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AUSGABE 14 — SOMMER 2011. WWW.BIORAMA.EU — WWW.FACEBOOK.COM/BIORAMA

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DAS HINTERLAND/ DIE PAMPA: Nostalgie, Alltag und Sommerfrische abseits der Städte Stadt, Land, »Flux«: Die Volksmusik-Verdreher Attwenger über Exzesse im Landgasthof — Club of Goa: So feiert die »alternative« Landjugend - naturverbunden und im Off-Space — Moralisten, Lifestyler, Bedenkenträger: Wer heute aus welchen Gründen Bio kauft —

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auftakt

05 Editorial 06 Global Village Die Welt im Großen & Kleinen

inhAlt

Cover: Hinterland

48 ab in die pampa Das Label Hinterland kreiert Bademode, die ländliche Motive widerspiegelt. Die Idee unserer Fotografin, diese mit ihrer Mutter und der eigenen Schwester in Szene zu setzen, fanden wir bodenständig. Die Idee unserer Mode-Redakteurin, einen Hintern vorne draufzupacken, fanden wir nicht sexistisch, sondern passend zum Schwerpunktthema: »Hinterland« als Region zwischen Natur und Mensch.

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16 Attwenger Die Volksmusik-Verbieger im Interview 20 Das Museum in der Pampa Kulturoasen abseits der Stadt 22 Club of Goa Psychedelic, Peace und Party 27 Die Brennnessel Unkraut als Belebungskonzept 30 Benachteiligte Gebiete Gibt es ein Recht auf Landschaft? 32 Geheime Plätze Urlaubstipps der Redaktion 36 Was ist eigentlich ... … ein Nationalpark? 38 Neusiedlersee Brutstätte der österreichischen Umweltbewegung 48 Mode Hinterland-Fashion

Magazin 40 NGO-Keiler Ein neutraler Blick auf ziemlich nervige Zeitgenossen 46 Die Welt, die wir uns wünschen Zukunftsmodell Ökodorf 60 E-Bike-Tankstellen E-Bike-Tankstellen der Zukunft 66 Bio-Typologie Welcher Bio-Typ bin ich? 76 Speis und Trank Reinheit als Gebot

Marktplatz 56 62 64 74 76 bio-bier im test Die Biorama-Redaktion hat sich am Stammtisch durch Weizen, Kürbiskern und Dinkel getrunken und dabei recht erstaunliche Nuancen entdeckt.

attwenger Sie kennen die Provinz und mögen die Exzesse bei Landgasthof-Gigs. In der Pampa zu leben können sie sich aber nicht vorstellen. Ihr neues Album heißt »Flux«.

Kosmetik Das Deodorant Bike Fahrrad-Tools DIY-Rezept Picknick Grillen Senf & Saucen Bier Bio-Biere im Test

Kolumnen 55 Elternalltag 80 Weniger ist schwer 82 Und hinter mir die Sintflut


Mehr vom Urlaub haben?

Genusswanderung, Action im Hochseilklettergarten und ein Nationalpark Schmankerlmenü – das und vieles mehr können Sie jetzt beim Ja! Natürlich Urlaub am Bio-Bauernhof in den Hohe Tauern erleben. Information und Buchung: Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern GmbH, Nationalparkzentrum, Gerlosstraße 18, 5730 Mittersill, Tel: 06562/40939, ferienregion@nationalpark.at Mehr unter www.nationalpark.at


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editorial, impressum

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D

as Gegenteil von Berlin ist nicht Bonn und auch nicht Kitzbühel oder Bern, sondern das Hinterland, die Pampa. Wobei weder die reale Pampa gemeint ist, also die endlos weite argentinische Savanne, noch jenes afrikanische Hinterland, das die europäischen Kolonialisten des 19. Jahrhunderts als zu unterwerfend betrachteten. Vielmehr gemeint ist der übertragene und umgangssprachliche Sinn. Überheblichkeit und vermeintliche Überlegenheit spielen allerdings auch dabei eine Rolle. Denn beide, Pampa wie Hinterland, bezeichnen landläufig vergessene Welten, menschenarme Agrarsteppen oder die Einsiedelei der Modernisierungsverlierer; im besten Fall noch das Urlaubsidyll. Im Kopf klingen Namen von Ortschaften wie Öd, Namlos oder Hühnergeschrei. Das Hinterland ist also auch die Antithese zum superurbanen Hauptstadthype. Wobei das Gegenteil von Berlin nicht zwangsläufig bedeutet, dass im Hinterland das Geld zu Hause ist. Eher das Gegenteil: es ist arm, von Abwanderung bedroht, medial unterversorgt und uncool – eben ein »benachteiligtes Gebiet«, das auch die Europäische Union ganz in echt und durch Umverteilung fördert. Ein »Disneyland für Pseudos« nannte der österreichische Schauspielstar Christoph Waltz die kreative Mitte Berlins in der Süddeutschen Zeitung. Für die »dauersubventionierte Lüge vom coolen Leben« habe er nichts übrig. Wie gern mag man ihm Recht geben. Doch ist der Umkehrschluss zulässig, dass im Hinterland das »echte«, authentische Leben stattfindet und ohne Lügen auskommt? Da wollen wir mal besser nichts beschönigen und nostalgisch verklären. Das Hinterland ist Teil des Ganzen. Die Pampa bleibt Teil unseres Lebens – selbst wenn wir sie bloß zurückgelassen haben. Das sollten wir Bewohner am »Planet der Stadtaffen« (Peter Fox) nicht vergessen.

Thomas Weber weber@biorama.eu

WWW.BIORAMA.EU

impressum HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTION Ursel Nendzig (karenziert) redaktionsleitung Maximilian Zeller AUTOREN Stefan Bachleitner, Sebastian Backhaus, Kirsten Brodde, Mirjam Bromundt, Miriam Damev, Lisa Dreier, Marlene Duffy, Carmen Feichtinger, Juliane Fischer, Michael Huber, Nina Daniela Jaksch, Julia Karzel, Stephan Klein, Micky Klemsch, Franz Knipp, Magdalena Miedl, Sara Mously, Martin Mühl, Philipp Stierand, Johannes Rausch, Sebastian Rahs, Werner Reiter, Johanna Stögmüller, Erwin Uhrmann, Magdalena Vukovic, Imre Withalm, Maximilian Zeller FOTOGRAFIE Anna-Sophie Berger, Bernd Gossi, Nicole Fleck, Tanya Kaindlbauer, Stefan Knittel, Kurt Prinz, Michael Winkelmann COVERBILD Anna-Sophie Berger ILLUSTRATIONEN Sig Ganhoer, Nana Mandl, Claire Paq ART DIRECTOR Sig Ganhoer GESTALTUNG Sig Ganhoer, Carita Najewitz (Super-Fi) LEKTORAT Wolfgang Smejkal, Adalbert Gratzer ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Nina Daniela Jaksch, Micky Klemsch (Leitung), David Kreytenberg, Thomas Weber WEB Super-Fi, m-otion DRUCK Druckerei Janetschek, Gußhausstraße 24–26, 1040 Wien PRODUKTION & MEDIENINHABER Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6 / III, 1040 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Bernhard Schmidt KONTAKT Biorama c/o Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6 / III, 1040 Wien; Tel. +43 1 9076766; www.biorama.eu, www.monopol.at, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Monopol GmbH, easybank, Kontonummer 20010710457, BLZ 14200 ABONNEMENT siehe Website: www.biorama.eu ERSCHEINUNGSWEISE 4 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien VERLAGSPOSTAMT 1040 Wien

BLATTLINIE Biorama ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für Mensch und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Biorama erscheint viermal im Jahr.

foto Michael Winkelmann

Urbanes Hühnergeschrei

NACHHALTIGKEIT IM BRIEFKASTEN? BIORAMA IM ABO:


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global village

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streetart

doggy style Haarige Straßenkunst von Neozoon Diese Konzeptkunst springt einen förmlich an. Als »Neozoon« – so auch der Name des deutschfranzösischen Street-Art-Trios – bezeichnen Invasionsbiologen ein eingeschlepptes Tier, das sich anpasst, fortpflanzt und das bestehende Ökosystem mitunter erheblich beeinträchtigt. Das englische Wort chivvy – so der Titel der abgebildeten Arbeit aus dem Jahr 2010 – bedeutet soviel wie hetzen oder zu Leibe rücken. An die Haut gehen auch die Interventionen von Neozoon, die meist Pelz und Fell recyclen. Als untote Tiere in Szene gesetzt, thematisieren sie den für unseren Lebensstil in Kauf genommenen, doch verdrängten Tod. Neozoon sind derzeit als Artists in Residence im Museumsquartier (Wien 7., Museumsplatz 1).

Ein Interview mit Neozoon findet sich auf www.biorama.eu/neozoon

www.neozoon.org


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Radikal nachhaltig: Eine um bis zu 90 Prozent verbesserte CO²-Bilanz dank holzbasierter Systembauweise.

GREEN BUILDING

Hoch hinaus Der »LifeCycle-Tower« ist das erste energie­effiziente Holz / Hybrid-Hochhaus für nachhaltigen Städtebau

foto Cree GmbH / LifeCycle Tower

Jetzt scannen, lesen und Probeabo bestellen. Oder direkt unter www.brandeins.de

Mehr als die Hälfte der heutigen Weltbevölkerung lebt in Städten mit mehr als einer Million Einwohnern – Tendenz steigend. Gebäude werden also weiter in die Höhe wachsen müssen, um dem steigenden Platzbedarf gerecht zu werden. Eine der größten Herausforderungen für die Baubranche, die heute global rund ein Drittel des Energie- und Ressourcenverbrauchs sowie des CO²-Ausstosses verantwortet, wird es dabei sein, visionäre und nachhaltige neue Konstruktionsweisen zu finden. Mit dem »LifeCycle Tower« von Cree wurde in Vorarlberg ein völlig neues, holzbasiertes Bausystem für Gebäude mit Dimensionen von bis zu 100 m Höhe (30 Stockwerke) entwickelt. Der hohe Vorfertigungsgrad des Holz-Beton-Hybrids minimiert die Lärm- und Staubbelastung in der um 50 Prozent verkürzten Bauphase um ein Vielfaches. Durch die energetische Optimierung mittels Photovoltaik-Fassade und Speichertechnologien für thermische und elektrische Energie kann der LifeCycle Tower als Plus-Energie-Haus auch seine Nachbarn mit Energie versorgen. Mit einer laut Forschungsstudie um bis 90 Prozent verbesserten CO²-Bilanz und der dank multifunktionaler Systembauweise variablen Planungsmöglichkeit sowohl als Wohn- oder Bürohaus als auch als Hotel eröffnet der LifeCycle-Tower eine völlig neue, nachhaltige Art des Wohnens und Arbeitens in den Metropolen von morgen. Ab Sommer 2011 wird der achtstöckige Prototyp LCD ONE in Dornbirn errichtet.  www.creebyrhomberg.com


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street talk WIR FRAGEN, 5 MENSCHEN antworten:

»tut dir gemÜse leid?«

Nein! The food chain is there for a reason. Stimme aus dem Off

Yona Kaikov Gemüsehändler aus Israel

Jennifer Malits Studentin

»Gemüse ist ein Wunder der Natur. Erstens, weil ich meinem Körper beim Essen etwas Gutes tue und zweitens, weil ich eine SeeIe aus dieser Frucht befreie. Die Menschen, die gestorben sind, wurden bestraft und dann zurück zur Erde geschickt. Einer ist in der Ringlotte, ein anderer im Apfel, der Dritte wird zum Esel. Ich freue mich, diese Seelen befreien zu können, deswegen muss ich das Essen segnen, beten vor dem Essen.

»Fleisch ist mein Gemüse!«

Stefan Beschorner Gärtner

Theresa Gral Studentin

»Manchmal schon, ja! Wenn man es schlecht anbaut unter Bedingungen, wo es nicht ideal gedeihen kann und man es nicht gern hat, das Gemüse. Obwohl es ja vielleicht keine Seele hat, aber es kann zumindest atmen und somit auch schlechte Luft einatmen.«

»In Glashäusern gezüchtet, im Leben mehr Pestizide als Sonnenstrahlen gesehen und lange vor der eigentlichen Reife brutal geerntet, in Kisten gepfercht und quer durch die ganze Welt verschifft. Da kann einem das Gemüse wahrlich leid tun. Doch noch mehr als das Gemüse sollten wir uns wohl selber leidtun, weil wir das zulassen, tagtäglich kaufen und konsumieren«

»Wie kann einem Gemüse leid tun? Am liebsten hätte ich einen eigenen Garten, in dem ich Gemüse anbauen kann. Leider haben meine Familie und ich nicht so viel Geld und wenn man unter der Armutsgrenze lebt, kann man nichts anderes machen als sich ekeliges Gemüse vom Diskonter zu kaufen. 3 Tage kochen mit 3 Zucchini um 60 Cent. Natürlich würden wir alle gern lustige Bobos sein, am Markt herumlaufen und Fair Trade kaufen. Tatsache ist, dass wir alle den gleichen Scheiß unterstützen. Es sei denn, man kauft sich ein Küberl und pflanzt die Tomaten selber an.«

interview und fotos Juliane Fischer, Johannes Rausch

Aida Bouinab Passantin am Naschmarkt


GERECHTIGKEIT – VERANTWORTUNG FUR DIE ZUKUNFT JUSTICE – RESPONSIBILITY FOR THE FUTURE 18.08. – 03.09.2011 EUROPAISCHES FORUM ALPBACH 2011 EUROPEAN FORUM ALPBACH 2011

»Gerechtigkeit – Verantwortung für die Zukunft« – unter diesem Motto werden beim Europäischen Forum Alpbach 2011 rund 4.000 TeilnehmerInnen aus über 60 Staaten gemeinsam mit ExpertInnen und EntscheidungsträgerInnen aktuelle Fragestellungen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutieren. Das Europäische Forum Alpbach ist eine interdisziplinäre und internationale Plattform für einen offenen und kritischen Diskurs. PROGRAMM UND TICKETS UNTER: WWW.ALPBACH.ORG

Werkstatt-Sharing: Reparieren, Gestalten, Selbermachen.

selfmade style

FabLabs »Personal Fabrication«, die Renaissance des Machens, findet derzeit rund um den Globus begeisterte Anhänger. Mach dein Ding! Neil Gershenfeld startete die Fabbing-Bewegung am M.I.T. in Boston mit dem ersten FabLab (Fabrication Laboratory) als »place to make (almost) anything«. FabLabs bieten Raum für Kooperation und Learning-bydoing, sie ermöglichen freien Zugang zu Maschinen und Produktionstechnologien, vermitteln technisches Know-how, Medien- und Materialkompetenz. Die Vision ist, Begeisterung für Herstellung neu zu wecken und die Produktion von Dingen zu demokratisieren. Mit Lötkolben, Laser-Cutter, Design-Software, 3DDrucker bis hin zu Rapid-Prototyping-Geräten setzen Fabber ihre Ideen um – beim selbst designten Möbel, Schmuck, Gadget oder Ersatzteil. Design-Sharing dazu gibt’s auf thingiverse.org. FabLabs sind community-basiert, ihre Benutzung ist kostenlos, dafür stellen die User ihre Erfahrung zur Verfügung, gemäß dem Open-Source-Prinzip: Wissen durch Teilen vermehren. Über 40 FabLabs gibt es (fabfoundation.org), in USA, Holland, Norwegen, Indien, Afrika, Deutschland (Aachen, Bremen), und jetzt auch in Wien: www.happylab.at


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Keep Sneakers, erfolgreiches Eco-Footwear-Label – durch Hipster-Modelle wie »The Nuss« weltweit beliebt.

sNEakER-footpRINt Immer mehr Schuhhersteller setzen auf Öko. Vor allem kleinere Labels punkten mit konsequenter Transparenz und frischem Styling. Schuhe, die sich die Öko-Nadel in die Zunge stecken können, gibt es schon seit einigen Jahren. Waren die Ergebnisse bisher meist auch in der Formgebung als solche erkennbar, haben die Hersteller nun umgedacht und moderne Schuhträger müssen sich nicht mehr zwangsweise zwischen Stil und Öko-Footprint entscheiden. Während die großen Marken so manche Alibi-Aktion setzen, punkten kleinere Labels mit Augenmerk auf die gesamte Produktions- und Vertriebskette. Nicht nur das Material ist Bio-zertifiziert, auch die Herstellung wird unter fairen Arbeitsbedingungen erledigt – gerade im

Sneaker-Bereich bekanntlich ein heikler Punkt. Derzeit können neben den in diesem Bereich etablierten Marken wie Simple oder Gea einige Newcomer für Aufsehen sorgen. Terraplana etwa überzeugt mit extrem leichten Schuhen nicht zuletzt im Kinderbereich. Andere, wie Keep, Veja oder auch Oat gelingt der Anschluss an aktuelle Sneaker-Kultur – teilweise durch eigene Kreationen oder auch durch eine Annäherung an klassische Modelle. Nicht nur in Social Media-Kanälen zeigt auch EKN dieser Tage Präsenz: Die Öko-Marke des ehemaligen Adidas-Designers Noel Klein-Reesink verbindet modernes Design, gekonntes Marketing und eine Schuhherstellung ganz ohne Ausbeutungs-Beigeschmack. www.simpleshoes.com — www.gea.at www.terraplana.com — www.keepcompany.com www.veja.fr — www.oatshoes.com www.eknfootware.com

fotos happylab.at, Keep Company

Eco fasHIoN


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zelten mit 5 sternen Geerdet, aber abgehoben: Das »Original Camping« an der französischen Atlantikküste bietet BasicKomfort, wie er luxuriöser nicht sein könnte.

Unser frisches Bio-Obst und Bio-Gemüse wird im Marchfeld - 10 km vor den Toren Wiens geerntet, gelagert, verpackt und geliefert... Umweltfreundlicher geht’s nicht. Probieren Sie die Abwechslung und Vielfalt heimischen Anbaus.

Es ist keine Aus-, sondern eher eine Umsteigergeschichte: Der Franzose Alain Dominique Perrin, einst Geschäftsführer der Cartier-Gruppe und immer noch Liebhaber der Atlantikinsel Noirmoutier in der Vendée, wollte sich selbst erden und zurück zur Natur. Das eigene Bedürfnis inspirierte ihn dabei zu einer Geschäftsidee: naturnahes »Original Camping« der anderen, doch auch ein wenig abgehobenen Art. Auf zwei komplett restaurierten Campingplätzen auf der Ile de Noirmoutier warten nämlich keine reduzierten Backpacker-Absteigen im archaischen Nichts, sondern bestausgestattete Betuchten- und FamilienRefugien mit Meerblick, die ohne jeden Verzicht auf zivilisatorische Annehmlichkeiten auskommen. Die Ausstattung lässt sich wohl am besten als luxuriöser Basic-Komfort beschreiben. Sowohl die Eco-Lodge »Standard«, als auch die Variante »Supérieur« (letztere mit Dusche, Waschbecken, Wasserklosett) verbreiten weniger Lagerfeuer-Romantik als vielmehr die Nostalgie einer nordafrikanischen Zeltstadt im Kolonialstil – halb aus Leinwand, halb aus Holz. Trotzdem sind die »Original Camping«-Unterkünfte überraschend günstig: Je nach Saison kommt eine Woche im Eco-Lodge-Standard-Tipi für vier Personen auf 299 bis maximal 699 Euro. Meeresblick kostet zwar einen Hunderter extra, Meeresrauschen aber ist in jedem Fall inklusive. www.camping-les-moulins.com www.campingdumidi.com

Alle Infos dazu und zu unseren Hofladenund Marktzeiten finden Sie im Internet.

Biohof Adamah 2282 Glinzendorf 7 T: 02248.2224-0 F: Dw 20 biohof@adamah.at www.adamah.at Kolonialstil, Fließwasser und Naturnähe beim Campen am Atlantik.


13 Romantisch wie im Märchen: Mode aus St. Petersburg.

eco fashion

Ganz schön gut Die Philosophie des russischen Fashion-Label LowFat: Nicht nur schick und bequem, sondern auch fair und nach ökologischen Standards gefertigt. Den Russian Way of Life würde man in unseren Breitengraden nicht unbedingt als nachhaltig bezeichnen. Umso schöner: die Mode des jungen St. Petersburger Labels LowFat – sie ist nicht nur schick und bequem, sondern auch fair und nach ökologischen Standards gefertigt. Fragen des Stils lassen sich für die beiden Gründerinnen Vera and Marya Dmitrieva eben nur ganzheitlich beantworten und nicht auf ästhetische Kriterien reduzieren. Damit sind die beiden jedenfalls Pioniere am russischen Bekleidungsmarkt. LowFat möchte in Russland insgesamt mehr Bewusstsein für einen ökologisch vertretbaren Lifestyle schaffen. Die Kollektionen sind bequem, ohne toxische Bestandteile und nach ökologischen Standards gefertigt. Ein Anspruch ist auch die Alltagstauglichkeit. Die Kleider sind für zu Hause gemacht – ideal beim Spielen mit den Kindern, beim Sport, beim Relaxen,

beim gemütlichen Zusammensitzen mit Freunden, für unterwegs. Dabei sollen die Teile nicht nur lässig aussehen, sondern auch strapazierfähig sein. Für Mode aus dem Hause LowFat werden nur recyclebare Materialien sowie schnell nachwachsende Ressourcen wie Bambus, Eukalyptus oder Hanffaser verwendet. Die benötigte Baumwolle wird nach strikten Fair Trade-Richtlinien angebaut und weiter verarbeitet. Das bedeutet: Beim Anbau wird völlig auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet und darauf geachtet, die Arbeiter gerecht zu entlohnen. Wichtig ist auch, dass die Stoffe nur mit natürlichen Essenzen eingefärbt werden. Auch die eigenen LowFat-Kosmetik- und Accessoirelinien funktionieren nach einem Rundum-Öko-Prinzip: gut für die Umwelt, gut fürs persönliche Wohlbefinden. www.lowfatwear.com


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erlend

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14 URBaN LIVING

BERLIN sUmmt Bienenstöcke an berühmten Gebäuden – das »Über Lebenskunst Festival« zeigt im August Kunst über urbane Lebenswelten in Berlin. Im Berliner Initiativprojekt »Über Lebenskunst« betreiben die Akteure künstlerische und kulturelle Auseinandersetzung mit urbanen Lebenswelten. Projekt-Höhepunkt ist das »Über Lebenskunst Festival« (17.–21.08.2011) im Haus der Kulturen. Zu den Aktionen zählt »Berlin summt«, das mit der Honig- und Wildbiene als sympathische Botschafterin für den vielfältigen Lebensraum der Stadtnatur sensibilisieren will. Fakt ist: Bienen sind wichtige Motoren unserer Ökosysteme, unverzichtbar für landwirtschaftliche Kulturen und unsere tägliche Nahrung – und dennoch weithin zu wenig beachtet. Im Rahmen von »Berlin summt« stellen Imker in Kooperation mit Hausbesitzern an bekannten Gebäuden (Berliner Dom, Abgeordnetenhaus u.v.m.) Bienenstöcke auf und setzen so ein Zeichen für die Wertschätzung der Bienen für Gesellschaft und Ökosystem. Nach der Bienensaison 2011 wird das Projekt von der Stiftung für Mensch und Umwelt unter »Deutschland summt« weiterentwickelt. www.berlin-summt.de www.ueber-lebenskunst.org

Ausgezeichnet Leben mit dem Österreichischen Umweltzeichen Schaut auf Umwelt und Qualität www.umweltzeichen.at


iLLustration Claire Paq

GREEN tEcHNoLoGy

GRüN DRUckEN Das Berliner Start-Up EcoDoc macht mit innovativer Software das Drucken umweltfreundlicher. In fast jedem Haushalt mit Computer befindet sich ein Drucker. Zum ökologischen Fußabdruck tragen auch die Verbrauchsmaterialien bei, die leider oft mit den Geräten in Entwicklungsländern entsorgt werden. Dabei sind gerade diese besonders gefährlich. Druckertoner gilt als krebserregend. Bei Druckertinte ist die Gesundheitsgefahr geringer, jedoch können Schwermetalle Mensch und Umwelt belasten. Daher ist ein sparsamer Umgang zu empfehlen. Aus Umweltsicht sind Recycling-Kartuschen den Original-Kartuschen vorzuziehen. Durch das Mehrweg-Prinzip wird der Ressourcenverbrauch verkleinert, außerdem tragen mehrere Wiederbefüller dem Umweltgedanken Rechnung, indem sie ihre Produkte mit Umweltzeichen zertifizieren lassen. Bei den Rohstoffen zeichnet sich eine Wandlung ab: Inzwischen gibt es Toner auf Sojabasis anstelle von Erdöl. Spezielle Programme optimieren Ausdrucke, um so bis zu 70 Prozent zu sparen. Sie erleichtern den beidseitigen Ausdruck oder den Ausdruck von zwei Seiten auf einem Blatt. Studenten der Humboldt Universität Berlin haben sich mit dieser Problematik intensiv auseinandergesetzt und das Start-up EcoDoc gegründet, dessen Produkte helfen, das Drucken insgesamt umweltfreundlicher zu machen. Im Online-Shop findet sich neben Tonerkartuschen und Tintenpatronen auch das Programm, das sich als zusätzlicher Drucker in das Windows-System integriert. Eine 30-Tage-Testversion steht bereit. www.ecodoc.net

Gumpendorfer Straße 28, 1060 Wien Montag – Freitag 11 – 18.30 Uhr, Samstag 10 – 17 Uhr www.anukoo.com


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attwenger

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stadt, land, »flux«

Attwenger: »flux« Elemente der österreichischen Volksmusik auf die für Attwenger typische Art mit anderen Musikrichtungen zu mischen und mit dem Klang des oberösterreichischen Dialekts zu spielen, ist nach wie vor ein tragfähiges Grundkonzept. Auf »Flux« kommen Rock’n’Roll, »Kantri« und Swing vorbei. Attwenger nehmen sie auf, um sie durchs Dorf zu treiben. »Flux«, produziert von Wolfgang Schlögl, ist bei Trikont / Lotus Records erschienen.


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Werner Reiter

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Lotus Records

Attwenger gibt es seit 20 Jahren. Als fahrende Musikanten kennen sie auch die Provinz, mögen die Exzesse bei Konzerten auf Landgast­höfen und würden auch gerne einmal mit Brian Eno oder noch besser mit Jack White ein paar Wochen auf einem Bauernhof gemeinsam Musik machen. Im Hinterland zu leben, kommt für sie aber nicht in Frage.

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ttwenger schöpfen in ihrer Arbeit seit jeher aus dem Volksmusikfundus, benutzen den oberösterreichischen Dialekt als Vehikel für ihre Texte zwischen Lautmalerei, skurrilen Lustspielen und bissiger Kritik. Trotz regionaler Verankerung und obwohl sie gerne Konzerte am Land spielen: Sie sind durch und durch urban. Hans-Peter Falkner meint zwar im Gespräch, dass das Land­leben heute anders zu sehen ist als noch in seiner Jugendzeit. Die Menschen sind anders »vernetzt und verlinkt« und bei schönem Wetter »ist eh alles super«. Aber der Mief, den sie auf ihrem aktuellen Album »Flux« besingen, stinkt am Land oft mehr als in der Stadt.

»Vehement kritisch« Auch wenn »Flux« weniger politische Aussagen enthält und Persönlicheres in den Vordergrund gerückt ist, die Einstellung von Attwenger bleibt »vehement kritisch« wie Falkner es ausdrückt. Dass man mit dieser Haltung am Land auf Schwierigkeiten stößt, ist ihnen auch klar. Es gäbe zwar rühmliche Ausnahmen wie etwa die Gemeinde Ottensheim nahe Linz, wo sich die Leute samt Bürgermeisterin »lässig organisiert« haben, in den meisten Gemeinden aber »musst du ein harter Knopf sein, wenn du politisch etwas bewegen willst«, meint Falkner. Härter als in der Stadt, weil die Gleichgesinnten fehlen. »Da beißt du dir die Zähne endlos aus.«

Die Exzesse der Landfreaks Markus Binder kann dem Landleben auch Positives abgewinnen. Er mag vor allem die Exzesse, zu denen die Jugendlichen am Land fähig sind. Wenn Attwenger als fahrende Musikanten in Locations wie dem Gasthof Höller in St. Peter am Wimberg spielen, ist dort die »volle Sausebrause«. Die Menschen kommen aus allen Richtungen zusammen, fahren kilometerweit, um dabei zu sein. »Und wenn Du mit den Typen redest und fragst,

was sie so machen, sagen sie oft, dass sie eh in Wien sind. Die fahren am Wochenende heim und machen Party.« Attwenger und Menschen, die ähnlich wie Attwenger denken, haben es schwer in der Pampa.

am Bauernhof mit Jack White Im Gespräch über das Hinterland entwickeln Attwenger doch noch ein Szenario, wie sie es einige Zeit am Land aushalten könnten: Nach dem Vorbild der Kooperation von Brian Eno mit den deutschen Elektronik-Pionieren Cluster würden auch sie drei Wochen auf einem Bauernhof mit Tonstudio verbringen, nur auf die Musik konzentriert. Mit jemandem wie Brian Eno »kann nur was Interessantes rauskommen«. Obwohl sie auch eine Kooperation mit Jack White nicht verachten würden. Apropos Arbeit: Attwenger sind nach 20 Jahren fleißig wie eh und je. Falkner und Binder machen einen Großteil der Arbeit selbst. Sie organisieren ihre Konzerte, arbeiten an ihrer Website, gestalten Sticker und T-Shirts. »Wir sind nicht die Typen, die das aushalten, wenn jemand kommt und sagt, wir machen das jetzt so oder so«, meint Binder. Dass das Unternehmen Attwenger so reibungslos funktioniert, ist zwei Dingen zu verdanken. Erstens: »Ein sehr leiwander Umgang miteinander«, so Falkner. Der ist auch symbolisch am Cover von »flux« dargestellt: Zwei Trapezkünstler, von denen einmal der eine den Fänger darstellt und einmal der andere. Und zweitens: eine nachhaltige Idee. Attwenger ist kein Strohfeuer-Projekt. Mit dem Grundkonzept lassen sich aus dem, was die Welt an Sounds und Ideen bietet, immer neue Mixes machen. Binder ist überzeugt: »Das kann gar nicht aufhören, weil die Welt immer was Neues bietet, mit dem wir uns als Attwenger auseinandersetzen können.«

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Museum in der Landschaft

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Erwin Uhrmann

kulturoasen in der pampa Allerorts sprießen neue Museen für zeitgenössische Kunst aus dem Boden. Manche werden bewusst abseits der Städte aus dem Acker gestampft. Andere haben sich dort längst etabliert. Kunst und Landschaft können dabei eine perfekte Symbiose eingehen. Ein Blick auf abseits gelegene Museen, von Kärnten bis Dänemark.

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chlösser mit Hängebrücken, Ritter-Rüstungen zum Anziehen, Türme mit Wendeltreppen – das Land ist voll von alten Burgen und Schlössern, die besonders am Wochenende Besuchermengen locken. Zeitgenössische Kunst, Malerei, Skulptur, Installation oder Videokunst vermutet der Kulturinteressierte aber eher in den Ballungsräumen. Wer nach New York fährt, muss das MOMA (Museum of Modern Art) sehen, in Paris den Louvre, in Berlin in die Szene von Galerien und Offspaces eintauchen. Abseits der eingetretenen Pfade bleibt aber genug Platz, um sich als Museum zu positionieren, wenn auch die Besucherzahlen anfangs leiden.

fotos Museum Liaunig

Spielfeld für neue architektur Das Nicht-Urbane bietet sich als Lebensraum für Museen aktueller Kunst förmlich an. Die Natur gibt der zeitgenössischen Museumsarchitektur mehr Raum und Repräsentationsfläche als die Stadt. Museumsdepots und Ausstellungsflächen müssen sich nicht an die Gegebenheiten des beengten Stadtraums anpassen. Das weit abgelegene private Museum Liaunig in Neuhaus in Kärnten ist ein Paradebeispiel dafür. Das Wiener Architektenteam Querkraft ließ einen längsgezogenen Bau aus Sichtbeton und Stahl für die Kunstsammlung des Kärntner Industriellen Herbert W. Liaunig entstehen. Neben österreichischer Nachkriegskunst sammelt Liaunig auch Goldobjekte aus Afrika. Im 2008 fertig gestellten Museum mit fast 4.500 m² Fläche gibt es

liaunig museum, neuhaus, österreich: Der jüngste Museumsbau des Landes ist eine aussagekräftige Kunst-Schublade mitten in der Landschaft.


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Museum in der Landschaft

fotos Louisiana Museum of Modern Art, Laura Padgett, Horst Bernhard

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loisiana museum of modern art, humblebæk, dänemark: Mittlerweile das meistbesuchte Museum Dänemarks, mit Skulpturenpark am Meer und prominentem Ausstellungsprogramm – ein Must für Kunstliebhaber.

arp museum, remagen, deutschland: Die Arps waren ein Künstlerpaar, Hans Dadaist und Surrealist, seine Frau Jean eher der konkreten Kunst zugeordnet. Vor wenigen Jahren entstand der von Richard Meier geplante Zubau.

genug Platz für wechselnde Sammlungspräsentationen und die Depots der Sammlung. Wer das Museum besuchen möchte, muss allerdings einen Termin vereinbaren. Laufender Museumsbetrieb verursacht Kosten, vor allem im Bereich der Sicherheit und dem Besucherservice, die man sich durch diese Beschränkung spart.

Nitsch präsentiert, dokumentiert und erforscht. Dafür wurde die alte Landmaschinenfabrik Ferdinand Heger und Sohn umgebaut. Entstanden ist eine klosterartig anmutende Anlage, in die sich das Werk von Nitsch, das sich mit elementaren Fragen von Leben, Tod und Ritualen auseinandersetzt, ideal einfügt. Um Besucher nach Mistelbach zu locken, gibt es ein gutes Angebot an Kunstvermittlung, Workshops, Kinderprogrammen und Gastronomie. Auch das 1999 im niederösterreichischen Klosterneuburg eröffnete Essl Museum mit der Sammlung von heute 7.000 Werken zeitgenössischer Kunst dient so manch anderen als Vorbild, einerseits als privater Museumsbau, andererseits aufgrund der vielgestaltigen Kunstvermittlungsangebote.

Museen mit Herz und Seele Museen im Hinterland können mit besonderer Besucherfreundlichkeit punkten. Mutig ist es, auch öffentlich finanzierte Museen ins Grüne zu bauen, wie etwa das Museumszentrum Mistelbach, wo sich neben dem Museum Lebenswelt Weinviertel das Hermann NitschMuseum befindet. Auf 6.000 m² werden die Werke von


MUSIK UND KULTUR VON NISCHEN BIS POP 01 JULI – AUGUST 15 / FELDKIRCH –ALTES HALLENBAD

MUSIK UND KULTUR VON NISCHEN BIS POP 01 JULI – AUGUST 15 / FELDKIRCH–ALTES HALLENBAD

pERfEktE symBIosEN Die perfekte Symbiose zwischen Landschaft und Kunst bietet das Louisiana Museum für Moderne Kunst in Humlebæk in Dänemark. Das 1958 eröffnete Museum ist etwa 35 Kilometer von Kopenhagen entfernt. Das eigentlich Besondere am Louisiana Museum (benannt nach den Ehefrauen eines Vorbesitzers des Gebäudes), das internationale Ausstellungen zeitgenössischer Kunst präsentiert, ist seine abgeschiedene Lage. Mit einer halben Million Besuchern jährlich ist es dennoch das meistbesuchte Museum Dänemarks. Wer nach Francis Bacon, Anselm Kiefer oder Pablo Picasso noch Meerluft schnuppern will, geht einfach vor die Tür oder sieht sich im Skulpturenpark um, in den das Gebäude eingebettet ist. Als kulturelles Zentrum gewachsen ist auch der Bahnhof Rolandseck. Der Kunstsammler Johannes Wasmuth veranstaltete seit Mitte der 60er Jahre im etwa 60 Kilometer von Köln entfernten Remagen im alten Bahnhofsgebäude Ausstellungen, brachte Künstler dort unter und organisierte Konzerte. 2004 entstand am Bahnhof das nach dem deutsch-französischen Dadaisten und Surrealisten Hans Arp und der Schweizer Künstlerin Sophie Taeuber-Arp benannte Museum. Ein vom amerikanischen Architekten Richard Meier geplanter Neubau um 25 Millionen Euro, mit dem alten Bahnhof durch einen Tunnel verbunden, wurde 2007 eröffnet. Zwar zog sich die Arp-Stiftung nach Streitigkeiten aus dem vom Land betriebenen Museum zurück, dennoch wird dieses mit Leihgaben und aus anderen Beständen mit Werken der beiden Künstler bestückt. Neben den Werken von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp wird sowohl zeitgenössische als auch alte Kunst gezeigt. Im Bundesland Rheinland-Pfalz ist das Arp Museum mit 61.000 Besuchern das meistbesuchte Museum im vergangenen Jahr gewesen.

POOLBAR POOLBAR FESTIVAL FESTIVAL

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PORTUGAL.THE MAN, THE SORROW,

PORTUGAL.THE MAN, THE SORROW, WEAKERTHANS, OK GO, WEAKERTHANS, OK GO, HERCULES & LOVE AFFAIR FEAT. HERCULES LOVE AFFAIR WOLFRAM&(RBMC), DEUS,FEAT. WOLFRAM (RBMC), DEUS, THIS WILL DESTROY YOU, THIS WILL DESTROY YOU, THE THERMALS, BEAT! BEAT! BEAT!, THE THERMALS, BEAT! BEAT! BEAT!, LONG DISTANCE CALLING, MOLOTOV, LONG DISTANCE CALLING, MOLOTOV, SANTIGOLD, KOSHEEN, SANTIGOLD, KOSHEEN, THE SUBWAYS, SCOTT MATTHEW, THE SUBWAYS, SCOTT MATTHEW, KETTCAR, GET WELL SOON, KETTCAR, GET WELL SOON, THE REAL REALMCKENZIES, MCKENZIES, THE HOLSTUONARMUSIGBIGBANDCLUB, HOLSTUONARMUSIGBIGBANDCLUB, MEN, FM FMBELFAST, BELFAST, MEN, MACY GRAY, MAHALARAI RAIBANDA, BANDA, MACY GRAY, MAHALA U.V.A. U.V.A. TICKETS TICKETS&&INFOS: INFOS:WWW.POOLBAR.AT WWW.POOLBAR.AT

Wie bei vielen Kultureinrichtungen ist das Durchhaltevermögen für die Museen am Land von entscheidender Bedeutung. Aber auch Prestigemuseumsbauten in Städten, etwa das Lentos Museum in Linz, haben mit der Kritik zu kämpfen, ihre Programme mit den Besucherzahlen zu rechtfertigen. Der klassische museale Blockbuster ist eben in Ballungsräumen, wo starke Konkurrenz herrscht, öfter zu finden als in den Kulturoasen im Off, wo Architektur, Kunst und Landschaft zu Experimenten verführen.

Louisiana Museum of Modern Art: www.louisiana.dk Essl Museum: www.essl.museum Hans Arp Museum: www.arpmuseum.org Museumszentraum Mistelbach: www.mzm.at Liaunig Museum: www.museumliaunig.at

DANKE FÜR DIE FÖRDERUNG: BMUKK, LAND VORARLBERG, WIEN KULTUR, STADT FELDKIRCH, SKE, AKM

DANKE FÜR DIE FÖRDERUNG: BMUKK, LAND VORARLBERG, WIEN KULTUR, STADT FELDKIRCH, SKE, AKM


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goa: peace, Psychedelic und Party in der Pampa


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Imre Withalm

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Nachtschatten Verlag

club of goa Stroboskoplicht, Pilze, Elfen, organische Visuals und endlos scheinende Psy-Trance-Mixes: Wir befinden uns in »A Goa State Of Mind«. Jenseits eines urbanen Nischendaseins ist Goa eine traditionsreiche Subkultur, die sich – vorwiegend im Hinterland – einen unüberwindbaren Bezug zur Natur erhalten hat. Ein neues Buch zeigt die Vielfalt der Szene.

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goa: peace, Psychedelic und Party in der Pampa

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beginnen, den Boden vor der Bühne von Zigarettenkippen zu befreien, sagen viel über die Szene aus. Die Stars sind Teil der Community – eine Distanz, wie sie bei Stadien füllenden Techno- und House-DJs vorherrscht, gibt es hier nicht.

»Hedonistisches Biedermeier«

G

oa, der mythenumwobene Mini-Bundesstaat an Indiens Westküste, ist wohl allen ein Begriff, die schon mal elektronische Musik gehört haben. Es begann mit einigen Hippies, die in den 70ern während der Wintermonate nach Goa gingen und schrittweise die dortige Kultur nach Europa zurückbrachten. Inzwischen hat sich eine weltweite Goa-Szene entwickelt, die weit über die musikalische Ebene hinausreicht. Für die Szene-Mitglieder, die so genannten »Fraggles«, bedeutet Goa eine Art alternatives Lebensmodell, in dem andere Werte im Vordergrund stehen – auch wenn es nur am Wochenende ist. Buchautor Tom Rom beschreibt Goa deshalb »als Zustand, nicht als Ort«. Goa-Veranstaltungen finden aus diesem Grund prinzipiell in der Natur statt. Partys in Clubs sind dabei nur Notlösungen. »Es geht darum, Teil der Natur zu sein«, erklärt Tom Rom diese Eigenart der Szene.

Im Grünen grün bleiben Dass Goa-Festivals die Natur suchen, führt auch zum Problem der Verschmutzung. Die Festivals versuchen aber dem drohenden Widerspruch aus Naturnähe und -zerstörung zu entgehen. Das umfassendste Konzept hat dabei das größte Goa-Festival Europas – das »Boom« in Portugal. Es hat sich dem Szene-Selbstverständnis entsprechend ganz der Nachhaltigkeit verschrieben und ist so auch Vorbild für andere Großveranstaltungen. Das grüne Bewusstsein reicht vom Großen – z.B. AltölGeneratoren und Kompost-Toiletten – bis zum Kleinen: simple Taschenaschenbecher vermeiden einen großen Teil der Zigarettenstummel. Nach einem Goa-Festival sehe das Gelände einfach ganz anders aus als nach einem Rock-Fest, vergleicht Tom Rom. Bilder wie jenes von Stars in der Goa-Szene, die Stunden vor ihrem Auftritt

Die Tatsache, dass Goa-Festivals die Pampa suchen, führt auch dazu, dass sich oft zwei massiv konträre Gruppen gegenüber stehen: Fraggles, die extra wegen des Festivals gekommen sind, und die Landjugend, die ansonsten in die Dorfdisco geht. Das sei aber kein sehr großes Problem, meint Tom Rom, denn die Stimmung sei eine ganz andere als bei anderen Veranstaltungen: »Gewalt ist ein absolutes No-Go«, zieht Tom Rom die Grenze zu Techno- und Rockfestivals. Trotzdem bleibt die Besucherschaft schwer festzumachen: »Viele betreiben eine Art hedonistisches Biedermeier«. Unter der Woche gehen sie also ganz normalen Jobs nach, am Wochenende aber begeben sie sich nach Goa. Am Dancefloor kann so eine skurril anmutende Vielfalt beobachtet werden. Es komme schon vor, dass drei Generationen zugleich am Abtanzen sind, meint Tom Rom. Obwohl sich große Teile der Szene bisher nicht von Kommerzialisierung vereinnahmen haben lassen, ändere sie sich: Nahmen früher Hippie-Ideale wie Natur, Freiheit und Liebe noch einen größeren Stellenwert ein, wird nun die Partykultur immer wichtiger. Ein Aspekt aber ist immer noch gleich geblieben: Der Weg nach »Goa« führt definitiv über eine Psy-Trance-Party irgendwo am Land. »GOA. 20 Jahre Psychedelic Trance«, herausgegeben von Tom Rom und Pascal Querner, ist im Nachtschatten Verlag erschienen. www.nachtschatten.ch


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die brennnessel

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Mirjam Bromundt

GRünE SupERhElDin Dem Unkraut Brennnessel gehört der Ehrenplatz im Garten. Für die Region Vogtland ist die Heilpflanze dank einer mutigen Unternehmerin sogar zum Belebungskonzept geworden.

A

ls Kinder haben wir im Sommer unbewohntes Gebiet eingenommen«, erzählt Nadine aus Vorarlberg. »Im Wald, auf Fantasiegrund. Dazu mussten wir oft durch Brennnesseln und es war okay, dass es überall brannte. Der Schmerz gehörte dazu.« Brennnesseln sind Teil vieler Kindheitserinnerungen, verschwinden aber mit dem Erwachsenwerden meist aus dem Erlebnishorizont. Auch im Leben von Elfi Braun spielte die Pflanze keine Rolle, als sie noch bei ihrem Mann in einer Werbeagentur arbeitete und nebenher die Familie managte. Vor zehn Jahren sollte sie ein Belebungskonzept für die Region Vogtland entwickeln, wobei sie als mögliche Lösung schnell auf die vielseitige Brennnessel stieß. Was anschließend in vielen Vereinen an fehlendem Kapital scheiterte, nahm Elfi Braun schlussendlich selbst in die Hand: »Ich war so begeistert vom Potenzial der Brennnessel, dass ich es einfach versuchen musste«, sagt die heutige Unternehmerin, »und dass diese Pflanze dennoch so verkannt ist, hat mich extrem gereizt.« 2008 gründete sie mit ihrem Ersparten die Firma Grüne Vogtei, die sich mit der eingetragenen Marke »Wellnessel« ganz der Brennnessel als Nutz- und Heilpflanze verschrieben hat. Von Brennnesselsaft und Löffel-Honig über Müslisnacks und Pesto bis hin zu Tee-, Würz- und Brotbackmischungen erstreckt sich das Sortiment – mit Bio-Zertifikat natürlich.

Im HINtERLaND Idyllische Felder, Wiesen, Wälder und eindrucksvolle Brücken – das ist das Vogtland im Süden Sachsens, das Wanderer gerne über den Panorama-Weg erkunden. Die Plauener Spitze und die Musikinstrumente aus Markneukirchen sind weltweit begehrt und werden wie die Holzwaren und Spielzeuge der Region in eigenen Museen ausgestellt. Im Frühjahr werden Brennnesseleintöpfe gekocht, die Landwirte ziehen ihre Küken unter anderem mit klein gehackten Brennnesseln auf und auch Elfi Braun ist immer wieder selbst bei der Wildsammlung ihrer Lieblingspflanze im Naturpark Vogtland/Erzgebirge anzutreffen. Brennnesseln anzupflanzen ist nämlich nicht ganz einfach und erfordert einiges an Wissen. Der Boden sollte nährstoffreich sein, die vorgezogenen Pflänzchen im Mai mit ausreichend Abstand gesetzt und dann bis zur Ernte von unerwünschten


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die brennnessel

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BRENNNEssEL-GNoccHI

fotos Grüne Vogtei

ZUtAtEN • 2–3 Handvoll Brennnessel • 3–4 Kartoffeln, weich gekocht • 1 Ei • Mehl nach Bedarf • 1 Messerspitze Muskatnuss, Salz, Pfeffer • 20 g Butter • 100 g Ziegenkäse, fein gewürfelt • Wellnessel Gewürzmischung ZUBEREitUNG Zwei bis drei Handvoll Brennnessel werden gewaschen und von den harten Stielen befreit und in kochendem Salzwasser kurz blanchiert. Danach die Brennnesselblätter kurz in Eiswasser eintauchen, damit sie ihre grüne Farbe behalten. Die gut abgetropften Blätter mit dem Messer zerkleinern, dabei nicht schneiden, sondern ziehen. Drei bis vier gekochte Kartoffeln werden durchgedrückt und mit einem Ei und Mehl zu einem glatten Teig verarbeitet. Dabei mit Muskatnuss würzen und die feinen Brennnesselblätter untermischen. Beim Kneten soviel Mehl zugeben, dass ein fester Teig entsteht. Daraus fingerdicke Rollen formen und die einzelnen Gnocchi-Stücke davon abschneiden. In heißes, nicht mehr kochendes Wasser geben und solange ziehen lassen, bis sie oben schwimmen. Mit einem Schaumlöffel herausheben und in einer Pfanne in wenig heißer Butter kurz schwenken. Verbleibende Brennnesselblätter mitschwenken und mit einigen Ziegenkäsewürfeln und »Wellnessel«-Gewürzmischung bestreuen. Heiß servieren.

Beikräutern frei gehalten werden. Schmetterlingsraupen müssen von Hand abgepflückt werden und nach der Ernte heißt es so rasch als möglich weiterverarbeiten. Höchstens vier Stunden dürfen vergehen, sonst leidet die Qualität erheblich. »Uns fehlen Lagerkapazität und große Trocknungsanlagen«, erklärt Elfi Braun. »Deshalb haben wir uns zu einem kleinen Teil auf Wildsammlung und einem großen Teil auf Zukauf konzentriert. Gerade die von uns viel verarbeiteten Brennnesselsamen sind in Deutschland nicht direkt zu beziehen. Diese selbst zu ernten ist bei den Mengen für uns nicht machbar.« Die Zulieferbetriebe wurden vorher so gut es ging persönlich besichtigt und die wenigen Produkte, die die Grüne Vogtei bereits fertig bezieht, sind immerhin aus der Region. Der Großteil des Sortiments wird von Elfi Braun und ihren Frauen selbst hergestellt.

RUNDUmtHERapIE »Ich kann mich von ihr ernähren, mit ihr meine Gesundheit erhalten. Ich kann aus ihr Stoffe weben, diese färben und mich kleiden. Ich kann Kosmetik mit ihr herstellen, die Erträge bei Obstbäumen und Sträuchern mit ihr erhöhen oder sie in der Tiermedizin einsetzen«, ist Braun begeistert. Was sie an der Brennnessel fasziniert, ist seit Jahrtausenden bekannte Naturheilkunde. Vor allem die große Brennnessel (Urtica dioica) wird


»Wellnessel«-Erfinderin Elfi Braun schwört privat und als Inhaberin des Heilmittel-Herstellers Grüne Vogtei auf das Allroundgenie in Sachen Gesundheit.

Ich war so begeistert vom Potenzial der Brennnessel, dass ich es einfach versuchen musste, und dass diese Pflanze dennoch so verkannt ist, hat mich extrem gereizt. Elfi Braun

als Heil- und Nutzpflanze verwendet und liest man sich durch die Anwendungsmöglichkeiten, ist man bald so entzückt wie die »Wellnessel«-Erfinderin. Blutbildend, stoffwechselanregend, motivierend, blutdrucksenkend, wasserausleitend, schleimlösend und allgemein stärkend sind nur einige Adjektive, die die Brennnessel zu einem wahrlichen Allroundgenie in Sachen Gesundheit machen. Ob als Tee, Tinktur, Pulver, Sirup oder Wein ist die krautige Pflanze ein Allzweckmittel: Bei den Germanen wurde die Brennnessel als Aphrodisiakum gegessen, die Römer peitschten bei Potenzproblemen die Lenden mit einem Brennnesselstrauß und Hildegard von Bingen riet bei Gedächtnisstörungen zu Brennnesselöl auf Brust und Schläfen. Eine Brennnessel-Frühjahrskur spült nicht nur alle Schlacken des Winters aus dem Körper, sondern lindert auch Leber-, Magen- bzw. Darmbeschwerden, ein frisch gepresster Saft aus jungen Brennnesselpflanzen sogar Frühjahrsmüdigkeit. Innerlich wie äußerlich eingesetzt kann sie bei Rheuma und Gicht helfen, mit Alkohol angesetzt beschleunigt sie Wundheilungsprozesse, ein Kräuterkissen hilft bei Einschlafproblemen, Brennnesseltee bei Heuschnupfen, Neurodermitis oder Depressionen und die Samen beispielsweise bei Osteoporose und Wechseljahrbeschwerden. Und auch in der Kosmetik haben Brennnesseln ihre Berechtigung: Kalte Brennnesselkompressen zur Hautpflege, Lotionen gegen

Akne und Ekzeme, zum Haarewaschen oder als Wurzelsud gegen Schuppen – die Brennnessel scheint Elfi Brauns Hingabe wirklich verdient zu haben.

Geistesblitze »Wir haben als Kinder die Brennnesseln mit den Füßen zerstampft und dann den Brei als Spinat gegessen«, erzählt Bettina aus Steyr. Dasselbe mit Gewürzen und etwas Obers in der Küche zubereitet ergibt eine gesunde Beilage – besteht die Brennnessel doch zu 30 Prozent aus Proteinen, enthält 20 Mal mehr Provitamin A als Kopfsalat und neben Vitamin E, B und K vor allem als junge Pflanze sehr viel Vitamin C. Neben Kalzium, Magnesium, Kalium und Silizium ist die Brennnessel vor allem reich an Eisen, was die pharmakologische Forschungsfirma Phamos bei ihrer Analyse sogar an einen Fehler denken ließ. Neben Spinat lassen sich auch Risotti oder Salate aus der Brennnessel zubereiten und eigentlich sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. »Ich experimentiere nach wie vor mit der Brennnessel und habe ständig neue Ideen«, sagt Elfi Braun und tüftelt wahrscheinlich bereits an weiteren Produkten. Eine kleine Kosmetikserie wird jedenfalls schon bald bei Wellnessel erhältlich sein. www.gruenevogtei.com

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Benachteiligte Gebiete

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interview

Thomas Weber

Lob der Kulturlandschaft Gibt es ein Recht auf eine gepflegte Landschaft? Die Idee ist in der EU jedenfalls mehrheitsfähig und mit ein Grund, dass »benachteiligte Gebiete« gefördert werden. BioPionier Alois Posch über steile Hänge, politischen Konsens und bayerische Familienbetriebe. biorama: Herr Posch, was genau macht denn ein sogenanntes »benachteiligtes Gebiet« aus? alois posch: Aus landwirtschaftlicher Sicht weist es natürliche Nachteile gegenüber Gunstlagen auf. Bergbauern arbeiten hoch oben, es herrschen tiefe Temperaturen vor, die Flächen sind steil, die Bearbeitbarkeit ist erschwert. Auch die Bodenfruchtbarkeit und die Ernteerträge sind niedriger. Wer fernab der Zentren einen Arzt braucht oder seine Kinder in die Schule schickt, hat oft ein Problem. Warum werden benachteiligte Gebiete überhaupt gefördert? Oder anders gefragt: Warum konzentriert man sich nicht ganz auf bevorzugte Gebiete? Benachteiligte Gebiete sind keine Intensivgebiete. Es spricht einiges dafür, diese als Kulturlandschaft und damit bewirtschaftbar zu erhalten. Die vom Menschen unbeeinflusste, verlassene Naturlandschaft in unseren Breiten wäre fast ausschließlich der Wald. Überall Wald, das will aber niemand. Alle Bürger haben das Recht auf eine gepflegte Landschaft. Also muss sie auch

Bergbauern arbeiten hoch oben, die Flächen sind steil, die Bearbeitbarkeit ist erschwert.

foto LFZ / Buchgraber/Lebensministerium.at

Alois Posch, Österreichisches Landwirtschaftsministerium

bewirtschaftet werden. Auch aus Sicht der Biodiversität braucht es Menschen, um Kulturlandschaft zu erhalten. Das wiederum braucht Mittel – wenn es der Allgemeinheit ein Anliegen ist, eine vielfältige Landschaft zu erhalten. Bäuerliche Familienbetriebe in Bayern haben einfach andere Interessen als die riesigen Landwirtschaftsbetriebe in den Gebieten des ehemaligen Ostens. Laut Wikipedia sind in Deutschland 50 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche als benachteiligte Gebiete ausgewiesen. Wieviel Prozent sind es denn in Österreich und der Schweiz? In Österreich sind derzeit über 70 Prozent als benachteiligte Gebiete definiert – wir reden hier überwiegend von Bergbauern. Auch in der Schweiz überwiegen bergbäuerliche Betriebe, auch wenn die Einteilung dort nicht EU-geregelt ist. Die Schweiz ist ein Alpenland, für das Bergbauernförderung ganz wichtig ist. Bedingen benachteiligte Gebiete eigentlich Biolandbau? Nein. Die Intensität der Produktion ist dort aber in der Regel von Haus aus nicht so hoch, weshalb der Schritt von der konventionellen Landwirtschaft zum Biolandbau etwas leichter ist. Wird die österreichische Position als Europas Bioland Nr. 1, die ja auch mit den regionalen »Nachteilen« geringer Großflächen zusammenhängt, bei der derzeit innerhalb der EU erarbeiteten Neudefinition der förderwürdigen Gebiete bis 2014 berücksichtigt? Bio spielt dabei keine Rolle. Es geht darum, strukturelle natürliche Nachteile auszugleichen: Bevölkerungsdichte, Beschäftigungsmöglichkeiten in der Gegend auch nach nicht rein agrarischen Kriterien. Es geht darum, Bauern zu ermöglichen, dass sie weiterhin in der Region leben können, auch wenn sie nicht ihr Einkommen überwiegend aus der Landwirtschaft beziehen können. Auch eine Nebenerwerbsschnitzerwerkstatt kann gefördert werden, wenn diese hilft, dass Menschen in der Region bleiben und die Bevölkerungsdichte aufrecht bleibt. Einer der Schwerpunkte der Förderung der Entwicklung des Ländlichen Raums ist die Diversifizierung der Wirtschaft. Wie gesagt: Bio spielt bei der Abgrenzung der benachteiligten Gebiete keine Rolle, wohl aber bei der regionalen Entwicklung.


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▲ Rezept von Dr. Johanna Budwig: www.noble-house.tk

Omega-Fettsäuren zum Aufladen der zellinternen Batterie Der Mensch besteht aus Milliarden von Zellen. Die Vitalität jeder Zelle ist zum Großteil abhängig von der Qualität und vom Schutz, den die Zellwände (Membranen) bieten. Zellwände bestehen hauptsächlich aus Fetten. Genügend Omega3 und -6-Fettsäuren machen die Zellwände geschmeidig und durchlässig, wodurch sie die Nährstoffe optimal aufnehmen können. Sie sorgen gleichzeitig dafür, dass die Batterien unserer Zellen aufgeladen werden. Sie sorgen dafür, dass elektrische Impulse erzeugt und weitergeleitet werden. Zu wenig Omega-3/6 macht uns müde – körperlich und geistig. Johanna Budwig sagte über das Aufladen unserer Batterien: „Die Zweipoligkeit zwischen Fetten (Zellumhüllung) und Eiweißen (Zellkern) ist

für den Erhalt und die Struktur aller lebenden Zellen von fundamentaler Bedeutung. Diese Zweipoligkeit hängt größtenteils von der Anwesenheit von ausreichend Omega-3/6 ab. Ein Mangel an Omega3/6 lähmt zahlreiche vitale Funktionen unserer Zellen. Wenn die Zweipoligkeit zwischen dem Zellkern und der Zellumhüllung vernichtet wird, beispielsweise durch einen Mangel an Omega-3/6 oder durch den Konsum von teilweise oder insgesamt gehärteten Fetten (Transfetten), ist die Folge, dass die elektrische Ladung verschwindet. Mit anderen Worten, die Batterie der Zelle wird leer.“ Eicosan Perilla ist sehr reich an Omega-3. Enthält ausreichend Omega-7 und 9 und nur wenig Omega-6. Die Eicosan Kräuter fördern die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren. Um ihren Mängel schnell zu beseitigen reicht täglich 1 Teelöffel bis 1 Esslöffel. Erhältlich im Bioladen. Tel 00 32 3 653 25 41, www.noble-house.tk

AMAN PRANA AuSGeGlIcheNe leBeNSKRAFT


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urlaubstipps in Österreich

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GEhEiME plätzE In der Biorama-Redaktion haben wir uns an die liebsten Ausflugsorte zum Abschalten erinnert. Vorschläge für Menschen, die naturverbunden und umweltfreundlich Urlaub machen wollen.

fotos Museumsdorf Niedersulz, Loizenbauer, Ulli Nehiba

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Foto: Adams Ende

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IN EINEm LaND VoR UNsERER zEIt Viele Jahre hat Josef Feissler bloß »altes Glumpert« von Bauernhöfen und aufgelassenen Weinviertler Handwerksbetrieben zusammengetragen. Daraus ist – auf 22 Hektar, mehr als 80 historische Gebäude, blühende Bauerngärten und alte Obstwiesen umfassend – das Museumsdorf Niedersulz geworden. Es zeigt »das Weinviertel wie es einmal war«: Gehöfte, Kleinhäuslerhütten, Kapellen, Dorfplätze, Friedhöfe und Handwerksbetriebe. Viele der Sammlungsobjekte werden zumindest an Feiertagen aus dem Dornröschenschlaf geweckt: da serviert das alte Wirtshaus Deftiges zu Bier oder Grünem Veltliner, erfährt man Fast-Vergessenes über Blaudruck und die Herstellung von Perlmutt-Schmuck, werden Sensenkurse angeboten, lädt der »Tag des offenen Bienenstocks«. Mehr Retro geht kaum und natürlich wird hier auch ordentlich gevolkstümelt, die Mundart gepflegt, Tracht getragen, Brauchtum gepflegt, in der Vergangenheit geschwelgt. Erst im Vorjahr beschloss das Land Niederösterreich, das Museumsdorf zum »Kompetenzzentrum für Volkskultur« auszubauen. Ja! Natürlich (die Bio-Marke hat hier übrigens eine ihrer TV-Kampagnen gedreht): Man ist dann auch froh, dieser kleinen Welt wieder zu entkommen, möchte um nichts in der Welt in dieser Vergangenheit leben. Doch besuchenswert ist sie allemal. Auf dem Heimweg macht man am besten Halt in Stillfried, dem ältesten Weinort Österreichs, und besucht den Buschenschank des Weinguts Staringer. Es ist noch kein zertifizierter Biobetrieb, stellt aber gerade um und wirtschaftet nicht mehr konventionell. Gegen Voranmeldung kann man auch in der Kellergasse übernachten. Ist meistens besser so. (thomas weber) www.museumsdorf.at www.weingut-staringer.at

KINO UNTER STERNEN Open Air am Karlsplatz

1. – 24. Juli 2011

www.kinountersternen.at

Mit Unterstützung von


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urlaub in Österreich

EINkLaNG mIt DEm kLapotEtz

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Der Klapotetz ist das Wahrzeichen der südsteirischen Weinstraße: Mit beginnender Reife der Weintrauben soll das hölzerne Windrad mit seinen Klöppeln die Vögel aus den Weingärten vertreiben. Ob der landschaftlichen Schönheit wird das Gebiet direkt an der Grenze zu Slowenien auch zu Recht als »Steirische Toskana« bezeichnet. Die hügelige Landschaft ist bedeckt mit malerischen Weingärten und Wäldern. Ideal für gemütliche Buschenschank-Touren, um örtliche Köstlichkeiten rund um Kürbis, Wein & Co zu probieren. Und beim Sonnenuntergang im Weingarten dem geruhsamen Klappern der Abendbrise zu lauschen. (lisa dreier) www.suedsteirischeweinstrasse.at

EIN BIoBaUERNHof aUs DEm BILDERBUcH

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Der beste Apfel ist der Selbstgepflückte direkt vom Baum. In der Früh die Biomarmelade aufs Brot streichen, mit den Liebsten einen Spaziergang im Obstgarten machen, zum Abendessen Bio-Apfelschaumwein trinken und zum gemütlichen Beisammensein unter der Laube noch ein Stamperl vom Hausgebrannten. Näher an der Produktion geht fast nicht mehr als beim Biobauernhof & Pension Schloffer im Zentrum des österreichischen Obstbaus an der steirischen Apfelstraße. Zum Glück muss man dann zum Schlafen quasi nur noch Umfallen und ist am nächsten Tag fit für den Badespaß am Stubenbergsee und die Greifvogelschau auf der Riegersburg. (juliane fischer) www.schloffer.at

fotos Martin Höllinger, Walter Schneider, Micky Klemsch, OÖT/Erber, Walburga Rauchenwald

VoLLHoLz Im stEINaLmDoRf

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Im Salzburger Land schmeckt’s mir einfach besser. Das mag daran liegen, dass hier schon mehr als 50 Prozent der Betriebe biologisch landwirtschaften. Leogang hat es mir besonders angetan. Als Basis für Biker oder Wanderungen bietet sich hoch am Berg die Forsthofalm an. Der neue Zubau ist das erste Vollholzhotel Österreichs. Der Ausblick gigantisch. Mit Familie würde ich meine Zeit aber im Steinalmdorf des Embachhofs im Tal verbringen. Ein kleines Dorf aus alt wirkenden Holzhäusern mit natürlichem Badeteich, vielen Kleintieren und einer eigenen Landwirtschaft. Die Bergkulisse spielt jede Fototapete an die Wand. (micky klemsch) www.forsthofalm.com www.steinalmdorf.com


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Naturschutzgebiet Pesenbachtal Nichts auf der Welt riecht besser als Wald. Und im Pesenbachtal bei Bad Mühllacken im oberösterreichischen Mühlviertel gibt es ganz viel davon. Schluchtartig stürzt sich der Pesenbach hier Richtung Donau. Zwischen Wald, Wasser und Granit sind Smaragdeidechsen, Wintergoldhähnchen (die kleinste Vogelart Europas), Zaunkönige, Zitronenfalter und Bachstelzen zu Hause. Wildromantisch wandern kann man hier. Und dann zum Schlagerwirt. Reindlessen und Oma Hildas Bauernkrapfen.  (johanna stögmüller) www.schlagerwirt.at

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Gesundheit ist das höchste Gut: Auszeit für Ihre Gesundheit in Niederösterreich

Unberührtes Moorsee-Idyll Dank eines glücklichen Beschlusses aus den 70er Jahren ist der Längsee inmitten der Berggipfel Mittelkärntens von Uferbebauungen verschont geblieben, und auch das Strandbad mit seinen langen Holzstegen stammt noch aus dieser Zeit. Vor allem morgens und abends entfaltet der spiegelglatte See einen ganz speziellen Zauber, wenn man in der Stille des Moors durch den mächtigen Bruchwald streift und unerwartet aufschreckenden Amphibien begegnet. Mit einem Team von erfahrenen Naturpädagogen aus dem nur wenige Gehminuten entfernten Klosterstift St. Georgen kann man dieses Seeökosystem voller Kleinode der Pflanzen- und Tierwelt auch unter Führung erforschen.  (wolfgang smejkal) www.bildungshaus.at

Kennen Sie diese Sehnsucht: Regeneration, Durchatmen, Pause machen, Abschalten …? In der Hektik des Alltags liegt es ganz weit weg. Doch in Wirklichkeit liegt es fast vor Ihrer Haustür – in Niederösterreich. Ob zur Vorbeugung, zum Gesunden, als Kur- oder Wohlfühl-Aufenthalt – hier finden Sie die Kraft, um neu durchzustarten. Die hervorragende Kompetenz auf therapeutischer und medizinischer Ebene sorgt für eine nachhaltige Verbesserung Ihrer Lebensqualität. Bei uns sind Sie in guten Händen! Informationen über Niederösterreichs Gesundheitsangebote unter Tel. 02742/9000-9000 oder im Internet.

gesundheit.niederoesterreich.at


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nationalpark

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wAS iSt EiGEntlich …

Ein nAtionAlpARK?

Der Nationalpark Hohe Tauern wurde vor 30 Jahren eröffnet. Inzwischen ist das Schutzgebiet ein fest etablierter Publikumsmagnet. Hier das Vordermoos im Hollersbachtal.

Wir fragen Niki Berlakovich, als Umweltminister in Österreich für Nationalparks zuständig.

foto NP Hohe Tauern / Rieder

Ö

sterreich verfügt über ökologisch besonders wertvolle Naturlandschaften mit einer enormen Artenvielfalt. Sechs dieser Naturregionen wurden zu Nationalparks erklärt und sind damit für immer geschützt. Maßgeblich dabei war auch der aktive Einsatz engagierter Bürgerinnen und Bürger, die 1984 die Hainburger Au besetzt haben und mit einem Volksbegehren die Basis für die Errichtung des Nationalpark Donau-Auen 1986 gelegt haben.

Heute kann sich in Österreichs Nationalparks – Donau-Auen, Gesäuse, Hohe Tauern, Kalkalpen, Neusiedler See-Seewinkel und Thayatal – die Natur fast ohne Eingriffe des Menschen entfalten. Sie nehmen mit einer Gesamtfläche von über 2.350 km2 zirka drei Prozent des Staatsgebietes ein. Damit sind wir in Europa an einem Spitzenplatz. In Deutschland gibt es zwar 14 Nationalparks, sie nehmen aber nur knapp über 0,5 Prozent der Landesfläche ein. Sogar die osteuropäischen Länder,


Neu auf www.biorama.eu: Wir fragen, Expertinnen und Experten antworten.

Was ist eigentlich …? Auf der neuen Biorama-Website findet man eine Reihe neuer Rubriken, die regelmäßig und nur dort erscheinen. Eine davon stellt die Frage: »Was ist eigentlich ...?«. Darin laden wir Expertinnen und Experten ein, fach­kundig Begriffe zu erklären, ihren Fachjargon zu entschlüsseln oder alltägliche Termini zu definieren. www.biorama.eu

allen voran die Tschechische Republik mit 2,5 Prozent Nationalparkfläche, sind dabei weit besser unterwegs. Der älteste Nationalpark der Alpen liegt in Graubünden in der Schweiz. Seit 2006 sind alle sechs österreichischen Nationalparks durch die Weltnaturschutzunion IUCN international anerkannt, was weltweit in nur wenigen Ländern der Fall ist.

Umwelttourismus und Green Jobs Die österreichischen Nationalparks haben sich in den letzen Jahren zu bedeutenden Zentren der Umweltbildung und Forschung entwickelt, führen Vorzeigeprojekte im Natur- und Artenschutz durch und bieten viele Attraktionen an. Dadurch haben sie auch positive Effekte auf die regionale Wirtschaft und beleben den umweltund klimafreundlichen Tourismus. In den Nationalparks arbeiten rund 300 Personen in Green Jobs, jährlich finden knapp 2.000 geführte Exkursionen statt und in den Besucherzentren werden pro Jahr 400.000 Besucher gezählt. Dazu kommen noch mehrere Tausend Wanderer, Sportler und Birdwatcher. Alle Bildungsprogramme der Nationalparks haben sich einer internationalen Qualitätsprüfung gestellt und wurden ISO-zertifiziert. Damit bleibt die Besucherzufriedenheit garantiert. Wir wollen die Nationalparks als Lebensraum für Tiere, als Erholungsraum und Klassenzimmer für Menschen sowie als Wirtschaftsmotor in den Regionen weiterentwickeln. Daher haben wir im Lebensministerium gemeinsam mit den Bundesländern und den Naturschutz-Organisationen eine eigene Nationalpark-Strategie erarbeitet und die Koordination und Organisation der sechs Gebiete unter der Dachmarke Nationalparks Austria vereint. Unter dieser Marke sollen sich die Natio­ nalparks als »Regionen der Nachhaltigkeit« profilieren und als heimisches Naturerbe den gleichen Stellenwert erhalten wie unsere Kulturgüter. www.nationalparksaustria.at

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Neusiedlersee – vom Ödland zum Nationalpark

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Thomas Weber

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Wien Museum

ruf der puszta Heiß umfehdet, wild umstritten, liegt Europa er inmitten: der Neusiedlersee – Brutstätte der österreichischen Umweltbewegung, Rückzugsgebiet bedrohter Vogelarten und gestresster Städter. Dabei galt die Gegend lange als »merkwürdig« und öde.

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ine ungeheure, für das schärfste Auge nicht übersehbare Wassermasse, von der man nicht weiß, wo sie anfängt und aufhört, trüber und schmutziger Färbung: das ist der Neusiedlersee. – 1868 noch galt der Steppensee einem Wiener Journalisten eher als Kloake und Ärgernis fürs Auge denn als naturnaher Rückzugsraum für Mensch, Tier und seltene Pflanzen, als welcher die Gegend an der österreichisch-ungarischen Grenze heute angesehen wird. Hundert Jahre später, nämlich 1971, hatte sich das Bild gewandelt: Als der burgenländische Landtag beschloss, eine Autobrücke quer über den Neusiedlersee zu bauen, um den Seewinkel besser zu erschließen, kam es zur Konfrontation der aufkeimenden Öko-Szene mit der Landespolitik. Rädelsführer der Naturschützer war Otto Koenig und der deutsche Afrikaforscher Bernhard Grzimek (»Serengeti darf nicht sterben«) wandte sich in einem Brief an den Bundespräsidenten und argumentierte gegen den Bau. Auch der Spiegel berichtete über die geplante Errichtung der zweitlängsten Brücke Europas. Im Audimax der Uni Wien argumentierten der spätere Nobelpreisträger Konrad Lorenz, Antal Festetics und Bernd Lötsch gegen das Projekt. Schließlich wurden österreichweit 200.000 Unterschriften dagegen gesammelt. Um die Wiener Schriftstellerin Klara Köttner-Benigni formierte sich eine der ersten modernen Naturschutzinitiativen des Landes – und begründete letztlich auch den heutigen Nationalpark Neusiedlersee Seewinkel. Oben: Das Plakat von Adrian / Hermes bewarb eine Ausstellung über »Das Meer der Wiener« im Hinterland der wachsenden Großstadt (1925). Unten: Schilfhütte, Ziehbrunnen und Reiter – festge­halten auf einer historischen Ansichts­karte aus dem Jahr 1975.

Von 14. Juli bis 23. Oktober zeigt das Wien Museum am Karlsplatz die Ausstellung »Meer der Wiener: Der Neusiedlersee, die andere Landschaft«. www.wienmuseum.at www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at


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Urlaub natĂźrlich genieĂ&#x;en.

BioParadies

SalzburgerLand

www.bioparadies.salzburgerland.com


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NGO-Keiler: Sie sind jung und brauchen das Geld

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Imre Withalm

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Nicole Fleck

Die quälgeister der EinkaufsstraSSe Es gibt unglaublich viele NGOs und sie alle brauchen Geld für ihre Arbeit. Eine Methode, da ran zu kommen, ist das Fundraising auf der Straße. Ein neutraler Blick auf – objektiv betrachtet – ziemlich nervige Zeitgenossen.

Soziale Beobachtungen. Sebastian (19) ist neu dabei – er betreibt das Fundraising nun den fünften Tag in seiner ersten 40-StundenWoche. Seine Motivation ist die gute Tat, die hinter der Arbeit steckt, und die Möglichkeit, Menschen einschätzen zu lernen. —— Organisation: Dialog Direct (Greenpeace)


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» Hallo ich bin , / der … die  un heißt d d wie u? « (Stand

ard-Sc

hmäh)

Die Mama.

Die 20-jährige Jaqueline ist seit zwei Wochen dabei und arbeitet 25 Stunden die Woche, um Leute zum Spenden zu bewegen. Anstatt zu raunzen will sie etwas tun, worauf sie stolz sein kann. »Es gibt schon genug Chaos auf der Welt«, sagt die Mutter einer zweijährigen Tochter. —— Organisation: aiwwf (Amnesty International und WWF)

Wird das so eine Art Bashing? Noch nie wollte jemand positiv oder neutral über uns berichten.

I

n einer globalisierten Welt, in der multinationale Unternehmen mehr oder weniger tun und lassen was sie wollen, schwören einige NGOs (NonGovernmental Organisation) darauf, selbst global tätig zu sein. Das kostet Geld. Und dieses Geld muss irgendwo herkommen. Willkommen in der Welt des Straßen-Fundraisings – oder »Keilen« auf gut Deutsch. Dass diese Methode in der Öffentlichkeit nicht gerade beliebt ist, ist den Pressereferenten der NGOs durchaus bewusst. Allein die Tatsache, eine Story über Fundraiser zu machen, reichte aus, um einige von ihnen gleich von Beginn an zu verunsichern: »Wird das so eine Art Bashing? Noch nie wollte jemand positiv oder neutral über uns berichten, wir werden immer als Keilerorganisation verunglimpft«. Manche, die selbst dabei waren, haben aber durchaus fundierte Kritikpunkte.


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NGO-Keiler: Sie sind jung und brauchen das Geld

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Geld und SpaSS. Tea (17) betreibt seit drei Wochen Fundraising auf der Straße. Sie verdient sich so neben der Schule etwas zu ihrem Taschengeld. Der Job kombiniert für sie »die Finanzen und Spaß«. —— organisation: face 2 face (Global Vision, Global 2000)

Angeheuert Thomas war ziemlich intensiv dabei – er war 2005 sogar Kampagnenleiter, das heißt, er war für drei Teams mit je drei Fundraisern verantwortlich. Nun engagiert er sich direkt bei Vereinen, nicht aber im Fundraising. Im offenen Kulturraum Spektral im steirischen Graz betreibt er einmal die Woche eine so genannte Volxküche, zu der alle hungrigen Interessenten eingeladen sind. Beim Waschen des gedumpsterten* Gemüses erzählt er von seiner Zeit als


Ernährungsvorsorge Coaching

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Mehr Freude am Leben durch gesunde Ernährung! Gesunde Ernährung ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge. In diesem Lehrgang sichern Sie sich das Fachwissen, um Menschen auf ihrem Weg erfolgreich betreuen zu können. Neben theoretischen Kenntnissen zu alternativen Ernährungsformen, Lebensmittelqualität, Gesundheitslehre uvm. kommt auch die Praxis nicht zu kurz: Sie lernen schmackhafte Gerichte der Vollwertküche zuzubereiten. Die wertvollen Tipps zu Methodik und Didaktik helfen Ihnen dabei, Menschen zu motivieren und Lust auf gesunde Ernährung zu machen.

Kostenlose Info-Veranstaltung: Do, 16.6.2011 um 18.00 Uhr Besser als Praktikum. Philipp (26) ist Vollzeit dabei und macht das Ganze schon seit einem Jahr. Großkonzerne, findet er, beuten aus und geben nur eine Chance, wenn man bei ihnen Gratispraktika mache. Für NGOs zu arbeiten sei besser, weil eine gute Sache. Sonst interessiert er sich für Literatur. —— Organisation: AIWWF (Amnesty International und WWF)

Fundraiser. Er erinnert sich sichtlich ungern daran. Denn das Fundraising habe ihn auch nach der Arbeit nicht losgelassen: »Ich habe begonnen zu lügen. Die Agentur sagt zwar, man solle nichts Falsches sagen – aber natürlich lügst du auch, um mehr Schriebe zu bekommen. Und das nimmst du mit nach Hause«. Die externen Agenturen garantieren den NGOs eine gewisse Anzahl an Unterstützern innerhalb einer Kampagne. Wird das vereinbarte Soll nicht erfüllt, wird gratis weitergeworben. Das fällt natürlich auf die Straßenwerber zurück. Schaffen sie die Anforderungen nicht, ist es mit dem Job schnell vorbei. Nicht umsonst sind derart viele der hier porträtierten Fundraiser erst seit Kurzem dabei. Die Kids haben also einen ziemlichen Druck, was die Anzahl der Unterschriften betrifft. Wie die Fundraiser ihr Plansoll erfüllen sollen, haben wir im Gesprächsleitfaden einer Agentur nachgelesen. Einiges davon wird der Einen oder dem Anderen wohl bekannt vorkommen. * »Dumpstern«: Lebensmittel, die von Supermärkten entsorgt wurden aber noch genießbar sind, aus Müllcontainern holen und weiterverarbeiten.

Lehrgangsstart: 26.9.2011

Ausbildung zum/zur diplomierten Wellnessund Fitnesstrainer/-in In den drei Modulen der berufsbegleitenden Ausbildung eignen Sie sich das notwendige Know-how an, um als Wellness- und Fitnesstrainer/-in tätig zu werden.

Kostenlose Info-Veranstaltung: Mo, 27.6.2011 um 18.30 Uhr Lehrgangsstart: 26.9.2011

Naturkostfachverkäufer/-in Sie erlernen den sachkundigen Umgang mit biologischen Lebensmitteln bei Ein- und Verkauf.

Kostenlose Info-Veranstaltung: Do, 12.1.2012 um 18.00 Uhr Information und Anmeldung im Kundenservice: www.wifiwien.at/kontakt, T 01 476 476 77-5555, Währinger Gürtel 97, 1180 Wien n

www.wifiwien.at


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NGO-Keiler: Sie sind jung und brauchen das Geld

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Allzeit bereit. Christiane, mit 16 die jüngste im Bunde, ist die einzige, die versucht, uns beim Shooting anzuwerben. Sie sagt, der Job sei »anstrengend, aber es lohnt sich«. Sie findet an ihrem dritten Tag, dass alle super-nett sind.—— Organisation: Face 2 Face (Global Vision, Global 2000)

Konditioniert »Ansprechen – Begrüßung – Infoteil – Zuschnappen – Aufschreiben« lautet die verkürzte Formel, durch die Passanten zu Mitgliedern werden sollen. Vereinnahmungen wie »Mir geht es ähnlich wie dir« sind die Regel. Der Leitfaden ist sogar sprachlich an die jeweilige Region angepasst: »Deswegen hab’ ich die Bitte an dich, helf’ ma a bisserl zusammen, solidarisieren wir uns und tua ma was«. Und natürlich sind die Angesprochenen immer jene, die


DAS RADIOKULTURHAUS 45 PRÄSENTIERT:

Im ZeIt-Raum: so aussehen, als würden sie mithelfen: »Und da muss ich sagen, habe ich dich ganz bewusst angesprochen. Denn die meisten Leute, die uns helfen, sind so Menschen wie du: jung, sozial engagiert …«. Prinzipiell bringen diese Auszüge ja keineswegs Überraschungen, es ist nur ernüchternd, mit welcher professionellen Kälte diese persönlich wirkenden Gespräche da zu Papier gebracht worden sind. Es finden sich sogar Regieanweisungen wieder, zum Beispiel: »(grins)«. Mit Fundraisern direkt ins Gespräch zu kommen ist paradoxerweise aber gar nicht so einfach, wenn man etwas von ihnen will. Holt man sie aus ihrer sicheren Position heraus, wissen sie oft nicht, wie sie reagieren sollen. Interessante Dinge sind hier zu beobachten – bei der Frage nach dem »Warum« macht bei einigen etwas »Klick« und plötzlich beginnen sie Antworten abzuspulen. Ein neuerlicher Blick in die Guidelines von Fundraisern erklärt die merkwürdigen Antworten: »Falls die Frage nach dem Verdienst kommt: Natürlich verdiene ich etwas bei diesem Job. Aber: Wenn ich mich nicht für den Umweltschutz interessieren würde, könnte ich diesen Job gar nicht machen«. Es stellt sich zwangsläufig die Frage, mit wem man überhaupt redet, mit der Person oder der Agentur.

Gefühle machen Geschichte – Die Kraft der kollektiven Emotionen von Hitler über Obama bis hin zu den arabischen Revolutionen. Der Psychiater Luc Ciompi, Begründer der Affektlogik, im Gespräch mit Johannes Kaup. Eine Veranstaltung in Kooperation mit Biorama und mit TW1, unterstützt von der Essl Foundation.

mI 08.06.11 > Großer Sendesaal – 18:30 uhr eintritt: euR 12,–/14,– Mit RadioKulturhaus-Vorteilskarte 10% bzw. 30% Ermäßigung

INFOS UND ONLINE-TICKETS: http://radiokulturhaus.ORF.at

Engagiert Das Problem sind aber nicht nur die FundraisingMethoden der Agenturen, denn die NGOs sind tatsächlich von dieser Form der Anwerbung abhängig. 80 Prozent der Spendeneinnahmen kommen aus Vereinbarungen, die so geschlossen werden, heißt es. Es handelt sich häufig um global agierende NGOs, die die herrschenden Wirtschaftszustände mit deren eigenen Waffen bekämpfen möchten. Die Frage ist, ob NGOs, die sich der gleichen aggressiven Verkaufsmethoden bedienen, nicht selbst zum Teil des Problems werden. Darin wird auch ein Stück Realität unseres neoliberalen, individualisierten Zeitalters sichtbar. Die Fundraiser selbst sind also höchstens ein Symp­tom. Was wirklich stört ist ja nicht, angesprochen zu werden, sondern das eigene schlechte Gewissen. Hier kann aber Abhilfe geschaffen werden: würdevolles und selbstsicheres Auftreten, sich selbst in einer Gruppe engagieren und aktiv werden sind gute Möglich­keiten, damit schlechtes Gewissen keinen Platz im eigenen Leben hat. Dann braucht man auch dem »netten« Anquatschen auf der Straße nicht mehr aus dem Weg zu gehen. Unsere Fotografin Nicole Fleck hat ihr Honorar übrigens gespendet.

Luc Ciompi


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Die Welt, die wir uns wünschen

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Wolfgang Smejkal

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Michael Würfel

Zukunftsmodell Ökodorf Energieautark leben, die eigenen Lebensmittel biologisch anbauen, dabei den CO2-Fußabdruck erheblich verringern und gemeinschaftlich Geld verdienen? Wer Zweifel hat, dass das möglich ist, sollte bei einer der größten und ältesten ökologischen Gemeinschaften Deutschlands vorbeischauen.

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Kilometer östlich von Berlin, irgendwo auf dem Land in einer strukturschwachen Region in Sachsen-Anhalt, liegt das Ökodorf Sieben Linden. 128 Menschen verschiedener Altersstufen und aus verschiedenen sozialen Hintergründen verwirklichen hier seit mehr als zehn Jahren einen nachhaltigen Lebensstil in den Bereichen Ökologie, Soziales und Ökonomie. An den besuchsoffenen Informationstagen finden Führungen statt, in deren Rahmen Bewohner von ihren Erfahrungen und Experimenten berichten und bei den ganzjährig angebotenen Seminaren erfährt man von den Fachleuten des Dorfs mehr über energieeffiziente Bautechniken mit Stroh und Lehm, umweltfreundliche Abwasser- und Kompostieranlagen, das Gärtnern mit Permakultur, gewaltfreie Kommunikation und einiges mehr.

Pracht von Pflanzen, Bäumen und Wiesenflächen. Julia Kommerell ist fast von Anfang an dabei, heute ist sie für das Infobüro zuständig und verdient damit einen Teil der ca. 800 Euro, die von den Bewohnern für das Leben im Ökodorf monatlich aufzubringen sind. »Die meisten arbeiten hier in anderen Berufen als den erlernten. Viele Fähigkeiten erwirbt man sich durch die Ökodorfprojekte, ich z.B. arbeite als gelernte Geologin in der Öffentlichkeitsarbeit und als Illustratorin für Kinder«, erklärt sie. 1997 zogen die ersten 20 Pioniere mit Bauwagen auf das landwirtschaftliche Gelände »wo die Sieben Linden standen« in der Nähe des 200-Seelen-Dorfs Poppau in der ehemaligen DDR, 1999 wurde die Wohnungsgenossenschaft Sieben Linden gegründet.

Ein neuer Lebensstil

Pferde statt Traktoren, Strohballen statt Beton

Einige wenige Pkws stehen auf dem Autoparkplatz außerhalb der Dorfgrenze. Hauptsächlich sind es Fahrzeuge aus dem gemeinsamen Carsharing-Pool. Nichts erinnert auf dem insgesamt 80 Hektar großen Areal (davon etwa die Hälfte Wald) an vordergründige Bauernhofromantik, eher ist es wie eine bunte Siedlung aus Biohäusern und Bauwagen, inmitten einer blühenden

Durch die selbst entwickelten Strohballenhäuser in Niedrigenergie-Standard konnte der Energiebedarf bereits wirksam reduziert werden, der konsequente Verzicht auf elektrische Energie zum Heizen und Kochen senkte den privaten Stromverbrauch pro Kopf um drei Viertel, und der Wasserverbrauch ist durch den Einsatz von Trockentoiletten ohne Wasserspülung um ein Drittel


47 im Vergleich zum Bundesdurchschnitt verringert. Apropos Strom: Ca. 85 % der im Jahr benötigten elektrischen Energie wird in Siebenlinden durch Photovoltaik-Anlagen selbst erzeugt. Die Dorfgemeinschaft ist auch nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen, sondern besitzt einen autarken, geschlossenen Wasserkreislauf: Auf dem Gelände gibt es zwei Brunnen, deren Wasser in einer Filteranlage gereinigt und dann über das interne Trinkwassernetz im Dorf verteilt wird. Nach der Nutzung wird das Wasser über eine Pflanzenkläranlage zum zwei Hektar großen Gemüseacker zur Bewässerung geleitet. Der dortige Gärtnereiertrag sorgt für 70% des eigenen Gemüse- und Obstbedarfs, der Rest wird lokal zugekauft. In der großen Gemeinschaftsküche wird ausschließlich vegetarisch gekocht, hier kann man sich als Bewohner für einen einheitlichen Tagessatz von 6 Euro mit allen Mahlzeiten und Selbsterzeugtem aus dem Vorratskeller versorgen. Da man sich gegen eine Nutztierschlachtung entschieden hat, werden auch keine Hühner, Schafe oder Kühe gehalten. Pferde allerdings gibt es in Form von Haflingern, sie werden für die Transport- und Waldarbeit eingesetzt, und das ist gar nicht so unzeitgemäß, wie man vielleicht glauben möchte. »Fünfzig Prozent der Lebensmittel weltweit werden mit Zugtierkraft angebaut und nicht mit Traktoren«, erklärt die Fuhrhalterin des Ökodorfs. »In den Schwellenländern, wenn die Erdölpreise steigen, fallen die Bauern sofort wieder zurück aufs Zugtier. Die konventionelle Landwirtschaft ist mit ihrem Erdölverbrauch nicht zukunftsfähig.«

soLIDaRIscHE, LokaLE ökoNomIE Das Thema Gemeinschaft rückte mit den Jahren zunehmend in den Vordergrund. Die derzeit 90 Erwachsenen und 38 Kinder sind in mehreren »Nachbarschaften« organisiert, in denen verschieden große Haushalte über ihre eigene Infrastruktur mit Küche verfügen. Im Ökodorf wurde schnell deutlich: Soll die Gemeinschaft gelingen, braucht es ein hohes Maß an Transparenz. Fünf gewählte Räte und diverse Kleingruppen werden von der Gemeinschaft beauftragt, im Sinne des Dorfes zu entscheiden. Beschlüsse werden möglichst im Konsens gefasst, für die Pflege eines friedvollen Zusammenlebens vielfältige Kommunikationstechniken angewendet. Auf dem Weg zu einer angestrebten gemeinsamen Dorfökonomie wurden Verdienstmöglichkeiten in den Ökodorf-Kernbereichen geschaffen, um möglichst vielen eine finanzielle Basis zu ermöglichen. Der wachsende Seminar- und Gästebetrieb mit 4.500 Übernachtungen bildet dafür eine wichtige Grundlage. »Es ist unser ökonomischer Schwerpunkt, darauf haben wir uns geeinigt. Auch das Sommercamp, das ehrenamtlich getragen wird, ist ein wesentlicher Beitrag zur Finanzierung des Dorfes«, sagt Julia Kommerell. Viele bringen ihre Fähigkeiten als Selbstständige ein – so sind etwa

Ökodorf Sieben Linden in der Altmark: 90 Erwachsene und 38 Kinder leben derzeit in neun aus Strohballen, Holz und Lehm errichteten Wohnhäusern.

ein Naturkostladen, eine Tischlerei für Biomöbel, ein internationaler Naturkräuterversand, eine SchmuckSchmiede oder ein Verlag entstanden. Insgesamt verbrauchen die Ökodörfler nach einer Studie der Universität Kassel durch ihre Art zu leben nur etwas mehr als ein Viertel an Energie, Wasser und Fläche als der Durchschnittsbürger in Deutschland. Doch die wahrscheinlich nachhaltigste Wirkung ihres Zukunftsmodells ist es, jene Menschen, die hierher kommen, weil sie zunehmend die Grenzen herkömmlicher Lebensstrukturen verspüren, wenn schon nicht mit konkreten Antworten, dann jedenfalls mit kreativen Lösungsvorschlägen in ihr eigenes Leben zurückkehren zu lassen. Und bei der abschließenden Frage, was sie am Ökodorf am meisten vermissen würde, wird Julia Kommerell richtig schwärmerisch: »Die Stille, der wertschätzende Umgang miteinander, das Leben mit der Natur in ihren Jahreszeiten, umgeben sein von Menschen mit einem hohen Bewusstsein für Ökologie und Kommunikationskultur, die Zugehörigkeit und Sinnhaftigkeit, zugehörig zu etwas, das für den großen Wandel arbeitet, das gibt meinem Leben Sinn ... ach, und noch vieles mehr!« www.siebenlinden.de


Achtun g

Nachha ltiges Erlebni s!

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Weitere Infos, Sondertarife für Firmen, Schulen und Gruppen unter: www.hochseilklettergarten.at Weitere Infos, Sondertarife für Firmen, Schulen


Biorama NÂş. 14

mode

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MAMA unD DAiSY fotos

Anna-Sophie Berger

modeLs

Claudia Berger Teresa Berger

produKtion und styLing

Magdalena Vukovic

BadeanzĂźge von Hinterland


Weißes Kleid von Grüne Erde


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Weiße Kleider von Grüne Erde

Hosen von Gudrun Sjöden


Biorama Nº. 14

mode

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Badeanzüge von Hinterland

Bezugsquellen:  Hinterland: www.hinterland.ag — Grüne Erde: www.grueneerde.com Gudrun Sjöden: www.gudrunsjoeden.de — People Tree: www.peopletree.co.uk


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Röcke von People Tree Mieder-Top von People Tree Pullover Model’s Own


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Schon lange bevor das Elternteil zum ebensolchen wurde, hatte es einen plan. Auf dem standen viele, viele Dinge, die es irgendwann einmal sicher nicht machen würde. Das hätte schon mal nicht geklappt.

iLLustration Nana Mandl

Von plAn unD wiRKlichKEit

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elternalltag / URSEL NENDZIG

»DAS KIND HAT EINEN NAMEN, SOGAR EINEN SEHR SCHÖNEN. DAVON WEISS ES ABER NICHTS.«

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enn ich mal ein Kind habe, dann. Dann werd ich es sicher nicht mit ins Kaffeehaus schleppen, wo alle genervt sind wenn es laut ist. Dann werd ich sicher nicht in aller Öffentlichkeit stillen, wie grauslich ist das bitte! Dann werd ich es sicher nicht mit zum Ikea nehmen und schon gar nicht in die Kinderabteilung. Dann kauf ich ihm sicher nicht irgendein Spielzeug, nur, damit es still ist. Dann red ich sicher nicht in dieser Kindersprache, es heißt nicht Wau-Wau, sondern Hund. Dann geh ich sicher nie auf den Spielplatz und schon was ein Wau-Wau ist, auf »Hund« regar nicht mach ich diese nervtötenden Geräusche agiert es nicht. beim Schaukeln. Dann geh ich garantiert in keine Nach dem Wau-Wau wird meistens Spielgruppe und singe, womöglich im Kreis am von der Schaukel (am Spielplatz) aus Boden sitzend, dumme Kinderlieder. Dann bleib geschaut, aber nur, wenn von »Huuuuiich so wie ich bin und mutiere nicht zum kindgeiii! Huuuuiiii!« gerade Pause ist. Oder steuerten Deppen. Dann arbeite ich sicher bald wenn das Lied (das aus der Spielgruppe) nach der Geburt wieder, ich hab schließlich noch nicht gesungen wird. ein eigenes Leben. Das Elternteil arbeitet wieder, das Soweit der Plan. Das Kind schlief – oft bis zumindest hat es sich nicht nur verspromeistens – im elterlichen Bett, glücklich und chen, sondern auch gehalten. Es nutzt zufrieden, beide Elternteile in Griffweite. Das die Zwei-mal-eine-Stunde täglich, die das Elternteil war einfach viel, viel zu müde, um Kind schläft, um sich hinter den Computer mitten in der Nacht standhaft zu sein, es zu klemmen und zu arbeiten. Und die drei wählte die schnelle Erlösung. Hauptsache Stunden, die das Kind früher ins Bett geht, Schlaf. Das Kind wurde – oft – in Kaffeeabends. Schließlich hat das Elternteil noch ein häusern gestillt. Natürlich, weil es ebendort eigenes Leben, genau! zuvor herum geschrieen hatte. Das macht das Elternteil ein halbes Jahr lang Das Kind wurde zum Ikea mitgenommit. Dann ist es so müde vom eigenen Leben, men. In die Kinderabteilung. Es weinte dass nicht mehr viel davon übrig ist. Und muss laut und herzzerreißend. Ein Spielzeug einsehen, dass das eigene Leben jetzt anders ist. wurde gekauft. Muss alle Aufträge ablehnen, für die einfach keiDas Kind hat einen Namen, sogar ne Zeit ist. Muss sich an das Gefühl gewöhnen, einen sehr schönen, davon weiß es dass die anderen an ihm vorbeiziehen, während aber wahrscheinlich nichts. Es denkt es im Kreis am Boden sitzt und Kinderlieder singt. vermutlich es heiße Schnuffi(bärli), Muss sich langsam eingestehen, dass das eigentSchnuppi, Lauser, Mausebär, Herlich auch ganz nett ist. Und muss erkennen, dass zi oder Gacki. Es denkt vermutlich das Kind schon ein Jahr alt ist und es die meiste Zeit auch, dass sich sein Name ändert, dieses einen Jahres damit verbracht hat, die Alte bleije nachdem, ob es brav mit seinem ben zu wollen, anstatt einfach zu genießen. Spielzeug spielt (Schnuffi etc.) oder Deshalb gibt es jetzt einen neuen Plan. Auf dem steht: sich auf dem Wickeltisch verbiegt Keine Pläne machen. (Hörsofortaufdamit). Es weiß,


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biLd

Magdalena Vukovic

Hersteller

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DAS DEoDoRAnt Ein kniffliger Bereich in der Bio-Kosmetik ist der Schweißschutz. Handelsübliche Deos stehen immer wieder unter Verdacht, Allergien auszulösen, die Haut zu reizen oder gar karzinogen zu sein. Hier ist Naturkosmetik eine echte Alternative, gerät aber leider immer wieder in Verruf, nicht besonders wirksam zu sein.

w

ir schwitzen, um unsere Körpertemperatur zu regulieren. Entgegen landläufiger Meinung hat Schweiß keine reinigende Funktion und spült auch keine Giftstoffe aus dem Körper. Frischer Schweiß ist geruchlos und besteht zu über 99% aus Wasser, etwas Kochsalz und ein paar Fettsäuren. Letztere werden von Bakterien zu müffeliger Butter- oder Ameisensäure zersetzt und

führen zu dem unbeliebten Schweißgeruch. Da sich Bakterien in luftarmen, feuchten und dunklen Räumen besonders wohl fühlen, stinkt es in den kuschelig-warmen Achselhöhlen am meisten. Die moderne Kosmetik bietet verschiedene Zugänge zu dem Problem: Den Schweiß gar nicht erst aufkommen lassen, die Bakterien vernichten oder das Ganze einfach mit einem noch stärkeren Duft


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DAS JUGENDLICHE für mittelstarke bis starke Schwitzer

Übersteht man den allerersten unangenehmen Geruch von saurer Milch, wird man mit der Wirkung des Deo Spray Bio Jung vom italienischen Biokosmetik-Hersteller Bema äußerst zufrieden sein. Das Sprühdeo ohne Alkohol, das nach der ersten Geruchsattacke völlig duftneutral ist, wurde speziell für Jugendliche entwickelt, die ja während der Pubertät besonders stark schwitzen. Der Hauptwirkstoff ist Kalialaun, das auch in handelsüblichen »Deosteinen« zu finden ist und der Zersetzung von Schweiß in Buttersäure entgegenwirkt. 2

DAS ZARTE

für leichte bis mittelstarke Schwitzer

Wer den Moschusgeruch von handelsüblichen Deos vermisst – der in praktisch keinem der Öko-Deos zu finden ist – wird im Deo-Spray Basis Sensitiv von Lavera eventuell einen würdigen Ersatz finden. Das milde Sprühdeo duftet zart-fruchtig und blumig, nach frischen Rosen. Der Zaubernuss-Extrakt (auch Hamamelis genannt) steuert zusammen mit Salbei adstringierende und antibakterielle Wirkung bei und schützt so vor Schweißgeruch. Das Deo hat zwar keine überragende Langzeitwirkung, aber mehrmals täglich nachgesprüht, fühlt man sich den ganzen Tag über angenehm frisch. 3

DAS FRISCHE

C

für mittelstarke bis starke Schwitzer M

Das Sei:Mei Deodorant von Bioemsan duftet herrlich frisch nach Salbei und Minze, die auch gleichzeitig die Hauptwirkstoffe sind. WieY jedes Produkt des Welser Unternehmens Multikraft ist auch diesesCM mit effektiven Mikroorganismen versetzt, die einen umfassend wohltuenden und stärkenden Einfluss auf unseren Körper habenMY sollen. Und tatsächlich – Minigetier hin oder her – hält dieses Pro-CY dukt Schweiß und Schweißgeruch überraschend lange fern. Einzig CMY der hohe Alkoholgehalt macht es für die Verwendung nach der Rasur K etwas unangenehm.

überdecken. Ersteres, das sogenannte Antitranspirant, enthält als Hauptwirkstoff das berühmt-berüchtigte Aluminiumchlorid. Es hat adstringierende Wirkung, das heißt, dass die Poren sich zusammenziehen und kein Schweiß nach außen gelassen wird. Im Regelfall sind Produkte mit Aluminiumsalzen die wirksamsten aber gleichzeitig auch jene, die zu den meisten Hautreizungen führen. Es kommt oft – besonders durch jahrelange Verwendung – zu Unverträglichkeitsreaktionen mit juckenden, roten Stellen, entzündeten Poren oder in manchen Fällen sogar zu lästigen Ekzemen. Auch der Erzfeind des weißen T-Shirts, der gelbe Schweißrand, entsteht nicht vom Schweiß allein, sondern in Kombination mit Aluminiumsalzen. »


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DAS NEUTRALE

für mittelstarke bis starke Schwitzer

Ein richtiges Novum im schweißtreibenden Kampf gegen den Achselmief stellt dieser revolutionäre Deoroller vom Münchner Unternehmen Laetitia dar. Der Hauptbestandteil des völlig geruchsneutralen UrDeo ist ein Basenpulver, das dem sauren Milieu unter der Achsel entgegenwirkt und Bakterien den Nährboden entzieht. Einziges Manko sind weiße Rückstände, die sich besonders gern auf dunkler Kleidung absetzen, aber einfach abgeklopft werden können.

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Ein Dutzend gute Gründe

DAS WÜRZIGE

für mittelstarke Schwitzer

Im würzigen Speick Men Deostick des deutschen NaturkosmetikHerstellers ist neben Salbei und Lavendel auch das kleine Alpenpflänzchen Speick enthalten. Es ist dies eines der wenigen MännerBio-Deos auf dem Markt. Besonders angenehm ist hier die Konsistenz des Deosticks, der nicht erst eintrocknen muss und ganz sanft über die Haut gleitet. Der herb-rustikale Geruch begleitet den Träger den ganzen Tag und Schweiß wird, je nach Achsel, gut gebändigt.

sich verantwortungsvoll zu entscheiden ...

www.janetschek.at/nachhaltigkeit

Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Umweltzeichen.

konsequent ökologisch • sozial verantwortungsvoll • wirtschaftlich erfolgreich

All das ist noch halb so wild, wäre da nicht die alte Mär vom Deo, das für Brustkrebs sorgt. Fast jährlich gibt es hierzu neue Studien, die abwechselnd entwarnen und wieder laut Panik machen. Fest steht, dass kein eindeutiger Zusammenhang ausgemacht werden konnte und dass Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress und hoher Nikotin- und Alkoholkonsum wesentlich gefährlicher sind als ein Deodorant. Fest steht aber auch, dass man die Langzeitwirkungen zahlreicher Substanzen nicht kennt und daher immer wieder Verlegenheitsthesen aufgestellt werden. Alle bekannten Öko- und Naturkosmetik-Marken machen dementsprechend einen großen Bogen um Aluminiumchloride sowie auch polyzyklische Moschusverbindungen. Stattdessen werden mehr oder weniger erfolgreich Alternativen gesucht, die meist duftender Natur sind (dann also als Deodorant bezeichnet werden). Um dem Schweißgeruch Paroli bieten zu können, strömen dem nachhaltigen Konsumenten oft reichhaltigste Duftbouquets aus Salbei, Pfefferminze, Rosmarin, Rosen und diversen Zitrusfrüchten entgegen. Wer lange genug sucht, findet aber auch duftfreie Alter­ nativen, abseits des lahmen Alaunsteines, der sich auch weiterhin wacker als Reformhaus-Klassiker hält. Da man es gerade bei Deos niemandem Recht machen kann, haben wir eine Auswahl an verschiedenen, nachhaltigen Zugängen zusammengestellt.


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DAS INTENSIVE

für leichte bis mittelstarke Schwitzer

Das Lemon & Sage Organic Deodorant vom US-amerikanischen Öko-Kosmetikhersteller Erbaviva duftet ausgesprochen stark nach Salbei und Zitrone. Um diesem hochinteressanten, würzig-holzigen Duftcocktail noch mehr Wirkung zu verleihen, wurden Patschuli und Teebaumöl zugefügt, die man als zwei weitere Schwergewichte unter den ätherischen Ölen bezeichnen kann. Zwar wirken Salbei und Teebaum antibakteriell, doch dieses Produkt überzeugt vor allem durch seine überdeckenden Eigenschaften und die handliche Reisevariante. 7

DAS TROCKENE

für leichte Schwitzer

Für die Minimal-Schwitzer unter uns oder all jene, die ihrer Haut einfach mal was Gutes tun möchten, ist das Pflegepuder Harmonie von Ambient eine hervorragende Alternative zum Sprühen und Rollen. Der Hauptbestandteil ist Reispulver, das überschüssige Feuchtigkeit aufnimmt und die Haut beruhigt und nährt. Zusammen mit Benzoe (dem Harz des Benzoe-Baumes), das antibakterielle Wirkung hat, und einer angenehmen Zitrus-Duftmischung ist dieses Produkt eine Wohltat für gereizte Achselhöhlen, wenn auch mit vergleichsweise geringer schweißhemmender Wirkung.

Reisen

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e-bike-tankstellen

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Sebastian Rahs

high volt-age Bald werden nicht nur E-Bikes, sondern auch Stromtankstellen das Stadtbild prägen. Wir baten den Industrie-Designer Sebastian Rahs, sich ein Bild davon zu machen, wie die öffentlichen Akku-Ladesäulen aussehen könnten.

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ie Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Bis Jahresende prognostiziert der Verkehrsclub (VCÖ) eine Verzehnfachung der Verkaufszahlen von Elektrofahrrädern seit 2005. In Österreich zieht derzeit jeder zehnte Radfahrer den Kauf eines E-Bikes ernsthaft in Erwägung. Selbst marktfremde Erzeuger-Giganten wie Magna Steyr (unter dem Decknamen BionX) oder auch Bosch (bekannt für seine Elektrowerkzeuge) stellen auf allen großen Messen Kollaborationen mit Fahrradfirmen vor. Man möchte so früh wie möglich ein Stück vom frisch gebackenen Kuchen haben – oder am besten gleich eine Zutat davon sein. Dass eine solche grundlegende Entwicklung massiv Einfluss auf das Straßenbild und die Verkehrssituation haben muss, lässt sich schon jetzt an der Häufigkeit von spektakulären Überholmanövern älterer, elektrifizierter Personen und am Gesichtsausdruck soeben überholter, Spandex-überzogener Alltagsradprofis ablesen. Dass sich an der bestehenden Infrastruktur für Elektrounterstützte schnellstmöglich was ändern muss, wurde bereits entschieden. Radstraßen, Radweg-Benützungspflicht aber vor allen Dingen das notwendig gewordene Netz an Stromtankstellen gelten als die heißesten Themen der aktuellen Verkehrsplanung. Die Technik ist dabei nicht

neu, handelt es sich doch einfach um Steckdosen die handelsüblichen Strom abgeben. Die Verpackung allerdings sollte dem Zeitgeist und auch ästhetisch Kriterien der Nachhaltigkeit entsprechen.

Verwenden und Vertrauen Das Hauptaugenmerk bei der Konzeption von Stromtankstellen muss auf der Handhabung und Bedienbarkeit liegen, ist der Elektrobiker doch in jeder Könnens- und Altersstufe gleichermaßen daheim. Da sich der Ladevorgang eines Akkus grundlegend von der Befüllung eines Treibstofftanks unterscheidet, kann nur bedingt auf altbewährte Abläufe wie wir sie von Zapfsäulen kennen, zurückgegriffen werden. Da ist nichts mit ruckzuck. Der Akku bleibt da. Zumindest bis zum frei wählbaren Zeitpunkt der Weiterfahrt. Das Rad ist damit nicht zwingend gemeint. Trotz des motorbedingten Mehrgewichts gegenüber einem nicht elektrisch unterstützten Fahrrad lässt sich ein E-Bike ja schließlich auch ohne »Assistenten« bewegen. Der Radler kann sich während des Ladevorganges von der Stromtanke entfernen. Was voraussetzt, dass der Akku an Ort und Stelle diebstahl­sicher verstaut werden kann – was wiederum nach einem ausgeklügelten Verschlusssystem verlangt.


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TECHNISCHE FUNKTIONSWEISE der stromzapfsäule Nach dem manuellen Öffnen der Ladeklappe hält ein unter Strom stehender, am Rahmen haftender Elektro­ magnet selbige gegen den Zug einer Spiralfeder in diesem Zustand, bis diese von Hand oder automatisch schließt. Nach dem Ladevorgang und der Akku-Entnahme geht der Magnet in den stromlosen Zustand über, die Klappe wird durch die Spiralfeder zugezogen, ein elektromechanischer Verriegelungsbolzen schnappt ein und hält sie so auch geschlossen.

Bei der gezeigten Designstudie handelt es sich um eine Variante mit stehender Klappe, welche sich konstruktionsbedingt selbsttätig schließt und verriegelt. Das soll verhindern, dass vergessen wird, abzusperren. Der Zugang zu den Ladeplätzen sollte in jedem Fall über ein RFID-System (zum Beispiel eine Chipkarte) ermöglicht werden, um den Personalaufwand seitens der Stromtankstellenbetreiber und somit auch den Kostenaufwand des gesamten Systems so gering als möglich halten und einen möglichst flexiblen, zeitunabhängigen Zugang gewähren zu können. Ein zu lösendes Problem: Die Benutzungsdauer der Ladestation lässt sich kaum regulieren. Ist der Akku voll, lädt er zwar nicht weiter, doch solange ein E-Biker seinen Akku nicht wieder abholt, bleibt der Steckplatz für andere unbenutzbar. Daher gilt auf FairUse-Policy zu vertrauen.

Optischer Spagat Eine Stromtankstelle muss von Weitem erkennbar sein und sich trotzdem angenehm in das Stadtbild einfügen. Bereits bestehende Radabstellmöglichkeiten sind mögliche erste Standplätze für Stromtankstellen, schaffen den beschriebenen Spagat allerdings nicht. Laut einer Umfrage der Stadt Wien werden diese derzeit oft

schlichtweg übersehen. Ein einheitliches Symbol wie z.B. eine Leuchte könnte dieses Problem lösen und der Stromtankstelle so zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Die entscheidende Frage bleibt: Woher kommt der Strom für E-Bikes, wenn nicht einfach aus der Steckdose? Denn auch wenn eine Akku-Ladung für ein durchschnittliches E-Bike derzeit Strom für ungefähr 10 Cent benötigt: Man muss das Fahrrad als Wegbereiter für den Trend zu Elektromotoren in allen Bereichen sehen. Gegner des Trends kritisieren den geringen Wirkungsgrad des Antriebs und den hohen Transportverlust des Stromes bis zur Ladestation. Schwarzmalerische Gesamt­wirkungsgrade im Bereich von nur rund 13 Prozent sind im Gespräch. Weiters kritisiert: der sehr hohe Energieaufwand bei der Erzeugung sowie die aufwendige Entsorgung der Akkus. Auch die hohen Förderungen für den Kauf von E-Bikes statt von emissionsfreien Fahrrädern stoßen auf Missmut. Fest steht, das Elektrofahrrad ist gekommen um zu bleiben und mit ihm kommen die Stromtankstellen. Demnächst in deiner Stadt. Sebastian Rahs arbeitet für das auf Fahrrad-Design spezialisierte Studio Bezdeka. — www.bezdeka.com


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marktplatz bike

Veloso­phisticated Praktisch, schick oder bekennend detail­verliebt: Besonderheiten für unterwegs.

J

ede weitere japanische Messingklingel, jeder Ledergriff zum selbst Aufnähen, die über den Ladentisch wandern, sind ein sicheres Zeichen dafür, dass das Fahrrad als Statussymbol immer mehr an Bedeutung gewinnt und somit auch der Wunsch nach klügerem Individualverkehr auf unseren Straßen wächst. Wo einem früher nur ein Regal mit Ersatzschläuchen, Kotflügel und Gepäckträgern entgegengähnte, wartet nun der sogenannte Aftermarket mit einer Vielzahl an Produkten zur Individualisierung des Zweirads auf. Waren noch vor wenigen Jahren nachgerüstete Lenkerbänder in leicht unpassend erscheinenden Farben und mit Kabelbindern optimiert oder verlegte Bodenzüge leise Anzeichen für die insgeheim große Liebe zum Fahrrad, stellt der überzeugte Velozipedist von heute seine Fürsorge mittels Hochglanz polierten Kaffeebecherhaltern und anderen Indizien zur Schau.

DISCO WHEELS Wem das iPhone am Fahrradlenker zu wenig Geek-Faktor aufweist, der kann zum Monkeylectric Lichtsystem greifen: Der wasserfeste Bausatz besteht aus 32 färbigen LED-Lämpchen mit integriertem Grafik-Synthesizer, der während der Fahrt spektakuläre, digitale Lichteffekte auf die Laufräder zaubert. Farbe, Form und Gestalt sind individuell einstellbar. www.monkeylectric.com

CHROM-PORTEUR

NATÜRLICHER CYCLE-CHIC

Ein funkelnder Star aus dem Bereich der Anbauteile ist der mittlerweile schon legendäre Bike Porter von Copenhagenparts, ein Lenker mit integrierter Ladefläche, inspiriert von den Fahrrädern der Porteure, den Pariser Zeitungsauslieferern der 30er Jahre. Genau so simpel wie genial bietet der Bike Porter eine sehr alltagstaugliche Transportoption für schnelle Einkäufe. www.copenhagenparts.com

Die Basis jeden individualisierten Fahrrads besteht schönerweise wieder aus eher wenig assoziierten, natürlich vorkommenden Materialien wie Leder oder Holz. Formschön geschwungene Alternativen zu den ewig gleichen Plastikkotflügeln mit dem Charme eines alten Wetex lassen sich bei Fast Boy Fenders ordern – selbstverständlich aus edlen Hölzern handgefertigt. www.fastboyfenders.com


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Sebastian Rahs

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biLd

Hersteller

EDlES StücK AuS DicKER hAut Der Brooks kernledersattel gilt ob seines vergleichsweise moderaten Preises als Einstiegsdroge in die Welt der schicken Fahrrad-Accessoires. Eigentlich nie weg gewesen, feiert der Geheimtipp unter Langstreckenfahrern dieser englischen Traditionsfirma nach beinahe 150 Jahre gerade seine Wiedergeburt als Fixstern am Fahrradhimmel. www.brooksengland.com

KlAMMERAFFE Eine simple gummierte Klemme war der Jury auf der größten Fahrrad-Fachmesse Europas den hauseigenen Eurobike-Award wert: Der iPhone-Gerätehalter von Fahrer Berlin, der auf den feinen Namen spitzel hört, passt sich selbsttätig an die verschiedenen Lenkerdurchmesser an. Das iPhone wird in eine Schutzhülle gepackt und mittels Klettband auf der Klemme befestigt. Klingt sehr einfach, ist es auch. www.fahrer-berlin.de

StRAMpEln FüR DEn SounD Das Busch & müller E-werk ermöglicht es, seine Lieblingselektronik wie GPS-Empfänger, MP3Player oder das iPhone via USB-Port auch am Fahrrad zu laden. Das kleine, 53 Gramm leichte Wunderding lädt bereits ab circa 8 km/h und ab 15 km/h wie ein Standard-Netzladegerät. Die zwingende Frage, mit welchen zusätzlichen Möglichkeiten einen diese Errungenschaft nun ausstattet, wäre mit der Beschallung seiner Umgebung mittels des iHome85 speaker beantwortet. Dieser für iPods optimierte, vor Staub und Wasser geschützte Stereolautsprecher in Thermoskannenform lässt sich einfach in jeden herkömmlichen Flaschenhalter stecken und per Remote am Lenker fernbedienen. www.bUmm.de, www.ihomeaUdiointl.com

SchAllzEichEn Wer lieber echten Lärm macht, sollte beim Tuning nicht auf die Airzound Drucklufthupe verzichten. Weniger als Klingel-Ersatz als vielmehr Notsignal schafft die kleine, bis 115 Dezibel laute Hupe mit Druckluftbehälter auch auf lauten Durchzugsstraßen, unachtsame LKWs ihres Platzes zu verweisen, und somit mehr Lebensraum für Radfahrer im Alltagsverkehr. www.hpVelotechnik .com


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DiY-rezept

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Imre Withalm

bild

Tanya Kaindlbauer

das rezept im bild. diesmal:

Un pique-nique

Wir wollen diesmal nützen, dass gerade alles frisch zu haben ist und radeln hinaus zu einem Picknick im Grünen. Hier ein paar Vorschläge für den Korb, die Vegetariern und Fleischessern gleichermaßen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Kochen ist auch die Kunst der Antizipation. Im Falle eines Picknicks brauchen wir aber besonders viel Geduld – immerhin dauert es seine Zeit, bis wir unsere liebevoll gestalteten Gerichte verschlingen können. Erschwerend kommt hinzu, dass im Frühling alle Zutaten zum Anbeißen aussehen.

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Schnipp-Schnapp schneiden wir erstmal die Karotten und Gurken in Stifte. Ihre Leichtigkeit machen wir kurzerhand mit dem knoblauchigen Joghurt-Dip wieder wett. Die frische Petersilie führt den Dip schon in die richtige Richtung. Also runden wir ihn noch mit etwas Salz und Pfeffer ab. Dieser Dip ist übrigens vollkommen pflanzlich und das ohne großen Aufwand – denn veganes Joghurt ist schon fast überall zu haben.

02

Was hier ein wenig wie Motor-Öl aussieht, ist das »Grüne Gold« der Südsteiermark. Kürbiskernöl ist in dieser Region das gängige Salatdressing und kommt nun auch bei unserem Picknick zum Einsatz. Wir schneiden den Spezial-Tofu einfach in Würfel, geben Mais und Tomatenstückchen hinzu und beträufeln das Ganze mit etwas Zitronensaft (hier brauchen wir die erste halbe Zitrone vor dem großen Zitronenmassaker!). Ein bisschen Salz und Pfeffer und natürlich unser echtes steirisches Kürbiskernöl – fertig ist der obligatorische Salat.

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ZUTATEN (für 4 Personen) » 2 Karotten » 1 Gurke » 4 EL (veganes) Joghurt » 1 Tofublock (Sesam-Nuss) » 2 Handvoll Mais » 2 kleine Tomaten » 1 Melanzani (Aubergine) » 1 Handvoll schwarze Bohnen

» 3 Knoblauchzehen » 6 Zitronen » Minze, Zitronenmelisse und Petersilie (frisch!) » etwas Zucker, Salz, Oliven- und Kürbiskernöl » Brot (wie es gerade passt)

Zugegeben, dieser Teil des Essens mag ein wenig fragwürdig aussehen – doch selbst gemachter Bohnenaufstrich ist genauso einfach wie gut. Hier kommt das verkannteste aller Küchengeräte zum Einsatz – die Gabel. Sie ist genau das richtige Werkzeug, um unsere Bohnen breiig zu machen. Beim Zufügen von Olivenöl bemerken wir, wie viel Fett denn eigentlich in so einem Aufstrich sein muss, damit er cremig wird. Unseren guten Freund den Knoblauch und Salz nicht vergessen! An dieser Stelle müssen wir allerdings schon ein wenig vorausgedacht haben: Die schwarzen Bohnen sollten vor dem Kochen über Nacht eingeweicht werden.

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Die Melanzani (auch als Aubergine bekannt) sind der einzige Grund, warum wir heute überhaupt den Herd anwerfen. Die gebratenen Streifen schmecken auch kalt noch super und sind deshalb zum Mitnehmen geeignet. Unbedingt vorher einsalzen und nach etwa zehn Minuten abtupfen. So brauchen wir beim Braten weniger Öl und die Melanzani werden erst so richtig knusprig.

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Denken wir an die Getränkeindustrie, kommen wir zu dem Schluss, dass »Limonade« ein äußerst missbrauchtes Wort ist. Für unser Picknick begeben wir uns zurück zu ihren Ursprüngen. Einen Haufen frisch gepresster Zitronen, Wasser, Zucker und für den Kick eine Mischung aus frischer Minze und Zitronenmelisse. Das erfrischende Getränk regt nach dem Essen die Gesprächigkeit an und neutralisiert auch unsere Knoblauchfahne.

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Kurz überlegen wir, ob wir das Brot selbst backen und entscheiden uns dann doch dagegen – vielleicht beim nächsten Mal. Wir packen nun alles in unseren Picknick-Korb und hoffen auf schönes Wetter und etwas freie Zeit. Bon Appetit!

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BIO-TYPOLOGIE

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DOKUMENTATION

Thomas Weber

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illustration

Claire Paq

  DER       MORALIST    

Das kleine Ich bin Ich Welcher Bio-Typ bin ich? Konsequenter Moralist, gut situierter Lifestyler oder doch eher Zweifler und Bedenkenträger? Wer heute aus welchen Gründen Bio kauft – und was die unterschiedlichen Konsum-Typen so voneinander halten. Außerdem: Marktforscher Michael Grunwald über das Comeback der Moralisten, »Bio-Nazis« und Gefahren für die Bio-Bewegung. Kauft 100 % Bio – vorzugsweise Demeter-Marken; regional, im Reformhaus, beim Bauern oder im Bioladen – Fair Trade ist wichtig. Trägt Naturtextilien, Wolle, Cord, Waldviertler-Lederschuhe. Trinkt Wasser, Wein und Sirupsäfte. Liest taz, Falter, Frankfurter Rundschau oder Der Standard. Hört Deutschland-Radio und Ö1. Sieht wenig TV und wenn, dann Arte oder 3sat. Fährt ein Mountain-Bike der 1. Generation und einen uralten Mercedes Benz, weil immer noch besser ein alter Spritfresser als ein teurer Neuwagen … Raucht gar nicht (mehr) oder selbst gedrehte Tschick, für die er den Tabak vielleicht auch selbst anbaut. Verzichtet gern auf Überfluss und findet es okay, nicht immer alles zu haben. Hasst Ronald McDonald – der verkörpert das ultimativ Böse und macht sich sogar an Kinder ran. Schlimmer wär’s nur noch, wenn McDonald’s jetzt auch noch auf Bio macht! Spendet gar nicht (Geld abgeben heißt, es sich zu einfach machen). Wird selbst aktiv – pflanzt Bäume. Und das sagen die anderen: Respekt für die Konsequenz! Man weiß ja auch, dass es Bio ohne diesen Typus nicht gäbe. Die ganzheitliche Lebensphilosophie und sein Oberlehrer-Gehabe sind dann aber doch die Spur zu radikal.


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  DER       lifestyler    

Kauft 50 % Bio – vor allem Brot, Säfte, Wurst, Käse und Fleisch – und fühlt sich mit der Produktvielfalt, die ihm einen erfolgreichen Lebensstil ermöglicht, sehr wohl. Hat kein Problem, auch beim Diskonter, bei Billa oder Merkur einzukaufen, frequentiert aber auch Bioläden. Trägt hochwertige Outdoor-Klamotten von Jack Wolfskin oder Patagonia. Trinkt Bionade oder Makava; stilles Mineralwasser. Hört nur im Auto Radio, in der U-Bahn mit dem iPhone Musik und Podcasts. Verzichtet kaum einmal, genießt mit gutem Gewissen. Liest Süddeutsche, Der Standard oder Die Presse – seit Kurzem auch auf dem iPad. Sieht amerikanische Serien auf DVD, Arthouse, aber auch Blockbuster. ARD, ZDF, Arte, 3sat. Fährt ein Trekking-Fahrrad, trägt vorbildlich Helm und kutschiert den Nachwuchs hinten dran im Chariot-Anhänger. Hasst den erhobenen Zeigefinger – und deshalb nichts dogmatisch. Steht McDonald’s aber kritisch gegenüber. Spendet für WWF, SOS Mitmensch oder auch kleine, regionale Verbände. Engagiert in den Elterngremien von Schule und Kindergarten. Und das sagen die anderen: Typisch für diese Lohas. Typisch Lifestyle of Health and Sustainability! Die sind doch nur auf den Trend aufgesprungen, weil’s gerade modern ist, sich für die Umwelt zu engagieren.


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BIO-TYPOLOGIE

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  DER       bedenken  traeger *     *) h  at keine Bedenken an Bio, sondern findet die Gesamtsituation bedenklich – und konsumiert deshalb BioProdukte. Könnte also auch heißen: Der Bio-Normalo, weil Bio für ihn was ganz Alltägliches geworden ist.

Kauft im Supermarkt ca. 1 / 3 seines Wocheneinkaufs Bio – vor allem, wenn’s um Fleisch, Eier, Wurst, Gemüse oder Fisch geht. Hält konventionell produzierte Lebensmittel für schlechter (Dioxineier! Gammelfleisch!), hat aber Schwierigkeiten, Qualität über klassische Marken zu identifizieren. Vertraut deshalb Gütesiegeln, aber durchaus auch alteingesessenen Traditionsunternehmen und Marken, zum Beispiel Felix Ketchup, Iglu, Manner. Trinkt nach dem Sport am liebsten Wasser oder isotonische Getränke. Liest Die Welt, Kurier oder regionale Tageszeitungen. Hört gern Oldies, findet aber auch jetzt in den Charts nicht alles schlecht. Fährt mit dem Rad (gesund), mit dem Auto (seltener) und mit der Bahn (immer öfter). Hasst es, sich über einen längeren Zeitraum ungesund ernähren zu müssen. Spendet dem WWF.

Und das sagen die anderen: Normalo! Stiftung-Warentest-Gläubiger! Seltsam inkonsequent, wenn mal Bio-Salami

und dann konventionelle ungarische Salami gekauft wird.


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  DER       zoegerlich   e   / zweifler

Kauft punktuell Bio-Produkte (ca. 5–10 %), manchmal Bananen, Milch, eher seltener Fleisch und Fisch – kauft bedenkenlos auch beim Diskonter. Fühlt sich verführbar, aber verunsichert. Trinkt hin und wieder Fair-Trade-Kaffee, überlegt aber die Anschaffung so einer Kapsel-Kaffeemaschine. Hört volkstümliche Musik. Verzichtet monatlich auf zwei Hunderter – beim Bausparen. Gönnt sich zu Weihnachten schon mal was Besonderes, z.B. Bio-Wurst. Liest regionale Tageszeitungen, Bild oder Kronen-Zeitung. Fährt Opel oder VW, seit ein paar Jahren vielleicht auch einen Japaner. Hasst »übertriebenes Marketing«. Spendet nicht, weil er glaubt, dass eh alles irgendwo versandet. Wenn doch, dann am

ehesten der Kirche, UNICEF oder für Kinder in Not.

Und das sagen die anderen: Absoluter Durchschnitt. Paradoxerweise legitimieren seine Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Bio auch seinen Bio-Einkauf. Hat sich bloß noch nicht durchgerungen, das Bio-Ding konsequent durchzuziehen. Wird schon noch!


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  DER ur-     che       spruengli

Kauft am liebsten Lebensmittel wie sie eigentlich sein sollten – Bio, bodenständig und mit Vorliebe beim Bauern. Kultiviert vielleicht auch selbst Erdäpfel, Salat, Obst und Gemüse im Garten bzw. zumindest Kräuter auf der Fensterbank. Trinkt Wasser, Kräutertee oder spritzt sich selbst angesetzten Sirup zum Saft auf. Fühlt sich am Bauernmarkt sehr wohl. Sammelt Kräuter am Wegesrand. Betreibt ganz sicher keinen Markenkult. Marken hält er für zweitrangig. Am wichtigsten sind ihm hochwertige, unverarbeitete Bioprodukte (Fleisch, Obst, Gemüse, Milch). Liest GEO, Universum Magazin, Lebensart, LandLust oder auch Servus in Stadt und Land. Hat ein prinzipielles Problem mit konventioneller Landwirtschaft und deshalb ein Bio-Kistl-Abo. Denn: Je industrieller Lebensmittel produziert werden, desto minderwertiger. Versteht die Faszination für Tommy Hilfiger, Boss oder Dolce & Gabbana ganz und gar nicht. Weiß es zu schätzen, wenn Marken oder Unternehmen sich verantwortungsvoll engagieren. Ein dm-Typ. Spendet dem WWF, der Arche Noah oder für Regenwaldprojekte. Und das sagen die anderen: Ein Natur-, Garten- und Qualitätsfetischist. Da schwingt schon auch ein wenig Nostalgie mit.

Aber er / sie weiß halt auch noch, wie’s früher einmal war.


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bio-typologie

intervieW

Thomas Weber

»BIo Lässt sIcH NIcHt mIssBRaUcHEN« Der Kölner Markt- und Markenforscher Michael Grunwald über Normalisierung, den mitunter radikalen Gehalt von Bio und das Comeback der Moralisten. biorama: Kann man den Typus des »Moralisten« als Vater beziehungsweise Mutter der Bio-Bewegung ansehen? michael grunwald: Ja, das kann man durchaus so sehen und sagen. Wie und wann haben sich denn die weiteren BioTypen wie der »Lifestyler«, der »Bedenkenträger« oder der »Ursprüngliche« herausgebildet? Das ist erst in den letzten Jahren passiert, je stärker sich der Umgang mit Bio normalisiert hat. Es kam zu einer Diversifizierung durch zunehmende Akzeptanz. Sie haben 2004 eine große Bio-Untersuchung für die Rewe-Gruppe, die in Österreich sehr erfolgreich die Eigenmarke Ja! Natürlich betreibt, durchgeführt und nehmen regelmäßig, wie sie es nennen: »Bodenproben« am Biomarkt. Welche Veränderungen zeichnen sich denn ab? Es gibt eine sehr starke Normalisierung. Bio wird zunehmend normal! Österreich gilt als Bio-Musterland. Wodurch unterscheiden sich denn die Bio-Konsumenten in Österreich von jenen in Deutschland oder der Schweiz? Das ist schwer zu sagen, weil wir vor allem in Österreich geforscht haben. Ich denke, der Österreicher hat generell ein größeres Vertrauen in die heimischen Lebensmittel-Produkte. Österreichischen Lebensmitteln wird seitens der österreichischen Verbraucher generell eine hohe Qualität zugeschrieben. Weil es also ohnehin schon ein hohes Qualitäts-Niveau gibt, haben es Bio-Produkte insgesamt schwerer. Darüber hinaus ist der Österreicher ja ein Genussmensch, was man vom Deutschen nicht unbedingt sagen kann. Der Deutsche vertraut auch weniger auf die Qualität der eigenen Produkte. Wir sind halt eine Industrienation. Kristallisieren sich aus heutiger Sicht weitere BioTypen heraus? Neue Typen nicht, nein. Aber Alte gewinnen wieder an Bedeutung – beispielsweise der Moralist. In den deutschen Medien tauchten zuletzt immer wieder rechtsradikale Biobauern auf, die im Hinterland nach völkischen Kriterien landwirtschaften

Michael Grunwald ist studierter Sportwissenschafter, hat aber eine Zusatzausbildung in morphologischer Psychologie absolviert. »Dabei geht es um unbewusste Gründe für die Verwendung und Nutzung von Marken.« Als Marktforscher legt er für Konzerne wie Rewe (Billa, Merkur, Bipa, ADEG, Penny) oder die Mediengruppe WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Krone, Kurier, Mediaprint) regelmäßig Marken und Produkte auf die Couch. Gemeinsam mit BIORAMA erstellte der Kölner eine Typologie der Bio-Konsumenten.

und sich auf nationalsozialistische Lehren berufen. Auch ein in Österreich unlängst verhafteter führender Neonazi hat in Wien einige Jahre einen »nationalen Bioladen« betrieben. Sind diese Blut-und-BodenProtagonisten bloß Ausnahmen oder wird es den »Bio-Nazi« vielleicht bald als eigenen Konsumententyp geben? Den Bio-Nazi wird es wohl nicht geben, dafür stecken in Bio zu viele humanistische Qualitäten. Eine attraktive Qualität von Bio aus Sicht der »Bio-Nazis« ist gegebenenfalls der Disziplinierungsgedanke und das mitunter Radikale, das in Bio steckt. Bio lässt sich aber nicht missbrauchen. Aus der Sicht des Marktforschers: Was könnte denn der Bio-Bewegung gefährlich werden? Hungersnöte, Katastrophen und Ausnahmesituationen, in denen es wichtig ist, überhaupt etwas zu essen zu haben. Aber auch die Normalisierung kann langfristig gefährlich werden für die Bio-Bewegung und sie langsam aushöhlen. Und natürlich auch ein Wiedererstarken der Marken, die ja insgesamt ein wenig schwächeln – insbesondere im Hinblick auf ihre Qualitätsbotschaften.


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marktplatz senf, saucen & grillen

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GEnuSS iM GRünEn:

GRillEn, bbq & co Sommer wird’s und auf Terrassen, Gärten, Balkonen schreitet man(n) ans Feuer. Grillen ist Spaß, entspannter Genuss, geselliger Event und inzwischen auch Volksport. Der Duft von Gegrilltem, sei es Würstchen oder Gemüsespieß, verführt Fleischfans und Veggies gleichermaßen. Wir haben einige passende Zutaten ausprobiert.

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1 // am GaUcHo-LaGERfEUER

2 // VEGGIE DREam

Saftige Steaks zeigen die Meisterklasse am Grill. Dazu braucht’s beste Bio-Qualität und »dry-aged« Rindfleisch. Das Ganze mit dem argentinischen Steakgewürz Tango Spice einreiben, mind. 2 Std. einwirken lassen. www.herbaria.de

Tofuwürstchen mit Chili-Kick. Die würzigen, rein pflanzlichen Sombreros sind ei-, laktose- und milcheiweißfrei. Und sehr lecker. Grilltipp: Da sie kaum Fett enthalten, vor und beim Grillen mit Öl bestreichen. www.taifun-tofu.de


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Nina Daniela Jaksch

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Hersteller

3 // ExotIscHE wüRzE Zu einem perfekten Grillerlebnis gehören Saucen. Aprikosen, Tomaten, Chili, Koriander und Kardamom verleihen der African Spice Grill & Gewürzsauce ihr wild-exotisches Aroma. www.naturata.de

4 // kRäUtERGENUss Sie verfeinert Gerichte und ist schnell zubereitet: Kräuter klein schnipseln, in weiche Butter einrühren, würzen, kühl stellen – fertig ist die Kräuterbutter. Wer wenig Zeit fürs Selbermachen hat, greift zur Kühlregal-Variante der Milchmanufaktur. www.weissenhorner.de

5 // sENfBUttER NacH zwERGENaRt 12 Mandeln in der trockenen Pfanne leicht anrösten, dann im Mixer fein mahlen. Mit 125 g weicher Butter und 3 TL Wiking Senf vermischen. Passt zu Grillkartoffeln, Grillgemüse oder auf geröstetem Brot. www.zwergenwiese.de

6 // DIp mE

Schick’ deine Sinne auf Reisen!

SONNENTOR Kräuter-SinnesErlebnis Sprögnitz im Waldviertel

Viele Grillfans schwören auf Marinaden, in denen Gemüse und Fleisch schon einen Tag zuvor eingelegt werden. Die Grillgewürz-Kräutermischung mit Rosmarin, Paprika und Knoblauch eignet sich als Marinade oder auch als pikanter Dry-Rub. www.sonnentor.at

Erfahren Sie bei einer FÜHRUNG alles rund um die Herstellung von Tees und Gewürzen aus biologischer Landwirtschaft und verweilen Sie im duftenden Ambiente. Besuchen Sie auch den KRÄUTER-WANDERWEG, entspannen Sie in der HILDEGARD WEG KRÄUTEROASE und erleben Sie die verschiedensten heimischen Kräuter im KRÄUTERSTREICHELGARTEN. Die Kleinen lädt das STREICHELGARTEN BIO-BENGELCHEN KRÄUTERDORF zum Austoben ein.

8 // füR BRUtzEL-faNs

Sonnentor Kräuter-Sinnes-Erlebnis

Lecker auf Crostinis, geröstetem Brot oder mit Sauerrahm oder Joghurt verrührt als Dip – Gewürzblütencreme mit Curry passt super zu Grillkartoffeln oder -gemüse. www.laselva.eu

7 // (R)EINGELEGt

Getestet und für knusprig befunden: Veggie Fresh Bratwurst. Auch vegetarische Würstchen können voll knackig sein. www.viana.com

9 // wIE omas DREssING Bei der Stuttgarter Newcomer-Manufaktur Emils schmecken Dressings cremig-gehaltvoll und Senf wird ohne Hefeextrakt oder Emulgatoren hergestellt. Perfekt zu Salat, Fisch, Fleisch oder Tofu: Honig Senf Dressing mit Schwarzwälder Apfelessig. www.emils.com

Sprögnitz 10, 3910 Zwettl Tel: +43(0)2875/7256-100 office@sonnentor.at, www.sonnentor.com

NEU TOR O S im NNEN h! ic e -R Genuss

ffeehaus, Tee- und Ka Kost-Bar, r, te Ea Film-TE schäft, Ge s rte ße rö verg ench el ng Be oBi Spielwiese

10 // aBER BIttE mIt sENf Puristen grillen mit bestimmten Holzsorten, um ihren Lieblings-Geschmack zu erzielen. Für andere ist Senf beim Grillen unverzichtbar. Aromatischer Gemüsepaprika gibt dem Grill & Fondue Senf seinen würzig pikanten Geschmack. www.byodo.de

Da wächst die Freude.


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marktplatz bier

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hiER iSt hopFEn & MAlz noch nicht VERloREn für die Big player im Brauerei-Business ist eine Biosorte beinahe schon pflicht. Zur Kür wird Bio-Bier aber erst bei den kleinen, unabhängigen Brauereien. Eine Vielzahl an verschiedenen Marken, Sorten und Geschmacksrichtungen, vom Weizen bis zum normalen Hellen, werden auf dem umtriebigen Markt angeboten. Wir haben uns durch Weizen, Kürbiskern und Dinkel getrunken und dabei auch einige Neuheiten getestet.

LIEBHaRts – BIo pILs

LIEBHaRts – Dat BLoNDE

Hier wurde definitiv nicht mit Malz gespart. Der MalzGeschmack übertüncht die restlichen Zutaten fast zur Gänze. Auch der Nachgeschmack ist gewöhnungsbedürftig. Ein Kollege meinte: »Man schmeckt förmlich noch den Schweiß des Braumeisters.« Ganz so schlimm ist es zwar nicht, aber dieses Bio-Pils weicht am stärksten vom herkömmlichen Pils-Geschmack ab. Die große Flasche ist fast zu viel für einmal – gut also, dass sie sich wiederverschließen lässt.

Der Name und die Aufmachung sprechen eine eindeutige Sprache – »jung und rassig« ist unter anderem auf dem Etikett zu lesen. Ein Bio-Bier mit TestosteronFantasien aufzuladen – wenn auch nur im Ansatz – hat natürlich Marketing-Gründe, aber auch einen unguten sexistischen Touch. Positiv hingegen die schöne trübe Färbung und der leichte Geschmack. Eine Spur zu viel Kohlensäure vielleicht, war aber für alle erträglich.


BILD

Claire Paq

Mittwoch 27. Juli | 18:00 | Winzer Krems – Sandgrube 13

Rhöner biobräu – pils Folgende Attribute kommen einem sofort beim ersten Schluck in den Sinn: Herb, erfrischend und viel zu viel Kohlensäure. Allzu viele Flaschen kann man davon wohl nicht hintereinander trinken – der Nachgeschmack ist zu herb und die Kohlensäure stößt einem kräftig auf. In geringen Dosen aber nicht schlecht.

Core Bio – Kürbiskern-Bier Die sehr moderne und stylische Aufmachung sticht sofort ins Auge - ein Bio-Bier, das definitiv auf den Lifestyle-Sektor abzielt. Kürbiskern-Bier klingt spannend, schmeckt aber eigentlich nicht sehr viel anders als normales Bier. Einziger Unterschied man riecht die Kürbiskerne – gleich nach dem Öffnen strömt aus der Flasche ein angenehmer Kürbisduft. Ein Bier-Exot, der wohl gerade wegen seines herkömmlichen Geschmacks punkten könnte.

Klangrebellen & Soundpoeten ATTWENGER SHELLEY HIRSCH feat. KAZUHISA UCHIHASH HOLSTUONARMUSIGBIGBANDCLUB Donnerstag, 28. Juli, 18:00 | Winzer Krems – Sandgrube 13

El son del Jaguaró SON DE MADEIRA JUAN PABLO VILLA’S “MEIA DA SHONTA” TAMBUCO PERCUSSION ENSEMBLE Freitag, 29. Juli, 18:00 | Winzer Krems – Sandgrube 13

Looking for a New England ELIZA CARTHY BAND JUJU – JUSTIN ADAMS & JULDEH CAMARA TRANSGLOBAL UNDERGROUND

Brauhaus Gusswerk – Weizenguss

Samstag, 30. Juli, 18:00 | Winzer Krems – Sandgrube 13

Das Retro-Design der kleinen Flasche spricht an. Ebenfalls positiv fällt auf, dass dieses Bier sehr süß und hopfig schmeckt. Eine sehr dunkle Färbung für ein Weizenbier. Ein leicht rauchiger Nachgeschmack stellt sich nach mehreren Schlucken ein, was aber nicht weiter stört. Fazit: Zu speziell für jedermann, aber für WeizenbierBier-Sommeliers sicher eine exotische Abwechslung.

African Blend EL TANBURA ABDEL GADIR SALIM MULATU ASTATKE – „MULATU STEPS AHEAD“

urban keller – Steinbier Ein sehr süßliches Bier, das geschmacklich fast schon Richtung Weizenbier tendiert. Etwas bananig im Abgang, wie einige Tester meinten. Das minimalistische Artwork spricht an, die Flasche ist angenehm klein und liegt gut in der Hand. Fazit: Ein süßliches, aber vollmundiges Bier mit schönem Schaum. Am Stammtisch tranken: Micky Klemsch, Martin Mühl, Stefan Niederwieser, Johannes Rausch, Thomas Weber, Jörg Wipplinger, Maximilian Zeller.

Sonntag, 31. Juli, 17:00 | Winzer Krems – Sandgrube 13

Trikitixa, Cante Jondo & Barcelona Beat KEPA JUNKERA BAND MANUEL DE LOS SANTOS PASTOR, “EL AGUJETAS” OJOS DE BRUJO DETAILPROGRAMM UND TICKETS UNTER: WWW.GLATTUNDVERKEHRT.AT


Biorama Nº. 14

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Micky Klemsch

speis und trank

biLd

Brauhaus Gusswerk, Neumarkter Lammsbräu

»Was ein Bier nicht braucht, ist bei uns nicht drin.« Franz Ehrensperger, Lammsbräu

»Industriellem Bier fehlt die Nahrungsmittelqualität …« Michael Krieger, Riedenburger Brauhaus

Ernst Schreiner, ehemals Braumeister der Stiegl-Brauerei zu Salzburg und Doyen seiner Zunft, erwähnte einmal, dass er es nicht für wichtig halte, Biere als »bio« zu zertifizieren, da es ja kaum ein natürlicheres Nahrungsmittel als Bier gäbe.

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eute wird das Paracelsus-Bier aus Salzburg als BioBier beworben. Reinhold Barta war für Österreichs größte Privatbrauerei an dessen Entwicklung beteiligt. Er hat sich mittlerweile selbstständig gemacht und führt mit seinem Brauhaus Gusswerk am Salzburger Stadtrand eine der wenigen Brauereien im deutschen Sprachraum, die ausschließlich Biere mit biozertifizierten Zutaten herstellen. Und damit haben Sie es nicht leicht. Denn im Gegensatz zum übrigen Biolebensmittelsortiment sind die Zuwachsraten für Bio-Bier eher bescheiden. Und anders als so mancher konventionelle Biertrinker nimmt der bewusste (Bio-)Konsument Alkohol nur in beschränkten Mengen zu sich. Das führte auch dazu, dass die ÖkoBrauereien ein breites Sortiment an alkoholfreien Bieren brauen – bei Lammsbräu im fränkischen Neumarkt sogar in einer glutenfreien Version. Aber nicht nur das Konsumverhalten der biertrinkenden Mehrheit drängt das Bio-Bier in eine Nische. Bei einem äußerst preissensiblen Produkt schlagen Rohstoffe mit oftmals doppelt so hohen Einkaufspreisen sofort zu Buche. Insbesondere Malz aus biologisch angebautem Getreide verzerrt hier den Preisvergleich dramatisch. Trotzdem kann sich der Biobrauer keine exorbitanten Endverbraucherpreise leisten, um nicht gänzlich aus den Regalen der Supermärkte zu verschwinden.

REINHEItsGEBot? Einige Brauereien, die ihre Palette um ein Bio-Bier ergänzten, haben sich aus dieser Nische bereits wieder verabschiedet. Erst im März verschwand das Flensburger Kellerbier aus den Kühltheken. Der Zusatz »Bio« wurde von Kunden in Schleswig-Holstein nur selten geschätzt und der damit verbundene Mehrpreis nicht akzeptiert. Man hat den Rechenstift angesetzt … und tschüss. Die Ökobrauer bleiben aber wohl die einzigen, die heute tatsächlich noch nach dem Reinheitsgebot brauen und ausschließlich auf Zutaten setzen, die 1516 festgeschrieben wurden. Worauf verzichtet man denn beim Bio-Bier eigentlich? Bei genauerem Hinsehen stößt man alleine beim Hopfen auf eine ganze Menge unangenehmer Zutaten: giftige Pflanzenschutzmittel beim Anbau, Schwefel für die Haltbarkeit und weil es sich mit Extrakten müheloser braut, muss der Hopfen durch chemische Lösungsmittel extrahiert werden. Dass man zur optimalen Befüllung Dosen und Flaschen radioaktiv mit Americium 241 bestrahlt, einem Abfallprodukt aus der Wiederaufbereitung von Kernbrennstäben, sei vielleicht auch mal schnell erwähnt. Am Etikett muss das ja nicht stehen. Das heutige deutsche Regulativ erlaubt Hilfsstoffe, solange diese bis auf »gesundheitlich, geruchlich und geschmacklich unbedenkliche, technisch unvermeidbare Anteile wieder ausgeschieden werden.« Brauereien wie Riedenburger, Lammsbräu oder Gusswerk verzichten auf all das. Zugunsten des Produktes, des reinen Geschmacks und der Natur. Gut so. Und der Nivellierung zum Einheitsgebräu bei Industrie-Bier setzen Sie noch weitere verfeinerte Nuancen entgegen. In Salzburg hat Reinhold Barta mit Einkorn, Emmer und Dinkel das Urkornbier gebraut, Österreichs erstes biodynamisches Bier. Auch in Riedenburg setzt man wieder Emmer ein. Dort ist Reinheit nicht nur Gebot, sondern auch nachhaltige Philosophie.

»Hochwertige Bio-Rohstoffe sind die Grundlage für ausgeprägten Geschmack.« Reinhold Barta, Brauhaus Gusswerk


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BIO kann man aus vielen Gründen haben wollen: Wenn man an die Umwelt denkt, wenn man an die Tierhaltung denkt und natürlich wenn man an höchste Lebensmittelqualität denkt. Achten Sie deshalb beim Einkauf auf das AMA-BIOZEICHEN – ein Zeichen für ein gesundes Ego! Näheres auf www.bioinfo.at

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Biorama Nº. 14

weniger ist schwer / Kirsten Brodde

iLLustration Nana Mandl

Wir trennen Müll und glorifizieren die Tonnen. Der fehler im System: Je mehr, schneller und öfter wir wegschmeißen, desto besser fühlen wir uns.

hAu wEG DEn SchEiSS!

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»AUCH EIN ANGESTOSSENER TELLER TUT ES NOCH UND SELBST EIN VERSCHLISSENES JACKENFUTTER LÄSST SICH ERSETZEN.«

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ch war immer für Übersichtlichkeit in meinem Alltag. Doch in punkto Abfälle habe ich definitiv kapituliert. Meinen Vorgarten in Hamburg ziert eine Batterie bunter Mülltonnen. Nur heißt das ja heute nicht mehr Müll. Man sagt »Wertstoff«. Und dafür haben wir grüne Biotonnen, blaue für Altpapier, gelbe für Plastik, graue für Restmüll – und als Novum in Berlin daneben noch orange Boxen. Farbchaos pur. Kein Tag mehr, ohne dass die Stadtreinigung mit ihrem monströsen Gefährt fordernd vor meiner Tür hält und ich ins Schwitzen gerate. Welche Tonne wird heute nochmal abgeholt? Und ist sie auch voll? Warum ich den Müll nicht zu einer Sammelstelle bringen kann, wenn ich genügend gehortet habe, leuchtet mir nicht ein. Beispiel »Trenntstadt« Berlin: Alle 14 Tage kann die orangefarbene Tonne geleert werden. Darin entsorgt werden sollen altes Holz- und Plastikspielzeug, kaputte Elektrogeräte wie Föne, Toaster oder Handys, Datenträger wie CDs oder DVDs und Textilien, etwa ausgediente Pullover oder Pyjamas. Bei allogische Weiterdrehe unserer Konsumilem Respekt – ich bekomme selbst in vier Wochen diotie. Den Ökokonsum nehme ich nicht nicht genug zusammen, um die Tonne zu füllen. aus. Er entschärft das Problem, weil er Mehr noch: Ich halte das sogar für absolut richRessourcen schont, löst es aber nicht. Beitig und geradezu zukunftsweisend. spiel Kleidung: Solange wir fünf neue Teile Denn wer all diese Tonnen Woche für Wodie Woche kaufen, die wir in rasantem Temche bis zur Randkante füllt, macht in meinen po wieder einmotten, ist es Augenwischerei Augen etwas falsch. Er kauft zu viele Sachen zu glauben, wir könnten die Umwelt wirklich und schmeißt sie zu schnell weg. Reparieren entlasten. Verbrauch ist aber das Tabuthema, scheint jedoch nicht mehr en vogue zu sein. vor dem sich alle drücken. Sammeln und abDabei macht doch nichts so ein gutes Gefühl, transportieren lassen ist das Nachspiel unseres wie etwas wieder flott zu machen. Und wer Kaufrausches. Wir werfen einfach alles in die seine löchrigen Treter zum Besohlen bringt, schönen Mülltonnen – und lehnen uns beruhigt schafft nebenbei noch sozialverträgliche zurück. Glorifizieren die Tonnen und rechtfertiArbeitsplätze. Womöglich habe ich auch gen so neues, nutzloses Zeug. nur eine natürliche Sehnsucht nach EffiNeulich las ich in einer Sonntagspostille, die zienz, ständig neue Sachen brauche ich Energiewende schaffe eine hässliche Welt, enteinfach nicht. stelle schönste Altbauten durch Solarbeulen und Muss man aber als ökologische Vorverschandele Landschaften durch Windräder. Was zeigefrau nicht mehr Begeisterung für ein Unsinn. Das Stadtbild wird heutzutage viel zeigen? Schließlich wird ja aus meimehr vom Farbchaos der Mülltonnen geprägt als von nem Abfall wieder etwas Nützliches, Photovoltaik-Anlagen. Das sollte mal auf Seite eins wenn alles gut läuft. Aber wer einmal der Zeitungen stehen. in einer der Entsorgungsstätten von Remondis stand, einem der größten Müllriesen weltweit, weiß, daß Kirsten Brodde lebt und arbeitet in Hamburg, bloggt die Mengen ein Problem sind. Für unter www.kirstenbrodde.de und schreibt mich sind die Mülltonnen nur die für biorama die Kolumne »Weniger ist schwer«.


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Biorama Nº. 14

iLLustration Nana Mandl

früher war es mal in, »dagegen zu sein«. Heute ist das gar nicht mehr so leicht.

MEnSchEn in ziVil

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und hinter mir die sintflut / Johanna Stögmüller

»KÖNNTE JA SEIN, DASS SIE GLAUBEN, DIE WELT SEI GANZ IN ORDNUNG.«

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serin Alraune schreibt: »Ich freue mich schon auf den Global Mariuana (sic!) March in Frankfurt. Wir werden unsere Stimmen erheben und für das Recht auf Mariuana (sic!) demonstrieren. Die linke Zivilgesellschaft hat die Macht, Veränderung herbeizuführen.« Ich komme nicht umhin, mir Userin Alraune vorzustellen, wie sie – ausgestattet mit allen gängigen Ganja-Klischees und großer politischer Überzeugung – für die Legalisierung von Cannabis demonstriert. Auf ihrem Shirt: das Konterfei von Bob Marley. Auf ihrem Protest-Schild: »Legalize it!«. In diesem einen der unzähligen Internetforen, die es zum Thema Cannabis gibt, bin ich nicht zufällig. In den nächsten Tagen fin»Zivilgesellschaft« – ja, das klingt so gut. det nämlich die österreichische Variante des Da fühlt man sich gleich angesprochen. Da Global Marijuana March direkt vor meiner fühlt man sich eher dabei, als wenn jemand Haustür statt. Um dann nicht plötzlich am von Greenpeace, der Anti-Atom-Bewegung Heimweg vom Supermarkt im kuscheligen oder der Aids-Hilfe spricht. Zivilgesellschaft Sicherungsgewahrsam des Polizeikessels kann jede/r sein. Auch ohne Mitgliedsbeitrag zu landen, informiere ich mich mal lieber, und freiwillige Spenden. Bürgerinitiativen mit welcher Art von Demonstration ich es scheinen das einzige Gegengewicht zur Bedenn zu tun haben werde und hänge von einflussung politischer Entscheidungen seitens mir aus die Pace-Fahne ins Fenster, damit der Wirtschafts-Lobbyisten zu sein. Zivilgeniemand vor meine Haustüre brunzt. Die sellschaftliches Engagement scheint die einzige Recherchen bekräftigen meine AnnahMöglichkeit, der »Brot und Spiele«-Taktik, die der me, dass die Cannabis-Freunde keinen Politik seit Tausenden Jahren zu einer unverdiengewaltbereiten Schwarzen Block auften Handlungsfreiheit verhilft, entgegenzuwirken. fahren. Hoffentlich lassen sie auch Userin Alraune mag mit ihrer von dicken Rauschdas Soundsystem für ihre Reggaeschwaden durchzogenen Wunschvorstellung also Tunes zu Hause. gar nicht so viel Unrecht haben und trotzdem attestiere ich ihr keinen Erfolg. Die Zivilgesellschaft hat nämlich einen Haken: Wir mögen das Brot und BRot UND spIELE wir mögen die Spiele. Es ist so wunderbar angenehm, Userin Alraune beschäftigt mich nicht dafür und nicht dagegen zu sein. Und gefährlich noch länger. Besser gesagt: ihre ist es auch. Ich montiere die Pace-Fahne im Fenster. Vorstellung von der alles veränFür Userin Alraune. dern könnenden Zivilgesellschaft.


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EINMAL DURCH EUROPA:

HAMBURG SETZT IDEEN IN BEWEGUNG

Die Ausstellung aus Hamburg. European Green Capital 2011 Der „Train of Ideas“ kommt nach Wien! Mit der wandernden Ausstellung tritt Hamburg in den internationalen Dialog mit anderen europäischen Städten, darunter auch Warschau, Malmö, Kopenhagen, Brüssel, Barcelona, Marseille, Oslo, Paris und Zürich. Die kostenlose, interaktive Ausstellung zeigt, wie die umweltfreundlichen Städte der Zukunft aussehen. Lassen Sie sich inspirieren von visionären Projekten aus ganz Europa, die bereits heute Realität sind. www.train-of-ideas.net

Bahnhof Heiligenstadt, 20. Juni 13 – 19 Uhr, 21. – 22. Juni 10 – 19 Uhr

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Biorama #14  

Magazin für nachhaltigen Lebensstil

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