses Ungleichgewicht durch eine leere, goldene Badewanne in einem feuchten Keller und Videobildern vom Wasser, diese Doppeldeutigkeit interessiert mich. Ein leeres Fenster im Raum unterstützt den Gedanken des Eintauchens in diese Welt. Die Arbeit ist als Rauminstallation konzipiert um die unterschiedlichen Ebenen greifbar und erlebbar zu machen. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für dich als Künstlerin? Der Neptun Wasserpreis ist kein klassischer Kunstpreis, sondern ehrt in erster Linie das Wasser. Das motiviert mich wei-

Die Arbeit entstand während deiner Zeit in Portugal, jetzt lebst du in Österreich – wie unterscheidet sich das Leben am Wasser vom Leben ohne direkten Kontakt zum Meer? Am Meer ist das Leben stark durch die Kraft des Wassers beeinflusst. Der Blick und die Perspektive verändern sich. Direkte Auswirkungen auf das Leben und klimatische Veränderungen sind stärker spürbar und auch offensichtlicher auf das Wasser zurückzuführen. Hier in Zentraleuropa sind diese Einflüsse indirekt spürbar. Wir haben zwar kein Meer, aber dafür die Berge.


R AUS AUS EINEM MEER VON PL ASTIK.

Mit Ende 2019 wollen wir von Ja! Natürlich das gesamte Obst- und Gemüsesortiment nachhaltiger oder ganz ohne Verpackung verkaufen. In Kartontassen aus Graspapier, lose und unverpackt oder wie bei den Karotten in biologisch abbaubarer Distelölfolie. Damit ersparen wir der Umwelt tausende Tonnen Plastik im Jahr. Gut für dich. Und die Natur natürlich. janatuerlich.at

Gibts nur bei:


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Mar k t pl atz F o o d

Text und Bild Jürgen Schmücking

Matcha, Matcha

Schaum schlagen und Tee trinken.

Bild istock.co m/ans onmiao

抹茶. Eigentlich heißt das nichts anderes als »gemahlener Tee«. Trotzdem verbirgt sich dahinter eine stattliche Widersprüchlichkeit. Auf der einen Seite steht Matcha für ein ganzes Regiment an kulinarischen Fragwürdigkeiten. Der Matcha Latte im Tokioter Ableger von der Welt unnötigster Kaffeehauskette ist dabei noch das Gefälligste. Da wären aber auch noch die Matcha-Cookies, die Greenies, Matcha-Wasabi-Granita oder – besonders beliebt bei Kindern und TouristInnen: mit Matcha aromatisierte Zuckerwatte. Keine Frage, die Lebensmittelindustrie hat den grünen Tee entdeckt. Aber, und das ist die andere Seite, man kann ihn – vor allem, wenn er qualitativ hochwertig ist – auch als Tee genießen. Praktisch hält man damit fast die Zeit an. Die Zubereitung ist ein kleines Ritual. Der Tee selbst eine Offenbarung. Wenn man beim Einkauf auf ein paar Dinge achtet. Wir haben uns umgesehen und den chasen, das kleine Bambusbeserl, gewirbelt.

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KISSA Basic Matcha Powder

Der KISSA Basic ist die ideale Einstiegsdroge. Günstig. Also vom Preis-Leistungs-Verhältnis her gesehen sogar sehr günstig. Das Doserl beinhaltet 30 Gramm hochwertiges Grünteepulver. Als Tee serviert schmeckt der KISSA fast ein wenig würzig, leicht herb, sagen die KISSAs. Und ja, man kann ihn durchaus auch in was anderes als in heißes Wasser einrühren.

2 Ringana Matcha Tea

Eigentlich unglaublich. Um den Ringana an die Frau und an den Mann zu bringen, schlagen die MarketingfritzInnen ernsthaft einen Matcha Latte mit Vanillepulver und Agavensirup vor. In Pflanzenmilch natürlich. Geht’s noch? Das sind Weichspüler, die den herb-nussigen Geschmack torpedieren. Und der ist beim Ringana außerordentlich gut.

3 Matcha Sorry, aber scheinbar wird das zum Muster. Wie beim letzten Mal, wo wir die griechischen Schriftzeichen am Feta nicht entziffern konnten, sind es hier die japanischen Zeichen. Wir können einfach nicht sagen, wie das Produkt heißt oder wo es herkommt. Jedenfalls nicht so genau. Es ist ein Mitbringsel aus einem kleinen Geschäft, irgendwo hinterm Bahnhof Shibuya in Tokio. Daher das Bild bitte gut einprägen. Das gehört zum Kostbarsten, das ein Teestrauch hervorbringen kann, und es ist umami pur.

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4 Bio-Matcha (by Attila Hildmann) Gut, »Hildmann« muss man dazuschreiben, »bio« eigentlich nicht. Weil alle hier vorgestellten Matchas bio sind. Ausnahmslos. Aber Hildmann ist einzigartig. Er sowieso, aber auch der Matcha, der unter seinem Namen verkauft wird. Er schreibt sogar unverblümt, dass sein Matcha erste Wahl ist, wenn es ums Kochen geht. Also nicht um Tee. Und genauso ist es. Smoothies, Shakes und sonstige Kuriositäten: Perfekt! Tee? Hände weg!

5 Moya Matcha Premium

Es sind die jüngsten, zartesten und feinsten Blätter, die für den Moya Matcha Premium verwendet werden. Quasi das erste Grün, das sich im Frühling aus dem Holz pellt. Im Glas spiegeln sich diese Feinheit und Jugend wider. In Form eines tiefen, satten Grüns. Aber auch in Form nussiger Frische und Komplexität.

6 Matcha Kuro – Contest Grade

Was für ein Tee. Aber auch »Was für ein Preis!«. Der Kuro Matcha ist ein edel verpackter Spitzentee aus Kagoshima. Fünf Wochen lang werden die jungen Blätter beschattet, damit sie eine dunkle, intensive Farbe bekommen bzw. behalten. Handgepflückt und schonend vermahlen. Damit der Genuss auch wirklich in Erinnerung bleibt, hier eine kurze Anleitung: Wasser zum Kochen bringen und auf 75 Grad Celsius abkühlen lassen. 1,5 Gramm Matcha mit etwas Wasser übergießen und mit dem chasen, dem Bambusbesen, schnell verrühren und schaumig schlagen.

Bild istock.co m/ans onmiao

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Mar k t pl atz Ko smetik

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Königlich

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MP

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Für die Gewinnung eines Gramms Rosenöl werden vier Kilogramm Rosenblüten benötigt. Als Nebenprodukt entsteht das feine Rosenwasser. Was man daraus alles machen kann ... Das unternehmenseigene Lavera Biologo kennzeichnet, dass unter anderem Biorohstoffe verwendet wurden. Die Spülung ist aber kein biozertifiziertes, sondern ein naturkosmetikzertifiziertes Produkt – nach Natrue-Standard.

Viele Naturkosmetikalternativen machen die Haare nicht so geschmeidig wie ihre gewöhnliche Konkurrenz. Die »Repair & Pflege Spülung« von Lavera für strapaziertes, trockenes Haar kann das, sie wirkt wie eine Haarkur. Die 2–3 Minuten Einwirkzeit einzuhalten, zahlt sich allerdings aus. Sehr reichhaltig, im Zweifelsfall nur in Längen und Spitzen kneten. Duftet rosig-süß. Made in Germany. Vegan.

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Die »Wildrose Verwöhndusche« von Weleda hält, was man sich vom Titel erwartet: Sie duftet fein und unaufdringlich nach Rose und Ylang-Ylang. Und sie hinterlässt keinen spürbaren »Duschgelfilm« auf der Haut. Rosa damascena (für den Duft) und Rosa Mosqueta Kernöl und Sesamöl als Wirkstoffe. Natrue-naturkosmetikzertifiziert. Made in Switzerland.

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Text Irina Zelewitz Bild Michael Mickl

Das Duschbad »Sommerregen« von Schau auf di ist reichhaltig, duftet nach Zitrusnoten. Die Reinigungsmilch heißt »Reinigungsmilch«. Die sympathische Schnörkellosigkeit setzt sich beim Verpackungsdesign fort: schlicht, in der Glasflasche, nur der Pump­ spender ist aus Plastik. Die Milch ist eher Creme – in der Konsistenz und im Effekt, sie trocknet die Haut bei der Reinigung nicht aus. Das dazugehörende »Gesichtswasser« ist schlicht Rosenwasser. Sonst nichts. Purer Luxus. Zertifizierte Biokosmetik nach dem österreichischen Lebensmittelbuch. Made in Austria. Vegan.

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Reichhaltiger ist die »Rosen Tagescreme« aus dem Hause Dr. Hauschka – von Rosenwasser über Auszüge aus Rosenblüten und Hagebutten bis zu Rosenwachs kommt hier fast alles aus der Rose zum Einsatz. Aber nicht nur: Neben Eibisch- und Johanniskrautauszügen etwa auch Bienenwachs. Naturkosmetikzertifiziert nach Natrue-Standard. Made in Germany.

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Noch nährender – und explizit mit Sheabutter für anspruchsvolle Haut – ist Styx’ »Rosengarten Tagescreme Intensiv«. Mit dabei noch Hyaluronsäure zur Unterstützung der glättenden Wirkung. Zertifiziert nach ecocert-cosmos natural und – das ist neu! – auch organic standard. Made in Austria.

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Mindestens genauso luxuriös: Master Lins »Leichte Feuchtigkeitspflege für den Körper« beinhaltet neben den Ölen verschiedenster Rosen auch Jojoba- und Aprikosenkernöl – und Feingold, dem in der tcm Wirkung zugeschrieben wird. Schon im Moment des Auftragens glättend, kühlend, und nicht fettend. Duftet nach viel mehr als nach Rose. Natrue-naturkosmetikzertifiziert. Made in Austria.

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Weledas »Wildrose Deodorant« erinnert nicht nur optisch an eine gute alte Zeit, es duftet auch dezent danach. Und es wirkt. Ohne Aluminiumsalze, versteht sich. Die leichte »Glättende Feuchtigkeitspflege« aus der Wildrosenserie ist ein Klassiker. Und riecht so gut! Natrue-naturkosmetikzertifiziert. Made in Switzerland.

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u nD so n st so

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UnD sonst so, im bioramaUniversum ...

#1Like1Baum Bereits zum dritten Mal hat die ngo Menschen für Menschen heuer die Kampagne #1Like1Baum durchgeführt – auch heuer wieder mit der Unterstützung von biorama in den Bereichen Konzept, Grafik und technische Umsetzung: Für jedes Like für Kampagnenbeiträge auf Facebook und Instagram wird ein Baum in Äthiopien gepflanzt. Bereits Mitte Mai wurde die Marke von 10.000 Likes und damit 10.000 Bäumen erreicht. 1like unter biorama.media

Print

BIORAMA Niederösterreich, die Dritte Nach zwei sehr erfolgreichen Regionalausgaben von biorama geht im Juni 2019 die dritte Ausgabe von biorama Niederösterreich an den Start. Das Bundesland, das Wien umgibt, bietet schließlich eine ganze Menge Dinge, die es wert sind, aus biorama-Perspektive erzählt zu werden. Für NiederösterreicherInnen, WienerInnen, und alle anderen eigentlich auch.

Festival

Beats & Bohne

Erstmals veranstaltet das Bündnis »Wir haben es satt!«, das sich für eine Agrarwende und gutes, gesundes Essen engagiert, heuer in Festival. Beats & Bohne heißt es, biorama unterstützt die Veranstaltung, die v.a. junge Menschen aus der Stadt und vom Land zusammenführen soll. Auf dem Dottenfelder Hof bei Frankfurt/Main sind Arbeits­ gruppen, Vorträge, und Workshops u.a. zum Umgang mit Öko-Nazis geplant. Plus: Bands und DJs. Samstag und Sonntag, 22. und 23. Juni bei Frankfurt wir-haben-es-satt.de/festival

Bilder Christ oph adame k

media


abo

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6 × im abo! jährlich

team

Bäume streicheln und Entspannen Das Team hat Waldyoga ausprobiert, eine Form des Waldbadens.

Event

BIORAMA Fair Fair Event

im Wiener Sophienspital

Am Cobenzl hat die biorama-Redaktion kürzlich – auf hohem Niveau startend – noch weiter zu sich selbst gefunden: Wir sind in Zeitlupe spazieren gegangen, haben ganz viel ins Grüne gestarrt und uns mit Bäumen angefreundet. Anschließend sind wir so entspannt nach Hause gefahren, wie wir uns sonst nur fühlen, wenn eine biorama-Ausgabe endlich in Druck ist.

Sustainable Goods: Der bunte Markt für Eco-Fashion, Design, Naturkosmetik und feinste Biolebensmittel. Ein Markt voller überraschender und interessanter Produkte aus dem biorama -Universum. Eine Bühne mit abwechslungsreichem Diskussions- und Kulturprogramm, Kinderunterhaltung, Kino, Musik – indoor und outdoor! Gutes Essen und nette Leute. Das alles macht eine biorama Fair Fair aus – seit 2012 an wechselnden Locations. Entdecke Dinge, die das nachhaltige Leben einfacher und schöner machen! Freitag bis Sonntag, 28. bis 30. Juni, 2019 erstmalig im Sophienspital im siebten Wiener Gemeindebezirk fairfair.at

m! Neues DAtu

28. bis 30. Juni, 2019


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STRASSERg u t ko ch t g u t

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Nichts zu meckern Text & Bild Sven Strasser

Z

Strassergut kocht gut – seit Ausgabe 56 auch im BIORAMA. Und zwar Gerichte, die nicht jeden Tag auf dem Teller landen, aber nachkochbar sind. Zu kalkulierten Preisen: Der Gastronom Sven Strasser berechnet jedes Gericht nach den aktuellen Preisen des österreichischen Lebensmitteleinzelhandels – allerdings nur umgerechnet auf die Gramm, die für 4 Portionen benötigt werden. Mit den Resten soll wieder gekocht werden.

iegenfleisch ist nicht nur unglaublich zart, fein und elegant im Geschmack, sondern aufgrund der rasant gestiegenen Nachfrage nach Ziegenmilchprodukten auch in großen Mengen im Biosegment vorhanden – leider von den KonsumentInnen noch nicht richtig wahrgenommen. Das Zicklein sollte nicht älter als sechs Monate bei der Schlachtung sein, denn dann beginnt es zu bockeln.

Ziegenkitzkeule im Ganzen Rezept für 4 Personen: Kosten pro Person 10 Euro • 1 Milchziegenkeule • 200 g Karotten • 200 g Stangensellerie • 150 g Lauch • 2 Zwiebeln • 1 Knoblauchzehe • 150 g Champignons • 500 g Erdäpfel, festkochend • 2 EL Tomatenmark • jeweils 1 TL: Pfefferkörner, Wacholderbeeren, Korianderkörner, Nelken

und Kardamom • Kräuter wie: Estragon, Rosmarin, Lorbeerblätter, Salbei und Thymian • 100 ml Wermut • 1 Liter Gemüsebrühe • 1 TL Stärke • 4 cl Obstler • 50 ml Obers • Salz, Pfeffer und Cayennepfeffer • 1 TL Senf • Öl


Die Keule unter heißem Wasser abbrausen und trockentupfen. Gewürze mörsern und mit einem Esslöffel Öl vermengen. Die Keule damit von beiden Seiten einreiben und 1 Std. marinieren. In der Zwischenzeit das Gemüse gründlich waschen, bürsten und in 1,5 cm dicke Stücke schneiden. Die Erdäpfel schälen und vierteln. Gemüse in einen großen Bräter geben. Das Kitz von beiden Seiten kurz in heißem Öl anbraten und auf das Gemüse setzen. Mit Wermut und Gemüsebrühe aufgießen. Tomatenmark und Kräuter zugeben und im vorgeheizten Backrohr bei 180° C zirka 3 Stunden garen. Dabei das Fleisch alle 20 Minuten mit dem Saft übergießen. Nach Ende der Zeit die Temperatur auf 140° C reduzieren und das Fleisch weitere 45 Minuten gar ziehen lassen. Fond abseihen und in einem kleinen Topf erhitzen. Die in Schnaps aufgelöste Stärke unterrühren, Obers zugeben, erneut aufkochen und pikant mit Senf abschmecken. Fleisch mit Erdäpfeln und Gemüse anrichten und salzen.

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E lt e r nal ltag

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Ja, ich auch! Es ist mir ein Rätsel, wie es zu diesem Missverständnis kommen konnte, und ein dringendes Bedürfnis, damit aufzuräumen: Ich bin keine Supermutti! Durchschnitt, maximal.

Autorin Ursel Nendzig, Mutter zweier Söhne, berichtet live aus der Achterbahn.

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eine Freundin E. zum Beispiel, fast jedes Mal, wenn wir uns treffen: »Ich bin so froh, dass sogar dir das passiert.« Sogar mir? Die Rede war dann meist von Situationen wie: Kind angeschrien, Kind angeschwindelt, sich im Klo versteckt und Handy geschaut, kaltes Cola heimlich in zwei Dingen: Erstens sind meine Kinder Kaffeetasse getrunken, vom Sonntagnachmitder älter. Allein dadurch haftet an mir der tagsschlaferl aufgewacht und nicht gewusst, wo die Ruf der erfahrenen, allwissenden Mutter. Kinder sind, Kindern gedroht, sie beleidigt, ihnen Stimmt natürlich nicht, ich betrete nahegesagt, sie sollen sich doch eine andere Mutter suzu täglich Neuland, wie jede andere Mutter chen, wenn sie mit dieser hier unzufrieden seien, auch, egal wie alt die Kinder sind. Zweitens et cetera, et cetera. bin ich, wenn wir unterwegs mit anderen sind, Sogar mir? Ich weiß nicht, wie E. auf diese natürlich anders als im Alltag zu Hause. Jeder, Idee kommt, aber: Ich habe keine Ahnung dader denkt, dass die anderen Eltern da draußen von, wie das alles funktioniert! Ich mache jeden Tag tausend Fehler! Ich bin ungeduldig! Ich mag es nicht, wenn Kinder dauernd fragen: »Ich mag es nicht, wenn »Was?«, »Wieso?«, und sage dann Kinder dauernd fragen: oft: »Das geht dich nix an!« und »Weil!« und füge sogar manchmal Was? , Wieso? « »Oida« dazu. (Wir leben in Wien, zu meiner Verteidigung.) Einmal, alles viel besser im Griff hätten, der vergisst, dass vor ein paar Jahren, habe ich dem grosie unterwegs sind! Unter Beobachtung! Sie reißen ßen Sohne sogar eine Ohrfeige gegeben, sich zusammen! Ganz selten sieht man einen Elternweil ich, die erwachsene Frau, mir nicht teil, der ein heulendes Kind wortlos hinter sich heranders mit dem stundenlang quengelnschleift, und wenn, dann ist es doch eigentlich eine den und sich immer weiter hineinsteiFreude. Und warum? Weil man sich wiedererkennt. gernden kleinen Kind zu helfen wussWir sind alle gleich, wir sind alle überfordert, ungete. Das war das Dümmste natürlich, errecht, unehrlich, gemein. bärmlich, erstens hat es alles nur viel Auf Englisch gibt es den Ausdruck »good enough moschlimmer gemacht und zweitens ther«, das gefällt mir. Die gut genuge Mutter. Das will habe ich danach auch geheult. Eine ich sein. dunkle Stunde meines Mutterseins. Und jetzt weiß ich schon, was wieder kommt: »Ach, du Aber so war es! bist so super, weil du hast erkannt, dass du nur eine durchIch weiß auch nicht, wie meine schnittliche Mutter sein willst, ich wünschte, ich könnte Freundin E. auf die Idee kommt, das auch.« Deshalb sage ich es gleich: Stimmt nicht, heimdass ich immer alles richtig malich wäre ich nämlich gern perfekt. che, aber ich vermute, es liegt an

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Text Ursel Nendzig


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