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RĂźdiger von Voss

Niemandsland Die Farenheids und die Schmidt von Altenstadts Eine Spurensuche in OstpreuĂ&#x;en

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. © be.bra wissenschaft verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2018 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebraverlag.de Lektorat: Astrid Volpert, Berlin Umschlag: typegerecht berlin Satzbild: Friedrich, Berlin Schrift: Minion Pro 10/13pt Druck und Bindung: Finidr, Český Těšín ISBN 978–3–95410–216–7 www.bebra-wissenschaft.de

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Inhalt

Zum Geleit 7 Vorwort 9 Anmerkungen zur Geschichte Ostpreußens 13 Vom Kampf der Historiker um die Geschichte Ostpreußens 39 Gutsherrlich-bäuerliche Verhältnisse in Ostpreußen bis zur Reformzeit 55 Zur Geschichte des Kreises Darkehmen (seit 1938: Angerapp) 59 Die Farenheids 71 Fritz von Farenheid und seine Briefe an Freunde 117 Fünf Jahre der Freundschaft mit Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld 131 Schloss Beynuhnen und sein Park 161 Das Kunstwerk Schloss Beynuhnen 177 Die Sammlung von Schloss Beynuhnen 179 Die Altenstadts 199 Herkunft – Stammvater – Wappenverleihung 202 Die Stammreihen im Überblick 205 Zur Geschichte von Groß-Medunischken 231 Spurensuche 245 Zur Pferdezucht in Ostpreußen und zur Rolle der Farenheids und der Altenstadts als Züchter 267 Von Jägern, Falken, Bären, Löwen und Wölfen in Ostpreußen 282 Am Ende: Flucht und Vertreibung 287

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Epilog: Eine Reise in die Erinnerung 309 Anhang Stammbaum der Familie Schmidt von Altenstadt – OstpreuĂ&#x;ische Linie 331 Urkunden 332 Auswahl von Antiken in Beynuhnen 334 Literatur- und Quellenverzeichnis 336 Bildnachweis 363 Danksagung 365

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Zum Geleit

Nach der Schulzeit meines Vaters schickte seine Tante Traut von Fahrenheid-Bey­ nuhnen1 ihn für mehr als ein halbes Jahr nach Italien, um dort die Antike und die Renaissance zu studieren. Mitte der 1930er-Jahre erhielt Vater einen Anruf, dass mein Großvater Jänischken seinen Erbteil habe verkaufen müssen. Auf die Frage: »Was nun?«, sagte ihm sein Vater: »Du hast ja noch die Aufgabe in Beynuhnen und Tante Traut!« Jung verheiratet versprach mir mein Mann, einmal über die 500-jährige Geschichte der Familien Farenheid und Schmidt von Altenstadt zu schreiben – zumal es so viele von meiner Mutter an mich weitergegebene Geschichten über die Familien gab. Die Erzählungen meines Vaters an sie waren damit auch für mich ständig all­ gegenwärtig. Einige Jahre nach der Flucht aus der ostpreußischen Heimat brach leider der Kontakt zu den beiden heute noch lebenden Brüdern meines Vaters ab. Die späteren Begegnungen mit unserer Generation begründeten einen Neuanfang verwandtschaftlicher Nähe. So möchte ich meinem Mann für diese Publikation danken, die für unsere Kinder und Enkel und die Familie Schmidt von Altenstadt von höchstem Wert ist. Der Tod meines Vaters im Juni 1941 in Russland hat meine persönliche Beziehung zur Heimat im Osten tief geprägt. Die nunmehr in diesem Buch vorliegende Dar­ stellung der Geschichte beider Familien ist für mich eine Hoffnung, dass Ostpreußen in unserer Familie nie mehr vergessen wird. Berlin, im Januar 2018 Monica von Voss, geb. Schmidt von Altenstadt

1 Zur unterschiedlichen Schreibweise des Namens F. vgl. S. 71, Anm. 1.

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»Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der höchste Grad der Liebe zur Heimat dadurch dokumentiert wird, dass man sich in Hass verrennt gegen diejenigen, die sie in Besitz genommen haben, und dass man jene verleumdet, die einer Versöhnung zustimmen. Wenn ich an die Wälder und Seen Ostpreußens denke, an die weiten Wiesen und alten Alleen, dann bin ich sicher, dass sie noch genauso unvergleichlich schön sind wie damals, als sie mir Heimat waren. Vielleicht ist dies der höchste Grad der Liebe, zu lieben ohne zu besitzen.« Marion Gräfin Dönhoff: Kindheit in Ostpreußen, 1988

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Vorwort

Dieses Buch soll Zeugnis ablegen für die Bewahrung der Geschichte der verwandtschaftlich miteinander verbundenen Familien Schmidt von Altenstadt und von Farenheid. Zugleich ist diese Dokumentation Ausdruck einer tiefempfundenen Erinnerung an Ostpreußen und damit an die Heimat, die am Ende der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges endgültig verloren ging. Im eisigen Januar 1945 löste sich mit der Flucht und Vertreibung aus den Besitzungen Medunischken und Beynuhnen die Verbindung zum Land der Mütter und Väter auf. Ostpreußen wurde zum »Niemandsland«, in das es keine Rückkehr mehr geben würde. Unter verheerenden Bedingungen blieb den Fliehenden nicht mehr als das nackte Leben. Vor dem Hintergrund des rasenden Vormarschs der sowjetischen Truppen sollten die in den letzten Stunden aufbrechenden Trecks der von Pferden gezogenen Leiterwagen das Leben der Menschen retten, die gezwungen waren, Hab und Gut aufzugeben. Die Flüchtenden verließen Wohnstätten und Besitz gleich welcher Art im Wissen eines endgültigen Verlustes im Feuerschein eines totalen Kriegs. Die Landwirte öffneten die Türen der Wohnhäuser und die Tore der Ställe und Scheunen. In den allermeisten Fällen gingen mit der Aufgabe der Häuser und der persönlichen Habe auch die Dokumente und Zeugnisse der Geschichte der Familien und der Besitzungen ver­ loren oder wurden Opfer der Flammen, von Vernichtung oder Raub. Der Nach­­weis des Lebens in der Heimat ging verloren, so als hätte es die Menschen nicht gegeben. Alles das, was nicht mehr »belegt« werden kann, ist der Gefahr des Vergessens ausgesetzt. Siegfried Lenz wies in seinem Roman »Heimatmuseum« zutreffend da-­ rauf hin, dass das Land dann endgültig verloren und aufgegeben wird, wenn sich niemand mehr daran erinnert. Und je tragischer die Geschichte von Menschen und Familien verläuft, desto dunkler ist der Schatten, der auf der Vergangenheit liegt. Umso größer ist das Bestreben, der dauerhaften Trauer durch Schweigen und Verdrängen zu entkommen. Die über die vom Unglück betroffene Generation hinaus fortgetragene Erzählung verliert im Verlauf der Zeit an Authentizität und kann eine dokumentierte Geschichte nicht ersetzen. Die hier genannten Verluste betreffen auch die Quellen der Geschichte der Familien Schmidt von Altenstadt und von Farenheid, die jeweils eine rund 500 Jahre lange Geschichte in sich bergen. Die ursprünglich aus Oberfranken stammende Familie

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Fabricius/Schmidt von Altenstadt wurde 1564 von Kaiser Maximilian II. in den Adelsstand erhoben, der von Kaiser Rudolf II. am 10. Dezember 1577 und von Kaiser Karl VI. am 23. Februar 1713 mit Wappenverbesserungen bestätigt wurde. Träger des Namens hinterließen Spuren, die sich bis heute in Deutschland, Österreich, Holland, in England und Australien nachverfolgen lassen. Das gilt einerseits für das Wirken der Altenstadts als Militärs und Hofbeamte am Kaiserlichen Hofe, als kaiserliche Offiziere im Kampf gegen die Türken, als Prinzenerzieher und andererseits als Burgherren, Handelsherren, Bürgermeister, Stadtkapitäne und Verwaltungsbeamte in Oberfranken, in Nürnberg, Hof, Marktredwitz und anderen Orten dieser Region. Im Jahr 1863 begann dann der Weg der Familie als Landwirte in Ostpreußen. Ein Teil der männlichen Nachkommen ergriff die militärische Laufbahn. Der mit dem ostpreußischen Stamm verwandte holländische Familienzweig begann mit Johann Heinrich Adolph von Schmidt auf Altenstadt (geb. 1754 in Neustadt bei Dresden, gestorben in Batavia 1817). Mit dem 1945 eingetretenen Verlust an Dokumenten und sonstigen historisch wichtigen Unterlagen ging nach dem Kriege das Wissen um die alle Zweige der Namensträger verbindenden Ursprünge und sonstige Details von Lebensschicksalen und Besitzungen ebenso weitgehend verloren wie auch persönliche Verbindungen. Der Offizier und spätere General Johann Friedrich Eduard Schmidt von Altenstadt heiratete am 28. Juni 1863 Anna Theodora von Bujak, die Tochter des Sigmund von Bujak und der Friederike von Bujak, die aus der reich begüterten Familie Farenheid entstammte. Damit trat die Familie Schmidt von Altenstadt in die ostpreußische Familie Farenheid ein und wurde Teil des ostpreußischen Adels. Die Familie von Farenheid taucht urkundlich im Jahr 1481 in Westfalen auf. Sie wanderte 1512 von Bielefeld aus nach Rostock und erwarb mit dem Kaufmann Hans Farenheid das Bürgerrecht in Kneiphof, einer der drei historischen Teilstädte von Königsberg. Durch ihre Ansiedlung entwickelte sich diese Familie zügig über die Inhaberschaft des Salzmonopols von Königsberg zu einer der wohlhabendsten und reich begüterten Landbesitzer sowie bedeutenden Pferdezüchter in Ostpreußen. Kriegsrat Friedrich Wilhelm Farenheid wurde wegen seiner herausragenden Leistungen und seinen treuem Dienst am 2. Oktober 1786 von König Friedrich Wil­helm II. in den erblichen Adelsstand erhoben. Mit dem Tode des letzten männlichen Namensträgers, Fritz von Farenheid-Beynuhnen, im Jahre 1888, erlosch diese Familie Farenheid im Mannesstamm. Der damals noch beachtliche Landbesitz ging damit in die Farenheidsche Nachkommenschaft des Namens Schmidt von Altenstadt über, die als Inhaber des Fideikommisses Beynuhnen und als Nachfolger des Fahrenheidschen Landbesitzes den Namen von Farenheid-Beynuhnen übernahm. Die von Fritz von Farenheid geschaffene Sammlung von antiken Plastiken und Ölbildern aus der italienischen Renaissance sowie die Grafik- und Münzsamm­

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lungen verliehen Beynuhnen den Rang einer weitbeachteten »Kunstschöpfung«. Sollten diese im Schloss Beynuhnen zusammengetragenen Sammlungen ursprünglich von dem Familienfideikommiss und dem dadurch zusammengefassten weiträumigen Landbesitz getragen werden, so hat Beynuhnen die Zeit auch nach der ge­setzlich an­beraumten Auflösung des Fideikommisses im Jahr 1929 weitgehend unvermindert überstanden und wäre, nun unter veränderten Bedingungen, in die Hände der nächsten Generation der Altenstadts übergeben worden. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde diese Nachfolge unmöglich. Beynuhnen selbst, das den Krieg weitgehend ohne Schäden überlebt hatte, ist nach dem Raub aller Kunstschätze durch die sowjetische Armee ein Opfer der Flammen geworden. Da alle Akten des Schlosses und des großen landwirtschaftlichen Besitzes konfisziert bzw. vernichtet wurden, musste die Geschichte der Farenheids mit Hilfe von Archivbeständen und diversen historischen und kunstwissenschaftlichen Darstellungen rekons­truiert werden. Steht somit die möglichst umfassende Darstellung der Geschichte beider Familien im Mittelpunkt dieser Publikation, so scheint es darüber hinaus sinnvoll, einen Blick auf die Geschichte Preußens und Polens zu werfen, ohne die man den eigentümlichen »ostpreußischen Patriotismus« nicht verstehen kann. Ergänzt werden diese Ausführungen durch einen Blick auf die ländlich-gutsherrschaftlichen Verhältnisse, auf die Pferdezucht und das Jagdwesen. Im Rahmen der Geschichte der Familie von Farenheid kam es besonders darauf an, dem Leben und Wirken Fritz von Farenheids als Mensch und als Schöpfer des Museums in Beynuhnen sowie seinen geistigen wie künstlerischen Bestrebungen ausreichend Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dies gilt auch für die sein Leben prägenden Freundschaften zu Ulrich von Salpius und Philipp Fürst zu EulenburgHertefeld sowie zu den sein Tun begleitenden Wissenschaftlern und Künstlern, die an der »Kunstschöpfung Beynuhnen« tatkräftig mitwirkten. Hatte Fritz von Farenheid aus seinen homophilen Neigungen nie ein Geheimnis gemacht, so gewann die Freundschaft zu Ulrich von Salpius die existentielle Bedeutung einer tiefen Liebe, die durch die gemeinsame Grabstelle im Park von Beynuhnen sichtbar wurde. Seine letzten fünf Lebensjahre waren maßgeblich getragen von der engen Freundschaft zwischen ihm und dem 32 Jahre jüngeren Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld. Im Jahre 1906, achtzehn Jahre nach dem Tod von Fritz von Farenheid im Jahr 1888, machte Maximilian Harden diese Freundschaft beider Männer zum Gegenstand des national wie international weit beachteten »Eulenburg-Skandals«. Mit schwerwiegenden Verdächtigungen homosexueller Vergehen gegen Eulenburg und seine Freunde des »Liebenberger Kreises« versuchte er, die Vorwürfe von staatspolitisch verwerflicher Beeinflussung von Kaiser Wilhelm II. zu untermauern. Dem his-

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torisch bedeutsamen Eklat muss nachgegangen werden, um Freundschaft und Ansehen beider Männer gerecht zu beurteilen. Ein weiterer Schwerpunkt dieses Buches ist die detaillierte Beschreibung der Gedankenwelt, in der sich Fritz von Farenheid bewegte. Hierzu gehören seine diversen Reiseberichte und Schriften, die sich in Sonderheit mit der antiken Geisteswelt beschäftigen. Diese durch die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Königsberg wissenschaftlich gewürdigten Schriften bildeten das intellektuelle Fundament seiner Tätigkeit als Mäzen und Kunstsammler. Neben der baulichen Gestaltung des Schlosses Beynuhnen erfreute sich insbesondere sein lebenslanges Sammeln und die Entstehung der Beynuhner »Kunstschöpfung« großer Anerkennung weit über Ostpreußen hinaus. Obwohl Beynuhnen und dessen Sammlungen ein Opfer von Raub, Diebstahl und Vernichtung wurden, ist nun der Versuch unternommen worden, den Ort in seiner einstigen baulichen Gestalt wie auch die Sammlungen in die Erinnerung zurückzuholen und beides möglichst genau zu erfassen und darzustellen. Die diesbezüglich durchgeführte kunstwissenschaftliche Recherche ist Teil des Bemühens, Beynuhnen als Ganzes zu würdigen. Ungeachtet des widerfahrenen Schicksals und aller schmerzlichen Verluste kommt es dem Verfasser darauf an, die Geschichte beider Familien umfassend darzustellen und für die kommende Generation verfügbar zu machen. Menschen kann man vertreiben, aber man kann ihnen nicht die Erinnerung nehmen, über die Jean Paul (1763–1825) sagte, sie sei »das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können«. Berlin, im Januar 2018 Rüdiger von Voss

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Anmerkungen zur Geschichte Ostpreußens1

»Ostpreußen war erobert worden von der asketischen Macht der deutschen Herren: es ward zum Staat umgeschaffen in einer Zeit, da der Staat der Kaiser schon für immer zerborsten war; und es war verloren gegangen wie der glänzende Anspruch des Imperiums; wie alle die großen sagenhaften Güter der Sachsen, Salier und Staufen.« Reinhold Schneider2

Zur Zeit der Römer gab es außerhalb des Römischen Reichs praktisch keine Straßen, an denen man genaue historische Wegmarkierungen des Handels erkennen könnte. Nach Berichten von Plinius dem Älteren (23 bis 79 n. Chr.), von Publius Cornelius Tacitus (58–129 n. Chr.) oder Claudius Ptolomäus (100–160 n. Chr.) war allerdings schon bekannt, dass auf der sogenannten »Bernsteinstraße« Bernstein und Felle von der Ostseeküste nach Aquileia und Rom transportiert wurden. Preußens Ursprünge liegen weitgehend im Dunkel der Geschichte, das sich erst im 9. Jahrhundert nach Christi aufzuhellen begann. Namensgeber dieser Region im Osten Europas sind die baltischen Bruzi, Prusai oder Prußen, die in den Landschaften zwischen der Weichsel im Westen und der Memel im Nordosten siedelten. Im 9. Jahrhundert traten die Prußen dann in die Geschichte des Ostens ein, als die »Ostmission« unter Kaiser Otto III. (980–1002) Teil des Bestrebens wurde, Reich und Kirche in einem von Kaiser und Papst gemeinsam geleiteten Weltreich (Renovatio imperii Romanorum) zu erneuern.3 Der mit den Ottonen verwandte, aus einer ostböhmischen Fürstenfamilie der Slavnike in Libice stammende Bischof von Prag, Adalbert (956–997) begleitete Kaiser Otto III. im Jahr 996 nach Deutschland und überzeugte diesen von seinen urchristlich-asketischen Anschauungen und von der Missionierung des Ostens. Unterstützt von dem polnischen Herzog Boleslaw III. 1 Grundlegend: Andreas Kossert, Ostpreußen – Geschichte einer historischen Landschaft, München: C. H. Beck-Wissen Nr. 2833, 2014; Hartmut Boockmann, Ostpreußen und Westpreußen (Deutsche Geschichte im Osten Europas); Berlin 1992; Hermann Pölking, Ostpreußen, Biographie einer Provinz, 2. verm. Aufl., Berlin: be.bra, 2012; Gerhard Taddey, Lexikon der deutschen Geschichte, Personen – Ereignisse – Institutionen, Stuttgart: A. Kröner, 1979. Christopher Clark, Preußen, Aufstieg und Niedergang 1600–1947, München: DVA, 6. Aufl., 2007. 2 Reinhold Schneider, Die Hohenzollern, Tragik und Königtum. Leipzig: Jakob Wegner, 1933. 3 Taddey, Lexikon der deutschen Geschichte, S. 905/906.

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Chrobry reiste er als Missionar zu den Prußen und wurde von diesen erschlagen. Papst Sylvester II. sprach ihn im Jahr 999 heilig und Kaiser Otto III. pilgerte im Jahr darauf zu seinem Grab in Gnesen. Die Leiche wurde 1039 nach Prag überführt. Seitdem wird Adalbert als Nationalheiliger der Polen jährlich am 25. August gefeiert: Es war ein Ereignis, das den Mythos mitbegründete, dass dieser Teil des späteren »Ostpreußen« immer schon zu Polen, zum Land der Polauen gehörte. Die »Polauen«, in polnischer Sprache die »Feldbewohner«, lebten in den Gebieten von Gnesen und Posen, dem ersten Bischofssitz und Kernbereich des polnischen Staates. Dieser Volksstamm hatte die Stämme der Schlesier, der Masowier oder Masuren unterworfen, deren Gebiete an den Lebensraum der litauischen Pruzzen grenzten. Das Gebiet der oberen Weichsel mit Krakau stand schon in heidnischer Zeit mit den Polauen in Verbindung und wird »Kleinpolen« genannt.4 Als Begründer des polnischen Reiches gilt das polnisch-schlesische Fürstengeschlecht der Piasten, das sich der Sage nach auf den Bauern Piast aus Kruschwitz zurückführt.5 Der erste aus diesem Geschlecht stammende, historisch nachweisbare Fürst war Miezsko (Misica). 966/967 trat er zum Christentum über. Er gilt als der eigentliche Begründer des polnischen Reiches als Teil des christlichen Europas und der Piasten-Dynastie, die Polen bis 1370 regierte. Der masowische Zweig der Piasten starb erst 1526 aus, der schlesische circa 1672. Miezskos Sohn, Bolesaw I. Chrobry, gestorben 1025, dehnte das Reich im Osten bis vor Kiew und im Westen bis zur Mark Meißen aus. Unter Mitwirkung Kaiser Ottos III. errichtete er das Erzbistum Gnesen im Jahr 1000 und damit eine die gesamte piastische Herrschaft umfassende Kirchenorganisation. Boleslaw III., der bis 1137 lebte, teilte das Reich in Teilgebiete, die Schlesien, Masowien-Kugawien und Groß- und Kleinpolen umfassten. Kasimir II., der Gerechte, gestorben 1194, begründete die polnische, seit 1320 königliche Linie, die mit Kasimir dem Großen 1370 ausstarb; im Jahr 1386 wurde sie durch Heirat seiner Großnichte Hedwig mit dem Großfürsten Jagiello von Litauen von den Jagiellonen beerbt. 1226 rief der polnische Herzog Konrad von Masowien (um 1190 bis 1247), Sohn des Herzogs Kasimir II. von Polen und Enkel des Herzogs Boleslaws III., den Deutschen Orden zu Hilfe, als die heidnischen Prußen sein ererbtes Herzogtum Masowien, das beiderseits der mittleren Weichsel lag, bedrohten und versprach dem Orden das sog. »Kulmer Land« für den Beistand zu schenken. 6 Der Deutsche Orden, gegründet 1198 im 3. Kreuzzug in Jerusalem, kam. Erst mit dem »Vertrag von Kur4 Vgl. Oskar Halecki, Geschichte Polens, Frankfurt: Societäts-Verlag, 2. Aufl. 1970, S. 15–18. 5 Vgl. ebd., S. 19; Taddey, Lexikon der deutschen Geschichte, S. 941; Eduard Mühle, Die Piasten. Polen im Mittelalter (Becksche Reihe/Wissen Nr. 2709), München: C. H. Beck, 2011. 6 Zu Konrad von Masowien, vgl. Taddey, ebd., S. 664.

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schwitz« (1230) war die Schenkung endgültig vollzogen und das Kulmer Land übereignet.7 Dieser Vertrag bildete den Ausgangspunkt der militärischen Aktionen unter dem Oberbefehl des Ordensmeisters Hermann von Salza. Der Orden konnte sich nun jenes Land einverleiben, das vom Orden über das Kulmer Land hinaus erobert worden war. Dieser Vertrag wurde von Staufferkaiser Friedrich II. mit der Goldenen Bulle von Rimini 1226 und am 12. September 1234 durch Papst Gregor IX. mit der Bulle von Rieti bestätigt. Mit der Goldbulle war der Deutsche Orden beauftragt, in den Kampf gegen die heidnischen Prußen einzutreten; sie verlieh dem Orden die Landeshoheit über die noch zu erobernden Gebiete, die zum Teil des römisch-deutschen Reiches erklärt wurden. Diese Vollmacht allerdings wird von polnischen Historikern mit dem Einwand bestritten, dass Kaiser Friedrich II. formal-juristisch gar nicht befugt war, den Orden mit Gebieten zu belehnen, die nicht seiner unmittelbaren Herrschaft unterstanden. So betont Oskar Halecki, dass das gesamte Land mit der Bulle von Rieti unter päpstlichen Schutz gestellt worden und zugleich »Ausdruck eines geistigen Prinzips« sei, »das die ganze polnische Geschichte durchzieht«.8 Für den Deutschen Orden hingegen bildete die kaiserliche Vollmacht das juristische Fundament für Eroberungen und Besitzungen des Ordens für die nächsten 300 Jahre.9 Christianisierung und Kolonisierung trafen aufeinander. Die erste Burg des Deutschen Ordens wurde 1230 in Thorn (heute Polen, Woiwodschaft Kujawien – Pommern) gebaut und die Städte Kulm und Thorn 1233 gegründet. Für diese beiden Ordensstädte erließen der Hochmeister von Salza und der Landmeister Hermann Balk am 28. Dezember 1233 die sogenannte »Kulmer Handfeste«; ein Stadtrecht, das auch für andere Stadt-Gründungen zutraf.10 1237 konstituierte sich die Stadt Elbing (heute Polen, Woiwodschaft Ermland Masuren), die Burg Balga (heute Nordwestrussland, Oblast-Kaliningrad) im Jahr 1250 und die Stadt Königsberg (heute Russland, Oblast-Kaliningrad) im Jahr 1255. Mit dem 13. Jahrhundert begann der Zustrom von Kolonisten aus dem westlichen Teil Deutschlands, aus dem polnischen Herzogtum Masowien und aus Litauen. Kämpfe und Aufstände dauerten an, bis der Deutsche Orden gegen Ende des Jahrhunderts, etwa 1283/85, das Land der Prußen in seinen Besitz genommen hatte. Der Hochmeister des Deutschherrenordens, Siegfried von Feuchtwangen, verlegte 1309 7 Zum Vertrag von Kruschwitz, vgl. ebd., S. 682; Boockmann, S. 75 ff. [Die Eroberung Preußens durch den Deutschen Orden]. 8 Halecki, Geschichte Polens, S. 22. 9 Kossert, Ostpreußen, S. 14ff.; Bookmann, S. 155ff. [Der Ordensstaat seit 1466]. 10 Vgl. Taddey, Lexikon der deutschen Geschichte, S. 684 [Kulmer Handfeste]; Claudius Freiherr von Schwerin, Hans Thieme, Grundzüge der deutschen Rechtsgeschichte, 4. Aufl., Berlin-München: Duncker & Humblot, 1950, S. 145, 148f; dieses Recht (altes Kulmer Recht) hatte z. B. bis 1857 Geltung in Danzig.

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den Hauptsitz des Ordens von Venedig in die Marienburg an der Nogat. »Preußen« war damit Zentrum des Ordens geworden; als Herrschaftsgebiet umfasste es rund 200 000 Quadratkilometer. Im Jahr 1308 erfolgte die Inbesitznahme von Danzig und Pommerellen auf der Grundlage des Vertrages von Soldin vom 13. September 1309 mit dem Markgrafen Woldemar von Brandenburg. Diese Eroberungen von Gebieten des polnischen Herzogtums wurden von den Polen als direkte Bedrohung angesehen und verstärkten die Ressentiments gegen den Orden und auch gegen in Polen ansässige Deutsche. Im Jahr 1312 wurden in Krakau der Aufstand des Vogts Albert blutig niedergeschlagen und die Deutschen außer Landes getrieben. König Wladyslaw I. Ellenlang gelang es, das aus der Zeit der Piasten zersplitterte Königreich Polen wieder zusammenzuführen. Erzbischof Jakub Swinka von Gnesen betrieb eine Politik der Abgrenzung gegen den Orden und die Deutschen insgesamt, hatte der Verlust von Danzig und Pommerellen doch eine Dauerfehde ausgelöst, die tief im Bewusstsein der Polen verankert war. Auch der Friedensvertrag von Kalisz von 1343, in dem die Polen offiziell auf beide Städte verzichteten, brachte keine Entspannung zwischen Polen und dem Deutschen Orden. Mit Litauen bildete sich das Großfürstentum Polen heraus, das ideologisch und territorial Krieg führte. Die »Litauenkriege des Deutschen Ordens« dauerten von 1303 bis zur verheerenden militärischen Niederlage des Ordens in der Schlacht von Tannenberg, so die deutsche Benennung, bzw. nach polnischem Namen (bis heute), der Schlacht von Grunwald, die am 15. Juli 1410 mit deren Sieg über den Orden endete. Damals, um 1410, gehörten dem Deutschen Orden unter dem 22. Hochmeister Winrich von Kniprode (1310–1382) rund 1400 Ritter an. Ihre Zahl ging bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts auf 780 Ordensleute zurück. Die vereinigte polnisch-litauische Streitmacht hatte die Armee des Ordens, die aus dem Landesaufgebot und »Geistrittern« aus vielen Ländern Westeuropas sowie Söldnern zusammengesetzt gewesen war, vernichtend geschlagen. Hochmeister Ulrich von Jungingen fand wie fast alle Ordensgebieter und viele Ordensritter in dieser Schlacht den Tod. Trotz großer Verluste konnte der Orden unter der Führung von Heinrich von Plauen den Kernbestand der preußischen Besitzungen samt der Marienburg erhalten und im Ersten Frieden von Thorn 1411 sichern. Erneut aus­ brechende Kämpfe wurden mit dem Friedensvertrag von Melnosee 1422 beendet, wobei über 100 Jahre dauernde Kämpfe die Ordensmacht so sehr geschwächt hatten, dass der Orden sich davon nie mehr erholte. Die mit dem 1435 geschlossenen Frieden von Brest gezogene polnisch-ostpreußische Südgrenze behielt bis 1939 Gültigkeit. Eine Folge dieser Schwächung des Ordens war, dass der Adel und die selbstbewusst auftretenden Städte Danzig, Elbing, Thorn und Kulm gegen die Herrschaft des

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Ordens und die hohe Besteuerung revoltierten und sich 1440 im »Preußischen Bund« zusammenschlossen. Hochmeister Ludwig von Erlichshausen verschärfte mit seinen als unerträglich hoch empfundenen Forderungen an die Stände den Konflikt. Kaiser Friedrich III. (1415–1493) stellte sich gegen Ende 1453 auf die Seite des Ordens. In Folge der Hochzeit des polnischen Königs Kasimir IV. mit Elisabeth von Habsburg schloss der »Preußische Bund« Anfang 1454 ein Schutzbündnis mit Polen und rebellierte gegen die Ordensherrschaft. Der »Dreizehnjährige Krieg« brach aus. Es ging nun um die Oberherrschaft zwischen dem Reich der Jagellonen und dem Orden. Die polnischen Truppen unterlagen in der Schlacht von Konitz am 18. September 1454 und zogen danach ihre Unterstützung der preußischen Rebellen zurück. Der Orden selbst war derart erschöpft, dass er seine Söldner nicht mehr entlohnen konnte und auch seine Haupt-Burg, die Marienburg, verpfänden musste. Im Zweiten Frieden von Thorn vom 19. Oktober 1466 wurden die seit 1454 andauernden Kämpfe zwischen dem Orden und dem »Preußischen Bund« beigelegt, die im Bund zusammengefassten Stände suchten die Anlehnung an Polen und erkannten den polnischen König als Lehnsherrn an. Polen war der eigentliche Sieger. Der nun völlig erschöpfte Orden unter der Führung des Hochmeisters von Erlichhausen und der polnische König Kasimir IV. einigten sich auf eine Landesteilung nach den damaligen tatsächlichen Besitzständen. Der Orden verlor ganz Pomerellen, das Kulmerland, das Ländchen Michelan, dazu das Ermland, das Gebiet von Marienburg, Elbing, Christberg und Stuhm. Damit erhielt das Großreich Polen/Litauen einen Zugang zur Ostsee. Für das restliche »Ordensland« wurde der Hochmeister zum polnischen Fürsten erhoben und leistete dem polnischen König einen persönlichen Eid, ohne dadurch von Polen lehensabhängig zu werden. Der Orden sollte den Orden in Preußen bis zur Hälfte seiner Mitglieder aus Polen aufnehmen, was jedoch nie geschah. Dieser Friede war bis zum Jahr 1772 und der Loslösung Westpreußens gültig und markiert den Anfang vom Ende des Ordens.11 Doch weder Kaiser noch Papst erkannten ihn an. Ein größerer Teil der Städte und Gebiete im Westen des ehemaligen Ordenslandes löste sich infolge des Vertrages von Thorn aus der Herrschaft des Ordens. Die nachfolgenden Ordensmeister versuchten sich der Lehenshoheit und dem Lehenseid zu entziehen. Personell und finanziell geschrumpft befanden sie sich in einer schwierigen Lage. Sie führte schließlich dazu, dass sich der Hochmeister Ulrich von Leutersheim 1494 eigenmächtig der Lehenshoheit von Kaiser Maximilian I. unter Bruch der Verträge von Kujawitsch, Brest und Thorn unterstellte. Dieses Vorgehen löste Proteste des preußischen Ordenszweiges und des Königreichs Polen aus. 11 Kossert, Ostpreußen, S. 18; Taddey, Lexikon der deutschen Geschichte, S. 1 196f.

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1511 wurde Albrecht Markgraf von Brandenburg-Ansbach (1490–1568) aus der jüngeren Linie Hohenzollern-Ansbach, zugleich auch Reichsfürst im Heiligen Reich deutscher Nation, zum letzten Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt.12 Erfolglos versuchte er, im sogenannten »Reiterkrieg« von 1519 bis 1521 die Unabhängigkeit von der polnischen Krone zu erlangen. Markgraf Albrecht stammte aus Franken und traf 1521 den Reformator Andreas Osiander (1498–1552), der als Hebräisch-Lehrer am Nürnberger Kloster der Augustinereremiten tätig war, mit Luther in Verbindung stand und 1522 die Priesterweihe empfing.13 Im selben Jahr gab er eine verbesserte lateinische Bibel, die »Bibliasacra« heraus und wurde der erste evangelische Prediger an der St. Lorenz-Kirche. Durch seine offenbar nachhaltig wirkenden Predigten konnte er Markgraf Albrecht 1525 für die Reformation gewinnen und machte ihn mit Luthers Lehre bekannt. Albrecht korrespondierte mit diesem, suchte ihn persönlich auf und trat danach zum evangelischen Glauben über. Martin Luther riet ihm 1523, den »Ordensstaat« in ein weltliches Herzogtum umzugestalten. Albrecht führte die Reformation in Preußen ein und schloss dann mit seinem Onkel, dem polnischen König Zygmunt I. Stary, am 8. April 1525 den »Ewigen Frieden von Krakau«.14 Er huldigte dem König und wurde von diesem mit dem Herzogtum Preußen beliehen. Im Falle des Aussterbens des Hauses Brandenburg sollte Preußen an Polen fallen. Das war das Ende des einst so mächtigen »Ordensstaates«! Dass Preußen jemals hätte endgültig an Polen fallen sollen, ist aus dem Geschichtsbewusstsein der Deutschen verschwunden und würde heute mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Der ehemalige Hochmeister Markgraf Albrecht residierte ab 9. Mai 1525 als Herzog Albrecht I. nunmehr in Königsberg. Das Herzogtum war das erste protestantische Land der Welt. Erstmals seit der Reformation gab es nun ein Lehensverhältnis zwischen einem evangelischen Fürsten und einem katholischen Lehensherrn; ein Ereignis, das von den Polen als nationaler Triumph verstanden wurde.15 Politisch wie formaljuristisch wurde das weltliche Herzogtum Preußen von den Institutionen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nicht anerkannt, sondern setzte seinerseits »Administratoren« für Preußen ein. Herzog Albrecht, der 14 Jahre den Orden geführt hatte, wurde vom Generalkapitel durch den Deutschmeister Walther von Cronberg (1477–1543) als neuem Hochmeister (1527–1543) ersetzt. 1527 erteilte ihm der Kaiser die Befugnis, sich »Administrator des Hochmeistertums« zu nennen und damit den Besitzanspruch auf Preußen zu verdeutlichen. 12 13 14 15

Taddey, ebd., S. 26; Bookmann, S. 255ff. [Das Königliche Preußen seit 1466–1795]. Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), Bd. 7, S. 511f. Taddey, Lexikon der deutschen Geschichte, S. 26, 675; Kossert, Ostpreußen, S. 18. Kossert, ebd., S. 19ff.; Bookmann, S. 296ff. [Das Herzogtum und das Königreich Preußen bis zur dritten Teilung Polens 1795].

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1530 erhielt Cronberg durch kaiserliches Dekret den Titel »Hochmeister« (später Hoch- und Deutschmeister) und Administrator Preußens. Kaiser Karl V. belehnte ihn dann 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg mit dem Land Preußen. Cronberg verklagte seinen ehemaligen Hochmeister Herzog Albrecht vor dem Reichskammergericht. Nach dem Prozess 1531 wurde über Herzog Albrecht die kaiserliche Reichsacht verhängt und dieser wie der »Preußische Bund« angewiesen, dem Orden die Hoheit über Preußen wieder zurückzugeben, was allerdings ohne jede Wirkung blieb. Die Besitzungen des livländischen Ordenszweiges (Kurland und Semgallen) wurden zum weltlichen Herzogtum umgewandelt und dem »Landmeister« Herzog Gotthard von Kettler (1517–1587) unterstellt. Livland kam zu Litauen und bildete ein Kondominium. Preußen, Livland, Kurland und Semgallen unterstanden nunmehr der polnischen Lehenshoheit. 1568 starb Herzog Albrecht nach 43 Jahren als weltlicher Herrscher. Auf dem polnischen Reichstag zu Lublin 1569 legte sein Sohn, Albrecht Friedrich Herzog von Preußen (1553–1618) den Lehenseid ab. Unter der Vormundschaft des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg (1525–1598) stehend und aufgrund der ersten Anzeichen seiner geistigen Erkrankung ernannte König Stephan Barthory den Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach (1539–1603) zum Administrator des Herzogtums Preußen. 1586 verließ dieser, ohne männliche Erben zu hinterlassen, Preußen und kehrte in sein Ansbach zurück. Er hielt aber Preußen bis 1603 stabil. Nach seinem Tod folgte ihm der mit einer der Töchter von Georg Friedrich verheiratete Joachim Friedrich, Kurfürst von Brandenburg (1546–1608), Sohn des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg. Infolge des »Geraer-Hausvertrages« vom 29. April 159916 von Markgraf Georg Friedrich, dem letzten Vertreter der fränkischen Linie der Hohenzollern, erhielt der jeweilige Kurfürst alle Marken und ihre Anwartschaften, darunter Preußen, als untrennbaren Bestandteil der Kurwürde. Die Unteilbarkeit von Brandenburg war damit festgelegt und das Herzogtum Preußen ging endgültig in die brandenburgische Linie der Hohenzollern über. Johann Sigismund, Kurfürst von Brandenburg (1572–1619) wurde 1618 gegen den Widerstand der lutherischen Stände Herzog von Preußen. Er war schon 1613 unter dem Bruch des seinem Großvater Johann Georg gegebenen Versprechens zum Calvinismus übergetreten. Kurz vor seinem Tode übergab er die Regierung seinem Sohn Georg Wilhelm (1595–1640). Da die Stände das für ein kampffähiges eigenes Heer notwendige Geld verweigert hatten, wurde die Mark im Zuge der Kriegshandlungen des Dreißigjährigen Krieges seit 1625 von den Truppen des Heerführers Ernst II.

16 Taddey, S. 432.

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Graf zu Mansfeld (1580–1626)17 und des kaiserlichen Feldmarschalls Albrecht Wenzeslaus Eusebius Wallenstein (1583–1634 verwüstet. Durch Wallensteins unglückliche Politik wurde das Land zudem durch den schwedisch-polnischen Krieg (1655– 1660) in Mitleidenschaft gezogen.18 Das Bündnis zwischen Kurfürst Friedrich Wilhelm und Schweden führte zur »Schlacht von Warschau« vom 23. bis 30. Juli 1656. In ihr verloren die Verbündeten 5000 bis 6000 Mann und die Polen unter König Jan Kazimierz das Zehnfache an Soldaten. Im polnischen Heer hatten sich unter den 60 000 bis 80 000 Mann insbesondere Tartaren befunden, die für grauenhafte Untaten verantwortlich gemacht wurden. In den Jahren 1656/57 fand mehr als die Hälfte der Bevölkerung Masurens den Tod. Nach den Schätzungen wurden 23 000 preußische Untertanen erschlagen, 3 400 Menschen gerieten in die Sklaverei und rund 80 000 Menschen starben an den Folgen des Krieges, an Hunger und an der Pest, 13 Städte und 249 Dörfer und Höfe, 37 Kirchen waren in Schutt und Asche gelegt worden. Tod, Elend und Angst beherrschten das verwüstete, leere Land.19 Der »Tartareneinfall« sollte nie mehr vergessen werden. Der Johann Sigismund nachfolgende Friedrich Wilhelm, Kurfürst und Markgraf von Brandenburg (1620–1688), hatte alle Mühe, sein Land wieder aufzubauen. 20 Belehrt durch die Katastrophe des Krieges formierte er eine schlagfertige Armee, die die Grundlage für die spätere preußische Armee bildete. Im »Westfälischen Frieden« vom 24. Oktober 1648 erreichte er eine Vergrößerung Brandenburgs in Mitteldeutschland und im »Frieden von Oliva« vom 3. Mai 1660 konzedierte ihm Polen die Souveränität über Preußen, mit dem er 1641 belehnt worden war. Seine Schaukelpolitik wechselnder Koalitionen zwischen den Großmächten Polen, Österreich, Frankreich und den Niederlanden wurde das »Brandenburgische Wechselfieber« genannt. Mit dem Sieg über die Schweden in der »Schlacht von Fehrbellin« 21 vom 28. Juni 1675, die den Ruhm des danach als »Großen Kurfürsten« Benannten begründete, eroberte er Vorpommern, das er jedoch im Frieden von »Saint German-en-Laye« am 29. Juni 167922 wieder zurückgeben musste. Trotz der vertraglich geregelten Veränderungen der damaligen gegenseitigen Interessensphären zwischen BrandenburgPreußen und Schweden hatte der Große Kurfürst seine Machtposition nach außen wie innen durch die Verbesserungen der Verwaltung und des Militärs im Sinne des 17 18 19 20

Ebd., S. 769. Zu Georg Wilhelm Kurfürst von Brandenburg, vgl. Taddey, ebd., S. 427. Siehe Darstellung bei Kossert, Ostpreußen, S. 28, 31. Zu Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, vgl. Taddey, S. 384; Frank-Lothar Kroll (Hrsg.), Preußens Herrscher – Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II., München: C. H. Beck, 2. Aufl., 2009; ders., Die Hohenzollern, München: C. H. Beck/Wissen, No. 2426, 2008. 21 Zu diesem entscheidenden historischen Ereignis, vgl. Taddey, ebd., S. 338f. 22 Friede von Saint German-en-Laye, vgl. Taddey, ebd., S. 860f.

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Absolutismus gewonnen und wurde somit der Begründer der preußischen Großmacht. Die Verschmelzung von Brandenburg und Preußen war abgeschlossen. Nach dem Tode seines älteren Bruders Karl Emanuel 1674 wurde der Zweitgeborene, etwas verwachsene Sohn des Großen Kurfürsten, Friedrich III. Kurfürst von Brandenburg (1657–1713) durch eigenhändige Krönung am 18. Januar 1701 in Königsberg zum auf Ostpreußen beschränkten König Friedrich I. »in Preußen«. Er war bestrebt, Berlin zu einem Mittelpunkt der Prachtentfaltung und Kultur werden zu lassen. Er errichtete die Geheime Hofkammer als Zentrale der Finanzverwaltung, die Universität Halle unter Leibniz und die Stiftung der Berliner Akademie der Wissenschaften. Trotz aller Überforderung seines Staates durch sein Repräsentationsbedürfnis hielt er den Staat zusammen und leitete durch die Erlangung der Königskrone einen weiteren Abschnitt des Machtzugewinns Preußens ein. Ihm folgte Friedrich Wilhelm I. (1688–1740), genannt der »Soldatenkönig«, dem die Autorität des Staates, als »rocher de bronce«, als der Angelpunkt seines strengen Regiments galt. 23 Energisch trieb er den Ausbau seiner Armee voran, ebenso die »Innere Kolonisation« durch die Ansiedlung von rund 17000 Salzburger Exulanten (1732). Dieser König, dessen Leistungen andernorts ausreichend gewürdigt wurden, war als der »größte innere König Preußens« der Protagonist eines dynamischen, rationalen Absolutismus und zugleich ein überaus strenger Landesvater, der den Krieg mied, das Beispiel eines Königs aus Verantwortung vorlebte, die Staatsverwaltung effektiv organisierte und damit einen der erfolgreichsten Herrscher auf dem Königsthron über seine Zeit hinaus darstellt.24 Friedrich II. (1712–1786), späterhin der Große genannt, übernahm am 20. Oktober 1740 die Regierung und trat sogleich mit Bayern und Frankreich in den Kampf um das österreichische Erbe ein.25 In den beiden Schlesischen Kriegen von 1740 bis 1742 und 1744/45 eroberte er fast ganz Schlesien und die Grafschaft Glatz. Nach der englisch-preußischen Konvention von Westminster vom 16. Januar 1756 schlossen Österreich, Frankreich und Russland ein Bündnis, und es begann der »Siebenjährige Krieg«; er sollte von 1756 bis 1763 dauern.26 Der russische Oberbefehlshaber General Wilhelm von Fermor (1702/1771) eroberte im Januar 1758 Ostpreußen, das bis 1762 unter russischer Hoheit verblieb.

23 Taddey, ebd., S. 393 [ausführlich zu den Leistungen dieses Königs]; Reinhold Schneider, Die Hohenzollern, Leipzig: Jakob Hegner, 1933; Kroll, Preußens Herrscher, S. 134ff. 24 Taddey, ebd., S. 393; Andreas Kossert, Ostpreußen, S. 28ff.; Peter Baumgart, Friedrich Wilhelm I., Kroll, Preußens Herrscher, ebd., S. 134 ff., 159; Reinhold Schmeider, Die Hohenzollern, Leipzig: Hegner, 1933. 25 Taddey, ebd. S. 393ff.; Johannes Kunisch, Friedrich II., der Große (1740–1786), Kroll , ebd., S. 160 ff.; Kossert, Ostpreußen, S. 28 ff. 26 Taddey, ebd., S. 1119ff.

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Allein der Rückzug Russlands aus dem27 Kriege rettete Preußen vor dem Untergang. Mit dem »Frieden von Hubertusburg« vom 15. Februar 1763, geschlossen im Schloss Hubertusburg bei Leipzig, verlor Österreich endgültig Schlesien und die Grafschaft Glatz an Preußen. Mit der Ersten Teilung Polens vom 5. August 177228 erhielt Preußen Westpreußen ohne Danzig und Thorn sowie die Diözese Ermland und den Netzedistrikt, mit insgesamt rund 35 000 Quadratkilometer und rund 356 000 ausschließlich deutschen Einwohnern. Das Jahr 1772 war das Geburtsjahr der Provinz Ostpreußen. Russland hatte dank der vertraglichen Abmachungen den größten Gebietszuwachs zu verbuchen, Preußen aber konnte durch die Neuerwerbungen zum ersten Mal die Landverbindung zwischen Preußen und Brandenburg herstellen. Friedrich nannte sich ab dieser Zeit: »König von Preußen«.

27 Ebd., S. 560. 28 Vgl. zu den Polnischen Teilungen, Taddey, Stichwort Petersburger Verträge, ebd., S. 926f.

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König Friedrich Wilhelm II. (1744–1797), Neffe Friedrich des Großen und Sohn seines Bruders, des unglücklichen Prinzen August Wilhelm29 (1722–1758), ging in die Geschichte mit dem zweifelhaften Verdienst ein, sich an der 2. und 3. Teilung Polens durch die Annexion benachbarter polnischer Gebiete beteiligt zu haben. In Folge der 2. Teilung30 erhielt Preußen Danzig, Thorn, Posen, Kalisch, Gnesen, Dabrzyn, Zenstochau, ein Stück Rawa, das halbe Brzesk, insgesamt rund 58 Quadratkilometer , die zur »Provinz Südpreußen« zusammengefasst wurden. Diese Teilung verschlechterte die Beziehungen zwischen Preußen und Österreich maßgeblich und brachte Polen an den Rand seiner politischen wie wirtschaftlichen Existenzfähigkeit.31 Die 3. Teilung vom 3. Januar und 24. Oktober 1795 war beeinflusst vom Aufstand der polnischen Bevölkerung, die die 2. Teilung und ihre Folgen nicht akzeptieren wollte. General Tadeusz Kosciuszko (1746–1817) führte den nach ihm benannten Auf29 Taddey, ebd., S. 394; Wilhelm Bringmann, Preußen unter Friedrich Wilhelm II. (1786–1797), Frankfurt am M.: Peter Lang, 2001; David E. Barclay, Kroll, Preußens Herrscher, S. 179ff; Eva Ziebura, August Wilhelm Prinz von Preußen, Berlin: Stapp Verlag, 2006. 30 Taddey, ebd., S. 69. 31 Taddey, ebd., S. 927; Kossert, Ostpreußen, S. 30.

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stand gegen Russland und Preußen 1794 an und genießt bis heute großes Ansehen als polnischer Nationalheld und General des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1777–1783) an der Seite Georg Washingtons und Unterstützer der Sklavenbefreiung.32 Zarin Katharina II. (1729–1796), genannt die Große, nahm den Freiheitskampf der Polen zum Anlass, sich mit Österreich und Preußen über eine vollständige Aufteilung Polens zu verständigen. Dieser Plan wurde von König Friedrich Wilhelm II. abgelehnt. Er beteiligte sich aber mit Truppen, zu denen auch der damals junge Leutnant Julius von Voß33 gehörte, an der Niederschlagung des Aufstands, um nicht von den anderen Mächten übergangen zu werden. Russland erhielt das restliche polnische Litauen, den Großteil von Samogitien, das übrige Schwarzrussland, Wolkynien, ein Stück von Cholin, Kurland und Sangallen, insgesamt rund 146 000 Quadratkilo32 Seine Büste ist auf dem Capitol in Washington zu sehen. Siehe auch das Kosciuszko-Denkmal im Zentrum von Warschau; Die erste Infanteriedivision der polnischen Streitkräfte in der Sowjetunion trug im Zweiten Weltkrieg seinen Namen; Konstantin K. Falkenstein, Thaddäus Kosciuszko, Leipzig, 1827, 2. Aufl.. 1834.; Halecki, Geschichte Polens, S. 166–168, 177. 33 Vgl. Rüdiger von Voss, Julius von Voß – Offizier, Aufklärer und Schriftsteller im Zeitalter der Revolutionen, Berlin: be.bra, 2017.

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meter. Österreich bekam Sandomir, Lublin, Radom, Teile der Palatinale34 Brezesk, Podlachien und Masowien, insgesamt rund 51000 Quadratkilometer mit rund einer Million Bürgern. Preußen nahm Teile von Masowien samt Warschau, das Gebiet zwischen Weichsel, Bug und Njemen (Neu-Ostpreußen) und ein Stück des Bezirks Krakau (Neu-Schlesien), insgesamt rund 43 000 Quadratkilometer mit einer Million Einwohnern, ein.35 Preußen trat den am 3. Januar 1795 publizierten österreichisch-russischen Teilungsvereinbarungen am 24. Oktober 1795 bei. Das stolze Polen war mit dieser 3. Polnischen Teilung von der Landkarte verschwunden. Diese Katastrophe demütigte den Nationalstolz der Polen sehr und sollte auch späterhin niemals mehr vergessen sein. Die von Friedrich Wilhelm I. betriebene Kolonisierung im Osten, die Gewinnung der Kolonisten, der Glaubensflüchtlinge und reformierten Christen aus Hessen-Nassau, der deutschen und französischen Reformierten aus dem schweizerischen Neuen34 D.   h. der Regionen. 35 Taddey, , S. 927.

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burg, aus Halberstadt, Magdeburg, der Schotten und Engländer sowie der 1732 nach Preußen eingewanderten Protestanten, insgesamt 20  000 evangelische Bauern, wirkte sich fruchtbar auf ganz Preußen aus und führte gerade Ostpreußen aus den großen Verheerungen der erlittenen Kriege heraus. Die Geburt von Immanuel Kant in Königsberg am 22. April 1724 kennzeichnet den Wendepunkt der Philosophiegeschichte ebenso wie die Geburt von Johann Gottfried Herder (geadelt 1802) am 25. August 1744 in Mohrungen das Zeitalter der Aufklärung und des Weltbürgertums.36 Mit dem Regierungsantritt von König Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) im November 1797 kam ein Hohenzoller die Macht an, der dem sich schnell vollziehenden Wandel der Zeit von Anfang an nicht gewachsen war. Das schon am Schluss der Herrschaft seines Vaters sich ankündigende Ende des Absolutismus markiert den Beginn des Jahrhunderts der Revolutionen. Mit der »Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika«, der dreizehn britischen Kolonien in Nordamerika vom 4. Juli 1776, mit der Loslösung von Großbritannien und der Gründung eines souveränen Staatenbundes war eine neue Zeit eingeleitet, die den »alten Reichen« die politische Legitimation entziehen sollte. Die Amerikanische Revolution und der Kampf um die Durchsetzung der allgemeinen unveräußerlichen Menschenrechte, zu denen Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören, wurde von den Preußen ebenso wenig verstanden wie der Trompetenstoß der Französischen Revolution von 1789. Die Hohenzollern hatten den Anschluss an die Moderne verpasst und das sollte sich rächen.37 Bedingt durch sein scheues, von Depressionen belastetes Wesen, das Konflikte ebenso scheute wie eine Infragestellung seines Alleinregierungsanspruchs, blieb König Friedrich Wilhelm III. von konservativem, militärischem Denken beherrscht. Unter dem Einfluss Beymes, Hardenbergs und Steins blieb die Befreiung der Domänenbauern aus der Erbuntertänigkeit und die Ablösung ihrer zu erbringenden Handund Spanndienste die einzig bedeutende Reform bis zum Jahre 1806. Die in sich erstarrte Armee hatte aus der Niederlage gegen die französische Revolutionsarmee 1795 nichts gelernt, sondern ruhte sich auf dem Ruhm der Schlachten unter Friedrich II. aus oder verhöhnte die Franzosen mit ihren großen Hüten. Der König zog sich vor anstehenden Problemen zurück und zeichnete hunderte von Soldaten und ihre Uniformen in der Flucht vor der Wirklichkeit. Der Melancholiker auf dem

36 Kossert, S. 32ff. 37 Boockmann, S. 333ff. [Ost- und Westpreußen im Zeitalter Napoleons und zur Zeit des Deutschen Bundes].

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Thron sollte am Ende seines Lebens zum Protagonisten einer restaurativen Politik werden.38 In der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 180639 geriet Preußen an den Abgrund eines drohenden Untergangs nicht nur seiner einst berühmten Armee, sondern in die Gefahr eines totalen Untergangs. Die blutige Schlacht von Preußisch-Eylau vom 7. und 8. Februar 1807, die sich im bitterkalten Winter in Ostpreußen zwischen russischen Armeeeinheiten und der französischen Armee ereignete, führte zu großen Verlusten auf beiden Seiten und zu großen Verheerungen der Provinz.40 Diese vergrößerten sich durch die Schlacht bei Friedland am 14. Juni 1807.41 Napoleon hatte 210 000 Soldaten in Ostpreußen zusammengezogen. Der Krieg ernährte sich aus dem Lande. Überaus große Verluste und Schäden für Land und Leute, Kälte, Hunger und Seuchen machten aus der Provinz ein Land ohne Hoffnung. Am 25. Juni 1807 trafen sich Kaiser Napoleon und Zar Alexander auf einem Floß auf der Memel. Mit dem »Frieden von Tilsit« vom 7. und 9. Juli 180742 steckten beide Herrscher die Macht in Europa ab. Preußen konnte vom Zar Alexander vor der totalen Vernichtung bewahrt werden, verlor aber rund 189 Quadratkilometer und rund 5 Millionen Einwohner, d. h. die Hälfte seines Territoriums und alle Besitzungen links der Elbe. Hinzu kamen die Verluste des Cottbuser Kreises sowie aller Erwerbungen der zweiten und der dritten Teilung Polens zur Bildung des »neuen Herzogtums« Warschau. Russland bekam von Preußen den polnischen Kreis Bialystock und Danzig wurde zum »Freistaat« unter preußischem und sächsischem Schutz. Trotz des bis heute ruhmreichen Einsatzes der Königin Luise zur Rettung Preußens schied es nun bis zu den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress aus dem Kreis der Großmächte aus. Die »Zeit der schweren Not«, von Günter de Bruyn eindrucksvoll beschrieben, begann und sollte auch die in diesem Buch dargestellten Menschen, ihre Familien und Besitzungen schwer treffen.43 Christopher Clark stellte seine Deutungen der Zeit von 1789 bis 1806 treffend unter die Überschrift »Hybris und Nemesis«.44 38 Unverändert maßgebend: Thomas Stamm-Kuhlmann, König in Preußens Großer Zeit, Friedrich Wilhelm III. der Melancholiker auf dem Thron, Berlin: W. J. Siedler, 1992, S. 561ff; ders., Friedrich Wilhelm III. (1797–1840), Kroll, Preußens Herrscher, S. 197ff; Kroll, Die Hohenzollern, S. 72ff., 82ff.; Rüdiger von Voss, Julius von Voß, S. 29ff. 39 Siehe Kurzbeschreibung bei Taddey, S. 581. 40 Taddey, S. 964; Kossert, S. 34f. 41 Taddey, S. 378. 42 Ebd., S. 1202. 43 Vgl. Günter de Bruyn, Die Zeit der schweren Not, Schicksale aus dem Kulturleben Berlins 1807– 1815, Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2. Aufl., Dez. 2010; sowie ders.: Als Poesie gut – Schicksale aus Berlins Kunstepoche 1786 bis 1807, Frankfurt a. M.: S. Fischer TB, 2009; Stamm-Kuhlmann, König in Preußen, S. 232ff., 267ff. 44 Christopher Clark, Preußen, S. 333ff.

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1811 wurde Hans David Ludwig York von Wartenburg zum Generalgouverneur von Ost- und Westpreußen ernannt. Im Frühjahr 1812 zog Napoleon mit seinen Armeen nach Russland. Ostpreußen war wieder das Aufmarschgebiet. Dies brachte erneut Hunger, Elend und Verwüstungen über das Land. Die schicksalhaften Jahre 1812 und 1813 sind in der letzten Zeit mit Adam Zamoyskis Betrachtung des Feldzugs in Russland, mit der Darstellung des Jahres 1813 von Andreas Platthaus sowie mit Anka Muhlsteins Buch über den Brand von Moskau – um nur diese Bücher aus der Flut der sonstigen Titel zu nennen – beschrieben worden. 45 Napoleon hatte bereits den Zenit seiner Macht überschritten und wurde Opfer seines Größenwahns. Der geniale Feldherr46 wurde von der Nemesis der Macht erfasst und seine Soldaten starben in den Weiten Russlands.47 Die apokalyptischen Reiter tauchten am Himmel auf. Auf dem Rückzug aus Russland wurde das preußische Hilfskorps unter dem Kommando des Generals Hans David Ludwig York von Wartenburg (1759–1830)48 von dem französischen Korps unter Marshall Macdonald abgeschnitten und vom König ohne Anweisung sich selbst überlassen. Bereits im November hatten die Russen mit ihm vor Riga geheim verhandelt und ihn zu einem Koalitionswechsel aufgefordert. Am 30. Dezember 1812 schloss er, ohne Ermächtigung des Königs, mit dem russischen General Hans Graf Diebitsch49 in der Mühle von Poscherun bei Tilsit die »Konvention von Tauroggen«, an deren Zustandekommen auch Carl von Clausewitz auf russischer Seite beteiligt war.50 Der in Deutsch abgefasste Vertrag räumte dem York’schen Korps ein bestimmtes Gebiet zwischen Memel-Tilsit-Labiau und dem Kurischen Haff ein, in dem es neutral verharren sollte. Der König verwarf die Konvention aus politisch-taktischen Gründen und erließ den Befehl, York vor ein Kriegsgericht zu stellen. Yorks Tat ging in die Geschichte ein, denn »Tauroggen« gab das Signal für das Abrücken von Napoleon und leitete die Befreiungskriege ein. York zeichnete sich 1813 in der »Schlacht an der Katzbach« am 26. August 181351 und in der 45 Adam Zamoyski, 1812 – Napoleons Feldzug in Russland, München: C. H. Beck, 3. Aufl., 2012; Andreas Platthaus, 1813 – Die Völkerschlacht und das Ende der Alten Welt, Berlin: Rowohlt, 1. Aufl., 2013; Anka Muhlstein, Der Brand von Moskau – Napoleon in Russland, Frankfurt a. M./ Leipzig: Insel, 2008. 46 Graf York von Wartenburg, Napoleon als Feldherr, 2 Teile, Berlin: Mittler, 2. Aufl., 1887. 47 Johannes Willms, Napoleon: Eine Biographie, München: C. H. Beck, 2005, S. 535ff.; Armand de Caulaincourt, Unter vier Augen mit Napoleon, Stuttgart: K. F. Koehler, 1956, S. 69ff. 48 Taddey, S. 1334; DBE, Bd. 10, S. 605. 49 Hans Karl Friedrich Anton Graf von Diebitsch-Zabalkanskig, (1785–1831), Generaladjutant von Zar Alexander I., DBE, Bd. 2, S. 513. 50 Zur Konvention von Tauroggen bei Taddey, Lexikon der deutschen Geschichte, S. 1187; Zur Geschichte der Konvention von Tauroggen, Berlin: Rektwisch & Langswort, 1898; Max Blumenthal, Die Konvention von Tauroggen, Bausteine zur Preußischen Geschichte, 1. Jg., Heft 1, Berlin: Richard Schröder, 1901. 51 Taddey, ebd., S. 629.

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»Schlacht bei Wartenburg« am 3. Oktober 181352 aus, die beide verlustreich aber erfolgreich gegen Napoleons Feldmarschälle verliefen. Ebenso kämpfte er in der »Völkerschlacht von Leipzig« vom 16. bis zum 19. Oktober 1813, insbesondere in der blutigen »Schlacht von Mäckern«, mit und warf die französischen Truppen auf die Tore vor Leipzig zurück.53 Am 8. Januar 1813 zog York von Wartenburg zusammen mit russischen Truppen in Königsberg ein und Zar Alexander I. verfolgte die fliehenden Franzosen, die von Napoleon verlassen worden waren und um ihr Leben bangten. Verhungert, zerlumpt, mit schweren Verletzungen und Erfrierungen zog die ehemals glorreiche Grande Armée über die russische Grenze und Ostpreußen gen Westen. Von Ostpreußen aus begannen der Befreiungskrieg und der Aufstand Europas.54 Die Befreiungskriege von 1813 bis 1815, der Kampf um die Freiheit nach dem Fiasko des napoleonischen Russlandfeldzuges, der Elend und Tod auch und gerade für Ostpreußen gebracht hatte, machten neue Anstrengungen erforderlich.55 Unter dem Druck der Verwüstungen und bedrängenden wirtschaftlichen Verhältnisse, der zerstörten Höfe und Dörfer erließ der in Gumbinnen seit 1809 tätige Oberpräsident Heinrich Theodor von Schön (1773–1856), der 1792 geadelt worden war, in Reaktion auf die Notwendigkeit eines Wiederaufbaus das Edikt zum erleichterten Besitzerwerb und der Nutzung des Grundeigentums.56 Schon als Finanzrat im Generaldirektorium hatte er ein Gutachten über die Erbuntertänigkeit verfasst. In Folge dieser Erkenntnisse war er der Erste, der die Erbuntertänigkeit der Bauern in Ostpreußen aufhob, die Freiheit der Berufswahl ermöglichte und den freien Güterverkehr förderte. Die Bauern konnten sich damit aus der tradierten Bindung an die Scholle lösen und die Region verlassen, um sich neue Arbeit zu suchen. Die Möglichkeit, sich von den Handund Spanndiensten frei zu kaufen, die Neuordnung (sogenannte Separation) der zu bewirtschaffenden Agrarflächen und die erweiterte Freiheit zum Kauf von Eigentum wurden von den konservativen Kräften als eine gefährliche Revolution empfunden. Neben den durchgreifenden Reformen der Verwaltung trug von Schön maßgeblich dazu bei, dass mit der Unterstützung der Landstände und Großgrundbesitzer, 52 Ebd., S. 1262. 53 Johann Gustav Droysen, Graf York von Wartenburg – Ein Leben preußischer Pflichterfüllung, Essen: Phaiden, 1996 (Neuauflage); 1814 wurde York in den Grafenstand erhoben und zum Oberbefehlshaber in Schlesien befördert. 1815 schied er aus der Armee aus. 1821 erhielt er den Marschallstab in Würdigung seiner Verdienste. 54 Johannes Willms, Napoleon – Eine Biographie, S. 535ff, 571ff.; Clark, S. 536ff.; Stamm-Kuhlmann, König in Preußens Großer Zeit, S. 365ff. 55 Vgl. die Übersicht bei Taddey, S. 101f; des Weiteren: Arnulf Krause, Der Kampf um Freiheit, Die Napoleonischen Befreiungskriege in Deutschland, Stuttgart, Theiss, 2013. 56 Heinrich Theodor von Schön, vgl. DBE, Bd. 9, S. 82; Allg. Deutsche Biographie (ADB), Wilhelm Maurenbrecher, Theodor von Schön , Bd. 32, Leipzig: Duncker & Humblot, 1891, S. 781–792.

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wie auch Farenheid einer war, eine Landwehr von rund 100 000 Mann aufgestellt werden konnte; eine Maßnahme, die vorbildlich für ganz Preußen war. Auch wenn der Wiederaufbau in Folge der Tüchtigkeit und Heimattreue der Ostpreußen Schritt für Schritt in Gang kam und Früchte trug, blieb die anhaltende Abwanderung tüchtiger Menschen ein großes Problem. Die Zahl der Stadtbewohner wuchs zwar wie in Königsberg um 1849 bis 1871 von 75 000 auf 112 000 Einwohner an. Jedoch verringerte sich die Bevölkerung, z. B. von 1850 bis 1870, von 1,48 Millionen auf 1,28 Millionen Einwohner.57 1869 wurde Ostpreußen in den »Norddeutschen Bund«58 aufgenommen und somit 1871 Teil des Deutschen Reiches, ein Mitglied, das als »Hochburg der Konservativen« galt und entschlossen an einem monarchisch-konservativen Weltbild festhielt.59 Bei den Reichstagswahlen 1912 zeigte sich dieser Befund in aller Deutlichkeit: Die Sozialdemokraten erhielten im »Reich« 34,8 Prozent der Stimmen, in Ostpreußen bekamen sie nur 14,8. Die Deutschkonservativen in Ostpreußen kamen auf 36,2, im »Reich« auf 9,2 Prozent der Stimmen. Das Land blieb strukturschwach; die »industrielle Revolution« ging an ihm vorbei. An dem rasanten Bevölkerungswachstum in Deutschlands Industrieregionen nahm es nicht teil und die Abwanderung gerade in das rheinisch-westfälische Industrierevier hielt an.60 Das Land der Wälder und Seen hinkte mit seinem dritten Rang hinter den preußischen Provinzen hinterher. Ungeachtet dessen blieb es für die Ausgewanderten die geliebte Heimat. Es waren gerade Künstler, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Weite des Himmels und die Einzigartigkeit der Landschaft zu schätzen wussten, wie die Maler Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Lovis Corinth, Oskar Moll, Ernst Bischoff-Culm, Ernst Mollenhauer und Max Pechstein oder die Schriftsteller Thomas Mann und Carl Zuckmayer.61 Nimmt man die Sammlung Litauischer Volkslieder und Märchen aus dem Preußischen und dem Russischen Litauen zur Hand, die 1881 von Karl Brugmann, August Leskien und Wilhelm Wollner vorgelegt wurde, so wird man verstehen, wie tief die Träume und Sehnsüchte der Ostpreußen verankert sind. 62 Zu denken ist an Simon Dach, Martin Opitz, Johann Christoph Gottsched, Johann Gottfried Herder, Immanuel Kant, Zacharias Werner (1768–1823), Johannes Georg Hamann und E. T. A. Hoffmann. Vertieft man sich in eine Sammlung ostpreußischer Erzähler und 57 58 59 60 61 62

Kossert, Ostpreußen, S. 41, 46. Taddey, S. 862. Boockmann, S. 367ff. [Ost- und Westpreußen im deutschen Kaiserreich]. Kossert, S. 43ff., 46. Ebd., S. 48. Karl Brugmann, August Leskien, Wilhelm Wollner: Litauische Volkslieder und Märchen aus dem Preußischen und dem Russischen Litauen, Leipzig im November 1881.

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Niemandsland (Leseprobe)  

Ostpreußen ist bis heute ein Mythos. Dieses Buch stellt die Geschichte der Familien Farenheid und Schmidt von Altenstadt seit dem Mittelalte...

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