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Hendrikje Warmt

Karl Hagemeister In Reflexion der Stille Monographie und Werkverzeichnis der Gemälde

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. © be.bra wissenschaft verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2016 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebra-wissenschaft.de Lektorat: Matthias Zimmermann, Berlin Umschlag und Satz: typegerecht, Berlin Schrift: Milo Pro Light 9/13 pt Druck: Finidr, ČeskÝ Těšín ISBN 978-3-95410-069-9

www.bebra-wissenschaft.de

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Inhalt Vorwort

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Einleitung

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monographie Biographie 

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Anfangsjahre

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Landschaftsmalerei in Deutschland. ­Entwicklungen und Tendenzen im 19. Jahrhundert Weimar – Kunstinstitutionen um 1860 Die Weimarer Studienzeit unter Friedrich Preller d. Ä.

68 74 77

Schaffensjahre von 1873 bis 1884

85

Der Leibl-Kreis Die Begegnung mit Carl Schuch – gemeinsame Arbeitsjahre Paris – Die Begegnung mit der Moderne

85 92 112

P ars pro Toto – Die impressionistische Schaffensphase von 1884 bis 1907

119

Landschaftsmalerei in Berlin und in der Mark Brandenburg Karl Hagemeister in Ferch Landschaftsmalerei als Teil des Ganzen Die Avantgarde Berlins – Die Berliner Sezession Karl Hagemeister und der deutsche Impressionismus

119 124 134 145 155

Eigenwerte – Landschaften der Küste und des Meeres von 1908 bis 1915

171

Karl Hagemeister und die späten S­ chaffensjahre in Lohme auf Rügen Eigenwerte – Landschaften der Küste und des Meeres 1908 bis 1915

171 173

Resümee

189

Anhang

195

Kleine Selbstbiographie von Karl Hagemeister 195 Kurzbiographie197 Tagebuchaufzeichnungen201 Ausstellungsverzeichnis203 Literaturverzeichnis206 Bildrechte211

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Werkverzeichnis der Gemälde

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anhang

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dank

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Vorwort

»Verehrtester Herr Hagemeister. Berlin 5. April 1921 Sie haben mich durch ihren Brief sehr erfreut. Ich habe mich persönlich entschlossen, die große Reise nach dem Werder anzutreten und Sie zu besuchen. Aber ich möchte gleich das Nützliche verbinden, indem ich sie sehr gern malen möchte. Herr Ohmer hat mir soviel über Sie und ihren Kopf erzählt, daß ich nur noch rabiater geworden bin. Also vorausgesetzt Sie sind einverstanden, so kaufe ich das Material, die Palette, Leinwand etc. Ich denke wenn ich so um 16 Uhr ankomme. Vielleicht gelingt das Portrait, daß ich auf einem Hieb herunterhaue, das heißt in 4 bis 5 Stunden. Können Sie soviel aushalten? Wenn nicht komme ich öfters. Also ich denke das sind die Präliminarien. Wollen Sie darauf mir recht bald antworten? Es grüßt Sie bestens Ihr alter Verehrer Lovis Corinth NW./Klopstock-Str. 48.«1 Wer war dieser für Corinth so interessante Kopf, über den einiges berichtet wurde? – Karl Hagemeister. Die Reise sollte also in das kleine Städtchen Werder vor den Toren Berlins gehen, um den Künstler Karl Hage-

meister zu besuchen und zu malen. Leider ist kein malerisches Dokument bekannt, das diese Begegnung belegen könnte. Karl Hagemeister, der als Maler auf dem Lande lebte, hatte die märkische Landschaft für sein künstlerisches Schaffen entdeckt. In schlichter, zurückhaltender Art und Weise lebte und arbeitete er, indem er die Wahrhaftigkeit in der Kunst durch die Landschaft auszudrücken versuchte. Die Natur, die er mit beobachtender Hingabe malte, wies ihm seine Kunst. Der Kunstkritiker Franz Servaes, der Hagemeister als Künstler schätzte und sich mehrfach in Zeitungsartikeln über ihn äußerte, stellte fest, dass sich die deutsche Landschaftsmalerei aus einer heroischen Epik zu einer lyrischen Moderne am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte: »Die Landschaft ist gleichsam der Stimmboden für die Seele des Künstlers, und eben die Künstlerseele ist es, die wir in der gemalten Landschaft suchen. Von allem Lebendigen nimmt die Landschaft am reinsten die Schwingungen der Künstlerseele in sich auf und wirft sie am unmittelbarsten zurück.«2 Gehörte Karl Hagemeister zu der neuen Generation von Landschaftsmalern, die der unmittelbaren Stimmung – in Reflexion der Stille – Ausdruck verliehen?

1 Original Briefe Karl Hagemeister – Lovis Corinth. 2 Franz Servaes, Berliner Kunstfrühling 1893, Berlin 1893.

Vorwort

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Einleitung

Der Landschaftsmaler Karl Hagemeister schrieb um 1915 im Alter von 67 Jahren seine Autobiographie. Darin blickte er auf sein Leben zurück: »Dieses Leben des Kosmos ist das Ende der Malerei, das ich nun auf meine Weise erreicht hatte. Wenn ich nun mein Lebenswerk betrachte, bin ich still zufrieden. Denn ich habe keine Akademie besucht, kein Vorbild gehabt, keine Richtung verfolgt, sondern mich nur durch die Naturstudie weiter-entwickelt. So ist meine Kunst nur Natur und Hagemeister wird die Zeiten überdauern.«1 Schon zu Lebzeiten vermochte die Eigenwilligkeit Karl Hagemeisters zu polarisieren – mit Blick auf seine Lebensweise und sein künstlerisches Schaffen gleichermaßen. Er war als Eigenbrötler bekannt und gehörte zu den ersten Malern, die die märkische Landschaft zum Motiv seiner Bilder machten. Karl Hagemeister, der den größten Teil seiner Schaffensjahre in selbstgewählter Isolation verbrachte, in der ländlichen Umgebung seiner havelländischen Heimat Werder, malte dort still und zufrieden seine Bilder – Landschaften der Mark Brandenburg. Am Kunstbetrieb im gründerzeit­lichen Berlin nahm er durch einige Ausstellungsbeteiligungen teil. Doch es war keineswegs sein Hauptanliegen, sich der breiten Öffentlichkeit zu ­präsentieren. Er arbeitete unabhängig vor den Toren der Stadt und er sah Ausstellungen, Bilderverkäufen oder der Vertretung durch einen in Berlin ansässigen Galeristen gelassen entgegen. Den Sohn eines Obstzüchters konnte man nicht so leicht beeindrucken, da er zu überleben gelernt hatte. Folge dieser Lebenshaltung war, dass Hagemeisters Werke in den ersten Jahrzehnten seiner malerischen Tätigkeit nur bedingt der Allgemeinheit zugänglich waren.

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»[…] der doch nie etwas getan hat, seinen Namen in den Mund der Leute und seine Bilder in die Salons vornehmer Kunstsammler zu bringen. Den ›Marktruhm des Tages‹ verachtete er aus tiefster Seele. Dreiviertel Jahrhundert hat er geräuschlos vor sich hingelebt und unentwegt nach neuem malerischen Ausdruck für sein Naturempfinden gerungen.«2 Durch den Eintritt in die Künstlervereinigung der Berliner Sezession im Jahr 1899 und die damit verbundenen sporadischen Beteiligungen an den jeweiligen Sezessionsausstellungen nahm Karl Hagemeister mit seinen Landschaftswerken am Kunstgeschehen teil, aber mehr auch nicht. Überschwängliche Reaktionen von Galeristen sowie Kunstsammlern zu seiner Malerei konnte er nicht feststellen. Erst 1910 wurde ein breiteres Interesse geweckt – durch einen Zeitungsartikel, der den Maler aus der Mark porträtierte und seiner Kunst eine nachhaltige Aufmerksamkeit entgegenbrachte. Die Kunstwelt erfuhr von der ungewöhnlichen romantisierten Vorstellung eines Landschaftsmalers in der Einsamkeit im Sinne des gelehrten Hieronymus im Gehäuse, die aber hier der Wirklichkeit entsprach, nämlich die Neuentdeckung des 62-jährigen Karl Hagemeister. In der Zeitschrift »Kunst und Künstler«, die seit ihrer Gründung im Jahr 1903 für die deutschen Künstler einer der wichtigsten Anhaltspunkte für die moderne Kunst und ihre Entwicklung in Europa und vor allem für die Rezension der französischen Malerei maßgebend war,3 schrieb der Herausgeber des Blattes Karl Scheffler als einer der Ersten seiner Zunft einen Beitrag über den Künstler Karl Hagemeister. Darin stellte er ihn wie folgt vor: »Man begegnet in der Entwicklungsgeschichte der modernen Malerei einem Künstlertypus, den es in frü-

Einleitung

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herer Zeit nicht gegeben hat: dem Maler, der die städtischen Kulturzentren flieht. […] Künstler wie Delacroix und Manet waren nicht zufällig Vollblutpariser; Maler wie Menzel und Liebermann sind nur in der Nähe des Brandenburger Thors denkbar. […] Künstler aber wie Millet und Leibl, oder auch Cézanne, bärtige Männlichkeiten mit einem Kindergemüt, werden von der Großstadt erschreckt und verwirrt. […] Hagemeister ist vom Stamm dieser sich bäuerlich Absondernden. Er malt seit Jahrzehnten schon still vor sich hin in der Wald- und Seegegend hinter Potsdam. […] Hagemeister ist Prellerschüler. Nicht ein Schüler des Malers der Odyssee, sondern des Malers der Hünengräber, der Eichen im Sturm und der Seestücke; der Schüler eines Lehrers, der einsichtig genug war, dem jungen Märker nicht das Heroische aufzuzwingen, sondern ihn auf die organische Struktur der Landschaft und auf die Bilder der Barbizonschule in der Meyerschen Sammlung in Dresden zu verweisen. […] In der Berührung mit Schuch, mit den Impressionisten und den alten Holländern ist dieses Talent aber nach der Seite des anschauenden Gefühls vertieft worden, und nach intensiven Anstrengungen ist es dem Künstler gelungen, ein guter Stimmungsmaler zu werden. Ein Maler märkischer Detailstimmung. Hagemeister malt immer

nur kleine Winkel der Natur. […] Ein märkischer Monet hätte immer wieder das mit seinem gelbweissen Sand und seinen Fruchtbaumkugeln unsagbar malerisch am breiten Wasserlauf daliegende Werder in allen Jahreszeiten und in all dem wechselnden Duft der silbrigen märkischen Atmosphäre gemalt. Hagemeister malt dagegen Teichecken, ein paar Birkenstämme mit schneebeladenen Zweigen über einem gefrorenen Rinnsal, das hinten irgendwo im offenen See mündet […] In allen Fällen sucht er dieses zu geben: einen Winkel der Natur, gesehen durch eine allgemein kosmische Stimmung. In jedem Fall ist das Gegenständliche überwunden […].«4 Karl Hagemeister, einem Maler der märkischen Landschaft und der klaren kosmischen Meeresbilder, ist die hier vorliegende Arbeit gewidmet. Es ist die erste komplexe Künstlermonographie, die den Bezug zwischen seiner Vita und seinem künstlerischen Werk darzulegen versucht. Die wissenschaftliche Arbeit ist darauf bedacht, einen umfassenden Überblick der Lebensstationen Karl Hagemeisters aufzuzeigen und gleichzeitig sein künstlerisches »Werden« zu ergründen und zu erörtern. Eingebunden in einen zeitbezogenen und kunsthistorischen Kontext wird die Monographie ergänzt durch das wissenschaftlich ausgewertete Werkverzeichnis der Gemälde Karl Hagemeisters.

1 Hagemeister, Kleine Selbstbiographie. 2 Servaes, Der Maler der Mark. Vgl. Lassmann, Naturschau eines Eigenbrötlers, S. 1133. 3 Paas, »Kunst und Künstler«, S. 90. 4 Scheffler, Karl Hagemeister – Kunst und Künstler – 1910, Jahrgang VIII, Heft VIII, S. 414 ff.

Einleitung

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Einleitung

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Biographie »Zur Welt gekommen bin am 12. März 1848 in Werder an der Havel, wo meine Eltern als einfache Obstzüchter lebten. Rasch wurde ich von ihnen in die Natur eingeführt, so daß ich schon als kleiner Junge fast alle Tieren und Pflanzen genau kannte und bereits mit 12 Jahren auf die Jagd ging.«1

Carl Friedrich Hagemeister kam am 12. März 1848 in Werder an der Havel bei Berlin als erster Sohn des dort ansässigen Obstzüchters Carl Friedrich Hagemeister und seiner Frau Friederike Luise, geborene Puhlmann, zur Welt. Der nach dem Vater benannte Sohn wurde am 25. März 1848 in Werder getauft.2 Seit Beginn des 18. Jahrhunderts waren in Werder schon Familien unter dem Namen »Havemeister« nachweisbar, die zu einer der damals zahlreichen Weinbauerndynastien gehörten. Der Familienname »Havemeister« wurde im Laufe der Zeit in Hagemeister umgeschrieben. Im Jahr 1817 hatte der Weinmeister Johann August Hagemeister, der Großvater des Malers Karl Hagemeister, aus dem elterlichen Nachlass das Wohnhaus im Kirchweg 148 mit zwei Weinberggrundstücken am Galgenberg und im Strengfeld erworben.3 Seinem Sohn wurde der Besitz 1844 übereignet, der der jungen Familie Hagemeister als Erwerbsgrundlage aus Wein- und Obstbau diente. Karl Hagemeisters Geschwister waren Albertine Friederike (geb. 1846) und sein taubstummer Bruder Friedrich (1850–1937), für den er zeitlebens sorgte. Aus der Familie der Schwester stammte eine Großnichte, die als wichtiger Bezugspunkt für den Nachlass des Künstlers wirkte.

Karl Hagemeister im schneebedeckten Wald malend. Fotografiert von Herrn Hermann Hirzel, um 1891/92. Das Bild trägt den Titel: Verschneiter Birkenwald an einem Bachlauf. 1891/1893. - G 279. Die Fotografie zeigt Hagemeister vor dem großformatigen Gemälde »Verschneiter Birkenwald an einem Bachlauf«. Mit der Farbpalette in der Hand wurde er damals von Hermann Hirzel fotografiert. Es ist die einzige Aufnahme, die den Landschaftsmaler bei einem bildnerischen Malprozess in der Natur porträtierte. Hagemeister selbst beschrieb, wie er immer mit einem Schlitten loszog, auf dem ein Weidenkorb stand, der alle wichtigen Malutensilien enthielt, um in seinem Atelier, dem Wald, Bilder zu malen.

Karl Hagemeister, 1868. Besitz: Bröhan-Museum Archiv, Berlin.

Die Großnichte Hagemeisters hieß Margarethe Schweitzer und lebte im nahe gelegenen Brandenburg. Sie war eine der rechtmäßigen Erben und bekam nach dem Tod des Künstlers einige Kunstwerke sowie Schriftstücke zugesprochen. Dadurch wurde sie zur einzigen Quelle für die Familiengeschichte Hagemeisters.4 Karl Hagemeister wuchs in bescheidenen Verhältnissen in ländlicher Umgebung weitab von der Großstadt auf. Das Havelland und die beschauliche Stadt Werder waren seine Heimat.

Biographie

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Wilhelm Oeser: Werder vom Weinberge aus, 1852. Lithographie.

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Das Eltern- und Wohnhaus Karl Hagemeisters in Werder an der Havel. Hagemeister wurde in diesem Haus geboren und fand auch dort seine letzte Ruhe. Heute steht das Künstlerhaus in der Kirchstraße 14.

Wilhelm Oeser: Kirche und Schule in Werder, nach 1858. Lithographie.

Ein gedrungenes Bauernhaus, das mit zwei kleinen Fenstern zu ebener Erde und einer schmalen Tür versehen war, bildete die einfach gestaltete Hausfront. Nahe dem alten Rathaus mit seiner feinen Renaissance-Fassade befand sich das kleine elterliche Wohnhaus, das Geburtsund Sterbehaus des Künstlers sein sollte. Von zu Hause hatte er es nicht weit zur Werderschen Volksschule. Er galt als begabter Junge, vor allem war er besonders talentiert in Naturkunde und Zeichnen. Aus einem erhaltenen Klassenbuch von 1859, einer Schulklasse mit 84 Kindern in Werder, ist eine Bewertung des Schülers Hagemeister im Alter von elf Jahren erhalten geblieben: »Betragen: gut, Aufmerksamkeit: ziemlich gut, Fleiß und Fortschritte: geht an (!).« Der Kantor und Lehrer Wilhelm Oeser (1818–1899) unterrichtete zu dieser Zeit an der Schule in Werder (1838– 90

als Lehrer tätig) Sprach- und Liedlehre sowie Formenlehre und Zeichnen. Er zeichnete selbst und schuf einige Lithographien, die auch Ansichten von Werder und ihrer Umgebung liebevoll wiedergaben, wie zum Beispiel »Werder vom Weinberge« von 1852. Vielleicht hatte der kunstinteressierte Lehrer Oeser das zeichnerische Talent Hagemeisters in jungen Jahren gefördert und somit dessen ersten künstlerischen Schritte geebnet.5 Es ist aber anzunehmen, dass eine Kleinstadt, die von Weinund Obstbau und Fischfang lebte, ein Kind und später einen jungen Mann beim Zeichnen in der arbeitsfreien Zeit argwöhnisch beobachtete. Ein über Jahrhunderte karges Leben der Inselbewohner, inmitten schönster Natur, gab den Rahmen für ein Dasein vor, bei dem der Erwerb der täglichen Dinge im Vordergrund stand. Das einfache Bild der Stadt war durch zahlreiche eingeschossige Fach-

Biographie

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Werder und Umgebung, Karte 1839.

Werder und Umgebung, Karte nach 1900.

werkhäuser geprägt und wurde durch die engen Gassen verstärkt. Wie sollte sich dort ein künstlerisches Talent entfalten können? Der Stadtschreiber Schönemann verfasste im Jahr 1784 die aufschlussreiche Chronik der Stadt Werder und deren Entwicklung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Auf dieser detailgetreuen Beschreibung fußte der Bericht des Werderaner Oberpredigers Haensch, der 1852 ebenfalls die Inselstadt und ihre Bewohner skizzierte: »Haupterwerbszweig der Einwohner ist Obstbau, wobei namentlich die kleineren Weinbergbesitzer Handwerk, z. T. Handel mit aufgekauftem Obst treiben. Es gibt 36 Fischer, die sich nur kümmerlich nähren. Von den 3 hier befindlichen Brauereien werden 2 in größerem Umfang betrieben und das hier gebraute Bier meist nach Berlin verfahren. Die vorhandenen Ziegeleien, welche sonst sehr schwunghaft

betrieben werden und den hiesigen Arbeitern im Sommer und Winter Beschäftigung geben, liegen zur Zeit wegen Stockung der Bauten ganz danieder. Grund und Boden ist größtenteils unfruchtbar, bessere Acker als ›Leicht Gerstland‹ giebt es hier nicht, aber auch davon nur ungefähr 60 Morgen. Die Lage ist theils Niederung (Sumpf, Wiesen und Acker), theils hohe Berge, die sich nur zur Weinbergsanlage eignen.« Haensch zitiert weiterhin den Chronisten Schönemann von 1874: »Die Kinder werden bis zum 8. oder 9. Jahre zur Schule geschickt, lernen etwas lesen und schreiben, rechnen. Nach dieser Zeit werden sie schon angetrieben, ihr Brot selber zu verdienen und die Töchter werden wie die Söhne zur Arbeit angehalten.«6 Die Beschreibungen der Stadt Werder, mit ihren topo­ graphischen Besonderheiten und den Eigentümlich-

Biographie

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Karl Hagemeister: Mädchen in der Kirche, 1869. Aquarellierte Federzeichnung. Sehr früh erhaltene Zeichnung, die der Künstler noch mit »C.H.« signierte. Besitz: Privatbesitz Werder.

keiten der Bevölkerung, eröffneten einen Blick auf die Lebensumstände und Lebensweisen der »Werderschen« und der »Werderaner«.7 Demzufolge lässt sich das gewonnene Bild auf das von seiner Heimat geprägte Leben Karl Hagemeisters projizieren, wie er in dem kleinen, überschaubaren Dorf aufwuchs und versuchte, seinen Träumen nachzugehen. Als Kind vom Vater mit den Formen und dem Leben der Tiere und der Pflanzen zu Lande und zu Wasser vertraut gemacht, verbrachte er seine Freizeit damit, Vogeleier, Schmetterlinge und Pflanzen zu sammeln. Er war ein aufgeweckter Junge mit tiefschwarzen Haaren, zwar etwas kleinwüchsig, der aber wie alle anderen Kinder Geschich-

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ten über das Mittelalter liebte und dem Ritterdasein verfallen war. Sehr geschickt stellte er sich beim Schnitzen von Schiffchen und beim Modellieren in Ziegelton an, sodass einige ihm eine Berufung zum Bildhauer prophezeiten. Aber mit größter Vorliebe und Begeisterung wurde der Sohn vom Vater frühzeitig zur Jagd und zum Fischfang mitgenommen.8 Die Leidenschaft zur Jagd ließ ihn sein ganzes Leben nicht mehr los und ermöglichte ihm in späteren Jahren auch eine teilweise Selbstversorgung. »Da ich Jäger war, wie Courbet, so malte ich viel Wild, aber immer naturgroß, so wie ich es nach dem Schuß gefunden habe. Ja, ich lebte sogar von der Jagd, denn solche Bilder kaufte niemand.«9 Neben dem Sinn für die Natur hatte er vom Vater auch dessen malerisches Talent geerbt. Denn dieser hatte in jungen Jahren gerne gezeichnet und später sogar seine Arbeiten und Skizzen seinem Sohn vermacht.10 Doch nicht nur der Vater gab dem Knaben künstlerische Ambitionen mit, auch die Mutter besaß kunsthandwerkliches Talent. Es wird beschrieben, dass sie in späteren Jahren besondere Blumen züchtete, die sie in kunstvollen Gebinden arrangierte und diese wohl auch abzeichnete.11 Nach der Beendigung der Schule setzte Hagemeister gegenüber seinen Eltern durch, eine Ausbildung zum Volksschullehrer beginnen zu können, anstatt wie von ihnen gewünscht den Beruf des Försters zu ergreifen. Seine Eltern schätzten seine künstlerische Begabung nicht hoch genug ein; das sofortige Anstreben einer Künstlerlaufbahn hätten sie skeptisch betrachtet.12 Seine Ausbildung zum Volksschullehrer in Köpenick dauerte zweieinhalb Jahre. In dieser Zeit malte und zeichnete er fleißig, denn er verfolgte seinen Traum, Zeichenlehrer zu werden. Als Dorfschullehrer unterrichtete Hagemeister nur zwei Jahre lang, von 1869 bis 1871. Über seine lehrende Tätigkeit existiert eine Einschätzung von 1870, die damals ein Superintendent verfasste, der bei einer seiner Stunden hospitiert hatte: »In der 4. Klasse ließ ich Hagemeister mit den Kindern Ahasvers Berufung besprechen. Er erzählte gut, doch waren die Kinder nicht geweckt und kein Zug in ihnen. Mit dem buchstabieren, resp. lautieren und sylabieren ging es nur leidlich und mühsam. […] Ein

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Zeichen, daß an ihrer geistigen Weckung und Belebung nicht gearbeitet wird. […] Ich habe von Hagemeister bessere Leistung erwartet, denn wenn die Pankower Jugend auch zum großen Teile einem Proletariate angehören mag, er keinen fördernden und bildenden Einfluß auf seine Kinder übt, sie vielmehr in geistiger Stumpfheit hinbrüten oder hinträumen […] läßt.«13 Die Beurteilung bescheinigte dem jungen Lehrer einerseits eine verbale Ausdrucksfähigkeit, andererseits wurde ihm die eigentlich benötigte Lehrerautorität abgesprochen. Man kann davon ausgehen, dass verschiedene Gesichtspunkte dazu führten, dass er auch sich selbst nicht als Volksschullehrer sah. Seine Berufung war eine andere. Neben seiner Ausbildung und der danach folgenden kurzzeitigen Tätigkeit als Lehrer befasste sich Hagemeister mit dem aktuellen Kunstgeschehen, indem er die progressive Zeitschrift für Bildende Kunst studierte sowie selbst immer wieder malte und zeichnete, um seinem innerlichen Bedürfnis, ja Drang, Folge zu leisten.14. »Ich wollte nicht Obstzüchter werden, sondern Lehrer oder Maler. Mein erster Lehrer war Preller in Weimar, zu dem ich 1871 ging und bis 1872 blieb Er wies mich nur auf die Natur, was ich streng befolgte, hin.«15 Im Sommer des Jahres 1871 ging er wie so oft in den Park Niederschönhausen, um zu zeichnen. An diesem Ort wurde Karl Hagemeister eines Tages von dem Berliner Akademieprofessor Ferdinand Konrad Bellermann (1814–1889) angesprochen, der dort mit seinen Studenten ebenfalls zeichnerischen Naturstudien nachging. Er lobte seine Zeichnungen und erkannte das Talent des jungen Mannes – und ermutigte ihn, den Beruf des Volksschullehrers niederzulegen, um seinen Traum, Zeichenlehrer zu werden, zu verwirklichen. Bellermann, der selbst Landschaftsmaler war, ging noch einen Schritt weiter: Da er die Begabung Hagemeisters sehr hoch einschätzte, riet er ihm, das Kunststudium in Weimar aufzunehmen.16 Ferdinand Bellermann war Schüler von Friedrich Preller d. Ä. (1804–1878) in Weimar gewesen und schickte dem alten berühmten Meister Skizzen seines Zöglings Hagemeister zu.17 Preller muss von den Zeichnungen sehr angetan gewesen sein, da er einerseits Hagemeister als Schüler aufnahm und andererseits den mittellosen Kunststudenten finanziell unterstützte, indem er ihn des Öfteren kostenlos unterrichtete.18

August Puhlmann (Verwandte der Mutter Hagemeisters): Häuser in Werder, 1873. Bleistiftzeichnung. Besitz: Privatbesitz Werder.

Karl Hagemeister: Zolchow bei Werder. Burg Zolchow, um 1856. Nachträglich signiert. Federzeichnung. Besitz: Privatbesitz Werder.

Karl Hagemeister: Rosenthal, 1870. Federzeichnung, 39 × 53 cm. Besitz: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett.

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Karl Hagemeister: Selbstbildnis,1869. Öl auf Leinwand, 53 × 45,5 cm. Besitz: Museum im Frey-Haus, Brandenburg an der Havel.

Karl Hagemeister: Auf dem Wege. Mutter mit Kindern, 1869. Öl auf Leinwand, 52 × 46 cm. Besitz: Privatbesitz.

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Im Herbst 1871 wurde Hagemeister als Schüler an der Fürstlichen freien Zeichenschule in Weimar bei Friedrich Preller aufgenommen. Dieser unternahm mit seinem Zögling gemeinsame Reisen auf die Insel Rügen, nach Eisenach, München, Ebenhausen an der Isar und schließlich zu der hochalpinen Landschaft am Hintersee (Berchtesgadener Land), wobei er den jungen Werderaner immer wieder auf die genaue Studie der Natur verwies, um verschiedene landschaftliche Eindrücke zu erhalten und formell zeichnerisch zu erproben.19 Die künstlerischen Anfänge Karl Hagemeisters unter der Obhut Friedrich Prellers prägten ihn in seiner weiteren künstlerischen Entwicklung sehr stark. Preller war ein verständnisvoller Lehrer, der dem Schüler die entscheidenden Grundlagen im Malen und Zeichnen anhand der Naturstudie bei- und näherbrachte. Als Preller ihn recht bald aus der formgebenden Schmiede der Weimarer Malerschule entließ, machte Karl Hagemeister Bekanntschaft mit Carl Schuch (1846 –1903), der zwar nur zwei Jahre älter war als er, aber gleichsam sein Mentor wurde. »Im Herbst 1871 kam ich nach Weimar zu Preller, mit dem ich in den folgenden Jahren Studienreisen nach dem von der Sturmflut schwer heimgesuchten Rügen, sowie nach Eisenach, München und Hintersee machte. Dort empfing uns ein sechswöchiges Regenwetter, das mir aber zu der Bekanntschaft mit Schuch verhalf.«20 Aus bester Wiener Familie stammend, umfassend gebildet, weltmännisch und eloquent, war er wohl ziemlich das genaue Gegenteil des bescheidenen, introvertierten Bauernsohns Karl Hagemeister. Die interessante Begegnung sollte für Hagemeisters Werkprozess entscheidend werden, da Schuch in regem Austausch mit den Künstlern des Malerkreises um Wilhelm Leibl stand und diesem auch angehörte. Als sie sich 1873 kennenlernten, hatte Schuch bereits zwei Jahre im Leibl-Kreis gearbeitet.21 Hagemeister muss von der Art und dem Wesen Schuchs und dessen künstlerischer Einstellung, die durch Wilhelm Leibl angeregt wurde, tief beeindruckt gewesen sein. In seiner 1913 verfassten und herausgegebenen Künstlerbiographie über Carl Schuch wird deutlich, wie sehr Hagemeister die Maxime eines Künstlerdaseins und dessen künstlerischen Anspruch der ehrlichen Malerei verinnerlicht hatte, die er in seinem Buch immer wieder-

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kehrend mit den Worten Wahrheit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Echtheit beschrieb.22 Karl Hagemeister und Carl Schuch unternahmen zuerst Studienreisen, um sich weiterzubilden und neue künstlerische Eindrücke zu gewinnen. Nach einigen kürzeren Städtereisen hielten sie sich für längere Zeit zum Arbeiten in Italien auf. 1876 richteten sie sich ein Atelier in Venedig ein, um dort mehrere Monate tätig zu werden. Ab 1878 besuchte Carl Schuch seinen Freund dreimal in Werder an der Havel. Die gemeinsamen Arbeitsjahre und Studienaufenthalte dienten zur gegenseitigen Inspiration und zur künstlerischen Auseinandersetzung. Diese schöpferische und prägende Phase beider Künstler konnte anhand von Tagebuchaufzeichnungen Hagemeisters sowie der eigenhändig verfassten Monographie Schuchs rekonstruiert werden. Carl Schuch erwog, seine Studienreise vom Hintersee aus nach Wien und Brüssel fortzusetzen. Aufgrund seiner finanziellen Absicherung vermochte er, Hagemeister auf weitere Fahrten einzuladen. 1873 fuhren sie als erstes gemeinsam in die Heimatstadt Schuchs nach Wien: »Schon Ende des Sommers erklärte mir Schuch, daß er den Winter nicht nach München, sondern nach Brüssel wollte. Zuvor wollte er aber die Weltausstellung sehen. Er lud mich ein, mitzufahren, was ich natürlich gerne annahm. Eines Morgens im September bei herrlichstem Wetter fuhr ein großer Wagen vor, den wir verpackten, und flott gings über Berchtesgaden nach Salzburg. Dann nach Wien […].«23 Dort besuchten sie gemeinsam die Weltausstellung, die in ihren Kunstabteilungen auch mehrere Gemälde Wilhelm Leibls ausstellte. Für Hagemeister müsste es die erste Möglichkeit gewesen sein, Bilder Leibls zu sehen.24 Von Wien aus ging die Reise dann nach Dresden, wo sie sich die Sammlung der französischen Landschaftsmalerei ansahen, der »Schule von Barbizon«. Beeindruckt waren sie von den Werken von Camille Corot, Charles François ­Daubigny oder Théodore Rousseau, wobei Schuch das erste Mal mit den Bildern der Barbizoner konfrontiert wurde.25 Im Herbst 1873 reisten sie weiter nach Brüssel, wohin ihnen Wilhelm Trübner folgte. »Neujahr 1874 stieß dann Trübner zu uns, und wir gingen nach Holland […].«26 Sie studierten vor Ort die niederländische Malerei des

Karl Hagemeister: Im Park Weimar. Baumstudien mit Friedrich Preller, 1872. Bleistiftzeichnung, 20,3 × 29,9 cm. Besitz: Siegward Sprotte Stiftung.

Karl Hagemeister: Baumstudie, 1870. Federzeichnung, 41 × 49 cm. Besitz: Potsdam Museum.

Karl Hagemeister: Marienthal-Eisenach, 1873. Bleistiftzeichnung, 43 × 59,5 cm. Besitz: Potsdam Museum, Potsdam.

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Karl Hagemeister: Alte Buche, um 1872. Öl auf Malpappe, 66 × 50 cm. Besitz: Privatbesitz.

17. Jahrhunderts. Die Gemälde der alten großen Meister wie Rembrandt, Vermeer und Velásquez weckten ihr Interesse. Deswegen übten sie sich zunächst in Stillleben und Porträts, um aus den gewonnenen Eindrücken zu schöpfen. Im Sinne einer traditionellen handwerklichen Ausbildung eines Malers fertigten sie Porträts an, die die Erprobung von Licht und Schatten bezeugen. Des Weiteren sahen sie bei ihren Galeriebesuchen Bilder von Gustav Courbet, die in einer Kunsthandlung in Den Haag ausgestellt waren. Die grobe und gestische Malweise Courbets, der alles in toniger Manier und mit Spatel auf die Fläche auftrug, überzeugte vor allem Hagemeister. »Hier in Haag sah Schuch die ersten Courbets. Sie waren in einer Kunsthandlung, wenn ich nicht irre in einer Filiale von Goupil, ausgestellt. Auf zwei besinne ich mich heute noch, das eine war ein ›Rehbock im Schnee liegend‹, hinter Waldrand. Alles fest, tonig und mit Spatel gemalt. Das Interessanteste war ein ›Strandbild‹. Blau mit einigen Stei-

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nen. Alles nur mit Spatel.«27 In Amsterdam überwältigte sie die »Nachtwache« Rembrandts, dem Meister, der alles aus dem Licht entwickelte. Die holländische Malerei war in ihren Augen durch Aufrichtigkeit und Wahrheit geprägt. Keiner wollte mehr sein, als er wirklich war, und so schien die holländische Kunst rein.28 Von dort aus fuhren sie weiter nach Ostende, Brügge, Gent und Antwerpen und besuchten vorwiegend die Museen der Städte. »Danach ging ich zurück nach Werder und malte die Natur der Havel, unsere Wiesen und Wälder. Die Stimmungen zogen mich an […].«29 Ab etwa Mitte des Jahres 1874 wandte sich Hagemeister den Motiven seiner vertrauten havelländischen Umgebung zu. Von einer kulturellen Europareise heimgekehrt, begann er, sein Havelland unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten. Die auf seinen Bildungs- und Studienfahrten gewonnenen Eindrücke, die Sicht auf andere bekannte Maler jener Zeit und deren Werke, aber auch seine eigenen Naturstudien im Berchtesgadener Land ließen ihn immer mehr begreifen, welche naturschönen Möglichkeiten das Havelland für die Landschaftsmalerei bot. War es das, wonach er suchte? 1875 fuhr Hagemeister allein über München nach Rom und nach Olevano im Sabiner Gebirge, wo er eine Vielzahl von Zeichnungen vor der Natur fertigte. Das Gebirge eignete sich wunderbar für zeichnerische Übungen in Feder, da es sich in Felsmassen, Waldeinschnitten und Fernsichten gliederte. In feinen, peniblen Strichlagen ergründete er den Aufbau sowie die Beschaffenheit einer Landschaft. Der Verinnerlichung und gleichzeitigen Beherrschung der räumlichen Wirkungen an Form- und Flächengebung galt dieser Aufenthalt. Im Herbst und Winter 1875 weilte er zurück in Rom, um die Campagna in ihrer Weite zu studieren. Im Frühling 1876 reisten Schuch und Trübner nach Weßling, um gemeinsamen Studien nachzugehen. Sie hatten Hagemeister aufgefordert mitzukommen, doch dieser lehnte ab, um weiterhin in Italien zu arbeiten.30 »Beide Schuch und Trübner gaben sich Mühe, mich zu bewegen, mit ihnen nach Weßling zu gehen. Unbegreiflich heut, daß ich nicht darauf einging. Olevano war für mich damals noch der Zaubername und die Sehnsucht wie für so viele tüchtige Kräfte. Als ich den Sommer 1876 dort war, verabredeten Schuch und ich den Winteraufenthalt in Venedig.«31

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Im Herbst (November) 1876 traf Hagemeister in Venedig ein, wo er wohl gemeinsam mit Schuch bis Mai 1877 arbeitete. Zwischenzeitlich erkundeten sie im Frühjahr 1877 die Umgebung und machten an zahlreichen Stationen Halt, darunter Conegliano über S. Croce, Cadore, Ampezzo, Schluderbach, Toblach, Prags, Villach und Laibach. »Wir malten die Unterschiede der Materien, die einheitliche Stimmung über den Dingen, wie sie draußen bei verschiedenem Licht war. Also dasselbe Stilleben: bei blauem Himmel bei Nachmittagsbeleuchtung und dunklem Himmel, grau, wie diese Stimmungen in unserem Atelierraum reflektierten.«32 So beschrieb Hagemeister die gemeinsame Zeit in Venedig, die er in seiner Schuch-Monographie ausführlich behandelte. Zugleich führte er darin die genauen Lebensumstände auf, die das gemeinsame Arbeiten mit sich brachte und prägte. Der Ateliergemeinschaft in Venedig standen zwei von Schuch gemietete Etagen zur Verfügung, wobei das darüberliegende Geschoss Schuchs Atelier war. Hagemeister soll von seinem Freund die Aufgabe erhalten haben, eine Treppe zu bauen, die vom Atelier aus zum Dach führte. Nach Hagemeisters Aussage konstruierte er selbst diese Treppe, die es ermöglichte, abends oben zu sitzen und über das Häusermeer Venedigs zu blicken.33 Im Mai 1877 trennten sich ihre Wege vorübergehend und Hagemeister zog es zum Geburtsort Tizians, nach Pieve di Cadore, wo er Pflanzenstudien betrieb und Skizzen des Gebirgszuges anfertigte: »[…] wo ich wieder hiesige Natur malte und vervollkommnete.«34 »Ich konnte die Form studieren am Gebirge, Baum und Strauch. Die klare Gliederung kam mir zum Bewußtsein und hier zeigte sich auch der Wert meiner Freundschaft mit Schuch. Er bildete das Auge für die feinsten Tonwerte, wenn wir auch nur Stilleben malten. Bei Preller hingegen konnte ich keine Malerei lernen, da er keine Entwicklung des Kolorits kannte.«35 Anschließend machte er kurz Station am Pragser Wildsee, um mit Schuch den Seekofel zu besteigen. Anschließend reiste er nach Werder ab. 1878, 1880 und 1881 besuchte Carl Schuch seinen Freund in der Mark Brandenburg. Hagemeister hatte vorab mehrere Zeichnungen an Schuch geschickt, um diesem ein

Karl Hagemeister: Hinterseer Wasserfall, 1873. Öl auf Leinwand, 56 × 84 cm. Besitz: Bröhan-Museum Archiv, Berlin.

Karl Hagemeister: Hintersee Wasserfall-Studie, 1873. Öl. Besitz: Bröhan-Museum Archiv, Berlin.

reizvolles Bild seiner Heimat zu zeigen.36 Schuch interessierte sich für die landschaftlichen Gegebenheiten der kargen Mark und reiste in Hagemeisters Heimat. Im Frühling 1878 wählten sie zuerst den abgeschiedenen Ort Ferch als Wohn- und Studienplatz. »[…] Schuch besuchte mich 1878 in den lieblichen Dorf Ferch am Schwielowsee, wo ich mich niedergelassen hatte. Ich führte die Wirtschaft, kochte, kaufte ein, jagte und fischte fleißig, um den Tisch zu besorgen. Nur mit dem Geschirrwaschen haperte es immer. Das wollte keiner von uns beiden.«37 Aus diesem Fercher Jahr, das bestimmt wurde durch das gemeinsame Ringen um Tonschönheit, entstanden Werke von unglaublich schlichter und ausgewogener

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Karl Hagemeister: Selbstbildnis, 1874. Öl auf Leinwand, 70 × 58 cm. Besitz: Bröhan-Museum, Berlin.

Karl Hagemeister: Wassermühle-Olevano, 1876. Federzeichnung, 62 × 49 cm. Besitz: Potsdam Museum, Potsdam.

Farbgebung im Sinne der Schule von Barbizon. Dabei war der Steg, über den die Stadt Werder von Ferch aus erreichbar war, eines der bevorzugten Motive, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden.38 Zu dieser Zeit unterschieden sich die Bilder von Hagemeister und Schuch in den Farbgebungen unwesentlich. Erdige Töne prägten ihre Landschaften, in der sich Häuser, Stege, Bäche, Brücken organisch eingliederten.39 Hagemeister selbst sagte über diese künstlerische Phase in seinem Leben: »Hier begannen wir aus dem Ton zu malen, im Sinne von Leibl und Courbet.«40 Ein Dasein voller Unbekümmertheit und künstlerischer Schaffenskraft sollte die nächsten Jahre bestimmen, die in den Anekdoten Hagemeisters zahlreich beschrieben wurden. Schuch, der ein gebildeter Großstädter war, hegte insgeheim immer den Wunsch, Hochwild zu erlegen, obwohl seine Kurzsichtigkeit dies unwahrscheinlich machte. Seinem Naturell wohl entsprechend, kam es nie zum Schuss. Dagegen suchte Hagemeister – als

Sohn eines Fischers und Jägers – fortwährend Jagdgelegenheiten. Eines Tages stellte er einem starken Schaufler nach und kam erst spät wieder. Schuch fragte ihn: »Was gibts?« Wie Hagemeister in seinen Ausführungen betonte, antwortete er auf die Frage Schuchs lakonisch: »Morgen Leber in saurer Sahne mit Tiroler Knödeln.«41 Doch dieser junger Mann, der in den Wäldern und auf den Wiesen aufgewachsen war, nutzte nach der Jagd oft auch die Gelegenheit, das Erlegte noch auf die Leinwand zu bannen. Weitere formal meisterhafte sowie farblich ausgeführte Gemälde von Tierdarstellungen sollten in den kommenden Jahren folgen. Lange Spaziergänge und Gespräche gehörten ebenso zum Aufenthalt Schuchs in Ferch wie längere Ausflüge in die nahe gelegenen Orte, um die Landschaft zu ergründen und um neue Motive zum Malen ausfindig zu machen.42 Im Spätherbst brach der Wiener Gast über Dresden nach Venedig auf, wo er erneut die Meyersche Sammlung der Barbizonschule studieren wollte.43

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Karl Hagemeister: Olevano, 1876. Federzeichnung, 54 × 43 cm. Besitz: Privatbesitz.

Carl Schuch: Bauernhaus in Ferch am Schwielowsee, 1878. Öl auf Leinwand, 93 × 70 cm. Besitz: Städtische Galerie im Lenbachhaus, München.

Das weitere Vorankommen im »Landschaften« folgte im Sommer 1880. Hagemeister und Schuch wollten wieder Zeit miteinander verbringen, um zu malen und zu zeichnen. Diesmal schlugen sie ihr Quartier in Kähnsdorf auf.44 Schuch hatte sich in einem Brief aus Venedig angekündigt und Hagemeister aufgefordert, ein neues landschaftliches Gebiet auszusuchen, um weitere Studien zu betreiben: »[Venedig], 30. März 1880 Die Landschaft hat den großen Vorteil, daß und das peinliche Ausführen, das beim Stilleben so wichtig ist, nicht hindert, besondersbei großen Bildern, die bald vollendet aussehen. Das einzig Ausführende ist mir in der Landschaft die Farbe. Gib Acht, heuer kommen wir ins Reine damit, dann sehen wir weiter. Sieh nur zu, daß du einen passenden Ort findest; für den Notfall, daß du nichts Besseres findest, wäre als echt landschaftlich doch Kähnsdorf das beste. Ich komme jedenfalls Anfang Mai und suche dann auch noch mit.«45

An Kähnsdorf reizte beide die hügelige Lage des Dorfes, um die perspektivische Auseinandersetzung beim Gestalten einer Landschaft erneut zu erproben, sowie seine abgeschiedene Lage, die Möglichkeiten für intime Landschaftsstudien bot, bei denen die stimmungshaften Einflüsse von Licht und Luft immer deutlicher wurden. Sie wohnten bei Bauer Liebe, nicht weit vom Seddiner See entfernt. Das Haus lag, von Obstbäumen umgeben, auf einer Anhöhe. Wie beim ersten Zusammentreffen besorgte Hagemeister die Wirtschaft, nur dass er diesmal vorwiegend fischte.46 Im Frühling 1881 wollten Hagemeister und Schuch noch einmal nach Ferch zurück. Carl Schuch schrieb aus Venedig im Frühling 1881: »Für heuer habe ich mir gewisse Aufgaben gestellt, Dinge zu malen, die ich bei kürzlich gemachten Landschaftenskizzen vermißte und die stets brauchbarer sind als die sogenannten Motive. Ich freue mich, in eine Gegend zu kommen, die nicht durch eine Fülle neuer Motive verführt, die aber die Studien zur Ausführung derer, die schon auf

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Karl Hagemeister: Italienische Felsenlandschaft, 1877. Federzeichnung, 47 × 61,6 cm. Besitz: Bröhan-Museum, Berlin

Karl Hagemeister: Felsenlandschaft Pieve di Cadore, 1877. Federzeichnung, 45 × 59 cm. Besitz: Potsdam Museum, Potsdam.

Karl Hagemeister: Häuser in Ferch am Schwielowsee (Hagemeisters Geburts- und Wohnhaus in Werder), 1878. Öl auf Leinwand, 50 × 62 cm. Besitz: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie.

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der Leinwand sind, gibt. Luft, Wasser, Grund, Gras und dergleichen, das man in verschiedenen Beleuchtungen nimmt und dann ewig im Atelier brauchen kann.«47 Um mehr Freiraum genießen zu können, wohnten sie diesmal separat. Jeder nahm sich ein größeres Zimmer in unterschiedlichen Häusern, die sich gegenüberstanden. Eines hatte sich aber nicht geändert: Weiterhin wurde der Wiener Feinschmecker von Hagemeister bekocht. In gewohnter Art und Weise richtete man sich für die kommende Studienzeit ein. Das dritte Arbeitsjahr wurde indes von einer anderen Herangehensweise bestimmt, die sich in den früheren Bildkompositionen nicht widerspiegelte. Die Landschaft wurde immer weniger als Stillleben aufgefasst, wofür sich vorher architektonische Stützpunkte wie der des Steges geeignet hatten. Stattdessen trat die Bewegung der Elemente in den Vordergrund. Die Landschaftsstudien wurden farbiger, leichter und großzügiger angelegt. Bis in den Spätherbst hinein entstanden einige Gemälde, die beide zufriedenstellten. Doch für Schuch war das Arbeiten im Havelland an seine Grenzen gestoßen. Er wusste, dass er nicht wiederkommen würde. Hagemeister begleitete ihn noch bis Dresden, um abermals die bedeutende Meyersche Sammlung aufzusuchen. Den Barbizoner Werken galt ihr intensives Studium.48 Das autarke Arbeiten mit Schuch und die Beschäftigung mit den Künstlern des Leibl-Kreises war in Hagemeisters toniger Malerei unübersehbar. Er verdankte dieser stolzen Malergilde eine meisterhafte Maltechnik und ein einzigartiges Farbempfinden, das er in seinen entstehenden Werken immer mehr umzusetzen vermochte. Die künstlerischen Einflüsse waren vor allem von wesentlichen und modernen Kunstströmungen der Zeit geprägt, vor allem von den Landschaftsbildern der Schule von Barbizon sowie der malerischen Auffassung Wilhelm Leibls und dem Realismus Gustav Courbets.49 Danach ging Karl Hagemeister zurück nach Ferch, wo er zwölf Jahre lang weiter einsam die Natur studierte. Abgesehen von einem Intermezzo in Paris verließ er bis zu seinem Tod 1933 seine Heimat nicht mehr. Im Winter 1883/84 besuchte Hagemeister seinen Freund Carl Schuch in Paris. Dieser war von der Stadt angetan: »Venedig hat mich sehr krank gemacht. Paris ist der klimatische Kurort des Geistes.«50

Karl Hagemeister: Landschaft mit Steg, Um 1878. Öl auf Leinwand, 40 × 69 cm. Besitz: Privatbesitz.

Carl Schuch: Steg in Ferch, um 1878. Öl auf Leinwand, 61,4 × 75,5 cm. Besitz: Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg.

In der Weltstadt angekommen, bezog Hagemeister nun Quartier eine Etage über Schuch. Inmitten von Paris gingen sie ihren Gewohnheiten nach, indem sie bis zum Mittag gemeinsam malten und anschließend Einkehr in die Lokalitäten der Umgebung hielten. Danach streiften sie durch die von der Moderne geprägte Stadt, besuchten Museen und Kunsthändler.51 Tag für Tag wurden sie sich der Bedeutung der französischen Kunst bewusster. Bereichert und euphorisiert von Eindrücken, gingen sie an ihre Arbeiten, um sich einer Entwicklung der eigenen Farbund Formgebung zu widmen. Breton, Daubigny oder Corot waren die Vorbilder, deren Inspiration sie vorantrieb im Bemühen, einen eigenen Malstil zu begründen.

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Karl Hagemeister: Märkische Landschaft, 1880. Öl auf Leinwand, 80,5 × 120,5 cm. Besitz: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie.

Carl Schuch: Schleuse bei Kähnsdorf, um 1880. Öl auf Leinwand, 71 × 94 cm. Besitz: Bayrische Staatsgemäldesammlung, Neue Pinakothek, München.

»Unsere Deutschen glauben das noch übertrumpfen zu müssen. Es ist eigentümlich, wie gern die Deutschen nachahmen und, um doch was zu tun ›verbessern‹. Da ihnen das Genie der Initiative fehlt, so wird Nachbars Arbeit korrigiert.«52 Das ehrliche Studium der Natur war Voraussetzung, um der vorangegangenen Hell-Dunkel-Malerei alter Meister etwas Neues entgegensetzen zu können. Zu dieser Zeit fanden sich im Werk Hagemeisters sowohl traditionell verhaftete Bildkompositionen als auch Stücke, die der Erschließungen des Freilichts und der Lebendigkeit an Formgebungen immer näher rückten. Diesen Übergang von geschickter technischer Präzision

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in jeglicher bildnerischen Ausführung zu einer freieren und großflächigeren Auffassung stellte für Hagemeister die Malerei Edouard Manets dar. Das fast lähmende didaktische Herangehen an Form- und Farbfindung wich dem unmittelbar empfindenden Gestalten. In Paris kam es schließlich auch zum Bruch zwischen Hagemeister und Schuch. Hagemeister protokollierte im Nachhinein den Eklat der Freunde, der sich wie folgt zugetragen haben soll: »Ich malte den Austernteller. Schuch sah mir lange zu, dann sagte er: Ich weiß gar nicht Hagemeister wo du das alles her hast. Wir können nicht mehr zusammen malen. Ich: du sollst dich doch sehr freuen, wenn ich Fortschritte mache und du dein Geld nicht umsonst für mich ausgibst. Ich räumte das Atelier, blieb noch acht Tage in Paris, malte den Justizpalast und noch andere auf kleine Holzbretter. Dann fuhr ich Morgens 7 Uhr im Mai vom Nordbahnhof nach Werder. Ich warf sechs Bilder in die Seine aus Gram um die erloschene Freundschaft.«53 Aus diesem Gespräch wird deutlich, dass Hagemeister sich emanzipieren wollte und wiederum die künstlerische Sprache des Leibl-Kreises so aufgesogen hatte, dass ein ewiges Zitieren der anderen ihm zum Verhängnis hätte werden können. Paris hatte ihn mit Werken der Impressionisten in Berührung gebracht und in seiner Sehweise und Auffassungsgabe unbewusst verändert. Die von Hagemeister verfasste Monographie über Carl Schuch, die nach ihrer Fertigstellung von Karl Scheffler redigiert wurde, verschwieg diese letztendliche Dissonanz beider Künstler, um von der eigentlichen Darstellung der Künstlerpersönlichkeit Schuchs nicht abzulenken. Zum Ende seines Lebens sprach Hagemeister sich gegenüber seinem Schüler Siegward Sprotte offener aus, indem er ihm erzählte, dass ein Streitgespräch über den Künstler Wilhelm Leibl der eigentliche Auslöser der Auseinandersetzung gewesen sei.54 Der Streit forderte seinen Tribut, was letztendlich dazu führte, dass sich die beiden nicht wiedersahen. Eines ergab das andere und man wusste, dass die enge Zusammenarbeit auf einmal nicht mehr möglich war. Einige Jahre später versuchte Hagemeister, die Korrespondenz mit Schuch wiederzubeleben. Erst 1897 erhielt er einen durch Krankheit gezeichneten Brief zurück, der ihn tief erschrecken ließ, da er begriff, wie es um die Gesundheit seines Freundes wirklich stand.55

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Karl Hagemeister: Altwasser mit Enten, um 1881. Öl auf Leinwand, 100,5 × 80,5 cm. Besitz: Privatbesitz.

Karl Hagemeister: Blick aus Hagemeisters Wohnzimmer in Werder, um 1884. Öl auf Holz, 35 × 27,2 cm. Besitz: Bröhan-Museum, Berlin.

Schuch war nach 1890 erkrankt und hatte seitdem eine Vielzahl von Kur- und Krankenhausaufenthalten auf sich nehmen müssen. Eine Diagnose seiner Krankheit wurde nirgendwo präzise formuliert, es kann aber davon ausgegangen werden, dass Schuch an Syphilis erkrankt war. Ab 1897 bis zu seinem Tod am 16. September 1903 konnte er das Sanatorium in Wien nicht mehr verlassen.56 In seiner Selbstbiographie beschrieb Hagemeister rückblickend: »1883 war ich mit Schuch in Paris, und ich erkannte, daß nur die Natur der einzige Lehrer sein konnte. Darum ging ich wieder nach Ferch, wo ich bis 1912 in stiller Einsamkeit blieb und mich immer mehr mit der Natur vereinigte. […] Ich erkannte, daß nicht die Tonigkeit die Hauptsache für die Bilder sei, sondern das Licht, das ewig wechselt.«57 Im Mai 1884 kehrte er nach zwölf Jahren intensiver Reisezeit für immer in seine havelländische Heimat zurück.

Es war der Beginn einer künstlerischen Neuorientierung und der Selbsterkenntnis, dass er als Landschafter dorthin gehörte, wo er sich selbst entfalten und der Natur immer nahe sein konnte. Er wusste um seine Wurzeln, seine Heimat. Ausgehend von impressionistischen Anregungen fand er zu einer eigenen Bildsprache. Der Entschluss, vor den Toren Berlins in stiller Einsamkeit zu malen, entsprach seinem eigentlichen Naturell. Das Städterdasein hatte er einige Jahre beobachtend gelebt. Mit einem reiferen Bewusstsein war er aus den Arbeits- und Wanderjahren mit Schuch zurückgekehrt und hatte die nötige Haltung der Malerei gegenüber erworben, die nun seinem eigenen Künstlerdasein zuträglich war. Es war ein europäisches Phänomen der Zeit, dass sich Künstler aus dem städtischen Treiben auf das Land zurückzogen, abgewandt von als zu eng empfundenen Dogmen der Akademien. Aufblühende Künstlerkolonien wie zum Beispiel die Maler von Barbizon, Worpswede,

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Karl Hagemeister: Stilleben mit Hummer (beidseitig bemalt), um 1884. Öl auf Holz, 25 × 33 cm. Besitz: Privatbesitz.

Karl Hagemeister: Verso, Hagemeisters Schlafzimmer in Paris, um 1884. Öl auf Holz, 33 × 25 cm. Besitz: Privatbesitz.

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Dachau, Ahrenshoop und in Dänemark die Skagen-Maler waren Ausdruck dieser Entwicklung. Diese Künstlergemeinschaften entstanden als Gegenreaktionen auf die rasant anwachsenden Städte, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zunehmend von der Industrialisierung beherrscht wurden.58 Karl Hagemeister lebte nun wieder mit Obstbauern, Fischern und Jägern zusammen. Seine einstige Bleibe, das Elternhaus in Werder, wurde durch ein gemietetes kleines Haus in Ferch ersetzt, in dem er von 1880 bis 1892 lebte.59 Die Siedlung Junkershäuser gehörte zu dem abgelegenen Ortsteil in Ferch, wo noch heute die einstige Bleibe Hagemeisters zu sehen ist. Bei Wind und Wetter zog er mit seinem Werderschen Weidenkorb los, gefüllt mit Farbtuben und anderen Utensilien, um im Havelland zu malen. Nie ein Atelier besitzend, ging er, bestückt mit Bauernjoppe, Stiefeln, Schlapphut und dem Gewehr, in den Wald. »Dann blieb ich dort 12 Jahre mutterseelenallein, wirtschaftete selber und lebte von der Jagd. 300 Stück Großwild habe ich in der Zeit erlegt. In jener Zeit entstanden meine Hirsch- und Jagdbilder. Mit einem kleinen Schlitten zog ich oft aus, gleichzeitig Jäger und Maler. Mein Malzeug führte ich in einem einfachen Werderschen Obstkorb mit, einen Malkasten habe ich nie besessen.«60 Zwölf Jahre einsamsten Schaffens verlebte er in Ferch, ernährte sich vom selbst Erlegten und malte stets vor der Natur. Unentwegt fand er die reizvollsten Motive, die ihm dieser Landstrich bieten konnte. Wie seine Malerei aus dem Unmittelbaren hervorging, so gestaltete er aus dem direkten Erleben. »Und Hagemeister selbst, wenn er ein Reh erlegt hatte, dann brachte er es nicht spornstreichs nach Hause, sondern malte es erst ab, wie es da im Schnee vor ihm lag, vor dem Schützen und Maler, ganz genau, ganz richtig […]. Solche Reh-Bilder […] sind Hauptwerke Hagemeisters aus der ersten Zeit nach seiner Rückkehr in die Heimat.«61 In Auseinandersetzung mit impressionistischen Auffassungs- und Darstellungskonzepten experimentierte er in der zweiten Hälfte der 1880er-Jahre. Diese Entwicklungsphase offenbarte sein Suchen nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten. Beeinflusst von dem Realismus Gustav Courbets, setzte er sich mit der immerwährenden Kunstauffassung eines Wilhelm Leibl oder der Im-

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pressionisten auseinander, indem er einen grundsätzlichen Bezug der Kunst zur Wirklichkeit in seinen Bildern wählte. Es war die Hinwendung zum Realismus, der stilistisch verfeinert wurde. Eine andere Oberflächenempfindlichkeit an Farbgebungen dominierte das Neuartige. »Hier allein erkannte ich, daß die Natur kein Stilleben ist, sondern ein schöpferischer, ewig arbeitender Organismus. Daß der Ton durch das Licht ersetzt werden muß. Ich malte Wald, Wild, Wasser mit Teichrosen und Schilf, alles groß, lichtvoll und den Bewegungsgraden der Naturdinge entsprechend bewegt.«62 Keine anekdotischen oder idealisierten Bildkonzepte bestimmten seine Tier- sowie Figurendarstellungen.63 Einem stimmungsvollen Einklang mit der Natur galt seine malerische Schilderung. Die Figuren wurden einem atmosphärischen Gesamteindruck untergeordnet. Bäuerinnen bei der Arbeit, auf dem Feldweg oder am Rande des Weges sich ausruhend, positionierte er in (eigentlich) reine Landschaftsdarstellungen. Mit einer sachlichen Wiedergabe der Situation sowie einem unglaublich frischen und leuchtenden Farbauftrag schuf er figürliche Bildkompositionen, die an den prosaischen Realismus eines Jean-François Millet oder auch eines Fritz von Uhde anknüpften. Allerdings war diese Art des Malstils eher eine Reminiszenz der in Paris gewonnenen Eindrücke, da das entbehrungsreiche Sujet sowie die schlichte Farbigkeit eines Millet nicht seinem Gemüt entsprachen. Die wesentliche Gestaltung seiner Bilder, die durch einfache, kompakte Formen und einen pastosen Farbauftrag gekennzeichnet waren, entwickelte sich erst in späteren Jahren, wobei das Figurenbild komplett in den Hintergrund trat. Im Herbst 1892 zog Hagemeister von Ferch in den Entenfang bei Geltow. Nach dem Tod seines Vaters (1888) wollte er seiner Mutter und dem Bruder näher sein. Von dort aus gelangte er schnell mit dem Ruderboot über die Havel und konnte so alle nahe liegenden Dörfer erreichen.64 Das angemietete Haus, wohl das Fischgehöft Augenadel, lag nicht weit vom Havelufer entfernt, gegenüber seiner Heimatstadt Werder. Dort lebte er 18 Jahre lang in stiller Einsamkeit, umgeben von einer unberührten und stimmungsvollen havelländischen Landschaftskulisse. Nur seine treue Dackelhündin Stella begleitete ihn auf seinen Jagdgängen.65

Karl Hagemeister: Bei Kähnsdorf, um 1884. Kreidezeichnung, 65 × 50 cm. Besitz: Privatbesitz.

Karl Hagemeister: Bei Kähnsdorf, um 1884. Öl auf Leinwand, 56 × 60 cm. Besitz: Privatbesitz.

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Karl Hagemeister: Fischerkahn im Schilfufer – Alter Kahn, um 1880. Öl auf Leinwand, 47 × 87 cm. Besitz: Potsdam Museum, Potsdam.

Karl Hagemeister, um 1884/85. Besitz: Bröhan-Museum Archiv, Berlin.

Siedlung Junkershäuser Ferch, 2009.

Der Entenfang war ein dicht bewaldetes und wasserreiches Gebiet, das am Westrand des Wildparks bei Geltow lag. Es war durch eine vielfältige Pflanzen- und Vogelwelt geprägt und mit Teichen und Sümpfen durchzogen. Die flachen Wasserstellen wurden extra angelegt, um den Wild- und Zugenten als Brutstätte zu dienen und sie somit für die Jagdsaison zu züchten. Der Entenfang sowie die Pirsch­heyde, der königliche Wildpark der Hohenzollern, waren großräumige Jagdgebiete, die an naturgegebener Schönheit ihresgleichen suchten. Dort entstanden die ersten großformatigen Teich- und Waldlandschaften Hagemeisters. Er lebte im völligen Einklang mit der Natur und schöpfte aus ihr. Diese Lebensform übertrug sich auf die Unmittelbarkeit seiner Darstellungen von Naturauschnitten. Auf riesigen Leinwänden malte er das gerade Gesehene und Erlebte. Von üppiger Pracht umgeben, malte Hagemeister Teichecken mit wild wucherndem Blattwerk und blühend schwingenden Blütenkelchen, deren Bild vom Wasser reflektiert wurde und die das Werden des Werkes nachvollziehbar machten. Weitere Orte zum Malen fand er am Schwielowsee oder aber an der Mündung des Wentorfgrabens, der die Verbindung zwischen Schwielowsee und Templiner See bildete. Von dort zog es ihn des Öfteren, wohlgemerkt mit einem Bild unter dem Arm, in das Herrmannsche Gasthaus Baumgartenbrück, wo er die Zeche manchmal mit Kunst beglich. Diese Art zu leben bedeutete wiederum nicht, dass er keine Verbindung zur Außenwelt pflegte.

So setzte er seine regelmäßigen Besuche bei Liebermann in Berlin fort und hatte Kontakt zu anderen Künstlern, wie zum Beispiel Carl Kappstein, Ludwig Dettmann, Max Koch, Paul Meyerheim und Otto Wiedemann – Kollegen, die ihn über das Berliner Kunstleben informierten und einen regen künstlerischen Austausch mit ihm unterhielten.66 1908 starb seine Mutter, weshalb Hagemeister drei Jahre danach in das elterliche Haus zurückzog, wo er bis zum Ende seines Lebens gemeinsam mit dem jüngeren Bruder wohnte. »Die Jagd in Claistow hatte ich aufgegeben u. hatte meine Fischerei, in meinem Teich. Davon lebte ich. In einer Winternacht fing ich 1 Ztr. u 30 (Pfund) Hechte. Ztr verkaufte ich, 30 Pfund an mene Mutter. Sie war immer bei den Hechten 1 wog 13 (Pfund) u. erkältete sich nach 4 Tagen starb sie.«67 Den größten Teil seiner märkischen Landschaftsdarstellungen schuf er in dieser Zeit. Hagemeister beschrieb die Substanz seiner Bilder in einem Brief an den befreundeten Künstler Otto Wiedemann, in dem er sich vor allem über die ihm am wichtigsten gewordene Stimmungsmalerei äußerte: »Heute morgen hätten Sie hier sein sollen. Zarter durchsichtiger Nebel mit Sonne. Dann kam vom Horizont ganz leichtes Gewölk auf, immer höher schwebend. Rein märchenhaft. Ich war glücklich dieses Wunder zu sehen, sie gaben mir die Gewißheit, daß ich seit 1890 auf dem richtigen Weg war, alles aus der Stimmung zu entwickeln.«68

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Karl Hagemeister als Jäger.

Karl Hagemeister: Damwild (Toter Hirsch), 1884. Öl auf Leinwand, 128 × 200 cm. Besitz: Kunstmuseum Krefeld – Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld.

Das eigene subjektive Erleben wurde zum übergeordneten Bekenntnis seiner Kunst. Er bevorzugte den stillen Winkel der Natur. Diese schaffensreichen Jahre kennzeichneten die Entstehung von Werken, die sich als Teil des bestehenden Ganzen zu verstehen wussten – Pars pro Toto, eine malerische Nahaufnahme, die einer Art Porträtdarstellung glich, um die wahrnehmbare Stimmung eins zu eins wiedergeben zu können.69 Mit großer Intensität beobachtete er über viele Jahre hinweg seine märkische Umgebung mit all ihren wetterbedingten Stimmungswechseln. Dieses genaue Studieren der Naturerscheinungen half ihm bei der farblichen Gestaltung seiner großformatigen Landschaftseindrücke.70 Der Farb­auftrag bestimmte sowohl das Atmosphärische als auch die Bewegung des Ganzen. Tupfenartig und breitpinselig trug er die Farben auf, wodurch die Bildformen in Schwingungen versetzt wurden, die das Lebendige der Natur widerspiegelten. »Wenn ich in die Natur hinausgehe, und es sei auch an eine Stelle, die ich ganz genau kenne, so bin ich gar nicht imstande, mich sofort hinzusetzen und zu malen. Ich muß vielmehr immer erst längere Zeit still die Umgebung auf mich wirken lassen und mich ganz mit der Stimmung durchsättigen, die aus der gegenwärtigen atmosphärischen Verfassung sich um mich ausbreitet. Wenn ich dann den Grundton eingesogen habe, so bringe ich ihn als beherrschenden Farbakkord auf die Leinwand. Und diese Grundierung bleibt die Dominante, auf der das ganze Bild aufgebaut wird.«71

Er sprach von dem Raumton, der in allen Teilen des Bildes wiederkehren sollte. Bei einem klaren, blauen Himmel erhielt die Leinwand einen klaren, blauen Ton und an einem trüben Tag wurde ein Grau auf dem Bildträger aufgebaut. Von dieser Leinwandgrundierung ausgehend, mischte er sich dann eine große Menge von Farben, die passend dazu abgestimmt wurden.72 »[…] nun aus diesem großen Stimmungston alle anderen Dinge in ihren besonderen Tönen. Auf diese Art und Weise wurde das Kolorit meiner Bilder organisch und nicht bloß geschmackvoll zusammengestimmt. Bei dieser Darstellungsart blieb ich nun mein Leben lang, ob große oder kleine Bilder entstanden. Es war mir nun auch möglich, das ›Schweigen im Walde‹ zu malen, ›die Sehnsucht nach Werder‹, den ›erwachenden Mohn‹, die ›schlafenden Teichrosen‹ […].«73 Seine Naturbeobachtungen malte er frei und impulsiv. Um die bewegte Stimmung wiedergeben zu können, ließ er das Bild in einem Zuge entstehen – alla prima. Er fertigte seine Bilder vor der Natur, wobei er seine lebensgroßen Naturdetails mit unübertrefflicher Breite des Vortrags und Unmittelbarkeit erschuf.74 In leuchtenden Gelbtönen hob er pastose Farbbatzen auf die Leinwand, die Blatt für Blatt ergaben. Baumzweige und Gräser woben sich rhythmisch in das Bildgefüge ein, in farblich gestaltete Harmonie gebettet. Dabei wurde die Darstellungskraft meist über das Vorbild der Natur hinausgetragen. Im Tempo seines Auftrags wurde Hagemeisters Malweise nun zum Ausdruck seiner selbst. Durch seine

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Karl Hagemeister: Bäuerin bei der Arbeit, um 1886. Federzeichnung, Maße unbekannt. Besitz: Privatbesitz.

Karl Hagemeister: Zwei Mädchen im Mohnfeld, um 1886. Öl auf Leinwand, 70 × 114 cm. Besitz: Privatbesitz.

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Hände, durch seine Pinselführung wollte er das Motiv wachsen sehen. Nicht nur mit einem Blick oder mit dem bloßen Auge, sondern »mit der Hand am Puls der Natur« verstand er das Gestalten, ja die bildnerische Ausführung der Arbeiten. Er selbst sprach vom »Wachstum« und vom »Organischen«.75 Hagemeister unterschied die organische und anorganische Abstraktion. Wie Heidemann in seinem Katalogtext »Persönliche Erinnerungen an Karl Hagemeister« sinnierte, äußerte Hagemeister ihm gegenüber, dass »man immer vom Lebendigen ausgehen müsste. Wie könnte man den Duft, den Wuchs, die Lebensfreude, das Hinsterben einer Blume, dieser empfindlichsten Gebilde wiedergeben, wenn man als Objekte einen toten Kram aus Papier, Draht oder Stoff vor sich hat.«76 Über ein Werk, das ihm missfiel, sagte er: »[…] det wächst nich.«77 Aus der mit Elan an die Leinwand gebrachten Farbe – er nutzte Pinsel, Spachtel, Finger und Handballen gleichermaßen – entwickelte sich eine eigenwillige Dynamik, die das Motiv in Bewegung brachte. Er begriff diese als Elementargefühl. Wie die Bewegung, so ordnete sich auch die Farbe einem Hauptklang (Raumton) unter. Das Studium von Licht- und Luftwirkung in der Natur wurde zum Credo von Hagemeisters Werkprozess, um die vielseitige Schönheit des Naturspiels an Farben und Formen in eine malerische Stimmungslandschaft umsetzen zu können. Diese Ansicht des Erlebens und Studierens ergab die künstlerische Quintessenz, die die folgenden schaffensreichen Jahre des Landschaftsmalers bestimmen sollte: »Wenn der Maler ein kleines Stück Natur hat, in das er sich ganz und unablässig vertieft, so findet er darin die Unendlichkeit und täglich neue Überraschungen.«78 Durch die Hinwendung zum Pastell ab etwa Ende der 1890er-Jahre vermochte er, die von ihm angestrebte subtilere Farbgebung zu vervollkommnen und die Atmosphäre einer Landschaft am besten wiederzugeben. Die Darstellungen von trüben, nebligen Tagen am Wentorfgraben oder von lauen, lichtdurchtränkten Sommerstunden am märkischen Ufer gelangen ihm auf diesem Wege ganz eindringlich. Von der zartesten Tonabstufung bis hin zu dunklen Schattierungen skizzierte er Bachläufe, Uferzonen oder Waldstücke. Hagemeister stellte die Pastellstifte, nein, besser gesagt die Pastell­

Biographie

Hagemeister-Buch.indb 30

06.11.15 14:11

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Karl Hagemeister (Leseprobe)  

Der Landschaftsmaler Karl Hagemeister, geboren 1848 und 1933 gestorben in Werder an der Havel, zählte zu jenen Künstlern, die den stimmungsv...

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