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John Shreve

Kriegszeit Das ländliche Deutschland 1914–1919 Belzig und Kreis Zauch-Belzig

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. © be.bra wissenschaft verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2014 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebraverlag.de Lektorat: Marijke Topp, Berlin Gesamtgestaltung: typegerecht, Berlin Schrift: Minion Pro 10/13 pt Druck und Bindung: Finidr, Český TĕŠín ISBN 978-3-95410-045-3 www.bebra-wissenschaft.de

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Inhaltsverzeichnis Vorwort  1914 

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Die Ruhe vor dem Sturm  Am Vorabend des Weltkrieges  Krieg kommt nach Belzig  Die Angst vor Spionen  Die Lazarette  Propaganda und Opferbereitschaft  Ausländer im Kreis  Der Krieg in Belgien  Der Krieg in Ostpreußen  Siege feiern  Das Bedürfnis nach Information  Der Kriegsalltag  »Kriegerfrauen«  Die erste Kriegsanleihe  Die Schlacht an der Marne  Flüchtlinge  Die Kriegsgefangenen  Die Lazarette  Patriotische Veranstaltungen  Gold und Petroleum  Die Kinder  Die Kommunalwahl in Belzig  Die Landwirtschaft  Deutschsein  »Heldentod«  Musterung  »Liebesgaben« 

20 21 33 47 50 52 59 61 66 67 70 76 85 87 88 91 94 95 100 101 106 107 108 110 115 118 118

1915 

121

Brot  Die britische Blockade  Die kämpfende Front und die Heimat  Musterungen  Das U-Boot  Die Landwirtschaft  Der Krieg verändert die Heimat 

125 129 132 135 136 137 151

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Getreide  Ostpreußische Flüchtlinge  Die zweite Kriegsanleihe  Flugzeuge und Automobile  Im Zeichen des Krieges  Verluste  Die Lebensmittelversorgung  »Barbaren«  Kreissynode  Geschlechtstrieb  Jugendkompanien  Die Lazarette  Engpässe  »Von Sieg zu Sieg!«  Ernte  Elektrizität  Erfahrungen an der Front  Der »Heldentod«  »Liebesgaben«  Sedanfest  Die dritte Kriegsanleihe  Hindenburg und Hohenzollern  Deutsche Kriegsgefangene  »Meier ist ein fleißiger und braver Soldat«  Die Kriegswirtschaft  Familien  Der Krieg wirkt immer stärker auf alle Bereiche des Lebens 

153 155 157 158 159 160 162 165 168 169 173 174 175 176 177 181 182 185 189 192 193 194 195 196 197 201

1916 

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Die Versorgungslage und die Landwirtschaft  Spenden für die Soldaten  Die vierte Kriegsanleihe  Die Schlacht von Verdun  Die sich ausbreitende Zwangswirtschaft  Pflanzenöl und Zucker  Natürliche Lebensmittel und Ersatzlebensmittel  Das Infanterie-Regiment 20 in Verdun 

203

208 213 214 215 217 218 220 225

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Die Einführung der Sommerzeit  Die Auflösung der Lazarette  Schöffengericht  Todesnachrichten  Der Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen  Skagerrak  Kreissynode  Futter  Die Forderungen des Heeres  Brot  Beurlaubung von Landwirten  Einschränkungen bei den Zeitungen  Die Toten der Somme-Schlacht  Die fünfte Kriegsanleihe  Die wachsenden Probleme in der Heimat  Das Hindenburg-Programm  Die Frau in der Landwirtschaft  Kinder und Jugendliche  Die Alten  Die bedrohliche Versorgungssituation  Marmelade und Höchstpreise  Die Kartoffelernte  Diebstahl  Probleme mit Kriegsgefangenen  Unterhaltung  Pferde  Sammlungen  Der Umgang mit dem Tod  Die »Hindenburg-Spende«  Das Weihnachtsfest naht  Patriotische Unterhaltung  Der Vaterländische Hilfsdienst  Die deutsche Friedensnote  Weihnachtsfeier  Briefe des Ehepaares Auguste und Hermann Lüdecke  Die sich verschlechternde Lebensqualität  Hamsterfahrten und Schleichhandel  Der Krieg und das Sterben gehen weiter. 

229 230 230 231 232 234 235 238 239 241 244 246 247 249 252 253 255 256 259 260 266 268 270 271 272 272 273 274 275 277 278 278 280 281

1917 

289

Propaganda  Die sich zuspitzende Ernährungslage  Die Versorgung des Heeres 

291 293 294

283 284 285 287

Der Geburtstag des Kaisers  Der radikalisierte U-Boot-Krieg  Die Versorgungs-Krise  »Alberich«  Der Eisenbahnverkehr  Die große Kälte  Die Diskussion um politische Reformen  Belgische Zwangsarbeiter  Die Märzrevolution in Russland  Die sechste Kriegsanleihe  Musterungen  Brotgetreide  Unruhen im Reich  Ostern: Zuversicht herbeireden  Die Kämpfe in Frankreich  Die Fleischversorgung  Die Probleme der Landwirtschaft  Aufruf der Konservativen an die Landbevölkerung  Die zunehmende Zahl der Diebstähle  Die Kirche und der Krieg  Belziger arbeiten in den Borker Flugzeugwerken  Pferde  Gold  Fußball  Sammlungen für den Krieg  Reglementierung des Alltags  Schwierigkeiten mit Kriegsgefangenen  Die Kirchenglocken  Politischer Streit über den Krieg  Die sinkende Lebensqualität  Obst und Gemüse  Lieferungen an die Proviantämter des Heeres  Die Ernte  Die Kriegslage  Brot  Zerstreuung  Die Deutsche Vaterlandspartei  Großstadtkinder auf dem Land  »Vaterländischer Unterricht«  Schleppende Heuliefungen an die Proviantämter 

296 298 302 306 307 307 309 310 313 313 316 317 318 320 321 323 325 327 328 330 334 336 336 337 338 339 339 340 343 345 347 348 349 350 350 351 352 354 355 357

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Der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten im Kreis  Der Mangel an Pferden  Seife  Das Sterben geht weiter  Petroleum  Der alltägliche Kampf um Lebensmittel  Die Futternot  Die »Kohlenknappheit«  Das 400. Jubiläum der Reformation  Die sich verschlechternden Lebensmittelversorgung  Weihnachtsgeschenke für die Soldaten  Die Machtübernahme der Bolschewiki  Die Deutsche Vaterlandspartei im Kreis Zauch-Belzig  Die Heimat und der Krieg  Das preußische Dreiklassenwahlrecht  Kein Ort blieb vor Dieben sicher  »Knappheit«  »Kriegsmüdigkeit breitet sich aus.« 

Januar bis November 1918  Der Mangel bringt Veränderungen mit sich  Die Probleme des Alltags  Die Vaterlandspartei  Pferdemusterungen  Der Geburtstag des Kaisers  Streik  Die Lebensmittelversorgung  Die Verantwortung der Gemeindevorsteher  Belieferung der Städte und des Heeres  Der Friede im Osten  Zunehmende Mangelwirtschaft  Das 20. Infanterie-Regiment bereitet sich auf die große Offensive vor  Probleme der Landwirtschaft  Die »Michael«-Offensive  Reppinichen  Hans Freiherr Oppen von Huldenberg und die Vaterlandspartei  Weitere Offensiven 

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358 364 365 366 368 369 370 371 373 375 376 377 377 379 380 381 382 384 386 387 388 391 392 392 393 395 397 399 400 403 405 406 407 410 411 412

Der Alltag in der Heimat  414 Schwierigkeiten der Kriegswirtschaft  415 Der Tod von Hans Freiherr Oppen von Huldenberg  418 Die Frühjahrsbestellung  420 Der Friede im Osten II  422 Herabsetzung der Rationen und »Hamstern«  423 Nesseln  426 Einbrüche und Diebstähle  426 Die Lage der Kriegsgefangenen  430 Die Ludendorff-Spende für Kriegsbeschädigte  433 Die Behörden und die Versorgung der Bevölkerung  434 »Hamstern« im Juni  435 Fußball  436 Die Moral der Soldaten  436 Die Ernte  440 Versorgungslücken  443 Sammeln  445 Aufruf des Kaisers: »An das deutsche Volk«  447 Die Situation an der Heimatfront  450 Der Krieg und die innenpolitische Situation  451 Das Sterben im September  453 Die verfehlte Propaganda  455 Die Diebstähle gegen unvermindert weiter  456 Wendepunkt im Oktober  457 Die letzten Wochen an der Heimatfront  461 Die Grippe  463 Dem Ende entgegen  465 Die Kartoffelernte  467 Die erste Novemberwoche  467 Das alte Regime bricht zusammen  470 Am 11.11. um 11 Uhr  471

November bis Dezember 1918 

473

Der Kaiser geht  Arbeiter- und Soldatenräte  Die Bedingungen des Waffenstillstandes  Die ersten Maßnahmen des Arbeiterrates 

473 474 476 477

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Die widersprüchliche Entwicklung auf dem Lande  Der Umgang mit der Niederlage  Die Demobilisierung  Viele Probleme der Kriegszeit bleiben  Pferde  Die Rückkehr der Soldaten  Der Umgang mit der Niederlage  Die Gründung weitere Arbeiter-, Bauern-, Bürger- und Soldatenräte  Totensonntag  Die Niederlage  Der schwierige Neuanfang  Brot und Kohle bleiben knapp  Der Weg zurück zum »normalen Leben«  Neue Parteien werden gegründet  Die heimkehrenden Soldaten  Die Frauen haben das Wahlrecht  Die Landwirtschaft  Der I. Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte  Soldaten in der Heimat  Die Trennung von Staat und Kirche  Weihnachten 1918  Kontinuitäten 

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1919 

519

Demographische Veränderungen  Begrüßungsgottesdienste  Demobilisierung  Die politische Führung des Kreises  Die Rückkehr der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen  Ausländische Arbeiter und Kriegsgefangene  Die Arbeiterratswahlen in Belzig  Die Kämpfe in Berlin und die Freikorps  Der Schatten des Krieges  Die Wahl zur Nationalversammlung 

520 520 522 527 529 534 534 535 538 539

Die Wahl zur preußischen Nationalversammlung  Die Freikorps  Das Rätesystem im Kreis  Die Gemeinde- und Kreistagswahlen  Bolschewismus, Blockade, Hass  Die Rolle der Kirche  Die Feier zum 1. Mai  Der Versailler Vertrag  Der Abbau der Zwangswirtschaft  Die Mangelwirtschaft  Der Mangel an Arbeitskräften  Die Landwirtschaft  Hamstern, Diebstahl  Strom und Elektrizität  Der Mangel an Wohnraum  Großstadtkinder und Flüchtlinge  Das gesellschaftliche Leben kommt in Gang  Die Einwohnerwehren  Der erste Jahrestag der Revolution  Die politisch Rechten wehren sich  Kriegerdenkmäler  Neue Glocken 

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Nachwort 

615

Anmerkungen 

621

Quellen- und Literaturverzeichnis 

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Abbildungsnachweis 

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Danksagung 

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Über den Autor

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Vorwort Der Erste Weltkrieg war das einschneidendste Ereignis der europäischen Geschichte seit der Französischen Revolution. Er bedeutete das Ende des alten Europas. Ein kurzer Krieg wurde erwartet, aber es wurde ein langer, blutiger Krieg und er war der Anfang eines Zeitalters der Gewalt. 1914 hatten nur die älteren unter den Deutschen Erinnerungen an die letzten Kriege, und diese lagen weit zurück, waren kurz gewesen und hatten relativ wenig Opfer gefordert. Diese mangelnde Kriegserfahrung führte dazu, dass sowohl die jungen Männer als auch die »Daheimgebliebenen« mit verklärten Illusionen in den Krieg zogen. Der Krieg war mit romantischen Bildern behaftet vom ritterlichen Kampf von Mann gegen Mann, in dem Geschicklichkeit und Mut ausschlaggebend waren. Dieser Krieg würde wie kein anderer in der Vergangenheit sein. Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, in dem die industrielle Entwicklung das Kriegsgeschehen prägte, der erste hochtechnisierte Krieg, der erste Krieg, der die ganze Gesellschaft unmittelbar betraf. Nicht das Heldentum des einzelnen Soldaten war kriegsentscheidend, sondern die Waffentechnik, die Leistungsfähigkeit der Industrie und auch die Heimatfront. Was die Soldaten im Weltkrieg erlebten, war »das fabrikmäßige Massentöten«.1 Der Soldat wurde zum Menschenmaterial. Die Hälfte aller deutschen Männer zwischen 16 und 60 wurde zum Wehrdienst eingezogen, insgesamt 13 Millionen Männer. Es fielen 1.808.555 und 4.950.000 wurden verwundet.2 Keine Familie, keine Gemeinde blieb davon unberührt. Im Ersten Weltkrieg kämpften mehr als 60 Millionen Soldaten aus fünf Kontinenten. Vielleicht 10 Millionen Soldaten haben in diesem Krieg ihr Leben verloren, im Durchschnitt 6000 täglich. Millionen überlebten den Krieg als körperliche und/oder psychische Kriegsversehrte. H.P. Willmott spricht von der größten europäischen Katastrophe seit dem Schwarzen Tod.3 Es waren aber nicht nur die Soldaten, die im Ersten Weltkrieg litten. Zivilisten kamen auf Grund der Kriegshandlungen ums Leben, litten an Angst und unter Hunger, hatten ihre Häuser verloren, ihre Söhne, Väter, Ehemänner, Brüder und Freunde. Das Leid war unermesslich. Im Gegensatz zu früheren Kriegen, die, sofern die Kriegshandlungen die Heimat nicht direkt berührten, wurde im Ersten Weltkrieg die Heimat »in den Dienst des Krieges gestellt – sie verwandelte sich in die ›Heimatfront‹.«4 Sowohl militärisch als auch wirtschaftlich unvorbereitet ging das Deutsche Reich in diesen Krieg. Da man von einem kurzen Krieg ausging, schien weitergehende Planung überflüssig. Die Erwartung eines kurzen Krieges bedeutete auch, dass das Land und damit die Menschen auch mental nicht auf den Krieg vorbereitet waren. Beim Ausbruch des Krieges war das deutsche Volk von seiner Führung angelogen worden. Das Deutsche Reich sei zum Krieg gezwungen worden, es sei ein Verteidigungskrieg, und die meisten haben das wohl geglaubt. Nach dem Krieg kam die zweite Lüge hinzu, die der »im Felde ungeschlagenen« Armee. Die beiden Lügen, gepaart mit den Leiden des Krieges und den neuen Unsicherheiten, ebneten das Feld für den Nationalsozialismus. Vorwort   |   9

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Dieses Buches erzählt nicht die Geschichte »der« Heimatfront, sondern es schildert die Erfahrungen der Menschen in der Stadt Belzig (heute Bad Belzig) und der ländlichen Umgebung um Belzig, im alten Kreis Zauch-Belzig während des Ersten Weltkrieges. Beim Ausbruch des Krieges gab es in bestimmten Kreisen der deutschen Bevölkerung eine Begeisterung für den Krieg. Auf dem Lande hielt sich diese Kriegsbegeisterung eher in Grenzen. Sehr wohl herrschte aber eine Bereitschaft, die Truppen zu unterstützen, für sie Opfer zu bringen, ob durch Geldspenden, Lebensmittelspenden, das Stricken von Strümpfen oder durch Ernteeinsätze. Doch nach wenigen Monaten ließ diese erste Hilfsbereitschaft nach. Man war zunehmend mit sich selber beschäftigt, da die Bewältigung des Alltags eine stets wachsende Herausforderung darstellte. Lebensmittel, Kleidung, Seife und vieles mehr wurde knapp und es erforderte einen immer größeren Einsatz, um an das Notwendige zu kommen. Der Landwirtschaft brachte der Krieg kaum zu bewältigende Probleme. Zuerst verschwanden die Arbeitskräfte und die Zugtiere, bald die Düngemittel. Frauen, alte Männer und Jugendliche mussten einspringen und mit jedem weiteren Kriegsmonat wurde die Lage schwieriger. Viele Landarbeiter wechselten in die Rüstungsindustrie. Das Leben im Frieden geriet schnell in Vergessenheit. Man sprach von »Kriegszeit« als wäre es ein Naturereignis. Die riesige und doch ineffiziente Bürokratie, die aus der Not entstand, um die Versorgung des Landes zu organisieren, berührte jede Person und jeden Aspekt des Lebens. Oliver Janz spricht von einem »unübersichtlichen Dschungel von immer neuen Regelungen und Behörden«.5 Das Alltagsleben wurde zum Verteilungskampf. Die Produzenten von Lebensmitteln wurden durch Tausende Verordnungen, Höchstpreisregelungen und Beschlagnahmungen gegängelt. Die Konsumenten mussten kämpfen, um das Notwendigste zu ergattern. Die Städter strömten aufs Land, um Lebensmittel zu kaufen oder notfalls zu stehlen. Die Produzenten hintergingen die Lebensmittelverordnungen und betrieben Schleichhandel. Die Grenze zwischen Recht und Unrecht wurde zunehmend verwischt. Der Krieg führte zu einer Verelendung des Landes. Mit dem Ende des Krieges fand die jahrhundertealte Welt der Monarchien und des Adels ihr Ende. Nicht nur Kaiser und König gingen, sondern auch der königliche Landrat. Die Rittergutbesitzer und Kirchenpatrone wurden entmachtet. Die Einheit von Thron und Altar zerbrach. Es war das Ende des Obrigkeitsstaates. Die alte Ordnung, die im Krieg versagt hatte, entließ die Menschen in eine Welt, in der die alten Sicherheiten verschwunden waren. Die alte Führung hatte sich für Krieg entschieden, aber es war »das Volk«, das den Krieg geführt hat. Nach dem Krieg hatte »das Volk« einen anderen Stellenwert. Man musste neue Wege gehen und in der neuen Masse blieb der Einzelne einsam und allein und suchte instinktiv nach Halt. Dies führte zum sowjetischen Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus mit ihren »Weltanschauungen«, die als Ersatz für die alten Gewissheiten dienen sollten. Die Zahl der Leichen, die diese Regime hinterließen, wird nie genannt werden können. In Belzig und Umgebung, wie überall im Lande, suchte man nach Orientierung. Zunächst schenkte man der neuen Demokratie und deren Träger das Vertrauen, doch bald 10   |   Vorwort

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wendete sich das Blatt. Die Umgebung von Belzig wurde zur Hochburg des Nationalsozialismus und die noch größere Katastrophe ließ nicht lange auf sich warten. Diese Geschichte basiert hauptsächlich auf zeitgenössischen Zeitungsberichten, vor allem des Zauch-Belziger Kreisblattes, aber auch der Treuenbrietzener Zeitung, der Beelitzer Zeitung und der in der Gegend verbreiteten sozialdemokratischen Brandenburger Zeitung. Hinzu kommen die Kriegschronik vom Belziger Rektor Paul Quade, die kurz nach Kriegsende geschrieben wurde, die Chronik der Belziger Sanitätskolonne des Roten Kreuzes sowie Unterlagen aus dem Domstiftarchiv in Brandenburg an der Havel, aus dem Brandenburgischen Hauptarchiv und dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. Andere Quellen sind verloren gegangen. Das Kreisarchiv brannte 1972 ab. Das preußische Militärarchiv in Potsdam verschwand 1945 im Bombenhagel. Eine weitere Quelle ist ebenfalls für immer verloren – falls sie je existierte. Auf Anordnung des Regierungspräsidenten zu Potsdam war ab November 1914 in Belzig eine Sammelstelle für Feldpostbriefe, Feldpostkarten, Aufzeichnungen und Tagebücher von Kriegsteilnehmern zur Vorbereitung der späteren kriegsgeschichtlichen Veröffentlichungen eröffnet worden. Sie stand unter der Leitung von Rektor Paul Quade und Kantor Walther Kuhlmey. Belziger wurden vom Magistrat gebeten, Schriftstücke dort abzuliefern. Ob diese Sammlung je zu Stande gekommen ist und, wenn ja, was daraus geworden ist, ist nicht bekannt. Sich auf Zeitungsberichte zu stützen birgt Nachteile. Das Kreisblatt war ein konservatives Amtsblatt. Von Juni 1914 bis November 1918 wurde zum Beispiel die Sozialdemokratie, die vor dem Krieg stärkste Partei in der Stadt, nur selten erwähnt. Es gibt jedoch auch Vorteile. Eine Zeitung kann als Zeitzeuge betrachtet werden, der von den nachfolgenden Ereignissen unbeeinflusst bleibt. Da gibt es keine späten Einsichten, keine Rechtfertigungen der damaligen Positionen. Dafür erzählt uns das Zauch-Belziger Kreisblatt viel. Die amtlichen Bekanntmachungen sind ein Schatz von Dokumenten, wie sie sonst nicht zu finden sind. Besonders die Lokalberichte enthalten unzählige Fakten, Namen, Daten und auch Ansichten aus der damaligen Zeit, und man liest die Sprache der Zeit. Wenn wir Zeitungen aus jener Zeit als Quelle heranziehen, dann darf die Rolle der Presse im Krieg nicht außer Acht gelassen werden. Etwa zehn Jahre vor Kriegsbeginn hatte es technische Entwicklungen gegeben, die die Herstellungskosten von Zeitungen reduzierten, so dass immer mehr Menschen es sich leisten konnten, eine Zeitung zu abonnieren bzw. kaufen. Zeitungen waren die wichtigste Quelle für Information und Unterhaltung geworden.6 Von Anfang an wurde die Presse als Teil der Kriegsstrategie betrachtet, eine freie Berichterstattung war nicht vorgesehen. Beim Ausbruch des Krieges wurde in allen kriegführenden Ländern die Pressezensur eingeführt. Es hieß, eine rigide Zensur sei notwendig, damit der Feind nicht an wichtige Informationen gelange. Die Presse wurde an ihre große Verantwortung erinnert. Die militärische Führung war der Meinung, Journalisten seien nicht in der Lage, zwischen harmloser und sensibler Information zu unterscheiden. Im Deutschen Reich hatte die Zensur aber auch die Aufgabe, den sogenannten Burgfrieden aufrechtzuerhalten. Die Presse habe die Nation patriotisch zu erziehen.7 Obwohl Vorwort   |   11

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die meisten Zeitungen den Burgfrieden und den Krieg befürworteten, war die Führung des Reiches misstrauisch, denn der Durst nach Informationen in der Bevölkerung war enorm. Zu der schnellen Einführung der Zensur trug auch das Misstrauen der herrschenden Elite gegenüber der zunehmenden Kommerzialisierung der Presse bei, die die Verkaufszahlen zum Erfolgsindikator machten. Dabei darf nicht vergessen werden, dass das deutsche Pressewesen viel größer war als in den Entente-Ländern. 1914 hatte das Deutsche Reich 4000 Zeitungen, Großbritannien 2400. Deutschland hatte fast 2000 Tageszeitungen, Frankreich weniger als 500.8 Allein Berlin konnte 50 Zeitungen vorweisen.9 Für die Bevölkerung in Belzig und Umgebung waren die Lokalzeitungen allerdings nicht die einzigen Quellen der Information. Viele Menschen lasen auch Berliner Zeitungen wie Der Tag, das Berliner Blatt, die Berliner Morgenpost oder die Berliner Abendpost. Schon am 1. August 1914 erhielt jeder Verleger ein Merkblatt von den militärischen Behörden mit Richtlinien, wie im Falle des Ausbruches eines Krieges über militärische Information zu berichten war. Nur eine Woche später, am 8. August, musste Generaloberst von Kessel, Stellvertretender Kommandeur für Berlin und die Mark, die Zeitungsverleger daran erinnern, dass die Veröffentlichung von militärischen Nachrichten verboten war, und er drohte mit Strafen.10 Als der Krieg ausbrach war die 1871 gegründete Wolff Telegraph Bureau (WTB), die alle amtlichen Nachrichten behandelte, die einzige Informationsquelle für die deutschen Zeitungen.11 WTB ließ alles heikle Material durch das Auswärtige Amt kontrollieren. Am 28. August, um den Burgfrieden nicht zu gefährden, kamen Staatssekretär Gottlieb von Jagow und die OHL überein, dass die Presse über die Kriegsziele nicht berichten sollte, insbesondere nicht über das Schicksal von Belgien. Die Presse hatte zu berichten, dass ein deutscher Sieg die Befreiung der von Russland unterdrückten Völker und die Freiheit von der englischen Hegemonie bedeuten würde. Das Thema Kriegsziele war aber nicht zu verschweigen. Die Invasion von Belgien und Frankreich machte die Behauptung, einen defensiven Krieg zu führen, unglaubwürdig. Zunehmend wurde es schwieriger, den Burgfrieden und die These eines defensiven Krieges aufrechtzuerhalten.12 Doch die Zensur führte von Anfang an zu einem Glaubwürdigkeitsproblem. »Der Große Krieg erzeugte die bis dahin spektakulärste Werbekampagne. Ihr Produkt war die Rechtfertigung des Krieges … Auf Grund der Exzesse und Übertreibungen dieses Versuch wurde der Begriff ›Propaganda‹ mit ›Lügen‹ gleichgesetzt.«13 Soldaten werden sehr wohl gemerkt haben, dass es einen Unterschied gab zwischen dem heroischen Soldatenleben, das in den Briefen, die die Zeitungen abdruckten, dargestellt wurde, und ihrer eigenen Erfahrung. Roger Chickering schreibt: »… außer Rohstoffen wurde auch die Bedeutung des Krieges verwaltet.«14 Erst im Februar 1915 fing die Oberzensurstelle an, effektiv zu arbeiten. Ein Anliegen dieser Behörde war es, den Menschen durch die Zeitungen zu vermitteln, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nichts waren im Vergleich zu den Opfern der Truppen an der Front.15 Im Oktober 1915 wurde das Kriegspresseamt (KPA) gegründet, das der direkten Kontrolle der OHL unterstand. Das war die Basis für die zentral gelenkte und kontrollierte 12   |   Vorwort

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Presse und die Koordination der Propaganda.16 Unter anderem litt die Glaubwürdigkeit der Presse darunter, dass alle Zeitungen das Gleiche veröffentlichten. Entscheidend war aber auch, dass die Presse bereit war, sich den empfundenen Bedürfnissen der Kriegsführung zu unterwerfen. Zum Beispiel demonstrierten im November und Dezember 1915 in Berlin Tausende von Frauen, unter ihnen linke Sozialdemokratinnen, am Brandenburger Tor und vor dem Schloss gegen den Krieg. Sie wurden massenweise verhaftet, und die Polizei ging nicht zimperlich vor. Reichskanzler Bethmann bat die Presse, nicht darüber zu berichten.17 Worte, die das Kreisblatt zum Sommerbeginn 1917 in eigener Sache schrieb, drückten viel über die Lage allgemein aus und waren gleichzeitig ein Offenbarungseid über die Rolle der deutschen Presse im Krieg: »Dienstbereit und opferwillig, das war das Zeichen, in dem Gutenbergs Kunst seit Kriegsbeginn gestanden hat … [D]ie deutschen Zeitungen [können] mit Recht sagen, daß sie nur zu des Vaterlandes Wohl gearbeitet haben, selbstlos und treu!«18 Die Presse trug also zu dem falschen Bild der Kriegslage sowohl an der kämpfenden wie an der Heimatfront bei, was kurzfristig und vor allem langfristig ernste Folgen haben sollte. Mit der steigenden Zahl der Gefallenen wurde die Diskussion über die Kriegsziele als immer dringlicher angesehen. Im August 1916 hatte die SPD zu einer offenen Diskussion des Themas aufgerufen. Die OHL untersagte das. Es sollte weiterhin betont werden, der Krieg sei ein defensiver Krieg, der Deutschland aufgezwungen wurde, und dass Deutschland das Recht auf Reparationen habe. Das KPA drohte Zeitungen, die gegen die Richtlinien verstießen, mit strenger Zensur.19 Kurz vor Kriegsende setzte die Regierung weiterhin auf Zensur, um Kenntnissen über die bedrohliche militärische Situation zu unterdrücken. In der letzten Phase des Krieges spielte das KPA eine wichtige Rolle in der Erhaltung des Status quo. Als nach der erfolgreichen amerikanischen Offensive im Oktober 1918 die Zeitungen noch von dem Endsieg schrieben, halfen die Lügen nicht mehr. Immer mehr Menschen wurde klar, dass Deutschland den Krieg verlieren würde.20 Aber noch am 21. Juni 1918 konnte man im Kreisblatt lesen: »Dieser vierte Kriegssommer wird vielleicht entscheidend und nicht immer leicht sein. Für uns alle wird es bei 25 Grad Hitze wie bei 25 Grad Kälte nur die Hindenburg-Losung geben, dienen und siegen!«21 Nachdem die Zeitungen jahrelang mit falscher Information gefüttert worden waren, war es natürlich umso schwerer, die bittere Wahrheit des Herbstes 1918 zu schlucken. Am 4. Oktober wurden die Zeitungsverleger in Berlin über die militärische Situation informiert. Der Schock war groß und manche fürchteten die öffentliche Reaktion auf die schlechte Nachricht.22 Doch es gab stets weitere Informationsquellen. Die Soldaten selber gehörten dazu. Weniger in den vom Militär zensierten Feldpostbriefen und –karten, aber sehr wohl, wenn sie auf Urlaub waren, konnten sie von ihren Kriegserlebnissen erzählen. Inwiefern sie das taten, ist jedoch nicht nachzuweisen. Viele wollten sicher ihre Angehörigen vor den grausamen Details bewahren. Was die wirtschaftliche Situation an der Heimatfront betrifft, Vorwort   |   13

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lag die Wahrheit auf der Straße. Die Mangelwirtschaft betraf jeden und dass die Lage sich stets verschlechterte, blieb keinem verborgen. Das vorliegende Buch erzählt eine Geschichte aus einer vergangenen, einer uns fremden Welt. Es war eine Welt vor der Sowjetunion, vor dem Faschismus und dem Nationalsozialismus, vor der Weltwirtschaftskrise, vor den Verwerfungen des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts, vor der Atombombe. Es war eine Welt vor dem Radio, des Fernsehers, des Internets und des Massentourismus. Es war eine Welt der Kaiser, Könige und Gutsherren. In jener Welt hatte die Kirche noch einen prägenden Einfluss. Ebenso stark war der Einfluss des Militärs und beide Institutionen waren miteinander verwoben. Der Oberbefehlshaber des Heeres war gleichzeitig oberster Bischof der Kirche. In jener Welt wurde der Krieg als etwas »Normales« angesehen, als legitimes Mittel, die Ziele einer Nation durchzusetzen. Nur sehr wenige besaßen ein Auto und Flugzeuge waren noch primitive Maschinen, die stets eine Sensation waren, wenn sie am Himmel erschienen. Der Ausbau der elektrischen Stromversorgung stand noch ganz am Anfang. Telefone waren eine Rarität und nicht flächendeckend gab es Telegraphendienste. Das einzige Massenmedium jener Zeit waren die Zeitungen. Der Krieg änderte alles. Schon vor der Revolution von 1918/1919 hatte der Krieg das Leben auf dem Lande revolutioniert.

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1914 Am Sonntag, dem 28. Juni 1914, schoss der 19-jährige bosnische Serbe Gavrilo Princip in Sarajevo auf den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie von Hohenberg. Beide Opfer erlagen ihren Verletzungen. Franz Ferdinand war nach Bosnien gereist, um dem Abschluss eines Manövers bei­ zuwohnen. Als der Besuch des Habsburger Thronfolgers bekannt wurde, entschlossen sich Anhänger der Idee eines Großserbiens, ihn zu töten. Mit Hilfe eines serbischen Ge­ heimdienstlers und der Geheimorganisation »Schwarze Hand« wurde der Plan verwirklicht. Die kleine Stadt Belzig liegt mehr als 1000 Kilometer Luftlinie von Sarajevo entfernt. Wie in Bosnien herrschte auch dort am 28. Juni wunderschönes Wetter. Schon am Sonnabend hatte der Kriegerverein »Germania« zum »Sommervergnügen mit Kinderbelustigungen« im Viktoriagarten eingeladen. In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag wurde aber nicht nur gefeiert. Vier Untersuchungshäftlinge gelang der Ausbruch aus dem Amtsgerichtsgefängnis in der Burg Eisenhardt, indem einer sich durch einen Zellenofen zwängte und mit einem Stück Draht die Zellentüren der anderen öffnete. Von dem Attentat in fernem Sarajevo erfuhren die Belziger am Sonntag wahrscheinlich noch nicht. Auf der ersten Seite der Ausgabe vom 30. Juni 1914 berichtete das ZauchBelziger Kreisblatt, das dreimal die Woche erschien, nicht von dem Attentat, sondern von dem Besuch des Kaisers bei den Feierlichkeiten der Veteranen des Krieges von 1864 zum 50-jährigen Jubiläum ihres Feldzuges gegen Dänemark. Erst auf der zweiten Seite informierte das Kreisblatt über die Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Frau: »Verbrecherischer Wahnsinn hat gestern eine Gräueltat verübt, die überall in der gesitteten Welt Abscheu und Mitleid erregt.«1 Von der Gefahr eines Krieges war aber in dem Bericht keine Rede. Die Beelitzer Zeitung vom 2. Juli witterte dagegen Gefahr: »Nun stehen die Völker mit Grauen da und werden sich wieder bewusst, wie tückisch dort im Südosten Europas das Untier lauert, um zur gegebenen Zeit den ganzen Weltteil in Mord, Brand und Vernichtung zu stürzen.«2 Die damals mehr als 900 Jahre alte Kreisstadt Belzig war nicht nur Sitz des Landratsamtes, sondern auch des Amtsgerichts. Zwischen 1875 und 1879 war die Eisenbahnlinie Berlin–Wetzlar gebaut worden. Damit war Belzig näher an die Hauptstadt Berlin gerückt. Die Eisenbahnstrecke, die auf Grund ihrer militärstrategischen Bedeutung allgemein als »Kanonenbahn« bekannt war, und zum Teil mit Geld aus den französischen Reparationszahlungen nach dem Krieg 1870/71 finanziert worden war, hatte zu einem geistigen und wirtschaftlichen Aufschwung in der Stadt geführt. Zwischen 1901 und 1904 wurde dann auch die Brandenburger Städtebahn gebaut. Die gute Bahnverbindung ermöglichte es den Menschen von Belzig und Umgebung in   |   15

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anderen Orten einzukaufen und auch ihre eigenen landwirtschaftlichen Produkte dort zum Verkauf anzubieten. 1890 hatte Belzig 2733 Einwohner. In der evangelisch geprägten Stadt lebten zu dieser Zeit lediglich 23 Katholiken und zehn Juden. Es gab 384 bewohnte Wohnhäuser und 675 Haushalte.3 Zehn Jahre danach war die Bevölkerungszahl auf 2895 gestiegen, die Zahl der Wohnhäuser auf 395 mit 714 Haushalten.4 Belzig war geprägt vom Handwerk. 1902 hatte die Stadt 215 selbstständige Handwerker. In Belzig waren 29 Schuhmacher, 14 Schneider, 12 Tischler, 10 Schlächter, 9 Weber, 8 Bäcker, 2 Bäcker and Konditoren, 6 Gerber, 6 Maler, 5 Töpfer, 5 Pantoffelmacher, 5 Zigarrenmacher, 5 Sattler, 4 Gärtner, 4 Müller, 3 Barbiere, jeweils 2 Ziegeleibesitzer, Maurermeister, Glaser, Uhrmacher, Hut- und Mützenmacher, Dachdecker, Drescher, Stumpfwirker, Schlosser, Buchbinder, Klempner, Seiler, Korbmacher, jeweils ein Schornsteinfeger, Kupferschmied, Böttcher, Bürstenbinder, Buchdrucker, Messerschmied, Brunnenmacher, Nagelschmied, Kürschner, Dammsetzer, Seifensieder, Photograph, Schleifer, Handschuhmacher und Peitschenmacher ansässig.5 Gleichzeitig war Belzig das landwirtschaftliche Zentrum der Region. Hier fanden regelmäßig Viehmärkte statt. Die Stadt hatte auch einige »Ackerbürger«, d. h. Stadtbürger, deren Haupterwerb die Landwirtschaft war oder die einen Großteil ihres Einkommens durch Landwirtschaft bestritten. Außerdem hatten viele Arbeiter und Handwerker ein Stück Land, das sie besaßen oder gepachtet hatten und worauf sie Kartoffeln oder anderes anbauten. 1900 gab es 98 Haushalte, die Landwirtschaft betrieben, und 398, die Vieh besaßen. In Belzig gab es 1900 147 Pferde, 190 Rinder, 9 Schafe, 864 Schweine, 263 Ziegen, 1909 Stück Federvieh, 137 Bienenstöcke und auch 1045 Obstbäume.6 Viele Häuser hatten einen eigenen Garten, andere Belziger besaßen Gärten außerhalb der Stadt. Doch in Belzig konnte man auch gut einkaufen. Es gab 66 Kaufläden (die Läden der Schlächter und Bäcker nicht eingerechnet)7 und sie wurden, besonders an Markttagen, auch von der Landbevölkerung rund um Belzig frequentiert. Die Stadt hatte 7 Mühlen sowie 7 Hotels und Gasthöfe. Anlässlich der Fertigstellung der Lungenheilstätte 1900 hatte Kaiserin Auguste Viktoria Belzig besucht. Drei Jahre später kam sie wieder nach Belzig zur Einweihung der Kapelle in der Heilstätte. 1902 nahm das neue Kreiskrankenhaus an der Niemegker Straße mit 20 Betten seine Tätigkeit auf. 1908 wurde das Elektrizitätswerk gebaut. 1910 wohnten schon 3027 Menschen in Belzig.8 Das gesellschaftliche Leben der Stadt wurde von den Vereinen geprägt. Rektor Paul Quade, der eine Chronik der Stadt Belzig veröffentlichte, schätzte 1903 die Zahl der Vereine in Belzig auf etwa 50. Es gab die Schützengilde, den Krieger- und Landwehrverein, den Kriegerverein Germania, alle mit mehr als 100 Mitgliedern. Da war auch die Leichenkassengesellschaft mit 900 bis 1000 Mitgliedern, die den Hinterbliebenen der Mitglieder eine einmalige Beihilfe erstattete, um die Beerdigungskosten zu decken, die Freiwillige Feuerwehr und der 1867 ins Leben gerufene Verschönerungsverein. 1902 hatte der seit 1896 existierende Ostmarkenverein, der der »Stärkung des Deutschtums in den vom Polentum bedrohten Provinzen«9 dienen sollte, 67 Mitglieder. Es gab den Frauenverein zur 16   |   1914

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Die Brandenburger Straße in Belzig.

Fürsorge für arme alte Menschen, die Ortsgruppe des Vaterländischen Frauenvereins, den evangelischen Gustav-Adolf-Verein, der die Aufgabe hatte, protestantische Kirchen »in der Disapora«, d. h. protestantische Minderheitskirchen in Europa, Lateinamerika und Zentralasien zu unterstützen, mit dem Gustav-Adolf-Frauenverein den Missionsverein mit dem Missions-Nähverein, den Pestalozzi-Verein, die Bibelgesellschaft, den Bürgerverein, den Verkehrsverein, den Allgemeinen Eisenbahnverein, den Flottenverein und die Sanitätskolonne des Roten Kreuzes. Dem landwirtschaftlichen Charakter der Gegend ­entsprechend gab es mehrere Vereine und Organisationen, die der Landwirtschaft gewidmet waren: der Verein für Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwesen, der Molkereiverein, die Zuchttier-Genossenschaft, der Obstbauverein, der Imkerverein, der Ziegenzuchtverein, der Geflügel-Verein und die Gesellschaft für Versicherung der Schweine gegen Trichinen. Sechs Musikvereine gab es und zwei Turnvereine. Da waren der Radfahrverein Eisenhardt, der Schieß-Tesching-Klub und der Tennisklub, drei oder vier Kegelvereine, der Skatklub Herzenkönig, der Stenografen-Club und schließlich zwei Vereinigungen, die »Nur dem Vergnügen und sonst weiter nichts« gewidmet waren.10 Zusätzlich gab es das sozialdemokratische Vereinswesen, unter anderem mit dem Arbeitergesangverein Vorwärts. Seit dem 1. April 1883 war Paul Quade, geboren am 8. September 1849 in Rörichen, Kreis Königsberg i. d. Neumark, Sohn eines Pastors, Rektor der Belziger Stadtschule. Die Schule hatte 575 Schüler und elf Lehrer. Die Familienschule für Mädchen hatte 24 Schü  |   17

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lerinnen und zwei Lehrerinnen. Im April 1913 wurde die Städtische Höhere Knaben- und Mädchenschule eröffnet. In Belzig und den anderen Orten des Kreises waren die Ortsgeistlichen gleichzeitig die Ortsschulinspektoren. Kreisschulinspektor war Theodor Bree, seit 1911 Superintendent und Oberpfarrer in Belzig. Zwar war 1872 während des Kulturkampfes in Preußen die weltliche Schulaufsicht eingeführt worden, doch durch die Volkschulunterhaltungsgesetze von 1892 und 1906 wurde der Einfluss der Kirche gestärkt und der der kommunalen Aufsichtsgremien eingeschränkt. In der Tat lag in ländlichen Gegenden die Aufsicht der Schulen in der Hand der Kirche. Der Religionsunterricht war ein Prüfungsfach.11 Belzig gehörte zum Regierungsbezirk Potsdam der preußischen Provinz Brandenburg. Preußen war der größte der deutschen Staaten und umfasste fast zwei Drittel des Territoriums des Deutschen Reiches. Brandenburg, das Kernland des preußischen Staates, war eine von zwölf preußischen Provinzen. Die Provinzhauptstadt war Potsdam. Nach dem Wiener Kongress, als die Kreisgliederung des preußischen Staates neu organisiert wurde, entstand 1816 der Landkreis Zauch-Belzig mit Belzig als Kreisstadt. Der Kreis umfasste den alten kurbrandenburgischen Kreis Zauche und das ehemals sächsische Amt Belzig, das erst 1815 zu Preußen gekommen und mit 1923 km² der größte Kreis der Provinz Brandenburg war. 1910 hatte der Kreis Zauch-Belzig 88.559 Einwohner, von denen lediglich 1738 Katholiken waren. Der Kreis bestand aus 6 Städten, 147 Landgemeinden und 68 Gutsbezirken.12 Die Gutsbezirke waren nach der Bauernbefreiung und der Abschaffung der Erbuntertänigkeit entstanden. Sie waren den Landgemeinden vergleichbar, hatten aber keine Gemeindevertretung. Verwaltet wurden sie vom Gutsvorsteher, dem Besitzer des Gutbezirkes, der vom Landrat bestätigt werden musste. Das Gebiet und die Bewohner waren der obrigkeitlichen Gewalt des Gutsherrn unterworfen. Mit Ausnahme des Schulwesens war der Gutsherr der Träger der Rechte und Pflichten dem preußischen Staat gegenüber. Der preußische Militarismus war in Belzig stets präsent. Regelmäßig fanden militärische Übungen in der Umgebung von Belzig statt, am häufigsten vom traditionsreichen Garde-Jäger-Bataillon. Die Übungen brachten nicht nur Einquartierungen, sie waren stets auch gesellschaftliche Ereignisse mit Militärkonzerten, Tänzen und von den Soldaten aufgeführten Theatervorstellungen. Die militärischen Übungen waren auch ein Wirtschaftsfaktor. Manche Landwirte verdienten an den militärischen Übungen durch die Lieferung von Fourage für die Pferde des Militärs. Die Händler und Gastwirte profitierten von der Anwesenheit so vieler Soldaten und die Post hatte durch das Abschicken von Ansichtskarten und Telegrammen stets Hochbetrieb. In diesem militärischen Geist wurde auch im Dezember 1904 die Sanitätskolonne des Deutschen Roten Kreuzes unter maßgeblicher Wirkung des Kriegervereins gegründet. Neben Aufgaben zu Friedenszeiten sollte die Sanitätskolonne zu Kriegszeiten dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt werden. Im Zusammenhang mit den militärischen Übungen gab es auch gelegentlich hohen Besuch. Im August 1900 besuchte der Kronprinz die Stadt. Fünf Jahre später kam sogar Kaiser Wilhelm II. nach Belzig. Am Bahnhof wurde er vom Landrat von Tschirschky 18   |   1914

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Kaiser Wilhelm II. spricht 1905 auf dem Marktplatz in Belzig.

empfangen, wo 38 Kriegervereine aus dem Kreis Stellung nahmen. Der Landrat, in der Uniform eines Rittmeisters der Reserve, begleitete den Kaiser zu Pferd durch die Stadt. »Auf dem weiteren Wege durch Sandberg zur Rabener Straße hinauf waren die Straßenfronten und Fenster der Häuser dicht besetzt von denen, die unseren Kaiser von Angesicht zu Angesicht schauen wollten. Hinter der Postsäule hatten die Kinder unserer Schule und vieler auswärtigen Schulen Aufstellung genommen, die Mädchen waren mit Kränzen geschmückt. Ehrfurchtsvoll von der Menschenmenge begrüßt, ritt der Kaiser mit seinem Gefolge langsam durch die Straßenflucht die Höhe hinauf, an der Burg Eisenhardt vorüber, dem Manöverfelde bei Bergholz entgegen. Nachdem diese Minuten verstrichen, brach mit einem Male eine wahre Völkerwanderung auf Bergholz zu los, um dem Schlußmanöver des 3. Armeekorps beizuwohnen. Wagen, Radfahrer und Fußgänger drängten in hastiger Eile vorwärts, begrüßt von dem in der Ferne bereits ertönenden und im Echo verhallenden Geschützfeuer. Das Gefechtsfeld bot ein interessantes Bild, und alle Augen suchten immer wieder den Kaiser mit seinem Gefolge in erster Linie.«13 1907 war der Kronprinz wieder in Belzig: »Der Kronprinz steuerte sein Automobil selbst. Die Nachricht kam am Vorabend in Belzig an. Flugs schmückten sich die Häuser mit Fahnen, um den Gast zu begrüßen. Vor dem Grundstück des Landrats hatten sich die Belziger in großer Zahl eingefunden, um ihn bei der An- und Abfahrt enthusiastisch zu bejubeln.«14

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Die Ruhe vor dem Sturm Ende Juni 1914 hatten die Menschen in Belzig und Umgebung noch keinen Grund zu glauben, dass bald ein Krieg ausbrechen sollte. Das Attentat in Sarajevo hätte nicht zu einem Krieg führen müssen, mit Sicherheit nicht zu einem Weltkrieg. Der Grund für den Krieg ist eher in Missverständnissen, Fehleinschätzungen, Überreaktionen15 und Ambitionen der Männer, die in der militärischen und politischen Führung von ÖsterreichUngarn und Deutschland Verantwortung trugen, zu finden. Die serbische Regierung bestritt jede Beteiligung am Attentat. Ein stichhaltiger Beweis für die direkte Beteiligung der serbischen Regierung ließ sich auch nicht finden.16 Das Attentat wurde dennoch seitens Österreich-Ungarns als Anlass genutzt, einen Schlag gegen Serbien zu führen. Der österreichische Außenminister Graf Leopold Berthold schickte seinen engsten Berater, Legationsrat Alexander Hoyos, am 5. Juli nach Berlin, um die Unterstützung des Verbündeten zu bekommen. Kaiser Wilhelm und Reichskanzler Bethmann Hollweg sicherten Österreich-Ungarn notwendige Rückendeckung für ein Ultimatum gegen Serbien zu, auch für den Fall, dass sich »ernste europäische Komplikationen« ergeben sollten.17 Es hätte klar sein müssen, dass solche »Komplikationen« nur die Einmischung Russlands bedeuten könnte, und Russland war mit Frankreich verbündet.18 General Helmuth von Moltke, Chef des Großen Generalstabes, unterstützte eine österreichisch-ungarische Strafexpedition gegen Serbien. Bereits Ende Mai/Anfang Juni 1914 hatte er einen Präventivkrieg gegen Russland empfohlen, und zwar so bald wie möglich. Schon 1912 hatte Moltke gesagt: »Ich halte einen Krieg für unvermeidbar, und je eher, je besser.«19 Für Moltke war das Attentat in Sarajevo Anlass, den avisierten Präventivkrieg zu führen. Es herrschte die Überzeugung, dass sowohl das deutsche als auch das Habsburger Reich auf dem Zenit ihrer Macht waren20, und Moltke war überzeugt, dass sich nach 1915/16 das Gleichgewicht endgültig gegen das Deutsche Reich und das Habsburger Reich verschieben würde. Dann wären eine französische Militärreform und ein von Frankreich finanziertes Eisenbahnprojekt in Russland sowie ein Mobilisierungsprogramm dort abgeschlossen worden, was die militärische Lage grundlegend verändert hätte.21 Bei all den Überlegungen war dem deutschen Reichskanzler Bethmann-Hollweg klar, dass ein Angriff auf Serbien zu einem Weltkrieg führen könnte.22 Berlin rechnete mit einem baldigen Schlag gegen die Serben, solange die internationale Empörung über das Attentat anhielt und für ein günstiges Klima hinsichtlich der Militäraktion sorgte. Die Wahrheit war aber, dass die österreichisch-ungarische Armee gar nicht in der Lage gewesen wäre, Serbien einen sofortigen Schlag zu verpassen. Die Armee war schlecht ausgerüstet, die meisten Rekruten waren nicht ausgebildet und Truppen wichtiger Einheiten hatten wegen der Ernte bis zum 25. Juli Urlaub.23 Trotz des Attentats in Sarajevo schien das Leben in Belzig und Umgebung wie auch im restlichen Deutschen Reich seinen normalen Gang zu nehmen. Bei den sommerlichen Veranstaltungen gehörten die Schützenfeste zu den beliebtesten. Vom Freitag, dem 3. Juli, bis Sonntag war in Belzig Schützenfest. Die Belziger vergnügten sich, auch wenn die Zei20   |   1914

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tung bemängelte, dass »außer dem Hunde- und Affentheater, wirklich nichts Bedeutendes auf dem Platze stand«. Besonders vermisst wurde »das Kinotheater«.24 Auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog hatte am 23. Juni eine Angriffsübung der 6. Division, in der sehr viele Männer aus der Umgebung im Krieg dienten, stattgefunden. Sie sollte die letzte Gefechtsübung des Übungsjahres sein. Das Königlich Preußischen Infanterie-Regiments Graf Tauentzien v. Wittenberg (3. Brandenburgische) Nr. 20 (»die Zwanziger«), sah, wie es in der Regimentsgeschichte heißt, »einem ruhigen militärischen Sommer entgegen.«25 Die 6. Division gehörte zum III. Armeekorps. Landrat des Kreises Zauch-Belzig war Bernhard von Tschirschky und Boegendorff, der seit dem 8. August 1898 das Amt innehatte. Vor ihm hatten schon sein Großvater und sein Vater als Landrat gedient Bernhard Hans Levin von Tschirschky wurde am 5. Oktober 1862 geboren. Er hatte als Kammergerichts-Referendar und Regierungs-Referendar in Potsdam gedient, wurde 1893 Regierungs-Assessor und assistierte dem Landrat von Westhavelland. In erster Ehe war er mit Maria von Sprenger verheiratet. Das Paar hatte fünf Kinder. 1909 die wurde Ehe geschieden. Seine erste Frau heiratete dann Carl Brandt von Lindau aus Schmerwitz. Am 29. Oktober 1910 heiratete Bernhard von Tschirschky Margarete von Rathenow. Gefeiert wurde im Kaiserhof in Berlin. Zu diesem Anlass wurde beschlossen, dem Landrat das Ehrenbürgerrecht der Stadt Belzig zu verleihen. Der Landrat war auch Vorsitzender des landwirtschaftlichen Vereins Belzig, Zivilvorsitzender der Königlichen Ersatzkommission des Aushebungsbezirks Zauch-Belzig, Vorsitzender der Veranlagungskommission, Kreisdirektor der Landesfeuersozietät der Provinz Brandenburg, Vorsitzender des Königlichen Versicherungsamt, Kirchenältester und Abgeordneter für die Provinzialsynode.

Am Vorabend des Weltkrieges Am Vorabend des Weltkrieges veränderte sich das Leben der Menschen auf dem Lande durch die technischen Entwicklungen radikal. Im Kreis Zauch-Belzig war Erntezeit, und wie das Zauch-Belziger Kreisblatt berichtete, hatten sich auf diesem Gebiet die Zeiten geändert: »Einst und jetzt. Ein Rattern und Surren im Feld jetzt zur Erntezeit! Man glaubt, wenn man durch den Wald geht, die ganze Luft stecke voller Flugzeuge. Wenn man aus dem Walde austritt, sieht man die Mähmaschinen sich drehen, die das reife Getreide abschneiden, zu fertigen Gerben hinlegen und so viele Menschenkräfte ersparen. Wie anders war es doch ehedem! Da kamen die Mäher von den Dörfern, wo die Ernte später eintritt, nach den Unterdörfern und mähten in ein paar Tagen das ganze Wintergetreide eines Dorfes nieder. So zogen sie von Dorf zu Dorf. Die Arbeiter aus den sogenannten Unterdörfern gingen dann, wenn es daheim nichts mehr zu mähen gab nach den Höhendörfern und auch hier war dasselbe Bild … ›Das Alte stürzt ein, es ändert sich die Zeit!‹ … In schöner Weise sorgt auf der anderen Seite unsre Industrie dafür, daß die aufwärtsstrebende Landwirtschaft ihren Aufgaben voll und ganz gewachsen ist. Und wenn erst die Elektrizität in unsern Dörfern Einzug gehalten hat, wird das Brummen der Dreschmaschinen auch A m Vorabend des W eltkrieges   |   2 1

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aufhören, und wir werden aus den Scheunen nur noch das eintönige Surren der Motoren vernehmen.«26 Doch der Krieg rückte näher, ein Krieg, der wie die Landwirtschaft von den technischen und industriellen Entwicklungen geprägt sein sollte. Während die Krise sich zuspitzte, blieb die deutsche Führung ostentativ im Urlaub. Am 12. Juli 1914 schickte Wilhelm auf Anraten seiner Regierung das übliche Geburtagstelegramm an den König von Serbien. Doch die Entscheidung zum Krieg war gefallen.27 Am 23. Juli um 18 Uhr wurde eine österreichisch-ungarische »Note mit Fristsetzung« an die serbische Regierung übergeben, nachdem der österreichische Außenminister erfahren hatte, dass der französische Präsident Poincaré von seinem Staatsbesuch in St. Petersburg abgereist war. Diese »Note« war so konzipiert, dass sie von Belgrad nicht akzeptiert werden konnte, ohne die staatliche Souveränität aufzugeben. Die »Note« drohte mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen, nicht direkt mit Krieg. Eine Antwort wurde bis zum Abend des 25. verlangt, der Tag an dem der Ernteurlaub der Habsburger Armee endete. Am 22. Juli war die »Note« der deutschen Regierung vorgelegt worden, die keine Einwände äußerte. Der serbische Kronprinz Alexander wandte sich sofort an den Zar. Nach einer Tagung des russischen Ministerrates am 24. Juli erklärte der russische Außenminister Sergej Sasonow »Deutschland nutze die Krise als Vorwand, um einen Präventivkrieg zu beginnen«28. Erst mit der Zustellung der diplomatischen Note an Serbien wurde aus der diplomatischen Krise eine Kriegsgefahr.29 Im Angesicht der österreichischen Drohung gegen Serbiern wurde mit militärischen Vorbereitungen in Russland begonnen. Jetzt kehrten die meisten Mitglieder der deutschen Führung unauffällig in die Hauptstadt zurück. Die Führungen der anderen europäischen Mächte wurden von der Krise überrascht. Am 23. Juli hatte die Belziger Sanitätskolonne des Roten Kreuzes mit einer Übung im Verladen Kranker und Verwundeter auf dem Städtebahnhof begonnen. Im Anschluss an die Übung setzten sich die Mitglieder der Kolonne zusammen. Die Nachricht vom österreichisch-ungarischen Ultimatum war sicherlich nach Belzig gelangt. In dem Protokollbüchern der Sanitätskolonne kann man lesen: »Die Bevölkerung Deutschlands ist in heller Aufregung.«30 Das letzte große Fest im Kreis vor dem Krieg war das Schützenfest in Beelitz vom 23. bis 26. Juli, wenige Tage vor Ausbruch des Krieges. Schützenfeste haben etwas Militärisches an sich, wie die Beelitzer Zeitung schrieb: »Die Schützenbrüder finden sich auf den Schießständen im friedlichen Wettkampf zusammen, um die während ihrer Militärdienstzeit oder sonst wie erlangten Fähigkeiten im Preisschießen zu verwerten.«31 Vor allem waren sie aber Volksfeste mit großem Rummel: »Neben dem Schützenhause erhebt sich die kleine Budenund Zeltstadt, aus ihr ertönt ein lärmendes Durcheinander aller möglichen Stimmen und Laute, Vokal- und Instrumentalmusik, jedoch im Zusammenklang ohne die geringste Rücksichtnahme auf die Gesetze der Harmonie. Dazu ist die Tonerzeugung eine viel zu mannigfaltige; denn die Mitglieder des gewaltigen Tonkörpers sind reinste Egoisten. Hier schreit sich Einer heiser, um das Publikum anzulocken, dort läßt ein Orches­trion seine ›schmelzenden’ Melodien ertönen, dazwischen das Tatü-Tata einer regelrechten Autohupe und das nerven2 2   |   1914

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peitschende Anschlagen einer Glocke vor Beginn einer neuen ›Vorstellung‹. Und erst das fröhliche Gelächter der Jugend, die sich auf den Wegen drängt, das Jauchzen der hoch durch die Lüfte sausenden Insassen des ›Zeppelin‹-Karussells und der amerikanischen Schaukel! Doch weit eigenartigere Freuden birgt der Festplatz. Die jüngsten Ereignisse, auch ›Moritaten‹ weisen ein großes Museum und ein Panorama in ihren lebensprühenden Bildern, die neuesten geheimnisvollen ›Attraktionen‹ sieht man an anderer Stelle, für ein leibhaftiges Affen- und Hundetheater und für ein wahrhaftiges Kasperletheater ist ebenfalls gesorgt, dazu eine reiche Zahl der verschiedenartigsten Würfel-, Schieß- und Glücksbuden, in denen man Wein, Blumen, Muscheln, Konfekt und wer weiß was noch alles gewinnen kann. Die Gruppe der Abnormalitäten und Spezialitäten ist durch Vierzentner-Menschen wirkungsvoll vertreten. Über die vielen Stätten, an denen man den leiblichen Menschen gar reichlich erquicken und laben kann, darf man kein Wort verlieren.«32 Vom besonderen Interesse ist das Hunde- und Affentheater: »Der Menschenaffe Fritz I., mit Smoking und Lackschuhen bekleidet, benimmt sich fast so wie ein Mensch, indem er sich an einen Tisch setzt, durch Klingeln seine Mahlzeit bestellt, mit Messer und Gabel isst, sich allein auszieht und schließlich sich ins Bett zum Schlafen niederlegt. Man lacht Tränen über diesen Affen. Auch sieht man ihn auf einem Zweirad dahin radeln, in derselben Weise, wie es Zweihändler zu tun pflegen. Außerdem sind noch zu erwähnen: Serpentintanzende Hündchen und musikalische Wunderhunde. Den Clou aber bildet eine Zeppelinfahrt einer ganzen Meute Hunde in Gesellschaft von Katzen, Affen usw. Ein Besuch dieses Theaters mit der vierhändigen und vierbeinigen Künstlertruppe ist zu empfehlen.«33 Täglich fand ein Konzert im Schützenhausgarten statt und am Sonntagnachmittag ab 14 Uhr gab es einen Ball. Anlässlich des Festes setzte die Königliche Eisenbahndirektion einen Sonderzug um 22.55 Uhr von Beelitz nach Wildpark mit Halt in Caputh und Lienewitz ein, um die Gäste nach Hause zu bringen. Doch mitten in diesem Fest erinnerte die Beelitzer Zeitung an die dunklen Wolken am europäischen Himmel: »Es läßt sich nicht mehr ableugnen noch vertuschen: Wir machen gegenwärtig eine schwere, tiefgehende Krisis auf dem Gebiete des Völkerfriedens durch. Die Gegensätze zwischen Österreich-Ungarn und Serbien sind viel tiefer, als aus den diplomatischen Ableugnungen ersichtlich, und die Folgen eines Zusammenstoßes zwischen dem gereizten Österreich und dem übermütigen Serbien unabsehbarer, als man sich selbst zugestehen möchte. Das Schreckgespenst eines europäischen Brandes geht wieder um, die politische Welt ängstigend, das Geschäftsleben hemmend …«34 Am 25. Juli kurz vor Ablauf des Ultimatums akzeptierte die serbische Regierung mit Vorbehalt die Bedingungen der »Note«. Es spielte ohnehin keine Rolle mehr. Die Entscheidung zum Krieg war bereits am 19. Juli in Wien gefallen.35 Die österreichisch-ungarische Antwort hatte man aber schon vor der serbischen Reaktion auf das Ultimatum formuliert. Es war also nicht das Attentat, das die Katastrophe auslöste, sondern die Entschlossenheit der österreichisch-ungarischen Führung, es als Vorwand zu nutzen, »endlich loszuschlagen«36. Noch am 25. Juli verfügte die österreichisch-ungarische Regierung die Teilmobilmachung. Die Sympathie der europäischen Nachbarn, die bis dahin sicherlich nicht auf Seite der unbeliebten Serben war, schwenkte innerhalb von zwei Tagen zu A m Vorabend des W eltkrieges   |   2 3

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ihren Gunsten.37 Für 11 Uhr ordnete der Zar den Beginn der »Vorbereitungsperiode zum Krieg« an, was nicht mit der Mobilmachung gleichzusetzen war. Die sozialdemokratische Presse verurteilte das österreich-ungarische Ultimatum. Am 25. Juli schrieb der Vorwärts: »Kein Tropfen Blut eines deutschen Soldaten darf dem Machtkitzel der österreichischen Gewalthaber, den imperialistischen Profitinteressen geopfert werden.«38 Die im Kreis Zauch-Belzig gelesene sozialdemokratische Brandenburger Zeitung vom 26. Juli, also zwei Tage vor der österreichisch-ungarische Kriegserklärung an Serbien, trug die Schlagzeile: »Der Krieg ist erklärt«. Um den diplomatischen Druck zu erhöhen, begann die russische Regierung am 27. Juli mit der Mobilmachung, allerdings noch nicht der Einheiten, die an der deutschen Grenze lagen. Am 28. Juli schickte Zar Nikolas ein Telegramm an seinen Cousin, den deutschen Kaiser, und bat ihn, alles in seiner Macht stehende zu tun, um einen Krieg zu vermeiden. Vielleicht arbeiteten die Deutschen zu diesem Zeitpunkt nicht auf einen großen Krieg hin. Die mangelnden militärischen und wirtschaftlichen Vorbereitungen sprechen dafür. Aber als die Gelegenheit kam, drangen die führenden Militärs darauf, den von ihnen als unvermeidlich erachteten großen Krieg gegen Russland und, gestützt auf die deutsche Kriegsplanung, auch und zuerst gegen Frankreich zu führen.39 Es gab lediglich einen Staat, der Wien hätte bremsen können und der in der Lage gewesen wäre, die Katastrophe zu verhindern, und das war das Deutsche Reich. Der deutsche Kriegsplan, der im Falle eines Zweifrontenkrieges gegen Russland und Frankreich einen deutschen Sieg sichern sollte, ging davon aus, dass die Mobilmachung in Russland längere Zeit in Anspruch nähme. Der Schlieffen-Plan, ausgearbeitet von Alfred Graf von Schlieffen, Chef des Generalstabs der Armee von 1891 bis 1905, sah einen schnellen Angriff auf Frankreich durch Luxemburg und Belgien vor. Der Plan nahm die Verletzungen der Neutralität der Benelux-Länder und das Eingreifen Englands in Kauf. Mit diesem Plan, der auf einen kurzen Krieg ausgelegt war, zog der deutsche Generalstab in den Krieg. Spätestens nach neun Monaten sollte der Sieg sicher sein, denn danach, so kalkulierte man, würden die Lebensmittel und Ressourcen im Deutschen Reich allmählich knapp werden. Im Gegensatz zu seinen Gegnern verfügte das Deutsche Reich nicht über Bevölkerungsreserven oder globale Ressourcen. Der Schlieffen-Plan sah, wie auch die Pläne der Gegner, einen schnellen Übergang von der Mobilmachung zu Kampfhandlungen vor, und, wie Oliver Janz schreibt, engte er »den Handlungsspielraum der politischen Akteure in Krisen ein«. Der deutsche Plan barg aber andere Probleme: »Aber nur der Schlieffenplan sah einen automatischen Übergang von der Mobilisierung zum Krieg vor. Auch war er der einzige Aufmarschplan, dessen Ausführung die Neutralität anderer Staaten verletzten und damit fast zwangsläufig zu einer Ausweitung des Krieges führen würde.«40 Am 28. Juli, dem Tag, an dem Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärte, warnte der Reichskanzler vor einem Krieg, der »die Kultur fast des gesamten Europas auf Jahrzehnte hinaus vernichten« könnte.41 Am Tag darauf warnte der britische Außenminister Edward Grey den deutschen Botschafter, dass im Falle eines Krieges Großbritannien nicht lange abseits stehen könne. Weiter prophezeite er: »Wenn der Krieg ausbricht, wäre das die größte Katastrophe, die die Welt je gesehen hatte.«42 24   |   1914

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Der britische Außenminister hatte eine Botschafterkonferenz angeregt. Er ging davon aus, falls Berlin zustimmte, würde Österreich-Ungarn folgen. Doch als der deutsche Staatssekretär Gottlieb von Jagow den britischen Vorschlag nach Wien weiterleitete, riet er von einer solchen Konferenz ab. Ehe diese Verhandlungen vom Tisch waren, hatte Österreich-Ungarn mit seiner Kriegserklärung an Serbien vollendete Tatsachen geschaffen. Am 30. Juli wurde die russische Generalmobilmachung bekannt. Im Deutschen Reich wurde um exakt 13 Uhr der »Zustand drohender Kriegsgefahr« proklamiert. Die Ausfuhr von Lebensmitteln, Pferden und Kraftfahrzeuge stand ab sofort unter Strafe. Die deutsche Regierung hatte sich schon vor der russischen Mobilmachung zum Krieg entschlossen.43 »Die russische Mobilmachung«, schreibt Michael Howard, »lieferte nun den Vorwand.«44 Der Historiker David Fromkin stellt fest, dass die deutschen Generäle, die in der letzten Juliwoche auf den Krieg drängten, nicht den Krieg Österreich-Ungarns gegen Serbien, sondern den deutschen Krieg gegen Russland anstrebten.45 Von Serbien war keine Rede mehr.46 Die beiden Kriege waren auch schlecht gemeinsam durchzuführen. Für den Krieg gegen Serbien brauchte Conrad von Hötzendorf alle verfügbaren Truppen; Moltke benötigte die Habsburger Armee für seinen Krieg gegen Russland.47 Moltke ahnte Böses. Am 31. Juli sagte er zu seinem Adjutanten: »Dieser Krieg wird sich zu einem Weltkriege auswachsen, in den auch England eingreifen wird. Nur Wenige können sich eine Vorstellung über den Umfang, die Dauer und das Ende des Krieges machen. Wie das alles enden soll, ahnt heute niemand.«48 Er hätte auf seinen Onkel Helmuth von Moltke, den Älteren hören sollen. In einer Rede im Reichstag hatte der am 14. Mai 1890 vor einem neuen europäischen Krieg gewarnt: »Wehe dem, der Europa in Brand steckt, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert.«49 Die SPD-Führung rief für Dienstag, den 28. Juli, zu Anti-Kriegsdemonstrationen im ganzen Reich auf.50 Der Aufruf könnte als eine Reaktion auf die »patriotischen« Demonstrationen der letzten Tage verstanden werden. Erbost über die »antimilitaristischen Umtriebe« der »Sozen« drohte der Kaiser, die Führer »samt und sonders einsperren« zu lassen. Doch Reichskanzler von Bethmann Hollweg verfolgte eine andere Taktik.51 Sollte eine nationale Einheit jetzt erreicht werden, mussten diese Pläne aufgegeben werden. Vertreter der Sozialdemokratie wurden mehrfach in das Innenministerium eingeladen. Ihnen wurde versichert, dass auch die Regierung Frieden wollte, und daher wurden die geplanten Friedensdemonstrationen nicht unterdrückt. Die antideutsche Stimmung in Russland sei stark.52 In Brandenburg an der Havel hatte es schon am 27. Juli eine Protestversammlung um 20 Uhr im Volkshaus gegeben zu dem Thema »Krieg dem Kriege«. In dem Aufruf dazu hieß es: »Die Kriegsfurie ist entfesselt, und niemand kann sagen, ob sie nicht schon in kurzer Zeit versuchen wird, ganz Europa in Brand zu stecken. In dieser furchtbaren Situation ist es die heilige Aufgabe des sozialistischen Proletariats, mit aller Energie seine Macht für den Weltfrieden in die Waagschale zu werfen. Arbeiter, Parteigenossen, zeigt Euch als Hüter der Kultur und Menschlichkeit. Erscheint zu vielen Tausenden in unserer Volksversammlung. Liefert allen nationalistischen Schreiern und Geiferern durch eine gewaltige Kundgebung den Beweis Eurer unA m Vorabend des W eltkrieges   |   25

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erschütterlichen Friedensliebe! Arbeiter, Friedensfreunde, Männer und Frauen, auf zum Protest! Auf zur Demonstration gegen den Krieg und die Kriegshetzer!« Der Redner war Genosse Erich Baron, seit 1907 verantwortlicher Redakteur der Brandenburger Zeitung und Mitglied der Brandenburger Stadtverordnetenversammlung, der zum linken Flügel der SPD zählte. In den Arbeitervierteln im Norden und Osten Berlins fanden am 28. Juli 32 öffentliche Versammlungen in überfüllten Sälen statt.53 Es sollen bis zu 100.000 Menschen daran teilgenommen haben.54 Die sozialdemokratischen Sprecher gaben Österreich-Ungarn die Schuld an der Krise und verurteilten das Ultimatum an Serbien.55 Deutschland sollte seinen Verbündeten nicht unterstützen.56 Die Teilnehmer wurden aufgefordert, ins Zentrum der Stadt zu marschieren. Zwischen zehn und 30 Züge mit Tausenden Menschen bewegten sich auf das Stadtzentrum zu. Es wurde »Nieder mit dem Krieg« und »Es lebe die Sozialdemokratie« gerufen und gesungen. Trotz Polizeiblockaden und dem Einsatz von Pferden erreichten zwischen 1000 und 2000 sozialdemokratische Demonstranten das Ziel Unter den Linden, wo sie mitten auf der Straße marschierten, während Zuschauer Lieder wie »Die Wacht am Rhein« und »Heil dir im Siegerkranz« sangen. Die Arbeiter sangen die »Arbeitermarseillaise«. In ganz Deutschland soll es nach Angaben der SPD 288 Versammlungen in 160 Städten gegeben haben,57 an denen mehr als 750.000 Menschen teilnahmen.58 Am Mittwoch, dem 29. Juli, fanden in Luckenwalde und Potsdam Anti-Kriegs-Demonstrationen statt. Ab 18 Uhr sprach im Tivoli in Luckenwalde der Reichstagsabgeordnete Hermann Krätzig. Um 20.30 Uhr gab es im Friedrichsgarten in Potsdam eine »Große Protest-Versammlung«59. In einem Extrablatt des Vorwärts vom 31. Juli rief die SPD-Führung zu einer Massendemonstration »Für den Frieden, gegen die Kriegshetzer« am 2. August auf.60 Gleichzeitig wuchs die Bereitschaft der Arbeiterklasse, das Vaterland gegen die russische Autokratie zu verteidigen.61 Dann kam die Nachricht der russischen Mobilmachung, die auch auf die Sozialdemokraten wie ein Angriff wirkte. Für die Entscheidung der deutschen Sozialdemokratie, den Krieg zu unterstützen, war die russische Mobilmachung ausschlaggebend.62 In einer Erklärung begründete die SPD ihre Entscheidung: »Für unser Volk und seine freiheitliche Zukunft steht bei einem Sieg des russischen Despotismus, der sich mit dem Blute der Besten des eigenen Volkes befleckt hat, viel, wenn nicht alles auf dem Spiel. Es gilt, die Kultur und die Unabhängigkeit unseres eigenen Landes sicherzustellen.«63 Die Ereignisse in Berlin sowie der Standpunkt der SPD waren in Belzig von großer Bedeutung. Durch die Eisenbahn war die Hauptstadt näher gerückt. Berliner Zeitungen wurden in der Gegend gelesen. Sozialdemokraten lasen auch die Brandenburger Zeitung. Frauen aus dem Kreis waren in Berlin »in Stellung« und Menschen aus der Gegend verkauften regelmäßig ihre Waren auf Berliner Märkten. Außerdem war die Sozialdemokratie im Kreis Zauch-Belzig stark, ganz besonders in Belzig. 1898 kam die SPD im Reich auf 27,2  % der Stimmen bei der Reichstagswahl, in Belzig auf 34,7 %. 1903 erhielt die SPD in Belzig 40 % der Stimmen, im Reich 31,7 %.64 1907 verlor die SPD Stimmen und kam bei 26   |   1914

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der Reichstagswahl auf 28,9 % im Reich, in Belzig immerhin auf 29,3 % (in der Stichwahl auf 35,9 %).65 Bei der Reichstagswahl 1912, bei der im Reich die SPD 34,8 % der Stimmen erreichte und stärkste Partei im Reichstag wurde. In der Provinz Brandenburg vereinigte die SPD sogar 49,1 % der Stimmen auf sich. Im Kreis Zauch-Belzig unterlag der Kandidat der SPD mit weniger als 300 Stimmen dem konservativen Kandidaten, Oberregierungsrat a. D. Ulrich von Oertzen. Der Sozialdemokrat Ferdinand Ewald hatte in Belzig, Treuen­brietzen, Beelitz und Werder gewonnen. Mit wenigen Ausnahmen hatte der Sozialdemokrat aber in den Dörfern um Belzig herum wenig Rückhalt. Zum Beispiel in Ragösen erhielt der sozialdemokratische Kandidat nicht eine einzige Stimme. Seine Stärke war im Norden des Kreises, wo er Caputh, Dahme, Glindow und Lehnin mit großen Mehrheiten gewann. In Belzig siegte der Sozialdemokrat knapp. In der inzwischen eingemeindeten Sandburg hatte der Kandidat der Konservativen eine Mehrheit. Nimmt man die beiden Orte zusammen, blieb der Sozialdemokrat der Sieger. Möglich war dieser Erfolg trotz der eindeutigen Parteinahme des Kreisblatts, das am 6. Januar 1912 geschrieben hatte: »Bei der Lösung [der anstehenden Aufgaben] pflegt die Sozialdemokratie ihre Mitarbeit zu versagen. Darum ist die endliche Überwindung dieser Partei, deren Bestehen eine Gefahr bedeutet für die nationale Geschlossenheit unseres Volkes wie für die Erhaltung des politischen, geistigen und sittlichen Erbes unserer Väter, eine Lebensfrage für unser Vaterland. Wer sich das alles vor Augen hält, werde sich klar darüber sein, daß kein pflichtbewusster deutscher Mann am 12. Januar an der Wahlurne fehlen darf. Er kann auch nicht im Zweifel darüber sein, gegen wen er Front zu nehmen hat.« Am Tag vor der Wahl hieß es in einer Anzeige: »Die rote Flut steigt höher und höher. Es gilt, ihr einen unerschütterlichen und unübersteigbaren Damm entgegen zu setzen. Den festen Kern dieses Dammes muß die unwandelbare Treue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vaterland sein …« und man kam zu dem Schluss: »Also nur ein politisch Verblendeter kann einen Sozialdemokraten wählen.«66 Die lange verbreitete Ansicht, beim Ausbruch des Krieges habe allgemeine Kriegsbegeisterung geherrscht, scheint ein Produkt der Propaganda der kaiserlichen Regierung, der gelenkten Presse und der späteren nationalsozialistischen Propaganda zu sein. Die Reaktion auf den Ausbruch des Krieges war in der Tat differenzierter. Ein Augenzeuge in der Berliner Mitte sah nicht nur Begeisterung, sondern auch »viele Frauen mit verweinten Gesichtern … Ernst und Bedrücktheit … Kein Jubel, keine Begeisterung«. Ein Pfarrer im Berliner Arbeiterviertel Moabit notierte: »Das Volk denkt sehr real, und die Not liegt schwer auf den Menschen.«67 Die Kommentare im Kreisblatt verrieten ebenso wenig Kriegsbegeisterung: »Im deutsch-französischen Kriege 1870 brachte der August die Hauptschlachten bei Weitzenburg, Wörth und Spichern, dann Gravelotte, Bionville und Mars-la-Tour, bis das Drama mit der Katastrophe von Sedan seinen Abschluß fand. Hoffen wir, daß der diesjährige August ruhiger verläuft. Lieber als die Jagd auf Russen und Franzosen ist uns schon die auf den Rehbock, dessen Hauptblattzeit in den August fällt.« Schließlich war es Erntezeit: »Es ist heuer ein gutes Erntejahr, des Landmanns Fleiß wird belohnt. Wenn sich nur die Kriegswogen recht bald glätten und er in Frieden seine Scholle weiter bauen kann.« Und A m Vorabend des W eltkrieges   |   2 7

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dann wurde eine bedrohliche Wahrheit ausgesprochen: »Einer Volkszahl von 740 Millionen stehen 175 Millionen gegenüber.«68 Man hatte Angst vor dem Krieg. Schon am Montag, dem 27. Juli, und verstärkt am Dienstag gab es in Berlin einen »Run« auf die Sparkassen. Zwischen dem 23. Juli und dem 31. Juli fielen die Goldreserven der Reichsbank von 1356,6 Millionen Mark auf 1253,2 Millionen zurück.69 Das war ein Problem. Die Reichsbank musste ein Drittel des Wertes der sich im Umlauf befindlichen Banknoten mit Gold, Münzen oder Schatzbriefen decken. Bemühungen, Banknoten, die kleiner als 100 Mark waren, in Umlauf zu bringen, um Menschen den Gebrauch von Münzen abzugewöhnen, ernteten einen bescheidenen Erfolg. Am 1. August wurde dazu aufgerufen, bargeldlos zu bezahlen, damit kein Mangel an Bargeld entstünde. Auch die Lebensmittelgeschäfte wurden gestürmt und Vorräte angelegt, weswegen die Preise anstiegen. Am selben Tag rief der preußische Innenminister die Standesbeamten dazu auf, von Beginn der Mobilmachung Aufgebotsbefreiungen für Militärpflichtige, sofern beide Verlobte Deutsche waren, zu erteilen, um Nottrauungen zu ermöglichen.70 Wie überall in Europa gab es vor den Standesämtern des Landes lange Schlangen.71 »Der Absturz aus dem Frieden«72 beherrschte die Menschen im Kreis Zauch-Belzig. Am 31. Juli trafen die Mitglieder der Sanitätskolonne von Belzig noch einmal zusammen: »Alles ist begeistert. Kreisarzt Dr. Manthey bringt das Kaiserliche Hoch aus ›Heil dir im Siegerkranz‹ darauf gesungen.«73 In Beelitz standen viele Menschen auf der Straße und diskutierten in kleinen Gruppen. Menschen stürmten die Redaktionsräume der Beelitzer Zeitung und der Polizeiwache, um zu erfahren, ob der Kaiser die Mobilmachung schon verfügt hatte.74 Aus dem Dorf Rietz wird berichtet: »In den letzten Juliwochen machte sich die Unruhe, welche die politische Lage in allen Weltteilen hervorgerufen hatte, auch in unserer Gemeinde bemerkbar. Da die Mehrzahl der Einwohner, wie gewöhnlich im Sommer, nur die ›Treuenbrietzener Zeitung‹ las, erkundigte man sich oft bei den Lesern großer politischer Zeitungen nach der Lage. Immer drohender zog das Kriegsgewitter am politischen Himmel auf, ängstlicher wurden die Gemüter. Nach dem Feierabend standen die Leute gruppenweise beieinander und sprachen von dem bevorstehenden Krieg. Ältere Männer und Frauen erzählten von den Vorgängen in den Jahren des Krieges 1870/71.«75 Am 30. Juli um 13 Uhr meldete ein Extrablatt des Berliner Lokal-Anzeigers die Mobilisierung des gesamten deutschen Heeres. Zuvor hatte Reuters Depeschendienst die Teilmobilmachung Russlands gemeldet. Die deutsche Regierung veröffentlichte sofort ein Dementi, doch am selben Tag erklärte Russland die Generalmobilmachung. Die sozialdemokratische Presse hatte Zweifel an der Geschichte der Falschmeldung: »Es ist kaum daran zu zweifeln, daß das Extrablatt des als offiziös bekannten Blattes ein Werk der Kriegspartei war.«76 Schließlich standen alle Zeichen auf Mobilmachung. Am Nachmittag des 30. Juli wurden beurlaubte Soldaten telegraphisch zu ihrem Regiment zurückbeordert. Truppen wurden eingezogen und »ungewöhnliche Truppenbewegungen« beobachtet. Eisenbahnwaggons wurden für Militärtransporte zusammengestellt. Die Brandenburger Zeitung berichtete: »Auf sämtlichen Haupt- und Kleinbahnen kann man sich von der scharfen Über28   |   1914

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wachung aller Eisenbahnbrücken und sämtlicher anderer wichtiger Bauwerke überzeugen. Die Aufschrift an den Güterwagen: ›40 Mann, 6 Pferde‹ hat Aktualität erlangt – die Bahnen transportieren Soldaten und Kriegsmaterial, die Güter bleiben liegen. Die Beamten sind mit scharfgeladenen Karabinern versehen, und ihre Zahl ist so vermehrt worden, daß selbst an den kleinsten Brücken und Übergängen Posten aufgestellt sind. Die nach Frankreich und Rußland gehenden Züge werden streng überwacht … Betrachtet man die Verhaftungen wegen Spionage, die sprunghafte Preissteigerungen auf dem Lebens­mittelmarkt, die Börsenpanik, die vielfache Zurückweisung von Papiergeld, die wilde Sprache der Kriegspresse und allerlei andere bedenkliche Anzeichen, so wird man erkennen, daß wir nur noch um Haaresbreite vom Beginn des furchtbaren Weltkrieges entfernt sind!«77 Die Ausgabe des Kreisblatts vom 1. August 1914 war von dem Thema Krieg dominiert. Unter der Überschrift »Die russisch-französische Verschwörung« konnte man auf der ersten Seite die Behauptung lesen: »Diese großserbische Agitation ist aber offenkundig seit 1908 von russischen Agitatoren und von den offiziellen Vertretern Rußlands in Belgrad nicht nur gefördert, sondern geleitet worden …«78 Die Schlagzeile der Brandenburger Zeitung am selben Tag lautete: »Deutschland im Kriegszustand«.79 Am ersten Augusttag verfügte der deutsche Kaiser die Generalmobilmachung, die am darauffolgenden Tag begann. Russland wurde der Krieg erklärt. Aus sowohl innen- als auch außenpolitischen Gründen – in der Hoffnung, die Unterstützung der Sozialdemokratie zu erhalten – hatte die deutsche Führung die russische Mobilmachung abgewartet. Doch als die Russen nicht auf das Ultimatum der Deutschen, in dem Russland aufgefordert wurde, die Mobilmachung rückgängig zu machen, reagierten und der Schlieffen-Plan in Gang gesetzt wurde, gab es kein Zurück mehr. Plötzlich schwenkte auch die sozialdemokratische Presse auf Kriegskurs. Am 31. Juli hieß es in der Brandenburger Zeitung geheißen: »Nieder mit dem Krieg!«80 Am 1. August las man: »Das Proletariat hat seinen Friedenswillen aus tiefstem Herzen millionenfach kundgegeben. Nun sind die Ereignisse über uns hinweggegangen. Das entsetzlichste Völkermorden, das die Welt jemals gesehen, wird in einigen Tagen, vielleicht schon binnen wenigen Stunden beginnen. Jetzt helfen keine Worte mehr, kein Debattieren über die Schuldigen! Der Feind steht vor der Tür. Und kein Mensch in Deutschland will eine Niederlage, keiner ein Vordringen des ruchlosen Zarentums. … Das deutsche und das ganze internationale Proletariat hat den Krieg nicht gewollt und ihn verabscheut aus tiefstem Herzen. Aber es kennt keine Furcht. Unser letztes Menschheitsideal kann auch nicht in einem Meer von Blut ertränkt werden. Schon taucht hinter allen Greueln der Verwüstung eines Weltkrieges das Bild eines freien deutschen Volkes im Bunde mit allen großen Kulturvölkern auf während die rauchenden Trümmer eines blutbefleckten Zarenthrones versinken … Durch Nacht zum Licht! In dieser Zuversicht halten wir auch dem Einsetzen eines Weltkrieges stand. Für die Zukunft leben und kämpfen wir!«81 Die Schlagzeile der Brandenburger Zeitung vom 3. August lautete: »Rußland hat den Krieg eröffnet«.82 Am 12. August fragte die Schlagzeile: »Soll Europa kolakisch werden?«83 A m Vorabend des W eltkrieges   |   29

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Zwischen 18 und 20 Uhr am 1. August erreichte die Nachricht der Mobilmachung Belzig und Umgebung. Die Kirchenglocken läuteten, um der Bevölkerung die Nachricht zu verkünden. In den meisten Dörfern der Umgebung war es der Gemeindediener mit seiner Glocke, der den Menschen die Nachricht brachte. Zu der Zeit hatten die Gemeindediener in den Straßen ihre festen Plätze. In Reetz läutete Gemeindediener Schröter seine Glocke gegen 18 Uhr, um die Mobilmachung bekannt zu geben. Im Dorf Lütte läuteten die Glocken. Der Ausrufer, der Barbier Paul, gab die Mobilmachung bekannt und lud die Männer in den Gasthof des Wirts Hermann ein. Der Pastor leitete die Versammlung, die mit einem Kaiserhoch begann. Lehrer Karl Kremzow verlas die Mobilmachungsurkunde. Er berichtete später: »Unsere Reservisten, Wehrmänner und Landstürmer waren sehr gefasst, wie es die Starken sind, die des Sieges gewiß sind oder doch entschlossen, in Ehren zu sterben für Weib und Kind, für König und Vaterland. Noch lange tönten die vaterländischen Weisen an mein Ohr.«84 Im Dorf Rietz stieg am 31. Juli » die Erregung aufs Höchste. Am Sonnabend, d. 1.8., sah man mit einer gewissen bleiernen Ruhe den kommenden Ereignissen entgegen. Viele Reservisten wurden zu einer 56-tägigen Übung einberufen.«85 Der Mobilmachungsbefehl traf dort gegen 20 Uhr ein. »Am Abend dieses Tages wurden schon wilde, natürlich unwahre Gerüchte über Kavalleriekämpfe an den Grenzen verbreitet. Auch sprach man von Spionen, die ehrlichsten Leute wurden mit Verdächtigungen beschmutzt. So machen sich die seltsamsten Gespräche über den königlichen Förster Redetzki in Lüdendorf breit. Ganz besonders wuchs die Aufregung, als man überall feindliche Autos gesehen haben wollte.«86 Schon am 2. August mussten die einberufenen Pferde mit Geschirr und Wagen um 7 Uhr in Beelitz sein. Sechs Rietzer fuhren mit ihren Pferden nach Beelitz. Zwei davon lieferten auch Geschirr. »Tragende Pferde wurden zurückgestellt. Die Pferde wurden von einer Kommission abgeschätzt und durchweg gut bezahlt.«87 Aus Stücken hieß es: »Es ist kein Zweifel, die Gewalt der Stoßkraft unsres Heeres hängt von dem Geist ab, der die Truppe beseelt. Die Begeisterung ist herrlich. Das Beste aber ist, daß sie nicht flackerndes Strohfeuer ist, sonder aus den Tiefen des Gemütes kommt und neben sich den großen Ernst hat, der der Lage ziemt. So darf man sich freuen, daß die ausziehenden Krieger mit ihren Verwandten Gotteshaus und Altar aufsuchen, um für Herz und Gemüt Festigkeit und Ruhe zu gewinnen. Am Sonnabend Abend [dem 1. August] folgte hier und in Fresdorf (noch von ½ 10 bis ½ 11 Uhr) eine große Schar dem Ruf der Glocken. Am Sonntag mußten schon um ½ 12 Uhr Einberufene fort. An Stelle der Gottesdienste traten Abendmahls- und Abschiedsfeiern in der Kirche.«88 Aus Michendorf: »Am Mobilmachungstage erschienen an einzelnen Zäunen die ersten blaugeschriebenen Plakate, mit Reißzwecken angepiekt: ›Mobilmachung! Sonntag, 2. August, erster Mobilmachungstag.‹ Der Gemeindevorsteher war telephonisch benachrichtigt worden. Da löste sich die Spannung. Alles eilte auf die Straße. Die Frauen weinten still vor sich hin. Ernst lag auf den Gesichtszügen der Männer. Man begann Abschied zu nehmen.«89 Als die Gerüchte über den Ausbruch des Krieges Treuenbrietzen erreichten, versammelte sich eine Menschenmenge vor dem Postgebäude und harrte dort bis in die späten 30   |   1914

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Kriegszeit (Leseprobe)  

Dieser Band erzählt anschaulich die Geschichte des Ersten Weltkriegs aus der Perspektive der kleinen Stadt Belzig, nahe Berlin, und ihrer lä...

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