WINGbusiness Heft 04 2021

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TOP-THEMA

Foto: Soumil Kumar, Pexels

Isabella Zick

Die Macht der digitalen Plattformen Rechtliche Herausforderungen und Datensicherheit im Technology Entrepreneurship Die rechtlichen Herausforderungen digitaler Plattformen und der Umgang mit Datenschutz und -sicherheit im Technology Entrepreneurship sind Thema dieses Artikels. Vom Blick auf die großen Player und Rechtsstreitigkeiten globalen Ausmaßes wird hineingezoomt auf die Herausforderungen kleiner, lokaler Anbieter*innen und die stete Gratwanderung zwischen Datenschutz und Innovation. Anhand des Fallbeispiels Studo App werden Maßnahmen für Unternehmen*innen im Bereich Datensicherheit aufgeführt. Diese reichen von strategischen Überlegungen zu Privacy by Design über Opt-in-Strategien bis hin zu Maßnahmen zur Datenminimierung.

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igitale Plattformen sind die Marktplätze von heute und bündeln den Handel mit Informationen, Dienstleistungen und Waren. Sie machen sieben der zehn wertvollsten Unternehmen weltweit [1] aus sind und ihre Macht und Möglichkeiten scheinen manchmal grenzenlos. Doch wer zeigt diesen global agierenden Unternehmen Grenzen auf? Und wie verhalten sich Datenschutz und Datensicherheit bei großen und kleinen digitalen Plattformen? Aktuelle Rechtsstreits und der globale Status Quo Um unerlaubtes Datensammeln und Verletzungen der Privatsphäre zu vermeiden, kündigte Apple im Juni 2020 an, dass Apple-Nutzer*innen zukünftig ausdrücklich zustimmen müssen, bevor ihre Daten „über Apps

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und Webseiten hinweg zusammengetragen werden können”[2]. Diese vorgeschobene Maßnahme für mehr Datenschutz der Apple-Nutzer*innen ließ kurz darauf bei Facebook Inc. die Alarmglocken schrillen und in der EU-Kommission kritische Stimmen laut werden. Der Vorwurf: Kartellbildung. Apple gibt seinen Nutzer*innen schon seit längerem mehr darüber preis, welche und wie viele Informationen Apps über sie sammeln. Mit der Neuerung, dass User der Datensammlung ausdrücklich zustimmen müssen, sieht Facebook für seine Dienste eine große Gefahr. Apple erschwere damit die Werbung über die diversen Plattformen von Facebook. Außerdem wirft Facebook Apple wettbewerbsfeindliches Verhalten vor, da die eigene Werbeplattform von Apple von dieser Regelung ausgenommen sein soll. [3]

Ein weiterer globaler Aufschrei erfolgte Anfang 2021 mit einer Ankündigung von Facebook: Die Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien des MessengerDienstes WhatsApp werden geändert. Nutzer*innen von WhatsApp sollten ab sofort zustimmen, dass ihre Daten an Unternehmen und Dienstleister von Facebook weitergeleitet werden. Massive Kritik und eine Welle der Abwanderung zu Messenger-Diensten wie Telegram oder Signal waren die Folge. Kurz nach dieser Ankündigung hat Facebook die Reißleine gezogen: Der Widerstand gegen diese Neuerung war zu groß, die Funktionalitäten von WhatsApp bleiben für alle Nutzer*innen erhalten. [4] „Diese Beispiele zeigen, dass große Unternehmen wie Facebook und Co. stark unter medialer Beobachtung stehen. Dadurch haben sie – anders als

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