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MeiréundMeiré

Anteil der Menschen, der versichert, auch mit einem bedingungslosen Grundeinkommen weiterhin arbeiten zu gehen, in Prozent: 90 Anteil der Menschen, der glaubt, andere würden durch ein bedingungsloses Grundeinkommen aufhören zu arbeiten, in Prozent: 80

Weitaus mehr als nur Zahlen.

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# 56

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Fragen dieser Welt

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BIORAMA

Manchmal fragt man sich wirklich ... Ja, was denn? Schickt uns die Fragen, die euch bewegen, an redaktion@biorama.at. Und der Biorama-Fragenindex mit Fragen rund um bewusstes Leben w채chst und w채chst und w채chst. 3


BIORAMA

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Einleitung

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Editorial

Editorial /Impressum Sex, Bikes und Rock’n’Roll Geschätzte Leserschaft, gefällt euch unser Cover? Wir hoffen, ja. Denn schließlich zeigt es an, womit wir uns in dieser Ausgabe beschäftigen, einem der wunderbarsten Dinge der Welt: Sex. Und ja, auch dieses Thema wollen wir, wie sämtliche andere Aspekte des Lebens, aus dem Blickwinkel von Biorama betrachten. So entführen wir euch in die skurril-erotische Welt von „Fuck For Forest“, einer Organisation, die mit Sex den Regenwald retten möchte. Und das auch ganz gut hinbekommt (ab Seite 26). Wir machen uns ab Seite 38 für euch Gedanken darüber, wie sexy ein Elektro-Sportwagen wohl ist, wenn er beim Beschleunigen nicht mehr ordentlich röhrt und jault und stinkt. Wir machen mit euch auch einen kleinen Ausflug in die Hitze von Thailand, wo jener Latex herkommt, den wir uns zur Sicherheit überziehen: Seite 36. Und auch die traurige Seite der sexuellen Anziehungskraft wollen wir euch nicht vorenthalten. Zerdrückt mit uns ab Seite 30 eine Träne über die armen Motten, die von weiblichen Sexuallockstoffen angetörnt in eine tödliche Falle geraten. Uns geht es um ein Fest, das wir mit jeder Ausgabe feiern, und zu dem wir euch alle laufend einladen. Setzt es fort, und ladet zu eigenen entsprechenden Festen. Lasst es krachen, tanzt den Rock’n’Roll. Sex, Bikes and Rock’n’Roll – das ist unser Weg, mit Spaß, Schweiß und Glücksmomenten viele grüne und nachhaltige Möglichkeiten auszuhecken, auszudenken, zu erproben und umzusetzen, wie wir Menschen für uns alle und den Planeten Erde nützlich sein können. Jeder in seinem Tempo, jeder in seinem Rhythmus, jeder auf seine Art. In jedem Fall mit Stil. An dieser Stelle teilen wir euch mit, dass es hinter den

Kulissen bei diesem stark verspäteten Biorama-(Sommer-)Fest einige Bewegungen gibt, die zu starken und stärkenden Veränderungen bei Biorama führen werden. Und damit auch das Fest auf eine andere Ebene heben. Stay tuned. Wir haben uns mit dieser Ausgabe erheblich verspätet. Statt Sommer ist es Herbst. Natürlich ist es nicht von uns beabsichtigt, in derart unregelmäßigen Abständen zu erscheinen, wir versuchen jedoch uns mit jeder Ausgabe zu verbessern und dem entgegenzuwirken – wir geloben Besserung, hoffen auf eure Geduld und auf weitere gemeinsame Feste! Rock‘n‘Roll Baby!

Viel Spaß beim Lesen, Milo Tesselaar, Ursel Nendzig

Impressum

PRODUKTION & MEDIENINHABER Monopol GmbH, Favoritenstraße 4-6/III, 1040

HERAUSGEBER Milo Tesselaar CHEFREDAKTION Ursel Nendzig, Milo Tesselaar

GmbH, Favoritenstraße 4-6/III, 1040 Wien; Tel. +43 1 9076766; www.biorama.eu,

AUTOREN Kirsten Brodde, Mirjam Bromundt, Miriam Damev, Max Deml, Marlene

www.monopol.at, redaktion@biorama.at BANKVERBINDUNG Monopol GmbH,

Duffy, Michael Huber, Stephan und Beate Klein, Magdalena Miedl, Sara Mously,

easybank, Kontonummer 20010710457, BLZ 14200 ABONNEMENT siehe Website:

Andrea Nienhaus, Viktoria Räuchle, Mathias Rittgerott, Christine Schmidhuber,

www.biorama.eu ERSCHEINUNGSWEISE 4 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGS-

Magdalena Vukovic FOTOGRAFIE Fuck For Forest, Christian Grewe, Stefan Knit-

ORT Wien VERLAGSPOSTAMT 1040 Wien

Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Bernhard Schmidt KONTAKT Biorama c/o Monopol

tel, Flo Meier, Bree Zucker COVERFOTO Bree Zucker ILLUSTRATIONEN Bernd Püribauer, Eva Hebenstreit, Nana Mandl, Deborah Sengl, Evelyn Plaschg, Magda-

BLATTLINIE Biorama ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem

lena Vukovic LEKTORAT Kerstin Krenn GESTALTUNG Super-Fi I Sebastian Rumpl

nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und

ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Micky Klemsch, Christoph Ullmann, Thomas

Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie

Weber ANZEIGENVERKAUF DEUTSCHLAND Antje Schmidtpeter (Sieben&Siebzig)

zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für Mensch und den Planeten Erde.

WEB Super-Fi, m-otion DRUCK gugler GmbH, Auf der Schön 2, 3390 Melk/Donau

Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Biorama erscheint viermal im Jahr.

erscheint ebenso wie 4

, Magazin für Popkultur, im

VERL AG.


Mein Einspruch gegen Mochovce Nur 160 km von Wien entfernt soll das slowakische Atomkraftwerk Mochovce ausgebaut werden. Die Fertigstellung von Block 3 und 4 bedeutet eine Verdoppelung des atomaren Risikos für Wien! Im Sinne einer nachhaltigen Energiezukunft und Vermeidung von Risiken der Atomenergie spreche ich mich gegen den geplanten Fertigbau des sowjetischen Reaktortyps WWER-440/213 aus. Im gesetzlich verankerten, grenzüberschreitenden UVP-Verfahren (Umweltverträglichkeitsprüfung) müssen meiner Ansicht nach folgende Punkte berücksichtigt werden:

• • • •

Fehlendes Containment (Schutzhülle) Offene Fragen zur Erdbebensicherheit Die Folge der Alterung der eingemotteten Anlagenteile Ungelöste Fragen im Falle möglicher Flugzeugabstürze auf das AKW Mangelnder Brandschutz Unzureichende Sicherheitsreserven des Bubbler Condenser Die im Design des WWER-440/213 problematische Auslegung der elektrischen Leitungen Ungelöste Fragen zur Entsorgung des radioaktiven Mülls



m „Machen Sie von Ihre Recht Gebrauch!“

BITTE DIESE SEITE AUSSCHNEIDEN UND EINSENDEN:

CHRISTIAN FÜRTHNER/PID

• • • •

Umweltstadträtin Ulli Sima ersucht um Unterstützung im Kampf gegen Mochovce

An die Wiener Landesregierung, Wiener Umweltschutzabteilung – MA 22 Business Center 222 1000 Wien Name

Adresse

Ort, Datum

Unterschrift

Unterschriftenlisten können auf www.natuerlich.wien.at angefordert werden. Der gesetzlich vorgeschriebene LETZTMÖGLICHE EINSENDESCHLUSS (es gilt der Poststempel) ist der 6. 10. 2009. Weitere Informationen erhalten Sie auf www.natuerlich.wien.at, unter der Telefonnummer 01/803 32 32 oder per E-Mail-Anfrage an wiengegenatomkraft@ma22.wien.gv.at


Zuallererst müssen wir uns bei Ihnen entschuldigen: Das Papier, auf dem diese Anzeige gedruckt wurde, ist leider nicht zu 100%

Gell Bauer, in Bio ir seit 15 Jahren haben w den Rüssel vorn!

INHALT VORSPIEL / Seite 8

Rund um uns herum

Wer liest, macht, verkauft und inseriert in Biorama

/ Seite 10

Kolumne: K-Punkt Sehenswürdig

/ Seite 13

Details einer Stadt

Milo´s Choice

/ Seite 14

Fahrräder, die wir mögen

biologisch. Aber dafür alles andere, auf dem (und für das) Ja! Natürlich steht – und das seit mittlerweile 15 Jahren. So lange gibt es nämlich schon die größte Bio-Marke Österreichs, so lange setzt Ja! Natürlich die Standards in Sachen Bio. Angefangen hat alles mit dem Wunsch, biologische Lebensmittel von höchster Qualität im Supermarkt um die Ecke anbieten zu können, um sie für jedermann leicht erreichbar und erschwinglich zu machen. Der erfolgreiche Start mit 30 authentischen, unverfälschten Produkten U n s e r B i o - G e m ü s e aus den Bereichen Milch, stammt aus besonders Obst und Gemüse gab uns gesunden, fruchtbaren Böden. Und das Recht: Bio wurde nicht schmeckt man. mehr länger mit Gesundheitssandalen und Jutesäcken assoziiert, sondern zu einer echten Alternative der gesunden Lebensführung. Der Genuss mit gutem Gewissen rückte in den Vordergrund,

/ Seite 16

Kolumne: Zahlkraft

18

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38

HAUPTAKT Das Sonnenkind

/ Seite 18

Martha Bissmann im Interview

Eis, frisch gezapft

/ Seite 22

Das Konzept von Healthy Planet

Die Naturliebhaber

/ Seite 26

Fuck For Forest: Sie retten mit Sex den Regenwald

Sex kills!

/ Seite 30

Schädlinge wittern Sex. Und landen in der Falle

A wie Aubergine

/ Seite 32

Sex von A bis Z. Mit Nachhaltigkeit.

Elastisch fantastisch

/ Seite 36

Woher das Gummi kommt

Wo ist bloß der Sex geblieben?

/ Seite 38

Wie Elektro-Sportwagen als Statussymbol wirken

Die Brandladies

/ Seite 42

Eine Bilderstrecke zum Anschauen und Nachdenken


MODE und KÖRPER Modestrecke

/ Seite 49

Bio wurde salonfähig und Ja! Natürlich endgültig zu Bionieren. Ohne verlässliche Partnerschaft mit unseren

Sexy Wäsche, biologisch verträglich

Körperpflege

/ Seite 55

ERNÄHRUNG / Seite 56

Kann denn Südfrucht Sünde sein? Ernährung: Südobst

Marktplatz Ernährung Ich und die Anderen

/ Seite 60

/ Seite 62

Im Test: Bio-Gummizeug

/ Seite 64

Das Rezept im Bild: Gewürzöl Kolumne: Wein

/ Seite 66

/ Seite 68

KINDER Mit einem T-Shirt um die Welt

/ Seite 72

Ein Besuch bei der Kita 21 in Hamburg

Familienspiel

/ Seite 74

Eine Rundschau zur Geburtenkontrolle

Kolumne: Kleins Welt

/ Seite 76

NACHSPIEL Darf ich vorstellen? Meine Stadt

/ Seite 78

Berlin

Der Nachruf: Ozonloch TO DO – Liste

/ Seite 80

/ Seite 82

FRAGEN DIESER WELT

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Seite 3, 25, 47 und 70

Auf diesen Seiten stellen wir Fragen aus dem Biorama-Fragenindex vor. Wir sammeln jene Fragen, die uns alle bewegen, die rund um bewusstes Leben kreisen. Und die nicht unbedingt eine Antwort haben oder brauchen. Schickt uns die Fragen, die euch bewegen, an redaktion@biorama.at. Und der Biorama-Fragenindex wächst und wächst und wächst.

Bio-Bauern wäre dieser Erfolg jedoch nicht möglich gewesen. Bauern, die seit 15 Jahren auf synthetische Düngemittel verzichten, künstliche Aromen und Farbstoffe verpönen und Gentechnik strikt ablehnen. Bauern, die seit 15 Jahren Bio sind und es die nächsten 15 Jahren sein werden. Genau deshalb können Sie uns auch in Zukunft vertrauen. Und beim nächsten Jubiläum drucken wir auch auf Bio-Papier. Versprochen.


BIORAMA

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Einleitung

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Leser, Macher, Händler, Inserenten

1

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Rund um uns herum In mittlerweile gewohnter Manier stellen wir hier jene Leute vor, ohne die so ein Magazin wie das unsere nicht sein könnte. Denn irgendwo müssen die Texte, Bilder, Illustrationen und Anzeigen ja herkommen. Hier stellen wir ein paar Leute hinter den Seiten vor.

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1 Wer verkauft Biorama? In ihrem Laden Wertvoll, den sie vor Kurzem neu eröffnet haben, möchten Judith Finsterbusch und Monika Selinski nebst Kleidung und Produkten auch Magazine und Literatur zum Thema Nachhaltigkeit anbieten. „Biorama ergänzt unser Konzept super, ist handlich genug und liefert interessante Artikel von interessanten Menschen, die sich für was Gutes einsetzen“, sagen die beiden von „Wertvoll“. „Wir möchten sowas immer und wo es nur geht unterstützen! Deshalb ab sofort auch bei uns!“ www.wertvoll-berlin.de

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2 Wer inseriert in Biorama?

Uwe Lübbermann , Marketing MBA Sustainability Management. „In über 70 Medien wurde bereits das kleine Unternehmen premium-cola vorgestellt, und darüber hinaus habe ich in der Medienlandschaft über die Jahre verschiedene Erfahrungen aus den Perspektiven des Autors, des Anzeigenverkäufers und des Werbetreibenden sammeln dürfen. Noch immer erschreckt es mich, wie fahrlässig manche Medien arbeiten und nicht

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recherchieren oder überprüfen, was man ihnen an Informationen gibt. Biorama hat mich hier positiv überrascht – die Redaktion hat sich sehr viel Zeit genommen und ist thematisch tiefer eingestiegen als alle anderen Medien zuvor. Dieser Qualitätsanspruch hebt Biorama deutlich aus der Masse der Lifestyle-Zeitschriften heraus und ist ein weiterer Grund, das MBA-Fernstudium Sustainability Management genau in diesem Magazin zu bewerben.“

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3 Wer macht Biorama?

Michael Huber, hauptberuflich Kulturredakteur der Tageszeitung Kurier, begann vor rund acht Jahren über Essen zu schreiben. „Nahrungsaufnahme ist nicht nur die oberste Notwendigkeit, sondern auch eine der größten Freuden im Leben“, sagt er. Essen hat für ihn mit Kultur, Zusammenleben und Wertschätzung zu tun, und so ist es ihm wichtig, auf die Verantwortung hinzuweisen, die wir mit unseren täglichen Entscheidungen tragen. Anregungen für seine Arbeit bekam Michael unter anderem in New York, wo er 2006 – 2007 an der Columbia University Journalism School studierte.

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4 Wer liest Biorama?

Das ist unsere Leserin Fräulein D. aus Südtirol. Sie weigert sich, Großkonzerne und Industrieunternehmen, die mit ihrer Geldgier die Welt zerstören, mit ihrem Konsum zu unterstützen. Sie sagt: „Biorama schafft es mit jeder Ausgabe aufs Neue, mich zu kritischem Denken und bewusstem Handeln anzuregen. Ein Hoch auf die bioramische Konsumrevolution!“


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Kolumne

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Kirsten Brodde FOTO www.kirstenbrodde.de

BIORAMA

K-Punkt

Kirsten Brodde

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Text

Pizza mit Kunstkäse, Eis mit mehr Luft als Vanille drin, Spielzeug mit bleihaltiger Farbe und losen Magneten, Geldanlagen, die wertlos sind, Kleidung, auf der nicht steht, was drin steckt – König Kunde wird laufend zum Deppen gemacht, genasführt und getäuscht. Und das in einer Zeit, wo uns jeden Tag gepredigt wird: KONSUMIERT! Stärkt die Wirtschaft und kauft! Aber das hält Handel und Industrie nicht davon ab, zu tricksen, zu schummeln und zu betrügen. Und die Politik schaut tatenlos zu. Bitterlich vermisse ich jemanden, der sich den Verbraucherschutz auf die Fahnen schreibt und dem ganzen Thema wieder SEXAPPEAL gibt. Der Mangel an verbraucherpolitischer Substanz in dieser Regierung ist eklatant. Am Ende der ersten Legislaturperiode ohne grüne Verbraucherschutzministerin stehen wir nackt da. Die Demontage des rot-grünen Erbes ist schlimmer, als ich erwartet habe. Das Ex-Verbraucherschutzministerium ist wieder auf seinen traditionellen Zuschnitt reduziert und hätschelt einzig die Landwirtschaft und die Bauern. CSUMinisterin Ilse Aigner ist freundlich und ehrlich bemüht, aber ohne jedes Format im Ministerinnen-Amt. Und eine Verbrauchertribunin ist sie sicher nicht. Renate Künast hatte in ihrer zupackenden Art dagegen für Transparenz auf dem Lebensmittelmarkt gesorgt. Die Frage,

wo und wie das Menü auf ihren Tellern erzeugt wurde, hatte sich tief ins Hirn der Verbraucher eingegraben. Aber es geht um mehr. Ich halte es für ein modernes Bürgerrecht zu wissen, was in Produkten steckt. Mittels Kunden- und Rabattkarten ist die In-

dustrie bestens über unser Einkaufsverhalten informiert. Doch im Gegenzug verweigert sie uns ehrliche Informationen über ihre Produkte. Daran hat auch das brandneue 10

Verbraucherinformationsgesetz nichts geändert, es ist ein Rohrkrepierer. Aktuelle Informationen bleiben Mangelware. Diese nüchterne Bilanz zieht Greenpeace, deren Rechercheure etliche eigene Anträge gestellt und teilweise ein Jahr später noch keine Antworten hatten! Im Kern halte ich ein Gesetz dieses Zuschnitts ohnehin für verfehlt. Es schützt die Unternehmen vor Fragen. Ihnen gegenüber besteht keine Auskunftsanspruch. Die Verbraucher sind auf freiwillige Informationen angewiesen und damit keinen Deut schlauer. Unternehmen sollten aber gesetzlich verpflichtet sein, auf aufrichtige Fragen aufrichtige Antworten zu geben und ehrlich zu kennzeichnen, was in ihren Produkten steckt. Natürlich trage ich Eigenverantwortung als Verbraucher, mich schlau zu machen, aber ich brauche jemand wahrhaft Zähen und Zupackenden im Rücken, der sich konsequent für meine Rechte einsetzt und entsprechende Gesetze und Verordnungen macht. Und sich nicht mit zahnlosen Selbstverpflichtungen der Industrie abspeisen lässt. Denn die Wirtschaft – so scheint es – zieht den gläsernen Kunden weiterhin dem gläsernen Produkt vor.

p

Über Kirsten Brodde

Sie lebt und arbeitet in Hamburg. Sie bloggt unter www.gruenemode.de und seit Neuestem auf www. greenaction.de. Ihr Buch „Saubere Sachen“ über Ökomode und wie man sie findet erschien im Frühjahr 2009.


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www.viennadesignweek.at


Details einer Stadt

/ / Reise

BIORAMA

Sehenswürdig / Viktoria Räuchle

Text & Foto

Der Barberinische Faun Königsplatz, 80333 München Die Glyptothek zu München hat ein wahres Naturereignis zu bieten: Ein Satyr aus dem Gefolge des Dionysos hat sich hier auf einem schroffen Fels niedergelassen, um vor den Augen spitzmündiger Bildungsbürger und krakeelender Schulklassen den Rausch der Jahrtausende auszuschlafen. Unbekümmert breitbeinig präsentiert er seinen schwerathletischen Körper mit der „bestürzend erotischen Präsenz“ (Paul Zanker) und schürzt die vollmundigen Lippen unter ungestümen Brauen und niederer Stirn. Selbige lässt im Übrigen „bedenkliche Rückschlüsse auf seine geistigen Kapazitäten“ zu, um einen weiteren Hohepriester antiker Skulptur (Christian Kunze) zu zitieren. Sei‘s drum, diesen Wunderknaben liebt man auch ohne Geistesgaben. 13


BIORAMA

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Milo‘s Choice

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Fahrräder

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Milo´s Choice

2 Milo Tesselaar

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Text

Ich liebe das Leben mit und am Rad – nicht umsonst nenne ich statt einem Führerschein in der Regel drei oder mehr Fahrräder mein Eigen. Die hier vorgestellten zeigen, was gerade und auch schon seit längerem auf den Straßen von Münster bis Graz kurvt. Das, was da kurvt, ist vor allem Skandinavisches. Wie das super schnelle, super stylische, super technoide und super trendige FixedGearBike (1) von Alta aus Norwegen. In Kopenhagen, Dänemark, sitzen die Jungs von Larry vs. Harry und basteln an ihrer Interpretation des Klassikers Long John (2) – gut aussehende, funktionelle und schnelle Lastenträger für Hund und Katz, Kind und Kegel. Ein Sammlerstück, das in keinem Fahrradfuhrpark fehlen sollte, weil der unscheinbare Cruiser den mobilen Alltag eines jeden wunderbar versüßt und dabei noch sämtliche Blicke auf sich zieht, ist das finnische JOPO (3, „ JOkaisen POlkupyörä“ = „ Jedermanns Fahrrad“). Es wurde bereits 1964 produziert. Für diejenigen unter euch, für die ein Liegerad bisher als zu unsicher galt (Fahrhöhe), gibt es jetzt ab sofort und brandneu „Delayo“ (4) inklusive futuristisch designter Karosserie aus Stuttgart, bestellbar als Bausatz oder gleich komplett fertig. Und ein eigentlich logischer Trend ist endlich doch noch eingetreten: Räder mit Hybridantrieben, wie das „GOCycle“ (5), das nebenbei auch ein Klapprad ist und seinen Akku gefinkelt, sicher und praktisch (zum Aufladen) aus dem Rahmen entnehmen lässt. Derzeit ist es leider ausverkauft, es wird aber ein weiterer Verkauf Ende Sommer erwartet. Für all jene, die das Cruise-Gefühl einer Harley Davidson immer schon auf den Drahtesel übersetzt haben wollten, gibt es eine gelungene Zusammenstellung von Elektrobike mit elektronischem Vorderantrieb: den Custom Nirve Cannibal Cruiser (6) – wunderbar für Styler, Poser und Faule. So wie mich. Milo‘s Choice gibt es auch unter www.twitter.com/milotesselaar. 14

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BFF09/VIENNA 17. – 20. SEPTEMBER

Zum 3. Mal in Wien!

17.–20.9.2009

4 Tage Filme, Parties, Events rund ums Rad URANIA KINO / BADESCHIFF / STRANDBAR HERRMANN Kartenvorverkauf und Infos auf: www.bicyclefilmfestival.com

Memphis, New York, Philadelphia, Pittsburgh, Minneapolis, Richmond, San Francisco, Detroit, Oakland, Portland, Austin, San Diego, Chicago, Toronto, Orlando, Seattle, LA, Milwaukee, DC, Zurich, Lisbon, Vienna, London, Las Vegas, Copenhagen, Milan, Paris, Denver, Auckland, Melbourne, Sydney, Tokyo, Miami, Boulder, Houston, Boston, New Orleans, Salt Lake City, Montreal.


BIORAMA

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Kolumne

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Max Deml

Grünes Geld – ab zwei grünen Scheinen. Vor zwanzig Jahren gab es sie überhaupt noch gar nicht. Inzwischen sind Kriterien wie „Öko“ und „Ethik“ in der Geldanlage gebräuchlich. Allein im deutschsprachigen Bereich gibt es schon mehr als 100 „grüne“ Investmentfonds mit einem Gesamtvolumen von über 25 Milliarden Euro. Tendenz – trotz Krise – steigend. Investmentfonds sind nur ein kleines Segment dessen, was sich „grüne“ Geldanlagen nennt. Auch abseits der Börse gibt es zahlreiche Möglichkeiten: von einem 200-EuroAnteil bei der Mikrokredit-Entwicklungsgenossenschaft oikocredit über einen 10.000-Euro-Windpark-Anteil bis zu einem 50.000-Euro-Investment in nicht börsennotierte Aktien wie der Öko-Pellets AG, die mit diesem Geld ihr erstes Pelletswerk finanziert hat. Auch Umwelt-Sparbriefe und andere Bankprodukte gibt es in Milliardenhöhe, in Deutschland und der Schweiz – und bald auch in Österreich, wohin eine deutsche „Alternativbank“ expandiert.

Viele Menschen – laut Umfragen bis zu 75% – würden gerne ökologisch anlegen, wenn sie dabei keine Abstriche bei der Rendite machen müssen. Nur 1% oder 2% tun es wirklich – die anderen haben zu wenig Information, wie sowas gehen soll. Und was das konkret bringen soll. Denn: Kann man damit wirklich etwas in der „Realwirtschaft“ ändern? Man kann. Vor 20 Jahren lag der Windstrom-Anteil der deutschen Stromversorgung bei 0 %. Inzwischen liegt er bei über 7% – dank Zigtausender Anleger, die Milliarden Euro privates Kapital in rund

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Max Deml

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Text

18.000 Windkraftanlagen gesteckt haben. Dabei können sich diese Investoren auch noch über eine 5-fache „Hebelwirkung“ ihres Geldes freuen: Durch zusätzliche Bankkredite können die Betreibergesellschaften für jeden 10.000-Euro-Eigenkapital-Anteil an die 50.000 Euro in Windmühlen investieren. Anfangs noch als unrentable Liebhaberei belächelt, haben sich Wind- und Solarparks – ähnlich wie konventionelle Schiffs- oder Immobilienfonds – inzwischen zu einer etablierten, professionellen Anlagekategorie entwickelt. Nicht zuletzt dank überdurchschnittlicher Renditen von 5 – 10 %, die durch die Stromeinspeisetarife nach deutschem Gesetz möglich sind. Nachteil der meisten Windfonds dieser Art: man muss das Geld 15 – 20 Jahre binden. Auch im SolarparkBereich ist das – anders als bei Solaraktien, die man an der Börse täglich kaufen und verkaufen kann – die übliche Bindungsfrist. In manchen Regionen wie Bayern hat der Solarstromanteil im Netz das erste Prozent bereits überschritten. Tendenz? Richtig: steigend.

Max Deml

p

Geboren 1957 in Bayern, hat Psychologie und Philosophie studiert und ist seit fast 20 Jahren Autor des Jahrbuches „Grünes Geld“ und Chefredakteur des Börsenbriefs Öko-Invest (oeko-invest@teleweb.at) in Wien. Er hat mehrere Öko-Aktien- und Fonds-Indices entwickelt wie z.B. den Solar-Aktien-Index PPVX. Er ist als Aufsichtsrat bei sechs österreichischen Unternehmen und in verschiedenen Beiratsfunktionen tätig, z.B. seit 1997 bei der oeco capital Lebensversicherung AG in Hannover.


13% meines Gewinns bleiben steuerfrei. Der Unternehmer-Freibetrag bringt eine ordentliche Entlastung für meinen Betrieb!

Von der WKO gefordert. Jetzt in der Steuerreform 2009 durchgesetzt: Der Unternehmer-Freibetrag ab 2010. Heißt konkret: Der Freibetrag für Gewinne wird von derzeit 10% auf 13% erhöht. Für die ersten 30.000 EUR Gewinn entfällt die Investitionsbedingung. Jeder Unternehmer erhält diesen Grundfreibetrag automatisch. Mehr über das Ende der steuerlichen Diskriminierung und wie Sie profitieren: epu.wko.at


BIORAMA

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Interview

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Martha Bissmann

Das Sonnenkind

Milo Tesselaar

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Interview

Das Gefühl täuscht nicht: Diese Frau hat ihre Finger irgendwie überall drin. Die studierte Energie- und Umweltmanagerin Martha Bissmann zeichnet verantwortlich für das Energie Union Projekt, das für erneuerbare Energien durch ganz Europa tourt. Und so ganz nebenbei bringt sie eine Entsalzungsanlage auf Cap Verde auf Schiene. Du hast Umweltmanagement studiert. Ein Exotenfach? Es war für mich ein ganz logischer Schritt, Energieund Umweltmanagement zu studieren. Ein ganz neuer Studiengang in Pinkafeld, Burgenland. Es war ein spannendes Studium, wir waren der erste Jahrgang – Aufbruchsstimmung. Als ich angefangen habe, gab es noch keine Absolventen, und wir fragten uns: Wo kriegen wir überhaupt Jobs? Erneuerbare Energien hatten damals, vor sieben Jahren, ein ganz anderes Image, waren medial lange noch nicht so stark präsent. Und es hat immer geheißen: Erneuerbare Energien sind eh viel zu teuer, setzt sich eh nie durch. Die ganze Atomlobby sei viel zu stark, die Politik mache ja sowieso nicht mit. Das hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Alle Abgänger sind gut versorgt mit Jobs. 18

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Flo Meier

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Fotos

Du betreust ein Projekt zu erneuerbaren Energien auf Cap Verde. Wie kam das zustande? Ich habe meine Diplomarbeit im Ausland geschrieben, ich hatte einen Werkvertrag mit der ADA (Austrian Development Agency) für ein capverdisches Entwicklungsprojekt, „The Wish“. Das ist ein Projekt, das vielseitig und ganzheitlich ist. Es gibt drei Zielregionen auf der größten capverdischen Insel, Santiago. Es sind drei sehr ländliche Regionen, in denen ganzheitlich versucht wird, nachhaltige Entwicklung mit einem sehr partizipativen Ansatz zu fördern. Es geht um Wasser, Hygiene, Gesundheit, landwirtschaftliche Techniken und so weiter. Und eben Energie. Diesen Bereich habe ich übernommen. Ich habe die eff izienteste Energiequelle für die Entsalzung gesucht. Das ist die Windkraft, weil dort konstanter, starker Wind bläst. Gleichzeitig habe ich dort zusammen mit den Lehrlingen vor Ort Solaranlagen für die Warmwassergewinnung gebaut. Wir haben schwarze Schläuche genommen, die für die Bewässerung der Felder genutzt werden und in denen das Wasser durch Erwärmung natürlich und ohne zusätzliche Energie zirkuliert.

Inzwischen bist du bei der Firma WIP in München und arbeitest dort an der Umsetzung dei-


Martha Bissmann

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Interview

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BIORAMA

Anlage plus zwei Windräder. 660 kW Nominalleistung und Projektentwicklungskosten, Investitionskosten insgesamt machen bei dem Projekt knapp vier Millionen Euro aus.

Parallel dazu hast du in den letzten zwei Jahren auch ein anderes Projekt auf Basis deiner Idee entwickelt.

ner Diplomarbeit. Wie kams? Small scale Entsalzung mit erneuerbarer Energie betrieben ist ein sehr junger Bereich, in dem noch sehr viel Forschungsaufwand betrieben werden muss, bis er marktreif ist. Ich habe recherchiert und bin auf WIP gestoßen, ein Unternehmen, das bereits etabliert ist und schon einige Projekte genau in diesem Bereich umgesetzt hat. Die haben mir angeboten, dass ich die Diplomarbeit bei WIP umsetzen kann. Das mache ich jetzt seit über zwei Jahren.

Was kann und macht das Projekt in Capverde? Wir erzeugen Trinkwasser aus Meerwasser. Die für das Entsalzen benötigte Energie beziehen wir aus der Windkraft. Das gewonnene Wasser wird in der Landwirtschaft eingesetzt, und ein kleiner Teil wird als Kommunalwasser an die Gemeinde verkauft. Der Strom wird ausschließlich dafür verwendet, die Energie für die Entsalzung zu liefern. Und für die Pumpen, die man dafür braucht, das Wasser in die Anlage und von den Reservoirs zu den Feldern zu pumpen. Es gibt auf der ganzen Welt kein anderes Projekt, das Wasser für die Landwirtschaft mit Hilfe von erneuerbare Energie entsalzt. Es gibt viele Entsalzungsanlagen, in Saudi Arabien etwa wird 90 % des Wassers aus Entsalzung gewonnen. Aber unseres ist das erste Projekt mit erneuerbarer Energie.

Was hat das Projekt für ein Volumen? Unsere Demonstrationsanlage, die erste, die wir dort auf bauen, entsalzt 1.200 Kubikmeter am Tag. Das ist eine

Das Energie Union Projekt. Inspiriert hat mich hauptsächlich das Buch vom Hermann Scheer „Sonnenstragegie“, in dem er einen ganz großen Teil der weltweiten Problematiken, die wir jetzt lösen müssen, als Folgeerscheinung der Ausnützung von fossilen Energien beschreibt. Und zwar nicht nur die Umweltauswirkungen (CO2), auch politische Konflikte, und sogar das kapitalistische Wirtschaftssystem die Ausbeutung der südlichen Halbkugel, weil das Öl meist von dort kommt. Hermann Scheer sagt: Die erneuerbaren Energien haben das Potenzial, einige der Probleme zu lösen, an denen wir gerade feilen. Das ist so ein klares, wichtiges Wissen, das aber grade in meiner Generation noch nicht wirklich bewusst ist. Ich habe gefunden: Das muss man kommunizieren. Ich bin auf Coldcut gestoßen, eine Gruppe, die schon seit längerem eine Show macht, Musik synchronisiert, mit Videos kombiniert und das so clever und fein darbieten, dass es eine unglaubliche Wirkung auf das Auditorium hat. Die Clips sind immer wieder politisch: Anti-Irakkrieg, BushBlair-Persiflagen, … Ich konnte beobachten, wie Leute in einem Partykontext tanzen und feiern zu guter Musik, die ihnen gefällt, sich das Ganze dann aber innerhalb von einer Millisekunde in eine Art Life-Cinema verwandelt, alle auf die Leinwand starren und eine Botschaft aufnehmen. Es gibt wirklich eine Reaktion vom Publikum, Pfeifen, Johlen, Buh-Rufen. Dann wird wieder weiter getanzt. Das hab ich gesehen und mir gedacht: Das ist mein Kommunikationsmittel, damit will ich arbeiten. Das Thema erneuerbare Energien möchte ich genau mit dieser Technik vermitteln.

Was genau ist also Energie Union? Es ist eine Kampagne um Bewusstsein zu schaffen für die fantastischen und vielfältigen Vorteile der erneuerbaren Energien. Diese Kampagne richtet sich an Jugendliche und verwendet innovative Kommunikationsmedien. Es ist eine Konzerttournee. Wir touren mit einem Zug durch zwölf Länder. In dem Zug wird das gesamte Equipment transportiert. Der Zugwaggon ist auch ein Ausstellungs-Raum. Das ist eine mobile Galerie, mit der wir auch kleine Events veranstalten können.

Was müssen wir von der Politik fordern? Die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen, dass sich die erneuerbaren Energien etablieren können. Um neue Technologie auf den Markt zu bringen, muss sie sub19


BIORAMA

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Interview

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Martha Bissmann

Was denkst du über die EU? Die EU hat sich sehr ehrgeizige Ziele gesteckt mit den 2020 Targets. Bis 2020 sollen 20 % des Energieverbrauchs über erneuerbare Energieträger gedeckt werden, und 20 % der Energie soll eingespart werden. Die EU hat diese Ziele politisch in allen Mitgliedsstaaten durchgesetzt, die Staaten unterstützen das. Das Problem ist, dass es an den tatsächlichen Umsetzungsstrategien etwas hapert. Es mangelt finanziell, die Etats für die erneuerbaren Energien können dem Ziel nicht entsprechen. Im Bereich Forschung und auch im Bereich Marterschließung. Aber es könnte wirklich passieren, dass die EU in eine Art gesunden Wettbewerb mit den USA geht. Die EU hat weltweit schon die Vorreiterrolle und schreibt sich auf die Fahnen: Wir sind die, die das Zeitalter der erneuerbaren Energien einläuten. Ich bin total optimistisch, dass das Ziel zumindest zum großen Teil erreicht werden kann.

Was ist das Solarzeitalter?

ventioniert werden, das geht nicht anders. Beim Wind ist das schon vorbei, Windenergie hat schon eine Stufe erreicht, wo sie ohne Subvention marktf ähig ist. Windenergie wird auch deswegen nicht mehr subventioniert. Bei Photovoltaik und bei Biomasse braucht es beides: sowohl Investitionsförderung als auch Einspeis-Subventionen. Deutschland und Österreich haben weltweit eine Musterrolle eingenommen mit dem EEG, dem Gesetz zur Energieeinspeisung das weltweit, nicht nur in Europa, kopiert wird. Kanada hat zum Beispiel vor Kurzem das EEG gelauncht. Es gilt, wirtschaftliche Anreize zu setzen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich die erneuerbaren Energien durchsetzen können. Das erwarten wir von den Politikern. Und dass öffentliche Transportmittel ausgebaut und gefördert werden.

Popkultur und erneuerbare Energien sind ja zwei Welten, die du mit Energie Union verbinden möchtest. Beides zusammen hat eine enge, lange Tradition. Jeder Song hat eine Botschaft. Erstmal natürlich viele Liebesgeschichten. Aber in den 1960er-Jahren ist die sexuelle Revolution von Musik begleitet und getrieben worden. Die Konsumenten von Popmusik mit einer Message anzusprechen und das auszunutzen, das hat großes Potenzial für Promotion. Auf den Cold Cut Events und vielen anderen Events konnte ich beobachten, dass eine Offenheit und eine Bereitschaft da ist, sich bilden zu lassen, Botschaften anzunehmen, dem ganzen einen Sinn zu geben. 20

Das Solarzeitalter löst das fossile/Nuklearzeitalter ab. Wir befinden uns in der Übergangsphase. Das fossile/nukleare Zeitalter ist durch Verbrennung von fossilen Energiequellen und Förderung von Atom- bzw. nuklearer Energie bestimmmt. Mit allen bekannten Problemen und natürlich auch Errungenschaften. Und im Solarzeitalter wird nun einfach immer mehr auf erneuerbare Energien zurückgegriffen die im menschlichen Zeitraum gemessen tatsächlich unerschöpflich sind: Sonne, Wind, Wasser, Biomasse, auch Geothermie. Und es hat dadurch die Möglichkeit, kleinere, dezentralere Energie- und Wirtschaftssysteme zu schaffen und die Chance, bei der Implementierung des Solarzeitalters nicht nur neue Energie, sondern auch ein neues Wirtschaftssystem einzuführen. Das wird kein schmerzloser Prozess sein, aber es ist schon eingeläutet. Es ist noch unklar, wie das Ganze ausgehen wird, aber es führt eigentlich kein Weg dran vorbei.

Martha Bissmann

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28 Jahre, in Graz geboren und aufgewachsen. Unternahm mehrmonatige Reisen nach Südostasien, um sich zu orientieren. Als vielseitig begabter Mensch wollte sie einerseits eine musikalische, andererseits eine technische Richtung einschlagen. Sie interessierte sich aber auch für Umweltthemen. Schließlich fand sie ihren Weg im Thema erneuerbare Energien, nicht zuletzt wegen ihrer Mentorin, Dagmar Krage, Landschaftarchitektin, Professorin für Ökologie an der Uni Kassel und die erste weibliche Gemeinderätin (parteilos) in Graz.


Bewerbungsschluss am 30. September!

MBA Sustainability Management Berufsbegleitendes Fernstudium (akkreditiert) 4 Semester Teilzeit oder 2 Semester Vollzeit Der erste universitäre MBA zu CSR und Nachhaltigkeitsmanagement ‘This MBA is not only an essential qualification for future corporate leaders, it also provides the necessary ethical framework for management decisions.’ — Jörg Geier, Deputy Secretary (General, Club of Rome)

www.leuphana.de/csm


BIORAMA

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Unternehmen

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Healthy Planet

Eis, frisch gezapft

Christine Schmidhuber

Mittagspause, Sonnenschein. Und jetzt ein Eis. Am liebsten bio. Da macht es dann auch nichts, wenn das Vanilleeis nicht ganz so gelb ist wie das im Supermarkt. Hoffentlich ist die Lieblingssorte noch nicht vergriffen. Aber so ist das bei einer „adhoc“ Manufaktur wie healthy planet in Frankfurt. Guido Jörg (Bild), Karim Teufel, Kai Cornehl und Florian Mayr sind die Köpfe oder besser gesagt die Eismacher von healthy planet. Die Vier haben ein gemeinsames Ziel: „Einen Öko-Mischkonzern zu schaffen und zugleich schlechte durch sehr gute Qualität zu ersetzen“, sagt Florian Mayr. Um dies zu erreichen, haben sie sich für ihre Produkte selbst ein Reinheitsgebot auferlegt. Bei ihnen wird Ganzheitlichkeit vor den Preis gestellt. Sie wollen damit erreichen, dass sich die Umwelt erholen kann und soziale Ungerechtigkeit abnimmt. Ein hoher Anspruch und kein einfaches Unterfangen. Das erklärt dann auch, warum sie nicht einfach nur Eis, sondern Bio-Eis produzieren. „Bei der Suche nach Qualität landet man automatisch bei bio“, so Florian Mayr. Eis, das überzeugt und das seine Fangemeinde findet. Da macht es auch nichts, wenn das Vanilleeis nicht ganz so vanillegelb ist, wie die handelsübliche Ware im Supermarkt. Dafür ist es bio, schmeckt und ist gesund. Es ist teils nicht so süß, denn auf indus22

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Christian Grewe

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trielle Zucker- und Fettzusätze wird komplett verzichtet. Weniger Zucker, weniger Kalorien. Reicht der natürliche Fruchtzucker nicht aus, wird auf Agavendicksaft oder biozertifizierten Rohrohrzucker gesetzt. Ein Heidelbeer-, Mango- oder Himbeer-Softeis wird frisch gezapft und ist sehr farbintensiv, was an einem Fruchtanteil von über 80 % liegt. Entstanden ist es wie alle Eisarten bei healthy planet aus frischer Bio-Milch und saisonalen Zutaten aus biologischem Anbau. Verzichtet wird von Anfang an auf die Zusetzung von künstlichen Stabilisatoren und Aromen. Dass Konservierungsmittel, Bindemittel

und Emulgatoren wie auch Eier in dem Bioeis ebenfalls nichts verloren haben, versteht sich von selbst. healthy planet sieht sich als adhocManufaktur, denn Eis nach ihrem Anspruch kann nicht Tage im Voraus hergestellt werden, sondern am liebsten tagesfrisch. An sonnigen Tagen

wundert es nicht, wenn es nachmittags um halb sechs kein Honig-Mohn mehr gibt: leider schon vergriffen. Dann entscheidet man sich eben für eines der Sorbets, die bei DasEis ohne Milch hergestellt werden und damit lactosefrei sind. An lactosefreiem Milcheis wird zurzeit gearbeitet, und es dürfte ebenfalls bald erscheinen. Neu ist dieses Jahr im Programm der Frozen Yoghurt. Eine erfrischende Alternative bei heißen Temperaturen.


Healthy Planet

Fragen wir Florian Mayr, wie sich die Eissorten auf der Tageskarte zusammensetzen: „Es hängt vor allem von der Verfügbarkeit der Zutaten ab. Da sind wir im Bio-Bereich einfach begrenzt. In unserem Laden in der Hasengasse probieren wir immer zuerst neue Eisideen aus, und je nach Feedback der Kunden geht die Sorte später in das Franchise und auch ins Catering.“ Der Pilot-Laden selbst ist einfach gehalten, nichts Überflüssiges, was letztlich der schlichte Name „DasEis“ auch wiederspiegelt. Neben der Eistheke gibt es lediglich noch einen Kühlschrank mit Bio-Limonaden und -Getränken. Bio-Café ist ebenfalls erhältlich. Das war es auf den ersten Blick aber auch schon – zumindest, was das überschaubare Angebot betrifft.

Da steckt noch mehr dahinter Bei DasEis handelt es sich gleichzeitig um eine enAtomstromfrei ergiesparende Herstellung.

mittels lokaler Energie aus Wasserkraft, wie dies in Frankfurt der Fall ist. Verkauft wird das Softeis in einer Bio-Vollkornwaffel. Wer will, nimmt sich eine der ungebleichten Servietten aus deutscher Produktion dazu. Das Kugeleis gibt es im kompostierbaren Einwegbecher, gelöffelt wird es mit einem CO 2 neutralen Löffel. Wenn abends um 19:00 Uhr die Läden schließen, kommen organisch verträgliche Reinigungsmittel zum Einsatz, bevor am nächsten Morgen in der Manufaktur wieder am Bio-Eis gearbeitet wird. Die Früchte dafür werden nicht eingeflogen, sondern kommen entweder als asepetisch verpacktes Fruchtpüree im Fass Klima schonend per Schiff an oder saisonal direkt vom lokalen Anbieter.

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Unternehmen

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BIORAMA

Obwohl für das Bio-Siegel 95 % reichen würden, setzt healthy planet bei seinen Zutaten auf 100 Prozent biozertifizierte Zutaten. Ein Flug-Ananas-Sorbet sucht man demnach vergeblich. Die 100 % sind für Florian Mayr zugleich ein Alleinstellungsmerkmal. „Wir haben bei Bio dort weitergemacht, wo andere aufgehört haben“, sagt er. Stellt sich die Frage, wie die vier Gründer von healthy planet bei ihrem Franchise-System nicht nur das Reinheitsgebot, sondern auch den hohen Qualitätsstandard halten und gewährleisten? „Wir arbeiten mit unseren Partnern eher auf freundschaftlicher Basis zusammen“, erklärt Florian Mayr. „Für uns ist Nachhaltigkeit wichtiger als die Frage, wer am meisten Umsatz bringt.“ healthy planet selbst ist auf dem besten Weg, 2010 die erste klimaneutrale Bio-Eisproduktion in Deutschland zu werden. Lassen wir sie weiter an ihrem healthy planet zu unserem Wohl arbeiten. Und sollte diesen Sommer die Sonne einmal nicht scheinen, ein frisches Bio-(Soft-)Eis kommt trotzdem in die Vollkorntüte, bevor es im Winter einem Senfsorbet zum veganischen Linseneintopf weicht. Eis für Körper, Geist und Seele.

DasEis An manchen Tagen kommt DasEis auch ein bisschen herum, ist auf Events und im Catering anzutreffen. Seit Kurzem gibt es DasEis in Frankfurt am Main samstags und sonntags auch im Palmengarten. Die Entscheidung Sorbet, Soft- oder Milcheis kann seit Neuestem in noch mehr deutschen Städten getroffen werden. Denn das Eis von healthy planet überzeugt ebenso wie das damit verbundene Franchise-Konzept, das in diesem Fall ‚Friendchise’-System heißt. Pilotshop DasEis, Hasengasse 1-3, 60311 Frankfurt am Main, www.daseis.eu

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krazy baldhe

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haydn für die vertrackt, zeit füße genössisch u nd z m

um tanzen

it 12 remixe AGF (bpitch), s von krazy baldhead (ed marflow (gom b ma), patrick panger), dorian concept, ulsinger (chea cd ab 02.10.0 p), u.v.a. 9 im handel www.rehaydn facebook.co .at m/rehaydn


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Fragen dieser Welt

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BIORAMA

Zachary Bachmann (San Diego, California) via www.droppingknowledge.org Manchmal fragt man sich wirklich ... Ja, was denn? Schickt uns die Fragen, die euch bewegen, an redaktion@biorama.at. Und der Biorama-Fragenindex mit Fragen rund um bewusstes Leben w채chst und w채chst und w채chst. 25


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Umweltschutz

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Fuck For Forest

Die Naturliebhaber

Ursel Nendzig

Mit ihrer Organisation Fuck For Forest bewegen sich Leona, Natty und Tommy genau in der Schnittmenge von Naturschutz und Pornografie. Gegen Gebühr gibt es Zutritt zu ihrer Sex-Bilddatenbank, ein Fünftel davon spenden sie für Wiederaufforstung des Regenwaldes. Sie stellen sich, nackt und bloß, der Zerstörung der Erde. Mit eindringlichem Erfolg. Eine Dreizimmerwohnung, Berlin-Friedrichshain. Ein Sofa, ein Bett, Krimskrams und Poster überall, Aschenbecher, eine Flasche Orangensaft, Räucherstäbchengeruch. Auf dem Bett Leona, Natty und Tommy. Ähnlichkeiten: Dreadlocks, Schneidersitz, Tätowierungen, Ketten, Piercings, lässige Klamotten, sie grinsen. Tommy beginnt zu erzählen. Dass Fuck For Forest in Norwegen begonnen hat, dort, wo er herkommt, vor mehr als fünf Jahren. Dass er und Leona deprimiert waren, sich gefangen fühlten, unbedingt etwas für die Natur tun wollten, von der Verklemmtheit der Leute und der scheinbar selbstverständlichen Zensur genervt waren. Dass ihnen die Doppelmoral sauer aufgestoßen ist, dass im Hauptabendprogramm getötet, aber nicht gevögelt wird. Dass es erlaubt ist, vor der 26

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Fuck For Forest

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Fotos

Kamera Sex zu haben, dann aber ein schwarzer Punkt über die „schmutzigen“ Stellen gemacht wird. Dabei sei Sex doch die essenzielle, stärkste Energie, die es in der Natur gibt! Ohne Sex wären wir schließlich nicht hier! Tiere haben kein Problem mit Sex. Nur bei den Menschen sei er kriminalisiert worden! Auch Nacktheit ist kriminell. Das heißt, wir seien schon verboten geboren worden, weil ohne Kleider an? Leona und Tommy war klar: Die Unterdrückung der eigenen Sexualität zerstört etwas Wesentliches, ist masochistisch und hat uns den Draht zur Umwelt verlieren lassen, lässt uns dabei zusehen, wie der Umwelt schlimm zugesetzt wird. Tommy sagt: „Ficken ist ver-

werf lich. Und Umweltverschmutzung natürlich?“ Zeit zu handeln. „Sexualität und Natur sind miteinander verbunden.“ Nicht nur im positiven,

sondern auch im negativen Sinn. „Oft sind die Leute, die für Krieg und die Zerstörung der Natur verantwortlich sind, die gleichen, die den natürlichen Zugang zu Sex unterdrücken.“ Freie Sexualität als antifaschistisches Statement. Norwegen blieb nicht sehr lange ein guter Standort für Fuck For Forest. „Im ersten halben Jahr gab uns die


Fuck For Forest

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Umweltschutz

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wir spielen gerne herum, und dann treffen wir jemanden, den wir ansprechen, hey, wollen wir Spaß haben und ein paar Fotos machen?“ Genau das passiert dann auch. Hinterm Busch, auf einer Wiese oder einfach mittendrin ( je nach Event) wird gevögelt und fotografiert. Oft sind Leona, Natty und Tommy irgendwie involviert, vögelnd oder fotografierend oder filmend. Die Bilder werden auf die Homepage gestellt. Für einen guten Zweck. Mittlerweile ist eine recht große Community rund um Fuck For Forest gewachsen.

Sexfotos aus aller Welt

Leona und Tommy beim Regenwald-Retten.

Regierung noch Geld für unser ‚Alternatives Umweltprojekt’“, sagt Tommy. „Leider kann man nicht behaupten, dass Pornografie in Norwegen legal ist, auch wenn Fuck For Forest nicht unbedingt Porno ist.“ Wie auch immer. „Die erste Meldung, die es über uns gab, war die, dass die Norwegische Regierung Pornografie sponsert.“

Gute, schlechte Publicity Zusammen mit der Norwegischen Band „Cumshots“ planten die Fuck For Forester eine öffentliche Performance. Eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses kam postwendend. „Die Regierung wollte, dass jeder von uns beiden umgerechnet 1.200 Euro bezahlt“, sagt Tommy, und Leona sagt: „Wir sind einfach abgehauen.“ Alles in allem war die Aktion eine riesige PR-Aktion für Fuck For Forest. Kostenlos. Auf der Flucht vor der Strafe kamen die beiden nach Berlin. Warum Deutschland? Warum Berlin? „Wir hatten Kontakt zur Partyszene in Deutschland“, sagt Tommy. „In Deutschland war Berlin die einzige Stadt, die in Frage kam.“ In Frage dafür, gleich gesinnte Leute zu finden. „Außerdem gibt es viel Natur rundherum, alles ist irgendwie easy.“ Irgendwann trafen sie auch auf Natty, seither die dritte im engen Kreis von Fuck For Forest. Denn so eine Umgebung ist notwendig, damit Fuck For Forest funktioniert. Im Grunde beginnt die „Arbeit“ mit Festivals, die sie besuchen. „Wir sind alle impulsiv,

Diese Freunde, Leute, die überall auf der Welt zuhause sind, schicken Fotos oder Videos von sich, um sie auf der Homepage zu veröffentlichen. Wer Mitglied ist, kann sich ebendort durch Galerien klicken, die mit einer kurzen Beschreibung versehen sind, wie und wo es zum Sex kam. In jeweils etwa

zwanzig Fotos kann sich der Betrachter durch einen gesamten sexuellen Akt klicken, von der ersten Berührung bis zum Orgasmus. Und das ganze sehr (sehr) detailgetreu.

Über tausend Leute haben ihre Fotos „gespendet“, zur Betrachtung auf der Homepage zur Verfügung gestellt. Fotos spenden kann im Prinzip jeder. Nach „Girl Boy“, „Girl Girl“, „Boy Boy“, „Girl“, „Boy“ oder „Group“ lassen sich die Galerien sortieren, oder aber auch nach Nattys, Leonas und Tommys Namen. Die drei sind oft und offensichtlich gerne involviert. „Die Grundlage des Ganzen ist es doch, Spaß an seiner Sexualität zu haben“, sagt Tommy. „Erst in einem zweiten Schritt geht es darum, etwas Sinnvolles daraus zu entwickeln.“ Wer „Fuck“ sagt, muss auch „Forest“ sagen. Denn schließlich geht es nicht „nur“ um Spaß, um Sex und Porno. Die Organisation möchte Gutes bewirken. Und tut das auch – in unerwartet hohem Maße. Jeder, der sich die Sex-Galleries anschauen möchte, muss erst einmal bezahlen. Fünfzehn Euro, „steuerfrei“, sagt Tommy, kostet ein Zugang. Wer drin ist, kann sich die Fotos anschauen. Von den fünfzehn Euro gehen drei für Homepage und Verwaltung drauf. Zwölf kommen der Natur zugute. „Wir kaufen Land um es wieder aufforsten zu lassen“, sagt Tommy. So, als würde es um eine Kleinigkeit gehen, die man am Weg nach Hause schnell mitnimmt. 27


BIORAMA

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Umweltschutz

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Fuck For Forest

„Sexualität und Natur sind miteinander verbunden“, finden die beiden Gründer von FFF.

Fuck For Costa Rica Dabei geht es bei Fuck For Forest schon lange nicht mehr um Kleingeld. „130.000 Euro“, sagt Tommy auf die Frage, wie viel Geld im Jahr zusammenkommt. Er sagt es, als würde er fragen: „Ist das viel?“ In Ecuador und vor allem Costa Rica haben sie Land gekauft, die Wiederaufforstung passiert in Kooperation mit anderen Organisationen. Im Moment warten sie drauf, noch mehr Land kaufen zu können. „Aber es gibt Probleme“, sagt Tommy. „Die Organisation, der wir helfen – International Tree Fund aus den Niederlanden – bekommt auch Geld von christlichen Organisationen.“ Und diese machen Druck auf den International Tree Fund, weil sie mit dem Geld von Fuck For Forest nichts zu tun haben wollen. Die drei lachen, zynisch. „Wir sind im Prinzip für alle Projekte offen“, sagt Tommy, „für alle Projekte, die der Natur helfen.“ Auch wenn der Wald ihr Hauptaugenmerk genießt. „Wald ist der wichtigste

Lebensraum auf unserem Planeten, er bietet so vielen Pf lanzen und Tieren Platz, produziert Sauerstoff und hilft, die Temperatur der Erde niedrig zu halten.“

Ob es sie interessiert, warum sich die Leute die Sexfotos ansehen? Die drei zucken mit den Schultern. So etwas 28

wie Perversion scheint es in ihren Augen nicht zu geben. Das sei der große Unterschied zwischen ihrer Seite und vielen anderen Porno-Seiten. „Wir finden es traurig, dass Pornos und Sex-Clips ins Internet gestellt werden, die Menschen zum Produkt machen“, sagt Tommy. „In so einem Fall haben nicht die, die nackt sind, ein Problem, sondern die, die hinschauen.“ Diese Gefahr bestehe bei Fuck For Forest nicht, alles passiere freiwillig. Pläne für die Zukunft haben die Fuck For Forester keine konkreten. „Wir machen nicht gerne Pläne, sondern tun was und wann wir uns danach fühlen.“ Die Frage, der sie auf den Grund gehen möchten, werde sich aber auch in Zukunft nicht ändern. „Warum ist unser Körper nach Maßstäben von Moral, Religion und der Gesellschaft illegal, fast schon kriminell?“ Und, sagt Tommy, sie werden auch weiterhin „erforschen“, wie die sexuelle Frustration mit der Zerstörung unseres Planeten einhergeht. Die Natur des Menschen – die Gier nach Sexfotos – führt also dazu, dass der Umwelt ein bisschen geholfen wird. Man könnte sagen: ein weiteres Indiz, das für die Theorie von Fuck For Forest spricht. Dass wir mit der Natur ganz eng verbunden sind. Auf die eine oder andere Weise. www.fuckforforest.com


BIORAMA

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Schädlinge

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Sexuallockstoffe

Sex kills!

Miriam Damev

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Bernd Püribauer

Ui, das ist ganz schön gemein. Da duftet es herrlich nach Weibchen, da liegt förmlich Sex in der Luft. Der geile Falter folgt dem verlockenden Odeur. Und landet in einer tödlichen Falle. Ohne, dass sein Verlangen gestillt worden wäre. Liebe geht ja bekanntlich durch die Nase. Die Chemie muss stimmen, wortwörtlich nämlich, zumindest in der Kommunikation der meisten Arten, die uns Menschen umgeben. Unsichtbar und oft geruchlos werden jene stofflichen Signale zwischen Individuen ausgetauscht, um die sich letztendlich alles dreht: Sex. Spezielle Botenstoffe entscheiden innerhalb von Sekunden darüber, ob es zur Paarung kommt oder eben nicht. Bei den Schweinen ist es ein im Eber-Speichel enthaltener Duft, der die Sau willig macht. Auch bei der Besamung bleibt der Duft wichtig: Die Spermien finden ihr Ziel nur, weil sie einer Duftspur folgen, einem Mailglöckchenduft, den die Eizelle abgibt. Nun, nicht nur Schweine, Elefanten oder Mäuse, sondern auch Insekten kommunizieren nicht nur über optische und akustische Reize, sondern setzen auch olfaktorische oder chemische Signale; Weibchen sondern artspezifische Sexuallockstoffe ab, um Männchen anzulocken. Das ist schon seit der Antike bekannt. Doch erst seit fünfzig Jahren hat das Kind einen Namen: Pheromone. Gebildet wurde die Neuschöpfung aus dem griechischen pherein, das soviel wie „übermitteln“ heißt, und hormon für „erregen“. Fast zur selben Zeit konnte auch das erste Pheromon identifiziert werden: Bombykol, das Sexualpheromon des Seidenspinners Bombyx mori. Das Ergebnis zeigte nicht 30

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nur, dass es eine chemische Kommunikation zwischen Tieren gibt, sondern dass man die entsprechenden Substanzen auch tatsächlich isolieren kann.

Schädlinge im Visier Heute sind die Pheromonkomponenten von über 1.000 Insektenarten bekannt, darunter viele Motten und Käfer. Im Visier der Forscher befinden sich seit Jahren die Lockstoffe von Schädlingen: Traubenwickler, Pflaumenwickler, Apfelwickler, Schalenwickler – sie alle sind vor allem in der Landwirtschaft wegen ihrer gefräßigen Larven gefürchtet. Eine ganze Industrie beschäftigt sich mit ihren Pheromonen, deren chemische Zusammensetzung es zu entschlüsseln gilt. Denn die Sexu-

alpheromone, die Insekten bei der Partnersuche aussenden, weisen verschiedenartige Duftnoten auf: Während jenes der Blattlaus nach Katzenminze riechen kann, duftet es bei dem Schmetterling nach Erdbeere.

Erst wenn man weiß, womit man es zu tun hat, können entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen werden. Das Perfide daran: Die armen Tierchen werden dabei mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Verwirrung lautet die Devise, etwa beim Traubenwickler, der schon so manchen Weinbauer an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. Heute wird er in vielen Weinbaugebieten nicht mehr chemisch bekämpft, sondern schlicht und einfach mit Duftwolken „verwirrt“. Die Winzer hängen Duftspender (Dispensoren) in den Weingärten aus. Dabei wird der Sexuallockstoff des


Sexuallockstoffe

Schmetterlings gleichmäßig verteilt. Innerhalb eines Tages baut sich eine Pheromonwolke – für den Menschen völlig ungefährlich und nicht wahrnehmbar, für die paarungswilligen Traubenwickler jedoch fatal – auf. „Männliche Motten versuchen immer noch die weiblichen Falter zu finden. Die große Anzahl zusätzlicher Pheromonquellen, die sich alle gegenseitig Konkurrenz machen, führen aber dazu, dass die Männchen nicht mehr wissen, welcher Duftfahne sie folgen sollen“, erläutert Hannes Gottschlich von der österreichischen Firma Biohelp, die seit 20 Jahren erfolgreiche Pionierarbeit für den biologischen Pflanzenschutz leistet. „Wir bezeichnen das Phänomen gerne als ‚verwirrte Lust’. Trunken vor Liebe, kommen die Männchen trotz aller Anstrengungen nicht zum Ziel, und die Weibchen sterben an gebrochenem Herzen“.

Verwirrte Rebflächen Klingt zwar nicht besonders elegant, ist aber einfach, effizient und umweltschonend. War es bei chemischem Pflanzenschutz üblich, mehrfach im Jahr gegen den Traubenwickler mit Insektiziden vorzugehen, so sind die Dispenser lediglich ein einziges Mal auszubringen und gewähren dann einen gleichmäßigen Schutz über das gesamte Jahr – ohne jegliche Umweltbelastung. Heute werden österreichweit etwa 1.500 Hektar Weinanbaugebiet ohne Einsatz von Chemie Traubenwicklerfrei gehalten. Das entspricht etwa 3,5%. Eine winzige Fläche, wenn man bedenkt, dass in der Schweiz und in Deutschland bereits mehr als die Hälfte der Rebflächen ‚verwirrt’ sind. „Die Methode funktioniert aber nur dann, wenn alle Win-

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Schädlinge

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BIORAMA

zer eines Gebietes an einem Strang ziehen“, so Hannes Gottschlich. „Für eine gleichmäßige Verteilung des Duftes brauchen wir ein homogenes Gebiet. Weigert sich ein einziger, müssen alle anderen wieder auf die Chemiekeule zurückgreifen.“ Doch bevor die synthetischen Lockstoffe überhaupt zur Anwendung kommen dürfen, müssen sie ein langwieriges Zulassungsverfahren über sich ergehen lassen. Die entsprechenden Kompetenzen dafür liegen bei der AGES, der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. „Das dauert mehrere Jahre und kann bis zu 13.000 Euro kosten“, seufzt Hannes Gottschlich. Trotzdem tüfteln die Mitarbeiter von Biohelp ständig an der Entwicklung neuer Strategien, um den ebenso liebestollen wie gefräßigen Faltern den Garaus zu machen. Seit Kurzem haben sie einen neuen „Feind“ im Visier – den Johannisbeerglasflügler. Die Zulassung ist da, der entsprechende Duft bereits entschlüsselt und verpackt. Jetzt soll er endlich zum Einsatz kommen. Die Jo-

hannisbeerglasf lügler erwartet dabei ein ähnliches Schicksal wie ihre Artgenossen im Weinbau, nämlich ein nicht enden wollendes Liebesspiel, bis hin zur völligen Erschöpfung, das meist auch zum Tod der Insekten führt. „Leider ist´s verlorene Liebes-

müh“, sagt Hannes Gottschlich nicht ganz ohne Schadenfreude. „Denn zum Zug kommt hier letztendlich keiner.“ Mit Ausnahme des Landwirts natürlich. www.biohelp.at 31


BIORAMA

/ / Sex

ABC

A wie Aubergine. Das große Biorama-Sex-ABC Der Titel ist Programm und so bedarf es keiner großen Einleitung: Sex ist gut mit Liebe oder auch nur Lust, ist wichtig, für jeden anders, mal hart, mal zart, ist feucht und dreckig, abgründig, befreiend, heilsam und auch einsam gut. Und offen darüber zu sprechen, macht ungemein viel Spaß. A wie Auberginen

Magdalena Vukovic

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der Bodyshop-Gründerin Anita Roddick) und umfasst mittlerweile mehrere Boutiquen und einen Online-Shop. Sie ist auch Urheberin von Bondage for Freedom, einer Plattform, die kreative Dienstleistungen für Menschenrechts- und Umweltorganisationen anbietet. Bondage for Freedom ist so etwas wie der aktivistische Zweig von Coco de Mer. www.coco-de-mer.co.uk sssbondageforfreedom.com

Die PETA hat in eindeutig zweideutigen Kampagnen klar gemacht, dass Gemüse und Obst sexy sind. Beim Verkehr mit Früchtchen (Fructophilie?) ist aber Vorsicht geboten, und die Bio-Variante erweist sich wieder als die Bessere, da die meisten Spritzmittel sich ja in der Schale festsetzen. Ein Kondom ist auch zu empfehlen, um lästige Pilze, andere Infektionen oder Verletzungen zu vermeiden.

D wie Der sagenumwobene und dabei ziemlich leicht zu findende G-Punkt

B wie Beautifulagony

Michelle Houellebecq schreibt zu Recht mehrfach von der Wichtigkeit, den Hoden gebührende Beachtung zu schenken. Mit vollem Mund sind die Hände frei und können sich wie eine sanfte Schale um die Eier legen. Der richtige Druck ist das Geheimnis – nicht zu viel und nicht zu wenig, als ob man ein rohes Ei bearbeitet. Lecken ist nicht unbedingt notwendig, und bei richtiger Handhabung bekommt man bald den Inhalt zu sehen.

Beim Orgasmus kommt es zu seltsamen und unschön verzerrten Gesichtern, die – einmal zu Gange – aber durchaus anregend sind. Die verschiedensten Fratzen, Schnuten oder Töne werden da zutage gefördert. Von den stillen Genießern über die hastigen Drängler bis hin zu den ekstatischen Schreihälsen kann man sie nun alle schamlos (und leider kostenpflichtig) beim Erreichen jenes höchsten Punktes beobachten. www.beautifulagony.com

C wie Coco de Mer Was macht man bloß, wenn man SM, Bondage, Sexspielzeug oder Reizwäsche für sich entdeckt hat, aber den Sexshop um die Ecke abstoßend findet? Man kauft sein fairtrade spanking paddle bei Coco de Mer. Das Unternehmen wurde von Sam Roddick gegründet (Tochter

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Jene ca. 2 – 3 cm große, schwammige Zone, die man am besten findet, indem man den Finger reinsteckt und dann mit der Fingerkuppe gen Nabel zeigt und rubbelt (oder was man eben gut findet). Einmal entdeckt, wird er zum aktlichen Pflichtprogramm – keine Hexerei!

E wie Eier kraulen

F wie Feuchtgebiete Ein guter Ansatz von Charlotte Roche. Flott, ganz offen und unverblümt über den Sex unserer Generation zu sprechen. Es hätte das revolutionäre Auf klärungsbuch unserer Zeit werden können: gegen Hygienewahn, Analphobie und für ein besseres Körpergefühl. Arschknapp am Ziel vorbei, wurde ein Sammelsurium an idiosynkratischen Kraftausdrücken zum Bestseller.


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G wie GLU Nachdem Lesben noch immer so etwas wie exotische Nischensexualität sind und sie im Gegensatz zu Schwulen keinen Fixstern im Kosmos der Kreativen darstellen, gibt es jenes wunderbare holländische Magazin. Gegründet von 2 Frauen, ist GLU (Girls Like Us) so etwas wie das weibliche Pendant zum berüchtigten Butt-Magazine: Graf isch ansprechend, cool-culture-orientiert, politisch unkorrekt, voll mit Interviews und lesenswert.

H wie Haare da unten und unter den Achseln Im Schritt ist bei Frauen von mädchenglatt bis Naturbusch wieder alles erlaubt, also sollte man sich wieder auf das größere Tabu, nämlich die Achselhaare, konzentrieren – es erweist sich als inhaltlich ertragreicher: Patti Smith ist auf dem Cover von „Easter“ so schön.

I wie Idioten Lars von Trier wurde scharf kritisiert für dieses Dogma-Werk. Es handelt von einer Interessensgemeinschaft für Anarchie, die sich der Gesellschaft entzieht, indem sich die Beteiligten nach außen als geistig behindert geben. Die Gruppensex-Szene ist unabhängig von den scharfen Zungen der Filmstudenten inspirierend, befreiend und irgendwie auch anregend.

J wie Jungsheft Wenn man durch Berlin spaziert, sieht man viele hübsche, nette Jungs. Wenn man sie nun splitterfasernackt mit Erektion sehen will, sollte man sie für den Anfang charmant in ein Gespräch verwickeln. Für die Faulen, Schüchternen, Vergebenen und alle anderen auch, gibt es alternativ das „ Jungsheft – Porno für Mädchen“. (Das Pendant für Männer ist übrigens das ebenso liebenswerte Giddyheft.) www.jungsheft.de

K wie Keramikdildo Wie schön wäre es, wenn man sich für sein Spielzeug nicht schämen müsste, für diese pinkfarbenen, Weichmacher-verseuchten, beäderten, vibrierenden Undinger?

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Wären sie einfach nur glatt und hübsch, wie eine Zigarrenhülle und aus einem Material, das sich unserer Körpertemperatur anpasst, zum Beispiel Keramik. www.dieempfangsdamen.com

L wie Lümmeltüten Der Latex-Geruch von Kondomen ist ekelhaft und verdirbt einem manchmal regelrecht die Stimmung. Die „Lümmeltüten“ von der Firma Lebenslust aus Köln sind nicht nur geruchsneutral, sondern auch klimaneutral hergestellt, mit Natur-Latex aus fairem Handel. www.lebenslust.biz

M wie Marina Hantzis Im Porno-Business kennt man sie unter dem Namen Sasha Grey. Mit kleinen Brüsten, vollem Schamhaar und benannt nach einer deutschen Industrial-Band, gehört sie zu einer neuen Generation Pornodarsteller. Sie spricht in Interviews offen über ihren Beruf, das Genre im Allgemeinen, Godard oder auch die Situationisten und ist gerade mal 21 Jahre alt.

N wie Nase Abgesehen davon, dass der Eskimokuss zu den nettesten Berührungen zweier Menschen, die sich gern haben, gehört, ist die Nase vor allem ein Riechorgan. Vom Schritt bis zu den Achselhöhlen findet man beim Sex – im Alltag noch verschmäht – plötzlich die absonderlichsten Gerüche anziehend und erregend. Mit etwas ätherischen Duftölen besprüht, ist man dann ein wandelndes Bouquet betörender Wohlgerüche. (z.B. Naturparfüm L’amour von Farfalla. www.farfalla.ch)

O wie Ovid Mit den Ars amatoria schuf Ovid einen Liebes-Leitfaden, der bis heute Gültigkeit hat. Er schrieb, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, welche Körperform für welche Stellung geeignet ist und wie man sich einen dazu passenden Liebhaber angelt. Kaiser Augustus freilich fand die Frivolitäten wenig lehrreich und ließ den armen Ovid ans Schwarze Meer verbannen. Heute, fast 2000 Jahre später, darf ich in vielen Fällen stolz verkünden: NASO MAGISTER ERAT. 33


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P wie Porno, Green Dafür muss man Isabella Rosselini einfach noch mehr lieben: Die Kurzfilmserie „Green Porno“ – seit 2008 auf dem Sundance Channel zu sehen – ist ganz entzückend gemacht. Tierische Balzrituale mit der italienischen Grande Dame des Kinos, wärmen die Seele und sind unglaublich komisch. www.sundancechannel.com/greenporno

Q wie Queef In Ermangelung eines deutschen Wortes – Scheidenfurz klingt ja geradezu abstoßend – sollte die englische, onomatopoetische Version bei uns Einzug finden. Beim Sex ist der flatus vaginalis, einmal richtig hart zu Gange (sog. Rammelsex), oft ungehalten, den Frauen dann immer recht peinlich und den Männern meist egal (oder sie überhören ihn kulant).

R wie Reizend Die Sinne anregen kann man besonders gut mit Düften, Ölen oder Gewürzen. Sich scharf machen mit Chili (Scharfmacher-Gewürzmischung von Sonnentor, www.sonnentor. de), anregen mit dunkler Schokolade (Gipfelbitter von Mitzi Blue, www.mitziblue.com) und massieren mit bestem Arganöl (in jedem gut sortierten Bioladen erhältlich).

Großbritannien spezialisieren sich auf sexy nachhaltige Unterwäsche. www.enamore.co.uk

V wie Vanille Von Kondomen bis zu Massageölen, hat die Königin der Gewürze beim Sex-Zubehör fast überall ihre Finger im Spiel. Unser redaktionsinterner Favorit ist das Bio-Gleitgel von Starglide, Geschmacksrichtung „Wilde Vanille“. www.starglide.de

W wie Weibliche Ejakulation In Lifestyle-Magazinen wurde jene Entleerung der „weiblichen Prostata“ zum Mythos hochstilisiert – ein ähnliches Schicksal ereilte den G-Punkt und den multiplen Orgasmus. Die meisten glauben ja gar nicht daran, und kommt es dann doch einmal zu diesen feuchten Freuden, ist die Verwunderung groß, wie man denn nun am eigenen Harndrang vorbeificken konnte.

X wie X Wörter für Geschlechtsteile Fotze, Pimmel, Mumu, Hupen, Fut, Fickloch, Lustknochen, ... Im richtigen Moment richtig ausgesprochen, können die bösen Wörter Wunder wirken.

S wie Sexuell übertragbare Krankheiten

Y wie Yoga

Heute spricht man in den Medien von Aids, HPV bis hin zum gemeinen Scheidenpilz überschwänglich und gerne über alles – durchaus verständlich, ist doch zum Beispiel die Syphilisrate seit 2004 in Deutschland deutlich gestiegen. Im Privaten freilich fühlt man sich dann aber erst mal sehr allein mit fiesen Pusteln und komischem Ausfluss da unten. Wenn man dann endlich schamgebeugt und Rat suchend an die Öffentlichkeit geht, wird man mit Verwunderung feststellen, dass man in den meisten Fällen, wie so oft, leider nicht alleine ist. So viele haben oder hatten STIs (Sexually Transmitted Diseases) und so wenige sprechen darüber. Dabei ist gerade eine frühe und richtige Diagnose von äußerster Wichtigkeit.

Dass die Inder schon vor Jahrhunderten, im Gegensatz zu heute, ein viel offeneres Verhältnis zu Sex hatten, zeigen die prallbusigen Statuen aus der Gupta-Periode (der übrigens das Kama Sutra entsprang). Auch deren Volksport Yoga verträgt sich ganz hervorragend mit unser aller liebsten Volkssport. Yoga vereint Körper und Geist, entspannt, vertieft die Verbindung zum Partner, macht gelenkiger und hat noch viele weitere positive Effekte – nicht nur, aber eben auch aufs Sexleben.

T wie Transpiration Schon der weise Sven Väth hat jene klare Körperflüssigkeit als Nektar der Begierde erkannt. Ausgestattet mit Sexualduftstoffen und der nahe liegenden Eigenschaft, den eigenen und eventuelle andere Körper nass und rutschig zu machen, gehört der Schweiß gerade im Sommer zum Schärfsten, was so aus uns raustropft.

U wie Unterhosen aus biologischer Baumwolle Die Unterwäsche-Industrie hat die biologische Baumwolle für sich entdeckt. Naheliegend, denn man lässt sie ja ganz nah an die Haut, die man mit Giften nicht belasten möchte. Zur Zeit ist das Angebot klein und vor allem naturweiß, aber gerade kleine Labels wie Enamore aus 34

Z wie Ziemlich guter Sex Guter Sex ist natürlich relativ, aber die meisten berichten von ihren besten Erlebnissen, wenn sie sich ganz und gar „fallen lassen konnten“ und das Gefühl hatten, dass ihr Gegenüber ungemein scharf auf sie ist. Von exzessivem Hinternklatschen, halbherzige Befreiungsversuche bis zum Rückenstreicheln setzt man am besten ganz viele Zeichen, wie geil man den anderen gerade findet.


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BIORAMA

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Rohstoffe

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Latex

Elastisch fantastisch

Ursel Nendzig

Über Chirurgenfinger gezogen, auf den Penis gestülpt, Latex nützt und schützt. Wer macht sich im Eifer des Gefechts schon Gedanken darüber, wo das Wundergummi herkommt, ob und warum viele allergisch darauf sind und unter welchen Bedingungen es hergestellt wird? Ein Rundumblick mit Erdbeergeschmack. Es sei „eine der weltweit ersten Kondomserien, die aus fair gehandeltem Natur-Latex hergestellt werden“, heißt es bei den Lümmeltüten, Kondomen made in Germany. Es wird auch gleich erklärt, was die Lümmeltüten fairer als andere Kondome macht. Dass der Fairtrade-Mindestbetrag für den Latex bezahlt wird. Dass es sogar noch einen Aufschlag zur Förderung sozialer Projekte gibt. Dass externe Experten die Arbeitsbedingungen überwachen, dass es keine Kinderarbeit gibt. Dass dieses weltweit bislang einmalige Konzept von FairDeal Trading Partnership entwickelt wurde. Klingt gut. Ist es auch. Denn nicht alle Gummis entstehen unter annehmbaren Bedingungen, ganz im Gegenteil. 36

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Text

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Eva Hebenstreit

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Illustration

Latex, was ist das überhaupt? Latex, Naturlatex, ist der Milchsaft verschiedener Pflanzen, vor allem jener des Kautschukbaumes. Beim Anritzen der Rinde fließt der Saft heraus. Aus einem durchschnittlichen Kautschukbaum (die können bis zu zwanzig Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von bis zu 75 Zentimeter erreichen) fließen am Tag etwa sieben Gramm. Der so gewonnene Naturlatex wird mit Ammoniak versetzt, eingedampft, zentrifugiert. Der Großteil wird zu Festkautschuk verarbeitet – der Wasseranteil wird abgeschieden und das Latex getrocknet. Durch Vulkanisation entsteht

das, was man Gummi nennt. Daraus entstehen Reifen, Handschuhe, Luftballone, Polster, Matratzen, Bungee-Seile. Und Kondome. Ein paar Zahlen

Fast die Hälfte des weltweit für Gummiartikel verwendeten Kautschuks stammt aus der Natur. Es sind einige wenige Staaten, die den weltweiten Bedarf nach Latex decken. An die zehn Millionen Tonnen Naturkautschuk beträgt der Bedarf rund um die Welt, (der Verbrauch von


Latex

synthetischem Kautschuk beläuft sich auf über 13 Millionen Tonnen), über drei Millionen davon werden allein in Thailand produziert. Indonesien und Malaysia rangieren auch ganz vorne in der Liste der größten Produzenten von Naturkautschuk. Die drei Länder stellen drei Viertel des weltweiten Bedarfs. Im Jahr 2007 stieg der Verbrauch von Naturkautschuk um 5,4 % auf 9,71 Millionen Tonnen. Größter Abnehmer im Naturkautschuk-Zirkus: China. 75.000 Tonnen wurden etwa im ersten Quartal 2007 in die Volksrepublik verschifft. In die USA gingen im gleichen Zeitraum nur 15.000 Tonnen, nach Deutschland 36.000. Unter welchen Bedingungen Latex hergestellt wird, ist immer wieder Thema heißer Diskussionen. Etwa drei Dollar verdient ein Gummisammler am Tag, muss dafür sein Material oft kilometerweit tragen, von Ruhetagen keine Rede, in Hütten ohne Strom und Wasser leben. Nicht selten arbeitet die ganze Familie inklusive Kinder mit. In Liberia, Rang neun der größten Produzenten, gibt es etwa 11.000 Gummisammler, insgesamt arbeiten (zeitweise) etwa 100.000 Menschen für die Reifenherstellung – 3% der Bevölkerung sammelt Gummi für den Reifenriesen Firestone. Nach langen Diskussionen unterzeichnete die Gewerkschaft „Firestone Agricultural Workers Union of Liberia“ im August letzten Jahres ein Papier, das um 20 % höhere Löhne, bessere Arbeits- und Wohnbedingungen und Ausbildungsmöglichkeiten für die Arbeiter garantiert. Ein historisches Übereinkommen, das da

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Rohstoffe

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BIORAMA

getroffen wurde. Aber wäre es nicht viel einfacher, den Bäumen ihre Ruhe zu lassen und Gummi im Labor herzustellen? K lar, Latex kann mittlerwei-

le auch synthetisch hergestellt werden. Aber der künstliche reicht bei Elastizität und Konsistenz einfach nicht an das Vorbild der Natur heran. Kondome sind und bleiben also aus Naturkautschuk.

Schön schützend Schön, so ein Gummi – schützt Ärzte, Krankenschwestern, Prostituierte und alle, die Safer Sex haben. Nützt beim Autofahren, Bungee-Jumpen und Schlafen. Schön langsam, das kann man beobachten, wird unser Organismus dem Gummi aber überdrüssig: Etwa 3 % der deutschen Bevölkerung sind bereits Latex-Allergiker. Bei medizinischem Personal, Leuten, die täglich mehrere Stunden mit Latex in Berührung kommen, wird der Anteil der Allergiker auf bis zu 17 % geschätzt. Jeder fünfte also. Was eigentlich reizend ist, sind die Proteine, die aus der Milch des tropischen Gummibaumes stammen. Sie reizen die Haut beim Überstülpen, auch die des Patienten, wenn der Arzt einen Latexallergiker berührt. Partikel gelangen in die Atemwege, wenn das Puder der Handschuhe, das kleinste Teilchen der Proteine trägt, eingeatmet wird. Luftballons können Asthmaanfälle provozieren. Und bei Operationen kann so ein Latexhandschuh in den Eingeweiden des Allergikers auch bedeuten: Schock. Und Exitus. Handschuhen und Luftballons kann man ja noch aus dem Weg gehen. Der Atemluft nicht ganz so einfach. In Städten werden uns die immer „besseren“, immer länger haltbaren Autoreifen zum Verhängnis. Inzwischen ist der Abrieb der Gummipartikel so fein, sind die Teilchen, die in der Luft schweben, so winzig, dass wir ständig Latex einatmen. Das ist nicht nur für Allergiker ein riesengroßes Problem, sondern auch für Noch-nicht-Allegiker. Durch den ständigen Kontakt, durch das ständige Einatmen von kleinsten Latexteilchen, wird der Körper erst sensibilisiert. Die Voraussetzung dafür, dass sich eine handfeste Allergie entwickelt. Und die ist dann wirklich immer mit dabei. Und der Sex ist plötzlich gar nicht mehr so safe. www.fairdealtrading.com 37


BIORAMA

/ / Sex

Elektroautos

Wo ist bloß der Sex geblieben? Was waren das für Zeiten, als Maschinen noch vor Kraft vib-rierten, stampfend ihre geballte Kraft spürbar machten. Zischten, schnaubten, bevor sie losgelassen wurden, tausende Pferdestärken lospreschten. So wie beim ..., Sie wissen schon. Tempi passati! Unwiederbringlich vorbei. Auf den Technikfriedhof wurden die edlen Dampfrösser von charakterlosen Elektrolokomotiven verbannt. Diese summen und brummen – mehr nicht. Unerotisch wie Feinrippunterwäsche.

Wo ist der Sex geblieben im Massenverkehr? Tausende Trainspotter wollen den Tod der Kolosse nicht hinnehmen, schlagen sich Spannern gleich durch Gebüsch und Unterholz, lauern an Bahndämmen, wann immer Dampfloks fahren. Nun haftet den Eisenbahnromantikern nicht der Ruf an, besonders sexy zu sein. In Alarmbereitschaft muss uns da versetzen, dass nun auch der Tod des Sex im Individualverkehr droht. 38

Mathias Rittgerott

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Text

Elektrobetriebene Sportwagen! Das klingt paradox wie Schnitzeljagd für Vegetarier, wie wenn Goethe durch die Bäume schillert. Doch Tesla Roadster, Lightning GT, EQmotion Spyder oder Mind-set mit Elektropower - bei ihnen allen hat der Tank den Kampf gegen den Akku verloren. X Kilowattstunden, y Stunden Akkukapazität, z Reichweite bis die Spannung bei Null anlangt – wo bleibt da der Sex? Wen man überlegen muss: was bedeutet Watt, was Volt, was Ampere? Gut, wir ertragen bereits andere unerotische Beleidigungen für die Sinne: Wie Trinker von alkoholfreiem

Bier, behaupten, das schmecke so gut und sie seien keine Wirkungstrinker. Wie Mitmenschen, die angestrengt lächelnd auf Liegefahrräder daherstrampeln. Das sei ja sooo bequem. Diese Ökopedalisten in hautengem Radleroutfit fragen zudem mit vorwurfsvoller Stimme: Was soll an Autos sexy sein? Ist die Technik sexy? Dann müssten uns Großcomputer und Uranzentrifugen ebenso wuschig machen. Ist das Design sexy? Dann müssten uns Produkte von


Elektroautos

Apple und Herrn Colani in den Wahnsinn treiben. Ist es der Protzfaktor? Wie hormongestählte, tätowierte Oberarme? Wie fette Boni massbeanzugter Banker.

/ / Sex

BIORAMA

Fette Autos stehen für Potenz und Kraft, Eigenschaften, die Männer mitbringen müssen, um ihre Familie zu ernähren und vor Feinden zu schützen – zumindest als wir noch in Höhlen hausten. Nun mögen wir moderner leben als Menschen in grauer Vorzeit, unser Hirn scheint sich, was unbewusste Verhaltensmuster angeht, nicht weiterentwickelt zu haben. Ein Männchen mit einem Kraftprotz an Auto erringt Geschwindigkeitsvorteile bei der Nahungsbeschaffung, in der Theorie. Denn zumeist fahren Frauen zum Einkaufen – mit dem fünftürigen Zweitwagen, denn in den Ferrari-

mangelt es sogar an einer Rückbank. Ein Kombi, ja da könnte Zwischenmenschliches gelingen, dennoch gelten diese Kutschen als unerotisch hoch vier. Zu Kombi wechselt der Automobilist, sobald sich das erste Kind ankündigt – der Kinderwagen muss ja verstaut werden. Sex erledigt – Auto dröge. Doch woran liegt es, dass Sportwagen – Elektroantrieb hin o-der her – rasant an Sex einbüßen. Sind die Manager alle jüngst Vater geworden? Erst wirft Porsche ernsthaft den Viertürer Panamera unters Volk – lieferbar mit einer phallusgleichen, allerdings hinten aufragenden Anhängerkupplung. Vom Sportpanzer Cayenne ganz zu schweigen. Einen solchen sieht man nie verdreckt, weil der Besitzer im Adrenalinschub durch die Pampas geheizt wäre. Die größte Hürde für den Wagen scheinen Bordsteinkanten vor Eisdielen darzustellen.

Testarossa-Kofferraum passen die Wocheneinkäufe inklusive Bierkästen nicht. Bleibt das Automobil als nonverbales Zeichen des balzenden Mannes, dass er über dominante Gene verfügt. Kfz und Sex im Dienste der Fortpflanzung kann man nicht getrennt denken – auch wenn´s gymnastisch wehtut. Wer einmal versucht hat, in einem Fiat 500, einem Polo oder Atos zudringlich zu werden, weiß: Da geht nicht viel. Mehr Platz bietet ein Ferrari aber auch nicht. Dem

Wo bleiben ernstzunehmende Sportwagen, wenn sie VW Porsche einverleibt? Man muss das vielleicht ausschreiben, um das ganze Ausmaß der Misere zu ergründen: Porsche gehört zu Volkswagen, zu Polo, zur KäferDynastie. Wie bereits Lamborghini und Bugatti. Wer Lamborghini noch sexy zu finden vermag, dem ist sowieso nicht zu helfen. Die italiensche Polizei fährt mit zwei der Geschosse Streife! Blau-weiß lackiert, wie es dortige Peterwagen sind. Man mag in Kulturpessimis-

Ist es der Sound, der einem die Ohren wegfönt?

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/ / Sex

Elektroautos FOTOS The Lightning Car Company

BIORAMA

mus verfallen. Ausgerechnet in Italien geht die Erotik der Kraftfahrzeuge flöten. Silvio hilf! Fast mag es als Rettung erscheinen, dass Ingenieure angesichts dieses Niedergangs Sportwagen die PS-gewaltigen Motoren rauben wollen, um sie in batteriebetriebene Elektrovehikel zu veredeln. Die Technik ist noch moderner – purer Sex. Designer setzen zu neuen Höhenflügen an. Der Geil-Faktor? Potentiell immens. Der Motorsound dröhnt und blubbert künstlich in Digital-Qualität. Noch mögen Elektroautos so anmuten, als bemühte man ein batteriebetriebenes Hilfsmittel beim Akt, statt auf die natürliche Kraft der Lenden zu setzen. Statt breitbeinig damit zu prahlen, wie viel Sprit der Bolide schluckt, kann der E-Autosportler lediglich auf Kilowattstunden verweisen – und läuft Gefahr, dass Hausfrauen das in die 40

Betriebsdauer von Staubsaugern umrechnen. Überhaupt, die bewundernden oder neidischen Blicke vom Golf GTI-Volk bleiben aus, wenn man nicht mehr zur Tanke rast, sondern nächtens in der Garage das Auto ans Stromnetz hängt – unbesehen, im Schutze der Nacht. Doch die Zeit wird die Wunden der SportwagenFraktion heilen, die noch Benzin im Blut hat und nicht Elektronen in den roten Blutkörperchen. So wie es in China inzwischen egal ist, ob die Katze sozialistisch oder kapitalistisch ist, die Mäuse fängt, kann uns Schnuppe sein, ob Super-Benzin oder Strom einen geilen Rennwagen vorwärts schießt. Hauptsache, er sieht scharf aus, macht kräftig Radau und explodiert von 0 auf 100 in wenigen Sekunden – und hält die Spannung länger als zwei-, dreihundert Kilometer.


Deborah Sengl

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Galerie

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BIORAMA

Die Brandladies „Sich den Luxus erzüchten“, so war der Arbeitstitel dieser Serie von Deborah Sengl. Seit ungefähr 2001 arbeitet sie an dem, was heute den Titel „Brandladies“ trägt. „Der Grundgedanke war, Frauen zu zeigen, die am liebsten mit Luxusmarken verschmelzen würden, sich damit identifizieren.“ Maserati, Porsche, Yves Saint Laurent, Helena Rubinstein. Die Brandladies tragen die Marken als zweite Haut. „Weil viele denken, etwas Besonderes zu sein durch den Luxus eines Labels. Dabei sind sie nur Teil einer Masse.“ Die Grundlage der Arbeiten sind die Playmates des berühmtesten Centerfolds, dem des Playboys. „Die Frauen, die es auf den Centerfold schaffen, sind nach wie vor der Inbegriff des Schönheitsideals“, sagt Deborah Sengl. Sie suchte sich als Grundlage für ihre Arbeit die Bilder aus den 1960ern und 70ern aus. „Auf diesen Bildern hat mir das ganze Drumherum, das Interieur, die Posen einfach gefallen.“ Überhaupt, die Centerfolds haben für die Künstlerin eine ganz eigene Dynamik. „Sie zeigen, wie sich das Schönheitsideal entwickelt hat, zum Beispiel die Scham-

behaarung. Wie in einem Daumenkino sieht man sie immer weniger werden, dann verschwinden, wieder kommen. Auch die Brüste schrumpfen und wachsen im Lauf der Zeit. Und der Bildausschnitt verändert sich, mal lag der Fokus auf der Oberweite, dann wieder wurde der ganze Körper gezeigt.“ Bei ihren Bildern geht es aber eigentlich „weniger um Sex und das Frauenbild der Männer“. Sondern darum, wie die Frau sich sehen möchte, wie sie sich in ihrem Drang nach Luxus den Marken und Logos unterwirft. Unter den Bildern stecken tatsächlich echte Centerfolds, die Deborah Sengl auf Ebay ersteigert oder in Second Hand Läden gekauft hat. Diese sind mit Acryl und Lack übermalt. Die Bilder sind 42 x 59 cm groß, Mischtechnik auf Papier. Deborah Sengl wird von der Wiener Galerie Steinek vertreten, wo ab 8. September ihre Einzelausstellung „All You Can Lose“ zu sehen sein wird. Es geht dabei um Schönheitsideale, Übergewicht, Ernährung, darum, was nach dem großen Fressen kommt. www.deborahsengl.com 41


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#2

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Fragen dieser Welt

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BIORAMA

Manchmal fragt man sich wirklich ... Ja, was denn? Schickt uns die Fragen, die euch bewegen, an redaktion@biorama.at. Und der Biorama-Fragenindex mit Fragen rund um bewusstes Leben w채chst und w채chst und w채chst. 47


21โ€“26 OKT 2 0 09 GRAZ

F EST I VA L FรœR ZEI T GE N ร– SSISCH E MU SIK , K U NST UN D P O LI T I S CHE N D ISK U R S   lll#ZaZkViZ#Vi

EL E VATE T HE C RI S E S !

ELE VATE MUSIC!

B^iZ^cZbjb[Vc\gZ^X]ZcEgd\gVbbVc9^h`jhh^dcZc!Ldg`" h]deh!Kdgig~\ZcjcY;^abeg~hZciVi^dcZcl^aaYVh:aZkViZ ;Zhi^kVa'%%.ojbWZhhZgZcKZghi~cYc^hYZghX]lZgl^Z" \ZcYZc@g^hZc!Y^ZY^ZBZchX]]Z^iV`ijZaakdg\gdย›Z=ZgVjh" [dgYZgjc\ZchiZaaZc!WZ^igV\Zc#:^clZhZcia^X]ZhO^Za^hiZh! Y^ZWZhiZ]ZcYZcOjhVbbZc]~c\ZjcYLZX]hZaWZo^Z]jc\Zc ol^hX]ZcYZcZ^coZacZc@g^hZc`aVgojbVX]Zc#

BASS CLEF (UK) BYETONE (DE) CHANNEL-F (AT) CHRISTOPH FRINGELI (CH) CLARA MOTO (AT) CLUSTER (DE) COOLY G (UK) DAMO SUZUKI (JP) DARKSTAR (UK) DAVE AJU (USA) DJ SCOTCH EGG (JP) EVANGELISTA (US) FFF (NL) GLITTERBUG (DE) I:GOR (PL) IKONIKA (UK) JACKMASTER (UK) JAHCOOZI (DE) JON HOPKINS (UK) KING MIDAS SOUND (UK) KK NULL (JP) KODE9 & THE SPACEAPE (UK) L-VIS 1990 (UK) LADYSCRAPER (UK) M.A.R.S. (AT) MARTYN (NL) MICACHU & THE SHAPES (UK) MICROTHOL (AT) OMAR S (US) PORTABLE AKA BODYCODE (PT) RAY OKPARA (DE) REFLECTOR (AT) SEEFEEL (UK) THE CLONIOUS (AT) THE INCREDIBLE HEXADECIBELS (NZ) THE STRIGGLES (AT)

IZ^acZ]bZg>ccZc6jhoj\/ :^cZgYZglZailZ^i[ย“]gZcYZc:meZgiZcojI]ZbZcl^Z :gc~]gjc\h"`g^hZ!<ZdZc\^cZZg^c\!CVcdiZX]cdad\^ZjcY Ig~\ZgYZh6aiZgcVi^kZcCdWZaegZ^hZh!Pat Mooney (CA); YZg Eja^ioZg"EgZ^hig~\Zg[ย“g^ckZhi^\Vi^kZc?djgcVa^hbjh'%%.jcY CNI^bZh?djgcVa^hiDavid Barstow (US);Y^Z?djgcVa^hi^c! 9ZbdXgVXnCdl6cX]dgldbVcB^iWZ\gย“cYZg^c!hdl^Z Ig~\Zg^cYZhVaiZgcVi^kZcCdWZaegZ^hZh'%%-!Amy Goodman (US);YZg:meZgiZ[ย“gcVX]]Vai^\Z:gc~]gjc\hhnhiZbZjcY Ig~\ZgYZh778GVY^d)9ZgZ`8ddeZg6lVgYh[dgWZhi[ddY XVbeV^\cZg$ZYjXVidg!Geoff Tansey (UK);YZg=^hidg^`ZgjcY DG;@dggZhedcYZciDr. Raimund Lรถw (AT);Y^Z@jg^Zg"@dajb" c^hi^cjcYVcYZg;=L^ZcaZ]gZcYZ?djgcVa^hi^cDr. Anneliese Rohrer (AT)Y^ZHdo^dad\^c!EjWa^o^hi^c!7jX]Vjidg^cjcY 7ZgViZg^c^cYZg:cil^X`ajc\hojhVbbZcVgWZ^i!Dr. Christa Wichterich (DE)0jcYk^ZaZbZ]g###

UND VIELE MEHR ...


Sex

Summer Lovers

Bree Zucker

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Fotos

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Magdalena Vukovic

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/ / Mode

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Produktion

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Sex

/ / Mode

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vorige Seite Hanna ist fröhlich in einem String von American Apparel, Su-

terhose von Gudrun Sjöden aus Lyocell-Trikot. Nika weiß was er tut in einer

stainable Edition aus biologischer Baumwolle und Wollstrümpfen aus Groß-

Unterhose von American Apparel, Sustainable Edition.

mut ters Kleiderkasten.

diese Seite Ara und Hanna sind kindisch in Gudrun Sjöden Unterwäsche und

linke Seite Ara ist aufgeregt in einer Dirndlbluse vom Flohmarkt und Un-

tragen Sonnenbrillen von Marc Jacobs und Bot tega Veneta. 51


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/ / Mode

Sex

DIESE SEITE Ara posier t fruchtbar in einem Slip aus biologischer Baumwolle

rechte Seite Hanna ist gerade erst aufgestanden und hat sich ein T-Shir t

von Skiny. Hanna und Ara dösen in Unterwäsche aus biologischer Baumwolle

von Katherine Hamnet t für H&M aus biologischer Baumwolle übergezogen.

von Skiny. Nika schläf t friedlich wie Got t ihn schuf. 52


Sex

/ / Mode

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Körperpflege

Balsam für Haut und Seele

Magdalena Vukovic

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Marktplatz

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Auswahl

Die heißen Tage des Jahres verlangen nach einer leichten, erhebenden Sommerromanze und einer ebenso leichten Pflege, sowie nach passendem Schutz gegen Sonnenbrand und Mückenstiche.

Feuchtigkeitsspender:

Mückenschutz:

Deodorant:

Anti Mück Körperspray von Aries in trauter Zweisamkeit mit Outdoor Lotion Citronella von Druide.

Kristall Deo Roll-on von Sante in flagranti erwischt mit Citrus Deodorant von Weleda.

Sonnencreme:

Verhütungsmittel:

Sonnenmilch (LSF 20) von Lavera auf Tuchfühlung mit Sonnencreme (LSF 15) von Erbaviva.

Hauchdünnes, geruchloses, „Lümmeltüten“ von Lebenslust

Facial Toner (Mandarine, Limette) von Pangea Organics bei ersten Annäherungen an Feuchtigkeitsspray (Neroli Cassis) von Primavera.

Fair-trade Kondom 55


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Ernährung

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Kann denn Südfrucht Sünde sein? / / / Michael Huber

Text

Nana Mandl

Illustration

Exotisches Obst ist verführerisch – doch wer den süßen Reizen von Ananas, Mango und Papaya erliegt, sollte auch an Fairness und Bio-Qualität denken. Eine Traumfabrik sieht anders aus: In den Lagerhallen von Ahorner am Stadtrand von Wien, wo im Morgengrauen Arbeiter Paletten in LKWs verladen, ist es kühl, fast unwirtlich. In Reih und Glied stehen die Kartons voller Bananen, Ananas, Mango und Papaya auf dem glatten Boden, es duftet nach – nichts. Nur einige offene Kisten geben eine Ahnung von dem exotischen Reiz, den die hier verteilten Waren später, im Regal der Supermärkte und Obsthändler, versprühen werden. Ein Großmarkt, wie er so und ähnlich in allen europäischen Ballungsräumen existiert, holt verklärte Ideen von natürlichen Nahrungs56

mitteln rasch auf den Boden der agroindustriellen Realität zurück. Dennoch transportiert exotisches Obst die Idee vom Reichtum der Natur so überzeugend wie nur wenige Lebensmittel sonst. Bei Südfrüchten zeigt sich das Dilemma des modernen Konsumenten: Theoretisch kennen wir die Segnungen des lokalen Essens, wissen vom großen CO2-Rucksack, den eingeflogene Ware mit sich bringt. Zugleich rühmt sich der urbane Bourgeois Bohemien seines weiten Horizonts und bezieht Stolz aus der Kenntnis verschiedener Geschmäcker und Küchen. Selten ist die Versu-

chung so groß, über die guten ÖkoVorsätze hinwegzusehen wie im Obstregal.

Dass Obst so verführerisch ist, liegt an einer evolutionären Überlebensstrategie: Anders als Gewächse, die


Südobst

sich mit bitteren Geschmäckern, Dornen oder gar Gift gegen das Verspeistwerden stemmen, legen es Obstpflanzen darauf an, dass ihre Früchte gepflückt und ihre Samen auf diesem Weg verteilt werden. Im Tropenklima ist der Kampf um Aufmerksamkeit besonders hart: Da buhlen Mangos mit besonders goldgelben Farben um Esser, ein reifer Granatapfel stellt seine roten Samenkapseln wie Rubine zur Schau, und die Ananas verströmt einen himmlischen Duft.

Wundersame Säfte Viel spricht dafür, dass reife Früchte ihren Pflückern auch noch ein ernährungsphysiologisches „Zuckerl“ mit auf den Weg geben. Viele jener Stoffe, die für Farbe und Duft sorgen, können auch gesundheitsfördernd wirken. So genannte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe haben in den vergangenen Jahren den Fokus der Forschung auf sich gezogen und interessante Eigenschaften gezeigt. So wies eine Gruppe um den Forscher A. Aviram bei einer längeren Versorgung von Risikopatienten nach, dass die im Granatapfelsaft enthaltenen Polyphenole antioxidative Eigenschaften und vorbeugende Wirkung bei Arteriosklerose haben. Das Enzym Bromelain wiederum, das in der Ananas enthalten ist, gilt als wundheilend und entzündungshemmend. Und der Saft der Grapefruit wurde in verschiedenen Studien auf seine Eigenschaft untersucht, die Wirkung von bestimmten Arzneien zu hemmen oder zu verstärken. Trotz aller Wundermeldungen sind sekundäre Pflanzenstoffe noch eine Großbaustelle der Forschung – oft ist unklar, wie sich einzelne Substanzen außerhalb ihres komplexen organischen Zusammenhangs verhalten. Das hindert die Industrie nicht, einzelne Früchte zum Wundermittel auszurufen. Als Ende der 80er neuseeländische Kiwis ihren Weg in mitteleuropäische Supermärkte fanden, warb man mit dem hohen Gehalt an „Vitamin C“ – nun folgen Hinweise auf Polyphenole und andere Substanzen, um Obst zum „Functional Food“ zu stilisieren. Das Bromelain der Ananas wurde auch als „Fatburner“ beworben – obwohl der Abnehm-Effekt keine

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Ernährung

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wissenschaftliche Basis hat, sind auch Ananas-Diätpillen noch immer am Markt. „Bei hohen Dosierungen bin ich immer skeptisch“, erklärt die Ernährungswissenschafterin Gabriele Wolf aus Röhrnbach in Bayern. Sie ortet bei ihren Beratungen auch ein „immens hohes Maß an Allergien, die durch die Exoten auftreten“, ein zu hoher Konsum an Südfrüchten könne problematisch sein. Den Siegeszug der Ananas konnten diese Effekte nicht auf halten: Der Ananas-Konsum stieg in Österreich von 1,7 kg pro Kopf im Jahr 2002/3 auf 2,7 kg pro Kopf im Jahr 2007/08 an, in Deutschland, wo keine gesonderten Konsumzahlen vorliegen, lag der Import 2006 bei 146,446 Tonnen. Dass die vollen Segnungen der Südfrüchte im Reife-

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BIORAMA

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Ernährung

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Südobst

stadium zum Tragen kommen, stellt die Obstversorger allerdings vor ein Problem: Lassen sich die

Qualitäten von richtig gutem Obst denn überhaupt für die Erfordernisse eines Langstreckentransports und eines globalisierten Handels konservieren? Wie viel tropische Sonne ist im Kühlraum am Stadtrand noch übrig? Herr Certak, ein Angestellter im Großhandel, deutet auf eine Box voller Papayas, die ein wenig abseits der übrigen Ware steht. In der gelben Haut sind leichte Druckstellen. „Es kommt immer wieder vor, dass schlechtes Obst dabei ist“, sagt Certak. „Wir müssen das im Preis natürlich einkalkulieren.“ Certak führt mich in die Nebenhalle, wo ein Gabelstapler eben Paletten voller Bananenkisten in einen Raum schlichtet, der wie eine riesige Garage aussieht, mit einem „Chiquita“-Logo am Tor. Bananen – die mit Abstand meist konsumierten exotischen Früchte – werden grün geerntet und erst im Lager unter Zufuhr von Sauerstoff „endgereift“. Eine Chiquita-Farbtabelle unterscheidet sieben Farbstufen - Stufe fünf („vollgelb mit grünen Spitzen“ wird laut Marktforschung am liebsten gekauft (41% der Konsumenten mögen diese Farbe beim Verkauf, 23% beim Verzehr). Die halbharte Banane aus dem Supermarkt kann im Obstkorb zuhause noch gelber werden.

Die Reifeprüfung Der Weg von der so genannten „Pflückreife“ zur „Genussreife“ ist je nach Frucht und Sorte unterschiedlich. Einige Sorten von Mangos und Papayas können relativ hart geerntet werden und halten so lange, dass sie einen Schiffstransport nach Europa überstehen. Die Vollmundigkeit einer frisch gepflückten Mango erreichen diese Sorten aber kaum. Die „Flugmangos“ aus Brasilien, die Certak aus einem Karton nebenan zieht, sind da schon ansehnlicher: angenehm weich, duftend, knallrot. „Wenn Früchte genetisch keine Nachreifephase haben, hat es auch keinen Sinn, sie durch geeignete Lagermethoden zum Nachreifen zu bringen“, sagt Karl Vogl, 58

der Direktor der Wein- und Obstbauschule Klosterneuburg und Dozent an der Universität für Bodenkultur Wien. „Kiwis werden etwa genussreif geerntet und im Kühllager auf einem Status gehalten, sie reifen aber nicht mehr weiter. Auch eine ganz unreif geerntete Mango wird nicht mehr nachreifen.“ Von der ernährungsphysiologischen Zusammensetzung her würden sich „pf lückreif “ geerntete Obstsorten nicht allzu sehr von vollreifen unterscheiden, erklärt Vogl: Die Umwandlung von Stärke in Zucker und Aromastoffensowie der Auf bau von Vitaminen sei im Wesentlichen erfolgt. Hier beginnt ein Graubereich, in dem sich Überlegungen zu Gesundheit von jenen zum Genuss nicht mehr klar trennen lassen. Klar ist: Wer vollreifes Süd-Obst will, nimmt damit meist Flugtransporte in Kauf. Und die laden einen CO2-Rucksack auf


das Obst, der jenen von heimischem um ein Zigfaches Ăźbersteigt. Wenn Lebensmittel ohne Flugmeilen auskommen, plagen andere Faktoren das Gewissen: Die

3PEZIALSORTIMENTE UND2ARITiTEN F~R+ENNER UND'ENIEÂ&#x2020;ER

Gewächshäuser und KĂźhllager, die etwa bei Produktion und Transport von Ă&#x201E;pfeln oder Erdbeeren nĂśtig sind, laden mitunter mehr Umweltgift auf das Obst als eine Produktion unter der tropischen Sonne mit anschlieĂ&#x;endem Ein Schiffstransport.

Anbau in fernen Ländern trĂźbt aber oft den Blick auf die Produktionsbedingungen: So zeigten Arbeitskräfte, die in indischen Mango-Plantagen Pestizide sprĂźhten, schwere Atemwegs-erkrankungen, HautentzĂźndungen und Darmerkrankungen. Das Pestizid DDT gilt in Indien trotz eines off iziellen Verbots noch immer als weit verbreitet. Derart unsaubere Produktionsbedingungen bringen nicht nur fragwĂźrdige Substanzen in die westliche Nahrungskette, sie untergraben auch die Gesundheit der Wirtschaft vor Ort. Wie die Organisation Global 2000 dokumentierte, haben etwa Ananas-Monokulturen in Costa Rica massive Sozial- und Umweltprobleme geschaffen: Abholzungen und Ă&#x153;berdĂźngung ruinieren die BĂśden, Arbeiter verdienen rund 75 EuroCent pro Stunde, haben keinen Zugang zu Sozialleistungen und werden schikaniert, sobald sie sich gewerkschaftlich engagieren. Die Fairtrade-Labeling-Organisation (FLO) hat die Problematik erkannt und unterstĂźtzt Fair-Trade-zertifizierte Ananas, die auch Bio-Kritierien genĂźgen. Der GroĂ&#x;handel an der Wiener Peripherie hat die FrĂźchte offiziell im Sortiment, im Lager sind an jenem Morgen aber nur die herkĂśmmlichen Kisten aus Costa Rica zu sehen. Es gehe eben um Angebot und Nachfrage, sagt Herr Certak und zuckt mit den Schultern. â&#x20AC;&#x17E;Am

Ende schauen die Leute ja doch aufs Geld.â&#x20AC;&#x153; Es liegt also wieder einmal an den Konsumenten, einen Unterschied zu machen.

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BIORAMA

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Marktplatz

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Ernährung

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Sexy Summer Smacks 1

5 Mirjam Bromundt

/ Vivani – Schokolade mit Chili

Chili wird ja eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt und ist in Kombination mit dunkler Schokolade wohl der perfekte Abschluss eines feinen Essens. Der Kakao „Arriba“ kommt direkt von Kleinbauern-Kooperationen aus den Regenwäldern Ecuadors und ist wie die restlichen Zutaten des dunklen Glücks natürlich aus kontrolliert bio-logischem Anbau. www.vivani.de

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/ Sweet-Love-Tee

Hagebutte, Apfel, Hibiskus, Rote Bete, Vanille, Rosenblüte und Honigblatt – alles 100% bio – sind in der fruchtig-süßen Teemischung von Lebensbaum enthalten, die das Herz der/des Trinkenden höher schlagen lassen soll. Und funktioniert`s nicht gleich mit der inneren Wirkung, so lässt sich mit selbst zubereitetem (Eis-)Tee auf jeden Fall bei der/ dem Gewollten Eindruck schinden. www.lebensbaum.de

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/ Tequila

Buen Amigo – guter Freund – nennt sich der erste Bio-Tequila, der im Sommer eisgekühlt über den Gaumen fließen sollte. Aus 100% Agave und mindestens drei Jahre 60

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in Eichenfässern gereift, darf der Buen Amigo auf der geplanten Sommerparty keineswegs fehlen – pur oder ganz einfach im nächsten Sex on the Beach. www.buenamigo.com

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/ Kürbiskernöl

Nach steirischer Art geröstet und gepresst werden die Kürbiskerne aus kontrolliert biologischem Anbau für dieses leckere Kürbiskernöl. Auf frische Sommersalate, zu Ziegenkäse oder einfach so mit Brot gibt das Öl vielen Gerichten den speziellen Kick und bringt vielleicht Abwechslung in das nächste Picknick im Freien. www.bioplanete.com

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/ Pocket Garden

Kräuter sind das Um und Auf eines beeindruckenden Gerichts, und das Fehlen eines Gartens respektive Balkons dafür keine Ausrede mehr. In den Tüten von Pocket Garden sind ökologische Erde plus Samen schon drin, Wasser, Licht und ein bisschen Geduld sind Aufgabe der/des Pflanzenden, und schon bald findet das schmackhafte wie gesunde Grün seinen Weg auf den Tisch. www.thepocketgarden.com


VERPACKUNGSREVOLUTION bei SPAR Natur*pur Die neue Bio-Müsli-Sorte mit Pekannüssen ist nicht nur umweltverträglich verpackt, sondern auch gesund: Pekannüsse strotzen vor wertvollen, ungesättigten Fettsäuren. Bei SPAR, EUROSPAR und INTERSPAR gibt‘s außerdem Knusper Bio-Müsli mit Früchten, Schokolade und ein Bio-Bircher Müsli – alle in der neuen, innovativen Verpackung.

ANZEIGE Fotos: istockphoto, SPAR

werden etwa drei Tonnen Holz benötigt, die zerkleinert und als Zellulosebrei aufbereitet werden. Auch die Reststoffe werden sinnvoll genutzt. Fossile Ressourcen werden entlang der gesamten Prozesskette geschont – von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung. Klimafreundlich und CO2neutral sind die innovativen Beutel, weil beim Verrotten auf dem Kompost Österreichische Qualität Das revolutionäre Bio-Müslisackerl der nur jene Kohlendioxid-Menge freigeBio-Eigenmarke ist genauso sauerstoff- setzt wird, die die Pflanze während der undurchlässig wie ein herkömmlicher Wachstumsphase aufgenommen hat. Folienbeutel und hält daher das BioMüsli ebenso knusprig. Den innovati- Wegweiser „kompostierbar“-Logo ven Bio-Beutel hat das Tiroler Unter- Damit unterscheidet sich der Zellulosenehmen Pro-Tech, das schon 2007 die Beutel auch in der Entsorgung von herbiologisch abbaubaren INTERSPAR- kömmlichen Verpackungsstandards, Einkaufssackerln aus Kartoffelstärke denn er ist zu 100 Prozent biologisch entwickelte, für SPAR ausgetüftelt. abbaubar und kann ohne Bedenken auf dem Kompost verrotten. Deshalb darf sich die SPAR Natur*pur 100 Prozent Natur Bio-Müsli-Verpackung, als Zellulose ist der Hauptbestandteil einzige im Handel, auch pflanzlicher Zellwände und die mit dem „kompostierbar“häufigste organische Verbindung in der Natur. Für eine Tonne Rohmaterial Logo schmücken. SPAR packt als erstes Unternehmen in Österreich Bio-Produkte in eine biologisch abbaubare Verpackung: Ab sofort werden die Frischhalte-Beutel der SPAR Natur*pur Knusper Bio-Müslis aus umweltschonender Zellulose hergestellt – einem nachwachsenden, CO2neutralen Rohstoff.


BIORAMA

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Ich und die Anderen

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Daniela Lindner

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Ich und die Anderen

3 Daniela Lindner

Wer Naturkosmetik sagt, sagt oft auch Annemarie Börlind. Hier zeigt uns ihre Schwiegertochter auf welche Produkte sie außer den hauseigenen noch nicht verzichten kann. Meine Schwiegermutter, Annemarie Lindner, gründete 1959 zusammen mit ihrem Mann Walter und Herrn Börner die Naturkosmetikmarke Annemarie Börlind. Wir feiern also in diesem Jahr unser 50jähriges Jubiläum und zählen zu den führenden Unternehmen der Branche. Eine kleine Anekdote, die mir meine Schwiegermutter erzählte: Anfang der sechziger Jahre betrat sie neben vielen anderen Reformhäusern, die sie von ihren Produkten überzeugen wollte, auch ein Geschäft in Esslingen am Neckar. Mitten in der Beratung kam plötzlich ein kleines blondes Mädchen aus einem Nebenraum, trat an die Theke, die es kaum überragte, und grüßte sehr selbstbewusst mit großen neugierigen Augen. Viele Jahre später stellte sich heraus: Das Reformhaus war das meines Großvaters und das kleine Mädchen war ich. So lernte ich meine Schwiegermutter also lange vor meinem Mann kennen. Wer hätte das gedacht... 62

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Text

Meine Lieblingsprodukte:

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1 Ich habe viele Lieblingsprodukte, je nach Anlass das passende Einzelprodukt oder die für mich passende Pflegeserie. Von Tautropfen lasse ich mich gerade jetzt in der warmen Jahreszeit von unserem Aquatau, dem Fackelliliennektar, erfrischen. Für die tägliche Gesichtspflege morgens und abends verwende ich die Serie NatuRoyale von Annemarie Börlind. Produkte, die ich außerdem gerne verwende:

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2 Extrem lecker finde ich die Voelkel-Säfte. Da schmeckt man jede Frucht einzeln raus.

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3 Für unsere jüngste Tochter (10 Jahre) gibts Rotbäckchen-Saft. (Damit bin ich schon aufgewachsen, ich bin ein echtes Reformhauskind.)

/ Die Landkrone Brotaufstriche – z. B. Zwiebello. 5 / Zum Naschen sind bei der ganzen Familie die 4

Dinkelchen von Natur Markt beliebt.


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BIORAMA

/ / Test

Gummizeugs

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Gib Gummi

Magdalena Miedl

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Jawohl, Vitamine und Naschen sind eine schöne Mischung, die Gummitiere, die wir hier getestet haben, mussten allerdings nur das Kriterium „gut“ erfüllen. Dabei unterstützte uns eine Expertin: Ida ist drei Jahre alt und Gummibärenfetischistin. Anzufügen ist noch: Der vegane Süßgenuss, mit ausschließlich Apfelpektin statt tierischer Gelatine, ist grundsätzlich verschieden, persönliche Vorlieben schließen eine echte Vergleichbarkeit aus. 1

/ Cola ohne Koks

Es sieht aus wie ein Kegel beim Bowling, auf dem „Bio-Cola“ steht: Die charmanten Bio-Colafläschchen schmecken genau so, wie sie sollen. Vielleicht ein wenig zu süß, etwas zu wenig Colageschmack, der freundlichste Tester nennt das „zart und hintergründig“, die Säure ist in jedem Fall angenehm. Ida sagt: „Schmeckt süüüß!“ Und will noch eins. Albio, Bio-Cola-Bottles, Extra-aromatisch 100g, Mit Apfelpektin und rinderfreier Gelatine 64

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/ Vegane Schweineohren

Die Erdbeerstangen haben geschmacklich vor allem eine Eigenschaft: unauf f ällig. Sie duften leicht nach gebranntem Zucker, und die Verpackung mit ihren sehr benutzerfreundlichen Symbolen erinnert an Spielzeug. Doch nicht nur Ida, die gerne länger herumkaut, f indet die Stangen irgendwie super: „Das ist zäh wie Reifengummi – perfekt für Leute, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen!“, empf iehlt ein Tester, und eine andere behauptet: „Ich komme mir vor wie ein Hund, der auf einem Schweineohr herumkaut!“ Und welcher Hund fühlt sich dabei nicht wohl? Candy Tree, Erdbeere 75 g, Vegan

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/ Spaßstangerl

Wir, die wir unser Taschengeld heimlich nach der Schule beim Bäcker in saure Gummischlangen investiert haben: Die sauren Fruchtsticks sind für uns gemacht! „Ursauer und obergeil“ lautet das Urteil, sehr fruchtig,


perfekte Säure, die Konsistenz ist passabel, ein wenig zu weich vielleicht. Und Ida? Findet sie vor allem innen super. Alnavit, Saure Fruchtsticks, Mit Fruchtsaft 75 g, Apfelpektin, Gelatine

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/ Steinreich

Sooo nett, wie kleine bunte Edelsteine: Die winzigen weichen Biobons wohnen zwar in einer langweiligen Verpackung, sind aber wunderschön. Das Geliermittel Apfelpektin und das Weglassen tierischer Gelatine bedeutet, dass die Konsistenz nicht alle Tester glücklich macht, aber geschmacklich sind die bunten Winzlinge spitze. Findet übrigens auch Ida, die bunte Muster aus den Bonbons legt. Bio-Bon, Soft-Fruits, Ohne Gelatine 100g, Fairtrade

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/ Zehenzucker

Es hilft alles nichts. Seit einer berüchtigten Fernsehwerbung müssen bei Joghurt-Bonbons alle Tester immer an Heidi Klums Füße denken. „Aber eh super eigentlich“, urteilt einer von uns. Die Bio-Joghurtfrüchte schmecken jedenfalls rahmig-cremig, Frauenmagazine würden das wohl ein richtiges „guilty pleasure“ nennen. Wir mögen es jedenfalls. Ida findet die Früchtchen allerdings langweilig und spielt weiter mit den Chilidrachen und Gummibären fangen. Albio, Bio Joghurtfrüchte, Mit rinderfreier Gelatine, aus ökologischer Agrarwirtschaft, 80 g

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/ Stummer Gummi

Echte Gummibären, aber ohne deutschen Talkmaster: Die fruchtigen Biobären sind richtig gut, alle sechs (!) Farben sind eindeutig Früchten zuordenbar ( Johannisbeere, Ananas und mehr), die Konsistenz ist spitze, die fast wachsartige Außenhaut gefällt, und der Gesichtsausdruck der todgeweihten Tierchen ist sogar richtig ansprechend, Ida freut sich. Nur eine Testerin findet: Zu fruchtig! Wenn schon gummi, dann richtig künstlich! Dennree, Gummibärchen, Mit Gelatine 400 g

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/ Erwachsen naschen

Kandierter Ingwer ist wohl eher nichts für Kinder. Die erwachsenen Tester stellen fest: lecker! Zum nebenbei Knabbern ist diese Nascherei für manche vielleicht zu intensiv im Geschmack, man muss sich richtig konzentrieren. Zum Tee vielleicht? Die Tester werden experimentell. Zu gebratenem Fleisch? Warum eigentlich nicht? Sonnentor, Ingwer kandiert, 75 g


BIORAMA

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Rezept

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Gewürzöl

Das Rezept im Bild. Diesmal: Gewürzöl

Ursel Nendzig

Mini-Aufwand, mega-Wirkung. Gewürzöle sind im Handumdrehen fertig, fordern keine großen Kochkünste und machen trotzdem das perfekte Geschenk her. Wir zeigen, wie es geht. Aber Vorsicht: Alle Gewürze, die hier eingeölt werden, sind starke Aphrodisiaka. 1 Hier sind sie, die Zutaten. Je nachdem, wie groß die Flaschen sind, die befüllt werden sollen, brauchen wir möglichst hochwertiges Olivenöl – ein kalt gepresstes, biologisches sollte es mindestens sein. Welches pflanzliche Öl verwendet wird, ist hauptsächlich Geschmackssache. Wer den Eigengeschmack von Olivenöl nicht mag, kann auf Erdnussöl oder Rapsöl zurückgreifen. Für alle Öle gilt: dunkel und kühl lagern. Denn das UV-Licht (zer)stört bloß die Farbe.

2 Schreiten wir zur Tat. Und greifen wir zuerst zur Vanilleschote. Allein schon ihre Form scheint die Lust steigernde Wirkung zu bestätigen. Das schützt sie nicht davor, nun der Länge nach mit einem scharfen Messer entzweit zu werden. Drückt man die Hälften sachte auseinander und fährt mit dem Messer an der Innenseite entlang, löst sich das Mark leicht ab. Wir lassen es aber dort, wo es ist und geben die Schote in die zuvor durch Auskochen sterilisierte oder zumindest richtig gut ausgewaschene Flasche.

3 Nun zu den Chilis, den kleinen scharfen Dingern. Um ihnen von der Schärfe etwas zu nehmen, schneiden wir die Kappe ab und entfernen die Kerne aus der Schote. Es empfiehlt sich, getrocknete Chilis zu verwenden. Frische Zutaten eignen sich deswegen nicht, weil das im Fleisch vorhandene Wasser sich nicht mit dem Öl vermischen, der Geschmack sich also auch nicht ausbreiten würde. Abgesehen davon überleben Bakterien, die das Öl zum Kippen bringen könnten. Manche Bakterien können rein theoretisch sogar tödlich sein. Also besser erst trocknen, dann in Öl legen. Genau das machen wir jetzt. Die Chilis kommen ebenfalls in die Flasche.

4 Auch die Form des Ingwers, dick und fest, verspricht 66

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Text

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Stefan Knittel

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Fotos

Potenz. Die Wurzel (eigentlich müssen wir sagen: das Ingwer-Rhizom, der unterirdische Hauptspross) gilt als Alleskönner und scheint in nahezu jeder Lebenslage eingesetzt zu werden. Von Verdauungsstörung bis Entzündung. In unserem Fall pochen wir auf die aphrodisierende Wirkung des Ingwers. Er wird nicht geschält, denn damit geht Vieles vom Geschmack verloren. Wir schneiden den Ingwer einfach in dünne Scheiben. Und ab damit in die Flasche.

5 Wenden wir uns nun dem Koriandersamen zu. Die riechen derweil noch recht unspektakulär und schmecken irgendwie eigenartig scharf. Eine Runde in der Pfanne lässt die Samen dunkler werden, und unwiderstehliches Aroma steigt auf. Es duftet nach leckerem Tee oder gutem Brot, würziger Natur. Auch der Geschmack hat sich verändert. Nussiger, intensiver, aber zugleich weniger aggressiv. Wie alle Gewürze wird auch der Koriander trocken – also ohne Öl – geröstet. Wichtig: In der Nähe des Herdes bleiben. Wir wollen nichts anbrennen lassen.

6 Die Flaschen werden mit Öl aufgegossen, bis alles gut bedeckt ist. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Wir spannen Vanille und Chili zusammen, genauso Koriander und Ingwer. Genauso gut könnte man alle vier in eine Flasche geben (und damit eine gefährliche PotenzBombe erschaffen!) oder jede Zutat für sich. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann auch Knoblauch, Trüffel oder frische Kräuter (Rosmarin, Salbei oder ähnliches – in diesem Fall die Kräuter waschen, gut trocknen und das Öl nach zwei Wochen abseihen) verwenden.

7 Die Öle müssen nun zwei Wochen in dunkler, kühler Umgebung ruhen und die Chance bekommen, alle Aromen auch wirklich aufzusaugen. Nach dieser Zeit verkosten wir die Öle. Sind sie zu intensiv, nehmen wir einfach die Gewürze heraus und gießen mit Öl wieder auf. Schmeckt das Öl noch nach gar nichts, geben wir wieder Gewürze dazu und warten wieder zwei Wochen. Ist das Aroma genau richtig, sind unsere selbst gemachten Gewürzöle fertig. Hoffentlich werden sie ihre Wirkung nicht verfehlen. Auf jeden Fall werden sie herrlich schmecken auf frischer Pasta oder geröstetem Brot.


Gewテシrzテカl

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Rezept

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BIORAMA

Zutaten

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テ僕ivenテカl Eine Vanilleschote Einige Chilischoten, getrocknet Getrocknete Koriandersamen Eine kleine Ingwerwurzel Ausgekochte Flasche(n)

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Hergestellt im lokal.drahtwarenhandlung.at 67


BIORAMA

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Weinkolumne

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Marlene Duffy

Schattenplatz in der Sonne oder wie schmeckt struppeliger Wein „Graupert“ heißt der Wein, den ich im Glas habe. Dieses Wort bedeutet im österreichischen Burgenland umgangssprachlich soviel wie ungekämmt. Ein ungekämmter, verwuschelter, nicht frisierter Wein. Merkwürdig könnte man meinen. Ich versuche mir vorzustellen, wie ein struppeliger Wein schmecken soll. Ich sitze auf unserem Balkon und warte darauf, dass die Abendsonne hinter dem Riesenbaum hervorkommt, der auf unserem Innenhof steht. An der Außenseite meines Glases laufen kleine Wassertröpfchen herunter. Ein wenig zu kalt ist der Wein noch. Ich werde mich noch etwas gedulden, bis das Glas nicht mehr so beschlagen ist. Wenn er ein paar Grad mehr hat, kann der Wein seine Aromen besser entfalten. Grauburgunder ist die Rebsorte, aus der der leuchtend goldene Wein gemacht wurde. Ich schaue mir das Etikett auf der Flasche mal etwas genauer an. Da ist eine Kuh drauf – etwas erhaben und mit Lack. Fühlt sich glatt an, gar nicht graupert. 68


Ich beuge mich über das Glas und schaue mir den Wein aus dieser Perspektive an. So langsam strömt der Duft von saftiger Ananas in meine Nase. Ich sauge ihn ein, erst langsam und tief, dann schnell schnüffelnd wie ein Hund, um möglichst viele unterschiedliche Aromamoleküle einzufangen. Eine Komposition aus saftiger Frucht und kräuteriger Würze kommt zum Vorschein, ein wenig Stachelbeer- und sanfter Vanilleduft gesellen sich dazu und ein Aroma, das mich sofort an frühere Sommerurlaube in Bayern erinnert. Dort aßen wir als Kinder immer ein ganz besonderes Orangeneis, welches man aus einer echten ausgehöhlten Orange herauslöffelte. Kühl und cremig fließt der Wein über die Zunge. So gar nicht graupert, ganz im Gegenteil. Ich lutsche die fruchtige Flüssigkeit genüsslich, sauge Luft durch die Lippen, um sie intensiver schmecken zu können – etwas weiße Schokolade und eine kräftige Säure am Gaumen, im Finish auch leicht salzige Noten. Gemacht wurde dieser Wein von Angela und Werner Michlits junior und zwar im österreichischen Burgenland. Ihr Weingut Meinklang ist Teil eines Großfamilienbetriebs, der Landwirtschaft, Obstbau und eben auch Weinbau betreibt, alles nach bio-dynamischen Grundsätzen. Und „graupert”, also ungekämmt und wild, heißt er, weil die Grauburgunderreben ganz ungestüm und ungebändigt im Rebgarten wachsen. Einfach so. Minimalschnitt wird diese Methode genannt, bei der der Winzer die Triebe – wenn überhaupt – nur in ganz geringem Maße zurückschneidet. Die so reifenden Trauben sind zwar klein, aber sehr aromatisch und extraktreich. Die Sonne ist nun vollkommen um den Riesenahorn im Innenhof herumgewandert und lässt den Wein im Glas aufleuchten. Ich wuschel mir ganz kräftig durch die Haare, nippe am Wein und genieße. Mehr Infos zum Weingut und auch Wein gibt es im Internet unter www.meinklang.at und telefonisch unter (00)43 2174 21 68-11

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Über Marlene Duffy

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Marlene Duffy liebt Wein. Rotwein genauso wie Weißwein und besonders französischen Schaumwein. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem 3-jährigen Sohn in Hamburg. Von dort aus betreibt die ausgebildete Sommelière ihr Online-Wein-Portal www.bottleplot.com. Wöchentlich verkostet sie in kurzen Videos mit viel Spaß und auf unkonventionelle Art verschiedenste Weine.

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Die kleinen Geschmackswunder. Gentechnikfrei und glutenfrei! Zu finden im Naturkosthandel. www.landgarten.at


BIORAMA

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Fragen dieser Welt

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# 87

Manchmal fragt man sich wirklich ... Ja, was denn? Schickt uns die Fragen, die euch bewegen, an redaktion@biorama.at. Und der Biorama-Fragenindex mit Fragen rund um bewusstes Leben w채chst und w채chst und w채chst. 70


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BIORAMA

/ / Kinder

Kita 21

Mit einem T-Shirt um die Welt Globalisierung XXS: In Hamburg lernen Kinder schon früh, was fairer Handel und Klimawandel mit ihrer Welt zu tun haben. Der strohblonde Finn wickelt sich ein breites, blauweiß gemustertes Stoff band um seinen Bauch. Anschließend schlingt er es links und rechts um die Oberschenkel, stopft das Ende in der Taille fest – und fertig ist der Dhoti, das Beinkleid der indischen Männer. Katharina Moths, Studentin der Umweltwissenschaften an der Uni Lüneburg, hat mit den ausgedienten und in Streifen geschnittenen Bettbezügen in der Kita „KAP Strolche“ einen Volltreffer gelandet. Die Mädchen schwingen in ihren bodenlangen Saris elegant die Hüften, und die Jungs – auch die, die erstmal verlegen gekichert haben, wollen ihre exotischen Wickelhosen gar nicht mehr hergeben. Jeden Dienstag besucht Katharina die Fünf- und Sechsjährigen im Hamburger Vorort Bergedorf mit ihrem Programm „Die Reise eines T-Shirts“, und bringt den Kindern das Thema Kleidung in allen erdenklichen Facetten näher. In den vergangenen Wochen 72

Sara Mously

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Text & Fotos

haben sie ihre Lieblings-T-Shirts mitgebracht. Sie haben darüber nachgedacht, warum zu verschiedenen Berufen unterschiedliche Uniformen gehören und gelernt, woraus K lamotten eigentlich gemacht sind. Sie haben flauschige Alpakawolle ertastet und kratziges Hanf, und sie haben – als Ersatz für giftige Baumwollsamen – Gurkensamen eingepflanzt, um zu sehen, wie die Pflanzen wachsen. Das Konzept hinter der Spielstunde am Vormittag trägt den sperrigen Namen „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE), wie die 24-jährige Katharina später erklärt. Es soll Kindern schon im Vorschulalter zeigen, dass jeder für die Welt, in der er lebt, selbst mitverantwortlich ist. Das bedeutet mehr, als nur brav das Licht auszuknipsen, wenn man den Raum verlässt. Sondern stattdessen am eigenen Körper erlebt zu haben, wie viel Kraft nötig ist, um eine Glühbirne zum Leuchten zu bringen – an einer Art Hometrainer, an den verschiedene Geräte angeschlossen werden können. Energie, Kleidung, Ernährung


Kita 21

Mit Globus und Wickelhose entdecken die Kinder ihre Welt.

– BNE-Themen sind nicht nur hochaktuell sondern auch alltäglich und deshalb leicht auf Kindergröße skalierbar. Daher widmet die Hamburger „S.O.F. Save Our Future Umweltstiftung“ ihnen ein eigenes, umfangreiches Förderprogramm für Kindertagesstätten.

Die Zukunftgestalter Unterstützt mit 120.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt hilft S.O.F Hamburger Kindertagesstätten dabei, Ideen für eigene Projekte zu entwickeln und stellt bei Bedarf Materialien zur Verfügung. Diejenigen Kitas, die ihr Programm konsequent umsetzen und dokumentieren, bekommen im Frühjahr 2010 eine Plakette mit der Aufschrift „Kita 21 – die Zukunftsgestalter“ verliehen. Das Hamburger Projekt, an dem auch die Bergedorfer Kinder teilnehmen, soll auf ganz Deutschland ausgeweitet werden, wünscht sich Projektleiterin Meike Wunderlich von S.O.F. Sie und ihre Kollegen wollen im kommenden Jahr bei Stiftungen und Behörden auch anderer Bundesländer um mehr Interesse für Nachhaltigkeitsprojekte in Kitas werben. In Hamburg ist Kita 21 bereits ein großer Erfolg. 60 Einrichtungen haben sich angemeldet „weitaus mehr, als wir erwartet hatten“, so Meike Wunderlich. Das

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Kinder

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BIORAMA

zeigt, wie hoch der Bedarf an einem Brückenschlag ist zwischen den Problemen der Erwachsenen und dem, was sie ihren Kindern vermitteln. Die Vorschläge, die die Pädagogen eingereicht haben, sind vielfältig. Die Ideen reichen von selbst gepflanzten Bäumen über einen „Regenwurmschaukasten“ bis hin zur Ausbildung der Kinder zu „Energiedetektiven“, die Stromfresser in ihrer Umgebung ausfindig machen und zusammen mit ihren Erziehern nach Möglichkeiten suchen, Energie zu sparen. In Zusammenhängen zu denken, das ist, ganz kurz gefasst, das Ziel von Kita 21. „Es gibt kein lokales Klima und keine voneinander getrennten Wirtschaftsmärkte mehr“, so Ralf Thielebein-Pohl, Geschäftsführer der S.O.F. „Was wir tun, hat irgendwo anders auf der Welt Auswirkungen.“ Katharina breitet eine leuchtend bunte Landkarte auf dem Boden aus. Die Kinder rücken näher, um die vielen Bilder zu inspizieren. In Ägypten ist ein Kamel zu sehen, und in Frankreich prangt eine Comic-Version des Eiffelturms. Schnell findet ein Junge Deutschland auf der Karte, für Indien, um das sich heute alles dreht, brauchen die Kinder Katharinas Hilfe. Normalerweise machen die Pädagogen die BNE-Arbeit selbst, schließlich soll sie, das ist das langfristige Ziel von Kita 21, die Erziehungsgewohnheiten der Pädagogen insgesamt verändern. Doch in Bergedorf macht Katharina den Job, weil er Teil ihrer Diplomarbeit ist: Sie erforscht das Programm als „Beispiel für nachhaltige Entwicklung im Elementarbereich“. Die Kinder sitzen auf dem Fußboden in einem Kreis. Katharina liest ihnen eine Geschichte vor, die von Baumwollpflückern in Indien handelt. Sie arbeiten Tag für Tag, von morgens bis abends. Viele K inder seien

unter den Arbeitern, erklärt Katharina, und sie fragt in die Runde, wie das wohl wäre, wenn man nur arbeiten müsste. „Man könnte nicht Federball spielen“, meldet sich ein Junge. „Und keine Sandburgen bauen“, ruft ein Mädchen. „Und lesen und

schreiben lernen sie auch nicht“, ergänzt Katharina. „Und dann können sie nie einen richtigen Beruf lernen und müssen für immer auf den Baumwollfeldern bleiben.“ Ein Schweigen entsteht, dann werden die Kinder unruhig. „Können wir nicht was spielen?“, fragt eines der Kinder. Ein anderes hat einen Papierflieger gebastelt, der jetzt durch die Luft segelt. Genug Verantwortung und Nachhaltigkeit für heute. Die Konzentration ist flöten. Eigentlich wollte Katharina noch auf das Thema „Fair Trade“ eingehen. „Aber das muss ich dann wohl auf nächste Woche verschieben.“ Dann geht die T-Shirt-Reise weiter. Bis das Kleidungsstück schließlich – nach einem Zwischenstopp in einem deutschen Kinderzimmer – irgendwo auf einem Altkleidermarkt in Tansania landet. 73


BIORAMA

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Familie

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Geburtenkontrolle

Familienspiel

Ursel Nendzig

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Kinder kriegen – ja oder nein. Wenn nein – warum nicht, wenn ja – wie viele, wann, mit wem und warum? Hier scheiden sich die Geister, hier gibt es kein Richtig und Falsch, kaum ein ja oder nein. Fakt ist: Die Vermehrung wird von den Einen geplant und kontrolliert, die Anderen überlassen sie ganz Mutter Natur. Wir haben uns umgehört in den verschiedenen Winkeln eines heiklen Themas: Geburtenkontrolle. Sechs Milliarden Menschen sind fünf zu viel. Ums Jahr 1800 herum, da waren wir genau die richtige Anzahl Menschen auf der Welt. So klingen die, die sich beim Thema Geburtenkontrolle auf einen ziemlich radikalen Umwelt-Standpunkt zurückziehen. Überbevölkerung sei das Problem, gerade die ärmsten der armen Länder bekommen zu viel Nachwuchs, unsere Erde könne so viele Leute einfach nicht vertragen. Wären wir nur eine Milliarde, würden nicht so viele hungern. Würde der Klimawandel gestoppt werden können. Wäre genug für alle da. Hätten so viele nicht so wenig, sondern so wenige viel mehr. Wäre überhaupt alles viel freier, einfacher, angenehmer, problemloser. Würde niemand um einen Flecken Land Krieg führen, weil ohnehin Platz ohne Ende da wäre. Ein gewagtes Gedankenspiel. Zu dessen Realisierung es aus einem anderen Winkel schon die passende Lösung 74

Evelyn Plaschg

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gibt. Willkommen bei der ultra-feministischen Einschätzung der Lage. Dort soll es einen Plan geben, und der geht so: Erstens. Das Sperma aller Män-

ner wird abgemolken und tiefgefroren. Zweitens. A lle Männer werden sterilisiert. Drittens. K inder gibt es nur auf Abruf. Und nur dann, wenn beide beteiligten Partner es auch wirklich, wirklich wollen. Der Vorteil:

Keine ungeplanten oder erzwungenen Schwangerschaften, demnach auch keine ungewollten Kinder. Keine Notwendigkeit mehr, die Pille zu schlucken, das Pflaster zu kleben, Temperatur zu messen, Coitus interruptus zu kultivieren oder sich Stäbchen implantieren zu lassen. Der Nachteil: Diese Theorie scheint, wenn überhaupt, dann nur in hoch industrialisierten Ländern durchführbar zu sein. In Entwicklungs- oder Schwellenländern wird es erstens kaum finanzierbar und zweitens kaum überprüf bar sein, ob tatsächlich jeder Mann zum Männchen gemacht wurde. Wie ein Kindergeburtstag hört sich dagegen der Ruf aus der entwicklungspolitischen Ecke an – die sich vor allem auf so genannte Entwicklungsländer bezieht: sanfte Geburtenkontrolle. Was auf den ersten Blick vernünftig wirkt, ist es auch auf den zweiten. Auf klärung über Empfängnisverhütung. Beraterinnen, die zu diesem Zwecke auch in die entlegensten Dörfer pilgern. Mutter-Kind-Gesundheits-Programme. Gespräche mit Ehemännern, wie


Man teilt wieder.*

viel besser alles läuft, wenn die Ehefrau zwischen 14 und 20 Jahren ihren Körper nicht mit 6 Geburten schindet. Das hört sich vernünftig und natürlich an.

NFP – mit freundlichen Grüßen

Und für Dich. Für mich.

Und für Dich.

Für mich.

hen und kurz über einen Teststreifen zu pinkeln – nicht jedermanns Sache. Da scheint Plan B der katholischen Kirche fast noch einfacher machbar zu sein: Abstinenz.

PANAMA

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Kakaoanteil

Sehr helle Milchschokolade*° 35% (Panama) Zutaten: Rohrohrzucker*°, Kakaobutter*°, Vollmilchpulver° (20%), Kakaomasse*°, Vollrohrzucker*°, Süßmolkenpulver°, Vanilleschoten°, Salz; Kakao: 35% mindestens; FAIRTRADE Anteil: 78% Smooth milk chocolate*° 35% (Panama) Ingredients: raw cane sugar*°, cocoa butter*°, full cream milk powder° (20%), cocoa mass*°, whole cane sugar*°, sweet whey powder°, vanilla°, salt; cocoa: 35% minimum; FAIRTRADE content: 78% *) ausgezeichnet mit dem FAIRTRADE-Gütesiegel/FAIRTRADE certified °) aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft (BIO-Kontrollnummer: AT-O-02-BIO)/from controlled organic cultivation (BIO-control number: AT-O-02-BIO)

Genussvorschau

Und auch der nächste Vorschlag hier hört sich eigentlich ganz einfach an: Laissez faîre. Lasst es laufen. Wenn ein Kind zur Welt kommt, schön. Wenn keines kommt, auch schön. Wenn es zur Fehlgeburt kommt, wird seinen Sinn gehabt haben. Überbevölkerung, regelt sich irgendwann von selbst. Die Natur wird das alles schon richten. Und, weil keine Kondome mit im Spiel sind, das mit der Überbevölkerung wird sich wohl durch eine Aids-Pandemie selbst regeln. Klingt hart, ist es auch. Viel schöner klingt der Ansatz aus der Ecke der Cradleto-Cradle-Bewegung. Hier heißt es nämlich, dass sechs Milliarden keineswegs fünf zu viel seien. Weil das Problem nämlich keine Frage der Anzahl der Menschen sei. Sondern eine Frage des Verhaltens. Wenn sich der Mensch endlich als Nützling denn als Schädling verhalte, endlich mit statt gegen die Natur denken würde, dann könnten wir noch viel, viel mehr Menschen sein, ohne Probleme. Das hört sich doch wirklich erbaulich an. Und wer möchte, friert trotzdem sein Sperma ein. Sicher ist sicher.

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A propos natürlich. Kommen wir zum Ruf aus der katholischen Ecke. NFP – Natürliche Familienplanung – ist die hier propagierte Methode, die ganz in Frauenhand liegt. Die verschiedensten Ansätze gibt es hier, alle ohne mechanische Hilfsmittel wie Kondome oder Diaphragmen und selbstverständlich ohne hormonelle Methoden wie die Pille, die Dreimonatsspritze oder das Hormonstäbchen. NFP funktioniert entweder durch Messen der morgendlichen Basis-Körpertemperatur. Ist sie erhöht, ist es ein Zeichen für Eisprung und höchste Gefahr einer Schwangerschaft. Auch die Beobachtung des Vaginalschleims ist eine natürliche Methode (für Geübte). Oder die Messung von Hormonen mittels Urin-Teststreifen. Natürlich ist auch die Kalendermethode, bei der die fruchtbaren Tage ganz einfach abgeschätzt werden. Und, ein Dauerbrenner, der Coitus Interruptus, nicht zu vergessen. Die natürlichste aller Methoden ist die „Lactational Amenorrhea Method“. Diese, ganz gewitzt, nutzt die Unfruchtbarkeit während der Stillzeit, also einen bis sechs Monate nach der Geburt. Allerdings, wer sich als NFP-Anhänger ausschließlich dieser Methode bedient, wird sehr, sehr bald sehr, sehr viel Familie einzuplanen haben. Was all den anderen NFP-Methoden, von Temperatur bis Teststreifen, gemein ist, ist eine gewisse Härte, die sie den Beteiligten abverlangen. Während dem Sex aufzuste-

Vollmilchpulver hergestellt von Tiroler Bio-Bergbauern „Bio vom Berg“/ Milk products produced by “Bio vom Berg“, organic farmers from the Tyrol Kann Spuren von Nüssen aller Art enthalten/May contain traces of all types of nuts Hergestellt in Österreich „bean to bar“/produced in Austria from “bean to bar“ by Zotter Schokoladen Manufaktur GmbH, Bergl 56, A-8333 Riegersburg Tel.: +43 (3152) 5554, Fax: +43 (3152) 555422 schokolade@mitziblue.com www.mitziblue.com

Die ist für mich. Und für Dich. Du teilst. Wir teilen. Zotter teilt. Die neue Mitzi Blue. 24 Sorten. 1000 Arten, sie zu teilen.

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BIORAMA

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Kolumne

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Kleins Welt

Über die Kunst, Kinder von A nach B zu transportieren, ohne dabei Spaß und Nerven zu verlieren. Heute: Tragehilfen. Liebe werdende Eltern. Die nächsten zwei bis drei Jahre werden Sie ein kleines Wesen um sich haben, das Sie buchstäblich auf Schritt und Tritt begleitet. Den weitaus größten Teil dieser Schritte und Tritte wird es nicht auf den eigenen Beinchen erledigen. Nach zwei Jahren werden Sie also vermutlich an die 6.000 kg über mindestens 2.500 km befördert haben. Kurz: Sie brauchen Hilfe. Zu allererst einmal eine gute Tragehilfe. Kinder tragen? Kein Hippiekram, sondern pure Notwendigkeit: Kinder wollen und müssen immer wieder getragen werden. Und spätestens ab 5 kg werden die Arme ohne Unterstützung im Sekundentakt länger (Kleiner Praxis-Test: Ein Gewicht – z.B. 5 Liter Milch – auf den linken Arm, mit rechts 15 Paar Socken zusammenlegen und dabei telefonieren. Können Sie nicht? Üben, üben, üben!) Und was ist eine gute Tragehilfe? Erster Check: Baumeln die Beine des Kindes einfach links und rechts herunter? SICHER SCHLECHT! Sitzt das Kind wie in einer Tasche, die Oberschenkel mindestens rechtwinklig angehockt? Wahrscheinlich GUT!

Zweiter Check: Können Sie damit Reis pf lanzen? Kann Ihr K ind herausfallen, haben Sie die Hände nicht frei. A lso dicker Punktabzug.

Dritter Check: Was sagt meine Wirbelsäule dazu? Glückliche Kinder brauchen glückliche Eltern. Tragehilfen ohne entlastenden Hüftgurt machen erfahrungsge76

mäß spätestens ab ca. 8 kg Kind Rückenschmerzen. Und Rückenschmerzen machen sehr, sehr unglücklich. Das beste bis zum 6. Lebensmonat: ein Tragetuch. Die einzige Tragehilfe, die sich bei jedem Anlegen millimetergenau ihrem Kind anpasst und es überall dort hält und stützt, wo es nötig ist. Die leicht elastischen Jersey-Tücher kosten ca. 50 – 80 Euro, feste Webtücher ca. 100-150. Fürs erste halbe Jahr brauchen Sie unbedingt ein Tuch von 4,5 – 5 Metern Länge. Keine Angst vor dem Binden. Es viel leichter als Sie denken. Einfach mal zeigen lassen! Einige spezialisierte Fachgeschäfte und fast alle Hebammen kennen sich aus. Mit 6 Monaten kann Ihr Kind schon oder fast schon sitzen. Das heißt: Nacken und Rücken sind stark genug um in eine „große“ Tragehilfe zu übersiedeln. Also nichts wie wechseln zu einer Hüftgurt-unterstützten Trage. Wenn nicht schon vor der Geburt, so stellt sich spätestens jetzt die Frage nach einem Kinderwagen. Darum geht es dann in der nächsten Ausgabe unter dem Motto: „Geld sparen kann ganz schön teuer sein“.

Über Kleins Welt

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Stephan und Beate Klein, Eltern von Lennard und Benno, arbeiten seit 2006 mit ihrem Children Concept Store HERR UND FRAU KLEIN in Wien ideologie-resistent und pragmatisch an der Quadratur des Dreiecks: gutes Design – hohe Funktionalität – saubere Herkunft. www.herrundfrauklein.com


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Ich bin bio. Ich lebe bio. Wo das AMA-Biozeichen drauf ist, ist bio drin. Da kann ich mir sicher sein. Ich liebe das pure Leben.

Das AMA-Biozeichen, das Zeichen f체r Bio-Qualit채t.

www.bioinfo.at


BIORAMA

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Blogger und ihre Stadt

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Berlin

Darf ich vorstellen? Mein Berlin. Andrea Nienhaus arbeitet als Freiberuflerin im Bereich Visuelle Kommunikation/ Grafik-Design mit dem Schwerpunkt Sustainable Design. Auf www.alles-was-gerecht-ist.de bloggt sie für die Sozialhelden und plant gerade mit ein paar Freunden das „Green Lab Of Berlin“, das GLOBERLIN, für die kreative Berliner Nachhaltigkeitsszene. Hier zeigt sie uns ihre liebsten Plätze in ihrer Heimatstadt.

Andrea Nienhaus

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nach frischen Waffeln, Blumen und Käse aus ökologischer Herstellung. Live-Musik gibt es meistens auch. Am allerschönsten ist der Blumenstand, dessen Verkaufsfläche sich von Dezember bis April verdreifacht. Jeden Samstag von 8.00 bis 14.00 Uhr www.oekomarkt-chamissoplatz.de

Bergmann Hier kaufe ich gern meine Klamotten, zuletzt ein T-Shirt von den armedangels. Das Kölner Eco-FashionLabel gibt es hier seit Neuestem im Programm. Im kleinen Laden in meinem Kreuzberger „Kiez“ am Ende der Bergmannstraße finde ich immer etwas, wenn ich etwas Bestimmtes suche. Jeans, Pullis, Shirts, eher casual. Men‘s and Women‘s-Wear. www.bergmann-berlin.de

Motto-Distribution Der heiße Tipp für Bücher- und Zeitschriftenliebhaber in Kreuzberg. Hier gibt es Lesens- und Sehenswertes zu Kunst, Design, Fotografie, anderen experimentellen Projekten und Publikationen mit kleiner Auflage. Zuletzt gesehen: ein Katalog über eine Kunstausstellung in Turin zum Thema „Greenwashing“. Der Laden im Hinterhof der Skalitzer Straße 68 hat in meinem Ranking der besten Buchläden der Stadt soeben „pro-qm“ in der Almstattstraße in Mitte abgelöst. Sorry! www.mottodistribution.com

Viktoriapark Öko-Markt am Chamissoplatz Das schönste an einem Samstag Vormittag: Ein Bummel über den kleinen, aber feinen Ökomarkt am Chamissoplatz gegenüber meiner Wohnung. Hier duftet es immer 78

Die Seele baumeln lassen und einen Blick über die Stadt genießen: Das kann ich am besten auf dem Kreuzberger Viktoriapark, auf den Stufen von Schinkels National-Denkmal. Laut Senatsverwaltung ist der Berg mit seinen 66 Metern die höchste natürliche Erhebung der Innenstadt. Sobald es warm wird, tummeln sich hier abends


Berlin

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Blogger und ihre Stadt

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BIORAMA

die „Kiezbewohner“, bringen Bier und Wein mit und lassen den Sommerabend ausklingen. U7 Yorckstraße/Mehringdamm, U6 Platz der Luftbrücke

kühlung in einer der kleinen Badebuchten zu empfehlen. Wer weiter weg will, der macht am besten einen Ausflug an einen der vielen schönen Brandenburger Seen (z.B. Liebnitzsee oder Werbellinsee).

Café im Betahaus

Neukölln

Seit Kurzem gibt`s am Kreativ-Hotspot am Kreuzberger Moritzplatz ein Café, das auch für Nicht-Mieterinnen und Mieter des Co-Workings-Spaces, dem Betahaus, geöffnet ist. Ob es hier schon fair gehandelten Kaffee gibt, konnte mir nicht gesagt werden, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Kreuzberg-Smoothies in Bio-Qualität habe ich jedenfalls neulich gesichtet. Für eine Arbeits- und Mittagspause ist es ein guter Ort. Neuerdings wird Mittags Suppe (überwiegend bio) angeboten. Hm, sehr lecker. Manchmal werden hier auch Parties gefeiert. www.betahaus.de

Vor ein paar Jahren, als die Stadtteile Mitte oder Prenzlauer Berg boomten, wäre wahrscheinlich niemand so recht auf die Idee gekommen, gleich mehrere Abende hintereinander in Neukölln unterwegs zu sein. Hier entwickelt sich gerade im Norden des Bezirks, dem Reuterkiez, eine interessante Kreativ-Mischung aus Bars, Cafés, Ateliers und kleinen Läden. Zuletzt wurde während des Kunst- und Kulturfestivals „48 Stunden Neukölln“ in Galerien und Ateliers, Theatern und an temporären Kulturorten das Kreativ-Potenzial des Bezirks gezeigt. Die „Ethical Fashion Show“ „thekey.to“, auf der viele

Grunewald und Wannsee Kleine Stadterholung? Manchmal genügt es schon, einen Tag am Wochenende einen kleinen Ausflug zu machen, um Abstand von einer Arbeitswoche zu bekommen. Tipp: Mit dem Fahrrad in die S-Bahn und dann zur Badestelle oder einfach nur einen Waldspaziergang (ab S-Grunewald) genießen, hoch zum Grunewaldturm oder Drachensteigen auf dem Teufelsberg (S-Heerstraße). Entlang der Havel gibt es zudem viele Bootsschulen (u.a. auch der Technischen und Freien Universität), die vom Segel- bis zum Ruderboot alles vermieten. Im Sommer ist eine Ab-

kleine Fashion-Labels präsentiert wurden, lockte ModeInteressierte in die leerstehenden Räumlichkeiten der Alten „Post“ in der Karl-Marx-Straße. Der Kultur-Mix, der hier vielleicht sichtbarer ist als in anderen Teilen der Stadt, scheint ein guter Nährboden für neue „Projekte“ zu sein. Noch zwei Tipps für die Zunahme von Kalt- oder Heißgetränken zwischendurch: Nachmittags: „rudimarie“ am Weichselplatz in der Weichselstraße 34, abends: im „Ä“ in der Weserstraße 40. Weitere Reuterkiez-Tipps unter: www.reuterkiez.net 79


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Der Nachruf

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Ozonloch FOTO Stefan Knittel

BIORAMA

Der Nachruf Adieu, Ozonloch. Es scheint, als wärst du in der Versenkung verschwunden – als wärst du ein Loch ohne Inhalt und Sinn geworden, hättest dich selbst verschluckt. Wie unermesslich groß war unsere Furcht vor dir, als du vor vierzig Jahren bemerkt worden bist! Wie schutzlos, hilflos, dem ultravioletten Untergang geweiht, der Verbrennung nahe haben wir uns alle gefühlt! Und jetzt? Ehrlich, du bist aus den Aufmacherseiten verschwunden. Schon lange hat keiner mehr vor dir gewarnt. Du bist wie eine nicht eingetretene Prophezeiung, denn: Eigentlich hätten wir längst an dir krepieren sollen. Sind wir aber nicht. Und jetzt? Ha? Bist du nur noch der Widerhall einer tödlichen Gefahr, der sterbliche Überrest eines Monsters, die leere Hülse eines Machtwortes. Wir erinnern uns, Ozonloch, zehn oder zwanzig Jahre zurück. Badeausflug am Wochenende. Halt, zuerst der Blick in die Zeitung: Ozon-Warnstufe. Ja, richtig. Wenn die hoch war, mussten wir alle Sonnenhüte anziehen, mit T-Shirts ins Wasser gehen (entwürdigend!) oder am besten gleich daheim bleiben. Es gibt die Warnstufen noch. Aber keiner schert sich mehr darum. Da wird ja dem Pollenflug und dem Biowetter mehr Beachtung geschenkt, also ehrlich. Wir erinnern uns außerdem an die bösen Haarspraydosen mit FCKW, denn du warst ja hausgemacht. Eine Armee von „die Frisur hält“-Frauen mit Turmfrisuren, hart wie Beton, hat dich erst gemacht, hat die Fluorchlorkohlenwasserstoffe in den Himmel geschickt, die Ozon80

Ursel Nendzig

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schicht dünner und dünner und schließlich dich größer und größer gemacht. Wer FCKW-freies Haarspray herstellte, hatte ein Alleinstellungsmerkmal. Gegessen, denn seit zwanzig Jahren ist FCKW ohnehin verboten.

Dann kamen die Kuhfürze ins Gerede. Ja, da hast du bestimmt viel gelacht. Die armen Kühe haben mit ihrem Wiederkäuen und dem dabei produzierten Gas, das ja irgendwann raus muss, den schwarzen Peter bekommen.

Anscheinend hat dir jemand die Krallen gezogen. Aber wir wissen, du bist gemein und hinterhältig. Denn du bist immer noch da, auch wenn du dich seit einiger Zeit nicht mehr vergrößerst. Nur nimmt dich die breite Masse nicht mehr als bedrohlich wahr. Das macht dich nur fieser und gefährlicher. Und weißt du was, du Loch? Du scheinst es zu genießen. Und mit einem breiten Grinsen auf uns herabzuschauen, wie wir im Mai bei der ersten Gartenarbeit krebsrot werden, Sonnencremes ganz selbstverständlich nur noch ab Lichtschutzfaktor 30 ( juckt dich das eigentlich?) kaufen und (sicher ist sicher) überhaupt keine Haarsprays mehr benutzen (süüüüüß!). Glaubst du wirklich, wir wissen nicht, dass du uns immer noch bedrohst? Stell dich ruhig tot, es wird nichts helfen. Wir haben dich durchschaut.


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EINFACH EIN MAIL AN RIMINI@MONOPOL.AT SCHICKEN UND GEWINNE 2 VON 50 KARTEN FÜR DICH UND DEINE BEGLEITUNG!

„DER SCHERZ MIT DER ZIGARETTE IM BAUCHNABEL KOMMT IN RIMINI NICHT VOR. WEH TUT ES MANCHMAL TROTZDEM.“

JOACHIM SCHÄTZ, THE GAP


BIORAMA

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TO DO Liste

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Oliver Gothe

Was ist zu tun, damit es einem selbst und der Welt rundherum ein bisschen besser geht? Hier räumen wir diesen Dingen Platz ein. Es gibt immer was zu tun. Und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Das ist die TO-DO-Liste von Oliver Gothe, dem Gründer von condomi, ehemals Deutschlands Facheinzel82

handel für Erektionsbekleidung. Derzeit ist er verantwortlich für Vertrieb und Marketing bei der lebenslust GmbH, die sich für die Lümmeltüten, die ersten fair gehandelten (aus fairem Latex) und klimaneutralen Kondome verantwortlich zeigen darf. Oliver lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Köln.


gugler* denkt weiter Verantwortungsvoll werben, nachhaltig kommunizieren! Öko-Marketing greenprint* Neue Medien

Als gugler* cross media vor 20 Jahren gegründet wurde war das Thema Klimawandel noch nicht aktuell. Mit der Vision, eine intakte und lebenswerte Umwelt zu erhalten, erarbeitete sich das Melker Medienhaus rasch den Ruf eines Öko-Pioniers und eines innovativen Partners, wenn es um zukunftsfähige Kommunikationslösungen geht: „Es ist unser tägliches Bestreben, vorbildliche Maßnahmen zur Verbesserung der gesamten Öko-Bilanz zu setzen. Damit unser Lebensraum auch lebenswert bleibt.“ Ernst Gugler

Fordern Sie Ihr persönliches Info-Paket an: www.gugler.at / info. Konkrete Anfragen richten Sie bitte direkt an: Reinhard Herok, +43 (0)2752/500 50-234 oder herok@gugler.at

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BIORAMA #10