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BIORAMA #10

Page 74

BIORAMA

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Familie

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Geburtenkontrolle

Familienspiel

Ursel Nendzig

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Text

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Kinder kriegen – ja oder nein. Wenn nein – warum nicht, wenn ja – wie viele, wann, mit wem und warum? Hier scheiden sich die Geister, hier gibt es kein Richtig und Falsch, kaum ein ja oder nein. Fakt ist: Die Vermehrung wird von den Einen geplant und kontrolliert, die Anderen überlassen sie ganz Mutter Natur. Wir haben uns umgehört in den verschiedenen Winkeln eines heiklen Themas: Geburtenkontrolle. Sechs Milliarden Menschen sind fünf zu viel. Ums Jahr 1800 herum, da waren wir genau die richtige Anzahl Menschen auf der Welt. So klingen die, die sich beim Thema Geburtenkontrolle auf einen ziemlich radikalen Umwelt-Standpunkt zurückziehen. Überbevölkerung sei das Problem, gerade die ärmsten der armen Länder bekommen zu viel Nachwuchs, unsere Erde könne so viele Leute einfach nicht vertragen. Wären wir nur eine Milliarde, würden nicht so viele hungern. Würde der Klimawandel gestoppt werden können. Wäre genug für alle da. Hätten so viele nicht so wenig, sondern so wenige viel mehr. Wäre überhaupt alles viel freier, einfacher, angenehmer, problemloser. Würde niemand um einen Flecken Land Krieg führen, weil ohnehin Platz ohne Ende da wäre. Ein gewagtes Gedankenspiel. Zu dessen Realisierung es aus einem anderen Winkel schon die passende Lösung 74

Evelyn Plaschg

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Illustration

gibt. Willkommen bei der ultra-feministischen Einschätzung der Lage. Dort soll es einen Plan geben, und der geht so: Erstens. Das Sperma aller Män-

ner wird abgemolken und tiefgefroren. Zweitens. A lle Männer werden sterilisiert. Drittens. K inder gibt es nur auf Abruf. Und nur dann, wenn beide beteiligten Partner es auch wirklich, wirklich wollen. Der Vorteil:

Keine ungeplanten oder erzwungenen Schwangerschaften, demnach auch keine ungewollten Kinder. Keine Notwendigkeit mehr, die Pille zu schlucken, das Pflaster zu kleben, Temperatur zu messen, Coitus interruptus zu kultivieren oder sich Stäbchen implantieren zu lassen. Der Nachteil: Diese Theorie scheint, wenn überhaupt, dann nur in hoch industrialisierten Ländern durchführbar zu sein. In Entwicklungs- oder Schwellenländern wird es erstens kaum finanzierbar und zweitens kaum überprüf bar sein, ob tatsächlich jeder Mann zum Männchen gemacht wurde. Wie ein Kindergeburtstag hört sich dagegen der Ruf aus der entwicklungspolitischen Ecke an – die sich vor allem auf so genannte Entwicklungsländer bezieht: sanfte Geburtenkontrolle. Was auf den ersten Blick vernünftig wirkt, ist es auch auf den zweiten. Auf klärung über Empfängnisverhütung. Beraterinnen, die zu diesem Zwecke auch in die entlegensten Dörfer pilgern. Mutter-Kind-Gesundheits-Programme. Gespräche mit Ehemännern, wie


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