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Landesklinik Teupitz (Hrsg.)
Landesklinik Teupitz
Geschichte – Architektur – Perspektiven
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Das vorliegende Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut der Universität Potsdam und dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv.
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
© be.bra verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2003 KulturBrauerei Haus S Schönhauser Allee 37, 10 435 Berlin www.bebraverlag.de info@bebraverlag.de Lektorat: Christian Härtel, be.bra verlag, Berlin Gesamtgestaltung: hawemannundmosch, bureau für gestaltung, berlin Schrift: Walbaum 9,5 pt, DIN Mittelschrift Druck und Bindung: Bosch Druck GmbH, Landshut ISBN 3-89809-037-X
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Inhalt
Zum Geleit
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Dieter Hübener
»Die Architektur soll die erziehliche und ärztliche Thätigkeit unterstützen…«
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Der Baumeister Theodor Goecke Otto von Manteuffel
Die neue Landes-Irrenanstalt in Teupitz
9
Reprint Kristina Hübener und Wolfgang Rose
Planung und Bau der Heil- und Pflegeanstalt durch Theodor Goecke
23
Kristina Hübener und Wolfgang Rose
Umbauten und Umnutzung der Landesanstalt 1910 bis 1945
45
Sabine Witt
Vom Patienten zum »Euthanasie«-Opfer
63
Der Künstler Paul Goesch (1885 – 1940) Wolfgang Rose
Brüche und Kontinuitäten
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Die Landesanstalt 1945 bis 1964 Peter Runge
Von der Nervenklinik zur Landesklinik
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Inhalt
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Frauke Förster
»… und treffe bei der Arbeit meine Familie«
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Als Pflegekraft in der Nervenklinik Teupitz Ende der 70er Jahre Doris Havenstein
Zwölf Jahre Landesklinik Teupitz
123
Eine kurze Zeit mit großen Veränderungen Martin Heinze
Die heutige Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
129
Jürgen Woitkuhn
Der Fachbereich für sozialpsychiatrische Rehabilitation
141
Jürgen H. Faiss
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Die Klinik für Neurologie und Neurophysiologie mit Stroke Unit und Schlaflabor
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Die Autoren
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Abbildungsnachweis
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Inhalt
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Zum Geleit
Das ruhige Städtchen Teupitz bot sich 1903 für das Vorhaben, psychisch und geistig Behinderte und Kranke in Anstalten zu betreuen, geradezu an. Eingebettet in die malerische Landschaft am Teupitzer See entstand eine für die damalige Zeit vorbildliche Anlage, in der »alle Errungenschaften der modernen Hygiene in ästhetisch schönen Bauformen« zur Anwendung kamen. Die einzelnen Häuser waren über ein ausgedehntes Areal verteilt. Die schönen Land-Wohnhäuser lagen weiträumig und luftig im Grünen, und ließen nicht auf den ersten Blick ein Krankenhaus vermuten. 1908, zur Eröffnung der Anstalt in Teupitz, druckte die Provinzialverwaltung mit Stolz eine »Festschrift« unter Herausgabe des amtierende Landesdirektors Otto von Manteuffel, die den ersten reinen Pavillonbau einer Provinzialirrenanstalt in Brandenburg und seinen Erbauer, den Provinzialkonservator Prof. Theodor Goecke, reichhaltig darstellte und würdigte. Ein Charakteristikum der Goeckeschen Architektur war – wie Albert Hofmann 1919 im Nachruf zum Baumeister treffend feststellte – weniger der künstlerische Vorzug sondern die Zweckmäßigkeit der Bauten, ein Grundsatz, der sich schon bei Schinkel finden lässt. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaute psychiatrische Anstalt in Teupitz, besteht nun fast 100 Jahre und ist als Klinik seit nunmehr zwölf Jahren dem Land Brandenburg zugehörig. Wie alle psychiatrischen Großkrankenhäuser hat auch diese Einrichtung eine sehr wechselvolle Geschichte erfahren. Nachdem sie im Ersten Weltkrieg als Reservelazarett genutzt wurde, kam es in den Inflationsjahren 1922/23 zur zeitweiligen völligen Schließung. Ein dunkles Kapitel war die Einbindung in das »Euthanasie«-Programm der Nationalsozialisten als Zwischenanstalt. 1941/42 wurde die Anstalt erneut ein Reservelazarett, bis zur Teilung und Nutzung des größeren Teils als russisches Militärhospital nach 1945.
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Das vorliegende Buch ist ein Projekt der Landesklinik Teupitz, das in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut der Universität Potsdam und dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv realisiert wurde. Der Band bekommt eine besondere Bedeutung durch den Reprint der »Manteuffel-Festschrift« aus dem Jahr 1908 und die zahlreichen Faksimiles sowie die bisher unveröffentlichten Karten und Pläne. Die Landesklinik Teupitz stellt in dem vorliegenden Buch das Haus und seine Tradition in Bezug zu fast einem Jahrhundert Psychiatriegeschichte dar. Gleichzeitig mit der Entstehungsgeschichte erhält der Leser Kenntnis über die Entwicklung des Hauses bis zur Umstrukturierung 1990/91 und zum Umbau zur modernen Fachklinik. Der Einblick in das aktuelle medizinische Leistungs- und Therapieangebot bereichert die Darstellung ebenso, wie die von Harald Birck gefertigten Fotografien. In einer Zeit mangelnden Geschichtsbewusstseins, im Umfeld einer ungesicherten Zukunft, vermittelt diese Besinnung auf die eigene Geschichte Sicherheit und Gelassenheit für das aktuelle Handeln. Allein aus diesem Grunde gilt Dank und Anerkennung der Initiative für dieses Buch. Ich wünsche dem Buch einen interessierten Leserkreis.
Cottbus im März 2003
Paul Meusinger Präsident des Landesamtes für Soziales und Versorgung Land Brandenburg
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»Die Architektur soll die erziehliche und ärztliche Thätigkeit unterstützen...« 1
Der Baumeister Theodor Goecke
Als die neue Landesirrenanstalt Teupitz im Herbst 1908 ihrer Vollendung entgegensah, wurde die anstehende offizielle Eröffnung von ministerieller Seite zum Anlass genommen, den für die Entwürfe und Oberbauleitung verantwortlichen Architekten Theodor Goecke für eine »Allerhöchste Auszeichnung« vorzuschlagen. Der Minister des Innern begründete seinen Antrag vom 3. Oktober auf Verleihung des Königlichen Kronen-Ordens III. Klasse mit folgenden Worten: »War früher Regierungsbaumeister und steht seit 1891 im Dienst der Brandenburgischen Provinzialverwaltung. Er ist ein hervorragender Architekt, dessen Leistungen stets allseitige Anerkennung gefunden haben. Seine zahlreichen Anstaltsbauten zeichnen sich bei aller Einfachheit durch künstlerischen Geschmack und zweckentsprechende Gediegenheit aus. Dies gilt insbesondere von seinem Hauptwerk, der nunmehr vollendeten, für 1.200 Kranke bestimmten »Die Architektur soll die erziehliche und ärztliche Thätigkeit unterstützen...«
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Theodor Goecke (1850–1919).
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Landesirrenanstalt Teupitz. Nebenamtlich liest er an der technischen Hochschule über Städtebau. Er bekleidet außerdem das Amt eines Provinzialkonservators. Die Minister der öffentlichen Arbeiten und der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten sind mit dem Antrage einverstanden.«2 Der über seine jüngste Leistung – die Teupitzer Anlage – hinaus auch wegen der Bewältigung einer ungewöhnlichen Aufgabenfülle dann tatsächlich Gewürdigte konnte zu diesem Zeitpunkt auf 34 vielfältige und erfolgreiche Dienstjahre zurückblicken.3 Am 19. Mai 1850 in Emmerich am Rhein geboren, besuchte Theodor Goecke zunächst das Realgymnasium in Düsseldorf. Daran schloss sich ein Architekturstudium an den Technischen Hochschulen in Aachen und Charlottenburg an, denen er auch in der Folgezeit in unterschiedlichem Maße verbunden bleiben sollte. 1876 erhielt er den Titel eines Regierungsbauführers, drei Jahre später wurde er Assistent an der Aachener Hochschule. 1885 ließ sich Goecke, nach bestandener Prüfung Regierungsbaumeister, in Duisburg als Privatarchitekt nieder. Diese Aufgabe nahm er allerdings nur relativ kurze Zeit wahr. Anfang der 90er Jahre schließlich verließ er seine rheinische Heimat, um fortan auf Dauer Verantwortung in der brandenburgischen Provinzialverwaltung zu übernehmen. Hier bot sich dem Architekten und nunmehrigen Verwaltungsbeamten ein reiches Betätigungsfeld. Zu seinen frühen Werken in der neuen Region zählt das Dieter Hübener
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1891 neben dem Landeshaus errichtete viergeschossige Gebäude der Invaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalt der Provinz Brandenburg in Berlin. Goecke selbst allerdings beschrieb den Bau aufgrund der Einrichtung und der allgemeinen Bedeutung für das öffentliche Leben eher als ein »Werk der Bautechnik und nicht der Baukunst«. Fast entschuldigend mutet seine Erklärung dafür an: »Für die künstlerische Gestaltung öffentlicher Nutzbauten ist eben der abgerissene Faden geschichtlicher Entwicklung noch nicht wieder angeknüpft worden.«4 Innerhalb seines Arbeitsgebietes in der Bauverwaltung widmete er sich vornehmlich einem Bereich, in dem es im Verlaufe des 19. Jahrhunderts enorme Aktivitäten gab: dem Krankenhaus- und Anstaltsbau. Das Krankenhaus in seiner modernen Form entwickelte sich in dieser Zeit nicht zuletzt deshalb zur dominierenden medizinischen Behandlungsinstitution, weil Mediziner maßgeblich an der Planung der Neubauten beteiligt wurden. Deren neuen Erkenntnisse über Bedingungen der Infektion, über anti- und aseptische Methoden mündeten unmit»Die Architektur soll die erziehliche und ärztliche Thätigkeit unterstützen...«
Neuruppin, 1897 eröffnet.
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Invaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalt der Provinz Brandenburg in Berlin.
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telbar in Bauprogramme der entwerfenden Architekten. Die wachsenden funktionalen Anforderungen in medizinischer, sanitärtechnischer und betriebswirtschaftlicher Hinsicht erforderten u. a. neuartige Grundrisslösungen, die Gruppierung der Baukörper unter stärkerer Berücksichtigung der Himmelsrichtungen und technische Innovationen, die den Einsatz neuer Materialien einschlossen. Die Dynamik im Krankenhausbau wurde in erster Linie quantitativ sichtbar: Die Zahl der Krankenhäuser einschließlich der Heil- und Pflegeanstalten erhöhte sich in Deutschland von 1876 bis 1900 um mehr als das Doppelte auf 6.300, die Zahl der Betten stieg gleichzeitig von 140.900 auf 370.000.5 Allein in den preußischen Krankenanstalten wuchs die Bettenzahl innerhalb der letzten 15 Jahre des 19. Jahrhunderts von 109.934 auf 214.320 an.6 Theodor Goecke nahm an diesem »Boom« fast drei Jahrzehnte theoretisch wie praktisch teil. Den baulichen und strukturellen Wandel des Krankenhauses hin zum dezentralen Anlagesystem begleitete er kritisch-konstruktiv mit zahlreichen publizisDieter Hübener
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tischen Beiträgen, in denen nicht selten eigene Entwürfe vorgestellt wurden. In einer speziellen Betrachtung der Mitte der 90er Jahre existierenden »Ausbildungsstätten für Schwestern zur Pflege im Felde verwundeter oder erkrankter Krieger« etwa bemängelte Goecke die bisherige Lösung der besonderen Bauaufgabe des Lehrkrankenhauses: »Die älteren, etwa bis zum Ausgange der achtziger Jahre entstandenen Anlagen unterscheiden sich wenig von gewöhnlichen, d. h. von Anstalten, die eben nichts weiter sein wollen als Krankenhäuser, und zwar sind, gerade so wie bei diesen, die größeren in offener Bauweise mit einzelnen Gebäuden, die kleineren in geschlossener Bauweise mit einem Längsflur ausgeführt worden. Das Schwesternheim wurde dann einfach in das Verwaltungsgebäude, beziehungsweise in ein Krankengeschoss eingeschoben.«7 Der zum Landesbauinspektor avancierte Goecke mahnte eine größere individuelle Ausgestaltung weg vom »früher üblichen Kasernierungsgedanken« an und verwies auf Beispiele wie das nach seinen Entwürfen in den Jahren 1894/95 errichtete, vom Brandenburgischen Verband der Vaterländischen Frauenvereine zu Eberswalde gestiftete Auguste-ViktoriaHeim.8 Der zweigeschossige Bau in Sichtziegelmauer»Die Architektur soll die erziehliche und ärztliche Thätigkeit unterstützen...«
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werk zeichnete sich durch einen annähernd T-förmigen Grundriss aus. Im Zentrum beherbergte er die Verwaltung, das Treppenhaus und das Operationszimmer, während in den seitlich anschließenden zwei ungleich langen Flügeln die Kranken (östlich) und die Schwestern (westlich) untergebracht waren. Nach Fertigstellung des Gebäudes legte der Baumeister mehrfach seine grundsätzlichen Ansichten über die gesellschaftliche Aufgabe der Architektur hinsichtlich der Wohlfahrts- bzw. Krankenhausbauten in der Fachliteratur dar. So bemängelte er die seiner Auffassung nach offensichtliche Diskrepanz zwischen Wollen und Können in der künstlerischen Ausführung und forderte: »Soll man schon für den Gesunden und Heilen so bauen, dass er sich glücklich fühle im Hause, um wie viel mehr muss man dies thun für den Kranken und Gebrechlichen, der sein Unglück im vielfältigen Spiegelbilde von Seinesgleichen sieht.«9 Diesem Credo fühlte sich Theodor Goecke, wie seine Bauten belegen, bis an sein Lebensende verpflichtet. Die gerade in den Heil- und Pflegeanstalten vorherrschend gewordene offene Bauweise betrachtete er dabei als durchaus geeignet. Das Pavillonsystem war für ihn eine »Lösung, die in engster Umbauung des Bedürfnisses zunächst Raum erspart und doch die breiteste Möglichkeit gewährt, nachher Erweiterungen vorzunehmen... Unter dem Ansturm so vieler Schwierigkeiten, die technisch zu über14
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winden waren, hat bisher nur die Kraft versagt, sie auch noch künstlerisch zu bewältigen.«10 Theodor Goecke verhehlte jedoch auch nicht seine Sympathie für das kleine »allgemeine« Krankenhaus insbesondere im ländlichen Raum, dessen Vorzüge er vor allem in der schnelleren und leichteren Erreichbarkeit durch die Erkrankten und die günstigere betriebswirtschaftliche Versorgung sah. In seinem Plädoyer für die Beibehaltung der Bauanlage des kleinen Krankenhauses wies er darauf hin, dass auch angesichts knapper Kassen die unscheinbar wirkende Nutzbau-Aufgabe mit künstlerischem Anspruch zu lösen wäre: »Es kommt nur, wie beim Bauern- und Bürgerhause unserer Vorfahren auf die poetische Weise an, in der das praktische Bedürfnis befriedigt wird. Eine solche Auffassung führt unmittelbar zu dem in einfachen Formen sich bewegenden ländlichen Gruppenbau. Dieses bescheidene Maass von Kunst ist aber auch nothwendig, wenn das kleine Krankenhaus sozialen Erfolg haben soll. Ganz abgesehen von dem Einflusse einer anheimelnden Umgebung für jeden Kranken als einem Heilmittel muss eben der Geist menschenfreundlicher Hilfsbereitschaft das Haus durchleuchten – mit einer rein materiellen Abfindung nach dem Buchstaben des Gesetzes wäre hier wie überall nur wenig gethan.«11 Diese Position vertrat Goecke auch in der Diskussion um die in Preußen geplante Verordnung über den Bau und die Einrichtung von Krankenhäusern, die auf dem »Entwurf »Die Architektur soll die erziehliche und ärztliche Thätigkeit unterstützen...«
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zu einer Polizei-Verordnung über Anlage, Bau und Einrichtung von öffentlichen und Privat-Kranken-, Entbindungs- und Irren-Anstalten« aus dem Jahre 1895 basierte.12 Theodor Goeckes praktisches Wirken im Anstaltswesen bescherte der Provinz Brandenburg zahlreiche Zeugnisse. 1893 bis 1897 entstand nach Plänen des Landesbaurats und Provinzialkonservators Gustav Bluth unter Beteiligung Goeckes die Irrenanstalt Neuruppin, ein nahezu symmetrisch angelegtes Pavillonsystem, bestehend aus langgestreckten zweigeschossigen Putzbauten mit historistischer Fassadengliederung. Neben der Erweiterung bereits bestehender Irrenanstalten wie in Landsberg a. W., Sorau, Lübben und Eberswalde war Goecke auch mit Entwürfen für neue Anlagen in Teupitz und Brandenburg-Görden sowie Lungen-Heilstätten befasst.13 Bei Letzteren handelte es sich nach seinem Verständnis um »Heilanstalten zur allgemeinen Volkswohlfahrt«, in denen weitverbreitete Krankheiten oder Seuchen, wie Skrophulose, Neurasthenie und vornehmlich Tuberkulose bekämpft werden sollten. Daraus resultierten spezielle Anforderungen an die Einrichtung derartiger Anlagen. 1898 bis 1900 wurde in der Cottbuser Stadtforst bei Kolkwitz eine Heilstätte für lungenkranke Frauen errichtet, für die Theodor Goecke Erfahrungen der Anstalten am Grabowsee bei Oranienburg und aus dem oberschlesischen Losslau nutzte.14 Im »Charakter eines Gasthauses« entstand ein mehrgliedriger, symmetrisch aufgeführ16
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ter Baukörper mit flach-dreiseitig geknickter Grundform: ein dreigeschossiges Hauptgebäude, dessen Loggien in den Obergeschossen als Windschutz für die vor ihm aufgeführte offene Gartenanlage fungierten, seitlich anschließende Liegehallen und nach Norden zwei niedrigere den Bau fortsetzende Flügel, so dass eine hufeisenförmige, den Vorhof einschließende Anlage gebildet wurde. Der weiter nördlich gelegene Wald wurde parkartig gestaltet. Bei der 1902 bis 1904 errichteten Anlage in Hohenelse bei Rheinsberg, ein- bis dreigeschossige, teilweise verputzte Ziegelbauten, verzichtete Goecke dagegen bewusst auf Axialität und Symmetrie. Diese wurden wieder relevant bei der 1914 –16 zur Entlastung der Heilanstalten errichteten Pflegeanstalt Treuenbrietzen. Westlich des bestehenden Wanderarbeitsheimes ordnete Goecke hufeisenförmig um einen gärtnerisch gestalteten Platz zweigeschossige Putzbauten an: im Süden ein Lazarett, seitlich zwei Siechenhäuser. Den nördlichen Abschluss der einheitlichen Baugruppe bildete schließlich das Verwaltungs- und Betriebsgebäude.15 »Die Architektur soll die erziehliche und ärztliche Thätigkeit unterstützen...«
Querschnitt durch das Hauptgebäude der Lungen-Heilstätte »Brandenburg« bei Kolkwitz.
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Kirche der Landesanstalt Görden.
Theodor Goeckes Tätigkeit erschöpfte sich durchaus nicht in der Tätigkeit als leitender Baubeamter und Architekt. 1896 nahm er erstmalig an der Technischen Hochschule Charlottenburg eine Lehrtätigkeit als Privatdozent auf. Im März 1904 wurde der Öffenlichkeit amtlich mitgeteilt, dass ihm als Landesbaurat das »Prädikat Professor beigelegt worden« war.16 In dieser Zeit gründete Goecke zusammen mit dem von ihm verehrten Camillo Sitte die Zeitschrift »Der Städtebau«, die ein geschätztes 18
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Forum für die Vorstellung und Diskussion städtebaulicher Fragen wie auch der Denkmalpflege und des Heimatschutzes wurde. Da Sitte noch vor Erscheinen des ersten Heftes verstarb, übernahm Goecke die Aufgabe als alleiniger Herausgeber. Er war wesentlich an der Vorbereitung des Wettbewerbs zu einem Berliner Generalbebauungsplan 1910 und der Durchführung der Städtebauausstellung Groß-Berlin beteiligt, äußerte sich jedoch beispielsweise auch zu Themen wie »Hanseatische Städtebauchschmerzen».17 Mit dem 1. Januar 1908 erweiterte sich Goeckes Tätigkeitsfeld nochmals: Er übernahm das Amt des brandenburgischen Provinzialkonservators und die Schriftleitung des Denkmälerverzeichnisses. Unter seiner Ägide, die er mit außerordentlichem Engagement ausfüllte, erschienen die Kunstdenkmälerverzeichnisse der Provinz Brandenburg (Westprignitz 1909, Lebus 1909, Stadt und Dom Brandenburg 1912, Stadt Frankfurt an der Oder 1912, Westhavelland 1913, Weststernberg 1913, Ruppin 1914 sowie Luckau 1917). Ebenso war er für die Betreuung der Denkmale einschließlich der Konservierungs- und Wiederherstellungsarbeiten zuständig. Theodor Goecke verstarb nach schwerem Leiden am 15. Juni 1919 in Berlin. Im Nachruf des Zentralblatts der Bauverwaltung wurden Leben und Werk gewürdigt. Dort heißt es u. a.: »In seiner ausübenden Tätigkeit als Architekt der Provinzialverwaltung war ihm ein »Die Architektur soll die erziehliche und ärztliche Thätigkeit unterstützen...«
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weitreichender Einfluß auf die Bautätigkeit der Kreise und der Provinz gesichert ... Neben seiner Wirksamkeit in der Provinzialverwaltung suchte und fand er frühzeitig eine umfangreiche Schriftund Lehrbetätigung, die zeitweise eine solche Bedeutung und einen solchen Einfluß besaß, dass schon sein Name einen Leitgedanke darstellte...«18 Auch wenn Theodor Goecke vielleicht der große spektakuläre Entwurf verwehrt blieb, ist mit zeitlichem Abstand festzuhalten, dass die Anerkennung insbesondere seiner architektonisch und städtebaulich ansprechend gestalteten Anlagen sich nicht auf Zeitgenossen beschränkt. Nach einiger Zeit des Unbeachtetseins wächst das wissenschaftliche Interesse an seiner Biographie und seinen Werken. Beleg dafür sind Publikationen wie Ausstellungen, die den zumeist behutsamen Umgang der Gegenwart mit diesen baulichen Zeugnissen – erfreulicherweise in der Kontinuität der ursprünglichen Nutzung – dokumentieren.
1 Theodor Goecke: Sociale Aufgaben der Architektur. Die Architektur socialer Wohlfahrts-Anstalten, Fortschritte auf dem Gebiete der Architektur Nr.6, Ergänzungsheft zum Teil IV, Halbbd. 5, H. 5, H. 1 u. 2 des Handbuchs der Architektur, Darmstadt 1895, S. 51. 2 GStA PK, I. HA Rep. 89 Sign. 2.2.1 Nr. 24362, Bl. 96v+r, Bl. 97.
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3 Hier und nachfolgend: Dieter Hübener, Theodor Goecke, in: Brandenburgisches Biographisches Lexikon, hrsg. v. Friedrich Beck und Eckart Henning, Potsdam 2002, S. 144; ebenso Olaf Vogt, Theodor Goecke, Provinzialkonservator in Brandenburg von 1908 bis 1919, in: Brandenburgische Denkmalpflege, Jg. 4, H. 2, Berlin 1995, S.47 – 52 und Jens
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Fehlauer, Theodor Goecke und die Architektur socialer Wohlfahrts-Anstalten. Die Erweiterungsbauten der Provinzial-Irrenanstalt Eberswalde (1905–1911), in: Architektur und Psychiatrie im Wandel, hrsg. v. Angelika Grimmberger und Jens Fehlauer (= Schriftenreihe zur Medizin-Geschichte des Landes Brandenburg, Bd. 5), Berlin 2003, im Druck. Jens Fehlauer ist für die Einsichtnahme in sein noch unveröffentlichtes Manuskript zu danken. 4 Theodor Goecke, Das Gebäude der Invaliditäts- u. Altersversicherungs-Anstalt der Provinz Brandenburg in Berlin, in: Deutsche Bauzeitung, XXVI Jg., Nr. 89 v. 5. November 1892, S. 541f., Zitat S. 542. 5 Vgl. Axel Hinrich Murken, Vom Armenhospital zum Großklinikum. Die Geschichte des Krankenhauses vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, 2. Aufl., Köln 1991, S. 141. Siehe auch Heinz Goerke, Personelle und arbeitstechnische Gegebenheiten im Krankenhaus des 19. Jahrhunderts, in: Hans Schadewaldt (Red.), Studien zur Krankenhausgeschichte im 19. Jahrhundert im Hinblick auf die Entwicklung in Deutschland (= Studien zur Medizingeschichte im Neunzehnten Jahrhundert, Bd. 7), Göttingen 1976, S. 63. 6 Georg Reimer, Rezension zu H. Albrecht und A. Guttstadt, Krankenhauslexikon für das Deutsche Reich, Berlin 1900, in: Deutsche medizinische Wochenschrift, Jg. 49, Berlin 1923, S. 451 und C.-R. Prüll, Paternalismus, Herrschaftswissen, Teamarbeit –
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Wandlungen der Krankenhaus- und Klinikstruktur seit 1900, in: Deutsche medizinische Woschenschrift, Jg. 125, Berlin 2000, S. 372f. 7 Theodor Goecke, Das deutsche Krankenhaus vom Rothen Kreuz, in: Der Architekt, Jg. 2, Wien 1896, S. 9f., Zitat S. 9. 8 Theodor Goecke, Neubauten einiger Wohlfahrts-Anstalten in der Provinz Brandenburg, in: Deutsche Bauzeitung, XXX. Jg., Nr. 14 v. 15. Februar 1896, S. 85 – 89, hier S. 86; ebenso ders., Die Bauanlage des kleinen Krankenhauses, in: Deutsche Bauzeitung, XXXI. Jg., Nr. 64 v. 11. August 1897, S. 401f.; Nr. 65 v. 14. August 1897, S. 406–410, hier S. 409f. 9 Theodor Goecke: Sociale Aufgaben der Architektur. Die Architektur socialer Wohlfahrts-Anstalten, S. 49. 10 Ebd., S. 47. 11 Die Bauanlage des kleinen Krankenhauses, S. 410. 12 Vgl. Polizeiliche Anforderungen an den Bau und die Einrichtung von Krankenhäusern in Preussen, in: Deutsche Bauzeitung, XXXI. Jg., Nr. 31 v. 17. April 1897, S. 194–196. Dazu Theodor Goecke in: Ebd., Nr. 35 v. 1. Mai 1897, S. 223. 13 Siehe u. a. Offen für Veränderung. Von der Korrigendenanstalt zur modernen Fachklinik. 125 Jahre Psychiatrieentwicklung in Lübben. Katalog zur Ausstellung vom 21. Juni bis 15. September 2001, hrsg. von der Landesklinik Lübben in Verbindung mit dem brandenburgischen Landeshauptarchiv
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und dem Historischen Institut der Universität Potsdam, Berlin 2001 und Gropius in Eberswalde. Der Martin-Gropius-Bau der Landesklinik Eberswalde, hrsg. von der Landesklinik Eberswalde, Berlin 2002. Ebenso Kristina Hübener und Wolfgang Rose, »... eine Stadt für sich ...« – Bau und Nutzungsgeschichte der Landesklinik Teupitz, in: Brandenburgs Landeskliniken in staatlicher Hand. Geschichte-Gegenwart-Zukunftsperspektiven (= Schriftenreihe zur Medizin-Geschichte des Landes Brandenburg, Bd. 1) Potsdam 2001, S. 85 – 102. Beatrice Falk und Friedrich Hauer, » ... schönste und zweckmäßigste provinziale Anstalt« – Aus der Historie der Landesklinik Brandenburg. Aspekte ihrer Bau- und Nutzungsgeschichte, in: ebd., S. 35 – 50 und Draußen auf dem Görden. Eine Zeitreise durch die Geschichte der Lan-
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desklinik Brandenburg in Wort und Bild, hrsg. von der Landesklinik Brandenburg, Berlin 2002. 14 Vgl. Theodor Goecke, Heilstätten und Heilanstalten, in: Deutsche Bauzeitung, XXXV. Jg., Nr. 82 v. 12. Oktober 1901, S. 508 – 511, Nr. 83 v. 16. Oktober 1901, S. 513 – 515. 15 Vgl. Ders., Siechenanstalt zu Treuenbrietzen, in: Berliner Architekturwelt, 20. Jg., Berlin 1918, S. 172 – 181. 16 Zentralblatt der Bauverwaltung, XXIV. Jg., Nr. 21 v. 12. März 1904, S. 133. 17 Vgl. Theodor Goecke, Hanseatische Städtebauchschmerzen, in: Der Städtebau, 8. Jg., Berlin 1911, S. 70f. 18 E. J. Siedler, Theodor Goecke, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 39. Jg., Berlin 1919, S.321.