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NA DI N E ROS SOL

Kartoffeln, Frost und Spartakus Weltkriegsende und Revolution 1918/19 in Essener Schüleraufsätzen


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. © be.bra wissenschaft verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2018 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebraverlag.de Lektorat: Ingrid Kirschey-Feix, Berlin Satz und Umschlag: typegerecht, Berlin (Foto: Essener Schülergruppe, 1917. Quelle: GStAPK Berlin, I. HA, Rep. 76, Seminare, Nr. 3425) Schrift: DTL Albertina 9,8/13 pt Druck und Bindung: Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-95410-209-9 www.bebra-wissenschaft.de


Inhaltsverzeichnis

Kartoffelernte und Revolution: Der »Revolutionsherbst« 1918  Essen und das evangelische Lehrerseminar zwischen Weltkrieg und Weimarer Republik  Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen  Nahrungsmangel in Essen und Erntehilfe in Pommern: Raus aufs Land!  Die Revolution in Essen im November 1918  Das evangelische Lehrerseminar Essen und seine Lehrer in der Weimarer Republik  Unterschiedliche Lebenswege der Essener Schüler 

Zu den Aufsätzen: Entstehung und Bedeutung  Themen, Schwerpunkte und Erzählstrategien der Schüler  Die Schüleraufsätze der Essener Erntehelfer  Die Revolutionsaufsätze 

7 16 21 24 35 42 47 55 60 64 68

Dokumente Hausaufsätze: »Meine Landarbeit in Pommern im Revolutionsherbst«  Emil Schreyger  Kurt Todtenhaupt  Friedrich Zeuch  Hans Funke  Bruno Heitz  Hermann Niehaus  Heinz Rahms  Karl Weygold  Oskar Möbius  Ernst Otte  Siegfried Ziegler  Berthold Krumm  Hans Arnswald  Georg Elgert 

77 82 85 89 92 95 99 104 108 112 115 121 128 133 138


Paul Geldmacher  Otto Krause  Friedrich Langefeld  Heinrich Ternieden  Karl Tillmann 

144 147 153 157 161

Klassenaufsätze: »Revolution im Ruhrgebiet«  Adam Adrio  Wilhelm Birkenhauer  Heinrich Bohn  Hans Erfurth  Wilhelm Güde  Fritz Jaeger  Fritz Kesper  Friedrich Laaser  Karl Leicht  Wilhelm Meise  Ernst Pepping  Albert Räder  Adolf Schmidt  Karl Sonnenschein  Alfred Walter  Emil Weier 

169 172 174 176 179 182 184 186 189 192 194 197 199 201 203 205 207

Biographische Angaben zu den Schülern 

209

Anhang Abdruck aus der Essener Arbeiter-Zeitung  Chronik  Abkürzungen und Ortsnamen  Quellen- und Literaturverzeichnis 

217 218 220 221

Dank 

229

Die Autorin 

230


Kartoffelernte und Revolution: Der »­Revolutionsherbst« 1918

Ende November 1918 schrieb der siebzehnjährige Schüler Hans Arnswald einen Aufsatz über seinen Aufenthalt im westpommerischen Schivelbein (Świdin). Er hatte dort im Herbst 1918 mit seiner Klasse bei der Kartoffelernte ausgeholfen. Auf der Hinfahrt, von Essen über Berlin und Stettin nach Schivelbein, besichtigten er und seine Klassenkameraden die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Beim Anblick des Berliner Schlosses fragte Hans Arnswald sich, »ob sich unser Kaiser bei all dem Reichtum und der Pracht, den ihm seine Stellung als deutscher Kaiser bot, glücklich fühlte. Heute [Ende November 1918] glaube ich behaupten zu können, dass er es nicht war, denn sonst würde er sich wohl nicht so eilig von seinem Heim und seinem Volk entfernt haben.«1 Als Arnswald Mitte Oktober 1918 mit seinen Klassenkameraden nach Pommern aufbrach, war Deutschland eine Monarchie. Bei ihrer Rückreise ins Ruhrgebiet, mit Ankunft am 13. November 1918, hatte der Kaiser abgedankt, die Revolution hatte gesiegt und der Krieg war vorbei. Damit erinnern die Aufsätze von Hans Arnswald und seinen Essener Schulkameraden an eine ›Zwischenzeit‹ Ende 1918. Der Untergang des Kaiserreichs war besiegelt, weniger klar war, was an dessen Stelle treten würde. Ob die Revolution dabei als Beginn von etwas Neuem oder als Schlusspunkt etwas Alten gesehen wurde, war auch den Zeitgenossen nicht immer offensichtlich. So schrieb 1919 ein Chronist aus Gelsenkirchen: »Freitag, der 8. November 1918 ist in der Geschichte Gelsenkirchens als Anfangstag einer neuen Zeit anzusprechen.« Sein Lektor änderte diesen Satz zu »Abschluss einer vergangenen Zeit«.2 Die im Folgenden abgedruckten 35 Aufsätze, geschrieben Ende November und Anfang Dezember 1918, behandeln eine Zeitspanne der Unsicherheit und der Hoffnung. Formuliert wurden sie von Schülern des evangelischen Lehrerseminars Essen. Die jungen Männer waren 16 und 17 Jahre alt und befanden sich in der Ausbildung zum Volksschullehrer. Sie waren noch zu jung, um in den Krieg zu müssen, sollten aber Arbeitseinsätze leisten. Mitte Oktober 1918 fuhr eine Gruppe von ihnen, circa 30 Schüler, mit ihrem Lehrer in das pommerische Schivelbein, um dort auf den umliegenden Gütern und Höfen bei der Ernte

1 Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStAPK) Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3432, Bl. 1, H. Arnswald, Meine Landarbeit im Revolutionsherbst. 2 Zitiert in W. Reininghaus: Die Revolution 1918/19 in Westfalen und Lippe als Forschungsproblem, Münster 2016, S. 36.

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mitzuhelfen.3 Die Lebensmittellage der Stadt Essen war im Herbst 1918 angespannt und die Entsendung von jugendlichen Erntehelfern nach Pommern sollte helfen, die Kartoffelversorgung der Industriestadt zu sichern. Im ländlichen Pommern fehlte es nicht an Kartoffeln, die nach Essen hätten geliefert werden können, aber an Arbeitskräften. Geplant war ein vier- bis sechswöchiger Aufenthalt, doch die Nachrichten über die Revolution veranlassten den Lehrer und die Schülergruppe zur verfrühten Abreise am 12. November 1918. Zurück in Essen verfassten sie Aufsätze über ihre Erlebnisse, das Thema hieß »Meine Landarbeit in Pommern im Revolutionsherbst« – geschrieben am 27. November 1918. Eine zweite Schülergruppe setzte sich mit dem Kriegsende und der Revolution in ihrer Heimatstadt auseinander. Sie waren nicht nach Pommern gefahren und erlebten daher die Geschehnisse in Essen. In ihren Aufsätzen, »Revolution im Ruhrgebiet«, blickten sie Anfang Dezember 1918 auf die Revolution am 8./9. November zurück. So berichtete Karl Leicht von einer Versammlung des Arbeiter- und Soldatenrates auf dem Essener Bismarckplatz, welche »wohl 10.000 Menschen«4 besuchten. Die Reden und Zurufe verwirrten den jungen Mann: »Erst auf dem Heimweg kam ich dazu, einmal darüber nachzudenken, was denn nur eigentlich los sei. Jetzt erst wurde mir klar, dass ich ein Stück Weltgeschichte miterleben durfte: Zusammengebrochen war das alte Regiment, Deutschland war freie Republik geworden.«5 Sein Klassenkamerad Karl Sonnenschein bedauerte, dass die Fahrgäste in der Straßenbahn »die Revolution sehr begrüßten« und niemand mehr »treu zur alten Herrschaft hielt«. Außerdem seien, so kommentierte Sonnenschein als Sohn eines Steigers, »unberufene Handwerker« an der Regierung.6 Dies war vielleicht als Seitenhieb auf den SPD-Politiker und späteren Reichspräsidenten Friedrich Ebert zu verstehen, der das Sattlerhandwerk gelernt hatte und in der Weimarer Republik massive Schmähungen wegen seiner »einfachen« Herkunft über sich ergehen lassen musste.7 Anfang Dezember 1918 war die Haltung der jugendlichen Schüler zu den neuen politischen Gegebenheiten noch abwartend, wobei der eine oder andere, der dem Kaiser nachtrauerte, nicht zwingend die politischen Veränderungen in Frage stellte. Wilhelm Güde schrieb am 6. Dezember 1918, »dass ich bis heute noch der Meinung bin, dass wir unseren Kaiser hätten behalten können. Dass er in seinen Rechten beschränkt würde, verträgt sich

3 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3432, Bl. 12. 4 Die Zahl der Teilnehmer wird von der Arbeiter-Zeitung mit hunderttausend angegeben und die Zeitung berichtet, »es kennzeichnet den Charakter des Rheinisch-Westfälischen-Anzeiger, dass dies Schwindelblatt die Frechheit hat, von 10.000 Besuchern dieser Demonstration zu schreiben«. Arbeiter-Zeitung, Nr. 264, 10.11.1918, Die Riesenkundgebung der sozialistischen Arbeiterschaft. 5 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3432, Bl. 35, K. Leicht, Revolution im Ruhrgebiet, 6.12.1918. 6 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3432, Bl. 21, K. Sonnenschein, Revolution im Ruhrgebiet, 6.12.1918. Vgl. die Schülerlisten des Seminars mit väterlicher Berufsbezeichnung GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3435, Schülerverzeichnis, Bl. 68. Der Steiger war eine Aufsichtsperson im Bergbau – ihm waren ein Teil des Bergwerks und die dort arbeitenden Personen unterstellt. Damit hatte der Steiger, auch auf der untersten Hierarchieebene die Aufsicht über andere Arbeiter. 7 W. Mühlhausen: Friedrich Ebert 1871–1925. Reichspräsident der Weimarer Republik, Bonn 2006, S. 911– 914.

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mit meiner Ansicht.«8 Ernst Pepping sinnierte in seinem Aufsatz über die Träumereien, die man sich kurz nach der Revolution ausgemalt hatte: »In den ersten Tagen der Revolution herrschte eine eigentümliche Stimmung, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit selbst mit den feindlichen Völkern. Man hatte ja auch weiten Spielraum, sich die Folgen der Revolution auszumalen. Aus der deutschen Revolution sollte eine internationale werden.« Doch er fand, »diese kühnen Träume« hätten sich nicht erfüllt, aber die Revolution könne trotzdem »eine Besserung vieler Dinge bringen«.9 Der evangelische Theologe Ernst Troeltsch bezeichnete im Sommer 1919 die Zeit bis zur Annahme des Friedensvertrages als »Traumland der Waffenstillstandsperiode«, in welcher jeder sich »die Zukunft phantastisch, pessimistisch oder heroisch ausmalen konnte«.10 Allerdings bezweifelt der Historiker Michael Geyer, dass in Deutschland »so groß geträumt wurde«.11 Und tatsächlich revidierte Schüler Ernst Pepping seine Träume schon Anfang Dezember 1918. Die Essener Schüleraufsätze sind nicht so eindeutig, wie es von einer Gruppe männlicher Jugendlicher zu erwarten gewesen wäre, die Historiker oft als eine Generation charakterisieren, die ihren Kriegseinsatz »verpasst« hatte. Vielmehr zeigen die Aufsätze eine Beschreibung von Zukunftserwartungen, Hoffnungen, Träumereien und jugendliche Abenteuerlust ebenso wie Vorurteile, Ungewissheit, Enttäuschungen und Unverständnis. Die Schüler verglichen ihre Emotionen und Meinungen oft mit den Einstellungen in ihrer Umgebung. So kam es bei einigen zur Abgrenzung von der skeptisch betrachteten Masse,12 andere gerierten sich als kritische Beobachter, wieder andere verliehen aber auch der eigenen Überforderung in Anbetracht der schnellen Veränderungen Ausdruck. Denn alles, so schien es für diese jungen Männer, kam anders und schneller als gedacht. Der Krieg endete mit einer Niederlage, der Kaiser hatte das Land verlassen und selbst die Revolution verlief nicht so, wie es historische Vorbilder, ob Frankreich oder Russland, vermuten ließen. Die Lücke zwischen Erfahrungsraum und Erwartungshorizont wird in den Aufsätzen deutlich.13 Daher sind die Aufsätze auch individuelle Versuche, wenigstens für den Moment des Schreibens, diese widersprüchlichen Ereignisse zu ordnen, zu bewerten und in stringente Erzählungen zu verwandeln. Dabei schrieben sich die Essener Schüler in ihre Aufsätze hinein und gaben sich unterschiedliche Rollen (aktiver Erntehelfer, genauer Beobachter oder kritischer Kommentator), die eine Teilnahme und Mitgestaltung der Ereignisse suggerieren. Allerdings war dies eine ganz andere Art der Mitgestaltung

  8 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3432, Bl. 27, W. Güde, Revolution im Ruhrgebiet.   9 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3432, Bl. 11, Aufsatz E. Pepping, Revolution im Ruhrgebiet. 10 Zitiert in M. Geyer: Zwischen Krieg und Nachkrieg – die deutsche Revolution 1918/19 im Zeichen blockierter Transnationalität, in: A. Gallus (Hrsg.): Die vergessene Revolution von 1918/19, Göttingen 2010, S. 195. 11 M. Geyer: Zwischen Krieg und Nachkrieg, S. 197. 12 Vgl. für verschiedene Konzepte der Masse in der Revolution auch M. Jones: The Crowd in the German November Revolution 1918, in: K. Weinhauer, A. McElligott, K. Heinsohn (Hrsg.): Germany 1916 –23. A Revolution in Context, Bielefeld 2015, S. 37–57. 13 Dieses Begriffspaar geht auf die Begriffsgeschichte von Reinhart Koselleck zurück.

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als die, der oft ebenso jungen, aber kritisch betrachteten Revolutionäre im Stadtzentrum Essens. Von denen, auch dies wird deutlich, wollten sich die Essener Schüler abgrenzen. Schüleraufsätze als historische Quelle zu nutzen ist nicht neu. Im Vergleich mit anderen Aufsätzen zeigt sich jedoch, wie ungewöhnlich die Essener Arbeiten sind. Wissenschaftler haben oft Aufsätze von Schülern höherer Schulen analysiert, also Schulformen, die im frühen 20. Jahrhundert überproportional von der gehobenen Mittelschicht besucht wurden.14 Die Essener Jugendlichen gehörten jedoch im Gegensatz dazu zur unteren Mittelschicht und gehobenen Arbeiterklasse. Ebenfalls außergewöhnlich waren die buchstäblich »revolutionären« Themen der Essener Aufsätze: »Meine Landarbeit in Pommern im Revolutionsherbst«, geschrieben am 27. November 1918, und »Revolution im Ruhrgebiet« geschrieben am 6. Dezember 1918. Diese äußerst aktuellen Themen waren nicht üblich, wie ein kurzer Überblick der Aufsatzthemen anderer Schulen im Zeitraum 1918/19 verdeutlicht: »Warum hat gerade das deutsche Volk Grund zum Stolz?« (21.9.1918, Große Stadtschule Rostock), »Das deutsche Volk im Kampf mit einer Welt von Feinden« (8.11.1918, Königliche Realschule Greifswald), »Unser Rückzug aus Feindesland« (3.2.1919, Gymnasium Greifswald),15»Warum sehen unsere Feinde in Deutschland ihren gefährlichsten Gegner?« (Reifeprüfung Wiesbaden 1918), »Welche Vorgänge nach den Befreiungskriegen haben die Errichtung des Deutschen Reiches gefördert und herbeigeführt?« (Reifeprüfung Wiesbaden 1919).16 Die Revolution kam anderswo nicht vor. Dass die Gedanken und Meinungen junger Männer über den »Revolutionsherbst 1918« nachzulesen sind, verdanken wir ihrem sozialdemokratischen Lehrer Dr. Gustav MüllerWolf. Er erfragte die Meinung seiner Schüler zu diesen Themen Ende November und Anfang Dezember 1918 und trat selbst Ende Dezember 1918 in die SPD.17 Daher erzählen diese Aufsätze und ihre Entstehungsgeschichte nicht nur von Schülern, die sich in einer neuen Zeit zurechtfinden mussten, sondern auch von ihrem Lehrer, der die Revolution als Chance für seinen eigenen Lebensweg erkannte und nutzte. Er war damit, wie seine Aufsatzthemen, eine Ausnahme. Die Bedeutung der Essener Schüleraufsätze geht über das Anekdotische hinaus. Historiker wissen vergleichsweise wenig darüber, wie Jugendliche bzw. junge Erwachsene das Kriegsende, die Novemberrevolution und die Umbruchsphase der darauffolgenden

14 Vgl. zum Beispiel: G. Lütgemeier: Deutsche Besinnungen 1911–1971. Hundert Reifeprüfungsaufsätze als Spiegel ihrer Zeit, Frankfurt a. M. 2008, Kapitel I und II; B. Sauer: »Nie wird das Deutsche Volk seinen Führer im Stiche lassen.« Abituraufsätze im Dritten Reich, Berlin 2012; C. Conrad: Krieg und Aufsatzunterricht. Eine Untersuchung von Abituraufsätzen vor und während des Ersten Weltkrieges, Frankfurt a. M. 1986; Kriegsreifeprüfung. Kriegsalltag, Kriegswirklichkeit und Kriegsende im Urteil Wiesbadener Schüler 1914 –1918, Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden 1996. 15 J. S. Hohmann/H. Langer (Hrsg.): »Stolz, ein Deutscher zu sein …« Nationales Selbstverständnis in Schulaufsätzen 1914 –1945, Frankfurt a. M. 1995, S. 136 –147. 16 Kriegsreifeprüfung. Kriegsalltag, Kriegswirklichkeit und Kriegsende im Urteil Wiesbadener Schüler, S. 131 f. 17 Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 910, Nr. 2775, S. 21.

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Wochen und Monate erlebt haben. Während Sammlungen von Feldpostbriefen und Tagebüchern Einblicke in die Ansichten junger Soldaten bieten,18 fehlen diese zeitnahen Quellen für die, die zu jung für den Militärdienst waren.19 Persönliche Erinnerungen, Aufzeichnungen oder Interviews finden sich oft für die Generation, die Anfang und Mitte der 1920er Jahre geboren wurde und nach Ende des Zweiten Weltkrieges über ihre Jugend in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus sprechen wollten.20 In wenigen Fällen kann auf Berichte und Interviews zurückgegriffen werden, in welchen Männer und Frauen der Jahrgänge 1907 bis 1914 sich an die Revolution 1918/19 erinnerten.21 Die Jahrgänge der Essener Schülergruppe, geboren 1901 bis 1903, zählen leider selten dazu.22 Die Essener Schüler waren im November 1918 mit 16 und 17 Jahren generell zu jung für das Militär, obwohl es durchaus schon Soldaten unter 18 Jahren bei der deutschen

18 Die Quellensammlungen an Feldpostbriefen sind enorm, da einige schon in der Weimarer Republik herausgegeben wurden. Eine der bekanntesten Sammlungen von Kriegsbriefen junger Soldaten sind die Kriegsbriefe deutscher Studenten, die von Philipp Witkop in der Weimarer Republik herausgegeben wurden. Dazu auch M. Hettling/M. Jeismann: Der Weltkrieg als Epos. Philipp Witkops Kriegsbriefe gefallener Studenten, in: G. Hirschfeld/G. Krumeich/I. Renz (Hrsg.): Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch … Erlebnis und Wirkungen des Ersten Weltkriegs, Frankfurt a. M 1996. Für neuere Editionen von Feldpostbriefen vgl. z. B. B. Ulrich/B. Ziemann (Hrsg.): German Soldiers in the Great War, Barnsley 2010; J. Ebert (Hrsg): Vom Augusterlebnis zur Novemberrevolution. Briefe aus dem Weltkrieg, Göttingen 2014; G. Engel: Rote in feldgrau. Kriegs- und Feldpostbriefe junger linkssozialdemokratischer Soldaten des Ersten Weltkrieges, Berlin 2007. 19 Das Deutsche Tagebuch Archiv (DTA) in Emmendingen besitzt wenige Aufzeichnungen von jungen Leuten, die über das Kriegsende und die Revolution berichten, die nicht Teil des Militärs waren. Eine Ausnahme ist das Tagebuch der 18-jährigen Anna Maria J., die als junge Kindergärtnerin in einem streng konservativen Haus auf der Domäne Steinhorst bei Lauenburg fasziniert von den politischen Ereignissen Ende 1918 berichtete. Vgl. für ihr Tagebuch DTA Emmendingen, Sign. 2189, 2. Vgl. ebenfalls Sign. 1708, 1 und Sign. 336 II, 1. Vgl. ebenso DTA Emmendingen, Sign. 17081, 1, Wilhelm S. (geb. 1902), Tagebuch 1918 –1921. – Der nationalkonservative Gymnasiallehrer Josef Hofmiller schrieb amüsiert über die Reaktion seiner Münchener Gymnasialklasse im Winter 1918/19. Vgl. J. Hofmiller: Revolutionstagebuch 1918/19. Aus den Tagen der Münchner Revolution, Leipzig 1938. 20 Vgl. R. Pörtner (Hrsg.): Alltag in der Weimarer Republik. Kindheit und Jugend in unruhiger Zeit, Düsseldorf 1990; W. Klafki (Hrsg.): Verführung, Distanzierung, Ernüchterung. Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus. Autobiographisches aus erziehungswissenschaftlicher Sicht, Weinheim 1988. Für Lebensgeschichten aus Essen von dieser Altersgruppe, vgl. das informative Geschichtsprojekt »Jugend! Deutschland 1918 –1945«, http://www.jugend1918 –1945.de/lebensgeschichten.aspx, sowie K. Lindemann: Deutsch Denken, Reden, Schreiben. Schule, Deutschunterricht und Abitur 1932–1940 dargestellt am Beispiel der Essener Gymnasien Borbeck und Bredeney, Frankfurt a. M. 2003. 21 T. A. Kohut: A German Generation. An experiental history of the twentieth century, New Haven 2012; M. Fulbrook: Dissonant Lives. Generations and violence through the German dictatorships, Oxford 2011, Kap. 3. Vgl. auch H. Wenzel (geboren 1908): Revolution und Wahl 1918/19, DHM, Lemo: https://www. dhm.de/lemo/zeitzeugen/henning-wenzel-revolution-und-wahl-191819. 22 Die DDR gab zu Propagandazwecken Ende der 1950er Jahre Augenzeugenberichte über die Revolution heraus. Vgl. J. Petzold: Der 9. November 1918 in Berlin. Berliner Arbeiterveteranen berichten über die Vorbereitung der Novemberrevolution und ihren Ausbruch am 9. November 1918 in Berlin (Kommission zur Erforschung der Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung bei der Bezirksleitung der SED GroßBerlin, Bezirksleitung der SED Groß-Berlin, Abteilung Agitation und Propaganda), Sept. 1958.

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Armee gab.23 Historiker nennen diese Generation »victory watchers« oder »KriegsjugendGeneration« (geboren zwischen 1900 und 1914) – die Jugendlichen waren zu jung für die Front, wurden aber durch die Schule, Jugendvereine und die Kriegsmobilisierung in der Heimat auf ihren Kriegseinsatz eingeschworen, der dann nicht mehr nötig war. Eine Erfahrung, die, verbunden mit der Instabilität der Weimarer Republik, diese Generation empfänglich für antidemokratische und nationalsozialistische Ideen gemacht haben soll, besonders die protestantischen männlichen Vertreter der Mittelschicht.24 Wenn auch manches für diese These spricht, wäre ein größerer Fokus auf geographische Unterschiede, Alter sowie weitere soziale Differenzierungen hilfreich.25 Ein vierzehnjähriger Gymnasiast aus einer mitteldeutschen Kleinstadt erlebte das Kriegsende und die Revolution vermutlich anders, als ein siebzehnjähriger Großstädter aus der unteren Mittelschicht – auf diese Unterschiede kommen wir später noch zurück. Soziale Klasse, Alter, aber ebenso der Wohnort prägten deutlich die Ansichten der Schüler. Die Schülergruppe vom evangelischen Lehrerseminar passt nur teilweise in diese Generationsbeschreibung. Der Begriff der »Kriegsjugend-Generation« greift für sie zu kurz. Ihr Alter lag bei Kriegsende mit 16 bis 17 Jahren höher als bei den meisten, oft prominent hervorgehobenen Vertretern dieser Generation, die das Kriegsende als junge Schüler erlebt hatten. Außerdem befanden sich die Essener, trotz des schulischen Umfelds, in der Ausbildung zu einem Beruf. Daran änderte auch die Revolution nichts. Der Journalist Sebastian Haffner, geboren 1907, und der Schriftsteller Klaus Mann, geboren 1906, erinnerten sich an die Revolution als verwirrend und destabilisierend.26 Dies mag auch die Gefühlslage der Essener Lehreranwärter im Winter 1918 getroffen haben. Gleichwohl setzte die Mehrheit von ihnen ihre Ausbildung zum Volksschullehrer einfach weiter fort. Auch wenn in dieser Untersuchung jugendliche Schüler im Mittelpunkt stehen, geht die vorhandene Forschungslücke über diese Gruppe hinaus. Wir wissen nicht nur wenig über junge Leute und ihre Erwartungen und Erfahrungen in der Revolution 1918/19, sondern auch über den Rest der Gesellschaft in dieser Zeit.27 Die vielfältigen und inspirierenden Studien zu verschiedenen Aspekten der Alltagsgeschichte im Ersten Weltkrieg,

23 S. Audoin-Rouzeau: Kinder und Jugendliche, in: G. Hirschfeld et al (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn 2004, S. 135. 24 Vgl. A. Donson: Youth in the Fatherless Land. War, Pedagogy, Nationalism and Authority in Germany 1914 –1918, Cambridge 2010; A. Donson: Why did German Youth become fascists? Nationalist Males born 1900 to 1908 in War and Revolution, in: Social History, 31 (2006), Nr. 3, 337–358; A. Weinrich: Der Weltkrieg als Erzieher. Jugend zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus, Essen 2013; T. A. Kohut: A German Generation. An experiental history of the twentieth century, New Haven, 2012. Vgl. auch die bahnbrechende Arbeit von M. Wildt: Generation des Unbedingten. Das Führerkorps des Reichssicherheitshauptamtes, Hamburg 2003. 25 Vgl. B. Ziemanns Rezension von Andrew Donsons Studie in: First World War Studies, 3: 1 (2012), S. 115. 26 T. A. Kohut: A German Generation, S. 73. 27 Die Konferenz »Living the German Revolution« am DHI in London (18.–20.10.2018) verspricht hier Abhilfe, indem sie sich explizit auf Revolutionserfahrungen konzentriert.

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darunter die Erfahrungen von Frauen und Soldaten, die Bedeutung von Emotionen, das He­rausbilden einer Protestkultur und das Einfordern politischer Veränderungen, haben die Forschung zur Revolution und zu den Anfangsjahren der Weimarer Republik bisher nur in Ansätzen erreicht.28 Wichtige Gesamtdarstellungen, ebenso wie Lokalstudien, konzentrierten sich lange auf politische Abläufe und Auswirkungen, auf Spielräume und Gestaltungsmöglichkeiten der politischen Linken von Herbst 1918 bis Frühjahr 1920. Dabei nahmen Fragen nach einer »verpassten«, »ungewollten« oder »steckengebliebenen« Revolution eine wichtige Rolle ein. Es wurde diskutiert, ob die Sozialdemokraten das Land vor dem Kommunismus gerettet hatten, oder ob das Demokratisierungspotenzial der Räte stärker hätte mobilisiert werden können, wenn die SPD diesen Schritt gewagt hätten. Denn die Revolution 1918/19, besonders die gewaltgeprägte Phase 1919, diente in der westdeutschen Geschichtswissenschaft oft als Projektionsfläche für die »Geburtsfehler« der neuen deutschen Republik.29 Diesem Fokus auf Politikgeschichte mit teilweise wirtschaftsgeschichtlichen Aspekten folgte lange wenig. Die Revolution wurde vielleicht nicht »vergessen«, wie Alexander Gallus in seinem Sammelband betont,30 aber sicherlich von neuen Entwicklungen in der Geschichtswissenschaft abgekoppelt. Die Russische Revolution ist in den Themengebieten der politischen Kulturgeschichte deutlich besser ausgeleuchtet, hier wären Anregungen für das deutsche Beispiel zu finden.31 Großartige Quellensammlungen zur deutschen Rätebewegung in der Revolution liegen schon seit den 1970er und 1980er Jahren vor.32 Material für eine größere Konzentration auf Aspekte der politischen Kulturgeschichte, auf Erfahrungen und Erwartungen, die Sprache der Revolutionäre oder auf politische

28 Vgl. die aktuellen Aufsätze zum Forschungsstand von V. Stalmann: Die Wiederentdeckung der Revolution von 1918/19, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Jahrgang 64, Heft 6, 2016, S. 521–541; A. Gallus: Auf dem Weg zur Reaktualisierung durch Historisierung, in: M. Dreyer/ A. Braune (Hrsg.): Weimar als Herausforderung, Stuttgart 2016, S. 9 –22. 29 Für eine detailreiche Auseinandersetzung mit der Interpretation der deutschen Revolution in der Geschichtswissenschaft vgl. W. Nies: Die Revolution von 1918/19 in der deutschen Geschichtsschreibung, Berlin 2013. Auch die neue Arbeit von Joachim Käppner befasst sich mit den Fragen nach politischen Entwicklungen und verpassten Möglichkeiten. J. Käppner: 1918 – Aufstand für die Freiheit. Die Revolution der Besonnenen, München 2017. 30 Vgl. A. Gallus (Hrsg.): Die vergessene Revolution von 1918/19, Göttingen 2010. 31 Vgl. O. Figes/B. Kolonitskii: Interpreting the Russian Revolution: The Language and Symbols of 1917, New Haven 1999; M. D. Steinberg (Hrsg.): Voices of Revolution 1917, New Haven 2001; D. J. Raleigh: Experiencing Russia’s Civil War: Politics, Society, and Revolutionary Culture in Saratov 1917–1922, Princeton 2002. 32 Vgl. z. B. bearbeitet von E. Kolb/K. Schönhoven: Regionale und lokale Räteorganisationen in Württemberg 1918/19, Düsseldorf 1976; bearbeitet von P. Brandt/R. Rürup: Arbeiter-, Soldaten- und Volksräte in Baden 1918/19, Düsseldorf 1980. In diese Reihe gehört auch die Quellensammlung des Hamburger Arbeiter- und Soldatenrates, die allerdings erst 2013 erschienen ist, bearbeitet von V. Stalmann unter Mitwirkung von J. Stehling: Der Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat 1918/19, Düsseldorf 2013. Vgl. auch G. Schmolze (Hrsg): Revolution und Räterepublik in München 1918/19 in Augenzeugenberichten, München 1978.

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Symbolik ist daher vorhanden.33 Dazu zählen auch die Tagebücher und Memoiren der Kommentatoren Harry Graf Kessler, Theodor Wolff und Victor Klemperer; der Künstler Käthe Kollwitz, Thomas Mann und Gerhart Hauptmann oder politischer Akteure wie u. a. Philipp Scheidemann, Wilhelm Dittmann, Bernhard Falk und Albert Grzesniski.34 Die Erinnerungen der Lehrer Karl Wille (Berlin) und Josef Hofmiller (München) sowie die unveröffentlichten Tagebücher im Deutschen Tagebuch Archiv bieten weitere Eindrücke in das Revolutionsgeschehen, aufgeschrieben von Männern und Frauen, die sich nicht routinemäßig zu politischen Ereignissen äußerten.35 Neue Publikationen, von denen hier nur einige schlagwortartig vorgestellt werden können, haben begonnen die Forschung über die Revolution an neuen Fragen und Methoden auszurichten. Dabei beziehen sie sich auf Konzepte und Ideen, die in der Geschichtswissenschaft schon genutzt werden, aber bisher nur selten auf die Untersuchung der Revolutionszeit angewendet wurden. So analysiert Julian Aulke in seiner Studie die Räume der Revolution und ihre politische Besetzung und Bedeutung. Dabei richtet er seinen Blick nicht nur auf Berlin, sondern auch auf andere öffentliche Räume – von den verzahnten Städten des Ruhrgebietes bis zu nachbarschaftlichen Vierteln.36 Mark Jones konzentriert sich auf die Gewalterfahrung und die Gewaltausübung in der Revolution,37 während Axel Weipert die facettenreichen Berliner Räte aufzeigt, zum Beispiel Schüler-, Frauen-, Bürger- und Künstlerräte, und so Einblick in die Organisation verschiedener gesellschaftlicher Gruppen gibt.38 Volker Weidermanns populärwissenschaftliche Studie über die Intellektuellen in der Münchener Revolution, die ihre Erwartungen an die neue Räterepublik formulierten, verdeutlicht eindringlich ihre Zukunftsvorstellungen, Hoffnungen und Träume.39 Der Sammelband Germany 1916–1923 bettet die deutsche Re­volution in einen internationalen Kontext ein und setzt kulturgeschichtliche Schwer-

33 Trotzdem fehlen für die Arbeiter- und Soldatenräte Studien, die diesen Fragen nachgehen. Hier könnte die bahnbrechende Arbeit von Thomas Mergel über den Reichstag in der Weimarer Republik als Vorbild dienen. Vgl. T. Mergel: Parlamentarische Kultur in der Weimarer Republik, München 1997. 34 H. Graf Kessler: Tagebücher 1918 –1937, Berlin 2013; T. Wolff: Der Marsch durch zwei Jahrzehnte, Amsterdam 1936; V. Klemperer: Man möchte immer weinen und lachen in einem. Revolutionstagebuch 1919, Berlin 2015; B. Falk: Erinnerungen eines liberalen Politikers, Düsseldorf 2012; K. Kollwitz: Die Tagebücher, Berlin 1989; T. Mann: Tagebücher 1918 –1921, Frankfurt a. M. 2003; G. Hauptmann: Tagebücher 1914 –1918, Berlin 1997; A. Grzesniski: Im Kampf um die deutsche Republik, München 2001. 35 K. Wille: Tagebuchbekenntnisse eines Berliner Schulmeisters in den Revolutionsjahren 1918/19, Berlin 1996; J. Hofmiller: Revolutionstagebuch 1918/19. Vgl. einige Beispiele aus dem Deutsches Tagebuch Archiv Emmendingen: Sign. 1142, 1, Margarete W., Briefe aus dem Nirgendland; Sign. 1299/II, Tagebuch aus Greifswald 1914 –1918 (anonym); Sign. 1875,1– 6, Bernhard G., Tagebücher 1917–1922; Sign. 894, II, 1, Marga S., Tagebuch. 36 J. Aulke: Räume der Revolution, Stuttgart 2015. 37 M. Jones: Founding Weimar. Violence and the German Revolution of 1918 –19, Cambridge 2016. 38 A. Weipert: Die Zweite Revolution, Berlin 2015. 39 V. Weidermann: Träumer. Als die Dichter die Macht übernahmen, Köln 2017.

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punkte.40 Der Historiker Alexander Gallus betont, die neue Revolutionsforschung sollte die Revolution als »offene historische Situation voller Lebendigkeit und Risiken« begreifen und dabei Erwartungen, Erfahrungen, Hoffnungen, Ängste und Wünsche verschiedener Gruppen im Blick behalten«.41 Dieses Buch soll einen Beitrag zu einem neuen Blickwinkel auf die Revolution leisten, wobei betont werden muss, dass die wichtige Studie von Martin H. Geyer, Verkehrte Welt. Revolution, Inflation und Moderne: München 1914–1924, schon 1998 diesen Pfad eingeschlagen hatte.42 Das Gedenkjahr 2018 an den Beginn der Revolution sollte nicht nur diesem Ereignis zu mehr medialer Aufmerksamkeit verhelfen, sondern auch den Fokus auf die Akteure legen, die bisher vernachlässigt wurden.43 Diese Untersuchung ist in drei große Abschnitte unterteilt. Zuerst liegt der Schwerpunkt auf dem evangelischen Lehrerseminar und auf der Stadt Essen von Kriegsbeginn bis zur Weimarer Republik. Dabei rücken die Schüler des Seminars – die Aufsatzschreiber – in den Mittelpunkt, ebenso wie ihr Lehrer Dr. Müller-Wolf. Wir erfahren mehr über soziale Hintergründe und ihre weiteren Lebenswege, über die Situation in der Stadt Essen und der Provinz Pommern bei Kriegsende und zur Zeit der Revolution sowie über Chancen und Probleme der Volksschullehrerausbildung nach 1918. Der zweite Teil konzentriert sich auf die Analyse der Schüleraufsätze. Wie haben die Schüler ihre Erlebnisse und Beobachtungen im November/Dezember 1918 beschrieben? Welche Möglichkeiten der Teilhabe formulierten sie und wie brachten sie temporär Ordnung in die sich überschlagenden politischen Verhältnisse? Nicht nur Emotionen – die eigenen genauso wie die anderer – wurden beschrieben, sondern auch Versuche gemacht, alte und neue Erfahrungen zu ordnen, zu bewerten und damit handhabbar zu machen. Dabei werden Spannungen und Widersprüche in den einzelnen Aufsätzen sichtbar. Im dritten Teil sind die Aufsätze mit Anmerkungen abgedruckt. Die ermittelten biographischen Angaben zu den Essener Schülern befinden sich ebenfalls in diesem Teil. Der Anhang enthält noch einen Artikel des bewertenden Lehrers sowie einen chronologischen Abriss.

40 K. Weinhauer/A. McElligott/K. Heinsohn (Hrsg.): Germany 1916 –1923. A Revolution in Context, Bielefeld 2015. 41 A. Gallus: Auf dem Weg zur Reaktualisierung durch Historisierung, S. 17 f. 42 M. H. Geyer: Verkehrte Welt. Revolution, Inflation und Moderne: München 1914 –1924, München 1998. Vgl. auch die Anfangskapitel in R. Graf: Die Zukunft der Weimarer Republik. Krisen und Zukunftsaneignungen in Deutschland 1918 –1933, München 2008. 43 Ein wichtiger Aufsatz, der diese Themen behandelt, wird im Sommer 2018 in der geschichtswissenschaftlichen Zeitung Past & Present erscheinen: M. Föllmer: The unscripted Revolution: Male subjectivties in Germany, 1918/19, in: Past & Present, 241 (August 2018).

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Essen und das evangelische Lehrerseminar zwischen Weltkrieg und Weimarer Republik Gegründet wurde das evangelische Lehrerseminar Essen, ebenso wie sein katholisches Pendant, 1909. Essens Ausbildungsstätten für Volksschullehrer waren Teil einer zweiten Gründungswelle, die sich besonders auf die Rheinprovinz und Westfalen bezog und Lehrerseminare in wirtschaftlich boomende Städte brachte. Besaß die Rheinprovinz 1898 nur 19 Lehrerseminare, waren es 1913 schon 31. Damit öffneten sich die Seminare und das Berufsbild des Volksschullehrers für die Kinder der gehobenen Arbeiterklasse.44 Der Beginn des 20. Jahrhunderts brachte noch eine weitere Änderung: Lehrerseminare wandelten sich von Internaten zu externen Ausbildungsstätten.45 Ihre konfessionelle Trennung blieb bestehen ebenso ihre Trennung nach Geschlechtern. Lehrerseminare bildeten nur männliche Schüler aus und auch das Lehrerkollegium war in der Regel vollständig männlich. Der Ausbildungsweg zum Volksschullehrer lässt sich knapp zusammenfassen: Volksschullehrer wurden, anders als Lehrer für höhere Schulformen, nicht an den Universitäten ausgebildet, sondern in Lehrerseminaren. Diese besuchte ein vierzehnjähriger Schüler für drei Jahre als Präparand und danach für weitere drei Jahre als Seminarist. Jedes Lehrerseminar war mit einer Übungsschule verbunden, wo die Seminaristen mindestens einmal pro Woche unterrichteten. Die Ausbildungsfächer waren Pädagogik, Religion, Deutsch, Fremdsprachen, Geschichte, Mathematik, Naturkunde, Erdkunde, Zeichnen, Turnen und Musik. Dabei kam dem Musik- und dem Religionsunterricht ein hoher Stellenwert zu. Es überrascht daher nicht, dass in der Essener Schülergruppe, mit Adam Adrio und Ernst Pepping, zwei wichtige Vertreter der evangelischen Kirchenmusik zu finden sind. Die schulische Ausbildung endete mit der ersten Lehrerprüfung, die zweite Prüfung folgte, nachdem die jungen Lehrer an einer Volksschule gearbeitet hatten.46 Die Essener Aufsatzschreiber begannen ihre Ausbildung am Lehrerseminar 1915 und 1916, sie beendeten ihre Zeit dort in den frühen 1920er Jahren.47 Zunächst war das Seminar in einem Gymnasium untergebracht, 1915 bezog man einen Neubau. Gebaut wurde dieser von 1913 bis 1914 nach den Entwürfen der Architekten Edmund Körner und Dr. Albert Erbe, die Essen städtebaulich zu dieser Zeit besonders prägten. Das Ensemble Alte Synagoge und Altkatholische Kirche stammt ebenfalls von

44 M. Sauer: Volksschullehrerbildung in Preußen. Die Seminare und Präparandenanstalten vom 18. Jahrhundert bis zur Weimarer Republik, Köln 1987, S. 118. Unter den Neugründungen waren z. B. die Seminare in Essen (1909), Recklinghausen (1909), Hamm (1910), Koblenz (1903), Düren (1905), Ratingen (1908), Gummersbach (1904), Kettwig (1908) und Euskirchen (1909). 45 M. Sauer: Volksschullehrerbildung in Preußen, S. 81. 46 Ebd., S. 115. 47 Vgl. die Kurzbiographien in diesem Buch.

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ihnen.48 Der denkmalgeschützte Bau des evangelischen Lehrerseminars steht noch heute und darin ist mit dem Ruhr-Kolleg auch eine Schule untergebracht.49 Der Neubau des Lehrerseminars 1913/14 war für 90 Schüler geplant. Es gab drei große Lehrsäle, eine Aula, fünf Musikzimmer, einen Zeichensaal, einen Physik- und Chemiesaal, sechs Zimmer für Übungsschulklassen, eine Turnhalle, ein Bibliothekszimmer, einen Konferenzraum, einen Arbeitssaal, einen Waschraum sowie Dienstwohnungen. Dazu gehörte auch die Hof- und Gartenanlage, die zur Bienenzucht, zum Obstanbau und als Spielplatz für die Kinder der Übungsschule genutzt wurden.50 In dieser räumlichen Umgebung entstanden die abgedruckten Aufsätze. Ein Lehrerseminar war ein wichtiger wirtschaftlicher und kultureller Faktor für eine aufstrebende Großstadt. Daher wollte Essens Oberbürgermeister Dr. Hans Luther die Ausbildungsstätte in seiner Stadt halten. Als die Weimarer Republik die Volksschullehrerausbildung neu organisierte und Lehrerseminare durch Pädagogische Akademien ersetzte, bangte Luther um einen wichtigen Pfeiler der städtischen Infrastruktur. Er schrieb besorgt an die preußischen Behörden und betonte, dass Essen bei der Neuausrichtung der Volksschullehrerbildung keinesfalls leer ausgehen dürfe. Luther hob hervor, dass die Stadt als Zentrum des Industriegebietes nicht nur ideale Bedingungen böte, sondern es auch »ein Gebot der Gerechtigkeit« sei, im Industriegebiet, welches er bei Schuleinrichtungen und Kulturinstitutionen vernachlässigt sah, eine neue Bildungsstätte für Lehrer einzurichten. Außerdem sei Essen günstig gelegen, hätte die vierthöchste Bevölkerungszahl Preußens und mit 76.000 Volksschülern genug Bedarf für den Volksschullehrerberuf.51 Der Oberbürgermeister hatte allerdings keinen Erfolg. Der endgültigen Schließung im Jahre 1925/26 folgte keine Neueröffnung in Essen. Pädagogische Akademien entstanden u. a. in Bonn und Dortmund.52 Traditionell zählten die Söhne von Handwerksmeistern, Kleinbauern, mittleren Beamten und Angestellten zu den Schülern an Lehrerausbildungsstätten. Damit war der Beruf

48 Städtisches evangelisches Lehrerseminar in Essen, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, Nr. 69, 36. Jahrg., 26.8.1916, S. 463. 49 Das Gebäude ist von der Stadt Essen in einer Liste von denkmalgeschützten Bauten aufgeführt. 50 Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 405, Nr. 1541 (keine Blattsignatur), Vertrag zwischen der Stadt Essen (vertreten durch Dr. H. Luther) und dem königlich preußischen Fiskus, 21.5.1913. Vgl. auch: Deutsche Bauzeitung, Nr. 42, 58. Jahrg., 24.5.1924, Städtische Hochbauten in Essen Ruhr. II Evangelisches Lehrerseminar in der Friedhofstraße, S. 464. 51 Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 405, Nr. 1541 (keine Blattsignatur), Bürgermeister Dr. H. Luther an Preußisches Finanzministerium und an das Preußische Ministerium für Wissenschaft/ Kunst u. Volksbildung, 7.11.1921 (keine Blattsignatur). Für eine Übersicht über Essens Fortbildungsschulen vgl. auch: Dr. Richter: Das Fach- und Fortbildungswesen der Stadt Essen, in: Monographien Deutscher Städte, Bd. XI: Essen, Berlin 1923, S. 11–113. 52 R. Weber: Die Neuordnung der preußischen Volksschullehrerbildung in der Weimarer Republik, Frankfurt a. M. 1984, S. 137. Pädagogische Akademien entstanden Ende der Weimarer Republik noch in Elbing, Kiel, Frankfurt a. M., Breslau, Erfurt, Hannover, Beuthen, Halle, Cottbus, Altona, Frankfurt O., Kassel und Stettin.

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des Volksschullehrers zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Aufsteigerberuf, der allerdings nach oben gedeckelt war.53 Denn an höheren Schulen konnten Volksschullehrer wegen der fehlenden universitären Ausbildung nicht unterrichten. Für Kinder der gehobenen Mittelschicht, die nach ihrem Schulbesuch an die Universität strebten, um die Ausbildung als Gymnasiallehrer zu absolvieren, waren sie keine Konkurrenz. Die Schülerlisten des evangelischen Lehrerseminars Essen entsprechen diesem Bild, wobei die Kleinbauern durch die Berufe einer boomenden Industriestadt ersetzt wurden. In den väterlichen Berufsangaben der Essener Schüler finden sich Steiger, Werksmeister, Schichtmeister, Arbeitersekretär, Fabrikarbeiter, Lokomotivführer und Bergmann. Handwerksberufe sind besonders deutlich vertreten – die Väter der Aufsatzschreiber sind u. a. Schuhmachermeister, Schlosser, Schreiner, Drucker, Malermeister, Stellmacher, Bäckermeister, Mechaniker, Installateur und Schneider. Selbständige Berufe, z. B. Autodroschkenbesitzer, Gärtnereibesitzer und Kaufmann, kommen ebenso vor wie Bankarbeiter, Bürobeamter, Zollbeamter, Geschäftsführer und Rechnungsbeamter.54 Prorektor und Lehrer des Seminars Dr. Müller-Wolf beschrieb im März 1920 die Elternschaft seiner Zöglinge als »Industriearbeiter und sonst kleine Leute«.55 Betty Hildebrand, geboren 1903, erinnerte sich, dass 1918 manche Schüler des Lehrerseminars zur Sozialistischen Arbeiter Jugend Essens gefunden hatten, aber nur einige von ihnen länger dabeiblieben.56 Der Schulbesuch vor dem Eintritt in das Lehrerseminar bietet weitere Hinweise auf den sozialen Hintergrund der Schüler des Lehrerseminars. Die Mehrheit der 35 Schüler besuchte nach der Volksschule eine Mittelschule, einige auch ein Realgymnasium oder eine Oberrealschule. Mittelschulen hatten in Essen noch keine lange Tradition; diese Schulform wurde dort erst Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt. Mittelschulen verlangten ein mäßiges Schulgeld, sollten den praktischen Bedürfnissen des Mittelstandes nutzen und dauerten zwei Jahre länger als die siebenjährige Volksschule.57 Geographisch kamen die Schüler aus Essen oder der näheren Umgebung, u. a. aus Oberhausen, Gelsenkirchen, Bochum, Mülheim an der Ruhr, Duisburg, Elberfeld, Goch, Kaldenkirchen und Dorstfeld.58 In vielen Fällen war Essen der Geburts- und Wohnort. Damit bestätigte sich, was Oberbürgermeister Luther in seinem Brief an das preußische Ministerium betont hatte: das Lehrerseminar der Stadt rekrutierte seine Schüler aus dem Großraum Essen.

53 K. Bieler: Im Preußischen Schuldienst. Arbeitsverhältnisse und Berufsbiographien von Lehrerinnen und Lehrern in Berlin-Schöneberg, Köln 2007, S. 66 – 67. 54 Vgl. GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3435 (Schülerverzeichnis). 55 Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 405, Nr.1511, Bericht (gez. Prorektor Müller) an Preuß. Minister, 31.3.1920. 56 H. Behrens-Cobert: Abschiede vom Proletariat? Lebenslagen und Bildungsgeschichten ehemaliger Mitglieder der Essener SAJ, Bonn 1996, S. 50. 57 Vgl. E. Zweigert: Verwaltung der Stadt Essen im XIX. Jahrhundert, Bd. 1, 1902 Essen, S.408 – 411. 58 Das Schülerverzeichnis zeigt die Geburtsorte. Vgl. GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3435 (Schülerverzeichnis).

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Eine weitere Gemeinsamkeit der Schüler war ihre evangelische Religion, mit welcher sie in Essen jedoch in der Minderheit waren. In den 1870er Jahren gehörten über 60 Prozent der Stadteinwohner der katholischen Konfession an, im Landkreis Essen waren es über 75 Prozent.59 Das prozentuale Verhältnis der Konfessionen veränderte sich in der Weimarer Republik zwar allmählich,60 doch die katholische Mehrheit in Essen blieb deutlich.61 Der Besuch einer konfessionellen Schule bedeutete nicht zwingend eine starke Religiosität. Gottesdienste, Gebete und Religionsunterricht gehörten zum Alltag der Schulen und Ausbildungsstätten im Kaiserreich. Um der Trennung der Konfessionen Rechnung zu tragen, gab es ein evangelisches und ein katholisches Lehrerseminar in Essen, deren Absolventen dann an einer evangelischen bzw. katholischen Volksschule unterrichteten. Besonders die evangelische Kirche stand geschlossen hinter der Monarchie. Evangelische Pfarrer riefen noch in den letzten Kriegstagen 1918 zur Kaisertreue auf.62 Der Historiker Boris Barth beschreibt, dass die evangelische Kirche eine Kriegsniederlage nie in Betracht gezogen hatte und so dieses Ereignis kaum erklären und verarbeiten konnte.63 Außerdem verlor sie mit der Abdankung von Wilhelm II. ihren obersten Vertreter, was zusätzlich zur Skepsis gegenüber den neuen politischen Verhältnissen führte.64 Auch wenn die Essener Lehreranwärter vielleicht nicht übermäßig religiös waren, gehörte die evangelische Kirche, neben der Schule, zu einem wichtigen Faktor in ihrem Alltag. Viele Schüler erwähnten den sonntäglichen Kirchenbesuch in ihren Aufsätzen – sowohl bei der Erntearbeit in Pommern als auch in den unruhigen Tagen der Revolution im Ruhrgebiet. Nicht für alle 35 Aufsatzschreiber endet die Ausbildung am Lehrerseminar Essen mit einem Abschluss. Tatsächlich gingen mindestens neun Schüler ohne Abschluss ab. So verließ zum Beispiel Berthold Krumm das Seminar, um als Bürokaufmann zu arbeiten.65 Hans Erfurth zog 1919, nach dem Tod des Vaters, mit seiner Mutter nach Magdeburg und wurde Ingenieur.66 Karl Sonnenschein wurde Steiger wie sein Vater; auch er verließ das Seminar ohne Abschluss.67 Wie Karl Sonnenschein folgte auch Friedrich Zeuch den Fuß-

59 F. Bajohr: Zwischen Krupp und Kommune, Essen 1988, S. 23. 60 Vgl. GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3432, Bl. 16, E. Weier, Revolution im Ruhrgebiet; Bl. 25, F. Kepser, Revolution im Ruhrgebiet; Bl. 43, E. Schreyger, Meine Landarbeit in Pommern; Bl.8 – 9, O. Möbius, Meine Landarbeit in Pommern; Bl. 48, K. Tillmann, Meine Landarbeit in Pommern; Bl. 79, K. Weygold, Meine Landarbeit in Pommern; Bl. 82, O. Krause, Meine Landarbeit in Pommern. 61 Chronik der Stadt Essen 1918, S. 31. Oktober 1918: 183.563 evangelische und 260.682 katholische Einwohner. 62 D. Bockermann: Wir haben in der Kirche keine Revolution erlebt, S. 34 –37. 63 B. Barth: Dolchstoßlegende und politische Desintegration, Düsseldorf 2003, S. 171. 64 Ebd., S. 43 – 49. 65 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3435, Bl. 84 (Schülerverzeichnis). 66 Bundesarchiv (BArch) Berlin, R9361, III, Nr. 39837, S. 1486. 67 BArch Berlin, R9361-IX, NSDAP Mitgliederkartei/Gaukartei, Sonnenschein Karl. Vgl. auch die biographischen Angaben in diesem Buch.

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stapfen seines Vaters; der Sohn des Kraftdroschkenbesitzers wurde Kraftfahrer.68 Insgesamt 18 Schüler der hier vorgestellten Gruppe wurden später Lehrer, eine Mehrheit von ihnen unterrichtete an einer Volksschule im Großraum Essen.69 Wilhelm Meise wählte einen anderen Weg. Der Sohn eines Malermeisters begann 1924 ein Studium an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität mit dem Schwerpunkt Zoologie und Botanik. Er promovierte 1928 und wurde ein bekannter Ornithologe. Meise arbeitete am Museum für Tierkunde in Dresden, später am Naturkundemuseum in Berlin und Hamburg, wo er eine Assistenzprofessur an der Universität Hamburg erhielt.70 Auch Otto Krause und Siegfried Ziegler promovierten – beide in den Geisteswissenschaften. Krause blieb Lehrer, während Ziegler sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Pflege des Esperantos widmete. Er war Vorsitzender des Deutschen Esperanto-Bundes, Direktor des Deutschen EsperantoInstituts und publizierte Bücher zum Thema Esperanto.71 Adam Adrio und Ernst Pepping repräsentierten die kirchenmusikalische Qualität vieler Lehrerseminare. Adrio studierte 1927 Musikwissenschaft in Berlin und promovierte Mitte der 1930er Jahre. Er konzentrierte sich in seinen wissenschaftlichen Arbeiten auf die Geschichte der evangelischen Kirchenmusik und arbeitete als Herausgeber von Kirchenwerken. 1953 wurde Adrio ordentlicher Professor an der Berliner Universität und unterrichtete u. a. auch an der Berliner Kirchenmusikschule.72 Ernst Pepping, einer der wichtigsten Komponisten evangelischer Kirchenmusik des 20. Jahrhunderts, studierte nach Ende des Lehrerseminars Komposition in Berlin. Danach kehrte er ins Ruhrgebiet zurück und arbeitete als freischaffender Komponist. Mitte der 1930er Jahre wurde Pepping Lehrer an der Evangelischen Schule für Kirchenmusik in Berlin, 1947 wurde er dort Professor. Zu Beginn der 1950er Jahre berief die Staatliche Hochschule für Musik in Berlin Pepping zum Professor für Komposition, es folgten Musikpreise und Auszeichnungen.73 Damit beendeten fünf von 35 jungen Männern ein akademisches Studium (vier mit einer Promotion). Sie profitierten damit von neuen Bildungsangeboten der Weimarer Republik. Gegen die Widerstände vieler Akademiker öffnete die Republik 1919 Volksschullehrern die Türen zu den Universitäten. Die abgeschlossene Ausbildung am Lehrerseminar galt als Zugangsberechtigung. Karl Tillmann studierte ein Semester (Winter 1924/25) an der Philosophischen Fakultät der Universität Göttingen und ging danach in den Lehrerberuf.74 Ernst Pepping entschied sich für das Studium der Komposition. Wilhelm Meise, Siegfried Ziegler und Otto Krause erlangten ihre Doktortitel in der Weimarer

68 BArch Berlin, R9361-IX, NSDAP Mitgliederkartei/Gaukartei, Zeuch, Friedrich. Vgl. auch die biographischen Angaben in diesem Buch. 69 Ihre Namen befinden sich in der Lehrerdatei des BBF. 70 Vgl. die biographischen Angaben in diesem Buch. 71 Vgl. ebd. 72 Vgl. ebd. 73 Ernst Peppings Nachlass befindet sich in der Akademie der Künste Berlin. Biographische Information von der Ernst-Pepping-Gesellschaft: http://www.pepping-gesellschaft.de/Biografie.htm. 74 Stadtarchiv Essen, Personalakte Karl Tillmann, 141, Nr. 4045.

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Republik.75 Adam Adrio promovierte Mitte der 1930er Jahre.76 Der Reichsausschuss der Akademischen Berufsstände war entsetzt über die Öffnung der Hochschulen und fürchtete angeblich um die »Bodenständigkeit« der Volksschullehrer.77 Im Klartext bedeutete dieser Einwand, dass für die allgemeine Ausbildung in den Volksschulen keine akademisch ausgebildeten Lehrer gewollt waren. Schon gar nicht sollten sie an die Universitäten, um dort mit den Studenten aus höheren sozialen Schichten zusammenzutreffen. Der Reichsausschuss konnte sich jedoch nicht durchsetzen.78

Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war Essen eine aufstrebende Industriestadt in einer Gegend, die noch heute oft als Herzkammer der Sozialdemokratie beschrieben wird. Diese Beschreibung traf allerdings für Essen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht zu. Die Stadt besaß eine mehrheitlich katholische Bevölkerung,79 die es den Sozialdemokraten schwer machte, sich als Massenpartei zu etablieren. Die politischen Entwicklungen in Essen dominierten über Jahrzehnte das katholische Zentrum und die Nationalliberalen. Erst mit den Reichstagswahlen 1903 erreichte die SPD in Essen den Durchbruch und etablierte sich als politische Kraft.80 Die Dominanz des Zentrums blieb auch in der Weimarer Republik bestehen. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung im Januar 1919 erhielt die Deutsche Zentrumspartei mit 38,8 Prozent das beste Ergebnis in Essen (die SPD bekam 28,7 Prozent). Anfang März 1919, bei den Kommunalwahlen der Stadt, erreichte das Zentrum 45 Prozent (die SPD 24,2 Prozent).81 Es ist wichtig sich an diese politischen Verhältnisse zu erinnern, um die Reaktion der Essener Aufsatzschreiber auf die plötzliche und überraschende Machtstellung der politischen Linken im November 1918 zu verstehen. Obwohl Essen deutlich von Industriearbeit geprägt war, hatte es die SPD hier schwer. Das lag nicht nur an der katholischen Konfession und der Parteitreue der Zentrums-Wähler. Zum ausgeprägten christlichen Milieu, in welches die SPD auch in der Arbeiterschaft nur bedingt eindringen konnte, kamen die Sozial- und Versorgungsleistungen, die zum Beispiel die Firma Krupp ihren Arbeitern und deren Familien bot, um sie von Gewerk-

75 Die Informationen für Ziegler und Krause lassen sich in der Volksschullehrerkartei des BBF finden. 76 Vgl. die biographischen Angaben in diesem Buch. 77 R. Weber: Die Neuordnung der preußischen Volksschullehrerbildung in der Weimarer Republik, S. 71. 78 Ebd. 79 F. Bajohr: Zwischen Krupp und Kommune, S. 23. 80 T. Dupke: Die Karriere eines Landesstädtchens–Essen 1803 –1914, S. 343. 81 Essen. Geschichte einer Stadt, Essen 2002, S. 570 –571; K. Wisotzky: Vom Kaiserbesuch zum Euro-Gipfel. 100 Jahre Essener Geschichte im Überblick, Essen 1996, S. 75.

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schaften und sozialistischen Parteien fernzuhalten.82 Zu Kriegsbeginn 1914 verstärkte Krupp diese Firmenpolitik, die auch dadurch finanziert werden konnte, dass der Rüstungskonzern gut am Krieg verdiente.83 Wie in vielen anderen Städten traf der Kriegsausbruch auf eine Mischung aus Begeisterung, Bereitschaft und Ablehnung, wobei in vielen öffentlichen Quellen der Fokus auf der Mobilisierung der Bevölkerung liegt.84 Die Essener Stadtchronik schrieb über den 30. Juli 1914: »Die Kriegserregung erklomm ihren Höhepunkt. In den überfüllten Restaurants und auch im Freien wurden patriotische Lieder gesungen. […] Am Kaiser-Wilhelm-Denkmal veranstaltete eine große Gruppe eine vaterländische Kundgebung. Anhaltend zogen Trupps durch die Stadt und sangen patriotische Lieder.«85 Stimmen für den Frieden, die es auch in Essen gegeben hatte, so zum Beispiel bei einer großen Kundgebung der SPD am 28. Juli 1914, fanden in den frühen Augusttagen wenig Raum und vermutlich wenig Gehör.86 Der Erste Weltkrieg beeinflusste die Lehrerseminare in mehrfacher Hinsicht: 1) Schüler- und Lehrerzahlen wurden durch die Einberufung zum Militär stark reduziert, 2) der Unterricht wurde in vielen Fächern auf die deutschen Kriegsziele ausgerichtet, 3) außerschulische Aktivitäten, zum Beispiel Erntehilfe und militärische Ausbildung, nahmen einen immer größeren Raum ein und 4) einige Schulgebäude wurden in Lazarette umgewandelt.87 In vielen Lehrerseminaren herrschte zuerst Begeisterung für den Krieg. Die letzten Seminarklassen leerten sich, weil Schüler freiwillig an die Front zogen.88 Im Mai 1916 standen 106 evangelische Seminaristen aus Essen im Dienst des Heeres, 16 Schüler waren zu diesem Zeitpunkt schon gefallen. Essens evangelisches Lehrerseminar hatte, wie viele andere Schulen, ein Briefverkehr zwischen den Schülern in der Heimat und denen an der Front eingerichtet. Dadurch sollten die Schüler in Essen am Krieg »beteiligt« werden.89 Leider sind diese Briefe nicht mehr vorhanden.90 Es ist nicht ganz klar, wie viele Kriegsgefallene das evangelische Lehrerseminar Essen zu beklagen hatte. Die vorhandenen Listen

82 Vgl. F. Bajohr: Zwischen Krupp und Kommune; auch F. Becker: Arbeiterschaft und Kriegsbeginn 1914. Die Firma Krupp in Essen, in: F. Becker (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg und die Städte, S. 141. 83 F. Becker: Arbeiterschaft und Kriegsbeginn 1914, S. 147–156. 84 K. Padberg: Begeisterung oder Entschlossenheit? Die Kriegsbereitschaft der Essener Bevölkerung im August 1915, in: F. Becker (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg und die Städte. Studien zur Rhein-Ruhr Region, Duisburg 2015, S. 84 –135. 85 Zitiert in K. Padberg: Begeisterung oder Entschlossenheit?, S. 101. 86 K. Wisotzky: Die Jahre der Gewalt: Essen 1914 –1945, S. 369. 87 Vgl. M. Josten/B. Sternberg: Eisern ist die Zeit und Gewaltig ist das Schicksal. Zwei Essener Schulen im Ersten Weltkrieg, in: Rhein-Maas, 2014, Bd. 5: Der Erste Weltkrieg, Oberhausen, 2014, S. 158 – 67. 88 H. Reissig: Die Lehrerseminare in Preußen im Ersten Weltkrieg, Doktorarbeit FU Berlin 1989, S. 124 f. 89 Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 405, Nr. 1541, Revisions-Bericht: Besuch ev. Lehrerseminar Essen, 18.5.1916. 90 Für Briefe von der Front an Lehrerseminare vgl. die Edition für das Oldenburgische Lehrerseminar: G. Wiechmann (Hrsg.): »Mann kann sagen, dass der Krieg ein lebensgefährlicher Sport ist.« Oldenburgische Lehrer und Seminaristen erleben den Weltkrieg 1914 –1918, Oldenburg 2002.

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variieren zwischen 41 und 57 Namen.91 Generell machten die Verluste bei preußischen Seminaristen circa 20 Prozent aus.92 Nicht nur die Schüler wurden zum Krieg eingezogen, dies galt auch für ihre Lehrer. Anfang 1915 standen mehr als 40 Prozent der Lehrer preußischer Lehrerbildungsanstalten im Dienst der Armee.93 Die Probleme, die durch diese ausgedünnte Personaldecke entstanden, zeigen sich in einem Revisionsbericht über das Essener Lehrerseminar vom Mai 1916. Im Seminar arbeiteten nur noch Direktor Apel und vier weitere Lehrer – vor dem Krieg war die Lehreranzahl doppelt so hoch.94 Natürlich waren die Essener Probleme kein Einzelfall. Dass die Hälfte des Kollegiums eingezogen oder versetzt wurde, war im Krieg in vielen Lehrerseminaren die Norm.95 Die Kriegspropaganda und Kriegspädagogik, die im Ersten Weltkrieg nahezu jedes Unterrichtsfach durchdrang, ist gut erforscht. Lehrpläne wurden angepasst, Schulzeiten verkürzt und Freizeit mit Sammlungsaktivitäten gefüllt.96 Diese Umstellungen fanden auch in den preußischen Lehrerseminaren statt.97 Nicht nur im Unterricht wurden Kriegsthemen behandelt, auch außerhalb des Klassenzimmers wurde von den jungen Männern Einsatz erwartet. Dr. Hubert Schmitz, Lehrer am Lehrerseminar Kempen (Rheinland) – eine Gegend, in welcher Essener Präparanden und Seminaristen regelmäßig bei der landwirtschaftlichen Arbeit aushalfen98  – vermittelte einen Eindruck über die schulischen Sammlungsaktivitäten: »Was wurde da nicht gesammelt! Lindentee, Kastanie, Eicheln, Bucheckern, Holunderbeeren, Weidenröschen, Brennnesseln, Kamillen, Obstkerne, Sonnenblumenkerne, Hagebutten […] da war ferner die Goldsammlung, Die Sammlung von Gummi, Aluminium, von Laubheu […] der Unterrichtsbetrieb hatte längst die bisherigen Gleise verlassen, alles war auf den Krieg eingestellt.«99

91 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3435, Bl. 11–15 Unsere Gefallenen, Bl. 16 Die Toten des Seminars. 92 H. Reissig: Die Lehrerseminare in Preußen, S. 166. 93 Ebd., S.149. 94 Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 405, Nr. 1541 (keine Blattsignatur), Revisions-Bericht über den Besuch am Essener Lehrerseminar, 19.5.1916. 95 H. Reissig: Die Lehrerseminare in Preußen, S. 126 f. 96 Vgl. E. Demm: Deutschlands Kinder im Ersten Weltkrieg: Zwischen Propaganda und Sozialfürsorge, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift, 60 (2001), S. 52– 63; ebenso A. Donson u. A. Weinrich. 97 H. Reissig: Die Lehrerseminare in Preußen, S. 127. 98 Vgl. GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3427 (Einsatzorte im Kreis Kempen sind die Gemeinden St. Hubert und Hüls). 99 Dr. Hubert Schmitz: Das Lehrer-Seminar in Kempen Rheinland 1840 –1925. Anlässlich der Erinnerungsfeier bei Auflösung des Seminars am 27. Juli 1925, Kempen 1925, S. 45.

Der Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen  23


Nahrungsmangel in Essen und Erntehilfe in Pommern: Raus aufs Land! Zur schulischen Umstellung auf den Krieg gehörte auch, dass männliche Jugendliche bei landwirtschaftlichen Arbeiten halfen, die außerhalb des eigenen Wohnortes anfielen. Mit dem Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst Ende 1916 wurden Männer zwischen 16 und 60 Jahren zum Arbeitsdienst verpflichtet, Schüler wurden oft klassenweise heran­ gezogen.100 Zur Vorbereitung auf die Arbeit in der Landwirtschaft wurden für die sogenannten »Jungmannen« (Schüler ab 16 Jahre) aus den Städten besondere Schulungskurse eingerichtet. Damit sollte auf die Klage der Landwirte reagiert werden, dass die städtischen Jugendlichen einfache landwirtschaftliche Aufgaben nicht beherrschten. Grundkenntnisse im Umgang mit landwirtschaftlichen Maschinen wurden vermittelt, Unterricht in Viehpflege und das Führen von Drillmaschinen und Pferdefuhrwerken.101 Auch die Essener Schüler nahmen im Sommer 1917 an einem fünftägigen Schulungskurs teil. Sie übten das Lenken eines Fuhrwerks und lernten den Umgang mit Pferden.102 Das Titelbild des Buches stammt von diesem Vorbereitungskurs. Außerdem wurden die jungen Männer durch einen Militärarzt untersucht, der ihnen die körperliche Befähigung zur Arbeit in der Landwirtschaft bescheinigte.103 Schüler Heinrich Ternieden bemerkte jedoch in seinem Aufsatz, dass sowieso jeder mitgenommen wurde »denn ob einer zur leichten, mittleren, schweren oder zu allen Arbeiten verwendungsfähig war, danach fragte in Pommern niemand.«104 Damit traf er Mitte Oktober 1918, wegen des Arbeitskräftemangels in der Landwirtschaft, vermutlich ins Schwarze. Jungmannen bekamen freie Unterkunft, freie Verpflegung und sie erhielten einen kleinen Geldbetrag als Entschädigung für ihre Arbeit. Oft rekrutierten sich die Kommandos aus männlichen Jugendlichen der protestantischen Mittelschicht. Manche Bauern und Gutsbesitzer blieben skeptisch, weil die jungen Männer körperliche Arbeit nicht gewohnt waren. Andererseits war die Unterkunft und Verpflegung nicht immer so gut, wie es sich die Jugendlichen erhofft hatten – drei Essener Schüler änderten darum ihre Unterbringung in Pommern.105 Auch wenn die Begeisterung für die Teilnahme an den landwirtschaftlichen Programmen ab 1917 zurückging,106 waren die auftretenden Probleme wahrscheinlich lokaler Natur. Vorfreude, Abenteuer- und Reiselust zeigen sich in

100 H. Reissig: Die Lehrerseminare in Preußen, S. 237. 101 A. Huegel: Kriegsernährungswirtschaft Deutschlands während des Ersten und Zweiten Weltkrieges im Vergleich, Konstanz 2003, S. 193 f. 102 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3425, Bl. 4 –7. 103 A. Huegel: Kriegsernährungswirtschaft Deutschlands, S. 193 f. 104 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3432, Bl. 68, H. Ternieden, Meine Landarbeit in Pommern im Revolutionsherbst. 105 H. Reissig: Die Lehrerseminare in Preußen, S. 241–247; A. Donson: Youth in a fatherless land, S. 198; C. Conrad: Krieg und Aufsatzunterricht, S. 154 f. 106 H. Reissig: Die Lehrerseminare in Preußen, S. 241.

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den Aufsätzen auch noch im Oktober 1918. Für viele Essener Schüler des Lehrerseminars war die Reise nach Pommern die erste lange Reise ihres Lebens. Schüler Paul Geldmacher betonte seine Freude auf die Reise, weil er so dem Zwang der Schule und dem Elternhaus entkam: »[…] noch ein paar Blicke und Essen lebe wohl. Frei! Welch eine Wirkung übte dieses Wort auf uns junge Burschen aus.«107 Sein Klassenkamerad Bruno Heitz fand, dass dieses Gefühl der Freiheit und des Glücks auch vor Ort in Pommern noch anhielt, denn »keine Schularbeiten, kein Aufsatz bedrückte uns«.108 Allerdings waren die Jugendlichen aus der Großstadt die anstrengende Arbeit in der Landwirtschaft tatsächlich kaum gewöhnt. Emil Schreyger schrieb von »Rückenschmerzen und furchtbaren Schmerzen in den Händen« durch die ungewohnte Feldarbeit,109 eine Klage, die sich durch viele Aufsätze zog. Friedrich Zeuch bemerkte: »[…] ich konnte kaum gerade stehen, ohne Schmerzen im Kreuz zu verspüren. Die Arbeit war sehr schwer für uns Großstädter, aber die durchaus gute Verpflegung entschädigte ja alles.«110 Negative und positive Bewertungen der Verpflegung auf den pommerischen Gütern und Höfen nahmen einen großen Raum in den Aufsätzen ein. Die Essener Schüler verglichen das Essen auch mit dem in ihrer Heimatstadt. Der wirtschaftliche Zweck dieser Ernteeinsätze lag auf der Hand: durch die Bereitstellung von Arbeitskräften sollte die Lebensmittelversorgung großer westdeutscher Industriestädte verbessert werden. Der enorme Zuzug von Arbeitskräften in die Zentren der Rüstungskonzerne, wie zur Firma Krupp nach Essen, verstärkte den Bedarf an Nahrungsmitteln in diesen Gegenden. Durch die Interkontinentalblockade verloren westdeutsche Industriestädte die Möglichkeit, Nahrung aus dem Ausland zu importieren. Jetzt mussten u. a. Kartoffeln aus östlichen deutschen Provinzen wie Pommern, Posen oder Sachsen in den Westen Deutschlands transportiert werden. In der Praxis kam es häufig zu Ausfällen, Verzögerungen und Verspätungen.111 Das System versagte aus vielen Gründen: weite Transportwege von den östlichen Gebieten bis ins westliche Industriegebiet, schlechte Ernten, schwierige Witterungsbedingungen im Winter 1916/17 und fehlende Disziplinierungsmaßnahmen durch die Behörden bei Nichtlieferung.112 Der »Kohlrübenwinter« 1916/17, so genannt aus Ermangelung anderer Nahrungsmittel, hatte tiefes Misstrauen zwischen den Großstädtern und der ländlichen Bevölkerung entstehen lassen.113 Das Pommernblatt, die Zeitung der pommerischen Landwirtschaftskammer, berichtete in nahezu jeder Ausgabe von 1917 über die großzügige Spendenbe-

107 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3432, Bl. 6, P. Geldmacher, Zur Landarbeit in Pommern im Revolutionsherbst. 108 Ebd., Bl. 75, B. Heitz, Meine Landarbeit in Pommern im Revolutionsherbst. 109 Ebd., Bl. 43, E. Schreyger, Meine Landarbeit in Pommern im Revolutionsherbst. 110 Ebd., Bl. 41, F. Zeuch, Meine Landarbeit in Pommern im Revolutionsherbst. 111 A. Huegel: Kriegsernährungswirtschaft Deutschlands, S. 128. 112 A. Roerkohl: Hungerblockade und Heimatfront. Die kommunale Lebensmittelversorgung in Westfalen während des Ersten Weltkrieges, Stuttgart 1991, S. 60 – 62. 113 Ebd.

Nahrungsmangel in Essen und Erntehilfe in Pommern: Raus aufs Land!  25


reitschaft der Landwirte und Bauern, die sogenannte »Fettwaren« (Speck, Schmalz, Butter oder geräuchertes Fleisch) an die Arbeiter in der Rüstungsindustrie des Industriegebietes schickten.114 Da die schlecht gelaunten, weil schlecht ernährten, Bewohner der westdeutschen Industriestädte kaum das Pommernblatt lasen, waren die Berichte über die Spendenfreudigkeit der pommerischen Bevölkerung vermutlich ein Appell an die eigene Leserschaft, darin nicht nachzulassen. In Schivelbein schien die Spendenfreudigkeit nicht ganz so ausgeprägt gewesen zu sein – der Kreis in Westpommern landete im Sommer 1917 auf dem vorletzten Platz gemessen an der abgelieferten Spendenmenge.115 Die Stadt Essen wurde von diesen Vorgängen genauso berührt wie andere westdeutsche Städte. Auch nach dem besonders schwierigen Winter 1916/17 blieb die Ernährungslage der Stadt angespannt.116 Im Sommer 1918 übernahm der neu gewählte Oberbürgermeister Hans Luther (parteilos) sein Amt in Essen. Ernährungsfragen wurden schnell eines der wichtigsten Themen für den neuen Oberbürgermeister, insbesondere die geringe Zufuhr von Kartoffeln im Herbst 1918.117 Zudem stieg in Essen die Einwohnerzahl während des Krieges dadurch an, dass in- und ausländische Arbeiter für die Rüstungsindustrie zuzogen – 1918 lebten 471.000 Menschen dort und die Firma Krupp erwirtschaftete 80 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit der Produktion von Kriegsmaterial.118 Kurz nach Abreise der Schüler nach Pommern im Oktober 1918 vermerkte die Chronik der Stadt Essen, dass eine Einkellerung der Kartoffeln, also die Anlegung eines Vorrats für den restlichen Herbst und Winter, nicht mehr möglich sei, denn dafür sei die gelieferte Menge zu gering.119 Die Stadt lebte Ende 1918 buchstäblich von der Hand in den Mund. Zu ersten Protesten wegen unzureichender Ernährungsversorgung, schlechten Löhnen und überlangen Arbeitszeiten in den Betrieben der Rüstungsindustrie kam es in Essen, wie im gesamten Industriegebiet, schon 1916.120 Frauen zogen vor Rathäuser und protestierten gegen die schlechte Lebensmittelversorgung. Auch auf Schachtanlagen kam es zu ersten, meist kurzen, Ausständen, die, wie Klaus Wisotzky schreibt »spontan blieben«, aber »nicht mehr abrissen«.121 In den Jahren 1916 und 1917 waren die Forderungen noch materieller Art; ein Jahr später, 1918, kamen politische Forderungen nach

114 Vgl. die Titelseiten des Pommernblatts für das Jahr 1917. 115 Pommernblatt, 28.6.1917, Titelseite: Pommerns Hindenburgspende. 116 Stadtinspektor Hubert Schmitz: Ausgewählte Kapitel aus der Lebensmittelversorgung der Stadt Essen in der Kriegs- und Nachkriegszeit, in: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, 54. Heft, Essen (1936), S. 128 f. 117 H. Luther: Zusammenbruch und Jahre nach dem ersten Weltkrieg in Essen, in Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, Heft 73, Essen (1958), S. 16 f. 118 K. Hartewig: Das unberechenbare Jahrzehnt. Bergarbeiter und ihre Familien im Ruhrgebiet 1914 –1924, München 1993, S. 14 f.; Bilder von Krupp. Fotografie und Geschichte im Industriezeitalter, München 2000, S, 36. 119 Stadtarchiv Essen, Chronik der Stadt Essen, 1918, Bl. 101. 120 K. Hartewig: Das unberechenbare Jahrzehnt, S. 108 –119. 121 K. Wisotzky: Die Jahre der Gewalt, S.  372. Über Essen hinaus fürs Ruhrgebiet vgl. K. Hartewig: Das unberechenbare Jahrzehnt, S. 218 –225.

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Abb. 1: Schivelbein 1910 (Quelle: Privatsammlung D. Schimmelpfennig)

einer Reform des Wahlrechts und einem schnellen Kriegsende hinzu. Anfang 1918 waren 16.000 Bergleute des Ruhrbergbaus im Ausstand.122 Im August 1918 beteiligten sich 12.000 Bergarbeiter an Streikwellen in Essen, die sich im Sommer 1918 über das gesamte Industriegebiet ausdehnten.123Die Kriegsbegeisterung, die auch 1914 nicht alle Essener erfasst hatte, war 1918 rapide gesunken. Kartoffeln, die im Herbst 1918 in Essen nicht ankamen, lagen mitunter noch in Pommern auf dem Feld – unter anderem im Kreis Schivelbein in Westpommern. Dies war der kleinste Kreis Pommerns mit nur einer Stadt, der Kreisstadt Schivelbein, und einer Fläche von knapp über 500 Quadratkilometern. 1925 hatte der Kreis 22.726 Einwohner, circa 8.400 davon lebten in der Kreisstadt. Die Bevölkerung der Gegend war in überwältigender Mehrheit evangelisch und arbeitete hauptsächlich in der Land- und Forstwirtschaft.124 Die Stadt Schivelbein lag an der Bahnstrecke Berlin-Stettin-Danzig und am Küstenfluss Rega. Eine Postkarte von 1910 zeigt die Steintorstraße, eine Hauptgeschäftsstraße der Stadt Schivelbein (Abb. 1). Die Stadt war das Zentrum der ländlichen Gegend und bot im November 1918, wie die Schüleraufsätze zeigen, deutlich mehr Zugang zu Informationen über die politischen

122 K. Hartewig: Das unberechenbare Jahrzehnt, S. 220 –225. 123 K. Wisotzky: Die Jahre der Gewalt, S. 372. 124 Martin Opitz Bibliothek Herne, HBS, 01, 03,01, Fasc. 051, K. E. Albinus, Der Altkreis Schivelbein und seine Landräte 1816 –1932, S.1.

Nahrungsmangel in Essen und Erntehilfe in Pommern: Raus aufs Land!  27


Ereignisse als die umliegenden Güter und Höfe. Schüler Emil Schreyger merkte an, dass erst ein Besuch bei den Klassenkameraden in Wachholzhausen – einem Gut in der Nähe des Stadtzentrums  – am 12. November 1918 ihn über den Revolutionsverlauf informiert hatte.125 Mit einem Marktplatz, einem Schloss und einem Park sowie Handels- und Einkaufsstraßen hatte die im Mittelalter gegründete Stadt Schivelbein einen idyllischen Charme. Tatsächlich sahen die Essener Schüler verhältnismäßig wenig von der Stadt, da sie direkt nach ihrer Ankunft auf die umliegenden Güter verteilt wurden, die zwischen sechs und zwölf Kilometer entfernt davon lagen: 13 Schüler waren in Wopersnow, fünf in Balsdrey, vier in Dolgenow, vier in Lekow, vier in Wachholzhausen und drei in Simmatzig untergebracht.126 Kreis und Stadt Schivelbein waren von der Landwirtschaft geprägt, bedeutende Industrie war kaum vorhanden – ganz anders die Gegend, aus der die Essener Schüler kamen. Otto Krause betonte in seinem Aufsatz die »klare und würzige Luft im Gegensatz zu den Dunst- und Staubwolken des Industriegebietes«.127 Sein Klassenkamerad Georg Elgert beschrieb, wie sehr ihm die Wälder, Seen und Tiere auf dem Land gefallen hatten. Auf der Rückreise nach Essen kündigten für ihn »die rauchenden Schlote des Industriegebiets« die Heimat an.128 Auch wenn die Essener Schüler meist auf größeren Gütern untergebracht waren, wo sie neben Tagelöhnern, Saisonarbeitern und russischen Kriegsgefangenen auf den Feldern arbeiteten, waren nur circa 44 Prozent der Güter und Höfe der Gegend Großbetriebe. Bäuerliche Betriebe machten etwas mehr als 50 Prozent aus.129 Die Schivelbeiner-Kreis-Zeitung betonte im Herbst 1918, dass die Landwirte für eine schnellere Ernte und bessere Auslieferung der Kartoffeln sorgen müssten. Weil die dafür nötigen Arbeitskräfte fehlten, wurden u. a. Kriegerfrauen zur Hilfe herangezogen. Als Anreiz durften Feldarbeiter eine größere Menge der geernteten Kartoffeln behalten.130 Mit einem dramatischen Aufruf beschwor die Lokalzeitung Ende Oktober 1918 die Solidarität mit den Arbeitern im fernen Essen: »Uns ist des Deutschen Reiches Waffenschmiede, die Stadt Essen, zugewiesen worden. Kein Landwirt wird es verantworten, dass durch die Nichtanlieferung von Kartoffeln und durch die hierdurch bedingte geringe Arbeitskraft der Essener Arbeiter das Heer in noch größere Bedrängnis gerät durch die Nichtherstellung von Munition und Kriegsmaterial […].«131 Diese Schuldzuweisung stieß vermutlich 125 GStAPK Berlin, I. HA Rep. 76, Seminare, Nr. 3432, Bl. 43 (RS), E. Schreyger, Meine Landarbeit in Pommern. 126 Ebd., Bl. 12. 127 Ebd., Bl. 83, O. Krause, Meine Landarbeit in Pommern. 128 Ebd., Bl. 87, G. Elgert, Meine Landarbeit in Pommern. Vgl. K. Tenfelde (Hrsg.): Bilder von Krupp. Fotografien und Geschichte im Industriezeitalter, München 2000. 129 Martin Opitz Bibliothek Herne, HBS, 01,03,01, Fasc. 050, Paul Schuelke, Der kleine Kreis Schivelbein (1929), S. 3. 130 Schivelbeiner Kreis-Zeitung (SKZ), Nr. 230, 1.10.1918, Amtliche Bekanntmachung: Kartoffelernte; SKZ, Nr. 245, 18.10.1918, Lokales und Provinzielles: Hilfeleistung bei der Kartoffelernte und Kartoffelversorgung; SKZ, Nr. 254, 29.10.1918. 131 SKZ, Nr. 252, 26.10.1918, Amtliche Bekanntmachung: Kartoffellieferung.

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Abb. 2: Karte von Schivelbein (Ausschnitt) (Quelle: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek)

auf taube Ohren. Viele Landwirte fanden, dass sie schon genug Opfer gebracht hätten und es ihnen die äußeren Umstände, zum Beispiel Mangel an Arbeitskräften, Entzug von Maschinen, Pferden und Ernteerträgen, kaum noch ermöglichte, ihrer Arbeit nachzugehen.132 In dieser Situation erschienen die Schüler des evangelischen Lehrerseminars vor Ort. Anfang Oktober 1918 freute sich die Schivelbeiner-Kreis-Zeitung auf »100 Jungmannen aus Essen«.133 Letztendlich kamen die 30 Schüler des evangelischen Lehrerseminars erst

132 G. D. Feldmann: Army, Industry and Labour in Germany 1914 –1918, Providence 1992 (1. Aufl. 1966), S. 463 f. 133 SKZ, Nr. 235, 7.10.1918, Amtliche Bekanntmachung: Jungmannen zur Kartoffelernte.

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Abb. 3: Wopersnow: Pfarrhaus, Kirche, Rittergut, 1911 (Quelle: Privatsammlung D. Schimmelpfennig)

Mitte Oktober und blieben nur drei Wochen. Es waren allerdings noch andere jugendliche Erntehelfer dort, u. a. aus dem katholischen Essener Lehrerseminar und dem Stettiner Gymnasium. Den ländlichen Charakter der Gegend, in welcher die Essener Schüler nach ihrer Ankunft am Schivelbeiner Bahnhof untergebracht wurden, zeigen beispielhaft die abgebildeten Postkarten (Abb. 3 und 4). Auf den Gütern Wopersnow und Leckow waren 17 Schüler untergebracht; 13 in Wopersnow und vier in Leckow. Wopersnow war ein Bauerndorf mit drei großen Rittergütern, es lag circa fünf Kilometer westlich von der Stadt Schivelbein. Das Gut, auf dem die Essener Schüler waren, hatte 1928 eine Gesamtfläche von 504 Hektar – davon 75 Hektar Forst und ein 85 Hektar großer See.134 Viele Schüler kommentierten wie sehr sie sich über den See und die Möglichkeiten des Bootsfahrens freuten. 135 Auch Leckow war ein Bauerndorf mit Rittergut. Es lag acht Kilometer nordwestlich von der Kreisstadt Schivelbein und auch hier befand sich ein See auf dem Gutsgelände, welches 1.000 Hektar groß war. Zu dem Gut in Leckow gehörten mehrere Zweigbetriebe, zu denen die Schüler für

134 Vgl. Martin Opitz Bibliothek Herne, HBS 01, 05, 01, Fasc. 098 –100). 135 http://www.belgard.org/Ortsgesch/Leckow.htm. Mittlerweile ist das Rittergut, auf dem die Schüler waren, saniert und kann besichtigt werden. Vgl. http://www.schloss-lekow.de/geschichte.html

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Kartoffeln, Frost und Spartakus  

Als Mitte Oktober 1918 siebzehnjährige Schüler aus Essen nach Pommern fuhren, um dort bei der Kartoffelernte zu helfen, konnten sie sich kei...

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